The Virtual Laboratory - Resources on Experimental Life Sciences
  • Upload
Log in Sign up

Open Access

Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: X. Rückblick: die Umwandlung der einzelnen Bewegungsformen ineinander; die theoretische Erklärung des Wesens der Transformationen

beta


JSON Export

{"created":"2022-01-31T15:56:29.716170+00:00","id":"lit16325","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften in zwei B\u00e4nden, Zweiter Band: Popul\u00e4re Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften in zwei B\u00e4nden, Zweiter Band: Popul\u00e4re Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, 275-286. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0275.txt","language":"de","ocr_de":"X.\nR\u00fcckblick: die Umwandlungen der einzelnen Bewegungsformen in einander; die theoretische Erkl\u00e4rung des Wesens der Transformationen.\n\\\\ ir haben uns in den letzten Stunden bem\u00fcht, das Gesetz von der Erhaltung der Kraft seinem eigentlichen Sinne nach zu erfassen und verst\u00e4ndlich zu machen. Ich glaube, dass uns dies gelungen sein d\u00fcrfte, und ich halte es nun f\u00fcr angemessen, einen eingehenden R\u00fcckblick auf den von uns durchlaufenen Weg zu werfen, sodann das Gesetz im Sinne der mechanischen Naturauffassung zu beleuchten, um dann endlich die Wichtigkeit und Bedeutung seiner Anwendung auf die gesammten Naturerscheinungen \u2014 auch auf die sogenannten organischen oder Lebensvorg\u00e4nge \u2014 darzulegen, womit das Thema dieser Vortr\u00e4ge zum Abschluss gelangt.\nGetreu den n\u00fcchternen Principien der exacten Naturforschung haben wir damit begonnen, uns auf dem Wege der Beobachtung und des Experiments mit allen den verschiedenen Naturkr\u00e4ften und ihrer Wiikungs- und Erscheinungsweise bekannt zu machen, welche im Stande sind, Arbeit zu leisten, d. h. irgend welche Vorg\u00e4nge und Ver\u00e4nderungen in der Natur zu verursachen.\nWir lernten zun\u00e4chst an einigen einfachen eonereten Beispielen aus dein Gebiete der grob-mechanischen Erscheinungen den Begriff der mechanischen Triebkraft und den Begriff der mechanischen Arbeit kennen. Die Naturkr\u00e4fte, welche wir als mechanische Triebkr\u00e4fte kennen lernten, fanden wir erfahrungsgem\u00e4ss unter zweierlei Umst\u00e4nden vor. welche uns n\u00f6tkigten, den allgemeinen Begriff der Triebkraft n\u00e4her zu definiren: als Triebkraft in Form von Spannkiaft odei potentieller Energie, und als Triebkraft in Form von lebendiger Kraft oder actueller Energie. Der Begriff der mechanischen Arbeit\nf\u00fchrte uns zur numerischen Auswerthung einer bestimmten Quantit\u00e4t\n18*","page":275},{"file":"p0276.txt","language":"de","ocr_de":"27(3\nDie Principien der mechanischen Naturauffassung.\ngeleisteter Arbeit in Fusspfunden oder Kilogrammmetern, und wir erkannten, dass wir damit zugleich ein exactes und ganz allgemeines MaaSs f\u00fcr ein bestimmtes Quantum mechanischer Triebkraft erhalten hatten, welches irgendwo und irgendwie in Form von Spannkraft oder lebendiger Kraft, als Gesammtvorrath von Triebkraft oder totale Energie vorhanden oder disponibel ist. \u2014 F\u00fcr das Spannkraftsquantum ergab sich die Formel : P-h \u2014 Mg \u25a0 h : f\u00fcr dasselbe Quantum in Form\nvon lebendiger Kraft hingegen die Formel:\nMn2_ 2;\nund der eigentliche\nSinn des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft erschloss sich uns dahin, dass nach demselben die Summe von Spannkraft und lebendiger Kraft, oder die totale Energie eine durch das ganze Universum constante und sich gleichbleibende Gr\u00f6sse sein sollte, indem f\u00fcr jedes Quantum von Spannkraft, das verschwindet, ein genau \u00e4quivalentes Quantum lebendiger Kraft entsteht und umgekehrt, dass mit einem Worte nicht nur die Kraft wie der Stoff, sondern auch die Kraftleistung oder das Quantum der geleisteten Arbeit unerschaffbar und unvermeidbar sei und somit in unver\u00e4nderter Quantit\u00e4t im Naturganzen erhalten bleibe.