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Ueber das Wesen der Nerventhätigkeit: Skizze eines am 8. März 1858 in Brünn im k. städtischen Redoztensaale abgehaltenen Vortrags

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{"created":"2022-01-31T16:02:35.343537+00:00","id":"lit16313","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften in zwei B\u00e4nden, Zweiter Band: Popul\u00e4re Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften in zwei B\u00e4nden, Zweiter Band: Popul\u00e4re Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, 145-156. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0145.txt","language":"de","ocr_de":"TJeber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\n[Skizze eines am ft. Marz IS\u00f6ft in Br\u00fcnn im k. st\u00e4dtischen Redoutensaale abgehaltenen Vortrags, \u00bbWiener Zeitung\u00ab vom 26. und 27. M\u00e4rz 1858.]\nIch beabsichtige im Folgenden die Resultate von Untersuchungen kurz vorzuf\u00fchren, welche sowohl durch die Bedeutung ihres Gegenstandes als durch die Exactheit ihrer Methode das lebhafteste und allgemeinste Interesse in Anspruch nehmen d\u00fcrften.\nEs handelt sich um die Gewinnung einer genaueren Einsicht in das eigentliche Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit bei den Vorg\u00e4ngen des animalen Lebens.\nEmpfindung und Willens\u00e4usserung \u2014 die beiden Elemente des animalen Lebens, welche uns mit der Aussenwelt in Beziehung setzen, indem wir durch die Empfindungen erfahren, was um uns vorgeht, durch unsere Willens\u00e4usserungen aber handelnd und ver\u00e4ndernd [in die Aussenwelt eingreifen \u2014 sind n\u00e4mlich an die Existenz gewisser materiellen Ver\u00e4nderungen der Nervensubstanz, welche wir Nervenerregung oder Reizung nennen, gebunden und kommen nur durch die Vermittelung des Nervensystems und der mit demselben zusammenh\u00e4ngenden Organe der Empfindung und Bewegung zu Stande. Das Ziel unserer Betrachtung ist also zu erfahren, was die Wissenschaft auf dem gegenw\u00e4rtigen Standpunkt ihrer fortschreitenden Entwickelung \u00fcber die Art dieser Vermittelung \u00fcberhaupt und \u00fcber das Wesen jener materiellen Ver\u00e4nderungen der Nervensubstanz. welche dem th\u00e4-tigen Zustand derselben entsprechen, insbesondere aussagen kann.\nIch verhehle mir nicht, dass mein Unternehmen ein gewagtes ist; denn obgleich der Sinn f\u00fcr Naturwissenschaft gegenw\u00e4rtig auch in weiteren Kreisen erwacht ist und immer mehr und mehr alle Schichten der Gesellschaft durchdringt, so f\u00fchlt sich doch gerade die sch\u00f6nere H\u00e4lfte unseres Geschlechtes von dem strengen n\u00fcchternen Geiste der Naturforschung weniger angezogen als vielmehr unangenehm ber\u00fchrt. Ein gewisses heimliches Grausen beschleicht das zarter besaitete weibliche Gem\u00fctli. wenn der Schleier von den Geheimnissen namentlich\nCzermak, Schriften. II.\n10","page":145},{"file":"p0146.txt","language":"de","ocr_de":"146\nUeber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\nder menschlichen Natur mit der unerbittlichen Consequenz wissenschaftlicher Forschung weggerissen und dabei so manche liebgewordene Illusion zerst\u00f6rt wird.\nDer Aesthetiker und Historiker befinden sich dem weiblichen gebildeten Publikum gegen\u00fcber in einer weit g\u00fcnstigeren Lage als der Naturforscher. Sie m\u00f6gen welchen Gegenstand immer behandeln, man wird ihnen mit freudigen oder bangen Gef\u00fchlen, aber stets mit williger Theilnahme folgen; auch bed\u00fcrfen sie nur einer einfach aufnehmenden, mehr passiven Zuh\u00f6rerschaft.\nGanz anders der Naturforscher, wenn er das eigentliche Wesen materieller Vorg\u00e4nge erkl\u00e4ren will !\nDie Materie mit dem einf\u00f6rmigen Wirken (anziehender und ab-stossender Kr\u00e4fte, ohne wesentliche Mannigfaltigkeit als den d\u00fcrren Wechsel der Zahlenverh\u00e4ltnisse l\u00e4sst kalt, und so wie der Naturforscher nur etwas in die Tiefe seines Gegenstandes dringt, muss er das selbst-th\u00e4tige Denken und Vorstellen seiner H\u00f6rer in Anspruch nehmen. um verstanden zu werden.