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{"created":"2022-01-31T12:32:52.224952+00:00","id":"lit24821","links":{},"metadata":{"contributors":[{"name":"Wittmack, Ludwig","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Berlin: Verlagsbuchhandlung Paul Parey","fulltext":[{"file":"a0002.txt","language":"de","ocr_de":"Die K\u00f6nigliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin","page":0},{"file":"a0003.txt","language":"de","ocr_de":"Die\nin Berlin.\nFestschrift\nzur Feier des 25 j\u00e4hrigen Bestehens.\nHerausgegeben vom Lehrerkollegium\nunter Redaktion von\nProfessor Dr. L. Wittmack,\nGeh. Regierungsrat.\nMit 65 in den Text gedruckten Abbildungen.\nBERLIN.\nVerlagsbuchhandlung Paul Parey.\nVerlag f\u00fcr Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen.\nSW., Hedemannstrasse 10.\n1Q06","page":0},{"file":"a0004.txt","language":"de","ocr_de":"Zur 25j\u00e4hrigen Stiftungsfeier als Festgabe gewidmet\nvon\nArthur Georgi,\nInhaber der Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin.","page":0},{"file":"a0005introduction.txt","language":"de","ocr_de":"Vorwort.\nie bevorstehende Feier der K\u00f6nigl. Landwirtschaftlichen Hochschule, welche zur Abfassung dieser Schrift Veranlassung-gegeben hat, ist begr\u00fcndet durch die K\u00f6nigliche Kabinettsordre vom 14. Februar 1881, wodurch dem vereinigten Landwirtschaftlichen Lehrinstitut und Museum zu Berlin der Name: K\u00f6nigliche Landwirtschaftliche Hochschule beigelegt wurde.\nDer landwirtschaftliche Hochschulunterricht in der Mark Brandenburg ist indessen weit \u00e4lteren Datums, er ist anzukn\u00fcpfen, wenn von der Errichtung eines Lehrstuhls f\u00fcr Kameralwissenschaft an der fr\u00fcheren Universit\u00e4t Frankfurt a. Oder i. J. 1727 abgesehen wird, an die Einrichtung des landwirtschaftlichen Unterrichts-Instituts zu M\u00f6glin im Jahre 1806 durch Staatsrat Albrecht Thaer, welche Anstalt K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. durch Kabinettsordre vom 24. Juni 1806 in seinen besonderen Schutz nahm, \u201evon welcher er sich f\u00fcr die Erweiterung und Verbesserung der Landwirtschaft und f\u00fcr Verbreitung landwirtschaftlicher Kenntnisse zum Besten des \u00f6ffentlichen Dienstes so viel Ersprie\u00dfliches\u201c versprach.\nBei der Begr\u00fcndung der Universit\u00e4t Berlin im Jahre 1810 stand der Plan f\u00fcr die Schaffung einer umfassenden aima mater mit gleichzeitigen Lehrst\u00fchlen f\u00fcr Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Kameralwissenschaft und Tierarzneikunde im Vordergr\u00fcnde. Thaer wurde 1810 zum Professor an der neu errichteten Universit\u00e4t ernannt, damit von vorn herein dies wichtigste Gewerbe bei der Stiftung der bedeutendsten Hochschule mit vertreten sei.\nEs lag in der Entfernung M\u00f6glins von Berlin und in der Schwierigkeit eines allj\u00e4hrlich wechselnden Winter- und Sommeraufenthalts begr\u00fcndet, weshalb der beabsichtigte enge Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Institute nicht den gew\u00fcnschten Erfolg hatte. Thaer legte deshalb, weil bei der damaligen Entwickelung der Wissenschaft und Landeskultur die praktische Demonstration auf einem unmittelbar mit der Lehranstalt verbundenen Landgute eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hatte, im Jahre 1819 die Professur an der Universit\u00e4t nieder. Das Institut zu M\u00f6glin erhielt in diesem Jahre das Pr\u00e4dikat einer \u201eK\u00f6nig-","page":0},{"file":"a0006.txt","language":"de","ocr_de":"VI\nVorwort.\nlichen Akademischen Lehranstalt des Landbaues\u201c, und es wurde ihm eine besondere Unterst\u00fctzung bewilligt.\nDie Vertretung der Landwirtschaft durch eine besondere Professur an der Berliner Universit\u00e4t wurde indessen nicht aufgegeben und die Verbindung mit M\u00f6glin aufrecht erhalten und bestimmt, dag die Studierenden der Staatswissenschaften an der Universit\u00e4t Gelegenheit haben sollten, in den Herbstferien einen landwirtschaftlichen Lehrkursus in M\u00f6glin zu vollenden.\nDer landwirtschaftliche Zentralverein f\u00fcr den Regierungsbezirk Potsdam trat indessen 1847, das Landes\u00f6konomiekollegium 1849 f\u00fcr die weitere Entwicklung des landwirtschaftlichen Unterrichts zu Berlin bestimmt ein. Diese wiederholten Anregungen hatten den Erfolg, dag das Institut zu M\u00f6glin im Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts aufgegeben und der Schwerpunkt des landwirtschaftlichen Hochschul-Unterrichts nach Berlin verlegt wurde. Der Enkel des Staatsrats Thaer, Dr. Albrecht Thaer*) siedelte von M\u00f6glin nach Berlin \u00fcber und er\u00f6ffnete im Wintersemester 1862/63 an der Universit\u00e4t die landwirtschaftlichen Fachvorlesungen, und mit ihm wirkten als besonders angestellte Lehrer die Professoren Eichhorn und Koch. Der f\u00fcr das Institut schon l\u00e4ngere Zeit t\u00e4tige Privatdozent Dr. Schulz-Fleeth starb leider schon 1863.\nIm Jahre 1867 wurde unter der besonderen Mitwirkung von L. Wittmack das landwirtschaftliche Museum begr\u00fcndet, welches nach Aufl\u00f6sung der Akademien von Eldena und Proskau auch Teile der betreffenden Sammlungen aufnahm und 1881 mit dem landwirtschaftlichen Lehrinstitut unter dem Namen K\u00f6nigliche Landwirtschaftliche Hochschule vereinigt wurde. Von Proskau siedelten bei dieser Gelegenheit die Professoren Geheimrat Dr. Settegast, Dr. B\u00f6rnstein und Dr. Gr\u00fcner nach Berlin mit \u00fcber. Aus dem Angegebenen erhellt, dag wir eine Jahrhundertfeier der Begr\u00fcndung des landwirtschaftlichen Hochschul-Unterrichts in der Mark Brandenburg begehen. Die Begr\u00fcndung der landwirtschaftlichen Lehranstalt zu M\u00f6glin steht in unmittelbarer Beziehung zu der Entwicklung einer der gr\u00f6gten Epochen der deutschen Landwirtschafts-Geschichte, als welche die Zeit vor 100 Jahren angesehen werden mug. Der \u00dcbergang der Dreifelderwirtschaft und der Koppelwirtschaft zur Fruchtwechselwirtschaft, die Einf\u00fchrung neuer verbesserter Maschinen und Ger\u00e4te, die Einf\u00fchrung vermehrten Kartoffel- und des Zuckerr\u00fcbenbaues u. a. waren groge Tatsachen zur Hebung der Bodenkultur, welche bis zur Gegenwart fortwirken und dem jetzigen Ackerbau einen grogen Teil seines Gepr\u00e4ges gegeben haben. Wenn auch Verschiedenes modifiziert ist, und die Einwirkungen der Lehre von der Z\u00fcchtung und Ern\u00e4hrung, der Liebigschen Ersatzwirtschaft, die genauere W\u00fcrdigung der physiologischen und pathologischen wie vieler betriebswirtschaft-\n*) Seit 1871 ordentlicher Professor an der Universit\u00e4t Gie\u00dfen und Geh. Hofrat.","page":0},{"file":"a0007.txt","language":"de","ocr_de":"Vorwort.\nVII\nlicher und technischer Verh\u00e4ltnisse (Vermessungswesen, Dr\u00e4nage, Kulturtechnik, technische Gewerbe u. a.) nicht zu untersch\u00e4tzen sind, so sind doch die erw\u00e4hnten Tatsachen der ersten M\u00f6gliner Zeit als die wichtigsten Ausgangspunkte der neueren Entwicklung unseres Gewerbes zu betrachten, wof\u00fcr die Thaerschen \u201eGrunds\u00e4tze der rationellen Landwirtschaft\u201c als eins der gr\u00f6\u00dften Dokumente f\u00fcr den landwirtschaftlichen Fortschritt zu bezeichnen sind. Es w\u00fcrde einUnrecht gegen die Geschichte sein, wollten wir dieser gro\u00dfen Tatsachen nicht mit besonderer Anerkennung gedenken.\nDies ist hier umsomehr hervorzuheben, als die Festschrift sich wesentlich auf die 25j\u00e4hrige Entwicklung der Hochschule bezieht und deren Geschichte und Erfolge sowie die Hilfsmittel dazu in der Darstellung besonders zu ber\u00fccksichtigen hatte.\nDie Festschrift bringt anschlie\u00dfend das Wesentlichste aus dem Programm und die allgemeine Organisation, sie erh\u00e4lt aber ihren besonderen Wert durch die Ausf\u00fchrungen der einzelnen Institutsvorsteher und Dozenten \u00fcber die verschiedenen Spezialgebiete, welche an der Hochschule vertreten sind. Und indem die Hochschule mit ihren drei Abteilungen (Fakult\u00e4ten):\n1.\tf\u00fcr Landwirtschaft,\n2.\t\u201e Geod\u00e4sie und Kulturtechnik,\n3.\t\u201e landwirtschaftlich-technische Gewerbe\ndas landwirtschaftliche Gewerbe nach den verschiedensten Richtungen und in gro\u00dfer Vollst\u00e4ndigkeit vertritt, so ergibt sich daraus die gro\u00dfe Vielseitigkeit der Darstellung der Festschrift. Diese Vielseitigkeit in den Einrichtungen und der Organisation der Hochschule ist durch das Wohlwollen des Vorgesetzten Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, durch das entschiedene Eintreten verschiedener Kuratoren, aus den Ministerien f\u00fcr Landwirtschaft und f\u00fcr die Unterrichtsangelegenheiten, au\u00dfer Geh. Oberregierungsrat Dr. H. v. Nathusius namentlich durch die gro\u00dfe Umsicht des gegenw\u00e4rtigen, \u00fcber 25 Jahre f\u00fcr die Hochschule t\u00e4tigen Kurators, Ministerialdirektors Dr. Thiel, in Verbindung mit dem zweiten Kurator Ministeraldirektor Dr. Althoff, Exz., in den letzten Jahren unterst\u00fctzt von dem Dezernenten Geh. Oberregierungsrat Dr. Fleischer, besonders gef\u00f6rdert worden.\nIch kann nicht umhin, der neuerdings wieder aufgeworfenen Kontroverse noch zu gedenken, ob der landwirtschaftliche Hochschul-Unterricht \u00fcberall mit den Universit\u00e4ten vereinigt werden soll oder nicht. In zwei bedeutsamen Rektoratsreden der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg (1902) und Leipzig (1903) wird f\u00fcr die Universitas litterarum, welche au\u00dfer Landwirtschaft auch Forstwirtschaft, Veterin\u00e4rmedizin, Technik, Bergwesen, Kunst u. a. umfassen soll, bestimmt eingetreten, w\u00e4hrend der gegenw\u00e4rtige Rektor der Universit\u00e4t Berlin in der letzten Rektoratsrede bei \u00dcbernahme dieses Amtes darauf aufmerksam macht, da\u00df eine","page":0},{"file":"a0008.txt","language":"de","ocr_de":"VIII\nVorwort.\nlokale Vereinigung aller dieser Bildungsanstalten in der Hauptstadt nicht durchzuf\u00fchren sei.\nBekannt ist, wie infolge der viel angezogenen Rede Liebigs in der Akademie der Wissenschaften zu M\u00fcnchen vom 28. November 1861 ein langj\u00e4hriger heftiger literarischer Streit sich entspann, ob landwirtschaftliche Universit\u00e4ts-Institute oder isolierte landwirtschaftliche Akademien mehr am Platze seien. Der Streit hat im allgemeinen auch bei den erhalten gebliebenen isolierten Akademien zu einer Erweiterung der Organisation und Vertiefung des wissenschaftlichen Unterrichts gef\u00fchrt, sodag derselbe sehr n\u00fctzlich gewirkt hat.\nIn Berlin ist die Vereinigung aller Hochschulen zu einer einzigen schon deshalb von geringerer Bedeutung f\u00fcr das Studium, weil zwischen allen diesen Hochschulen Freiz\u00fcgigkeit besteht und jeder bei einer Hochschule immatrikulierte Studierende berechtigt ist, auch die Vorlesungen der anderen Hochschulen zu belegen. Es ist hier deshalb sowohl in allgemein-wissenschaftlicher Hinsicht wie im speziellen die weitgehendste Erg\u00e4nzung des Studiums m\u00f6glich.\nF\u00fcr die Mitwirkung bei der Bearbeitung dieser Festschrift habe ich allen Mitgliedern des Lehrerkollegiums, namentlich dem bei der Redaktion keine M\u00fche scheuenden Kollegen L. Wittmack besonderen Dank auszusprechen. Ich habe augerdem dieser in hohem Grade dankenden Anerkennung gegen\u00fcber der Verlagshandlung Paul Parey (Inhaber Arthur Georgi) f\u00fcr die ganz auf ihre Kosten hergestellte sch\u00f6n ausgestattete und reich illustrierte Festschrift als Festgabe f\u00fcr die landwirtschaftliche Hochschule an dieser Stelle namentlich Ausdruck zu geben. Ich glaube aussprechen zu k\u00f6nnen, dag die Festschrift f\u00fcr lange Zeit von hohem Werte f\u00fcr die Hochschule sein wird. Sie zeigt, zu welcher Mannigfaltigkeit und eingehender Vertiefung der Studien und der Forschung auf dem Gebiete der Landwirtschaft mit ihren Hilfswissenschaften, der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik und des grogen Gebiets der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe die Hochschule Gelegenheit gibt. M\u00f6ge sie unserem grogen Gewerbe immer mehr zu dienen verm\u00f6gen.\nBerlin, im Januar 1906.\nA. Orth,\nderzeitiger Rektor.","page":0},{"file":"a0009content.txt","language":"de","ocr_de":"Inhalt\nSeite\nI.\tEinleitung............................................................. 1\nII.\tGeschichtliches......................................................... 4\nIII.\tEntwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule........................17\nIV.\tBeschreibung der Baulichkeiten der landwirtschaftlichen\nHochschule...................................................26\na)\tHauptgeb\u00e4ude (Abb. 1\u20147)............................................26\nb)\tHintergeb\u00e4ude (Abb. 8\u20149)...........................................36\nc)\tErweiterungsbau (Abb. 10\u201416).......................................39\nV.\tOrgane f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule .\t.\t44\n1.\tKuratorium....................................................44\n2.\tRektoren......................................................45\n3.\tEngeres Lehrerkollegium.......................................46\n4.\tWeiteres Lehrerkollegium......................................49\na)\tHonorardozenten..........................................49\nb)\tPrivatdozenten...........................................51\n5.\tBureau. Etat. Hausverwaltung. Unterbeamte.....................53\nVI.\tLandwirtschaftliche Abteilung..........................................56\n1.\tMaschinen- und Modell-Abteilung (Abb. 17).........................56\n2.\tNeue Maschinenhalle, Chausseestrage (Abb. 18\u201419)..................61\n3.\tVersuchsanstalt f\u00fcr landwirtschaftliche Maschinen und maschinen-\ntechnisches Laboratorium.....................................64\n4.\tModelle f\u00fcr landwirtschaftliches Bauwesen.....................68\n5.\tZoologisches Institut und zoologische Sammlungen\t(Abb.\t20\u201421)\t69\n6.\tVorlesungen \u00fcber landwirtschaftliche Insektenkunde............74\n7.\tZootechnisches Institut und zootechnische Sammlungen\t(Abb. 22\u201423)\t75\n8.\tUnterricht in der Rindviehzucht...............................88\n9.\tVegetabilische Abteilung des Museums (Abb. 24)................89\n10.\tAgronomisch-pedologisches Institut (Abb. 25 \u2014 27)............. 97\n11.\tMineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung (Abb.\t28\u201429)\t.\t112\n12.\tVorlesung \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moor-\nkultur .........................................................129\n13.\tAbteilung f\u00fcr Binnenfischerei.................................134\n14.\tPhysikalisches Kabinet und meteorologische Station (Abb. 30)\t.\t.\t137\n15.\tBotanisches Institut (Abb. 31\u201432)................................143\n16.\tGem\u00fcsebau. \u2014 Obstbau. \u2014 Weinbau. \u2014 Allgemeiner Gartenbau .\t150\n17.\tForstwirtschaft..................................................151\n18.\tVorlesung \u00fcber Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz ....\t152\n19.\tChemisches Laboratorium (Abb. 33\u201434)............................ 152","page":0},{"file":"a0010.txt","language":"de","ocr_de":"X\nInhalt.\nSeite :\n20.\tTierphysiologisches Institut (Abb.\t35).............................160\n21.\tAgrikulturchemische Versuchsstation (Abb. 36\u201437).................. 165\n22.\tBetriebslehre, betriebswirtschaftliches Seminar und Geschichte der\nLandwirtschaft...................................................174\n23.\tStudium der National\u00f6konomie auf der K\u00f6niglichen landwirtschaft-\nlichen Hochschule ...............................................175\n24.\tRechtskunde .......................................................181\n25.\tLandwirtschaftliche Handelskunde, Genossenschaftswesen und Wohl-\nfahrtspflege ....................................................181\n26.\tTierarzneikunde....................................................182\nVII.\tGeod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studien-\neinrichtungen ...................................................186\n1.\tAllgemeiner \u00dcberblick (Abb.\t38\u201440)............................... 186\n2.\tMathematisches Seminar............................................192\n3.\tSeminar f\u00fcr geographische Ortsbestimmung..........................195\n4.\tKulturtechnisches Seminar.........................................198\n5.\tBautechnisches Seminar............................................200\n6.\tGeod\u00e4tisches Seminar ...\t...............................201\n7.\tMeg\u00fcbungen .......................................................205\n8.\tGeod\u00e4tische Sammlung..............................................206\nVIII.\tLandwirtschaftlich-technische Abteilung................................211\n1.\tInstitut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation\t(Abb. 41\u201457)\t. 211\nA.\tBedingungen f\u00fcr den Eintritt....................................233\na)\tF\u00fcr Studierende des Brauereifaches...........................233\nI.\tBrauerschule, Wintersemester (Winterkursus)................233\nII. Brauerschule, Sommersemester (Kursus f\u00fcr Betriebskontrolleure) ..............................................234\nb)\tF\u00fcr Studierende des Brennereifaches, der Preshefefabrikation,\nder St\u00e4rkefabrikation, f\u00fcr Essigfabrikanten und Interessenten des Kornhauswesens.........................................234\nB.\tPr\u00fcfungen.......................................................235\nI.\tWinter- und Sommerkursus f\u00fcr die Studierenden des Brauerei-\nfaches ....................................................235\nII.\tPr\u00fcfung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure.............................235\nIII Pr\u00fcfung f\u00fcr Brennmeister.....................................236\n2.\tInstitut f\u00fcr Zucker-Industrie (Abb. 58 \u2014 60)......... ... 242\n3.\tVersuchsanstalt des Verbandes Deutscher M\u00fcller an der K\u00f6niglichen\nlandwirtschaftlichen Hochschule (Abb. 61)........................248\n4.\tVersuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung, G. m. b.\tH. (Abb. 62-63)\t251\nIX.\tBibliothek.............................................................257\nX.\tDie Studierenden........................................................260\n1.\tBedingungen f\u00fcr den Eintritt.......................................260\n2.\tZahl der Studierenden (Abb. 64)................................... 261\n3.\tAlter der Studierenden und praktische Vorbildung...................269\n4.\tWissenschaftliche Vorbildung.......................................271\n5.\tPr\u00fcfungen.\na)\tAbgangspr\u00fcfung f\u00fcr Studierende der Landwirtschaft...............272\nb)\tPr\u00fcfung f\u00fcr Lehrer der Landwirtschaft an den Landwirtschafts-\nschulen ......................................................274","page":0},{"file":"a0011.txt","language":"de","ocr_de":"Inhalt.\nXI\n.Seite :\nc)\tPr\u00fcfung f\u00fcr Tierzuchtinspektoren..............................276\nd)\tPr\u00fcfung f\u00fcr Landmesser.......................................276\ne)\tDiplompr\u00fcfung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure........................277\n6.\tPreisaufgaben......................................... ...\t279\n7.\tReisestipendium..................................................279\n8.\tSonstige Gelegenheiten\tf\u00fcr\tweitere\tAusbildung..................279\na)\tAusbildung in Weinbergsarbeiten...............................280\nb)\tAusbildung im\tPflanzenschutz.................................280\nc)\tAusbilduug im\tVersuchswesen.................................280\nXI.\tUnterrichtskurse f\u00fcr\tpraktische\tLandwirte............................281\nXII.\tSchlugbetrachtung....................................................283\nAnhang: I. Satzungen der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin 285\nII.\tLehrpl\u00e4ne.......................................................296\nIII.\tPr\u00fcfungen...............................................305\nIV.\tBestimmungen, betreffend die Stellung von Preisaufgaben und\ndie Erteilung von Preisen..............................312\nV.\tReisestipendium.........................................314\nVI.\tStudienhonorare und sonstige\tZahlungen..................314\nVII.\tAusschu\u00df der Studierenden................................315","page":0},{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"I.\nEinleitung.\n\u25a0em viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern. \u2014 Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, h\u00e4lt es die landwirtschaftliche Hochschule, die vom Staat so reich ausgestattet ist, f\u00fcr ihre Pflicht, beim Abschlug ihres f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrigen Bestehens einen Bericht zu erstatten \u00fcber das, was ihr gegeben wurde, und zu zeigen, wie sie das ihr anvertraute Pfund verwertete.\n\u00dcber die Art des landwirtschaftlichen Unterrichts und ganz besonders des h\u00f6heren sind die Ansichten in den verschiedenen L\u00e4ndern verschieden, namentlich schon in Bezug auf die Frage, ob die Studierenden vor dem Besuch der h\u00f6heren Lehranstalt die Praxis der Landwirtschaft erlernt haben sollen oder nicht. In den meisten L\u00e4ndern geht der junge Mann sofort vom Gymnasium oder der Realschule etc. auf die h\u00f6here Lehranstalt, und erst k\u00fcrzlich ist von berufener Seite dieses System verteidigt worden. *)\nIn Deutschland aber wird \u00fcberall eine mindestens einj\u00e4hrige Praxis, m\u00f6glichst gar eine mehrj\u00e4hrige als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt, wenn auch nicht gerade gefordert. (Siehe unten bei dem Abschnitt \u00fcber die Studierenden das Alter derselben.)\nHerrschte \u00fcber diesen Punkt von jeher in Deutschland meist Einigkeit, so ist eine andere Frage, ob Universit\u00e4tsinstitut, ob Akademie oder sonst selbst\u00e4ndige Anstalt lange Jahre Gegenstand ernsten Streites gewesen.\nJa, in den letzten Jahren ist von hervorragenden Vertretern der Universit\u00e4ten W\u00fcrzburg und Leipzig sogar der Wunsch ausgegangen, alle h\u00f6heren Lehranstalten, technische, landwirtschaftliche, tier\u00e4rztliche Hochschulen, Berg- und Forstakademien usw. mit den Universit\u00e4ten\n*) Dr. Adolf Ritter von Liebenberg, Professor an der Hochschule f\u00fcr Bodenkultur in Wien, ,,De l\u2019Education agricole pratique dans les instituts sup\u00e9rieurs\u201c in II. Congr\u00e8s international de l\u2019Enseignement agricole \u00e0 Li\u00e8ge 1905. Louvain 1905. Vol. I. sect. I. p. 13.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n\u00ee","page":1},{"file":"p0002.txt","language":"de","ocr_de":"2\nI. Einleitung.\nzu verbinden, *) eine Forderung, f\u00fcr welche die Berliner Universit\u00e4t vermutlich in absehbarer Zeit sich nicht gewinnen lassen w\u00fcrde, wie ihr zeitiger Rektor, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Diels, in seiner Antrittsrede am 15. Oktober 1905 erkl\u00e4rte.**) \u2014 Auch ein Vertreter der technischen Hochschulen, Prof. O. K\u00e4mmerer, spricht die Ansicht aus, dag wohl noch erst eine Generation werde kommen und gehen m\u00fcssen, ehe es Zeit sei, unsere Hochschulen zu einer ,,Universitus literarum et artium\u201c zu vereinigen.***) \u2014 In der Schweiz trug man sich schon vor f\u00fcnfzig Jahren mit dem Gedanken, eine Gesamthochschule zu errichten, wie Prof. Dr. Oechsli eingehend auseinander setzt.****)\nIm allgemeinen urteilt man aber heutzutage doch ruhiger \u00fcber diese Streitfrage. Man sieht neben bl\u00fchenden landwirtschaftlichen Instituten, die mit einer Universit\u00e4t verbunden sind, auch bl\u00fchende selbst\u00e4ndige Anstalten bestehen, so die Kgl. bayerische Akademie Weihenstephan, welche vom 2.\u20144. Juni 1905 ihr hundertj\u00e4hriges Bestehen feiern konnte, die Kgl. landwirtschaftliche Anstalt zu Hohenheim, gegr\u00fcndet 1818, die Kgl. landwirtschaftliche Akademie Bonn-Poppelsdorf, gegr\u00fcndet 1847, und endlich die Kgl. landwirtschaftliche Hochschule in Berlin, gegr\u00fcndet 1881.\nIn vielen andern L\u00e4ndern hat man fast nur selbst\u00e4ndige Anstalten. In \u00d6sterreich finden wir als h\u00f6chste Lehrst\u00e4tte die k. k. Hochschule f\u00fcr Bodenkultur in Wien, in Ungarn die landwirtschaftliche Akademie Ungarisch-Altenburg, in Frankreich das Institut national agronomique zu Paris und die Ecole nationale d\u2019agriculture zu Grignon, in Italien u. a. die Scuola superiore di Agricoltura zu Portici, in D\u00e4nemark die Landbo-\n*) Die neue Universit\u00e4t und die neue Mittelschule. Festrede zur Feier des 320j\u00e4hrigen Bestehens der Kgl. Julius Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg, gehalten am 12. Mai 1902 von Dr. Martin von Schanz, o. \u00f6. Professor der klassischen Philologie, z. Z. Rektor der Universit\u00e4t. W\u00fcrzburg. Druck der Kgl. Universit\u00e4tsdruckerei von H. St\u00fcrtz 1902. 8\u00b0. 64 S.\nRektoratswechsel an der Universit\u00e4t Leipzig am 31. Oktober 1903. Rede des antretenden Rektors Dr. Karl B\u00fccher (Professor der National\u00f6konomie) \u00dcber alte und neue Aufgaben der deutschen Universit\u00e4ten. Leipzig. Druck von Alexander Edelmann, Universit\u00e4ts-Buchdruckerei. 8\u201d. 19 S.\n**) Hermann Diels, Die Szepter der Universit\u00e4t. Berlin 1905. Universit\u00e4ts-Buchdruckerei von Gustav Schade. S. 14.\n***) K\u00e4mmerer, Charlottenburg, Technische Hochschulen oder techn. Fakult\u00e4ten? in Zeitschrift d. Ver. deutscher Ingenieure. Bd. 48, 1904, S. 1177.\u2014 Siehe auch Geh. Reg. Rat Prof. Dr. Riedler, Die Technischen Hochschulen und ihre wissenschaftlichen Bestr ebungen. Rede zum Antritt des Rektorates der Kgl. Technischen Hochschule zu Berlin 1899.\n****) Festschrift zur Feier des f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Bestehens des Eidgen\u00f6ssischen Polytechnikums (in Z\u00fcrich). 2 Teile 4\u00b0.\t1905.\t1. Teil:\nGeschichte der Gr\u00fcndung des Eidgen\u00f6ssischen Polytechnikums mit einer \u00dcbersicht seiner Entwickelung 1855\u20141905 von Wilhelm Oechsli.","page":2},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"I. Einleitung.\n3\nhoiskol zu Kopenhagen, in Schweden die selbst\u00e4ndigen landwirtschaftlichen Institute zu Alnarp und zu Ultuna.\nIn Belgien finden wir beiderlei Arten: eine selbstst\u00e4ndige landwirtschaftliche Akademie, das Institut agricole zu Gembloux, gegr\u00fcndet 1860, und das landwirtschaftliche Institut der Universit\u00e4t Louvain (L\u00f6wen), gegr\u00fcndet 1878. In Grogbritannien undlrlandneigtmanmehr zu Universit\u00e4tsinstituten und in den Vereinigten Staaten desgleichen; doch gibt es auch da selbst\u00e4ndige landwirtschaftliche Colleges.\nAlle diese verschiedenen Anstalten erfreuen sich im allgemeinen eines guten Gedeihens, ein Beweis, dag es weniger auf die Form, als auf den Geist, auf die guten Einrichtungen und vor allem auf die Lehrer ankommt.\nIn gewisser Hinsicht n\u00e4hert man sich an manchen Orten wieder den Akademien, indem man auch f\u00fcr Universit\u00e4ts-Institute und Hochschulen mit Recht eine Versuchswirtschaft fordert und zum Teil schon erhalten hat.\n,,On en revient toujours \u00e0 ses premiers amours\u201c kann es auch hier heigen;*) nur darin besteht ein Unterschied gegen fr\u00fcher, dag wohl nirgends eine isolierte Anstalt mehr begr\u00fcndet wird, sondern dag die h\u00f6heren Lehranstalten immer m\u00f6glichst an einen Ort gelegt werden, an welchem sich eine Universit\u00e4t oder andere Hochschulen befinden.\nWas speziell die preugischen selbst\u00e4ndigen Anstalten betrifft, so ist Poppelsdorf so eng mit der Universit\u00e4t Bonn verbunden, dag die Studierenden sogar an der Universit\u00e4t immatrikuliert werden. Letzteres ist an der Berliner landwirtschaftlichen Hochschule zwar nicht der Fall, aber im Kuratorium ist die Universit\u00e4t indirekt vertreten, indem ein Mitglied desselben, z.Z. Se. Exzellenz der Herr Ministerialdirektor Althoff, dem Ministerium f\u00fcr die geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten angeh\u00f6rt. Die Studierenden der Hochschule sind auch zum Besuch der Vorlesungen an der Universit\u00e4t, der technischen Hochschule, der tier\u00e4rztlichen Hochschule etc. berechtigt, ebenso umgekehrt.\nFerner ist sowohl in Poppelsdorf wie in Berlin eine enge Verbindung mit der Universit\u00e4t dadurch hergestellt, dag mehrere Lehrer zugleich Lehrer an der Universit\u00e4t sind.\n*) L. Wittmack, \u201eL\u2019Enseignement agricole sup\u00e9rieur en Allemagne\u201c in IL Congr\u00e8s international de l\u2019Enseignement agricole \u00e0 Li\u00e8ge 1905. Louvain 1905. Vol. I. sect. I. p. 136.\n1*","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"IL\nGeschichtliches.\nDer Geburtstag unserer Hochschule f\u00e4llt nahe zusammen mit dem Geburtstage Seiner Majest\u00e4t des Kaisers und K\u00f6nigs Wilhelm II. Da sei darauf hingewiesen, dag es einer der Hohenzollern war, welcher die erste Grundlage zu einem wissenschaftlichem Studium der Landwirtschaft an den Universit\u00e4ten legte.\nFriedrich Wilhelm I. war es, der 1727 einen eigenen Lehrstuhl f\u00fcr Landwirtschaft und Kameralwissenschaften an der Universit\u00e4t Halle a. S. und an der damaligen Universit\u00e4t Frankfurt a. 0. errichtete. F\u00fcr Halle berief er den bisherigen Dom\u00e4nenrat und Professor J. Peter Gasser, f\u00fcr Frankfurt Christoph Dithmar. Es sollten \u201ediese Professores Oeco-nomiae den Studiosen die Prinzipien der Landwirtschaft sowie die Einrichtung der Anschl\u00e4ge von Aemtern, nicht weniger guter Verfassung und Regulirung der St\u00e4dte beibringen,\u201c wie es in einem halbamtlichen Schreiben an Gasser hieg*).\nGasser mugte sich dem K\u00f6nige vorstellen, und \u00fcber die stattgehabte Audienz berichtet er: \u201eDer K\u00f6nig habe die erste Stunde ein Collegio oeconomico-camerali selbst gehalten und dabei dergestalt docirt, dag er (Grasser) nicht mehr w\u00fcnschen m\u00f6chte, als von der Capacit\u00e4t zu sein, in denen andern hierzu destinirten Stunden auf gleiche Weise conti-nuiren zu k\u00f6nnen.\u201c Nicht weniger habe der K\u00f6nig seine Willens-\n*) Siehe Rud. Stadelmann, Friedrich Wilhelm I. in seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Landeskultur Preu\u00dfens (Publikationen aus dem K\u00f6niglich preu\u00dfischen Staatsarchiv 2. Band. Leipzig 1878. S. 156). \u2014 J. K\u00fchn, das Studium der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Halle. Festschrift zum 25 j\u00e4hrigen Bestehen des landwirtschaftlichen Instituts der Universit\u00e4t. Halle a. S. 1888. S. 1. - K. v. R\u00fcmker in Mitteilungen der landwirtschaftlichen Institute der K\u00f6niglichen Universit\u00e4t Breslau. 3. Band. Heft 2, S. 263. \u2014 v. R\u00fcmker gibt hier und schon fr\u00fcher an'verschiedenen, dort zitierten Stellen eine treffliche, kurz und b\u00fcndig abgefa\u00dfte Geschichte des landwirtschaftlichen Unterrichtswesens in Deutschland. Als \u00e4ltere Quellen seien genannt: Fraas, Geschichte der Landwirtschaft, Prag 1852. Fraas, Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft. M\u00fcnchen 1865. v. d. Goltz, Geschichte der Deutschen Landwirtschaft. 2 Bde. Berlin 1902, 1903. W. Loebe, die landwirtschaftlichen Lehranstalten Europas. Stuttgart und T\u00fcbingen 1849.","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"II. Geschichtliches.\n5\nmeinung wegen der neuen Professur umst\u00e4ndlich und nachdr\u00fccklich er\u00f6ffnet und dabei den Wunsch ausgesprochen, dag von der studierenden Jugend die Wissenschaft eifrig gepflegt werden m\u00f6ge.\nRoscher bezeichnet die Errichtung dieser Lehrst\u00fchle als Epoche machend f\u00fcr die Geschichte der Volkswirtschaftslehre; sie war es aber auch f\u00fcr die Geschichte der Landwirtschaftslehre, denn gar bald wurden auch an anderen Orten Professuren f\u00fcr \u00d6konomie und Kameralwissen-schaften errichtet, in Rinteln 1730, Prag 1742, Braunschweig 1745, Wien 1752, Erfurt 1763, Prag 1766, G\u00f6ttingen 1768*). Man hat an den Kameralisten getadelt, dag sie zu sehr das Verwaltungsrecht, was freilich f\u00fcr die damaligen Verh\u00e4ltnisse die Hauptsache war, betonten, dag viele nur Juristen gewesen seien und von der Praxis der Landwirtschaft nicht viel verstanden h\u00e4tten; aber die M\u00e4nner, welche Friedrich Wilhelm I. berief, waren Praktiker und viele sp\u00e4tere sind es auch gewesen.\nImmerhin f\u00fchrte der Mangel an Praxis dazu, dag die Kurpf\u00e4lzisch\u00f6konomische Gesellschaft zu Lautern (Kaiserslautern) 1774 eine \u201ehohe Kameralschule\u201c, mit der ein Landgut \u201eSiegelbach\u201c verbunden war, errichtete und so die Grundlage zu den sp\u00e4teren landwirtschaftlichen Akademien legte. Freilich ward diese Hochschule schon 1784 wieder aufgehoben und als Ersatz daf\u00fcr ein Kamerallehrstuhl an der Universit\u00e4t Heidelberg geschaffen.\nAber auch einzelne Kameralisten an den Universit\u00e4ten sahen ein, dag es ohne ein Versuchsgut nicht ginge. G. H. Borowski, Erb-, Lehn-und Gerichtsherr auf Greeden, Professor der \u00d6konomie und Naturgeschichte an der Universit\u00e4t Frankfurt a. 0., machte 1789 dem Staatsund Justizminister von W\u00f6llner den Vorschlag, eine landesherrschaftliche praktisch-\u00f6konomische Akademie zu gr\u00fcnden**) und 1795 ver\u00f6ffentlichte er \u201ePlan und Ank\u00fcndigung einer privaten theoretischen und praktisch\u00f6konomischen Lehranstalt f\u00fcr Landwirte der h\u00f6heren Klasse, welche mit allerh\u00f6chster Approbation und Best\u00e4tigung Seiner Majest\u00e4t des K\u00f6nigs von Preugen zu Frankfurt a. 0. errichtet und den 1. Mai 1795 er\u00f6ffnet werden soll.\u201c\nDas Aufbl\u00fchen der Naturwissenschaften gegen Ende des 18. Jahrhunderts wirkte auch auf die Landwirtschaft g\u00fcnstig ein und verhalf der Landwirtschaftslehre zu gr\u00f6gerem Ansehen. So wurden an einigen Universit\u00e4ten sogar eigene \u00f6konomische Fakult\u00e4ten eingerichtet; als erste 1777 die \u00f6konomische (kameralistische, staatswirtschaftliche) Fakult\u00e4t in Giegen, 1782 die an der Akademie in Stuttgart.\n*) Meitzen, Der Boden und die landwirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse Preu\u00dfens Bd. Ill, S. 499. \u2014 Nach ihm, Bd. II S. 12, hat schon Thomasius in Halle um 1700 Landwirtschaft als Teil der Kameralistik gelesen.\n**) Borowski, Ideal einer praktisch-\u00f6konomischen Landes - Akademie Berlin 1789.","page":5},{"file":"p0006.txt","language":"de","ocr_de":"6\nII. Geschichtliches.\nMit dem Auftreten Albrecht Thaers, geboren zu Celle den 14. Mai 1752, kam neues Leben in den landwirtschaftlichen Unterricht. Er, der Hofmedikus des K\u00f6nigs von England, Kurf\u00fcrsten von Hannover, besag als Arzt eine gr\u00fcndliche naturwissenschaftliche Bildung und stellte in seinem Garten, sowie auf einem kleinen Gut Versuche \u00fcber rationelle Landwirtschaft an, machte sich besonders aber r\u00fchmlichst bekannt schon durch sein erstes Werk: Einleitung zur Kenntnis der englischen Landwirtschaft, 3 B\u00e4nde, 1795\u20141804, und gar bald sammelte sich ein Kreis von Sch\u00fclern um ihn. Wie wir der Festschrift von Professor Dr. L. Steuert \u201eDie K\u00f6niglich bayerische Akademie Weihenstephan zur Jahrhundertfeier 1905\u201c entnehmen, sandte die Kurbayerische Regierung Max Sch\u00f6nleutner nach Celle, wo er von 1801\u20141803 blieb. Bis zu dessen Ankunft hatten die Sch\u00fcler Thaers, zu denen auch v. Th\u00fcnen z\u00e4hlte, ausschlieglich praktischen Unterricht erhalten und nur vereinzelt Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt. Durch das Vertrauen aber, welches die bayerische Regierung Thaer durch die Entsendung Sch\u00f6nleutners bewiesen, f\u00fchlte sich Thaer angeregt, sein Institut besser zu organisieren und zusammenh\u00e4ngende Lehrvortr\u00e4ge zu halten. So hat Bayern indirekt sich das Verdienst erworben, die eigentliche Schule Thaers veranlagt zu haben. In Weihenstephan aber wurde neben der 1803 dahin verlegten Forstelevenschule am 1. Januar 1804 auch ein Lehrstuhl f\u00fcr Landwirtschaft errichtet und dieser Sch\u00f6nleutner \u00fcbertragen. So entstand in Weihenstephan die staatliche landwirtschaftliche Schule auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage, verbunden mit einer Versuchswirtschaft und einer Pr\u00fcfungsanstalt. Mit Recht geb\u00fchrt Bayern daher der Ruhm, den ersten Versuch in der neueren Richtung gemacht zu haben.\nThaer aber wurde von K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. auf Vorschlag von v. Itzenplitz und v. Hardenberg 1804 zur Fortsetzung seiner \u201egemeinn\u00fctzigen Arbeiten f\u00fcr die Verbesserung der Landwirtschaft\u201c nach Preugen berufen; er kaufte das Gut M\u00f6glin bei Wriezen, am Rande des Oderbruches, und richtete hier eine private Lehranstalt ein, welche der K\u00f6nig mittelst Kabinettsordre vom 24. Mai 1806 in seinen besonderen Schutz nahm, da er sich von derselben \u201ef\u00fcr die Erweiterung und Verbesserung der Landwirtschaft\u201c und f\u00fcr Verbreitung landwirtschaftlicher Kenntnisse zum Besten des \u00f6ffentlichen Dienstes so viel Erspriegliches versprach.\nThaer hat das in ihn gesetzte Vertrauen vollauf gerechtfertigt, nicht nur durch Verbesserung der Produktionslehre und Hebung des rationellen Wirtschaftsbetriebes, sondern auch durch seine Teilnahme an den vorbereitenden Arbeiten f\u00fcr die grogen Gesetze der Stein-Hardenbergschen Zeit, betreffend die Freiheit der Person und des Grund und Bodens.\nViele studierende Landwirte gab es \u00fcbrigens damals noch nicht. Die Durchschnittszahl in M\u00f6glin betrug nur etwa 20, und alle Studierenden agen an des Meisters Tische.","page":6},{"file":"p0007.txt","language":"de","ocr_de":"II. Geschichtliches.\n7\nAls 1810 in der schweren Zeit, wo die Universit\u00e4t Halle f\u00fcr Preu\u00dfen verloren gegangen war, die Universit\u00e4t Berlin gegr\u00fcndet wurde, ward das Institut zu M\u00f6glin auf Antrag des Departements f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Unterricht mit der neuerrichteten Hochschule verbunden und Thaer zum Professor an der Universit\u00e4t ernannt. Er las im Winter in Berlin, im Sommer in M\u00f6glin.\nLeider lie\u00df sich aber wegen der Entfernung M\u00f6glins von Berlin (60 km) der beabsichtigte enge Zusammenhang des Instituts mit der Universit\u00e4t nicht so durchf\u00fchren. Thaer, der bei dem damaligen Stande der Landwirtschaft die praktischen Demonstrationen auf einem mit der Lehranstalt verbundenen Gute f\u00fcr wichtiger hielt, legte daher im Jahre 1819 die Professur an der Universit\u00e4t nieder. Sein Institut erhielt aber in demselben Jahre das Pr\u00e4dikat einer \u201eK\u00f6niglichen akademischen Lehranstalt des Landbaues\u201c und die Bewilligung einer besonderen Unterst\u00fctzung.\nBald wurden, dem Beispiele M\u00f6glins folgend, andere landwirtschaftliche Akademien gegr\u00fcndet, 1818 Hohenheim, 1835 Eldena, 1842 Regenwalde, 1847 Proskau, 1847 Poppelsdorf, 1858 Waldau; in \u00d6sterreich-Ungarn Ungarisch-Altenburg 1818, in Frankreich Grignon 1826, in England Cirencester auf Grund der Liebigschen Anregungen 1845.\nSeitens der Beh\u00f6rden wurde aber die Verbindung M\u00f6glins mit der Universit\u00e4t Berlin immer noch aufrecht erhalten und bestimmt, da\u00df die Studierenden der Staatswissenschaften in den Herbstferien Gelegenheit haben sollten, einen landwirtschaftlichen Lehrkursus in M\u00f6glin durchzumachen.\nIndes schon im Jahre 1826 trat Friedrich Gottlob Schulze in Jena daf\u00fcr ein, da\u00df allein die Universit\u00e4t geeignet sei, dem Landwirt eine h\u00f6here Gesamtbildung zu geben; er errichtete am 2. Mai 1826 das erste deutsche landwirtschaftliche Lehrinstitut und ist somit der Begr\u00fcnder der landwirtschaftlichen Institute an Universit\u00e4ten. *) Ja, in seiner Rede beim Antritt der ordentlichen Professur der Staatswirtschaft zu Jena schlug er sogar eine eigene \u00f6konomische Fakult\u00e4t an den Universit\u00e4ten vor.**)\nBald darnach trat Liebig auf, und mit ihm wurde die Landwirtschaft auf eine ganz andere naturwissenschaftliche Grundlage gestellt. Im Jahre 1840 erschien seine Organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur, 1842 die Tierchemie, 1844 seine chemischen Briefe.\n*) L. Witt mack, Friedrich Gottlob Schulze, der Begr\u00fcnder der landwirtschaftlichen Lehrinstitute an den Universit\u00e4ten. Festrede am Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers und K\u00f6nigs, den 27. Januar 1890. Deutsche landw. Presse 1890. Nr. 17. S. 127.\n**) A. Orth, Denkschrift betreffend das landwirtsch. Lehr-Institut zu Berlin. Als Manuskript gedruckt 1873, S. 3.","page":7},{"file":"p0008.txt","language":"de","ocr_de":"8\nII. Geschichtliches.\n1855 seine Grunds\u00e4tze der Agrikulturchemie, 1856 Theorie und Praxis der Landwirtschaft, 1859 seine naturwissenschaftlichen Briefe \u00fcber die moderne Landwirtschaft.\nSicherlich ist es Liebigs Einflug indirekt mit gewesen, welcher den landwirtschaftlichen Zentralverein f\u00fcr den Regierungsbezirk Potsdam veranlagte, in einer dem Kgl. Landes\u00f6konomie-Kollegium 1847 \u00fcberreichten Denkschrift zu beantragen, dag an der Universit\u00e4t zu Berlin landwirtschaftlicher Unterricht erteilt und zu diesem Zwecke der n\u00f6tige Zentralpunkt in irgend einer Beh\u00f6rde oder Pers\u00f6nlichkeit geschaffen werde.*)\nDas Kgl. Landes\u00f6konomie-Kollegium besch\u00e4ftigte sich 1849 und sp\u00e4ter eingehend mit dieser Frage und best\u00e4tigte das Bed\u00fcrfnis eines besonderen landwirtschaftlichen Lehrinstituts in Berlin, ja einzelne Mitglieder desselben erkl\u00e4rten sich sogar selbst zu Vorlesungen an diesem Lehrinstitut bereit. Unter ihnen befanden sich Beckedorf, Dieterici, Koppe, Lette, Magnus und Mentzel, Vertreter der h\u00f6chsten Regierungskollegien, der Universit\u00e4t und der praktischen Landwirtschaft.\nAber erst zehn Jahre sp\u00e4ter ward ein kleiner Anfang gemacht, nachdem inzwischen auf Anregung von A. St\u00f6ckhardt und Reuning die erste landwirtschaftliche Versuchsstation zu M\u00f6ckern 1851 ins Leben gerufen war. Der Privatdozent der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Berlin, Dr. Schulz-Fleeth, der mit staatlicher Subvention ein kleines Laboratorium zur Bearbeitung agronomischer Fragen f\u00fcr das landwirtschaftliche Ministerium eingerichtet hatte, griff 1857 die Idee eines landwirtschaftlichen Instituts energisch wieder auf und so wurde im bescheidensten Mage ein solches 1859 errichtet.\nIn Halle trug sich der General-Sekret\u00e4r des landw. Zentralvereins der Provinz Sachsen, Dr. Stadelmann, seit 1851 gleichfalls mit dem Gedanken der Errichtung eines landwirtschaftlichen Instituts, und der am 3. Juli 1860 erfolgte Tod des Hofrats Prof. Dr. Friedr. Gottlob Schulze in Jena veranlagte ihn, daf\u00fcr einzutreten, dag nunmehr in Halle ein Institut geschaffen werde. Am 4. September 1860 richtete der Zentralverein ein Gesuch an den Herrn Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten, Grafen v. P\u00fcckler; unter dem 13. Februar 1861 antwortete der Herr Minister, dag die Verbindung einer landwirtschaftlichen Akademie mit einer Universit\u00e4t selten f\u00fcr die erstere fruchtbringend sei, dag aber neuerdings in Berlin ein zwar beschr\u00e4nkter Versuch anscheinend mit g\u00fcnstigem Erfolg gemacht sei, und wenn der Zentralverein geeignete Vorschl\u00e4ge zur Gr\u00fcndung eines \u00e4hnlichen landwirtschaftlichen Instituts an der Universit\u00e4t Halle unter Bezeichnung von geeigneten Pers\u00f6nlich-\nj A. Orth, Denkschrift etc. S. 3.","page":8},{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"II. Geschichtliches.\n9\nkeiten machen wolle, der Minister nicht abgeneigt sei, sich der Pr\u00fcfung solcher Vorschl\u00e4ge zu unterziehen.*)\nKurz darauf kam ein neuer, ja ein gewaltiger Anstog durch Liebig. Am 26. M\u00e4rz 1861 hielt Liebig seine ber\u00fchmte erste Festrede \u00fcber \u201eWissenschaft und Landwirtschaft\u201c in der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Schwere, vielleicht allzuschwere Vorw\u00fcrfe erhob er gegen die landwirtschaftlichen Akademien und sagte, von dem Einflug der Wissenschaften auf die Hebung der Gewerbe und der Industrie redend,\n\u201esie werden auch auf die Landwirtschaft, wie der erhabene Stifter (Kurf\u00fcrst Maximilian Joseph III. 1759) bei der Gr\u00fcndung unserer Akademie bezweckte, eine gleich g\u00fcnstige Wirkung \u00e4ugern, wenn man erkennen wird, dag die Absonderung der landwirtschaftlichen Akademien von den allgemeinen Bildungsanstalten eine Ausschliegung von dem intellektuellen Fortschritte bedingte, und dag der mit der Erlernung des technischen Betriebes verkn\u00fcpfte mangelhafte halbe und einseitige wissenschaftliche Unterricht, der diesen Akademien eigent\u00fcmlich ist, der n\u00e4chste Grund ihrer allm\u00e4hlichen Verk\u00fcmmerung und der Erfolglosigkeit ihrer Wirksamkeit ist.\u201c **)\nObwohl Liebig die groge Bedeutung anerkannte, welche die durch Thaer 1806 gegr\u00fcndete Lehranstalt zu M\u00f6glin f\u00fcr die deutsche Landwirtschaft gewonnen, war es doch vielleicht mit eine Folge dieser Rede, vielleicht auch nur ein zuf\u00e4lliges Zusammentreffen, dag Thaers Sohn, der damalige Besitzer von M\u00f6glin, Landes\u00f6konomierat Thaer, den Antrag auf Aufhebung der Akademie stellte.***) Unter dem 2. Juli 1861 genehmigte der Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Graf von P\u00fcckler, dag die Akademie des Landbaues am 30. September 1861 geschlossen werde, und ferner dag dem Enkel des grogen Meisters, Dr. Albrecht Thaer, die Mitwirkung bei dem im Anschlug an die hiesige Universit\u00e4t von dem Prof. Schulz-Fleeth geleiteten landwirtschaftlichen Lehrinstitut vorl\u00e4ufig auf vier Jahre gew\u00e4hrt werde.\nDie Liebigschen Angriffe auf die landwirtschaftlichen Akademien besch\u00e4ftigten auch das preugische Landes\u00f6konomiekollegium; dieses aber erkl\u00e4rte mit sehr erheblicher Majorit\u00e4t am 20. Dezember 1861 \u201esich im allgemeinen mit der jetzigen Organisation der landwirtschaftlichen\n*) Julius K\u00fchn, das Studium der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Halle. Festschrift zur Feier des 25j\u00e4hrigen Bestehens des landwirtschaftlichen Instituts der Universit\u00e4t Halle a. S. 1888. S. 14.\n**) Reden und Abhandlungen von Justus von Liebig, Leipzig und Heidelberg 1874 S. 194.\n***) Nach einem Schreiben des Geh. Hofrat Prof. Dr. Albrecht Thaer in Gie\u00dfen an uns war es nur ein zuf\u00e4lliges Zusammentreffen. D. Red.","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nII. Geschichtliches.\nAkademien einverstanden und erachtet eine durchgreifende Reform derselben f\u00fcr nicht geboten.\u201c Dementsprechend wohl erteilte der Minister von P\u00fcekler dem landwirtschaftlichen Zentralverein der Provinz Sachsen unter dem 16. Februar 1862 den Bescheid, dag er zwar wegen Errichtung eines Lehrstuhls der Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Halle mit dem Herrn Unterrichtsminister bereits in Schriftwechsel getreten sei, dag aber die Ausf\u00fchrbarkeit weder so gesichert, noch so nahe in Aussicht sei, als dag mit den f\u00fcr diesen Lehrstuhl empfohlenen Personen schon jetzt in Unterhandlungen getreten werden k\u00f6nne. (Vorgeschlagen waren Prof. Rau zu Hohenheim und Dr. Julius K\u00fchn zu Schwusen.)\nAm 21. M\u00e4rz 1862 starb in Berlin der Professor Dr. Schulz-Fleeth, und als Julius K\u00fchn den neueingetretenen Minister f\u00fcr die landwirtschaftlichen Angelegenheiten Grafen von Itzenplitz in einer Audienz um baldige Entscheidung bat, beschied dieser ihn dahin, dag er nicht nach Halle gehen, sondern unter gleichen Bedingungen als Professor Ordinarius in die philosophische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Berlin eintreten solle.\nK\u00fchn erwiderte aber, dag er auf diese Stellung verzichten m\u00fcsse, weil er bei derselben wegen des Umfanges der Grogstadt und der Lage derselben eine erspriegliche Wirksamkeit f\u00fcr seine Wissenschaft nicht zu erhoffen haben w\u00fcrde.\nDie Ausgestaltung des Berliner landwirtschaftlichen Instituts besch\u00e4ftigte aber den Minister v. Itzenplitz lebhaft. Unter dem 29. Juli 1862 schrieb er pers\u00f6nlich an den Geh. Reg.-Rat Kette: \u201eIch denke mir nun, wir m\u00fcssen haben: 1. einen Lehrer der Chemie, der zugleich wissenschaftliche Aush\u00fclfe bei dem Ministerium leistet. Dazu intendiere ich den Eichhorn aus Bonn zu nehmen. 2. bedarf es eines t\u00fcchtigen Lehrers der Landwirtschaft. Dazu w\u00e4re wohl der beste Herr Henneberg in Weende bei G\u00f6ttingen oder Professor Rau in Hohenheim oder Dr. Stengel in Tharand. \u00dcber diese w\u00e4re zu ermitteln, ob sie t\u00fcchtig und zu haben sind. 3. einen Lehrer der landwirtschaftlichen Botanik. 4. Thaer, der sich mit dem ad 2 genannten erg\u00e4nzen m\u00fcgte. \u2014 Diese Herren m\u00fcssen eine Anstalt bilden, welche unter einem Kuratorium steht. Das Kuratorium k\u00f6nnte bestehen aus Geh. Rat Kette, Professor Magnus, der hierzu bereit ist (Professor Magnus war der bekannte Physiker an der Universit\u00e4t) und mir. Die Zuh\u00f6rer m\u00fcgten s\u00e4mtlich immatrikuliert werden, was jetzt auf drei Semester auch ohne Abiturienten-Examen zul\u00e4ssig ist; dann ist die Disziplin Sache der Universit\u00e4t. Die n\u00f6tige Verbindung mit der Universit\u00e4t w\u00e4re dadurch gesichert, dag Magnus in das Kuratorium tritt.\u201c\nAm 23. September 1862 ward ein Statut entworfen, dessen \u00a7 7 besagt, dag, wenngleich die Berufung besonderer Lehrkr\u00e4fte von dem Ministerium f\u00fcr die landwirtschaftlichen Angelegenheiten ressortieren","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"II. Geschichtliches.\n11\nwerde, die Besetzung der Professur der Landwirtschaft dem Ressort des Ministers f\u00fcr die geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegen-heiten bleibe, beide Chefs aber w\u00fcrden dabei tunlichst im Einverst\u00e4ndnis zu handeln suchen.\nLeider ist die damals in Aussicht genommene ordentliche Professur f\u00fcr Landwirtschaft an der Universit\u00e4t Berlin bis heute noch nicht eingerichtet worden.\n\u201eVorl\u00e4ufige Bestimmungen in betreff der landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Berlin\u201c erschienen in den Annalen der Landwirtschaft, Wochenblatt, 1862 S. 412 und wurde da auch der Stundenplan f\u00fcr das Wintersemester 1862/63 abgedruckt.\nEin definitives Reglement \u00fcber die Aufnahmebedingungen (Berechtigung zum Einj\u00e4hrig freiwilligen Dienst in der Armee f\u00fcr den Besuch der Universit\u00e4tsvorlesungen) wurde erst 1866 erlassen.\nAls Lehrer f\u00fcr Chemie an dem erweiterten Institut war Professor Eichhorn t\u00e4tig, als Lehrer der Landwirtschaft Dr. Albrecht Thaer, als Botaniker der bekannte Dendrologe Professor Karl Koch. Diese drei waren etatsm\u00e4\u00dfige Lehrer. Sp\u00e4ter, 1865, trat Professor Hermann Karsten als Pflanzenanatom und Physiologe hinzu. Letztere drei waren zugleich au\u00dferordentliche Professoren an der Universit\u00e4t. An Karstens Stelle trat 1868 Dr. Leopold Kny, an Thaers Stelle 1871 Prof. Dr. Albert Orth.\nDer \u00dcbersicht wegen m\u00f6gen gleich hier auch die an dem Institut nach und nach wirkenden Hilfslehrer (Honorardozenten) genannt werden. Prof. Manger, Baukunde (1863 -1873); Prof. Schaum, landwirtschaftliche Zoologie, besonders Insektenkunde 1864, als sein Nachfolger der Entomologe Dr. Gerst\u00e4cker 1865 \u2014 Wintersemester 1876/77; Dr. Spinola, Tierarzneikunde 1865\u20141871/72; Dr. Schumacher, Ackerbau und Agrikulturphysik 1865\t1865/66; Dr. Stahlschmidt, G\u00e4rungs-\ngewerbe 1865\u20141870; Ingenieur Pereis, Maschinenkunde 1865/66\u20141867; Stadtgerichtsrat Keyssner, Rechtskunde 1865/1866; Prof. Rose, Mineralogie 1867- 1873; Garteninspektor Bouch\u00e9, Gartenbau 1867/1868; Ingenieur Petzold, Maschinenkunde 1867/68\t1869/70; Lehrer der Tier-\nheilkunde M\u00fcller 1868; Ingenieur Fegebeutel, Bodenkunde, nur 1868 1869; Dr. Hartmann, Tierzucht 1869; Prof. H\u00f6rmann, Maschinenkunde 1870\t1873; v.Nathusius,Viehzucht 1870\u20141874 75; Dr.Scheibler,\nlandwirtschaftliche Gewerbe, Zuckerfabrikation 1870/1871; Lehrer der Tierheilkunde Dieckerhoff 1872; Stabs-Rogarzt Bierlich, Hufbeschlag 1872\u2014 1874; Ingenieur Schotte, Maschinenkunde 1873; Landbaumeister Tuckermann, Baukunde 1874; Ober-Ro\u00dfarzt Keller, Hufbeschlag 1874; Ober-Rogarzt Zorn, desgl., 1874/1875; Dr. O. Brefeld, Pilze 1875\u20141879; Dr. L. Wittmack, landwirtschaftliche S\u00e4mereien, Verf\u00e4lschung der Nahrungsmittel 1875; Dr. Lehmann, Ern\u00e4hrung der Pflanzen, F\u00fctterungs-","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nII. Geschichtliches.\nlehre 1876; Ober-Rogarzt K\u00fcttner, Hufbeschlag 1876/77; Dr. Freiherr von Canstein, D\u00fcngerlehre und spezieller Pflanzenbau 1877; Dr. von Kaufmann, National\u00f6konomie 1879; Dr. Zopf, Pilze 1880; Oberf\u00f6rster Krieger, Forstwirtschaft 1880; Dr. Delbr\u00fcck, G\u00e4rungsgewerbe 1880; Dr. De gen er, R\u00fcbenzuckerfabrikation 1880/1881.\nDiejenigen, bei denen das Ende ihrer T\u00e4tigkeit nicht angegeben ist, waren, als das Institut zur Hochschule ernannt wurde, noch t\u00e4tig.\nDie Zahl s\u00e4mtlicher Lehrer betrug 1863 nur vier, doch konnten selbstverst\u00e4ndlich die Studierenden noch Vorlesungen an der Universit\u00e4t h\u00f6ren; allm\u00e4hlich stieg die Zahl der Lehrer und betrug im Sommersemester 1880: 22.\nBemerkenswert erscheint, dag im Winter 1865/66 von dem Botaniker Prof. Karl Koch ein landwirtschaftliches Seminar eingerichtet wurde. Streng genommen waren es aber \u00f6ffentliche Vortr\u00e4ge, welche von den Lehrern des Instituts und auch von anderen M\u00e4nnern gehalten wurden. Im Winter 1867/68 sollten sie fortgesetzt werden. Die Studierenden sollten freien Zutritt haben, andere Personen gegen 2 Mark Eintrittsgeld f\u00fcr den Winter. Wir d\u00fcrfen wohl in diesen Vortr\u00e4gen die Vorl\u00e4ufer zu den jetzigen Vortr\u00e4gen im \u201eKlub der Landwirte\u201c sehen. \u00dcber die Vortr\u00e4ge des Winters 1865/66 finden sich Berichte in den \u201eLandwirtschaftlichen Nachrichten, Beilage zur Preugischen Handelszeitung\u201c 1865 N. 47 ff.\nDoch zur\u00fcck zur Geschichte des landwirtschaftlichen Lehrinstituts selbst.\nLeider waren dessen R\u00e4umlichkeiten ganz ungen\u00fcgend; zuerst war das Lehrinstitut im ersten Stock eines Privathauses in der Behrenstrage 28 untergebracht, sp\u00e4ter, vom Wintersemester 1873 74 ab, in der Dorotheenstr. 38/39 (in den R\u00e4umen des jetzigen zahn\u00e4rztlichen Instituts).\nDazu kam ein sehr knapp bemessener Etat, an dessen Erh\u00f6hung w\u00e4hrend der Kriege 1864 und 1866 auch nicht gedacht werden konnte. Nachdem aber diese Kriege gl\u00fccklich beendet, wurde allseitig eine gr\u00fcndliche Reform ersehnt, und das kam besonders durch die Resolution des Abgeordneten F\u00fchling und Genossen zum Ausdruck, die am 5. Dezember 1866 vom Abgeordnetenhause angenommen wurde.*) Die Resolution lautete:\n\u201eDie K\u00f6nigliche Staatsregierung aufzufordern, dem in Ankn\u00fcpfung an die Berliner Universit\u00e4t gegr\u00fcndeten landwirtschaftlichen Lehrinstitut zu Berlin eine dem Lehrzwecke entsprechende und der Universit\u00e4t w\u00fcrdige Organisation zu geben, und die dazu erforderlichen Kosten auf den Staatshaushaltsetat f\u00fcr 1868 zu bringen.\u201c\n*) Siehe (H. Thiel) Die Landw. Hochschule zu Berlin in Thiels landw. Jahrb\u00fcchern 1881, mit sechs lithogr. Tafeln. S. 484.","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"II. Geschichtliches.\n13\nAuch ein anderer Umstand kam hinzu, die Angelegenheit zu f\u00f6rdern. Angesichts der Pariser Weltausstellung 1867 war vom Landes\u00f6konomie-Kollegium, insbesondere auf Anregung seines Generalsekret\u00e4rs, des Herrn v. Salviati und des Landes\u00e4ltesten Elsner von Gronow-Kali-nowitz beschlossen worden, den Herrn Minister zu bitten, Mittel zu Ank\u00e4ufen auf der Ausstellung f\u00fcr ein zu begr\u00fcndendes landwirtschaftliches Museum fl\u00fcssig zu machen. Auf pers\u00f6nliche Verwendung Seiner K\u00f6niglichen Hoheit des Kronprinzen gelang es, aus dem Allerh\u00f6chsten Dispositionsfonds Seiner Majest\u00e4t des K\u00f6nigs hierf\u00fcr 5000 Taler zu erlangen und damit sowie durch viele Geschenke einen Grundstock zu einem Museum zu erhalten, welches interimistisch in einem Privathause, Sch\u00f6neberger Ufer 26, an der Potsdamer Br\u00fccke, von L. Wittmack eingerichtet wurde. \u2014 Jetzt galt es nicht nur f\u00fcr das Lehrinstitut, sondern auch f\u00fcr das Museum R\u00e4ume zu erhalten, und das Haus der Abgeordneten nahm am 19. Dezember 1867 folgende Resolution des Abgeordneten Metscher und Genossen an:\n\u201eDie K\u00f6nigliche Staatsregierung zu ersuchen, auf Acquisition eines Grundst\u00fccks Bedacht zu nehmen, das sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines bereits in Aussicht genommenen landwirtschaftlichen Museums eignet, und das zugleich die R\u00e4umlichkeiten bietet, dem hiesigen landwirtschaftlichen Lehrinstitut eine den Lehrzwecken entsprechende Organisation zu geben.\u201c\nWiederum vergingen mehrere Jahre; ein geeigneter Platz lieg sich nicht finden und w\u00e4hrend des Krieges 1870 -71 konnte selbstverst\u00e4ndlich die Angelegenheit nicht weiter verfolgt werden.\nIn den Jahren 1870 und 1871 traten aber zwei bedeutende Ver\u00e4nderungen im landwirtschaftlichen Lehrinstitut ein. Der Vorsitzende des K\u00f6niglichen Landes\u00f6konomie - Kollegiums, Rittergutsbesitzer Dr. Hermann von Nathusius-Hundisburg, der 1869 in das Ministerium f\u00fcr die landwirtschaftlichen Angelegenheiten und zum Vorsitzenden des Kuratoriums f\u00fcr das landwirtschaftliche Lehrinstitut berufen war, ward 1870 zum Lehrer f\u00fcr Tierzucht an demselben ernannt. Im Fr\u00fchjahr 1871 wurde der au\u00dferordentliche Professor an der Universit\u00e4t und etatsm\u00e4\u00dfige Professor am landwirtschaftlichen Lehrinstitut Dr. Albrecht Thaer als ordentlicher Professor nach Gie\u00dfen berufen, und an seine Statt trat der bisherige Privatdozent f\u00fcr Landwirtschaft in Halle, Prof. Dr. Albert Orth.\nDieser \u00fcberreichte unter dem 19. Juni 1873 dem Kuratorium, welches damals aus drei Personen: dem Geheimen Regierungsrat Dr. Hermann von Nathusius, Geheimen Oberregierungsrat Dr. Olsh au sen (Vertreter des Ministeriums f\u00fcr die geistlichen Angelegenheiten) und dem Geheimen Regierungsrat Dr. L\u00fcdersdorff bestand, eine als Manuskript gedruckte Denkschrift, in welcher er, nachdem er die Geschichte des Instituts","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"14\nII. Geschichtliches.\ngeschildert, eingehend die Erfordernisse zur Verbesserung des Instituts darlegte. Sie gipfelten im folgenden:\n1.\tein besonderes Institutsgeb\u00e4ude mit den entsprechenden Auditorien und Arbeits- und Sammlungsr\u00e4umen etc.;\n2.\tdaran anschlie\u00dfend ein Garten f\u00fcr Kulturpflanzen und f\u00fcr eine pathologische Abteilung;\n3.\tein Versuchsfeld von 8 ha und ein Versuchsstall etc. in einer Entfernung von ein bis zwei Meilen von Berlin;\n4.\tim Anschlu\u00df hieran eine Zentral-Versuchsstation mit a) einer pflanzenphysiologischen Abteilung, b) einer tierphysiologischen, c) einer Abteilung f\u00fcr landwirtschaftlich-technische Gewerbe; ein Glashaus f\u00fcr Pflanzenkulturversuche, und ein Respirationsapparat f\u00fcr F\u00fctterungsversuche;\n5.\tein landwirtschaftlich-zoologischer Garten;\n6.\tim Anschlu\u00df an die \u00fcbrigen wissenschaftlichen Sammlungen des Staates, ein gro\u00dfes landwirtschaftliches Zentralmuseum.\nWenn Orth hier eine Trennung von Institut und Museum vorschlug, so geschah es nur deshalb, weil die Schwierigkeit, beide Anlagen auf einem Grundst\u00fcck zu konzentrieren, bis dahin die Ausf\u00fchrung \u00fcberhaupt verhindert hatte.\nBei der Beratung des Staatshaushaltsetats f\u00fcr 1874 beschlo\u00df das Haus der Abgeordneten: \u201eDas Ministerium der landwirtschaftlichen Angelegenheiten aufzufordern, die Frage in Erw\u00e4gung zu ziehen, ob es sich empfehle,\n1.\tdie landwirtschaftlichen Akademien in Eldena, Poppelsdorf, Proskau und Berlin dem Ressort des Unterrichtsministeriums zu unterstellen und\n2.\tdie landwirtschaftlichen Akademien in Eldena, Poppelsdorf und Berlin mit den Universit\u00e4ten in Greifswald, Bonn und Berlin nach Analogie der landwirtschaftlichen Institute zu Halle, K\u00f6nigsberg, Kiel und G\u00f6ttingen zu verbinden.