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{"created":"2022-01-31T13:15:08.579093+00:00","id":"lit1764","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 16-29. Leipzig: Wilhelm Engelmann ","fulltext":[{"file":"p0016.txt","language":"de","ocr_de":"II.\nUeber die Spermatozo\u00efden von Salamandra atra.\nEin Beitrag zur Kenntniss der festen Formbestandtheile im Sanum der\nMolche.\n[Vorgetragen am 7. M\u00e4rz 4849 in d. naturwissenschaftl. Section der schles. Ges. f. vaterl. Cultur. \u2014 Abgedruckt als Nachtrag zum Bericht \u00fcber die Th\u00e4tigkeit d. Gesellschaft i. J. 1848. Ein Auszug ist abgedruckt in d. Zeitschrift f. wissenschaftliche 'Zoologie 4850, Bd. II, S. 550 ff.]\n(Hierzu Tafel 3 und 4).\nDer Same aller bisher genau untersuchten Molche enth\u00e4lt eine ungeheure Anzahl fadenf\u00f6rmiger Spermatozo\u00efden, an welchen ein eigenth\u00fcmliches Flimmerph\u00e4nomen zu bemerken ist. Die Vermuthung liegt nahe, dass diese h\u00f6chst auffallende Eigenschaft wohl den Spermatozo\u00efden s\u00e4mmtlicher Thiere dieser Zunft als charakteristisches Merkmal zukommen m\u00f6ge. Da nur die speciellsten Untersuchungen Gewissheit \u00fcber diesen Punkt geben k\u00f6nnen und \u00fcberdies\u00ab die Ansichten \u00fcber das Flimmerph\u00e4nomen getlieilt sind : so stehe ich nicht an, nachfolgende Bemerkungen \u00fcber die noch nicht genau gekannten Samenf\u00e4den von Scilmnandra atra und \u00fcber das Wesen dieser Art des Flimmerph\u00e4nomens zu ver\u00f6ffentlichen.\nIch verdanke der grossen G\u00fcte meines Oheims, Professor Dr. Jos. Jul. Ozukmak zu Wien, mehrere Exemplare des erw\u00e4hnten, h\u00f6chst interessanten und nur wenigen Beobachtern zug\u00e4nglichen Thieres, wodurch mir im September 1848 die Gelegenheit geboten wurde, vorliegende Untersuchungen zu veranstalten.\nI. Von der \u00e4usseren Gestalt der Spermatozo\u00efden.\nDie Spermatozo\u00efden des schwarzen Erdmolches sind d\u00fcnn, lang und in zwei ungleiche\u2014 in vielfacher Beziehung sehr verschiedene \u2014","page":16},{"file":"p0017.txt","language":"de","ocr_de":"lieber die Spermatozo\u00efden von Salamandra atra.\n17\nH\u00e4lften getheilt. Die eine dieser H\u00e4lften ist dicker und k\u00fcrzer, ziemlich steif, gerade gestreckt oder leicht gekr\u00fcmmt; die andere d\u00fcnner, l\u00e4nger, in mannigfachen Curven gebogen und mit einem eigenth\u00fcm-liehen aecessorisohen Gebilde versehen. Icli will nur, der K\u00fcrze wegen, ohne mit folgenden Bezeichnungen irgend eine Deutung zu verbinden, die erstere den Kopf, die letztere den Schwanz nennen.\nDer KopfTaf. 3, Fig.1, 2,3.. . mn ist im Mittel 0,003475 W. Z. lang und an der Verbindungsstelle mit dem Schw\u00e4nze 0,00015 W. Z. dick ; gegen sein freies Ende verj\u00fcngt er sich nach und nach und l\u00e4uft\nziemlich pl\u00f6tzlich in ein ungemein feines\tlanges) Stielchen\naus, welches fast immer ein kleines Kn\u00f6pfchen tr\u00e4gt, oder aber mit kaum sichtbarer Spitze endigt. Tat'. 3, Fig. 1\u2014Fig. 5, ms). Rudolph Waoxku 1 hat hei Salamandra maculatu, Dcjaudix 2 \u2014 obwohl weniger constant, \u2014 hei Triton palniipes ein \u00e4hnliches Kn\u00f6tchen beobachtet und beschrieben : ich kann sein ungemein h\u00e4ufiges Vorkommen an den Samenf\u00e4den von Salamandra mandata und von mehreren Tritonen best\u00e4tigen.\nDer Schwanz besteht aus einem Hauptfaden und einem accessorischen Gebilde. Der Hauptfaden hat im Mittel eine L\u00e4nge von 0,0054 W. /.: seine Dicke ist an drei verschiedenen Stellen verschieden, und zwar beginnt sein '0,0002\" langes) Kopfende Taf. 3, Fig. 1. no), eben so dick, wie die Basis des Kopfes selbst \u2014 von der es durch einen leicht zu \u00fcbersehenden Querstrich nur undeutlich abgegrenzt wird, \u2014 verschm\u00e4lert sich dann etwas und geht durch einen pl\u00f6tzlichen Absatz in das viel d\u00fcnnere , aber \u00fcber zwei Drittel der ganzen Schwanzl\u00e4nge betragende zweite oder Mittelst\u00fcck \u00fcber Taf. 3, Fig. 1. op , welches wiederum durch eine j\u00e4he Verj\u00fcngung mit dem d\u00fcnnsten stumpf auslaufenden dritten oder Endst\u00fccke Taf. 3, Fig. 1 .pr) zusammenh\u00e4ngt. Das kurze Kopfende des Hauptfadens tritt durch die sp\u00e4ter zu erw\u00e4hnenden Berstungen des Kopfes in seiner fast hirn-f\u00f6rmigen Gestalt frei und deutlich hervor.\nDas a c c e s s o r i s c h e G e b i 1 d e ist eine \u00fcberaus d\u00fcnne, glashelle, 0,0003\" und dar\u00fcber hohe Membran, die von dem Punkte 0 Fig. 1, 2. 3 . . . an, sich zu erheben beginnt und senkrecht auf der Mittellinie der R\u00fcckenseite des Hauptfadens mit einem Rande festsitzt, w\u00e4hrend der andere, etwas verdickte Rand Fig. 1. xx, yy, tt . . z) in einer\n1\tRun. Wagner, Abhandl. (1. math, phjts. Klasse d. k. liaierischen Akademie der Wissenschaften. Band II. (IS,11\u2014183(1).