\nDie Nerven sind zwar ein leidlich interessanter, auch im gew\u00f6hnlichen gesellschaftlichen Leben vielfach besprochener Gegenstand. \u2014 \u00bbstarke Nerven, schwache Nerven, angegriffene Nerven\u00ab sind Worte, welche wir jeden Tag aus manchem sch\u00f6nen Munde h\u00f6ren k\u00f6nnen: \u2014 allein nicht in dieser oberfl\u00e4chlichen pikanten Richtung beabsichtige ich die Nerven zum Gegenst\u00e4nde meiner Betrachtung zu machen, sondern in der unendlich bedeutungsvollen, aber viel prosaischeren, wo die Nerven als ein mechanischer Apparat, als ein Werkzeug erscheinen, durch dessen Th\u00e4tigkeit das Zustandekommen der animalen Lebensvorg\u00e4nge vermittelt wird.\nUnd f\u00fcr diese Entt\u00e4uschung kann ich nicht einmal eine leichte unterhaltende Form der Mittheilung versprechen, sondern muss mir vielmehr eine nicht ganz kleine Anstrengung der Aufmerksamkeit des geneigten Lesers erbitten.\nWenn ich es trotz alledem unternehme, den angedeuteten Gegenstand an diesem Orte weitl\u00e4ufiger zu behandeln, so finde ich den Math dazu nur in der festen Ueberzeugung, dass Niemand, der nach wahrer, allgemeiner Bildung strebt, die Gelegenheit verschm\u00e4hen wird \u2014 selbst wenn dies nur mit einem gewissen Aufwande von angestrengterer Sammlung des Geistes m\u00f6glich w\u00e4re \u2014 eine Einsicht zu gewinnen in die Summe von neuen Vorstellungen, welche die fortschreitende Wissenschaft \u00fcber das eigentliche Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit zu Tage gef\u00f6rdert hat.\nIch nehme also getrost meinen Gegenstand in Angriff und lade","page":146},{"file":"p0147.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\n147\nden Leser ein. zun\u00e4chst einen fl\u00fcchtigen Blick auf den Bau des Nervensystems mit mir zu werfen.\nDasselbe besteht aus den sog. Central - Organen, dem Gehirn und R\u00fcckenmark, welche zusammenh\u00e4ngende Nervennrassen-Anh\u00e4ufungen darstellen und in besonderen kn\u00f6chernen Beh\u00e4ltnissen, dem Sch\u00e4del und R\u00fcckgratskanal, geborgen liegen, \u2014und aus den sog. peripherischen Nervenverzweigungen, welche, von Hirn und R\u00fcckenmark ihren Ursprung nehmend, als weisse Str\u00e4nge den K\u00f6rper durchziehen , um zu den Sinnesorganen, den Muskeln und den \u00fcbrigen von ihnen versorgten Theilen zu gelangen und daselbst ihr Ende zu finden.1\nSchon die oberfl\u00e4chlichste Untersuchung lehrt, dass Hirn und R\u00fcckenmark aus einer weissen und aus einer grauen Substanz zusammengesetzt werden, welche letztere verschiedene Nuancen zeigt. Das R\u00fcckenmark hat \u00e4usserlich weisse Substanz, scliliesst aber in seinem ganzen Verlaufe eine S\u00e4ule grauer ein, deren Configuration man am besten auf Querschnitten des R\u00fcckenmarks erkennt.\nDas Hirn besteht zum gr\u00f6ssten Tlieil aus weisser Substanz, ist jedoch \u00e4usserlich von einer d\u00fcnnen Lage grauer \u00fcberzogen und schliesst an verschiedenen Orten Anh\u00e4ufungen grauer Masse ein, welche theils Fortsetzungen der grauen S\u00e4ule des R\u00fcckenmarks, theils mehr selbstst\u00e4ndige Bildungen sind.\nWichtiger als die Beschreibung dieser Aeusserlichkeiten, welcher die \u00e4ltere Anatomie eine minuti\u00f6se, wenn auch unfruchtbare Sorgfalt zugewendet hat, ist die mikroskopische Zergliederung der Nervengebilde, um welche sich unser Landsmann, Prof. Pukkyn\u00e8, durch mehrere Entdeckungen bleibende Verdienste erworben hat.\nDie mikroskopische Zergliederung lehrt, dass die Nervensubstanz unter zwei verschiedenen elementaren Formen auftritt \u2014 als Nervenzelle und als Nervenfibrille.\nDie Nerven- oder Ganglienzellen sind \u00fcberaus kleine, rundliche, spindelf\u00f6rmige, kolbige oder unregelm\u00e4ssig eckige, mit meist mehrfachen fadenf\u00f6rmigen Verl\u00e4ngerungen versehene Bl\u00e4schen, welche einen eiweiss- und fetthaltigen, feink\u00f6rnigen Inhalt und ein eigenthiim-liehes kernartiges Gebilde einschliessen, w\u00e4hrend die N c r v e n fi b r i 1 -1 e n unendlich feine, bis mehrere Fuss lange R\u00f6hrchen darstellen, welche von einer z\u00e4hfl\u00fcssigen, eiweiss- und fetthaltigen, glashellen Masse erf\u00fcllt sind.2-\n1\tDer Vortragende demonstrate eine eigens zu diesem Zwecke von Dr. El-finger in Wien gemalte Darstellung des menschlichen Nervensystems.