Open Access
{"created":"2022-01-31T15:39:09.827833+00:00","id":"lit24601","links":{},"metadata":{"alternative":"Mitteilungen der Landwirtschaftlichen Institute der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau","contributors":[{"name":"R\u00fcmker, Kurt von","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Mitteilungen der Landwirtschaftlichen Institute der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau 1: 1-58","fulltext":[{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"Das Studium der Landwirtschaft\nan der\nK\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau\nin seiner gegenw\u00e4rtigen Verfassung.\nVon\nProf. Dr. von R\u00fcmker.\nEinleitung.\nSeit W. v. Funke im Juni 1888 eiu Programm \u00fcber das \u201eStudium der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau\u201c (gedruckt bei W. G-. Korn in Breslau) herausgab, in welchem er einen kurzen Abriss der Vorlesungen, Docenten und Studieneinrichtungen f\u00fcr die Landwirtschaftslehre an hiesiger Universit\u00e4t niederlegte, ist, abgesehen von den \u00fcblichen Vorlesungsanzeigen, \u00fcber das, was sich dem studierenden Landwirte in Breslau bietet, wohl des dauernden Wechsels der Verh\u00e4ltnisse wegen, nichts wieder verlautet, und in dieser stillen Zur\u00fcckgezogenheit sind \u00fcber das hiesige Studium der Landwirtschaft sehr traurige Jahre hinweggegangen, welche dasselbe zeitweise an den Rand des Abgrundes der Suspension zu f\u00fchren drohten.\nErst im Jahre 1896 liess Referent eine Art Prospekt drucken, welcher sich aber mehr mit den allgemeinen Gesichtspunkten des Universit\u00e4tsstudiums der Landwirtschaft besch\u00e4ftigte, als mit dem Studium der Landwirtschaft an hiesiger Universit\u00e4t im speciellen. Dieser Prospekt wurde seitdem bei Anfragen mit den Stundenpl\u00e4nen zusammen fortgeschickt, da das Funke\u2019sche Programm dem Referenten damals noch nicht bekannt war und auch nicht mehr auf die neuen Verh\u00e4ltnisse passte. Einen neuen Prospekt lieraus-zugeben, war aber bisher nicht m\u00f6glich, da die Reformen, welche auf Veranlassung des Referenten vorgenommen wurden, um das Landwirtschaftsstadium an hiesiger Universit\u00e4t wieder neu zu beleben, teilweise sehr tiefgreifend und weitschichtig waren und daher erst bis zu einem gewissen Punkte der Entwickelung gediehen sein mussten, ehe es lohnte, mit einem neuen Studienprospekt hervorzutreten.\nDas vorliegende organisatorisch-methodologisch-p\u00e4dagogische Referat soll nun keineswegs ein neuer Studienprospekt sein, ich behalte mir vielmehr vor, auf Grundlage des hier niedergelegten Materiales sobald als m\u00f6glich ein kurzes neues Programm f\u00fcr das Studium der Landwirtschaft an hiesiger Universit\u00e4t abzufassen. Vorliegende Arbeit soll nur ein Bericht sein \u00fcber das, was in den letzten Jahren an den hiesigen Verh\u00e4ltnissen\nMitteilungen Breslau. 189a.\t1","page":1},{"file":"p0002.txt","language":"de","ocr_de":"2\nDas Studium der Landwirtschaft\nf\u00fcr das Landwirtschaftsstudium ge\u00e4ndert worden ist. I)a ich seiner Zeit bei meiner Berufung an hiesige Universit\u00e4t nicht den geringsten Kaum und Apparat f\u00fcr wissenschaftliche Arbeit auf den von mir vertretenen Gebieten der Landwirtschaftslehre vorfand, musste ich erst darangehen, mir diese Hilfsmittel zu schaffen, und dabei ergab sich schliesslich eine tiefgreifende Umgestaltung fast s\u00e4mtlicher hiesiger Studieneinrichtungen der Landwirtschaftslehre.\nTch bin daher zu meinem Bedauern bei dem Erscheinen des ersten Heftes der neu gegr\u00fcndeten Breslauer landw. \u201eMitteilungen\u201c auch noch nicht in der Lage, mit einer Frucht eigener experimenteller wissenschaftlicher Arbeit hervorzutreten, da der Apparat des mir unterstellten Institutes f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzenproduktionslehre noch v\u00f6llig im Werden begriffen ist; dagegen glaubte ich gerade dieses erste Heft unseres neuen Publikationsorganes f\u00fcr ganz besonders geeignet halten zu d\u00fcrfen, eine Schilderung dessen darin niederzulegen, was jetzt in Breslau den studierenden Landwirten geboten wird und nach welchen Richtungen und in welchem Sinne der Ausbau und die Nutzung des neuen Apparates der Landwirtschaftslehre an der Universit\u00e4t Breslau erfolgt ist und weiter erfolgen soll.\nDas, was hier jetzt eingerichtet wurde, ist in mancher Hinsicht neu, und daher muss es erst die Probe bestehen und zeigen, ob es auch richtig und gut ist. Es stellt in mancher Beziehung eine teilweise Verwirklichung dessen dar, was Referent im Jahre 1897 ganz prinzipiell als erstrebenswertes Ziel f\u00fcr die Entwickelung der Landwirtschaftslehre an den Universit\u00e4ten, abweichend von der bisherigen Tradition, hinzustellen wagte.1) Jedenfalls ist Breslau diejenige Universit\u00e4t gewesen, an welcher die \u00dcbersetzung dieser Ideen ins Praktische zuerst versucht worden ist. War die eben citierte Arbeit gewissennassen ein Programm, so ist die vorliegende Studie ein Referat \u00fcber den ersten vollbrachten Schritt auf diesem Wege.\nFehlt auch noch mancherlei und darunter vieles Wichtige, so ist doch andererseits auch schon viel erreicht, und wenn ich jetzt trotz aller Unfertigkeit schon \u00fcber den status quo referiere, so geschieht es in der Hoffnung, dass die daran unausbleiblich erfolgende Kritik dem in Entwickelung begriffenen Werke nur zum Nutzen gereichen kann, indem sie auf Fehler und M\u00e4ngel hinweist, deren Vermeidung oder Abstellung sehr im Interesse der Sache liegen k\u00f6nnte, und dieses in erster Linie zu f\u00f6rdern, ist mein w\u00e4rmster Wunsch, mein aufrichtiges Streben.\nAllen denen, welche die Durchf\u00fchrung meiner Pl\u00e4ne durch ihr Verst\u00e4ndnis und Entgegenkommen gef\u00f6rdert haben, vor allem den hohen Ministerien der geistlichen Angelegenheiten und Finanzen, dem Herrn Universit\u00e4tskurator und meinen Herren Kollegen sage ich bei dieser Gelegenheit meinen tiefgef\u00fchltesten Dank f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung, ohne welche es unm\u00f6glich gewesen w\u00e4re, auch nur das Geringste zu erreichen. M\u00f6chte\nP v. B\u00fcmker, Die moderne Landwirtscliaftslehre und ihre Vertretung an den Universit\u00e4ten. Journal f. Landwirtschaft 1897, pag. 335\u2014392 (Heft 4). 45. Jahrgang.","page":2},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n3\ndas so gemeinsam begonnene Werk in absehbarer Zeit zum wirklichen lebendigen Gedeihen und Bl\u00fchen des Landwirtschaftsstudiums an der Universit\u00e4t Breslau f\u00fchren!\nA. Die Organisation des ganzen Apparates.\n1. Die Selbst\u00e4ndigkeit der einzelnen Institute.\nFreiheit ist die wichtigste Grundlage f\u00fcr das Gedeihen aller Wissenschaft und Selbst\u00e4ndigkeit einer der Grundpfeiler wissenschaftlicher Arbeit. Diesen Axiomen entspricht es, dass diejenigen Wissensgebiete, welche sich soweit entwickelt haben, dass sie ihre eigenen Arbeitskr\u00e4fte und Specialforschungsst\u00e4tten beanspruchen k\u00f6nnen, dieselben auch erhalten, und dass sie mit voller Selbst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit nach jeder Richtung hin ausgestattet werden. Nur f\u00fcr eine solche Stellung lassen sich Kr\u00e4fte ersten Ranges gewinnen und erhalten, und nur diese f\u00f6rdern den Weiteraufbau der Wissenschaft durch ihre selbst\u00e4ndige Mitarbeit daran.\nEs ist daher die Schaffung sogenannter Zweiginstitute eines gr\u00f6sseren landwirtschaftlichen Universit\u00e4ts-Institutes eine halbe Massregel, die als \u00dcbergangsstadium unter gewissen Verh\u00e4ltnissen ihre Berechtigung haben mag, die aber nie und nimmer als dauernde Einrichtung Segen bringen kann, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Leiter eines Zweiginstitutes durch den Leiter des Hauptinstitutes gehemmt und behindert wird, ist viel gr\u00f6sser, als die, dass er ungest\u00f6rt seine Arbeit f\u00f6rdert, selbst wenn nicht Engherzigkeit, \u00dcbelwollen, Mangel an Verst\u00e4ndnis und Initiative oder sonstige menschliche Fehler dabei mitwirken.\nBedarf ein Wissensgebiet seiner eigenen Vertretung und seiner speciellen Forschungsst\u00e4tte, so ist es f\u00fcr die Gesamtwissenschaft sowie f\u00fcr das betr. Specialfach am f\u00f6rderlichsten, wenn man ganze Arbeit tliut und nicht Zweiginstitute, sondern v\u00f6llig selbst\u00e4ndige Institute daf\u00fcr einrichtet; die Kosten d\u00fcrften in beiden F\u00e4llen ziemlich dieselben sein und eine Menge von Rci-bungsfl\u00e4chen erspart werden, an denen viel Energie h\u00e4ngen bleibt, welche produktiver und n\u00fctzlicher verwendet werden kann.\nBei der Gr\u00fcndung des landwirtschaftlichen Institutes der Universit\u00e4t Breslau im Jahre 1881 hatte man ein tierchemisches, ein landwirtschaftlich-technologisches und ein Veterin\u00e4rinstitut als Zweiginstitute des landwirtschaftlichen Institutes etabliert. Im Jahre 1890 erhielten erstere beide gelegentlich der Neubesetzung der betr. Lehrst\u00fchle ihre Selbst\u00e4ndigkeit, w\u00e4hrend das Veterin\u00e4rinstitut weiter reduziert wurde, indem man es mit dem landwirtschaftlichen Restinstitut zu einem Ganzen verschmolz, unter der Bezeichnung: \u201eLandwirtschaftliches Institut und Tierklinik der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t\u201c.\nIn diesem Zustande verharrte die Organisation bis zum Jahre 1898. Durch Ministerialreskript vom 1. Juni 1898 wurde das landw. Institut des weiteren geteilt, und zwar in:\n\u2019) Vergl. Chronik der Kgl. Universit\u00e4t Breslau, Jahrgang 5 (1890/91), pag. 51.\n1*","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"4\nDas Studium der Landwirtschaft\n1.\tdas Institut f\u00fcr landw. Pflanzenproduktionslehre,\n2.\tdas Institut f\u00fcr landw. Tierproduktionslehre und Veterin\u00e4rkunde,\n3.\tden kulturteclmischen Apparat.\nSomit bestehen also augenblicklich an der Universit\u00e4t Breslau 5 etats-m\u00e4ssig und pers\u00f6nlich vollkommen selbst\u00e4ndige Institute, deren jedes ein bestimmtes und von den anderen gut abgrenzbares Gebiet der Landwirtschaftslehre zu bearbeiten hat, dessen Hauptwurzeln bei jedem in ganz verschiedene Naturwissenschaften hinabreichen.\nWenn diese Entwickelung sich wohl auch zum grossen Teil unter dem Einfluss der hier herrschenden Verh\u00e4ltnisse vollzogen hat, so sind diese doch nur der \u00e4ussere Anstoss dazu gewesen. Abgesehen davon ist die Ausgestaltung der Landwirtschaftswissenschaft in den letzten Decennien so ausserordentlich fortgeschritten, dass eine Arbeitsteilung und Specialisierung auf einzelne Zweige unvermeidlich und notwendig geworden ist, wenn nicht die encyklop\u00e4dische Einheitlichkeit der Zusammenfassung des ganzen Gebietes in einer Hand mit der Zeit unter Umst\u00e4nden zur oberfl\u00e4chlichsten Banausik und zur Abt\u00f6tung dieses ganzen Wissensgebietes f\u00fchren soll, wie ich in einer anderen kleinen Arbeit zu beweisen versucht habe.1)\nIm Laufe der Zeit wird diese Entwickelung sich wohl an allen Universit\u00e4ten vollziehen m\u00fcssen, welche die Landwirtschaftslehre organisch in den Kreis ihrer Lehrdisciplinen aufgenommen haben. Die Landwirtschaftslehre muss denEntwickelungsgangderMedizindurchlaufen, wenn sie sich an der Universit\u00e4t normal weiter ausgestalten soll.\nMag die hier begonnene Neugestaltung zun\u00e4chst von vielen Seiten auch nur als ein Versuch betrachtet werden, der in Breslau durch bestimmte Verh\u00e4ltnisse bedingt wurde und daher m\u00f6glicherweise eventuell wieder darmaleinst abgebrochen werden k\u00f6nnte, so ist eine solche Wendung doch in jeder Hinsicht sehr unwahrscheinlich, denn die Erfahrung hat gelehrt, dass Specialisierung eine Wissenschaft f\u00f6rdert, und dass es daher unm\u00f6glich erscheint, einen solchen Schritt wieder zur\u00fcekzuthun und die Selbst\u00e4ndigkeit von Specialinstituten wieder aufzuheben; es w\u00fcrde das ein wirklicher R\u00fcckschritt sein, den niemand, dem die F\u00f6rderung der Wissenschaft am Herzen liegt, w\u00fcnschen k\u00f6nnte und w\u00fcrde.\nSo, wie die Verh\u00e4ltnisse jetzt hier in Breslau geordnet sind, hat jedes der 5 Institute seinen selbst\u00e4ndigen Etat und Leiter, sein eigenes ungeteiltes Arbeitsfeld, wie die sp\u00e4tere Beschreibung der Forschungs- und Lehrmittel darthun wird, sein eigenes Hilfspersonal und seine eigenen Forschungsund Sammlungsr\u00e4ume, kurz jeder der in diesen Instituten mit seinen Mitteln der Forschung vereinigten Zweige der Landwirtschaftswissenschaft kann sich frei und ungehemmt entwickeln, ein jeder kann sein Arbeitsgebiet bebauen und ausbauen, nach welcher Seite er will, ohne dadurch mit den anderen Zweigen in Kollision zu geraten, noch von ihnen behindert zu werden oder sie behindern zu k\u00f6nnen. Welch grosser Vorteil gegen\u00fcber dem \u00e4lteren System der Zusammenfassung in einer Hand darin liegt, leuchtet\n]) VergL Anmerkung auf Seite 2.","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nohne weiteres ein. Die Arbeitsbasis ist dadurch f\u00fcr die Landwirtschafts-Wissenschaft an der hiesigen Universit\u00e4t eine viel breitere geworden, und darum ist zu hoffen, dass auch die Arbeitsresultate sich dementsprechend mehren werden. Ein weiterer Vorteil dieses Systems liegt aber auch darin, dass die Prosperit\u00e4t einer so breit fundierten Lehrst\u00e4tte gesicherter ist, weil sie sich nicht mehr auf nur 2 Augen st\u00fctzt, wie bei dem \u00e4lteren System. Nun k\u00f6nnte man einwenden, dass auch bei dem alten System mehr als ein Lehrer die verschiedenen Zweige der Landwirtschaftswissenschaft dociert und dass also auch da die Frequenz der Lehrst\u00e4tte nicht nur von dem einen abhinge, welcher das landwirtschaftliche Institut leitet, da man doch nicht annehmen k\u00f6nne, dass nur der eine Hervorragendes leiste und die anderen Docenten nur dii miuorum gentium w\u00e4ren. Dieser Einwurf ist aber nicht stichhaltig, denn auf das blosse oder \u00fcberwiegende Docieren und Vorlesungenhalten kommt es bei einer Wissenschaft, wie es die Landwirtschaftslehre ist, gar nicht in erster Linie an, sondern vielmehr darauf, dass an einer Lehrst\u00e4tte der Landwirtschaft wissenschaftlich recht viel produziert wird. Dort wo wissenschaftlich Gutes geleistet wird, von wo Gedanken und Ratschl\u00e4ge ausgehen, welche der Landwirtschaft n\u00fctzen, oder sie in neue Bahnen lenken, geht der studierende Landwirt mit Vorliebe hin, da ist f\u00fcr ihn \u201eetwas los\u201c, wie der studentische Ausdruck lautet; wo diese Quelle der Anregung aber fehlt, da ist mit den zahlreichsten und sch\u00f6nsten Vorlesungen nichts zu erreichen. Es muss an landwirtschaftlichen Lehrst\u00e4tten auch etwas zu sehen und zu zeigen sein, denn das blosse Wort verhallt, aber der sichtbare Eindruck zieht an und wirkt nach. Wenn nun aber das landwirtschaftliche Institut in einer Hand liegt und das Ungl\u00fcck es will, dass diese nicht die richtige an der rechten Stelle ist, daun liegt der Hauptapparat brach und die anderen Docenten k\u00f6nnen gar nichts daneben erreichen. Selbst aber wenn dieser eine Apparat in die richtige Hand gelangt, dann k\u00f6nnen die anderen Docenten auch nur sehr wenig zum Erfolge mithelfen, weil sie des Apparates zu eigener Arbeit entbehren oder, wenn sie einen solchen in Form eines Zweiginstitutes besitzen, die volle Bewegungsfreiheit nicht haben und daher keine erhebliche Anziehungskraft auf die Studierenden aus\u00fcben k\u00f6nnen. Werden ihnen aber Mittel von dem Inhaber des Ganzen zur Verf\u00fcgung gestellt, oder werden sie nicht absichtlich behindert, so sind sie doch \u00e4usserst abh\u00e4ngig von diesem, ein Zustand, welcher f\u00fcr eine gedeihliche selbst\u00e4ndige Arbeit nicht f\u00f6rderlich sein kann. Ein weiterer Einwurf gegen dieses neue System der Herstellung einer Anzahl gleichberechtigter, koordinierter Specialinstitute k\u00f6nnte nun der sein, dass man f\u00fcrchten m\u00fcsse, dass diese einzelnen, so g\u00e4nzlich selbst\u00e4ndig gemachten Zweige der Landwirtschaftslehre centrifugal auseinanderstrebten und dass darunter das Gesamstudium der Landwirtschaft leiden m\u00fcsse. Diese Gefahr soll nicht geleugnet werden, aber bei einigem guten Willen liesse sich derselben wohl begegnen, und welchen Weg man zu diesem Zwecke in Breslau eingeschlagen hat, das soll der folgende Abschnitt zeigen.","page":5},{"file":"p0006.txt","language":"de","ocr_de":"6\nDas Studium der Landwirtschaft\n2. Die gemeinsamen Beziehungen der einzelnen Institute zu\neinander.\nIn der Erkenntnis, dass die v\u00f6llige Auseinandertrennung der einzelnen Specialinstitute der Landwirtschaftslehre ihre Gefahren f\u00fcr das Studium der Landwirtschaft und seiner Vertretung nach aussen und innen haben k\u00f6nnte, war Referent bestrebt, sobald die Trennung der Institute offiziell verf\u00fcgt war, einen neuen Sammelpunkt f\u00fcr dieselben zu schaffen.\nDiese Vereinigung zur Pflege der Gesamtinteressen des Landwirtschaftsstudiums konnte zun\u00e4chst nur auf der Grundlage freiwilliger, kollegialer Vereinbarung gesucht werden, um sowohl ein Auseinanderstreben, als eventuelle Versuche eines Einzelnen, seinen Einfluss ohne die Zustimmung der n\u00e4chsten Fachkollegen nach irgend einer Richtung hin zur Geltung zu bringen, welche den allgemeinen Interessen des Landwirtschaftsstudiums an hiesiger Universit\u00e4t oder denen eines einzelnen Zweiges desselben zuwiderl\u00e4uft, m\u00f6glichst einzuschr\u00e4nken oder zu verhindern. Ein freies, unbehindertes kollegialisches Zusammenwirken zum gemeinsamen grossen Ziele erschien auf der Grundlage der vollkommen hergestellten sachlichen und pers\u00f6nlichen Unabh\u00e4ngigkeit der einzelnen Institutsleiter nunmehr m\u00f6glich und zwar durch die Herstellung kollegialer offener gegenseitiger Aussprachen und den Versuch einer Anbahnung gegenseitiger F\u00fchlungnahme auch in wissenschaftlicher Beziehung.\nSofort nach Bekanntwerden des Ministerialerlasses vom 1. Juni 1898, welcher die Trennung und Selbst\u00e4ndigkeit der Einzelinstitute der Landwirtschaftslehre verf\u00fcgte, schickte Referent hei den 4 engeren Fachkollegen ein Cirkular folgenden Inhaltes herum (datiert vom 7. Juni 1898):\n\u201eBei der Entwickelung, welche die Vertretung der Landwirtschaftslehre und ihrer Hilfswissenschaften an hiesiger Universit\u00e4t genommen hat, wodurch die grosseren Zweige derselben zu selbst\u00e4ndiger Stellung gelangt sind, liegt die Gefahr nahe, dass diese einzelnen Zweige mehr und mehr die F\u00fchlung untereinander verlieren und ihre eigenen Wege gehen, ohne die allen gemeinsamen Interessen entsprechend zu pflegen. Schon dadurch, dass r\u00e4umlich hier in Breslau kein gemeinsamer Sammelpunkt f\u00fcr die Vertreter der Landwirtschaftswissenschaft und ihrer Hilfsf\u00e4cher besteht, wie etwa ein gemeinsames Sprechzimmer, wo man sich treffen und \u00fcber dieses oder jenes aussprechen kann, ist eine gegenseitige F\u00fchlungnahme erschwert und die Isolierung des Einzelnen um so empfindlicher.\nIn der Annahme, dass ich in diesem Bed\u00fcrfnisse nach wissenschaftlichem Gedanken-und Erfahrungsaustausch und wissenschaftlich-fachlicher Anregung innerhalb unseres gemeinsamen grossen Arbeitsgebietes nicht allein stehe, m\u00f6chte ich mir erlauben in Vorschlag zu bringen, dass wir Docenten, welche in Breslau die Landwirtschaftslehre und ihre Hilfsf\u00e4cher vertreten, uns monatlich einmal an einem bestimmten Tage zu einer gemeinsamen Besprechung vereinen, in welcher nach freiem Ermessen jedes Einzelnen kleine Referate \u00fcber eigene Arbeiten erstattet oder Litteraturbesprechungen aus den verschiedenen Specialgebieten vorgenommen werden. Ein solcher wissenschaftlicher Verkehr k\u00f6nnte anregend und befruchtend wirken, ohne durch zu h\u00e4ufige Wiederholung l\u00e4stig zu fallen. Es w\u00fcrde mir auch zweckm\u00e4ssig erscheinen, bei diesen Zusammenk\u00fcnften gleichzeitig organisatorische und Verwaltungsangelegenheiten, welche das gesamte Studium der Landwirtschaft an hiesiger Universit\u00e4t betreffen, zu besprechen, z. B. den Stundenplan, die Studienordnung, Bibliotheksangelegenheiten, Exkursionen und sonstige Dinge, welche eventuell verschiedene Herren Kollegen mitber\u00fchren oder nicht ausschliesslich in das Specialressort des Einzelnen fallen.","page":6},{"file":"p0007.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nF\u00fcr die freiere Entwickelung der einzelnen Zweige ist die v\u00f6llige Selbst\u00e4ndigkeit der einzelnen Institute zweifellos erw\u00fcnscht und notwendig; gerade durch diese strenge Scheidung aber droht ein grosses Feld gemeinsamer Interessen \u00fcbrig zu bleiben, welches ohne die Herstellung einer gewissen Verbindung der einzelnen Zweige untereinander entweder brach liegen oder nicht in der Weise gepflegt werden w\u00fcrde, wie cs sowohl das Gesamtiuteresse des Studiums, als auch das der einzelnen Beteiligten erfordern w\u00fcrde.\nIch halte daher die Herstellung gegenseitiger F\u00fchlungnahme in wissenschaftlicher und organisatorischer Beziehung f\u00fcr eine gedeihliche und allseitig befriedigende F\u00f6rderung des Studiums der Landwirtschaft an hiesiger Universit\u00e4t und unserer gemeinsamen Interessen innerhalb dieser K\u00f6rperschaft und auch der Provinz gegen\u00fcber nicht nur f\u00fcr n\u00fctzlich, sondern sogar f\u00fcr notwendig.\nSollten Sie, sehr geehrter Herr Kollege, geneigt sein, diesem Vorschl\u00e4ge n\u00e4her zu treten, so bitte ich ergebenst, Ihre Meinung geft. hierunter \u00e4usseru zu wollen. Das Ergebnis dieser Umfrage wird dann zeigen, ob der Gedanke Aussicht auf Verwirklichung hat.\nZum Schluss m\u00f6chte icli mir erlauben noch hinzuzuf\u00fcgen, dass ich es f\u00fcr w\u00fcnschenswert halten w\u00fcrde, auch die j\u00fcngeren Herrn Kollegen und mit Auswahl auch die Herren Assistenten zur Teilnahme an diesem Colloquium aufzufordern, falls es \u00fcberhaupt zustande kommen sollte.\u201c\nZur grossen Freude des Referenten erzielte diese Aufforderung allgemeine Zustimmung, und so fand am 12. Juli 181)8 das erste Colloquium statt; demselben folgte am 2. August ein zweites, am 1. November ein drittes, am 6. Dezember 1898 ein viertes, am 10. Januar 1899 ein f\u00fcnftes und am 7. Februar ein sechstes.\nDiese Zusammenk\u00fcnfte haben neben einigen interessanten Referaten und wissenschaftlichen Diskussionen auch schon einige praktisch wertvolle Ergebnisse gezeitigt.\nSo einigte man sich z. B. gleich in der ersten Sitzung dar\u00fcber, dass die im Lesezimmer der Studierenden ausliegenden und sp\u00e4ter den einzelnen Bibliotheken einzuverleibenden Zeitschriften in der Weise verteilt werden sollten, dass jedes Institut diejenigen Zeitschriften h\u00e4lt und zur Auslage hergiebt, welche dem Gebiete seines specielleren Arbeitskreises angeh\u00f6ren, w\u00e4hrend die Institute f\u00fcr landw. Pflanzen- und Tierproduktionslehre die allgemein landwirtschaftlichen Zeitschriften und Zeitungen je zur H\u00e4lfte auf ihre Etats \u00fcbernahmen. Durch diese Massregel wird das doppelte und dreifache Halten einzelner Zeitschriften, wie es bisher hier wiederholt vorkam, vermieden und das dabei ersparte Geld f\u00fcr andere Zwecke disponibel gemacht. Die Institutsleiter kamen dabei \u00fcberein, sich gegenseitig von ihren gr\u00f6sseren Bibliotheksanschaffungen zu unterrichten, und die ganzen Bibliotheksangelegenheiten in Zukunft als eine Sache von gemeinsamem Interesse zu behandeln.