\nDie von uns untersuchten concreten F\u00e4lle aus dem Gebiete der grobmechanischen Erscheinungen schienen jedoch der strengen und allgemeinen G\u00fcltigkeit und Herrschaft des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft zu widersprechen, und ich musste Sie mit der Aussicht auf eine sp\u00e4tere befriedigende L\u00f6sung dieser scheinbaren Widerspr\u00fcche verweisen. Sie wissen bereits, dass diese Aussicht keine tr\u00fcgerische war ! \u2014\nIndern wir die W\u00e4rme als eine Art der mechanischen Triebkraft, n\u00e4mlich als lebendige Kraft, d. h. als erlangte Geschwindigkeit der kleinsten Massentheilchen, kennen lernten, und als sich uns im Zusammenh\u00e4nge hiermit das Verst\u00e4ndnis\u00ab der mechanischen oder dynamischen W\u00e4rmetheorie und die Einsicht in das eigentliche Wesen und die Natur der W\u00e4rme als einer Art der Bewegung erschloss \u2014 da ging uns mit einem Male die grossartige Erkenntniss auf, dass der Begriff und das Maass der mechanischen Arbeit, der Begriff und das Maass der mechanischen Trieb- oder Arbeitskraft in Form von potentieller und actueller Energie oder von Spannkraft und lebendiger Kraft, auf alle Naturprocesse und arbeitsf\u00e4higen Naturkr\u00e4fte anwendbar ist, und das Gesetz von der Erhaltung der Kraft trat in seiner Bedeutung und strengen Allgemeing\u00fcltigkeit immer deutlicher und sch\u00e4rfer hervor.","page":276},{"file":"p0277.txt","language":"de","ocr_de":"X. R\u00fcckblick: die Umwandlungen der einzelnen Bewegungsformen etc. 277\nAuch das Licht und die chemischen P r o c e s s e konnten wir nun in den Kreis der mechanischen Naturanschauung ziehen und mit der Maasseinheit der Calorie und des Kilogrammmeters messen. \u2014 Ja, selbst die elektrischen und magnetischen Erscheinungen, deren Natur und eigentliches Wesen vorl\u00e4ufig noch in ein undurchdringliches Dunkel geh\u00fcllt bleibt, f\u00fcgten sich als arbeitsf\u00e4hige Naturkr\u00e4fte dem grossen Gesetze der Transformation. Aequivalenz und Erhaltung der Kraft.\nEs wird nunmehr lehrreich und angenehm sein, die von uns auf dem skizzirten Wege der Untersuchung gesammelten Erfahrungen \u00fcber die Formen der Trieb- oder Arbeitskraft rasch zu recapituliren.\nEin bestimmtes Quantum von Trieb- oder Arbeitskraft lernten wir in folgenden Formen oder Modalit\u00e4ten kennen:\n1) ein gehobenes Gewicht, indem es f\u00e4llt oder fallen kann. Hier ist es die Schwere oder Gravitation, d. li. die allgemeine Anziehung der ponderablen Massen oder Molen, welche ins Spiel kommt:\n2'; ein gespannter elastischer K\u00f6rper, indem er sich entspannt oder entspannen kann. Hier wirkt die C oh\u00e4 si on, d. h. die Anziehungsund Abstossungskraft, welche zwischen den Molec\u00fclen der festen und fl\u00fcssigen Aggregate tli\u00e4tig ist:\n3 getrennte chemische Atome, indem sie sich durch die Affinit\u00e4t oder Verwandtschaftskraft fest verbinden.\nDie genannten drei Formen der Triebkraft sind im Gesammtkraft-vorrath der Natur als Spannkr\u00e4fte vorhanden.\n1 Die erlangte G e s ch w i n digk e i t bewegter, ponderabler Massen, indem sich dieselbe verz\u00f6gert :\n5) Wirme, d. h. die erlangte Geschwindigkeit der unregelm\u00e4ssig bewegten, unmessbar kleinen Molec\u00fcle und Atome, indem die W\u00e4rme als solche, d. h. die W\u00e4rmebewegung verschwindet:\n6 Liclit. d. h. die erlangte Geschwindigkeit der in regelm\u00e4ssig fortschreitender Wellenbewegung begriffenen Aetheratome, indem das Licht oder die regelm\u00e4ssige Aetherwelle als solche verschwindet.\nDie drei zuletzt genannten Formen von disponibler Triebkraft finden sich im Gesammtvorrath der Natur als die unmittelbare Wirkung der in leb endige Kraft oder actuelle Energie \u00bbumgesetzten\u00ab \u00e4quivalenten Spannkraftsmengen von Schwere, Coh\u00e4sion oder Affinit\u00e4t.\n7) Endlich sind noch elektrische Str\u00f6me und elektromagnetische Wirkungen Erscheinungsformen bestimmter Quantit\u00e4ten der Triebkraft. insofern als unter ihrer Vermittelung \u00e4quivalente Arbeitsmengen geleistet und zu ihrer Unterhaltung mechanische, chemische oder thermische Kr\u00e4fte verbraucht werden. Wir wissen zwar","page":277},{"file":"p0278.txt","language":"de","ocr_de":"27S\nDie Prinzipien der mechanischen Naturauffassung.\nnicht, was eine gewisse Menge Elektricit\u00e4t ist, und haben daher auch keinen Ausdruck f\u00fcr ihr directes Aequivalenzverh\u00e4ltniss zu den anderen Kr\u00e4ften, allein es gilt, wie ich im j\u00fcngsten Vortr\u00e4ge gezeigt habe, nichtsdestoweniger in aller Strenge das Gesetz von der Erhaltung der Kraft auch f\u00fcr alle Wirkungen und Arbeitsleistungen, die unter der r\u00e4thselhaften Vermittelung des elektrischen Stromes zu Stande kommen.