\n2\tEin zweites von Dr. Elfin gek gemaltes Tableau stellte eine Auswahl verschiedengestalteter Nervenzellen und Nervenfibrillen dar.\n10*","page":147},{"file":"p0148.txt","language":"de","ocr_de":"148\nlieber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkcit.\nErst in neuester Zeit ist es gelungen, (len schon von Pcrkynk geahnten Zusammenhang zwischen Nervenzellen und Nervenfibrillen und der Nervenzellen untereinander wirklich zu beobachten. Zu diesem Ende besitzen die Nervenzellen eben jene spindelf\u00f6rmigen Verl\u00e4ngerungen oder Strahlen, welche zum Theil in Nervenfibrillen \u00fcbergehen, zum Theil mit den Strahlen anderer Nervenzellen verschmelzen, zum Theil endlich nach mehrfacher Ver\u00e4stelung frei endigen m\u00f6gen. Die Nervenzellen stellen somit Knotenpunkte dar, durch welche weit auseinanderliegende Nervenbahnen in Zusammenhang gebracht werden. In der grauen Substanz der Centralorgane sind Tausende und abermals Tausende solcher Nervenzellen angeh\u00e4uft, welche untereinander zusammenh\u00e4ngend, zahlreichen Nervenfibrillen zum Ursprung dienen.1) \u2014 Die weisse Substanz ist ausschliesslich aus zahllosen dichtgedr\u00e4ngten Nervenfibrillen zusammengesetzt.\nDie peripherischen Nervenverzweigungen bestehen gleichfalls nur aus von faserigen Scheiden zusammengehaltenen B\u00fcndeln von Nervenfibrillen, und nur hie und da finden sich Gruppen zelliger Elemente eingestreut.\nDie feinere Structur der Centralorgane ist im h\u00f6chsten Grade verwickelt und complicirt, und ich w\u00fcrde ohne Noth erm\u00fcden, wollte ich dieselbe auch nur in ihren gr\u00f6bsten Umrissen skizziren.\nEs gen\u00fcgt, die Vorstellung gewonnen zu haben, dass Hirn und R\u00fcckenmark aus der Anh\u00e4ufung und planm\u00e4ssigen Anordnung unendlich vieler, mikroskopisch kleiner, discreter Formelemente hervorgehen , welche vielfach untereinander zusammenh\u00e4ngend ein Gewebe darstellen, wo \u2014 wie Mephisto vom Webermeisterst\u00fcck sagt :\n\u00bbEin Tritt tausend F\u00e4den regt\nDie Schifflein her\u00fcber hin\u00fcber schiessen,\nDie F\u00e4den ungesehen tiiessen,\nEin Schlag tausend Verbindungen schl\u00e4gt.\u00ab\nMan vollendet das Bild vom Bau des Nervensystems , wenn man sich hinzudenkt, dass bestimmte Abschnitte der Centralorgane B\u00fcndel von Nervenfibrillen aussenden, welche zu bestimmten Organen gelangend, diese mit jenen \u2014 wie Telegraphendr\u00e4hte \u2014 in Verbindung setzen.\nSo also ist der wunderbare Apparat beschaffen , welcher das Zustandekommen der Vorg\u00e4nge des animalen Lebens vermittelt.\n1 Ein drittes von Dr. Elfisgeb gemaltes Tableau erl\u00e4uterte diese Beschreibung durch die kolossale Darstellung eines mikroskopischen Scheibchens grauer Substanz.","page":148},{"file":"p0149.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\n149\nUeber die Art dieser Vermittelung l\u00e4sst sich im Allgemeinen etwa Folgendes sagen.\nEs w\u00e4re Anmassung als eine vorgebliche L\u00f6sung des ganzen Problems den materialistischen Ausspruch von Cabanis wiederholen zu wollen : \u00bbles nerfs, voil\u00e0 tout l\u2019homme !\u00ab oder \u00fcberhaupt nur behaupten zu wollen, dass wir \u00fcber gewisse wichtige Fragen, welche sich hier von selbst aufdr\u00e4ngen, gen\u00fcgende Aufschl\u00fcsse bereits erhalten h\u00e4tten, oder dereinst nothwendig erhalten m\u00fcssten \u2014 da doch die echte Wissenschaft nur das zu wissen vorgibt, was sie mit ihren Instrumenten gepr\u00fcft hat.