\nDie zweite Sitzung f\u00f6rderte den Beschluss der Begr\u00fcndung eines gemeinsamen Publikationsorganes zu Tage, welches in vorliegendem Hefte zum erstenmale in die Erscheinung tritt. Referent hatte bereits mit der Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin einen Kontrakt \u00fcber Berichte gemacht, welche das Institut f\u00fcr landw. Pflanzenproduktionslehre f\u00fcr sich allein herausgeben wollte, da er sich des Erfolges eines Antrages bei den Fachkollegen zu gemeinsamer Herausgabe solcher Berichte zu wenig sicher war, als Herr Prof. Stutzer dem Referenten den Vorschlag zur Gr\u00fcndung","page":7},{"file":"p0008.txt","language":"de","ocr_de":"8\nDas Studium der Landwirtschaft\neines gemeinsamen Publikationsorganes machte. Sofort wurde dieser Vorschlag aufgenommen, Referent liess den Specialkontrakt f\u00fcr sein Institut fallen, und es erfolgte in der Sitzung am 2. August der Beschluss zur Gr\u00fcndung gemeinsamer \u201eMitteilungen\u201c, in dem Sinne und mit der geplanten Richtung, wie das Vorwort dieses ersten Heftes sie angiebt.\nSoweit ist die Neuorganisation des Apparates der Landwirtschaftslehre an hiesiger Universit\u00e4t bis jetzt gelangt. Sie charakterisiert sich also kurz durch folgende Punkte:\n1.\tDie einzelnen gr\u00f6sseren Zweige der Landwirtschaftslehre erhielten etats-m\u00e4ssig und pers\u00f6nlich vollkommen selbst\u00e4ndig gestellte, voneinander g\u00e4nzlich unabh\u00e4ngige und einander koordinierte Forschungsst\u00e4tten.\n2.\tDas gemeinsame Zusammenarbeiten derselben wird erleichtert und gesichert, sowohl durch das r\u00e4umliche Zusammenliegen der Institute, als auch durch den auf freier kollegialer Entschliessung beruhenden wissenschaftlichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch und die offene gegenseitige Vereinbarung \u00fcber alle organisatorischen und gesch\u00e4ftlichen Angelegenheiten, welche das Studium der Landwirtschaft an hiesiger Universit\u00e4t im allgemeinen angehen und welche nicht in das Specialressort des einzelnen Institutes hineingeh\u00f6ren.\n3.\tDen officiellen Ausdruck dieses Zusammenwirkens bietet das vorliegende gemeinsame Publikationsorgan, welches gewissermassen ein Dokument f\u00fcr die wissenschaftliche Arbeit der landwirtschaftlichen und zweck-verwandten Forschungsst\u00e4tten hiesiger Universit\u00e4t , und ein Lebenszeichen von diesen werden soll, das hoffentlich dazu beitragen wird, das Ansehen der Landwirtschaftslehre an der Universit\u00e4t und in den Kreisen der landwirtschaftlichen Praxis zu heben.\nNach dieser kurzen Schilderung wird die Neuheit der hier in Breslau ins Leben gerufenen Formen der Vertretung der Landwirtschaftslehre an einer Universit\u00e4t wohl kaum bezweifelt werden k\u00f6nnen. Die neue Form entspricht den Principien des Universit\u00e4tswesens \u00fcberhaupt, und sollte der hier zuerst eingeschlagene Weg sich als ein richtiger erweisen, so k\u00f6nnte man vielleicht hoffen, dass mit der Zeit die vom Referenten wiederholt als erw\u00fcnscht und notwendig hingestellte Parallelentwicklung zur medizinischen Wissenschaft auch f\u00fcr die Landwirtschaftswissenschaft sich anbahnen k\u00f6nnte; ein Anfangs- und Krystallisationspunkt f\u00fcr einen solchen Prozess ist hiermit vielleicht gefunden worden, aber die Zeit und der weitere Verlauf der Dinge m\u00fcssen lehren, ob diese Hoffnung berechtigt ist.\nB. Die Forschungs- und Lehrmittel der Landwirtschal'tswissenscliaft und ihrer Hilfsf\u00e4cher an der Universit\u00e4t Breslau\nI. Die landwirtschaftlichen Institute.\n1. Das Institut f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzenproduktionslehre.\nKurz vor dem Inslebentreten dieses Institutes wurde der Universit\u00e4t Breslau eins der wichtigsten Forschungs- und Lehrmittel der Landwirtschaft, n\u00e4mlich ein gr\u00f6sseres landwirtschaftliches Versuchsfeld, dank der Munificenz","page":8},{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslan.\n9\ndes liolien Hauses der Abgeordneten und dem Interesse der beteiligten Ministerien des Kultus und der Finanzen \u00fcberwiesen. Zwar waren schon in fr\u00fcheren Jahren mehrfach Versuche gemacht worden, eines Versuchsfeldes habhaft zu werden, indessen aus verschiedenen Gr\u00fcnden hatten diese Bem\u00fchungen zu keinen Resultaten gef\u00fchrt. Erst im Jahre 1897 wurden die ersten 151/3 ha f\u00fcr die Zwecke eines Versuchsfeldes von dem Ritter-gute Rosenthal bei Breslau k\u00e4uflich erworben, welchen dann im Jahre 1898 weitere 164/5 ha folgten.\nDas landwirtschaftliche Versuchsfeld\nder K\u00f6nigl. Universit\u00e4t Breslau liegt, wie Tafel I zeigt,1) im Norden der Stadt, n\u00f6rdlich von der \u201ealten Oder\u201c, \u00f6stlich von der Chaussee Breslau-Trebnitz. Im S\u00fcden ist das Versuchsfeld begrenzt von der Villenkolonie Carlowitz, im Norden umrahmt von dem alten Aussendeiche der alten Oder, welcher seit Erbauung eines neuen Deiches dicht am Nordufer der alten Oder f\u00fcr \u00dcberschwemmungsabhaltung der dahinter liegenden L\u00e4ndereien bedeutungslos geworden ist, weil seit Bestehen des neuen Deiches keine \u00dcberschwemmung mehr stattgefunden hat. Das Versuchsfeld liegt also im alten Inundationsgebiete des Oderstromes, im Oderalluvium, es ist jetzt absolut \u00fcberschwemmungssicher und ebenso sicher vor jedem vom Untergr\u00fcnde her aufsteigenden Stauwasser, wie l\u00e4ngere Beobachtungen des Grundwasserstandes zu allen Jahreszeiten erwiesen haben, da der Grundwasserstand sich IV2\u20142 m unter der Oberfl\u00e4che h\u00e4lt. Die Gr\u00f6sse des Versuchsfeldes wird nach Erwerb der letzten kleinen Restecke im \u00e4ussersteu Westen des Feldes 32,5833 ha betragen. Die Entfernung des Versuchsfeldes von den landwirtschaftlichen Instituten am Matthiasplatze ist in ca. 25\u201430 Minuten zu Fuss zur\u00fcckzulegen; in Anbetracht der N\u00e4he einer so grossen Stadt muss diese Entfernung als \u00e4usserst g\u00fcnstig betrachtet werden, da sie den Studierenden einen h\u00e4ufigen Besuch des Feldes ohne grossen Aufwand von Zeit und M\u00fche gestattet. Die Bodenbeschaffenheit wird in einer sp\u00e4ter zu ver\u00f6ffentlichenden Specialarbeit ganz ausf\u00fchrlich behandelt werden. Da die dar\u00fcber angestellten chemischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, muss ich mich hier zun\u00e4chst auf ganz kurze Erkl\u00e4rungen zum Situationsplan Tafel II beschr\u00e4nken.\nZur Untersuchung des Bodens wurde alle hundert Meter im Quadrat ein 1 m tiefes Loch auf dem Felde gegraben und von jeder leicht unterscheidbaren Bodenschicht jedes Loches nach Messung ihrer M\u00e4chtigkeit eine Probe entnommen und physikalisch und chemisch untersucht. Das Resultat der mechanischen Bodenanalyse ist in den auf diesem Situationsplane verzeichneten Profilen jedes Loches durch verschiedene Schraffierung der Schichten angedeutet, deren Erkl\u00e4rung sich (wenigstens in berechneten Durchschnittszahlen) auf der Karte befindet. 8/8 der Fl\u00e4che (einige 80 Morgen) des gesamten Feldes (der rvestliche und s\u00fcdliche Teil) werden im Zusammenh\u00e4nge aus thonigem Lehm und lehmigem Thon gebildet, der in\n') Die rote Fl\u00e4che stellt das Versuchsfeld dar.","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nDas Studium dor Landwirtschaft\neiner M\u00e4chtigkeit von 40\u2014100 cm und mehr auf Hand lagert, und das letzte Drittel, ca. 30\u201440 Morgen im Xordosten des Feldes, ist milder Lehm, abgestuft bis zum lehmigen Sande, welcher in einer M\u00e4chtigkeit von 25\u201440 cm auf Sand lagert. Der Sand des Untergrundes ist bis zu 1 m Tiefe sehr feink\u00f6rnig, in gr\u00f6sseren Tiefen wird er grandig bis kiesig.\nDieser Untergrund bildet also eine nat\u00fcrliche Drainanlage, welche dem schweren Thon und Lehm der oberen Schichten jede K\u00e4lte nimmt. Die in gr\u00f6sseren Fl\u00e4chen konstatierte Verschiedenheit der Bodenbeschaffenheit ist f\u00fcr die Zwecke des Versuchsfeldes nur erw\u00fcnscht und g\u00fcnstig, um so mehr, als innerhalb dieser Gruppen eine ziemlich grosse Gleichm\u00e4ssigkeit des Bodens herrscht, besonders in dem gr\u00f6sseren s\u00fcdlichen und westlichen Teile des Feldes.\nDie Benutzung des Feldes zu Versuchszwecken befindet sich noch in Vorbereitung, da die Wegeverlegung, Planierungsarbeiten, der Bau des Wirtschaftshofes und ein ann\u00e4hernder Ausgleich des N\u00e4hrstoffvorrates im Boden erst beendet sein m\u00fcssen, bevor an die Aus\u00fcbung einer Ver-suchsth\u00e4tigkeit geschritten werden kann. Beabsichtigt ist vorl\u00e4ufig folgendes:\nCa. 20 Morgen gleichm\u00e4\u00dfigen ebenen Bodens sollen in Parzellen zu je 10 a der Darstellung verschiedener Feldsysteme dienen und zu einem grossen statischen Versuche benutzt werden, daneben aber sind sie auch ein wertvolles Demonstrationsmittel f\u00fcr die landwirtschaftliche Betriebslehre. C'a. 60 Morgen werden in 8 gr\u00f6sseren Schl\u00e4gen bewirtschaftet, und zwar zun\u00e4chst mit Festlegung einer bestimmten Rotation. *) In diese Schl\u00e4ge werden die feldm\u00e4ssig ausgef\u00fchrten vergleichenden Sortenanbau- und D\u00fcngungsversuche gelegt, sowohl um damit die praktische Ausf\u00fchrung solcher Versuche zu demonstrieren, als auch *nm ihre Resultate wissenschaftlich zu verwerten. Ausserdem wird aber ein permanenter D\u00fcngungsversuch auf 126 Parzellen von je 40 qm Gr\u00f6sse angelegt, zum Studium und zur Demonstration der specifischen D\u00fcngewirkung der wichtigsten Pflanzenn\u00e4hrstoffe in \u00e4hnlicher Weise, wie Drechsler es seiner Zeit zuerst auf dem Versuchsfelde des landwirtschaftlichen Institutes der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen und neuerdings Wohltmann auf dem Versuchsfelde der landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf ausgef\u00fchrt haben. Ein Schlag von 2 ha Gr\u00f6sse, zur H\u00e4lfte mit schwerem, zur H\u00e4lfte mit leichtem Boden, soll f\u00fcr sich als Gr\u00fcnd\u00fcngungswirtschaft in zwei getrennten Rotationen f\u00fcr schweren und leichten Boden ohne Parzelleneinteilung benutzt werden, indem die Fl\u00e4chen von je 1 ha in jedem Jahre die ganze Frucht des Jahrganges jeder Rotation tragen.\nCa. 60 a sollen dem Reinanbau der haupts\u00e4chlichsten Kulturgr\u00e4ser gewidmet werden, und zwar zur Samengewinnung.\nEin landwirtschaftlich-botanischer Garten wird, wenn auch in ganz geringen Quanten, s\u00e4mtliche landwirtschaftliche Kulturpflanzen angebaut enthalten, welche unter den hiesigen klimatischen und Bodenverh\u00e4ltnissen \u00fcberhaupt anbauf\u00e4hig sind, damit die Studierenden in diesem lebendigen,\n!) Kartoffeln J-, Hafer, Klee, Winterung, R\u00fcben-f-, Gerste oder Sommerweizen, H\u00fclsenfrucht, Winterung.","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n11\nlandwirtschaftlichen Herbarium Gelegenheit haben, alle Gew\u00e4chse kennen zu lernen, die f\u00fcr sie in dieser oder jener Abart irgendwann einmal von Bedeutung sein k\u00f6nnen. Im Anschluss an diesen landwirtschaftlich-botanischen Garten wird eine kleine Abteilung f\u00fcr Obst- und Gartenbau eingerichtet. um auch nach dieser Richtung hin Material f\u00fcr Demonstration und praktische \u00dcbung im Obstbaumschnitt etc. zu schaffen.\nEin Zuchtgarten wird zur Bearbeitung der Fragen der Rassenz\u00fcchtung landwirtschaftlicher Kulturpflanzen dienen. In demselben werden\nJfc/f'ccrvs\nFig. l. Wohnhaus. (Westfront.)\ndie Methoden der Z\u00fcchtung bearbeitet und die verschiedenen Stufen der Auslese und die praktische Ausf\u00fchrung von Pflanzenkreuzungen demonstriert, aber nur zu Forschungs- und Lehrzwecken ge\u00fcbt. Eine meteorologische Beobachtungsstation liefert das Material zur \u00dcbersicht \u00fcber den Verlauf der Witterung an Ort und Stelle der zahlreichen ins Werk zu setzenden Versuche, weil die in der Stadt gesammelten Daten der offiziellen meteoro-0\n\\\nCi/che B Y Kz/.cheI\nI des Cz\u00e4rtnerX\nVArhf. itszi/n. 1 des I \\idr?unLstrat\\\nFig. 2. Wohnhaus.\nlogischen Station f\u00fcr die Beurteilung des Einflusses der Witterung auf den Vegetationsverlauf auf freiem Felde nicht ausreichenden Anhalt gew\u00e4hren.1)\nDer Wirtschaftshof des Versuchsfeldes besteht zun\u00e4chst aus 4 Geb\u00e4uden, n\u00e4mlich :\n1. Einem Wohnhaus f\u00fcr den Administrator, den landwirtschaftlichen G\u00e4rtner, einen Viehw\u00e4rter und zwei Pferdeknechte, dessen Ansicht und Grundrisse Fig. 1\u20144 wiedergeben.\n') Die meteorologische Station des landw. Versuchsfeldes wird den Beobachtuugs-st\u00e4tten des meteorologischen Institutes iu Berlin angeschlossen, und von letzterem aufgestellt.","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nDas Studium der Landwirtschaft\nDas Haus liegt mit seinen Hauptfronten nach Osts\u00fcdost und Wests\u00fcdwest; aus seinen Ostfenstern ist der gr\u00f6sste Teil des ganzen Versuchsfeldes, der landwirtschaftlich-botanische und der Zuchtgarten, zu \u00fcberblicken.\nDie 3 Leutewohnungen (f\u00fcr deu Viehw\u00e4rter und 2 Pferdeknechte) bestehen jede aus einer zweifenstrigen Stube, einer K\u00fcche, einer heizbaren grossen und einer nicht heizbaren kleinen Bodenkammer und einem Keller. Die G\u00e4rtnerwohnung ist ebenso, nur enth\u00e4lt sie noch neben der Stube eine einfenstrige heizbare Kammer.\nO\nX\nBo'\n\\\nIV\nFig. \"Wohnhaus.\nDie Wohnung des Administrators besteht aus 3 Zimmern und einer Kammer, K\u00fcche und Speisekammer im ersten Stock, 2 heizbaren Kammern, einem Boden im Dachgeschoss und einem Keller.\nJede Wohnung ist mit eigenem Flur und Eingang ausgestattet und vollkommen f\u00fcr sich abgeschlossen.\nFig. 4. Wohnhaus.\nAusserdem befinden sich im Erdgeschoss noch ein Dienstzimmer f\u00fcr den Administrator, ein Dienstzimmer f\u00fcr den G\u00e4rtner, ein Dienstzimmer f\u00fcr den Direktor des Versuchsfeldes und eins f\u00fcr den Direktor des Kasseviehstalles, und im Kellergeschoss eine Waschk\u00fcche f\u00fcr s\u00e4mtliche Hausinsassen und ausser den Kellern, welche zu den Wohnungen geh\u00f6ren, noch eine Anzahl von Kellern f\u00fcr wirtschaftliche Zwecke.\nDie Bauart ist massiv in Ziegelrohbau, das Dach besteht aus flachen Ziegeln. Der Entwurf des Wohnhauses stammt von den Sachverst\u00e4ndigen der Universit\u00e4tsbaubeh\u00f6rde.\n2. Eine Scheune (Fig. 5\u20147); dieselbe liegt dem Wolmhause gegen\u00fcber, sie enth\u00e4lt eine Kreuztenne und \u00fcber dem Bansenraum 2 Etagen","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n13\nSpeichersch\u00fcttung und auf der Osth\u00e4lfte 2 Keller f\u00fcr R\u00fcben- und Kartoffel-sorten unter den enge gef\u00e4cherten Bansen f\u00fcr die Aufnahme von Parzellenernten.\n\u25a0u1 'U' \u25a0 u u\nHohcucs ich t\nFig. 5. Sclieune.\nDie Scheune ist f\u00fcr die Aufnahme der ganzen Ernte des Feldes nicht ausreichend, wohl aber f\u00fcr die Aufnahme der Ernten kleinerer Parzellenversuche, soweit diese nicht gleich im Herbste ausgedroschen werden k\u00f6nnen.\nbi h h lannr\nSeht litt C~D\nFig. 6. Sclieune.\nAls Erg\u00e4nzung f\u00fcr die Unterbringung der Ernten der gr\u00f6sseren Fl\u00e4chen wird sich wohl noch der Bau einer leichten Feldscheune als n\u00f6tig erweisen.\nw\n\\\n\u25a0uvr-tief-te?' JB acrt&en.\n\u25a0 \u2014 2j u ny\u2014 - \u2014\n= \"kleine\n\u201c 21a.-cs en\nhi \\ i \u00f6\t^\nFig. 7. Sclieune.\n3. Ein Schuppen (Fig. 8) zur Aufbewahrung von k\u00fcnstlichem D\u00fcnger, von Handger\u00e4ten und Maschinen.\nDie Lage des Schuppens ist so gew\u00e4hlt, dass die offene Maschinenhalle vor der Wetterseite Schutz hat, indem sie sich nur nach Osten und S\u00fcden \u00f6ffnet.","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"14\nDas Studium der Landwirtschaft\n4. Das Stallgeb\u00e4ude (Fig. 9\u201411) bietet Raum f\u00fcr 20 Haupt Rindvieh, 18\u201420 Schafe, 6\u20148 Schweine, 4 Pferde, und ausserdem enth\u00e4lt es einen Isolierstall f\u00fcr 3 St\u00fcck Grossvieh, einen Raum zur Anstellung von Molker ei-versuchen und -demonstrationen. einen Keller zur Aufbewahrung von Molkereiprodukten, eine Futtertenne, einen Futterd\u00e4mpfraum, einen Boden f\u00fcr die Aufbewahrung von Kraftfuttermitteln und einen Boden zur Aufbewahrung von Heu und Stroh und zum H\u00e4ckselschneiden.\nDie Abbildungen zeigen die \u00e4ussere Ansicht des Stallgeb\u00e4udes, einen L\u00e4ngsschnitt und einen Grundriss. Der Molkereikeller liegt unter dem Molkereiraume, in welchem Butterfass, Butterkiietmaschine, Centri-fugen etc. Aufstellung linden, und dar\u00fcber liegt der Boden f\u00fcr Kraftfutter, der durch eine Th\u00fcr vom Treppenhause aus mit dem Heuboden verbunden ist. Der Eingang zum Molkereiraum f\u00fchrt nicht direkt aus dem Stalle, sondern durch einen Vorraum hindurch, um die Stalld\u00fcnste von dem Molkereiraume fernzuhalten. Im Kuhstalle hat jede Kuh eine f\u00fcr sich begrenzte th\u00f6nerne Krippe, um F\u00fctterungsversuche machen zu k\u00f6nnen; je zwei K\u00fche haben einen gemeinsamen Tr\u00e4nknapf der Selbsttr\u00e4nkeinrichtung. Die fl\u00fcssigen Exkremente werden in ausgemauerten, mit Torfstreu beschickten und mit eisernen Gittern zugedeckten Jauchegruppen aufgefangen, welche keinen Abzug erhalten, damit die sorgf\u00e4ltige Erg\u00e4nzung der Torfstreu besser \u00fcberwacht werden kann. Die Krippe ist so niedrig gemacht, als es die Anbringung der Selbsttr\u00e4nke irgend gestattet. Die Futter-tenue liegt inmitten des ganzen Stalles, der in sieb durchweg\u2019 offen gehalten ist, nur der Isolierstall und der Pferdestall sind durch massive W\u00e4nde aus dem \u00fcbrigen Stall-raume gewissermassen ausgeschnitten. Die Schaf- und Schweinest\u00e4lle haben jeder einen Auslauf in einen Laufgarten, welcher f\u00fcr die Schafe au der S\u00fcdseite f\u00fcr die Schweine an dem Westgiebel des Stalles liegen.\nHofa?rs ich t (JTo? \u2018JseiteJ\nFig. 9. Stallgeb\u00e4ude.\nDie Ventilation des ganzen Stalles iindet durch \u00fcber und unter den Fenstern angebrachte \u00d6ffnungen, sowie durch teilweises \u00d6ffnen der Fenster und der Th\u00fcren statt. Dunstabz\u00fcge durch den Heuboden hindurch zum Dachfirste hinaus wurden nicht eingerichtet, nur der Heuboden erhielt solche f\u00fcr sich.\nDer ganze Stall erh\u00e4lt eine Wasserleitung, welche durch ein grosses, mit einer Saug- und Druckpumpe zu f\u00fcllendes Wasserbecken gespeist wird.\nAus Sparsamkeitsgr\u00fcnden wurde vorl\u00e4ufig der Bodenraum \u00fcber dem Pferde- und Kleinviehstall fortgelassen und statt dessen dieser Teil mit einer Betondecke und einem daraufliegenden Holzcementdach abgedeckt.\n5. Die D\u00fcngerst\u00e4tte (Fig. 12) bleibt unbedacht, weil die Jauche, durch die Torfstreu aufgefangen, dem Miste einverleibt wird, so dass ein Abfliessen der Jauche in gr\u00f6sserer Menge kaum stattlinden kann. Damit\nofunsicht\nScTzuftfien f\u00fcr JMujtfUnert\nr.-rr\nS\n1 0123^56789 10m\nFig. 8. Schuppen.","page":14},{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n15\nnun der Mist nicht zu trocken wird, bleibt die Dungst\u00e4tte unbedeckt; sie ist aber umfriedigt, so dass sie als Tummelplatz tiir die K\u00fche dienen kann, welche den Mist t\u00e4glich festtreten m\u00fcssen und sich dabei gleichzeitig in frischer Luft bewegen. Die Gr\u00f6sse der Dungst\u00e4tte ist der Gr\u00f6sse des Viehstandes angepasst. An der tiefsten Stelle derselben ist als Widerlager f\u00fcr den Dung eine Mauer von entsprechender H\u00f6he errichtet, welche an der Innenseite leicht abgeschr\u00e4gt ist, damit der Mist sich auch an den R\u00e4ndern ordentlich festlagern kann und dadurch der Schimmelbildung oder\nSchnitt ^,-lS\nFig. l(). Stallgeb\u00e4ude.\nAustrocknung vorgebeugt wird. Das Tagewasser wird von den R\u00e4ndern her durch Mauern und entsprechende Umpflasterung lerngehalten; die Sohle der Dungst\u00e4tte wird auf Lehmschlag mit Granitpflaster befestigt, dessen Fugen mit Pech vergossen werden, damit kein Versickern wertvoller Dungstoffe in den Untergrund stattfinden kann.\n\u2022 >' c h\nLa i/.r' \u2022\nir ,d\nGnure.c/nisa\nt U t 2 J V 5 ti ? H y III ni\nFig. 11. Stallgeb\u00e4ucle.\nDie Dungst\u00e4tte liegt an der Nordfront im Schatten des Stalles und wird an ihrer Nordseite mit B\u00e4umen umpflanzt.1)\nEine Centesimalwage liegt in der Mitte des Hofes, so dass die Ernte sowie die D\u00fcngerfuhren sie ohne Umweg bequem passieren k\u00f6nnen.\nEine Feldbahn mit 1 km Geleise erleichtert den Verkehr zwischen Feld und Hof. Die Hoflage und Orientierung \u00fcber die Gruppierung der Geb\u00e4ude ergiebt sich aus dem Situationsplan Fig. 13. Im Wohnhause ist\n') S\u00e4mtliche Wirtschaftsgeb\u00e4ude und die IMingerst\u00e4tte wurden nach den Entw\u00fcrfen des Referenten ausgef\u00fchrt.","page":15},{"file":"p0016.txt","language":"de","ocr_de":"16\nDas Studium dev Landwirtschaft\nim Dienstzimmer des Versuchsfelddirektors ein Laboratorium f\u00fcr physiologische Arbeiten vorgesehen, und im Institutsgeb\u00e4ude am Matthiasplatz ist f\u00fcr das Versuchsfeld ein chemisches Laboratorium mit zwei Arbeitspl\u00e4tzen eingerichtet, in welchem die Versuche chemisch eingeleitet und abgeschlossen werden; zu diesem Laboratorium geh\u00f6rt auch eine Dunkelkammer zur Polarisation.\nDas Personal, welches den hier geschilderten Apparat leitet und bedient. besteht aus dem Referenten als Direktor dieses Institutes, einem Ad-\nAbdeckung\nder\u2022 hohen \u00c0/cm er\nJ\u2019cirderansteht\n\u201eAbtlech ix.r%g der \u2022 nieder en /ferner\n\nSchnitt A-JB\nPflaster aus tire\nr16,00'\nI_________________________________\n1\t0 1 2 ? \u2019> 5 6 7 S 9 10 \\\nFig. 12. D\u00fcngerst\u00e4tte.\nministrator, einem chemischen Assistenten, einem landwirtschaftlichen G\u00e4rtner uud 2 Pferdeknechten, von denen jeder 1 Paar Ackerpferde zu versorgen und mit ihnen zu arbeiten hat.\nDer Administrator ist der oberste Beamte des gesamten auf dem Versuchsfelde eingerichteten Apparates. Betreffs des Feldes ist er dem Direktor des Institutes f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzenproduktionslehre, betreffs des Rasseviehstandes dem Direktor des Institutes f\u00fcr landwirtschaftliche Tierproduktionslehre verantwortlich und hat sich in Bezug auf die Leitung und Verwaltung dieser beiden Apparate nach den Direktiven der beiden Institutsleiter zu richten. Sollten sich aus dieser Zwiesp\u00e4ltigkeit gelegent-","page":16},{"file":"p0017.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n17\nlieh Zweifel oder Widerspr\u00fcche ergehen, welche durch private \u00dcbereinkunft der Direktoren der beiden Institute nicht zu beseitigen sind, so entscheidet nicht der Wunsch und Wille eines einzelnen Direktors, sondern auf Antrag (event, im Notf\u00e4lle auch nur eines der beiden Direktoren) der Herr Universit\u00e4tskurator nach Massgabe dessen, wie es f\u00fcr das Ganze der Versuchswirtschaft am n\u00fctzlichsten ist.\n\\\nDer landwirtschaftliche G\u00e4rtner erh\u00e4lt als selbst\u00e4ndiges Arbeitsgebiet den landwirtschaftlich botanischen und den Zuchtgarten, die Obstpflanzungen und alle sonstigen g\u00e4rtnerischen Anlagen des Versuchsfeldes. Auf diesem Specialgebiete ist er nur dem Direktor des Versuchsfeldes verantwortlich ; er hat aber als Mitbewohner des Versuchsfeldes den Administrator als Vorgesetzten zu betrachten und, soweit seine Zeit es erlaubt, demselben als Assistent zur Hand zu gehen. Der\n\u00b0\t\\r\nG\u00e4rtner hat auch die meteorologischen Beobachtungen und ph\u00e4no-logischen Aufzeichnungen des Versuchsfeldes auszuf\u00fchren.