\n2\tDujardin, Ann. d. sc. nat. S\u00e9rie 2. Tom. X. p. 21.\nCzermak, Schriften.\n2","page":17},{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"18\nUeber die Spermatozo\u00efden von Salamandra atra.\nWellenlinie hin nn<l her gebogen frei in die Fl\u00fcssigkeit absteht. Am stumpfen Ende des Hauptfadens nimmt die H\u00f6he der Membran wieder so ab, dass der verdickte Hand dasselbe unter einem spitzen Winkel ber\u00fchrt und als ein zarter Ausl\u00e4ufer von 0,0005\" frei \u00fcberragt (Fig. 1 bei r, rz). Die L\u00e4nge der ganzen Spermatozo\u00efden ist somit \u2014 0,009375\" W. Z. Alle eben beschriebenen Formenverh\u00e4ltnisse fand ich an den etwas gr\u00f6sseren Samenf\u00e4den von Salamandra mandata in gleicher Weise.\nWegen der grossen Durchsichtigkeit der Membran, welche man nur unter den g\u00fcnstigsten Umst\u00e4nden (bei geh\u00f6riger D\u00e4mpfung des Lichtes) an dem Schatten ihrer sehr regelm\u00e4ssigen Faltungen erkennen kann, erscheint der verdickte Land wie ein freier, wellenf\u00f6rmig gekr\u00fcmmter Faden. Die ausf\u00fchrliche Darlegung der Gr\u00fcnde, welche die Existenz dieser Membran ausser Zweifel setzen, werde ich weiter unten (von den Bewegungen der Samenf\u00e4den, A.) mittheilen; hier will ich nur bemerken, dass schon Bouchet das fragliche Gebilde an den Samenf\u00e4den von Triton cristatus richtig erkannt und \u00fcbereinstimmend mit der hier gegebenen Darstellung beschrieben hat. Diese IJebereinstimmung scheint mir, \u2014 da ich erst nach Vollendung meiner Untersuchungen Bouchet\u2019s Arbeit kennen lernte \u2014 f\u00fcr die Richtigkeit der Auffassung der erw\u00e4hnten Verh\u00e4ltnisse zu sprechen. Die bez\u00fcgliche Stelle in Bouchet\u2019s Aufsatz lautet :\n\u00bbTai vu que ces zoospermes sont surmont\u00e9s en arri\u00e8re par une membrane extr\u00eamement fine, qui est une v\u00e9ritable nageoire de la hauteur de 0,003 de mill. Cette nageoire offre un bord libre d\u2019une \u00e9tendue plus consid\u00e9rable que celui par lequel elle adh\u00e8re au corps ; aussi il en r\u00e9sult\u00e9, que ce bord forme des replis tr\u00e8s amples, qui lui donnent T apparence des collerettes \u00e0 fraise que l'on portait au XV. si\u00e8cle, mais dont les plis sont beaucoup plus l\u00e2ches. \u00ab\nII. Vom inneren Baue der Spermatozo\u00efden.\nDer Kopf ist ein einfacher, lang gestreckter Schlauch, angef\u00fcllt mit einem, das Licht stark brechenden Inhalt. Von dieser Anordnung \u00fcberzeugt man sich mit gr\u00f6sster Klarheit : 1 : bei den nicht selten vorkommenden Berstungen des Kopfes, welche von der Basis gegen das freie Ende hin bis exclusive zu dem Stielchen mit dem Knopfe geschehen, indem sich dann die Bruchr\u00e4nder Zur\u00fcckschlagen, so, dass die Schlauchhaut in ihrer ganzen Breite \u00fcbersehen werden kann. Der\ni PottCtiET, Compt. rend, licbd. Vol. XX 1815. p. 1041.","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"Uelter die Spermatozo'iden von Salamandra atra.\n19\nInhalt, welcher der Schlauchhaut gleichm\u00e4ssig adh\u00e4rirt, trocknet sannnt dieser h\u00e4ufig dem Ohjectgl\u00e4schcn so fest an, dass die Con-touren der Basis des Kopfes fast ganz verschwinden und nur einen, das Licht stark brechenden Fleck Innrerlassen, der erst gegen das Stielchen hin wieder festere Umrisse gewinnt. Das Stielclien scheint durch diese Vorg\u00e4nge, eben so wie der Schwanz, seine Elasticit\u00e4t eingebiisst zu haben: es findet sich \u00f6fters stark gekr\u00fcmmt Taf. 3, Fig. 7, b, c, ms). 2) Wenn zuf\u00e4llig der Schwanz abgerissen ist, wo dann der Inhalt an der Bissstelle als ein fettartiges Tr\u00f6pfchen hervorquillt; es gelingt daselbst leicht das Lumen des Schlauchs zusehen (Taf. 3, Fig. 8, C hei /, D hei i und V).\nDer Hauptfaden des Schwanzes berstet nie und scheint solid zu sein ; sein vorderes Ende wird durch die Berstungen des Kopfes, wie bereits erw\u00e4hnt, deutlicher sichtbar Fig. 7, a hei no).\nVon der allgemeinen \u00e4usseren U m h\u00fcll n n g s h a u t. Der Haupt-faden des Schwanzes und der Kopf werden durch eine zarte, structurlose und durchsichtige Haut allenthalben umkleidet. Diese Haut liegt den v\u00f6llig reifen Samenf\u00e4den vollkommen eng an und bildet nur am B\u00fccken des Schwanzfadens eine senkrecht stehende Duplicator \u2014 die acces-sorische Membran. ') Oh noch irgend ein anderer Bestandtheil die accessorische Membran zusammensetzen helfe, kann ich nicht entscheiden : es muss dies sp\u00e4teren Untersuchungen \u00fcber die Entwickelungsweise dieser Samenf\u00e4den \u00fcberlassen bleiben. So viel ist gewiss, dass eine allgemeine \u00e4ussere Umh\u00fcllungshaut vorhanden ist ; denn in den fr\u00fcheren Entwickelungsstadien, also