\u201c\nAllein die Erw\u00e4gung, da\u00df mit gleichem Recht wie Forstakademien, Bauakademien, Gewerbeakademien usw. selbst\u00e4ndig best\u00fcnden, auch eine h\u00f6here landwirtschaftliche Anstalt selbst\u00e4ndig bestehen k\u00f6nne, f\u00fchrte dazu, das Berliner Institut, wie die andern genannten Anstalten in der bisherigen Weise unter dem Ressort des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten zu belassen, aber die enge Verbindung mit der Universit\u00e4t dadurch aufrecht zu erhalten, da\u00df ein Vertreter des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft und ein Vertreter des Ministeriums der geistlichen etc. Angelegenheiten das Kuratorium bildeten.\nMan suchte nun wieder nach einem Grundst\u00fcck, aber lange vergebens.\nNachdem u. a. aus privaten Kreisen f\u00fcr den Bau das Terrain des jetzigen Wintergartens angeboten war, das aber der hohen Kosten","page":14},{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"II. Geschichtliches.\n15\nwegen abgelehnt wurde, ward als Bauplatz die H\u00e4lfte der Artilleriewerkst\u00e4tten an der Dorotheenstrage \u00fcberwiesen, allein schlieglich diese H\u00e4lfte gleich der andern dem Herrn Minister f\u00fcr die geistlichen etc. Angelegenheiten zum Bau eines physiologischen und eines physikalischen Instituts \u00fcbergeben.\nEndlich gelang es, von dem Grundst\u00fcck der ehemaligen K\u00f6niglichen Eisengiegerei in der Invalidenstrage den \u00f6stlichen Teil f\u00fcr die landwirtschaftliche Verwaltung zu erhalten. Auf dem westlichen Teile war die K\u00f6nigliche geologische Landesanstalt und Bergakademie errichtet und der mittlere f\u00fcr ein sp\u00e4ter zu erbauendes Museum f\u00fcr Naturkunde reserviert worden Im Jahre 1874 bewilligte das Haus der Abgeordneten die erste Rate f\u00fcr ein daselbst zu errichtendes Geb\u00e4ude f\u00fcr das landwirtschaftliche Museum inkl. einer Maschinenhalle und das landwirtschaftliche Lehrinstitut. In den n\u00e4chsten Jahren folgten weitere Bewilligungen bis zur Gesamth\u00f6he der Bau- und Einrichtungskosten von 2523000 Mark.*)\nDer Bau selbst wurde im Jahre 1876 unter der Leitung des K\u00f6niglichen Baurats (sp\u00e4ter Professor) Tie de begonnen und war im Jahre 1880 vollendet, so dag das landwirtschaftliche Lehrinstitut bereits im Sommer 1880 dahin \u00fcbersiedeln konnte. Die Museumsr\u00e4ume aber wurden erst 1881 f\u00fcr landwirtschaftliche Zwecke nutzbar; denn vom 20. April 1880 ab fand darin w\u00e4hrend mehrerer Monate die zweite groge internationale Fischerei-Ausstellung unter dem Protektorat Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen statt, und gleich bei dieser Gelegenheit zeigte sich, wie augerordentlich sich die groge Maschinenhalle, in deren Mitte ein groges Bassin mit der Riesenstatue des Neptun errichtet war, und die \u00fcbrigen R\u00e4ume zu Ausstellungen eignen.\nEin \u00e4hnlich sch\u00f6nes, ja geradezu \u201efeenhaftes Bild\u201c, wie Ihre Majest\u00e4t die hochselige Kaiserin Augusta \u00e4ugerte, bot die Maschinenhalle im Januar 1881, als der Verein zur Bef\u00f6rderung des Gartenbaues in den preugischen Staaten in ihr die erste deutsche Winterblumen-Ausstellung veranstaltete.\nNachdem endlich im Winter 1880, 81 die Vereinigung des Museums mit dem Lehrinstitut durchgef\u00fchrt war, geruhte Seine Majest\u00e4t der hochselige Kaiser und K\u00f6nig Wilhelm I. mittelst Allerh\u00f6chster Ordre vom 14. Februar 1881 zu bestimmen, dag das vereinigte landwirtschaftliche Lehrinstitut und Museum fortan den Namen\nLandwirtschaftliche Hochschule\nf\u00fchren solle.\n*) (Thiel) Die landw. Hochschule in Berlin in Thiels Landwirtschaftlichen Jahrb\u00fcchern 1881, S. 482. Dort steht 2527000 Mk.","page":15},{"file":"p0016.txt","language":"de","ocr_de":"16\nII. Geschichtliches.\nHermann von Nathusius, der so viel bei den Pl\u00e4nen des neuen Geb\u00e4udes mitgewirkt, hat seine Vollendung leider nicht mehr gesehen. Er war bereits am 29. Juni 1879 dahin geschieden. Von da ab trat der jetzige Ministerialdirektor Dr. Hugo Thiel als Vorsitzender des Kuratoriums ein und seiner Tatkraft, seinem weiten Blick verdankt die landwirtschaftliche Hochschule nicht nur ihre Organisation, sondern auch ihre innere Ausgestaltung und immer gr\u00f6\u00dfere Erweiterung. Seine leitenden Grunds\u00e4tze hat er in dem bereits oben erw\u00e4hnten Aufsatz \u201eDie landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin, ihre Begr\u00fcndung und Einrichtung nebst einem Verzeichnis der Vorlesungen f\u00fcr das Sommersemester 1881\u201c mit sechs lithographierten Tafeln in Thiels Jahrb\u00fcchern 1881, S. 481 eingehend dargelegt.\nEs mu\u00dfte sich, sagt er, nicht darum handeln, dem n\u00e4chstliegenden Bed\u00fcrfnis zu gen\u00fcgen, sondern auch im Interesse des Nachwuchses t\u00fcchtiger Lehrkr\u00e4fte f\u00fcr den landwirtschaftlichen Unterricht die Zahl der disponiblen Stellen nicht zu sehr zu beschr\u00e4nken. Denn bei einer zu geringen Anzahl von Lehrstellen werden gerade die t\u00fcchtigsten Elemente wenig Lust haben, sich einer Laufbahn zu widmen, welche zu geringe Chancen der Anstellung und Bef\u00f6rderung bietet. Auch darf nicht \u00fcbersehen werden, da\u00df in den Facharbeiten strebsamer Dozenten eine F\u00f6rderung des Gewerbes liegt, welche unter Umst\u00e4nden den Erfolg der direkten Lehrt\u00e4tigkeit auf die Studierenden noch \u00fcbertreffen kann. Und weiter hei\u00dft es: Solange man die Pflege der Grund- und Hilfswissenschaften der Landwirtschaft ausschlie\u00dflich den Universit\u00e4ten \u00fcberl\u00e4\u00dft, wird die Verlockung (der t\u00fcchtigeren Elemente unter den j\u00fcngeren Gelehrten), sich mit den landwirtschaftlichen Seiten ihrer Disziplinen zu besch\u00e4ftigen, nicht sehr gro\u00df sein; sie wird aber in dem Ma\u00dfe steigen, wie an den landwirtschaftlichen Anstalten eigene, den Universit\u00e4ten entsprechend dotierte Lehrst\u00fchle und Laboratorien wenigstens f\u00fcr die haupts\u00e4chlichsten jener F\u00e4cher geschaffen werden. Es k\u00f6nnen dann ohne der Wissenschaftlichkeit des Unterrichts zu schaden, gerade die Seiten des betreffenden Faches, welche dem Landwirte besonders interessant sein m\u00fcssen, auch besonders ausf\u00fchrlich behandelt und dem Landwirte hierdurch au\u00dfer der Einf\u00fchrung in das allgemeine System der betreffenden Wissenschaft auch noch die Kenntnis einer Menge ihm sehr wichtiger Details vermittelt werden.\nDieser Gedanke ist ein sehr gl\u00fccklicher gewesen und die landwirtschaftliche Hochschule darf sich r\u00fchmen, auf den verschiedensten Gebieten eine Anzahl der t\u00fcchtigsten M\u00e4nner der Wissenschaft neben einer Reihe der t\u00fcchtigsten Kenner der Praxis gewonnen zu haben.","page":16},{"file":"p0017.txt","language":"de","ocr_de":"III.\nDie Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\nEs war selbstverst\u00e4ndlich, dag die bereits am landwirtschaftlichen Lehrinstitut vorhandenen Lehrkr\u00e4fte auf die Hochschule \u00fcbernommen wurden. Als etatsm\u00e4gige Professoren (die das engere Lehrerkollegium bilden) waren dies die beiden langj\u00e4hrigen Professoren Dr. Kny f\u00fcr allgemeine Botanik und Dr. Albert Orth f\u00fcr Landwirtschaft sowie Geh. Reg. Rat Professor Dr. Lan do lt, der am 1. Oktober 1880 als Lehrer der Chemie eingetreten war. (Professor Held, welcher am 25. Juli 1879 erst als Professor der National\u00f6konomie berufen war, starb schon 1880.) Der bisherige Kustos des Museums Dr. L. Wittmack, welcher seit 1875 Honorardozent f\u00fcr Samenkunde etc. war und seit 1879, nach dem Tode von Professor K. Koch, den Unterricht in Pflanzenkunde erteilt hatte, ward 1881 zum Professor f\u00fcr systematische Botanik ernannt. Neu berufen wurden von der aufgel\u00f6sten landwirtschaftlichen Akademie Proskau ihr Direktor Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Settegast f\u00fcr Tierzucht und Betriebslehre, Professor Dr. B\u00f6rnstein f\u00fcr Physik und Dr. Gr\u00fcner f\u00fcr Mineralogie und Geognosie. Ferner gelang es zu gewinnen den Professor Dr. Nehring f\u00fcr Zoologie und den Professor Dr. Zuntz f\u00fcr Tierphysiologie. Diese traten am 1. April 1881 ein und kurz darauf, am 1. Mai 1881, ward Professor Frank f\u00fcr Pflanzenphysiologie und Pathologie berufen.\nAls Honorardozenten waren im ersten Semester der Hochschule (Sommer 1881) t\u00e4tig die Herren: Garteninspektor Bouch\u00e9 f\u00fcr Gartenbau, \u00d6konomierat Dr. Freiherr v. Canstein, D\u00fcngerlehre, Dr. Degener, R\u00fcbenzuckerfabrikation, Dr. Delbr\u00fcck, Spiritusfabrikation, Professor Dieckerhoff, Krankheiten der Haustiere, Dr. Grahl, neu eingetreten, allgemeiner Acker- und Pflanzenbau, Professor Dr. Grogmann, Buchf\u00fchrung und Mathematik, Dr. Hartmann, Schafzucht, Wollkunde und Rindviehzucht, Dr. Jannasch, National\u00f6konomie, Dr. Karsch, landwirtschaftliche Entomologie, Kammergerichtsrat Keyssner, Reichs- und reugisches Recht, Oberf\u00f6rster Krieger, Forstwirtschaft, Oberrogarzt\nFestschrift d. landw. Hochschule.\t2","page":17},{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"18\nIII. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\nK\u00fcttner, Hufbeschlag, Dr. Curt Lehmann, F\u00fctterungslehre, Benno Martiny, Molkereiwesen, Professor M\u00fcller, Anatomie der Haustiere, Seuchenlehre, Professor Dr. Scheibler, Chemie und Technologie der R\u00fcbenzuckerfabrikation, Professor Schlichting, Wege- und Wasserbau, Ingenieur Schotte, landwirtschaftliche Maschinenkunde, Postbaurat Tuckermann, Feldmessen, Dr. Zopf, Pilze und Algen\nGeleitet wurde die neue Anstalt einstweilen von dem kommissarischen Direktor Geheimen Regierungsrat Dr. H. Thiel, der mit dem Geheimen Ober-Regierungsrat Dr. Goeppert vom Ministerium der geistlichen Angelegenheiten das Kuratorium bildete. Am 27. Mai 1881 vollzog der Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, Dr. Freiherr von Lucius das provisorische Statut und die provisorische Gesch\u00e4ftsordnung. Dem ersteren waren als Anhang die Vorschriften betreffend die Habilitation als Privatdozent der Landwirtschaft an einer h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalt beigef\u00fcgt.\nMan hatte absichtlich nur provisorische Statuten eingef\u00fchrt, um Erfahrungen sammeln zu k\u00f6nnen. Die endg\u00fcltigen Satzungen wurden erst sechszehn Jahre sp\u00e4ter erlassen, nachdem sie unter dem 20. Januar 1897 von Sr. Majest\u00e4t dem Kaiser best\u00e4tigt worden waren. \u2014 Was die Satzungen der Hochschule so auszeichnet, das ist die gro\u00dfe Selbst\u00e4ndigkeit des Lehrerkollegiums. Die ordentlichen Lehrer w\u00e4hlen einen Rektor, der im Gegensatz zu den Universit\u00e4ten zwei Jahre im Amte bleibt. Es hat diese zweij\u00e4hrige T\u00e4tigkeit vieles f\u00fcr sich, da in einem Jahre sich ein Rektor kaum in alle Gesch\u00e4fte hineinfinden kann. - Jeder Institutsvorsteher hat seinen eigenen Fonds, den er auf eigene Verantwortung zu verwalten hat, und ernennt selbst seine Assistenten.\nBei der ersten Rektorwahl am 27. Mai 1881 wurde Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Landolt erw\u00e4hlt, der sein Amt bis 1. April 1883 verwaltete.\nDas Jahr 1883 brachte eine ganz bedeutende Erweiterung, indem zu Beginn des Sommersemesters eine neue Abteilung, die f\u00fcr Geod\u00e4sie und Kulturtechnik, eingerichtet wurde. Als Vorstand dieser Abteilung wurde Professor Dr. Chr. Aug. Vogler in Bonn-Poppelsdorf berufen, sowie als Honorardozenten die Herren Meliorationsbau-Inspektor K\u00f6hler und Gymnasial-Oberlehrer Dr. Reichel, letzterer f\u00fcr Mathematik.\nUnter dem zweiten Rektorat, dem des Geheimen Regierungsrats Settegast, 1883\u201485, wurde auch zum ersten Male ein ausf\u00fchrliches \u201eProgramm der landwirtschaftlichen Hochschule und Nachrichten \u00fcber deren Einrichtungen und das Studium an ihr,\u201c genehmigt durch Erla\u00df des Ministers vom 16. Oktober 1884, im Druck herausgegeben. Ferner ward die Stellung von Preisaufgaben unter dem 29. Januar 1885 vom Minister genehmigt, und desgleichen die Abhaltung von Unterrichtskursen f\u00fcr praktische Landwirte, die zum ersten Male vom 23. Februar","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"III. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\n19\nbis 4. M\u00e4rz 1885 stattfanden. Auch besch\u00e4ftigte man sich eingehend mit der etwaigen Einrichtung einer landwirtschaftlich-technischen Abteilung.\nIn die Zeit der Amtst\u00e4tigkeit des dritten Rektors, des Professors Orth fiel die Versammlung deutscher Naturforscher und Arzte zu Berlin. Bei dieser Gelegenheit verfa\u00dfte derselbe eine eingehende Beschreibung der Hochschule mit Abbildungen f\u00fcr das gro\u00dfe vom Ministerium der geistlichen etc. Angelegenheiten herausgegebene Werk \u201eDie wissenschaftlichen und medizinischen Staatsanstalten Berlins\u201c, bearbeitet von Professor B. Guttstadt. 1886.\nMit dem 1. Oktober 1887 schied zum gr\u00f6\u00dften Bedauern Geheimer Regierungsrat Lan doit, der als Mitglied der Akademie der Wissenschaften bereits seit Beginn seiner hiesigen T\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t Vorlesungen gehalten hatte, aus, um die Direktion des zweiten chemischen Laboratoriums der Universit\u00e4t zu \u00fcbernehmen.\nAn seine Stelle trat Professor Dr. Fleischer, Direktor der Moorversuchsstation Bremen. Fleischer f\u00fchrte auch die Vorlesungen \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur ein, die er zu aller Beteiligten Freude auch heute als Vortragender Rat im Ministerium noch fortsetzt.\nBei Abschlu\u00df seines Rektorats \u00fcberreichte der Professor Orth dem Herrn Minister einen Rektoratsbericht, in welchem er vorschlug, entsprechend der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung auch eine landwirtschaftliche und eine landwirtschaftlich-technische Abteilung zu bilden. Der Herr Minister erkl\u00e4rte sich unter dem 5. Dezember 1888 \u201enicht abgeneigt, auf diesen Gedanken einzugehen, soweit wie derselbe nicht auf eine f\u00f6rmliche Trennung der Hochschule in gesonderte Fakult\u00e4ten hinausl\u00e4uft, sondern nur die Konzentrierung der betreffenden Abteilungsinteressen in einen Vorstand bedeutet, welcher die Vertretung der Abteilung und speziell die Sorge f\u00fcr einen entsprechenden Studiengang der Studierenden zu seiner Aufgabe hat. Ein solcher Vorstand w\u00fcrde besonders in dem Falle eine n\u00fctzliche Wirksamkeit entfalten k\u00f6nnen, wenn der zeitweilige Rektor nicht der betreffenden Abteilung angeh\u00f6rt. Die Errichtung einer landwirtschaftlich-technischen Abteilung empfiehlt sich auch mit R\u00fccksicht auf die in der Vorbereitung begriffene weitere Ausdehnung der den G\u00e4rungsgewerben, speziell der Brauerei, dienenden Einrichtungen der Hochschule.\u201c\nNach reiflicher Erw\u00e4gung seitens des Lehrerkollegiums berichtete unter dem 6. Februar 1889 der damalige Rektor, Geh. Reg.-Rat Settegast, das engere Lehrerkollegium habe beschlossen, dem Herrn Minister zu empfehlen,\n1. von einer besonderen landwirtschaftlichen Abteilung abzusehen, da die Abteilung aus fast allen Mitgliedern des engeren Lehrerkollegiums bestehen w\u00fcrde, es also einer besonderen Abteilung nicht\n2*","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"20\nIII. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\nbed\u00fcrfe, dag dagegen 2. die von Settegast in seinem Rektoratsbericht f\u00fcr 1883/85 und von Orth in seinem Rektoratsbericht f\u00fcr 1885/87 empfohlene Bildung einer landwirtschaftlich-technischen Abteilung groge Beachtung verdiene. \u2014 Professor Delbr\u00fcck hatte eingehend die Gesichtspunkte betreffend die Bildung einer solchen Abteilung dargelegt und eine Kommission, darunter Professor Delbr\u00fcck als Vertreter der G\u00e4rungsgewerbe und Dr. Herzfeld als Vertreter der Zuckerindustrie, ward eingesetzt, um einen Organisationsplan auszuarbeiten.\nDie Arbeiten dieser Kommission fielen namentlich in die Amtszeit des Rektors Wittmack 1889\u20141891. Vollst\u00e4ndige Lehrpl\u00e4ne zu einem vierj\u00e4hrigen Kursus f\u00fcr Zuckertechniker und zu einem zweij\u00e4hrigen f\u00fcr die Brauereiabteilung wurden ausgearbeitet. Doch kam man angesichts der vielen Schwierigkeiten am 19. Dezember 1889 zu dem Entschlug, die Bildung einer technischen Abteilung bis auf weiteres zu vertagen, aber eine \u00fcbersichtlichere Zusammenstellung der Unterrichtsgegenst\u00e4nde an der landwirtschaftlichen Hochschule, soweit sie die technischen Studien betreffen, zu veranlassen und andererseits im Stundenplan der Hochschule auf die besonderen Einrichtungen in den mit der Hochschule verbundenen Vereins-Instituten hinzuweisen.\nUnter dem 10. Januar 1890 genehmigte der Herr Minister, dag die Bildung einer landwirtschaftlich-technischen Abteilung bis auf weiteres ausgesetzt bleibe; um indes den technischen Nebengewerben schon jetzt einen ihrer gegenw\u00e4rtigen Ausdehnung in dem Unterrichtsbetriebe der Hochschule entsprechenden Einflug auch im engeren Lehrerkollegium zu sichern, erachtete es der Herr Minister f\u00fcr angemessen, dag in den Sitzungen des letzteren dem Professor Dr. Delbr\u00fcck, so lange er mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung in dem Spiritus-Verein und dem Brauerei-Verein betraut ist, Sitz und Stimme einger\u00e4umt werde.\nMit der Einf\u00fchrung der endg\u00fcltigen Satzungen 1897 wurde aber sowohl eine landwirtschaftliche wie eine landwirtschaftlich-technische Abteilung eingerichtet, und es wurden als weitere Vertreter der letzteren die Professoren Dr. Herzfeld und Dr. Saare zu Mitgliedern des engeren Lehrerkollegiums ernannt.\nAuf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Unterrichts hatten sich inzwischen auch bedeutende Ver\u00e4nderungen vollzogen. Geh. Reg.-Rat Settegast nahm mit Abschlug seines zweiten Rektorates am 31. M\u00e4rz 1889 seinen Abschied. Mit grogem Bedauern sah man ihn scheiden und der neue Rektor Wittmack benutzte bei der gleich nach seinem Antritt stattfindenden Feier von Settegasts 70. Geburtstag gern die Gelegenheit, ihm den Dank der Hochschule f\u00fcr seine grogen Verdienste auszudr\u00fccken. Zum Andenken wurde ihm ein Album mit den Photographien der Lehrer \u00fcberreicht und bei dieser Gelegenheit gleichzeitig ein Album f\u00fcr die Hochschule angelegt, in welchem die Photo-","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"III. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\n21\ngraphien aller Lehrer gesammelt werden. \u2014 Settegasts Professur aber wurde geteilt; die Tierzucht, mit Ausnahme der Rinderzucht, \u00fcbernahm der zum Professor ernannte bisherige Assistent und Honorardozent Dr. Curt Lehmann, f\u00fcr das Fach der Betriebslehre und Buchf\u00fchrung sowie Rindviehzucht gelang es Professor Dr. Hugo Werner aus Poppelsdorf zu gewinnen. Damit war die von Anfang an beabsichtigte Dreiteilung des Faches Landwirtschaft im Prinzip erreicht: ein Lehrer f\u00fcr Pflanzenbau, einer f\u00fcr Viehzucht, einer f\u00fcr Betriebslehre, Taxation und Buchf\u00fchrung.\nNachdem wiederholt eingehende Versuche zur Aufstellung von Lehrpl\u00e4nen gemacht worden waren, gelang es endlich unter dem Rektorat des Prof. Dr. Kny damit zustande zu kommen. Es wurde ein vier-semestriger Lehrplan f\u00fcr die Studierenden der Landwirtschaft, insbesondere f\u00fcr diejenigen, welche das Abgangsexamen machen wollen und ein sechssemestriger f\u00fcr diejenigen, welche das Examen als Landwirtschaftslehrer abzulegen w\u00fcnschen, ausgearbeitet und von dem Herrn Minister am 20. Juli 1892 genehmigt.\nFerner wurde vom Herrn Minister genehmigt, dag die Festreden am Geburtstage Sr. Majest\u00e4t des Kaisers als besondere Schriften gedruckt werden, und weiter, dag besondere Jahresberichte, wie an der Universit\u00e4t, ausgegeben werden. Der erste erschien 1893 f\u00fcr die Zeit vom 1. April 1892 bis 31. M\u00e4rz 1893.\nDiese Berichte gew\u00e4hren so recht einen Einblick in die auger-ordentlich rege und sich immer mehr steigernde T\u00e4tigkeit der Hochschule, besonders wenn man auch die dort aufgef\u00fchrten Ver\u00f6ffentlichungen aus den einzelnen Instituten etc. beachtet.\nDurch Austausch wurden 1889\u20141891 die Grenzen an der Westseite des Geb\u00e4udes gerader gelegt und zugleich s\u00e4mtliche noch aus alter Zeit auf dem Grundst\u00fcck ruhenden Lasten abgel\u00f6st.\nEine ganz bedeutende Ausdehnung erfuhr die Anstalt infolge der Verf\u00fcgung des Herrn Ministers vom 20. Februar 1889 an die Kgl. Regierung in Potsdam. In dieser heigt es: \u201eDie landwirtschaftliche Hochschule hierselbst bedarf zum Bau einer zu errichtenden Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei eines Bauplatzes und zur Ausf\u00fchrung von Versuchskulturen eines gr\u00f6geren Grundst\u00fcckes. Ich habe zu diesen Zwecken die in Jagen 18 Abteilung 12 der Oberf\u00f6rsterei Tegel gelegene Ackerfl\u00e4che zur Gr\u00f6ge von 6,320 ha bestimmt*). Die Kgl. Regierung beauftrage ich, die bezeichnete Fl\u00e4che der landwirtschaftlichen Hochschule vom 1. Oktober d. J. ab unter dem Vorbehalte des forstfiskalischen Eigentums f\u00fcr die Dauer des Gebrauches zur unentgeltlichen Benutzung zu \u00fcberweisen.\u201c\n*) Es ist dies das Terrain an der Seestrage, Ecke der Amrumer (fr\u00fcher Torf-)Strage.","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"22\nIII. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\nUnter dem 8. M\u00e4rz 1889 wurde dann zwischen dem Minister und dem Vorstand des Vereins \u201eVersuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei\u201c zu Berlin ein Vertrag \u00fcber den Bau und Betrieb einer Lehr-und Versuchs-Anstalt f\u00fcr Brauerei geschlossen. Darnach gab der Herr Minister f\u00fcr Landwirtschaft etc. den Bauplatz zur Errichtung einer kleinen Brauerei zu Lehr- und Demonstrationszwecken kostenfrei her, der Verein \u00fcbernahm die Herstellung der ganzen Anlage, zu den Kosten des Baues bewilligte der Herr Minister einen Zuschu\u00df von 229 000 M. \u00a7 5 besagt: Die Anstalt bildet ein Zubeh\u00f6r der landwirtschaftlichen Hochschule; es wird daher der ganze Betrieb und die bauliche und sonstige Unterhaltung derselben in gleicher Weise unter die Aufsicht des Kuratoriums und der Direktion der genannten Hochschule gestellt, wie das jetzt mit dem in den Geb\u00e4uden der letzteren befindlichen Laboratorium des Vereins der Fall ist.\nInfolgedessen fand am 8. Oktober 1889 durch den Oberf\u00f6rster Wiesmann, vertreten durch den Forstreferendar Riemer in Begleitung des F\u00f6rsters B\u00fcnger von Rehberge, die \u00dcbergabe an die Vertreter der landwirtschaftlichen Hochschule, Geh. Ob. Reg.-Rat Dr. Thiel als Kurator und Prof. Dr. Wittmack als Rektor, statt.\nEin weiterer, h\u00f6chst wichtiger Vertrag wurde am 27. Februar 1896 seitens des Herrn Ministers mit drei Vereinsvorst\u00e4nden geschlossen, dem \u201eVerein Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin,\u201c dem \u201eVerein der Spiritusfabrikanten in Deutschland\u201c und dem \u201eVerein der St\u00e4rke-Interessenten in Deutschland\u201c. Es galt dem Bau und Betrieb einer Lehr- und Versuchsanstalt f\u00fcr die G\u00e4rungsgewerbe. Die Kosten der Erbauung und der maschinellen und sonstigen Ausstattung der Anstalt, hei\u00dft es in dem Vertrage, tr\u00e4gt der Fiskus bis zur H\u00f6he von 850 000 Mk., und gehen die Geb\u00e4ude mit allem Zubeh\u00f6r in das Eigentum des Fiskus \u00fcber, dem auch das Eigentum des Grundst\u00fccks verbleibt.\nMittelst Verf\u00fcgung vom 6. Januar 1893 wurde die zur Errichtung der Versuchs- und Lehrbrauerei ben\u00f6tigt gewesene Hof- und Baustelle in Gr\u00f6\u00dfe von 1,549 ha von der Forstverwaltung auf die landwirtschaftliche Verwaltung \u00fcbernommen; das gleiche geschah laut Verf\u00fcgung vom 2. M\u00e4rz 1893 mit dem Rest des Grundst\u00fccks von 4,771 ha, von welchen ein Teil von 99 a 34 qm zur Erbauung der Lehr- und und Versuchsanstalt f\u00fcr die G\u00e4rungsgewerbe bestimmt war. Der Neubau des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation war 1897 vollendet.\nEndlich wurde 1901 auf diesem Grundst\u00fcck auch eine Maschinen-Versuchs- und Pr\u00fcfungsstation, sowie eine damit verbundene Ausstellungshalle, im ganzen 3000 qm bebaute Fl\u00e4che, errichtet, die 1902 vollendet wurde. Auch das Versuchskornhaus auf dem Terrain des ehemaligen","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"III. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule\n23\nHamburger G\u00fcterbahnhofes, am Nordhafen, wurde der Leitung des Vorstehers des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe unterstellt. Endlich sind jetzt die Geb\u00e4ude der \u201eVersuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung G.m.b.H.\u201c, die noch im Bau begriffen sind, hinzugekommen, bestehend aus einem Vorderhause f\u00fcr eine Versuchsb\u00e4ckerei sowie verschiedene Laboratorien und einem dahinterliegenden Geb\u00e4ude f\u00fcr die Versuchsm\u00fchle. Die jetzige \u201eVersuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller an der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule\u201c wird dann als solche aufh\u00f6ren und ihre T\u00e4tigkeit dort fortsetzen. In n\u00e4chster N\u00e4he, in der Amrumerstra\u00dfe liegt das am 8. Mai 1904 er\u00f6ffnete gro\u00dfe und mit allen Mitteln moderner Technik ausgestattete Institut f\u00fcr Zuckerindustrie. \u00dcber alle diese Anstalten wird noch besonders berichtet werden.\nDas 1897 in der Invalidenstra\u00dfe frei gewordene Geb\u00e4ude f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe wurde nun zum tierphysiologischen Institut eingerichtet, w\u00e4hrend die von diesem bisher im Erdgescho\u00df des Hauptgeb\u00e4udes inne gehabten R\u00e4ume zum gr\u00f6\u00dferen Teil zu Laboratorien des zootechnischen Instituts, der nord\u00f6stliche Ecksaal aber zu einem Auditorium eingerichtet wurde.\nDie Zahl der H\u00f6rs\u00e4le hatte aber schon vorher nicht ausgereicht, und so war am hinteren Ende des Grundst\u00fccks in der nord\u00f6stlichen Ecke mit einem Kostenaufwand von 25500 M. ein eigenes gro\u00dfes Auditorium f\u00fcr 180 Zuh\u00f6rer errichtet, das mit Beginn des Winter-Semesters 1892/93 in Benutzung genommen wurde.\nIndes auch das gen\u00fcgte nicht; der Staat kaufte deshalb im Etatsjahre 1901 das 1811 qm gro\u00dfe Grundst\u00fcck Chausseestra\u00dfe 100 f\u00fcr 360000 M. und im Etatsjahre 1902 das 717 qm gro\u00dfe Grundst\u00fcck Chausseestra\u00dfe 101 f\u00fcr 270000 M. an, die hinten seitlich an das Grundst\u00fcck der Hochschule ansto\u00dfen. W\u00e4hrend die Vordergeb\u00e4ude an der Chausseestra\u00dfe erhalten blieben, wurden auf dem vereinigten Hinterlande der beiden Grundst\u00fccke in den Jahren 1903\u20141905 vom K\u00f6nigl. Baurat Kern die neuesten Geb\u00e4ude der Hochschule errichtet. Dieselben enthalten im Erdgescho\u00df eine Maschinenhalle f\u00fcr die \u201eMaschinenstelle der Brandenburgischen landwirtschaftlichen Zentral-Bezugs- und Absatz-Genossenschaft\u201c (fr\u00fcher \u201eEin- und Verkaufsstelle der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg\u201c), sowie eine dem Professor Fischer unterstellte Versuchsanstalt f\u00fcr landwirtschaftliche Maschinen und ein maschinentechnisches Laboratorium, im ersten Stock das zootechnische Institut, im 2. Stock das mineralogisch-bodenkundliche Institut, im 3. und 4. Stock die agrikulturchemische Versuchsstation der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg, die bis dahin in Dahme ihren Sitz gehabt hatte. Mit ihr wurde das vor einigen Jahren eingerichtete Institut f\u00fcr landwirtschaftliches","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\nIII. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\nVersuchswesen und Bakteriologie verschmolzen. Der bisherige Leiter des letzteren, Professor Dr. Remy ward am 1. April 1905 nach Poppelsdorf versetzt und dem Direktor der bisherigen Versuchsstation Dahme, Dr. Lemmermann, die etatsm\u00e4\u00dfige Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen \u00fcbertragen.\nEin Institut war bei allen Erweiterungen leer ausgegangen: das physikalische; auch das Geb\u00e4ude f\u00fcr Tierphysiologie erwies sich als zu klein, es mangelten ihm vor allem Versuchsst\u00e4lle. Endlich machte sich bei der immer steigenden Zuh\u00f6rerzahl der landwirtschaftlichen Hochschule das Bed\u00fcrfnis nach gr\u00f6\u00dferen H\u00f6rs\u00e4len, insbesondere einem ganz gro\u00dfen Auditorium, das zugleich als Aula dienen kann, immer dringender geltend. So kaufte denn 1905 der Staat abermals ein gro\u00dfes Grundst\u00fcck, Chausseestra\u00dfe No. 97, f\u00fcr 865000 Mark an, welches an das n\u00f6rdliche Ende des alten Grundst\u00fccks der Hochschule st\u00f6\u00dft. Das Vorderland mit den Geb\u00e4uden an der Chausseestra\u00dfe soll demn\u00e4chst wieder verkauft, das umfangreiche Hinterland von 3862 qm Fl\u00e4cheninhalt der landwirtschaftlichen Hochschule \u00fcberwiesen werden. Die Pl\u00e4ne und Kostenanschl\u00e4ge zu den darauf zu errichtenden Neubauten f\u00fcr das physikalische und das tierphysiologische Institut und die Aula sind von Herrn Baurat Kern ausgearbeitet und unterliegen gegenw\u00e4rtig der Beratung in den betreffenden Ministerien.\nDie Plandisposition des Neubaues ist so getroffen, da\u00df umfangreiche Fl\u00e4chen f\u00fcr k\u00fcnftige Erweiterungsbauten verf\u00fcgbar bleiben. F\u00fcr die r\u00e4umliche Entwicklung der Hochschule ist daher auf l\u00e4ngere Zeit in bester Weise vorgesorgt.\nDa das neuerworbene Grundst\u00fcck das Recht des Zuganges von der Kesselstra\u00dfe aus in sich schlie\u00dft, so wird die Hochschule k\u00fcnftig von drei Stra\u00dfen aus, Invalidenstra\u00dfe, Chausseestra\u00dfe und Kesselstra\u00dfe, in bequemster Weise zug\u00e4nglich sein.\nDie bisherigen R\u00e4ume des physikalischen Instituts im Hauptgeb\u00e4ude sollen sp\u00e4ter zur Erweiterung der Bibliothek und der geod\u00e4tischen Sammlung herangezogen werden, w\u00e4hrend das durch Verlegung des tierphysiologischen Instituts freiwerdende zweite Hintergeb\u00e4ude der Hochschule im Erdgescho\u00df zur Aufnahme der Bureau- und Kassenr\u00e4ume, im ersten Stockwerk zu einer Dienstwohnung des Rendanten umgestaltet werden soll.\nAuf der Dom\u00e4ne Dahlem bei Steglitz ist endlich f\u00fcr die agrikulturchemische und bakteriologische Versuchsstation ein Versuchsfeld nahe der Kaiserlichen biologischen Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft eingerichtet, und endlich auf derselben Dom\u00e4ne ein St\u00fcck Land zur Anlage einer Rieselwiese, sowie zu Demonstrationen und \u00dcbungen in der Kulturtechnik bestimmt.\n(Siehe den Plan von Berlin S. 27.)","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"III. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule.\n25\nHat so die Hochschule \u00e4u\u00dferlich gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen und Erweiterungen erfahren, so sind auch innerlich einige Ver\u00e4nderungen von Bedeutung zu nennen. Nachdem die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft auf Anregung von Julius K\u00fchn und Schultz-Lupitz beschlossen hatte, einen Ausschu\u00df f\u00fcr Pflanzenschutz zu bilden, dessen 1. Vorsitzender Julius K\u00fchn heute noch ist, gestaltete Prof. Frank sein Institut f\u00fcr Pflanzenphysiologie noch immer mehr nach der Richtung des Pflanzenschutzes aus und unter dem 30. Januar 1894 genehmigte der Herr Minister f\u00fcr Landwirtschaft etc., da\u00df die bisherige Bezeichnung des pflanzenphysiologischen Instituts der Hochschule in Institut f\u00fcr Pflanzenphysiologie und Pflanzenschutz umge\u00e4ndert werde. Es begann damit die Einrichtung der Auskunftserteilung in bedeutend erweitertem Ma\u00dfe. Die Gesch\u00e4fte dieses Instituts nahmen so zu, da\u00df eine besondere Stelle, die eines wissenschaftlichen Hilfsarbeiters geschaffen wurde, welche am 1. April 1897 dem Dirigenten der landwirtschaftlichen Versuchstation Danzig Dr. Friedr. Kr\u00fcger, fr\u00fcheren Assistenten von Prof. Frank, verliehen wurde. Dieser siedelte auch, als Frank am 1. April 1899 zum Vorsteher der neugeschaffenen biologischen Abteilung f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft am Kaiserlichen Gesundheitsamt ernannt wurde, mit ihm dahin \u00fcber.\nDer neu errichteten Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen und Bakteriologie, 1901, und der f\u00fcr Maschinenkunde, 1902, ist schon gedacht worden, im \u00fcbrigen aber wird auf die Ver\u00e4nderungen im Unterrichtswesen bei den betr. Abschnitten \u201eEngeres Lehrerkollegium\u201c und \u201eweiteres Lehrerkollegium\u201c zur\u00fcckgekommen werden.","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"IV.\nBeschreibung der Baulichkeiten der landwirtschaftlichen Hochschule.\na) Hauptgeb\u00e4ude. (Hierzu Abb. 1\u20147.)\n1. Allgemeines.\nDer bei der Aufteilung des etwa 4,5 ha gro\u00dfen Grundst\u00fcckes der ehemaligen K\u00f6niglichen Eisengie\u00dferei in der Invalidenstra\u00dfe der landwirtschaftlichen Hochschule zugefallene Teil hat eine Gr\u00f6\u00dfe von 11 204 qm. Auf diesem Terrain ward zun\u00e4chst das Hauptgeb\u00e4ude mit einem hinteren Seitenfl\u00fcgel f\u00fcr das chemische Laboratorium errichtet.\nDer Bau des Hauptgeb\u00e4udes begann, wie schon oben mitgeteilt, nach den Entw\u00fcrfen und unter Leitung des Kgl. Baurat Professor Tiede im Fr\u00fchjahr 1876. In dem Bauplan waren urspr\u00fcnglich die R\u00e4ume f\u00fcr das Lehrinstitut in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringerer Ausdehnung vorgesehen, die R\u00e4ume f\u00fcr die Sammlungen nahmen den gr\u00f6\u00dferen Teil ein. Erst im Laufe der Bauausf\u00fchrung dehnten sich die Lehrr\u00e4ume infolge der beabsichtigten Neuorganisation des Lehrinstituts mehr und mehr auf Kosten der Sammlungsr\u00e4ume aus, und die Sammlungen sind jetzt vorzugsweise mit zu Lehrmitteln bestimmt. Die Kostenanschl\u00e4ge beliefen sich\nf\u00fcr\tden Bau des Hauptgeb\u00e4udes\tauf\t....\t1 800 000\tMark\nf\u00fcr\tseine innere Einrichtung auf............ 313\t000\t\u201e\nf\u00fcr\tden Bau des Laboratoriumgeb\u00e4udes\tauf\t.\t340 000\t\u201e\nf\u00fcr\tseine innere Einrichtung auf\t.\t.\t.\t.\t.\t70 000\t\u201e\nSumma: 2 523 000 Mark\nIn Wirklichkeit wurde weniger verbraucht, da inzwischen die Materialpreise gesunken waren. Die tats\u00e4chlichen Ausgaben betrugen:\nHauptgeb\u00e4ude, Bau..................... 1 696 077,35 Mark\nInnere Einrichtung desselben.......... 257 621,78\t\u201e\nChemisches Laboratorium, Bau .\t.\t.\t295 285,16\t\u201e\nInnere Einrichtung desselben.......... 99 131,14\t\u201e\nNachtr\u00e4ge und bauliche Ver\u00e4nderungen\t20 818,50\t\u201e\nDesgleichen.\t14 090,78\t\u201e\nSa. tot 2 383 024,71 Mark","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"'imSSs\u00easm\nTiergarten\nIl \\\\%\nJL mw^ Dahlem <&.\nAbb. 1. Situationsplan von Berlin.\n\u25a0 Geb\u00e4ude bezw. Terrains der Landwirtschaftlichen Hochschule. I. Hauptgeb\u00e4ude Invalidenstra\u00dfe 42. II. Institute in der Seestra\u00dfe, a) Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und Ausstellungshalle, b) Institut f\u00fcr Zuckerindustrie, c) Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung. III. Versuchsfeld in Dahlem. IV. Kulturtechnisches \u00dcbungsfeld, ebendaselbst \u2014 Andere wissenschaftliche Anstalten. 1. Universtt\u00e4t. 2. Tier\u00e4rztliche Hochschule. 3. Museum f\u00fcr Naturkunde. 4. Kgl. geologische Landesanstalt und Bergakademie. 5. Technische Hochschule. 6. Botanischer Garten in Dahlem. 7. Kaiserliche biologische Anstalt f\u00fcr\nLand- und Forstwirtschaft. 8. Kgl. G\u00e4rtner-Lehranstalt.","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 2. Lageplan der landwirtschaftlichen Hochschule nebst den beiden benachbarten wissenschaftlichen Anstalten. Museum f\u00fcr Naturkunde sowie Geologische Landesanstalt und Bergakademie.","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 3. L\u00e4ngsschnitt durch das Hauptgeb\u00e4ude. Links Osten.","page":29},{"file":"p0030.txt","language":"de","ocr_de":"30\nIV. Beschreibung der Baulichkeiten der landwirtschaftlichen Hochschule.\nDas an der Nordseite der Invalidenstra\u00dfe, mit der Front fast genau nach S\u00fcden, belegene Hauptgeb\u00e4ude ist im italienischen Renaissancestil errichtet; es hat Gr\u00f6\u00dfe und Form mit dem Geb\u00e4ude der Kgl. Geologischen Landesanstalt und Bergakademie gemein, so da\u00df beide als die Fl\u00fcgel des weiter zur\u00fcckliegenden Mittelbaues, des Museums f\u00fcr Naturkunde, erscheinen.\nDie L\u00e4nge betr\u00e4gt 72 m, die Tiefe 55 m, die H\u00f6he bis zum Dachgesims 19,40 m. H\u00f6her erheben sich die Eckbauten und der n\u00f6rdliche Mittelbau.\nDas an der Nordostecke sich anschlie\u00dfende Hintergeb\u00e4ude hat eine L\u00e4nge von 61,39 m und eine Tiefe von 21,25 m.\nDas Hauptgeb\u00e4ude besteht aus einem Kellergescho\u00df von 3,70 m H\u00f6he, einem Erdgescho\u00df von 6,25 m H\u00f6he, einem 1. Stock von 6,50 m H\u00f6he, einem 2. Stock von 5,30 m H\u00f6he und einem Dachgescho\u00df von 3,75 m H\u00f6he bis zur Firstlinie. Die drei Hauptfronten sowie die beiden Seitenrisalite der n\u00f6rdlichen R\u00fcckfront sind in den Sockeln, Gesimsen, Fensterumrahmungen u. dgl. aus Sandstein, in den Mauerfl\u00e4chen, Friesen usw. aus rheinischem Tuffstein hergestellt.\nBez\u00fcglich des Grundrisses sei bemerkt, da\u00df fast alle Achsen (von Mitte eines Fensterpfeilers zur Mitte des n\u00e4chsten) 4 m betragen, so da\u00df man also leicht, ohne den Ma\u00dfstab zu H\u00fclfe zu nehmen, die Gr\u00f6\u00dfe der R\u00e4ume ersehen kann. Allerdings geht von den 4 m das Mauerwerk ab, so da\u00df im Lichten die Achsen je nach den Stockwerken nur 3,24 m bis 3,49 m Weite haben.\n2. Das Erdgescho\u00df.\nDas Erdgescho\u00df ist in seinen Hauptr\u00e4umen wie der erste Stock zu Sammlungsr\u00e4umen eingerichtet. Au\u00dferdem enth\u00e4lt es Verwaltungsund Arbeitsr\u00e4ume sowie einen H\u00f6rsaal.\nBetritt man das Geb\u00e4ude durch das Mittelportal, so gelangt mar in einen Vorraum, dessen obere Wandfl\u00e4chen mit Gem\u00e4lden (ObsternL Forstwesen, Getreideernte etc.) von Professor Gaertner-Dresdt geschm\u00fcckt sind. Ferner haben hier die B\u00fcsten hervorragender, um die Landwirtschaft verdienter M\u00e4nner Platz erhalten: Thaer, Koppe, v. Liebig, Schwerz, v. Nathusius, v. Th\u00fcnen, Marggraff, Achard.\nVon dieser Vorhalle aus f\u00fchrt der Weg in den gr\u00f6\u00dften und sch\u00f6nsten Raum der Hochschule, den mit Glas bedeckten 11 Achsen langen und 5 Achsen tiefen Lichthof, ein wahrer Ehrenhof, der als Maschinenhalle benutzt wird. Die genauen Ma\u00dfe betragen 43 m L\u00e4nge und 19,22 m Tiefe. Rings um diesen Raum l\u00e4uft eine offene Bogenhalle in der Breite einer Geb\u00e4udeachse, d. h. hier von 3,24 m Tiefe.\nAuf der Nordseite ist diese offene Bogenhalle zwei Achsen tief und erweitert sich in den drei mittleren Achsen noch um eine Achsenbreite zum Vorplatz f\u00fcr die Haupttreppe.","page":30},{"file":"p0031.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 4. Grundri\u00df des Erdgeschosses im Hauptgeb\u00e4ude.","page":31},{"file":"p0032.txt","language":"de","ocr_de":"32\nIV. Beschreibung der Baulichkeiten der landwirtschaftlichen Hochschule.\nVon der Bogenhalle gelangt man in die ihr anliegenden vier gro\u00dfen Museumsr\u00e4ume von je 19,44 m L\u00e4nge und 7,49 m Breite, deren Gew\u00f6lbedecken von S\u00e4ulen aus blauem belgischen Marmor getragen werden. An der S\u00fcdost- und S\u00fcdwestecke schlie\u00dft sich noch je ein quadratischer Raum von 8 m Seitenl\u00e4nge an. Alle diese S\u00e4le dienen f\u00fcr die zoologischen Sammlung, mit Ausnahme des Ostsaales, welcher f\u00fcr kleinere Maschinen- und Baumodelle bestimmt ist.\nAn der Nordseite finden sich die Verwaltungsr\u00e4ume und Arbeitszimmer bzw. Sammlungszimmer f\u00fcr den Vorsteher des zoologischen Instituts und den Professor der Maschinenkunde sowie ein H\u00f6rsaal.\n3.\tDie Haupttreppe.\nEinen Glanzpunkt des Geb\u00e4udes bildet die Haupttreppe aus Marmor, welche unten einarmig, im oberen Teil zweiarmig ist. Auf dem Podeste stehen die B\u00fcsten Seiner Majest\u00e4t des hochseligen Kaisers Friedrich und des jetzigen Kaisers Wilhelm II., oben in dem daran sto\u00dfenden Raum die Marmorb\u00fcste Kaiser Wilhelms I. von Begas, eine Gabe des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten und des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten. Die Treppenw\u00e4nde sind mit vier gro\u00dfen Wandgem\u00e4lden von Professor Gaertner-Dresden geschm\u00fcckt, zu welchen die Mittel von dem Herrn Minister der geistlichen Angelegenheiten und zwar aus dem Fonds zur F\u00f6rderung der monumentalen Kunst bewilligt wurden. Diese Gem\u00e4lde stellen dar: Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei. \u2014 Die Ma\u00dfe des Treppenraumes sind 11,23 m L\u00e4nge, bei 8,65 m Tiefe.\n4.\tDer erste Stock.\nDer erste Stock ist fast ausschlie\u00dflich zu Museumszwecken bestimmt. Von der Haupttreppe aus tritt man zun\u00e4chst in einen gro\u00dfen 43 m langen, 7,36 m tiefen Saal, dessen Gew\u00f6lbe von zwei S\u00e4ulen aus schwarzem belgischen Marmor, zwischen denen sich die oben erw\u00e4hnte Marmorb\u00fcste Kaiser Wilhelm I. trefflich abhebt, und acht S\u00e4ulen aus grauem Marmor von der Lahn getragen werden. Er dient nebst einem daransto\u00dfenden als Hauptsammlungsraum der zootechnischen Abteilung.\nVon seinen elf Achsen sind neun nach der Lichthalle (Maschinenhalle) des Geb\u00e4udes offen und gew\u00e4hren einen pr\u00e4chtigen Blick auf dieselbe. Auch die vier \u00fcbrigen gro\u00dfen Sammlungss\u00e4le des ersten Stockes, je 19,49 X 11,49 m gro\u00df, sind s\u00e4mtlich gew\u00f6lbt, ihre H\u00f6he bis zum Gew\u00f6lbescheitel betr\u00e4gt 6 m. Zwei Reihen S\u00e4ulen, in den beiden S\u00e4len der S\u00fcdseite aus schwedischem Granit, im Ost- und Westsaal aus blauem belgischen Marmor, teilen dieselben in je drei Schiffe und in einzelne quadratische Felder. Zu beiden Seiten der Haupttreppe liegt noch je ein Saal von 12 X 8 m, dessen Gew\u00f6lbe von S\u00e4ulen aus schlesischem Granit getragen werden. Der westliche dient f\u00fcr die Fischzucht-","page":32},{"file":"p0033.txt","language":"de","ocr_de":"Beschreibung des Hauptgeb\u00e4udes.\n33\nSammlung. Der \u00f6stliche, jetzt f\u00fcr Zootechnik und Betriebslehre benutzte, soll f\u00fcr Moorkultur eingerichtet werden. In der Mitte der\n\t\t\t\n\t\t(Tg\u2014\", \t1111111\" iJlTT \u2018 ' l !\t\nS\u00fcdfront hegt ein nur dreiachsiger Saal, mit einer Loggia nach der Lichthalle hin. (Abb. 6. Saal 32 und 33.) An den vier Ecken sind kleinere quadratische S\u00e4le von 8 m Seitenlange.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n3\nAbb. 5. Haupttreppe,","page":33},{"file":"p0034.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 6. Grundri\u00df des ersten Stockwerks im Hauptgeb\u00e4ude,","page":34},{"file":"p0036.txt","language":"de","ocr_de":"36\nBeschreibung der Baulichkeiten der Landwirtschaftlichen Hochschule.\nDer Hauptsaal an der Westfront nebst danebenliegenden kleineren ist von der mineralogisch-bodenkundlichen Sammlung eingenommen, der s\u00fcdwestliche Ecksaal von der Abteilung f\u00fcr Boden und D\u00fcnger, die s\u00e4mtlichen S\u00e4le an der S\u00fcdfront und der gro\u00dfe Ostsaal von der vegetabilischen Abteilung des Museums. Die Eckr\u00e4ume mit Ausnahme des oben erw\u00e4hnten s\u00fcdwestlichen dienen als Arbeitsr\u00e4ume.\n5. Der zweite Stock.\nDer zweite Stock ist fast ganz f\u00fcr Lehrzwecke eingerichtet. Er enth\u00e4lt ein gro\u00dfes Auditorium an der Nordseite f\u00fcr 219 Zuh\u00f6rer, ein mittleres Auditorium an der Nordwestecke f\u00fcr 98, und ein kleineres an der Westseite f\u00fcr 84 H\u00f6rer, au\u00dferdem vier Zeichens\u00e4le, davon zwei mit Oberlicht, ferner das agronomisch-pedologische Institut mit gro\u00dfem Laboratorium, das physikalische Institut, die Bibliothek, die Arbeits- und Sammlungsr\u00e4ume der geod\u00e4tischen Abteilung, das botanische Institut und die Versuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller. Letztere wird im Herbst 1906 unter diesem Namen aufh\u00f6ren und mit der Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung G. m. b. H. vereinigt werden. Die in der Seestra\u00dfe belegenen, noch nicht vollendeten Geb\u00e4ude dieser letzteren Anstalt werden nebst den \u00fcbrigen Instituten in der Seestra\u00dfe weiter unten f\u00fcr sich beschrieben werden.\nGar vielfache Ab\u00e4nderungen haben bez\u00fcglich der Benutzung mancher R\u00e4ume gegen fr\u00fcher stattgefunden \u2014 wie sich am besten aus einem Vergleich der in dieser Festschrift gegebenen Grundrisse und Abbildungen mit den fr\u00fcher ver\u00f6ffentlichten ergibt. Von letzteren sei au\u00dfer der bereits im vorigen Abschnitt genannten ausf\u00fchrlichen Beschreibung in Thiels Landw. Jahrb\u00fcchern 1881, S. 481, mit sechs Tafeln, auf Nr. 12 der \u201eDeutschen Landwirtschaftlichen Presse\u201c vom 11. Februar 1893 hingewiesen, in der auch treffliche Abbildungen aus den einzelnen Teilen des Museums und der Institute gegeben sind, w\u00e4hrend die Geb\u00e4ude des Hinterfl\u00fcgels und die der landwirtschaftlichen Hochschule angegliederten Institute in der Seestra\u00dfe in der \u201eDeutschen Landwirtschaftlichen Presse\u201c Nr. 83, 1903 dargestellt sind.\nb. Die Hintergeb\u00e4ude.\n(Abb. 8-9.)\nUrspr\u00fcnglich war nur ein einziges Hintergeb\u00e4ude mit zwei Geschossen vorhanden. Es enthielt in der s\u00fcdlichen H\u00e4lfte das chemische Laboratorium nebst H\u00f6rsaal, welche noch heute daselbst sich befinden, in der anderen das Laboratorium des Vereins f\u00fcr R\u00fcbenzucker-Industrie und dar\u00fcber das Laboratorium des Vereins der Spiritusfabrikanten in Deutschland.\nSp\u00e4ter wurde weiter n\u00f6rdlich auf dem Grundst\u00fcck der Hochschule an Stelle der ehemaligen Bronzegie\u00dferei ein eigenes Geb\u00e4ude f\u00fcr das","page":36},{"file":"p0037.txt","language":"de","ocr_de":"Hauptgeb\u00e4ude und Hintergeb\u00e4ude.\n37\nLaboratorium des Vereins der Spiritusfabrikanten in Deutschland, des Vereins Versuchs- und Lehrbrauerei in Deutschland und des Vereins der St\u00e4rke-Interessenten in Deutschland aufgef\u00fchrt, das\n1884 bezogen wurde. Die von diesen benutzten bisherigen R\u00e4ume wurden zum Teil dem chemischen Laboratorium \u00fcberwiesen, zum Teil auch dem Verein zur Bef\u00f6rderung des Gartenbaues, der daselbst namentlich seine reichhaltige Bibliothek aufstellte. Die Kosten des Laboratoriums f\u00fcr die G\u00e4rungsgewerbe (jetzt tierphysiologisches Institut, Abb. 2 u. 35) betrugen 109908,17 M.\nAls auch dies neue Geb\u00e4ude zu klein ward, wurden die bereits S. 21 genannten Baulichkeiten f\u00fcr die landwirtschaftlich-technischen Gewerbe in der Seestrage auf gef\u00fchrt und fast s\u00e4mtliche R\u00e4ume f\u00fcr die anderen Abteilungen der Hochschule in Benutzung genommen. \u00dcber diese Ver\u00e4nderungen und \u00fcber die neuer= dings hinzugekommenen Bauten ist bereits oben S. 23 berichtet.\nZu Zwecken des geod\u00e4tischen Unterrichtes wurde im Jahre 1892 auf\nC fient s che s J /es Li Lut\nAbb. 8. Grundri\u00df des ersten Hintergeb\u00e4udes (chemisches Laboratorium mit H\u00f6rsaal), des gro\u00dfen H\u00f6rsaals VI und des Erweiterungsbaues. \u2014 Erdgescho\u00df. Links Norden.\njpnpqj\u00dffi/rw/j","page":37},{"file":"p0038.txt","language":"de","ocr_de":"38\nBeschreibung der Baulichkeiten der Landwirtschaflichen Hochschule.\nder nord\u00f6stlichen Ecke des Hauptgeb\u00e4udes und im Jahre 1895 auf der nordwestlichen Ecke des Hauptgeb\u00e4udes ein Me\u00dfturm errichtet.\nIm Jahre 1900 ward auf der S\u00fcd-, Ost- und Westseite des Hauptgeb\u00e4udes, soweit diese an den Lichthof sto\u00dfen, ein drittes Stockwerk aufgesetzt, namentlich um einen neuen sehr gro\u00dfen Raum zum Mikroskopieren und zum Zeichnen, sowie auch Lagerr\u00e4ume f\u00fcr die Bibliothek zu gewinnen.\nW\u00e4hrend dieser Bau noch nicht vollendet war, wurden leider viele umfangreiche Reparaturen infolge eines sehr unerfreulichen Er-\nAbb. 9. Durchschnitt durch das erste Hintergeb\u00e4ude (chemisches Laboratorium)\neignisses notwendig. Am Sonntag, den 30. September 1900, als eben die Lehrer von der Trauerfeier zu Ehren ihres verstorbenen fr\u00fcheren Kollegen, des Kaiserl. Geheimen Regierungsrat Frank zur\u00fcckgekommen waren, trat im Keller eine verheerende Gasexplosion ein. Drei\u00dfig Gew\u00f6lbekappen des Kellers wurden emporgeschleudert, einige Pfeilerfundamente verschoben und schwerer Schaden an der zoologischen und der maschinentechnischen Sammlung angerichtet. Gl\u00fccklicherweise kamen bei den Hausbewohnern nur Verletzungen vor, die alle geheilt wurden. Eine n\u00e4here Beschreibung der Zerst\u00f6rungen und der wahrscheinlichen Ursache der Gasexplosion findet sich im Zentralblatt der Bauverwahung XX. Jahrg., S. 526 27 und im Jahresbericht d. landw. Hochschule f\u00fcr 1900.\nBei der Wiederherstellung der Maschinenhalle wurden die Wellenleitungen, die Dampfmaschine und das Wasserbassin, an welchem fr\u00fcher","page":38},{"file":"p0039.txt","language":"de","ocr_de":"Der Erweiterungsbau.\n39\nWasserhebemaschinen aufgestellt waren, entfernt und so eine einheitliche gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4che geschaffen.\nNoch waren die Sch\u00e4den der Gasexplosion nicht ganz beseitigt, als am 6. August 1901 im Dachgescho\u00df aus unaufgekl\u00e4rter Ursache eine Feuersbrunst ausbrach, die aber keinen sehr bedeutenden Schaden anrichtete. Bei der Wiederherstellung wurde das darunter belegene Laboratorium des agronomisch-pedologischen Instituts mit hohen, breiten Seitenfenstern versehen und erhielt so besseres Licht und bessere Ventilation.\nc. Der\nErweiterungsbau. (Abb. 2, 8 u. 10-16.)\nDer Erweiterungs\u00ab\t......... .\t...\nbau schlie\u00dft sich mit\nseiner Westseite an den\tAbb. IO. Durchschnitt durch das Treppenhaus im\n..\t... .\t...\t,\t\u201e\tErweiterungsbau. Links Westen.\nn\u00f6rdlichen 1 eil des aut\nSeite 36 erw\u00e4hnten ersten Hintergeb\u00e4udes an, welcher im Jahre 1904\ndurch die Verlegung des Laboratoriums des Vereins f\u00fcr R\u00fcbenzuckerindustrie nach dem in der Seestra\u00dfe errichteten Neubau frei wurde. Der ausschlie\u00dflich mit Oberlicht beleuchtete gro\u00dfe Arbeitsraum dieses Laboratoriums wurde zu einem H\u00f6rsaal mit 272 Sitzpl\u00e4tzen umgewandelt und durch Zuziehung des angrenzenden Korridors eine akustisch g\u00fcnstig wirkende Nische f\u00fcr den Vortragenden gewonnen.\nUber dem Oberlicht wurde im Dachraum eine elektrisch betriebene Verdunkelungsvorrichtung angebracht, welche ebenso wie der Elektroventilator und die elektrische Beleuchtung des Saales von der Vortragsnische aus bedient werden kann.\nDie benachbarten Erdgescho\u00dfr\u00e4ume wurden f\u00fcr Lehrzwecke sowie f\u00fcr ein Konferenzzimmer des\nAbb. 11. Durchschnitt durch den Erweiterungsbau T i i \u2022\u2022\t.\nmit der neuen Maschinenhalle. Links S\u00fcden. Lehrk\u00f6rpers, ein Zimmer f\u00fcr den","page":39},{"file":"p0040.txt","language":"de","ocr_de":"40\nBeschreibung der Baulichkeiten der Landwirtschaftlichen Hochschule.\nAusschu\u00df der Studierenden und ein Zimmer f\u00fcr den Verein zur Bef\u00f6rderung des Gartenbaues in den preu\u00dfischen Staaten eingerichtet, w\u00e4hrend der\nAbb. 12. Treppenhaus im Erweiterungsbau.\ngr\u00f6\u00dfte Teil des I. Stockwerks zur Erweiterung des chemischen Instituts Verwendung gefunden hat.","page":40},{"file":"p0041.txt","language":"de","ocr_de":"Der Erweiterungsbau.\n41\nDer an der Nordseite des neu eingerichteten H\u00f6rsaals im I. Stockwerk vorbeif\u00fchrende Korridor ist mit dem H\u00f6rsaal durch drei gro\u00dfe Bogen\u00f6ffnungen verbunden, welche mit doppelten Rolljalousien verschlossen sind; bei stark besuchten Vorlesungen k\u00f6nnen die\nJalousien gehoben und der obere Korridor als Galerie des Saales mitbenutzt werden.\nDiese Galerie wie der Saal selbst sind von dem Haupttreppenhause bequem erreichbar, das im westlichen Teil des Neubaues angelegt ist. Die Treppenl\u00e4ufe werden von massiven Kreuzgew\u00f6lben getragen und ruhen auf Pfeilern von geflecktemBr\u00e8che Kiefer-Marmor aus dem Unterengadin. Die farbige Behandlung der Decken, W\u00e4nde, Fu\u00dfb\u00f6den und Treppengel\u00e4nder, sowie die farbige Verglasung der Fenster wirken zu einem harmonischen Ganzen zusammen. (Siehe Abb. 12.)\nUnmittelbar neben dem Haupttreppenhause befindet sich der elektrisch betriebene Aufzug f\u00fcr Personen- und Lastenbef\u00f6rderung, welcher vom Kellergescho\u00df bis ins Dachgescho\u00df hinauff\u00fchrt. Das Treppenhaus\nChemisches Laboratorium\nAbb. 13. Grundri\u00df des ersten Stockwerks im ersten Hintergeb\u00e4ude und im Erweiterungsbau. Links Norden, rechts Anschlu\u00df an das Hauptgeb\u00e4ude.","page":41},{"file":"p0042.txt","language":"de","ocr_de":"42\nBeschreibung der Baulichkeiten der Landwirtschaftlichen Hochschule.\nwird oberhalb durch ein steiles Ziegeldach turmartig abgeschlossen. (Siehe Abbildung des Durchschnitts Abb. 10 und 11.)\nDie Arbeitsr\u00e4ume der Institute liegen in einem langen Seitenfl\u00fcgel an der s\u00fcdlichen Grundst\u00fccksgrenze, sowie in einem mittleren, mit zweiseitiger Beleuchtung versehenen Quergeb\u00e4ude. An der Kreuzung\nMiArvsko/utir. u.lfiUenic/\u00e4ssaal FBodenJtun\nJtf/um f\u00f9r [ihotografJasc/ir\nAbb. 14. Grundri\u00df des zweiten Stockwerks im Erweiterungsbau. Links Osten. Mineralogisch-bodenkundliches Institut.\nSchr\u00e4nk#\n| Cfb\u00e8misc/ies | ff/iu/itl/iboratcrriiUTi\nAbb. 15. Grundri\u00df des dritten Stockwerks im Erweiterungsbau. Links Osten. Agrikulturchemische Versuchsstation.\nbeider Bauteile befindet sich die Nebentreppe. S\u00e4mtliche Zwischendecken des Neubaues sind massiv zwischen eisernen Tr\u00e4gern ausgef\u00fchrt, diejenigen \u00fcber dem Kellergescho\u00df sind besonders tragf\u00e4hig konstruiert, um die starke Belastung durch Maschinen aufnehmen zu k\u00f6nnen. Die Fu\u00dfb\u00f6den bestehen durchweg aus Linoleumbelag auf Gipsestrich, nur in den Ausstellungsr\u00e4umen des Erdgeschosses sind Terrazzo-Fliesen in mehrfarbigen Mustern verwendet worden.","page":42},{"file":"p0043.txt","language":"de","ocr_de":"Der Erweiterungsbau.\n43\nMit Ausnahme der Treppenh\u00e4user und Korridore, welche mit Gasgl\u00fchlicht beleuchtet werden, haben alle R\u00e4ume elektrische Beleuchtungsk\u00f6rper verschiedener Konstruktion erhalten.\nDie Gescho\u00dfh\u00f6hen betragen im Kellergescho\u00df 2,80 m, im Erdgescho\u00df, I. bis III. Stockwerk je 4,50 m, in dem v\u00f6llig massiv ausgebauten Mansardengescho\u00df 3,80 m.\nDer am \u00f6stlichen Hofe liegende Teil des Kellers nimmt die Kessel der Dampfniederdruckheizung auf und hat zu diesem Zwecke eine H\u00f6he von 4,30 m erhalten. Der westliche Hof ist vollst\u00e4ndig unterkellert und mit einer elektrisch betriebenen Hebeb\u00fchne bedeutender Tragf\u00e4higkeit vom Osthofe aus zug\u00e4nglich gemacht, soda\u00df die ausgedehnten Kellerr\u00e4ume zur Lagerung von landwirtschaftlichen Maschinen mitbenutzt werden k\u00f6nnen.\nJfirsterrvt hrr/mffe//\nAbb. 16. Grundri\u00df des vierten Stockwerks im Erweiterungsbau. Links Osten. Agrikulturchemische Versuchsstation.\nEin an der Nordseite des Osthofes vorhandenes altes Werkstattgeb\u00e4ude ist mit dem neuen Quergeb\u00e4ude verbunden und als Reparaturwerkstatt der Brandenburgischen Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatz-Genossenschaft, G. m. b. H., eingerichtet worden. Mit Ausnahme eines f\u00fcr den Dozenten der Maschinenkunde bestimmten Arbeitsraumes hat diese Genossenschaft die R\u00e4ume des Erdgeschosses einschlie\u00dflich des mit einem Glasdach \u00fcberdeckten westlichen Lichthofes f\u00fcr die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen gemietet. (Siehe Abb. 8 u. 13.)\nDie Kosten des Erweiterungsbaues haben ca. 470 000 M. betragen, hierzu treten f\u00fcr die innere Einrichtung 152 000 M. und f\u00fcr die Umbauten der angrenzenden \u00e4lteren Bauteile 96 000 M.\nDie Beschreibung der in der Seestrasse belegenen Geb\u00e4ude folgt weiter unten.","page":43},{"file":"p0044.txt","language":"de","ocr_de":"V.\nOrgane f\u00fcr die der\nLeitung und Verwaltung Hochschule.\nLaut \u00a7 5 der im Anhang abgedruckten Satzungen von 1897 ist die landwirtschaftliche Hochschule dem Herrn Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten direkt unterstellt. Die Organe f\u00fcr die Leitung der Hochschule sind: 1. das Kuratorium, 2. der Rektor, 3. das engere und weitere Lehrerkollegium.\n1. Das Kuratorium.\nDie Mitglieder des Kuratoriums werden laut \u00a7 6 der Satzungen vom Minister ernannt. Die Aufgabe des Kuratoriums besteht haupts\u00e4chlich in der Pflege der wissenschaftlichen Interessen der Hochschule. \u2014 Um zugleich eine enge F\u00fchlung mit der Universit\u00e4t zu erhalten, ist neben einem Mitgliede des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft etc. stets auch ein Mitglied des Ministeriums f\u00fcr die geistlichen Angelegenheiten zum Kurator ernannt worden.\nSeit Beginn der Hochschule, und wie im geschichtlichen Teile auseinander gesetzt, schon vorher beim landwirtschaftlichen Institut, ist der jetzige Ministerialdirektor Dr. Hugo Thiel der Vorsitzende des Kuratoriums, ihm zur Seite stand anfangs der Geh. Ober-Regierungsrat Goeppert, der aber leider schon am 18. M\u00e4rz 1882 starb. Von jener Zeit an ist der jetzige Direktor im Ministerium der geistlichen etc. Angelegenheiten Se. Exzellenz Dr. Althoff in seine Stelle getreten. So hat denn die Hochschule das Gl\u00fcck gehabt, viele Jahre immer dieselben M\u00e4nner im Kuratorium zu sehen, und n\u00e4chst den vorgeordneten Herren Ministern f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, welche der Hochschule stets ein besonderes Wohlwollen entgegenbrachten, verdankt sie der unerm\u00fcdlichen F\u00fcrsorge ihrer Kuratoren ganz besonders ihr Gedeihen.\nLebenslauf des Ministerialdirektors Dr. Hugo Thiel.\nThiel, Dr. Hugo, geb. 2. Juni 1839 zu Bonn, trat nach Absolvierung des Gymnasiums 1857 auf dem gr\u00e4flich Bismarck-Bohlenschen Gute Uenglingen bei Stendal in die Lehre, verwaltete 1859\u20141861 das Freiherr von Diergardtsche Gut Morsbroich bei M\u00fchlheim a. Rh., studierte hierauf bis 1864 an der Landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf und an der Universit\u00e4t Bonn und hielt sich den Sommer 1864 in Schottland und","page":44},{"file":"p0045.txt","language":"de","ocr_de":"Lebenslauf des Ministerialdirektors Dr. Althoff.\n45\nEngland auf, wohin sp\u00e4ter wiederholte Reisen folgten. 1865 dozierte er als Privatdozent an der Universit\u00e4t und der Akademie Poppelsdorf, deren Versuchsfeld er von 1867 an leitete. 1869 erfolgte seine Berufung als Professor der Landwirtschaft an das Polytechnikum nach Darmstadt und 1872 in derselben Eigenschaft nach M\u00fcnchen, nachdem er 1870\u201471 den Feldzug gegen Frankreich als Freiwilliger mitgemacht hatte. 1873 wurde er zum Landes-\u00d6konomierat und Generalsekret\u00e4r des Landes - \u00d6konomie - Kollegiums und zum Hilfsarbeiter, 1879 zum Geheimen Regierungs- (1885 Geheimen Ober-Regierungs-) und Vortragenden Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten in Berlin und 1897 zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat und Direktor der II. Abteilung, f\u00fcr Verwaltung der Dom\u00e4nen, ernannt. Die Session 1874-77 fand ihn als Mitglied des Deutschen Reichstages und des Hauses der Abgeordneten. Von 1873\t80 gab er mit H. v. Nathusius,\nvon da allein die Landw. Jahrb\u00fccher (XXXIV. Jahrg. 1905) heraus. Thiel ist Herausgeber des Mentzel- und von Lengerke\u2019schen landw. Hilfs-und Schreibkalenders (59. Jahrg. 1906) und war Mitherausgeber von Albrecht Thaers Grunds\u00e4tzen der rationellen Landwirtschaft (1880).\nLebenslauf Sr. Exzellenz des Ministerialdirektors Dr. Althoff.