\nDie eben gegebene liebersicht Uber die Erscheinungsformen der im Naturganzen th\u00e4tigen Kr\u00e4fte erinnert uns daran :\n1 dass sich die wirkungsf\u00e4hige Trieb- oder Arbeitskraft in allen F\u00e4llen ersch\u00f6pft \u2014 und zwar genau in dem Maasse, als sie die Arbeit wirklich leistet ; und\n2) dass sie wieder hergestellt werden kann, aber immer nur unter der Bedingung, dass eine bestimmte Menge einer anderen Triebkraft dazu aufgewendet wird, gleichg\u00fcltig welcher Art und Natur diese andere fremde Triebkraft auch seiu mag.\nDiese M\u00f6glichkeit der Wiederherstellung einer verloren gegangenen Triebkraft durch Aufwendung einer anderen beruht auf der sogenannten Transformation d e r N a t u r k raffe. auf dem Verm\u00f6gen derselben, gegenseitig in einander \u00fcberzugehen. \u2014 Sie lernten bereits der Erfahrungen viele f\u00fcr diese Thatsache keimen, ich will sie Ihnen jetzt durch noch eine Keilie von Beispielen ad oculos demonstriren.\nIch habe hier ein gehobenes Gewicht, das fallen kann, also ein Quantum disponibler mechanischer Triebkraft in Form von Spannkraft. F\u00e4llt das Gewicht, wirkt die Schwere als lebendige Kraft, so entsteht B e w e g ung, und das Gewicht hat am Ende des Fallraumes eine bestimmte Geschwindigkeit, ein bestimmtes Quantum lebendiger Kraft, erlangt. Lasse ich eine Feder gegen die Bolle dr\u00fccken, so kommt das Gewicht am Ende des Fallraumes ohne merkliche Geschwindigkeit an: dagegen hat sich in Folge der Reibung eine \u00e4quivalente W\u00e4rmemenge entwickelt. \u2014\nBen\u00fctze ich die Triebkraft des fallenden Gewichtes, um diese magneto-elektrische Maschine zu treiben, so erhalte ich elektrische Str\u00f6me unter Vermittelung des Magnetismus.\nGenau dieselben wirkungsf\u00e4higen Kraftformen der W\u00e4rme und der elektrischen Str\u00f6me kann ich auch durch Aufwendung eines Quantums irgend einer anderen mechanischen Triebkraft, z. B. einer gespannten Feder oder der erlangten Geschwindigkeit bewegter Massen, disponibel machen. Kurz, mechanische Kraft gibt Geschwindigkeit bewegter Massen, W\u00e4rme und elektrische Str\u00f6me.\nDie W\u00e4rme wieder kann sich in mechanische Kraft Dampf-","page":278},{"file":"p0279.txt","language":"de","ocr_de":"X. R\u00fcckblick: die Umwandlungen der einzelnen Bewegungsformen etc 279\nMaschinen), in Licht Gl\u00fchen , in elektrische Str\u00f6me Thermos\u00e4ule) und in chemische Spannkraft (Dissociation) verwandeln.\nEin Quantum chemischer Spannkraft oder Affinit\u00e4t gibt W\u00e4rme (Verbrennung) oder elektrische Str\u00f6me (Batterie).\nUnter Vermittelung der elektrischen Str\u00f6me aber erzeugt sich W\u00e4rme, entstehen Indnctionsstr\u00f6me, Magnetismus, mechanische Arbeit (durch Induction Elektromagnetismus, Elektrodiffusion) , chemische Spannkraft und Licht. \u2014\nLicht endlich setzt sich in W\u00e4rme oder chemische Spannkraft um.\nSie sehen, jede Erscheinungsform wirkungsf\u00e4higer Kraft l\u00e4sst sich in jede andere \u00fcberfuhren oder transformiren, und zwar kann dies durch die verschiedenartigsten Zwischenglieder und auf den mannigfaltigsten Wegen geschehen. Allein welchen Weg die Natur beim Ablauf der in der Welt zu Stande kommenden Vorg\u00e4nge und Ver\u00e4nderungen , oder wir selbst zur Erreichung unserer Zwecke auch ein-schlagen m\u00f6gen, niemals und unter keinerlei Umst\u00e4nden ist ein Neugewinn an wirkungsf\u00e4higer Kraft m\u00f6glich : denn so oft auch, nachdem ein Quantum Triebkraft in der einen Form durch die wirklich geleistete Arbeit ersch\u00f6pft worden ist, eine oder gleichzeitig mehrere andere Formen der Triebkraft als Spannkraft oder lebendige Kraft zum Vorschein kommen, ihre Summe ist immer dem aufgewendeten Triebkraftsquantum absolut gleichwertliig oder \u00e4quivalent.