an den Samenf\u00e4den des Hodensamens, findet sich dieselbe, besonders nach Zusatz von Wasser, an der Bauchseite des Kopfes und Schwanzes in Form von Blasen durch Fl\u00fcssigkeit abgehoben. Solcher Blasen kommen sehr h\u00e4ufig mehrere und zwar an den verschiedensten Stellen vor, ausgenommen die Strecken von m bis s, n bis o und r his z in Fig. 1, 2, 3 . . . Taf. 3, zum Beweise, dass zwischen den genannten Punkten die Umh\u00fcllungshaut fr\u00fch fest anwachse. Die innerhalb dieser Blasen verlaufenden Thcile des Kopfes und Schwanzes besitzen scharfe und bestimmte (fontouren. Ist die Verd\u00fcnnung des Samens bedeutend, so werden die Blasen kugelig und dehnen sich wachsend \u00fcber gr\u00f6ssere K\u00f6rperstrecken aus. Auf diese Weise geschieht es z. B., dass der Kopf durch\n1 Bouchet folgert, ohne die gleich zu erw\u00e4hnenden blasigen Erhebungen, wie es scheint, zu kennen, aus der Existenz der uccessorischen Membran selbst das t orhandenscin einer Umh\u00fcllungshaut \u2014 als morphologische Nothwendigkeit. Ihiurie positive tie l ovulation spontaner . . . etc. \u2014 par F. A. PoUC'llET. Paris IS 17.\n2*","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"20\nUeber die Spermatozo\u00efden von Salamandra at-ra.\ndie immer zunehmende blasige Erhebung- gekr\u00fcmmt und zusammeu-gebogen wird, und endlich spiralig gewunden mit dem R\u00fccken an die innere Oberfl\u00e4che einer grossen Blase befestigt und von ihr ganz eingcscldossen erscheint Taf. 3, Fig. S. .1. B, C, I), /:', G. \u2014\nDer Umstand, dass sich die schlauchf\u00f6rmig ausgedehnte Xlm-h\u00fcllungshaut durch Imbibition in eine grosse kugelige Blase verwandeln lasse, giebt einen bedeutungsvollen Wink Uber ihre Entstohnngsweise. indem sie in den angef\u00fchrten Vorg\u00e4ngen offenbar die durchlaufenen Entwickelungsstadien bis zur urspr\u00fcnglichen Kugelgestalt nur wieder herabsteigt. Sollte sie etwa die durch das Wachsthum des Samenfadens ausgedehnte Membran jener Kerne sein, in welchen K\u00f6lliker die Samenf\u00e4den sich entwickeln sah? \u2014 Uebrigens scheinen mir die beschriebenen blasenf\u00f6rmigen Erhebungen jenen r\u00e4thselhaften Anschwellungen, die K\u00f6lliker' an den unreifen Samenf\u00e4den so vieler Thiere beobachtet hat, zu entsprechen.\nVon Aussen nach Innen vorgehend, findet man somit den Kopf: U aus der Umh\u00fcllungshaut, 2) der Schlauchhaut, 3; dem Inhalte; und den Schwanz : I aus der Umh\u00fcllungshaut, 2) dem soliden ? Haupt-faden zusammengesetzt. (Taf. 3, Fig. 9, Fig. 10;.\nIII. Von den Bewegungen der Samenf\u00e4den.1 2 3\nDie Spermatozo\u00efden kommen im Hodensamen : 1 ) einzeln und frei suspendirt vor; 2) durch zuf\u00e4llige Aneinanderreihung in gr\u00f6sseren welligen oder verfilzten Massen vereinigt, und 3 auf einem kugeligen granul\u00f6sen K\u00f6rper, wie dieBliithen der Syngenesisten auf deniBl\u00fctlien-boden, mit den K\u00f6pfen festsitzend und wie die Radien einer imagin\u00e4ren Kugel angeordnet. Diese letzte Art des Vorkommens unreifer Samenf\u00e4den fand K\u00f6lliker 3) bekanntlich im Samen vieler Thiere. Im Vas deferens finden sie sich meist isolirt und frei beweglich. Die Bewegungen der ganzen Samenf\u00e4den werden durch diese zuf\u00e4lligen Arten des Vorkommens nat\u00fcrlich verschiedentlich gehindert und modificirt.\nIch werde zuerst die Bewegungen der accessorischen Membran, sodann die des Kopfes und des Schwanzes, und endlich-die aus diesen beiden Momenten resultirenden Arten der Ortsver\u00e4nderung der ganzen Samenf\u00e4den beschreiben.\n1 K\u00f6lliker: Die Bildung der Samenf\u00e4den in Bl\u00e4schen . . . etc. Neuenb\u00fcrg\n1811).\n3 Das in diesem Abschnitt Mitgcthoilte gilt im Allgemeinen von den Samenf\u00e4den der Salamander sowohl, als der Tritonen. s K\u00f6lliker a. a. 0.","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"lieber die Spernmtozo'iden von SMaimindra atra.\n21\nA. Die accessorische Membran bewegt sich in fortschreitenden VInhibitionen. Ihre Bewegungen bestehen somit, wie cs im Begriff der fortschreitenden Wellenbewegung liegt, eigentlicli darin, dass die einzelnen Systeme der, in einer senkrechten Linie \u00fcber einander liegenden Punkte des Bandes und der Membran Pendelschwingungen von rechts nach links machen, jedoch die, vertikal auf der Anheftungslinie der Membran stehende Ebene \u2014 in Taf. 3, Fig. 10 als Linie AB) \u2014, welche die ganzen Undulatiouen der L\u00e4nge nach in zwei congruente H\u00e4lften theilt, in verschiedenen, auf einander folgenden Zeitmomenten passiren. (Vgl. die Erkl\u00e4rung der Abbildung Taf. L.\nMan kann sich zum bessern Verst\u00e4ndnis des Gesagten die accessorische Membran wie durch Verwachsung einer geradlinigen Reihe von Flimmerhaaren, welche nacheinander pendelartig schwingen, entstanden denken. Das scheinbare Fortschreiten der Undulationen geschieht in der Richtung von vorn nach hinten, gegen das freie Schw\u00e4nzende.