\nFriedrich Theodor Althoff, geh. den 19. Februar 1839 zu Dinslaken am Niederrhein, besuchte das Gymnasium in Wesel, bezog 1856 die Universit\u00e4t Bonn und studierte weiter in Berlin. Vom Jahre 1861 ab arbeitete er bei verschiedenen Gerichten, namentlich am Justizsenat in Ehrenbreitstein, am Kreisgericht Berlin und am Landgericht Bonn. Hierauf kam er nach Stragburg als Mitglied und Justiziar des Zivilkommissariats, des sp\u00e4teren Oberpr\u00e4sidiums von Elsag-Lothringen. In Stragburg nahm er regen Anteil an der Begr\u00fcndung der Universit\u00e4t, trat im Jahre 1872 in diese als augerordentlicher Professor f\u00fcr b\u00fcrgerliches Recht, insbesondere auch franz\u00f6sisches Recht ein und wurde 1880 zum ordentlichen Professor ernannt. Im Jahre 1882 wurde er als Referent f\u00fcr Universit\u00e4ts-Angelegenheiten in das preugische Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten berufen, dem er seit 1897 als Ministerialdirektor angeh\u00f6rt. Im Jahre 1901 erhielt er das Pr\u00e4dikat \u201eExzellenz.\u201c \u2014\n2. Die Rektoren.\nDer Rektor wird von dem engeren Lehrerkollegium aus dessen Mitgliedern gew\u00e4hlt und seit Geltung der Satzungen von 1897 von Sr. Majest\u00e4t dem Kaiser und K\u00f6nig best\u00e4tigt. Die Amtsperiode des Rektors ist zweij\u00e4hrig und beginnt mit dem 1. April. Die Wahl hat sp\u00e4testens im Laufe des Januar stattzufinden.\nRektoren waren f\u00fcr die Amtsperiode\n1. April 1881\u20141883 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Landolt, 1883\u20141885 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Settegast, 1885\u20141887 Professor Dr. Orth,\n1887\u20141889 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Settegast, 1889 \u2014 1891 Professor Dr. Wittmack,\n1891\u20141893 Professor Dr. Kny,","page":45},{"file":"p0046.txt","language":"de","ocr_de":"46\nOrgane f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\n1893\u20141895 Professor Dr. H. Werner,\n1895\u20141897 Professor Dr. Frank,\n1897\t-1898 Professor Dr. Fleischer,\n1898\t\u2014 1900 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Delbr\u00fcck, 1900\u20141902 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Vogler,\n1902\t1904 Professor Dr. Gr\u00fcner,\n1904\t1906 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Orth.\nProfessor Dr. Fleischer bekleidete sein Amt nur ein Jahr, weil er am 1. April 1898 als Geheimer Regierungs- und Vortragender Rat in das Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten \u00fcbertrat. Seit dieser Zeit ist er Dezernent f\u00fcr die landwirtschaftliche Hochschule und hat seine Anh\u00e4nglichkeit an dieselbe auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dag er nach wie vor seine Vorlesung \u00fcber Moorkultur an derselben h\u00e4lt.\n3. Das engere Lehrerkollegium.\nDas engere Lehrerkollegium hat laut \u00a7 13 der Satzungen die allgemeinen Interessen des Unterrichts auf der Hochschule wahrzunehmen und f\u00fcr die Vollst\u00e4ndigkeit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit desselben Sorge zu tragen. Speziell hat das engere Lehrerkollegium daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df jeder Studierende der Hochschule w\u00e4hrend der im Studienplan vorgesehenen Studienzeit Gelegenheit hat, die erforderlichen Vortr\u00e4ge in geordneter Folge zu h\u00f6ren, bezw. \u00dcbungen durchzumachen. Wenn in dieser Hinsicht sich in dem Lehrg\u00e4nge L\u00fccken oder M\u00e4ngel finden, so hat das Lehrerkollegium dar\u00fcber an den Minister durch Vermittlung des Kuratoriums rechtzeitig Bericht zu erstatten.\nBei Er\u00f6ffnung der Hochschule bezw. am 1. April 1881 bestand das engere Lehrerkollegium nur aus zehn Personen und zwar:\nProf.\tDr.\tB\u00f6rnstein, Physik,\n\u201e\t\u201e\tFrank, Pflanzenphysiologie\tund\tPathologie,\n\u201e\t\u201e\tGr\u00fcner, Mineralogie und\tGeologie,\n\u201e\t\u201e Kny, zugleich a. o. Prof, an der Universit\u00e4t all-\ngemeine Botanik,\nGeh. Reg.-Rat Prof. Dr. Lan do lt, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Chemie,\nProf. Dr. N eh rin g, Zoologie,\n\u201e\t\u201e Orth, zugl. a. o. Prof, an der Universit\u00e4t, Landwirtschaft,\nGeh. Reg.-Rat Prof. Dr. Settegast, Landwirtschaft,\nProf. Dr. Wittmack, zugleich a. o. Prof, an der Universit\u00e4t, systematische Botanik,\n\u201e\t\u201e\tZuntz, Tierphysiologie,\nDie Professur f\u00fcr National\u00f6konomie, bezw. Rechts- und Staatswissenschaften war unbesetzt, weil der am 25. Juli 1879 an die Universit\u00e4t und das landwirtschaftliche Institut berufene ordentliche Professor Dr. Held gestorben war. Den Unterricht erteilte zun\u00e4chst Dr. Jannasch.\nAm 28. Dezember 1881 wurde Prof. Dr. Schmoller, Stra\u00dfburg zum ordentlichen Professor an der Universit\u00e4t ernannt und \u00fcbernahm","page":46},{"file":"p0047.txt","language":"de","ocr_de":"Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\n47\nam 1. April 1882 zugleich die Professur der National\u00f6konomie an der landwirtschaftlichen Hochschule.\nMit dem 1. April 1889 schied, wie oben (S. 20) bereits gesagt, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Settegast wegen hohen Alters aus, seine Professur wurde geteilt und es traten, wie oben schon erw\u00e4hnt, ein:\nProf. Dr. Hugo Werner, Poppelsdorf, f\u00fcr Betriebslehre und Rindviehzucht.\n\u201e\t\u201e Curt Lehmann, bisher Honorardozent und Assistent\nan der landwirtschaftlichen Hochschule, f\u00fcr Tierzucht und F\u00fctterungslehre.\nWegen Uberb\u00fcrdung mit Universit\u00e4tsvorlesungen und Arbeiten f\u00fcr die Akademie der Wissenschaften schied am 1. Oktober 1889 Prof. Dr. Schmoller aus. An seine Stelle trat:\nProf. Dr. Sering, der inzwischen, am 1. April 1897, auch zugleich zum ordentlichen Professor an der Universit\u00e4t bef\u00f6rdert ist.\nAm 1. April 1892 trat auch Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Landolt aus, da er die Leitung des zweiten chemischen Instituts der Universit\u00e4t \u00fcbernahm. Sein Nachfolger ward der bisherige Direktor der Moorversuchsstation Bremen, Prof. Dr. Fleischer, der wie oben mitgeteilt (Siehe Rektor S. 45) am 1. April 1898 als Geh. Reg.-Rat und Vortragender Rat in das Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft \u00fcbertrat.\nGleichzeitig mit Prof. Fleischer wurde zum 1. April 1892 der bisherige Assistent an der geod\u00e4tischen Abteilung, Hegemann, als Professor in die neu gegr\u00fcndete Stelle des zweiten Lehrers der Geod\u00e4sie berufen.\nAm 1. April 1897 wurde der bisherige Hilfslehrer, Oberlehrer Prof. Dr, Reichel zum etatsm\u00e4\u00dfigen Professor f\u00fcr Mathematik ernannt.\nDie Professur f\u00fcr Chemie blieb vom 1. April 1898 bis 1. Oktober desselben Jahre unbesetzt; am letzteren Tage \u00fcbernahm sie der bisherige au\u00dferordentliche Professor in T\u00fcbingen Dr. Ed. Buchner.\nEine bedeutende Ver\u00e4nderung erfolgte am 1. April 1899. Mit diesem Tage schied der Professor Dr. Frank aus, da er zum Kaiserlichen Geheimen Regierungsrat und Vorsteher der biologischen Abteilung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ernannt war (vergl. S. 25), und seine Vorlesung \u00fcber Pflanzenphysiologie wurde dem Prof. Kny \u00fcbertragen. Frank selbst behielt aber als Honorardozent die Vorlesung \u00fcber Pflanzenkrankheiten; leider nicht lange, denn schon am 27. September 1900 wurde er durch den Tod abgerufen und die Vorlesung dem Dr. Kr\u00fcger \u00fcbertragen.\nAm 1. Juli 1899 wurde der bisherige Honorardozent f\u00fcr technische Chemie, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Delbr\u00fcck, welcher bereits seit 1890 dem engeren Lehrerkollegium angeh\u00f6rt hatte, zum etatsm\u00e4\u00dfigen Professor ernannt. Am 1. April 1903 wurden die Professoren Dr. Herzfeld, Leiter des Instituts f\u00fcr Zuckerindustrie und","page":47},{"file":"p0048.txt","language":"de","ocr_de":"48\nOrgane f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\nProfessor Saare, stellvertretender Vorsteher des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation zu Mitgliedern des engeren Lehrerkollegiums ernannt. Professor Dr. Saare starb aber bereits am 1. Juni 1903.\nEine neue Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen und Bakteriologie ward 1901 eingerichtet und am 10. April des genannten Jahres der bisherige Privatdozent Dr. Remy damit betraut.\nEin Jahr sp\u00e4ter ward die langersehnte Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Maschinenwesen geschaffen und am 1. April 1902 dem Regierungsbaumeister Dr. Gustav Fischer \u00fcbertragen.\nAm 29. September 1904 starb der einige Tage vorher zum Geheimen Regierungsrat ernannte Professor Dr. Alfred Nehring und wurde seine Vorlesung f\u00fcr das Wintersemester 1904/05 vertretungsweise von Herrn Regierungsrat Professor Dr. R\u00f6rig gehalten. Am 1. April 1905 wurde der Privatdozent an der Universit\u00e4t Professor Dr. Plate mit der Professur f\u00fcr Zoologie betraut.\nZum 1. April 1905 wurde Professor Dr. Remy nach Poppelsdorf versetzt und die Professur f\u00fcr Versuchswesen am 1. Juni 1905 dem Direktor der agrikulturchemischen Versuchsstation der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg Dr. Lemmermann verliehen. Die Versuchsstation ward von Dahme nach Berlin in die von der Landwirtschaftskammer gemieteten R\u00e4ume der Hochschule verlegt. Vergl. S. 23.\nGegenw\u00e4rtig besteht das engere Lehrerkollegium aus 17 etats-m\u00e4gigen Professoren und einem nicht etatsm\u00e4gigen (gegen 10 im Jahre 1881) und zwar:\nDr. B\u00f6rnstein, Physik, zugleich Privatdozent an der Universit\u00e4t, Dr. Buchner, Chemie,\tdesgl.,\nDr. M. Delbr\u00fcck, Geh. Regierungsrat, technische Chemie,\nDr. Fischer, landwirtschaftliche Maschinenkunde,\nDr. Gr\u00fcner, Geh. Regierungsrat, Mineralogie, Geologie und Bodenkunde,\nHegemann, Geod\u00e4sie,\nDr. Herzfeld, Direktor des Instituts f\u00fcr Zuckerindustrie (nicht etatsm\u00e4giger Professor),\nDr. Kny, Geh. Regierungsrat, Botanik, zugleich augerordentlicher Professor an der Universit\u00e4t,\nDr. Lehmann, Tierzucht,\nDr. Lemmermann, landwirtschaftliches Versuchswesen,\nDr. Orth, Geh. Regierungsrat, Pflanzenbau, Bodenkunde, zugleich augerordentlicher Professor an der Universit\u00e4t,\nDr. Plate, Zoologie, zugleich Privatdozent an der Universit\u00e4t, Dr. Reichel, Geh. Regierungsrat, Mathematik,\nDr. Sering, Rechts- und Staatswissenschaft, zugleich ordentlicher Professor an der Universit\u00e4t,","page":48},{"file":"p0049.txt","language":"de","ocr_de":"V. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\n49\nDr. Vogler, Geh. Regierungsrat, Geod\u00e4sie,\nDr. Werner, Geh. Regierungsrat, landwirtschaftliche Betriebslehre und Rindviehzucht,\nDr. Wittmack, Geh. Regierungsrat. systematische Botanik, zugleich au\u00dferordentlicher Professor an der Universit\u00e4t,\nDr. Zuntz, Geh. Regierungsrat, Tierphysiologie.\n4. Das weitere Lehrerkollegium.\nDas weitere Lehrerkollegium besteht laut \u00a7 21 der Satzungen aus allen Dozenten, welche an der landwirtschaftlichen Hochschule Unterricht erteilen.\nAu\u00dfer den etatsm\u00e4\u00dfigen Professoren geben an der Hochschule Unterricht: 1. die Honorardozenten, d. h. diejenigen, welchen gegen Honorar ein bestimmter Lehrauftrag erteilt ist; 2. die Privatdozenten, welche nach ihrer Wahl Vorlesungen anzeigen k\u00f6nnen, die allerdings der Genehmigung des engeren Lehrerkollegiums bed\u00fcrfen. Sie beziehen nur das Honorar, welches von den Studierenden f\u00fcr diese Vorlesungen extra bezahlt wird.\na) Die Honorardozenten.\nBei der Auswahl von Honorardozenten, Lehrern f\u00fcr gewisse F\u00e4cher, ist die Hochschule in der gl\u00fccklichen Lage, in Berlin t\u00fcchtige Spezialisten heranziehen zu k\u00f6nnen. Die Beziehungen zum Ministerium haben es erm\u00f6glicht, da\u00df selbst Vortragende R\u00e4te ihre Kraft der Hochschule leihen, die N\u00e4he der Tier\u00e4rztlichen Hochschule hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df mehrere der dortigen Professoren Vorlesungen \u00fcbernahmen, wie auch die Tier\u00e4rztliche Hochschule gestattet, da\u00df ihr Rassenstall zu Demonstrationen f\u00fcr die Studierenden der Landwirtschaft benutzt wird.\nNaturgem\u00e4\u00df ist bei den Honorardozenten ein viel gr\u00f6\u00dferer Wechsel eingetreten als bei den etatsm\u00e4\u00dfigen Professoren, da h\u00e4ufig Versetzungen der Dozenten oder Todesf\u00e4lle stattfanden. Andererseits aber hat die Hochschule doch das Gl\u00fcck gehabt, einige der Honorardozenten seit vielen Jahren an der Anstalt wirken zu sehen. Als Senior allen voran steht hier Professor Schotte, der seit 33 Jahren die Maschinenkunde vertritt, und mit gro\u00dfem Bedauern sieht die Hochschule ihn am 1. April 1906 scheiden.\nAuch der Stabsveterin\u00e4r a. D. K\u00fcttner wirkt seit 29 Jahren an der Anstalt als Lehrer f\u00fcr Hufbeschlag, Garteninspektor Lindemuth seit 24 Jahren.\nUnter den Dahingeschiedenen seien als lange Jahre Wirkende genannt: Geh. Regierungsrat Prof. M\u00fcller von der Tier\u00e4rztlichen Hochschule 1868\u20141901 (f 6. M\u00e4rz 1901), Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Dieckerhoff von derselben Anstalt 1872\t1903.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n4","page":49},{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"50\nV. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\nDie einzelnen F\u00e4cher sind nach und nach mehr spezialisiert worden, namentlich die Tierarzneikunde, die jetzt von f\u00fcnf Dozenten vorgetragen wird (siehe unten Tierarzneikunde).\nAls neuester Gegenstand, der erst 1905 hinzutrat, ist landwirtschaftliche Handelskunde, Genossenschaftswesen und Wohlfahrtspflege zu nennen, welcher von Herrn Professor Dr. Fa\u00dfbender, Mitglied des Hauses der Abgeordneten, vorgetragen wird.\nF\u00fcr hier kommt es wesentlich darauf an, zu zeigen, welche F\u00e4cher durch Honorardozenten vertreten sind. Es wird sich das am leichtesten aus einer Auff\u00fchrung der jetzigen Dozenten und ihres Faches ergeben: Prof. Dr. Eberlein, K\u00f6nigl. Tier\u00e4rztliche Hochschule, Veterin\u00e4r-kunde,\n,,\t\u201e Eggeling, Geh. Regierungsrat, desgl.\n,,\t,, Fa\u00dfbender, Mitglied des Hauses der Abgeordneten,\nlandwirtschaftliches Genossenschaftswesen etc.\n,,\t\u201e Fleischer, Geh. Ober-Regierungsrat und Vortragender\nRat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, Moorkultur,\n,,\t,, Fr\u00f6hner, z. Z. Rektor der K\u00f6nigl. Tier\u00e4rztlichen Hoch-\nschule, Veterin\u00e4rkunde,\n\u201e\t\u201e Herzfeld, Direktor des Instituts f\u00fcr Zuckerindustrie,\ntechnische Chemie (ist Mitglied des engeren Lehrerkollegiums),\nForstmeister Kottmeier, K\u00f6penick, Forstwirtschaft,\nDr. Fr. Kr\u00fcger, Hilfsarbeiter an der Kaiserlichen biologischen Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz,\nStabsveterin\u00e4r a. D. K\u00fcttner, Huf beschlagslehre, Garteninspektor Lindemuth, K\u00f6nigl. Universit\u00e4tsgarten, Gem\u00fcse-, Obst- und Weinbau etc., von M\u00fcnstermann, Geh. Oberbaurat und Vortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, Kulturtechnik,\nNoack, Landbauinspektor, Landwirtschaftliche Baulehre, Nolda, Geh. Ober-Baurat und Vortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, Erd-, Wasser-, Wege- und Br\u00fcckenbau,\nPeltzer, Geh. Regierungsrat und Vortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, Rechtskunde,\nProf. Dr. R\u00f6rig, Kaiserlicher Regierungsrat an der Kaiserlichen biologischen Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, landwirtschaftliche Entomologie,","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"V. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\n51\nDr. Schiemenz, Vorsteher der Biologischen Station des Deutschen Fischerei - Vereins, am M\u00fcggelsee, Friedrichshagen, Fischzucht,\nProf. Dr. Schmaltz, K\u00f6nigl. Tier\u00e4rztliche Hochschule, Veterin\u00e4rkunde,\nProf. Schotte, Geheimer Rechnungsrat, landwirtschaftliche Maschinenkunde,\nDr. Zerban, Assistent am chemischen Laboratorium, Chemie, b. Die Privatdozenten.\nEine dankenswerte Erg\u00e4nzung des Unterrichtes bilden die Vorlesungen der Privatdozenten. Um als Privatdozent f\u00fcr die begr\u00fcndenden F\u00e4cher (Naturwissenschaften, Staatswissenschaften etc.) zugelassen zu werden, ist es erforderlich, dag der Betreffende bereits als Privatdozent an der Universit\u00e4t habilitiert ist. Im \u00fcbrigen gelten die unter dem 18. Mai 1877 von dem Minister f\u00fcr Landwirtschaft etc. erlassenen \u201eVorschriften f\u00fcr die Habilitation als Privatdozent der Landwirtschaft an einer h\u00f6heren Lehranstalt\u201c, mit Ausnahme der Bestimmung ad c.\nDie Habilitation als Privatdozent der Landwirtschaft kann laut dieser Vorschriften erst zwei Jahre nach Absolvierung des akademischen Studiums stattfinden. Dem Gesuche sind beizuf\u00fcgen:\na)\tdas Maturit\u00e4tszeugnis eines Gymnasiums oder einer Realschule 1. Ordnung;\nb)\tein Zeugnis \u00fcber ein mindestens dreij\u00e4hriges Studium auf h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten oder Universit\u00e4ten, wobei von der Gesamtstudienzeit auf letztere mindestens ein Jahr gefallen sein mug;\nc)\tder Nachweis einer mindestens zweij\u00e4hrigen praktischen landwirtschaftlichen T\u00e4tigkeit;\nd)\tdas Doktordiplom, durch Promotion nach m\u00fcndlicher Pr\u00fcfung und auf Grund einer gedruckten Dissertation an einer deutschen Universit\u00e4t erworben;\ne)\tdie Doktor-Dissertation und\nf)\teine Habilitationsschrift. Die Stelle derselben k\u00f6nnen sonstige eigene wissenschaftliche Arbeiten im Manuskript oder Druck vertreten.\nGegenw\u00e4rtig wirken an der Hochschule als Privatdozenten Dr. Caspari, Tierphysiologie,\nProfessor Dr. Fesca, z. Z. Witzenhausen bei Cassel, tropische Agrikultur,\nProfessor Dr. Kolkwitz, Botanik,\nDr. Less, Witterungskunde,\nDr. Werner Magnus, Botanik,\nProfessor Dr. Marckwald, Chemie,\n4*","page":51},{"file":"p0052.txt","language":"de","ocr_de":"52\nV. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\nDr. Meisenheimer, Chemie,\nDr. V\u00f6ltz, Tierzucht.\nEs waren fr\u00fcher als Privatdozenten t\u00e4tig:\nEingetreten 1881: Bibliothekar Dr. Deetz, f 14. Juni 1883.\n\u201e\t1884:\tDr. Tschirch, jetzt o. \u00f6. Prof, in Bern.\n\u201e\t1885:\tDr. Hayduck, Prof., f 5. Oktober 1899.\n\u201e\t1891: Dr. Kaerger, f 29. September 1903.\n\u201e\t1892: Dr. Carl M\u00fcller, Prof., jetzt Prof. a. d. Kgl.\nG\u00e4rtner-Lehranstalt in Dahlem.\n\u201e\t1893: Dr. Schmoeger, Prof., jetzt Vorsteher der\nlandw. Versuchsstation Danzig.\n\u201e\t1895:\tDr. Frentzel, Prof., f 25. April 1902.\n\u201e\t1897:\tDr. Albert, jetzt Prof. d. Chemie in Eberswalde.\n\u201e\t1898:\tDr. Remy, 1900 etatsm\u00e4gigerProf., jetzt in Bonn.\nDie drei Abteilungen und ihre Vorsteher.\nZur Wahrnehmung der speziellen Interessen der haupts\u00e4chlichen, an der landwirtschaftlichen Hochschule vertretenen Unterrichtszweige werden laut \u00a7 22 der Satzungen von 1897 drei Abteilungen gebildet: eine f\u00fcr Landwirtschaft,\n\u201e\t\u201e Geod\u00e4sie und Kulturtechnik,\n\u201e\t\u201e die landwirtschaftlich-technischen Gewerbe.\nDiese Abteilungen bestehen aus den Mitgliedern des weiteren Lehrerkollegiums (also auch den Honorar- und Privatdozenten), welche bei dem f\u00fcr die betreffende Abteilung bestimmten Unterricht beteiligt sind.\nDen Vorsteher jeder Abteilung w\u00e4hlen die dem engeren Lehrerkollegium angeh\u00f6renden Abteilungsmitglieder aus ihrer Mitte. Die Wahl des Vorstehers findet alle zwei Jahre nach der Neuwahl des Rektors statt, sobald diese die erforderliche Best\u00e4tigung erhalten hat.\nDie Abteilungen haben insbesondere f\u00fcr die Vollst\u00e4ndigkeit und Zweckm\u00e4gigkeit des f\u00fcr das betreffende Studium bestimmten Lehrplans und der bez\u00fcglichen Unterrichtseinrichtungen zu sorgen und die daf\u00fcr erforderlichen Antr\u00e4ge beim Rektor oder engeren Lehrerkollegium zu stellen. Der Vorsteher jeder Abteilung hat die betreffenden Studierenden, welche sich an denselben wenden, mit Rat und Auskunft zu unterst\u00fctzen.\nAbteilungsvorsteher waren in der landwirtschaftlichen Abteilung:\n1. April 1897 \u2014 1900 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Orth,\n1.\t\u201e\t1900\u20141902\t\u201e\t\u201e\t\u201e\t\u201e Werner.\n1.\t\u201e 1902\u20141904 Professor Dr. Lehmann,\n1.\t\u201e\t1904- 1906 Geh. Regierungsrat Professor Dr. Werner.\nIn der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung war von Anfang an (1883) Geh. Regierungsrat Professor Dr. Vogler Abteilungsvorsteher und in der Abteilung f\u00fcr landwirtschaftlich-technische Gewerbe von Anfang an (1897) Geh. Regierungsrat Professor Dr. Delbr\u00fcck.","page":52},{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"V. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\n53\nImmer war es das Bestreben der Lehrer der Hochschule, mit der Praxis in enger F\u00fchlung zu bleiben. Dies wurde durch die verschiedensten Mittel erreicht. Vielfach wurden Ausfl\u00fcge mit den Studierenden zum Besuch von Wirtschaften in den verschiedensten Teilen des Deutschen Reiches und dar\u00fcber hinaus gemacht, ferner die Ausstellungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft mit ihnen besucht und auch von einigen Lehrern im Auftr\u00e4ge des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, oder anderer Beh\u00f6rden, besonders aber auch im Auftr\u00e4ge der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft Reisen unternommen.\nVon gr\u00f6\u00dferen Reisen sind besonders die im Auftr\u00e4ge des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten ausgef\u00fchrten nach der Weltausstellung in Chicago 1893 zu nennen, ferner die zur Weltausstellung in Paris 1900, zum internationalen landwirtschaftlichen Kongre\u00df in Rom 1903 und zur Weltausstellung in St. Louis 1904.\nAuf allen genannten Weltausstellungen waren Mitglieder des Lehrk\u00f6rpers als Preisrichter t\u00e4tig, ebenso beteiligte sich die Hochschule auf denselben auch als Aussteller.\nIn hervorragender Weise war die Hochschule auf der ersten Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Frankfurt a. M. 1887, ferner auf der von dieser Gesellschaft in Berlin 1894 veranstalteten vertreten und wird auch 1906, wo die Ausstellung wieder in Berlin stattfindet, selbstverst\u00e4ndlich nicht fehlen. Au\u00dferdem beteiligte sie sich 1890 an der gro\u00dfen allgemeinen Gartenbau-Ausstellung des Vereins zur Bef\u00f6rderung des Gartenbaues in den preu\u00dfischen Staaten, 1896 an der Berliner Gewerbeausstellung und an mehreren anderen Ausstellungen.\nDas Bureau.\nZu einer guten Verwaltung geh\u00f6rt auch ein gutes Bureau. Die Hochschule hat das Gl\u00fcck, in Herrn Rechnungsrat Emil M\u00fcller von Anbeginn an einen erfahrenen, h\u00f6chst sorgf\u00e4ltig arbeitenden Beamten zu besitzen, der bei seiner gro\u00dfen Gesch\u00e4ftskenntnis ganz wesentlich zur glatten Erledigung der oft h\u00f6chst verwickelten Aufgaben beitrug. Rechnungsrat M\u00fcller ist aber nicht nur von der Er\u00f6ffnung der Hochschule an t\u00e4tig gewesen, nein er trat bereits 1867 ein, als das landwirtschaftliche Museum begr\u00fcndet wurde, wenige Tage vor Ankunft des mit dem Erwerb von Gegenst\u00e4nden f\u00fcr das Museum beauftragten Dr. Wittmack aus Paris.\nTrotz mancher schwerer Schicksalsschl\u00e4ge hat er treu ausgehalten und unerm\u00fcdlich seines Amtes gewaltet.\n\u00dcber die als expedierender Sekret\u00e4r und Kalkulator etc. an der Hochschule der Reihe nach t\u00e4tigen Beamten gibt nachstehende Tabelle Auskunft.","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"54\nV. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\nReihenfolge\nder im Bureau der landwirtschaftlichen Hochschule angestellten bzw.\nbesch\u00e4ftigten Beamten.\n\u00d9 \u00a3\tStand\tName\tEinge- treten\tAusge- schieden\tBemerkungen.\n\u00abH\t\t\tam\tam\t\n1.\tSekret, u. Kalk\u00fcl.\tSpielmann\t1. 4. 1884\t1. 10. 1888\tIn das Kultus-\n\t\t\t\t\tministerium versetzt.\n2.\t77\t77\t77\tStreichhan\t3.10. 1888\t1. 4. 1893\tIn das Ministerium\n\t\t\t\t\tf. L., D. u. F. berufen, t 14. Okt. 1905.\n3.\t77\t77\t77\tWedell\t1. 4.1893\t31.5. 1898\tIn das Ministerium\n\t\t\t\t\tf. L., D. u. F. berufen.\n4.\tBureau-Hilfsarb.\tB\u00e4ckmann\t1. 6. 1898\t26. 4. 1900\tZur Kgl. Lehranstalt f\u00fcr Obst-, Wein- und Gartenbau als Rendant nach Geisenheim a.Rh.\n\t\t\t\t\tversetzt, (f 1902.)\n5.\tBureau-Hilfsarb.\tMeyer\t3. 5. 1900\t30. 9. 1901\tdo.\n6.\tSekret, u. Kalk\u00fcl.\tHalama\t1. 10. 1901\t\t\n7.\tRegistrator\tL\u00f6ffler\t1.4. 1881\t\t\n8.\tBureau-Di\u00e4tar\tRichling\t15.11.1905\t\t\nDer Registrator Herr L\u00f6ffler kann demnach mit der Anstalt sein 25 j\u00e4hriges Jubil\u00e4um im Dienste derselben feiern.\nWie man aus Obigem ersieht, ist die Zahl von drei Bureaubeamten eine au\u00dferordentlich beschr\u00e4nkte; ihre Zahl ist nicht entsprechend der Erweiterung der Hochschule gewachsen, erst im November 1905 ist eine Kraft mehr eingestellt worden in dem Bureaudi\u00e4tar Herrn Richling.\nEtat der Hochschule.\nEinnahmen\t1881\t1905\n27 000\t111 816\nAusgaben\nPers\u00f6nliche Ausgaben (einschlie\u00dflich Besoldungen) 123 800\t254 570\nLehrmittel etc.................................. 25 000\t67 545\nWirtschaftskosten und Diverse................... 40 300\t73 320\n189 100\t395\t435\nab Einnahmen\t27 000\t111\t816\nMithin Staatszuschu\u00df\t162 100\t283\t619\nDiese Zahlen geben zugleich ein sehr erfreuliches Bild. W\u00e4hrend die Ausgaben sich gegen 1881 nur verdoppelt haben, haben sich die Einnahmen vervierfacht.\nIn obigen Ziffern sind nur die laufenden Einnahmen und Ausgaben enthalten. Dazu kommen noch die vielen au\u00dferordentlichen Ausgaben f\u00fcr die Bauten, welche alle von der Hochschulkasse gezahlt wurden.","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"V. Organe f\u00fcr die Leitung und Verwaltung der Hochschule.\n55\nDie Hausverwaltung.\nAls mit der Einrichtung des Landwirtschaftlichen Museums im Dezember 1867 Sch\u00f6neberger Ufer 26 begonnen wurde, trat der Kastellan Milting ein, welcher bis 1898 seine T\u00e4tigkeit auch an der landwirtschaftlichen Hochschule aus\u00fcbte, also \u00fcber 30 Jahre der Anstalt diente. Er starb am 25. September 1899.\nSein Nachfolger ward der Kastellan Vespermann, dessen T\u00e4tigkeit mit der Vergr\u00f6\u00dferung der Hochschule auch eine immer gr\u00f6\u00dfere wird.\nUnterbeamte.\nBei den Unterbeamten ist zun\u00e4chst eines Verstorbenen, des Modelltischlers August Michel zu gedenken, welcher, als er sich im Jahre 1867 in Paris aufhielt, von dem l\u00e4ngst heimgegangenen Rechnungsrat Schumann aus dem Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft \u201eentdeckt\u201c wurde. Schumann empfahl ihn an L. Wittmack, dieser fand in ihm einen treuen Helfer beim Zusammenbringen und Einpacken der vielen f\u00fcr das zu gr\u00fcndende landwirtschaftliche Museum erworbenen Gegenst\u00e4nde, und wenige Wochen, nachdem der Rechnungsrat Emil M\u00fcller, der Kastellan Milting und der Kustos Wittmack eingetreten waren, Anfang 1868, kam auch August Michel nach Berlin, um im Museum besch\u00e4ftigt zu werden. Hier hat er sich so bew\u00e4hrt, da\u00df er auch in weiteren Kreisen durch seine Modelle und namentlich durch seine feinen Schnitte durch H\u00f6lzer bekannt wurde. Auch die im Museum aufgestellten Xyloskope und Revolvermikroskope sind seine Erfindung. Er starb am 21. Okt. 1903. Sein Nachfolger ist der Modelltischler Gorsinsky geworden.\nNicht ganz so lange, aber doch schon 26 Jahre, wirkt der Modellschlosser K\u00fclitz an der Anstalt, der 1880 als Heizer eintrat und nach wenigen Jahren die Stelle des Modellschlossers erhielt.\nAuch unter den Pf\u00f6rtnern ist einer, August Jacob, viele Jahre, von 1875 (beim landwirtschaftlichen Museum) bis zu seinem wegen Kr\u00e4nklichkeit erfolgten Ausscheiden 1896 t\u00e4tig gewesen, und der eine der beiden jetzigen Pf\u00f6rtner, Schulz, steht seit 1881, anfangs als Diener am geologisch-bodenkundlichen Institut, im Dienste der Hochschule. Sein Kollege, der Pf\u00f6rtner Kubis, trat 1896 ein.\nVon gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Instituts- und namentlich f\u00fcr die Museumsvorsteher ist es, wenn die Diener nicht oft wechseln. Die Hochschule hat das Gl\u00fcck gehabt, da\u00df einige derselben von der Er\u00f6ffnung an bis heute ihr treu geblieben sind. So Otto Berlin, Diener am agronomisch-pedologischen Institut, Beuthner am tierphysiologischen Institut. Nicht ganz so lange, aber immerhin eine l\u00e4ngere Reihe von Jahren sind t\u00e4tig: Behse, Diener und G\u00e4rtner am botanischen Institut (seit 1892), Weber am zootechnischen Institut (seit 1894), Maa\u00df, Diener bei der vegetabilischen Abteilung (seit 1894), Brosch, Bibliotheksdiener (seit 1895), Viereck, Diener am zoologischen Institut (seit 1895).","page":55},{"file":"p0056.txt","language":"de","ocr_de":"VI.\nDie landwirtschaftliche Abteilung.\nSammlungen, Institute, Lehrziele.\nIndem wir f\u00fcr die systematische Aufeinanderfolge der einzelnen Lehrgegenst\u00e4nde auf die im Anhang abgedruckten Lehrpl\u00e4ne verweisen, sei hier bemerkt, dag manche Vorlesungen der landwirtschaftlichen Abteilung auch zugleich von den Studierenden der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen und der landwirtschaftlich - technischen Abteilung geh\u00f6rt werden. Das gilt selbstverst\u00e4ndlich ganz besonders f\u00fcr die begr\u00fcndenden F\u00e4cher aus dem Gebiete der Naturwissenschaften.\nDie nachfolgenden Beschreibungen der einzelnen Sammlungs-abteilungen im Museum und der Institute etc. sind von den betreffenden Vorstehern selbst verfagt. Die Reihenfolge in dieser Festschrift wurde so gew\u00e4hlt, dag gewissermagen eine Art F\u00fchrer durch die R\u00e4ume der Hochschule entstehe, indem mit dem Erdgeschog des Hauptgeb\u00e4udes, der Maschinenhalle im Museum, begonnen wurde. Um aber Gleichartiges zusammenzubringen, mugte doch \u00f6fter eine Ausnahme gemacht werden und r\u00e4umlich nicht Benachbartes aufeinander folgen.\nAus dieser r\u00e4umlichen bzw. sachlichen Anordnung ergab sich ferner, dag eine Trennung der von den ordentlichen Professoren und der von Honorardozenten vertretenen F\u00e4cher wegfallen mugte. Bei den ordentlichen Professoren sind aber ihr Lebenslauf und ihre wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen aufgef\u00fchrt worden.\n1. Die Maschinen- und Modell-Abteilung.\nVorsteher: Prof. F. Schotte.\n((Hierzu Abb. 17.)\nNach Vereinigung des landwirtschaftlichen Museums mit dem landwirtschaftlichen Lehrinstitut 1880 wurde f\u00fcr die Maschinen und Modelle eine besondere Abteilung gebildet.\nNeben Modellen, d. h. kleinen Nachbildungen gebrauchsf\u00e4higer Ger\u00e4te hatte das fr\u00fchere Museum auch Ger\u00e4te bezw. Maschinen in gebrauchsf\u00e4higer Ausf\u00fchrung erworben. Da derartige, groge Ger\u00e4te aber so viel Platz erfordern, dag es nicht m\u00f6glich ist, mit solchen Erwer-","page":56},{"file":"p0057.txt","language":"de","ocr_de":"1. Die Maschinen- und Modell-Abteilung.\n57\nbungen der Entwicklung der gebrauchsf\u00e4higen Ger\u00e4te in einem begrenzten Raum zu folgen, hatte sich schon das landwirtschaftliche Museum dieser Ger\u00e4te bis auf die Pfl\u00fcge und einige wenige Maschinen ent\u00e4u\u00dfert.\nDer Herr Kurator, jetzige Ministerialdirektor Dr. Thiel, wugte aber den Wert gebrauchsf\u00e4higer Ger\u00e4te und der Entwicklung derselben f\u00fcr die Ausbildung der Studierenden sowie f\u00fcr die Belehrung des landwirtschaftlichen Publikums \u00fcberhaupt zu w\u00fcrdigen und ordnete zu diesem Zweck eine Ausstellung der meist \u00fcblichen und bew\u00e4hrten neuen Ger\u00e4te an.\nDas von dem Herrn Kurator gebilligte Ausstellungsprogramm sagt:\n\u201eIn Verfolg der Aufgaben des landwirtschaftlichen Lehrinstituts soll mit den reichhaltigen Sammlungen des landwirtschaftlichen Museums eine dauernde Ausstellung musterg\u00fcltiger land wirtschaftlicher Maschinen und Ger\u00e4te verbunden werden, welche dem Landwirt Gelegenheit geben wird, jederzeit von den Fortschritten des landwirtschaftlichen Maschinenwesens durch eigene Anschauung Kenntnis zu nehmen, Versuche anstellen zu lassen, sowie die Bezugsquellen von den ihm geeignet erscheinenden Ger\u00e4ten zu erfahren, bezw. auch Ank\u00e4ufe unter sachverst\u00e4ndigem Rat zu bewirken.\u201c\nUm die ausgestellten Maschinen ev. in Bewegung zeigen zu k\u00f6nnen, war der Ausstellungsraum mit einer zwanzigpferdigen Dampfmaschine und Wellenleitung versehen. Au\u00dferdem war in dem Ausstellungsraum ein Wasserbeh\u00e4lter angeordnet und in denselben ein \u00fcberschl\u00e4giges Wasserrad, ein Poncelet-Rad, ein hydraulischer Widder, eine Archimedische Schraube und zwei Pulsometer eingebaut. An dem Wasserbeh\u00e4lter wurden die Wasserhebemaschinen aufgestellt, deren Wirkungsweise auf ev. Wunsch der Aussteller gezeigt werden sollte.\nGegen Ende des Jahres 1880 wurden Fabrikanten zur Ausstellung der von dem Leiter bezeichneten Gegenst\u00e4nde aufgefordert. In der \u201eDeutschen Landwirtschaftlichen Presse\u201c Nr. 50 vom 22. Juni 1881 und in sechs politischen Tageszeitungen wurde die Wiederer\u00f6ffnung des Museums in Verbindung mit der geplanten Ausstellung angezeigt und in der \u201eDeutschen Landwirtschaftlichen Presse\u201c Nr. 58 vom 22. Juli 1881 wurde eine Beschreibung der Ausstellungshalle und ihrer Einrichtungen mitgeteilt.\nUm den Zweck, jederzeit neue bew\u00e4hrte Ger\u00e4te zeigen zu k\u00f6nnen, zu erreichen, war in die Ausstellungsbedingungen die Bestimmung aufgenommen, da\u00df jedes Ger\u00e4t ev. nach sechs Monaten zur\u00fcckgenommen werden m\u00fcsse.\nDurch Ministerial-Erla\u00df vom 18. Juni 1881 wurde der jetzige Vorsteher mit der Leitung der Modellsammlung und Ausstellung auch formell beauftragt.","page":57},{"file":"p0058.txt","language":"de","ocr_de":"58\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nGegen Schlug des Jahres 1881 war die Ausstellung bereits von 52 Fabrikanten beschickt.\nIn der Zeit vom 15. Januar bis 1. April 1882 fand die Ausstellung dadurch eine Unterbrechung, dag der \u201eVerein der Spiritusfabrikanten Deutschlands\u201c in demselben Raum eine Ausstellung von Ger\u00e4ten f\u00fcr Spiritusfabrikation veranstaltete.\nDie Wiederer\u00f6ffnung wurde in der \u201eDeutschen Landwirtschaftlichen Presse\u201c Nr. 53 vom 5. Juli 1882 angezeigt, und am Ende des Jahres 1882 waren bereits wieder mehr als 200 Ger\u00e4te f\u00fcr Bodenbearbeitung, Pflanzenbau, Ernte, Betrieb und Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Dreschmaschinen, H\u00e4ckselmaschinen, Schrotm\u00fchlen etc. etc.) ausgestellt.\nDie in dem Programm in Aussicht genommene Anstellung von Arbeitsversuchen in dem Ausstellungsr\u00e4ume stiegen auf gewisse Schwierigkeiten. Die benachbarten Museumsr\u00e4ume wurden durch Staub, die Unterrichtsr\u00e4ume durch das Ger\u00e4usch, die Beobachtungsr\u00e4ume durch die Vibrationen des Geb\u00e4udes bel\u00e4stigt. Es wurden jedoch zwei Ginsterquetschmaschinen franz\u00f6sischen bezw. irischen Ursprungs, eine Piltersche Ballenpresse, eine Deathsche Gr\u00fcnflachsbreche, mehrere Kartoffelsch\u00e4lmaschinen und Schrotm\u00fchlen gepr\u00fcft.\nDurch die Gasexplosion 1900 (siehe S. 38) erfuhr die Aufstellung eine sehr empfindliche Unterbrechung. Gelegentlich der Wiederherstellung der Halle wurden die meisten der aus dem Best\u00e4nde des fr\u00fcheren landwirtschaftlichen Museums \u00fcbrig gebliebenen gebrauchsf\u00e4higen Ger\u00e4te verkauft. Augerdem wurden gr\u00f6gere Maschinen wegen der Besch\u00e4digung, die der Terrazo - Fugboden erlitt, nicht mehr aufgestellt und da jetzt in der auf dem Grundst\u00fcck der Hochschule erbauten neuen Maschinenhalle die \u201eMaschinenstelle der brandenburgischen landwirtschaftlichen Zentral-Bezugs- und Absatzgenossenschaft\u201c f\u00fcr Aufstellung der neuesten Maschinen sorgt, ist eine solche Ausstellung in der alten Halle als nicht mehr erforderlich erachtet worden.\nWie schon oben erw\u00e4hnt, erhielt die neu gebildete Maschinen-und Modell-Abteilung von dem fr\u00fcheren landwirtschaftlichen Museum eine sehr reichhaltige Sammlung von Modellen, kleinen Nachbildungen gebrauchsf\u00e4higer Ger\u00e4te. Die Sammlung ausschlieglich in dieser Richtung weiter zu entwickeln erschien dem jetzigen Vorsteher weniger Bed\u00fcrfnis, weil die ausgestellten, grogen gebrauchsf\u00e4higen Ger\u00e4te f\u00fcr Unterrichtszwecke sehr viel besser geeignet sind als kleine Modelle. Dagegen erschien notwendig, Modelle zu beschaffen, welche die rationelle Gestaltung einzelner Teile, wie Zapfen, Lager, Kupplungen, Verzahnungen etc. veranschaulichen, ferner Getriebe wie die viergliedrige cylindrische und konische Kurbelkette, und deren Anwendungen, Geradf\u00fchrungen, Riementriebe, Schaltungen, Wendegetriebe, M\u00e4hmaschinen-","page":58},{"file":"p0059.txt","language":"de","ocr_de":"1. Die Maschinen- und Modell-Abteilung.\n5!)\nKn\u00fcpfvorrichtungen, Pflugstellvorrichtungen etc. etc. Dabei ist auf Ausf\u00fchrungen gesehen worden, welche gestatten, dem Studierenden\nbezw. Belehrungsuchenden das Modell in die Hand zu geben und von ihm selbst die bez\u00fcglichen Bewegungen mittels des Modelles ausf\u00fchren\nAbb. 17. Maschinen- und Modell-Abteilung. Aufstellung gebrauchsf\u00e4higer Ger\u00e4te und Maschinen und gr\u00f6\u00dferer Modelle.","page":59},{"file":"p0060.txt","language":"de","ocr_de":"60\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nzu lassen. An den gro\u00dfen, gebrauchsf\u00e4higen Maschinen sind die Bewegungen w\u00e4hrend der Arbeit schwierig zu erkennen, weil die Teile in der Regel verdeckt liegen und sich meist mit gro\u00dfer Geschwindigkeit bewegen, und an der stillstehenden Maschine lassen sich die Bewegungen von Hand, wegen der gro\u00dfen Reibungswiderst\u00e4nde, nur mit \u00e4u\u00dferster Anstrengung, wenn \u00fcberhaupt, erzeugen.\nDie Sammlung kleiner Nachbildungen hat eine wesentliche und dankenswerte Bereicherung erfahren durch vorz\u00fcglich ausgef\u00fchrte Modelle, welche die Entwicklung der Bindem\u00e4hmaschine darstellen und von der Deering Harvester Company der Maschinen- und Modell-Abteilung geschenkt worden sind.\nObwohl die Anordnung von Vorrichtungen zum Schutz der Arbeiter an landwirtschaftlichen Maschinen leider immer noch nicht erzwungen worden ist, hat der Vorsteher sich doch im Hinblick auf die Tatsache, da\u00df allein im Jahre 1901 in landwirtschaftlichen Betrieben 5009 entsch\u00e4digungspflichtige Unf\u00e4lle eingetreten sind, veranla\u00dft gesehen, in einem kleinen Schrank die notwendigsten Schutzvorrichtungen, wie Abdeckung freiliegender Getriebeteile und Ausschaltung des Antriebes, an Modellen zur Anschauung zu bringen.\nUnter den durch den Ministerialerla\u00df vom 8. April 1905 geschaffenen, neuen Verh\u00e4ltnissen lag die Versuchung nahe, den Ausstellungsraum mit gebrauchsf\u00e4higen, durch Ankauf zu erwerbenden Ger\u00e4ten zu f\u00fcllen. Im Hinblick auf die oben angedeuteten Erfahrungen des fr\u00fcheren Museums, welche zur Ent\u00e4u\u00dferung solcher Ger\u00e4te f\u00fchrten, und im Hinblick auf die geringen Mittel, glaubte der Vorsteher hiervon aber Abstand nehmen zu m\u00fcssen. Er hat den Ausstellungsraum mit Pfl\u00fcgen gef\u00fcllt, welche die Entwicklung dieses so wichtigen Ger\u00e4ts darstellen. Voran steht der von dem Herrn Geheimrat Professor Dr. Orth der Maschinen- und Modell-Abteilung geschenkte Jerusalemer Haken, Dann folgen zwei deutsche Haken, ein amerikanischer Haken, die in einigen Teilen Ostpreu\u00dfens heute noch gebr\u00e4uchliche Zoche und Stagutte, der von den deutschen Rittern in Preu\u00dfen eingef\u00fchrte holl\u00e4ndische Pflug mit ebenem Streichbrett, ein b\u00f6hmischer Ruchadlo und dem Ruchadlo nachgebaute Pfl\u00fcge, amerikanische, englische und deutsche einscharige und mehrscharige deutsche Pfl\u00fcge neuerer Konstruktion und schlie\u00dflich f\u00fcnf Wechsel- oder Kehrpfl\u00fcge, die immer noch nicht die Beachtung gefunden haben, die sie verdienen.\nDie meisten dieser Pfl\u00fcge stammen aus dem fr\u00fcheren Museum, drei Wechselpfl\u00fcge sind neu beschafft. Die Zoche und Stagutte sind erst bestellt mit der Bedingung, da\u00df sie in der tats\u00e4chlich \u00fcblichen Ausf\u00fchrung geliefert werden. Au\u00dfer diesen ist noch die Anschaffung einer selbstregistrierenden Getreidewage in gebrauchsf\u00e4higer Ausf\u00fchrung zu erw\u00e4hnen.","page":60},{"file":"p0061.txt","language":"de","ocr_de":"1. Die Maschinen- und Modell-Abteilung.\n61\nF\u00fcr die Zwecke des Unterrichts sind gr\u00f6\u00dfere Abbildungen, welche den Bau der Ger\u00e4te erkennen lassen, unentbehrlich; es war daher auf die Beschaffung gr\u00f6\u00dferer Abbildungen Wert zu legen. Unter diesen sind 21 sorgf\u00e4ltig nach Ma\u00dfstab ausgef\u00fchrte, von R. Dolberg geschenkte Zeichnungen von Maschinen f\u00fcr Torfgewinnung und Torfverarbeitung besonders hervorzuheben.\nEin nach Fabrik-Katalogabbildungen und Patentschriften systematisch geordneter Atlas in 109 bezw. 140 Mappen ist angelegt. Au\u00dferdem sind etwa 2000 Fabrikkataloge beschafft und in alphabetischer Folge in 130 Mappen untergebracht.\nDa den Zuh\u00f6rern literarische Quellennachweise zu geben sind, ist eine kleine Handbibliothek von gegenw\u00e4rtig 90 B\u00e4nden angelegt.\nDas Inventarium der Maschinen- und Modell-Abteilung schlo\u00df am 13. Oktober 1905 mit Nr. 1494 ab!\n2. Die neue Maschinenhalle, Chausseestra\u00dfe.\n(Hierzu Abb. 18 u. 19.)\nDas Erdgescho\u00df des Erweiterungsbaues in der Chausseestr. 100 ist, von einigen Nebenr\u00e4umen und einem zur Hochschule f\u00fchrenden Durchgang abgesehen, f\u00fcr die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen bestimmt. Diese ist zwar nicht unmittelbar dem Museum der Hochschule angegliedert, sondern ein Unternehmen der Maschinenstelle der Branden-burgischen Landwirtschaftlichen Zentral-Bezugs- und Absatzgenossenschaft; aber sie ist jedem Besucher frei zug\u00e4nglich, und durch einen Vertrag mit der genannten Genossenschaft ist das Recht auf die Benutzung der aufgestellten Maschinen und Ger\u00e4te zu Lehrzwecken gesichert. Sie darf daher als ein Bestandteil des Museums angesehen werden.\nDer gr\u00f6\u00dfere Teil der Maschinenhalle wird durch einen glas\u00fcberdeckten Hof von 354 qm Fl\u00e4chenraum gebildet, dessen Architektur in ausdrucksvollen Formen dem Zwecke angepa\u00dft ist. Die wuchtigen eisernen Dachbinder ruhen auf kr\u00e4ftigen, hohen Widerlagern aus Granit und vereinigen sich zu einem Walmdach, das mit gro\u00dfen Drahtglasplatten gedeckt ist. Die glatten, in gr\u00fcnem Ton gehaltenen Nischenw\u00e4nde zwischen den Pfeilern geben den ruhigen Hintergrund f\u00fcr die, wie \u00fcblich, lebhaft bunt gestrichenen Maschinen ab. Da, wo das Quergeb\u00e4ude und der Seitenfl\u00fcgel den Hof umfassen, bietet das Erdgescho\u00df in den Seiteng\u00e4ngen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Halle einen weiteren Raum von rund 300 qm Grundfl\u00e4che f\u00fcr die Aufstellung von Maschinen, die hier zwar nicht so im vollen Licht stehen, wie unter","page":61},{"file":"p0062.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 18. Die neue Maschinenhalle.\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n62\ndem Glasdach, aber doch gut beleuchtet sind. Zudem liefert an dunklen Tagen und in den Abendstunden eine Anzahl Nernstlampen eine F\u00fclle\nvon Licht, die von den wei\u00dfen Fl\u00e4chen der W\u00e4nde und der \u00fcber Pfeilern gew\u00f6lbten Decke zur\u00fcckgestrahlt wird.","page":62},{"file":"p0063.txt","language":"de","ocr_de":"2. Die neue Maschinenhalle, Chausseestra\u00dfe.\n68\nDie Maschinen, die in den R\u00e4umen ausgestellt sind, bieten dem Besucher ein Bild von dem jeweils neuesten Stand der Technik. Da die Unternehmerin der Ausstellung, die \u201eMaschinenstelle\u201c, den Verkauf an die Landwirte vermittelt, liegt es in ihrem Interesse wie in dem der Maschinenfabrikanten, stets die neuesten bew\u00e4hrten Bauarten vorzuf\u00fchren. F\u00fcr den Unterricht an der Hochschule bringt das den Vorteil mit sich, dag die studierenden Landwirte hierdurch Gelegenheit haben, neue gute Maschinen genau kennen zu lernen. Die Erg\u00e4nzung nach der theoretischen und entwicklungsgeschichtlichen Seite hin kann durch Demonstrationen an Modellen und an Originalmaschinen, die Eigentum der Hochschule sind, leicht erfolgen.\nIn dem Mietsvertrage zwischen der Hochschule und der Genossenschaft ist in \u00a7 4 die Benutzung der ausgestellten Maschinen zu Lehrzwecken geregelt. Die Genossenschaft stellt die von ihr in der Halle ausgestellten Maschinen, sowie ihre Reparaturwerkstatt und sonstigen Einrichtungen zu Unterrichts- und Demonstrationszwecken zur Verf\u00fcgung, wobei dem Dozenten f\u00fcr landwirtschaftliches Maschinenwesen die Berechtigung zugestanden wird, die Maschinen mit seinen H\u00f6rern auseinanderzunehmen. Dadurch ist ein wertvolles \u00dcbungsmaterial gewonnen. Auf das Recht zur Benutzung der Reparaturwerkstatt ist hierbei besonderes Gewicht gelegt worden, weil gerade an den zur Reparatur gebrachten\nAbb. 19.\nPfeiler (Widerlager) in der neuen Maschinenhalle.","page":63},{"file":"p0064.txt","language":"de","ocr_de":"64\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nMaschinen am besten dargelegt werden kann, welche Teile der Abnutzung und Besch\u00e4digung am meisten ausgesetzt sind, welche Fehler in der Behandlung am h\u00e4ufigsten gemacht werden, und wie mit einfachen Mitteln die entstandenen Sch\u00e4den ausgebessert werden k\u00f6nnen.\nEs konnte fraglich erscheinen, ob die Maschinenfabrikanten sich in so gro\u00dfer Zahl zur Ausstellung ihrer Erzeugnisse bereit finden w\u00fcrden, dag eine umfangreiche und m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Sammlung zustande kam. Denn da die Genossenschaft f\u00fcr die R\u00e4ume eine angemessene Miete entrichten mu\u00df, sah sie sich gezwungen, von den Fabrikanten auch ihrerseits eine Platzmiete zu fordern, die bei kleineren, einfachen Maschinen einen erheblichen Teil des Wertes ausmacht. Erfreulicherweise zeigten sich aber die meisten namhaften deutschen Fabrikanten weitsichtig genug, diese Unkosten zu \u00fcbernehmen. Sie rechnen also offenbar darauf, dag ihnen durch die Verk\u00e4ufe, die die \u201eMaschinenstelle\u201c in ihren Erzeugnissen vermittelt, ein Gewinn erw\u00e4chst, der die Spesen \u00fcbersteigt. Das ist ein neuer Beweis f\u00fcr die Bedeutung, die sich die Einkaufsgenossenschaften der Landwirte erworben haben.\nInfolge der regen Beteiligung der Fabrikanten bot die Ausstellung schon am Tage ihrer Er\u00f6ffnung, die am 27. Oktober 1905 in Gegenwart Seiner Exzellenz des Herrn Ministers von Podbielski stattfand, ein hocherfreuliches, abgeschlossenes Bild. Zwei gro\u00dfe Dampfdreschmaschinen, eine Strohpresse, zwei Dampf- und mehrere Spirituslokomobilen, sowie eine Sauggasanlage lenken schon durch ihre Gr\u00f6\u00dfe die Aufmerksamkeit auf sich, sie zeigen die modernsten Einrichtungen dieser f\u00fcr den Gro\u00dfbetrieb bestimmten Maschinen. Um sie gruppieren sich alle Arten kleinerer Maschinen und Ger\u00e4te, die den Anspr\u00fcchen kleiner und mittlerer Wirtschaften Rechnung tragen, in musterg\u00fcltigen Ausf\u00fchrungen.\nSoweit es auf beschr\u00e4nktem Raume m\u00f6glich ist, wird in der Ausstellung also eine \u00dcbersicht \u00fcber die mechanischen Hilfsmittel, die dem Landwirt zur Bew\u00e4ltigung seiner Arbeit zur Verf\u00fcgung stehen, geboten. Es darf erwartet werden, da\u00df sie ihren dreifachen Zweck erf\u00fcllt: den Studierenden als Lehrmittel zu dienen, die aus\u00fcbenden Landwirte zu Betriebsverbesserungen anzuregen und dem St\u00e4dter auf einem Sondergebiet Anschauungsunterricht zu geben, der ihn in den Stand setzt, die vielgestaltige T\u00e4tigkeit des Landwirts richtig einzusch\u00e4tzen.\n3. Die Versuchsanstalt f\u00fcr landwirtschaftliche Maschinen und das maschinentechnische Laboratorium.\nVorsteher: Professor Dr. Gustav Fischer.\nMit Beginn des Wintersemesters 1905/06 ist die Versuchsanstalt f\u00fcr landwirtschaftliche Maschinen, das j\u00fcngste unserer Hochschule an-","page":64},{"file":"p0065.txt","language":"de","ocr_de":"3. Die Versuchsanstalt f. landw. Maschinen u. d. maschinentechnische Laboratorium. \u00df5\ngegliederte wissenschaftliche Institut, er\u00f6ffnet worden. Sie hat die Aufgabe, landwirtschaftliche Maschinen einer Gebrauchspr\u00fcfung zu unterziehen und zu begutachten, und ist von der Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Brandenburg ins Leben gerufen. Mit ihr organisch verbunden ist das maschinentechnische Laboratorium der Hochschule.\nDie Benutzung von Maschinen in der Landwirtschaft nimmt seit Jahren immer mehr zu, weil einerseits der Arbeitermangel zum Ersatz der menschlichen Arbeit durch mechanische zwingt, und weil anderseits viele Maschinen eine Verbilligung der Erzeugungskosten oder eine Verbesserung der Erzeugnisse, also einen h\u00f6heren Reinertrag herbeif\u00fchren. Infolgedessen hat sich die Maschinentechnik der Pflege dieses aussichtsreichen Zweiges angenommen und die fast un\u00fcbersehbare F\u00fclle landwirtschaftlicher Maschinen wird noch immerfort vermehrt. Um den Wert der neuen Konstruktionen und Erfindungen beurteilen zu k\u00f6nnen, sind Untersuchungen und Pr\u00fcfungen n\u00f6tig, die der einzelne Landwirt, der eine Maschine kaufen will, nicht anstellen kann. Deshalb haben landwirtschaftliche Korporationen, wie die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, Landwirtschaftskammern und landwirtschaftliche Vereine, sich seit Jahren die Vornahme solcher Pr\u00fcfungen zur Aufgabe gemacht.\nEs ist der Einwand erhoben worden, dag neben den Pr\u00fcfungen, die die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft mit Aufwendung groger Mittel sehr sorgf\u00e4ltig durchf\u00fchrt, und deren groger Nutzen allgemein anerkannt wird, andere Pr\u00fcfungen nur geringen Wert im Vergleich zu den dadurch erwachsenden Kosten h\u00e4tten. Aber der Zweck ist bei den Pr\u00fcfungen der provinzialen Korporationen ein ganz anderer. Bei ihren Hauptpr\u00fcfungen stellt die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft bestimmte Bedingungen auf, denen die Maschinen gen\u00fcgen sollen, sie veranlagt dadurch die Fabrikanten, ihre Konstruktionen diesen Forderungen anzupassen und erteilt Preise auf die besten L\u00f6sungen der gestellten Aufgaben. Der dadurch erhaltenen Anregung verdankt die landwirtschaftliche Maschinentechnik viele ihrer Erfolge, und die Bearbeitung manches Problems hat sie nur deshalb rechtzeitig in Angriff genommen, weil einPreis-ausschreiben der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ergangen war.\nDemgegen\u00fcber verfolgen die Einzelpr\u00fcfungen der Versuchsanstalten bescheidenere, aber nicht weniger wichtige Zwecke. Sie suchen festzustellen, ob eine angebotene Maschine den Landwirten der Provinz empfohlen werden kann, oder welche M\u00e4ngel sie aufweist. Das Pr\u00fcfungszeugnis kann dem Fabrikanten als Empfehlung bei den Kauflustigen dienen, oder er kann daraus lernen, welche Fehler er vermeiden mug. Das Pr\u00fcfungsverfahren ist einfacher und billiger, so dag auch kleine Maschinen die Geb\u00fchren tragen k\u00f6nnen.\nDiese Erw\u00e4gungen veranlagten die Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Brandenburg, auch ihrerseits die Errichtung einer Pr\u00fcfungs-\nFestschrift d. landw. Hochschule.\t\u00f6","page":65},{"file":"p0066.txt","language":"de","ocr_de":"66\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nanstalt ins Auge zu fassen. Die Vorverhandlungen nahmen mehrere Jahre in Anspruch, aber endlich konnte in der 10. Hauptversammlung am 30. Januar 1904 ein Antrag auf Errichtung der Anstalt vorgelegt werden, der zur Annahme gelangte.\nVon vornherein hatte bei den beteiligten Beh\u00f6rden die Absicht bestanden, die Pr\u00fcfungsanstalt \u00e4hnlich wie andere Versuchsstationen der Hochschule anzugliedern. Ihre Leitung wurde daher dem Inhaber der am 1. April 1902 neu eingerichteten Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Maschinenwesen \u00fcbertragen. Diesem wurde dadurch die M\u00f6glichkeit gegeben, auger den praktischen Maschinenpr\u00fcfungen auch wissenschaftliche Versuche mit Hilfe der Einrichtung der Versuchsanstalt anzustellen. Die Bedeutung derartiger Versuche ist an den technischen Hochschulen l\u00e4ngst anerkannt worden, und reich ausgestattete Maschinenlaboratorien geben dort Gelegenheit zu umfangreichen, wertvollen Arbeiten. Auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Maschinenbaues ist in wissenschaftlichen Arbeiten noch nicht viel versucht worden. Es ist deshalb dankbar zu begr\u00fcgen, dag das hohe Ministerium die Antr\u00e4ge auf Einsetzung von Mitteln f\u00fcr ein maschinentechnisches Laboratorium in den Etat genehmigte. Es ist vereinbart worden, dag die von der Landwirtschaftskammer f\u00fcr ihre Pr\u00fcfungsanstalt beschafften und unterhaltenen Meg-instrumente und Apparate auch f\u00fcr die wissenschaftlichen Versuche benutzt werden d\u00fcrfen, und dag anderseits der Assistent und der Diener, die von der Hochschule angestellt sind, bei den Arbeiten der Pr\u00fcfungsanstalt mitwirken. Die sonstigen Kosten f\u00fcr die Versuche werden getrennt bezahlt.\nDer Versuchsraum liegt im Erdgeschog des Erweiterungsbaues der Hochschule und st\u00f6gt an die Ausstellungshalle f\u00fcr Maschinen an. Er ist nur klein, doch lieg sich eine gr\u00f6gere Fl\u00e4che nicht gewinnen, da zu der Zeit, als die Errichtung der Versuchsanstalt beschlossen wurde, bereits \u00fcber alle R\u00e4ume im Neubau verf\u00fcgt war. Durch eine groge T\u00fcr ist aber die Verbindung mit dem Seitenraum der Ausstellungshalle hergestellt, und die Maschinenstelle hat in entgegenkommender Weise gestattet, dag groge Maschinen, die im Versuchsraum nicht Platz finden, zum Zweck der Pr\u00fcfung in der Ausstellungshalle aufgestellt werden.\nDie Versuchsanstalt besitzt eine elektrische Anlage mit zwei Dynamomaschinen von 4,6 und 2,75 Kilowatt Leistung, einer Lampenbatterie f\u00fcr 200 Gl\u00fchlampen und den n\u00f6tigen Meg- und Schaltapparaten. Ihre Anordnung ist so getroffen, dag sie sowohl zur Untersuchung von Kraftmaschinen wie zur Bestimmung des Kraftverbrauchs von Arbeitsmaschinen benutzt werden kann. Wegen der leichten Megbarkeit von Stromst\u00e4rke und Spannung ist diese elektrische Methode der Arbeitsmessung sehr bequem und zuverl\u00e4ssig. \u2022 Augerdem ist ein Dynamometer, System Fischinger, vorhanden, das die Arbeitsmessung durch Belastung eines","page":66},{"file":"p0067.txt","language":"de","ocr_de":"3. Die Versuchsanstalt f. landw. Maschinen u. d. maschinentechnische Laboratorium.\n67\nHebels gestattet, und ferner eine Bremse, System D\u00e9gn, zu Leistungsversuchen an Kraftmaschinen. Zwei Indikatoren von Rosenkrantz, ein Orsatscher Rauchgas-Analysierapparat, zwei Zugkraftmesser f\u00fcr Feldmaschinen, Wagen und eine Reihe kleiner Instrumente vervollst\u00e4ndigen die Ausr\u00fcstung.\nBei der K\u00fcrze der seit der Fertigstellung der Anstalt verstrichenen Zeit kann \u00fcber ihre Arbeiten noch nicht viel mitgeteilt werden. Im Laboratorium sind Versuche \u00fcber die Wirkungsweise der verschiedenen S\u00e4eorgane an Drillmaschinen im Gange, durch die in erster Linie festgestellt werden soll, welche Einfl\u00fcsse bei den einzelnen Systemen f\u00fcr das Auftreten von Ungleichm\u00e4gigkeiten in der Verteilung der Saat ma\u00dfgebend sind. Den Anlag dazu gaben die Feststellungen sehr betr\u00e4chtlicher Ungleichm\u00e4gigkeiten, die bei der letzten Pr\u00fcfung von Drillmaschinen durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft erfolgten.\nDie Pr\u00fcfungsanstalt war bisher mit der Vornahme von Gebrauchspr\u00fcfungen an verschiedenen Arbeitsmaschinen und an einem neuen Universalmotor der Motorenfabrik Oberursel besch\u00e4ftigt.\nLebenslauf des Prof. Dr. Gustav Fischer.\nVorsteher der Versuchsanstalt ist Professor Dr. Gustav Fischer, der am 28. November 1870 zu Berlin geboren ist. Nach Abschlug seines Studiums, das er an der Abteilung f\u00fcr das Maschineningenieurfach der technischen Hochschulen zu M\u00fcnchen und Berlin absolvierte, trat er im Mai 1895 in den Staatseisenbahndienst ein. Ein Stipendium, das die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft aussetzte, veranlagte ihn, nach bestandener zweiter Staatspr\u00fcfung als Regierungsbaumeister im Winter 1898 Urlaub zu nehmen, um zwei Jahre als Stipendiat der D. L. G. in landwirtschaftlichen Betrieben und Maschinenfabriken seiner Ausbildung im landwirtschaftlichen Maschinenwesen zu widmen. Im Sommer 1901 bereiste er, mit Unterst\u00fctzung durch das Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten und durch die D. L. G. die Vereinigten Staaten von Nordamerika, um die Verwendung von Maschinen in der dortigen Landwirtschaft zu studieren. Seine schon vorher begonnenen volkswirtschaftlichen Studien beschlo\u00df er Ostern 1902 durch die Promotion an der Universit\u00e4t Berlin. Zur gleichen Zeit wurde ihm der neu gegr\u00fcndete Lehrstuhl f\u00fcr landwirtschaftliches Maschinenwesen an unserer Hochschule kommissarisch \u00fcbertragen, den er seit Ostern 1903 als etatsm\u00e4\u00dfiger Professor innehat.\nMit der Errichtung einer etatsm\u00e4gigen Professur wurde dem landwirtschaftlichen Maschinenwesen an unserer Hochschule eine Stelle einger\u00e4umt, die es an keiner anderen deutschen Lehranstalt besitzt, die ihm aber mit R\u00fccksicht auf die Bedeutung, die es heute erlangt hat, geb\u00fchrt. Es ist nicht zu bezweifeln, da\u00fc es noch immer mehr an Wichtigkeit gewinnen wird, und da die Erkenntnis davon auch unter den studierenden Landwirten erfreuliche Fortschritte macht, so wird mit einer weiteren Entwicklung dieses Lehrfachs zu rechnen sein. Die Schwierigkeiten, die der Landwirt in der Maschinenbenutzung findet und die vielfach noch die w\u00fcnschenswerte Ausdehnung der Anwendung\n5*","page":67},{"file":"p0068.txt","language":"de","ocr_de":"68\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ndieses wertvollen Hilfsmittels hemmen, k\u00f6nnen nur \u00fcberwunden werden, wenn der Unterricht auf der Hochschule einerseits ein tieferes Eindringen in das Verst\u00e4ndnis der mechanischen Gesetze und anderseits einen m\u00f6glichst vielseitigen \u00dcberblick \u00fcber die F\u00fclle der einzelnen Maschinenkonstruktionen erm\u00f6glicht. Das kann nur unter weitgehender Benutzung des Anschauungsunterrichts geschehen, der zum Teil an Modellen vorgenommen werden kann, aber,auch eine gute Sammlung arbeitsf\u00e4higer Maschinen verlangt, an denen \u00dcbungen angestellt werden k\u00f6nnen. Ein \u00dcbungskursus wird im laufenden Semester zum ersten Male abgehalten und hat rege Beteiligung gefunden.\nVon dem Vorsteher des Institutes wurden folgende gr\u00f6\u00dfere Arbeiten ver\u00f6ffentlicht:\nDie soziale Bedeutung der Maschinen in der Landwirtschaft (Schmollers Forschungen Bd. XX, 5, 1902).\nDie Maschinenanwendung in der Landwirtschaft der Vereinigten Staaten von Nordamerika (D. landw. Presse 1902- 1903).\nVerschiedene Berichte \u00fcber Pr\u00fcfungen landwirtschaftlicher Maschinen in den Jahrb\u00fcchern der D. L. G.\nEntwicklung und Aufgaben des landwirtschaftlichen Maschinenwesens in Deutschland. 1905.\nEin Beitrag zur Beurteilung der S\u00e4eorgane an Drillmaschinen (Dinglers Polytechnisches Journal 1905).\nAu\u00dferdem eine Reihe von Aufs\u00e4tzen in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift \u201eDie Landindustrie\u201c.\nAls Assistent am maschinentechnischen Laboratorium ist seit dessen Begr\u00fcndung Herr Ingenieur Erich Meyer, staatlich gepr\u00fcfter Bauf\u00fchrer, t\u00e4tig.\n4. Modelle f\u00fcr landwirtschaftliches Bauwesen.\nVorsteher der Sammlung und Lehrer f\u00fcr landwirtschaftliches Bauwesen: K\u00f6niglicher Landbauinspektor Noack.\nDie Sammlung von Modellen f\u00fcr landwirtschaftliches Bauwesen enth\u00e4lt vorl\u00e4ufig nur eine beschr\u00e4nkte Zahl von Nachbildungen wichtiger Geb\u00e4ude der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe und vorbildlicher Wohnh\u00e4user f\u00fcr Landarbeiter im Gebiete unseres deutschen Vaterlandes, au\u00dferdem sind verschiedene Muster und Teilst\u00fccke aufgestellt, die \u00fcber eine Anzahl von baulichen Einrichtungen, Baustoffen und Baukonstruktionen, sowie \u00fcber deren zweckm\u00e4\u00dfigste Verwendung und Verbindung Aufschlu\u00df zu geben geeignet sind.\nDie ersten Anf\u00e4nge dieser Abteilung des landwirtschaftlichen Museums sind wohl zur\u00fcckzuf\u00fchren auf gelegentliche \u00dcberweisungen anderweitig verf\u00fcgbar gewordener Gegenst\u00e4nde, auf Beschaffungen zu bestimmten Lehrzwecken, sowie auf geschenkweise \u00dcberlassung von Gegenst\u00e4nden fr\u00fcherer landwirtschaftlicher Ausstellungen ; in der beabsichtigten Weiterentwicklung soll die Sammlung durch planm\u00e4\u00dfige Vermehrung mit der Zeit so vervollst\u00e4ndigt werden, da\u00df sie dem Besucher","page":68},{"file":"p0069.txt","language":"de","ocr_de":"5. Das zoologische Institut und die zoologischen Sammlungen.