\nDiese grosse und fundamentale Wahrheit verdankt die Wissenschaft der Entdeckung des mechanischen Aequivalents der W\u00e4rme : denn da sich jede Erscheinungsform der Triebkraft in eine bestimmte W\u00e4rmemenge umsetzen l\u00e4sst, so k\u00f6nnen die Aequivalente aller \u00fcbrigen Naturkr\u00e4fte auf das Maass der mechanischen Arbeit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. \u2014 Und wie zwischen W\u00e4rme und mechanischer Arbeit, so zeigt sich zwischen allen Naturkr\u00e4ften ein bestimmtes und unver\u00e4nderliches Aequivalenzverh\u00e4ltniss, d. h. wenn ein gewisses Quantum Kraft in einer der verschiedenen Erscheinungsformen verschwindet, so tritt sie in genau \u00e4quivalenter Menge in einer anderen Form wieder auf, so dass die Triebkraft, genau so wie der Stoff., weder vermehrt noch vermindert, weder nerr erzeugt noch vernichtet werden kann, sondern im ganzen Universum in gleichbleibender Menge sich erh\u00e4lt.\nDies ist nun das sogenannte Gesetz von der Erhaltung der Kraft oder Arbeit, dessen Sinn Ihnen nach allen diesen Er\u00f6rterungen wohl vollkommen verst\u00e4ndlich geworden sein wird.\nSo weit bis heute die Thatsachen gepr\u00fcft sind, gilt das Gesetz von der Unver\u00e4nderlichkeit des Stoffs und von der Erhaltung der Kraft \u2014","page":279},{"file":"p0280.txt","language":"de","ocr_de":"'2 SO\nDie Prineipien der mechanischen Naturauffassung.\nwie dies a priori nicht anders erwartet werden konnte \u2014 auch f\u00fcr die Vorg\u00e4nge in der organischen Natur. Was den Stoff betrifft, hat mein fr\u00fcherer Vortrag \u00fcber den Kreislauf desselben in den drei Naturreichen Sie wohl gen\u00fcgend von seiner Unver\u00e4nderlichkeit \u00fcberzeugt : von der Kraft und ihrem Gesetze der Erhaltung sei von mir heute nur im Allgemeinen der unter den Physiologen zur Zeit herrschenden Anschauung erw\u00e4hnt.\nDie Pflanzen, wird allgemein gelehrt, entnehmen die Triebkraft in Form von lebendiger Kraft der Sonnenstrahlung : ohne \u00e4ussere Arbeit zu leisten, verschlucken sie die Sonnenstrahlen, leisten vorzugsweise innere Arbeit, indem sie in den gr\u00fcnen Pflanzentheilen chemische Zersetzung herbeif\u00fchren, wobei die lebendige Kraft in Spannkraft umgewandelt wird: die Thiere ihrerseits nehmen in den verbrennlichen organischen Substanzen Spannkraft auf und verwandeln sie in lebendige Kraft in der Modalit\u00e4t der W\u00e4rme, Gontractilit\u00e4t und Neurilit\u00e4t.\nIn unseren Organismen insgesainmt haben wir somit keine Krafterzeuger. sondern bios T r a n s f o r m a t i o n s a p p a r a t e.\nIch darf Sie nunmehr wohl daran erinnern, dass wir schon in einer der ersten Vorlesungen an die nachgewiesene Unver\u00e4nderlichkeit und Unzerst\u00f6rbarkeit des elementaren Stoffes eine Heike von raschen Schlussfolgerungen gekn\u00fcpft hatten, welche in dein Satze gipfelten, dass es das Endziel der modernen mechanischen Naturauffassung sei : die allem Cf es cli eh en in der Natur zu Grunde liegenden II e w e g u n g e n und deren Triebkr\u00e4fte zu finden und die gesummte Naturwissenschaft als ein Problem der a naiv tisc lien Mechanik zu behandeln.\nDamals musste Sie diese ganze Auffassungsweise und Gedankenkette \u00e4usserst fremdartig anniuthen und wie ein w\u00fcster, unverst\u00e4ndlicher, zusammenhangloser Traum in eine Art Verwirrung versetzen. Heute hoffe ich Sie gen\u00fcgend vorbereitet zu finden, die damaligen Schlussfolgerungen mit verst\u00e4ndnissvollem Bewusstsein zu begleiten und deren bindende Kraft anzuerkennen.\nWir haben uns mit der Vorstellung vertraut gemacht, dass allen Naturerscheinungen nur Ver\u00e4nderungen der Verth ei lung der Ur-atome im R\u00e4ume zu Grunde liegen, dass somit alle Vorg\u00e4nge in der Natur, so verschieden und mannigfaltig dieselben auch immer sein m\u00f6gen, in letzter Instanz durch mechanische Bewegung zu Stande kommen. Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, dass wir die Ver\u00e4nderung der Aggregatzust\u00e4nde, den Wechsel der chemischen Verbindungen. die W\u00e4rme und Lichtentwickelung in anschaulichster Wehe","page":280},{"file":"p0281.txt","language":"de","ocr_de":"X. R\u00fcckblick: die Umwandlungen der einzelnen Bowegungsformen etc. 25t\nals mechanische Bewegungsvorg\u00e4nge der Molecule, der chemischen Atome und der Uratome auffassen lernten. Auch die elektrischen und magnetischen Erscheinungen, obschon sie ihrer eigentlichen Wesenheit und Natur nach noch dunkel sind, f\u00fcgen sich insofern in den Rahmen der mechanischen Naturauffassung, als sie sich an dem Zustandekommen der BewegungsVorg\u00e4nge in der Natur in einer solchen Weise betheiligen , dass wir berechtigt sind, den Satz auszusprechen, dass alle die verschiedenen Kr\u00e4fte, welche man fr\u00fcher als die Ursachen der verschiedenen Naturerscheinungen postuliren zu m\u00fcssen glaubte, wesentlich gleichartig und nur verschiedene Erscheinungsformen einer und derselben mechanischen Kraft sind, die als Anziehung in den K\u00f6rperatomen, als Abstossung in den Aeth eratomen ihren Sitz hat.