\nDie Wellenlinie, in welcher der verdickte Rand sicli fortschreitend hin und her biegt, verl\u00e4uft in einer gekr\u00fcmmten Fl\u00e4che, deren Kr\u00fcmmungshalbmesser gleich ist der H\u00f6he der accessorischen Membran : wie sich bei einiger Ueberlegung und genauerer Betrachtung des idealen Querschnittes des Schwanzes ergiebt Taf. 3, Fig. I0). Dieser letztere, auch von Pouchet \u00fcbersehene Umstand ist der Schl\u00fcssel zur richtigen Deutung der verschiedenen Formen, unter welchen das Flimmerph\u00e4nomen auftritt vgl. Erkl\u00e4r, der Abbild. Taf. 4L Die Samenf\u00e4den bieten sich n\u00e4mlich durch ihre vielfachen Kr\u00fcmmungen und Biegungen dem Auge von allen m\u00f6glichen Seiten zur Beobachtung dar, so zwar, dass gew\u00f6hnlich an einem und demselben Samenfaden die Undulationen der Membran aus ganz verschiedenen Gesichtspunkten zu gleicher Zeit zu sehen sind. H\u00e4lt man aber die oben gegebene Auffassung dieser Bewegungen, so wie das \u00fcber die Gestalt der Membran Mitgetheilte fest, so wird es unschwer sein, sich f\u00fcr jedes relative Lagerungs-verh\u00e4ltniss des Samenfadens gegen den Beobachter die durch diese bestimmten Umst\u00e4nde noth wendig bedingten Verk\u00fcrzungen und scheinbaren Gestaltver\u00e4nderungen der Undulationen der Membran zu erkl\u00e4ren und selbst im Voraus zu skizziren.\nAuf dem Papiere kann man die Projection der Kr\u00fcmmungslinie des verdickten Randes f\u00fcr die verschiedensten Gesichtspunkte leicht construiren (s. Taf. 4 ; im Mikroskop dagegen tritt der die Auffassung erschwerende Umstand ein, dass nur die im Focus gelegenen Punkte des Objectes deutlich, die \u00fcbrigen, in Zerstreuungskreisen verschwimmend, undeutlich oder gar nicht zu erkennen sind ; doch wird es auch","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"22\nUeber die Spermatozo\u00efden von Salamandra atra.\nliier \u00f6fter gelingen, durch rasches Vergr\u00f6ssem oder Verkleinern der Focaldistanz eine vollst\u00e4ndige Anschauung zu erhalten.\nEs w\u00e4re zwecklos und viel zu erm\u00fcdend, liier ausf\u00fchrlicher auf die Menge der einzelnen Erscheinungen hei den verschiedenen Lagen der Samenf\u00e4den einzugehen; nur jener speciellen F\u00e4lle soll noch Erw\u00e4hnung geschehen, durch deren einseitiges Festhalten die bisher \u00fcber das Flimmerph\u00e4nomen an den Samenf\u00e4den der Salamander und Tritonen aufgestellten Hypothesen hervorgerufen wurden, um diese letzteren zu erkl\u00e4ren und zu berichtigen.\nHei einer totalen Seitenansicht, besonders, wenn die Membran rasch undulirt, m\u00fcssen die im Focus liegenden Theile des verdickten Randes als kleine P\u00fcnktchen erscheinen, welche, durch bestimmte Zwischenr\u00e4ume von einander getrennt, in constanter Entfernung von der convexen Seite des gekr\u00fcmmten Schwanzes von vorn nach hinten laufen (Taf. 3, Fig. (i). Die P\u00fcnktchen sind begreiflicher Weise mit Zerstreuungskreisen umgeben, welche alternirend gleiche Gestalten haben. Auf diese Art pr\u00e4sentirt sich das Flimmerph\u00e4nomen wohl am h\u00e4ufigsten. Spallanzani1 und Mayer 2) wurden durch solche Bilder get\u00e4uscht, wenn sie von ruderf\u00f6rmigen H\u00e4rchen und laufenden Flimmerk\u00fcgelchen sprachen.\nEine ganz andere Anschauung erh\u00e4lt man, wenn man senkrecht auf den K\u00fccken des Schwanzes von oben herabsieht; es liegt dann der Schwanz in der Mitte, w\u00e4hrend rechts die Wellenth\u00e4ler und links die Wellenberge des undulirenden Kandes hervorragen (Taf. 4, Fig. 3 und Taf. 3, Fig. t, ttt, Fig. 2, to . . t). Wegen der schon erw\u00e4hnten Durchsichtigkeit der Membran k\u00f6nnte man hier den Rand mit einem freien, spiralig um den Schwanz laufenden Faden verwechseln : wie Siebold, Wagner und Dujardin wirklich gethan haben), wenn nicht die Ueberkreuzungsstellen bei ttt Fig. 1 bei jedweder Focaldistanz unter einander denselben grossem oder geringem Grad der Deutlichkeit zeigten, was doch unm\u00f6glich der Fall sein k\u00f6nnte, wenn der verdickte Rand in der That einmal hinter dem Schw\u00e4nze auf seiner Spiraltour herumliefe und diesen kreuzte. Bei Dujardin3) selbst findet sich folgende Stelle: \u00bbJ/. de Siebold qui tout d'abord a adopt\u00e9 l'hypoth\u00e8se de l\u2019enroulement en spirale, dit bien qu\u2019 avec un fort grossissement on ne voit pas en m\u00eame temps au foyer les deux c\u00f4tes oppos\u00e9s de la spire ce qui ne laisserait aucun doute sur sa vraie disposition ; mais je le\n1\tSpallanzani: Opuseuli chl fi sim animale. Modena 1770. V. II. p. 30.\n2\tMayer: Froriep\u2019s N. Bd. L. p. 105. 1830.