\n69\nersch\u00f6pfenden \u00dcberblick \u00fcber die wesentlichsten Geb\u00e4ude f\u00fcr die deutsche Landwirtschaft und \u00fcber ihre zeitgem\u00e4\u00dfe Einrichtung zu verschaffen imstande ist und sich zu einem geeigneten Lehrmittel f\u00fcr die Vorlesungen \u00fcber landwirtschaftliches Bauwesen gestaltet.\nAuch in ihrem jetzigen bescheidenen Umfange weist die Sammlung eine Reihe von Modellen moderner Arbeiterwohnungen, Viehst\u00e4lle und Scheunen auf und ist immerhin schon jetzt geeignet, den Beschauer in Vergleich mit den Nachbildungen \u00e4lterer Bauten gleicher Bestimmung auf die Mittel und Wege hinzuweisen, mit m\u00f6glichst geringem Aufwande von Geld den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichsten wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen, sowie den heutigen Anforderungen der Landarbeiter an Gr\u00f6\u00dfe und Behaglichkeit der Wohnung im Rahmen der verf\u00fcgbaren Mittel gerecht zu werden. Sie l\u00e4\u00dft auch schon jetzt erkennen, nach welcher Richtung hin und in welchem Sinne ihr weiterer Ausbau geplant ist und durchgef\u00fchrt werden soll.\n5. Das zoologische Institut und die zoologischen Sammlungen.\nVorsteher: Professor Dr. L. Plate.\n(Hierzu Abb. 20 und 21.)\nDas zoologische Institut und die zoologischen Sammlungen befinden sich im Erdgescho\u00df der Hochschule und gruppieren sich um den gro\u00dfen zentralen Lichthof an der S\u00fcd-, West- und Nordseite des Geb\u00e4udes. Das Institut umfa\u00dft f\u00fcnf R\u00e4ume, n\u00e4mlich ein gro\u00dfes Arbeitszimmer f\u00fcr den Direktor, in dem auch der gr\u00f6\u00dfte Teil der zoologischen Handbibliothek mit ca. 1000 Nummern untergebracht ist, ein kleineres Arbeitszimmer f\u00fcr den Assistenten und drei R\u00e4ume, welche zu praktischen \u00dcbungen, zur Aufspeicherung des Untersuchungsmaterials und als Vorbereitungszimmer f\u00fcr die Vorlesungen verwandt werden. Das letztere enth\u00e4lt unter anderm zahlreiche gro\u00dfe Wandtafeln und Bilder aller Art und solche Pr\u00e4parate, welche in den Vorlesungen h\u00e4ufig gebraucht werden und aus diesem Grunde zu einer besonderen Unterrichtssammlung vereinigt worden sind. Endlich steht noch ein au\u00dferhalb des Hauptgeb\u00e4udes befindlicher Stall dem zoologischen Institute f\u00fcr Zuchtzwecke zur Verf\u00fcgung.\nWeit umfangreicher sind die R\u00e4ume, in denen die zoologische Schausammlung aufgestellt ist. Sie umfassen f\u00fcnf S\u00e4le, von denen vier die ganze S\u00fcdseite des Geb\u00e4udes einnehmen, w\u00e4hrend der f\u00fcnfte zusammen mit den zoologischen Arbeitszimmern an der Westseite gelegen ist. Die Sammlungen sollen in erster Linie dem Unterricht dienen und beschr\u00e4nken sich daher ganz \u00fcberwiegend auf die heimische Tierwelt, soweit sie irgendwelche n\u00fctzliche oder sch\u00e4dliche Beziehungen zur","page":69},{"file":"p0070.txt","language":"de","ocr_de":"70\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nLand- und Forstwirtschaft oder zur Fischerei zeigt. Ausl\u00e4ndische oder marine Gesch\u00f6pfe sind nur soweit vertreten, als sie zur Gewinnung eines allgemeinen zoologischen \u00dcberblicks unbedingt n\u00f6tig oder f\u00fcr die Geschichte der Haustiere von Wichtigkeit sind.\nEine besondere Ausnahmestellung nimmt die S\u00e4ugetiersammlung ein. Sie hat durch ein Zusammentreffen g\u00fcnstiger Umst\u00e4nde im Laufe der Jahre einen solchen Umfang und eine solche wissenschaftliche Bedeutung gewonnen, dag sie \u00fcber den Charakter einer Lehrsammlung weit hinausgeht. Freilich ist die Zahl der ausgestopften S\u00e4uger, sowie der B\u00e4lge und Spiritusexemplare \u2014 zusammen 980 Nummern \u2014 nicht besonders grog; dagegen ist die Zahl der Sch\u00e4del und Skelette von S\u00e4ugern sehr erheblich \u2014 6050 Nummern \u2014 sodag in dieser Richtung unsere Sammlung mit vielen gr\u00f6geren Museen wetteifern kann. Was ihr jedoch besonderen Wert verleiht, das sind die grogen Serien von Sch\u00e4deln und Skeletten der Hauss\u00e4ugetiere und ihrer wilden Verwandten (Abb. 20). Es d\u00fcrfte augenblicklich wohl kaum ein anderes Museum existieren, in welchem ein ebenso reiches und zuverl\u00e4ssiges Material f\u00fcr das osteologische Studium der Hauss\u00e4ugetiere vereinigt w\u00e4re, wie es in unserer Hochschule der Fall ist, und dieser Teil der Sammlung wird daher sehr oft von einheimischen und ausl\u00e4ndischen Gelehrten zu vergleichenden Studien benutzt. Er ist um so wertvoller, als er nicht nur reiches Material aus der Gegenwart und aus \u00e4lterer historischer Zeit (z. B. Tiermumien und Skelette aus \u00e4gyptischen Gr\u00e4bern und aus peruanischen Totenfeldern) enth\u00e4lt, sondern auch zahlreiche fossile St\u00fccke aufweist.\nDiesen Umfang und diese Bedeutung verdankt unsere Sammlung besonders dem Umstande, dag einige sehr wertvolle private oder staatliche Sammlungen im Laufe der Zeit in ihren Besitz \u00fcbergegangen sind. In erster Linie ist hier die ber\u00fchmte Sammlung zu nennen, welche der 1879 verstorbene Geh. Oberregierungsrat Hermann von Nathusius-Hundisburg w\u00e4hrend seines Lebens angelegt hat. Sie umfagte urspr\u00fcnglich 2800 Nummern und enthielt darunter alle die Originale zu den f\u00fcr die Rassenlehre der Haustiere grundlegenden Publikationen dieses Autors. Durch die furchtbare Gasexplosion, welche ungl\u00fccklicherweise am 30. September 1900 in den Kellerr\u00e4umen der Hochschule gerade unter den zoologischen S\u00e4len stattfand, sind leider eine ganze Anzahl namentlich Boviden- und Ovidensch\u00e4del zertr\u00fcmmert worden. Hingegen ist die wichtige Sammlung von Schweinesch\u00e4deln, welche u. a. die Originale zu dem klassischen Werke desselben Forschers (\u201eVorstudien f\u00fcr Geschichte und Zucht der Haustiere zun\u00e4chst am Schweinesch\u00e4del\u201c, Berlin, 1864) enth\u00e4lt, durch einen Zufall intakt geblieben, ebenso wie der gr\u00f6gte Schatz unserer Sammlung, das montierte und fast vollst\u00e4ndige Skelett des Urrindes, Bos primigenius.","page":70},{"file":"p0071.txt","language":"de","ocr_de":"5. Das zoologische Institut und die zoologischen Sammlungen.\n71\nWeiter erhielt unser Museum die Sch\u00e4del und Skelettsammlung der aufgehobenen Akademien Eldena und Proskau, erwarb wichtige Fossil-\nreste von diluvialen Pferden, Rindern, Schweinen, Hunden etc. aus dem Nachlag des in Remagen verstorbenen Bergwerksdirektors G. Schwarze und \u00fcbernahm durch Ankauf die reichhaltige Privatsammlung meines\nAbb. 20. Zoologische Sammlung: Urrind und gr\u00f6\u00dfere Huftiere.","page":71},{"file":"p0072.txt","language":"de","ocr_de":"72\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nAmtsvorg\u00e4ngers, des am 29. September 1904 verstorbenen und um die Weiterentwicklung des Museums hochverdienten Geh. Regierungsrats Professor Dr. A. Nehring. Sie weist 754 Nummern auf und besteht haupts\u00e4chlich aus von Nehring eigenh\u00e4ndig ausgegrabenen diluvialen S\u00e4ugetier- und Vogelresten von Thiede, Westeregeln und mehreren oberfr\u00e4nkischen H\u00f6hlen.\nIch verzichte auf eine Hervorhebung der wichtigsten Objekte der zoologischen Sammlung, da sowohl in dem kleinen \u201eF\u00fchrer durch das Museum der Kgl. Landwirtschaftlichen Hochschule\u201c wie in dem gr\u00f6\u00dfer angelegten \u201eKatalog der S\u00e4ugetiere, zusammengestellt von Professor A. Nehring\u201c, alles Wissenswerte erw\u00e4hnt ist, und schlie\u00dfe diesen kurzen Bericht mit einer \u00dcbersicht des gegenw\u00e4rtigen Bestandes der zoologischen Sammlung, welche au\u00dfer einer gro\u00dfen Insektensammlung folgende Katalognummern aufweist:\nS\u00e4uger, gestopft und Felle .\tNr. 980\tMollusken\t\tNr. . 1018\n\u201e\tSch\u00e4del u. Skelette .\t6050\tMolluscoidea\t\t.\t15\nV\u00f6gel, gestopft, ca. ...\t1500\tCrustacea \t\t. 203\n\u201e\tSkelette\t\t330\tVermes\t\t. 205\n\u201e\tNester, Eier, ca. .\t.\t100\tEchinodermen ....\t.\t34\nReptilien\t\t158\tCoelentera\t\t.\t85\nAmphibien\t\t80\tBiologische Pr\u00e4parate\t.\t40\nFische\t\t298\tAnatomische Pr\u00e4parate .\t.\t127\nalso zusammen au\u00dfer den Insekten \u00fcber 11 000 Nummern. Der zoologische Unterricht besteht in erster Linie aus einer zwei-\t\t\t\nsemesterigen Hauptvorlesung\tf\u00fcr die Studierenden der ersten\t\tbeiden\nSemester. In je vier Wochenstunden wird im Wintersemester die allgemeine Zoologie und die Naturgeschichte der wirbellosen Tiere, im Sommer diejenige der Wirbeltiere mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Geschichte der Haustiere behandelt. Ein praktischer Kursus im Sommersemester dient zur Einf\u00fchrung in die Mikroskopie und Zootomie. Als Lehrziel wird angestrebt: Verst\u00e4ndnis f\u00fcr alle allgemeinen Fragen der Zoologie und besondere Kenntnisse derjenigen Tiere, welche der Land- und Forstwirtschaft und der Fischzucht n\u00fctzlich oder sch\u00e4dlich sind. Zur weiteren Vertiefung werden f\u00fcr die \u00e4lteren Semester noch folgende Spezialvorlesungen gelesen: Herr Regierungsrat Professor Dr. R\u00f6rig liest in zwei Semestern und je zwei Wochenstunden \u00fcber \u201en\u00fctzliche und sch\u00e4dliche Insekten\u201c, verbunden mit Exkursionen, und Herr Dr. Schiemenz er\u00f6rtert in einer einst\u00fcndigen Vorlesung durch zwei Semester hindurch \u201edie Fischzucht\u201c und verwandte Fragen.\nDie Entwicklung der Sammlungen zu ihrem gegenw\u00e4rtigen Umfange und ihrer anerkannten wissenschaftlichen Bedeutung ist besonders das","page":72},{"file":"p0073.txt","language":"de","ocr_de":"5. Das zoologische Institut und die zoologischen Sammlungen.\n73\nVerdienst meines Amtsvorg\u00e4ngers, des Geheimen Regierungsrats Professor Dr. Alfred Nehring (geboren am 29. Januar 1845 zu Gandersheim (Braunschweig), war zun\u00e4chst Oberlehrer am Gymnasium zu\nAbb. 21. Zoologische Sammlung: Vogelsaal.","page":73},{"file":"p0074.txt","language":"de","ocr_de":"74\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nWolfenb\u00fcttel, seit 1881 Professor an der Hochschule, gestorben am 29. September 1904). Von seinen zahlreichen Publikationen, welche sich besonders mit der Geschichte und Rassenkunde der Haustiere besch\u00e4ftigen und deren Originalobjekte gr\u00f6\u00dftenteils sich in unserer Sammlung befinden, sind die wichtigsten: \u201eDie quatern\u00e4ren Faunen von Thiede und Westeregeln.\u201c 1877; \u201e\u00dcber Tundren und Steppen der Jetzt-und Vorzeit mit besonderer Ber\u00fccksichtigung ihrer Fauna,\u201c 1890; \u201e\u00dcber Herberstain und Hirsfogel,\u201c 1887.*)\nJetziger Vorstand ist Professor Dr. Ludwig Plate (geboren 16. August 1862 zu Bremen, an die Hochschule berufen April 1905), welcher publizierte: \u201e\u00dcber die Bedeutung des Darwinschen Selektionsprinzips und Probleme der Artbildung, Leipzig, 1903\u201c und zahlreiche Abhandlungen in den zoologischen Jahrb\u00fcchern, im Archiv f\u00fcr Rassenbiologie und anderen Zeitschriften.\nAn dem Institute waren seit April 1886 nacheinander folgende Herren als Assistenten t\u00e4tig: Dr. E. Sch\u00e4ff, Dr. G. R\u00f6rig, Dr. P. Schiemenz, Dr. J. Thiele, Dr. G. Enderlein und (gegenw\u00e4rtig) M. Mei\u00dfner.\n6. Die Vorlesungen \u00fcber landwirtschaftliche Insektenkunde.\nVertreter des Faches: Professor Dr. R\u00f6rig, Regierungsrat a. d. Kais. Biologischen Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft in Dahlem.\nDie in Berlin studierenden Landwirte hatten seit 1864 Gelegenheit, sich Kenntnisse \u00fcber landwirtschaftlich wichtige Insekten in Vorlesungen anzueignen, die anfangs von Prof. Schaum, 1865- 1876/77 von Prof. Ger-st\u00e4cker f\u00fcr sie an der Universit\u00e4t gehalten wurden. Vom Sommersemester 1881 an wurde ein Kolleg \u00fcber landwirtschaftliche Entomologie von Dr. Karsch gelesen, der es sp\u00e4ter durch ein weiteres \u00fcber Bienenzucht und Seidenraupenzucht vervollst\u00e4ndigte. Letzteres wurde aber nach kurzer Zeit wieder aufgegeben und in der Weise mit dem andern Kolleg vereinigt, da\u00df der urspr\u00fcnglichen Bezeichnung \u201e\u00dcber die der Landwirtschaft n\u00fctzlichen und sch\u00e4dlichen Insekten\u201c der Zusatz \u201emit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Bienenzucht und des Seidenbaues\u201c gegeben wurde. Diese bis zum Wintersemester 1891/92 von Dr. Karsch gehaltene Vorlesung wurde im folgenden Semester von Dr. E. Sch\u00e4ff, dem damaligen Assistenten von Prof. Dr. A. Nehring, \u00fcbernommen und, da er schon im Sommer 1893 die Leitung des zoologischen Gartens in Hannover erhielt, seinem Nachfolger in der Assistentenstelle, Dr. R\u00f6rig, \u00fcbertragen. Nach dessen Berufung\n*) Ausf\u00fchrlichere Angaben \u00fcber den Lebenslauf und die Schriften Xehring\u2019s sind nebst Photographie von Herrn M. Mei\u00dfner zusammengestellt worden in dem XIII. Jahresbericht der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule, Berlin 1905, p. 37\u201439.","page":74},{"file":"p0075.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen Sammlungen\n75\nnach K\u00f6nigsberg i. Pr. im Jahre 1896 erhielt Prof. Dr. Plate die Vorlesung, der im Sommersemester 1896 und im Wintersemester 1896/97 \u201e\u00dcber die der Land- und Forstwirtschaft n\u00fctzlichen und sch\u00e4dlichen Insekten mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Bienenzucht und des Seidenbaues\u201c las und im Sommersemester 1897 durch Dr. Schiemenz, Assistent des Prof. Dr. A. Nehring, ersetzt wurde. Diesem folgte im Wintersemester 1899/1900 Prof. Dr. G. R\u00f6rig, auf dessen Antrag im Jahre 1904 die Besprechung der forstlich wichtigen Insekten, sowie die der Bienenzucht und des Seidenbaues fortgefallen, dagegen die der wichtigsten sonstigen wirbellosen Tiere zugef\u00fcgt worden ist. Die Vorlesung f\u00fchrt demgem\u00e4\u00df; jetzt die Bezeichnung; \u201e\u00dcber die der Landwirtschaft n\u00fctzlichen und sch\u00e4dlichen wirbellosen Tiere\u201c und wird zweist\u00fcndig in jedem Semester gehalten.\n7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen\nSammlungen.\nVorsteher: Professor Dr. C. Lehmann.\n(Hierzu Abb. 22 und 23.)\nDie Entstehung des Zootechnischen Instituts ist auf die besondere Art der Entwicklung des landwirtschaftlichen Unterrichts zur\u00fcckzuf\u00fchren, wie sie bei der Einrichtung der K\u00f6niglich landwirtschaftlichen Hochschule im Jahre 1881 geplant und durchgef\u00fchrt wurde. Die drei Hauptteile der Landwirtschaftslehre, die Pflanzenproduktion, die Tierproduktion, und die Betriebslehre sollten jeder durch einen besonderen Dozenten vertreten werden, der, wenn auch notwendig im Gesamtgebiet der Landwirtschaftswissenschaft praktisch und theoretisch durchgebildet, sein besonderes Fach vorwiegend zu f\u00f6rdern berufen war. Wenn bis zum Jahre 1889 die dritte Landwirtschaftsprofessur nicht besetzt war, so lagen eben nur \u00e4u\u00dfere Ursachen, keine solchen prinzipieller Natur vor.\nIn logischer Folge wurden denn auch die Verwaltung und Beschaffung der Unterrichtsmittel f\u00fcr jedes Fach dem betreffenden Fachdozenten \u00fcbertragen und so entstand bez\u00fcglich der Tierproduktion das zootechnische Institut.\nEs liegt auf der Hand, da\u00df in Ermangelung gro\u00dfer landwirtschaftlicher Betriebe, in einer Residenzstadt mit beschr\u00e4nkten Grundbesitzverh\u00e4ltnissen, von allem, was die Tierproduktion zu behandeln hat, nur ein beschr\u00e4nkter Teil durch sogenannte Unterrichtsmittel, d. h. Demonstrationsmaterialien veranschaulicht werden kann. Lebende Haustiere kommen beinahe gar nicht in Betracht, Versuche mit Z\u00fcchtungen sind ganz ausgeschlossen; Pflege, Schonung und Nutzung k\u00f6nnen auch nicht direkt gezeigt werden. Als wesentlichstes der verf\u00fcgbaren Unterrichtsmittel kann vielmehr folgendes angesehen werden.","page":75},{"file":"p0076.txt","language":"de","ocr_de":"76\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nZun\u00e4chst: Nachbildungen und Abbildungen der Haustierformen. Die Gestaltung der verschiedenen Arten der Haustiere, ihrer Rassen, Schl\u00e4ge, ihrer erw\u00fcnschten oder fehlerhaften, hochgez\u00fcchteten oder primitiven Typen; der anatomische Aufbau der K\u00f6rper, soweit es zu einem Verst\u00e4ndnis der sogenannten Beurteilungslehre der Tiere erforderlich ist; ber\u00fchmte oder ber\u00fcchtigte Individuen, welche in der Entwicklung der Haustierzuchten eine Rolle gespielt haben, k\u00f6nnen nicht nur zum Anschauungsunterricht dienen, sondern, soweit ihnen historische Bedeutung zukommt, auch die Unterlage f\u00fcr manche wissenschaftliche Forschung bieten.\nWeiterhin sind zu nennen: Ger\u00e4te, Werkzeuge, Hilfstafeln, welche bei der Nutzung und Z\u00fcchtung der Tiere Verwendung finden. Verschiedene Formen der Anspannung der Arbeitstiere, ihre Aufz\u00e4umung, Stallutensilien, Modelle von Stallungen; Futtermittel und ihre Bestandteile sowie Ursprungsstoffe, k\u00f6nnen im Original wie in Nachbildungen gesammelt werden. Vor allem kommt hier auch der Hufbeschlag in Betracht, die verschiedenen Arten der Eisen, ihre Verbindung mit Hufen normaler oder pathologischer Beschaffenheit usw.\nDrittens endlich k\u00f6nnen einige Produkte der Viehhaltung gute Dienste beim Unterricht leisten. Haupts\u00e4chlich ist hier die Wolle von Bedeutung, oder besser gesagt alle in der Industrie verwertbaren Haare von Haustieren. Nicht nur die verschiedenen Wollarten in kostbarer oder weniger wertvoller Eigenheit, auch die sogenannten Wollfehler, die Klassifikation der Wollen, die verschiedenen Phasen ihrer technischen Verarbeitung, die wieder wichtig zum Verst\u00e4ndnis von der Bedeutung einzelner Wolleigenschaften ist, bilden ein ganz unentbehrliches Hilfsmittel f\u00fcr die Vorlesungen in der Wollkunde.\nEinen sehr wertvollen Grundstock f\u00fcr diese Sammlungen bildete einmal das bereits Ende der sechziger Jahre hier in Berlin errichtete landwirtschaftliche Museum, ferner das, was in der 1881 aufgel\u00f6sten Akademie von Proskau vorhanden gewesen war. Alles, was sich auf Tierproduktion bezog und in oben charakterisierte Gruppen geh\u00f6rte, w'urde vereinigt, dem Dozenten f\u00fcr Tierzucht, damals Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Settegast, unterstellt, und bildete die zootechnische Abteilung des neuen Museums respektive des von nun an sogenannten zootechnischen Intituts. Immer neue Erwerbungen haben so im Laufe der Jahre ein sehr kostbares und vollst\u00e4ndiges Material zusammengebracht. Es w\u00e4re unm\u00f6glich, an dieser Stelle auf Einzelheiten ersch\u00f6pfend einzugehen, nur einige charakteristische Daten seien gegeben. Die Sammlung von Abbildungen besteht aus einigen Tausenden von Exemplaren. Neben alten Bildern aus historischen Werken, welche zum Teil in barockem Stil der Zeit, recht oft aber auch sehr realistisch die damaligen Tiere darstellen, liegt die moderne Photographie. Wertvolle","page":76},{"file":"p0077.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen Sammlungen.\n77\nKupferstiche und Holzschnitte, Originalzeichnungen \u00e4lterer und moderner K\u00fcnstler, einzelne ber\u00fchmte Tiere portr\u00e4tierend, finden sich in ganzen Serien\nvon Bildern, die auch die Entwicklung einzelner Schl\u00e4ge, die Sammlungen verschiedenster Ausstellungen, die Mustertiere bestimmterZuchtgebiete etc.\nAbb. 22. Zootechnisches Institut. Museums-Abteilung, mittlerer Saal.\nIm Vordergr\u00fcnde die B\u00fcste Sr. Majest\u00e4t des Kaiser Wilhelm I. von Reinhold Begas,","page":77},{"file":"p0078.txt","language":"de","ocr_de":"78\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nzur Darstellung bringen. Verh\u00e4ltnism\u00e4gig wenig davon konnte im Museum so aufgestellt werden, dag es vom Publikum besichtigt werden kann, d. h. der sogenannten \u201eSchausammlung\u201c einverleibt werden. Das meiste liegt in den Schr\u00e4nken und dient teils zur Vorlage in den Vorlesungen, teils zu Studienzwecken.\nVielleicht einzig dastehend ist die Wo 11 Sammlung. In groger Vollst\u00e4ndigkeit finden sich Wollmuster der wilden oder ganz oder halb verwilderten Schafe, Ziegen etc., der \u00e4lteren und neueren primitiven bis zu den neuesten und modernen Rassen; grobe Wollen, Zackelwollen bis zu den feinsten \u201ewie Luft und Hauch\u201c, von den matten, tr\u00fcben Filz-wie Landwollen bis zu den in h\u00f6chstem L\u00fcster scheinenden Glanzwollen. Eine besondere Ber\u00fccksichtigung und Pflege haben die Merinowollen erfahren. Noch existieren Muster von im 18. Jahrhundert urspr\u00fcnglich eingef\u00fchrten spanischen Schafen, sowie von Landschafen, die mit spanischen \u201everedelt\u201c wurden. Historisch ist die ganze Entwicklung der Merinozucht in Mitteleuropa, besonders Deutschlands, zur Darstellung gebracht, von der Escurial- oder Elektoralrichtung zur Phase der Negrettizucht mit all ihren Ausw\u00fcchsen, zum neuen Kammwollmerino in deutscher wie franz\u00f6sischer Richtung und den ganz modernen mit besserem fleischreichen K\u00f6rper behafteten Tieren. Eine groge Zahl der fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ber\u00fchmtesten Herden haben hier nicht nur in Einzelmustern, sondern in ganzen vollst\u00e4ndigen Zusammenstellungen (Bock-, Mutter- und J\u00e4hrlingswolle an verschiedenen K\u00f6rperteilen) ihre Vertretung. Dabei ist auch das Ausland nicht vernachl\u00e4ssigt. Man kann sagen, es gibt kein Land auf der Erde, wo Merinozucht getrieben wird, von dem nicht auch Wollmuster dieser Zuchten vorhanden sind. Daneben finden sich noch systematische Zusammenstellungen f\u00fcr die theoretische Woll-kunde, wie die von Settegast, Kunitz, Bajohr etc., und, wie oben bemerkt, der Halbprodukte der Industrie.\nVielleicht das eigenartigste Gepr\u00e4ge, als vollst\u00e4ndiges Novum gegen alle fr\u00fcheren landwirtschaftlichen Sammlungen und Museen, hat die Mo de 11 Sammlung der zootechnischen Abteilung aufgedr\u00fcckt. Es bleibt das unverg\u00e4ngliche Verdienst von Settegast, damit die Bildhauerkunst in den Dienst des zootechnischen Unterrichts eingef\u00fchrt zu haben. Gewig sind schon fr\u00fcher, ja im \u00e4ltesten Altertum Tiere modelliert worden; so hoch jedoch der Kunstwert dieser Statuen war resp. ist, und trotz ihrer in mancher Hinsicht nicht unwesentlichen Bedeutungf\u00fcr die Geschichte, die Entwicklung der Haustiere, f\u00fcr den Unterricht in der Tierzucht war ihr Wert gering oder gleich Null. Freie Auffassung anatomisch oft ganz ungeschulter K\u00fcnstler, der Stil der Zeit und anderes machen diese Statuen f\u00fcr den Unterricht meist wertlos. Der Sinn der hier geschaffenen und noch immer weiter vervollst\u00e4ndigten Statuettensammlung ist folgender: Mustertiere einer Rasse, eines Typus werden ausgew\u00e4hlt","page":78},{"file":"p0079.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen Sammlungen.\n79\nund diese von einem wirklichen K\u00fcnstler, so gut er erh\u00e4ltlich, unter sachverst\u00e4ndiger Anleitung in genau festgestellten Magen (meist V\u00ab oder V4 Verkleinerung) in ruhiger nat\u00fcrlicher Stellung modelliert. Hieraus entsteht ein Gebild, welches mit vollem Recht als der Typus des Besten, was in dem gew\u00e4hlten Schlage erz\u00fcchtet wird, angesehen werden kann und an dem sich der Blick des Lernenden beinahe gerade so gut, wie bei der Betrachtung des lebenden Tieres zu schulen vermag. Selbstverst\u00e4ndlich sind hiernach die Modelle keine \u201ewissenschaftlichen Urkunden der Natur\u201c in dem Sinne, dag der K\u00fcnstler sklavisch jede kleinste Besonderheit des Modelltieres wiedergibt. Es gelingt nicht immer, Modelltiere zu finden, die in jeder Hinsicht typisch sind, und w\u00fcrde es direkt ein Fehler sein, solche individuellen Eigent\u00fcmlichkeiten festzuhalten. Warzen, Melanosen, ein zuf\u00e4llig h\u00e4ngendes Ohr etc. d\u00fcrfen nicht wiedergegeben werden, sonst h\u00e4tte dies ja die Bedeutung, dag f\u00fcr die betreffende Rasse dergleichen Abzeichen typisch w\u00e4ren. Es liegt aber auf der Hand, dag solche Korrekturen nur mit der \u00e4ugersten Vorsicht ausgef\u00fchrt werden d\u00fcrfen, damit nichts theoretisch Konstruiertes herauskommt, andererseits aber auch die gr\u00f6gte Sorgfalt in der Auswahl der Modelltiere getroffen werden mug, damit Korrekturen wom\u00f6glich ganz vermieden werden k\u00f6nnen. Der jetzige Vorstand hat daher die Modelltiere fast nie ganz allein ausgew\u00e4hlt, sondern fast immer erst nach eingehenden Verhandlungen mit den hervorragendsten Z\u00fcchtern der betreffenden Schl\u00e4ge selbst.\nDer groge Vorteil solcher Modelle liegt ferner darin, dag sie das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die oft recht tr\u00fcgerischen\tPhotographien von\nTieren desselben Schlages f\u00f6rdern. Werden neben der Statuette als Mustertyp eine gr\u00f6gere Zahl von Abbildungen extremer Formen desselben Schlages dem Lernenden vorgelegt, so kann er daraus das weitere f\u00fcr den Schlag wichtige Kriterium erkennen, wie stark die vorkommenden Abweichungen sind, wie wenig oder wie vortrefflich er konform, in sich ausgeglichen ist, und d\u00fcrfte damit auch das m\u00f6glichst Beste im Anschauungsunterricht in der Rassekunde erreicht worden sein, was sich als Ersatz f\u00fcr das allerdings allerbeste, aber eben an einer Hochschule nicht durchf\u00fchrbare Mittel bieten l\u00e4gt, n\u00e4mlich das Bereisen der Z\u00fcchtungsgebiete selbst.\nDie Durchf\u00fchrung dieses Modellierungsunternehmens hat nur wenig Nachahmung anderw\u00e4rts gefunden. Es ist sehr teuer und man steht meist vor der schlimmen Alternative, entweder f\u00fcr die Originalaufnahmen sehr hohe Preise anlegen zu m\u00fcssen, oder auf die Mitwirkung eines wirklich t\u00fcchtigen K\u00fcnstlers, der eben doch gerechten Anspruch auf eine ordentliche Honorierung hat, zu verzichten. Ohne Opfer in letzterer Beziehung von seiten der f\u00fcr das zootechnische Institut arbeitenden K\u00fcnstler ist es bisher nicht abgegangen.","page":79},{"file":"p0080.txt","language":"de","ocr_de":"80\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nEin weiterer Segen der Modellierungen, der freilich der Hochschule selbst in gewisser Beziehung zum Nachteil gereicht, ist, dag zu sehr zivilen Preisen andere Unterrichtsanstalten Kopien der Originalaufnahmen von den betreffenden K\u00fcnstlern kaufen k\u00f6nnen.\nDadurch sind die hier geschaffenen Modelle \u00fcber die ganze Welt \u2014 auch Amerika und Asien - - nicht nur in Europa verbreitet worden und bilden auch ein stehendes Inventar aller Lehrmittelausstellungen der Neuzeit.\n\u00dcbrigens profitiert das zootechnische Institut auch davon, wenn Kopien der von anderen K\u00fcnstlern selbst\u00e4ndig hergestellten Kunstwerke zu haben sind und letztere Wert f\u00fcr den Unterricht besitzen. So sind vor kurzem erst \u00e4ugerst wertvolle Statuetten des ungarischen Bildhauers Vastagh erworben worden, die in vieler Beziehung sogar den von hier aus angefertigten gegen\u00fcber Vorz\u00fcge haben.\nDie Abbildung auf Seite 77 (Abb. 22) zeigt den mittleren Teil der an der Nordseite des oberen Museumsraumes gelegenen zootechnischen Sammlung. Dort stehen zun\u00e4chst die f\u00fcr die Schafzucht bestimmten Schr\u00e4nke mit Statuetten und den Woll- und Bildersammlungen. Rechts, mehr im Hintergr\u00fcnde sind einige der h\u00f6heren Schr\u00e4nke zu sehen, wie sie f\u00fcr die Rinder- und Pferdemodelle benutzt werden.\nAls der jetzige Leiter des Instituts die Verwaltung \u00fcbernahm, war ihm eine gr\u00f6gere Zahl von Vorlesungen als Herrn Geh. Rat Settegast \u00fcbertragen worden, u. a. auch die \u00fcber Molkereiwesen und F\u00fctterungslehre.\nBesonders die erstere erforderte die Vorbereitung einiges Demonstrationsmaterials, sowie die M\u00f6glichkeit, die einfacheren Untersuchungsmethoden von Milch- und Molkereiprodukten lehren zu k\u00f6nnen. Auch Analyse und Begutachtung von Futtermitteln zu \u00fcben, war als Erg\u00e4nzung der Vorlesungen dar\u00fcber ein Erfordernis. Aus diesen Gr\u00fcnden entstand als Teil des zootechnischen Instituts das zootechnische Laboratorium.\nDie Anf\u00e4nge desselben waren sehr bescheiden; ein einfenstriges Zimmer im ersten Stock des Hauptgeb\u00e4udes fagte s\u00e4mtliche Einrichtungen. Nach wenigen Jahren wurden jedoch erheblich bessere R\u00e4ume im Erdgeschog der Hochschule zur Verf\u00fcgung gestellt und erst ein Jahr sp\u00e4ter zwei Assistenten dem Vorstande zur Hilfeleistung bewilligt.\nSeit August des Jahres 1905 ist endlich das Laboratorium in abermals vollkommenerer Ausstattung in den jetzigen \u201eErweiterungsbau\u201c \u2014 Chausseestrage 100 \u2014\u2022 verlegt worden.\nNat\u00fcrlich sind mit den besseren Einrichtungen auch die Aufgaben des Laboratoriums gewachsen. W\u00e4hrend es anfangs nur einen Ort zur Vorbereitung weniger und leichter Experimente darstellte, konnte sp\u00e4ter die Unterrichtst\u00e4tigkeit weiter ausgedehnt, und Untersuchungen,","page":80},{"file":"p0081.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen Sammlungen.\n81\ndie ein feineres Instrumentarium erforderten, gelehrt werden, u. a. auch die Anfangsgr\u00fcnde der Bakteriologie; es war Gelegenheit gegeben, im kleinen einige Molkereiprodukte, Butter, K\u00e4se herzustellen. Endlich war\n6\nFestschrift d. landw. Hochschule.\nAbb. 23. Zootechnisches Laboratorium. Mikroskopier- und Demonstrationssaal.","page":81},{"file":"p0082.txt","language":"de","ocr_de":"82\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ndie M\u00f6glichkeit geboten, das Laboratorium nicht nur als Unterrichtsmittel zu benutzen, obgleich dies seiner Bestimmung nach den Hauptzweck bilden soll, sondern darin auch wissenschaftliche Forscherarbeit zu leisten.\nMit einigen Worten sei der Bestimmung der aus dem Plan, Seite 41, ersichtlichen R\u00e4ume gedacht. Der Hauptarbeitsraum f\u00fcr die Praktikanten befindet sich in dem \u00f6stlichen Fl\u00fcgel (Praktikanten-Laboratorium). Herren, welche den sog. gro\u00dfen Kursus belegen, erhalten feste Pl\u00e4tze an den gro\u00dfen Laboratoriumstischen; sie f\u00fchren wissenschaftliche Untersuchungen aus, resp. \u00fcben sich in bakteriologischen Arbeiten. F\u00fcr die Teilnehmer am kleinen Kursus, die stets gemeinsam dieselben Untersuchungsmethoden \u00fcben, werden die n\u00f6tigen Apparate und Ger\u00e4te vorbereitet und nach Bedarf auf den Arbeitstischen vor Beginn des Kursus aufgestellt, so da\u00df sich eine besondere Anweisung von Pl\u00e4tzen an, die Einzelnen er\u00fcbrigt.\nN\u00f6rdlich vom Praktikantenraum schlie\u00dfen sich zwei Zimmer an das eine ist f\u00fcr Verbrennungen, wie Elementaranalysen, Veraschungen im Muffelofen, Aufschlie\u00dfung im Schie\u00dfofen und \u00e4hnlichem bestimmt; das andere enth\u00e4lt die chemischen Wagen und eine kleine Handbibliothek.\nS\u00fcdlich vom Praktikantenraum schlie\u00dft sich das Arbeitszimmer der Assistenten an, hieran reiht sich der sogenannte Raum f\u00fcr Tierexperimente, in welchem sich die eventuell zu Stoffwechseluntersuchungen gehaltenen Versuchstiere in K\u00e4figen befinden, dort kathetrisiert oder operiert werden.\n\u00d6stlich von diesem Raum tritt man in ein relativ dunkles Zimmer, das haupts\u00e4chlich f\u00fcr einen Teil der bakteriologischen Arbeiten bestimmt ist. Es befinden sich dort die Thermostaten, auch ein gro\u00dfer an zwei Kubikmeter fassender mit elektrischer Heizung, in den Schr\u00e4nken die Ger\u00e4te etc. f\u00fcr die bakteriologischen Arbeiten. Au\u00dferdem hat dort freilich auch noch die kalorimetrische Bombe Aufstellung finden m\u00fcssen.\nWestlich vom Zimmer f\u00fcr Tierexperimente schlie\u00dft sich ein kleines einfenstriges an, das wesentlich f\u00fcr Gasanalysen bestimmt ist. Hieran st\u00f6\u00dft der gro\u00dfe dreifenstrige Mikroskopie- und Demonstrations-Saal. Hier sollen nicht nur mikroskopische \u00dcbungen abgehalten, sondern solche Demonstrationen vorgenommen werden, welche in den H\u00f6rs\u00e4len bei den Vorlesungen auf Schwierigkeiten sto\u00dfen. Als Beispiele seien genannt: Vorzeigen mikroskopischer Pr\u00e4parate, \u00dcbungen im Bestimmen und Sortieren von Wollen u. A.\nDer ger\u00e4umige, an den genannten Zimmern sich hinziehende Flur dient zur Aufstellung von Schr\u00e4nken und einigen gr\u00f6\u00dferen Apparaten, wde einer Tretbahn f\u00fcr kleinere Tiere, gr\u00f6\u00dferen Zentrifuge, K\u00e4lteschrank, Dampfdigestorium, Dampftrockenschrank u. a.","page":82},{"file":"p0083.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen Sammlungen.\n83\n-Endlich zum Laboratorium geh\u00f6rig befindet sich am \u00f6stlichen Ende des Flurs noch ein isoliertes Zimmer, das f\u00fcr alle Arbeiten, bei denen besonders leicht unangenehme Gase sich entwickeln, bestimmt ist. In einem besonderen, eisernen Wanddigestorium eigener Konstruktion werden die Oxydationen der organischen Substanzen zur Stickstoffbestimmung nach Kjeldahl vorgenommen. In zwei anderen Digestorien gew\u00f6hnlicher Art k\u00f6nnen Arbeiten mit Schwefelwasserstoff, Bromlauge, Abrauchen gr\u00f6\u00dferer Mengen S\u00e4ure usw. ausgef\u00fchrt werden.\nAls sehr wichtige Verbesserung gegen fr\u00fcher ist dann noch zu erw\u00e4hnen, da\u00df dem Institut endlich ein kleiner Raum zur Verf\u00fcgung gestellt wurde, in welchem einige Versuchstiere gehalten werden k\u00f6nnen. Der Ausdruck \u201eStall\u201c ist daf\u00fcr wohl zu weitgehend, aber immerhin k\u00f6nnen dort auch zwei bis drei der kleineren Wiederk\u00e4uer, Schafe oder Ziegen gehalten werden, desgleichen selbstverst\u00e4ndlich Hunde, Kaninchen und \u00c4hnliches. Der Raum liegt getrennt vom Laboratorium, \u00f6stlich vom sogenannten Verbrennungszimmer, und gelangt man zu ihm, dort zum Fenster hinaussteigend, \u00fcber ein kleines, offenes Dach.\nSo primitiv die ganze Anlage ist, so bedeutet sie doch, wie erw\u00e4hnt, eine sehr gro\u00dfe Verbesserung. Es hat bei den fr\u00fcher in dem Institut mit kleinen Tieren ausgef\u00fchrten wissenschaftlichen Untersuchungen gro\u00dfe Umst\u00e4nde und Unzutr\u00e4glichkeiten gemacht, die Tiere in K\u00e4figen, Kisten, improvisierten Verschl\u00e4gen etc. zu halten, und bald mu\u00dfte, dieser unnat\u00fcrlichen Haltung wegen, neues Tiermaterial beschafft, Versuche abgebrochen werden usw. F\u00fcr wissenschaftliche Arbeiten ist somit sehr viel gewonnen.\nMittelbar mit dem Laboratorium in Verbindung, d. h. zu ihm geh\u00f6rig, sind ferner noch zwei, sp\u00e4ter drei Zimmer zu nennen, welche westlich vom Laboratorium, \u00fcber den Treppenflur hin\u00fcber, etwa ein Drittel Stockwerk h\u00f6her liegen. Die Bestimmung dieser Zimmer ist, zu mehr physikalischen Untersuchungen zu dienen. Das letzte Zimmer der Reihe ist als Dunkelraum eingerichtet.\nHier sollen die photographischen Arbeiten inklusive Mikrophotographien, Polarisationen, elektrische Untersuchungen (Bestimmung der Leitf\u00e4higkeit etc.) ausgef\u00fchrt wenden. Das erste (\u00f6stlichste) Zimmer ist zugleich Arbeitsraum des Vorstehers.\nBei dem Unterricht im Molkereiwesen hat es sich als w\u00fcnschenswert herausgestellt, die Herstellung einiger Produkte der Milchwirtschaft zeigen, bzw. Praktikanten Gelegenheit geben zu k\u00f6nnen, eine solche Herstellung selbst vorzunehmen. Auch mu\u00dfte es erw\u00fcnscht erscheinen, f\u00fcr mancherlei Untersuchungen gr\u00f6\u00dfere Mengen von Milch verarbeiten zu k\u00f6nnen, als es mit den Apparaten, die man in gew\u00f6hnlichen Laboratoriumsr\u00e4umen aufzustellen vermag, in der Regel m\u00f6glich ist. Aus\n6*","page":83},{"file":"p0084.txt","language":"de","ocr_de":"84\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ndiesen Gr\u00fcnden ist, ebenfalls als Anhang zum zootechnischen Laboratorium, im Kellergescho\u00df, genau unter den letzterw\u00e4hnten Zimmern f\u00fcr die physikalischen Untersuchungen, eine, wenn auch sehr kleine Versuchsmolkerei eingerichtet worden. Sie gliedert sich in vier verschieden gro\u00dfe, an sich freilich kleine, R\u00e4ume. Der kleinste, am westlichen Ende der Reihe und etwas vertieft gelegen, erh\u00e4lt kein Tageslicht, ist durch einen Gasofen heizbar; in ihm ist ein Ger\u00fcst zur Aufnahme von K\u00e4se w\u00e4hrend des Reifungsprozesses aufgestellt. Daran schlie\u00dft sich westlich ein zweifenstriger Raum mit K\u00e4sekessel, Spanntischen und Wasserbecken. Hierauf folgt der gr\u00f6\u00dfte Raum, in dem die Rahmgewinnung und das Buttern demonstriert werden kann; erstere sowohl nach den \u00e4lteren als auch nach dem Zentrifugalverfahren. Zum Betriebe der Zentrifugen etc. steht elektrische Kraft zur Verf\u00fcgung, auch Dampf zum Betriebe von Turbinen. Der letzte kleine einfenstrige Raum dient zur Aufbewahrung jeweilig nicht benutzter Maschinen oder Maschinenteile, von Gebrauchsstoffen usw.\nEinen gro\u00dfen \u00dcbelstand bildet freilich, da\u00df nur Berliner Kuhmilch f\u00fcr die Verarbeitung in der Molkerei zur Verf\u00fcgung steht und an eine lohnende Verwertung der hin und wieder erzeugten Produkte nicht gedacht werden kann. Es verbietet damit der finanzielle Gesichtspunkt, den Molkereibetrieb \u00fcber das notwendigste Ma\u00df auszudehnen.\nAls letzter Teil des zootechnischen Instituts ist die Wollwasch-und Konditionieranstalt zu erw\u00e4hnen.\nDie Einrichtung derselben wurde weniger zu wissenschaftlichen Zwecken getroffen, als vielmehr in der Absicht, die Wollschafzucht in gewisser Hinsicht zu f\u00f6rdern.\nEine vielfache Erfahrung hat gelehrt, da\u00df die Beurteilung des wahren Wertes der Wolle in den Schafvlie\u00dfen eine sehr schwierige ist und auf Grund direkter sinnlicher Wahrnehmungen nur nach sehr langer und flei\u00dfigster \u00dcbung mit einiger Sicherheit getroffen werden kann. Eine solche \u00dcbung bezw. Routine findet man fast nur bei Vertretern des Handels und der Industrie, die, bildlich gesprochen, ihre ganze Lebensarbeit in der Wolle verrichten. Es lag daher der Gedanke nahe, da\u00df die Wollschafz\u00fcchter es als eine wertvolle Sicherung ihres Urteils \u00fcber ihre Zuchttiere ansehen w\u00fcrden, wenn in deren Vlie\u00dfen durch Zerrei\u00dfen von einem Sachverst\u00e4ndigen der Wollbranche zun\u00e4chst die Qualit\u00e4t, durch Waschen und Konditionieren die Quantit\u00e4t der Wolle exakt ermittelt w\u00fcrden. Durch die landwirtschaftlichen Bl\u00e4tter wat-bekannt gemacht worden, da\u00df es den preu\u00dfischen Landwirten freist\u00e4nde, durch Einsendung von Vlie\u00dfen in dieser Weise gegen geringes Entgelt die Wollwaschanstalt zu ben\u00fctzen. Leider m\u00fcssen sich die Z\u00fcchter doch von einer solchen Untersuchung zu wenig Vorteile versprochen haben; es fanden nur sehr wenige Einsendungen (mehr aus dem Aus-","page":84},{"file":"p0085.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnischen Sammlungen.\n85\nland als aus Deutschland) statt. Die Wollwaschanstalt h\u00e4tte demnach ein sehr ruhiges Dasein f\u00fchren k\u00f6nnen, wenn nicht durch die von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft beinahe allj\u00e4hrlich auf ihren Ausstellungen veranstalteten Probeschuren ihr ein reichliches Material von Vliegen zur Verarbeitung \u00fcberwiesen worden w\u00e4re. Es ist damit im Laufe der Jahre ein umfangreiches Material zur Beurteilung der Wolleigenschaften und des Ertr\u00e4gnisses an reiner (auf den im Handel \u00fcblichen Wassergehalt berechneten) Wolle bei vielen unserer besten Z\u00fcchter gewonnen worden.\nDie Wollwaschanstalt ist in einem Nebenraum des chemischen Institus untergebracht. Dort stehen in der Mitte des Kellerraumes die Pregwalze mit jederseits zwei Doppelbottichen, der Motor, fr\u00fcher eine ca. 4pferdige Dampfmaschine, jetzt ein ebenso starker Elektromotor, ein mit Dampf zu heizender Trockenapparat, endlich die bei der Konditionierung erforderlichen Vortrockent\u00f6pfe. Der eigentliche Konditionierapparat, fr\u00fcher im ersten Stockwerk des Museums untergebracht, hat jetzt im Flur des Laboratoriums Aufstellung gefunden.\n\u00dcber die allgemeine Unterrichtst\u00e4tigkeit des Vorstandes des zootechnischen Instituts ist an dieser Stelle nur wenig zu sagen. \u00dcber die Themata der gehaltenen Vorlesungen gibt der Stundenplan Auskunft. Disposition oder Inhalt n\u00e4her zu schildern, w\u00fcrde hier zu weit f\u00fchren. Aus der ganzen Organisation des Instituts, wie der Hochschule geht hervor, dag der Unterricht ein wesentlich theoretischer sein mug; es ist das Prinzip maggebend, den Schwerpunkt in den Vortr\u00e4gen auf solche Dinge zu legen, \u00fcber welche eine Orientierung durch die Praxis am schwersten m\u00f6glich ist, w\u00e4hrend das, was durch die Beobachtung w\u00e4hrend der praktischen T\u00e4tigkeit dem angehenden Landwirt am leichtesten offenbar wird, in den Vortr\u00e4gen eine entsprechend nur kurze Ber\u00fccksichtigung erf\u00e4hrt. Die Aufgabe akademischer Vorlesungen soll im wesentlichen eine anregende, zu selbst\u00e4ndigem Beobachten und Denken besser bef\u00e4higende sein, sie soll in gedr\u00e4ngtem \u00dcberblick die wichtigsten, von den bedeutendsten Forschern der Praxis wie der Theorie gemachten Erfahrungen vermitteln und damit meist auch die Probleme kennzeichnen, deren L\u00f6sung im Vordergr\u00fcnde des Interesses steht; sie ist jedoch nicht darin zu suchen, der bew\u00e4hrten Lehrmeisterin \u201epraktische Erfahrung\u201c Konkurrenz zu machen, wom\u00f6glich auf Gebieten, wo letztere der Natur der Sache nach in einer vorteilhafteren Lage ist.\nEs ist selbstverst\u00e4ndlich, dag auch Exkursionen, so weit ang\u00e4ngig, zur Unterst\u00fctzung des Unterrichtes herangezogen werden. Regelm\u00e4gig werden unter F\u00fchrung des Vorstandes des zootechnischen Instituts die Ausstellungen der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und die Mastviehausstellung in Berlin besucht. Viehhaltungen der Stadt dienen zu","page":85},{"file":"p0086.txt","language":"de","ocr_de":"86\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDemonstrationen an lebenden Tieren, z. B. in der hiesigen tier\u00e4rztlichen Hochschule, dem K\u00f6niglichen Marstall usw.\nLeider wird durch die Zeit einer h\u00e4ufigeren Vornahme der Exkursionen ein Hindernis gesetzt; die damit meist verbundene Vers\u00e4umnis wichtiger Vorlesungen zwingt, sich auf das Notwendigste oder doch leichtest Erreichbare zu beschr\u00e4nken.\nLebenslauf des Professors Dr. Curt Lehmann.\nDer Vorsteher des zootechnischen Instituts Professor Dr. Curt Lehmann wurde 1849 zu Kreuzburg O.-Schl. geboren und widmete sich seit 1867 dem landwirtschaftlichen Beruf. Die zweij\u00e4hrige Elevenzeit verlebte er auf der Dom\u00e4ne Peterwitz bei Jauer unter Leitung des K\u00f6niglichen Amtsrats Bormann und war darauf noch auf drei schlesischen G\u00fctern praktisch t\u00e4tig. Oktober 1870 besuchte er die Universit\u00e4t Halle a. S., legte dort 1872 das landwirtschaftliche Examen ab, siedelte dann nach G\u00f6ttingen \u00fcber und promovierte im August 1873 dort mit einer Dissertation \u201eUber die Notwendigkeit einer Verst\u00e4rkung der Viehhaltung im landwirtschaftlichen Betriebe.\u201c Hierauf in die Praxis zur\u00fcckkehrend, verwaltete er das Rittergut Wolfsburg bei Vorsfelde, bis Oktober 1875 und lenkte dann in die akademische Laufbahn ein. Vom Januar 1876 ab trat er zun\u00e4chst als Privatassistent bei dem an dem damaligen \u201eLandwirtschaftlichen Lehrinstitut der Berliner Universit\u00e4t\u201c lehrenden Professor Dr. Orth ein und wirkte seit Anfang Mai desselben Jahres als Hilfslehrer an dem genannten Institut. Bei Errichtung der landwirtschaftlichen Hochschule 1881 wurde er etatsm\u00e4giger Assistent, zun\u00e4chst an dem pedologischen Institut des Professors Orth, 1882 an dem tierphysiologischen Institut unter Professor Zuntz. Im Jahre 1888 wurde ihm das Pr\u00e4dikat Professor verliehen und 1889 erhielt er die etatsm\u00e4ljige Professur f\u00fcr Tierzucht an der Hochschule.\nDie vorher von ihm als Hilfslehrer gehaltenen Vorlesungen betrafen folgende Themata: Ern\u00e4hrungslehre der Pflanzen, landwirtschaftliche F\u00fctterungslehre, Statik des Landbaues, englische Landwirtschaft, die Lehre von der Vererbung, allgemeine Tierzucht, Molkereiwesen und Schweinezucht. Die als etatsm\u00e4giger Professor gehaltenen Vorlesungen waren stets die gleichen, wie sie auch der jetzige Stundenplan aufweist.\nIn selbst\u00e4ndiger Buchform resp. als Teil davon wurden von ihm ver\u00f6ffentlicht eine Neubearbeitung der Abschnitte \u00fcber Bodenkunde, Acker- und Wiesenbau in Thaers \u201eRationeller Landwirtschaft,\u201c die Bodenkunde in dem von Guido Krafft herausgegebenen Landwirtschaftslexikon, eine Neubearbeitung der E. v. Wolffschen F\u00fcttterungslehre.\nDie wissenschaftlichen Arbeiten und Untersuchungen betreffen fast nur Fragen der Tierproduktionslehre, resp. der Physiologie der Tiere. Die haupts\u00e4chlichsten sind ver\u00f6ffentlicht im \u201eJournal f\u00fcr Landwirtschaft,\u201c \u201eLandwirtschaftlichen Jahrb\u00fccher,\u201c \u201ePfl\u00fcgers Archiv f\u00fcr Physiologie,\u201c \u201eVirchows Archiv f\u00fcr pathologische Anatomie und Physiologie,\u201c \u201eNachrichten aus dem Klub der Landwirte,\u201c \u201eF\u00fchlingslandwirtschaftlicheZeitung,\u201c \u201eJahrbuch der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft\u201c und den in besonderen Heften erscheinenden sogenannten \u201eArbeiten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. \u201c","page":86},{"file":"p0087.txt","language":"de","ocr_de":"7. Das zootechnische Institut und die zootechnisclien Sammlungen.\n87\nAls Assistenten waren bisher folgende Herren im zootechnischen Institut t\u00e4tig. Von 1891 -1893 Dr. Fitze (von Beruf eigentlich Chemiker), Julius Pfreimbtner, F. Rosenfeld, promovierte sp\u00e4ter mit einer hier ausgef\u00fchrten Arbeit \u00fcber Asparaginf\u00fctterung), Dr. W. V\u00f6ltz und Dr. Max M\u00fcller. Letztere beiden Herren sind noch gegenw\u00e4rtig als Assistenten t\u00e4tig und haben in dem Institut bereits folgende Arbeiten ausgef\u00fchrt und bekannt gegeben (von anderen selbst\u00e4ndigen kleineren Publikationen abgesehen), Herr V\u00f6ltz: Untersuchungen \u00fcber die sogenannten Serum -h\u00fcllen der Fettkugeln der Milch; eine neue Methode der Fettbestimmung; Untersuchungen \u00fcber den Stickstoffumsatz bei F\u00fctterung verschiedener Eiweigstoffe allein und in Verbindung mit Asparagin; \u2014 alles ver\u00f6ffentlicht in Pfl\u00fcgers Archiv f\u00fcr Physiologie. \u00dcber die Bedeutung des Betains als N\u00e4hrstoff, ver\u00f6ffentlicht in den Verhandiungen der Berliner Physiologischen Gesellschaft.\nHerr M\u00fcller ver\u00f6ffentlichte: \u201eStudien \u00fcber den Einflug des Futters auf die Milch, besonders auf die Milchfettproduktion (Dissertation) und einen weiteren Beitrag zur Methode der Fettbestimmung. Beides ver\u00f6ffentlicht in F\u00fchlings landwirtschaftlicher Zeitung. Endlich eine Untersuchung \u00fcber die sogenannte \u201eeiweigersparende Wirkung des Asparagins,\u201c ver\u00f6ffentlicht in den Verhandlungen der physiologischen Gesellschaft zu Berlin.\nBei Gr\u00fcndung der Landwirtschaftlichen Hochschule im Jahre 1881 nahm den Lehrstuhl f\u00fcr Tierzucht Hermann Settegast ein.\nHermann Settegast, Dr., Geheimer Regierungsrat, Inhaber der goldenen Liebigmedaille, geh. 1819 zu K\u00f6nigsberg i. Pr., wirkte nach Absolvierung praktischer und wissenschaftlicher Ausbildung 1848\u20141858 als Administrator der K\u00f6niglichen Dom\u00e4ne Proskau i. Schl, und Lehrer der Landwirtschaft an der dortigen Akademie, 1858 als Direktor der Landwirtschaftlichen Akademie Waldau i. Pr., von 1863 ab als Direktor der Akademie Proskau und folgte 1881 einem Rufe als erster Professor der Tierzucht und landwirtschaftlichen Betriebslehre an die K\u00f6nigliche Landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin, mit deren Rektorat er zweimal betraut wurde, die ihm vor allem die Gr\u00fcndung und muster-giltige Gestaltung der zootechnischen Abteilung des Museums verdankt und der eiserne Kr\u00e4fte bis zum Ausscheiden aus der Berufst\u00e4tigkeit im Jahre 1889 widmete.\nEin begeisterter Anh\u00e4nger der Darwinschen Theorie, erkannte er deren Berechtigung und tiefe Bedeutung f\u00fcr die Landwirtschaftslehre in vollem Umfange an und gab den darauf beruhenden Anschauungen und Konsequenzen, \u201eSettegast\u2019sche Schule\u201c genannt, in Wort und Schrift, unterst\u00fctzt von einer wahrhaft gl\u00e4nzenden Rednergabe und Schreibweise, ebenso klaren wie \u00fcberzeugenden Ausdruck.\nIn Bezug auf Wirtschaftssystem und Pfanzenern\u00e4hrung durchaus in \u00dcbereinstimmung mit. der Liebigschen Lehre, die durch ihn die weiteste, fruchtbarste Verbreitung erfuhr, wollte er doch ihre seiner \u00dcberzeugung nach einseitige Auslegung nicht gelten lassen, und wenn es sich darum handelte, der daraus gefolgerten Einschr\u00e4nkung des Landwirtschaftsbetriebes entgegenzutreten, scheute er auch keine Kontroverse, wie in den Schriften: \u201eSchultz-Lupitz und kein Ende\u201c, ferner \u201eSchultz-Lupitz und Professor Maercker als Ausleger des Lupitzismus.\u201c\nVon den zahlreichen, seinerzeit geradezu bahnbrechenden Publikationen Settegast\u2019s seien hier nur einige der haupts\u00e4chlichsten genannt und zwar: Individual-Potenz und die Rasse- und Konstanz-Doktrin (1861), Deutsches Herdbuch (4 B\u00e4nde, 1868\u201475), Tierzucht (1. Bd. Z\u00fcchtungslehre, 2. Bd. F\u00fctterungslehre, 1868, 5. Aufl. 1888); Die Landwirtschaft und ihr Betrieb (3 Bde., 1879, 3. Aufl. 1885);","page":87},{"file":"p0088.txt","language":"de","ocr_de":"88\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDie deutsche Landwirtschaft vom kulturgeschichtlichen Standpunkte, 1884); endlich der \u201eIdealismus und die deutsche Landwirtschaft\u201c (1885) und \u201eErlebtes und Erstrebtes\u201c (1892), welch letztere vor allem die hohe ethische Bedeutung der Landwirtschaft in warmer Weise zur Geltung bringen.\n8. Der Unterricht in der Rindviehzucht.\nVertreter des Faches: Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Werner.\nDie in neuerer Zeit \u00fcberall hervortretenden z\u00fcchterischen Bestrebungen in der Rindviehzucht veranlagten den Referenten, die wissenschaftliche Grundlage der Lehre, welche viele L\u00fccken aufweist, zu entwickeln. Insbesondere gehen die Ziele dahin, die Lehre vom K\u00f6rperbau weiter auszubilden, zu welchem Zwecke einige Tausend Messungen der wichtigsten K\u00f6rperteile vorgenommen worden sind. Zugleich gelang es, die Rasseneinteilung auf einer der Zoologie angepagten Grundlage aufzubauen und eine Geschichte des Hausrindes neu zu entwickeln. Ein weiteres Ziel der Lehre ist, die wissenschaftlichen Errungenschaften auf dem Gebiet der Zucht und tierischen Ern\u00e4hrung f\u00fcr die Praxis der Rinderhaltung nutzbar zu machen. Den Demonstrationen am Rinde im Rassestall der Tier\u00e4rztlichen Hochschule ist im Sommersemester w\u00f6chentlich eine Stunde gewidmet.\nLebenslauf des Professors Dr. Werner.\nWerner, Dr. Hugo, geb. am 26. Juni 1839 zu Berlin, wurde vorgebildet auf dem K\u00f6niglichen Realgymnasium daselbst. Er lernte 1857/59 auf der Dom\u00e4ne Bretwisch in Neuvorpommern die Landwirtschaft, studierte darauf zwei Semester an der Universit\u00e4t zu Berlin und vier Semester in Eldena. Hierauf wurde er Wirtschaftsinspektor auf dem Gute Semlow in Neuvorpommern und Carzig in der Neumark, machte 1864 den Feldzug gegen D\u00e4nemark mit, nach dessen Beendigung er als Wirtschaftsinspektor auf dem akademischen Gut \u201eEldena\u201c angestellt wurde. Aus dem Feldzug gegen \u00d6sterreich zur\u00fcckgekehrt, promovierte er und habilitierte sich im Oktober 1866 in Eldena als Privatdozent und \u00fcbernahm gleichzeitig die Verwaltung des Versuchsfeldes. 1868 folgte er einem Rufe an die Akademie Proskau. Nach dem franz\u00f6sischen Kriege, welchen er als Offizier mitmachte, wurde er im April 1871 als Dozent und Administrator der Gutswirtschaft nach Poppelsdorf berufen, und 1872 zum Professor ernannt. Er folgte 1889 einem Rufe als Professor der Betriebslehre an die K\u00f6nigliche landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin und wurde 1895 zum Geheimen Regierungsrat ernannt.\nSeine Hauptschriften sind: \u201eDer landwirtschaftliche Ertragsanschlag (zweite Auflage, Breslau 1887); Handbuch des Futterbaues (zweite Auflage, Berlin 1889) (russisch); Der Kartoffelbau, vierte Auflage, Berlin 1902) (schwedisch); Handbuch des Getreidebaues, in Gemeinschaft","page":88},{"file":"p0089.txt","language":"de","ocr_de":"Die vegetabilische Abteilung des Museums.\n89\nmit Professor K\u00f6rnicke bearbeitet (Berlin 1885); Der praktische Zuckerr\u00fcbenbauer (Bonn 1888); Illustriertes Landwirtschaftslexikon (dritte Auflage, Berlin 1900); Die Rinderzucht (Berlin, zweite Auflage, 1902); Lehrbuch der einfachen und doppelten Buchf\u00fchrung (Leipzig, zweite Auflage 1894); Die Technik der modernen Landwirtschaft (Berlin, zweite Auflage, 1905) (russisch); Das deutsche Rind, bearbeitet von Lydtin und Werner, herausgegeben von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (1899); Viehzucht und Viehhaltung, sowie Viehz\u00e4hlung in Meitzen; Der Boden und die landwirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse des preu\u00dfischen Staates (7. Band, 1905). Au\u00dfer zahlreichen Aufs\u00e4tzen sind Beschreibungen der Landwirtschaft in Skandinavien, D\u00e4nemark, England, den Niederlanden. Belgien, Frankreich, der Schweiz, Nord- und S\u00fcditalien, \u00d6sterreich-Ungarn und Nordamerika erschienen.\n9. Die vegetabilische Abteilung des Museums.\nVorsteher: Geh. Reg.-Rat, Prof. Dr. L. Wittmack.\n(Hierzu Abb. 24.)\nDie vegetabilische Abteilung ist nebst der Wollsammlung als die erste Grundlage des ganzen Museums zu betrachten; denn als die preu\u00dfischen Landwirte zur Beschickung der Pariser Weltausstellung 1867 aufgefordert wurden, sprachen viele den Wunsch aus, da\u00df ihre Produkte, die vorzugsweise in vegetabilischen Erzeugnissen und Wollen bestanden, nach Schlu\u00df der Ausstellung einem zu begr\u00fcndenden landwirtschaftlichen Museum \u00fcberwiesen werden m\u00f6chten. Diesem Wunsch wurde seitens der K\u00f6niglichen Staatsregierung Folge gegeben, und es wurden noch viele Gegenst\u00e4nde aus anderen L\u00e4ndern teils geschenkweise, teils durch Ankauf auf der gedachten Ausstellung erworben. Vergl. S. 13. Zu den Geschenken geh\u00f6rten vor allem die gro\u00dfen Sammlungen von Samen und \u00c4hren der Firma Vilmorin, Andrieux & Co. nebst den dazu geh\u00f6rigen Schr\u00e4nken. Sp\u00e4ter ist aus der aufgel\u00f6sten Akademie Eldena von vegetabilischen Gegenst\u00e4nden die von Prof. Jessen zusammengestellte Getreidesammlung hinzugekommen, aus M\u00f6glin durch Prof. Albrecht Thaer eine Anzahl Unkrautsamen etc. Durch Ankauf wurde die Bohnensammlung des verstorbenen Dr. von Martens, Stuttgart und die Sammlung von H\u00fclsenfr\u00fcchten des verstorbenen Prof. Dr. Alefeld, Darmstadt erworben, sowie vieles andere. Aber auch durch Geschenke von Beh\u00f6rden und Privaten ist die Sammlung sehr bereichert worden.\nDer erste Saal (Nr. 29), an der Ostseite belegen, enth\u00e4lt namentlich Pflanzenkrankheiten und Gegenst\u00e4nde des Pflanzenschutzes und soll diese Abteilung f\u00fcr Pflanzenkrankheiten immer mehr erweitert werden. Ferner finden sich Mi\u00dfbildungen, Gegenst\u00e4nde der Pflanzenphysiologie und Biologie, sowie ein Teil der Faserstoffe, die sich in dem zweiten","page":89},{"file":"p0090.txt","language":"de","ocr_de":"90\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nSaal (Nr. 31) fortsetzen. Dieser zweite Saal enth\u00e4lt ferner an der S\u00fcdseite Modelle von Pilzen, Obst, und Obstformb\u00e4umen, Kartoffeln und anderen Wuzelgew\u00e4chsen, Bl\u00fctenmodelle etc.; an der Nordseite zwei Schr\u00e4nke mit inl\u00e4ndischen und drei mit ausl\u00e4ndischen Holzarten, darunter besonders sch\u00f6ne St\u00fccke, auch eine ganze Korkeiche. Zwei Revolver-Mikroskope und zwei sogenannte Xyloskope (Revolverk\u00e4sten mit gro\u00dfen Lupen) zeigen den feineren Bau des Holzes etc.\nDer dritte Saal (Nr. 32) nimmt die Mitte der ganzen S\u00fcdfront ein. Er ist f\u00fcr das gro\u00dfe Publikum besonders interessant, weil sich in ihm die anschaulichen Analysen von Nahrungs- und Futtermitteln befinden. In entsprechend gef\u00fcllten Gl\u00e4sern ist dargestellt, wieviel Gramm Wasser, Protein, Fett etc. in 1 kg der verschiedenen Arten Fleisch, Fisch, Getreide, H\u00fclsenfr\u00fcchte, Kartoffeln, Gem\u00fcse, Obst, ferner im Stroh, Heu und in den Kraftfuttermitteln enthalten sind. Ferner finden sich die narkotischen Genu\u00dfmittel in diesem Saal und ein gro\u00dfes Tabakmuseum, ein Geschenk der Firma Loeser & Wolff. Endlich haben hier die interessanten pr\u00e4historischen Samen und H\u00f6lzer Aufstellung erhalten, an denen das Museum so reich ist. Man sieht Weizen und Gerste aus \u00c4gypten, Einkorn aus Troja, Pfahlbauten- und Gr\u00e4berfunde, Maiskolben der alten Peruaner und Schnitte durch die Asche von verkohlten H\u00f6lzern aus der H\u00fcnenburg bei Rinteln a. d. Weser etc.\nIn der nach Norden ansto\u00dfenden Loggia, die einen sch\u00f6nen Blick auf die gro\u00dfe mit Glas bedeckte Maschinenhalle gew\u00e4hrt, ist eine kleine Kolonialsammlung eingerichtet.\nDen Schlu\u00df des Ganzen bildet der folgende f\u00fcnfte Saal (Nr. 34) der vorzugsweise den st\u00e4rkemehlhaltigen Nahrungsmitteln, dem Getreide und den H\u00fclsenfr\u00fcchten etc. gewidmet ist. Hier finden sich die vielen Sorten des Weizens in ganzen Halmen sowie in \u00c4hren und K\u00f6rnern, auch botanische Analysen derselben und die ber\u00fchmten Kreuzungen des verstorbenen Amtsrat Dr. Wilhelm Rimpau, Schianstedt. In \u00e4hnlicher Weise sind Roggen, Gerste und Hafer vertreten. Von ausl\u00e4ndischem Getreide ist besonders eine sehr gro\u00dfe Maissammlung hervorzuheben. Da\u00df auch die H\u00fclsenfr\u00fcchte sehr reich vertreten sind, geht schon aus den oben erw\u00e4hnten Ank\u00e4ufen gro\u00dfer Spezialsammlungen hervor. Auch die Sammlung von St\u00e4rkearten ist reich. Zwei Schr\u00e4nke endlich dienen zur Aufstellung von Ol-, F\u00e4rb- und Gerbepflanzen sowie Drogen. Hier hat auch zumteil aus r\u00e4umlichen R\u00fccksichten eine gro\u00dfe Baumwollenstaude Platz erhalten.\nDie Verarbeitung des Getreides zu Mehl, Graupen etc. wird stufenweise gezeigt und das verwickelte Mahlverfahren einer gro\u00dfen M\u00fchle durch ein Diagramm, Geschenk des Herrn Meyer, Hameln, erl\u00e4utert. Ferner sind Gras- und Kleesamen und deren Verunreinigungen sowie Futter- und Ziergr\u00e4ser etc. vorhanden.","page":90},{"file":"p0091.txt","language":"de","ocr_de":"9. Die vegetabilische Abteilung des Museums.\n91\nAn der Wand, welche an den Saal f\u00fcr Boden und D\u00fcnger (Nr. 35) st\u00f6\u00dft, h\u00e4ngen gro\u00dfe von Herrn Geh. Reg.-Rat Orth hergestellte Tafeln welche die Bewurzelung der Leguminosen und der Getreidearten etc. darstellen.\nDem Vorsteher der vegetabilischen Abteilung ist zugleich der Unterricht in der systematischen Botanik \u00fcbertragen, an dem auch Studierende der Universit\u00e4t teilnehmen. W\u00e4hrend fr\u00fcher beim Unterricht in der systematischen Botanik an landwirtschaftlichen Lehranstalten meist nur die Kulturpflanzen, also die h\u00f6heren Pflanzen, behandelt wurden, abgesehen von den sch\u00e4dlichen Pilzen, die wohl stets Ber\u00fccksichtigung fanden, ist das Ziel des Unterrichts an der Hochschule, den Studierenden die ganze Entwicklung des Pflanzenreiches von den niedersten Formen bis zu den h\u00f6chsten anschaulich darzulegen. Dabei werden selbstverst\u00e4ndlich die Nutzpflanzen und speziell die Nutzpflanzen f\u00fcr den Landwirt besonders ber\u00fccksichtigt, aber auch die wichtigsten Zierpflanzen nicht vergessen. Ein besonderer Wert wird ferner auf die Unkr\u00e4uter gelegt und ebenso auf die durch pflanzliche Parasiten erzeugten Pflanzenkrankheiten.\nDer Unterricht findet im Sommer f\u00fcr das zweite Semester in drei Wochenstunden statt. Die Gr\u00e4ser und Futterkr\u00e4uter werden in einer vierten Stunde besonders behandelt. Es ist das geschehen, weil diese einst\u00fcndige Vorlesung auch von den Studierenden der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung mit geh\u00f6rt wird. Aus diesem Grunde werden in der Vorlesung auch kurz die Bonitierungspflanzen besprochen.