\nEs ist lehrreich sich hier klar zu machen, wie man zur Aufstellung so verschiedener Naturkr\u00e4fte kommen musste. Die Forderung, die Naturerscheinungen zu begreifen, heisst so viel, als ihre Gesetze zu finden. In der That ist ein Naturgesetz, nach Helmholtz\u2019 Definition der allgemeine Begriff, unter den sich eine Reihe gleichartig ablaufender Vorg\u00e4nge zusammenfassen l\u00e4sst, d. h. es ist der Ausdruck dessen, was allen Einzelf\u00e4llen einer gleichartigen Erscheinungsweise gemeinsam ist und was wir in allen diesen F\u00e4llen ausnahmslos regelm\u00e4ssig wiederkehrend finden. Die Ausnahmslosigkeit ist das Kennzeichen der Wahrheit und Wirklichkeit des Gesetzes. So tritt uns das Gesetz mit zwingender Nothwendigkeit und Gewalt als fremde reale Macht entgegen, und demgem\u00e4ss ohjectiviren wir es als besondere Natur kraft, und so kommen wir zur Statuirung von einer besonderen chemischen Verwandtschaftskraft oder Affinit\u00e4t, einer besonderen Coh\u00e4sionskraft, einer besonderen Schwerkraft oder Gravitation, von W\u00e4rme, Licht, Elektricit\u00e4t, Magnetismus und endlich einer besonderen Lebenskraft u. s. w. In diesem Sinne bezeichnet das Wort \u00bbKraft\u00ab ein Etwas, das nicht an sich und in seiner Wesenheit bekannt und erkennbar ist, sondern nur durch und in seiner gesetzm\u00e4ssigen Wirkungsweise und mannigfaltigen Erscheinungsform. Nach der mechanischen Hypothese der modernen Naturwissenschaft sind aber alle diese besonderen und verschiedenen Naturkr\u00e4fte. welche man als die Ursachen der Naturerscheinungen postulirt, letzten Endes auf eine und dieselbe mechanische Bewegungskraft zur\u00fcckzuf\u00fchren, welche als einfache anziehende Centralkraft in jedem K\u00f6rperatom, als einfache a b s t o s s e n d e C e n t r a 1 k r a f t in j edem Aetheratom ihren Bitz hat.\nWir haben ja gesehen, dass in der That alle die verschiedenen Naturkr\u00e4fte, insofern sie Ver\u00e4nderungen liervorrufen. d. h. Arbeit","page":281},{"file":"p0282.txt","language":"de","ocr_de":"282\nDie Principien der mechanischen Naturauffassung.\nleisten, mit dem Maasse der mechanischen Kraft sich messen lassen und nach ganz bestimmten, in diesem Maasse ausdriiekbaren Aequivalenten sich gegenseitig Wirksamkeit verleihen, oder, wie der bildliche Ausdruck lautet, in einander sich transformiren. Aber sehen wir zu, was wir unter diesem bildlichen Ausdruck, der sich allerdings durch seine K\u00fcrze und Bequemlichkeit empfiehlt und eingeb\u00fcrgert hat, eigentlich meinen, d. h. was denn im Sinne unsrer mechanischen Naturauffassung wirklich und eigentlich vorgeht, wenn sich, wie wir sagten, eine Kraft in die andere transformirt, was ja ein logischer Widerspruch ist. Ich werde in meiner Er\u00f6rterung so Manches wiederholen m\u00fcssen, was ich Ihnen bereits bei einem fr\u00fcheren Anlasse \u00fcber das Wesen all dieser Vorg\u00e4nge und verschiedenen Erscheinungsformen mitgetheilt habe; aber scheuen Sie die M\u00fche nicht, mir von Neuem aufmerksam zu folgen, die Wichtigkeit des Gegenstandes verdient es vollkommen.\nNach der modernen naturwissenschaftlichen Anschauung besteht, wie Sie wissen, die Materie aus unz\u00e4hlbaren, discreten, d. h. durch Zwischenr\u00e4ume getrennten, unmessbar kleinen Theilchen, den sogenannten K\u00f6rperatomen und Aetheratomen : die ersteren sind die Sitze der Anziehungskraft, die letzteren die Sitze der Abstossungskraft. Diese Anziehungs- und Abstossungskr\u00e4fte sind sogenannte Centralkr\u00e4fte, d. h. sie wirken gleichm\u00e4ssig von einem Centralpunkte aus in geraden Linien nach allen Richtungen des Raumes hin, und die Intensit\u00e4t ihrer Wirkung ist nur eine Function der Entfernung. Alle Bewegungskr\u00e4fte., die uns in den Naturerscheinungen entgegentreten, sind nichts als verschiedene Aeusserungsformen der eben genannten beiden Urkr\u00e4fte. So ist die Affinit\u00e4t nicht etwa eine neue Kraft, sondern einfach die Combination