\nSo viel aber d\u00fcrfen wir \u2014 ohne nach irgend einer Seite hin An-stoss zu geben \u2014 mit Entschiedenheit hinstellen, dass die Seele im Gehirn ihren Sitz hat. in gewissen, nicht n\u00e4her zu bezeichnenden Formelementen desselben ihre materielle Grundlage, ihr Substrat findet, mit welchem sie in director Wechselwirkung steht, und dass sie erfah-rungsgem\u00e4ss nur durch das Hirn in Erscheinung und zur materiellen Welt in Beziehung tritt. Die peripherischen Ner venverz wei-guugen spielen dabei wesentlich eine \u00e4hnliche Rolle, wie die Drahtleitungen unserer elektrischen Telegraphen. Sie sind es einerseits, auf deren peripherische Enden, welche wir zum Theil mit k\u00fcnstlichen Apparaten, wie Auge und Ohr, versehen finden, die Aussenwelt und die Zust\u00e4nde unseres K\u00f6rpers erregend einwirken, und innerhalb deren Substanz die Erregung fortschreitet bis zum Sitze der Seele, wo jene unbegreifliche Transsubstantiation des physikalischen Vorgangs der Nervenerregung in den psychischen Zustand der Empfindung stattfindet. Sie sind es andererseits, auf deren centrale Enden, welche wir im Gehirn zu suchen haben, der Willensimpuls der Seele erregend einwirkt und innerhalb deren Substanz die Erregung bis zu den Bewegungsorganen fortschreitet, wo sie sich dann auf die Muskeln \u00fcbertr\u00e4gt und in eine Zusammenziehung derselben umsetzt, durch welche die Bewegung unserer Glieder erm\u00f6glicht und mechanische Arbeit geleistet wird.\nNerven der ersten Art nennt man sensitive, Nerven der zweiten Art motorische.\nAn den peripherischen Enden der sensitiven Nerven werden also \u2014 wenn ich den angedeuteten Vergleich mit dem elektrischen Telegraphen n\u00e4her ausf\u00fchren darf \u2014 die Depeschen aufgegeben, welche die Seele von den Zust\u00e4nden des K\u00f6rpers und von den Ver\u00e4nderungen in der Aussenwelt benachrichtigen sollen, w\u00e4hrend die Seele ihre Willens\u00e4usserungen als Befehle, welche sofort zu Thaten werden, auf den motorischen Nervenleitungen so zu sagen nach aussen telegraphirt.","page":149},{"file":"p0150.txt","language":"de","ocr_de":"150\nUeber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\nDas Gehirn stellt somit gewissermassen das Centra lhureaii des gesammten Nerventelegraphcnnetzes unseres K\u00f6rpers dar, in welchem alle Leitungen zusammenlaufen.\nDie Analogie der verglichenen Vorg\u00e4nge ist unverkennbar und wie ich glaube, vollkommen geeignet, das Spiel und die Betheiligung des Nervensystems bei dem Zustandekommen der animalen Lebensvorg\u00e4nge bildlich zu erl\u00e4utern und allgemein verst\u00e4ndlich zu machen, obschon jeder derartige Vergleich im Einzelnen nothwendig hinken muss.\nDamit h\u00e4tten wir denn eine ungef\u00e4hre Einsicht in den Mechanismus des Nervenapparates, welcher von zwei Seiten in Bewegung gesetzt wird \u2014 von der Seele einerseits, von der Aussenwelt andererseits \u2014 gewonnen und den einleitenden Theil unserer Betrachtung abgeschlossen.\nEbensowenig jedoch als das Verst\u00e4ndniss des Mechanismus eines elektrischen Telegraphen schon eine Einsicht in das Wesen des elektrischen Stromes gew\u00e4hrt, ebensowenig erschliesst uns auch die Bekanntschaft mit der Rolle, welche die einzelnen Theile des Nervenapparates bei den Vorg\u00e4ngen des animalen Lebens spielen, schon eine Einsicht in das eigentliche Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit, d. h. in das Wesen jener materiellen Ver\u00e4nderungen, welche als Erregung oder Reizung in den Nervenbahnen auf- und abschreiten und von gewissen Elementen des Gehirns aus einerseits die Seele zur Th\u00e4tigkeit anregen, andererseits durch die Willensimpulse der Seele wachgerufen werden.\nZu dieser Einsicht gelangen wir erst durch die nachfolgende Betrachtung.\nEs gibt verschiedene Vorg\u00e4nge in der materiellen Natur, welche das Gemeinsame haben , dass sie, einmal eingeleitet, in der Materie, welche ihr Substrat, ihre Grundlage ist, weiter sich fortpflanzen. So entsendet ein leuchtendes Gestirn Lichtstrahlen nach allen Richtungen des Raumes in ungemessene Fernen; so gleichen sich in einer Drahtleitung, auf meilenweite Distanzen, die durch eine VoLTA\u2019sche Batterie getrennten elektrischen Gegens\u00e4tze str\u00f6mend aus; so erreichen die Schallwellenz\u00fcge den entferntesten H\u00f6rer im Concertsaale ; so endlich explodirt eine Mine in ihrem ganzen Verlauf, ob sie gleich nur an einem Ende entz\u00fcndet wurde u. s. w.