\n\u00dcberall ist das Augenmerk darauf gerichtet, die Studierenden zum eigenen scharfen Beobachten der ihnen in die Hand gegebenen Pflanzen anzuregen, und um das noch mehr zu \u00fcben, wird auch Anleitung zur Beurteilung des Heues gegeben, was zugleich f\u00fcr die Praxis von gro\u00dfer Bedeutung ist.\nAuf den zahlreichen botanischen Exkursionen, die fast jeden Sonnabend, nachmittags, stattfinden, bietet sich Gelegenheit, die Studierenden auch im Freien im Bestimmen der Pflanzen und im Beurteilen der Wiesen zu \u00fcben.\nIm Winter findet f\u00fcr das dritte Semester eine einst\u00fcndige Vorlesung \u00fcber Samenkunde statt, bei welcher namentlich die Gras- und Kleesamen nebst deren Verwechselungen und Verunreinigungen, sowie die wichtigsten Unkrautsamen von den Studierenden selbst untersucht werden. Es bietet sich hierbei eine gute Gelegenheit zur Wiederholung der systematischen Botanik. \u2014 Leider gestattet die Zeit nicht, die Unkrautsamen noch spezieller zu behandeln, eine Vermehrung der Zahl der Stunden ist aber schwer durchf\u00fchrbar.\nF\u00fcr das vierte Semester findet im Sommer eine einst\u00fcndige Vor-esung \u00fcber Z\u00fcchtung der Kulturpflanzen statt. Das Material dazu","page":91},{"file":"p0092.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 24. Einer der vier S\u00e4le (Saal 34) der vegetabilischen Abteilung des Museums.\n92\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nwird aus dem kleinen \u00f6konomischen Garten entnommen, welcher im Park der K\u00f6nigl. Tier\u00e4rztlichen Hochschule f\u00fcr die landwirtschaftliche Hochschule eingerichtet ist. Dieser Garten liefert auch mit das Material f\u00fcr die Vorlesung \u00fcber Botanik, welche der Vorsteher der vegetabilischen\n. l/\n\t\n\t\u00ae s\t\u2014!\n\t\t\n\t1 \u25a0]\tf \u2022 \u00bb. \u2022\u2022 1 1 ?* f\nAbteilung als Hilfslehrer an der Tier\u00e4rztlichen Hochschule h\u00e4lt. Letztere Anstalt hat einen eigenen botanischen Garten, dessen Pflanzen umgekehrt beim Unterricht an der landwirtschaftlichen Hochschule mit benutzt werden. F\u00fcr zartere Pflanzen ist das westliche der beiden auf","page":92},{"file":"p0093.txt","language":"de","ocr_de":"9. Die vegetabilische Abteilung des Museums.\n93\ndem Dache des Hauptgeb\u00e4udes befindlichen Gew\u00e4chsh\u00e4user der vegetabilischen Abteilung zugeteilt. Ebenso liefert das Gew\u00e4chshaus im botanischen Garten der Tier\u00e4rztlichen Hochschule Material.\nAls ein in den vorgeschriebenen Kreis der Vorlesungen f\u00fcr das f\u00fcnfte Semester geh\u00f6riger Gegenstand ist eine zweist\u00fcndige Vorlesung im Wintersemester \u00fcber Verf\u00e4lschung der Nahrungs- und Futtermittel zu bezeichnen; nicht obligatorisch sind die damit im Zusammenhang stehenden mikroskopischen \u00dcbungen (zweist\u00fcndig).\nDa der Vorsteher auch Leiter der \u201eVersuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller an der K\u00f6nigl. landwirtschaftlichen Hochschule\u201c ist, so steht ein reiches Material f\u00fcr die eben genannten Zwecke zu Gebote.\nBei allen Vorlesungen werden auch die reichen Sch\u00e4tze der vegetabilischen Abteilung des Museums ausgiebig benutzt. Bez\u00fcglich der Pflanzenkrankheiten bietet sich viel Gelegenheit frisches Material vorzuf\u00fchren, da der Vorsteher als Inhaber der Auskunftsstelle f\u00fcr Pflanzenschutz in den Provinzen Brandenburg und Pommern von den verschiedensten Seiten, oft auch aus anderen Gegenden, Einsendungen erh\u00e4lt.\nAssistenten an der vegetabilischen Abteilung.\nDer allererste Assistent an der vegetabilischen Abteilung, als sie noch einen Teil des ehemaligen landwirtschaftlichen Museums bildete, war Dr. Paul Sorauer, der bekannte Pflanzenpathologe, jetzt Professor und Privatdozent an der Universit\u00e4t Berlin. Er wirkte von 1867 \u2014 1869 an der Anstalt. Nach ihm folgten am Museum verschiedene andere Herren, welche die Stelle des einzigen Assistenten bekleideten. Auch nachdem das Museum mit dem landwirtschaftlichen Lehrinstitut zur Hochschule vereinigt wurde, war in den ersten Jahren nur ein Assistent t\u00e4tig; neben ihm aber von 1881\u201483, behufs Ordnung der Sammlungen, noch ein bis zwei wissenschaftliche Hilfsarbeiter, so die Herren v. Gallera nnd Trettin. Die meisten der Hilfsarbeiter wurden sp\u00e4ter Assistenten. Seit dem 1. April 1898 hat die Abteilung zwei Assistenten. Ihre Reihenfolge ist die nachstehende:\n1. Dezember 1880 bis 30. November 1882 Chemiker Julius Balcke, trat dann bei Professor Delbr\u00fcck ein.\n1. Dezember 1882 Dr. Franz Engel. Seit dem 1. Oktober 1883 Bibliothekar der Hochschule, jetzt Professor.\n1. Oktober 1883 bis 31. Mai 1885 gepr\u00fcfter Oberlehrer JuliusEichler, gegenw\u00e4rtig Prof. u. Konservator am K. Naturalienkabinett in Stuttgart. 1. Juni 1885 bis 30. September 1885 Dr. phil. Sch\u00f6nland, gegenw\u00e4rtig Direktor des Albany-Museums in Grahamstown, Kapland.\n1. Oktober 1885 bis 31. Juli 1887 Dr. Hermann Rog, jetzt Kustos am K\u00f6niglichen Botanischen Museum in M\u00fcnchen.\n1. August 1887 bis 31. M\u00e4rz 1892 Dr. Paul Sonntag, jetzt Oberlehrer in Danzig.","page":93},{"file":"p0094.txt","language":"de","ocr_de":"94\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n1. April 1892 bis 18. September 1894 Dr. Theodor Waage, gegenw\u00e4rtig Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer d. Vereins Dtsch. Gro\u00dfh\u00e4ndler in D\u00fcngern Kraftfuttermitteln, u. d. Vereinigung d. Samenh\u00e4ndler Deutschlands, Herausgeber des \u201eDer Saaten-, D\u00fcnger- u. Futtermarkt\u201c etc.\n19. September 1894 bis 15. Mai 1896 Dr. Morck, ging als Leiter der Versuche des Kalisyndikats nach Sta\u00dffurt-Leopoldshall.\n16. Mai 1896 bis 30. August 1896 Dr. Richard Zander, gestorben am 10. September 1896.\n1. September 1896 bis 31. Oktober 1896 Dr. Jahn, gegenw\u00e4rtig Oberlehrer in Charlottenburg.\n1. November 1896 bis 30. September 1897 Landwirt Heinrich Lauck.\n1. Oktober 1897 bis 31. Juli 1898 Dr. Johannes Buchwald.\n1. April 1898 bis 31. Oktober 1901 Dr. Fritz Moeller, jetzt wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Deutschen Bureau der internationalen Bibliographie der Naturwissenschaften, Berlin.\n1. August 1898 bis 5. Oktober 1898 Heinrich Lauck.\n6. Oktober 1898 bis 31. M\u00e4rz 1899 Dr. Maurizio, trat dann als Assistent in die neubegr\u00fcndete Versuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller an der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule ein. Gegenw\u00e4rtig Privatdozent und Assistent f\u00fcr Botanik an der Schweizer agrikultur-chemischen Anstalt in Z\u00fcrich.\n1. April 1899 bis 30. April 1899 Landwirt Tietz.\n1. Mai 1899 bis 20. Februar 1902 Dr. Johannes Buchwald. Seitdem zweiter Assistent an der Versuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller an der landwirtschaftlichen Hochschule.\n1. November 1901 bis 31. Dezember 1901 Dr. Brahm. Seitdem erster Assistent an der Versuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller.\n1. Januar 1902 bis 4. August 1903 Dr. Georg Matz.\n1. M\u00e4rz 1902 bis 4. November 1902 Landwirt Ernst Tietz.\n5. November 1902 bis 1. April 1903 cand. phil. Mildbraed, jetzt Dr. phil. und Hilfsarbeiter am botanischen Garten in Dahlem.\n1. April 1903 gepr\u00fcfter Landwirtschaftslehrer Alfred Kostlan, noch jetzt t\u00e4tig.\n10. August 1903 bis 31. August 1903 Landwirt Zingler, jetzt Landwirtschaftslehrer in Sprottau.\n1. September 1903 bis 31. M\u00e4rz 1905 Heinrich Klitzing, jetzt Obstplantagenbesitzer.\n1. April 1905 Chemiker Paul Larisch, noch jetzt t\u00e4tig.\nLebenslauf\ndes Geh. Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Wittmack.\nGeboren am 26. September 1839 zu Hamburg, studierte er in Jena und Berlin, wurde 1867 mit der Einrichtung des neubegr\u00fcndeten landwirtschaftlichen Museums in Berlin betraut und am 1. Januar 1871 zum Kustos desselben ernannt. Im Jahre 1874 habilitierte er sich an der Universit\u00e4t Berlin und wurde im folgenden Jahre Hilfslehrer am landwirt-","page":94},{"file":"p0095.txt","language":"de","ocr_de":"9. Die vegetabilische Abteilung des Museums.\n95\nschaftlichen Institut. 1880 ward er zum au\u00dferordentlichen Professor an der Universit\u00e4t und 1881 zugleich zum etatsm\u00e4\u00dfigen Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule, 1891 zum Geh. Regierungsrat ernannt.\nVon seinen Ver\u00f6ffentlichungen sind zu nennen: Musa Ensete (in Linnaea 1867) \u2014 Katalog des landwirtschaftlichen Museums 1869. Zweite Auflage (mit einer Systematik des Getreides) 1873 \u2014 Gras- und Kleesamen, Berlin 1873. \u2014 Beitr\u00e4ge zur Fischereistatistik des Deutschen Reiches, Berlin 1875 (in Cirkul. des Deutschen Fischereivereins). \u2014 Die Reblaus, Berlin 1875. \u2014 Die Nutzpflanzen aller Zonen auf der Pariser Weltausstellung 1878. Berlin 1879. \u2014Anleitung zur Erkennung organischer und unorganischer Beimengungen im Roggen- und Weizenmehl. Preisschrift. Leipzig, ohne Jahreszahl (1884). -\u2014 Monographie der Marcgraviaceae (1879) und der Rhizoboleae (1886) in Martius Flora brasiliensis. \u2022\u2014 Zur Geschichte der Begonien in Bulletin du Congr\u00e8s internat, de bot. et d\u2019hortic. \u00e0 St. P\u00e9tersbourg 1884. Petersburg 1885. \u2014 F\u00fchrer durch die vegetabilische Abteilung des Museums der Landwirtschaftlichen Hochschule, 1886. \u2014 Bromeliaceae in Engler & Prantl, Nat\u00fcrliche Pflanzenfamilien, II. Bd., 4. Abt. 1888. \u2014 Bromeliaceae Schimperianae et Schenkianae in Englers Bot. Jahrb\u00fcchern XIII. 1891. Die von Bernoulli und Cario gesammelte Bromeliaceen. Ebenda, Bd. XIV 1891. \u2014 Berichte \u00fcber die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, den Gartenbau und den Obstbau auf der Weltausstellung in Chicago 1893, im amtlichen Bericht des Reichskommissars. \u2014 Die botanische Wertsch\u00e4tzung des Heues in Nachrichten aus dem Klub der Landwirte. 1889 (auch als Brosch\u00fcre erschienen). - Die Wiesen auf den Moord\u00e4mmen in der Kgl. Oberf\u00f6rsterei Zehdenick, in Thiels Landw. Jahrb\u00fccher, XX. ff. Der neunte Bericht (Schlu\u00dfbericht) mit 5 Tafeln in Band XXVIII. 1899. \u2014 Die eidgen\u00f6ssische Samenkontrollstation in Z\u00fcrich, ihre Versuchsfelder daselbst und auf der F\u00fcrstenalp, nebst Bemerkungen \u00fcber einige Alpenwiesen und -Weiden, in Thiels Landw. Jahrb\u00fccher, XXIII. 1894. \u2014 Botanik der kulturtechnisch wichtigen Pflanzen in Vogler, Grundlehren der Kulturtechnik, 1. Bd., 1. T., 3. Aufl. Berlin 1903. \u2014 Ulustiertes Gartenbaulexikon, 3. Aufl., im Verein mit Fachm\u00e4nnern herausgegeben, Berlin 1903. \u2014 Arbeiten \u00fcber vorgeschichtliche Samen, H\u00f6lzer etc. z. B. Bearbeitung der von Schliemann und Virchow ausgegrabenen Samen von Troja und Tiryns, vieler anderer pr\u00e4historischer Samen, namentlich der vegetabilischen Funde aus altperuanischen Gr\u00e4bern in Rei\u00df und St\u00fcbel, Das Totenfeld von Ancon. \u2014 Die Nutzpflanzen der alten Peruaner in Compte Rendu du Congr\u00e8s internat, des Am\u00e9ricanistes, Berlin 1888. \u2014 Antike S\u00e4mereien aus der alten und neuen Welt in ihren Beziehungen zur Gegenwart, in Nachrichten aus dem Klub der Landwirte. 1881. N. 115. \u2014 Unsere Gem\u00fcsepflanzen und ihre Geschichte, daselbst 1902, N. 446. \u2014 Die Heimat der Bohnen und der K\u00fcrbisse, in Berichte der Deutschen bot. Ges. VI. 1888. \u2014 De l\u2019origine du Haricot cultiv\u00e9. Journal de la Soc. nat. d\u2019horticulture de France 1897. \u2014 Die in Pompeji gefundenen pflanzlichen Reste in Englers bot. Jahrb\u00fcchern. 33. Bd. 1903. \u2014 Our present knowledge of ancient plants in Transactions of the Academy of Science of St. Louis XV. 1905. \u2014 Landwirtschaftliche Kulturpflanzen in v. Neumayers Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen. 3. Aufl. 1905. \u2014 Zahlreiche Aufs\u00e4tze in landwirtschaftlichen g\u00e4rtnerischen und botanischen Zeitschriften, darunter neuerdings: Sola-","page":95},{"file":"p0096.txt","language":"de","ocr_de":"96\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nnum Commersonii, die Sumpfkartoffel, in Mitteilungen der Deutschen Landw. Gesellschaft 1904 und mit Farbentafel in Gartenflora 1905.\nNebenamtlich ist der Vorsteher seit 1879 Hilfslehrer f\u00fcr Botanik an der K\u00f6niglichen Tier\u00e4rztlichen Hochschule, desgl. seit 1904 f\u00fcr Samenkunde an der K\u00f6nigl. G\u00e4rtner-Lehranstalt in Dahlem und Leiter der 1899 begr\u00fcndeten \u201eVersuchsanstalt des Verbandes deutscher M\u00fcller an der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule\u201c. Von 1875\u20141905 war er Generalsekret\u00e4r des Vereins zur Bef\u00f6rderung des Gartenbaues in den preu\u00dfischen Staaten und gab w\u00e4hrend dieser drei\u00dfigj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit das Organ des genannten Vereins (seit 1887 die \u201eGartenflora\u201c) heraus.\nVon sonstigen aus der vegetabilischen Abteilung hervorgegangenen Ver\u00f6ffentlichungen seien genannt:\nDr. P. Sonntag: Die Beziehungen zwischen Verholzung, Festigkeit und Elastizit\u00e4t vegetabilischer Zellw\u00e4nde in Thiels landwirtschaftlichen Jahrb\u00fcchern, 1892.\nDr. Theodor Waage. Aschengehalt der Kamala. Pharm. Zentralhalle, 1892, S. 551. Banda- und Bombay-Macis. Ebenda, S. 372. Die Beziehung von Wert und The'ingehalt des Thees. Ebenda, S. 503. \u00dcber das Vorkommen saponinartiger Stoffe im Pflanzenreiche. Ebenda, S. 657. Blaues Getreide. Ebenda 1893, S. 73. Papua-Macis. Ebenda, S. 131. Zur Kenntnis der Saponinpflanzen. Ebenda, S. 134.\nDerselbe. Erkennung und Unterscheidung von Weizen und Roggenmehl. Ber. d. Pharm. Ges., 1892, S. 319.\nDerselbe. Deutsche Kolonialprodukte i. Ber. d. Pharm. Ges. 1892. \u00dcber die Nutzpflanzen von Deutsch-Neu-Guinea. Apoth. Ztg. 1893, S. 111.\nDerselbe. Die \u00d6lrosen und ihre Kultur in Deutschland. Pharm. Ztg. 1893, S. 621.\nDerselbe. Pflanzliche Warenkunde in Potoni\u00e9\u2019s \u201eElemente der Botanik.\u201c III. Auflage. 1894, S. 295.\nDr. Joh. Buchwald. Beitrag zur Gliederung der Vegetation von West-Usambara. Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten. Bd. IX. Berlin 1897. Heft 4.\nDerselbe. West-Usambara, die Vegetation uud der wirtschaftliche Wert des Landes. Der Tropenpflanzer, Bd. I. Berlin 1897. Heft 3-5.\nDr. A. Maurizio, Wirkungen der Algendecken auf Gew\u00e4chshauspflanzen in Flora 1899.\nWittmack und Buchwald. Die Unterscheidung der Mandeln von \u00e4hnlichen Samen, mit einer Tafel, in Berichte der Deutschen bot. Gesellschaft, XIX, 1901.\nWittmack und Buchwald. Pflanzenreste aus der H\u00fcnenburg bei Rinteln a. Weser und eine verbesserte Methode zur Herstellung von Schnitten durch verkohlte H\u00f6lzer, mit einer Tafel, in Berichte der Deutschen bot. Gesellschaft, XX, 1902.\nHeinrich Klitzing. Trametes Pini Fr., Die Ring-oder Kernsch\u00e4le der Kiefer. Eine 2,50 zu 1,50 m gro\u00dfe Wandtafel mit auf diese Krankheit sich beziehenden Zeichnungen. F\u00fcr die Weltausstellung in St. Louis 1904 nach der Natur farbig dargestellt im Auftr\u00e4ge des Herrn Professor Dr. M\u00f6ller, des Vorstehers der mykologischen Abteilung der K\u00f6niglichen Forstakademie in Eberswalde.","page":96},{"file":"p0097.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomisch-pedologische Institut.\t97\nG. Matz, Beitrag zur Kenntnis und Wirkung des Schachtelhalmgiftes, Zeitschrift f. Veterin\u00e4rkunde 1903.\nAlfred Kostlan. Colletotrichum Orthianum n. sp. (eine biologische Studie an einem sch\u00e4dlichen Pilz auf Orchideen) in Festschrift zum 70. Geburtstage von Albert Orth; 1905, mit drei Tafeln.\nKostlan und Hoffmann, XIX. Jahresbericht \u00fcber die Erfahrungen und Fortschritte auf dem Gesamtgebiete der Landwirtschaft. Jahrgang 1904. Braunschweig 1905.\n10. Das agronomisch-pedologische Institut.*)\nVorsteher: Geh. Regierungsrat Professor Dr. A. Orth.\n(Hierzu Abb. 25\u201427.)\nDie Dreiteilung der landwirtschaftlichen Hauptf\u00e4cher in Acker- und Pflanzenbau, in Tierzucht und in Betriebslehre hat dem Institut das zuerst genannte Gebiet zugewiesen.\nAls der Vorsteher 1871 an die Stelle von Professor Dr. A. Thaer nach Berlin berufen war, hat er neun Jahre, bis zum Jahre 1880, die praktischen F\u00e4cher gro\u00dfenteils allein zu vertreten gehabt. Da er in dieser Zeit alle Vorlesungen in den R\u00e4umen der Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t gehalten, so hatte er daselbst den Mangel an besserem Sammlungsmaterial und die schwierige Benutzbarkeit sehr zu empfinden. Indem im Jahre 1880 das landwirtschaftliche Museum mit dem Lehrinstitut vereinigt und die einzelnen Museumsabteilungen einzelnen Institutsvorstehern \u00fcbertragen sind, wurden dadurch die reichen Sammlungen f\u00fcr den Unterricht weit mehr nutzbar und konnten die Vorlesungen mit Demonstrationsmaterial besser ausgestattet werden. Auf diese Nutzbarmachung und die dazu geh\u00f6rige r\u00e4umliche Disposition wird auch bei der weiteren Entwicklung der Hochschule in der Zukunft stets R\u00fccksicht genommen werden m\u00fcssen.\nVom Jahre 1881 bis 1889 hat der Vorsteher mit dem von Proskau nach Berlin \u00fcbergesiedelten Geheimrat Professor Dr. Settegast noch abwechselnd Betriebslehre gelesen. Mit dem Jahre 1889 wurde die oben genannte Dreiteilung der praktischen F\u00e4cher im wesentlichen durchgef\u00fchrt. Eine Erg\u00e4nzung erhielt der Pflanzenbau, wie schon S. 23 u. 25 erw\u00e4hnt wurde, durch Berufung von Professor Remy im Jahre 1901 zur Vertretung von landwirtschaftlichem Versuchswesen und Bodenbakteriologie. Nach dem Abg\u00e4nge von Professor Remy im Fr\u00fchjahr 1905 wurde das landwirtschaftliche Versuchswesen an den Vorsteher der nach Berlin \u00fcbergesiedelten landwirtschaftlichen Versuchsstation Dahme,\n*) Der Institutsvorsteher ist gen\u00f6tigt, einzeln auf seine T\u00e4tigkeit am ehemaligen landwirtschaftlichen Lehrinstitut, zehn Jahre vor der Begr\u00fcndung der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule im Jahre 1881, zur\u00fcckzugreifen.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\t7","page":97},{"file":"p0098.txt","language":"de","ocr_de":"98\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nProfessor Dr. Lemmermann, \u00fcbertragen. F\u00fcr Moorkultur ist seit Jahren in Geheimrat Professor Dr. Fleischer eine berufene Kraft vorhanden.\nEs liegt in der Natur der Sache, dag f\u00fcr die Pfianzenproduktions-lehre das bez\u00fcgliche naturwissenschaftliche Material aus der Praxis besonders reichlich vertreten sein mug. Bieten doch die Naturwissenschaften einen Hauptteil der Grundwissenschaften f\u00fcr die landwirtschaftlichen Hauptf\u00e4cher dar. Ist doch die nach M\u00f6glichkeit zu f\u00f6rdernde Pflege der bez\u00fcglichen naturwissenschaftlichen Gebiete ganz besonders auch f\u00fcr die Landwirtschaftslehre von groger Bedeutung, zumal die hier zu kl\u00e4renden Fragen h\u00e4ufig zu den allerschwierigsten auf wissenschaftlichem Gebiete geh\u00f6ren.\nDas Institut hat von diesen naturwissenschaftlichen Gebieten ganz besonders das der Geognosie und Bodenkunde in Beziehung zum Pflanzenleben ber\u00fccksichtigt, ein Gebiet, welches f\u00fcr die praktische Beurteilung eines der wichtigsten Produktionsfaktoren von der gr\u00f6gten Bedeutung ist und auf welchem noch immer die gr\u00f6gten Fehler auf wirtschaftlichem Gebiete gemacht werden. Wenn man fragt, wer soll die Schwierigkeiten der landwirtschaftlichen Bodenkunde kl\u00e4ren, so wird diese Aufgabe, wenn die praktischen Interessen des Gewerbes dabei in Betracht kommen, in erster Linie den wissenschaftlichen Fachdozenten zukommen, in \u00e4hnlicher Weise, wie die medizinische Bakteriologie haupts\u00e4chlich und fast allein durch Mediziner gef\u00f6rdert worden ist und dadurch im praktischen Interesse ihre augerordentlich rasche Entwicklung erfahren hat.\nDer Unterricht gliedert sich inVorlesungen, seminaristische \u00dcbungen, praktische \u00dcbungen im Laboratorium undDemonstrationen beiExkursionen.\nDie Vorlesungen und \u00dcbungen sind durch den vom Lehrerkollegium wiederholt beratenen und festgestellten Lehrplan bestimmt, wonach im allgemeinen in jedem Jahre alle Vorlesungen und \u00dcbungen Vorkommen sollen und somit auf zwei Semester verteilt werden. Danach wird von den beiden Hauptvorlesungen Allgemeiner Acker- und Pflanzenbau, Teil I: Bodenkunde und Entw\u00e4sserung im Winter (I. Sem. des vier-semestr. Lehrplans), (Teilnehmer W. 1905 06\t150). Teil II: Bew\u00e4sserung\neinschlieglich Wiesenbau und D\u00fcngerlehre im Sommer (II. Sem. des viersemestr. Lehrplans) (T. S. 1905\t74), Spezieller Acker- und\nPflanzenbau, Teil I: Futterbau und Getreidebau (einschliegl. H\u00fclsenfr\u00fcchte) im Winter (III. Sem. des viersemestr. Lehrplans), (T. W. 1905/06 118), Teil II: Anbau der Wurzel- und Knollengew\u00e4chse und der Handelsgew\u00e4chse im Sommer (IV. Sem. des viersemestr. Lehrplans), (T. S. 1905\t66) gelesen. Im Sommer wird eine besondere Vorlesung\n\u00fcber Bonitierung des Bodens gehalten (T. S. 1905 = 175). Die \u00dcbungen schliegen sich an im III. und IV. Semester, die Exkursionen verteilen sich mehr auf die Sommermonate. Bei den bodenkundlichen \u00dcbungen wird","page":98},{"file":"p0099.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomisch-pedologische Institut.\n99\nein Teil des Semesters im Anfang zu einem bez\u00fcglichen naturwissenschaftlichen Repetitorium benutzt, was sich als sehr n\u00fctzlich erwiesen hat.\nAbb. 25. Agron.-pedolog. Institut. Apparate f. mech. Bodenanalyse nach Sch\u00f6ne-Orth u. nach Hilgard.\nDie \u00dcbungen sollen zur selbst\u00e4ndigen Benutzung naturwissenschaftlicher Hilfsmittel f\u00fcr Klarstellung von f\u00fcr die Praxis wichtigen Fragen anleiten. In den k\u00fcrzeren \u00dcbungen, in denen f\u00fcr Landwirte und f\u00fcr Geod\u00e4ten und Kulturtechniker, sind dies naturgem\u00e4\u00df mehr einfache Hilfs-","page":99},{"file":"p0100.txt","language":"de","ocr_de":"IGO\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nmittel, wodurch trotzdem auf praktisch wichtige Tatsachen hingewiesen werden kann. Das gr\u00f6\u00dfere Praktikum im Laboratorium gibt den mehr vorgeschrittenen studierenden Landwirten Gelegenheit, f\u00fcr die verschiedenen Gebiete des allgemeinen und speziellen Pflanzenbaues, insbesondere f\u00fcr die Kenntnis der Zusammensetzung der Pflanze und ihrer Aschenbestandteile, f\u00fcr die Untersuchung der verschiedenen Bodenarten und D\u00fcngemittel sich entsprechend vorzubereiten. Dazu geh\u00f6rt allerdings ein l\u00e4ngeres Studium, als es in dem f\u00fcr praktische Landwirte bestimmten viersemestrigen Kursus m\u00f6glich ist, um l\u00e4ngere Zeit des Tages den Laboratoriumsarbeiten widmen zu k\u00f6nnen.\nDie Abbildung 25 enth\u00e4lt die Darstellung des bodenwissenschaftlichen Apparates f\u00fcr die mechanische Bodenanalyse (nach Sch\u00f6ne-Orth, z. T. nach Hilgard). Der Institutsvorsteher hat den Sch\u00f6neschen Apparat 1873 zuerst in das neu begr\u00fcndete bodenkundliche Laboratorium der K\u00f6nig]. Preu\u00dfischen Geologischen Landesanstalt eingef\u00fchrt.\nBei denw\u00f6chentlich zweist\u00fcndigen seminaristischen\u00dcbungenim Ackerbau (T. W. 1905/06\t70) wird die H\u00e4lfte der Zeit auf je einen vorher verein-\nbarten Vortrag eines Studierenden und die andere H\u00e4lfte auf die Diskussion und Erg\u00e4nzung der gemachten Mitteilungen verwendet, wobei der Vortragende zeigen kann, wie weit er die Sache und die Vortragssprache beherrscht, wie weit er etwaigen Einwendungen, an denen es in der Regel nicht fehlt, gewachsen ist. Da im Laufe eines Semesters ein gro\u00dfer Teil der Fragen aus dem Gebiete des Ackerbaues vorkommt, so hat sich das Seminar zugleich als ein gutes Repetitorium bew\u00e4hrt. Ganz besonders aber ist Wert darauf zu legen, da\u00df dem einzelnen Studierenden Gelegenheit gegeben wird, sich im Vortragen, am besten im freien Vortrage, zu \u00fcben und sich selbst auch nach dieser Richtung mit Bezug auf die noch auszuf\u00fcllenden L\u00fccken kennen zu lernen. Es zeigt sich, da\u00df von den Studierenden auf freien Vortrag in der letzten Zeit mehr Wert gelegt wird als fr\u00fcher.\nDer Hauptarbeitsraum des agron.-pedol. Laboratoriums mit einer L\u00e4nge von 15,75 m und einer Tiefe von 7,68 m, hat f\u00fcnf Arbeitstische, von denen jeder 4 m lang und 1,25 m breit ist. Urspr\u00fcnglich hatte das Laboratorium neben hohem Seitenlicht reichliches Oberlicht zur Verf\u00fcgung, wurde dadurch aber an hei\u00dfen Sommertagen stark erw\u00e4rmt, so da\u00df bei der Neueinrichtung des Laboratoriums 1901 \u00fcber dem Laboratorium eine feste Decke hergestellt und die Verh\u00e4ltnisse durch Schaffung von stark erweitertem Seitenlicht wesentlich verbessert wurden.\nDie Tische sind mit Gas und Wasser f\u00fcr die physikalische und chemische Analyse reichlich versehen. Auf den Tischen ist ein eisernes Gestell von Gasrohren in 0,88 m H\u00f6he \u00fcber der Tischfl\u00e4che angebracht, wodurch oberhalb ein zweites Horizontalniveau zum Auflegen von Brettern und H\u00fcrden (zum Trocknen), zum Aufstehen","page":100},{"file":"p0101.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomisch-pedologische Institut.\n101\nvon Flaschen 'f\u00fcr Wasser und Titrierl\u00f6sungen, zum Befestigen von K\u00fchlern, von vertikalen Glasr\u00f6hren und dergleichen geschaffen ist. Der Platz kann dadurch oberhalb des Tisches in wesentlich besserer\nWeise armiert werden. Insbesondere wird auch die physikalische Bodenuntersuchung dadurch in hohem Grade unterst\u00fctzt. Dieses Eisengestell ist hier zum ersten Male ausgef\u00fchrt und hat sich gut bew\u00e4hrt. (Abb. 26.)\nAbb. 26. Agronomisch-pedologisches Institut, Laboratoriumstisch f\u00fcr chemische und physikalische Analyse.","page":101},{"file":"p0102.txt","language":"de","ocr_de":"102\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nAn der S\u00fcdseite sind drei Digestorien, auf der Nordseite ein gro\u00dfes Digestorium (zur Elementaranalyse), ein kleineres, ein Sandbad und ein Dampfdigestorium mit Trockenvorrichtung angebracht. Auf der Ostseite befinden sich zahlreiche Apparate nach Sch\u00f6ne - Orth f\u00fcr die mechanische Bodenanalyse und angrenzend auf dem Tische ein Plateau f\u00fcr die mechanische Bodenanalyse nach Schl\u00f6sing. An der Ostseite schlie\u00dft sich an den gro\u00dfen Laboratoriumsraum das W\u00e4gezimmer nebst Vorratsraum, auf der Westseite das Privatlaboratorium nebst Vorratsraum und das Arbeitszimmer des Vorstehers des Instituts. Im kleinen Praktikum, in welchem das Laboratorium in der Regel stark besetzt ist, mu\u00df das Privatlaboratorium zu Arbeitspl\u00e4tzen mit benutzt werden. (Landwirte W. 05/06 = 51.) Die Teilnehmer an den bodenkundlichen \u00dcbungen f\u00fcr Geod\u00e4ten und Kulturtechniker (Teilnehmer S. 1905 = 80) werden f\u00fcr diesen Zweck in zwei Abteilungen gebracht, weil die Pl\u00e4tze sonst nicht ausreichen.\nGanz besonders wird auf n\u00e4here und weitere Exkursionen, im Sommer zumteil bis in das Ausland gehend, Wert gelegt, um mit der Praxis die n\u00f6tige F\u00fchlung zu behalten und auch andere Gegenden mit Bezug auf Boden und Klima und deren wirtschaftliche Einfl\u00fcsse kennen zu lernen. Es ist dazu mehrfach die Pfingstwoche benutzt und ist die Exkursion dann wohl bis zu neun Tagen Zeit ausgedehnt (Pfingstzeit 1886 nach Ost- und Westpreu\u00dfen, bis nach Trakehnen und Tilsit), im Auslande bis nach Schweden (Malm\u00f6, Alnarp, Sval\u00f6f), und D\u00e4nemark und bis nach Holland (Seemarsch, \u201eHarlemer Meer\u201c u. a.). Solche Exkursionen, wobei die freundliche Aufnahme auf den G\u00fctern nur mit Dank anerkannt werden mu\u00df, stellen an eine genaue Vorbereitung sowie an die Ausf\u00fchrung durch den Leiter derselben sehr hohe Anspr\u00fcche, sie tragen aber zur Ausbildung und Orientierung in hohem Grade bei und werden deshalb mit Recht von den Eisenbahnverwaltungen durch billige Transportpreise unterst\u00fctzt.\nEin besonderer Wert wird dabei darauf gelegt, da\u00df die Studierenden einen \u00dcberblick \u00fcber die Gesamtwirtschaft mit ihren Grundlagen und allen wirtschaftlichen Momenten erhalten, welche den Betrieb beg\u00fcnstigen oder erschweren und somit f\u00fcr den Ertrag und die Rente von Wichtigkeit sind. Die Studierenden hier zu selbst\u00e4ndiger Erfassung der wichtigsten Produktionsfaktoren anzuleiten, ist eine der Haupt - Aufgaben. In der Regel werden die Wirtschaftsinhaber, welche die Exkursion freundlich bei sich aufnehmen, gebeten, an charakteristischen Stellen des Bodens L\u00f6cher von l1/-. m L\u00e4nge, 0,6 m Breite und bis 2 m Tiefe aufgraben zu lassen, um die Studierenden sogleich \u00fcber das Bodenprofil und die tieferen Bodengrundlagen, ihre wissenschaftlichen und praktischen Beziehungen zur Oberkrume und zum Bodenwert, insbesondere \u00fcber die gro\u00dfe Bedeutung des Untergrundes f\u00fcr","page":102},{"file":"p0103.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomiscli-pedologische Institut.\n103\ndie Pflanzenentwicklung aufzukl\u00e4ren \u2014 ein Punkt, den der Praktiker so leicht zu seinem Schaden, den aber auch die Fachwissenschaft noch unverantwortlich vernachl\u00e4ssigt. Seit der Begr\u00fcndung der deutschen Land-\nwirtschafts-Gesellschaft hat diese mit ihren gro\u00dfen Wanderausstellungen meist zu Exkursionen durch die Institutsvorsteher Veranlassung gegeben, wodurch leider die Vorlesungen nicht unwesentlich unterbrochen werden.\nAbb. 27. Agronomisch-pedologisehes Institut. Abteilung f\u00fcr Boden und D\u00fcnger im Museum.","page":103},{"file":"p0104.txt","language":"de","ocr_de":"104\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nIn jedem Sommer wird im Anschlu\u00df an die Vorlesung \u00fcber Bonitierung des Bodens eine Exkursion auf ein benachbartes Gut zur Vornahme von Bonitierungsarbeiten ausgef\u00fchrt, desgleichen im Anschl\u00fcsse an die Vorlesung \u00fcber Ent- und Bew\u00e4sserung eine Exkursion auf die Rieselfelder der Stadt Berlin und zur Kenntnisnahme der daf\u00fcr erforderlichen Aptierungs- und Dr\u00e4nierungsarbeiten, was von der bez\u00fcglichen st\u00e4dtischen Verwaltung stets gern gestattet und unterst\u00fctzt wird, und was an dieser Stelle auch von uns mit Dank anerkannt werden kann. Eine eingehende Bodenaufnahme bis zu einiger Tiefe ist f\u00fcr die gro\u00dfen Fragen des Meliorationswesens \u00fcberall eine der wichtigsten Grundlagen.\nEin besonders wichtiges Hilfsmittel f\u00fcr den Unterricht ist die Museums-Abteilung. Die unmittelbare Nachbarschaft zu den H\u00f6rs\u00e4len gibt die beste Gelegenheit, Illustrationsmaterial f\u00fcr den Unterricht heranzuschaffen.\nDer Institutsvorsteher hat in der 25 j\u00e4hrigen Berichtsperiode, zum Teil mit erheblichen eigenen pekuni\u00e4ren Opfern, dem Museum unter anderem zugef\u00fchrt:\n1.\tBoden des Deutschen Reichs, dargestellt in einem Bodenschrank mit 60 typischen, geologisch geordneten Bodenprofilen des Reichs.\nDie Bodenarten sind nach neuer Methode vorgef\u00fchrt, m\u00f6glichst auf der unverwitterten geologischen Grundlage und mit voller Wiedergabe des Bodenprofils, die Proben auf geneigter Ebene, mit vertikaler farbiger Zeichnung der \u00dcbereinanderlagerung und mit Angabe der M\u00e4chtigkeit und der chemischen Analyse*) (die Angaben und Proben der mechanischen Analyse befinden sich unterhalb im Bodenschrank), soda\u00a7 der Petrograph wie der Agronom sich daraus orientieren kann. Die Abbildung 27 zeigt die Art der Aufstellung des Bodenschranks.\n2.\tMaterialien betr. Verwitterung und das ,,Gesetz des Kalks und des Eisens\u201c, darunter au\u00dferordentlich sch\u00f6ne Eisen- und Mangan-Den-driten von Solenhofen.\n3.\tDie Original-Bodenarten zur Friedrichsfelder Kartenarbeit, (vom Verf. 1868 aufg.).\n4.\tDie Original-Bodenarten zur geognostisehen Durchforschung des Schlesischen Schwemmlandes (vom Verf. 1869 aufg.).\n5.\tSechs Wandtafeln zur Bodenkunde des Flachlandes.\n6.\tDie ersten Original-Kartenaufnahmen des Verfassers (R\u00fcdersdorf und Kordhausen) zur neuen Methode der geognostiseh-agronomischen Kartierung der K. Preussischen geologischen Landesanstalt.\n7.\tDie erste genauere Aufnahme und Profil-Darstellung des Bodens der Pontinischen S\u00fcmpfe zwischen Rom und Neapel, (1897 vom Verf. aufg.).\n*) Die chemischen Analysen sind von den Assistenten Dr. Berju und Dr. Mohr ausgef\u00fchrt.","page":104},{"file":"p0105.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomisch-pedologische Institut.\n105\n8.\tBodendurchschnitte betr. die Wurmr\u00f6h renbildung im H\u00f6henboden (Geschiebelehm) und Talboden von Berlin (nebst Wurmexkrementen von Berlin, Eldena, Stra\u00dfburg i. E. und vom Forum romanum in Rom).\n9.\tDas Wurxelherbarium der wichtigsten landwirtschaftliehen Kultur -geic\u00e4chse auf bis 4 m hohen Tafeln unter Glas, in den Jahren 1882 bis 1883 vom Verfasser im Sandboden der Berliner Talebene mit Hilfe der Assistenten und des Institutsdieners aufgenommen.\nDie bis \u00fcber 2,5 m Bodentiefe entwurzelten unterirdischen Organe erweisen, dag in dem fast ungebundenen reinen Sandboden die Wurzeln auch ohne die Mitwirkung des Regenwurms die Hohlr\u00e4ume vielfach durchdringen, zum Teil sich in gro\u00dfer Tiefe noch erheblich ausgebreitet haben.\n10.\tLnxernewurxeln von einem halben Meter im Quadrat\nbis zu 3 m Tiefe aus dem Boden des Versuchsfeldes an der Seestrage aufgenommen, und in einem 3 m hohen Eisengestell nebst Bodendurchschnitt dargestellt. Von einer benachbarten Kontrollparzelle ist die unterirdische trockene Wurzelmasse von l/x qm bis 3 m Tiefe zu 16700kg und der Stickstoffgehalt unterirdisch zu 290 kg p. ha, augerdem die chemische Analyse des Sandbodens bestimmt (Analyse von Dr. Berju).\n11.\tZahlreiche Tabellen betr. das Klima von Berlin, von dem Deutschen Reich und der Erdoberfl\u00e4che.\n12.\tSammlung der wichtigsten in das organische Leben eintretenden chemischen Elemente, eingeteilt nach der mehr oder weniger gro\u00dfen Bedeutung bezw. Unwesentlichkeit f\u00fcr den organischen Aufbau.\nDie Sammlung ist hier zum ersten Male zusammengestellt und ist eine praktische Grundlage f\u00fcr die Darstellung des Liebigschen Gesetzes des N\u00e4hrstoff-Minimums der Pflanzen.\n13.\tDie Hellricgelschen Gerstekulturen in Sandboden\nvon Fittbogen auf den Wunsch des Verfassers erzogen, zur Feststellung des Minimums und Optimums des Wassers, des Stickstoffs und der Phosphors\u00e4ure im Boden, nebst photographischer Aufnahme und Bestimmung der Erntemengen von Kontrollpflanzen.\n14.\tDie normalen Salxmischungen f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Pflanzen nach Knop, Sachs und Kobbe.\n15.\tDie Original-Hellriegelscheu Untersuchungen betr. die Stickstoff-Ern\u00e4hrung von Gerste, Hafer und, Erbsen,\nzur Begr\u00fcndung des Gesetzes \u00fcber die Symbiose der Leguminosenpflanzen, wie sie 1886 zuerst auf der Naturforscher-Versammlung zu Berlin von Hellriegel der landwirtschaftlichen Sektion vorgelegt wurden.\n16.\tDie Ursprungs-Mineralien bezw. Gesteine betr. das Vorkommen der Alkalien auf der Erde und die daraus durch Umbildung hervorgegangenen Salze (in besonderem Schrank).\n17.\tDie Ursprungs-Mineralien bexw. Gesteine betr. das Vorkommen von < \u00e4lcium und Magnesium auf der Erde und die daraus durch Umbildung hervorgegangenen Calcium- und Magnesium-Verbindungen (in besonderem Schrank).\n18.\tDir wichtigsten Phosphate und Sulfate (in besonderem Schrank).","page":105},{"file":"p0106.txt","language":"de","ocr_de":"106\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n19.\tWichtige Stickstoff-Quellen f\u00fcr die Pflanzenern\u00e4hrung (in besonderem Schrank).\n20.\tMehrseitige D\u00fcngemittel (in besonderem Schrank).\n21.\tTabellen betr. den Gehall der Kulturpflanzen an organischen und unorganischen Stoffen.\n22.\tTabellen betr. den Stoff Wechsel-Prozess im tierischen K\u00f6rper nach Henneberg & Stohmann und nach Gustav K\u00fchn.\n23.\tTafel mit Fischabf\u00e4llen zur Herstellung von D\u00fcngemitteln nach Weigelt.\n24.\tTabelle betr. den Thomas-Prozess zur Herstellung von Phosphatmehl.\n25.\tTafeln betr. das Kalisalz-Vorkommen zu Sta\u00dffurt.\n26.\tTerrasse mit den verschiedenen Handels-D\u00fcngemitteln nebst Preisangabe.\n27.\tTerrasse mit Kalle- und Mergeld\u00fcnger.\n28.\tVerschiedene Pl\u00e4ne betr. ausgef\u00fchrte Moor d\u00e4mm-Kulturen (nach Sch weder) und Wiesenbauten.\n29.\tDie verschiedenen Systeme der Dr\u00e4n-Bew\u00e4sserungs- Ventile nach Petersen.\n30.\tPhotographische Darstellung der Salomonischen Teiche bei Bethlehem in Pal\u00e4stina als Beispiele uralter Staubassins (nach einer Aufnahme des Verfassers im Oktober 1898 vergr\u00f6\u00dfert).\n31.\tPhotographische Darstellung von Terrassen-Kulturen im Libanon, (von Ansch\u00fctz im November 1898 bei Gelegenheit der Kaiserreise aufgenommen).\n32.\tPhotographische Darstellung der Nil-Hochwasser- \u00dcberschwemmung bei Kairo, im Oktober 1898 vom Verfasser aufgenommen und danach vergr\u00f6\u00dfert.\n33.\tOriginal-Skizzen von M. v. Eyth \u00fcber die Benutzung des Wassers in \u00c4gypten nebst Darstellung des gro\u00dfen Staubassins bei Assuan.\n34.\tDie Erfolge von Graskulturen durch mechanische Bearbeitung. Wasserregulierung und D\u00fcngung auf gutem Gr\u00fcnlandsmoor in Ostpreussen (nach Oberinspektor Hoffmann in Soltau).\n35.\tTabellen \u00fcber den Bestand und Gehalt der Musterb\u00f6den des preussischen Ackerkatasters im Kreise Nieder-Barnim und in den Kreisen Gnesen, Sch,roda und Witkowo in der Provinz Posen an Stickstoff, Phosphors\u00e4ure, Kali und Kalk.*)\n36.\tTabellen mit den statischen Berechnungen der Kulturen des I 'ersuchsfeldes an der Seestrasse.\n37.\tZahlreiche Marmorplatten mit Wurzelkorrosionen verschiedener landwirtschaftlicher Kulturpflanzen.\n) Die chemischen Analysen sind von Assistent Dr. Berju ausgef\u00fchrt.","page":106},{"file":"p0107.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomisch-pedologische Institut.\n107\n38.\tOriginal-Pl\u00e4ne betr. das Liernursche St\u00e4dtereinigungsverfahren.\n39.\tVerschiedene Pl\u00e4ne betr. Heu- und Kohlen-Selbstentz\u00fcndung.\n40.\t3 Kartenpl\u00e4ne betr. die verschiedenen Arten der Zusammenlegung der Grundst\u00fccke.\nVer\u00f6ffentlichungen.\nGeognostische Durchforschung des Schlesischen Schwemmlands . . . Gekr\u00f6nte Preisschrift. Berlin, Paul Parey. 1872.\nDer Untergrund und die Bodenrente mit Bezug auf einige neuere geologische Kartenarbeiten. (Landwirtschaftliche Jahrb\u00fccher. Berlin, Paul Parey, Bd. I. 1872.)\nZur Kenntnis des Bodens und seines Gewerbes. Berlin, Paul Parey. 1872.\nDenkschrift betreffend das Landwirtschaftliche Lehrinstitut zu Berlin. 1873. (Als Manuskript gedruckt.)\nDie wichtigsten Bodenarten f\u00fcr die Zuckerproduktion im Deutschen Reiche. Landw. Centralbl. f. Deutschland. 1873. I. S. 374.)\nUber die landwirtschaftlichen Interessen bei der Abfuhr-und Kanalisationsfrage in gro\u00dfen St\u00e4dten. (Nachrichten aus dem Klub der Landwirte zu Berlin. 1873. Nr. 53/54.)\nUber Untersuchung und kartographische Aufnahme des Bodens und Untergrundes gro\u00dfer St\u00e4dte. (Eulenbergs Vierteljahrsschrift f. gerichtl. Medizin. N. F. Bd. XX. Heft 2.\t1873.)\n\u00dcber das landwirtschaftliche Unterrichtswesen. (Klub-Nachrichten, 1874, Nr. 63.)\nDie geognostisch-agronomische Kartierung. Dazu 1 Atlas und 4 Karten v. Friedrichsfelde. Gekr\u00f6nte Preisschrift. Berlin. Ernst & Sohn. 1875.\n\u00dcber einige Aufgaben der wissenschaftlichen Meereskunde. (Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie. 1875. Nr. 7 und 8.)\nBeitr\u00e4ge zur Meereskunde nebst Kartenskizzen (Ann. d. Hydrogr. etc. 1875. S. 302\u2014310) mit Anregung zur Begr\u00fcndung eines Zentral-Museums f\u00fcr Meereskunde.\nWandtafeln f\u00fcr den naturwissenschaftlichen Unterricht. V. Serie. Bodenkunde. Berlin, Paul Parey 1876. Text nebst 6 Wandtafeln.\nR\u00fcdersdorf und Umgegend. Mit geogn.-agron. Karte. Berlin, Neumann 1877 (erste agron. Ver\u00f6ffentl. der Preu\u00df. geol. Landesanstalt).\nDie Schwarzerde und ihre Bedeutung f\u00fcr die Kultur. (\u201eDie Natur\u201c von Dr. Karl M\u00fcller in Halle. 1877. Nr. 3.)\nProgramm der D\u00fcngungsversuche f\u00fcr 1878. Monatsschrift d. Ver. z. Bef. d. Gartenbaus. 1878. S. 203- 211.\nEin R\u00fcbsamen-Proze\u00df. (Deutsche Landw. Presse. 1877.)\n\u00dcber die Anforderungen der Geographie und der Land-und Forstwirtschaft an die geognostische Kartographie des Grund und Bodens. (Verhandl. der Gesellsch. f. Erdkunde zu Berlin. 1877. Nr. 9.)\nMitteilungen \u00fcber den Einflu\u00df des Grundwassers auf die Bodenfeuchtigkeit. (Eulenbergs Vierteljahrsschr. f. gerichtl. Medizin. N. F. Bd. XXVII. 1877.","page":107},{"file":"p0108.txt","language":"de","ocr_de":"108\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDie naturwissenschaftlichen Grundlagen der Bodenkunde. (Landwirtsch. Versuchsstationen 1877. Bd. XX. Berlin, Paul Parey.\nUber den Wasser- und Luftgehalt des Bodens im durchfeuchteten und trockenen Zustande in bezug auf sanit\u00e4re Verh\u00e4ltnisse. (Eulenbergs Vierteljahrsschr. f. gerichtl. Medizin etc. N. F. XXIX. 2.\t1878.)\nDie Hohenzollern in ihren Beziehungen zur Landeskultur. Berlin, Paul Parey 1878.\nDie Bildung von permanenten Landwirtschaftlichen Sachverst\u00e4ndigen-Kommissionen bei den Gerichten. (Bericht ii. d. Verhandl. derVI. Versamml. des Deutschen Landwirtschaftsrats 1878. S. 439\u2014457.)\nVertilgung der Infektionsstoffe und Schmarotzer tierischer Krankheiten. (Archiv des Deutschen Landwirtschaftsrats 1879/80.) Abdeckereiwesen und seine Regelung. (Archiv desgl. 1881.) Boden. (Eulenberg, Handbuch des \u00f6ffentl. Gesundheitswesens. 1881/82. S. 427- 447.)\nUber mechanische und chemische Bodenanalyse. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 1882. H. 18. S. 3025\u20143034.)\nDie Entstehung des norddeutschen Bodens und seine kartographische Darstellung. (Klub-Nachrichten 1882. Nr. 127.)\nDie Wichtigkeit der Kalkfrage f. d. landwirtsch. Betrieb. Vortrag 20. Jan. 1885. (Klub-Nachrichten 1887.\t209/210.)\nDie landwirtschaftliche Hochschule. Art. in Die natur-wissensch. und medizinischen Staatsanstalten Berlins, bearb. v. Guttstadt. Berlin,. Hirschwald 1886.\nUber den Boden der Campagna von Rom. (Deutsche Medizinalzeitung 1889.)\nReiseskizzen aus Italien. (Klubnachrichten 1889. Nr. 243/244.) Landwirtschaft ohne Wissenschaft. (Mitt. d. D. L. G. 1888/89. Nr. 619.)\nGebrannter Kalk und Handelsmergel. (Jahrb. der Deutschen Landw. Ges. 1888. III. S. 330\u2014357.)\nZur F\u00f6rderung des Landwirtschaftsbeamten. Berlin, W. M\u00f6sers Hofbuchdruckerei. 1890.\nAnbau von Gr\u00fcnd\u00fcngungspflanzen. 1891. Jahrb. d. D. L. G.\n1892.\tBd. 75.\t(313\u2014341.)\n\u00dcber Erh\u00f6hung der Kartoffelertr\u00e4ge. (Klub - Nachrichten. 1891. Nr. 272.)\nDie Verwendung von Kalk und Mergel. Jahrb. d. D. L. G.\n1893.\tS. 559\u2014582.)\nZur Abh\u00fclfe der Futternot und Wirtschaftsnot. (Mitteil, d. D. L. G. 1893.)\nWurzel-Herbarium der K. landw. Hochschule, Agron.-pedol. Institut zu Berlin. Festgabe f. d. Wandervers. d. D. L. G. zu Berlin 1894.\n\u00dcber die Stickstoff frage in der Landw., insbesondere die Salpeterfrage. Klub-Nachrichten 1894.\t331/332.\nDie Errichtung von Rieselfeldern f\u00fcr die Stadt Braunschweig in Steinhof. S. 22- 43. Gutachten im Auftr\u00e4ge des Kaiserl.","page":108},{"file":"p0109.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronomisch-pedologische Institut.\n109\nGesundheitsamts, in Verb, mit Ohlm\u00fcller. (R. Blasius Monatsbl. f. \u00f6ff. Gesundheitspfl. 1894. Nr. 11 u. 12.)\nHermann Heliriegel. (Lebensbild.) (Berichte der deutschen Botanischen Gesellschaft. 1896. Bd. XIV. S. 25\u201437.)\nKalk- und Mergel-D\u00fcngung. Anleitung f\u00fcr den praktischen Landwirt. Im Auftr\u00e4ge der D. L. G. D\u00fcnger-Abteilung. Berlin 1896.\nBoden und D\u00fcnger, Kalk und Mergel. Arb. der D. L. G. Heft 17.\t1896. S. 1 \u2014 18.)\nDie Bedeutung der geognost. - agronom. Kartierung f\u00fcr den praktischen Ackerbau. Jahrb. der D. L. G. 1898. S. 49\u201459.)\nReiseskizzen aus Italien. (S\u00fcditalien und Sizilien.) (Klub-Nachrichten 1899 Nr. 401/402.)\nReiseskizzen aus dem Orient. (\u00c4gypten und Pal\u00e4stina). Klub-Nachrichten 1899 Nr. 412/413.)\nLandwirtschaftliche Beurteilung der Versalzung der Wiesen im Haasegebiet des Grogherzogtums Oldenburg. (Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamte. Bd. XVII. Heft 2.\t1900.\nS. 243-280.)\nKennst Du das Saatgut, das Du s\u00e4est? (F\u00fchlings landw. Zeitung. 1901.)\nDer Boden der pontinischen S\u00fcmpfe. (Bericht des V. Internationalen Kongresses f\u00fcr angewandte Chemie zu Berlin 1903, Band III, S. 741.)\nKalkd\u00fcngung. (Arb. der D. L. G. 1904, Heft 98, S. 79\u201490.)\nDie landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin. Art. in \u201eDas Unterrichtswesen im Deutschen Reiche.\u201c Herausg. von Lexis 1904, Bd. IV\u201e T. 2, S. 78\u201488.\nLandwirtschaft. Artikel in \u201eAnleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen.\u201c Herausg. von Professor Dr. von Neumayer. III. Auf]., Hannover 1905.\nDie F\u00f6rderung wissenschaftlicher Arbeit wird in hohem Grade beschr\u00e4nkt durch die sehr h\u00e4ufige zeitraubende Inanspruchnahme zu Sachverst\u00e4ndigen-Gutachten in gerichtlichen Prozessen, wozu Vertreter der landwirtschaftlichen Hochschule von den Gerichten aufgefordert, zum Teil auch vom Vorgesetzten Ministerium vorgeschlagen werden. Diese Gutachten, wobei es sich nicht selten um sehr hohe Wertobjekte handelt, haben z. T. die Arbeit von mehreren Jahren gekostet. Es wird in Frage kommen, ob nicht durch Einrichtung einer besonderen Sachverst\u00e4ndigen - Deputation unter Mitwirkung von Vertretern der Wissenschaft und der Praxis Abhilfe geschaffen werden kann. Bei den Verhandlungen \u00fcber die Gerichtsorganisation im Deutschen Landwirtschaftsrat im Jahre 1878 ist von Orth darauf bereits aufmerksam gemacht.\nVorsteher des Instituts ist Geh. Regierungsrat Professor Dr. Albert Orth; geboren am 15. Juni 1835 zu Lengefeld bei Corbach, machte das Abiturientenexamen auf dem Gymnasium zu Corbach 1854, studierte bis 1857 auf den Universit\u00e4ten G\u00f6ttingen und Berlin, war mehrere Jahre in der Praxis, 1860\u201465 Oberlehrer an der landwirtschaftlichen Lehranstalt Beberbeck, 1865\u201467 Wirtschaftsdirigent auf den Ritterg\u00fctern Lengefeld und Rhena, promovierte 1868 in G\u00f6ttingen, erhielt die ersten Preise bei der geognostisch-agronomischen Karten-","page":109},{"file":"p0110.txt","language":"de","ocr_de":"110\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nKonkurrenz f\u00fcr Rittergut Friedrichsfelde vom landwirtschaftlichen Zentralverein zu Potsdam und bei der geognostischen Durchforschung des schlesischen Schwemmlands .\t. vom landwirtschaftlichen Verein zu\nBreslau, habilitierte sich 1870 in der philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Flalle a. S., seit 1871 Professor am landwirtschaftlichen Institut (jetzt landwirtschaftliche Hochschule) und an der Universit\u00e4t zu Berlin, 1871 Mitglied einer Expedition nach dem Kaspischen Meere zur Aufsuchung von Guanolagern, von 1873 bis 1880 Mitarbeiter der K\u00f6nigl. preu\u00dfischen geologischen Landesanstalt und Begr\u00fcnder des betr. Laboratoriums f\u00fcr Bodenkunde, seit 1893 Geh. Regierungsrat, Rektor der landwirtschaftlichen Hochschule von 1885\u201487 und 1904 \u2014 1906, Mitglied des deutschen Landwirtschaftsrats seit 1874 und des Reichsgesundheitsrats seit Begr\u00fcndung desselben.\nAssistenten.\nPrivat-Assistenten in der Zeit von 1874\u20141879 waren:\nDr. O. Wolff enstein, 1874- 1875, im Privatlaboratorium des Instituts-Vorstehers f\u00fchrte er die Arbeit aus: \u201e\u00dcber das Sortieren von Saatgut und die spezifische Gewichtsbestimmung des Samens\u201c, womit er im Jahre 1875 bei der philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen promovierte. (Journal f\u00fcr Landw. 1875\u20141877.)\nDr. Curt Lehmann, 1876\u20141879. Derselbe trat nachfolgend mit ein als Assistent des neuen agronomisch-pedologischen Instituts der landwirtschaftlichen Hochschule, wurde im Juli 1881 Assistent des tierphysiologischen Instituts von Herrn Geheimrat Zuntz und ist seit 1889 ordentlicher Professor f\u00fcr Tierzucht.\nDie nachfolgenden Assistenten des agronomisch-pedologischen Instituts waren:\nDr. Oskar Saare, 1881\t1883. Er trat Anfang Februar 1883 in\ndas Institut f\u00fcr Spiritus- und St\u00e4rkeindustrie, unter Herrn Geheimrat Dr. Delbr\u00fcck, ein, erhielt sp\u00e4ter den Charakter \u201eProfessor\u201c und wurde Mitglied des engeren Lehrerkollegiums. Er starb leider bereits 1903.\nDr. Paul Hofferichter, von Februar 1883 bis Januar 1884. Er ging nachher zum chemisch-technischen Aufsichtsdienst der Aachen-M\u00fcnchener Feuerversicherungs-Gesellschaft \u00fcber.\nDr. R\u00fchlmann, von Januar 1884 bis Ende Sommersemester 1884.\nDr. Kirstein, August und September 1884, nachher landwirtschaftlicher Wanderlehrer in Posen und Landw.-Lehrer in Chile, nachfolgend Generalsekret\u00e4r des landwirtschaftlichen Zentral-Vereins zu Kiel und Generalsekret\u00e4r der Vereinigung Deutscher Schweinez\u00fcchter zu Berlin.\nJohannes Braun, von Anfang November 1884 bis Ende Oktober 1886 (jetzt in Passaic N. J. Amerika).\nDr. Mielcke, von Anfang November 1886 bis Anfang Juli 1887. Nachher Leiter einer Kalifabrik in Sta\u00dffurt.\nDr. P. Mohr, von Anfang Juli 1887 bis Ende Februar 1888 (ging sp\u00e4ter zur chemischen Technik \u00fcber, ist fr\u00fch verstorben).\nDr. Berju, von Ende Februar 1888 bis jetzt.\nVer\u00f6ffentlichungen von Assistent Dr. Berju.\n\u201eBeitrag betr. den Einflu\u00df der Giftwirkung des Perchlorates\u201c (mit Dr. Kr\u00fcger) (Zentralblatt f\u00fcr Bakteriologie 1896).","page":110},{"file":"p0111.txt","language":"de","ocr_de":"10. Das agronorniscli-pedologisdie Institut.\nIll\n\u201eBeitrag zur Ermittlung des Stickstoffverlustes, den die Ausw\u00fcrfe durch Kalkzusatz unter gewissen Bedingungen erleiden\u201c (mit Dr. Vogel) (Berichte der D. L. G. 1896).\n\u201eWie grog mug der Zusatz von Schwefels\u00e4ure zu den Ausw\u00fcrfen sein, um bei der Herstellung von Poudrette jeden Stickstoffverlust zu verhindern\u201c (mit Dr. Vogel) (Ibid. 1896).\n\u00dcber eine Modifikation der Methode der k\u00fcnstlichen Verdauung\u201c (Deutsche Medizinalzeitung 1901).\n\u201eEin Beitrag zur Methodik der chemischen Bodenuntersuchung\u201c (Nobbe, landwirtschaftliche Versuchsstationen Nr. 55, 1901 Heft I und II).\n\u201eInwieweit wird durch Zusatz von Schwefels\u00e4ure oder Natrium-bisulfat zu Blutabf\u00e4llen die Ausbeute an stickstoffhaltiger Substanz zu D\u00fcngungszwecken beeinflu\u00dft\u201c (mit Dr. Haefcke) (Technisches Gemeindeblatt, herausgeg. von Dr. H. Albrecht, Jahrg. 5, Nr. 18, 1902).\n\u201eUntersuchungen \u00fcber Bodenarten von El. Caura in Venezuela\u201c (Bericht \u00fcber die Expedition des deutschen El - Caura - Syndikats. Berlin 1901/1902).\nUntersuchungen \u00fcber die Bestimmung des Atzkalkes in gebrannten Kalken und die L\u00f6slichkeit des kohlensauren Kalkes in Ammonium-Nitratl\u00f6sungen\u201c (mit Wladislaus Kosinenko-Kiew) (Landwirtschaftliche Versuchsstationen 1904).\nZur Bestimmung der Phosphors\u00e4ure in D\u00fcngemitteln als Phosphormolybd\u00e4ns\u00e4ureanhydrid. (Journ. f. Landw. 1905.)\nPromotions-Arb eiten,\nausgef\u00fchrt im Laboratorium des agron.-pedolog. Instituts und genehmigt von der philosophischen Fakult\u00e4t der Kgl. Friedrich Wilhelms-Universit\u00e4t zu Berlin. Durch Beschlug der philosophischen Fakult\u00e4t vom 13. Dezember 1900 werden die Studiensemester an der landwirtschaftlichen Hochschule in Anrechnung gebracht und kann Landwirtschaftslehre als Hauptfach gew\u00e4hlt werden, wozu dann noch drei Nebenf\u00e4cher, ein naturwissenschaftliches, ein national\u00f6konomisches und Philosophie hinzugenommen werden m\u00fcssen.\n1.\tKurt Hillmann aus Wittichsfelder Raubbau und Ersatzwirtschaft auf norddeutschem Sandboden. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorw\u00fcrde, genehmigt von der philos. Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Berlin. 1902.\n2.\tHans Dammann aus Marienwalde: \u00dcber den Wasserhaushalt des Bodens. Inaugural-Dissertation desgl. Berlin 1905. Auger-dem sind seit 1902 folgende Promotions-Arbeiten in der philosophischen Fakult\u00e4t zu verzeichnen, bei welchen die Landwirtschafts-Wissenschaft als Hauptfach gew\u00e4hlt ist :\n3.\tBruno Skaiweit aus Labiau: Die \u00f6konomischen Grenzen der Intensivierung der Landwirtschaft mit besonderer Ber\u00fccksichtigung Mittel- und Nordwest-Deutschlands. Inaugural-Dissertation etc. 1903.\n4.\tJulius Frost aus Bartenstein: Bedingungen f\u00fcr intensiven und extensiven Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland. Inaugural-Dissertation","page":111},{"file":"p0112.txt","language":"de","ocr_de":"112\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\netc. 1903. (Arbeit hervorgegangen aus dem Seminar f\u00fcr landwirtsch. Betriebslehre von Geh. Reg.-Rat. Prof. Dr. Werner.)\n5.\tMax M\u00fcller aus Marbach. Studien \u00fcber den Einflug des Futters auf die Milch besonders auf die Milchfettproduktion. Inaugural-Dissertation etc. 1903. (Die analytischen Arbeiten sind im zootechnischen Laboratorium von Prof. Dr. Lehmann ausgef\u00fchrt.)\n6.\tWalter Asmis aus Mesekenhagen: Umfang und Entwicklung der inneren Kolonisation in Pommern. Inaugural-Dissertation etc. 1903. (Arbeit hervorgegangen aus dem national\u00f6konomischen Seminar von Prof. Dr. Sering.)\n7.\tErnst Grebe aus Helmscheid: Die Lage der b\u00e4uerlichen Landwirtschaft auf dem Schiefergebirge im Eisenberger Kreise des F\u00fcrstentums Waldeck. Inaugural-Dissertation etc. 1904.\n8.\tFranz Raulf aus Laer: Kapitalismus und Genossenschaft im deutschen Getreidehandel. Inaugural-Dissertation etc. 1905. (Arbeit hervorgegangen aus dem national\u00f6konomischen Seminar von Prof. Dr. Sering.)\n11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\nVorsteher: Geh. Regierungsrat Professor Dr. H. Gr\u00fcner.\n(Hierzu Abb. 28 u. 29.)\nMineralogie, Geognosie und Geologie geh\u00f6ren unstreitig zu den Wissenschaften, welche die Grundlage f\u00fcr den Aufbau der Landwirtwirtschaftslehre in ihrer Gesamtheit bilden. Denn wenn diese als Ziel die zweckentsprechendste, rationellste Bodenbenutzung anstrebt, so geben jene erst die Vorbedingungen dazu, indem sie uns den Boden genauer beurteilen lehren. W\u00e4hrend die Geognosie uns die Kenntnis von dem inneren Bau des festen Erdk\u00f6rpers, die Geologie dagegen von der Entstehung dieses Baues und den Ursachen des gegenw\u00e4rtigen Zustandes des Erdk\u00f6rpers verschafft, macht uns die Mineralogie mit den Mineralien, die in mehr oder minder fortgeschrittener Verwitterung den Boden bilden, bekannt.\nDa die mineralogisch-geologische Beschaffenheit des Kulturbodens und seines Untergrundes den wichtigsten Einflug auf das Pflanzenleben aus\u00fcbt, so kann die Bedeutung der erw\u00e4hnten Grundwissenschaften f\u00fcr die praktische Landwirtschaft nicht zweifelhaft sein: aus ihnen erst l\u00e4gt sich die Bodenkunde und die Lehre von der Wertsch\u00e4tzung der landwirtschaftlich benutzten Grundst\u00fccke entwickeln. F\u00fcr den studierenden Landwirt liegt daher die Anforderung nahe, der Mineralogie, Geognosie und Geologie seine volle Aufmerksamkeit zu schenken und sich dadurch f\u00fcr sein sp\u00e4teres praktisches Leben einen Wissensschatz zu sichern, der ihm auch materiellen Gewinn einzutragen nicht verfehlen kann.","page":112},{"file":"p0113.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n113\nIn Anbetracht des Gewichts genannter Disziplinen f\u00fcr die Landwirtschaft wurde bei der Reorganisation der hiesigen landwirtschaftlichen Hochschule im Jahre 1881 auch ein Lehrstuhl f\u00fcr die gesamte Mineralogie und Bodenkunde errichtet. Mit ihm ist zugleich die Verwaltung des mineralogisch-geologisch-bodenkundlichen Museums, -Instituts und -Laboratoriums verbunden.\nDas Museum.\nDie R\u00e4umlichkeiten, \u00fcber welche die Schausammlungen zur Bodenkunde verf\u00fcgen, sind im Hauptgeb\u00e4ude der landwirtschaftlichen Hochschule, Westfl\u00fcgel, erster Stock, gelegen und bestehen aus:\n1.\teinem durch 10 gro\u00dfe, teils nach Westen, teils nach dem Lichthofe zu gelegene Fenster erhellten Saal (Abb. 6, 36), welcher die geologischen und bodenkundlichen Sammlungen enth\u00e4lt;\n2.\teinem kleineren Saale (37) f\u00fcr die mineralogischen und petro-graphischen Sammlungen.\nDen Grundstock dieser Museumsabteilung bildete die in den Jahren 1869\u20141881 vom derzeitigen Vorsteher der Abteilung f\u00fcr die landwirtschaftliche Akademie Proskau durch eigenes Sammeln, Geschenke und Zukauf geschaffene Sammlung, deren Erweiterung und Vervollst\u00e4ndigung sp\u00e4ter \u2014 nach ihrer \u00dcberf\u00fchrung nach Berlin im Jahre 1881 \u2014 besondere F\u00fcrsorge gewidmet wurde.\nA. Abteilung f\u00fcr Geologie.\nDie Aufstellung der geologischen Objekte erfolgte in zw\u00f6lf durch die Buchstaben A bis M bezeichneten Vitrinen unter Glas, von denen je drei dem Alluvium und Diluvium, zwei dem Terti\u00e4r und die \u00fcbrigen vier im Mittelgange den \u00e4lteren geologischen Formationen gewidmet sind.\nDes beschr\u00e4nkten Raumes wegen lie\u00dfen sich in den Oberteilen der Vitrinen nur besonders charakteristische Gesteinsarten einer jeden Formation und neben diesen die nutzbaren Erze, Kohlen, Phosphorite, Kalisalze und die Durchbruchs- bzw. Eruptivgesteine aufstellen.\nDie erg\u00e4nzenden Belegst\u00fccke und die Lokalsuiten enthalten die Schubk\u00e4sten derVitrinenunterteile und vor diesen finden sich au\u00dferdem in vertikaler Aufstellung unter Glas die bemerkenswertesten faunistischen Einschl\u00fcsse \u2014 gr\u00f6\u00dftenteils Leitfossilien einer jeden Formation \u2014 sowie auch umfangreichere Schaust\u00fccke.\nDie Boden- und Gesteinsproben in den Vitrinenoberteilen sind ferner mit chemischen Analysen, vergr\u00f6\u00dferten mikroskopischen Pr\u00e4paparaten, Schl\u00e4mmprodukten, profilarischen Darstellungen, \u00dcbersichtstableaus, topographischen und geologischen Kartenausschnitten, sowie mit Analysen von Quell- und Brunnenw\u00e4ssern, welche in den einzelnen Formationen auf treten, ausgestattet.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\t8","page":113},{"file":"p0114.txt","language":"de","ocr_de":"114\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nCharakteristische geologische Naturszenerien, durch den Bergbau oder Steinbruchbetrieb gewonnene Aufschl\u00fcsse \u2014 gr\u00f6\u00dftenteils vom Verfasser dieses eigens veranla\u00dfte photographische Aufnahmen, zum Teil auch koloriert oder in Buntdruck \u2014 begleitet von Karten, welche die Verbreitung der betreffenden Formation darstellen, schematische \u00dcbersichten der Gliederung des Bodenbaues u. a. m. finden sich auf 3 m langen Tafeln \u00fcber allen Vitrinen; zwischen und neben diesen und den Marmors\u00e4ulen die gr\u00f6\u00dferen Kartenwerke.\nIm Mittelpunkte des Saales 36 steht noch eine von Prof. Gr\u00fcner angefertigte geologische Reliefkarte der Stadt Berlin in Glas ausgef\u00fchrt, die \u2014 im Ma\u00dfstabe 1 : 10000 gehalten eine L\u00e4nge von 1,4 m und eine Beite von 1,1 m besitzt.\nDie Erg\u00e4nzungen zu dieser geologischen Reliefkarte der Stadt Berlin befinden sich nebenan auf ebenfalls geologisch - kolorierten Karten (darunter eine in Relief), welche die Grundwasserstandsverh\u00e4ltnisse und die Bohrprofile jedes einzelnen Rohrbrunnens der Stadt auf drehbaren St\u00e4bchen erl\u00e4utern.\nDas Nordende der Vitrinen im Mittelgange schlie\u00dft mit zwei 2,5 m hohen aus Kubikfu\u00df gro\u00dfen Bodenkl\u00f6tzen gebildeten S\u00e4ulen ab, aus denen die Struktur und Profile der haupts\u00e4chlichsten tonigen Bodenarten des Diluviums ersichtlich und durch welche zugleich eine profilarische Darstellung derselben wiedergegeben wird.\nDie daneben stehende 3 m hohe Pyramide enth\u00e4lt charakteristische Bodenproben, welche der Abteilungsvorsteher in der Mark Brandenburg, in der Uckermark, der Wische bei Seehausen und im Kreise Stendal sammelte und analytisch untersuchte und in ihren Sockelteilen verschiedene Methoden f\u00fcr Herstellung von Boden\u00fcbersichtskarten, nach Gr\u00fcner; die hohe eiserne Stellage am S\u00fcdende des Mittelganges bringt dagegen gro\u00dfe Pflanzenabdr\u00fccke aus der Steinkohlen- und Braunkohlenformation mit den Produkten der trockenen Destillation verschiedener Kohlenarten.