\n3\tA. a. O.","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Spennntozo'iden von Salamandra atra.\n\u202223\ndois dire que je n'ai p\u00f9 bien saisir ce charact\u00e8re. \u00ab\u2014 Um sieh mit v\u00f6lliger Evidenz zu \u00fcberzeugen, dass man es liier mit keiner spiraligen Um-wickelung des Schwanzes durch einen freien Faden. mag dieser nun als das lange d\u00fcnne Ende des r\u00fccklaufenden Schwanzes seihst Siebold, k Wagner1 2;), oder als ein selbst\u00e4ndiger, von der Vereinigungsstelle des Kopfes und Schwanzes entspringender Spiralfaden Dujardin :i)angesehen werden, zu thun habe, erw\u00e4ge man folgenden Umstand : Bei einer gewissen seitlichen Lage des Samenfadens kann man n\u00e4mlich den verdickten Rand als regelm\u00e4ssige Wellenlinie in einigerEntfernung neben d ein Sc h w anze seiner g a n z e n L \u00e4n g e n a c-h v e r 1 a u f en un d unduliren sehen, ohne dass er anch nur ein einziges Ma 1 denselben \u00fcber kreuzte Taf. 3, Eig. 4). Eine theilweise solche Juxtaposition l\u00e4sst sich an der convexen Seite j eder pl\u00f6tzlichen Umbiegungsstelle des Samenfadens leicht erkennen Taf. 3, Eig. 2\nAuch hat Dujardin 1 dergleichen selbst gesehen, er beschwichtigt aber seine ihm \u00fcber den freien Spiralfaden aufsteigenden Zweifel durch folgende Betrachtung : \u00bb Cependant on peut \u00e0 la rigueur supposer qu'en raison de son n\u00e4mlich des freien Spiralfadens: mouvement ondulatoire plus vivement agite sur un point il se trouve momentan\u00e9ment un peu d\u00e9roul\u00e9 sur un autre point. \u00ab\nEs ist somit klar, dass der verdickte Rand nicht in einer Spiraltour um, sondern in einer Wellenlinie neben dem Schw\u00e4nze verlaufe.\nHier scheint der passendste Ort, die Gr\u00fcnde, welche f\u00fcr die Existenz einer accessorischen Membran in der beschriebenen Gestalt sprechen, n\u00e4her auszuf\u00fchren :\nE Derver dickt! R a n d d e r M emb r a n, oder \u2014 wie ich ihn vorl\u00e4ufig nennen will \u2014 der freie unduliren de Faden, verl\u00e4uft parallel mit und neben dem Hau p tfa de u des S e h wan z c s.\n2)\tE r folgt i n g c r i n g e r E n t f e r n u n g v o n d crconvexe n Seite des g e k r \u00fc m m ten H a u p t f a dens ge n a u alle n E i n -rollungen desselben, ohne sich \u00fcber eine gewisse Distanz zu entfernen.\n3)\tEndlich kann man bei geh\u00f6riger D\u00e4mpfung des Lichtes, besonders an Kr\u00fcmmungsstellen des Sc hwanze s, wie in Taf. 3, Eig. 3, z a r t e S c h atten in regel m \u00e4 s s i g e n Entfernungen von einander zwischen seiner convexen Seite und dem freien E a den e n t d e e k e n.\n1 Fror. N. Bd. II. p. 281. Nr. 40. 1837,\nA. a. 0.\t3 A. a. 0.\n4 A. a. 0.","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\nUcber die Spermatozo'ideu von Salamandra atra.\nErw\u00e4gt man diese drei Punkte, so bleiben nur drei Wege \u00fcbrig, um sie zusammenzureimen : 1 ) Entweder muss man eine hypothetische Anziehungskraft zwischen dem freien Faden und dem Schw\u00e4nze annehmen, wobei jedoch der dritte Punkt unerkl\u00e4rt bliebe, oder 2 den freien Faden f\u00fcr den verdickten Hand einer glashellen, auf dem K\u00fccken des Schwanzes sitzenden Membran halten, welche denselben, wie das Mesenterium den Darm an die hintere Baucliwand, an den Hauptfaden des Schwanzes befestigt. 3; Endlich k\u00f6nnte auch hier mit Wagnek 1 die Ansicht geltend gemacht werden, dass das Flimmerorgan aus einer Reihe coordinirt oscillirender Flimmerh\u00e4rchen bestehe, die den Schein eines Fadens und einer Membran erzeugen. Dass von den drei Erkl\u00e4rungsweisen die zweite unbedingt den Vorzug verdiene, ist meine feste Ueberzeugung.\nDie Schnelligkeit der Undulationen ist nicht immer dieselbe, sie w\u00e4chst und verringert sich; dasselbe gilt auch von ihrer Breite. Stellenweise h\u00f6ren die Schwingungen der Membran ganz auf, w\u00e4hrend sie an andern Punkten fortdauern. Vor dem g\u00e4nzlichen Stillstand der Bewegung geschehen sie ruckweise.\nB.\tDie langsamen und fast unmerklicli erfolgenden Bewegungen des Kopfes und Schwanzes bestehen darin, dass diese K\u00f6rpertlieile bestimmte Kr\u00fcmmungslinien annehmen und diese eine Zeit lang starr beibehalten. 1 So kr\u00fcmmen sich die freien Samenf\u00e4den gew\u00f6hnlich in Form einer Spirallinie, welche man auf einem Kegel verzeichnen kann, also v\u00f6llig in der Art, wie der Gang eines Schneckenhauses um den Modiolus aufgewunden ist. Die Projection dieser Curve in der L\u00e4ngsaxe ist eine ebene Schneckenlinie (Taf. 3, Fig. 1 A, Fig. 2 A), in der Queraxe eine Wellenlinie von immer wachsender Breite. Die Windungen sind bald weiter, bald enger, es sind deren meist eine und eine halbe. 2) Oft schl\u00e4gt sich der Kopf nach r\u00fcckw\u00e4rts, w\u00e4hrend der Schwanz ein Segment eines Kreises darstellt Fig. 4 . 