\nZur genauen Verfolgung der wissenschaftlichen Ergebnisse des Versuchsfeldes, sowie zur exakten Auseinanderrechnung der gesch\u00e4ftlichen Beziehnungen zwischen den Instituten f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzen- und landwirtschaftliche Tierproduktionslehre wird eine systematische Buchf\u00fchrung eingerichtet, welche der Administrator zu f\u00fchren hat. Dieselbe wird so beschaffen sein, dass sie\ngleichzeitig, wenigstens teilweise, als Demonstrations- und Lehrmittel f\u00fcr die Vorlesung \u00fcber landwirtschaftliche Taxationslehre und landwirtschaftliche Buchf\u00fchrung herangezogen werden kann.\nDie Sammlungen des Institutes f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzenproduktionslehre :\nFig. 18. Hoflage.\n1. Die Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Bodenlehre. Dieselbe enth\u00e4lt eine nach dem geologischen Alter aufgestellte Kollektion der haupts\u00e4chlichsten bodenbildenden Gesteine, ferner eine Sammlung der haupts\u00e4chlichsten Mineralien, welche diese Gesteine bilden, in ihren wichtigsten Arten des Vorkommens. Ferner sehr h\u00fcbsche Darstellungen der Bodenbildung durch Verwitterung, eine grosse Sammlung von Verwitterungsb\u00f6den verschiedensten Ursprungs, eine Sammlung der Hauptbodentypen des landwirtschaftlichen Versuchsfeldes nebst einer Bodenkarte desselben, das Bodenklassifikationssystem der Dom\u00e4ne Proskau nach Thaer-Koppe-Settegast, eine grosse Sammlung von Bodentypen der Grundsteuereinsch\u00e4tzung der Provinz Schlesien innerhalb der Regierungsbezirke nach Klassen geordnet.\nMitteilungen Breslau. 2899.\to","page":17},{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"18\nDas Studium der Landwirtschaft\nund eine Anzahl von Kalk-, Mergel-, Sand- und Humusb\u00f6den verschiedener Herkunft, z. B. russische Schwarzerde, Lupitzer B\u00f6den etc. etc.\nAuch von den zur Probeentnahme und Bodenuntersuchung gebr\u00e4uchlichen Ger\u00e4ten und von Bodenkarten ist mancherlei in dieser Sammlung vertreten.\n2.\tDie Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzenbaulehre u n d R a s s e n z \u00fc c htungla u d w irtsch a ft 1 i c h\u00f6r Kulturpflanzen. (Ta f. Hl.) Tn dieser Sammlung ist zun\u00e4chst eine grosse Samensammlung zu nennen, welche, soweit sie die Getreidearten umfasst, mit den zugeh\u00f6rigen \u00c4hrenmustern zusammen nach der Systematik jeder Getreidegattung aufgestellt ist. Die anderen Samenarten sind teils nach den Gruppen der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, teils nach Endlichers Enchiridion botanicum aufgestellt, dessen Inhaltsverzeichnis zugleich zum schnellen Auffinden des Gesuchten benutzt werden kann. Sodann enth\u00e4lt diese Sammlung Demonstrationsherbarien von den haupts\u00e4chlichsten Kutterkr\u00e4utern, Futtergr\u00e4sern und Ackerunkr\u00e4utern, eine sehr gute Sammlung von Brendel'schen Bl\u00fctenmodellen, von Kartoffel- und R\u00fcbensortenmodellen, von Hopfengartenmodellen, von Futtertrocknungsger\u00e4ten, des Leines und seiner verschiedenen Verarbeitungsstadien , eine Sammlung von sch\u00f6nen Pr\u00e4paraten tierischer Sch\u00e4dlinge landwirtschaftlicher Kulturpflanzen in ihren verschiedenen Entwickelungsstadien und Sch\u00e4digungsleistungen, eine Sammlung zum Teil sehr wertvoller Getreide-Kreuzungen von W. Rimpau und 0. Cimbal in natura, bezw. vom Referenten auf Tafeln zusammengestellt zur Demonstration der Variabilit\u00e4t und Vererbung infolge von k\u00fcnstlicher Kreuzung, und endlich eine kleine Kollektion von pflanzlichen Parasiten und landwirtschaftlich botanischen Pfahlbautenresten. Einige Ger\u00e4te zur Getreidequalit\u00e4tspr\u00fcfung und Getreidez\u00fcchtung und Modelle von Saatsortier- und Reinigungsmaschinen vervollst\u00e4ndigen diesen Apparat.\nEine kleine Sammlung f\u00fcr Forstwirtschaftslehre hat in demselben Saale aus Mangel an Raum Aufstellung finden m\u00fcssen.\n3.\tDie Sammlung f\u00fcr Obst- und Gartenbau f\u00fchrt uns zun\u00e4chst eine \u00fcber 500 Obstsorten enthaltende, systematisch aufgestellte Sammlung von Obstmodellen vor, ferner eine sehr sch\u00f6ne, systematisch aufgestellte Sammlung von Pilzmodellen, eine gr\u00f6ssere Kollektion von Gem\u00fcse- und Gartens\u00e4mereien, von g\u00e4rtnerischen Bl\u00fctenmodellen, Gartenger\u00e4ten, Ger\u00e4ten f\u00fcr die Bienenzucht, Tafeln \u00fcber die Anatomie und Entwickelung der Honigbiene etc.\n4.\tDie Sammlung f\u00fcr tropische Landwirtschaft enth\u00e4lt zahlreiche tropische Samenarten nebst Bl\u00fctenmodellen und den aus den Samen gewonnenen Produkten nach Gruppen ihrer Nutzbarkeit geordnet, etwa wie in dem neuen Werk von Sadebeck \u00fcber die Nutzpflanzen der deutschen Kolonien,x) ferner eine Kollektion von Rohbaumwollen verschiedener Herkunft, eine \u00dcbersicht der verschiedenen Verarbeitungsstadien der Baumwolle, eine grosse Sammlung von Kaffeesorten aus Afrika, Asien und S\u00fcdamerika, nebst\n1) -Jena, G. Fischer, L899.","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"an dev K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n11)\nAbbildungen von holl\u00e4ndischen mul englischen Kaffeeplantagen verschiedenen Alters, eine \u25a0 Sammlung von Kakaobohnen und ihren Verarbeitungsprodukten und Abf\u00e4llen, zahlreiche tropische Tabake aus Amerika, Asien und Afrika, tropische Nutzh\u00f6lzer, Zuckerrohr etc. Von tierischen Produkten sind Elfenbein, Schildkrot, Perlmutter, Felle, Geh\u00f6rne, rohe Straussenfodern. Muscheln etc. vertreten, und die Kiepert'sehe Wandkarte veranschaulicht den deutschen Kolonialbesitz.\nDie beiden letztgenannt en Sammlungen wurden vom Referenten begr\u00fcndet , durch Ausscheidung aus der alten Sammlung f\u00fcr Pflanzenbaulehre und durch Zuk\u00e4ufe und Schenkungen wurden sie nicht unwesentlich vervollst\u00e4ndigt.\nI >ie Arbeitsrichtung des Institutes f\u00fcr landw. Pflanzenproduktionslehre ergielit sich nach der Schilderung seiner Einrichtungen von selbst. Es hat in erster Linie die Aufgabe, alle Fragen der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion, d. h. der Bodenbearbeitung, der Pflanzenern\u00e4hrung, der Pflege landwirtschaftlicher Kulturpflanzen, der Rassenz\u00fcchtung etc. vom strengen Standpunkte der Wissenschaft zu bearbeiten, aber gleichzeitig die F\u00fchlung mit den Ergebnissen der landwirtschaftlichen Praxis auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion zu erhalten, zu welchem Zwecke es sehr wertvoll ist, dass eine entsprechend grosse. Fl\u00e4che als Versuchsfeld zur Verf\u00fcgung stellt, tun die Resultate des Vegetationsgef\u00e4sses und der kleineren Parzelle mit den Resultaten des feldm\u00e4ssigen Anbaues vergleichen und wissenschaftlich in Einklang bringen zu k\u00f6nnen. Gerade diese M\u00f6glichkeit verleiht dein ganzen Versuchsfelde einen besonderen Wert, und erleichtert es seinem Leiter nach vielen Richtungen hin, mit der landwirtschaftlichen Praxis der Provinz in Erfahrungsaustausch und befruchtende Wechselbeziehung zu treten und dadurch auch das Interesse an diesen Einrichtungen in der Provinz wach zu rufen und zu erhalten.\n2. Das Institut f\u00fcr landwirtschaftliche Tierproduktionslehre.\nMit \u00dcbernahme der zun\u00e4chst nur kommissarischen Leitung des damaligen landwirtschaftlichen Institutes im Herbste 1890 begann Herr Prof. Dr. Holdefleiss in den R\u00e4umen der Tierklinik die Einrichtung eines Rasseviehstandes zu begr\u00fcnden, wodurch nat\u00fcrlich die fernere Aufstellung und klinische Behandlung von kranken Tieren aufh\u00f6ren musste.\nDer gegenw\u00e4rtige Bestand von Rassetieren umfasst 15 Rinder und 14 Schafe verschiedener Rassen und Schl\u00e4ge. Mit \u00dcberf\u00fchrung des Vieh-standes in den neuen Stall auf dem landwirtschaftlichen Versuchsfelde in Rosenthal soll der Bestand aber auf 20 Rinder und 20 Schafe erh\u00f6ht werden; auch ist die Haltung von 0\u20148 Schweinen in Aussicht genommen.\nUnter den Rindern sind gegenw\u00e4rtig folgende Rassen vertreten:\n\u00ce ! des schlesischen Rotviehes.\n1 Bulb* J\n1 8i in ment Haler Kuh,\n1\tOldenburger Kuh,\n2\trote ostfriesische K\u00fche,\n1 Holl\u00e4nder Kuh,\n2*","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"20\nDas Studium der Landwirtschaft\n1\tVoigtl\u00e4nder Kuli,\n2\tKreuzungsk\u00fche von schlesischem Rotvieli und einfarbig roten Ostfriesen,\n1\tKreuzungskuh von schlesischem Rotvieh und Voigtl\u00e4nder,\n2\tschwarzscheckige Ostfriesen,\n1 schlesische weissr\u00fcckige, rotscheckige Landkuh,\n1\tschlesische weissk\u00f6pfige, rotscheckige Landkuh.\nVon Schafen:\n2\tNegretti-Mutterschafe,\n1\tNegretti-Bock,\n2\tElectoral-Mutterschafe,\n1\tElectoral-Bock,\n2\tdeutsche Rambouillet-Mutterschafe,\n1 deutscher Rambouillet-Bock,\n1\tfranz\u00f6sisches Rambouillet-Mutterschaf,\n2\tfranz\u00f6sische Rambouillet-B\u00f6cke,\n2 Hampshiredown-Mutterschafe.\nIm Laufe der Zeit hat dieser Rassestall folgende Schl\u00e4ge beherbergt.\nNiederungsrassen:\nHoll\u00e4nder,\nRot- und schwarzscheckige Ostfriesen,\nOldenburger,\nWilstermarsch,\nAngeier.\nGebirgsrassen:\nSimmenthaler,\nPinzgauer.\nMitteldeutsche H\u00f6henrinder und Landschl\u00e4ge: Scheinfelder,\nVoigtl\u00e4nder,\nEinfarbig rote Ostfriesen,\nSchlesisches Rotvieh,\nWeissr\u00fcckiges Landvieh,\nRotes, weissk\u00f6pfiges Landvieh.\nEnglische Rassen:\nShorthorn,\nJersey.\nSchafe:\nSchlesische Electorals,\nMecklenburgische Negrettis,\nFeinwollige Rambouillets,\nGrobwollige \u201e\nHampshiredowns.\nDie aufgestellten Tiere sollten in erster Linie dazu dienen, die in Schlesien und Ostdeutschland vorzugsweise gehaltenen Rassen und Schl\u00e4ge in guten charakteristischen Exemplaren den Studierenden zur Anschauung","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"au der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n21\nzu bringen. Sie werden daher st\u00e4ndig als Demonstrationsmaterial bei den Vorlesungen und \u00dcbungen \u00fcber vergleichendes Exterieur und bei den \u00dcbungen im praktischen Viehmessen benutzt. Da sich der Stall bisher in n\u00e4chster N\u00e4he der Vorlesungsr\u00e4ume befand, konnten die Studierenden in ausgiebigster Weise die Gelegenheit ausnutzen, die Tiere t\u00e4glich zu beobachten und das Auge in der Beurteilung der Formen zu \u00fcben. Bei der Verlegung des Rasseviehstandes auf das Versuchsfeld fallt dieser Vorteil teilweise fort, daf\u00fcr werden aber andere Vorz\u00fcge dagegen eingetauscht, wie die weitere Beschreibung ergeben wird.\nGelegentlich fanden auch Zucht- und Kreuzungsversuche von schlesischem Rotvieh mit einfarbig roten Ostfriesen und Voigtl\u00e4ndern statt; ferner wird der Viehstand dazu benutzt, die Anpassungsf\u00e4higkeit der verschiedenen, in Schlesien gehaltenen fremden Rinderschl\u00e4ge bei normalem Futter an die hiesigen Verh\u00e4ltnisse zu pr\u00fcfen.\nNiedergelegt wurden die hier gemachten Erfahrungen in: \u201edie Rinderzucht Schlesiens\u201c von Prof. Dr. Holdefleiss.\nF\u00fctterungsversuche wurden bisher nur in beschr\u00e4nktem Umfange und Molkereiversuche gar nicht unternommen, da die R\u00e4umlichkeiten und Stall-einrichtungen dazu nicht ausreichten.1) Der Rasseviehstand bildet natur-\u2022gem\u00e4ss den wertvollsten und wichtigsten Bestandteil dieses Institutes.\nBei \u00dcberf\u00fchrung des Viehstandes in den neuen Stall auf dem Versuchsfelde sind die entsprechenden Vorbedingungen f\u00fcr F\u00fctterungs- und Molkereiversuche geschaffen, so dass der Viehstand auch nach diesen Richtungen hin wissenschaftliche Verwendung finden kann.\nIn dem Molkereiraum des neuen Stalles werden die wichtigsten und neuesten Ger\u00e4te der Milchverarbeitung in der Weise Aufstellung findeu, dass sie zu praktischer Arbeit f\u00fcr Versuche und Demonstrationen benutzt werden k\u00f6nnen. Auch soll die bakteriologische Seite des Molkereiwesens dabei Ber\u00fccksichtigung finden.\nDas Institut f\u00fcr landwirtschaftliche Tierproduktionslehre verf\u00fcgt ebenfalls \u00fcber ein Laboratorium, das allerdings vorl\u00e4ufig aus Raummangel mit dem Praktikantenlaboratorium identisch ist. Es bringt diese Vereinigung bei Zunahme wissenschaftlicher Arbeit manche \u00dcbelst\u00e4nde und Gefahren f\u00fcr die wissenschaftlichen Arbeiten dieses Institutes mit sich, welche eine Trennung beider Arbeitsst\u00e4tten in Zukunft erw\u00fcnscht erscheinen lassen.\nDie Sammlungen dieses Institutes bestehen aus einer\na) Sammlung f\u00fcr Tierzuchtlehre. (Tafel IV.) Dieselbe enth\u00e4lt die fast vollst\u00e4ndige Zahl der bis jetzt von dem Bildhauer Landsberg in Berlin gefertigten Statuetten von typischen Individuen einer Anzahl von Pferde-, Rinder-, Schaf- und Schweinerassen. Diese von K\u00fcnstlerhand gefertigten plastischen Tierportr\u00e4ts sind f\u00fcr die Rassenkunde der Tierproduktionslehre eine sehr wertvolle Erg\u00e4nzung zum Rasseviehstande dieses Institutes, da es der hohen Kosten wegen nicht ang\u00e4ngig erscheint, einen\n*) Die thats\u00e4chlichen Angaben dieses Abschnittes bis hierher verdankt Referent der freundlichen Mitteilung des Herrn Professor Dr. Holdefleiss.","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"Das Studium der Landwirtschaft\n22\nlandwirtschaftlich zoologischen Garten, wie die Universit\u00e4t Halle ihn besitzt, an einer anderen Stelle zu wiederholen. Andererseits ist aber ein Demonstrationsmaterial. welches unmittelbarer und anschaulicher wirkt als blosse Abbildungen, selbst wenn diese noch so sch\u00f6n sind, unzweifelhaft sehr notwendig f\u00fcr die Tierzuchtlehre, und so ist diese Kollektion von Rassestatuetten in der That ein sehr sch\u00e4tzenswertes Lehrmittel. Die Statuetten haben nach Vorschlag und Angabe des Referenten eine systematische Aufstellung erhalten, so dass die einzelnen Rassen als Unterglieder den gr\u00f6sseren Gruppen der verschiedenen Haustiergattungen eingefugt sind, eine Aufstellung, die in ihrer Art neu sein d\u00fcrfte, und sehr lehrreich wirk.\nSodann befindet sich hier eine Sammlung von typischen Sch\u00e4deln der Hauptgruppen tier verschiedenen Haustiergattungen, welche die Systematik derselben vom Standpunkte der Knochenlehre aus veranschaulichen sollen. Weit lehrreicher w\u00e4re es allerdings, wenn man ganze Skelette von Repr\u00e4sentanten der Hauptgruppen der Haustiergattungen aufstellen k\u00f6nnte, indessen dazu reichen die vorhandenen R\u00e4umlichkeiten auch nicht ann\u00e4hernd hin. und daher musste man sich auf eine Kollektion von Sch\u00e4deln beschr\u00e4nken, die beim Rinde bekanntlich auch von besonderer Wichtigkeit f\u00fcr die Unterscheidung der verschiedenen Gruppen sind.\nFerner hat hier eine Wollesammlung Aufstellung gefunden, welche sowohl die haupts\u00e4chlichsten Wollearten, als die guten Eigenschaften, und die Fehler der Merinowollen zur Darstellung bringt. Hat die Woll-kunde heutzutage auch fast nur noch ein historisches Interesse, so ist doch dieses Kapitel f\u00fcr die Tierzuchtlehre immerhin theoretisch so wichtig, dass das Vorhandensein eines solchen Materiales, wie es hier vertreten ist, nicht untersch\u00e4tzt werden darf.\nDie Sammlung f\u00fcr Tierzuchtlehre wird noch vervollst\u00e4ndigt durch sehr zahlreiche und teilweise sehr sch\u00f6ne, bildliche Darstellungen und Demonstrationstafeln, welche nach den verschiedenen Zweigen der Tierzuchtlehre geordnet und bequem benutzbar aufgestellt sind.\nEndlich befinden sich in dieser Sammlung, teils in Modellen, teils in nat\u00fcrlicher Gr\u00f6sse, eine Anzahl von Ger\u00e4tschaften f\u00fcr die praktische Tierzucht und -Haltung und eine Futtermittelsammlung.\nb) Die Molkereisammlung, neben der Tierzuchtsammhmg gelegen, enth\u00e4lt das grosse Modell einer vollst\u00e4ndigen Dampfmolkerei, das Butterfass in seinen verschiedenen Formen als Stoss-, Roll-, Schlag- und Wiegebutterfass etc., nach seiner historischen Entwickelung aufgestellt, soweit die Modelle dazu ausreichten, um diese Entwickelungsreihen zum Ausdruck zu bringen; ferner sonstige Ger\u00e4te f\u00fcr Butter- und K\u00e4sebereitung, eine Sammlung von Milchcentrifugen, teils in Maschinen und Modellen, gr\u00f6sstenteils aber in Demonstrationstableaus, welche die W\u00e4nde bedecken. Sodann befindet sich hier eine Sammlung von Apparaten zur Untersuchung von Milch und Molkereiprodukten, eine Sammlung von Milchaufrahm- und Milchten,ns-portgef\u00e4ssen in nat\u00fcrlicher Gr\u00f6sse und endlich eine Kollektion von Milchpr\u00e4paraten und Milchderivaten.\nDurch den Molkereiraum im neuen Viehstalle auf dem Versuchsfelde wird der Apparat f\u00fcr das Molkereiwesen eine erhebliche Erweiterung er-","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"23\nan der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nfahren, und vor allem wird dadurch zugleich die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, praktische Demonstrationen und \u00dcbungen mit der Vorlesung \u00fcber Molkereiwesen zu verbinden, was bisher leider g\u00e4nzlich undurchf\u00fchrbar war.\nEine Abteilung des Institutes f\u00fcr landwirtschaftliche Tierproduktionslehre bildet:\nDie Tierklinik. Das fr\u00fchere Veterin\u00e4rinstitut, welches, wie schon im ersten Abschnitte dieses Aufsatzes angedeutet wurde, im Jahre 1890 als Zweiginstitut zu existieren aufh\u00f6rte und dem alten landwirtschaftlichen Institute ganz angegliedert wurde, wird seitdem im Nebenamte durch einen praktischen Veterin\u00e4r verwaltet, d. h. die ganzen Einrichtungen dieses Institutes sind erhalten worden, bleiben aber gr\u00f6sstenteils unbenutzt, und die Th\u00e4tigkeit der interimistischen Vertretung der Veterin\u00e4rkunde beschr\u00e4nkt sich darauf, die Vorlesungen \u00fcber Anatomie und Physiologie der Haustiere und \u00fcber Veterin\u00e4rkunde zu halten und soweit als m\u00f6glich von aussen her lebendes Material f\u00fcr klinische Demonstrationen herbeizuschaffen, um dadurch die Veterin\u00e4rvorlesungen zu beleben. Da dieses lebende Material aber bisher nicht untergebracht werden konnte, weil in dem urspr\u00fcnglich daf\u00fcr bestimmten Stalle das Rassevieh sich befand, so machte es die gr\u00f6ssten Schwierigkeiten, klinisches Demonstrationsmaterial f\u00fcr die Vorlesungen zu beschaffen.\nZu den Einrichtungen des Veterin\u00e4rinstitutes, die noch bestehen, aber so gut wie ausser Kurs gesetzt sind, geh\u00f6rt :\nEine Apotheke f\u00fcr Tierheilkunde, ein Operations- und Demonstrationssaal, ein Amtszimmer mit Bibliothek und Instrumenten, eine Sammlung f\u00fcr Anatomie und Pathologie der Haustiere, ein vollst\u00e4ndiger Apparat zur tier\u00e4rtztlichen Geburtshilfe und Hufbeschlagkunde, und nach Entfernung des Rasseviehstandes aus den St\u00e4llen dieses Institutes wird auch der Stall wieder f\u00fcr klinische Zwecke zur Verf\u00fcgung stehen.\nSollte es einst m\u00f6glich werden, diesem Institut seine Selbst\u00e4ndigkeit wiederzugeben und die Verwaltung im Nebenamte durch die definitive Besetzung mit einem Extraordinarius der Tierheilkunde zu ersetzen, so w\u00e4re das im Interesse dieses Institutes und seiner vollen Ausnutzung h\u00f6chst erw\u00fcnscht, obgleich ja dankbarst anerkannt werden muss, dass der zeitige interimistische Vertreter bei der Ungunst der Verh\u00e4ltnisse, unter der er zu leiden hat, das M\u00f6glichste tliut, um das Interesse an der Veterin\u00e4rkunde unter den Studierenden lebendig zu erhalten, und dass ihm das auch v\u00f6llig gegl\u00fcckt ist. Indessen, da der Apparat einmal besteht und bei dieser Organisation brach liegt und auch nicht anders als brach liegen kann, ist eine Beendigung dieses Provisoriums dringend erw\u00fcnscht. Es w\u00fcrde das allerdings die Anstellung eines Assistenten zur \u00dcberwachung der Tierklinik nach sich ziehen (ein Diener ist bereits vorhanden, derselbe versorgt augenblicklich den Rasseviehstand) und vielleicht die Einrichtung eines kleinen Laboratoriums, f\u00fcr welches der Raum auch vorhanden oder ohne erhebliche Umst\u00e4nde zu beschaffen w\u00e4re, und last not least die Berufung eines Extraordinarius f\u00fcr Veterin\u00e4rkunde, welcher etatsm\u00e4ssig und formell vollst\u00e4ndig selbst\u00e4ndig gemacht werden m\u00fcsste, wie alle \u00fcbrigen Institute","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\nDas Studium der Landwirtschaft\nder Landwirtschaftslehre und ihrer Hilfswissenschaften an der Universit\u00e4t Breslau.\nDas Personal der Tierklinik besteht augenblicklich nur aus dem provisorischen Leiter derselben und einem Viehw\u00e4rter.\nDie Sammlung f\u00fcr Veterin\u00e4rkunde (Tafel V.) enth\u00e4lt zahlreiche pathologisch ver\u00e4nderte Knochenteile (Spat, Schale, die Zerst\u00f6rung von Rinderkiefern durch Aktinomykose, die Zerst\u00f6rung des Rinderknies durch Knie-schwamm etc., ferner Konkretionen aus dem Verdauungstraktus. wie Darmsteine, Haarb\u00e4lle etc.). Sodann enth\u00e4lt sie eine Sammlung von normalen und anormalen Skeletten verschiedener Haustiere ; erstere w\u00fcrden zum Teil in die Sammlung f\u00fcr Tierzuchtlehre geh\u00f6ren, haben aber aus Raummangel vorl\u00e4ufig hier Aufstellung gefunden. Eine nicht unbetr\u00e4chtliche Sammlung von Spirituspr\u00e4paraten normaler und pathologischer Art, eine Sammlung von anatomischen Modellen von Teilen des Tierk\u00f6rpers und des Menschen zur vergleichenden Anatomie, sowie sehr zahlreiche Demonstrationstableaus vervollst\u00e4ndigen diesen Apparat.\nDas hier vorhandene Material ist zwar nicht sehr reich und noch viel weniger vollst\u00e4ndig zu nennen, indessen bildet es eine sehr wertvolle Grundlage, auf welcher weiter zu bauen sehr lohnend w\u00e4re. Ohne eine definitive Specialvertretung dieses Faches ist daran aber leider nur in sehr beschr\u00e4nktem Masse zu denken.\n3. Das agrikulturchemische und bakteriologische Institut ist erst in neuester Zeit, seit der Neubesetzung der Direktorstelle mit Herrn Professor Dr. Stutzer, dem langj\u00e4hrigen Leiter der landwirtschaftlichen Versuchs-Station zu Bonn a. Rh., aus dem urspr\u00fcnglich hier errichteten \u201eInstitut f\u00fcr Tierchemie\u201c, welches unter Leitung von Herrn Professor Dr. Weiske stand, hervorgegangen. Die Ver\u00e4nderung des Titels dieses Institutes ist keine rein \u00e4usserliche Formalit\u00e4t, sondern sie tr\u00e4gt der betr\u00e4chtlichen Erweiterung des Arbeitsgebietes dieses Institutes unter seiner neuen Direktion Rechnung. Nicht mehr die Chemie in ihrer Anwendung auf den tierischen Ern\u00e4hrungsprozess, sondern neben der gesamten Tierern\u00e4hrungslehre ist auch das ganze Gebiet der Pflanzenern\u00e4hrungslehre, also das ganze Gebiet, welches man vorl\u00e4ufig unter der Bezeichnung: \u201eAgrikulturchemie\u201c zusummenzufassen pflegt, und ausserdem das grosse Gebiet der landwirtschaftlichen Bakterienkunde in den Rahmen des Arbeitsfeldes dieses Institutes gezogen worden. Dementsprechend gliedert sich die Forschung dieses Institutes in 3 Richtungen, und demgem\u00e4ss wird es auch das Bestreben sein m\u00fcssen, den Forschungsapparat f\u00fcr diese 3 Richtungen allm\u00e4hlich auszugestalten und zu vervollst\u00e4ndigen.\nVorl\u00e4ufig findet diese Erweiterung der Arbeitsziele dieses Institutes darin ihren Ausdruck, dass Herr Professor Dr. Stutzer das gesamte Gebiet der Agrikulturchemie, d. h. die Ern\u00e4hrungslehre von Haustieren und Kulturpflanzen, und die landwirtschaftliche Bakteriologie in seinen Vorlesungen vertritt, und dass ein landwirtschaftlich bakteriologisches Laboratorium eingerichtet und in Th\u00e4tigkeit getreten ist.","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslan.\n25\nF\u00fcr die Tierern\u00e4hrungslehre sind aus dem fr\u00fcheren Institute f\u00fcr Tierchemie alle Vorrichtungen \u00fcbernommen, welche zur Ausf\u00fchrung von Versuchen \u00fcber die Ern\u00e4hrung der Tiere, \u00fcber die Ausnutzung der Futtermittel u. dergl. vorhanden waren. Da aber weder ein Eespirationsapparat, noch ein Kalorimeter f\u00fcr gr\u00f6ssere physiologische Untersuchungen hier existieren, k\u00f6nnen vorl\u00e4ufig nur Versuche vorgenommen werden, welche direkt den Bed\u00fcrfnissen der Praxis sich anscliliessen, um f\u00fcr derartige Fragen eine wissenschaftliche Erkl\u00e4rung zu suchen.\nF\u00fcr die Pflanzenern\u00e4hrungslehre besitzt das Institut noch keine nennenswerten Forschungsmittel. Die wichtigste Grundlage des f\u00fcr dieses Gebiet erforderlichen Apparates, n\u00e4mlich die Einrichtung zu Vegetations versuchen nach der Methode von Professor Dr. P. Wagner in Darmstadt, ist sowohl f\u00fcr die wissenschaftliche Forschung, als zu Demonstrationszwecken f\u00fcr1 die Studierenden sehr erw\u00fcnscht und erstrebenswert. Die Topf-Versuche eines solchen Vegetationshauses w\u00e4ren ausserdem auch ein ebenso notwendiges als lehrreiches Supplement, bezw. die unentbehrliche wissenschaftliche Grundlage zu den Parzellen- und Feldd\u00fcngungsversuchen, wie sie auf dem Versuchsfelde zur Ausf\u00fchrung gelangen. Hoffentlich wird dieser Wunsch in absehbarer Zeit realisierbar sein!\nF\u00fcr beide Zweige der Agrikulturcliemie besteht ein mit allen modernen Mitteln der Untersuchung ausger\u00fcstetes agrikulturchemisches Laboratorium.\nF\u00fcr die landwirtschaftliche Bakterienkunde ist der ganze Apparat f\u00fcr Reinkulturen und Sterilisierung neu eingerichtet worden.\nDer hohe Wert der bakteriologischen Forschungen f\u00fcr die Landwirtschaft tritt in neuerer Zeit immer mehr hervor und die Bakterienkunde ist zweifellos dazu berufen, wesentliche Fortschritte auf verschiedenen landwirtschaftlichen Gebieten, wie z. B. in der Lehre der Pflanzenern\u00e4hrung, in der Bodenlehre, in dem Molkereiwesen etc., herbeizuf\u00fchren.\nDie Arbeitsrichtung dieses Institutes bezieht sich z. Z. vorzugsweise auf die Bakterien des Bodens und auf diejenigen Mikroorganismen, welche die stickstoffhaltigen Pflanzenn\u00e4hrstoffe ver\u00e4ndern und beeinflussen, also beispielsweise auf die Bildung von Salpeter in der Ackererde, die Zerst\u00f6rung von Salpeter, die Verarbeitung des freien Stickstoffs der Atmosph\u00e4re durch Leguminosenbakterien und durch andere Mikroorganismen.\nZun\u00e4chst wird die Morphologie und die Physiologie dieser Lebewesen rein wissenschaftlich bearbeitet, und es w\u00e4re sehr notwendig zur weiteren Durchf\u00fchrung dieser Untersuchungen, das Verhalten dieser Organismen in einer Vegetationsanstalt in dem von lebenden Pflanzen bewachsenen Boden zu verfolgen, also die rein wissenschaftlichen Forschungen an die Erscheinungen und Bed\u00fcrfnisse der landwirtschaftlichen Praxis anzukn\u00fcpfen.\nAn keiner anderen Universit\u00e4t werden bisher landwirtschaftlich bakteriologische Forschungen dieser Art in gr\u00f6sserem Umfange getrieben, und so wie die Verh\u00e4ltnisse in Breslau liegen, l\u00e4sst sich hoffen, dass dieses Gebiet in recht erfolgreicher Weise ausgebildet werden k\u00f6nnte, wenn der Forschungsapparat im Laufe der Zeit die dazu erforderlichen Erg\u00e4nzungen erhielte.","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nDas Studium der Landwirtschaft\nBehufs Fixierung' der verschiedenen Entwickelungsstadien der hier studierten Mikroorganismen ist das Institut mit einem vollst\u00e4ndigen und recht guten Apparate f\u00fcr Mikrophotographie ausgestattet, sowie mit einem vortrefflichen gew\u00f6hnlichen photographischen Apparate nebst Zubeh\u00f6r.\nZur Illustration der Vorlesungen \u00fcber Pflanzeiiern\u00e4lirungslehre ist Herr Professor Stutzer dabei, eine grosse Sammlung von Diapositiven anzulegen, welche er im H\u00f6rsaal mit einem Nkioptikon in anschaulichster Weise auf einen weissen Schirm werfen l\u00e4sst. Der H\u00f6rsaal ist zu diesem Zwecke ganz zu verdunkeln, und die Beleuchtung ist so eingerichtet, dass er auch augenblicklich wieder erhellt werden kann.\nVon Sammlungen sind hier eine D\u00fcngemittelsammlung zu erw\u00e4hnen, sowie eine Sammlung von Rohmaterialen der D\u00fcngerfabrikation und von Kalisalzen, welche in ihrem jetzigen Best\u00e4nde zum Teil noch von Professor Holdefleiss zusammengebracht worden sind.\nDas Personal dieses Institutes besteht ausser dem Direktor aus 2 Assistenten und einem Institutsdiener.\n4. Das landwirtschaftlich-technologische Institut, urspr\u00fcnglich nur f\u00fcr die Forschung auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Technologie, d. h. der G\u00e4rungsgewerbe, Zucker- und St\u00e4rkefabrikation angelegt. erhielt bei seiner Neubesetzung im Jahre 1890 eine andere Richtung, welche auch unter der jetzigen Direktion beibehalten ist. indem die chemische Technologie nicht nur neu hinzutrat, sondern sogar in den Vordergrund ger\u00fcckt wurde, sowohl in den Vorlesungen und \u00dcbungen, als auch in der Arbeitsrichtung dieses Institutes.\nDas Institut verf\u00fcgt \u00fcber ein eigenes kleines Auditorium, ein Amtszimmer mit Bibliothek und Privatlaboratorium des Direktors, 2 Praktikantenlaboratorien f\u00fcr Studierende, ein Dunkelzimmer f\u00fcr Polarisation, einen Raum f\u00fcr elektrische und f\u00fcr G\u00e4rungsversuche und mehrere Kammern, in welchen sich Apparate, Chemikalien etc. befinden.\nDie Sammlungen dieses Institutes sind aus Raummangel grossenteils auf dem Korridor auf Regalen aufgestellt.\nDer Direktor des Institutes, Herr Prof. Dr. Ahrens, liest neben den grossen chemisch-technologischen F\u00e4chern im Winter \u00fcber Zucker-, St\u00e4rke-und Cellulosefabrikation. im Sommer \u00fcber die G\u00e4rungsgewerbe.\nDie Vorlesungen und Praktikantenkurse erfreuen sich regen Besuches,1) wobei allerdings die studierenden Landwirte gegen die Chemiker erheblich zur\u00fccktreten.\nDas Personal besteht ausser dem Direktor vorl\u00e4ufig nur aus einem lustitutsdiener, indessen stellt die Errichtung einer Assistentenstelle in naher Aussicht.\n5. Der Apparat f\u00fcr Kulturtechnik wurde erst durch das schon erw\u00e4hnte Ministerialreskript vom 1. Juni 1898 neu begr\u00fcndet und mit einem eigenen selbst\u00e4ndigen Etat ausgestattet. Bis\n') Obige Notizen verdankt Referent grossenteils der freundlichen Mitteilung des Herrn Professor Dr. Ahrens,","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n21\ndahin waren die Vorlesungen \u00fcber Meliorationslehre. Drainage etc. von einem Hochbaufachmanne im Nebenamte gehalten worden. Da aber die Wasserwirtschaft und das Meliorationswesen gerade in Schlesien eine besonders wichtige Rolle in der Landeskultur spielen, entschloss sich das Kgl. Kultusministerium, dem vereinten Dr\u00e4ngen der Kreise der landwirtschaftlichen Praxis, vertreten durch die Landwirtschaftskammer, und der Fachvertreter der Landwirtschaftslehre an der Universit\u00e4t Breslau nachzugeben und einen besonderen Lehrstuhl f\u00fcr Kulturtechnik und landwirtschaftliche Maschinenkunde au der Universit\u00e4t- zu errichten, auf welchen der damalige Grossherzoglich Hessische Kulturingenieur Herr Dr. (\u2019. Luedecke aus Mainz berufen wurde.\nDie Vorlesung \u00fcber landwirtschaftliche Baukunde verblieb dagegen in den H\u00e4nden, in denen sie vorher gelegen hatte.\nDer Apparat f\u00fcr Kulturtechnik besteht augenblicklich aus folgenden Einrichtungen:\nDem Leiter desselben stellt ein Amts- und ein Zeichenzimmer zur Verf\u00fcgung.\nDie Sammlungen bestehen aus einer Sammlung f\u00fcr Kulturtechnik, welche aus Raummangel mit der Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Baukunde vereinigt ist. Die kulturtechnische Sammlung enth\u00e4lt Modelle und Musterst\u00fccke f\u00fcr Drainage und Wiesenbau, Apparate zum Feldmessen und Nivellieren, Pl\u00e4ne, Drainageentw\u00fcrfe etc.\nDie Sammlung f\u00fcr la nd wirf s ch a ftlieh eM a s c h in euku nd e (Tafel VI) f\u00fcllt einen grossen Saal und ist recht wertvoll. Die ganze Sammlung ist vom Ref. gruppenweise in der Aid geordnet, dass sich die Ger\u00e4te f\u00fcr den ganzen landwirtschaftlichen Produktionsprozess in der Reihenfolge aneinander schliessen, wie sie im .Tahreslaufe nacheinander gebraucht zu werden pflegen. Innerhalb dieser Gruppen ist, soweit das vorhandene .Material es gestattete, die historische Entwickelung der einzelnen Maschinen und Ger\u00e4te durch die Aufstellung der einzelnen Modelle zum Ausdruck gebracht. Da sieht man die historische Entwickelung des Pfluges von der Gegenwart (Dampfpflug) bis in die Zeit zur\u00fcck, als man das Eisen nur zum Pflugschar benutzte, da ist die historische Entwicklung der Egge, der Walze, der Drillmaschine, der M\u00e4hemaschine, der Dreschmaschine etc. zur Darstellung gebracht. Ausser diesen Modellen (von Handger\u00e4ten bis zur\u00fcck in die Steinzeit) befinden sich Demonstrationstafeln \u00fcber maschinenbautechnische und konstruktive Einzelheiten an den W\u00e4nden und Bildwerke in Mappen zur freien Einsicht,\nDer ganze kulturtechnische Apparat stellt in seiner jetzigen Verfassung einen Krystallisationspunkt dar, der nach verschiedenen Seiten hin ausgebaut werden k\u00f6nnte und m\u00fcsste. Die ( \u00bbrganisation gestattet seinem Leiter die vollste Bewegungsfreiheit,\nAusser dem Leiter desselben ist vorl\u00e4ufig noch keine Hilfskraft vorhanden.\nMit den Mitteln dieses Apparates soll nicht erstrebt werden, Kultiir-techniker von Fach auszubilden, wohl aber den studierenden Landwirten","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"28\nDas Studium dev Landwirtschaft\neine rationelle Wasserwirtschaft und das bei Zunahme des Leutemangels auf dem Lande immer wichtiger werdende landwirtschaftliche Maschinenwesen von sachverst\u00e4ndiger Seite eines erfahrenen Ingenieurs von Fach nahe zu bringen und verst\u00e4ndlich zu machen.\nDamit w\u00e4ren alle landwirtschaftlichen und zweckverwandten Institute mit ihren Einrichtungen in ihrer gegenw\u00e4rtigen Verfassung und Arbeitsrichtung ersch\u00f6pft. Zu erw\u00e4hnen bliebe nur noch die Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Baukunde (Tafel VII) mit ihren Modellen von Ar-beiterli\u00e4usern, St\u00e4llen, Scheunen und zahlreichen bautechnischen Einzelheiten, welche als Demonstrationsmaterial f\u00fcr die Vorlesung \u00fcber landwirtschaftliche Baukunde dient und zu diesem Zwecke von dem Referenten dem H\u00f6rsaal so nahe als m\u00f6glich gebracht wurde. Unter dem Material dieser Sammlung befindet sich manche historisch interessante Einzelheit.\nII. Allgemeine Einrichtungen f\u00fcr das Studium der Landwirtschaft.\na)\tDer H\u00f6rsaal enth\u00e4lt Raum t\u00fcr 50 Studierende. Er liegt im Hinterhause des Grundst\u00fcckes Matthiasplatz 5, 2 Treppen hoch und ist seit 1897 von s\u00e4mtlichen landwirtschaftlichen Sammlungen umgeben, und zwar in der Weise, dass diejenigen Sammlungen, deren Gegenst\u00e4nde am schwersten transportabel sind, dem H\u00f6rsaale am n\u00e4chsten liegen, damit die Benutzung des Demonstrationsmaterials f\u00fcr die Vorlesungen m\u00f6glichst erleichtert wird.\nb)\tDas Praktikantenlaboratorium (Tafel VIII) liegt im Erdgeschoss des Vorderhauses. Es umfasst seit seiner Heuorganisation durch den Referenten im S.-S. 1897 zwei Arbeitszimmer mit zusammen zw\u00f6lf chemischen Arbeitspl\u00e4tzen, ein W\u00e4gezimmer, einen Destillierraum und zwei Vorratskammern. Die Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die Studierenden sind mit einem fest bestimmten Ger\u00e4teinventar ausger\u00fcstet, welches ihnen kostenlos \u00fcbergeben wird, welches sie aber am Schl\u00fcsse des Semesters in vollem Best\u00e4nde abzuliefern, bezw. das Fehlende zu bezahlen haben, zu welchem Zwecke am Beginne des Semesters jeder Praktikant eine kleine Kaution erlegen muss. Das Praktikantenlaboratorium ist mit den neuesten Apparaten zur Bodenanalyse, Stickstoff-, Phosphors\u00e4ure- und Fettbestimmung etc. ausgestattet, es verf\u00fcgt \u00fcber vorz\u00fcgliche Wagen und eine kleine Handbibliothek zum Nachschlagen w\u00e4hrend der Arbeit.\nAls Erg\u00e4nzung zum Laboratorium dient:\nc.) Das Mikroskopierzimmer. Dasselbe wurde auf Veranlassung des Referenten im S.-S. 1897 eingerichtet; es liegt im Vorderhause des Grundst\u00fcckes 2 Treppen hoch, hat vorz\u00fcgliches Licht und in maximo neun Arbeitspl\u00e4tze mit den dazu geh\u00f6rigen Mikroskopen, Reagentien und sonstigen Ger\u00e4ten und Hilfsmitteln der Mikroskopie; letztere waren schon vorher vorhanden.\nd) Die landwirtschaftlichen Bibliotheken umfassen zusammen gegenw\u00e4rtig etwas mehr als 8600 B\u00e4nde. Davon entfallen auf die Schriften allgemein landwirtschaftlichen Inhaltes 1960 B\u00e4nde, auf die allgemeine Landwirtschaftslehre (landwirtschaftliche Betriebslehre, Taxationslehre, Buchf\u00fchrung) 215 B\u00e4nde, landwirtschaftliche Pflanzenproduktionslehre und Gartenbau 972 B\u00e4nde, Tierproduktionslehre 818 B\u00e4nde, landwirtschaftliche Tech-","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"29\nan der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nnolog'ie 374 B\u00e4nde, Forstwirtschaft und Jagd 319 B\u00e4nde, Grund- und Hilfswissenschaften zusammen 2656 B\u00e4nde, Veterin\u00e4rkunde ca. 400 B\u00e4nde; die Bibliothek des agrikulturchemischen und bakteriologischen Institutes enth\u00e4lt ca. 1000 B\u00e4nde.\nDie Institute f\u00fcr Agrikulturchemie und landwirtschaftliche Technologie haben ihre Bibliotheken in ihren eigenen B\u00e4umen, alle \u00fcbrigen B\u00fccher sind aber an einem Punkte konzentriert und werden augenblicklich von dem Assistenten des Institutes t\u00fcr landwirtschaftliche Tierproduktionslehre verwaltet.\nBei dem Umfange der Bibliothek und der regeu Inanspruchnahme derselben auch von seiten der Studierenden wird sich dieser Zustand auf die Dauer nicht erhalten lassen, und es w\u00e4re im Interesse der Erhaltung der Bibliothek, sowie im Interesse der leichteren Benutzbarkeit derselben sehr erw\u00fcnscht, wenn die Bibliotheken aller Specialinstitute vereinigt und unter die Verwaltung eines gemeinsamen Bibliothekars gestellt w\u00fcrden, der gleichzeitig als Konservator t\u00fcr s\u00e4mtliche Sammlungen und als Leiter eines gemeinsamen Verwaltungsbureaus f\u00fcr alle Specialinstitute fungieren k\u00f6nnte. Es w\u00fcrde dadurch den Institutsdirektoren viel Zeit erspart werden, welche sie fruchtbarer und produktiver verwerten k\u00f6nnten, und andererseits w\u00e4re die ordnungsm\u00e4ssige Instandhaltung des wertvollen B\u00fccherschatzes und der sch\u00f6nen Sammlungen in ganz anderer Weise gesichert, als bei dem jetzigen Zustande.\ne) Das Lesezimmer f\u00fcr die Studierenden liegt im Erdgeschoss neben dem Hauptportal des Institutsgeb\u00e4udes. In demselben liegen 52 landwirtschaftliche und zweckverwandte Fachzeitschriften und 2 politische Zeitungen zur freien Benutzung der Studierenden aus.1) Das Lesezimmer ist an Wochentagen ge\u00f6ffnet von 8 Uhr (bezw. 9 Uhr im Winter) morgens bis 7 Uhr abends und Sonntag Vormittag von 9 bis 1 Uhr. Die haupts\u00e4chlichsten in Deutschland und \u00d6sterreich-Ungarn erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften f\u00fcr Landwirtschaft im allgemeinen und f\u00fcr die einzelnen Special- und Nebenzweige derselben und f\u00fcr Volkswirtschaftslehre sind vertreten, sowie die haupts\u00e4chlichsten deutschen Provinzial- und Vereinsorgane. Von fremdsprachlichen landwirtschaftlichen Fachorganen kommen nur die Annales agronomiques und das Journal d\u2019agriculture pratique zur Auslage.\nEine Liste der ausliegenden Zeitschriften mit Angabe des Auslege-termins f\u00fcr jede derselben, welche im Lesezimmer aush\u00e4ngt, soll die Kontrolle \u00fcber die P\u00fcnktlichkeit der Bedienung des Lesezimmers erleichtern und auch den Studierenden selbst die M\u00f6glichkeit geben, diese Kontrolle mit auszu\u00fcben. F\u00fcr etwaige Beschwerden und W\u00fcnsche liegt ein Desiderieu-bucli aus, welches in entsprechenden Zeitr\u00e4umen von der Bibliotheksverwaltung nachgesehen wird.\nAusser diesen Zeitschriften stehen den Studierenden behufs Orientierung nach verschiedener Richtung hin im Lesezimmer eine Anzahl von Nachschlagewerken zur freien Verf\u00fcgung, wie z. B. das Handw\u00f6rterbuch der\n*) Die Zahl der ausliegenden Zeitschriften wurde 1896 auf Veranlassung des Referenten von 36 auf 52 erh\u00f6ht.","page":29},{"file":"p0030.txt","language":"de","ocr_de":"30\nPas Studium der Landwirtschaft\nStaatswissenscliaften von Conrad, Elster, Lexis und Lotting, das Handbuch des Verwaltungsrechts von v. Stengel, das kleine Konversationslexikon von Meyer, das Landwirtschaftslexikon von G. Krafft, die Handb\u00fccher des Grundbesitzes der vier \u00f6stlichen Provinzen, die Statistik des Weltverkehrs von Neumann-Spallert, die j\u00e4hrliche \u00dcbersicht \u00fcber das landwirtschaftliche Versuchswesen und die Th\u00e4tigkeit der landwirtschaftlichen Versuchsstationen Preussens etc. etc.\nDiverse Karten von Deutschland und Schlesien, eine \u00dcbersichtskarte \u00fcber das landwirtschaftliche Versuchsfeld der Kgl. Universit\u00e4t Breslau, die B\u00fcsten von Th a er, Koppe, Liebig und Jul. K\u00fchn vervollst\u00e4ndigen den Wandschmuck dieses in seiner Ausstattung zwar einfachen aber gem\u00fctlich eingerichteten Lesezimmers.\nEin Schreibtisch nebst Schreibutensilien bietet Gelegenheit. Notizen und Excerpte zu machen.\nDie Benutzung des Lesezimmers ist eine sehr rege; es ist der beliebteste Sammelpunkt der Studierenden zwischen den Vorlesungen, und auch zu anderen Tageszeiten ist es selten unbesucht.\nDurch die Reichhaltigkeit der hier ausgelegten periodischen landwirtschaftlichen Faelilitteratur wird zweierlei bezweckt:\n1.\tsollen die Studierenden dadurch Gelegenheit erhalten, die wichtigsten wissenschaftlichen und Tageszeitschriften der Landwirtschaft und ihrer Hilfsf\u00e4cher durch eigenen Einblick kennen zu lernen, um durch diesen \u00dcberblick f\u00fcr die Auswahl der im sp\u00e4teren Leben von ihnen zu haltenden Zeitschriften einen gewissen Anhalt zu gewinnen, und\n2.\tsoll den Studierenden damit die M\u00f6glichkeit gegeben werden, w\u00e4hrend ihrer Studienzeit den Fortschritten und Tagesfragen, welche in diesen Zeitschriften ihre erste Ver\u00f6ffentlichung erfahren, jederzeit zu folgen und geistig daran teilzunehmen.\nEs soll nach Absicht des Referenten den Studierenden durch die m\u00f6glichst gute Ausstattung und bequeme und angenehme Benutzbarkeit des Lesezimmers die Lekt\u00fcre von landwirtschaftlichen Fachzeitschriften gewissennassen zu einem unentbehrlichen Bed\u00fcrfnis anerzogen werden, damit im sp\u00e4teren praktischen Leben die Anregungen der Studienzeit durch Fortsetzung der Lekt\u00fcre einzelner Zeitschriften wach erhalten werden, und die ehemaligen Studierenden sp\u00e4ter davor bewahrt bleiben, in stumpfe Indoleuz und in einen handwerksm\u00e4ssigen Betrieb ihres Gewerbes zu versinken. Gerade der Landwirt in seiner isolierten Lebensf\u00fchrung bedarf derartiger Anregungen von aussen mehr als jeder andere Berufsstand, und daher ist es von h\u00f6chster Wichtigkeit, das geistige Band mit der Studienzeit lebendig und frisch zu erhalten. Zu dem Zweck scheint neben anderen Dingen ein gewisses Mitgehen mit der landwirtschaftlichen Litteratur ein einfaches und sicheres Mittel zu sein. Aus diesen Gr\u00fcnden ist die reichhaltige Ausstattung eines solchen Lesezimmers weder ein Luxus, noch etwas Nebens\u00e4chliches, sondern etwas Notwendiges und Wichtiges, denn man muss in Betracht ziehen, dass der junge Landwirt keine Passion f\u00fcr B\u00fccher und Zeitschriften aus der Praxis nach der Universit\u00e4t mitzubringen pflegt. Das Verst\u00e4ndnis und Interesse daf\u00fcr soll in ihm hier","page":30},{"file":"p0031.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n31\nerst erweckt werden, und daher ist es notwendig, ihm diese Sache so angenehm und anziehend als m\u00f6glich zu machen. Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen, und wenn das Tuteresse eines Studierenden auch nur durch eine einzelne Zeitschrift gewonnen wird, ist damit schon viel erreicht und die Ankn\u00fcpfung gegeben, ihn weiter auf das Gebiet geistiger Anregung und Arbeit hin\u00fcberzuziehen. Ausserdem aber haben die Institutsbibliotheken den Vorteil von der Reichhaltigkeit der Zeitschriftenausstattung des Lesezimmers, dass sie ebenfalls recht vollst\u00e4ndig mit Zeitschriften ausgestattet werden, was f\u00fcr jede wissenschaftlich landwirtschaftliche Arbeit um so wichtiger ist, als die Universit\u00e4tsbibliotheken f\u00fcr dieses Gebiet in der Regel recht unvollst\u00e4ndig zu sein pflegen.\nf) Die Sammlungen der verschiedenen Institute dienen nicht nur als Aufbewahrungsr\u00e4ume des f\u00fcr die Vorlesungen erforderlichen Demonstrationsmaterials, sondern sie sind in ihrer neuerdings durchgef\u00fchrten Aufstellung und Gruppierung des Stoffes, soweit es irgend durchf\u00fchrbar war. so eingerichtet, dass sie auch als Ganzes durch die systematische Art der Aufstellung lehrreich wirken. Sie stellen gewissermassen k\u00f6rperlich das System der einzelnen Zweige der Landwirtschaftslehre dar und k\u00f6nnen daher sowohl zu Specialstudien, als auch zu Repetitionen von seiten der Studierenden benutzt werden. Jede Sammlung ist an einem Tage der Woche f\u00fcr die Studierenden ge\u00f6ffnet und ohne weitere Formalit\u00e4ten zug\u00e4nglich, w\u00e4hrend Fremden das Betreten der Sammlungsr\u00e4ume nur in Begleitung eines Dieners gestattet ist.\nDie in 9 S\u00e4len und Zimmern aufgestellten Sammlungen k\u00f6nnen und sollen nicht den Anspruch erheben, ein landwirtschaftliches Museum zu sein; dazu sind sie zu unvollst\u00e4ndig und l\u00fcckenhaft. Als Demonstrationsund Lehrmittel stellen sie aber in ihrer jetzigen systematischen Aufstellung ein sehr leicht disponibles und wertvolles Material dar, wie es in dieser \u00dcbersichtlichkeit und leichten Zug\u00e4nglichkeit nicht an vielen h\u00f6heren Lelir-st\u00e4tten der Landwirtschaft angetroffen werden d\u00fcrfte. Die Unvollst\u00e4ndigkeit und L\u00fcckenhaftigkeit dieses Apparates h\u00e4ngt mit seiner Entstehungsgeschichte zusammen. Als die landwirtschaftliche Akademie zu Proskau 1881 aufgehoben wurde und man an ihrer Stelle an der Universit\u00e4t Breslau einige Lehrst\u00fchle f\u00fcr Landwirtschaft und ihre Hilfswissenschaften errichtete und mit Instituten ausstattete, wunderte ein grosser Teil der Proskauer Sammlungen in das Museum der landwirtschaftlichen Hochschule nach Berlin und nur der Rest wurde der Universit\u00e4t Breslau \u00fcberwiesen. Wenn nun auch inzwischen viel dazu geschafft und manche L\u00fccke zugezogen wurde, so ist doch der Charakter des Unvollst\u00e4ndigen bis jetzt leider nicht ganz zu verwischen gewesen, wie der neu angefertigte Generalkatalog jeden leicht \u00fcberzeugen kann.