\nR\u00e4umlicheVerh\u00e4ltnisse zwangen dazu, am Nordende des Saales 36 noch die technische Verwertung einiger Mineralien soweit dies m\u00f6glich war, vor Augen zu f\u00fchren, wie z. B. die Kieselguhr-, Asphalt-, Farben-und Asbest-Industrie, daran schlie\u00dfen sich die in der Zuckerindustrie benutzten Mineralien, Kesselsteine (nebst ihren Verh\u00fctungsmitteln), Schleif-, Abzieh- und Poliersteine usw. ; an der S\u00fcdfront dagegen in drei hohen Wandschr\u00e4nken und auf einem Repositorium die\nMineralischen D\u00fcngemittel,\nApatite, Phosphorite, echte Koprolithe, Guano-Rock-Phosphate, Salpetergesteins- und Guanoarten, zu Sta\u00dffurt und in weiterer Umgebung auftretenden Salze, s\u00e4mtlich in gro\u00dfen, ausgezeichnet sch\u00f6nen, instruktiven","page":114},{"file":"p0115.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n115\nBl\u00f6cken, dazwischen eingereiht die selteneren, in den betreffenden Lagerst\u00e4tten auftretenden Mineralien.\nDen Rohgesteinsarten folgen in gro\u00dfer Vollst\u00e4ndigkeit die daraus hergestellten Fabrikate (Kunstd\u00fcnger) und \u00fcber dem gro\u00dfen Repositorium Ansichten von Guanoinseln, geologische, topographische Karten u. a. m.\nAbb. 28. Ein Abschnitt der geologisch-bodenkimdlichen Abteilung des Museums (Saal 36) der Landw. Hochschule\nmit der Glas-Reliefkarte der Stadt Berlin.","page":115},{"file":"p0116.txt","language":"de","ocr_de":"116\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nBeschlossen wird diese Abteilung durch ein drei Meter langes und zwei Meter hohes Modell des Kalisalzbergwerkes Friedrichshall-Leopoldshall im Ma\u00dfstab 1 : 100 (Geschenk des Kalisyndikats), das einen vollen Einblick in den dortigen bergm\u00e4nnischen Betrieb gew\u00e4hrt (die verschiedenen Abbausohlen und -methoden, die F\u00fcllorte, Seilf\u00f6rderung etc.), die Lagerungsverh\u00e4ltnisse sowie die Fundorte \u2014 auch der seltneren Mineralienvorkommnisse -\u2014 durch verschiedene Farben deutlich wiedergibt.\nEin vom Kaliwerk Salzdetfurt gestifteter 56 Zentner schwerer, wei\u00dfer Sylvinblock mit 67 pCt. Chlorkalium, Ausschnitt aus der 80 m m\u00e4chtigen Sylvinlagerst\u00e4tte, genommen in den Grubenbauen der Salzdet-furter Gerechtsame auf der 750 m-Sohle, hat im Lichthofe des Museums neben der Haupttreppe seinen Standort erhalten m\u00fcssen; er wird begleitet von Profilen durch den F\u00f6rderschacht bis zur 750 m-Sohle, Bohrkernen und Ansichten der Werksanlagen. Unmittelbar schlie\u00dft sich ein 67 Zentner schwerer Baumstumpf von Taxodium distichum an (Geschenk des Herrn Baurat Hoffmann), Conifere aus dem Hangenden der Braunkohle von Gro\u00df-R\u00e4schen, Nieder-Lausitz, dem zehn photographische Ansichten des Bergwerksbetriebes auf besonderer Staffel zur Seite stehen.\nB. Abteilung f\u00fcr Bodenkunde.\nDa die genaue naturwissenschaftliche Kenntnis des Bodens und darauf sich beziehender Verh\u00e4ltnisse die Grundlage der gesamten Pflanzenproduktionslehre bildet, so soll die bodenkundliche Abteilung des Museums ein einigerma\u00dfen in sich geschlossenes, sein Wesen in den Hauptz\u00fcgen zeichnendes Gesamtbild des Bodens bieten. L\u00e4ngs des Lichthofes im Saale 36 sind daher zu diesem Zwecke zun\u00e4chst verschiedene Boden-Klassifikationssysteme in Substanz oder durch Tafeln erl\u00e4utert aufgestellt und zwar physikalische, physikalisch-\u00f6konomische, chemische, geologische und solche nach ihrer mineralischen Kraft. Es folgt eine durch geologische Momente oder provinzielle Bezeichnungen, gro\u00dfe Fruchtbarkeit, sch\u00e4dliche Beimengungen, eigenartige physikalische Eigenschaften u. a. m. ausgezeichnete, 200 Nummern umfassende Sammlung von Bodenarten, darauf die Zusammensetzung des Bodens, erl\u00e4utert durch Bodenskelette, Feinerden und Schl\u00e4mmprodukte der wichtigsten Bodenarten des preu\u00dfischen Staates auf Spiegelscheiben oder 1 m langen wei\u00dfen Glastafeln, sowie die verschiedenen Kr\u00fcmelstrukturen, ferner die in den Feinerden der verschiedenen Bodenarten mittelst Wasser oder S\u00e4ure extrahierbaren Salze und S\u00e4uren, die humosen Substanzen, und zwar die nat\u00fcrlichen sowie auch die k\u00fcnstlich dargestellten Humusk\u00f6rper, die Extrakte von Humussubstanzen, die Bakterien im Boden und Quellwasser. Den Beschlu\u00df bildet im besonderen Schranke die Hydrologie und Hygiene des Bodens.","page":116},{"file":"p0117.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n117\nDie Unterteile dieser vier Glaschr\u00e4nke enthalten auf Quadratmeter gro\u00dfen Tafeln:\nZeichnungen von den Lagerungsverh\u00e4ltnissen des Bodens, Zusammenstellungen der Resultate von Bodenanalysen seitens verschiedener Analytiker, das Verhalten des Bodens zur W\u00e4rme, \u00dcbersichten der gebr\u00e4uchlichsten Benennungen der Bodenarten nach den darauf gebauten Hauptfr\u00fcchten, ihrer Fruchtbarkeit, ihres Verhaltens gegen Feuchtigkeit, Temperaturen, Bearbeitung, D\u00fcngung etc.\nDie Charakterpflanzen, Kalk-, Kali-, Kochsalz- und Kiesels\u00e4ure-Anzeiger, sowie die Vegetation auf Moor- und Torfwiesen sind in Schubk\u00e4sten untergebracht. Zwischen den Schr\u00e4nken I und II, auf besonderem eisernen, hohen Repositorium, sind in drei- oder vierteiligen hohen Glaskrausen die sogenannten primitiven oder angestammten Bodenarten aufgestellt.\nR\u00fcckseitig folgen:\nBodenarten aus den deutschen Kolonien, eine reichhaltige Kollektion, deren einzelne Profile s\u00e4mtlich in dem mineralogisch-bodenkundlichen Laboratorium eingehend untersucht wurden.\nEin weiteres Repositorium tr\u00e4gt sechzig 1,10 Meter hohe Glaszylinder mit Bodenprofilen in nat\u00fcrlicher M\u00e4chtigkeit. Sie entstammen zum Teil den reichsten landwirtschaftlichen Gegenden Norddeutschlands und bestehen gr\u00f6\u00dftenteils aus einem Aufbau von 2 dem hohen zylindrischen Bodenbl\u00f6cken, welche der Vorsteher an Ort und Stelle mit dem Messer herausschnitt und alsdann in ihrer Gesamtheit zu 1,10 m hohen Profilen vereinigte.\nDie Ecken der Terrasse tragen 4 Kubikfug gro\u00dfe Bl\u00f6cke von verschiedenen Bodenarten, welche die s\u00e4mtlichen in dem genannten Bodenvolumen quantitativ ermittelten Bestandteile in absoluten Mengen in besonderen Fugzylindern enthalten.\nWand-Schrank V und die kleinen freistehenden Glasschr\u00e4nke VI und VII geben eine \u00dcbersicht aller Torfarten, eine Sammlung der in Torflagern vorkommenden Mineralien bzw. Erden, in Kalkmooren auftretende Konchylien, Torfpr\u00e4parate und -Fabrikate, Pre\u00dftorfarten; Produkte der trockenen Destillation des Torfes, in Torflagern gefundene Reste h\u00f6herer Tiere und menschliche Erzeugnisse, f\u00fcr Moorkulturen geeignetes und sch\u00e4dliches Bedeckungsmaterial.\nDiese Kollektion wird beschlossen durch ein gro\u00dfes Modell der Anlagen der norddeutschen Torfmoor-Gesellschaft Gifhorn und bis 5 m hohe Torfprofile vom\nStaltach-Benediktiner Moor, desjenigen von Dachau-Schlei\u00dfheim, von der Hohen Rh\u00f6n, Gifhorn, Heydekrug, Hohenmoor, Kunrau, Oedensee bei Karnisch, Reitmoor und Bargst\u00e4dter Moor.","page":117},{"file":"p0118.txt","language":"de","ocr_de":"118\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDiesen schlie\u00dfen sich an bis 2,0 m lange Profile vom:\nL\u00f6\u00dfboden bei Bingerau bei Oels, zwei Seemarschprofile von Tating und\nein Seeschlickprofil von Frederik VII Koog an der Elbm\u00fcndung.\nC. Abteilung f\u00fcr Mineralogie und Gesteinskunde.\n(Die bodenbildenden Mineralien und Gesteine).\nKleiner Westsaal 37.\nDie Schausammlungen f\u00fcr Mineralogie und Gesteinskunde sollen in erster Linie eine Erg\u00e4nzung f\u00fcr den Unterricht an der Landwirtschaftlichen Hochschule bilden und den Studierenden als Leitfaden dienen, weshalb im wesentlichen nur die f\u00fcr die Gesteins- und Bodenkunde wich-tigerenMineralspezies vondenverschiedenstenFundpunkten in ihren charakteristischen Formen zur Aufstellung gelangten. Auf Anschaffung gro\u00dfer Schaust\u00fccke wurde von vornherein verzichtet, jedoch sind auch gen\u00fcgend Mineralspezies in gro\u00dfen, augenf\u00e4llig fesselnden Exemplaren infolge von Zuwendungen vortreten.\nDie mineralogische Sammlung ist in vier langen mit A\u2014D bezeichneten Tafeltischen unter Glas aufgestellt und in der Hauptsache nach dem Zirkelschen System geordnet. Besonders reichhaltig in ihr sind die Karbonate, die wasserfreien und wasserhaltigen Silikate sowie die Phosphate vertreten.\nDie Gesteins-Sammlung, ebenda in vier mit den Nummern 1 -4 bezeichneten Wandschr\u00e4nken, bringt charakteristische Handst\u00fccke von einfachen, gemengten und klastischen Gesteinen, nach dem System von Rosenbusch \u2014 einige Abweichungen ausgenommen \u2014 geordnet, zur Anschauung.*) Die wesentlichen Gemengteile jeder Hauptgesteinsart sind dieser in gut ausgebildeten Krystallen vorangestellt. Die vesuvischen Mineralien befinden sich abgesondert auf einem Tisch zwischen den Fenstern. Eine ausgezeichnet sch\u00f6ne Suite loser k\u00fcnstlicher Krystalle, Glaskrystallmodelle mit Demonstrationsobjekten f\u00fcr die morphologischen Eigenschaften der Mineralien sind im Wandschrank 7 untergebracht, der sich des dunklen Standorts wegen elektrisch erleuchten l\u00e4\u00dft.\nDie \u00fcbrigen Wandschr\u00e4nke veranschaulichen:\nden Einflu\u00df der Atmosph\u00e4rilien auf einfache und gemengte Gesteine, \u00e4olische Bildungen, Rutschfl\u00e4chen und den Einflu\u00df der niederen Pflanzenwelt auf verschiedene Gesteine, zoogene und phytogene Gesteinsgebilde,\nPseudomorphosen,\n*) S\u00e4mtliche Mineralien und Gesteine sind ausf\u00fchrlich in dem Grundrig der Gesteins- und Bodenkunde von H. Gr\u00fcner, Verlag von Paul Parey, 1896, besprochen, weshalb das Buch zugleich als spezieller F\u00fchrer durch die mineralogisch-petro-graphische Abteilung des Museums dient.","page":118},{"file":"p0119.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n119\nSekretionen, Konkretionen, Absonderungen, Druckerscheinungen, als Versteinerungsmittel dienende Mineralien und Eruptivgesteine mit besonders reichem Gehalte an Apatitnadeln. Die im norddeutschen Flachlande als Geschiebe vorkommenden, in Skandinavien anstehenden Gesteine (D\u00fcnnschliffe hiervon enth\u00e4lt das dabeistehende Revolvermikroskop) und die f\u00fcr die Tafeltische zu gro\u00dfen, umfangreichen Mineralien wurden im Wandschrank 9 und auf zwei Repositorien zu beiden Seiten des Eingangs zum geologischen Saal untergebracht.\nDie Wandfl\u00e4chen des Saales 37 enthalten:\neine gro\u00dfe Tafel mit 32 gro\u00dfen mikroskopischen Strukturbildern der Massengesteine von Berwerth, sechs Tafeln mit sch\u00f6n geschliffenen und polierten Formatst\u00fccken von Marmor-, Alabaster-, sog. Onyx-, Serpentin- und Hartgesteinsarten,\nund 7 ideale geologische Landschaften.\nAm Ausgang nach der zootechnischen Abteilung w\u00e4re noch eine Kollektion von 140 nutzbaren Gesteinsarten in gro\u00dfen Formatst\u00fccken aus Indien (Prov. Bombay) hervorzuheben sowie Reliefkarten vom \u00c4tna, Mont Dore und vom Schutzbezirk Buchholz der Oberf\u00f6rsterei M\u00fchlenbeck im Regierungsbezirk Stettin, 1 : 5000, ausgef\u00fchrt und dediziert vom Bildhauer Walger-Berlin.\nD. Abteilung f\u00fcr Apparate zur Bodenuntersuchung.\nRaum 38.\nDer an Saal 37 sich anschlie\u00dfende Raum bildet bereits einen Teil des mineralogisch-bodenkundlichen Instituts, er wird jedoch \u2014 vielge\u00e4u\u00dferter W\u00fcnsche wegen und bei dem unmittelbaren Anschlu\u00df an das Museum \u2014 auch den Museumsbesuchern regelm\u00e4\u00dfig zug\u00e4nglich gemacht.\nAufgestellt sind:\na)\tBohrinstrumente.\nb)\tApparate f\u00fcr physikalische und chemische Untersuchung des Bodens.\nc)\tBodenthermometer.\nd)\tExtraktionsapparate.\ne)\tSeismographen nach Mailet, Palmieri, Gr\u00fcner, ein Seismo-chronograph nach v, Lasaulx u. a. m.\nE. Keramische Abteilung.\nDiese Abteilung wurde erst im Jahre 1902 vom Vorsteher neu gegr\u00fcndet. Bei dem gro\u00dfen Umfange und Gewichte der hierher geh\u00f6rigen Ausstellungsobjekte mu\u00dfte diese Abteilung nach dem Lichthofe des Museums zwischen die Pfeiler verlegt werden. Die Abteilung bezweckt,","page":119},{"file":"p0120.txt","language":"de","ocr_de":"120\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ndie technische Vervollkommnung der Tonindustrie bezw. die Fortschritte in der Herstellung und die Vorz\u00fcge der Erzeugnisse der Keramik insbesondere f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Landwirtschaft vor Augen zu f\u00fchren. Andererseits sollten auch die mit den Tonziegeln in Wettbewerb tretenden Kunststeine, wie Zementdach- und -Mauersteine, Kalksandsteine u. a. m. Vertretung finden. Stets wurde darauf Bedacht genommen, dag allen Fabrikaten das Rohmaterial mit der geologischen Bezeichnung und seiner chemischen Analyse vorangestellt wurde.\n1.\tDie S\u00fcdseite der Halle (am Haupteingang) enth\u00e4lt zun\u00e4chst:\nDie chemischen Bestandteile, Beimengungen und Einschl\u00fcsse der\nTone, sowie Darstellungen ihrer physikalischen Eigenschaften; ferner die Feinkeramik, Materialien zur Porzellanfabrikation nebst Fabrikaten (K\u00f6nigliche Porzellanmanufaktur zu Berlin). \u2014 Erzeugnisse der Chamotte-, Tonwaren- und Kunstziegelfabrik von J. Hersei in Ullersdorf bei Naumburg am Queis, Fabrikate der K\u00f6niglichen Ziegelei- und Majolikawerkst\u00e4tten in Cadinen (Westpreugen), Erzeugnisse der W\u00e4chtersbacher Steingutfabrik zu Schlierbach bei W\u00e4chtersbach (Hessen-Nassau), gew\u00f6hnliche Tonwaren aus der Fabrik von Carl Lehmann, Muskau O.-L., und Joseph Kaps in Naumburg a. Qu., Modell eines Kalkbrenn-Schachtofens mit Halbgasfeuerung nach Bergrat Gerhard in R\u00fcdersdorf, Modelle von Drainrohrpressen, Ziegelbrenn\u00f6fen u. a. m., Materialien zur Kunststeinfabrikation nebst Fabrikaten aus der Steinfabrik von Schobinger & Rehfug in Ulm. \u2014\n2.\tWestseite der Halle: Fabrikate der M\u00e4rkischen, S\u00e4chsischen, Norddeutschen Kunststeinindustrie (Verfahren L. Keding, Berlin NW., Putlitzstr. 1), der Schlesischen Dach-Falzziegel- und Chamottefabrik vormals Dannenberg in Kodersdorf und der Schmiedeberger Tonwerke zu Bad Schmiedeberg (Bez. Halle), Inh. P. R. Frohne, Fabrikate der Deutschen Tonr\u00f6hren- und Chamottefabrik zu M\u00fcnsterberg i. Schl., der Tonwarenfabrik Bettenhausen bei Cassel, der Deutschen Steinzeugwarenfabrik f\u00fcr Kanalisation und chemische Industrie in Friedrichsfeld in Baden, der Wildsteiner Ton- und Chamottefabrik bei Eger (Besitzer: Engelhardt Graf Wolkenstein), der Krauschwitzer Tonwarenfabrik f\u00fcr chemische Industrie (vormals Ludwig Rohrmann), der Firma Bauermeister & S\u00f6hne in Bitterfeld, der F\u00fcrstl. von Bismarckschen Ziegelei zu Sch\u00f6nhausen a. d. Elbe, der Ziegel- und Drainr\u00f6hrenfabrik von Carl Leitner in Grimmen.\n3.\tNordseite der Halle: Fabrikate der Tonwarenfabrik von Paul Nizze in Blankenburg (Mecklenburg), der Leipziger Cementindustrie Dr. Gaspary & Co. zu Markranst\u00e4dt bei Leipzig, der Cementdachstein-fabrik von Th. Groke in Merseburg, der Cementkunststeinfabrik in Waidmannslust von Georg Hillmann und der Portia nd-Cementfabriken zu Karlstadt a. M. (vormals Ludwig Roth), Fabrikate der Tonwaren-","page":120},{"file":"p0121.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n121\nfabrik von Fr. Chr. Fikentscher, Zwickau i. Sachsen, der Mei\u00dfner Tonwaren- und Kunststeinfabrik, vormals Fr. Kollrepp, Freienwalder Chamotte-fabrik Henneberg & Co., Muldensteiner Werke bei Bitterfeld (H. Meisel), Chamottefabrik von Gebr. Kaempfe zu Eisenberg, S.-A., Chamotte- und Dinaswerke von Emil Z\u00fcrbig und der Ziegelei Sauen in K\u00f6nigswinter bei F\u00fcrstenwalde. Anhang: Krummendorfer Quarzschiefermuster (von Rie-gersdorf in Schl.), Glasfalzziegel und Glasbiberschw\u00e4nze von Friedr. Siemens, Ke\u00dflersche Fluate von Hauenschild (Berlin).\nMineralogisch-bodenkundliches Institut und -Laboratorium.\nVorsteher: Geheimer Regierungsrat Professor Dr. H. Gr\u00fcner.\nA. Mineralogisch-bodenkundliches Institut.\nDas Institut hat nicht nur die Aufgabe, Unterrichtszwecken zu dienen, sondern auch das Gesamtgebiet der Bodenkunde wissenschaftlich zu f\u00f6rdern.\nDer Unterricht wird vom Institutsvorsteher erteilt: a) im Wintersemester durch folgende Vorlesungen und \u00dcbungen: Die bodenbildenden Mineralien und Gesteine .\t. 2st\u00fcndig,\nBodenkunde und -Bonitierung................3\t\u201e\nPraktische \u00dcbungen im Bestimmen von Mineralien\nund Gesteinen.........................2\t\u201e\n\u00dcbungen zur Bodenkunde................. 2 und 4\t\u201e\nb. im Sommersemester:\nGrundz\u00fcge der Geologie.....................2\t\u201e\nDie wichtigsten Bodenarten und ihre rationellste\nVerwertung............................2\t\u201e\nGeologie mit Bezug auf Wasser..............1\t\u201e\n(d. h. \u00fcber das Vorkommen, die Beschaffenheit, Ergiebigkeit, Infektionssicherheit und das Auf suchen des Wassers in den verschiedenen geologischen Formationen).\nGrundz\u00fcge der anorganischen Chemie\t....\t2\t\u201e\n(als Einleitung in die Bodenkunde)\nRepetitorium in der mineralogisch - geologischen\nAbteilung des Museums.................1\t\u201e\nPraktische \u00dcbungen im Bestimmen von Bodenarten in Verbindung mit geologisch-agronomischen Aufnahmen im Felde (Sonnabend\tNachmittag)\t2\t\u201e\nExkursionen.\nDie Vortr\u00e4ge werden unterst\u00fctzt durch:\nLehrsammlungen,\nBestimmungssammlungen,","page":121},{"file":"p0122.txt","language":"de","ocr_de":"122\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nMikroskopische Pr\u00e4parate,\nDiapositive f\u00fcr den Projektionsapparat,\nGeologische und geologisch - agronomische Karten, Schriftliche Ausarbeitungen und Colloquien im bodenkundlichen Seminar,\ndie Institutsbibliothek,\nExkursionen und Arbeiten im mineralogisch-bodenkundlichen Laboratorium.\nDie Lehrsammlungen.\nIn ihnen sind diejenigen Mineralspezies in besonders instruktiven und bezeichnenden Exemplaren vertreten, welche den Studierenden an einer landwirtschaftlichen Hochschule von dem Dozenten geboten werden m\u00fcssen.\nVorhanden sind:\n1.\teine krystallographisch-mineralogische Sammlung. Sie zeigt die Mineralspezies zum Teil in verschiedenen Verwitterungsstadien. Um ihre morphologischen Eigenschaften einem gr\u00f6\u00dferen Zuh\u00f6rerkreis ersichtlich zu machen, sind die herrschenden Formen der wichtigsten Mineralien in gr\u00f6\u00dferen Holz-Krystall-Modellen eingereiht.\n2.\teine Gesteins-Sammlung.\n3.\teine geologisch - pal\u00e4ontologische Sammlung, welche charakteristische Handst\u00fccke von allen eruptiven, metamor-phischen und sediment\u00e4ren Gebirgsarten, nebst einer nach den einzelnen Formationen des sediment\u00e4ren Gebirges geordneten Suite von tierischen und pflanzlichen Versteinerungen enth\u00e4lt. Das Diluvium und Terti\u00e4r ist begreiflicherweise besonders reich bedacht.\n4.\teine Boden-Sammlung. Sie weist die sogenannten primitiven und Schwemmlands-B\u00f6den der verschiedensten L\u00e4nder auf und wird in gr\u00f6\u00dferen Partieen in Glaskrausen aufbewahrt. Bei den primitiven oder Grundschutt-B\u00f6den sind die aufeinanderfolgenden Verwitterungsphasen getrennt. Das gleiche gilt bez\u00fcglich der Ackerkrume und des Untergrundes bei den Schwemmlandsb\u00f6den.\nBestimmungs-Sammlungen.\nWie erw\u00e4hnt, sind mit den Vorlesungen praktische \u00dcbungen verbunden. Den Studierenden wird dadurch Gelegenheit geboten, sich im Bestimmen von einfachen Mineralien, Gebirgs- und Bodenarten zu \u00fcben. Zu den ersteren Arbeiten werden den Teilnehmern die Tabellen zur Bestimmung der Mineralien von Weisbach oder diejenigen von Oebbeke und Hussak, f\u00fcr die Bestimmung der Gebirgsarten die Tabellen von Haushofer zur Verf\u00fcgung gestellt, sowie eine gro\u00dfe Zahl einschl\u00e4giger Lehrb\u00fccher.","page":122},{"file":"p0123.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\t| 2,')\nInsbesondere haben die Teilnehmer zu ermitteln: das spezifische Gewicht der Mineralien (mittels der Jolly\u2019schen Spiralwage), ihre H\u00e4rte, den Glanz, die Farbe, den Strich, die Tenacit\u00e4t, den Bruch und ihr Verhalten gegen L\u00f6sungsmittel. Reicht dieses zur Erkennung der Mineralien noch nicht aus, so m\u00fcssen Pr\u00fcfungen mit dem L\u00f6trohre und Mikroskope erfolgen. Zu letzterem Zwecke dienen:\nDie mikroskopischen Pr\u00e4parate und Glasphotogramme.\nAn der Hand der in gro\u00dfer Zahl zur Verf\u00fcgung stehenden D\u00fcnnschliffe von einfachen Mineralien und Gesteinen, von Glasphotogrammen nach Zirkel, mit Zuhilfenahme der mikroskopischen Strukturbilder der Massengesteine von Berwerth, der Mikrophotographien von J. Grimm, der Tabellen zur mikroskopischen Mineralbestimmung von Rosenbusch oder der Anleitung zur mikroskopischen Bodenanalyse von Steinriede, k\u00f6nnen die Teilnehmer am Praktikum die Gemengteile der dichten Gesteinsarten oder der Bodenkrumen studieren und vergleichende Beobachtungen mit den obengenannten Strukturbildern anstellen.\nGeologische und geologisch-agronomische Karten.\nSind geologische Forschungen f\u00fcr viele Zwecke des wirtschaftlichen Lebens \u00fcberhaupt schon von Wichtigkeit, so darf ihnen f\u00fcr die Ziele der Land- und Forstwirtschaft die h\u00f6chste Bedeutung mit Recht zugesprochen werden. Durch beide beabsichtigt man die zweckentsprechende und nachhaltige Ausnutzung des Kulturbodens; die genaue Kenntnis seiner Zusammensetzung und der Beschaffenheit seines Untergrundes ist die Grundlage ihres Betriebes, die Bekanntschaft mit Geognosie und Geologie daher f\u00fcr beide unentbehrlich. Denn die Bodenkunde befa\u00dft sich in hervorragendem Grade mit den j\u00fcngsten Gebilden unserer Erdoberfl\u00e4che, mit dem Residuum der durch Verwitterung und Vermengung mit humosen Substanzen ver\u00e4nderten Felsarten; weiterhin besitzen die meisten der von den Geologen unterschiedenen Bodengebilde bestimmte petrographische Merkmale, welche die Physik und Chemie des Bodens wesentlich beeinflussen.\nGr\u00fcndliche geologische Kenntnisse geben auch dem Landwirt die Mittel an die Hand, sich \u00fcber die im Untergr\u00fcnde schlummernden, f\u00fcr den oberen Boden oft sehr wertvollen Meliorations-Materialien zu informieren. Phosphors\u00e4ure- und alkalireiche Substanzen liegen oft in geringer Tiefe noch unbenutzt, die in Vermengung mit der Ackerkrume diese wieder neu beleben und die Anwendung von Kunstd\u00fcngern entbehrlich machen.\nDiesen Gesichtspunkten entsprechend wird das reichhaltige geologische Kartenmaterial des Instituts, welches nicht nur norddeutsche, sondern auch s\u00fcddeutsche und wenn auch nur im kleineren Ma\u00dfstabe - alle europ\u00e4ischen L\u00e4nder umfa\u00dft, unter Vorlegung der im Museum aufbewahrten Lokalsuiten von Mineralien, Gesteinen und Bodenarten im geologisch-bodenkundlichen Seminar (kleiner Saal 39 des","page":123},{"file":"p0124.txt","language":"de","ocr_de":"124\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nHauptgeb\u00e4udes) eingehend besprochen. Gleichzeitig werden die verschiedenen Kartierungsmethoden erl\u00e4utert und an bestimmten Tagen im Sommer die Bodenaufnahmen im Felde praktisch ge\u00fcbt.\nDie Glasphotogramme f\u00fcr den Projektionsapparat.\nDamit eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Studierenden in den praktischen \u00dcbungen gleichzeitig \u00fcber den Gebirgsbau, die Talbildung, Lagerungsverh\u00e4ltnisse der einzelnen geologischen Formationen, ihre pal\u00e4onto-logischen Einschl\u00fcsse, die Verwitterungsweisen, Verwerfungen, Erosion, den geologischen Aufbau einzelner typischer Gegenden, das Vorkommen der phosphors\u00e4ure-, kali- und stickstoffhaltigen Lagerst\u00e4tten, die Bewegung des Grundwassers, Bildung und Art der Quellen usw. orientiert werden kann, sind au\u00dfer f\u00fcr die Vorlesungen, so auch f\u00fcr die praktischen \u00dcbungen Diapositive in sehr gro\u00dfer Zahl vorhanden, die nach Bedarf mittelst eines Projektionsapparates sofort benutzt werden k\u00f6nnen.\nSchriftliche Ausarbeitungen und Kolloquien im bodenkundlichen Seminar.\nSchwierigere Kapitel aus dem weiten Gebiet der Bodenkunde zeitweilig von den Studierenden bei festgesetzter Zeit ohne Literaturbenutzung bearbeiten zu lassen, hat stets Anklang gefunden, besonders bei den Studierenden der Kulturtechnik, welche dadurch f\u00fcr den schriftlichen Teil des Abgangsexamens einige Schulung erhalten.\nDasselbe gilt von den Kolloquien, in denen die Studierenden bez\u00fcglich der zu behandelnden Kapitel aber freie Wahl haben.\nDie Institutsbibliothek.\nBei dem gro\u00dfen Umfang der Institutsbibliothek \u2014 sie umfa\u00dft zur Zeit 995 Nummern (die Zeitschriften zu je einer Nummer gerechnet) \u2014 mu\u00dfte ihr ein besonderes Zimmer (42) im Neubau einger\u00e4umt werden; ein Teil davon ist als Handbibliothek im Laboratorium, ein anderer im Mikroskopier- und Unterrichtssaal f\u00fcr Bodenkunde (44) abgezweigt.\nVerleihen von B\u00fcchern und Karten ist nicht gestattet, jedoch kann deren Einsicht im Institut auf k\u00fcrzere Zeit erfolgen.\nFolgende Zeitschriften werden gehalten:\nNeues Jahrbuch f\u00fcr Mineralogie, Geologie und Petrefaktenkunde (seit 1847),\nZentralblatt f\u00fcr Mineralogie, Geologie und Pal\u00e4ontologie,\nZeitschrift f\u00fcr praktische Geologie,\nMitteilungen des Vereins zur F\u00f6rderung der Moorkultur im Deutschen Reiche.\nKostenlose Zuwendungen erh\u00e4lt die Bibliothek durch:\ns\u00e4mtliche Publikationen der K\u00f6niglichen geologischen Landesanstalt,","page":124},{"file":"p0125.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n125\ndie Landwirtschaftlichen Jahrb\u00fccher, herausgegeben von Herrn Ministerialdirektor Dr. Thiel,\ndie Zeitschrift f\u00fcr das Berg-, H\u00fctten-, und Salinenwesen, herausgegeben vom Ministerium f\u00fcr Handel und Gewerbe, die Tonindustrie - Zeitung und Fachblatt der Zement-, Beton-, Gips-, Kalk-, und Kunststeinindustrie, geleitet von B. Cramer, Dr. H. Hecht und Dr. H. M\u00e4ckler, die Protokolle der Zentral-Moor-Kommission, herausgegeben vom Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\nExkursionen.\nKleinere wissenschaftliche Exkursionen werden vom Institutsvorsteher mit Studierenden in der Regel an Sonnabend Nachmittagen oder des Sonntags unternommen, gr\u00f6\u00dfere w\u00e4hrend der Pfingst- oder Herbstferien.\nDie kleineren, ganzt\u00e4gigen Exkursionen bewegten sich bisher wiederholt in die Umgebungen von Chorinchen, Liepe, Joachimsthal (Endmor\u00e4nen), Velten, Freienwalde, Buckow, Hermsdorf (Marines Oligoc\u00e4n), Glindow mit dem Wildpark bei Potsdam, Rauensche Berge bei F\u00fcrstenwalde, R\u00fcdersdorf mit Herzfelde, Nauen mit Cremmener Heide, Gr. R\u00e4schen (Terti\u00e4r).\nDie Ziele mehrt\u00e4giger Exkursionen waren oftmals in mehr oder minder gro\u00dfen Intervallen: Harzgebirge (in allen seinen Teilen), Th\u00fcringer Wald (Umgebungen von Stadt Ilm und Eisenach), Kyffh\u00e4usergebirge (mit Frankenhausen und Ilfeld), Sta\u00dffurt, Neu-Sta\u00dffurt, Westeregeln, Vienenburg, Langelsheim, Eisleben, Umgebungen von Halle, Bitterfeld, Zittau mit Johnsdorf, Oybin, Lausche, Cottmar, Spreewald, S\u00e4chsische Schweiz, Schlesien (F\u00fcrstensteiner Grund, Grafschaft Glatz, Reichenstein, Kamenz), Fichtelgebirge (Umgebung von Wunsiedel, Ochsenkopf, Bayreuth, Banz, Staffelstein, Coburg), Altmark (zwischen Sch\u00f6nhausen, Tangerm\u00fcnde und Seehauser Wische), die Inseln R\u00fcgen und Bornholm, ferner L\u00fcneburg mit der L\u00fcneburger Heide, Verden mit Ostfriesland (Emden, Norderney und Wilhelmshaven), die Nordfriesischen Inseln (Helgoland, Sylt, F\u00f6hr, Amrum, Halligen) und Husum.\nDie geologisch-agronomischen Aufnahmen bewegen sich gr\u00f6\u00dftenteils in der Umgebung von Berlin, wie z. B. Dalldorf, L\u00fcbars, Britz, Wei\u00dfensee, Dahlem, Tempelhof, Blankenburg usw.\nB. Das mineralogisch - bodenkundliche Laboratorium.\nF\u00fcr die praktischen \u00dcbungen der Studierenden sowohl, als auch f\u00fcr die Verwirklichung der Ziele, welche sich das mineralogisch-boden-kundliche Institut gestellt hat, kann ein mit den erforderlichen Apparaten und wissenschaftlichen Hilfskr\u00e4ften gut ausgestattetes, ger\u00e4umiges Laboratorium nicht entbehrt werden.","page":125},{"file":"p0126.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 29. Mineralogisch-bodenkimdliches Laboratorium im 2. Stockwerk des Erweiterungsbaues der Landw. Hochschule.\n126\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDie Studierenden haben nach Einf\u00fchrung in die qualitative und quantitative chemische Analyse s\u00e4mtliche physikalische Eigenschaften der Bodenarten zu ermitteln, das durch verschiedene Schl\u00e4mm-","page":126},{"file":"p0127.txt","language":"de","ocr_de":"11. Mineralogisch-geologisch-bodenkundliche Abteilung.\n127\nVorrichtungen gewonnene Bodenskelet mineralogisch, mikroskopisch und chemisch zu untersuchen; die feinerdigen Teile k\u00f6nnen von den weiter vorgeschrittenen Studierenden nach ihrer Aufschlie\u00dfung mit Soda, Schwefels\u00e4ure, Salzs\u00e4ure oder Fluorwasserstoffs\u00e4ure quantitativ analysiert werden. Der Analyse unterliegen ferner: Tone (pyrometrisch und chemisch), Mergel, Dolomite und Kalkarten, Teichschlamm, Seeschlick, Gips, Dornstein, Blaueisenerden, Pflanzenaschen, Aschen der Brennmaterialien, sogenannte Sta\u00dffurter Abraumsalze, Chilisalpeter, Ammonsulfat, Phosphate, Guanoarten, Apatite, Osteolithe, Thomasschlacken, Superphosphate, k\u00fcnstliche Phosphate, Wasser (Brunnen-, Boden-, Drainagewasser) sowie die seltneren im Boden auftretenden Beimengungen (Arsen, Kupfer, Zink, Baryt u. a. m ).\nDer Institutsleiter und seine Assistenten haben sich n\u00e4chst der Lehrt\u00e4tigkeit und Instandhaltung aller Sammlungen der Aufgabe zu unterziehen, die zur Begutachtung eingesandten eigenartigen Bodenarten \u2014 insbesondere aus den deutschen Kolonien physikalisch, chemisch und mineralogisch eingehend zu untersuchen, den Gehalt an Pflanzenn\u00e4hrstoffen, die den Pflanzenwuchs sch\u00e4digenden Stoffe festzustellen und anzugeben, f\u00fcr welche Pflanzen sich die betreffenden Bodenarten eignen. Dem Institut erw\u00e4chst ferner die Aufgabe, die bestehenden analytischen Methoden f\u00fcr die Zwecke der chemischen Bodenanalyse zu vereinfachen (dies gilt insbesondere von der Kiesels\u00e4ure-, Phosphors\u00e4ure- und Magnesiabestimmung, nicht minder aber auch f\u00fcr Arsen-, Mangan-, Titanbestimmung sowie von derjenigen der seltneren Alkalien), die eingesandten oder selbst gesammelten seltneren Mineralien physikalisch und chemisch zu untersuchen, und hierbei auch die Anwendbarkeit der Goldschmidtschen Methode zur Pr\u00fcfung auf Fluorescenz und Phosphorescenz festzustellen. Die seit langen Jahren vorgenommene geologische Bestimmung der bei Rohrbrunnenanlagen in der Stadt Berlin und weiterer Umgebung gewonnenen Bodenproben ist fortzusetzen, ebenso die geologische Untersuchung neuer Aufschl\u00fcsse und technisch nutzbarer Mineralien, die Feststellung von Meliorationsmaterialien oder gr\u00f6\u00dferen Liegenschaften, die Aufsuchungen und Begutachtungen betreffs Gewinnung von Wasser, die Ausbildung von weiteren Methoden f\u00fcr Bodenkarten, von Klassifikationssystemen u. a. m.\nDas mineralogisch - bodenkundliche Laboratorium den Institusr\u00e4umen im Hauptgeb\u00e4ude der Landwirtschaftlichen Hochschule anzugliedern, war g\u00e4nzlich ausgeschlossen und mu\u00dfte es daher nach dem zweiten Stockwerk des in den Jahren 1903\u20141905 errichteten Erweiterungsbaues verlegt werden. Wie aus dem beigef\u00fcgten Situationsplane erhellt, (Abb. 14 S. 42) bestehen die Laboratoriumsr\u00e4umlichkeiten aus einem Hauptlaboratorium (48) mit den Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr die Assistenten","page":127},{"file":"p0128.txt","language":"de","ocr_de":"128\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nund Studierenden und einem Nebenlaboratorium (46) f\u00fcr Verbrennungen und Arbeiten mit Schwefelwasserstoff usw. An das erstere schlie\u00dfen sich: das W\u00e4gezimmer (47), ein Vorratsraum mit Dunkelkammer (45), der Mikroskopiersaal (44)\t\u2014 zugleich als \u00dcbungssaal f\u00fcr Boden-\nbestimmungen und als Auditorium dienend \u2014, das Privatlaboratorium des Institutsvorstehers (43) und die Bibliothek (42).\nBei dem Raummangel im Museum war absolut untunlich, die sehr reichhaltige, wertvolle Bodensammlung des Instituts unterzubringen und fand diese daher auf 23 m langen und 3,0 m hohen Repositorien im Korridor des Laboratoriums (41) Aufstellung.\nDer Vorsteher der mineralogisch-bodenkundlichen Abteilung des Museums, Institutes und Laboratoriums ist Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Gr\u00fcner, am 29. September 1841 zu Dresden geboren, vom Jahre 1869 an Lehrer f\u00fcr die mineralogischen Disziplinen und Bodenkunde an der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Akademie Proskau, seit 1881 in Berlin.\nVon seinen Publikationen sind zu nennen:\nLandwirtschaft und Geologie, eine Untersuchung der Frage: Welche Bedeutung hat die geologische Untersuchung und Kenntnis des Schwemmlandes Preu\u00dfens f\u00fcr die Agrikultur?\nDie Bedeutung der geologisch-agronomischen Bodenkartierung und die beste Methode, sie f\u00fcr die Praxis verwertbar zu machen.\nOpfersteine Deutschlands, eine geologisch - ethnographische Studie.\nDer Atlas der Bodenkultur des Deutschen Reiches.\nDie geologisch-agronomischen Karten des K\u00f6nigreichs Sachsen.\nBericht \u00fcber die im Auftr\u00e4ge der Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Sachsen im Herbst 1899 im Kreise Neuhaldensleben ausgef\u00fchrten Bodenuntersuchungen.\nGrundri\u00df der Gesteins- und Bodenkunde. Berlin, Parey 1896.\nDie kalkarmen Formationen und Bodenarten, Aufsuchung und Nutzbarmachung von Kalk- und Mergellagern.\nDie stickstoffhaltigen D\u00fcngemittel in der modernen Ersatzwirtschaft und der Chilisalpeter.\nDie Bodenverh\u00e4ltnisse des preu\u00dfischen Flachlandes, eine geologisch-agronomische Skizze.\nDie Marschl\u00e4ndereien im deutschen Nordseegebiete einst und jetzt.\nDie phosphors\u00e4urehaltigen D\u00fcngemittel.\nDazu Artikel in der Deutschen Landwirtschaftlichen Presse, im Jahrbuch der geologischen Landesanstalt, in der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft und f\u00fcr tropische Landwirtschaft.\nIn den Jahren 1873\u20141901 war der Institutsvorsteher Mitarbeiter der K\u00f6niglichen geologischen Landesanstalt und bearbeitete w\u00e4hrend dieser Zeit 20 Sektionen im Bereiche der Mark, Altmark, Priegnitz und Westpreu\u00dfen. Die Mehrzahl der den betreffenden Erl\u00e4uterungen an-","page":128},{"file":"p0129.txt","language":"de","ocr_de":"12. Die Vorlesung \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur. 129\ngef\u00fcgten physikalischen und chemischen Bodenanalysen wurden von ihm im Institutslaboratorium ausgef\u00fchrt.\nAu\u00dferdem hatte der Institutsvorsteher im Auftr\u00e4ge der Disconto-Gesellschaft im Jahre 1884 die s\u00e4mtlichen Phosphatlagerst\u00e4tten in der Provinz Estremadura in Spanien eingehend zu untersuchen und dar\u00fcber zn berichten, und war seit dem Jahre 1893 seitens der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft mit speziellen geologischen und bodenkund-lichen Guts-Aufnahmen und Untersuchungen (Nachweisungen von Mergellagern und Feststellungen des Kalkbed\u00fcrfnisses von gr\u00f6\u00dferen Liegenschaften) betraut.\nDie Publikation der in den letzten Jahren ausgef\u00fchrten Untersuchungen von Bodenarten aus allen deutschen Kolonien soll im Jahre 1906 in einem besonderen Bande erfolgen.\nAls Assistenten wirkten am Institut seit dem Jahre 1893: die Herren Dr. Dr. Damm\u00fcller (1893/94), Garny (1894), Zander (1895), Siepert (1895), Kreiling (1896), Max Gr\u00fcner (1896/97), Fischer (1897/98), v. d. Heide, Keil (1898), Wei\u00df (1899), Wiegand (1900/01), Max Gr\u00fcner (1901), Blank (1901/02), Meyer (1902), Max Gr\u00fcner von 1902 ab bis dato in jedem Wintersemester, F. Weiske (1902/03), Fackelmann (1904), H. Pelka (1904/06), Fricke (1905), M. M\u00fcller (1905/06).\n12. Die Vorlesung \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur.\nVon Geh. Ober-Regierungsrat Professor Dr. M. Fleischer.\nSo alt die Bestrebungen sind, die eigent\u00fcmlichen B\u00f6den, die man gew\u00f6hnlich als Moore bezeichnet, landwirtschaftlichzu nutzen, so jung ist der Versuch einer wissenschaftlichen Erforschung der Moore in ihrer Eigenschaft als Kulturboden. Fr\u00fchere Arbeiten \u00fcber diese merkw\u00fcrdigen Ansammlungen pflanzlicher Massen beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf Untersuchungen botanisch-floristischer Natur und auf einige Anl\u00e4ufe, den Vertorfungsvorgang zu ergr\u00fcnden, die aber bei dem dermaligen Stande des biologischen und chemischen Wissens erfolglos bleiben mu\u00dften.\nErst C. Sprengel unternahm es, aus der chemischen Analyse des Torfes Fingerzeige f\u00fcr die landwirtschaftliche Behandlung und insbesondere f\u00fcr die zweckm\u00e4\u00dfige D\u00fcngung des Moorbodens herzuleiten, die von seinem Sch\u00fcler H. Th. Rimpau bei den Cunrauer Moordammkulturen mit Nutzen verfolgt wurden. Dennoch war man um die Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch nicht in der Lage, die auff\u00e4lligen Unterschiede, die die verschiedenen Moorbodenarten hinsichtlich ihrer nat\u00fcrlichen Flora, sowie der pflanzlichen und chemischen Zusammensetzung ihrer Torfsubstanz aufweisen, zu ihrer kulturellen Behandlung in Beziehung zu setzen, das zu w\u00e4hlende Kulturverfahren\n9\nFestschrift (1. landvv. Hochschule.","page":129},{"file":"p0130.txt","language":"de","ocr_de":"130\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nihrer nat\u00fcrlichen Beschaffenheit anzupassen. Die Folge dieser Erkenntnism\u00e4ngel war die \u00dcbertragung stellenweise bew\u00e4hrter Kulturmethoden auf ungeeignete Moorb\u00f6den und die Diskreditierung der Moorkultur \u00fcberhaupt.\nErst die Arbeiten der im Jahre 1877 als Organ der Zentral-Moor-Kommission begr\u00fcndeten Moor - Versuchsstation in Bremen haben hierin Wandel geschaffen. Ihr vornehmstes Bestreben war darauf gerichtet, durch eine sachgem\u00e4\u00dfe Vereinigung von Laboratoriums-Untersuchungen und praktischen Feld- und Wiesenversuchen die f\u00fcr seine Kultivierung besonders wichtigen Eigenschaften des Moorbodens kennen zu lernen, Merkmale aufzufinden, wonach die verschiedenen Moorbodenarten mit R\u00fccksicht auf ihre landwirtschaftliche Verwertung in bestimmten Kategorien sich unterbringen lassen und so eine Grundlage zu schaffen, von der aus im gegebenen Fall die f\u00fcr das vorliegende Moor geeignete Kulturmethode, die zweckm\u00e4\u00dfige Art der Bodenbearbeitung, D\u00fcngung, Besamung von vorn herein bezeichnet werden kann.\nWohl sind hier noch viele L\u00fccken unseres Wissens auszuf\u00fcllen. Jeder Tag zeitigt Erscheinungen, die sich nicht ohne weiteres auf bereits Erkanntes zur\u00fcckf\u00fchren lassen, zahlreiche Fragen sind noch zu l\u00f6sen, um das Fundament der Moorkultur gen\u00fcgend zu sichern. Dennoch hielt der Verfasser nach seiner Berufung auf den Lehrstuhl der Chemie an der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin im Anfang der neunziger Jahre den Zeitpunkt f\u00fcr gekommen, um ohne gro\u00dfes Bedenken eine Vorlesung \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur ank\u00fcndigen zu k\u00f6nnen.\nWenn er sich durch seine langj\u00e4hrige Beteiligung an den grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiete des Moorwesens zu einem solchen Unternehmen berufen f\u00fchlen durfte, so war er sich andererseits einer Klippe wohlbewu\u00dft, die jedes neue, eifrig bearbeitete und in reger Entwicklung befindliche Arbeitsfeld f\u00fcr den Lehrenden in sich birgt. Die zahlreichen dem Forscher sich aufdr\u00e4ngenden Probleme f\u00fchren diesen naturgem\u00e4\u00df zur Aufstellung von Hypothesen, die, so f\u00f6rderlich und notwendig sie f\u00fcr den Fortschritt der Forschung sind, den mit den G\u00e4ngen und Irrg\u00e4ngen der Forschung nicht immer selbst vertrauten Lehrer sehr leicht verlocken, ihre Beweiskraft zu \u00fcbersch\u00e4tzen und sie dem Sch\u00fcler als feststehende Wahrheiten vorzuf\u00fchren.\nDa\u00df gerade auf unserem Gebiete die neuere Zeit eine fast unheimlich gro\u00dfe Anzahl von Vorschriften und Regeln f\u00fcr die Behandlung des Moorbodens hervorbringt, ist an sich ein erfreuliches Zeichen f\u00fcr das rege Interesse, das augenblicklich der Moorkultur geschenkt wird, und f\u00fcr den Eifer, womit die vorliegenden Kulturfragen angefa\u00dft werden. Aber es darf nicht au\u00dfer acht bleiben, da\u00df selbst der wissenschaftlich gerichtete Versuchsansteller und wievielmehr noch andere,","page":130},{"file":"p0131.txt","language":"de","ocr_de":"12. Die Vorlesung \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur.\nnicht kritisch veranlagte, oft ganz unberufene \u201eBerater\u201c der Landwirtschaft au\u00dferordentlich leicht geneigt sind, das an sich durchaus vielleicht unzweideutige Ergebnis des Einzelversuches zu verallgemeinern und daraus Regeln abzuleiten, die sich bei ihrer Anwendung auf andere, oft nur wenig abweichende klimatische, Boden- und Wasserverh\u00e4ltnisse als nicht stichhaltig erweisen. Dem Lehrenden auf einem so neuen Forschungsgebiet erw\u00e4chst daraus die Pflicht, besonders scharf und n\u00fcchtern zu pr\u00fcfen. Eine kritische Sichtung der zahlreichen vorliegenden Untersuchungsresultate wird ihn sehr h\u00e4ufig zu dem Urteil f\u00fchren, da\u00df sie zum Vortrag vor unerfahrenen H\u00f6rern sich nicht eignen oder doch nur unter ausdr\u00fccklicher Betonung ihres problematischen Charakters vorgetragen werden d\u00fcrfen.\nBei seiner engen Ber\u00fchrung mit der Praxis der Moorkultur und dem dauernden Zusammenhang mit den Arbeiten der Moor-Versuchs-station als Kurator dieser Anstalt durfte Verfasser hoffen, noch am ehesten im Stande zu sein, der bezeichneten Gefahr zu entgehen. Auch lie\u00df sich erwarten, da\u00df bei vorsichtiger Behandlung der noch offenen Fragen gerade die Vortr\u00e4ge an der landwirtschaftlichen Hochschule vor einem Kreise angehender Landwirte und Kulturtechniker Gelegenheit bieten werde, r\u00fcstige und erfolgreiche Mitarbeiter an deren Kl\u00e4rung, sowie an der F\u00f6rderung des Moor- und Moorkulturwesens \u00fcberhaupt zu werben.\nDie Anordnung des Stoffs hat zwar im Lauf der Jahre kleine \u00c4nderungen erlitten, aber sie waren mehr \u00e4u\u00dferlicher Natur; im wesentlichen konnte der urspr\u00fcngliche Plan bis heute festgehalten werden.\nIn einer kurzen Einleitung wird auf die Wandlungen hingewiesen, welche die Wertsch\u00e4tzung des Moorbodens als Kulturland infolge der wachsenden Erkenntnis seiner Eigenschaften erfahren hat. Allen Moorb\u00f6den sind gewisse Eigenschaften gemeinsam, durch die sie von den gew\u00f6hnlichen B\u00f6den sich wesentlich unterscheiden und die eine von der Kultivierung der Mineralb\u00f6den abweichende Behandlung zur Folge haben m\u00fcssen. Sie lassen sich ungezwungen auf die eigent\u00fcmliche Entstehungsweise der Moore zur\u00fcckf\u00fchren. Art und Ort der Moorbildung bedingen weiterhin sehr erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mooren selbst. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der behufs ihrer Kultivierung einzuschlagenden Ma\u00dfnahmen ist daher die Kenntnis von der Entstehungsgeschichte der Moore nicht zu entbehren. An der Hand typischer Beispiele wird versucht, dem H\u00f6rer eine Vorstellung von dem Aufbau der verschiedenen Moore und dem Vortorfungsproze\u00df zu vermitteln.\nErst seitdem man gelernt hat, bei der Auswahl des Kulturverfahrens den besonderen Eigenschaften der verschiedenen Moore Rechnung zu tragen, kann von einer rationellen Moorkultur die Rede sein. Die f\u00fcr\n9*","page":131},{"file":"p0132.txt","language":"de","ocr_de":"132\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ndie Verwertung der Moorb\u00f6den als Acker, Wiese, Weide besonders wichtigen Eigenschaften werden eingehend er\u00f6rtert und durch Vorf\u00fchrung charakteristischer Torfproben aus Hochmoor, Niederungsmoor, Ubergangsmoor, sowie auch der f\u00fcr die Moorentstehung und f\u00fcr die Moorkultur in Frage kommenden mineralischenBodenarten zu erl\u00e4utern versucht.\nSchon die bisher angedeutete Behandlung des Vortragthemas bietet reiche Gelegenheit, um auf die Beziehungen zwischen den nat\u00fcrlichen Eigenschaften der Moore und mannigfachen Erscheinungen, die bei ihrer Kultivierung auftreten, hinzuweisen und dadurch den trocknen Stoff zu beleben. Eine Besprechung der Moorkulturmethoden im Zusammenhang erfolgt jedoch erst, nachdem die H\u00f6rer durch die vorangegangenen Vortr\u00e4ge einen tieferen Einblick in das Wesen und Verhalten der Torfsubstanz gewonnen haben. Sie gliedert sich zweckm\u00e4\u00dfig nach den in Frage kommenden verschiedenen Moorbodenarten unter gleichzeitiger Ber\u00fccksichtigung der historischen Entwicklung der Moorkultur. Beginnend mit der landwirtschaftlichen Benutzung der Hochmoore werden zuerst die Ausf\u00fchrung der Moorbrennkultur, die Ver\u00e4nderungen, welche der Moorboden durch das Brennen erleidet, die Vorteile und die volkswirtschaftlichen Nachteile des Verfahrens besprochen. Daran kn\u00fcpfen sich Ausf\u00fchrungen \u00fcber das bei der holl\u00e4ndischen Hochmoorkultur, der \u201eVeenkultur\u201c und der Veenkolonisation \u00fcbliche Moor-Sandmischverfahren und endlich eine Beschreibung der Kultur des nicht abgetorften unbesandeten Moores in ihrer \u00e4lteren Form (Stalldungverfahren) und nach den neueren von der Moorversuchsstation eingef\u00fchrten Methoden (Kalk-Kunstd\u00fcngersystem) sowie der auf diesen Methoden begr\u00fcndeten neueren Hochmoorbesiedelungs-Unternehmungen.\nSodann werden die fr\u00fchere und jetzige Behandlung der Niederungsmoore als Gras- und als Ackerboden und die Schwierigkeiten besprochen, welche sich der Ackerkultur auf den unbesandeten Niederungsmooren entgegenstellen. Durch die Einf\u00fchrung der Rimpauschen Sanddeckkultur (\u201eMoordammkultur\u201c) gelingt es, sie zum gro\u00dfen Teil zu beseitigen. Die Wirkungen des Sanddeckverfahrens auf die Wasser- und Temperaturverh\u00e4ltnisse des Moorbodens, die \u00c4nderungen, welche das Cunrauer Schema auf Grund neuerer Erfahrungen erlitten hat, die Feinde, die auf die Verbreitung der segensreichen Methode hemmend einwirken, und die Mittel zu ihrer Bek\u00e4mpfung bilden den Inhalt einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Vortr\u00e4gen. Auch die Frage, ob und unter welchen Verh\u00e4ltnissen sich eine Besandung der Niederungsmoor - Grasl\u00e4ndereien empfiehlt, zu deren L\u00f6sung zahlreiche Wiesen- und Weideanlagen der neueren Zeit wichtige Beitr\u00e4ge geliefert haben, wird eingehend er\u00f6rtert.\nDaran schlie\u00dft sich endlich eine kurze Darlegung der f\u00fcr die \u00dcbergangsmoore geeigneten Kulturma\u00dfnahmen. Sie sind im wesentlichen davon abh\u00e4ngig, ob der Torf des betreffenden Moores hinsichtlich seines","page":132},{"file":"p0133.txt","language":"de","ocr_de":"12. Die Vorlesung \u00fcber die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur. J33\npflanzlichen Bestandes mehr den Hochmoor- oder den Niederungsmoorbildungen nahe steht.\nDen Schlug bildet ein R\u00fcckblick auf die in den vorangegangenen Vortr\u00e4gen er\u00f6rterten Fragen. Er wird in die Form von Ratschl\u00e4gen an einen Landwirt oder Kulturtechniker eingekleidet, der sich vor die Aufgabe gestellt sieht, \u00fcber die Behandlung einer zur Kultivierung bestimmten Moorfl\u00e4che Entscheidung zu treffen.\nDie wichtigste technische Unterlage f\u00fcr das aufzustellende Projekt bildet die eingehendste Untersuchung der Wasser- und Vorflutverh\u00e4ltnisse auf Grund nivellitischer Aufnahmen und von Moorpeilungen. Hieran ist eine sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung der Moorbeschaffenheit und der etwa vorhandenen f\u00fcr die Meliorierung des Moores in Frage kommenden mineralischen Bodenarten zu kn\u00fcpfen, \u00fcberall wo es sich um gr\u00f6gere Unternehmungen handelt, unter Zuhilfenahme der wissenschaftlichen botanischen und chemischen Analyse durch die Moorversuchsstation.\nDie durch die Vorlesung vermittelten Kenntnisse bef\u00e4higen den Projektverfasser, bei einiger \u00dcbung im Beobachten leicht zu erkennen, ob es sich um ein Hochmoor, Niederungsmoor oder \u00dcbergangsmoor handelt. Zugleich gibt die Feststellung der chemischen und botanischen Zusammensetzung, des Zersetzungsstandes der moorbildenden Pflanzenmasse, der nat\u00fcrlichen Pflanzendecke die wichtigsten Aufschl\u00fcsse \u00fcber die zweckm\u00e4gige Bodenbearbeitung, D\u00fcngung und Ansamung, \u00fcber die Bemessung der Grabentiefen und Beetbreiten, \u00fcber die Verwendbarkeit in erreichbarer N\u00e4he vorhandener mineralischer B\u00f6den, die An- oder Abwesenheit pflanzensch\u00e4dlicher Stoffe u. a. m.\nNach dem Ausfall der Untersuchungen wird es in der Regel nicht schwer sein, unter Ber\u00fccksichtigung der vorliegenden wirtschaftlichen Bed\u00fcrfnisse zu entscheiden, ob die fragliche Fl\u00e4che als Acker oder als Grasland zu nutzen, welches spezielle Kulturverfahren zur Anwendung zu bringen, ob die Entw\u00e4sserung durch offene Gr\u00e4ben oder unterirdisch zu bewerkstelligen ist, ob die Kultivierung unter Anwendung mineralischer Bodenarten zu erfolgen hat oder nicht.\nDie neuere Moorkultur ist das Erzeugnis gl\u00fccklichsten Zusammenwirkens von naturwissenschaftlicher Forschung und landwirtschaftlicher Betriebspraxis. Keine Bodenart hat sich bisher f\u00fcr ein wissenschaftliches Erfassen ihrer Eigenschaften dankbarer erwiesen als der Moorboden. Keine reagiert sch\u00e4rfer auf die mechanischen Eingriffe der Bodenbearbeitung, auf Art und Mag der D\u00fcngung, auf geringere oder st\u00e4rkere Wassersenkung. Keine zeigt sich empfindlicher gegen Ma\u00dfnahmen, die ihrer Eigenart nicht ganz entsprechen. Den Zuh\u00f6rer auf den hier bestehenden innigen Zusammenhang zwischen \u201eTheorie und Praxis\u201c hinzuweisen, in ihm die \u00dcberzeugung zu wecken, dag nur der mit dem Wesen der Moore Vertraute, \u00fcber ein gewisses Mag von naturwissen-","page":133},{"file":"p0134.txt","language":"de","ocr_de":"134\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nschaftlichem Wissen verf\u00fcgende Landwirt und Kulturtechniker hoffen darf, mit Aussicht auf Erfolg Moorkulturen anzulegen, zu bewirtschaften und den zahlreichen dem Unkundigen auf diesem Gebiet erwachsenden Gefahren zu entgehen, h\u00e4lt der Vortragende f\u00fcr eine seiner wichtigsten Aufgaben. Er glaubt sie am besten zu l\u00f6sen durch Vorf\u00fchrung zahl-zeicher selbsterlebter F\u00e4lle, in denen die Beachtung naturwissenschaftlicher Grunds\u00e4tze den Erfolg der Kulturen gesichert, die Heilung eingetretener Sch\u00e4den erm\u00f6glicht, ihre Vernachl\u00e4ssigung die mit den gr\u00f6\u00dften Hoffnungen ins Leben gerufenen Unternehmungen auf das Schwerste gesch\u00e4digt hat.\n13. Abteilung f\u00fcr Binnenfischerei.\nVorsteher: Dr. P. Schiemenz, Vorsteher der biologischen Station des Deutschen Fischereivereins am M\u00fcggelsee.\nDie Fischerei-Abteilung des Museums bestand noch vor wenigen Jahren im wesentlichen aus zum Teil allerdings recht sch\u00f6nen Modellen von Fahrzeugen der Seefischerei. Es waren diese von der internationalen Fischerei-Ausstellung im Jahre 1880*) zur\u00fcckgeblieben, zusammen mit einigen Kalifornischen Bruttr\u00f6gen f\u00fcr Salmonideneier, Selbstauslesern nach M. v. d. Borne und einer Anzahl von Netz-Modellen, welche ebenfalls in der Hauptsache die Meeresfischerei betrafen. Es entsprach diese Zusammensetzung der Fischerei-Sammlung durchaus den in Deutschland vor einigen Jahrzehnten herrschenden fischereilichen Interessen und Bestrebungen, welche damals im allgemeinen mehr der Seefischerei zugetan waren, als der uns doch bedeutend n\u00e4herliegenden Binnenfischerei, die ein mehr verborgenes und ganz bescheidenes Dasein fristete. Allerdings hatte dies auch seine sehr triftigen Gr\u00fcnde. W\u00e4hrend man von einer Entwicklung der Binnenfischerei nichts merkte, lenkte die Seefischerei durch die stetig zunehmende Herbeischaffung von Seefischen als eines willkommenen Nahrungsmittels aller Augen auf sich, und es war nur recht und billig, da\u00df diese aufstrebende Fischerei die weitgehendste Unterst\u00fctzung der Beh\u00f6rden und Beachtung seitens des Publikums erfuhr.\nAllm\u00e4hlich erwachte aber auch die Binnenfischerei aus ihrem Schlafe und fing an sich zu bet\u00e4tigen, aber leider \u00e4u\u00dferte sich diese Bet\u00e4tigung zun\u00e4chst im wesentlichen durch eine einseitige Beg\u00fcnstigung der Salmoniden, und so k\u00f6nnen wir uns denn nicht wundern, da\u00df die wenigen Apparate und Modelle der Fischerei-Abteilung aus Ger\u00e4tschaften bestanden, welche auf diese Fischgruppe Bezug hatten, d. h. es waren Fangapparate, Apparate zum Ausbr\u00fcten der Eier von Forellen und Lachsen, Fischtreppen oder Lachsp\u00e4sse, welche dem aus dem\n:) Vergl. S. 15.","page":134},{"file":"p0135.txt","language":"de","ocr_de":"13. Abteilung f\u00fcr Binnenfischerei.\n135\nMeere in die Fl\u00fcsse aufsteigenden Lachs es erm\u00f6glichen sollten, die an Zahl immer mehr zunehmenden Hindernisse f\u00fcr seine Wanderung, die Wehre, zu \u00fcberwinden.\nSo nach und nach kam man denn aber doch zu der \u00dcberzeugung, dag es in unseren Binnengew\u00e4ssern auch noch andere Fische gibt als Forellen und Lachse, ja man wurde sich sogar dar\u00fcber klar, dag diese letzteren den anderen Fischen, den eigentlichen Marktfischen gegen\u00fcber, eine ziemlich untergeordnete Rolle spielen, man gab also ihren \u00fcbertriebenen Kultus auf, nahm immer mehr davon Abstand, das Heil der Fischerei in der Einf\u00fchrung ausl\u00e4ndischer Fischarten zu erblicken und wendete sich mehr den einheimischen Fischen und der rationellen Bewirtschaftung unserer Fischgew\u00e4sser zu. Aber leider beging man auch hier wieder eine Einseitigkeit, n\u00e4mlich dadurch, dag man Fischzucht und Fischerei gleichbedeutend mit Teichwirtschaft setzte, ein Fehler, welcher leider auch heute noch lange nicht \u00fcberwunden ist. Jedoch kann man wohl sagen, dag sich heute mehr und mehr das einzig richtige, vom nationalsozialen Standpunkte aus allein berechtigte und vern\u00fcnftige Bestreben Bahn bricht, welches darauf hinaus geht, jedem Gew\u00e4sser, mag es sein welches es wolle, als Teich, Flug, Bach, See, allj\u00e4hrlich einen dauernden m\u00f6glichst hohen Ertrag von Fischfleisch abzuringen. Es kann uns dabei ganz gleichg\u00fcltig sein, mit welcher Art von Fischen das geschieht, nur m\u00f6glichst hoch mug der Ertrag sein, und es mug dankend anerkannt werden, dag gerade auch die intelligenten Landwirte dieser Wasserwirtschaft ein allj\u00e4hrlich steigendes Interesse entgegenbringen. Es sind daher auch die Vorlesungsstunden verdoppelt worden.\nEs leuchtet ein, dag unter diesen Umst\u00e4nden die Fischereiabteilung des Museums nicht so bleiben konnte, wie sie war, sondern einer gr\u00fcndlichen Umgestaltung bedurfte; sie mugte mehr den modernen Bed\u00fcrfnissen angepagt werden, wenn sie als Demonstrationssammlung f\u00fcr die Vorlesungen dienen sollte.\nDurch Zufall bot sich eine passende Gelegenheit, die vielen Schiffsmodelle, welche zwar f\u00fcr das heutige Zeitalter des Sports manches Anziehende boten, in passender Weise anderswo unterzubringen; sie wurden s\u00e4mtlich an das neu gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Meereskunde abgegeben und dadurch Raum f\u00fcr die eigentlichen Bed\u00fcrfnisse der Binnenfischerei geschaffen. Es zeigt nun die Sammlung ein ganz anderes Aussehen als fr\u00fcher. An Stelle der Schiffsmodelle stehen jetzt Modelle f\u00fcr die Wasserzuf\u00fchrung und Wasserableitung von Teichen, f\u00fcr die Filtration und Durchl\u00fcftung des Wassers, Apparate zum Ausbr\u00fcten von Fischeiern, Aufzuchtsk\u00e4sten f\u00fcr Fischbrut, Futtermaschinen, Gef\u00e4ge zum Transport von Eiern, Brut und Fischen, Modelle der bei der Abfischung n\u00f6tigen Untensilien.","page":135},{"file":"p0136.txt","language":"de","ocr_de":"136\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nWeiter sieht man eine Zusammenstellung der wichtigeren zur F\u00fctterung und M\u00e4stung der Fische angewendeten Futtermittel, als die verschiedenen K\u00f6rnerfr\u00fcchte, Kartoffeln, \u00dcberreste von der \u00d6lgewinnung (Sesamkuchen, Rapskuchen etc.), minderwertige S\u00e4mereien (Erbsen, seefeuchter Roggen, etc.), minderwertiges Mehl (Fugmehl), Produkte von Molkereien (Plasmon), Schlachthausabf\u00e4lle, verschiedene Fleischmehle, Fischmehle, Garneelenmehl, Fischrogen etc. Diesen k\u00fcnstlichen Futtermitteln gegen\u00fcber steht eine Sammlung der wichtigsten Tiere und Pflanzen, welche den Fischen in unseren Teichen und wilden Gew\u00e4ssern als nat\u00fcrliche Nahrung dienen, nach deren Menge und Zusammensetzung wir nicht nur die allgemeine nat\u00fcrliche Fruchtbarkeit eines Gew\u00e4ssers feststellen, sondern uns auch zugleich eine Vorstellung davon verschaffen k\u00f6nnen, welche Fische in einem bestimmten Gew\u00e4sser die zusagendsten Ern\u00e4hrungsbedingungen haben, durch welche wir also dasselbe am vorteilhaftesten ausnutzen k\u00f6nnen. Als Erg\u00e4nzung dazu sehen wir diejenigen Apparate, mit denen wir uns die Kenntnis von diesen N\u00e4hrtieren der Fische und von den sonstigen f\u00fcr die Fischzucht und Fischerei wichtigen Wasserverh\u00e4ltnissen verschaffen, als das Planktonnetz, den Pfahlkratzer, die Dredge, die Meyersche Sch\u00f6pfflasche, Tiefenthermometer, Schlammbohrer etc.\nEine andere Sammlung f\u00fchrt uns die f\u00fcr die Fischerei wichtigsten Vertreter unserer S\u00fc\u00dfwasserfische vor, sei es dag diese selbst Marktfische sind, oder den Nutzfischen als wichtige Nahrungsfische dienen. Auch eine Zusammenstellung der wichtigsten Pflanzen ist begonnen, spielen diese doch in der Wasserwirtschaft eine nicht unwichtige Rolle.\nBei einer regelrechten Fischzucht und Fischerei kommt es, wie bereits oben bemerkt, darauf an, die m\u00f6glichst gr\u00f6\u00dfte Menge von Fischfleisch zu produzieren. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es wichtig, die verschiedene Wachstumsgeschwindigkeit der einzelnen Arten der Nutzfische, die Wirkung einer vern\u00fcnftigen Nahrungsregulierung auf dieselbe und den Vorteil, welchen besondere, schnellw\u00fcchsig gez\u00fcchtete Rassen bringen, vor die Augen zu f\u00fchren. Es ist also eine weitere Zusammenstellung von Abwachsresultaten einzelner Arten, Rassen und Altersstadien in Angriff genommen.\nLeider mehren sich mit der Zunahme der Kultur und Z\u00fcchtung unserer Fische auch deren Krankheiten, welche den Z\u00fcchtern in den Teichen sowohl als in den wilden Gew\u00e4ssern oft unerme\u00dflichen Schaden zuf\u00fcgen. Das Studium dieser Krankheiten ist also f\u00fcr uns von sehr gro\u00dfem Werte. In der Teichwirtschaft suchen wir durch ausgeprobte und geeignet erscheinende Mittel, h\u00e4ufig mit gutem Erfolge, diese Krankheiten zu bek\u00e4mpfen. In der Wildfischerei sind wir dazu allerdings nicht imstande, aber wir m\u00fcssen trotzdem auch hier die Krankheiten ebenso flei\u00dfig studieren, damit wir ihre Wirkungen auf die","page":136},{"file":"p0137.txt","language":"de","ocr_de":"14. Das physikalische Kabinet und die meteorologische Station.\n137\nResultate der Fischwirtschaft, also ihren Zusammenhang mit Fischsterben, dem R\u00fcckg\u00e4nge gesamter Fischereien oder einzelner Arten verstehen und zu beurteilen lernen; nur so werden wir davor bewahrt, derartige R\u00fcckg\u00e4nge f\u00e4lschlicher Weise anderen Faktoren, als Industrieabw\u00e4ssern, \u00dcberfischung, Stromregulierung in die Schuhe zu schieben und uns so \u00fcber die wirklichen Verh\u00e4ltnisse zu t\u00e4uschen. Es ist daher auch eine Sammlung von kranken oder durch Krankheit im Wachstum oder Fleischansatz zur\u00fcckgebliebener Fische begonnen worden.\nAuch unsere S\u00fc\u00dfwasserfische werden keineswegs nur zur menschlichen Nahrung benutzt, im Gegenteil, manche dienen ganz bestimmten und zum Teil recht lohnenden industriellen Ausnutzungen. Diese Produkte geh\u00f6ren also auch in eine Sammlung von Objekten der Binnenfischerei, z. B. die k\u00fcnstlichen Perlen, welche aus den Schuppen der \u00dccklei (Alburnus lucidus) hergestellt werden. Die Stichlinge liefern uns Tran und Fischmehl, welches wieder zum F\u00fcttern von Fischen benutzt wird.