3 In Fig. 3 und Fig. 5, Taf. 3, sind noch andere, h\u00e4ufig verkommende Einrollungen des Schwanzes dargestellt.\nDie accessorische Membran sitzt immer auf der convexen Seite der Kr\u00fcmmungen.\nC.\tDie Ortsver\u00e4nderungen der ganzen Samenf\u00e4den resultiren aus den in A und B hervorgehobenen Momenten : beide Momente bedingen\n1 A. a. 0. \u2014Wagner\u2019s fr\u00fch ore, von ihm seihst aufgegebonc Ansicht. Die Flimmerhaare m\u00fcssten in einer geraden Linie, auf dem K\u00fccken des Schwanzes stehend, gedacht werden, nicht aber, wie Wagner meint, In einer gezogenen Spirale !","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Spermatozo\u00efden von Salamandra atra.\n25\niu gleichem Maasse die M\u00f6glichkeit und Art der Bewegungen. Die regelm\u00e4ssigen Undulationen der accessorischen Membran sind das Treibende ; in ihnen liegt die eigentliche motorische Kraft : die starren Kr\u00fcmmungslinien des Schwanzes und Kopfes hingegen sind der fixe Angriffs- und St\u00fctzpunkt der treibenden Schwingungen der Membran : sie bestimmen, ob und inwieweit sich die Wirkungen der Undulationen aufheben oder nicht, sie geben die Richtung der Locomotionen an.\nMan sieht leicht, wie wesentlich dieser letztere, bisher noch nicht genug gew\u00fcrdigte Umstand sei, und welche grosse Rolle bei den allgemeinen Ortsver\u00e4nderungen der Samenf\u00e4den somit die Curven des Kopfes und Schwanzes spielen.\nDie Darstellung einiger speciellen F\u00e4lle wird den Typus dieser Bewegungen klar machen und die Richtigkeit meiner Auffassung erweisen.\n1 ) Ein frei im Samen suspendirter Samenfaden hat sich in einer Spirale von der unter B. I. beschriebenen Form gekr\u00fcmmt und beh\u00e4lt diese Gestalt eine Zeitlang fort. Wenn nun die acccssorische Membran, welche auf der convexen R\u00fcckenfl\u00e4che des Schwanzes festsitzt, in der erkl\u00e4rten Weise in rasche, von vorn nach hinten fortschreitende Undulationen ger\u00e4th, so muss nothwendig der Samenfaden um die imagin\u00e4re Axe seiner Curve herumgew\u00e4lzt werden, und zwar in der den fortschreitenden Undulationen entgegengesetzten Richtung Fig. 1 bei A . In der That bohrt sich der Samenfaden, auf diese Art rotirend, durch die Fl\u00fcssigkeit gleichsam weiter, und ist im Stande, seinen Ort zu ver\u00e4ndern und ziemlich rasch aus dem Gesichtsfelde zu verschwinden. Sind die Windungen der Spirale nicht breit (Taf. 3, Fig. I B , so sieht es fast aus, als ob der Samenfaden in schl\u00e4ngelnder Bewegung einher-schw\u00f6mme; doch ist dies keineswegs der Fall, wie man deutlich bei rascher Ver\u00e4nderung der Focaldistanz erkennt. Wenn daher R. Wagner' von einer schl\u00e4ngelnden Bewegung der Samenf\u00e4den der Salamander und Tritonen spricht, so mag dies hiermit seine Erkl\u00e4rung und Berichtigung finden.\n2 Hat der Schwanz eines Samenfadens die Kr\u00fcmmung eines Kreissegments angenommen, w\u00e4hrend der Kopf zur\u00fcckgeschlagen ist, wie in Figur 1, so ist die Art und Richtung der Ortsver\u00e4nderung eine gnnz andere, als im Falle 1. An den Undulationen der Membranen hat sich zwar nichts ge\u00e4ndert, sie pflanzen sich von vorn nach hinten fort, wie im ersten Falle ; doch da die Kr\u00fcmmungslinie des Schwanzes ein Kreissegment geworden ist. die Undulationen somit in einer Ebene\n1 Lehrbuch der Physiologie.","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nUeber'die Spermatozo\u00efdcn von Salamandra atra.\nwirken, so scliwimmt der Samenfaden in einem weiten Kreise umher, ohne aus dem Gesichtsfelde des Mikroskops herauszukommen. In diesem speciellen Falle ist noch die steuernde Wirkung des nach hinten abstehenden Kopfes zu ber\u00fccksichtigen.\n3; Ist der Samenfaden vielfach zusammengebogen, so dass sich die Wirkungen der Undulationen aufheben, so bleibt derselbe ruhig liegen, bis auf das freie Schwanzende, welches, so lange die Schwingungen dauern, in zitternder Bewegung erhalten wird.\nBetrachtet man eine Partie Samen aus den Hoden, so findet man h\u00e4ufig die Samenf\u00e4den ganz ruhig neben einander liegend : erst sp\u00e4ter besonders nach Verd\u00fcnnung mit Wasser) beginnt hie und da und endlich \u00fcberall Bewegung. Liegen die Samenf\u00e4den in grossen Massen beisammen, wie oben erw\u00e4hnt, so beobachtet man entweder ein unregelm\u00e4ssiges Gewimmel oder gleichm\u00e4\u00dfige wellige Biegungen, wie an einem vom Winde bewegten Getreidefelde ; zu gleicher Zeit fallen bei geh\u00f6riger Aufmerksamkeit unter sich parallele, senkrecht auf der L\u00e4ngsaxe des Spermatozo\u00efdcn stehende Schattenstreifen in die Augen, welche schnell hinter einander herlaufen, \u2014 sie r\u00fchren von den gleich-m\u00e4ssigen Kr\u00fcmmungen der verdickten B\u00e4nder der undulirenden Membranen her. Im Samen aus dem Gros deferens herrscht immer die lebhafteste Bewegung.","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"Uebcr die Sperma tozo\u00efden von Salamandra atra.