\nIn jeder Sammlung ist (\u2018in Specialkatalog aufgeh\u00e4ngt, in welchen jede Erg\u00e4nzung des Materials sofort nachgetragen wird. Alle ausgestellten Gegenst\u00e4nde sind etikettiert, in Gruppen geordnet und, soweit erforderlich, mit Erl\u00e4uterungen versehen. Ein kleiner \u201eF\u00fchrer durch die landwirtschaftlichen Sammlungen der Kgl. Universit\u00e4t Breslau\", welcher sich augenblicklich im Drucke befindet, soll den Besucher der Sammlungen","page":31},{"file":"p0032.txt","language":"de","ocr_de":"32\nDas Studium der Landwirtschaft\nschnell \u00fcber die Hauptsehensw\u00fcrdigkeiten und ihre Bedeutung orientieren. Jedes landwirtschaftliche Lehrfach hat seine gesonderten Sammlungsr\u00e4ume, so dass das Material sich in dieser stofflichen Auseinandertrennung und systematischen Gruppierung vortrefflich \u00fcbersehen, verwalten und erhalten l\u00e4sst.1)\ng) Die Preisaufgaben. Am 7. Juli 1897 stellte Referent bei dem Vorst\u00e4nde der Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Schlesien den Antrag, in das j\u00e4hrliche Budget der Kammer eine Summe aufzunehmen, welche als Preis f\u00fcr die L\u00f6sung einer wissenschaftlichen Aufgabe aus dem Gebiete der Landwirtschaftslehre und deren Hilfswissenschaften an Studierende der Landwirtschaft der Universit\u00e4t Breslau verteilt werden sollte, und f\u00fcgte diesem Antr\u00e4ge gleichzeitig den Entwurf zu einem Statut f\u00fcr die j\u00e4hrliche Stellung einer solchen wissenschaftlichen Preisaufgabe hinzu, welcher f\u00fcr eventuelle weitere Beratungen als Vorschlag und zugleich als Erl\u00e4uterung dieses Antrages dienen sollte.2)\nDer Zweck dieser Preisaufgaben sollte sein, zu einem abgerundeten rationellen Studium der Landwirtschaft anzuregen, und die Bedingungen, welche zu einer Bewerbung um den Preis berechtigen sollten, waren so gestellt, dass ausser einer entsprechenden Studienzeit auch eine ausreichende landwirtschaftlich-praktische Vorbildung nachgewiesen werden musste, wie die unten abgedruckten \u201eSatzungen\u201c erweisen.\nZur grossen Freude des Referenten hat dieser Antrag von seiten des Vorstandes der Landwirtschaftskammer Annahme gefunden, denn am 14. November 1898 wurde beschlossen, j\u00e4hrlich einen ersten Preis von 300 Mark und einen zweiten Preis Aon 150 Mark f\u00fcr die 2 besten Bearbeitungen der j\u00e4hrlich aus einem anderen Zweige der Landwirtschaftslehre und ihrer Hilfswissenschaften zu stellenden Preisaufgabe auszusetzen.\nDie Reihenfolge der bei dieser Preisstiftung in Frage kommenden F\u00e4cher, sowie die Modalit\u00e4ten der Aufgabenstellung und Preisverteilung wurden dabei statutenm\u00e4ssig festgelegt.\nBreslau, den 14. November 1898.\nSatzungen\nbetreffend die Stellung von Preisaufgaben f\u00fcr Studierende der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau.\n\u00a7 !\u2022\nVon der Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Schlesien wird zur F\u00f6rderung eines rationellen Studiums der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau f\u00fcr die beste und zweitbeste L\u00f6sung einer wissenschaftlichen Aufgabe aus dem Gebiete der Landwirtschafts-\n0 Die Ordnung, Neuaufstellung und Katalogisierung der Sammlungen nahm l'/2 Jahre in Anspruch und wurde vom Referenten selbst, oder nach seinen Angaben und Vorschl\u00e4gen ausgef\u00fchrt, wie z. B. bei den Sammlungen f\u00fcr Tierproduktionslehre von Herrn Professor Holdefleiss. Die Sammlung der Gesteine und Mineralien wurde von Herrn Privatdozent Dr. Milch, die Sammlung f\u00fcr Veterin\u00e4rkunde von Herrn Korpsrossarzt Strauch im Verein mit Professor Holdefleiss und dem Referenten geordnet.\n2) Diese Eingabe wurde vom Referenten nach Fertigstellung vor ihrem Abg\u00e4nge Herrn Professor Dr. Holdefleiss in Reinschrift zur Mitunterzeichnung vorgelegt, und derselbe hatte die G\u00fcte, den Antrag durch seine Namensunterschrift zu unterst\u00fctzen.","page":32},{"file":"p0033.txt","language":"de","ocr_de":"an dor K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n33\nlehre uml deren Hilfswissenschaften in jedem Jahre ein erster Preis von 300 Mark und ein zweiter Preis von 150 Mark ausgesetzt.\n\u00a7 2.\nDie Preisaufgabe ist j\u00e4hrlich aus einem anderen Gebiete der Landwirtschaftslehre und ihrer Hilfswissenschaften zu stellen, damit im Laufe der Jahre m\u00f6glichst alle Zweige dieses grossen Wissensgebietes entsprechend Ber\u00fccksichtigung finden.\nAls Gebiete, aus denen diese Aufgaben zu w\u00e4hlen w\u00e4ren, sind folgende zu bezeichnen:\n1.\tPflanzenproduktionslehre (allgemeine und speeiclle Pftauzcnbaulehre, Lehre von der Pflanzenern\u00e4hrung und von der Kassenz\u00fcchtung landwirtschaftlicher Kulturpflanzen).\n2.\tTierproduktionslehre (allgemeine und speeiclle Tierzuchtlehre, Lehre von der Tierern\u00e4hrung, Molkerei wesen ).\n3.\tWirtschaftslehre des Landbaues (landwirtschaftliche Betriebslehre, landwirtschaftliche Taxationsichre, Buchf\u00fchrung und Statik).1)\n4.\tAgrarpolitik, Agrarstatistik und Agrarrecht.\n5.\tLehre von den landwirtschaftlich-technologischen Xebengewerben (Technologie der Kohlenhydrate).\n6.\tKulturtechnik (einschliesslich Wiesenbau und allgemeine Melioratiouslehre).\n7.\tVetcrin\u00e4rkuude (einschliesslich der Seuchenbek\u00e4mpfung und Seuchengesetzgebung).\n8.\tLandwirtschaftliche Handelswissenschaft.\n\u00a7 3.\nDie Preisaufgaben werden aus den einzelnen Disciplined nach der im ij 2 bestimmten Reihenfolge gestellt. Letztere ist mit jedem Preisausschreiben zu ver\u00f6ffentlichen.\n\u00a7 4-\nDie Preisaufgabe jedes Jahres wird am officiellen Beginne jedes Sommersemesters in der Zeitschrift der Landwirtschaftskammer und ausserdem durch Anschlag am schwarzen Brett der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t und der landwirtschaftlichen Institute der Universit\u00e4t Breslau unter Aufforderung zu ihrer Bearbeitung \u00f6ffentlich bekannt gemacht.\n\u00a7 6-\nDie Bearbeitung der Preisaufgabe muss eine gediegene wissenschaftliche Arbeit sein, welche von dem Datum des Ausschreibens an innerhalb einer Frist von (i Monaten an den Vorsitzenden der Laudwirtschaftskammer abzuliefern ist.\n\u00a7 6.\nArbeiten, denen zwar ein Preis nicht zuerkannt werden konnte, welche jedoch neben geschickter Behandlung des Themas anerkennenswerten Fleiss bekunden, k\u00f6nnen durch eine ehrenvolle Erw\u00e4hnung belohnt werden.\n\u00a7 '\u25a0\nBehufs Stellung der Preisaufgabe und Censierung der einlaufenden Arbeiten wird eine Kommission gew\u00e4hlt, in welcher der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer den st\u00e4ndigen Vorsitz f\u00fchrt. Ein Mitglied der Kommission ist stets aus dem Kreise der praktischen Landwirte der Provinz Schlesien, ein ferneres Mitglied aus dem Kreise der landwirtschaftlichen Docenten der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau zu w\u00e4hlen, und zwar in jedem Jahre wechselnd nach Massgabe des Gebietes, aus dem die Preisaufgabe gew\u00e4hlt wird; die Professoren der Landwirtschaft im engeren Sinne an der Universit\u00e4t Breslau sind st\u00e4ndige Mitglieder der Kommission. Die Entscheidung hat mit absoluter Stimmenmehrheit zu erfolgen. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden der Kommission.\ng 8.\nDie Bewerbung um die von der Landwirtschaftskammer der Provinz Schlesien ausgesetzten Preise wird an folgende Bedingungen gekn\u00fcpft:\n1.\tNachweis \u00fcber eine rationelle Vorbildung in der landwirtschaftlichen Praxis vor dem Studium von mindestens 3\u20144 Jahren.\n2.\tNachweis \u00fcber die Immatrikulation.\n') Dieses Fach stand in dem Vorschlagsentwurfe des Referenten an der Spitze. Mitteilungen Breslau. 18HU.\t\u2022>","page":33},{"file":"p0034.txt","language":"de","ocr_de":"U\nDas Studium der Landwirtschaft\n3.\tNachweis \u00fcber eiue Studienzeit an einer Universit\u00e4t oder einer der h\u00f6chsten akademischen landwirtschaftlichen Lehrst\u00e4tten Deutschlands von mindestens 4 Semestern, von denen das vierte Semester aber nur begonnen zu sein braucht.\n4.\tNachweis der benutzten Litteratur, wobei w\u00f6rtliche Citate als solche zu bezeichnen sind.\n5.\tDie Arbeiten sind versiegelt, unter der Adresse des Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer abzugehen. Der Arbeit ist ein versiegelter Zettel beizulegen, welcher innen den Namen des Verfassers enth\u00e4lt, aussen aber mit demselben Motto versehen ist, welches sich unter dem Titel der Arbeit selbst befinden muss.\nEine etwaige Milderung dieser Bedingungen bleibt der Kommission auf Grund sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung des einzelnen Falles \u00fcberlassen. Bez\u00fcgliche Antr\u00e4ge sind vor Ablieferung der Arbeit an den Vorsitzenden der Kommission zu richten.\n\u00a7 9.\nDer Nachweis \u00fcber die Erf\u00fcllung der gestellten Bedingungen ist der Bearbeitung der Preisaufgabe beizuf\u00fcgen.\nSofern nicht von einzelnen Bedingungen Dispens erteilt war, wird die Arbeit bei Nichterf\u00fcllung der Bedingungen ohne weiteres vom Wettbewerb ausgeschlossen.\n\u00a7 10.\nDie \u00f6ffentliche Verk\u00fcndigung der Preisverteilung wird durch die Zeitschrift der Landwirtschaftskammer bewirkt; die eventuelle Auszahlung der Preise erfolgt bei der gleichzeitigen Mitteilung der Kommission an die betreffenden, durch \u00d6ffnen der entsprechenden Zettel ermittelten Sieger in der Konkurrenz.\nDie uner\u00f6ffueten Zettel werden liehst den zugeh\u00f6rigen Arbeiten denjenigen, welche, sich dazu legitimieren, von der Gesch\u00e4ftsstelle der Landwirtschaftskammer zur\u00fcckgegeheii, w\u00e4hrend die Originale der preisgekr\u00f6nten Arbeiten bei den Akten der Landwirtschaftskammer aufbewahrt werden. Doch steht cs den Verfassern frei, auf ihre Kosten sich eine Abschrift derselben anfertigen zu lassen.\n\u00a7 11.\nDie Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Stellung der Preisaufgabe erfolgen j\u00e4hrlich von seiten des betreffenden Universit\u00e4ts-Docentcn nach vorausgegangener Aufforderung durch den Vorsitzenden der Kommission. Darauf wird die Kommission von dem Vorsitzenden zusammenberufen und stellt das Thema endg\u00fcltig und zwar so rechtzeitig fest, dass die Publikation desselben mit dem officiellcn Beginne des Sommersemesters erfolgen kann.1)\nDer Vorstand\nder Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Schlesien.\nGraf von Zedlitz.\nDie Landwirtscliaftskammer f\u00fcr die Provinz Schlesien darf damit den Ruhm f\u00fcr \u00abich in Anspruch nehmen, von allen Vertretungen der praktischen Landwirtschaft die erste gewesen zu sein, welche durch die Stiftung von Preisen das ernste Studium der Landwirtschaftswissenschaft gef\u00f6rdert hat, und es kann die moralische Unterst\u00fctzung von seiten der landwirtschaftlichen Praxis, welche in dieser Anerkennung der N\u00fctzlichkeit des Erwerbes einer wissenschaftlichen neben der praktischen Vorbildung f\u00fcr den beute so schweren Beruf des Landwirtes liegt, nicht dankbar genug aufgenommen werden. Mit dem S.-S. 1899 findet die erste Ausschreibung einer Preisaufgabe statt.\nh) Die Stipendien. F\u00fcr unbemittelte Landwirtschaftsstudierende der Universit\u00e4t Breslau stehen folgende Stipendien zur Verf\u00fcgung:\n*) Der Text dieser Satzungen entspricht, wenige \u00c4nderungen mehr redaktioneller Natur ausgenommen. fast w\u00f6rtlich dem vom Deferenten seiner Zeit dem Vorst\u00e4nde der Landwirtschaftskammer eingereichten Entw\u00fcrfe.","page":34},{"file":"p0035.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n35\n1.\tDas Stipend in in des Breslauer landwirtschaftlichen Vereins, in einer j\u00e4hrlichen Summe von 200 Mark; die Bewerbungen um dieses Stipendium sind bei dem Vorst\u00e4nde dieses Vereins anzubringen.\n2.\tDie Stipendien der Wilhelm Korn-Stiftung. Dieselben stehen aber nicht nur f\u00fcr schlesische studierende Landwirte der Universit\u00e4t Breslau zur Verf\u00fcgung, sondern sie werden ebenso auch an schlesische Sch\u00fcler der mittleren und niederen landwirtschaftlichen Lehranstalten der Provinz Schlesien vergeben. Das urspr\u00fcngliche Stiftungskapital von 7080 Mark stammte ebenfalls von dem Breslauer landwirtschaftlichen Verein her und wurde zum Andenken an die 25j\u00e4hrige Wiederkehr des Breslauer Maschinenmarktes und an die Amtsf\u00fchrung des ehemaligen Vorsitzenden des Breslauer landwirtschaftlichen Vereins, des Kgl. Landes\u00f6konomierats Wilhelm Korn zu Breslau, f\u00fcr diese Zwecke ausgesetzt. Die Zinsen dieses Kapitals und der sp\u00e4ter dazu gekommenen Schenkungen und Verm\u00e4chtnisse werden j\u00e4hrlich in einem oder mehreren Stipendien von dem schlesischen Herrn General-landscliaftsdirektor vergeben, an welchen Bewerbungen um diese Stipendien zu richten sind.\n3.\tDie Stipendien der Schlesischen Prinz Friedrich Wilhelm-Stiftung bestehen in einem j\u00e4hrlich am Verm\u00e4hlungstage des hochseligen Kaisers und K\u00f6nigs Friedrich III. zu vergebenden Zinsbetr\u00e4ge von 900 M. f\u00fcr hilfsbed\u00fcrftige Schlesier behufs F\u00f6rderung landwirtschaftlicher und gewerblicher Zwecke. Die H\u00f6he der einzelnen Stipendien h\u00e4ngt von der Zahl der Bewerber und von dem Kuratorium der Stiftung ab, in welchem der schlesische Herr Generallandschaftsdirektor ebenfalls den Vorsitz f\u00fchrt. Die Eink\u00fcnfte des Unterst\u00fctzungsfonds werden zu einer H\u00e4lfte f\u00fcr landwirtschaftliche, zur anderen H\u00e4lfte f\u00fcr gewerbliche Zwecke verwendet.\nDie f\u00fcr landwirtschaftliche Zwecke bestimmte H\u00e4lfte wird verwendet:\na)\tmit 2/5 Teilen f\u00fcr Stipendien zum Besuch einer h\u00f6heren land- und forstwirtschaftlichen Lehranstalt bis zum Betrage von 360 M. f\u00fcr je ein Stipendium,\nb)\tmit 2/s Teilen f\u00fcr Stipendien zum Besuch von land- und forstwirtschaftlichen Schulen bis zum Betrage von 240 M. f\u00fcr je ein Stipendium, und\ncj mit V5 Teil f\u00fcr Unterst\u00fctzungen zur F\u00f6rderung und Hebung einzelner Zweige und Nebenzweige der Landwirtschaft, z. B. Bienenzucht, Seidenzucht etc.\nDas Kuratorium ver\u00f6ffentlicht in zwei der gelesensten schlesischen Zeitungen den Termin zur Einbringung der Gesuche (in der Zeit vom 15. November bis 15. Dezember) bei dem gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Kurator.\nDie Stipendien werden in der Regel f\u00fcr 1\u20142 Semester, je nach dem Lelnkursus der Lehranstalten, von Ostern des betr. Jahres ab, die Unterst\u00fctzungen dagegen f\u00fcr das ganze Jahr bewilligt.x)\nDass durch diese Stipendien auch einigen unbemittelten Landwirten das Studium in Brelau erleichtert wird, ist von hohem Werte, da es bei\nh Nach dem revidierten Statut der Schlesischen Prinz Friedrich Wilhelm-Stiftung vom 13. November 1888.","page":35},{"file":"p0036.txt","language":"de","ocr_de":"36\nPas Studium der Landwirtschaft\ndem heutigen grossen Bedarf an Landwirtschaftslehrern und wissenschaftlich gebildeten Beamten in der landwirtschaftlichen Verwaltung durchaus auch f\u00fcr unbemittelte junge Leute empfehlenswert ist, das Studium der Landwirtschaft zum Brotstudium zu w\u00e4hlen, da wohl wenige andere Berufsarten eine so schnelle und gute Unterkunft bieten d\u00fcrften, wie heutzutage gerade die landwirtschaftliche Docenten-, Lehrer- oder Verwaltungslaufbahn.\nC. Die Organisation des Studiums der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau. l)ie Vorlesungen\n\u00fcber Landwirtschaft und ihre Hilfsf\u00e4cher kollidieren in Breslau nicht miteinander, da nur 1 H\u00f6rsaal f\u00fcr die landwirtschaftlichen und zweck-verwandten Fachvorlesungen zur Verf\u00fcgung steht. Ausserdem ist es dem Referenten dank dem freundlichen Entgegenkommen der Herren Kollegen nach vielen Verhandlungen gegl\u00fcckt, die Kollisionen der landwirtschaftlichen Vorlesungen mit den Grundwissenschaftsii der Landwirtschaftslehre (den Naturwissenschaften und der Volkswirtschaftslehre) so zu legen, dass die landwirtschaftlichen F\u00e4cher m\u00f6glichst mit ihren zugeh\u00f6rigen Grundwissenschaften kollidieren, weil zuerst diese und dann erst jene geh\u00f6rt werden sollen. Es ist dadurch jetzt auch praktisch m\u00f6glich geworden, in der kurzen Zeit von 4 Semestern thats\u00e4chlich alles das zu h\u00f6ren, was zur Ablegung der Abgangspr\u00fcfung gefordert wird.\nDie \u00dcbersicht der jetzt an der Universit\u00e4t Breslau gehaltenen landwirtschaftlichen und zweckverwandten Vorlesungen bieten die Stundenpl\u00e4ne der 2 letzten Semester.\n(Siehe Seite 38\u201441.)\nAusser den Vorlesungen \u00fcber Landwirtschaft werden auch praktische und theoretische \u00dcbungen auf den verschiedenen Gebieten der Landwirtschaftslehre und ihrer Grundwissenschaften abgehalten.\nI)ie \u00dcbungen.\na) Das kleine landwirtschaftliche Praktikum setzt die Absolvierung eines kleinen 6 st\u00fcndigen chemischen Praktikums f\u00fcr Landwirte bei dem Chemiker der Universit\u00e4t und ein mikroskopisch-botanisches Praktikum bei einem Botaniker voraus. Dort sollen die Methoden der Untersuchung und die Technik der chemischen und mikroskopischen Arbeit neben der Assimilation der dazu erforderlichen wissenschaftlichen Grundbegriffe erworben werden. Im landwirtschaftlichen Praktikum dagegen sollen diese Kenntnisse und Fertigkeiten zur Untersuchung landwirtschaftlicher Objekte angewendet werden. Bei der K\u00fcrze der f\u00fcr diese \u00dcbungen zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit ist im landwirtschaftlichen Praktikum wenig zu erreichen, wenn dort erst die Grundlagen chemischer und mikroskopischer Untersuchungstechnik gelegt werden sollen. Der Gang des kleinen landwirtschaftlichen Praktikums in seinem pedologisch-chemischen Teil, welchen Referent leitet, ist von demselben festgelegt ungef\u00e4hr nach dem Muster Julius K\u00fchivs in Halle a. S. Jeder Praktikant erh\u00e4lt die Anleitung zu diesem Kursus gedruckt in die Hand.","page":36},{"file":"p0037.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n37\nDiese Anleitung' ist in der Weise allgefasst, dass auf der reckten Seite des Buches stets die Untersuchungsmethode, das Arbeitsrezept angegeben ist, w\u00e4hrend links eine kurze Schilderung des Zweckes und der sich bei dieser Arbeit abspielenden chemischen Vorg\u00e4nge steht, so dass, wenn der Praktikant auch allein arbeitet, er nicht in Gefahr ger\u00e4t, mechanisch und gedankenlos die Handgriffe durchzumachen, ohne etwas dabei zu lernen. Diese Einrichtung ist abweichend von Halle vom Referenten hier neu eingef\u00fchrt. Trotz dieser Anleitung ist es nat\u00fcrlich das Bestreben des Leiters des Praktikums und des Assistenten, soviel als m\u00f6glich den Praktikanten zur Seite zu stehen, und sie vor allem, neben der Anleitung zu sorgf\u00e4ltiger und exakter Arbeit, zum Nachdenken anzuregen und sie auf die weiteren f\u00fcr die Landwirtschaft wichtigen Beziehungen dieser Manipulationen hinzuweisen.\nUm die Praktikanten zum definitiven Abschluss ihrer Untersuchungen zu veranlassen und einen \u00dcberblick \u00fcber Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t der Arbeit des Einzelnen zu erlangen, ist eine Art Protokollbuch: \u201eNachweis \u00fcber die praktischen \u00dcbungen im landwirtschaftlichen Laboratorium\u201c vom Referenten eingef\u00fchrt worden, dessen nachstehende Rubriken gleichzeitig einen \u00dcberblick \u00fcber den Gang der Untersuchungen dieses kleinen Praktikums geben. Dieses Buch ist eingeteilt in 6 gr\u00f6ssere Abschnitte, deren jeder seine Specialrubrizierung erh\u00e4lt, wie die nachstehenden Tabellenk\u00f6pfe zeigen, von denen jeder eine Gruppe von Untersuchungen zusammenfasst:\n1. Wasseruntersuchung.\n6 S fc \u00a3 a \u00df\tName des Analy- tikers\tObjekt der Unter- suchung\tH\u00e4rte\t\tGl\u00fch- verlust mg\tQualit\u00e4t der ehern. Pr\u00fcfung\t\t\t\t\tMikroskop. Pr\u00fcfung oder Bemerkung.\n\t\t\tGesamt \u00b0\tBlbd. \u00b0\t\tM<h\tFe\tnSOg\tHNOa\tnh3\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n2. Mechanische Bodenanalyse.\n'd = g c fc e\u00f6 3\tName des Analy- tikers\tObjekt der Unter- suchung\tSteine >5 mm %\tKies\t\tFeinerde\t\t\t\t\tMikroskop, jl Pr\u00fcfung der 1 abschlb. Tie. |\n\t\t\t\t\t\tSaude\t\t\t\tAbschlb. Teile \u00b0/o\t\n\t\t\t\t> 3 mm \u00b0/n\tV 1\t> 1 mm %\t> Va mm \u00b0/o\t> \u2019h mm 0/ Io\t<V4mm %\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n3. Sonstige Bodenuntersuchungen.\n\u00a7 o %\tDatum\tName des Analy- tikers\tObjekt der Unter- suchung\tHygr. Wasser 0/ Io\tGl\u00fch- verlust, %\tKalk- gehalt, 0/ Io\tWasser- kapacit\u00e4t\t\tKapillarit\u00e4t (Steigh\u00f6he cm) nach Tagen\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\tlufttrocken %\twasserfrei \u00b0/o\t7\t14\t21\t28\t35\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n(Fortsetzung siehe Seite 42.)","page":37},{"file":"p0038.txt","language":"de","ocr_de":"38\nDas Studium der Landwirtschaft\n\u00dcbersicht der Vorlesungen f\u00fcr das Studium\nim Sommer-\nBeginn der Vor-\nStunden\tMontag\tDienstag\tMittwoch\tDounerstag\tFreitag\n7\u20148\tGrundz\u00fcge der gesamten Botanik: Gell. Reg.-Bat Prof. Dr. F. Colin.\t\t\t\t\n\t\tEinf\u00fchrung in die Geologie: Prof. Dr. .Frech.\t\t\t\n\t\tWitterungskuude und heimische Klimatologie: Prof. Dr. Franz.\tLandwirtschaft!. Bakterienkunde : Prof. Dr. Stutzer.\tGrundlagen der Bodenkunde: Dr. Milch.\t\n8\u20149\tAllgemeine Zoologie: Dozent noch unbestimmt.1)\t\t\t\t\n\tSpecielle Botanik: Prof. Dr. Pax.\t\tPflanzen- geograpliie: Dr. M ez.\tSpecielle Botanik: Prof. Dr. Pax.\t\n\tGeschichte der Landwirtschaft : Prof. Dr. v. R\u00fcinker.\tDrainage und Wiesenbautechnik : Prof. Dr. Lue decke.\tRassenz\u00fcchtung landwirtschaftl. Kulturpflanzen, II. Teil (Getreidez\u00fcchtung) : Prof. Dr. v. R\u00fcmker.\tGr\u00e4serkunde und Wiesenpflege: Prof Dr. Lue decke.\tDrainage und Wiesenbautechnik Prof. Dr. Luedecke.\n9\u201410\tEinf\u00fchrung in die Mineralogie: Prof. Dr. Hintze.\t\t\t\t\n\tSpecielle Pflanzenhaulehre : Prof. Dr. v. R\u00fcmker.\t\tLandwirtschafts-reclit : Prof. Dr. Bruck\tSpecielle Pflanzenbaulehre : Prof. Dr. v. R\u00fcmker.\t\n\t\t\tPferdezucht: Dr. v. Nathusius.\t\t\n10\u201411\tAllgemeine Experimentalchemie: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ladenburg.\t\t\t\t\n\tTierern\u00e4hrungslehre : Prof. Dr. Stutzer.\t\t\u00dcber Milchwirtschaft u. Molkereiwesen: Prof. Dr. Holdefleiss.\tTierern\u00e4hrungslehre : Prof. Dr. Stutzer.\t\n11\u201412\tAllgemeine Tierzuchtlehre: Prof. Dr. Holdefleiss.\t\t\u00dcber die wichtigsten inneren Krankheiten etc., mit Demonstrationen und Klinik: Korps-Rossarzt S tr auc h.\tAllgemeine Tierzuchtlelire : Prof Dr. Holdefleiss.\t\n12\u20141\t\t\t\tSchafzucht: Dr. v. Nathusius.\tUnsere jagdliche Fauna und ihre Be Ziehungen zur Landwirtschaft : Dr. v. N at hu si us\n2\u20143\t\tFeldmessen und Nivellieren: Prof. Dr. Luedecke.\t\tLandwirtschaftl. Hochbauten: Geh Reg.- und Baurat B e y e r.\t\n3\u20144\t\t\t\t\t\n\tNational\u00f6konomie, I. Teil: Prof. Dr. Wolf.\t\t\t\t\n\tVolkswirtschaftslehre, II. Teil: Prof. Dr. So mb art.\t\t\t\t\n4-5\tExperimentalphysik: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Meyer.\t\t\t\t\n\tFinanz Wissenschaft: Prof. Pr. Wolf.\t\t\t\t\n5\u20146\t\tLandwirtscliaftl. Technologie, II. Teil: Prof. Dr. Ahrens.\t.. Seminaristische \u00dcbungen : Prof. Dr. Holdefleiss und Prof. Dr. v. R\u00fcmker (je alle 14 Tage).\tLandwirtschaftl. Warenkunde: Prof. Dr. Holdefleiss.\tLandwirtschaftl. Technologie, II. Teil: Prof. Dr. Ahrens\n6\u20147\tDie niederen Pilze: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ferd. Cohn.\tGrundz\u00fcge der gesamten Botanik: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ferd. Cohn.\t\tGeologisches Colloquium: Prof. Dr. Frech.\tGrundz\u00fcge der gesamten Botanik: Geh. Reg.-Rat Proi Dr. Ferd. Cohn.