\nBegonnen ist ferner eine Sammlung von Modellen der in verschiedenen Gegenden und auf verschiedenartigen Gew\u00e4ssern gebr\u00e4uchlichen Fischerk\u00e4hne, Netze und sonstiger Apparate, wobei allerdings nur R\u00fccksicht auf Deutschland genommen wird, weil zu einer gr\u00f6\u00dferen, alle L\u00e4nder umfassenden Sammlung doch nicht gen\u00fcgend Raum vorhanden ist, und weil ja die einzelnen Ger\u00e4te mehr oder minder den Fischereiverh\u00e4ltnissen der einzelnen L\u00e4nder angepa\u00dft sind und also ausl\u00e4ndische Ger\u00e4te f\u00fcr uns relativ wenig Interesse haben.\n14. Das physikalische Kabinet und die meteorologische Station.\nVorsteher: Professor Dr. R. B\u00f6rnstein.\n(Hierzu Abb. 30.)\nBei Begr\u00fcndung unserer Hochschule wurde von der gleichzeitig aufgel\u00f6sten Akademie Proskau sowohl der Dozent f\u00fcr Physik wie auch die Sammlung physikalischer Apparate hierher \u00fcbernommen. Die Sammlung war 1866 durch Professor Pape begr\u00fcndet und von diesem bis 1878, dann von Professor B\u00f6rnstein bis 1881 regelm\u00e4\u00dfig vermehrt worden, soda\u00df nach Berlin eine betr\u00e4chtliche Zahl brauchbarer Unterrichtsapparate sowie einige wissenschaftliche Me\u00dfinstrumente \u00fcberf\u00fchrt werden konnten. Bei der nunmehr beginnenden Vervollst\u00e4ndigung war zun\u00e4chst die Anpassung an gro\u00dfst\u00e4dtische Verh\u00e4ltnisse erforderlich; beispielsweise hatte man in Proskau kein Gas zur Verf\u00fcgung gehabt, sondern als W\u00e4rme- und Lichtquellen nur Spiritus und Petroleum benutzt, und nun mu\u00dfte die entsprechende Erg\u00e4nzung der Apparatensammlung stattfinden. Ferner war in Proskau lediglich die sogenannte \u201ereine\u201c Physik","page":137},{"file":"p0138.txt","language":"de","ocr_de":"138\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ngelehrt worden, deren landwirtschaftlich wichtigste Anwendung aber, die Wetterkunde, noch gar nicht ber\u00fccksichtigt. Demgem\u00e4\u00df fand hier sogleich die Ausdehnung der Arbeit auch auf dies Gebiet statt, indem eine meteorologische Station mit regelm\u00e4\u00dfigen Ablesungen gegr\u00fcndet und eine besondere Vorlesung \u00fcber Wetterkunde eingerichtet wurde. Als Hilfskraft stand dem Institutsleiter zun\u00e4chst nur ein \u201ehalber Diener\u201c zur Verf\u00fcgung, weil n\u00e4mlich die vorhandenen Geldmittel nur zur Bezahlung eines Dieners f\u00fcr die H\u00e4lfte der Tagesstunden ausreichten, bis vom April 1884 ab eine volle Dienerstelle bewilligt wurde. Ferner war zun\u00e4chst kein Assistent, dann von Anfang 1882 ab ein solcher \u201eaush\u00fclfs-weise,\u201c d. h. gleichfalls f\u00fcr einen Teil der Tagesstunden verf\u00fcgbar, bis seine Stelle in den Etat des Jahres 1883 aufgenommen wurde. Die Remuneration f\u00fcr einen zweiten Assistenten wurde 1892 vorl\u00e4ufig, 1895 dauernd bewilligt.\nEine \u00e4hnliche Entwicklung aus bescheidenem Anfang zeigte sich bei der Hauptvorlesung des Institutsleiters, derjenigen \u00fcber Experimentalphysik. Im Sommersemester 1881 mit drei H\u00f6rern begonnen, fand dies Kolleg stetig wachsende Teilnehmerzahl. Gegen Ende der achtziger Jahre begannen Studierende der tier\u00e4rztlichen Hochschule in der Vorlesung zu erscheinen; vom Sommersemester 1891 an wurde dieselbe unter die obligatorischen Kollegia der Tier\u00e4rztlichen Hochschule und zugleich in deren Stundenplan aufgenommen, und der damalige Zuwachs von mehr als 100 H\u00f6rern machte die Verlegung aus dem bisher benutzten kleinen H\u00f6rsaal III nach dem gr\u00f6\u00dften in unserer Hochschule vorhandenen H\u00f6rsaal I notwendig. Seither hat sich auch dieser, etwa 200 Pl\u00e4tze enthaltende Raum als zu klein f\u00fcr die Gesamtzahl derer, welche Experimentalphysik belegen, erwiesen. Die Landwirte, Geod\u00e4ten und Techniker unserer Hochschule, ferner die studierenden Tier\u00e4rzte und eine wechselnde Zahl von Angeh\u00f6rigen der Bergakademie und der Universit\u00e4t haben bereits seit einer Reihe von Jahren die H\u00f6rerliste auf erheblich mehr als 300 Personen anwachsen lassen, soda\u00df f\u00fcr H\u00f6rsaal I, der ja ohnehin nicht f\u00fcr Experimentalvorlesungen gebaut worden ist, jetzt Ersatz geschaffen werden mu\u00df. Die Ausf\u00fchrung eines den tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnissen entsprechenden Neubaues ist neuerdings ins Aussicht gestellt.\nNeben der Vorlesung geh\u00f6rten zum physikalischen Unterricht von Anfang an die \u00dcbungen. In diesen erhalten die Teilnehmer Unterweisung im selbst\u00e4ndigen Gebrauch physikalischer Apparate. Urspr\u00fcnglich beschr\u00e4nkte man sich dabei auf die Ausf\u00fchrung von Messungen, wie sie zu wissenschaftlichen und technischen Zwecken gebraucht werden; neuerdings wurden diese Arbeiten auch auf die Verwendung von Unterrichtsapparaten ausgedehnt, soda\u00df die Teilnehmer Gelegenheit haben, sich im Halten schulm\u00e4\u00dfiger experimenteller Vortr\u00e4ge zu \u00fcben.","page":138},{"file":"p0139.txt","language":"de","ocr_de":"14. Das physikalische Kabinet und die meteorologische Station.\n139\nSowohl Universit\u00e4tsstudenten, welche hierbei allerdings die Hauptmasse der Teilnehmer bilden, wie auch k\u00fcnftige Landwirtschaftslehrer benutzen diese \u00dcbungen zur Vorbereitung f\u00fcr ihren sp\u00e4teren Beruf.\nBesonderen Wert legte man seit Gr\u00fcndung des Instituts auf dessen Bet\u00e4tigung im Gebiete der Wetterkunde. Auger einer stets gut besuchten einst\u00fcndigen Vorlesung, welche meist im Wintersemester stattfand,\nAbb. 30. Die Plattform der meteorologischen Station.","page":139},{"file":"p0140.txt","language":"de","ocr_de":"140\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nwurde diesem Sonderfach die meteorologische Station gewidmet, welche seit nahezu einem Vierteljahrhundert regelm\u00e4\u00dfige Beobachtungen angestellt hat. Zun\u00e4chst wurde die t\u00e4glich dreimalige Ausf\u00fchrung der \u00fcblichen meteorologischen Ablesungen eingerichtet, und sodann allm\u00e4hlich nach Ma\u00dfgabe der verf\u00fcgbaren Mittel zur Aufstellung selbstregistrierender Apparate \u00fcbergegangen. Jetzt finden derartige dauernde Aufzeichnungen des Luftdrucks, der Temperatur, des Niederschlages sowie der Windrichtung und -St\u00e4rke statt, und es kann demnach unsere meteorologische Station als eine solche erster Ordnung bezeichnet werden. Das im Laufe der Jahre gewonnene Beobachtungsmaterial wurde in zahlreichen Publikationen verarbeitet, so erschienen Untersuchungen \u00fcber den zum Berliner Klima geh\u00f6rigen t\u00e4glichen Gang der Temperatur, des Niederschlags und des Luftdrucks, \u00fcber luftelektrische Fragen (hierbei kamen die Beobachtungen zur Verwendung, welche der Institutsleiter und zwei seiner Assistenten bei Gelegenheit einiger Ballonfahrten ausgef\u00fchrt hatten), \u00fcber verschiedene neue Apparate usw.\nNeben der amtlichen Lehrt\u00e4tigkeit und der wissenschaftlichen Arbeit sieht der Institutsleiter eine kaum minder wichtige Aufgabe in der Verbreitung n\u00fctzlicher Kenntnisse unter Laien. Diesem Streben entsprechend wurde u. a. die Einrichtung des allj\u00e4hrlichen \u201eBerliner Wetterkursus\u201c beantragt und durch das Vorgesetzte Ministerium angeordnet. Seit 1900 wird aus dem Bezirk einer jeden preu\u00dfischen Landwirtschaftskammer und auf deren Vorschlag ein Teilnehmer zu dem in den Herbstferien stattfindenden Kursus durch das Ministerium berufen, um hier zwei Wochen lang theoretische und praktische Wetterkunde zu betreiben. In den Schulen wurde bisher die Meteorologie meistens unbeachtet gelassen oder h\u00f6chstens als ein \u201eNebenfach\u201c gelegentlicher Erw\u00e4hnung gew\u00fcrdigt. Demgegen\u00fcber erweist es sich als recht n\u00f6tig und n\u00fctzlich, da\u00df die meistens aus Landwirtschaftslehrern bestehenden Kursusteilnehmer sich w\u00e4hrend ihres Hierseins ausschlie\u00dflich mit Wetterkunde besch\u00e4ftigen und nachher im Schuldienst sowie als Wanderlehrer die hier gewonnenen Kenntnisse unter der landwirtschaftlichen Bev\u00f6lkerung verbreiten. Die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit dieser Einrichtung wurde u. a. durch die Tatsache best\u00e4tigt, da\u00df au\u00dfer den vom Ministerium berufenen Herren noch eine Reihe in- und ausl\u00e4ndischer Teilnehmer auf ihr Ansuchen zu unserem Kursus zugelassen wurden. Namentlich in neuerer Zeit und mit R\u00fccksicht auf die f\u00fcr Preu\u00dfen in Erw\u00e4gung gezogene amtliche F\u00f6rderung der Wetterprognose erscheint die allgemeine Verbreitung meteorologischer Kenntnisse als eine notwendige Vorbereitung f\u00fcr die geplanten Einrichtungen.\nDem gleichen Zwecke diente ein im Sommer 1904 auf Veranlassung des Berliner Magistrats f\u00fcr hiesige Oberlehrer gehaltener Vortragszyklus \u00fcber Wetterkunde.","page":140},{"file":"p0141.txt","language":"de","ocr_de":"14. Das physikalische Kabinet und die meteorologische Station.\n141\nAuch auf anderen Gebieten der Physik wurde in den R\u00e4umen und mit den Mitteln unseres Instituts der Laienunterricht nach M\u00f6glichkeit gef\u00f6rdert. Eine Anzahl von Vortragskursen auf Veranlassung des Vereins f\u00fcr volkst\u00fcmliche Kurse von Berliner Hochschullehrern sowie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr volkst\u00fcmliche Naturkunde wurde im Laufe der Jahre veranstaltet und fand zahlreiche eifrige H\u00f6rer.\nW\u00e4hrend so die Kr\u00e4fte und Mittel des Instituts reichliche Verwendung zu Zwecken des Unterrichts fanden, konnte leider nicht in gleichem Mage die Ausf\u00fchrung wissenschaftlicher Arbeiten gef\u00f6rdert werden. Die \u00fcberaus beschr\u00e4nkten R\u00e4umlichkeiten, auf welche das physikalische Kabinet angewiesen ist, schr\u00e4nkten bisher die wissenschaftliche T\u00e4tigkeit derartig ein, dag auger den Arbeiten des Institutsleiters und seiner Assistenten nur noch wenige Untersuchungen anderer Fachgenossen unternommen werden konnten. Hoffentlich wird auch in dieser Hinsicht der Neubau uns vermehrte Arbeitsm\u00f6glichkeit schaffen.\nLebenslauf des Professor Dr. R. B\u00f6rnstein.\nGeboren am 9. Januar 1852 zu K\u00f6nigsberg i. Pr., bestand er auf dem dortigen Altst\u00e4dtischen Gymnasium 1869 die Reifepr\u00fcfung, studierte in Heidelberg (Kirchhoff, K\u00f6nigsberger, Bunsen), G\u00f6ttingen (W. Weber, Clebsch, F. Klein), promovierte daselbst 1872, arbeitete sodann in K\u00f6nigsberg (F. Neumann) und Leipzig (G. Wiedemann), wurde 1875 Assistent am Heidelberger physikalischen Institut (Quincke), 1877 daselbst Privatdozent, 1878 Professor an der damaligen landwirtschaftlichen Akademie Proskau; seit 1881 in der jetzigen Stellung.\nAls Assistenten geh\u00f6rten dem physikalischen Kabinet die folgenden Herren an:\nDr. A. K\u00f6nig, 1882\u201483 (gestorben 1901 als augerordentlicher Professor der Berliner Universit\u00e4t).\nDr. E. Leg, 1883\u201499 (Privatdozent an der Universit\u00e4t und an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin).\nR. Becker, 1892 \u2014 97.\nDr. Joh. Edler, 1897- 98 (gestorben 1905 als Professor und st\u00e4ndiger Mitarbeiter des Potsdamer Meteorologisch-magnetischen Observatoriums).\nDr. A. Kal\u00e4hne, 1898 (Assistent und Privatdozent in Heidelberg).\nW. Volkmann, seit 1898.\nDr. W. Brennecke, 1899\u20141900 (Beamter der Hamburger Seewarte).\nDr. F. Linke, 1900\u201401 (Assistent am G\u00f6ttinger Geophysikalischen Institut, z. Z. wissenschaftlicher Beobachter in Samoa).\nDr. O. Steffens, 1901\u201404 (Beamter der Hamburger Seewarte).\nG. Wussow, 1904\u201405 (Assistent am Berliner Meteorologischen Institut.\nF. Schindelhauer, seit 1905.\nAn wichtigeren Ver\u00f6ffentlichungen, die aus dem Institut hervorgegangen, sind folgende zu nennen:\nR. B\u00f6rnstein. Regen oder Sonnenschein? Gemeinverst\u00e4ndlicher Leitfaden der Wetterkunde. Berlin, Paul Parey, 1882.","page":141},{"file":"p0142.txt","language":"de","ocr_de":"142\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nA. K\u00f6nig. Ersetzung der Salpeters\u00e4ure in galvanischen Elementen durch Wasserstoffsuperoxyd. Verh. d. Phys. Ges. 1, Nr. 3; 1882. Wied. Ann. 17, 347-349; 1882.\nR. B\u00f6rnstein. Ein Apparat zum Registrieren des Winddrucks. Verh. d. Phys. Ges. 2, 69-72; 1883.\nH. Landolt und R. B\u00f6rnstein. Physikalisch-chemische Tabellen. Berlin, Springer. 1. Aufl. 1883.\t2. Aufl. 1894.\t3. Aufl., herausg. von\nR. R\u00f6rnstein und W. Meyerhoffer 1905.\nR. B\u00f6rnstein. Die lokale Wetterprognose. Berlin, Springer 1884.\nR. B\u00f6rnstein. \u00dcber den von Nipher vorgeschlagenen Schutztrichter f\u00fcr Regenmesser. Met. ZS. 1, 381\u2014387; 1884.\nR. B\u00f6rnstein. Die Gewitter vom 13. bis 17. Juli 1884 in Deutschland. Archiv d. D. Seewarte. 8, Nr. 4; 1885.\nE. Leg. Die Verteilung des Luftdrucks \u00fcber Europa w\u00e4hrend der Trockenzeiten des Fr\u00fchlings und Sommers 1893. Met. ZS. 11, 121 bis 136; 1894.\nR. B\u00f6rnstein. Berichte \u00fcber einige Versuche, betreffend elektrische Ladung der Ballonh\u00fclle. ZS. f. Luftsch. u. Phys. d. Atm. 1893, 237-241.\nR. B\u00f6rnstein. Elektrische Beobachtungen bei zwei Ballonfahrten. ZS. f. Luftsch. u. Phys. d. Atm. 1894, 111\u2014120. Verh. d. Phys. Ges. 13, 35- 50; 1894.\nR. B\u00f6rnstein. Der j\u00e4hrliche und t\u00e4gliche Gang des Niederschlags in Berlin N. Met. ZS. 14, 209\t214; 1897.\nR. B\u00f6rnstein. Elektrische Beobachtungen bei Luftfahrten unter Einflug der Ballonladung. Wied. Ann. 62, 680 \u2014686; 1897.\nR. B\u00f6rnstein und E. Leg. Die Temperaturverh\u00e4ltnisse von Berlin. Met. ZS. 15, 321 -332; 1898.\nR. B\u00f6rnstein. B\u00f6enstudien gelegentlich des Gewitters vom 22. Juni 1898. Met. ZS. 16, 1 -5; 1899.\nE. Leg. Die wissenschaftlichen Grundlagen von Wetterprognosen f\u00fcr kurze und solchen f\u00fcr etwas l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume. Antrittsvorlesung. Berlin, 1899.\nE.\tLeg. \u00dcber den t\u00e4glichen Gang der Sommerregen bei verschiedenen Wetterlagen. Met. ZS. 17, 49- 71; 1900.\nR. B\u00f6rnstein. Die Luftelektrizit\u00e4t. Aus dem Werke: R. Ag-mann und A. Berson, Wissenschaftliche Luftfahrten. Braunschweig. Vieweg, 1900.\nW. Volkmann. Nebenschlugkasten f\u00fcr Galvanometer. Elektro-techn. ZS. 22, 1901.\nF.\tLinke. \u00dcber Messungen elektrischer Potentialdifferenzen vermittelst Kollektoren im Ballon und auf der Erde. Diss. Berlin, 1901.\nR. B\u00f6rnstein. Wetterkunde und Landwirtschaft. Festrede am 17. Januar 1901. Berlin, Paul Parey, 1901.\nR. B\u00f6rnstein. Leitfaden der Wetterkunde. Braunschweig, Vieweg. 1. Aufl. 1901. 2. Aufl. 1906.\nR. B\u00f6rnstein. St\u00fcndliche Luftdruckwerte, nach den Registrierungen des Sprung-Fueg\u2019schen Laufgewichts-Barographen an der Landwirtschaftlichen Hochschule. 1896\u201498, abgedruckt in den Ver\u00f6ffentlichungen des K\u00f6niglich Preugischen Meteorologischen Instituts. Ergehn, a. d. Beob. d. Stat. IL u. III. Ordn. 1901\u201403.","page":142},{"file":"p0143.txt","language":"de","ocr_de":"14. Das physikalische Kabinet und die meteorologische Station.\nW. Volkmann. Neue Seilwellenversuche. Natur und Schule 1, 273- 282. 342\t350; 1902.\nR. B\u00f6rnstein. Schulwetterkarten. 12 Wandkarten, unter Benutzung der Typen von van Bebber und Teisserenc de Bort f\u00fcr Unterrichtszwecke zusammengestellt. Berlin, Dietrich Reimer; 1902.\nR. B\u00f6rnstein. Die Temperaturfl\u00e4che, ein neues Lehrmittel aus dem Gebiet der Wetterkunde. Berlin, Dietrich Reimer; 1902.\nW. Volkmann. Die Theorie der Augenmagnete. Klin. Monatsbl. f. Augenheilk. 40, 1\t24 ; 1902.\nR. B\u00f6rnstein. Bericht \u00fcber die M\u00f6glichkeit elektrischer Ladung und Entz\u00fcndung von Luftballons. Illustr. Aeron. Mitt. 7, 395 bis 399; 1903.\nR. B\u00f6rnstein. Einige Versuche \u00fcber Elektrizit\u00e4tszerstreuung in der Luft. Verh. d. D. Phys.. Ges. 5, 404\u2014414; 1903. Phys. ZS. 5, 20 bis 25; 1903.\nO. Steffens. Uber eine mit Selbst\u00f6lung und hermetischem Abschlug gegen das Eindringen sch\u00e4dlicher Materie versehene, auf kleine Windst\u00e4rken reagierende Windfahne. Met. ZS. 20, 428 - 430; 1903.\nW. Volkmann. Neue Formen meiner Augenmagneten. Klin. Monatsbl. f. Augenheilk. 40, 113\u2014116 usw.; 1902; 41, 217\u2014222; 1903.\nW. Volkmann. Nebenschlugkasten zum Drehspulgalvanometer. Ann. d. Phys. (4) 10, 217\u2014221; i903.\nW. Volkmann. \u00dcber die Bedingungen, unter denen die Ortsver\u00e4nderungen eines Luftballons elektrische Ladungen auf ihm hervorbringen, und unter denen diese Ladungen zu seiner Entz\u00fcndung f\u00fchren k\u00f6nnen. Illustr, aeron. Mitt. 7, 399 \u2014 405; 1903.\t8, 121 G39; 1904.\nO. Steffens. Die Blitzgefahr in Deutschland von 1854\u20141901, ein Beitrag zur Gewitterkunde. Diss. Berlin, 1904.\n0. Steffens. Die Zunahme der Blitzgefahr in ihrer Bedeutung f\u00fcr die Feuerversicherung. ZS. f. d. ges. Versieh. - Wiss. 4, H. 4, 1904.\nF. Linke. Luftelektrische Messungen bei zw\u00f6lf Ballonfahrten. Abh. d. Gott. Ges. d. W. (n. F.) 3, Nr. 5.\t1904.\nR. B\u00f6rnstein. \u00dcber den t\u00e4glichen Gang des Luftdrucks in Berlin. Sitzber. d. Akad. d. W. in Wien 113 [2a], 721\u2014738; 1904. Met. ZS. 22, 299\u2014305; 1905.\nR. B\u00f6rnstein. Unterhaltungen \u00fcber das Wetter. Berlin, Parey; 1905.\nR. B\u00f6rnstein und W. Marckwald. Sichtbare und unsichtbare Strahlen. Leipzig-Berlin, Teubner; 1905.\nR. B\u00f6rnste in. Einige Lehrmittel und Unterrichtsversuche aus dem Gebiet der Meteorologie. ZS. f. phys. u. ehern. Unterr. 18, 149\t153; 1905.\nW. Volkmann. Der Aufbau physikalischer Apparate aus selbst\u00e4ndigen Apparatenteilen (physikalischer Baukasten) VIII und 98 Seiten. 110 Abbildungen; bei Julius Springer, Berlin, 1905.\n15. Das botanische Institut.\nVorsteher: Geh. Regierungs-Rat, Professor Dr. L. Kny,\nHierzu Abb. 31 u. 32.\nist aus sehr bescheidenen Anf\u00e4ngen erwachsen. Seinen Grundstock bildete eine Anzahl kleiner Mikroskope, welche seit Beginn des Sommer-","page":143},{"file":"p0144.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 31. Praktikaiiten-Zinimer des botanischen Instituts.\n144\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nsemesters 1865 von Prof. Dr. Karsten und nach dessen Berufung an die Universit\u00e4t Wien seit Oktober 1868 von dem Obenstehenden in\nunzureichenden Mietsr\u00e4umen zu Kursen des fr\u00fcheren landwirtschaftlichen Lehr-Institutes ben\u00fctzt wurden. Als selbst\u00e4ndiges Institut wurde es","page":144},{"file":"p0145.txt","language":"de","ocr_de":"15. Das botanische Institut.\n145\nAnfang M\u00e4rz 1880 begr\u00fcndet und mit dem seit seiner Errichtung im Jahre 1873 von dem derzeitigen Vorsteher geleiteten \u201ePflanzenphysiologischen Institute der Universit\u00e4t Berlin\u201c vereinigt. Beide bezogen ihre jetzigen sch\u00f6nen und zweckm\u00e4\u00dfig eingerichteten R\u00e4ume schon vor Er\u00f6ffnung der landwirtschaftlichen Hochschule. Dem Direktor des botanischen Institutes war an der landwirtschaftlichen Hochschule zun\u00e4chst nur die Leitung des Unterrichtes in der Anatomie, Morphologie und Entwickelungsgeschichte der Pflanzen dauernd \u00fcbertragen worden. F\u00fcr die Physiologie, welche er f\u00fcrs erste mit \u00fcbernahm, ebenso wie f\u00fcr die Pathologie der Pflanzen war ein besonderes Institut, das \u201ePflanzenphysiologische Institut der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule\u201c in Aussicht genommen, f\u00fcr dessen Einrichtung und Leitung Professor Dr. A. B. Frank am 1. Mai 1881 aus Leipzig berufen wurde. Als derselbe nach achtzehnj\u00e4hriger segensreicher Wirksamkeit die Stellung des Direktors der Biologischen Abteilung am Kaiserlichen Gesundheitsamt \u00fcbernahm, wurde sein Institut aufgehoben, bezw. mit dem botanischen Institut der landwirtschaftlichen Hochschule vereinigt, und es wurden dem Direktor des letzteren nunmehr auch die physiologischen Vorlesungen und Kurse an der landwirtschaftlichen Hochschule definitiv \u00fcbertragen, die er bisher nur f\u00fcr die Universit\u00e4t abgehalten hatte. Die Vorlesung \u00fcber Pflanzenpathologie verblieb dem von jetzt ab in die Reihe der Hilfslehrer der Hochschule \u00fcbergetretenen Geheimrat Frank, w\u00e4hrend das pathologische Praktikum fortan mit dem physiologischen unter Leitung von Professor Kny vereinigt wurde. Nach dem am 27. September 1900 erfolgten Tode des Herrn Geheimrat Frank wurde die Vorlesung \u00fcber Pflanzenkrankheiten von dem technischen Hilfsarbeiter an der biologischen Abteilung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Herrn Dr. Friedrich Kr\u00fcger \u00fcbernommen.\nDie zum gr\u00f6\u00dferen Teile im zweiten, zum kleineren Teile im dritten Geschosse des Hochschulgeb\u00e4udes belegenen Institutsr\u00e4ume bestehen aus:\n1.\teinem ger\u00e4umigen, 97 qm fassenden, verschlie\u00dfbaren Korridor, in welchem eine Anzahl gro\u00dfer Schr\u00e4nke f\u00fcr Glasgef\u00e4\u00dfe, Chemikalien und andere Vorr\u00e4te untergebracht sind. Ein kleiner Teil des Korridors ist durch eine Glaswand als verschlie\u00dfbarer Raum abgetrennt;\n2.\teinem 68,3 qm fassenden vierfenstrigen Ecksaal, welcher besonders den Arbeiten Vorgeschrittener dient und au\u00dferdem zu den pflanzenphysiologischen Versuchen des Sommerkursus Verwendung findet. Hier sind auch die meisten pflanzenphysiologischen Apparate des Institutes in Schr\u00e4nken untergebracht;\n3.\teinem 28,8 qm fassenden chemischen Laboratorium;\n4.\tdem 29,9 qm fassenden Zimmer des Vorstehers;\n5.\teinem dreifenstrigen, 60,9 qm fassenden Saal, welcher den gr\u00f6\u00dferen Teil der Lehrsammlungen enth\u00e4lt, deren Benutzung den\n10\nFestschrift d. landw. Hochschule.","page":145},{"file":"p0146.txt","language":"de","ocr_de":"14(3\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nStudierenden freisteht (Abb. 31). Auger zwei grogen, f\u00fcr das Studium der Sammlungen bestimmten Tischen enth\u00e4lt dieser Saal noch zehn kleinere Tische, welche von st\u00e4ndigen Praktikanten benutzt werden k\u00f6nnen;\n6.\tdem 28,7 qm fassenden Zimmer des Assistenten, in welchem auch die 1012 B\u00e4nde enthaltende Instituts-Bibliothek sowie ein Teil der Lehrsammlungen in Schr\u00e4nken untergebracht ist;\n7.\teinem 29 qm fassenden mit elektrischer Bogenlampe (15 Amp\u00e8re) versehenen, lichtdicht-verschliegbaren Zimmer mit matt-geschw\u00e4rzten W\u00e4nden und ebensolchem Mobiliar. Dasselbe enth\u00e4lt u. A. einen grogen Dunkelschrank mit zwei Abteilungen;\n8.\tdem 28 qm fassenden Zimmer des Institutsdieners. In demselben befindet sich ein Rotations-Apparat, welcher durch einen im Kellergeschosse befindlichen Gasmotor betrieben wird;\n9.\teinem 43,75 m langen, 5 m breiten, 218,75 qm grogen, im dritten Stockwerke belegenen Saal f\u00fcr die mikroskopischen Kurse. An 37 vor den Fenstern aufgestellten und 30 auf einem erh\u00f6hten Podium befind-lichenTischen k\u00f6nnen 67 Praktikanten Platz finden (Abb. 32). Auger vom botanischen Institute wird dieser Saal auch von anderen Abteilungen der Hochschule zu Kursen benutzt;\n10.\teinem 39,2 qm fassenden Gew\u00e4chshaus mit kalter und warmer Abteilung und mit offener, 20 qm fassender Terrasse vor derselben;\n11.\teinem 270 qm fassenden, im Hofraum des Hochschulgrundst\u00fcckes belegenen Versuchsgarten und einem gemeinschaftlich mit der botanischen Abteilung des Museums ben\u00fctzen St\u00fccke von 235 qm Grundfl\u00e4che f\u00fcr Aufstellung der Fr\u00fchbeetk\u00e4sten und der Kalthauspflanzen in Sommermonaten.\nDie f\u00fcr mikroskopische Arbeiten bestimmten Zimmer des Institutes haben durchweg gutes Nordlicht. Das zu physiologischen Arbeiten dienende schwarze Zimmer, das Dienerzimmer und das Gew\u00e4chshaus samt Terrasse sind nach S\u00fcden gerichtet.\nDie Lehrsammlungen bestehen aus einer morphologischen, einer physiologischen und einer kryptogamischen Abteilung. Sie enthalten sowohl getrocknete Objekte, welche in Herbariumform oder auf Stativen, bezw. in Kartons untergebracht sind, als auch Modelle, Wandtafeln, Handtafeln und Spiritus-Pr\u00e4parate. Auf die Fortbildung dieser Lehrsammlungen ist von Begr\u00fcndung des Institutes an besonderes Gewicht gelegt worden. In der kryptogamischen Abteilung sind die parasitischen Pilze, welche Pflanzenkrankheiten erzeugen, reich vertreten. \u00dcber den Plan bei Einrichtung der Lehrsammlungen, welcher \u00fcbrigens im Laufe der Jahre manche \u00c4nderungen erfahren hat, gibt eine Mitteilung in den Verhandlungen des botanischen Vereines der Provinz Brandenburg 1880 pag. XX ff. n\u00e4here Auskunft.","page":146},{"file":"p0147.txt","language":"de","ocr_de":"15. Das botanische Institut.\n147\nDie Entwicklung des Instituts war seit seiner Begr\u00fcndung in dauernd ansteigender Richtung begriffen. Die im Winter 1880 81 statt-\n\t\n]\t\ngefundene Vorlesung \u00fcber Anatomie und Entwicklungsgeschichte war von 39 Zuh\u00f6rern, die Sommervorlesung 1881 \u00fcber Pflanzenphysiologie\n10*\nAbb. 32. Mikroskopischer Kursus des Botanischen Institutes.","page":147},{"file":"p0148.txt","language":"de","ocr_de":"148\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nvon 17 Zuh\u00f6rern, der erste mikroskopische Kursus im Winter 1880 81 von 27 Praktikanten besucht. Im laufenden Wintersemester 1905 06 ist die Zahl der eingeschriebenen Studierenden f\u00fcr die Vorlesung \u00fcber Anatomie und Morphologie 125; im mikroskopischen Anf\u00e4nger-Kursus sind alle verf\u00fcgbaren 67 Pl\u00e4tze besetzt, und 26 Herren, welche sich \u00fcber diese Zahl hinaus gemeldet haben, konnten kein Unterkommen finden. Um diesem \u00dcbelstande abzuhelfen, wird fortan vom Institutsassistenten in jedem Sommersemester ein zweist\u00fcndiger Anf\u00e4ngerkursus abgehalten werden. Die Sommervorlesung \u00fcber Pflanzenphysiologie wurde im Sommer 1905 von 86 Zuh\u00f6rern besucht, und am Praktikum f\u00fcr Pflanzenphysiologie und Pflanzenpathologie nahmen in demselben Semester 38 Praktikanten teil. Unter diesen befanden sich in den letzten Semestern immer auch einige Damen.\nDie Zahl derjenigen Herren, welche sich wissenschaftlichen Untersuchungen widmeten, schwankte w\u00e4hrend der letzten 25 Jahre zwischen eins und neun in den einzelnen Semestern und betrug meist vier bis sechs.\nAuger den vorstehenden, vom Direktor abgehaltenen Vorlesungen und Kursen wurden Kollegien, Repetitorien und Praktika mehrfach auch von fr\u00fcheren und dem gegenw\u00e4rtigen Assistenten abgehalten.\nAls Assistenten fungierten am botanischen Institute seit seiner Begr\u00fcndung :\n1.\tDr. W. Zopf, jetzt Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens an der Universit\u00e4t M\u00fcnster i. W., bis zum 1. April 1883;\n2.\tDr. A. Zimmermann, jetzt Direktor der biologischen Station Amani (Deutsch-Ostafrika), vom 1. April 1883 bis 31. Dezember 1884;\n3.\tDr. J. Brunchorst, jetzt Direktor des naturhistorischen Museums in Bergen (Norwegen), vom 1. Januar 1885 bis 31. M\u00e4rz 1885;\n4.\tDr. A. Wieler, jetzt Professor und Dozent f\u00fcr Botanik an der technischen Hochschule in Aachen, vom 1. April 1885 bis 30. September 1886;\n5.\tDr. Karl M\u00fcller, jetzt Professor an der K\u00f6nigl. G\u00e4rtnerlehranstalt in Dahlem und Privatdozent an der technischen und landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, vom 1. Oktober 1886 bis 30. September 1895;\n6.\tDr. R. Kolkwitz, jetzt Professor, Privatdozent an der Universit\u00e4t und an der landwirtschaftlichen Hochschule und wissenschaftliches Mitglied der Versuchs- und Pr\u00fcfungsanstalt f\u00fcr Wasserversorgung und Abw\u00e4sserbeseitigung in Berlin, vom 1. Oktober 1895 bis 31. Oktober 1900;\n7.\tDr. H. Seckt, jetzt Oberlehrer am Gymnasium in Friedenau vom 1. November 1900 bis 15. April 1903;\n8.\tDr. W. Magnus, Privatdozent an der landwirtschaftlichen Hochschule, vom 16. April 1903 an t\u00e4tig.\nAn dem vom 1. Mai 1881 bis 1. April 1899 unter Leitung von Professor Dr. A. B. Frank bestandenem \u201ePflanzenphysiologischen Institute der Kgl. Landwirtschaftlichen Hochschule waren als Assistenten t\u00e4tig:","page":148},{"file":"p0149.txt","language":"de","ocr_de":"15. Das botanische Institut.\n149\n1.\tDr. A. Tschirch, jetzt Professor der Pharmakognosie, pharmazeutischen und gerichtlichen Chemie und Direktor des pharmazeutischen Instituts der Universit\u00e4t Bern, vom 1. September 1881 bis 1. Mai 1890 (vom 1. Oktober 1888 bis 31. M\u00e4rz 1889 durch Dr. Wieler vertreten);\n2.\tDr. R. Otto, jetzt Lehrer der Chemie und Leiter der chemischen Abteilung der Versuchsstation am K\u00f6nigl. Pomologischen Institute in Proskau (O.-S.), vom 1. Mai 1890 bis 31. M\u00e4rz 1894;\n3.\tDr. Friedrich Kr\u00fcger, jetzt Hilfsarbeiter an der Kaiserlichen biologischen Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft in Dahlem und Honorardozent f\u00fcr Pflanzenpathologie an der K\u00f6nigl. landwirtschaftlichen Hochschule, vom 1. April 1894 bis 30. September 1896;\n4.\tDr. E. Heinsen, jetzt Assistent am botanischen Museum in Hamburg, vom 1. Oktober 1896 bis 1. April 1899.\nUber die Ver\u00f6ffentlichungen, welche aus dem botanischen und pflanzenphysiologischen Instutute hervorgegangen sind, gibt bis 1886 die vom K\u00f6nigl. Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten aus Veranlassung der 59. Versammlung deutscher Naturforscher und \u00c4rzte ver\u00f6ffentlichte Festschrift, p. 220, vom Jahre 1891 ab die Chronik der K\u00f6nigl. Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t unter der Rubrik \u201ePflanzenphysiologisches Institut der Universit\u00e4t\u201c und vom Jahre 1892 ab auch der Jahresbericht der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule Auskunft.\nLebenslauf des Geh. Regierungsrat Professor Dr. Leopold Kny.\nGeboren den 6. Juli 1841 in Breslau, besuchte von 1859 -1863 die Universit\u00e4ten Breslau, M\u00fcnchen und Berlin, promovierte im Mai 1863 in Berlin mit der Dissertation \u201eSymbola ad hepaticarum frondosarum evolutionis historiam\u201c, habilitierte sich an der Berliner Universit\u00e4t 1867 als Privatdozent und wurde 1873 zum augerordenl liehen Professor und Direktor des neubegr\u00fcndeten pflanzenphysiologischen Instituts ernannt. 1881 wurde er augerdem etatsm\u00e4giger Professor an der landwirtschaftlichen Hochschule, nachdem er schon ein Jahr vorher die Leitung des f\u00fcr dieselbe in Aussicht genommenen und mit dem pflanzenphysiologischen Institut der Universit\u00e4t vereinigten \u201eBotanischen Instituts\u201c \u00fcbernommen hatte.\nYon seinen Ver\u00f6ffentlichungen sind zu nennen:\nUber Axillarknospen bei Florideen, ein Beitrag zur vergleichenden Morphologie, mit zwei Tafeln, 4to. Berlin 1873. \u2014 Die Entwicklung der Parkeriaceen, dargestellt an Ceratopteris thalictroides, mit acht Tafeln, 4to., Dresden 1875. Uber das Dickenwachstum des Holzk\u00f6rpers in seiner Abh\u00e4ngigkeit von \u00e4ugeren Einfl\u00fcssen, mit drei Tafeln, 4to. Berlin 1881. Botanische Wandtafeln mit erl\u00e4uterndem Texte, Lieferung 1\u20149 (Tafel 1 bis 100) Berlin 1874-1895 (wird in vergr\u00f6gertem Magstabe fortgesetzt).\nAugerdem eine gr\u00f6gere Zahl von Abhandlungen in den Jahrb\u00fcchern f\u00fcr wissenschaftliche Botanik, in den Monatsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften, in den Sitzungsberichten der Gesellschaft natur-forschenderFreunde zu Berlin, in den Verhandlungen desbotanischenVereins der Provinz Brandenburg, in der Botanischen Zeitung, in den Berichten der deutschen botanischen Gesellschaft und in den Annals of Botany.","page":149},{"file":"p0150.txt","language":"de","ocr_de":"150\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nLebenslauf des Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Frank.\nAlbert Bernhard Frank, geboren zu Dresden den 17. Januar 1839, f zu Berlin den 27. September 1900, studierte in Leipzig, promovierte daselbst 1865 und wurde im gleichen Jahre Kustos des Universit\u00e4tsherbars. Bald darauf habilitiert er sich und wurde 1878 au\u00dferordentlicher Professor in Leipzig. W\u00e4hrend er in dieser Zeit haupts\u00e4chlich sich mit systematischen und physiologischen Fragen rein wissenschaftlicher Natur besch\u00e4ftigte, wandte er sich seit 1881, wo er an die landwirtschaftliche Hochschule Berlin berufen wurde, solchen botanischen Fragen zu, welche f\u00fcr die Landwirtschaft von Bedeutung sind. Ganz besonders studierte er die Nutzbarmachung des freien Stickstoffs der Luft durch die Pflanzen, die Wurzelkn\u00f6llchen und die Mykorrhizen. \u2014 Hervorragendes leistete er auch auf dem Gebiete der Pflanzenkrankheiten. 1880 war bereits sein Buch: \u201eDie Krankheiten der Pflanzen\u201c erschienen, das 1895/96 in drei B\u00e4nden neu aufgelegt wurde. Sp\u00e4ter gab er das \u201eSchildlausbuch\u201c (gemeinsam mit Fr. Kr\u00fcger) heraus und 1897 das \u201eKampfbuch gegen die Sch\u00e4dlinge landwirtschaftlicher Kulturpflanzen\u201c. Im Auftr\u00e4ge der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft schrieb er das kleine, f\u00fcr die Praxis bestimmte Buch: \u201ePflanzenschutz\u201c, 1892, 2. Aufl. (mit Sorauer) 1896.\nVon anderen Werken seien genannt: \u201ePflanzentabellen\u201c; Leunis\u2019 \u201eSynopsis des Pflanzenreichs\u201c, 3. Aufl. in 3 B\u00e4nden; \u201eLehrbuch der Pflanzenphysiologie\u201c, 1890, 2. Aufl. 1896. Sachs, \u201eLehrbuch der Botanik\u201c, 1892 93. \u2014 Er war erster Schriftf\u00fchrer der Deutschen botanischen Gesellschaft seit deren Gr\u00fcndung, stellvertretender Vorsitzender des Sonderausschusses f\u00fcr Pflanzenschutz der D. L. G\u201e dessen erfolgreiche T\u00e4tigkeit Frank besonders mit zu danken ist. Seinen Lebenslauf nebst einem ganz ausf\u00fchrlichen Verzeichnis seiner Schriften gab Fr.Kr\u00fcger in den Berichten der Deutsch, botanisch. Gesellschaft, Bd.XIX (1900) S.10.\n16. Gem\u00fcsebau. Obstbau. Weinbau. Allgemeiner Gartenbau.\nVertreter des Faches: H. Lindemuth, Kgl. Garteninspektor am\nUniversit\u00e4tsgarten.\nBis zu seinem im Jahre 1881 erfolgten Tode hat der Inspektor des K\u00f6nigl. botanischen Gartens in Berlin, C. Bouch\u00e9, am landwirtschaftlichen Institut eine zweist\u00fcndige Vorlesung gehalten \u201e\u00dcber Gartenbau, unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Gem\u00fcse- und Obstbaues, der Geh\u00f6lzzucht, der Parkanlagen, der Konstruktion von Gew\u00e4chsh\u00e4usern\u201c.\nIm Wintersemester 1882/83 trat der Referent als Lehrer an der neubegr\u00fcndeten landwirtschaftlichen Hochschule ein.\nDer Inhalt der von Bouch\u00e9 gehaltenen Vorlesung erforderte eine Sichtung und Trennung. Da f\u00fcr den Landwirt der Obstbau und Gem\u00fcsebau am wichtigsten erschien, wurde hinfort \u00fcber ersteren im Wintersemester, \u00fcber letzteren im Sommersemester, je zwei Stunden gesprochen.\nSeit einem Jahre ist dem Lehrplan f\u00fcr das Wintersemester eine ein-st\u00fcndige Vorlesung \u00fcber Weinbau eingef\u00fcgt worden.\nUm Gelegenheit zu geben, mancherlei Gegenst\u00e4nde aus dem Gebiet des Gartenbaues von allgemeinem und f\u00fcr den Landwirt von besonderem","page":150},{"file":"p0151.txt","language":"de","ocr_de":"17. Forstwirtschaft.\n151\nInteresse zum Vortrag zu bringen, wurde, gleichfalls seit einem Jahre, eine vierte Vorlesung, \u201eAllgemeiner Gartenbau\u201c, eingef\u00fchrt.\n17. Forstwirtschaft.\nVertreter des Faches: K\u00f6nig]. Forstmeister Kottmeier,\nK\u00f6nigl. Oberf\u00f6rsterei K\u00f6penick.\nDer Forstwissenschaft kann naturgem\u00e4\u00df an einer Landwirtschaftlichen Hochschule nur ein bescheidener Platz einger\u00e4umt werden, dennoch aber hat es sich als notwendig herausgestellt, den angehenden und den weiterstrebenden Landwirten, welche teils eigenen Waldbesitz haben, teils sich vorbilden wollen zur Verwaltung fremder G\u00fcter, die mit Waldbestand versehen sind, Gelegenheit zu geben, wenigstens die Grundz\u00fcge kennen zu lernen, auf denen sie die Verwaltung und Bewirtschaftung aufbauen k\u00f6nnen.\nEs wird im Sommer vierst\u00fcndig Waldbau gelesen, mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der f\u00fcr die verschiedenen Bodenarten geeigneten Holzarten und der verschiedenen Kulturmethoden. Exkursionen nach der Oberf\u00f6rsterei Coepenick zeigen praktisch die Handgriffe beim S\u00e4en und Pflanzen und erl\u00e4utern die Lehre von den Durchforstungen und den Mischbest\u00e4nden. Im Winter bildet das Hauptthema der Vorlesungen: zweist\u00fcndig Forstbenutzung und zweist\u00fcndig Forstschutz, bei ersterer Disziplin den Holzverkauf, bei letzterer den Schutz gegen Insekten und Pilze besonders betonend; auch hier erg\u00e4nzen Exkursionen das im H\u00f6rsaal vorgetragene.\nIm Jahre 1903 machte sich der Wunsch geltend, zu den oben genannten Vorlesungen noch Forsteinrichtung und forstliche Betriebslehre hinzutreten zu lassen und wurde Forsteinrichtung im Sommer und forstliche Betriebslehre im Winter einst\u00fcndig gelesen.\nDiese wenigen Stunden sind reichlich knapp, es ist schwierig in dieser kurzen Frist auch nur die Hauptsachen anschaulich vorzutragen und wird es der Zukunft Vorbehalten bleiben, auch hier die n\u00f6tige Abhilfe zu schaffen.\nWenn es m\u00f6glich w\u00e4re, den forstlichen Lehrplan der landwirtschaftlichen Hochschule so auszubauen, da\u00df er mit einem Examen f\u00fcr Privat-Forstverwaltungsbeamte abschlie\u00dfen k\u00f6nnte, so w\u00e4re dies als ein erstrebenswertes Ziel zu betrachten.\nDer jetzige Dozent ist als solcher seit November 1895 t\u00e4tig, vor ihm hat drei Jahre der Forstmeister Westermeier, jetzt Oberf\u00f6rster in Schkeuditz, und vor diesen lange Jahre der verstorbene Forstmeister Krieger \u00fcber Forstwissenschaft gelesen.","page":151},{"file":"p0152.txt","language":"de","ocr_de":"152\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n18. Die Vorlesung \u00fcber Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz.\nVertreter des Faches: Dr. Fr. Kr\u00fcger, Hilfsarbeiter in der Kaiserl.\nBiologischen Anstalt f\u00fcr Land- u. Forstwirtschaft in Dahlem.\nDie Vorlesung \u00fcber die Krankheiten der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen und deren Verh\u00fctung ist seit 1881 in den Unterrichtsplan der Hochschule aufgenommen. Professor Dr. Frank, der dieselbe zun\u00e4chst abhielt, vertrat auch nach seinem im Fr\u00fchjahr 1899 erfolgten \u00dcbertritt an das Kaiserliche Gesundheitsamt dieses Fach noch nebenamtlich. Nach Franks Tode wurde die Vorlesung \u00fcber Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz im Herbst 1900 seinem ehemaligen Assistenten und sp\u00e4teren Hilfsarbeiter Dr. Kr\u00fcger \u00fcbertragen, der sie noch jetzt abh\u00e4lt.\nEs wird in dieser Vorlesung das Hauptgewicht darauf gelegt, die jungen Landwirte mit den an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen vorkommenden Krankheitserscheinungen soweit vertraut zu machen, dag sie auch sp\u00e4ter in der Praxis m\u00f6glichst zutreffend beurteilen k\u00f6nnen, was f\u00fcr eine Art von Pflanzenbesch\u00e4digung oder -Erkrankung vorliegt, und durch welche Ma\u00dfnahmen derselben f\u00fcr die Zukunft erfolgreich vorzubeugen ist. Dementsprechend werden die einzelnen Kulturpflanzen den Betrachtungen zugrunde gelegt und die verschiedenen an denselben vorkommenden Krankheiten etc. besprochen. Von den durch Tiere verursachten Besch\u00e4digungen werden dabei mit R\u00fccksicht auf das Spezialkolleg des Herrn Regierungsrat, Professor Dr. R\u00f6rig \u00fcber diesen Gegenstand nur diejenigen mit in den Kreis der Betrachtungen gezogen, welche von ganz besonderer Bedeutung f\u00fcr die betreffende Kulturpflanze sind, oder aber zu Verwechselungen mit den durch anorganische Einfl\u00fcsse bzw. den durch Pilze hervorgerufenen Besch\u00e4digungen Anlag geben k\u00f6nnten.\nDie Vorlesung ist eine zweist\u00fcndige. Urspr\u00fcnglich war sie f\u00fcr die H\u00f6rer des dritten, neuerdings ist sie f\u00fcr die des f\u00fcnften Semesters bestimmt.\n19. Das chemische Laboratorium.\nVorsteher: Professor Dr. Eduard Buchner.\n(Hierzu Abb. 33 u. 34.)\nDas chemische Laboratorium hat die Aufgabe, einerseits die Studierenden in die allgemeine Chemie, sowie die qualitative und quantitative Analyse und andere chemische Arbeitsmethoden einzuf\u00fchren, andererseits die H\u00fclfsmittel zu bieten, welche zur wissenschaftlichen Forschert\u00e4tigkeit n\u00f6tig sind, besonders auf Gebieten, die mit der Landwirtschaft in Beziehung stehen. Analysen und praktische Untersuchungen f\u00fcr Private werden nicht ausgef\u00fchrt.","page":152},{"file":"p0153.txt","language":"de","ocr_de":"19. Das chemische Laboratorium.\n153\nDie Leitung des Laboratoriums, das in einem eigenen, an das Hauptgeb\u00e4ude der Hochschule angrenzenden Hause untergebracht ist und etwas fr\u00fcher als die meisten \u00fcbrigen Institute, bereits am 1. Oktober 1880, er\u00f6ffnet wurde, ist schon zweimal in andere H\u00e4nde \u00fcbergegangen. Es standen an der Spitze\nvom Er\u00f6ffnungstermin ab Herr Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hans Landolt, welcher im Herbst 1891 die Direktion des II. ehern. Institutes der Berliner Universit\u00e4t \u00fcbernahm, vom l.Okt. 1891 ab Herr Geheimer Ober-Regierungsrat Prof. Dr. Moritz Fleischer, welcher im Herbst 1898 einer Einberufung als Vortragender Rat in das K\u00f6nigl. Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten Folge leistete,\nvom 1. Oktober 1898 an der jetzige Vorsteher, fr\u00fcher au\u00dferordentlicher Professor an der Universit\u00e4t zu T\u00fcbingen.\nDie Zahl der Assistenten ist allm\u00e4hlich auf f\u00fcnf gestiegen; ferner stehen zwei Diener und ein Bursche zur Verf\u00fcgung.\nLehrt\u00e4tigkeit.\nDen Unterrichtszwecken dienen folgende im Erdgescho\u00df gelegene R\u00e4ume:\n1.\tein H\u00f6rsaal, welcher urspr\u00fcnglich knapp 140 Zuh\u00f6rer fa\u00dfte. Durch Einbeziehung eines angrenzenden Sammlungsraumes unter Entfernung der Zwischenwand gelang es dem wachsenden Bed\u00fcrfnis entsprechend, im Herbst 1904 eine wesentliche Vergr\u00f6\u00dferung auf 175 Sitzpl\u00e4tze zu erreichen, die sich durch Anbringen von Klappsitzen im Mittelgang, wenn n\u00f6tig, noch bis auf 210 Sitzpl\u00e4tze steigern l\u00e4\u00dft.\nDie K\u00f6nig]. Bauverwaltung hat im Zusammenhang mit diesem Umbau eine gl\u00fcckliche Modernisierung des H\u00f6rsaales vorgenommen, soda\u00df derselbe nunmehr einen sehr gef\u00e4lligen Eindruck hervorbringt. Die Akustik ist ausgezeichnet. Ein Projektionsapparat und eine Verdunkelungsvorrichtung sind seit Erbauung des H\u00f6rsaales vorhanden.\n2.\tein gro\u00dfer Arbeitssaal, welcher urspr\u00fcnglich f\u00fcr 50 Praktikanten eingerichtet, im letzten Sommersemester deren 90 aufnehmen mu\u00dfte, wovon 23 ganzt\u00e4gig, 28 halbt\u00e4gig und 39 w\u00f6chentlich vierst\u00fcndig arbeiteten. Hiermit d\u00fcrfte die \u00e4u\u00dferste zul\u00e4ssige Ausn\u00fctzung der Arbeitspl\u00e4tze erreicht sein.\n3.\teine Anzahl von Nebenr\u00e4umen f\u00fcr Zwecke des Laboratoriumsbetriebes und der Vorlesungssammlung (im ganzen neun Zimmer).\nDer chemische Unterricht, welcher im Laboratorium erteilt wird, umfa\u00dft\n1. eine \u201eVorlesung \u00fcber unorganische Experimental-Chemie\u201c im Wintersemester (w\u00f6chentlich vierst\u00fcndig), an welcher im Winter 1904/05\t129, im Winter 1905 06 170 Zuh\u00f6rer teilnahmen;","page":153},{"file":"p0154.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 33. Au\u00dfenansicht des Chemischen Laboratoriums mit H\u00f6rsaal. Im Hintergr\u00fcnde der Turm des Neubaues.\n154\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n2. einen \u201e\u00dcberblick der organischen Experimental-Chemie\u201c im Sommer (w\u00f6chentlich dreist\u00fcndig), welcher im letzten Semester\n96 Zuh\u00f6rer fand. Die K\u00fcrzung der von Herrn Geheimrat Landolt etwas ausf\u00fchrlicher gehaltenen Vorlesung erfolgte vom jetzigen Vor-","page":154},{"file":"p0155.txt","language":"de","ocr_de":"19. Das chemische Laboratorium.\t155\nSteher mit R\u00fccksicht auf die gro\u00dfe Belastung der Landwirte mit Wochenstunden.\n3.\teine w\u00f6chentlich zweist\u00fcndige Vorlesung im Sommersemester \u00fcber \u201edie wissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur\u201c, von Herrn Geheimrat Fleischer 1893 eingerichtet und auch nach seinem R\u00fccktritt von der Vorsteherstelle mit gro\u00dfem Unterrichtserfolg fortgesetzt.\n4.\teine w\u00f6chentlich einst\u00fcndige Vorlesung im Sommersemester \u201eTheorie der G\u00e4rung mit Experimenten\u201c, im Jahre 1903 zum ersten Mal gelesen, heuer 84 Teilnehmer, darunter 71 Studierende der landwirtschaftlich-technischen Abteilung aufweisend.\n5.\tein w\u00f6chentlich zweist\u00fcndiges \u201eRepetitorium der Chemie\u201c im Sommersemester, unter Fleischers Direktion 1896 von Dr. Schmoeger zum ersten Mal abgehalten und seitdem regelm\u00e4\u00dfig durch einen geeigneten Assistenten fortgesetzt, besonders f\u00fcr die Kandidaten der landwirtschaftlichen Pr\u00fcfungen bestimmt.\n6.\tein chemisches Praktikum in der qualitativen und quantitativen Analyse sowie in anderen chemischen Arbeiten, ganzt\u00e4gig oder halbt\u00e4gig je nach Wunsch, wozu das Laboratorium ohne Mittagspause von 9 bis 5 Uhr ge\u00f6ffnet bleibt. Au\u00dfer Landwirten beteiligen sich daran nach alter Tradition aus Landolts Zeit auch ziemlich viel Studierende der Universit\u00e4t. Ferner sind seit Einf\u00fchrung des Brauerei-Ingenieurexamens die Kandidaten dieser Pr\u00fcfung auf einen zweisemestrigen Besuch des chemischen Praktikums angewiesen. Die Teilnehmerzahl betrug im Winter 1904/05 56, darunter 27 Landwirte, im Sommer 1905 51, darunter 20 Landwirte, im Winter 1905/06 70, darunter 36 Landwirte.\n7.\t\u201eChemische \u00dcbungen f\u00fcr Landwirte\u201c, einen w\u00f6chentlich vierst\u00fcndigen Anf\u00e4ngerkurs im Sommersemester, bei welchem auch heute nach den Direktiven, die Geheimrat Fleischer 1893 erstmals gab, \u201edie wichtigsten qualitativen Reaktionen der analytisch-landwirtschaftlichen Chemie vorgef\u00fchrt, erkl\u00e4rt und unmittelbar darauf von den Praktikanten selbst hervorgerufen werden.\u201c Dieser Kurs, vom Vorsteher gemeinschaftlich mit einem \u00e4lteren Assistenten regelm\u00e4\u00dfig weitergef\u00fchrt, entspricht einem deutlichen Bed\u00fcrfnis. Eine gedruckte Anleitung dazu ist, verfa\u00dft von dem damaligen Assistenten Herrn Professor Dr. Albert (Eberswalde), 1902 erschienen (2. Auflage: 1905). Die Teilnehmerliste, in stetem Steigen begriffen, umfa\u00dfte heuer 39 Praktikanten.\nForschert\u00e4tigkeit.\nF\u00fcr die wissenschaftlichen Untersuchungen dient in erster Linie das Privatlaboratorium des Vorstehers, welchem seit 1904, seit dem Umzug des Institutes f\u00fcr Zuckerindustrie, das fr\u00fcher im selben Geb\u00e4ude untergebracht war, in die Amrumerstra\u00dfe, eine besondere g\u00e4rungschemische Abteilung angegliedert ist, beide im ersten Stockwerk","page":155},{"file":"p0156.txt","language":"de","ocr_de":"156\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\ngelegen. Das Privatlaboratorium, haupts\u00e4chlich f\u00fcr organisch-chemische Arbeiten eingerichtet,umfa\u00dft vier Zimmer,darunter zwei sehr gro\u00dfe; f\u00fcr die g\u00e4rungschemische Abteilung stehen sechs R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung, davon zwei im Kellergescho\u00df, woselbst die schwereren Apparate Aufstellung gefunden haben. Die maschinellen Einrichtungen, insbesondere eine hydraulische Presse, eine m\u00e4chtige Zentrifuge, ein Vacuumeindampf-apparat und eine gro\u00dfe Sterilisierungsvorrichtung wurden meistens 1904 auf Grund einer besonderen Bewilligung von Mitteln beschafft.\nUber die unter den verschiedenen Leitern erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse und die jedesmalige besondere Forschungsrichtung gibt am besten eine kurze Aufz\u00e4hlung der wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen aus dem Laboratorium Auskunft:\nUnter Leitung von Geheimrat Landolt erschienen: Becker, Optische Drehung des Asparagins.\nSchneider, Optische Drehung der \u00c4pfels\u00e4ure.\nNasini, Atomrefraktion des Schwefels.\nLandolt und B\u00f6rnstein, Physikalisch-chemische Tabellen. Lewkowitsch, Umwandlung der i-Mandels\u00e4ure in aktive.\nLandolt und Kr eus 1er, Grouvens Methode der Stickstoffbestimmung.\nWegscheider, Spektroskopische Notizen \u00fcber die Farbstoffe gr\u00fcner Bl\u00e4tter.\nLandolt, \u00fcber die Zeitdauer der Reaktion zwischen Jods\u00e4ure und schwefliger S\u00e4ure (drei Mitteilungen).\n-, Polaristrobometrisch-chemische Analyse.\nPribram, Spezifische Drehung optisch-aktiver Substanzen in sehr verd\u00fcnnten L\u00f6sungen.\nPlath, \u00fcber Nitrifikation des Ammoniaks.\nSelmons, Zersetzung der Perjods\u00e4ure durch schweflige S\u00e4ure. Hartmann, Spezifische Drehung der Kamphers\u00e4ure.\nLandolt, Genaue Bestimmung des Schmelzpunktes organischer Substanzen.\nRimbach, Korrektion der Thermometerablesungen.\nSch\u00fctt, Bestimmung der Molekularrefraktion fester chemischer Verbindungen in L\u00f6sungen derselben.\nFock, Uber die rheometrische Methode zur Bestimmung des \u00c4schengehaltes von Zuckerprodukten.\nJahn, Elektromagnetische Drehung der Polarisationsebene in Fl\u00fcssigkeiten.\nUnter der Direktion von Geheimrat Fleischer: Schmoeger, \u00dcber die Natur der phosphorhaltigen Bestandteile des Moorbodens.\nClaessen, \u00dcber das Absorptionsverm\u00f6gen verschiedener Moorbodenarten f\u00fcr Kali.\nFleischer, Die Bodenkunde auf chemisch-physikalischer Grundlage (drei Auflagen), in Vogler, Grundlehren der Kulturtechnik. \u2014 , Niederungsmoore und Wiesen.\n\u2014, Erfahrungen auf Moordammkulturen.","page":156},{"file":"p0157.txt","language":"de","ocr_de":"19. Das chemische Laboratorium.\n157\nAbb. 34. Arbeitssaal des Chemischen Laboratoriums.","page":157},{"file":"p0158.txt","language":"de","ocr_de":"158\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nFleischer, Einflug der D\u00fcngung auf die Beschaffenheit des Pflanzenbestandes auf Wiesen.\nSchmoeger, Das Aufschliegungsverm\u00f6gen des Hochmoorbodens f\u00fcr Thomasphosphat.\n-, Die Anwesenheit von Oxals\u00e4ure im Moor.\nFleischer, \u00dcber den Einflug der Beschaffenheit des Decksandes auf die Wasserverh\u00e4ltnisse der Moordammkulturen. Fleischer, Die durch D\u00fcngung hervorgerufenen Ver\u00e4nderungen im Gehalt der Wiesenvegetation an Kali und Phosphors\u00e4ure. Fleischer und Claessen, Die Beschaffenheit der K\u00f6rner verschiedener auf Moord\u00e4mmen gebauter Hafervariet\u00e4ten.\nUnter der Leitung des jetzigen Vortehers:\nBuchner und Rapp, Alkoholische G\u00e4rung ohne Hefezellen (3Mitt.). Albert und Buchner, Flefepregsaft und F\u00e4llungsmittel (2 Mitt.) Braren und Buchner, \u00dcber Pseudophenylessigs\u00e4ure (2 Mitt.). Dieselben, Synthese einer bicyclischen Dicarbons\u00e4ure.\nBuchner, Zymase aus get\u00f6teter Hefe.\nBuchner und C. von der Heide, \u00dcber Pyrazolderivate.\nAlbert, Einfache Veranschaulichung der Zymasewirkung.\nAlbert, Buchner und Rapp, Dauerhefe mittels Aceton.\nBuchner und Spitta, Zymasebildung in der Hefe.\nHerzog, Studien \u00fcber Chlorophyllassimilation.\nE. und H. Buchner und Hahn, Die Zymaseg\u00e4rung (M\u00fcnchen, 1903). Hans Euler, Chem. Dynamik der zellfreien G\u00e4rung.\nBuchner und Meisenheimer, Enzyme bei Spaltpilzg\u00e4rungen. Dieselben, Die chemischen Vorg\u00e4nge bei der alkoholischen G\u00e4rung.\nLebenslauf des Prof. Dr. Eduard Buchner, geb. 1860, 20. Mai, M\u00fcnchen.\nStudierte 1878, dann 1884\u20141888 in M\u00fcnchen und Erlangen; 1879 bis 1883 technischer Leiter einer Konservenfabrik; 1888 M\u00fcnchen Dr. phil.; 1890 Assistent, 1891 Privatdozent an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen; 1893 Privatdozent und Pr\u00e4dikatprofessor in Kiel; 1896 au\u00dferordentlicher Professor f\u00fcr analyt. und pharmazeutische Chemie in T\u00fcbingen; 1898 etatsm\u00e4\u00dfiger Professor an der landwirtschaftlichen Hochschule, Berlin. Wichtigste Ver\u00f6ffentlichungen vor der Berufung nach Berlin:\nEinflu\u00df des Sauerstoffs auf Spaltpilzg\u00e4rungen (1885, Zeitschr. physiol. Chemie).\nEinwirkung von Diazoessigester auf unges\u00e4ttigte S\u00e4ureester (1888 bis 1895, acht Mitteilungen in den \u201eBerichten der deutschen chemischen Gesellschaft\u201c).\nEin Isomeres des Glyoxalins (1889, ebenda).\nNotiz aus der G\u00e4rungschemie (1892, ebenda).\n\u00dcber Quecksilberdiazoessigester (1895, ebenda).\n\u00dcber das Pyrazol (1893, sechs Mitteilungen).\n\u00dcber einige Polycarbons\u00e4uren des Trimethylens (1894, 3 Mitteil.). Letztere Publikationen in Liebigs Annalen der Chemie erschienen.\n\u00dcber Pseudo- und Isophenylessigs\u00e4uren (1896\u20141898, 5 Mittei].). \u00dcber Derivate des Cycloheptans (1897\t1898, drei Mitteilungen).","page":158},{"file":"p0159.txt","language":"de","ocr_de":"19. Das chemische Laboratorium.\n159\nAlkoholische G\u00e4rung ohne Hefezellen\t(1897\u20141898, sieben Mit-\nteilungen in den \u201eBerichten der deutschen chemischen Gesellschaft\u201c).\nFortschritte in der Chemie der G\u00e4rung (Antrittsrede, T\u00fcbingen 1897).\nUber zellfreie G\u00e4rung (zusammenfassender Vortrag vor der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, M\u00e4rz 1898).\n\u00dcber zellfreie G\u00e4rung (Er\u00f6ffnungsvortrag des III. internationalen Kongresses f\u00fcr angewandte Chemie, Wien, Juli 1898).\nAssistenten am chemischen Laboratorium der landwirtschaftlichen Hochschule.\nUnter der Direktion von H. Landolt: H. Plath, E. B\u00f6rnstein, Fock, Wegscheider, Antrick, Rathgen, Rimbach, Marckwald.\nUnter der Direktion von M. Fleischer: M. Schmoeger, C. Claessen, R. Albert.\nUnter der Direktion von E. Buchner: Braren, C. von der Heide, Spitta, Meisenheimer, Scheda, Antoni, Wedemann, Stillich, Zerban.\nLebenslauf des Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Landolt.\nHans Landolt, geb. 5. Dezember 1831 in Z\u00fcrich, studierte an den Universit\u00e4ten Z\u00fcrich, Breslau, Berlin und Heidelberg, wobei er sich 1853 an der zweitgenannten den philosophischen Doktorgrad erwarb. Im Sommer 1856 habilitierte er sich in Breslau als Privatdozent f\u00fcr Chemie, wurde sodann 1857 au\u00dferordentlicher, 1867 ordentlicher Professor an der Universit\u00e4t Bonn, und kam 1870 an die Technische Hochschule in Aachen. Im Jahre 1880 \u00fcbernahm er den Unterricht in der anorganischen und organischen Chemie an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, war deren erster Rektor 1881\u20141883, und blieb an der Hochschule bis Herbst 1891, wo sein \u00dcbertritt an die Berliner Universit\u00e4t stattfand.\nGeheimer Ober-Regierungsrat Professor Dr. Moritz Fleischer.\nGeboren am 2. Januar 1843 zu Cleve. Studierte Chemie von 1862\u20141867 in Berlin und Greifswald. Wurde in Greifswald am 14. Mai 1867 promoviert. Von 1867\u20141868 Assistent an der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in M\u00f6ckern. 1868\u20141869 Physiologische Studien an der Universit\u00e4t Berlin, 1869\u20141871 Assistent an der landwirtschaftlichen Versuchsstation Hohenheim, 1870\u20141871 Beteiligung am Feldzug in Frankreich, 1872\u20141875 Assistent an der landwirtschaftlichen Versuchsstation Weende-G\u00f6ttingen, 1875\u20141877 Dirigent der landwirtschaftlichen Versuchsstation Bonn, 1877\u201491 Dirigent der Moor - Versuchsstation zu Bremen, 1891\u20141898 etatsm\u00e4giger Professor an der landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, 1897\u20141898 Rektor derselben, von 1898 an Vortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Land-\nwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\nVer\u00f6ffentlichungen:\n\u00dcber die Einwirkung von Benzolchlorid auf Anilin................1866\n\u201e Sulfobenzol und Disulfobenzol...............................1866\n\u201e Thionessol..................................................1867\n\u201e Fettbildung im Tierk\u00f6rper...................................1870\n\u201e Einflug der Ern\u00e4hrung auf die Milchproduktion ....\t1871\n\u201e Diffusionsschnitzel und deren Futterwert....................1873\n\u201e Respirationsversuche........................................1874\n\u201e die T\u00e4tigkeit der Zentral-Moor-Kommission...................1879\n,, die T\u00e4tigkeit der Moor-Versuchs-Station . . . 1883, 1886, 1890 \u201e die Versuche des Vereins z. F\u00f6rderung d. Moorkultur 1893\u20141897 \u201e die Torfstreu, ihre Herstellung und Verwendung ....\t1891","page":159},{"file":"p0160.txt","language":"de","ocr_de":"160\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDie Bodenkunde auf chemischer u. physikal. Grundlage 1896, 1898, 1902 Verstreute Abhandl. i. d. Protokollen d. Zentral-Moor-Komm. 1877\u20141905 ,, \u201e i. d. Mitt. des Vereins z. F\u00f6rderung d. Moorkultur 1883\u20141905 u. a. m. Von 1880\u20141891 Redakteur des Biedermann\u2019schen Zentralblattes.\n20. Das tierphysiologische Institut.\nVorsteher: Geh. Regierungsrat Professor Dr. Zuntz.\n(Hierzu Abb. 35.)\nIn mancher Hinsicht typisch f\u00fcr den Geist, in welchem die landwirtschaftliche Hochschule gegr\u00fcndet wurde, ist das tierphysiologische Institut derselben. Wie neben dem praktischen Pflanzenbau die wissenschaftliche Botanik und Pflanzenphysiologie, so sollten neben der Zootechnik und der speziellen Lehre von Zucht und Haltung der einzelnen Haustierarten die wissenschaftliche Zoologie und die Tierphysiologie als zwei selbst\u00e4ndige Lehr- und Forschungsgebiete vertreten sein. Gerade die Gr\u00fcndung eines selbst\u00e4ndigen tierphysiologischen Instituts an der landwirtschaftlichen Hochschule war eine Neuerung im Sinne der W\u00fcrdigung des Wertes rein wissenschaftlicher Forschung f\u00fcr die Praxis der Landwirtschaft. Darum ist es wohl berechtigt, jetzt, nachdem dieses Institut mit der Hochschule auf eine 25j\u00e4hrige T\u00e4tigkeit zur\u00fcckblicken darf, sich zu fragen, was das Institut geleistet und ob es sich als daseinsberechtigt bew\u00e4hrt hat. Schwer ist es freilich dem Berichterstatter, sich objektiv dem mit ihm seit 25 Jahren verwachsenen Institut gegen\u00fcber zu stellen, doch m\u00f6chte er es versuchen.\nDie Gr\u00fcndung des Instituts war eine Neuerung auch insofern, als die grundlegende Bedeutung, welche der Physiologie f\u00fcr den Aufbau der medizinischen Wissenschaft zukommt, dazu gef\u00fchrt hatte, die Lehrst\u00fchle und Institute unseres Faches \u00fcberall der medizinischen Fakult\u00e4t anzugliedern. Naturgem\u00e4\u00df beeinflu\u00dfte diese Angliederung die Art der physiologischen Forschung und mehr noch den physiologischen Unterricht. Sie lie\u00df beide in erster Linie den Menschen, und diesen wieder insbesondere vom Standpunkt der Heilkunde aus betrachten. Es ist aber klar, da\u00df eine solche Behandlungsweise der Physiologie unm\u00f6glich die ganze Bedeutung derselben als Grundlage der Tierhaltung zur Entwicklung bringen konnte. Gerade die Fragen des Stoffwechsels und der Ern\u00e4hrung, welche die Grundlage der F\u00fctterungslehre bilden m\u00fcssen, waren zu einseitig im Hinblick auf den Menschen bearbeitet worden. Hatte man auch das Tierexperiment in weitem Umfange herangezogen, so war dies doch mehr als Illustration der Vorg\u00e4nge beim Menschen geschehen. Unter den Tieren betrachtete man der Einfachheit des Verdauungsapparates wegen den Fleischfresser am eingehendsten und kam so zu unberechtigten Verallgemeinerungen der an ihm beobachteten Tatsachen. Hierdurch","page":160},{"file":"p0161.txt","language":"de","ocr_de":"20. Das tierphysiologische Institut.\n161\nwurde namentlich unsere Auffassung von der Bedeutung des Eiwei\u00dfes unter den N\u00e4hrstoffen durch Jahrzehnte verschoben.\nZur Zeit der Begr\u00fcndung des Instituts schienen dem Referenten die Beziehungen zwischen Nahrung und Kraftleistung des K\u00f6rpers am meisten geeignet, die Vorg\u00e4nge der Ern\u00e4hrung und des Stoffwechsels einheitlich zu deuten und verst\u00e4ndlich zu machen. Es war ihm im Verein mit v. Mering gelungen, nachzuweisen, dag die damals \u00fcblichen Vorstellungen, als bedinge die Nahrung die Intensit\u00e4t der Umsetzungen in \u00e4hnlicher Weise wie Art und Menge des Brennmaterials die Gr\u00f6\u00dfe des Feuers in einem Ofen, nicht richtig sei. Dag vielmehr die Nahrung nur insoweit den Stoffwechsel steigert, wie sie dem Verdauungsapparat Arbeit auferlegt. Aber noch eine zweite grundlegende Tatsache ergab sich bei jenen Untersuchungen, die n\u00e4mlich, da\u00df es chemische Substanzen von fermentartiger Wirkung gibt, welche den Umsatz im Tierk\u00f6rper steigern, so lange sie im Blut zirkulieren.