\n27\nErkl\u00e4rung der Abbildungen.\nTafel 3.\nFig. 1. B. Ein Samenfaden aus dem ] ns deferens von Salamandra atra. m n der Kopf, ms das Stielchen, bei m das Kn\u00f6pfehen, no das breite Kopfende des Hauptfadens des Schwanzes, op dasMittelstiick, p r das d\u00fcnne Endst\u00fcck desselben. xx, yy, wtv, tt, vv der verdickte Rand der undulirenden Membran. Da der Schwanz in einer Spirale gebogen ist und die Membran auf seiner convexen Seite sitzt, so erscheint der Rand bei y y n e b e n, bei xx unter, bei mm neben, bei tt \u00fcber, endlich bei vv wieder neben dem Schw\u00e4nze, rz der freie Ausl\u00e4ufer des verdickten Randes.\nFig. 1. A. Projection der Kr\u00fcmmungslinie des Samenfadens bei B. Das freie Kopfende m, das Schwanzende s. Die beiden Pfeile zeigen die Richtung der durch die fortschreitenden Undulationen der Membran bewirkten Rotation des gekr\u00fcmmten Samenfadens um seine im Punkte m projicirto ideale Axe an.\nIn den \u00fcbrigen Figuren bezeichnen dieselben Buchstaben dieselben Gegenst\u00e4nde, wie in den eben erkl\u00e4rten Abbildungen.\nFig. 2. A. Projection der viel weiteren Spiralwindung dos Samenfadens bei Fig. 2. B. Die Pfeile haben dieselbe Bedeutung, wie in Fig. 1. A.\nFig. 2. B. Ein Samenfaden aus dem Hodensamen. Bei d die blasige Erhebung der Umh\u00fcllungshaut, welche, da man den Samenfaden nicht total von der Seite sieht, am unteren Seitenrande des Kopfes mit einem schmalen Segmente hervorsieht.\nFig. 3. Ein Samenfaden aus den Hoden. Bei d und d' die blasigen Erhebungen der Umh\u00fcllungshaut. Die Pfeile zeigen die Richtung der fortschreitenden Undulationen der Membran an. Der Schwanz bildet in seiner hintern H\u00e4lfte eine Schlinge ; zwischen ihm und dem verdickten Rande der Membran bemerkt man zarte Schattenstreifen, welche von den regelm\u00e4ssigen Faltungen der letztem herr\u00fchren.\nFig. 4. Ein Samenfaden aus dem Vas deferens, dessen Kopf nach r\u00fcckw\u00e4rts geschlagen ist. Da sich der Schwanz fast v\u00f6llig von der Seite pr\u00e4sentirt, so sieht man den verdickten Rand in Form einer Wellenlinie seiner ganzen L\u00e4nge nach neben dem Schw\u00e4nze verlaufen.\nFig. 5. Der Schwanz des Samenfadens bildet eine doppelte Schlinge. Am Kopf findet sich die Umh\u00fcllungshaut an zwei Stellen (d und e) abgehoben. Das Stielchen l\u00e4uft bei m in eine zarte Spitze aus, ohne ein Kn\u00f6tchen zu tragen.\nFig. li. Der Samenfaden pr\u00e4sentirt sich in totaler Seitenansicht. Die im Focus liegenden St\u00fccke des verdickten Randes erscheinen somit als Punkte, die, alternirend, mit glcichgestalteten Zerstreuungskreisen umgeben sind.\nFig. 7. Geborstene K\u00f6pfe. Man \u00fcbersieht die ganze Breite der Schlauchhaut, welche letztere geborsten und auf das Objectgl\u00e4schen zur\u00fcckgeschlagen ist. Das Stielchen ms (bei b und e) findet sich gekr\u00fcmmt. Das Schwanzende des geborstenen Kopfes (b und c) ist angetrocknet und hat seine scharfen Contouren verloren. lih (bei b) die angetrockneten Falten der accessorischen Membran. Bei no ist das nun frei sichtbare Kopfende des Schwanzes dargestellt.","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"28\nlieber die Spermatozo\u00efden von Salamandra atra.\nFig. 8. A, C und E, stellen das Wachsen der blasigen Erhebungen der Umh\u00fcllungshaut in verschiedenen Stadien vor. Es gelingt oft an einem und demselben Samenfaden, diese Abhebung der Umh\u00fcllungshaut von Stufe zu Stufe zu verfolgen. In A sieht man die Blase vom R\u00fccken aus, in II von der Seite.\nDas hintere Kopfende ist durch das Anschwellen der Blase, wie ein Bogen durch die angespannte Sehne, gekr\u00fcmmt. In E und G beginnt die Lostrennung der Umh\u00fcllungshaut vom freien Kopfende; es ist ebenfalls stark gekr\u00fcmmt. In C und D ist die Umh\u00fcllungshaut schon v\u00f6llig zu einer grossen Blase ausgedehnt, an deren innerer Fl\u00e4che der Samenfaden (S) spiralig zusammengebogen mit dem R\u00fccken festhaftet. Der Schwanz ist abgerissen ; an der Rissstelle tritt der Inhalt (\u2022\u2019) als \u00f6lartiges Tr\u00f6pfchen heraus. In 1J bei l sieht man durch den durchsichtigen Inhalt hindurch das kleine Lumen des Kopfschlauches.\nFig. i). Idealer Querschnitt des Kopfes, um den innern Bau desselben zu veranschaulichen, a) Umh\u00fcllungshaut, b) Schlauchhaut, c) Inhalt.