oder Resultante der Anziehungs- und Abstossungskr\u00e4fte der zu unmessbar kleinen Ganzen \u2014 den chemischen Atomen \u2014 verkn\u00fcpften K\u00f6rper- und Aetheratome. \u2014 Dasselbe gilt von der Anziehungskraft oder Co h\u00e4 si on zwischen den Molec\u00fclen der K\u00f6rper, welche aus der Zusammenordnung einer bestimmten Anzahl von chemisch gleichartigen oder chemisch ungleichartigen Atomen als kleine Ganze von h\u00f6herer Ordnung, aber noch immer von unmessbarer Kleinheit hervorgehen. Auch die Coh\u00e4siou ist also keine neue Kraft, sondern letzten Endes nur eine Combination oder Resultante der den Aether- und K\u00f6rperatomen innewohnenden Anziehungs- und Abstossungskr\u00e4fte. \u2014 Endlich ist die Schwere oder Gravitation, welche auf messbare, ja ungeheure Entfernungen die Massen oder Molen, die aus Aggregaten von Molec\u00fclen bestehen, gegen einander zieht, gleichfalls keine neue Kraft. sondern zuletzt immer nur die Summe der Anziehungs- und Abstossungskr\u00e4fte. welche den in bestimmter","page":282},{"file":"p0283.txt","language":"de","ocr_de":"X. R\u00fcckblick : die Umwandlungen der einzelnen Bewegungsformen etc. 283\nWeise zusammengeordneten Stoffelementen oder Uratomen innewohnen. \u2014\nUnd so haben wir es denn immer und unter allen Umst\u00e4nden eigentlich mit einer einzigen Kraft, der mechanischen, zu thun, welche in zwei gleichartigen, aber entgegengesetzten, und nach verschiedenen Gesetzen der Zu- und Abnahme der Intensit\u00e4t mit der Entfernung functionirenden Formen \u2014 als Anziehungskraft in den K\u00f6rperatomen, als Abstossungskraft in den Aetlieratomen \u2014 auftritt.\nAlle Verschiedenheiten der Eigenschaften der so mannigfaltigen Stoffe beruhen demzufolge nur auf einer verschiedenen Vertheilung und Gruppirung der Uratome im R\u00e4ume ; allen Ver\u00e4nderungen und Vorg\u00e4ngen in der Natur, so verschieden und mannigfaltig dieselben auch sein und erscheinen m\u00f6gen, liegen in letzter Instanz immer nur Ver\u00e4nderungen in der r\u00e4umlichen Vertheilung und Gruppirung der Uratome zu Grunde, \u2014 Ver\u00e4nderungen, welche selbstverst\u00e4ndlich nur durch Bewegungen von bestimmter Richtung und Geschwindigkeit zu Stande kommen k\u00f6nnen. Es gibt also \u00fcberhaupt nur zwei Zust\u00e4nde, in welchen sich ein einzelnes Aether- oder K\u00f6rperatom, oder ein ganzer Complex von solchen, die wir als chemische Atome, Molecule und Mo-lee\u00fclaggregate oder Molen bezeichnet haben, befindet ; sie sind n\u00e4mlich immer entweder in Ruhe oder in Bewegung, und daher kann sich in letzter Analyse \u00fcberhaupt nur zweierlei im materiellen Universum, welchem in einem gegebenen Augenblick eine bestimmte Vertheilung und Anordnung der Atome zu Grunde liegt, ereignen : eine Ver\u00e4nderung des Ruhe- oder des Bewegungszustandes, in dem die Atome sich eben befinden.\nEs lassen sich demnach drei specielle F\u00e4lle unterscheiden : es geht die Ruhe des Atoms oder Atomcomplexes in Bewegung \u00fcber, \u2014 es nimmt die Bewegung, mit oder ohne gleichzeitige Aenderung ihrer Richtung, an Geschwindigkeit zu, \u2014 es findet endlich das Entgegengesetzte, n\u00e4mlich eine Verz\u00f6gerung der Geschwindigkeit statt, und dann kann die Bewegung mit oder ohne Richtungs\u00e4nderung allm\u00e4hlich oder pl\u00f6tzlich ganz zur Ruhe kommen. \u2014\nHier erachte ich es f\u00fcr zweckm\u00e4ssig, Sie an eine allen K\u00f6rpern zukommende Eigenschaft zu erinnern, an die Tr\u00e4gheit oder das Beharrungsverm\u00f6g'en n\u00e4mlich, welches macht, dass ebensowenig wie ein vorhandener Ruhezustand in Bewegung \u00fcbergehen kann, ebensowenig die Richtung oder Geschwindigkeit einer einmal vorhandenen Bewegung sich ver\u00e4ndern kann, ohne die Dazwischenkunft irgend einer neuen Kraft\u00e4usserung. Eine einmal erzeugte Bewegung, d. h. die in einer bestimmten Richtung erlangte Geschwindigkeit eines","page":283},{"file":"p0284.txt","language":"de","ocr_de":"2S4\nDie Principien der mechanischen Naturauffassung.