\nDie materiellen Ver\u00e4nderungen der Nervensubstanz, welche wir als Nerventh\u00e4tigkeit oder Erregung bezeichneten, geh\u00f6ren ebenfalls in diese Reihe von Vorg\u00e4ngen, welche insgesammt nichts anderes sind, als verschiedene Bewegungen oder Lagerungs-Ver\u00e4nderungen der kleinsten Massentheilchen, der sogenannten Atome, aus welchen nach der berechtigten Vorstellung der","page":150},{"file":"p0151.txt","language":"de","ocr_de":"UePer das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\n151\nPhysiker die Materie zusammengesetzt ist, \u2014 oder ganzer Gruppen derselben, der sogenannten Molecule.\nJeder dieser Bewegungsvorg\u00e4nge pflanzt sieh mit einer bestimmten. je nach seinem Typus und der Natur seines materiellen Substrats verschiedenen Geschwindigkeit fort. Um nur Ein Beispiel anzuf\u00fchren. Das Licht durchl\u00e4uft 40,000 Meilen in der Secunde, der Schall nur bescheidene 1058 Fuss; ein mit einem Spiegel reflectirter Sonnenstrahl ist daher schon nach 7 Minuten zur Sonne zur\u00fcck; die augenblickliche Antwort auf die Frage eines Sonnenbewohners w\u00e4re es erst nach 30 Jahren !\nNach den Ermittelungen der Physiker m\u00fcssen wir uns aber auch eben deshalb das materielle Substrat der Lichtbewegung mit viel m\u00e4chtigeren Spannkr\u00e4ften ausgestattet und von viel feinerem \u00e4therischerem Stoffe denken als die Luft, welche das Substrat der Schallbewegung ist.\nKennten wir die Geschwindigkeit, mit welcher sich die Erregung in den Nerven fortpflanzt, so w\u00fcrde sich sofort ergeben, welcher Kategorie jener Reihe von Bewegungsvorg\u00e4ngen dieselbe angeh\u00f6rt oder doch am n\u00e4chsten steht, namentlich ob ihr materielles Substrat grobe w\u00e4gbare Materie ist, oder von jener \u00e4therischen, unw\u00e4gbaren Beschaffenheit wie das Substrat des Lichtes.\nStellen wir uns also diese Frage, welche im Sinne des fr\u00fcheren Vergleiches des Nervenmechanismus mit einem elektrischen Telegraphen also formulirt werden kann :\nMit welcher Geschwindigkeit pflanzen sich die Depeschen in unseren motorischen und sensitiven Nervenbahnen fort ? d. h. welche Zeit braucht die Erregung, in welche ein Stich mit einer Nadel setzt, um von der Fingerspitze z. B. bis ins Gehirn, \u2014 welche Zeit ein durch die Seele erregter Willensimpuls, um aus dem Gehirne bis zu den Muskeln zu gelangen ?\nDie L\u00f6sung dieses anscheinend ungreifbaren Problems verdankt die Wissenschaft dem hevorragenden Scharfsinn des Professors Helmholtz in Bonn, eines der genialsten Physiologen der Gegenwart.\nHelmholtz hat, um die Bruchtheile einer Secunde, um die es sich hier handelt, genau zu bestimmen, die sch\u00e4rfsten und exactesten zeitmessenden Methoden der Physik auf eine \u00e4usserst sinnreiche Weise in Anwendung gebracht. Ich bedauere, dass es mich zu weit f\u00fchren w\u00fcrde, auf die Auseinandersetzung des von Helmholtz angewendeten, wahrhaft ingeni\u00f6sen Verfahrens n\u00e4her einzugehen, und muss mich daher begn\u00fcgen, das Endresultat dieser schwierigen und f\u00fcr den Beobachter \u00e4usserst anstrengenden Bestimmungen mitzutheilen, welches nach einer brieflichen Mittheilung von Helmholtz an Professor Ludwig in Wien","page":151},{"file":"p0152.txt","language":"de","ocr_de":"152\nHeber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\nfolgendes ist : Im lebenden Menschen pflanzt sich die Erregung in den Nervenbahnen im Durchschnitt mit einer Geschwindigkeit von 194 bis 195 Fuss in der Seconde fort. d. h. in einem 195 Fuss langen Menschennerven, wenn es einen solchen g\u00e4be, w\u00fcrde die Erregung eine ganze Seeunde brauchen, um von einem Ende desselben zum anderen zu gelangen: die gew\u00f6hnliche L\u00e4nge der menschlichen Nerven von h\u00f6chstens einigen Fuss wird daher immer in wenigen Tausendtlieilen einer Seeunde von der Erregung zur\u00fcckgelegt.