\n\t\t\t\t\tGeologie von Schlesien mit Exkursionen: Prof. Dr. Frech.\n*) Prof. Pr. K\u00fckentlial.","page":38},{"file":"p0039.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n39\nder Landwirtschaft au der K\u00f6nigl. Universit\u00e4t Breslau\nSemester 1898.\n1 esungen am 25. April.\nSonnabend\nVorlesungen aus anderen Gebieten\n\u00dcbungen und Praktika.\nVerteilung des Grundbesitzes: Prof. Dr. A11 h a g e n\nRassenz\u00fcchtuug land Wirtschaft!. Kulturpflanzen.\nIL Teil ( Getreide -Z\u00fcchtung): Prof. Dr. v. R\u00fcmker.\nVerkehrspolitik:\nProfessor Dr. Auhagen.\nLandwirtschaftsrecht :\nProf. Dr. Bruck.\nPferdezucht:\nDr. v. N a t h u s i u s.\n\u00dcber Milchwirtschaft u. Molkereiwesen : Prof. I Dr. Holde fl eis s.\n\u00dcber \u00e4ussere Krank -liei ten (mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Hufkrankheiten) mit Demonstrationen und Klinik : Korps-Rossa rzt S t r a u c h,\nExkursionen.\nGeschichte der P\u00e4dagogik, Montag von 3 bis 5 Uhr, Prof. Dr. B\u00e4umker.\n\u00dcber Ursprung und Leben der Sprache, Mittwoch von 4\u20145 Uhr, Prof. Dr. Ebbinghaus.\nEinleitung in die Philosophie, Montag und Donnerstag von 4\u20145 \u00dchr, Derselbe.\nGeschichte der neuesten Philosophie, Dienstag und Freitag von 4\u20145 Uhr, Derselbe.\nPsychologie, Montag bis Donnerstag von 5\u20146 Uhr, Prof. Dr. Fr eudenthal.\nPhilosophische Weltanschauungen des 19. Jahrhunderts, Freitag von 6\u20147 Uhr, Dr. Stern.\nExperimentelle und pliysiolog. Psychologie der Sinneswahrnehmungen, Montag und Donnerstag von 6\u20147 Uhr, Derselbe.\nDeutsches und preussisches Verwaltungsrecht, Montag, Mittwoch und Freitag von 10\u201411 Uhr, Sonnabend von 9\u201410 Uhr, Geh. Just.-Rat. Prof. Dr. Brie*\nV\u00f6lkerrecht, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 10\u201411 Uhr, Derselbe.\nGeschichte des Mittelalters seit dem Interregnum, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 5\u20146 Uhr, Prof. Dr. Schulte.\nAllgemeine Geschichte vom Westf\u00e4l. Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Grossen, Dienstag, Freitag und Sonnabend von 10\u201411 Uhr, Prof. Dr. Caro\nGeschichte der europ\u00e4ischen Staaten seit 1848, Montag und Donnerstag von 6 bis 7 Uhr, Prof. Dr. Kaufmann.\nDeutsche Verfassungsgeschichte von 1500 bis 1871, Montag. Mittwoch und Donnerstag von 10\u201411 Uhr, Derselbe.\nNeuere schlesische Geschichte, Mittwoch und Sonnabend von 8\u20149 Uhr, Professor Dr. Gr\u00fcnliagen.\nGletscherkunde, Montag und Donnerstag von 3\u20144 Uhr, Prof. Dr. Partsch.\nGeschichte der deutschen Litteratur im Zeitalter der Reformation, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9\u201410 Uhr, Prof. Dr. Vogt.\nGeschichte der deutschen Litteratur im 17. Jahrhundert, Mittwoch und Freitag von 6\u20147 Uhr, Prof. Dr. Koch.\nHarmonielehre, I. Teil, Dienstag und Freitag von 2\u20143 Uhr, Dr. Bohn.\n\u00dcber die Technik des Versicherungswesens etc., zweimal w\u00f6chentlich, Prof. Dr. London.\nGeschichte der Malerei, Montag, Dienstag und Donnerstag von 5\u20146 Uhr, Professor Dr. Muther.\nAusgew\u00e4hlte polnische Schriftsteller des XVI. Jahrhunderts, Dienstag und Freitag von 12\u20141 Uhr, Prof. Dr. N ehr in g.\n\u00dcber Iwan Turgeniew, Sonnabend von 4 bis 5 Uhr, Derselbe.\nDie Photographie in Kunst und Wissenschaft, Dienstag von 8\u20149 Uhr, Dr. Riesenfeld.\nSchillers Leben und Werke, Dienstag und Donnerstag von 5\u20146 Uhr, Prof. Dr. Koch.\n\u00dcbungen im landwirtschaftlichen Laboratorium :\na)\tgrosses Praktikum, Montag bis Freitag von 9\u20141 und 2\u20144 Uhr, Sonnabend von 9\u201412 Uhr, Professor Dr. Holdefleiss, desgl. Professor Dr. v. R\u00fcmker;\nb)\tkleines Praktikum,\n\u00ab) landwirtscliaftlicfi-pedologiscli-clie-mischer Teil, Montag und Freitag von 2\u20144 Uhr, Professor Dr. v. R\u00fcmker,\n,\u00dc mikroskopischer Teil. Mittwoch von 2\u20144 Uhr, Prof. Dr. Holde-flei ss.\nPraktische \u00dcbungen in landwirtschaftlicher Bakteriologie, Dr. Stutzer.\nPraktische \u00dcbungen im landwirtschaftlichtechnologischen Institut, Montag bis Freitag von 8\u20141 und 2\u20145 Uhr, Professor Dr. Ahrens.\nPraktisch-chemische Kurse f\u00fcr Landwirte, Montag, Mittwoch und Freitag von 2 bis 4 Uhr, Gell. Reg.-Rat Prof. Dr. Laden-b u r g.\nPraktische \u00dcbungen im zoologischen Laboratorium, Montag bis Sonnabend von 9\u20141 Uhr, Dozent noch unbestimmt. J)\nPraktische \u00dcbungen im physikalischen Laboratorium, Mittwoch von 9\u201412, Sonnabend von 10\u20141 Uhr, Geh. Reg.-ltat Prof. Dr. Meyer.\nDesgleichen, Prof. Dr. Heydweiller.\nMikroskopischer Kursus, I. und II. Teil, Mittwoch und Sonnabend von 10 bis 12 Uhr, Prof. Dr. Pax.\nMikroskopischer Kursus f\u00fcr Anf\u00e4nger, Mittwoch von 11\u20141 Uhr, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Cohn und Dr. Rosen.\n\u00dcbungen im Bestimmen von Mineralien und Krystallformen, Sonnabend von 9 bis 10 Uhr, Prof. Dr. Hintze und Dr. Mile h.\nBotanische Bestimmungs\u00fcbungen, Montag von 10-12 Uhr, Prof. Dr. Mez.\nMorphologische \u00dcbungen f\u00fcr Vorgeschrittenere, Mittwoch von 5\u20147 Uhr, Prof. Dr. Pax.\n\u00dcbungen im staatswissenschaftlich - sta -tistischen Seminar, Donnerstag von 61/* bis 8 Uhr, Prof. Dr. Wolf, Mittwoch von 7\u20148 V\u00bb Uhr, Prof. Dr. So mb art.\nPraktischer Kursus in der Photographie, Donnerstag und Freitag von 8\u20149 Uhr, Dr. Rie sen fei d.\nDemonstrationen auf dem Versuchsfelde und in den Sammlungen, Professor Dr. v. R \u00fc m k e r.\nDemonstrationen im Rasseviehtsall und in den Sammlungen, Prof. Dr. Holde-f le iss.\nLandwirtschaftliche Exkursionen,Derselbe.\nDesgleichen, Prof. Dr. v. R\u00fcmker.\nKulturtechnische Exkursionen, Prof. Dr. Luedecke.\nBotanische Exkursionen, Prof. Dr. Pax.\nMikroskopische Wasseranalyse, Sonnabend von 3\u20145 Uhr, Prof. Dr. Mez.","page":39},{"file":"p0040.txt","language":"de","ocr_de":"40\nDas Studium der Landwirtschaft\n\u00dcbersicht der Vorlesungen f\u00fcr das Studium der\nim Winter-\nBeginn der Vor-\nStunden\tMontag\tDienstag\tMittwoch\tDonnerstag\tFreitag\n8\u20149\t\tLandwirtschaft!. Maschinenkunde : Prof. Dr. Lue decke.\t\t\tLandwirtschaft!. Maschinenkunde : Prof. Dr. Lue de cke.\n9\u201410\tSpecielle Mineralogie: Prof. Dr. Hintze.\t\t\t\t\n\tAckerbaulehre : Prof. Dr. Holdefleiss.\t\t\u00dcber Rinderzucht: Prof. Dr. Holde fl ei ss.\tAckerbaulehre: Prof. Dr. Holdefleiss.\t\n10- 11\tAllgemeine Botanik: Prof. Dr. Pax.\t\tTliallophyten nebst einer orientierenden \u00dcbersicht \u00fcber die Kryptogamen : Prof. Dr. Pax.\tAllgemeine Botanik: Prof. Dr. Pax.\t\n\tPflanzen-Ern\u00e4liruugslehre (D\u00fcngerlehre): Prof. Dr. Stutzer.\t\tRassenz\u00fcchtung landwirtseliaftl. Kulturpflanzen, I. Teil: Prof. Dr. v. RU inker.\tPflanzen-Ern\u00e4lirungslehre (D\u00fcngerlehre) : Prof. Dr. Stutzer.\t\n11\u201412\tLandwirtschaftliche Betriebslehre : Prof Dr. v. R\u00fcmker.\t\tAnatomie und Physiologie der Haustiere, im Anschluss hieran Demonstrationen u. Tierklinik: Korps-Rossarzt Strauch. 11\u201412\tLandwirtschaftliche Betriebslehre : Prof. Dr. v. R\u00fcmker.\t\n12 -1\t\u00dcber Schweinezucht : Dr. v. N a t h u s i u s.\tMilchwirtschaft und Molkereiwesen : Dr. v.Nathus i u s.\t\tStreitfragen auf dem Gebiete der Tierzucht : Dr. v. N a t h u s i u s.\tMilchwirtschaft u. Molkereiwesen : Dr. v. Nathusius.\n\tExperimental-Physik, II. Teil: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Meyer.\t\t\tExperimental-Physik, 11. Teil: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Meyer.\t\n2\u20143\t\tAllgemeine Melio-rationslehre: Prof. Dr. Luedecke.\t\tLandwirtschaftl. Hochbauten: Geh. Baurat Beyer.\t\n3- 4\tLandw. Technologie, I. Teil: Prof. Dr. Ahrens.\t\t\tLandw. Technologie, I. Teil: Prof. Dr. Ahrens.\t\n\tNational\u00f6konomie, 1. (Volkswirtschaftslehre): Prof. Dr. Sombart.\t\t\t\t\n4 5\tVolkswirtschaftslehre, 11. (Praktische National\u00f6konomie): Prof. Dr. Wolf.\t\t\t\t\n\tFinanzwissenschaft: Prof. Dr. Sombart.\tLandwirtschaftliche Bakterienkunde : Prof. Dr. Stutzer.\tFinanzwissenschaft: Prof. Di*. Sombart.\tDemonstrationen im Rasseviehstall und in den Sammlungen des Instituts f\u00fcr landw. Tierproduktionslehre : Prof. Dr. Holdefleiss.\tFinanz Wissenschaft: Prof. Di*. S o mb art.\n5\u20146\t\tDie Fragen des landwirtschaftlichen Notstandes: Prof. Di*. Holdefleiss.\tEinf\u00fchrung in das Studium der Landwirtschaft: Prof. Di*, v. R\u00fcmker.\tMoorkultur: Prof. Dr. Luedecke.\t\n\t\t\tAgrarpolitik: Prof. I)r. Auhagen.\t\t\n\tOrganische Experimentalchemie: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ladenburg.\t\t\t\t\n6\u20147\t!\tVergleichende Anatomie: Prof. Dr. K\u00fckenthal.\t\t\t\t\n\t\t\tLandwirtschaftliches Kreditwesen : Prof.Dr. A uhagen.\t.. Seminaristische \u00dcbungen in den Gebieten der allgemeinen Landwirt-scliafts- und Pflanzenproduk-tio\u00fcslehre, alle 14 Tage: Prof. Dr. v. R\u00fcmker. .. Seminaristische \u00dcbungen in den Gebieten der Tierproduktionslehre, der Ackerbau- und D\u00fcngerlehre, alle 14 Tage : Prof. Di*. Holdefleiss.\t\n7\u20148\t\t\t\t\t","page":40},{"file":"p0041.txt","language":"de","ocr_de":"41\nan der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nLandwirtschaft an der Koni gl. Universit\u00e4t Breslau\nSemester 1898/99.\nle sangen am 24. Oktober.\nSonnabend\nVorlesungen aus anderen Gebieten\n\u00dcbungen und Praktika.\nAgrarpolitik: Prof. I)r. Auhagen.\n\u00dcber Rinderzucht: Prof. Dr. Holde fl eis s.\nThallophyten nebst einer. orien-tierenden\u00fcbersicht \u00fcber die Kryptogamen :\nProf. Dr. Pax.\nRassenz\u00fcchtung landwirtschaftl. Kulturpflanzen, 1. Teil: Prof. Dr. v. R \u00fc m k e r.\nAnatomie und Physiologie der Haustiere, im Anschluss hieran Demonstrationen u. Tierklinik: Korps-Rossarzt Strauch.\n11\u2014J21/a*\nDeutsches und preussisches Verwaltungs-recht, Donnerstag. Freitag u. Sonnabend von 8\u20149 Uhr, Mittwoch von 9\u201410 Uhr, Prof. Dr. Reling.\nV\u00f6lkerrecht, Montag, Dienstag und Mittwoch von 8\u20149 Uhr, Derselbe.\nPreussisches Staatsrecht, Montag, Dienstag und Sonnabend von 11\u201412 Uhr, Geh. Justiz-Rat Prof. Dr. Dahn.\nRechtsphilosophie, Montag und Mittwoch von 5\u20146 Uhr, Derselbe.\nAllgemeine Geschichte der Philosophie, Montag bis Freitag von 8\u20149 Uhr, Prof. Dr. Baeumker.\nGeographie von Europa, Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8\u20149 Uhr, Prof. Dr. Partsch.\nGeschichte der deutschen Kunst seit dem Ausgang des Mittelalters, Mittwoch und Sonnabend von 8\u20149 Ulir, Prof. Dr. S e inr au.\nGeschichte des preussisclien Staates, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10\u201411 Uhr, Prof. Dr. Caro.\nGeschichte der europ\u00e4ischen Staaten von 1750\u20141850, Montag und Donnerstag von 10\u201411 Uhr, Prof. Dr. Kaufmann.\nLord Byron\u2019s Leben und Werke nebst Erkl\u00e4rung von Cliilde Harold, Canto 1, Montag und Dienstag von 10\u201412 Ulir, Prof. Dr. Kolbing.\nHauptpunkte aus der Geschichte der Renaissance, Donnerstag von 12\u20141 Uhr, Prof. Dr. Caro.\nVergleichende Anatomie der h\u00f6heren Pflanzen, Montag von 6\u20147 Uhr und Donnerstag von 12\u20141 Uhr, Prof. Dr. Mez.\nGeographie der deutschen Schutzgebiete, Montag und Donnerstag von 3\u20144 Uhr, Prof. Dr. Parts ch.\nLogik und Erkenntnislehre, Dienstag bis Freitagv. 4\u20145Uhr,Prof.Dr.Baeumker.\nPsychologie, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 4\u20145 Uhr, Prof. Dr. Ebbinghaus.\nAllgemeine Geschichte der Philosophie, Montag, Dienstag, Mittwoch u. Donnerstag von 5\u20146 Uhr, Prof. Dr. Freudenthal.\nGeschichte des Mittelalters I, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von\n5\u2014\t6 Uhr, Prof. Di*. Schulte.\nGeschichte der deutschen Revolution, 1848\nbis 1849, Montag und Donnerstag von\n6\u2014\t7 Uhr, Prof. Dr. Kaufmann.\nGeschichte der Malerei im 16. u. 17. Jahrhundert, Montag, Dienstag und Donnerstag von 5\u20146 Uhr, Prof. Dr. Muther.\nGoethe\u2019s Leben und Werke, unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Goethelitte-ratur, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 6\u20147 Uhr, Prof. Dr. Koch.\nPopul\u00e4re Astronomie mit Demonstrat ionen und Besuchen der Sternwarte, f\u00fcr H\u00f6rer aller Fakult\u00e4ten, Freitag von 6\u20147 Uhr, Prof Dr. Franz.\nDarwinismus f\u00fcr Zuh\u00f6rer aller Fakult\u00e4ten, Donnerstag v. 6\u20147 Uhr, Prof. Dr. Frech.\nAusgew\u00e4hlte Kapitel aus der Biologie der Pflanzen, Dienstag von 6\u20147 Uhr, Prof. Di*. Mez.\nDie Photographie u. ihre Technik, Dienstag von 6\u20147 Uhr, Dr. med. Riesenfeld.\n\u00dcbungen im landwirtschaftlichen Laboratorium und zwar:\na)\tkleines Praktikum (pedologisch-che-mischer Teil), Montag und Freitag von 2-4 Uhr;\nb)\tgrosses Praktikum, t\u00e4glich von 9 bis 12 Uhr, und nachmittags, ausser Sonnabends, von 2\u20146 Uhr, Prof. Di*, von R \u00fcmke 1*.\n\u00dcbungen im landwirtschaftlichen Laboratorium und zwar:\na)\tgrosses Praktikum, t\u00e4glich von 9 bis 4 Uhr;\nb)\tkleines Praktikum, mikrokopisclier Teil, Mittwoch von 2 \u2014 4 Uhr, Prof. Di*. Holdefleiss.\nAnleitung zur Untersuchung der Roh-, Zwischen- und Endprodukte der landwirtschaftlichen Gewerbe, Sonnabend Vor- oder Nachmittag, Prof. Dr. Ahrens. Praktische \u00dcbungen der landwirtschaftlichen Bakterienkunde, t\u00e4glich von 9 bis 4 Uhr, Prof. Dr. Stutzer.\nPraktisch - chemische \u00dcbungen t\u00e4glich, ausser Sonnabend, von 9\u20145 UI11* (die analytischen Uebungen gemeinschaftlich mit Prof. Di*. K\u00fcster), Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ladenburg.\nPraktische \u00dcbungen im physikalischen Laboratorium, Mittwoch und Sonnabend von 3\u20146 Uhr. Geh. Reg.-Rat Prof. Di*. Meyer und Prof. Dr. Heydweiller. Praktische \u00dcbungen im landwirtschaftlich-technologischen Institut, Montag bis Freitag von 9\u20145 Uhr, Derselbe. Prof. Dr. Ahrens.\n\u00dcbungen im staatswissenschaftlich-statistischen Seminar, Mittwoch von 7\u20148'l7 Uhr, Prof. Dr. So mb art. Volkswirtschaftliche \u00dcbungen :\na)\tf\u00fcr Anf\u00e4nger Dienstag von 61/*\u20148 Uhr,\nb)\tf\u00fcr Vorgeschrittene Donnerstag von\n7\u201481/* Uhr, Prof. Dr. Wolf.\nDemonstrationen in den Sammlungen an n\u00e4her zu bezeichnenden Tagen, Prof. Di*, v. R\u00fcmker.\nMikroskopischer Kursus, 1. und 11. Teil Mittwoch und Sonnabend von 11\u20141 UI11* Prof. Dr. Pax.\nMikroskopischer Kursus f\u00fcr Anf\u00e4nger Mittwoch von 11\u20141 Ulir, Dr. Rosen. Praktischer Kursus der Photographie Donnerstag und Freitag von 12\u20141 Uhr Di*. Riesenfeld.","page":41},{"file":"p0042.txt","language":"de","ocr_de":"42\nPas Studium der Landwirtschaft\n4. Diingemitteluiitersiicliiingcii.\nLtd. No. u. Datum\tName des Analy- tikers\tObjekt der Unter- suchung'\tPhosphors\u00e4ure \u00b0/n\t\t\t\tStickstoff \u00b0/Q\t\tFeuch- tigkeit 0/ 10\tKali 0/ 10\tSand und Unl\u00f6slich 0/ Io\n\t\t\tL\u00f6sl.\tGesamt\tUn- l\u00f6sl.\tCitrat- l\u00f6sl.\tnach K.teu- DA HL\tnach\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n5. Futtermitteln ntersnchnngen.\n-\u00f6 d ^ ^ \u2019S \u00ab+\u2014\tName des Analy- tikers\tObjekt der Unter- suchung\tTrocken- subst. %\tWasser 0/ In\tAsche 0/ Io\tRohn\u00e4hrstoffe\t\t\t\tMikro- skopische Pr\u00fcfung.\n\t\t\t\t\t\tProtein o / /<)\tFett 0/ m\tRoh- faser 01 Io\tNfr. Extraktst. 0/ Io\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n(i. Verschiedenes.\nd P\tName des 1 Analytikers ||\tObjekt der Untersuchung\t-4-3 Of) <V rP rJi\tZucker \u00b0/\u201e\t\tMilch\t\t\t\t\t\tWolle r. W. Substanz\tKeimung\t\n\t\t\t\ti. d. R\u00fcbe\ti. Saft\tFett \u00b0jn nach\t\t\tKasein \u00b0/n\tAlbu- min 0/ / 0\tAsche 0/ Io\t\tEner- gie or 10\tF\u00e4hig- keit 0/ Io\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\tI\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\nEs hat sich seit der Einf\u00fchrung dieses Arbeitsprotokolls im S.-S. 1897 gezeigt, dass die F\u00fchrung desselben einen durchaus g\u00fcnstigen Einfluss auf die Benutzung des Praktikums von seiten der Studierenden aus\u00fcbt, indem sowohl die Frequenz des Praktikums eine sichere und regelm\u00e4ssige geworden ist, als auch in Bezug auf den Nutzen, welchen die Studierenden selbst aus der Arbeit in diesen \u00dcbungen ziehen.\nDieses Praktikum verfolgt den Zweck: 1. eine Anzahl wissenschaftlicher Erfahrungen von den Studierenden selbst praktisch machen zu lassen. Wenn z. B. in den Vorlesungen von den verschiedenen Formen der Phosphors\u00e4ure in verschiedenen phosphors\u00e4urehaltigen D\u00fcngemitteln gesprochen wird, so sollen die Studierenden durch diese \u00dcbungen selbst finden, dass die Phosphors\u00e4ure der Superphosphate in wasserl\u00f6slicher und in anderen Phosphaten in anderer Form tliats\u00e4clilich enthalten ist. Das blosse Wort wird dadurch auf das lebendigste illustriert, und eine solche selbst gefundene Thatsache bleibt fester und lebendiger in der Erinnerung, als das blosse Wort, als ein Begriff ohne die Verbindung mit einem k\u00f6rperlichen Bilde. Ebenso ist es h\u00f6chst instruktiv, verschiedene Bodenarten in ihre mechanischen Bestandteile aufzul\u00f6sen und miteinander in dieser mechanischen Analyse zu vergleichen und ebenso andere wichtige Eigenschaften verschiedenartiger B\u00f6den, wie ihre Wasserkapacit\u00e4t, ihre Kapillarit\u00e4t, ihren Humusgehalt etc. vergleichend zu untersuchen. Es wird daher in diesen \u00dcbungen vom Referenten gr\u00f6sster Wert dar auf gelegt, dass j ede Untersuchung an mehreren unter sich verschiedenen Objekten zur Ausf\u00fchrung","page":42},{"file":"p0043.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n43\nkommt, damit der Schwerpunkt der Arbeit nicht in die Erlernung der Untersuchungsmethode, sondern in den Vergleich der Untersuchungsresultate und die daraus sich ergebenden Schlussfolgerungen f\u00fcr die Landwirtschaft verlegt wird.\nIn diesem Sinne dient dieses landw. kleine Praktikum zur Illustration und Vertiefung einer Anzahl von Vorlesungen, indem es die Gelegenheit bietet, eigene praktisch wissenschaftliche Erfahrungen zu sammeln.\nAusserdem aber werden in demselben eine Anzahl von einfachen Untersuchungen und Vorpr\u00fcfungen gezeigt und ge\u00fcbt, welche der praktische Landwirt im sp\u00e4teren Leben auch ohne den komplizierten Apparat eines Laboratoriums benutzen kann, sei es. um sich schnell \u00fcber dieses und jenes,, z. B. den Kalkgehalt des Bodens, den Fettgehalt der Milch, die Keimf\u00e4higkeit eines Saatgutes etc., zu orientieren, sei es, um durch eine Vorprobe festzustellen, ob es im einzelnen Falle angezeigt erscheint, eine gr\u00fcndlichere Untersuchung des betr. Objektes bei der n\u00e4chsten landw. Versuchsstation vornehmen zu lassen.\nDemgem\u00e4ss ist das Arbeitsgebiet, welches in diesem kleinen landw. Praktikum ber\u00fchrt wird, auch vielseitig und scheinbar zusammengew\u00fcrfelt. Es entspricht das aber der Vielseitigkeit der Landwirtschaft, und da die Zeit, welche f\u00fcr diese \u00dcbungen zur Verf\u00fcgung stellt, nur sehr knapp ist (4 Stunden w\u00f6chentlich), so kann aus dem Vielen, was hier in Frage kommen k\u00f6nnte, naturgem\u00e4ss nur eine kleine Auswahl des n\u00e4chstliegeuden und wichtigsten getroffen werden.\nDer mikroskopische Teil des kleinen landw. Praktikums ist w\u00f6chentlich zweist\u00fcndig und ruht jetzt in den H\u00e4nden von Herrn Prof. Dr. Holdefleiss, welcher dar\u00fcber folgende Angaben zu machen die G\u00fcte hatte:\n\u201eDer Kursus bezweckt, die Studierenden im Gebrauche des Mikroskopes zur Untersuchung derjenigen landwirtschaftlichen Gegenst\u00e4nde zu \u00fcben, deren Kenntnis im praktischen Betriebe am notwendigsten ist und deren Beobachtung ohne Aufwand der schwierigeren mikroskopischen Technik durchgef\u00fchrt werden kann.\nEs wird vorzugsweise Wert gelegt auf selbst\u00e4ndiges Auffinden und Deuten der charakteristischen Eigent\u00fcmlichkeiten in den Pr\u00e4paraten und auf das eigene Zeichnen durch die Praktikanten.\nDer Kursus nimmt folgenden Verlauf:\nI. Untersuchung von St\u00e4rkek\u00f6rnern zur \u00dcbung des mikroskopischen Sehens:\na)\tKartoffelst\u00e4rke,\nb)\tWeizenst\u00e4rke, Gerstest\u00e4rke,\nc)\tHaferst\u00e4rke,\nd)\tMaisst\u00e4rke.\nII. Untersuchung von pflanzlichen Gebilden, welche f\u00fcr die Agrikulturchemie von Wichtigkeit sind.\n1. Schnitte von Samenk\u00f6rnern:\na)\tWeizen- und Gerstekorn,\nb)\tHafer- und Maiskorn,\nc)\tLeinsamen,","page":43},{"file":"p0044.txt","language":"de","ocr_de":"44\nDas Studium der Landwirtschaft\nd) Dottersamen,\n0)\tKaps,\nf) Senf.\n2.\tSchnitte von Bl\u00e4ttern:\na)\tEpidermiszellen,\nb)\tinnere Blattzellen,\nc)\tSpalt\u00f6ffnungszellen,\nd)\tChlorophyllk\u00f6rner und Zellkern.\nIII.\tOrganismen im Wasser.\n1.\tFarbige Organismen:\na)\tDiatomeen,\nb)\tgr\u00fcne Fadenalgen,\nc)\tgr\u00fcne runde Algen (Pediastrum, Euglena etc.),\nd)\tOscillarien.\n2.\tFarblose pflanzliche Organismen:\na)\tOrenothrix,\n1)\t) Beggiatoa und Septomitus,\nc) Bakterien in Wasser.\n3.\tTierische Organismen. Infusorien.\nIV.\tKrankheiten der Kulturpflanzen.\n1.\tUstilagineen : Ustilago carbo, Maydis, Keiliana etc.\n2.\tTilletiaceen : Tilletia caries, laevis, Urocystis occulta.\n3.\tUredineen: Puccinia graminis, straminis, corouata, Uredo, Aecidium.\n\u2014 Uromyces Fabae, trifolii, pisi, betae etc.\n4.\tPeronosporeen : Phytophthora, Peronospora, Cystopus.\n5.\tErysipheen: Erysiphe communis, Martii, graminis.\n6.\tSonstige Pilze: Rhizoctonia violacea, Phoma betae.\n7.\tSch\u00e4dliche mikroskopische Tiere: Anguillula, Heterodera.\nV.\tUntersuchung von Pflanzenfasern: Leinfaser, Baumwolle.\nVI.\tUntersuchung von Haaren und Wolle.\nVH. Mikroskopische Untersuchung von erdigen Schl\u00e4mmprodukten.\u201c\nb)\tDas grosse landw. Praktikum wird meist nur von Studierenden belegt, welche eine Promotions- oder sonst eine gr\u00f6ssere wissenschaftliche Arbeit unter H\u00e4nden haben. Daher giebt es f\u00fcr dieses keinen Arbeitsplan, sondern die Arbeit im grossen Praktikum gestaltet sich vollkommen frei in dem Sinne selbst\u00e4ndiger wissenschaftlich - experimenteller Forschung und sehr verschieden je nach dem Gebiete, auf welchem die Untersuchungen stattfinden, aber nat\u00fcrlich unter Beratung des zust\u00e4ndigen Fachdozenten.\nc)\tDie landw. seminaristischen \u00dcbungen sind w\u00f6chentlich ebenfalls 2 st\u00fcndig und werden abwechselnd von Herrn Prof. Dr. Holdefleiss und dem Referenten abgehalten, indessen in der Weise, dass sich die \u00dcbungen beider Dozenten dem Fache nach geradeso erg\u00e4nzen, wie die Vorlesungen derselben, d. h. jeder h\u00e4lt seminaristische \u00dcbungen aus den von ihm vertretenen Gebieten der Landwirtschaftslehre ab, und um nicht mehr Zeit damit in Anspruch zu nehmen, als wenn das gesamte Gebiet in einer Hand l\u00e4ge, haben sich die beiden hiesigen Vertreter der Landwirtschafts-","page":44},{"file":"p0045.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n45\nlehre im engeren Sinne der Zeit nach in die Zahl der im Laufe des Semesters f\u00fcr diesen Zweck zur Verf\u00fcgung stehenden Abende in der Weise geteilt, dass jeder mit seinen seminaristischen \u00dcbungen alle 14 Tage herankommt und die H\u00e4lfte des gesamten Gebietes der Landwirtschaftslehre darin behandelt.