\nAtoms oder Atomeomplexes, w\u00fcrde sich in infinitum ebenso unver\u00e4ndert erhalten, wie der Ruhezustand eines Atoms oder Atomeomplexes, wenn nicht eben durch die Bewegung seihst Stellung und Lage der Atome und Atomcomplexe gegen einander sich \u00e4nderten und in Folge dessen neue Kraftcombinationen entst\u00e4nden. Ich habe Ihnen fr\u00fcher an der Atwood\u2019sehen Maschine diese Fortdauer der erlangten Geschwindigkeit aufs Klarste vorgef\u00fchrt : Sie \u00fcberzeugten sieh damals. dass auch nach entferntem Uebergewieht die Bewegung des \u00fcberlastet gewesenen Gewichtes eine Zeit lang fortdauerte. Die iu irgend einem Momente erlangte Geschwindigkeit der fallenden Massen ist n\u00e4mlich die Summe oder Gesummt Wirkung der w\u00e4hrend der ganzen Fallzeit als lebendige Kraft tlditigen Anziehung zwischen dem Uebergewieht und der Erde \u2014 jedoch minus der Widerstands\u00e4usserungen jener Kr\u00e4fte, welche in entgegengesetzter Richtung th\u00e4tig sind. Bei unserem Versuche mit der genannten Maschine r\u00fchrten diese nicht blos von der Schwerkraft des aufsteigenden Gegengewichtes, sondern auch von den Molecular- und Atomkr\u00e4ften der Massen her, welche sich hei der Drehung der Rolle, hei der Abwicklung und Biegung des Fadens und hei der Verschiebung der Theile durch die Luft an einander reihen oder sonst in ihrer Gleichgewichtslage st\u00f6ren, wobei neben der grobmechanischen Bewegung W\u00e4rme entsteht, deren Menge genau \u00e4quivalent ist dem Minus an erlangter Geschwindigkeit \u2014 in Folge dessen denn auch nach einiger Zeit das fr\u00fcher belastete Gewicht zur Ruhe kam. \u2014 Doch kehren wir zu unserer allgemeinen Beweisf\u00fchrung zur\u00fcck.\nJede Kraft, einerlei oh Anzieliungs- oder Abstossungskraft. kann sich nur auf zweierlei Art \u00e4ussern. entweder als Widerstand, d. h. Bewegung h c m m end. \u2014 oder als T rieh k r a ft. d. h. potentiell oder actuellBewegung erzeugend. Die wirkliche Leistung oder die Wirkung. die eine Kraft hervorbringt, besteht immer nur entweder in der Aufrechterhaltung oder Ver\u00e4nderung des Ruhezustandes, oder aber in der Aufrechterhaltung oder Ver\u00e4nderung des Bewegungszustandes der einzelnen Atome oder der ganzen Atomcomplexe. je nachdem sie dem Widerstande anderer entgegengesetzt gerichteter Kr\u00e4fte das Gleichgewicht h\u00e4lt, oder denselben \u00fcberwindet, oder endlich seihst in ihrer Widerstands\u00e4usserung gegen die ihr entgegenwirkenden Kr\u00e4fte \u00fcberwunden wird. Die Quantit\u00e4ten der Leistungen oder Wirkungen, welche aus dem Widerspiel der Bewegung erzeugenden und Bewegung hemmenden Kraft\u00e4usserungen hervorgehen, m\u00f6gen sie nun in der Aufrechterhaltung oder in der Ver\u00e4nderung eines Ruhezustandes \u2014 in der Aufrechterhaltung oder in der Ver\u00e4nderung eines Bewegungszustandes","page":284},{"file":"p0285.txt","language":"de","ocr_de":"X. R\u00fcckblick : die Umwandlungen der einzelnen Bewegungsformen etfe 2S5\nder Atome und Atomcomplexe bestellen, sind, dem Gesetze der Erhaltung der Kraft zufolge, ebenso unvermeidbar und unzerst\u00f6rbar wie die Atomkr\u00e4fte selbst. \u2014 Es kann zwar ein bestimmter Ruhezustand, eine bestimmte Bewegung l\u00e4ngere oder k\u00fcrzere Zeit unver\u00e4ndert sich erhalten oder aber sich ver\u00e4ndern, neu entstehen und wieder verschwinden, also scheinbar vernichtet werden, die Vertheilung und Gruppirung der Atome und Atomcomplexe im Raume, welche hierdurch besteht oder herbeigef\u00fchrt wird und also \u00fcberhaupt die Vorg\u00e4nge und Zust\u00e4nde in der Natur, welche in irgend einem Augenblicke vorhanden sind, sind aber immer und unter allen Umst\u00e4nden das Resultat einer constanten und unver\u00e4nderlichen Summe von Bewegung hemmenden und Bewegung erzeugenden Kraft\u00e4usserungen. Die Quantit\u00e4ten der Kraft\u00e4usserungen in der einen Form (Widerstand, Bewegungshemmung) k\u00f6nnen zwar zunehmen oder abnehmen; allein indem hierdurch jedesmal die Quantit\u00e4ten der Kraft\u00e4usserungen in der andern Form (lebendige Kraft, Bewegungserze ugungj in genau \u00e4quivalenten Mengen in entgegengesetztem Sinne sich ver\u00e4ndern, so bleibt die Summe der Kraft\u00e4usserungen und Wirkungen absolut constant.