\nFig. 10. Idealer Querschnitt des Schwanzes, a) Die Umh\u00fcllungshaut, h) die accessorische Membran als Duplicatin\u2019 derselben ; bei d der Querschnitt des verdickten Randes; b) der solide (?) Hauptfaden. AB ist die auf die Bildfl\u00e4che projicirte, senkrecht auf der Anheftungslinie der Membran stehende Ebene. Bei d, d', d\" . . . d~> ist der Stand des Durchschnittes des verdickten Randes in verschiedenen Zeitmomenten seiner Pendelschwingungen dargestellt. Erg\u00e4nzt man sich in der Vorstellung das gegebene Bild, so sieht man leicht ein, dass sich der verdickte Rand, als Ganzes betrachtet, in einer doppelt gekr\u00fcmmten Linie hin und her biege, weil mit der Abweichung des Punktes d von der Vertikalen A B zugleich eine Entfernung von der Horizontalen A' B' verbunden ist. Der Punkt d:> liegt sowohl von A B, als von .1' II' (sowie der Punkt d) am weitesten entfernt.\nTafel 4.\nDie idealen Skizzen der Tafel 4 sind entworfen worden theils, um den Typus der Bewegungen der accessorischen Membran anschaulicher zu machen, theils, um wenigstens einige jener sonderbaren Gestalten, die durch perspecti-vische Verk\u00fcrzung der Membran entstehen, aufzuzeigen.\nFig. 1. Idealer Querschnitt. Der Kreisbogen ab ist der Weg, weichender in der Bild- oder Querschnittsebene gelegene Punkt des verdickten Randes bei seinen Schwingungen zu durchlaufen hat. Man kann auch sagen, ab sei die Projection der doppelten Wellenlinie des Randes, und abc die Projection der ganzen accessorischen Membran auf die Querschnittsebene.\nFig. 3 stellt jene Curve dar, welche durch die Projection des Randes auf die Ebene adb in Fig. I, Taf. 4 entsteht. Es ist eine Ansicht des Samenfadens von oben. Man sieht, dass die Wellenberge des Randes auf der einen, die Wellen-th\u00e4ler auf der andern Seite der Medianlinie oder des Schwanzes liegen.\nIn Fig. 2, welche den Samenfaden von der Seite oder, was dasselbe ist, in der Projection auf die Ebene edc, Fig. 1, Taf. 4 darstellt, sind die hinter der Bild-flache liegenden Theile des gekr\u00fcmmten Randes punktirt, die vor derselben liegenden durch volle Linien markirt. Die hier entworfene zweite Kr\u00fcmmungslinie des Randes besitzt genau noch einmal so viel Wellenth\u00e4ler und Wellenberge, als die erste in Fig. 4, Taf. 4 dargestellte.\nFig. 4, 5 und ti stellen einige jener scheinbaren Gcstaltver\u00e4nderungon der Kr\u00fcmmungslinie des Randes dar, welche bei einer gewissen Neigung des Samenfadens gegen den Beobachter entstehen.","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Spermatozo\u00efde!! von Salamandra atra.\n29\nFig. li ist die Projection der accessorisclien Membran eines unter 32\u00b0 gegen die Bildfl\u00e4chc geneigten Samenfadens (s. Fig. 3, Taf. 4 A IS .\nIn Fig. 4 betr\u00e4gt die Neigung 45 u vcrgl. Fig. 3, B C,.\nIn Fig. 5 dagegen 60\u00b0 (Fig. 3 CDj.\nUnter dem Mikroskope wird man zwar nie solche Bilder im Ganzen zu sehen bekommen, da die einzelnen Punkte des Randes in verschiedenen Ebenen und also nicht alle im Focus liegen; wohl aber werden Bruchst\u00fccke dieser com-plicirten Linien momentan im Focus erscheinen. Durch diesen Umstand wird die Auffassung genannter Verh\u00e4ltnisse erschwert.\nSo wie Fig. 10, Taf. 3 den Stand des Querschnittes dos verdickten Randes in verschiedenen Zcitmomenten seiner Pendelschwingungen darstellt, ebenso veranschaulicht Fig. 7, Taf. 4 den Stand der ganzen Kr\u00fcmmungslinie des Randes zu verschiedenen Zeitmomenten und zwar bei der Ansicht von oben.\nIm ersten Zeitmomente t = o (Fig. 7) befindet sich der Punkt a in der Medianlinie, wenn der Punkt \u00df schon y4, der Punkt y'2U, <f 3/4 einer Pendelschwingung durchlaufen hat. Der Punkt \u00a3 befindet sich in demselben Verh\u00e4ltnisse wie \u00ab. Der Punkt y steht zwar ebenfalls in der Medianlinie, ist aber im Begriff, nach links abzuweichen, w\u00e4hrend \u00ab nach rechts tendirt. Im n\u00e4chsten Zeitmomente ist die Stellung aller Punkte ver\u00e4ndert (vgl. die punktirte Linie mit der Bezeichnung t = y4:.\nEs ist dies der Stand der Punkte im ersten Viertel der Dauer einer Schwingung. Verfolgt man die d\u00fcnne Linie mit der Bezeichnung t = l/->, so erf\u00e4hrt man den Stand der Punkte w\u00e4hrend der halben Schwingungsdauer. Die Linie mit der Bezeichnung t = 3/4 zeigt die Stellung der Punkte nach Verlauf von 3/4 der Zeit, welche zu einer Schwingung ben\u00fcthigt wird. Die Linie t = 1 f\u00e4llt mit der Linie t \u2014 o zusammen, d. h. nach Zuriicklegung einer Schwingung stehen alle Punkte so, wie sie vor Beginn der Bewegung standen.\nGeschieht diese Verstellung der Punkte stetig hinter einander, so hat es den Anschein, wie wenn die ganze Linie in der Richtung, welche der Pfeil anzeigt, schl\u00e4ngelnd fortkr\u00f6che.","page":29}],"identifier":"lit1764","issued":"1879","language":"de","pages":"16-29","startpages":"16","title":"Ueber die Spermatozoiden von Salamandra atra: Ein Beitrag zur Kenntnis der festen Formbestandtheile im Samen der Molche","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T13:15:08.579099+00:00"}