\nReferent betrachtet diese \u00dcbungen als Mittel, das was in der Studienzeit an Einzelheiten gelernt wurde, zu Gesamtbildern und wissenschaftlichen \u00dcberzeugungen bei den Studierenden herauszuarbeiten, sie also gewisserma\u00dfen allm\u00e4hlich wissenschaftlich zu reifen. Er setzt dabei naturgem\u00e4\u00df eine Summe von praktischem K\u00f6nnen und theoretischem Wissen voraus, wenigstens bei denjenigen Studierenden, welche sich aktiv oder produktiv an diesen \u00dcbungen beteiligen wollen. Jedes Wiederk\u00e4uen von Kollegheften ist verp\u00f6nt ; die Arbeit in diesen \u00dcbungen soll vielmehr \u00fcber die Vorlesungen hinausgehen, dieselben vertiefen und erg\u00e4nzen, sie soll von seiten der Studierenden auch eine selbst\u00e4ndige Extraarbeit bedeuten, durch welche sie zum selbst\u00e4ndigen kritischen Denken und zu selbst\u00e4ndiger wissenschaftlicher Forschung angeleitet werden.\nZu dem Zwecke werden in diesen \u00dcbungen z. B. Exkursionen, welche vom Referenten veranstaltet wurden, in Referaten kritisch verarbeitet; es werden vor Exkursionen unter die Studierenden gewissermassen Rollen verteilt, indem diejenigen, welche sich dazu bereit erkl\u00e4ren, einzelne Teile der besuchten Wirtschaft ganz besonders scharf ins Auge fassen, sich an Urt und Stelle Notizen machen und nachher ein kleines schriftliches oder auch m\u00fcndliches Referat im Seminar dar\u00fcber erstatten, \u00fcber welches dann kritisch diskutiert wird. Dadurch wird bezweckt, die Studierenden zu raschem und intensivem Sehen und \u00dcberblicken anzuleiten, ihr kritisches Urteil und Orientierungsverm\u00f6gen auszubilden. Liegen nicht Exkursionen als Material f\u00fcr die \u00dcbungen vor, so werden Referate \u00fcber neue Erscheinungen der Litteratur erstattet (wodurch zur Lekt\u00fcre dieses und jenes Buches angeregt wird), oder es werden kleinere oder gr\u00f6ssere Aufgaben gestellt, welche sich im Rahmen von Examenarbeiten zu halten und selten dar\u00fcber hinauszugehen pflegen, oder es werden Bruchteile von Doktorarbeiten vorgetragen und diskutiert, welche gerade im Werden begriffen sind, oder Fragen diskutiert, welche die Seminarteilnehmer er\u00f6rtert zu sehen w\u00fcnschen.\nIn diesem Sinne k\u00f6nnen j\u00fcngere wie \u00e4ltere Semester an diesen \u00dcbungen teilnehmen, erstere zuh\u00f6render, letztere mitarbeitender Weise. Sehr erw\u00fcnscht und zweckm\u00e4ssig ist es, wenn den landwirtschaftlich seminaristischen \u00dcbungen der Besuch des staatswissenschaftlichen Seminars vorangegangen ist.\nEin Protokoll sorgt f\u00fcr die Fixierung der Verhandlung und f\u00fcr die Ankn\u00fcpfung von einer Sitzung zur andern.\nProf. Holdefleiss teilt \u00fcber die Auffassung und Methode der von ihm auf den Gebieten der Tierproduktionslehre, der Ackerbau- und D\u00fcngerlehre abgehaltenen seminaristischen \u00dcbungen folgendes mit:\n\u201eDie \u00dcbungen bestehen in:\n1. Ausarbeiten und Halten von Vortr\u00e4gen seitens der Studierenden \u00fcber bestimmte, vom Professor vorgeschlagene Themata, sei es in Form","page":45},{"file":"p0046.txt","language":"de","ocr_de":"46\nT>as Studium der Landwirtschaft\nvon Referaten fiber einschl\u00e4gige litterariselie Arbeiten oder als Darstellung' abgegrenzter Kapitel der in den Vorlesungen behandelten Gegenst\u00e4nde. Kritische Besprechung' und Erg\u00e4nzung dieser Vortr\u00e4ge in Diskusionsforin;\n2. konversatorischer Behandlung besonders interessierender Fragen, und zwar sowohl solcher, welche vom Professor angeregt, als auch solcher, welche von den Studierenden als der n\u00e4heren Aufkl\u00e4rung bed\u00fcrftig aufgestellt werden nach ihrer Erinnerung aus den Vorlesungen, den gelesenen Zeitschriften oder aus der Praxis.\nAuf diese Weise wird die M\u00f6glichkeit geschaffen, dass Studierende aller Semester Anregung finden und sich mit Nutzen beteiligen k\u00f6nnen.\u201c\nAusser den liier aufgef\u00fchrten landwirtschaftlichen \u00dcbungen finden in Breslau noch d) landwirtschaftlich-bakteriologische und e) land-w i r t s c h a ftlich-te c h nologische P r a kt i k ante n kurse im agrikult ur-chemischen und bakteriologischen und im landwirtschaftlich-technologischen Institute statt.\nDieselben werden aber in der Regel nur von Studierenden besucht, welche mehr als 4 Semester hier bleiben, da es in einem 4semestrigen Studium der Zeit wegen leider ganz unm\u00f6glich ist, auch diese Praktika noch mitzunehmen, ausser wenn ganz bestimmte Interessen den Besuch derselben erheischen. So wertvoll und n\u00fctzlich diese \u00dcbungen sind, ist es f\u00fcr die Mehrzahl der Studierenden unerreichbar, dieselben'durchzumachen; immerhin ist es aber sehr erfreulich und zweifellos ein Vorzug der Universit\u00e4t Breslau vor vielen anderen Lehrst\u00e4tten der Landwirtschaft, dass die Gelegenheit, sich auch nach diesen Seiten hin auszubilden, hier jetzt gegeben ist.\nl)ie Exkursionen.\nIn den Sommersemestern wird bist an jedem Sonnabend Nachmittage von irgend einem Dozenten eine Exkursion in einen Betrieb der landwirtschaftlichen Praxis der Provinzen Schlesien oder Posen unternommen, wobei es sich von selbst versteht, dass als Ausflugsziel nur Wirtschaften gew\u00e4hlt werden, welche als Ganzes oder in einzelnen Betriebszweigen oder in einzelnen Einrichtungen irgend etwas Sehens- oder Lernenswertes darbieten.\nDiese Einrichtung bezweckt (abgesehen von Einzelheiten), den Studierenden eine gr\u00f6ssere Zahl von landwirtschaftlichen Betrieben vorzuf\u00fchren, dadurch ihren Blick zu bilden, ihren Gesichtskreis zu erweitern und sie auch bis zu einem gewissen Grade in F\u00fchlung mit der landwirtschaftlichen Praxis zu erhalten. Die Beteiligung an diesen Exkursionen pflegt eine sehr rege zu sein, und wenn die Auswahl der besuchten Wirtschaften mit Sorgfalt geschieht, sind diese h\u00e4ufigen Ausfl\u00fcge auch zweifellos eine sehr n\u00fctzliche und bildende Einrichtung.\nIm Wintersemester finden dagegen nur vereinzelte Exkursionen in landwirtschaftlich-technologische Betriebe, nach St\u00e4tten der Zuckerr\u00fcbenz\u00fcchtung w\u00e4hrend der Selektionskampagne etc. statt. Die Winterexkursionen verfolgen also mehr Specialzwecke, w\u00e4hrend die Mehrzahl der Sommer-exknrsionen allgemein landwirtschaftlicher Art ist.","page":46},{"file":"p0047.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\n47\nDie Studienordnuiig\nist eine Neueinrichtung, welche Referent im S.-S. 1898 zum erstenmal einf\u00fchrte. Dieselbe k\u00f6nnte hei. oberfl\u00e4chlicher Betrachtung zun\u00e4chst als ein Versuch der Beschr\u00e4nkung der akademischen Lernfreiheit erscheinen, indessen hat dem Referenten nichts ferner gelegen, als dieses oder etwas \u00e4hnliches, was als Schulzwang gedeutet werden k\u00f6nnte.\nDie Beobachtung und Erfahrung, dass die die Universit\u00e4t beziehenden Landwirte zun\u00e4chst aus der grossen Masse von Vorlesungen, welche das Vorlesungsverzeichnis der Universit\u00e4t enth\u00e4lt, schwer das Richtige herauszufinden verm\u00f6gen, hat schon vor langer Zeit an allen Universit\u00e4ten dahin gef\u00fchrt, in jedem Semester specielle Stundenpl\u00e4ne f\u00fcr die studierenden Landwirte drucken zu lassen, in welchen die Grundwissenschaften der Landwirtschaftslehre und die landwirtschaftlichen Fachvorlesungen \u00fcbersichtlich ihrer Zeitlage nach zusammengestellt sind, unter Beif\u00fcgung einer Anzahl von Vorlesungen aus verschiedenen anderen Gebieten, soweit sie f\u00fcr studierende Landwirte eventuell von Wert und Bedeutung zur Hebung ihrer allgemeinen Bildung sein k\u00f6nnten (vergl. pag. 38\u201441).\nAber auch diese Stundenpl\u00e4ne sind noch viel zu inhaltreich, als dass sich der Neuling ohne Anleitung und Hilfe zweckm\u00e4ssig durch sie allein orientieren k\u00f6nnte, denn diese Stundenpl\u00e4ne enthalten in jedem Semester alles, was von Vorlesungen f\u00fcr studierende Landwirte \u00fcberhaupt in Frage kommen k\u00f6nnte. Da es nun in sehr zahlreichen F\u00e4llen unm\u00f6glich ist, auf neueintreffende Studierende in Bezug auf die Auswahl der Vorlesungen pers\u00f6nlich einzuwirken, weil sie in sehr vielen F\u00e4llen gar keinen Rat einholen kommen, sondern planlos belegen, was ihnen gerade scheint, da es aber andererseits erfahrungsgem\u00e4ss feststeht, dass bei Einhaltung einer gewissen Reihenfolge der zu h\u00f6renden Vorlesungen in k\u00fcrzerer Zeit eine gr\u00f6ssere Vollst\u00e4ndigkeit und Abrundung des Studiums erreicht werden kann, als ohne das Festhalten an dem Princip, dass, soweit als m\u00f6glich, erst die Grundwissenschaften und dann die darauf aufgebauten landwirtschaftlichen Fach Vorlesungen geh\u00f6rt werden m\u00fcssen, wenn man das Geb\u00e4ude des Wissens mit dem Fundament und nicht mit dem Dache zu bauen beginnen will, entschloss sich Referent, allen bisherigen Gebr\u00e4uchen entgegen, f\u00fcr das S.-S. 1898 f\u00fcr die studierenden Landwirte zum erstenmale eine Studienordnung zu entwerfen, welche gewissennassen einen Auszug des Wichtigsten und f\u00fcr event. Examina Notwendigsten aus dem Stundenpl\u00e4ne darstellt, unter Fort-lassung alles nur N\u00fctzlichen und Angenehmen, also sozusagen unter Fort-lassung aller Ornamente des Studiums.\nUntenstehende Studienordnung f\u00fcr das W.-S. 1898/99 soll als Beispiel der hier eingef\u00fchrten Studienordnung dienen:\nStudienordmiug\nf\u00fcr das\nStudium der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau, beginnend mit dem W.-S. 1898/99.\nDas Studium der Landwirtschaft ist an der Universit\u00e4t Breslau geradeso, wie an allen \u00fcbrigen Universit\u00e4ten oder landwirtschaftlichen Hochschulen auf mindestens 4 Semester berechnet, d. h. mindestens 4 Semester sind n\u00f6tig, um das f\u00fcr den praktischen Landwirt","page":47},{"file":"p0048.txt","language":"de","ocr_de":"48\nDas Studium der Landwirtschaft\nheutzutage erforderliche Mass von theoretischen Fachkenutnisseu in ann\u00e4hernder Abrundung zu erwerben. Ein rationelles Studium der Landwirtschaft darf sieli nicht bloss auf die landwirtschaftlichen Fachvorlesungen beschr\u00e4nken, sondern es muss zun\u00e4chst das Studium der Grundwissenschaften, d. h. der Naturwissenschaften und der Volkswirtschaftslehre vorausgehen, um dann erst die Anwendung derselben auf die Landwirtschaft in den Vorlesungen \u00fcber Landwirtschaftslehre und ihre Hilfsf\u00e4cher folgen zu lassen. Ausserdem geh\u00f6rt zu einem rationellen Landwirtschaftsstudium an einer Universit\u00e4t, dass die Herren Studierenden die ihnen an keiner anderen Bildungsst\u00e4tte und im ganzen Leben nie wieder so g\u00fcnstig gebotene Gelegenheit wahrnehmen, ihre allgemeine Bildung zu heben und ihren Gesichtskreis \u00fcber ihr specielles Fach hinaus zu erweitern, indem sie Vorlesungen aus anderen Gebieten, z. B. \u00fcber Geschichte, Jurisprudenz, Philosophie, Litteratur, Kunst etc. etc. h\u00f6ren, soweit es die Zeit erlaubt. Gerade in dieser Verpflichtung zur Hebung der allgemeinen Bildung neben dem Erwerb einer auf der Basis der Grundwissenschaften solide aufgebauten Fachbildung beruht einer der grossen Vorz\u00fcge des Universit\u00e4tsstudiums der Landwirtschaft vor dem Studium auf landwirtschaftlichen Fachhochschulen und landwirtschaftlichen Akademicen.\nDa es f\u00fcr die Studierenden, besonders aber f\u00fcr Anf\u00e4nger und solche, welche eine Pr\u00fcfung abzulegen beabsichtigen, schwierig ist, aus der F\u00fclle des Lehrstoffes, wie ihn der Stundenplan \u00fcbersichtlich zusammenstellt, dasjenige herauszufinden, >vas nach der vorhandenen Vorlesungsverteilnng an hiesiger Universit\u00e4t in jedem Semester geh\u00f6rt werden muss, um mit dem geringsten Aufwandc an Zeit das erstrebte Ziel und die m\u00f6glichste Vollst\u00e4ndigkeit und Abrundung des Studiums zu erreichen, wird in jedem Semester eine Studienorduung gedruckt, welche neben dem Stundenpl\u00e4ne als Wegweiser dienen soll. Selbstverst\u00e4ndlich soll mit dieser Studienordnung keinerlei Zwang ausge\u00fcbt werden auf die Auswahl der Vorlesungen, dieselbe bleibt vielmehr nach wie vor dem freien Ermessen jedes Einzelnen \u00fcberlassen. Sie soll nur als Ratgeber betrachtet werden und als Unterlage dienen f\u00fcr eine zweckm\u00e4ssige Auswahl der Vorlesungen nach dem Stundenpl\u00e4ne.\nBei der F\u00fclle des in der kurzen Zeit von 4 bezw. 6 Semestern zu bew\u00e4ltigenden Stoffes kommt es auf die \u00e4usserste Zeitausnutzung an, und das zwingt unwillk\u00fcrlich zu einer Vordisposition \u00fcber die Vorlesungen f\u00fcr die ganze ins Ange zu fassende Studienzeit. Nur durch eine solche Vordisposition hoi Vermeidung jedes Wechsels der Lehrst\u00e4tte ist man imstande, das Ziel in 4 bezw. 6 Semestern zu erreichen und nach 4 Semestern die Studienzeit mit dem Abgangsexamen, bezw. nach 6 Semestern mit dem Lehramtsexamen oder der Promotion abzuschliessen.\nMit Zugrundelegung der Stundenpl\u00e4ne des laufenden Winter-Semesters und des vorangegangenen Sommer-Semesters lassen sich daher f\u00fcr das spccielle Fachstudium der Landwirtschaft in Breslau folgende Studienpl\u00e4ne zur Ber\u00fccksichtigung der Herren Studierenden empfehlen :\ni. Viersemestriges Studium.\n\tI. w.-s.\t\t\tII. S.-S.\t\n1.\tAllgemeine Botanik .\t.\t.\t.\t4 Std.\t1.\tAllgemeine anorganische Ex-\t\n2.\tVolkswirtschaftslehre II .\t.\t.\t5 \u201e\t\tperimentalchemie\t\t6 Std.\n3.\tEinf\u00fchrung in das Studium der\t\t2.\tAllgemeineExperimcntalphysikl\t5\n\tLandwirtschaft\t\ti \u201e\t3.\tAllgemeine Zoologie ....\t6 \u201e\n4.\tAckerbaulehre\t\t4 \u201e\t4.\tAllgemeine Tierzuchtlehre .\t.\t4\t,-\n5.\tLandwirtschaft!. Betriebslehre .\t4 \u201e\t5.\tSpecielle Tierzuchtlehre .\t.\t.\t2\n6. Specielle Tierzuchtlehre .\t.\t.\t\t2 ,\t6.\tLandwirtschaftl. Technologie\t2 -,\n7.\tRassenz\u00fcchtung landwirtschaft-\t\t7.\tVeterin\u00e4rvorlesung\t\t3 ,.\n\tlieber Kulturpflanzen I .\t.\t.\t2\t\tSa.\t28 Std.\n8.\tMolkereiwesen\t\t2 \u201e\tAusserdem staatswissenschaftliches Semi-\t\t\n9.\tVeterin\u00e4rvorlesung\t\t3 ,.\t\ti.\t\n10.\tLandwirtschaft!. Technologie .\t2 \u201e\t\t\t\n\tSa.\t29 Std.\t\t\t","page":48},{"file":"p0049.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\t49\n\tIII. W.-S.\t\t\t\tIV. s.-s.\t\t\n1.\tSpecielle Mineralogie ....\t5\tStd.\t1.\tEinf\u00fchrung i. d. allgem. Geologie\t4\tStd.\n2.\tExperimentalphysik 11\t.\t.\t.\t4\t11\t2.\tGeologie von Schlesien .\t.\t.\t1\t11\n3.\tAgrarpolitik\t\t2\t11\t3.\tLandwirtschaftsrecht .\t.\t.\t.\t2\t11\n4.\tLandwirtschaftliche Taxations-\t\t\t4.\tSpecielle Pflanzenbaulehrc .\t.\t4\t11\n\tlehre und Buchf\u00fchrung .\t4\t11\t5.\tTierern\u00e4hrungslehre ....\t4\t11\n5.\tPflanzenern\u00e4hrungslehre .\t.\t.\t4\t\u201e\t6.\tGemein Wirtschaft!. F\u00f6rderung\t\t\n6.\tAllgemeine Meliorationslehre .\t2\tii\t\tder Viehzucht\t\t2\t\n7.\tLandwirtschaftliche Maschinen-\t\t\t7.\tRassenz\u00fcchtung landwirtschaft-\t\t\n\tk\u00fcnde \t\t2\tii\t\tlicher Kulturpflanzen II .\t.\t.\t2\t\n\tSa.\t23\tStd.\t8.\tDrainage und Wiesenbautechnik\t2\t11\nAusserdem chemisches und botanisches\t\t\t\t9.\tNivellieren und Feldmessen .\t.\t2\t\nPraktikum und staatswissenschaftliches\t\t\t\t\tSa.\t23\tStd.\nSeminar LI.\t\t\t\tAusserdem landwirtschaftl. Praktikum\t\t\tund\n\t\t\t\tlandwirtschaftl. seminaristische \u00dcbungen.\t\t\t\n\t2. Sechssemestriges Studium.\t\t\t\t\t\t\n\tI. W.-S.\t\t\t\tII. s.-s.\t\t\n1.\tAllgemeine Botanik .\t.\t.\t.\t4\tStd.\t1.\tAllgemeine Zoologie .\t.\t.\t.\t6\tStd.\n2.\tVolkswirtschaftslehre I .\t.\t.\t5\t\u201e\t2.\tAllgemeine Mineralogie .\t.\t.\t5\t11\n3.\tVergleichende Anatomie .\t4\t\t3.\tAnorgau. Experimentalchemie .\t6\ty\n4.\tEinf\u00fchrung in das Studium der\t\t\t4.\tAllgemeine Tierzuchtlehre .\t.\t4\t\n\tLandwirtschaft\t\t1\t\u201e\t5.\tLandwirtschaftliche Technologie\t2\t11\n5.\tAckerbaulehrc\t\t4\t11\t6.\tVeterin\u00e4rvorlesung\t\t3\ty\n6.\tSpecielle Tierzuchtlehre .\t.\t.\t2\t1*\t\tSa.\t26\tStd.\n7.\tVeterin\u00e4rvorlesung\t\t3\t11\t\t\t\t\n8.\tLandwirtseh. Maschinenkunde\t2\t\u201d\t\t\t\t\n\tSa.\t25\tStd.\t\t\t\t\n\tIII. W.-S.\t\t\t\tIV. s.-s.\t\t\n1.\tSpecielle Mineralogie ....\t5\tStd.\t1.\tEinf\u00fchrung i. d. allgem. Geologie\t4\tStd.\n2.\tExperimentalphysik 11\t.\t.\t.\t4\t\u201e\t2.\tGeologie von Schlesien .\t.\t1\t\n3.\tOrganische Experimentalchemie\t5\t11\t3.\tExperimentalphysik I .\t.\t.\t.\t5\t\n4.\tLandwirtschaftliche Taxations-\t\t\t4.\tSpecielle Pflanzenbaulehre .\t.\t4\t\n\tlehre und Buchf\u00fchrung .\t.\t.\t4\ty.\t5.\tRassenz\u00fcchtung landwirtschal't-\t\t\n5.\tPflanzenern\u00e4hrungslehre .\t.\t.\t4\ty\t\tlicher Kulturpflanzen II .\t.\t.\t2\t\n6.\tRassenz\u00fcchtung landwirtschaft-\t\t\t6.\tSpeeielle Tierzuchtlehre .\t. .\t2\t\n\tlicher Kulturpflanzen L .\t2\tii\t7.\tTierern\u00e4hrungslehre .\t.\t.\t.\t4\ty\n7.\tLandwirtschaftliche Technologie\t2\t,,\t8.\tDrainage und Wiesenbautechnik\t2\t\n\tSa.\t26\tStd.\t9.\tLandwirtschaftliche Baukunde .\t2\ty\n\tAusserdem botanisches Praktikum\t\tund\t\tSa.\t26\tStd.\nstaatswissenschaftliches Seminar 1.\t\t\t\tAusserdem chemisches Praktikum\t\t\tund\n\t\t\t\tstaatswissenschaftliches Seminar II.\t\t\t\n\tV. W.-S.\t\t\t\tVI. S.-S.\t\t\n1.\tVolkswirtschaftslehre II .\t5\tStd\t1.\tSpecielle Botanik\t\t4\tStd.\n2.\tLandwirtschaftl. Betriebslehre .\t4\t11\t2.\tPal\u00e4ontologie\t\t4\t\n3.\tAckerbaulehre, rep\t\t4\ty\t3.\tVolkswirtschaftslehre II, rep. .\t5\tr\n4.\tPflanzenern\u00e4hrungslehre, rep. .\t4\tii\t4.\tLandwirtschaftsrecht . . . .\t2\t11\n5.\tSpecielle Tierzuchtlehre .\t.\t.\t2\tii\t5.\tAllgemeine Tierzuchtlehre, rep.\t4\tn\n6.\tMolkereiwesen\t\t2\tii\t6.\tGemein wirtschaftl. F\u00f6rderung\t\t\n7.\tAllgemeine Meliorationslehre .\t2\tii\t\tder Viehzucht\t\t2\tii\n\tSa.\t23\tStd.\t7.\tNivellieren und Feldmessen .\t.\t2\t\u2019\u25a0\nAusserdem landwirtschaftliches Prakti- |\t\u00aea- 23 Std.\nkum und landwirtschaftlich seminaristische \u25a0 Ausserdem landwirtschaftliches Praktikum \u00dcbungen.\tund landwirtschaftl. seminaristische \u00dcbungen.\nMitteilungen Breslau. 189\u2018J.\n4","page":49},{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"50\nDas Studium der Landwirtschaft\nBei diesen .Studienpl\u00e4nen wurden alle Vorlesungen naturwissenschaftlicher, volkswirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Art, welche nicht unbedingt f\u00fcr die Examina oder f\u00fcr die Abrundung des Studiums n\u00f6tig sind, sowie alle diejenigen, welche im Interesse der Hebung der allgemeinen Bildung geh\u00f6rt werden k\u00f6nnen, nicht mit aufgef\u00fchrt, weil dar\u00fcber nur der Geschmack und das Interesse des Einzelnen entscheiden und die Auswahl derselben auch erst dann stattfinden kann, wenn man das Fachstudium f\u00fcr das betreffende Semester festgelegt hat und nun \u00dcbersicht, welche Stunden event, noch zur Disposition stehen und welche Vorlesungen f\u00fcr diese Stunden in Frage kommen k\u00f6nnten. Dar\u00fcber belehrt sowohl der Stundenplan f\u00fcr das Studium der Landwirtschaft, als auch das Vorlesungsverzeichnis der hiesigen K\u00f6niglichen Universit\u00e4t.\nAuf ein Studium von 1 oder 2 Semestern erstreckt sich die Studienordnung nicht, da diese Zeit in keinem Falle dazu ausreicht, eine Abrundung der wissenschaftlichen Ausbildung zu erwerben.\nEs empfiehlt sich bei einer so kurzen Studienzeit am meisten, am Anf\u00e4nge des Semesters iu m\u00f6glichst vielen Vorlesungen zu hospitieren und sich, sofern nicht ein Specialinteresse f\u00fcr bestimmte F\u00e4cher vorhanden ist, dem man dann selbstverst\u00e4ndlich folgt, diejenigen Vorlesungen auszusuchen, die am meisten interessieren.\nEin Studium von 1 oder 2 Semestern kann bei gewissenhafter Benutzung der Zeit auch vou Wert sein, indessen kann sieh der Vorteil, den eine so unzureichende Studienzeit bietet, niemals mit demjenigen vergleichen, den eine Studienzeit von dem Umfange zu bringen vermag, f\u00fcr den sic von Hause aus zugeschnitten ist.\nEs sollte damit also keinerlei Zwang ausge\u00fcbt werden, sondern eine solche Studienordnung soll nur in ganz objektiver Weise, ohne jede R\u00fccksicht auf irgend welche pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnisse, den Studierenden den Weg zeigen, auf dem sie nach Lage der hiesigen Stundenpl\u00e4ne in k\u00fcrzester Zeit eine m\u00f6glichste Abrundung ihrer wissenschaftlichen Ausbildung erreichen k\u00f6nnen. Nicht schulmeisterliche Fesseln sollten den Studierenden damit angelegt werden, sondern als Freund und Mentor wollte Referent wirken und die Studierenden davor bewahren, durch Un\u00fcberlegtheit und Mangel an Ein- und \u00dcbersicht oder unter dem Einfluss falscher Ratschl\u00e4ge Zeit zu verlieren oder die Zeit nicht voll auszunutzen.\nDie Einrichtung ist \u00fcbrigens von den Studierenden sehr sympathisch aufgenommen worden und die Art des Belegens der Vorlesungen und \u00dcbungen hat sich gegen fr\u00fcher ganz betr\u00e4chtlich seit Einf\u00fchrung der Studienordnung zum Rationellen hin gebessert. Die Studienordnung hat in dieser Richtung schon viel mehr gewirkt, als die vom Referenten seit S.-S. 1896 neu eingerichtete Vorlesung \u00fcber \u201eEinf\u00fchrung in das Studium der Landwirtschaft\u201c, weil die Studienordnung rechtzeitig jedem Studierenden zu H\u00e4nden kommt.\nEhe die Studienordnung aufgestellt werden konnte, musste erst eine betr\u00e4chtliche Reform des Stundenplanes vorangehen, und dazu waren mehrere Semester erforderlich. Daher konnte Referent auch erst so sp\u00e4t zur Realisierung dieses lange gehegten Planes gelangen.\nDie Aufstellung einer solchen Studienordnung ist eine sehr m\u00fchsame Arbeit, denn dabei treten erst die Sch\u00e4den und Fehler des Stundenplanes deutlich hervor. Ich kann meinen Kollegen nicht dankbar genug sein, dass sie mir alle durch freundlichstes Entgegenkommen diesen Plan durchf\u00fchren halfen, denn ohne ihre Gef\u00e4lligkeit w\u00e4re seine Verwirklichung ganz unm\u00f6glich gewesen. Herrn Prof. Holdefleiss geb\u00fchrt mein besonderer Dank, dass er die Studienordnuugen stets mitunterzeichnet hat.","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"51\n;in cler K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nDie Pr\u00fcfungen.\nDas Stadium der Landwirtschaft kann an der Universit\u00e4t Breslau ebenso wie \u00fcberall durch verschiedene Examina abgeschlossen werden.\nNach einem Studium von 4 Semestern kann die landwirtschaftliche Abgangspr\u00fcfung\u201c abgelegt werden. Die Regulative f\u00fcr dieses Examen sind nicht \u00fcberall dieselben, sondern an jeder h\u00f6heren Lelir-st\u00e4tte der Landwirtschaft verschieden. F\u00fcr Breslau galt bisher das Regulativ vom 7. Dezember 1883. Da dieses Regulativ aber im Begriffe stellt, durch ein neues ersetzt zu werden, sehe ich davon ab, das alte Regulativ hier abdrucken zu lassen. Als Bedingung der Zulassung zur landwirtschaftlichen Abgangspr\u00fcfung wird der Nachweis eines Abiturientenzeugnisses von einem Gymnasium oder Realgymnasium nicht verlangt, dagegen der Nachweis \u00fcber ein 4 semestriges Studium an einer h\u00f6heren Lehrst\u00e4tte der Landwirtschaft, von denen mindestens f\u00fcr 1 Semester die Immatrikulation an der Universit\u00e4t Breslau vorliegen muss.\nDie Pr\u00fcfung wird abgelegt in denjenigen F\u00e4chern, welche das Regulativ als obligatorisch anf\u00fchrt, und in der Weise, wie das Regulativ es vorschreibt. Die Pr\u00fcfung zerf\u00e4llt in einen schriftlichen und einen m\u00fcndlichen Teil.\nDie Ablegung dieses Examens sollte von Rechtswegen als Abschluss jedes rationell verbrachten Studiums stattfinden, gewissermassen als Quittung und Gegenleistung des Sohnes \u00fcber die von seinem Vater ihm gew\u00e4hrte Studienzeit.