\nMit anderen Worten : die elementaren Naturkr\u00e4fte geh\u00f6ren so zu sagen zum Fundus instructus der Materie \u2014 und nicht nur kann die Naturkraft an sich. was schon a priori feststeht, ebenso wenig zerst\u00f6rt als geschaffen werden : sondern es kann auch die durch ein gewisses Quantum derselben hervorgebrachte Wirkung, abgesehen von der Form ihrer Erscheinung, niemals ganz oder auch nur theilweise vernichtet werden: denn jede Wirkung, oder, was dasselbe ist, jede Ver\u00e4nderung, welche durch ein gewisses Quantum Kraft bewirkt wird, ist eine doppelte, d. h. hat zwei Seiten, und besteht darin, dass einerseits jene Anordnung des Stoffs, d. h. jene Vertheilung der Materie im Raume verschwindet, unter welcher ein \u00e4quivalentes Quantum Kraft in Form von Spannkraft vorhanden war ; dass aber andererseits zugleich an einem anderen Orte Bewegungen entstehen, welche einem gleichen Quantum Kraft in Form von lebendiger Kraft genau entsprechen. Bei jeder Arbeitsleistung, bei jedem Vorgang in der Natur, als einer durch ein bestimmtes Quantum Kraft bewirkten Ver\u00e4nderung der Anordnung der Ruhe und Bewegungszust\u00e4nde der einzelnen Atome und ganzen Atomcomplexe ist das Verschwinden des dazu aufgewendeten Kraft-quantums nur scheinbar: denn dieses Quantum bleibt unter allen Umst\u00e4nden unver\u00e4ndert erhalten ; dasjenige was allein verschwindet, was allein wechselt und sieh ver\u00e4ndert, das sind nur die Zust\u00e4nde und Erscheinungsformen der Kraft. Die erstereu bezeichnen wir als","page":285},{"file":"p0286.txt","language":"de","ocr_de":"Die Principien der mechanischen Naturauffassunjj,\n286\nactuelle und potentielle Energie, die letztere als Schwere, Coh\u00e4sion, Affinit\u00e4t u. s. w. Die genaue physikalische Analyse eines jeden Vorganges in der Natur l\u00e4sst uns also erkennen, dass dabei weder Stoff noch Kraft erzeugt oder vernichtet wird : in jenem \u00e4ndert sieh nur die Vertheilung und Anordnung seiner Atome und Atomcomplexe im Raume, hei dieser setzt sich nur die potentielle Energie in actuelle oder vice versa um, und es wird eine ihrer Erscheinungsformen in ein genau \u00e4quivalentes Quantum einer anderen transformirt.\nWir haben diese grosse Thatsache so ausgedr\u00fcckt, dass wir sagten : Alles Geschehen beruhe auf der Transformation der Naturkr\u00e4fte nach strenger Aequivalenz und der G e s am m t vo rr a t h an Natur-kraft oder die totale Energie im Universum sei somit eine constante, unver\u00e4nderliche Summe von Spannkraft und lebendiger Kraft oder potentieller und actueller Energie. \u2014 Wir meinten damit genau dasselbe, was wir soeben im Lichte der atomistischen Theorie in seinem eigentlichsten Wesen durchschaut haben : denn was ist Span nk raft anders als die Quantit\u00e4t der Kraft\u00e4usserung; welche als \u00fcberwundener Widerstand, d. h. als Bewegungshemmung, die ganz bestimmte, in einem gegebenen Augenblick vorhandene Vertheilung und Anordnung der Atome und Atomcomplexe im Raume herbeifuhren half, \u2014was ist ferner lebendige Kraft anders, als die Bewegung erzeugende Aeusserungsform, welche in einem gegebenen Augenblicke als erlangte Geschwindigkeit der in bestimmter Richtung in Bewegung befindlichen Atome und Atomcomplexe, nach Ueberwindung der entgegenstehenden Widerst\u00e4nde \u00fcbrig geblieben ist, \u2014 und was heisst endlich Transformation der Naturkr\u00e4fte in einander anders, als jene Ver\u00e4nderung der Vertheilung und Gruppi-rung der Atome und Atomcomplexe im Raume, welche die in jedem Augenblicke vorhandene r\u00e4umliche Gruppirung und Vertheilung der Atome und Atomcomplexe im n\u00e4chstfolgenden Augenblicke durch den \u00e4quivalenten Wechsel der Bewegung hemmenden und Bewegung erzeugenden Kraft\u00e4usserungen bedingt und herbeif\u00fchrt.","page":286}],"identifier":"lit16325","issued":"1879","language":"de","pages":"275-286","startpages":"275","title":"Die Principien der mechanischen Naturauffassung. Einleitung zur heutigen Physiologie, ein Cyclus von zehn Vorlesungen: X. R\u00fcckblick: die Umwandlung der einzelnen Bewegungsformen ineinander; die theoretische Erkl\u00e4rung des Wesens der Transformationen","type":"Book Section","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:56:29.716176+00:00"}

VL Library

Book Section
Permalink (old)
http://vlp.uni-regensburg.de/references?id=lit16325
Licence (for files):
Creative Commons Attribution-NonCommercial
cc-by-nc

Export

  • BibTeX
  • Dublin Core
  • JSON

Language:

© Universitätsbibliothek Regensburg | Imprint | Privacy policy | Contact | Icons by Font Awesome and Icons8 | Powered by Invenio & Zenodo