\nDieses Resultat muss, abgesehen von den daraus fliessenden wichtigen Folgerungen, als ein h\u00f6chst \u00fcberraschendes bezeichnet werden, denn bei der allgemein verbreiteten Vorstellung, dass die Nervenwir-kungen auf Str\u00f6mungen eines \u00e4therischen oder psychischen Princips zur\u00fcckgef\u00fchrt werden m\u00fcssten, mag es ganz unglaublich erscheinen, dass die Geschwindigkeit dieser Str\u00f6mungen nicht nur \u00fcberhaupt messbar. sondern vcrh\u00e4ltnissm\u00e4ssig so \u00fcberaus gering sein sollte.\nIn der That, vergleichen wir das gefundene Resultat mit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes, welches 40,000 Meilen in der Seeunde zur\u00fccklegt, mit der der Elektricit\u00e4t. welche noch bedeutender ist, ja nur mit der des Schalles, welche nur 1058 Fuss betr\u00e4gt, so finden wir zu unserem Erstaunen die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenerregung mit noch nicht 200 Fuss in der Seeunde verschwindend klein !\nRei der verh\u00e4ltnissm\u00e4ssigen K\u00fcrze der menschlichen Nervenbahnen , welche in den extremsten F\u00e4llen nicht viel \u00fcber eine Klafter betragen, ist der Zeitraum. den die Erregung braucht, um den vorgeschriebenen Lauf zu vollenden, wie gesagt, so \u00fcberaus klein, dass er gar nicht bemerkt wird.\nNichtsdestoweniger sind wir mit unseren Empfindungen und Wahrnehmungen doch immer um einen kleinen Schritt hinter der Wirklichkeit zur\u00fcck, w\u00e4hrend der Willensimpuls seiner Ausf\u00fchrung etwas vorauseilt, so dass wir uns zu den Vorg\u00e4ngen in unserer n\u00e4chsten LTmgebung streng genommen in einem \u00e4hnlichen anachronistischen Verh\u00e4ltnis\u00bb befinden, wie der irdische Beobachter bekanntlich der Fixsternwelt gegen\u00fcber, deren Lichtstrahlen. welche eben erst sein Auge treffen, schon vor Jahrtausenden von den Sternen entsendet wurden und daher Bilder geben, welche Verh\u00e4ltnissen entsprechen, die l\u00e4ngst entschwundenen Sch\u00f6pfungsepochen angeh\u00f6ren.\nFm dieses interessante Verh\u00e4ltniss klarer zu machen. f\u00fchre ich die Wahrnehmung eines momentanen elektrischen Stromes an. von dessen Existenz wir durch die Empfindung des elektrischen Schlages","page":152},{"file":"p0153.txt","language":"de","ocr_de":"lieber das Wesen der Nerventlilitigkeit.\n153\nerst dann etwas erfahren,- wenn derselbe gar nicht mehr vorhanden ist. Wir empfinden aber eine momentane elektrische Entladung darum erst zu einer Zeit, wo dieselbe gar nicht mehr existirt, weil die Erregung, welche die Seele von der St\u00f6rung des elektrischen Gleichgewichts benachrichtigen soll, eine weit l\u00e4ngere Zeit braucht, um auf der betreffenden Nervenbahn von der Fingerspitze z. B. bis ins Gehirn zu gelangen, als jene momentane St\u00f6rung dauert. Wir empfinden also in diesem Falle etwas als gegenw\u00e4rtig, was bereits der Vergangenheit angeh\u00f6rt, und so ist es immer und mit allen unseren Wahrnehmungen der Fall.\nDen Schall sind wir gewohnt die Bolle des nachhinkenden Boten spielen zu sehen, weil die t\u00e4gliche Erfahrung lehrt, dass wir ein in der Entfernung geschehendes Ereigniss eher sehen als h\u00f6ren : bei einem Man\u00f6ver z. B. sehen wir als entfernte Zuschauer zuerst den Blitz und den Pulverdampf der abgefeuerten Gesch\u00fctze, erst merklich sp\u00e4ter trifft der Kanonendonner unser Ohr.\nDass es aber mit dem Lichte und unseren Wahrnehmungen, welche das Nervensystem vermittelt, streng genommen ebenso ist, erregt unsere Verwunderung mehr, weil die Zeitunterschiede, welche das Licht und die Nervenerregung brauchen, um einerseits die in der t\u00e4glichen Erfahrung vorkommenden irdischen Dimensionen, andererseits die geringe L\u00e4nge der menschlichen Nervenbahnen zur\u00fcckzulegen, gar nicht wahrnehmbar sind.