\nDie Ablegung dieses Examens bietet ausserdem auch einige praktische Vorteile. Sie gen\u00fcgt zur Anstellung als Lehrer oder Direktor an niederen landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalten, als landwirtschaftlicher Wanderlehrer, an landwirtschaftlichen Vereinen und Landwirtschaftskammern etc., sofern gleichzeitig eine mindestens 4j\u00e4hrige landwirtschaftlich praktische Tlditigkeit nachgewiesen werden kann.1)\nDas landwirtschaftliche Lehramtsexamen wird an allen h\u00f6heren Lehrst\u00e4tten der Landwirtschaft in Preussen einheitlich geliandliabt nach den Erlassen des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten und des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten vom 9. Mai 1877 und 17. November 1877. Diese Vorschriften finden sich abgedruckt in dem \u201eErg\u00e4nzungsbande\u201c der \u201elandwirtschaftlichen Jahrb\u00fccher\u201c jedes Jahrganges, welcher die \u201eStatistik der landwirtschaftlichen und zweckverwandton Unterrichtsanstalten Preussens\u201c enth\u00e4lt.\nZur Ablegung dieser Pr\u00fcfung ist erforderlich das Abiturientenzeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums, der Nachweis \u00fcber ein 6 semestriges Studium an einer h\u00f6heren Lehrst\u00e4tte der Landwirtschaft und eine 2 j\u00e4hrige Tlditigkeit in der landwirtschaftlichen Praxis. Auch dieses Examen zerf\u00e4llt in eine schriftliche und in eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung in den daf\u00fcr vor-\n*) Vergl. v. Riimker, Die Ausbildung des praktischen Landwirts. Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin, 1896, pag. 31, 32, und v. Funke, Das Studium der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau 1888, pag. 17.\n1*","page":51},{"file":"p0052.txt","language":"de","ocr_de":"52\nDas Studium der Landwirtschaft\ngeschriebenen F\u00e4chern.Diese Pr\u00fcfung berechtigt zur Anstellung als Lehrer oder Direktor an \u201eLandwirtschaftsschulen\u201c, also an den mittleren landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalten nach erfolgreicher Absolvierung eines Probejahres als Lehrer an einer Landwirtschaftsschule.\nDie Promotion in der philosophischen Fakult\u00e4t und die Habilitation f\u00fcr Landwirtschaft vollziehen sich nach den Vorschriften der betreffenden Fakult\u00e4t und Universit\u00e4t, an welcher dieselben stattfinden sollen. Im allgemeinen wird f\u00fcr die Promotion das Maturit\u00e4tszeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums, der Nachweis einer 3j\u00e4hrigen Studienzeit an einer Universit\u00e4t und die Einreichung einer selbst\u00e4ndigen wissenschaftlichen Arbeit, der \u201eDissertation\u201c, verlangt. F\u00fcr die Habilitation ist ausserdem noch der Nachweis \u00fcber eine mindestens 2j\u00e4hrige Th\u00e4tigkeit in der landwirtschaftlichen Praxis, das Doktordiplom einer deutschen Universit\u00e4t, die Einreichung der Dissertation und einer neuen Habilitationsschrift oder an deren Stelle die Einreichung sonstiger eigener wissenschaftlicher Arbeiten im Manuskript oder Druck erforderlich. Auch ein m\u00fcndliches Habilitationsexamen, das sogenannte Kolloquium, und eine Probeverlesung sind mit der Habilitation verbunden.2)\nEs sind damit mannigfache Abstufungen der Pr\u00fcfungen gegeben und zum grossen Teil er\u00f6ffnet die Ablegung dieser Examina dem betreffenden Kandidaten Aussichten f\u00fcr ein gutes und sicheres Fortkommen im sp\u00e4teren Leben, welche bei tier schwierigen Lage der landwirtschaftlichen Praxis und der Undankbarkeit der Stellung der landwirtschaftlichen Beamten der Praxis auch f\u00fcr minder Bemittelte die Wahl des landwirtschaftlichen Berufes empfehlenswert machen, sofern sie Interesse, Fleiss und Konsequenz genug besitzen, die hier gebotenen Vorteile auszunutzen. Aber auch diejenigen Landwirte, welche ihre Zukunft nicht auf eine solche Pr\u00fcfung gr\u00fcnden wollen, th\u00e4ten gut und richtig, eine Pr\u00fcfung abzulegen, denn es ist eine alte, gute Erfahrung, dass das Studium mit dem Ziele eines bestimmten Abschlusses viel zusammenh\u00e4ngender und konsequenter durchgef\u00fchrt zu werden pflegt, als ohne ein solches Ziel. Darin liegt in den meisten F\u00e4llen der Hauptwert jedes Examens.\nI). Die Stellung der studierenden Landwirte an der Universit\u00e4t Breslau.\nDie Immatrikulation der studierenden Landwirte erfolgt bei Inl\u00e4ndern auf Grund eines urkundlichen Nachweises \u00fcber die Ablegung eines Maturit\u00e4tsexamens an einem Gymnasium oder Realgymnasium, oder der urkundlich erwiesenen Berechtigung zum einj\u00e4hrigen Milit\u00e4rdienst.\n\u201eDiese Bestimmungen stellen keineswegs eine etwa in R\u00fccksicht auf das neue Landwirtschaftsstudium an der Universit\u00e4t vorgenommene, den\n') Vergl. die Vorschriften 1. c. und auch v. Biimker, Die Ausbildung des praktischen Landwirts, pag. 32, 33.\n2) Vergl. Statistik der landwirtschaftlichen und zweckverwandten Unterrichtsanstalten Preussens in den Erg\u00e4nzungsheften der landwirtschaftlichen Jahrb\u00fccher; v. Funke, Das Studium der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Breslau 1888, und v. Biimker, Die Ausbildung des praktischen Landwirts.","page":52},{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"an der K\u00f6niglichen l'niversit\u00e4t Breslau.\n53\nEintritt in dieses Studium erleichternde Ab\u00e4nderung der fr\u00fcheren Aufnahmebedingungen dar. \u2014 Jene Bestimmungen finden sich vielmehr im wesentlichen schon im Pr\u00fcfungsreglement vom 4. Juni 1834 und in der MinisterinIverf\u00fcgung vom 25. April 1855 im Hinblick auf solche Inl\u00e4nder niedergelegt, die, ohne die Absicht, k\u00fcnftig in den inl\u00e4ndischen gelehrten Staats- und Kirchendienst einzutreten, nur um sich allgemeine Bildung f\u00fcr die h\u00f6heren Lebenskreise oder eine besondere f\u00fcr ein gewisses Berufsfach zu geben, die Immatrikulation bei der philosophischen Fakult\u00e4t nachsuehen. Nur der Paragraph 36 jenes Reglements vom 4. Juni 1834. der keine bestimmte Vorschrift \u00fcber den Grad einer besonderen Ait von Vorbildung, welche von den Inl\u00e4ndern zu verlangen ist, enth\u00e4lt, ist durch besonderen Ministerial-Erlass an alle Universit\u00e4ts-Kuratorien vom 5. Mai 1876 ebendahin pr\u00e4cisiert worden, dass die Immatrikulation jedenfalls dann zu versagen sein wird, wenn der sich zur Aufnahme an der Universit\u00e4t Meldende nicht wenigstens dasjenige Mass der Schulbildung erreicht haben sollte, welches f\u00fcr die Erlangung der Qualifikation zum Einj\u00e4hrig-Froiwilligen-1 \u00bbienst im Deutschen Heere vorgeschrieben ist, dass daher dieses Mass durchaus als das Minimum der Anforderung betrachtet werden muss, unter welches niemals hinabzugehen ist.\nAus der in dieser immerhin nur massigen Beschr\u00e4nkung auch dem landwirtschaftlichen Studium an der Universit\u00e4t zukommenden, durch die Natur der Sache gebotenen Verg\u00fcnstigung darf jedoch, was hier ausdr\u00fccklich hervorgehoben sein mag, nicht etwa abgeleitet werden, es st\u00e4nden die speciell f\u00fcr studierende Landwirte berechneten Vorlesungen in ihren Anspr\u00fcchen an allgemeine Vorbildung auf einem anderen Niveau, als im grossen Durchschnitt die \u00fcbrigen Vorlesungen der Universit\u00e4t.\u201c1)\nAusl\u00e4nder werden immatrikuliert, wenn sie ein Gyninasialabiturieuten-examen oder einen solchen Grad allgemeiner Bildung nacliweisen, wie er zum Verst\u00e4ndnis von Universit\u00e4tsvorlesengen erforderlich ist und f\u00fcr die richtige Erfassung des akademischen Lebens eine gewisse Gew\u00e4hr giebt, ohne R\u00fccksicht auf die event, Qualifikation zum einj\u00e4hrigen Dienst. \u201eVielmehr ist es dem Ermessen der Immatrikulationskommission anheimgestellt, sich in Ermangelung beweisender Zeugnisse auf beliebige Art und Weise ein sicheres Urteil \u00fcber die Bildung der sich zur Aufnahme meldenden Ausl\u00e4nder zu verschaffen.\u201c2) \u2014 Auch der hier angelegte \u201eMassstab ist kein anderer, als der, welcher zum Zweck der Aufnahme aller sonstigen studierenden Ausl\u00e4nder von jeher in Anwendung war und auch gegenw\u00e4rtig in Anwendung ist\u201c.2)\nAusser der Immatrikulation ist nun aber noch die Zulassung als Hospitant zum Studium m\u00f6glich sowohl f\u00fcr Inl\u00e4nder als f\u00fcr Ausl\u00e4nder, wenn obige Bedingungen nicht erf\u00fcllt sind und der Rektor der Universit\u00e4t auf Grund der Empfehlung von einem Fachordinarius einen Hospitanten-\n') W. v. Funke, Das Studium der Landwirtschaft an der K\u00f6nig!. Universit\u00e4t Breslau 1888, p. 11 und 12.\n2) Ebenda ]>. 12 und 13.","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"54\nDas Studium der Landwirtschaft\nschein ausstellt, auf Grund dessen ein Belegen von Vorlesungen stattfinden kann. Hospitanten werden aber zu den Pr\u00fcfungen nicht zugelassen, wenn sie auch studieren d\u00fcrfen, solange sie wollen, sofern sie sich den allgemeinen Vorschriften f\u00fcr die Studierenden f\u00fcgen und dieselben befolgen. Unter den studierenden Landwirten pflegen in Breslau durchschnittlich 10\u201414% Hospitanten zu sein.\nDie studierenden Landwirte sind im \u00fcbrigen vollkommen denselben Gesetzen und Vorschriften unterworfen, wie alle \u00fcbrigen Studenten der Universit\u00e4t Breslau, und gemessen auch genau dieselben Vorrechte und Privilegien wie diese, kurz sie sind in jeder Beziehung der ganzen \u00fcbrigen Studentenschaft v\u00f6llig gleichgestellt und bilden einen organischen Teil derselben.\nAuch an der Universit\u00e4t Breslau bestellt ein akademisch landwirtschaftlicher Verein, welcher 1884 zum zweitenmal auf Anregung von Herrn Prof. Dr. Holdeflleiss gelegentlich des Breslauer Maschinenmarktes gegr\u00fcndet wurde. Derselbe geh\u00f6rt dem Verb\u00e4nde akademisch landwirtschaftlicher Vereine an deutschen Hochschulen an und ist eine nicht farbentragende, wissenschaftliche Verbindung, welche allw\u00f6chentlich einen wissenschaftlichen Abend abh\u00e4lt, an welchem von einem der Vereinsmitglieder, gelegentlich wohl auch von einem Docenten, ein Vortrag gehalten wird, an welchen sich eine Diskussion anschliesst, Die Studierenden lernen dadurch in parlamentarischer Form sachlich diskutieren, ihre Ansichten festigen und verteidigen, und ausserdem werden in massvollen Grenzen die Formen studentischer Geselligkeit gepflegt.\nDie Docenten nehmen regen Anteil an den wissenschaftlichen mul geselligen Beth\u00e4tigungen dieses Vereins, so dass derselbe eine durchaus n\u00fctzliche Erg\u00e4nzung des Studiums der Landwirtschaft darstellt.\nE. Die Frequenz des Landwirtschaftsstudiums an der Universit\u00e4t Breslau.\nNachstehende Tabelle giebt, eine \u00dcbersicht \u00fcber die Entwickelung der Frequenz des Landwirtschaftsstudiums an hiesiger Universit\u00e4t, Die Zahlen sind nach dem amtlich gef\u00fchrten Frequenzjournal ermittelt und durchg\u00e4ngig h\u00f6her, als die Personalverzeichnisse der Universit\u00e4t sie angeben. Trotzdem aber sind diese hier in der graphischen Darstellung (S. 55) ber\u00fccksichtigten Zahlen die richtigeren, weil sie die Hospitanten und die Nachz\u00fcgler mit enthalten, welche beiden Gruppen im Personalverzeichnisse unber\u00fccksichtigt bleiben.\nBei dieser Darstellung sind die wirklichen Landwirte von Beruf von den Studierenden anderer F\u00e4cher, welche nur landwirtschaftliche Vorlesungen h\u00f6ren, strenge getrennt gehalten und es wurden der Statistik strengstens nur die Vorlesungen zu Grunde gelegt, welche unzweifelhaft zur Landwirtschaftslehre und ihren Hilfsf\u00e4cher gez\u00e4hlt werden m\u00fcssen und welche, wenn die Landwirtschaftslehre an der Universit\u00e4t Breslau nicht vertreten w\u00e4re, an der hiesigen Universit\u00e4t \u00fcberhaupt nicht gelesen werden w\u00fcrden. Es","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"/*-'JPer'i ocZe.\t_Pe/~\u00a3ocZe.\t3^-2*er i o<2 e.\nmi der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nwurden dabei sogar landwirtschaftliche und zweckverwaiidte Ptddika von\nder Ber\u00fccksichtigung ihrer Frequenz f\u00fcr\n\u00a3\niS\n: \u00a3 ? \u00a3\n\u00a3\t.5? \u2022\nN>\n^ V ES\n1 K>\n^ S\u2019*\nill'\nF * 1\nF\n'S\n\u00b03 \u00a3\n'S '\n\u00a7\nS\nt;\n!\na>\n1\nF\ns\nts\nn\n'Vj\n-SJ\n\u2022VJ\n\u00ab3\nN\nsj\n-st\n<S\nN\nfN, \u00ab\n'S\n\u00ab3\n\u00a3\u25a0>\n->%\n9>\n1 I 11 II\nI .1\ndiese Statistik ausgeschlossen wenn sie nicht zu den regelm\u00e4ssig' vertretenen Vorlesungen z\u00e4hlten und durch die starke Frequenzziifer bei diesem mehr zuf\u00e4lligen und accessorischeu Charakter das Bild zu tr\u00fcben geeignet schienen. Kurz, es wurde bei Aufstellung dieser Zahlen jede Sch\u00f6ntarbung vermieden und so gewissenhaft als m\u00f6glich verfahren.\nDurch ihre H\u00f6he k\u00f6nnen diese Frequenzziffern allerdings nicht imponieren und man sieht, wie schlimme Zeiten das Studium dm\u2019Landwirtschaft in Breslau durchgemacht hat. und an dem langsamen Fortschritte seit dem gr\u00f6ssten Tiefst\u00e4nde, wie schwer es ist, eine fast bis zum Erl\u00f6schen herabge-sunkeiie Lehrst\u00e4tte wieder zu gr\u00f6sserer Frequenz emporzuheben.\nBetrachtet man den Verlauf der Kurven, so lassen sich zwanglos 3 Perioden von je 12 Semestern unterscheiden, v) n\u00e4mlich :\ni j\nh 1. Periode: W.-S. 1881/82 bis inkl.\ni\t.1\n!\ti\nIn den Wintersemestern Sommersemestern\nS.-S. 1887 (Sem. 1\u201412).\n2.\tPeriode: W.-S. 1887/88 bis inkl. S.-S. 1893 (Sem. 13\u201424).\n3.\tPeriode: W.-S. 1893/94 bis inkl. W.-S. 1898/99 (Sem. 25\u201435).\nln der ersten Periode betrug die durchschnittliche Frequenzzahl:\nDer Landw.\tv. Der.\tGesamtzahl\n.\t.\t39,5\t48\n.\t.\t34.0\t47.66.\n) Nur der letzten Periode fehlt noch ein S.-S.","page":55},{"file":"p0056.txt","language":"de","ocr_de":"56\nDas Studium fier Landwirtschaft\nIn der zweiten Periode:\tDer Landw. v. Ber. Gesamtzahl\nIn\tden\tWintersemestern\t.\t.\t27.83\t42,16\nSommersemestern\t.\t.\t19,16\t30,50.\nIn der dritten Periode:\nIn\tden\tWintersemestern\t.\t.\t40,16\t68,83\n\u201e\t\u201e\tSommersemestern\t.\t.\t28,40\t41,40.\nWenn wir diese Durchschnittszahlen miteinander vergleichen, so isi die durchschnittliche Frequenz an studierenden Landwirten von Beruf ii den Wintersemestern der letzten 6 Jahre etwas h\u00f6her als in den erster 6 Jahren, aber erheblich h\u00f6her als in der zweiten Periode; sie ist alsc durchschnittlich die bis jetzt h\u00f6chsterreichte Frequenz \u00fcberhaupt. Die Gesamtfrequenz der Landwirtschaftsstudierenden der Wintersemester der letzten 6 Jahre zeigt bei weitem den h\u00f6chsten bis jetzt erreichten Durchschnitt aller Perioden. Die durchschnittliche Frequenz der Sommersemester steht in Breslau wie \u00fcberall gegen die Winterfrequenz zur\u00fcck; die Durchschnittsfrequenz studierender Landwirte von Beruf war in den Sommersemestern der ersten Periode am h\u00f6chsten, in der zweiten am geringsten und in der dritten steht sie etwa in der Mitte zwischen den beiden ersten Perioden, dagegen hat die Gesamtfrequenz der dritten Periode die der ersten Periode auch in den Sommersemestern fast erreicht und die der zweiten erheblich \u00fcbertroffen.\nWenn wir also das Gesamtfacit dieser Quantit\u00e4tsstatistik der Frequenz des Landwirtschaftsstudiums an der Universit\u00e4t Breslau ziehen, so kann man der Wahrheit gem\u00e4ss sagen, dass die besten fr\u00fcheren Zeiten nicht nur erreicht, sondern zum Teil sogar \u00fcbertroffen sind, dass nur die Sommersemester noch nicht ganz auf der H\u00f6he des Durchschnittes der ersten 6 Jahre gestanden haben, dass dagegen die Wintersemester der letzten Periode merklich besser gewesen sind. Demnach scheint also das Darniederliegen des Landwirtschaftsstudiums an der Universit\u00e4t Breslau endg\u00fcltig \u00fcberwunden zu sein. Die Frequenzzunahme w\u00e4re wohl eine noch bessere gewesen, wenn nicht in den letzten Jahren vielfach junge Leute, welche hier studieren wollten, wegen zu mangelhafter Vorbildung h\u00e4ufiger zur\u00fcckgewiesen worden w\u00e4ren, als fr\u00fcher. Es geschah das, um die Elemente, welche den akademischen Vorlesungen nur mit M\u00fche folgen k\u00f6nnen, abzu-stossen, damit nicht die Gefahr eintritt, dass das Niveau der Vorlesungen mit R\u00fccksicht auf diese unter die Grenze des f\u00fcr akademische Vorlesungen Erlaubten herabsinkt. Die Gesamtzahl der Landwirte von Beruf, welche seit 1881 an der Universit\u00e4t Breslau studiert haben, betr\u00e4gt bis Ende W.-S. 1898/99 1106. die Gesamtzahl der Beleger landwirtschaftlicher Vorlesungen 1664.\nDie Quantit\u00e4t des Besuches der landwirtschaftlichen Vorlesungen und \u00dcbungen allein gen\u00fcgt aber noch nicht, um sich ein Urteil zu bilden, ob thats\u00e4chlich eine Besserung vorliegt, welche eine Kr\u00e4ftigung von innen heraus bedeutet und daher weitere Fortschritte f\u00fcr die Zukunft verb\u00fcrgt.\nZu diesem Zwecke wollen wir die Statistik \u00fcber die Zahl der von Landwirten an der Universit\u00e4t Breslau absolvierten Pr\u00fcfungen zu Rate ziehen, wie nachstehende Tabelle sie uns zeigt.","page":56},{"file":"p0057.txt","language":"de","ocr_de":"Statistische \u00dcbersicht \u00ab1er an \u00ab1er Universit\u00e4t Breslau bis Ende W.-S. 1898/99 von Landwirten abgelegten Fr\u00fcfungen.\nan der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\t57\n3 s\nC N\nCO Ci\nCO CO\nCO CO CO\nCO CO CO CO CO\nCO ec\nCO CO CO\nCO CO CO CO CO","page":57},{"file":"p0058.txt","language":"de","ocr_de":"58\nDas Studium der Landwirtschaft an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau.\nDie Frequenz der Examina seit Einrichtung des Studiums der Landwirt-\t\nSchaft an der Universit\u00e4t Breslau umfasst bis Ende W.-S.\t1898/99 im ganzen\nAbgangspr\u00fcfungen: bestanden .\t.\t.\t13\nnicht bestanden .\t4\nLehramtspr\u00fcfungen: bestanden .\t.\t.\t4\nnicht bestanden .\t1\nzur\u00fcckgetreten\t1\nPromotionen: bestanden\t\t7\nHabilitationen :\t,,\t\t\t1\nSa.\t31\nAus dieser \u00dcbersicht geht hervor, dass die Ablegung von Pr\u00fcfungen\t\ndurch studierende Landwirte seit dem Jahre 1891 erheblich zugenommen hat im Vergleiche zu dem ersten\tJahrzehnt. Denn von\tden\tganzen\n31 Pr\u00fcfungen fielen in den Zeitraum\tvon\t.\t1881\u20141890\tnur\t6, in\nden 5 j\u00e4hrigen Zeitraum von.......... 1891\u20141895\tdagegen\t10 und\nin den 3j\u00e4hrigen Zeitraum von........ 1895\u20141898\t..\t15Pr\u00fc-\nfungen. Um die relative Zunahme der Pr\u00fcfungen zu kennzeichnen, m\u00f6gen folgende Zahlen dienen:\nVon 1881\u20141890 fielen auf jedes Jahr durchschnittlich 0.6 Pr\u00fcfungen = 1 % der studierenden Landwirte von Beruf, von 1891\u20141895 2,0 Pr\u00fcfungen = 3,34%, von 1896\u20141898 5,0 Pr\u00fcfungen = 7,21%.\nDiese Zahlen zeigen allerdings die an sich bedauerliche Thatsache, dass von den studierenden Landwirten bis jetzt nur ein geringer Prozentsatz Pr\u00fcfungen in Breslau ablegt, und dass dieses Verh\u00e4ltnis in Zukunft sich noch sehr \u00e4ndern m\u00fcsste, wenn es befriedigen sollte. Immerhin ist aber eine erhebliche Besserung auch in dieser Beziehung nicht zu verkennen, wie die Zunahme sowohl der absoluten Zahl von Pr\u00fcfungen im Durchschnitt pro Jahr, als auch der' zunehmende Prozentsatz der daran beteiligten studierenden Landwirte von Beruf beweist. Die Zunahme der Pr\u00fcfungen ist also nicht nur eine absolute, sondern trotz vorher nachgewiesener Zunahme der Frequenz auch eine relative. Ich glaube danach, dass es nicht zu sanguinisch ist, daraus zu schliessen, dass jetzt nicht nur mehr Landwirte in Breslau studieren als fr\u00fcher, sondern dass durchschnittlich von den Landwirten jetzt hier auch l\u00e4nger und rationeller studiert wird als fr\u00fcher, und dass somit alle die Leistungen materieller, organisatorischer und methodologischer Art zur Hebung des hiesigen Studiums der Landwirtschaft, wie sie in diesem Bericht zusammengefasst worden sind, nicht vergeblich gewesen sein k\u00f6nnen, sondern Fr\u00fcchte zu tragen beginnen.\nM\u00f6chte die Entwickelung zum Besseren sich ungest\u00f6rt weiter vollziehen, indem jeder, der an diesem gemeinsamen Werke mitzuwirken berufen ist, sich stets bewusst bleibt, dass nur gemeinsame Arbeit nach gemeinsamem Ziele unter Hintansetzung eigener Interessen weitere Fortschritte bewirken kann. Wenn dann die K\u00f6nigliche Regierung die Mittel zur Vollendung des unter schwierigen Verh\u00e4ltnissen begonnenen und jetzt scheinbar in guter Entwicklung begriffeneu Werkes gew\u00e4hrt, kann und wird ein voller Erfolg auf die Dauer nicht ausbleiben.","page":58},{"file":"p0058s0001tableI.txt","language":"de","ocr_de":"P\u00f6p elwitz\nTafel I.\nC3 Landwirtschaft!. Versuchsfeld der kgl. Universit\u00e4t Breslau Ea Jnstitutsgeb\u00e4ude f\u00fcr die Landwirtschaftslehre am Matthiasplatze\nVe/iagsbuc7i\u00c2ajuLhingZJa]\u00eflParey m Ber{irv S. W. JlczLemmistr JO \u25a0","page":0},{"file":"p0058s0002tableII.txt","language":"de","ocr_de":"Tafel H.\nBoden ka rte\ndes landwirtschaftlichen Versuchsfeldes der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t zu Breslau Feldmark Ro s ent hat\nAuf gestellt von, Professor v-Riimker.\nu = untere Schicht nt = mittlere \u00bb o = obere \u00bb\n|\u00ab ' \u2022 * \u2022 ' | Sand S\tca\n5\nUlimnil lehmiger Sand l.S. ^ sandiger Lehm S..L. 7a milderJ^ehm\tm.L.\n3 thomgerlehm t. L. 1 lehmiger Thon l.T. mittlerer Thon m.T.\nSteine u.Kies. X 2 mm\t\t\tSande\t\t\tA bscKLemmb are \u00dfesla-idlheile\t\t\nu. %\tin\to %\tu\t%\to\t%\t\t%\n3\t1\t/\t95\t92\t92\t2\t7\t7\n\u2014\t\u2014\t\u2014\t88\t\u2014\t\u2014\t12\t\u2014\t-\n\u2014\t\u2014\t2\t83\t\u2014\t80\t17\t\u2014\t18\n\u2014\t2\t3\t76\t74\t7/\t24-\t24\t26\n\u2014\t3\t2\t\u2014\t59\t63\t\u2014\t38\t35\n\u2014\t7\t3\t5't\t52\t50\t46\t47\t47\n2\t1\t2\t47\t45\t4 2\t57\t54\t56\n1\t-\t2\t32\t30\t32\t67\t70\t66\nYerliwsl/i\u00e6hTumd\u00e0aig Paid fiarey in Berlin $ W. HexLem/ULsti: 70","page":0},{"file":"p0058s0003tableIII.txt","language":"de","ocr_de":"Aus der Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Pflanzenbaulehre und Rassenz\u00fcchtung landwirtschaftlicher\nKulturpflanzen der Universit\u00e4t Breslau.\nVerlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW.. Hedemannstr. 10.","page":0},{"file":"p0058s0004tableIV.txt","language":"de","ocr_de":"Aus der Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Tierproduktionslehre der Universit\u00e4t Breslau.\nVerlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10.","page":0},{"file":"p0058s0005tableV.txt","language":"de","ocr_de":"Aus der Sammlung f\u00fcr Veterin\u00e4rkunde der Universit\u00e4t Breslau.\nVerlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. io.","page":0},{"file":"p0058s0006tableVI.txt","language":"de","ocr_de":"Aus der Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Maschinenkunde der Universit\u00e4t Breslau.\nVerlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW.. Hedemannstr. 10.","page":0},{"file":"p0058s0007tableVII.txt","language":"de","ocr_de":"Aus der Sammlung f\u00fcr landwirtschaftliche Baukunde der Universit\u00e4t Breslau.\nVerlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10.","page":0},{"file":"p0058s0008tableVIII.txt","language":"de","ocr_de":"Verlagsbuchhandlung Paul Pare,y in Berlin SW., Hedemannstr. 10.","page":0}],"identifier":"lit24601","issued":"1901","language":"de","pages":"1-58","startpages":"1","title":"Das Studium der Landwirtschaft an der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau in seiner gegenw\u00e4rtigen Verfassung","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:39:09.827843+00:00"}