\nEine weitere Gonsequenz des bisher Er\u00f6rterten ist noch die, dass die Wahrnehmungen gleichzeitiger Ereignisse, welche durch ungleich lange Nervenbahnen vermittelt werden, in der Zeit auseinanderfallen m\u00fcssen, w\u00e4hrend die ungleichzeitiger Ereignisse unter diesen Umst\u00e4nden gleichzeitig ins Bewusstsein treten k\u00f6nnen, weil die Erregung offenbar ungleich lange Zeiten braucht, um ungleich lange Nervenstrecken zur\u00fcckzulegen. So z. B. wird ein elektrischer Schlag, welcher in demselben Augenblicke einen Hautpunkt im Gesicht und am Fusse trifft, eher dort als hier empfunden werden m\u00fcssen, weil der Weg vom Gesicht bis ins Gehirn viel k\u00fcrzer ist als vom Fuss Ins ins Gehirn.\nFreilich sind die Unterschiede in der L\u00e4nge der Nervenbahnen viel zu gering, als dass sich diese Verwirrung der zeitlichen Verh\u00e4ltnisse in st\u00f6render Weise geltend machen k\u00f6nnte, darum existirt aber diese Verwirrung doch \u2014 denn wir haben sie mit Noth Wendigkeit erschlossen und abgeleitet.\nMit unseren Wahrnehmungen und Empfindungen sind wir daher nicht nur immer einen kleinen Schritt hinter der Wirklichkeit zur\u00fcck.","page":153},{"file":"p0154.txt","language":"de","ocr_de":"154\nUeber das Wesen der NerventhUtigkeit.\nsondern diese Verschiebung ist \u00fcberdies eine ungleichm\u00e4ssige, f\u00fcr jede Nervenl\u00e4nge verschiedene.\nEine \u00e4hnliche Verwirrung der Zeitverh\u00e4ltnisse findet \u2014 allerdings in kolossalem Maassstabe \u2014 der irdische Beobachter, wenn er einen Blick auf den gestirnten Himmel wirft. Er sieht da Verh\u00e4ltnisse in demselben Augenblicke neben einander, welche Hunderte, ja Tausende von Jahren auseinander liegen, indem die Entfernungen der Fixsterne von der Erde so ungeheuer gross und so verschieden sind, dass das Licht so ungeheure und so verschiedene Zeiten braucht, um bis zur Erde zu gelangen.\nNur den geringenDimensionen unseres K\u00f6rpers und der beschr\u00e4nkten Sch\u00e4rfe unseres Wahrnehmungsverm\u00f6gens f\u00fcr Zeitunterschiede haben wir es daher zu danken, dass sich die Langsamkeit des Depe-schenwechsels in unseren motorischen und sensitiven Nervenbahnen im gew\u00f6hnlichen Verkehre mit der Aussenwelt in keiner Weise st\u00f6rend bemerklich macht.\nW\u00fcrden sich jedoch entweder das Wahrnehmungsverm\u00f6gen f\u00fcr Zeitunterschiede steigern oder die Dimensionen des menschlichen K\u00f6rpers zu jenen abenteuerlichen Riesengestalten. welche die indische Phantasie geboren hat, mit ihren meilenlangen Gliedern ausdelmen, so w\u00fcrden auch die Vorg\u00e4nge des animalen Lebens dieser Organismen sofort in eine solche zeitliche Verwirrung geratlien, dass ihre Beziehungen zur Aussenwelt vollst\u00e4ndig sinnlos, ja unm\u00f6glich werden m\u00fcssten.\nDiese sonderbaren Consequenzen, welche sich aus der ermittelten geringen Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenerregung mit Noth-wendigkeit ergeben, wollte ich \u2014 obschon sie, wie gesagt, von keiner praktischen Bedeutung sind\u2014nicht ganz mit Stillschweigen \u00fcbergehen, weil sie nicht verfehlen k\u00f6nnen, unsere Verwunderung zu erwecken.\nWichtiger f\u00fcr unseren Zweck ist der Schluss, welchen wir uns aus diesen Thatsachen auf das eigentliche Wesen der Nervenerregung erlauben d\u00fcrfen.\nDieselbe geh\u00f6rt n\u00e4mlich, eben wegen der geringen Geschwindigkeit, mit der sie sich fortpflanzt, offenbar in jene Kategorie der fr\u00fcher erw\u00e4hnten Bewegungsvorg\u00e4nge, zu welcher die Schallleitung und das Abbrennen einer Mine zu rechnen sind. Sie besteht also wie diese in Bewegungen der kleinsten grobmateriellen Theilclien oder Molecule, welche die Nervensubstanz zusammensetzen. Denn w\u00e4re das materielle Substrat der Nervenerregung von jener \u00e4therischen unw\u00e4gbaren Beschaffenheit wie das Substrat der Lichtbewegung, so d\u00fcrfte dieser Vorgang nicht verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig so tr\u00e4ge in den Nervenbahnen fortschleichen.","page":154},{"file":"p0155.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\n155\nNach den ausgezeichneten Untersuchungen von E. du Bois-Rey-mond in Berlin entwickeln die Moleciile der Nervensubstanz w\u00e4hrend ihres lebendigen Bestehens elektrische Kr\u00e4fte \u2014 analog den Plattenpaaren einer VoLTA\u2019sclien S\u00e4ule. Pud diese elektrischen Kr\u00e4fte, welche am lebenden Nerven mit physikalischer Sch\u00e4rfe nachgewiesen werden k\u00f6nnen, sind es, die die Bewegung von einem Massentheilchen auf das andere \u00fcbertragen und somit die Fortpflanzung der Bewegung in den erregten Nervenbahnen vermitteln.\nDie Bewegungen der Moleciile selbst aber sind h\u00f6chst wahrscheinlich einfach oscillirende Drehungen oder Schwankungen um ihren Mittelpunkt. Ein Bild wird dies anschaulich machen.\nMan denke sich eine Anzahl von Magnetnadeln in eine lange mehrfache Reihe neben-und hintereinander geordnet, so entspricht die ganze Reihe dem Inhalt einer Nervenfibrille, jede einzelne Nadel je einem der unendlich vielen und unendlich kleinen Moleciile der Nervensubstanz, die magnetischen Kr\u00e4fte der ersteren den elektrischen der letzteren.\nWird nun eine der Nadeln angestossen und aus ihrer Gleichgewichtslage gebracht, so gerathen sofort auch die zweite, die dritte, die vierte u. s. w. und endlich s\u00e4mmtliche Nadeln der ganzen Reihe in Schwankungen. 1\nGanz \u00e4hnlich verh\u00e4lt sich die Sache im erregten Nerven.\nDas eigentliche Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit oder Nervenerregung besteht also, so weit wir bis jetzt sehen k\u00f6nnen, in einer raschen, zitternden Bewegung der kleinsten grobmateriellen Massentheilchen oder Moleciile der Nervensubstanz, welche sich vermittelst elektrischer Kr\u00e4fte in den Nervenbahnen weiter fortpflanzt.\nHier ist die Wissenschaft am Ende ; denn wie es m\u00f6glich ist, dass die Seele von gewissen Elementen des Gehirns aus durch diese einf\u00f6rmigen zitternden Bewegungen der Nervenmolee\u00fcle zu jener F\u00fclle verschiedenartiger Empfindungen, deren wir f\u00e4hig sind, angeregt wird und die ganze entz\u00fcckende Pracht und belebende Frische der Sinnenwelt aus sich hervorzaubert ; \u2014 Avie es m\u00f6glich ist, dass sie, die man sich als ein immaterielles Wesen vorstellt, im Stande ist, durch den Willensimpuls diese Bewegungen wieder in den motorischen Nervenbahnen wachzurufen, \u2014 das ist ein undurchdringliches Geheimniss, und d\u00fcrfte f\u00fcr alle Zeiten ein unl\u00f6sbares R\u00e4thsel bleiben !\nAber das ist das Eigent\u00fcmliche der Naturforschung, dass sie in\n1 Der Vortragende demonstrirte diesen Versuch mit einer Anzahl grosser In-elinationsnadeln, welche Herr Lenoir in Wien die G\u00fcte hatte, zu diesem Zwecke herzuleihen.","page":155},{"file":"p0156.txt","language":"de","ocr_de":"156\nUeber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit.\nden gew\u00f6hnlichsten Erscheinungen der t\u00e4glichen Erfahrung Probleme sieht, und dass der Naturforscher, je tiefer sein Blick in das eigentliche Wesen der Dinge eindringt, in einer Welt der R\u00e4thsel wandelt, wo f\u00fcr den unbefangenen Menschen Alles sich von selbst versteht, so dass dieser von seinem naiven Standpunkt aus berechtigt erscheint jenem zuzurufen :\n\u00abGrau, theurer Freund, ist alle Theorie,\nUnd gr\u00fcn des Lebens goldner Baum.\u00ab\nMit diesem Zuruf schliesse ich meine kurze Darstellung, jedoch nicht ohne den W unsch hinzuzuf\u00fcgen. dass man mitten im freudigen Gen\u00fcsse des Sch\u00f6nen und Erhabenen, was das Leben in der Kunst und in den sch\u00f6nen Wissenschaften bietet, nicht ganz vergessen m\u00f6ge, dass alle diese veredelnden Gedanken und Gef\u00fchle. welche den Menschen nur zu leicht allzu stolz Uber seine beschr\u00e4nkte irdische Existenz emporheben. am Ende doch nicht ohne jene zitternden Bewegungen der grobmateriellen Nervenmolec\u00fcle vor das geistige Auge treten und im Gem\u00fcthe erwachen k\u00f6nnten !","page":156}],"identifier":"lit16313","issued":"1879","language":"de","pages":"145-156","startpages":"145","title":"Ueber das Wesen der Nerventh\u00e4tigkeit: Skizze eines am 8. M\u00e4rz 1858 in Br\u00fcnn im k. st\u00e4dtischen Redoztensaale abgehaltenen Vortrags","type":"Book Section","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:02:35.343543+00:00"}

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