\nAn diese Erfahrungen kn\u00fcpften die ersten Arbeiten im neuen Institut an. Bald konnte diesen Arbeiten ein gr\u00f6\u00dferer Umfang gegeben werden, weil sich aus den Kreisen der in Berlin lebenden Naturforscher und \u00c4rzte selbstlose Mitarbeiter an den Aufgaben des Instituts fanden. So wurde allm\u00e4hlich der Einflug der \u00e4u\u00dferen Reize, der Temperatur, des Lichtes und des die Wirkung aller dieser Reize vermittelnden zentralen Nervensystems auf den Stoffwechsel aufs neue und zum teil von neuen Gesichtspunkten aus untersucht. Andererseits kam der Gedanke, dag die Leistungen des Organismus die Gr\u00f6\u00dfe seines Stoffverbrauchs bedingten, zur exakten Pr\u00fcfung und Ausgestaltung in den Untersuchungen \u00fcber den Stoffverbrauch bei der Muskelt\u00e4tigkeit. In diesen Untersuchungen wurde die Art und Gr\u00f6\u00dfe des Stoffverbrauchs bei den verschiedenen Formen der Muskelt\u00e4tigkeit, also der Arbeit des Menschen und der wichtigsten Haustiere einer genauen Messung unterworfen. Angesichts der enormen Wichtigkeit, welche die Beziehungen zwischen Leistung und Stoffverbrauch der Tiere besitzen, werden diese Untersuchungen bis heute noch fortgesetzt. Eine Art Gegenst\u00fcck zu ihnen bilden Untersuchungen an Tieren, bei denen die Muskelt\u00e4tigkeit k\u00fcnstlich vollkommen ausgeschlossen ist. Bei ihnen verl\u00e4uft der Stoffverbrauch mit einer au\u00dferordentlichen Gleichm\u00e4\u00dfigkeit, und so ergab sich die M\u00f6glichkeit, den Einflu\u00df verschiedenartiger chemischer Stoffe, der Bestandteile der Nahrung, und der Absonderungen der einzelnen Organe des K\u00f6rpers auf die Stoffwechselvorg\u00e4nge zu studieren. Besonders bedeutungsvoll unter diesen Untersuchungen erscheinen diejenigen, welche den Einflu\u00df der Geschlechtsdr\u00fcsen und der Schilddr\u00fcse auf den Stoffwechsel erwiesen haben.\nBei all diesen Untersuchungen war es die Atmung, deren Messung den exakten Ausdruck f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe der Stoffwechselvorg\u00e4nge abgab.\nFestschrift d. landvv. Hochschule.\t11","page":161},{"file":"p0162.txt","language":"de","ocr_de":"162\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nSo kam es, dag im Laufe der Jahre eine Anzahl verschiedener Methoden zur Messung des Atemprozesses an den verschiedensten Tieren und unter den verschiedensten Lebensverh\u00e4ltnissen konstruiert und erprobt wurden. Diese Apparate haben auch in andern Instituten vielfache Benutzung gefunden.\nDie Verwendung der Atmung als Mag des Stoffwechsels machte ein genaueres Studium der nerv\u00f6sen Mechanismen, durch welche die Atmung geregelt wird, notwendig; so entstanden die Untersuchungen \u00fcber die Regulation der Atmung (mit Geppert).\nDie Verfolgung der Frage nach der Abh\u00e4ngigkeit des Stoffumsatzes von den \u00e4ugeren Momenten f\u00fchrte naturgem\u00e4g zur Er\u00f6rterung der Bedeutung der Sauerstoffzufuhr f\u00fcr die Intensit\u00e4t der Lebensprozesse und damit zu Untersuchungen \u00fcber die Wirkungen verschieden sauerstoffreicher Gasgemische und der Verdichtung und Verd\u00fcnnung der Luft auf die Stoffwechselprozesse (Loewy, Durig). In konsequenter Verfolgung dieser Gesichtspunkte entstanden die Untersuchungen \u00fcber die Wirkung des H\u00f6henklimas auf den Menschen, welche soeben mit den Herren Caspari, Loewy, M\u00fcller in einem gr\u00f6geren Werke bearbeitet wurden. Bei den eben betrachteten Aufgaben mugten nat\u00fcrlich die Lebensprozesse als solche ohne R\u00fccksicht auf unmittelbar in die Praxis zu \u00fcbertragende Ergebnisse ins Auge gefagt werden: dennoch bedarf es wohl keiner besonderen Er\u00f6rterung, dag sie die Grundlage vielfacher praktisch wichtiger Folgerungen darstellen.\nNeben diesen weitschichtigeren Aufgaben wurden aber stets auch Themata, welche zur Praxis in unmittelbarer Beziehung stehen, bearbeitet. Von solchen seien genannt: die Untersuchungen \u00fcber den Stoffverbrauch des Arbeitspferdes, diejenigen \u00fcber die Wirkung der sauren Futterstoffe, speziell der Oxals\u00e4ure enthaltenden auf die Ern\u00e4hrung und die Knochenbildung, Untersuchungen \u00fcber die Traberkrankheit der Schafe, \u00fcber die Lecksucht der Rinder (mit Prof. Ostertag). Ferner noch jetzt im Gange befindliche Untersuchungen \u00fcber Teichwirtschaft und F\u00fctterung der Fische, welche an mehr theoretische Untersuchungen des Stoffwechsels und der Atmung der Fische ankn\u00fcpfen. Begonnen wurden ferner und sollen in gr\u00f6gerem Umfange weiter gef\u00fchrt werden Untersuchungen \u00fcber Brut und Aufzucht des Gefl\u00fcgels.\nIn demselben Sinne wie die Forschungsarbeit im Institut der Tierhaltung Gesichtspunkte und Lehren liefern sollte, so war dem physiologischen Unterricht die Aufgabe gestellt, auf das Wissen, die Anschauung und das Denken des angehenden Landwirts dermagen einzuwirken, dag ein gr\u00fcndliches Verstehen des Ineinandergreifens der Lebensprozesse und ihrer Abh\u00e4ngigkeit von der Organisation des K\u00f6rpers, von der umgebenden Natur und von der Ern\u00e4hrung erstrebt wurde. In dem Sinne hatte von den beiden in jedem Jahre statt-","page":162},{"file":"p0163.txt","language":"de","ocr_de":"20. Das tierphysiologische Institut.\n1G3\nfindenden Hauptvorlesungen die Sommervorlesung zur Aufgabe, einen\u00dcber-blick des Baues, des Werdeganges und der Funktionen aller Organe zu geben. Am eingehendsten wurde hierbei die Lehre von der Zeugung und Entwicklung behandelt, entsprechend ihrer Bedeutung als Grundlage der Z\u00fcchtungslehre. Zur Erg\u00e4nzung dieser Vorlesung dient das tier-physiologische Praktikum, in welchem durch mikroskopische Untersuchungen und einfache experimentelle Arbeiten das Bild des Aufbaues des Tierk\u00f6rpers vervollst\u00e4ndigt wird und zugleich einige, auch dem\nAbb. 35. Tierphysiologisches Institut.\nLandwirt wichtige Untersuchungsmethoden ge\u00fcbt werden. Die Wintervorlesung behandelt die Lehre vom Stoffwechsel und der Ern\u00e4hrung der Tiere eingehender. Erg\u00e4nzend treten hierzu Vorlesungen \u00fcber Gesundheitspflege der Haustiere, \u00fcber die Funktion der Sinnesorgane, speziell mit R\u00fccksicht auf die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4rungsindustrie. Ferner Unterweisungen in der Technik der Stoffwechseluntersuchungen, wobei einzelne Studierende soweit kamen, dag sie Aufgaben aus dem Bereiche des Forschungsgebietes des Instituts bearbeiten konnten.\nDie im vorstehenden geschilderten Aufgaben des Instituts bedingten in dem Mage, wie sie an Umfang wuchsen, steigende Anforderungen an Arbeitskr\u00e4fte und Raum. So wurden die anfangs dem Institute zugewiesenen R\u00e4umlichkeiten im Erdgeschog des Museumsgeb\u00e4udes bald zu klein. Es wurden zwei angrenzende S\u00e4le, dann\n11*","page":163},{"file":"p0164.txt","language":"de","ocr_de":"164\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\neinige R\u00e4ume im Keller zu Hilfe genommen. Ferner ward, als die Stoffwechselversuche an Pferden begannen, ein allerdings enger und notd\u00fcrftiger Stall zwischen chemischem Institut und Nachbargrundst\u00fcck errichtet. Als dann vor sieben Jahren das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe nach der Seestrage verlegt wurde, erhielt das tierphysiologische Institut die hierdurch frei gewordenen R\u00e4ume. Schon der Umstand, das dieses Geb\u00e4ude urspr\u00fcnglich ganz andern Zwecken bestimmt war, gab auch dieser Einrichtung einen provisorischen Charakter.\nDas Bed\u00fcrfnis des Instituts nach gr\u00f6geren und seinen speziellen Zwecken angepagten R\u00e4umlichkeiten ist auch von den Vorgesetzten Beh\u00f6rden in dankenswerter Weise anerkannt worden. Die Erwerbung des nach der Kesselstrage sich erstreckenden Hinterlandes der Hochschule bietet die M\u00f6glichkeit, wie manchen andern Bed\u00fcrfnissen, so auch dem Notst\u00e4nde des tierphysiologischen Instituts, abzuhelfen. Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Neubau, welche namentlich das Bed\u00fcrfnis, an grogen Haustieren umfagendere Untersuchungen zu machen, ber\u00fccksichtigen, sind bereits aufgestellt. Wenn dieselben in der geplanten Weise zur Durchf\u00fchrung kommen, darf man mit Zuversicht hoffen, dag das tierphysiologische Institut in viel gr\u00f6gerem Umfange noch als bisher sich der Tierzucht und Tierhaltung f\u00f6rderlich erweisen wird.\nDie im Institut ausgef\u00fchrten Arbeiten sind in folgenden Zeitschriften ver\u00f6ffentlicht worden:\nPfl\u00fcgers Archiv f\u00fcr die gesamte Physiologie. \u2014 du Bois Reymonds, sp\u00e4ter Engelmanns Archiv f\u00fcr Physiologie. Hoppe-Seylers Zeitschrift f\u00fcr physiologische Chemie. \u2014 Hofmeisters Beitr\u00e4ge zur chemischen Physiologie und Pathologie. \u2014 Verhandlungen der physiologischen Gesellschaft zu Berlin. \u2014 Zentralblatt f\u00fcr die medizinischen Wissenschaften. Biologisches Zentralblatt. Thiels Landwirtschaftliche Jahrb\u00fccher. \u2014 Landwirtschaftliche Versuchsstationen.\tJournal f\u00fcr Landwirtschaft. \u2014 Zeitschrift f\u00fcr physi-\nkalische und di\u00e4tetische Therapie. \u2014 Berliner klinische Wochenschrift. Deutsche medizinische Wochenschrift. \u2014 Zeitschrift f\u00fcr experimentelle Pathologie und Therapie. \u2014 Deutsches Archiv f\u00fcr klinische Medizin. Zeitschrift f\u00fcr klinische Medizin. \u2014 Virchows Archiv f\u00fcr pathologische Anatomie und Physiologie. \u2014 Archiv f\u00fcr Gyn\u00e4kologie. \u2014 Zeitschrift f\u00fcr Fischerei und deren H\u00fclfswissenschaften. Fischerei-Zeitung, Neudamm. \u2014- Allgemeine Fischerei-Zeitung, M\u00fcnchen. Landwirtschaftliche Presse. \u2014 Zeitschrift der Vereins f\u00fcr die R\u00fcbenindustrie.\nIn Buchform erschienen u. a. : Untersuchungen an zwei hungernden Menschen(imVerein mit C.Lehmann, Fr. M\u00fcller, J.Munk,H.Senator). Untersuchungen \u00fcber den Stoffwechsel des Pferdes bei Ruhe und Arbeit (mit C. Lehmann und 0. Hagemann).\nPhysiologie des Marsches (mit Schumburg).\nH\u00f6henklima und Muskelarbeit in ihrer Wirkung auf den Menschen (mit Loewy, M\u00fcller und Caspari).\nAuf Grund von im Institut ausgef\u00fchrten Untersuchungen wurden ferner folgende Monographien ver\u00f6ffentlicht:","page":164},{"file":"p0165.txt","language":"de","ocr_de":"20. Das tierphysiologische Institut.\n1G5\nA. Loewy, Respiration und Zirkulation bei \u00c4nderung des Druckes und des Sauerstoffgehaltes der Luft.\nDerselbe mit H. von Schroetter. Untersuchungen \u00fcber die Blutzirkulation beim Menschen.\nLeo Zuntz, der Stoff- und Energieverbrauch des Radfahrers.\nAls Assistenten fungierten am Institut:\nDr. Curt Lehmann, jetzt Vorsteher des zootechnischen Instituts.\nDr. Johannes Frentzel f 1902.\nDr. 0. Hagemann, jetzt Professor und Leiter des tierphysiologischen Institut an der landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf.\nC. Knauthe, f\u00fcr die fischereilichen Untersuchungen.\nJetzt sind als Assistenten t\u00e4tig die Herren:\nPrivatdozent Dr. W. Caspari,\nTierarzt Paechtner,\nDr. W. Cronheim,\nDr. J. Strigel,\nDr. Carl Oppenheimer.\nDer Institutsleiter N. Zuntz, geboren zu Bonn am 6. Oktober 1847 promovierte in Bonn 1. August 1868, war erst prakt. Arzt, dann Assistent am physiologischen Institut zu Bonn, habilitierte sich dort 1871, erhielt 1873 den Lehrauftrag f\u00fcr Physiologie an der landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf, wurde 1874 Professor extraordinarius und Prosektor an der Anatomie und trat im Fr\u00fchjahr 1881 seine jetzige Stellung an.\n21. Agrikulturchemische Versuchsstation.\n(Institut f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen und Bakteriologie.)\nVorsteher: Professor Dr. Lemmermann.\n(Hierzu Abb. 36 u. 37.)\nDie agrikulturchemische Versuchsstation f\u00fcr die Provinz Brandenburg, welche im Jahre 1857 in Dahme gegr\u00fcndet wurde und der Verwaltung der Landwirtschaftskammer untersteht, ist im Jahre 1905 auf Veranlassung des Wirkl. Geh. Ober-Regierungsrates und Ministerialdirektors Herrn Dr. H. Thiel durch Vertrag des Kgl. Preug. Landwirtschaftsministeriums und der Landwirtschaftskammer in der Weise mit der landwirtschaftlichen Hochschule vereinigt worden, dag die agrikulturchemische Versuchsstation zugleich die Aufgaben des fr\u00fcheren Instituts f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen und Bakteriologie mit\u00fcbernommen hat. Zu diesem Zwecke wurde die agrikulturchemische Versuchsstation direkt in die R\u00e4ume der landwirtschaftlichen Hochschule verlegt und dem Direktor die etatsm\u00e4gige Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen \u00fcbertragen.\nDie T\u00e4tigkeit der Versuchsstation hat sich infolge dieser Verschmelzung nicht unwesentlich vergr\u00f6gert. Sie umfagt nunmehr auger der Lehrt\u00e4tigkeit des Direktors namentlich folgende Arbeitsgebiete:","page":165},{"file":"p0166.txt","language":"de","ocr_de":"VI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nm\n1.\tForschungen namentlich auf dem Gebiete der Agrikulturchemie und Agrikulturbakteriologie.\n2.\tAnstellung von Sortenanbauversuchen.\n3.\t\u00dcbertragung der bisher gewonnenen Resultate auf die landwirtschaftliche Praxis durch Anstellung von Demonstrationsversuchen etc.\n4.\tErteilung von Rat und Auskunft an Landwirte, Beh\u00f6rden etc.\n5.\tUntersuchung aller f\u00fcr die Landwirtschaft in Betracht kommenden Stoffe; es werden also durch die Versuchsstation ausgef\u00fchrt:\na)\tUntersuchungen der k\u00fcnstlichen D\u00fcngemittel,\nb)\tUntersuchungen\tder\tFuttermittel,\nc)\tUntersuchungen\tder\tS\u00e4mereien,\nd)\tUntersuchungen\tvon\tB\u00f6den, Kalk,\tMergel,\ne)\tUntersuchungen\tvon\tErnteprodukten,\twie R\u00fcben, Kartoffeln,\nGerste etc.\nf)\tUntersuchungen aller anderen landwirtschaftlichen Produkte und Gebrauchsgegenst\u00e4nde.\nDazu kommt:\ndie theoretische und praktische Unterweisung der Studierenden auf allen diesen Gebieten.\nEntsprechend ihrer umfassenden T\u00e4tigkeit gliedert sich die Versuchsstation in mehrere Abteilungen.\nDie beiden Hauptabteilungen sind:\nI.\tDie Abteilung f\u00fcr die Untersuchung von D\u00fcngemitteln, Futtermitteln, S\u00e4mereien, B\u00f6den und sonstigen landwirtschaftlichen Gebrauchsgegenst\u00e4nden. (Kontrollstation.)\nII.\tDie Abteilung f\u00fcr Versuchswesen. (Versuchsstation.)\nDie Kontrollt\u00e4tigkeit ist in den letzten Jahren in sehr erheblichem Mage gestiegen.\nW\u00e4hrend in dem Jahre 1857\t77 Proben\n1874\t124\n1884\t605\n1894\t1350\nzur Untersuchung gelangten, wurden im Jahre\n1904 4913 Proben\nuntersucht und f\u00fcr das laufende Jahr 1905 wird die Zahl wieder um mehr als 1400 Proben wachsen.\nDie Kontrollstation besteht wiederum aus zwei Abteilungen, der chemischen Abteilung und der botanischen Abteilung. Beide Abteilungen unterstehen seit der Verlegung der Station nach Berlin besonderen Abteilungsvorstehern.\nDie Versuchst\u00e4tigkeit der Station bewegt sich seit ihrer Begr\u00fcndung haupts\u00e4chlich auf dem Gebiete der Agrikulturchemie, und die Arbeiten, namentlich ihres ersten Leiters, Hellriegel, sind, wie all-","page":166},{"file":"p0167.txt","language":"de","ocr_de":"21. Agrikulturchemische Versuchsstation.\n167\nbekannt, von weitgehendster Bedeutung f\u00fcr die Entwickelung der Landwirtschaft gewesen.\nSeit der Verlegung der Station nach Berlin ist durch die Errichtung einer bakteriologischen Abteilung daf\u00fcr Sorge getragen, dag auch der Erforschung der landwirtschaftlich wichtigen Mikroorganismen, speziell derjenigen des Bodens, die geb\u00fchrende Pflege zu teil wird. Auch diese Abteilung ist einem besonderen Abteilungsvorsteher unterstellt.\nAbb. 36, Pliosphors\u00e4ure-Laboratorium in der agrikulturchemischen Versuchsstation.","page":167},{"file":"p0168.txt","language":"de","ocr_de":"168\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nEbenso sind f\u00fcr die Vegetationsversuche sowie f\u00fcr das Versuchsfeld besonders vorgebildete Assistenten angestellt.\nAls besonders dankbare und den Zielen der landwirtschaftlichen Hochschule f\u00f6rderliche Aufgabe ist der Versuchsstation seitens des Ministeriums ferner die gestellt: junge Chemiker, Botaniker und Landwirte, welche sich die n\u00f6tige Vorbildung erworben haben, f\u00fcr den Dienst des landwirtschaftlichen Versuchs- und Untersuchungswesens auszubilden. Um diese wichtige Aufgabe zu f\u00f6rdern, k\u00f6nnen in besonderen F\u00e4llen geeigneten Kandidaten Stipendien verliehen werden.\nZur Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben stehen der Versuchsstation au\u00dfer den n\u00f6tigen Arbeitsr\u00e4umen noch zwei Gew\u00e4chsh\u00e4user sowie ein Versuchsfeld zur Verf\u00fcgung.\nDie Laboratoriumsr\u00e4ume (siehe Grundrisse 15 und 16, S. 42 u. 43) etc. befinden sich im dritten und vierten Stock des Erweiterungsbaues der landwirtschaftlichen Hochschule.\nIm dritten Stock sind enthalten: Die verschiedenen Laboratorien, die Vorbereitungszimmer, das Unterrichtslaboratorium, das Gesch\u00e4ftszimmer, die Bibliothek und ein Teil der Sammlung.\nIm vierten Stock: Das botanische Laboratorium f\u00fcr die Untersuchung von Futtermitteln, S\u00e4mereien etc., das bakteriologische Laboratorium, ein Schreibzimmer, ein Sammlungsraum sowie das Zimmer des Direktors.\nDie n\u00e4here Anordnung der Zimmer ergibt sich aus den Grundrissen 15 und 16.\nDie Einrichtung der Arbeitsr\u00e4ume entspricht durchaus den modernen Anforderungen, namentlich ist auch die Elektrizit\u00e4t in ausgedehntem Ma\u00dfe als Kraftquelle zum Betriebe der M\u00fchlen, Siebe, R\u00fchr- und Sch\u00fcttelapparate, sowie als W\u00e4rmequelle f\u00fcr die Fettextraktion etc. benutzt worden.\nDie Gew\u00e4chsh\u00e4user befinden sich auf dem Versuchsfelde in Dahlem. Das eine Vegetationshaus besitzt verschiebbare Glasw\u00e4nde und verschiebbares Glasdach und dient f\u00fcr die Anstellung von Freilandsversuchen. Durch die verschiebbaren Schutzeinrichtungen k\u00f6nnen 54 kleinere Parzellen vor den Unbilden der Witterung gesch\u00fctzt werden.\nDieses Gew\u00e4chshaus hat sich bisher sehr gut bew\u00e4hrt und erm\u00f6glicht die exakte Anstellung von D\u00fcngungsversuchen unter Verh\u00e4ltnissen, welche der Praxis m\u00f6glichst angepa\u00dft sind. Eine n\u00e4here Beschreibung dieses Hauses befindet sich in Bd. 55 der \u201eLandwirtschaftlichen V ersuchsstationen. \u201c\nDas zweite Vegetationshaus ist z. Z. noch nicht fertiggestellt. Au\u00dfer einem kleinen Arbeitsraum wird dasselbe je einen durch Glas und durch Drahtgeflecht abgeschlossenen Raum f\u00fcr etwa 400 Vegetationsgef\u00e4\u00dfe enthalten.","page":168},{"file":"p0169.txt","language":"de","ocr_de":"21. Agrikulturchemische Versuchsstation.\nDas Versuchsfeld in Dahlem wird weiter unten eingehend beschrieben werden.\nfteubau. eines T\u00eageletion-sfaubses.\nAbb. 37. Versuchsfeld der agrikulturchemischen Versuchsstation in Dahlem. Erkl\u00e4rung auf S. 170.\nVersuchst\u00e4tigkeit in der Praxis.\nAuger auf dem Versuchsfelde stellt die Versuchsstation in jedem Jahre sowohl Anbauversuche als auch D\u00fcngungsversuche in der Praxis an.","page":169},{"file":"p0170.txt","language":"de","ocr_de":"170\nVI, Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDurch diese Versuche wird je nach der Art ihrer Anstellung ein dreifacher Zweck verfolgt. Einmal sollen sie zum weiteren Ausbau der D\u00fcngerlehre sowie zur Kenntnis des Anbaues der verschiedenen Kulturgew\u00e4chse beitragen, sodann aber auch schon feststehende Forschungsergebnisse weiteren Kreisen durch das Experiment auf eigenem Grund und Boden bekannt machen und schlie\u00dflich die Landwirte zur selbstst\u00e4ndigen Versuchsanstellung veranlassen.\nDas Versuchsfeld der agrikulturchemischen Versuchsstation.\n(siehe Plan auf S. 169) ist 46 400 qm gro\u00df und liegt 57 m \u00fcber dem Meeresspiegel. Der Boden geh\u00f6rt geologisch zur Form des oberen Diluvialmergels und ist bis zu einer Tiefe von 50 cm als lehmiger Sand und darunter als sandiger Lehm zu bezeichnen.\nZum Unterbringen der Ernte, des Saatgutes und der Ackerger\u00e4te dient eine 29 m lange und 8 m breite Scheune, an welche die Wohnung des Versuchsfeldaufsehers angebaut ist.\nDie Feldarbeiten werden durch einen Stamm von eingearbeiteten Leuten, die im Bed\u00fcrfnisfalle durch von der Dom\u00e4ne Dahlem gestellte Arbeitskr\u00e4fte unterst\u00fctzt werden, ausgef\u00fchrt. Die Spannarbeiten werden von der Dom\u00e4ne Dahlem geleistet. Zur leichteren Ausf\u00fchrung der auf dem Versuchsfelde notwendigen Fuhren dient eine Feldbahn.\nEinteilung des Versuchsfeldes.\na) Sortenanbauversuche.\nDas Versuchsfeld ist in f\u00fcnf Felder (A, B, C, D, E) eingeteilt. Auf den Feldern A, C, D und E werden haupts\u00e4chlich Sortenanbauversuche ausgef\u00fchrt. Bei diesen erhalten alle angebauten Feldfr\u00fcchte, um den Acker m\u00f6glichst gleichartig zu erhalten, dieselbe j\u00e4hrliche Grundd\u00fcngung von 1000 kgKainitund500 kg Thomasphosphat pro ha. Eine Stallmistd\u00fcngung von 400 dz pro ha wird alle vier Jahre und zwar gew\u00f6hnlich zu Hackfr\u00fcchten gegeben. Kalk ist dem ganzen Felde, teilweise als Kalkmergel, teilweise als Atzkalk, in gen\u00fcgender Menge zugef\u00fchrt worden.\nDie Stickstoffgabe regelt sich in Form und Menge nach den Bed\u00fcrfnissen der einzelnen Gew\u00e4chse. Zum Anbau gelangen erstens solche Sorten, deren Anbauwert f\u00fcr die gegebenen Verh\u00e4ltnisse festgestellt werden soll (haupts\u00e4chlich als Vorpfr\u00fcfungen f\u00fcr in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstabe durchzuf\u00fchrende Feldversuche), und dann solche, die zu Demonstrationen f\u00fcr die Studierenden der Hochschule als besonders geeignet erscheinen.\nb) D\u00fcngungsversuche.\nAuf St\u00fccken, die aus den Feldern A, C, D und E nach Bedarf ausgeschnitten werden, gelangen D\u00fcngungsversuche zur Durchf\u00fchrung, deren Anstellung zur Bestimmung des D\u00fcngerbed\u00fcrfnisses einzelner Kulturpflanzen oder zu Demonstrationszwecken w\u00fcnschenswert erscheint.","page":170},{"file":"p0171.txt","language":"de","ocr_de":"21. Agrikulturchemische Versuchsstation.\n171\nAuger diesen kleinen D\u00fcngungsversuchen wird auf dem Felde B ein mehrj\u00e4hriger D\u00fcngungsversuch in gr\u00f6gerem Magstabe durchgef\u00fchrt.\nPermanenter D\u00fcngungsversuch.*)\nIdee des Versuches:\nUm den Einflug bestimmter Stoffe auf die Vegetation kennen zu lernen, sollen verschiedene K-, N-, P- und Ca-Formen fortgesetzt vergleichend gepr\u00fcft werden. Augerdem soll der Versuch die Erfolge einer rationellen D\u00fcngerwirtschaft zur Darstellung bringen.\nEinteilung des B-Feldes.\nDas Feld B ist ein ha grog. Es ist in vier gleiche St\u00fccke (B I, B II, B III, B IV) geteilt, von denen dann jedes f\u00fcr sich wieder in 15 Parzellen (1\u201415) zerlegt ist. Die einzelnen Parzellen sind 5 X 29 = 145 qm grog. Den L\u00e4ngsseiten des Feldes sind 2,5 m breite Schutzstreifen vorgelagert.\nFruchtfolge: Die 15 nebeneinander liegenden Parzellen eines St\u00fcckes werden mit derselben Frucht bestellt. Zum Anbau gelangen: Roggen, Kartoffeln, Hafer und Erbsen in der Reihenfolge der Aufz\u00e4hlung.\nD\u00fcngung: In den Jahren 1903 und 1904 erhielten alle Parzellen eine j\u00e4hrliche D\u00fcngung von 60 kg N, 60 kg P2 O-, 120 kg K2 O und 20 dz CaO pro ha. Ausgenommen waren: Parzelle 4 (ohne Kali) Parzelle 8 (ohne Stickstoff), Parzelle 12 (ohne Phosphors\u00e4ure), Parzelle 15 (ohneKalk). F\u00fcr jedes vierte Jahr wurde eine Stallmistd\u00fcngung von 400 dz pro ha vorgesehen.\nVon 1905 an erm\u00e4gigte sich die D\u00fcngung und gestaltete sich wie folgt:\nk30\t\tN\tP, o3\tCaO\tStallmist\nD\u00fcngung pro\tha zu Roggen 120 kg\t15 kg\t\u2014\t\t\t\u2014\n11 11\t\u201e \u201e Kartoff. 60 kg\t15 kg\t30 kg\t\u2014\t100 Dz\n11 11\t\u201e \u201e Hafer\t30 kg\t30 kg\t\u2014\t\n11 11\t\u201e\t\u201e Erbsen\t60 kg\t\t60 kg\t20 Dz j\t\u2014\nLebenslauf des Professor Dr. Lemmermann.\nOtto Julius Lemmermann wurde am 1. Juli 1869 zu Buxtehude, Provinz Hannover, geboren. Nach dem Verlassen der Schule bezog derselbe die Universit\u00e4t in G\u00f6ttingen und Jena. In Jena begann er seine speziellen agrikulturchemischen Studien und trat zugleich als Assistent in die dortige agrikulturchemische Versuchsstation ein. Auf Grund einer agrikulturchemischen Arbeit erwarb er 1896 die Doktorw\u00fcrde. In demselben Jahre wurde ihm der Bef\u00e4higungsnachweis als Nahrungsmittelchemiker zuteil und 1897 wurde er zum ersten Assisten und stellvertretenden\n*) Es wird beabsichtigt, diesen D\u00fcngungsversuch vom n\u00e4chsten Jahre an in anderer Form durchzuf\u00fchren.","page":171},{"file":"p0172.txt","language":"de","ocr_de":"172\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nLeiter der agrikulturchemischen Versuchsstation an der Universit\u00e4t Jena ernannt. Im Jahre 1900 habilitierte er sich als Privatdozent f\u00fcr Agrikulturchemie an der Universit\u00e4t Jena. Einem Rufe Folge leistend \u00fcbernahm er am 1. April 1904 die Leitung der agrikulturchemischen Versuchsstation f\u00fcr die Provinz Brandenburg in Dahme, welche im Sommer 1905 in die R\u00e4ume der landwirtschaftlichen Hochschule verlegt wurde. Am\n1.\tJuni 1905 wurde ihm die etatsm\u00e4\u00dfige Professur f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen an der landwirtschaftlichen Hochschule \u00fcbertragen, sowie die Leitung des Instituts f\u00fcr Versuchswesen und Bakteriologie der Hochschule, welches mit der agrikulturchemischen Versuchsstation zu gleicher Zeit organisch verbunden ward.\nPublikationen: An gr\u00f6\u00dferen Arbeiten wurden ver\u00f6ffentlicht:\n1.\tBeitr\u00e4ge zur L\u00f6sung der Frage, inwieweit die Boden- und Pflanzenanalyse imstande ist, \u00fcber das D\u00fcngungsbed\u00fcrfnis eines Bodens Aufschlu\u00df zu geben.\n2.\tWirkung einer zur Vorfrucht gegebenen Kainitd\u00fcngung auf Kartoffeln.\n3.\tKritische Studien \u00fcber Denitrifikationsvorg\u00e4nge.\n4.\tLehrbuch \u00fcber D\u00fcngerlehre.\n5.\tUber den Einflu\u00df des Bodenvolumens auf die Entwicklung der Pflanzen.\n6.\tUntersuchungen \u00fcber den Einflu\u00df einiger sogenannter spezifischer Milchfuttermittel auf die Milchsekretion und die Zusammensetzung der Milch.\n7.\t\u00dcber den Einflu\u00df einiger Futtermittel auf die Beschaffenheit der Milchfette.\n8.\t\u00dcber den Einflu\u00df der F\u00fctterung auf die Beschaffenheit der K\u00f6rperfette.\nFerner in Gemeinschaft mit Professor Dr. Pfeiffer als dessen Mitarbeiter:\n9.\tWirkung verschiedener Kalisalze auf Zusammensetzung und Ertrag der Kartoffeln.\n10.\t\u00dcber Denitrifikationsvorg\u00e4nge.\n11.\t\u00dcber einen neuen Apparat f\u00fcr gasanalytische Untersuchungen.\n12.\tZur Methodik der D\u00fcnger-Konservierungsversuche.\n13.\tDenitrifikation und Stallmistwirkung.\n14.\t\u00dcber die Verwendung von Pepsinl\u00f6sung zur Untersuchung von Kot und Stallmist.\n15.\t\u00dcber den Wirkungswert des Stallmiststickstoffs und seine analytische Bestimmung.\n16.\tStallmist - Konservierung mit Superphosphatgyps, Kainit und Schwefels\u00e4ure.\nAssistenten:\tSeit der Vereinigung der agrikulturchemischen\nVersuchsstation mit dem Institut f\u00fcr Versuchswesen und Bakteriologie sind daselbst folgende wissenschaftliche Mit- respektive Hilfsarbeiter angestellt:\n1.\tDr. O. Foerster, Abteilungsvorsteher des chemischen Laboratoriums f\u00fcr die Untersuchung von D\u00fcngemitteln, Futtermitteln etc.\n2.\tW. Laschke, Abteilungsvorsteher des botanischen Laboratoriums f\u00fcr die Untersuchung von Futtermitteln, S\u00e4mereien etc.","page":172},{"file":"p0173.txt","language":"de","ocr_de":"21. Agrikulturchemische Versuchsstation.\t173\n3.\tDr. H. Fischer, Abteilungsvorsteher des bakteriologischen Laboratoriums.\n4.\tDr. Mei\u00dfner, I. chemischer Assistent.\n5.\tDr. Einecke, Assistent f\u00fcr Vegetationsversuche.\n6.\tDr. Dammann, Assistent f\u00fcr das Versuchsfeld.\n7.\tH. Hausding, II. chemischer Assistent.\n8.\tPescheck, III. chemischer Assistent.\n9.\tM\u00fcller, IV. chemischer Assistent.\n10.\tDr. Heim, V. chemischer Assistent.\n11.\tE. Merres, Volont\u00e4rassistent.\nLebenslauf des fr\u00fcheren Vorstehers des Instituts f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen und Bakteriologie, Prof. Dr. phil. Johann Theodor Remy.\nJohann Theodor Remy, geboren am 5. April 1868 in Vynen, Kreis Moers, Sohn des Gutsbesitzers Fr. Remy dortselbst, besuchte nacheinander die Volksschule seines Heimatsorts, die Rektoratsschule in Xanten, die berechtigte Landwirtschaftsschule in L\u00fcdinghausen. Darauf war er von 1885 bis 1891 in der landwirtschaftlichen Praxis t\u00e4tig und setzte gleichzeitig die vorbereitenden Studien als Extraneer fort. Von 1891 bis 1893 studierte er an der Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf und der Universit\u00e4t in Bonn Landwirtschaft und Naturwissenschaften. Von 1893 bis 1894 betrieb er an der Universit\u00e4t in G\u00f6ttingen landwirtschaftliche, naturwissenschaftliche und philosophische Studien. Von Ostern 1894 bis Dezember 1895 war er Assistent am Landwirtschaftlichen Institut der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen. Von Januar 1896 bis April 1901 zun\u00e4chst Assistent, dann Abteilungsvorsteher am Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation in Berlin. 1898 habilitierte er sich au\u00dferdem als Privatdozent an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin. Von April 1901 bis zum April 1905 ist er als etatsm\u00e4\u00dfiger Professor und als Vorsteher des Instituts f\u00fcr landwirtschaftliches Versuchswesen und Bakteriologie an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin t\u00e4tig gewesen. Von da ab bis heute ist er Professor f\u00fcr Landwirtschaft, Vorsteher des Instituts f\u00fcr Bodenlehre und Pflanzenbau und Leiter des Versuchsfeldes der Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf.\nNeben zahlreichen kleineren Originalabhandlungen \u00fcber wissenschaftliche Unternehmungen und Berichten \u00fcber Anbauversuche sind von 1901 bis 1905 folgende gr\u00f6\u00dfere Aufs\u00e4tze des Berichterstatters \u00fcber wissenschaftliche Arbeiten des Instituts erschienen :\n1.\tBodenbakteriologische Studien. Zentralbl. f. Bakteriologie. II. Bd. 8 Nr. 21 bis 24.\n2.\tBericht \u00fcber die T\u00e4tigkeit der erdbakteriologischen Versuchsanstalt der Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Brandenburg. Landbote. 1903. Nr. 24 bis 32.\n3.\tDie Z\u00fcchtung im Dienste des Hopfenbaues. Wochenschrift f. Brauerei. 1903. Nr. 35 u. 36.\n4.\tWelchen physiologischen Eigenschaften verdanken die bestehenden Gerstensorten ihre verschiedenartige F\u00e4higkeit, die Existenzbedingungen auf leichterem Boden zu finden? W. f. Brauerei. 1903. Nr. 43 bis 45.\n5.\tDie bakteriologische Untersuchung der Ackerb\u00f6den. Bericht des 5. Internationalen Kongresses f. angewdt. Chemie. Bd. Ill, S. 784 ff.\n6.\tZ\u00fcchtungsversuche mit Gerste. W. f. Br. 1905. Nr. 13.\nVon gr\u00f6\u00dferen Arbeiten, die in dem Institut unter seiner Leitung entstanden sind, seien erw\u00e4hnt :\n1. P. Ehrenberg: Die bakterielle Bodenuntersuchung in ihrer Bedeutung f\u00fcr die Feststellung der Bodenfruchtbarkeit. Ldw. Jahrb. 1904, Heft 1.","page":173},{"file":"p0174.txt","language":"de","ocr_de":"174\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n2.\tS\u00fcchting: Kritische Studien \u00fcber die Kn\u00f6llchenbakterien. Zentralbl. f. Bakt. II. 1904. Nr. 12 bis 18.\n3.\tS\u00fcchting: \u00dcber die sch\u00e4digende Wirkung der Kalirohsalze auf die Kartoffel. Ldw. Versuchsstationen. Jahrg. 1905. S. 397 bis 449.\nIm ganzen gingen von 1901 bis 1905 31 Originalmitteilungen aus dem Institut hervor. Vollst\u00e4ndiges Verzeichnis in den Jahresberichten der Hochschule.\n22. Betriebslehre, betriebswirtschaftliches Seminar und Geschichte der Landwirtschaft.\nVorsteher des Faches: Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Werner.\nDas Lehrziel der vom Referenten vertretenen Betriebslehre richtet sich haupts\u00e4chlich auf die Darstellung der neuzeitlichen Betriebsrichtung, wie sie durch den Preissturz der Mehrzahl der Ackerbauerzeugnisse und das Anwachsen der Lohnh\u00f6he, verbunden mit Arbeitermangel bedingt wird. Zur Erreichung dieses Zieles ist aber notwendig, neuere Zahlenangaben aus der Praxis zu erhalten, und zwar \u00fcber die H\u00f6he des Betriebskapitals, des Aufwandes zur Hervorbringung der Erzeugnisse von Ackerbau, Viehhaltung u. a. m., da \u00e4ltere, vielfach rein spekulativ aufgestellte Zahlenangaben dem Standpunkt der heutigen Lehre eine sichere Basis nicht mehr gew\u00e4hren.\nEntsprechend den g\u00e4nzlich ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnissen der Landwirtschaft ist also die Erlangung brauchbarer Zahlen aus der Praxis geboten. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft hat sich nun auf den Antrag des Referenten bereit erkl\u00e4rt, eine betriebswirtschaftliche Umfange an solche Mitglieder zu versenden, welche auf Grund ihrer Buchf\u00fchrung sichere Zahlenangaben machen k\u00f6nnen. Die Ergebnisse dieser Umfrage sollen ver\u00f6ffentlicht werden.\nIn der Lehre von der S ch\u00e4tzung sucht der Referent mit Hilfe eines vereinfachten Verfahrens die Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden, welche jetzt noch der Sch\u00e4tzung von G\u00fctern und Grundst\u00fccken entgegenstehen. Dieses vereinfachte Verfahren soll auch die Sicherheit der Sch\u00e4tzung erh\u00f6hen.\nDie Errichtung des betriebswirtschaftlichen Seminars erfolgte im Jahre 1889. Das Seminar stellt sich die Aufgabe, die wichtigsten Lehren der landwirtschaftlichen Betriebslehre, einschlie\u00dflich Sch\u00e4tzungskunde, Geschichte der Landwirtschaft und Buchf\u00fchrung noch einmal mit den Teilnehmern durchzusprechen. Hieran schlie\u00dfen sich \u00dcbungen in der Pr\u00fcfung und Umgestaltung von landwirtschaftlichen Betrieben. Zur Erreichung dieses Zweckes werden geeignete Betriebe besichtigt und ihre Einrichtungen kritisch besprochen.\nSelbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen nur H\u00f6rer \u00e4lterer Semester, die Betriebslehre bereits geh\u00f6rt haben, am Seminar teilnehmen. Ihre Zahl stieg von 20 auf 50 Teilnehmer an.","page":174},{"file":"p0175.txt","language":"de","ocr_de":"23. Das Studium der National\u00f6konomie auf der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule. 175\nDie Geschichte der Landwirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert hat in gro\u00dfen Z\u00fcgen den Verlauf der Entwicklung der Landwirtschaft darzustellen.\n23. Das Studium der National\u00f6konomie auf der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule.\nVertreter des Faches bis 1889: Gustav Schmollet\u2019, seitdem Max Sering.\nEs ist f\u00fcr den Landwirt nicht weniger wichtig, die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Berufst\u00e4tigkeit kennen zu lernen als die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Landbaues. Jener Aufgabe dienen die national\u00f6konomischen Vorlesungen und die \u00dcbungen im staatswissenschaftlichen Seminar.\nI. Die Vorlesungen.\nEs wird in jedem Sommer eine Vorlesung \u00fcber National\u00f6konomie gehalten, welche bestimmt ist, einen allgemeinen \u00dcberblick \u00fcber die moderne Volkswirtschaft unter den f\u00fcr den praktischen Landwirt besonders wichtigen Gesichtspunkten zu vermitteln. Die Wintervorlesung \u00fcber Agrarwesen, Agrarpolitik und Landeskulturgesetzgebung behandelt die geschichtliche Entwicklung der Agrarverfassung und die agrarpolitischen Fragen der Gegenwart.\nII. Das staatswissenschaftliche Seminar der landwirtschaftlichen Hochschule wurde im Wintersemester 1889 90 begr\u00fcndet, nachdem das Vorgesetzte Ministerium eine fortlaufende Dotation f\u00fcr die Bibliothek bewilligt hatte. Im ersten Semester nahmen 5, im zweiten 16 Mitglieder daran teil. Da sich bald zahlreiche H\u00f6rer von der Universit\u00e4t dazu einstellten, wurden die \u00dcbungen im Winter 1890/91 in das ger\u00e4umige staatswissenschaftlich - statistische Seminar der Universit\u00e4t verlegt und von da an f\u00fcr beide Hochschulen gemeinschaftlich abgehalten. Inzwischen hat sich die Teilnehmerzahl auf 60 bis 80 gesteigert. Die Mitglieder sind \u00fcberwiegend Personen, welche das \u00fcbliche Hochschulstudium bereits abgeschlossen haben und vielfach schon in der Praxis stehen oder gestanden haben. So geh\u00f6ren im Winter-Semester 1905/06 im ganzen 80 Personen dem Seminar an: darunter: 16 Landwirte (10 die bereits ihr Diplom-, Lehrer- oder Doktor-Examen gemacht haben und ein Gro\u00dfgrundbesitzer), ein vereidigter Landmesser, 27 sonstige Studierende (meist - 19 - Juristen oder National - \u00d6konomen, 6 Mathematiker, Historiker, Mediziner), 15 Staatsbeamte (5 von der Gewerbe-Aufsicht, ein Staatsanwalt a. D., 2 Assessoren, 3 Referendare, 3 Beamte der Post und des Statistischen Amtes), ein fr\u00fcherer Offizier, 13 Industrielle, Kaufleute, Bankbeamte, Ingenieure, 2 katholische Geistliche, 2 russische Privatdozenten, ein","page":175},{"file":"p0176.txt","language":"de","ocr_de":"176\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nnorwegischer Lizentiat, 2 Damen. 15 Mitglieder stammen aus dem Auslande, vorwiegend aus Osteuropa (vier Russen, drei Rum\u00e4nen, zwei Bulgaren, ein Serbe, zwei Ungarn, ein Galizier, ferner ein Italiener und ein Norweger).\nDiese bunte Mischung wirkt anregend auf den Gedankenaustausch unter den Mitgliedern und belebt die Debatten.\nJeder, der nicht besondere Entschuldigungsgr\u00fcnde hat, \u00fcbernimmt ein Thema zur selbst\u00e4ndigen Bearbeitung, welches seinem besonderen Interessenkreise und seiner Vorbildung entspricht. Im laufenden Semester sind z. B. 71 verschiedene Arbeiten ausgegeben worden. Sie werden privatim durchgesprochen, eine Auslese gelangt zum Vortrag und zur Diskussion. Viele Mitglieder schlie\u00dfen das Studium hier oder ausw\u00e4rts mit der Doktorpr\u00fcfung ab. Mehr und mehr haben auch solche Landwirte davon Gebrauch gemacht, welche vorher auf der Hochschule die Pr\u00fcfung f\u00fcr Landwirtschaftslehrer abgelegt hatten. Es ergibt sich daraus eine wesentliche Vertiefung der wissenschaftlichen Arbeit.\nVon den aus dem Seminar hervorgegangenen Schriften seien hier solche genannt, welche agrarpolitisches Interesse bieten:\nDie Vererbung des l\u00e4ndlichen Grundbesitzes im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen. Im Auftr\u00e4ge des K\u00f6niglichen Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, herausgegeben von Professor Dr. M. Sering. 15 B\u00e4nde, Berlin, 1897\u20141906. Verlag von Paul Parey.\nDie Bearbeiter der einzelnen B\u00e4nde sind: I. Oberlandesgerichtsbezirk K\u00f6ln: Dr. W. Wygodzinski 1897; II. O.-L.-G.-Bezirk Frankfurt a. M. unter Ausschlu\u00df der hohenzollernschen Lande: Dr. R. Hirsch, 1897; III. Die hohenzollernschen Lande: Dr. R. Hirsch, 1898; IV. O.-L.-G.-Bez. Kassel: Reg.-Rat Holzapfel, 1899; V. O.-L.-G.-Bez. Hamm: Ludwig Graf von Spee, 1898; VI. Provinz Hannover: Dr. Fr. Gro\u00dfmann, 1897; VII. Erbrecht und Agrarverfassung in Schleswig-Holstein, Prof. M. Sering, 1906; VIII. ProvinzSachsen: Dr. M. Grabein, 1900; IX. Provinz Brandenburg: Dr. M. Benecke und Landwirt R. Thomsen, 1906;\nX.\tProvinz Pommern: Dr. Housselle und Dr. P. Hillmann, 1900;\nXI.\tProvinz Westpreu\u00dfen: Dr. F. Busch, 1898; XII. Provinz Ostpreu\u00dfen: Dr. A. von Wenckstern und Dr. K. B\u00f6hme, 1905; XIII. Provinz Posen: Dr. Fr. Gro\u00dfmann, 1898; XIV. Provinz Schlesien: Dr. G. Doy\u00e9, 1900; XV. (Ein Schlu\u00dfband wird das ganze zusammenfassen).\nWiedenfeld, Der deutsche Getreidehandel. Jahrb\u00fccher f\u00fcr National\u00f6konomie und Statistik. 3. F. Bd. VII und IX. 1895.\nStumpfe, \u00dcber die Konkurrenzf\u00e4higkeit des kleineren und mittleren Grundbesitzes. Landwirtschaftliche Jahrb\u00fccher XXV. 1896.\nH. Auhagen, \u00dcber Gro\u00df- und Kleinbetrieb in der Landwirtschaft. Landwirtschaftliche Jahrb\u00fccher. XXV. 1896.\nBallod, Die Lebensf\u00e4higkeit der st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung. Leipzig. 1897.\nSimkhowitsch, Die Feldgemeinschaft in Ru\u00dfland. Halle. 1898. Grabein, Die Ergebnisse der englischen Agrarenquete. Berlin. 1898.","page":176},{"file":"p0177.txt","language":"de","ocr_de":"23. Das Studium der National\u00f6konomie an der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule. 777\nWegener, Landschaften und preu\u00dfische Hypothekenaktienbanken. Annalen des deutschen Reichs. 1898.\nvon Kahl den, Beitrag zur Frage der Konkurrenzf\u00e4higkeit des Kleinbetriebes gegen\u00fcber dem Gro\u00dfbetrieb in der Landwirtschaft. Dissertation. Rostock 1898.\nStillich, Die englische Agrarkrisis, ihre Ausdehnung, Ursachen und Heilmittel. Jena 1899.\nMohr, Die Entwicklung des Gro\u00dfbetriebes in der Getreidem\u00fcllerei Deutschlands. Berlin 1899.\nvon Altrock, Der l\u00e4ndliche Realkredit in der Provinz Brandenburg. Berlin 1900.\nMunro, The Droit de banalit\u00e9 during the French R\u00e9gime in Canada. Ann. Rep. of the Amer. Hist. Assoc. Washington 1900.\nGossner, Die Entwicklung und heutige Organisation des Berliner Fischhandels. Dissertation, 1901.\nWagner, \u00dcber die wirtschaftliche Lage der Binnen-Schiffahrts-Unternehmungen in Gro\u00dfbritannien und Irland. Archiv f\u00fcr Eisenbahnwesen 1901.\nWahl, Die niederl\u00e4ndische Handelspolitik in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Dissertation Heidelberg. 1901.\nvonDamnitz, Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Feldbahnen. Dissertation, Berlin 1901.\nLorenzoni, La Cooperazione Agraria nella Germania Moderna. Trento 1901/1902.\nGrei\u00df, Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Latifundien unter besonderer Bezugnahme auf B\u00f6hmen. Dissertation Heidelberg 1902.\nFischer, Die soziale Bedeutung der Maschinen in der Landwirtschaft. Dissertation, Berlin 1902.\nvon Katte, Die Verh\u00e4ltnisse der l\u00e4ndlichen Arbeiter in Pommern. Landwirtschaftliches Jahrb\u00fccher. Bd. 31. 1902.\nMe. Neill, Eine Studie \u00fcber die Aufgaben der Stadtgemeinden in der Wohnungsfrage. Dissertation Berlin 1902.\nB\u00f6hme, Gutsherrlich-b\u00e4uerliche Verh\u00e4ltnisse in Ostpeu\u00dfen w\u00e4hrend der Reformzeit von 1770 bis 1830. Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen. XX. 1902.\nNiculescu-Telega, Die Wirtschaftspolitik Rum\u00e4niens. Dissertation, Berlin 1902.\nKnoblauch, Die Rechtsverh\u00e4ltnisse und das Kreditwesen der L\u00fcneburgischen Ritterschaft. Dissertation, Berlin 1902.\nGiersberg, Die Bedeutung der Wassertra\u00dfen im \u00f6stlichen Deutschland f\u00fcr den Transport landwirtschaftlicher Masseng\u00fcter. Schriften des Vereins f\u00fcr Sozialpolitik. Bd. 100, 1903.\nSteinacker, Die Verschuldung des l\u00e4ndlichen Grundbesitzes im rechtsrheinischen Bayern. Dissertation, Berlin 1903.\nB\u00fcchner, Die Geschichte der norwegischen Leil\u00e4ndinger bis zur Verfassungs\u00e4nderung im Jahre 1660. Dissertation, Berlin 1903.\nHagen, Die Berliner Rieselfelder, ihre Einrichtung und volkswirtschaftliche Bedeutung, besonders vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus. Berlin 1903.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n12","page":177},{"file":"p0178.txt","language":"de","ocr_de":"178\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nAsmis, Umfang und Entwicklung der inneren Kolonisation in Pommern in den Jahren 1875 bis 1902 und die Gestaltung der landwirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in den Kolonien. Dissertation, Berlin 1903.\nFrost, Die Bedingungen f\u00fcr intensiven und extensiven Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland. Dissertation, Berlin 1903.\nFranke, Der Ausbau des heutigen Schutzzollsystems in Frankreich und seine Wirkungen im Lichte der Handelsstatistik. Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen. XXII. 1903.\nSundermann, Der l\u00e4ndliche Arbeitsnachweis. Berlin 1904.\nJankowitsch, Das System der direkten Steuern in Serbien. Dissertation, Berlin 1904.\nStruve, Die Krempermarsch, Heidelberger Dissertation, Merseburg 1903.\nSwart, Agrarverfassung und Erbrecht in Ostfriesland. Dissertation, Berlin 1904.\nRaulf, Kapitalismus und Genossenschaftswesen im deutschen Getreidehandel, Berliner Dissertation, M\u00fcnster i. W. 1905.\nLebenslauf des Prof. Dr. Sering.\nSering, Max, geboren am 18. Januar 1857 in Barby, Provinz Sachsen, evangelisch, studierte in Stra\u00dfburg und Leipzig, widmete sich dem Justiz- und Verwaltungsdienste im Elsa\u00df, wurde 1883 nach Nordamerika gesandt, um \u00fcber die Konkurrenzfrage zu berichten, habilitierte sich nach der R\u00fcckkehr in Bonn, wurde 1885 daselbst zum au\u00dferordentlichen Professor der Staatswissenschaften ernannt und gleichzeitig mit der Verwaltung des ehemals Heldschen Ordinariats beauftragt, folgte 1889 einem Rufe als etatsm\u00e4\u00dfiger Professor an die landwirtschaftliche Hochschule in Berlin, wurde demn\u00e4chst auch au\u00dferordentlicher und 1897 ordentlicher Professor an der dortigen Universit\u00e4t.\nSering ver\u00f6ffentlichte an staatswissenschaftlichen Schriften:\n1.\tin Buchform: Geschichte der preu\u00dfisch-deutschen Eisenz\u00f6lle\nvon 1818 bis zur Gegenwart, Leipzig 1882.\t\u2014 Die landwirtschaftliche\nKonkurrenz Nordamerikas in Gegenwart und Zukunft. Landwirtschaft, Kolonisation und Verkehrswesen in den Vereinigten Staaten und Kanada, Leipzig 1887.\t\u2014 Arbeiteraussch\u00fcsse in der deutschen Industrie.\nLeipzig 1890 (46. Bd. d. Sehr. d. Vereins f. Soz.-Pol.). \u2014 Die innere Kolonisation im \u00f6stlichen Deutschland. Leipzig 1893 (56. Bd. d. Sehr, d. Ver. f. Soz.-Pol.). Das Sinken der Getreidepreise und die Konkurrenz des Auslandes. Als Manuskript gedruckt. Berlin 1894.\nDie Vererbung des l\u00e4ndlichen Grundbesitzes im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen, i. A. des landw. Ministeriums herausgeg., Berlin, von 1897\u20141906, 15 Bde. \u2014 Er gab in Verbindung mit G. Schmoller und A. Wagner heraus: \u201eHandels-und Machtpolitik\u201c. Reden und Aufs\u00e4tze. Stuttgart 1900 und ist mit G. Schmoller Herausgeber der \u201eStaats- und sozialwissenschaftlichen Forschungen\u201c, Leipzig.\n2.\tAufs\u00e4tze:\tIn der \u201eDeutschen landwirtschaftlichen\nPresse\u201c: Beobachtungen auf einer nordamerikanischen Studienreise (1883, 1884). Arbeiterfrage und Kolonisation in den \u00f6stlichen Provinzen Preu\u00dfens (1892). \u2014 In den Mitteilungen der Deutsch. Landw.-Ges.: Die nordamerikanische Schlachtviehkonkurrenz (1890).\tIm Jahrb. f.","page":178},{"file":"p0179.txt","language":"de","ocr_de":"23. Das Studium der National\u00f6konomie auf der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule. 779\nGes. u. Verw.: Die Landpolitik der Vereinigten Staaten (1884). Die soziale Frage in England und Deutschland (1890). Die Entw\u00fcrfe f\u00fcr eine neue Agrargesetzgebung in \u00d6sterreich (1894). Die preu\u00dfische Agrarkonferenz (1894). Die b\u00e4uerliche Erbfolge im rechtsrheinischen Bayern (1896). Die Agrarfrage und der Sozialismus (1899). Bemerkungen zum vorl\u00e4ufigen Entwurf eines preu\u00dfischen Gesetzes \u00fcber Familienfideikommisse (1904). \u2014 In Handels- und Machtpolitik, Stuttgart 1900: Die Handelspolitik der Gro\u00dfstaaten und die Kriegsflotte. \u2014 In der deutschen Monatsschrift (Berlin 1901): Die deutsche Bauernschaft und die Handelspolitik. \u2014 Im W\u00f6rterbuch der Volkswirtschaft, hrsg. v. L. Elster: Die meisten agrarpolitischen Aufs\u00e4tze. \u2014 Im Handw\u00f6rterbuch der Staatswissenschaften die Artikel: Getreidehandel in den Vereinigten Staaten von Amerika; Heimst\u00e4ttenrecht; Kolonisation, innere; Renteng\u00fcter.\n3. Referate: Uber Schulderleichterung und Entlastung in der preu\u00df. Agrarkonferenz v. 1894 (Landw. Jahrb. Bd. 23, Erg. Bd. 2 IL). Die Schuldentlastung des l\u00e4ndlichen Grundbesitzes mittelst Abl\u00f6sung der Nachhypotheken (Archiv d. Deutschen Landwirtschaftsrates. Berlin 1897 und 1900): Die Bedeutung der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Wehrkraft des Deutschen Reiches (ebenda 1902, 1904). Volkswirtschaftliche Referate im Landes - \u00d6konomie - Kollegium, seit 10 Jahren allj\u00e4hrlich. (Landw. Jahrb\u00fccher.)\nLebenslauf des Prof. Dr. Schmoller.\nGustav Schmoller, geboren am 24. Juni 1838 zu Heilbronn, wurde 1864 au\u00dferordentlicher und 1865 ordentlicher Professor der Staatswissenschaften in Halle, folgte 1872 in gleicher Eigenschaft einem Rufe nach Stra\u00dfburg und 1882 nach Berlin. Vom Sommersemester 1882 bis zum Sommersemester 1889 war er zugleich an der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin t\u00e4tig. Seine wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen w\u00e4hrend dieser letzteren sieben Jahre waren:\n1.\tDie amerikanische Konkurrenz und die Lage der mitteleurop\u00e4ischen, besonders der deutschen Landwirtschaft (Jahrbuch f\u00fcr Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im deutschen Reich, herausgegeben von Gustav Schmoller, N. F. VI, 1882 .\n2.\tBemerkungen \u00fcber die zunehmende Verschuldung des deutschen Grundbesitzes und die M\u00f6glichkeit, ihr entgegenzuwirken. (Thiels landwirtschaftliche Jahrb\u00fccher 1882)\n3.\tDie Handelssperre zwischen Brandenburg und Pommern im Jahre 1562. (Zeitschrift f\u00fcr preu\u00dfische Geschichte und Landeskunde, XIX, 1882.)\n4.\tDie russische Kompagnie in Berlin, 1724\u20141738. Ein Beitrag der branden-burgischen Tuchindustrie und des preu\u00dfischen Exportes im 18. Jahrhundert (Ebenda XX, 1883).\n5.\tKarl Knies (Schmollers Jahrbuch N. F. VII, 1883).\n6.\tDie Jahresversammlung des volkswirtschaftlichen Kongresses und des Vereins f\u00fcr Sozialpolitik im Sp\u00e4therbst 1882 (Ebenda).\n7.\tDie neuesten Publikationen \u00fcber die Lage des preu\u00dfischen und deutschen Bauernstandes (Ebenda).\n8 Zur Methodologie der Staats- und Sozialwissenschaften (Ebenda).\n9.\tDer deutsche Verein gegen den Mi\u00dfbrauch geistiger Getr\u00e4nke und die Frage der Schankkonzession (Ebenda).\n10.\tFriedrich List (Ebenda N. F. VIII, 1884).\n11.\tHermann Schulze-Delitsch und Eduard Lasker (Ebenda).","page":179},{"file":"p0180.txt","language":"de","ocr_de":"180\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\n12.\tStudien \u00fcber die wirtschaftliche Politik Friedrich des Gro\u00dfen und Preu\u00dfens \u00fcberhaupt von 1680 bis 1786. (Schmollers Jahrbuch N. F. VII, 1884; X, 1886; XI, 1887.)\n13.\tAnalekten und Randglossen zur Debatte \u00fcber Erh\u00f6hung der Getreidez\u00f6lle. (Ebenda IX, 1885.)\n14.\tHenry George. (Ebenda 1882.)\n15.\tHenry Carey. (Ebenda 1886.)\n16.\tTheodor Hertzka, freih\u00e4ndlerischer Sozialismus. (Ebenda 1886.)\n17.\tDie preu\u00dfische Kolonisation des 17. und 18. Jahrhunderts. (Schriften des Vereins f\u00fcr Sozialpolitik XXXII, 1886)\n18.\tEin Mahnruf in der Wohnungsfrage. (Selbst\u00e4ndig und Schmollers Jahrbuch N. F. XI, 1887.)\n19.\tDie Vorschl\u00e4ge zur Beseitigung oder Einschr\u00e4nkung des l\u00e4ndlichen Hypothekarkredits. (Ebenda.)\n20.\t\u00dcber innere Kolonisation mit R\u00fccksicht auf die Erhaltung und Vermehrung des mittleren und kleineren l\u00e4ndlichen Grundbesitzes. (Schriften des Vereins f\u00fcr Sozialpolitik XXXII, 1887.)\n21.\tZur Literaturgeschichte der Staats- und Sozialwissenschaften, Leipzig 1888, X u. 304 S.\n22.\tDas brandenburgisch-preu\u00dfische Innungswesen von 1640\u20141806, haupts\u00e4chlich die Reform unter Friedrich Wilhelm I. (Forschungen zur branden-burgischen und preu\u00dfischen Geschichte, herausgegeben von R. Koser I, 1888.)\n23.\tDie soziale Entwicklung Deutschlands und Englands, haupts\u00e4chlich auf dem platten Lande des Mittelalters (Schmollers Jahrbuch XII, 1888.)\n24.\tDer Kampf des preu\u00dfischen K\u00f6nigtums um die Erhaltung des Bauernstandes. (Ebenda.)\n25.\tDie Tatsachen der Arbeitsteilung. (Ebenda XIII, 1889.)\n26.\tDie Einf\u00fchrung der franz\u00f6sischen Regie durch Friedrich den Gro\u00dfen 1766. (Sitzungsberichte der K\u00f6niglichen Akademie der Wissenschaften (Berlin) 1888, 1. Halbband.)\n27.\t\u00dcber Wesen und Verfassung der gro\u00dfen Unternehmungen (1889).\nSchmoller war einer der Veranstalter der am 6. und 7. Oktober 1872 in Eisenach zur Besprechung der sozialen Frage zusammengetretenen Versammlung, aus welcher die neue realistische Schule hervorging. Er geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndern des Vereins f\u00fcr Sozialpolitik, und seit 1890 ist er Vorsitzender des Ausschusses desselben. 1884 wurde Schmoller Mitglied des Preu\u00dfischen Staatsrats, 1887 erfolgte seine Ernennung zum Historiographen f\u00fcr brandenburgische Geschichte, seit 1899 ist er als Vertreter der Universit\u00e4t Mitglied des Preu\u00dfischen Herrenhauses. Die preu\u00dfische Akademie der Wissenschaften ernannte Schmoller 1887 zu ihrem ordentlichen Mitgliede, 1881 erfolgte seine Wahl zum korrespondierenden Mit-gliede der Kaiserlich russischen Akademie in St. Petersburg, 1895 zum korrespondierenden Mitgliede der K\u00f6niglich bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1898 zu dem der K\u00f6niglich d\u00e4nischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1899 wurde er zum stimmf\u00e4higen Ritter des Ordens pour le m\u00e9rite gew\u00e4hlt. 1896 wurde ihm von der juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Breslau der Ehrendoktor verliehen, 1904 von der philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Heidelberg.","page":180},{"file":"p0181.txt","language":"de","ocr_de":"24. Rechtskunde.\n181\n24. Rechtskunde.\nVertreter des Faches: Geh. Reg.-Rat Peltzer,\nVortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\nSchon bei dem mit der Universit\u00e4t verbundenen landwirtschaftlichen Lehrinstitut war eine Vorlesung \u00fcber das preu\u00dfische Zivilrecht mit besonderer R\u00fccksicht auf die f\u00fcr den Landwirt wichtigen Rechtsverh\u00e4ltnisse und zwar durch den damaligen Stadtgerichtsrat Key\u00dfner gehalten worden. Bei Einrichtung der landwirtschaftlichen Hochschule wurde diese Vorlesung \u2014 als zweist\u00fcndige im Sommersemester - - beibehalten. Seit Einrichtung des geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Kursus im Fr\u00fchjahr 1883 wurde sie auch auf die f\u00fcr den Landmesser und Kulturtechniker wichtigen Rechtsverh\u00e4ltnisse ausgedehnt. Bis zum Sommersemester 1889 blieb sie in derselben Hand; dann aber ging sie auf den Professor Dr. Sering \u00fcber, wodurch fortan der gesamte national\u00f6konomische und rechtswissenschaftliche Unterricht in einer Hand vereinigt war. Mit dem Sommersemester 1903 ist jedoch wiederum eine Trennung eingetreten, indem seitdem die Vorlesung \u00fcber \u201eReichs- und preu\u00dfisches Recht mit besonderer R\u00fccksicht auf die f\u00fcr den Landwirt, den Landmesser und Kulturtechniker wichtigen Rechtsverh\u00e4ltnisse\u201c als zweist\u00fcndige Sommervorlesung durch den Geh. Reg.-Rat Peltzer gehalten wird.\n25. Landwirtschaftliche Handelskunde, Genossenschaftswesen und Wohlfahrtspflege.\nVertreter des Faches:\nProfessor Dr. Fa\u00dfbender, Mitglied des Hauses der Abgeordneten.\nIm Fr\u00fchjahr 1905 erhielt Professor Dr. Martin Fa\u00dfbender, der seit 1899 an der Landw. Akademie in Bonn-Poppelsdorf doziert hatte, einen Lehrauftrag f\u00fcr die drei F\u00e4cher: landwirtschaftliche Handelskunde, l\u00e4ndliches Genossenschaftswesen und l\u00e4ndliche Wohlfahrtspflege als gesonderte Disziplinen, welche bis dahin an der Berliner Hochschule noch nicht gelesen worden waren. Die landwirtschaftliche Han dels k\u00fcnde hat die Aufgabe in systematischer Darstellung diejenigen gesch\u00e4ftstechnischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Gesichtspunkte zusammenzufassen, welche der Landwirt den Anforderungen der Gegenwart entsprechend bei seiner Beteilgung am gesch\u00e4ftlichen Verkehrsleben von den handelsgewerblichen Nebenbetrieben, den Handelsgebr\u00e4uchen, den Handelsgesch\u00e4ften besonders bei dem Einkauf der Rohstoffe und Bedarfsgegenst\u00e4nde, dem Absatz der Erzeugnisse, sowie bez\u00fcglich der Nutzbarmachung der \u00f6ffentlichen Anstalten und Einrichtungen des Handelsverkehrs f\u00fcr die Zwecke der F\u00f6rderung des landwirtschaftlichen G\u00fcteraustausches bedarf. Die Einf\u00fchrung in das","page":181},{"file":"p0182.txt","language":"de","ocr_de":"182\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nGenossenschaftswesen hat die wirtschaftlichen und soziologischen Grundlagen, die rechtliche Ausgestaltung, die geschichtliche Entwicklung, die Formen der Anwendbarkeit und die Betriebsgrunds\u00e4tze des Genossenschaftswesens auf dem Gebiet der Landwirtschaft zur Darstellung zu bringen. Die Vorlesungen \u00fcber l\u00e4ndliche Wohlfahrtpflege erstrecken sich auf die Schilderung der gesamten Ma\u00dfnahmen sozialer F\u00fcrsorget\u00e4tigkeit und gegenseitiger Hilfeleistung als Volkspflege in wirtschaftlicher, ethischer, kultureller und hygienischer Beziehung auf dem Lande. Die Vorlesungen \u00fcber alle drei F\u00e4cher werden verbunden mit Exkursionen zum Besuch von Anstalten und Einrichtungen auf den bez\u00fcglichen Gebieten.\n26. Tierarzneikunde.\na. Anatomie und Geburtskunde der Haustiere.\nVertreter des Faches:\nDr. Schmaltz, Professor an der K\u00f6nigl. Tier\u00e4rztlichen Hochschule.\nIm Wintersemester ist seit langem eine Vorlesung \u00fcber die Anatomie der Haustiere eingerichtet und erfreut sich stets einer regen Beteiligung. Seit der Unterzeichnete 1896 diese Vorlesung \u00fcbernommen hat, findet dieselbe in drei (fr\u00fcher in vier) Wochenstunden statt, welche ausreichen. Die Beschreibung des Pferdes bildet die Grundlage, die Eigenart der \u00fcbrigen Haustiere wird jedoch in allen Hauptsachen ebenfalls vorgetragen. Das Hauptgewicht wird auf die Kenntnis des Bewegungsapparates des Pferdes, als die Grundlage der Leistung und der praktischen Beurteilung desselben, gelegt. Die Eingeweide werden mit R\u00fccksicht auf ihre physiologische und pathologische Bedeutung ebenfalls eingehend besprochen, die Gef\u00e4\u00df- und Nervenlehre dagegen nur kurz behandelt. Die Vorlesung findet im anatomischen Institut der tier\u00e4rztlichen Hochschule statt und wird durch m\u00f6glichst viele Demonstrationen unterst\u00fctzt, wobei Material und Unterrichtsmittel des Institutes zur Verf\u00fcgung stehen.\nSeit 1896 ist, an Stelle einer entbehrlichen anatomischen Sommervorlesung, eine w\u00f6chentlich zweist\u00fcndige Vorlesung \u00fcber Haustiergeburtskunde eingerichtet und vom Professor Schmaltz \u00fcbernommen worden. Dieselbe gibt eine \u00dcbersicht \u00fcber die Entwicklung der Frucht und ihrer H\u00fcllen, als unentbehrliche Grundlage f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Schwangerschaft und der Verh\u00e4ltnisse bei der Geburt, dann eine Darstellung der normalen Geburt selbst, der Abweichungen und wichtigsten Nachkrankheiten, sowie eine Anleitung f\u00fcr das Verhalten bei der Geburt und f\u00fcr einfache Hilfeleistungen.","page":182},{"file":"p0183.txt","language":"de","ocr_de":"26. Tierarzneikunde.\n183\nb. Bericht \u00fcber Hufbeschlagslehre.\nVertreter des Faches: Stabsveterin\u00e4r a. D. K\u00fcttner.\nDie Hufbeschlagslehre wurde im Jahre 1872 bei dem damaligen landwirtschaftlichen Lehrinstitut als Unterrichtsgegenstand eingef\u00fchrt und mit der Leitung der Stabsrogarzt Bierlich betraut, nach dessen Tode im Jahre 1874 der Oberrogarzt Zorn das Amt \u00fcbernahm. Im Jahre 1876, bei der Versetzung des Oberrogarzt Zorn nach angerhalb, wurden die Vorlesungen dem Referenten, der auch noch gegenw\u00e4rtig dieselben h\u00e4lt, \u00fcbertragen.\nDie Vorlesungen erstrecken sich auf Anatomie und Physiologie des Hufes, Beschlag gesunder und kranker Hufe und Wintersch\u00e4rfung. In jedem Semester werden zwei bis drei Stunden zu Demonstrationen am lebenden Pferde bei der Beschlagschmiede verwendet. Die Hufbeschlagsammlung des Museums enth\u00e4lt in f\u00fcnf Abteilungen anatomische Pr\u00e4parate und Modelle des Hufes und der Rinderklaue, historische Sandalen und Hufeisen, Eisen f\u00fcr gesunde und kranke Hufe und Rinderklauen, Sch\u00e4rfevorrichtungen und Beschlagwerkzeuge.\nIm Laufe der Zeit ist die Sammlung teils durch Neuanschaffung von Modellen und Hufeisen, teils durch Zuwendungen solcher durch hervorragende Fabrikanten und Schmiedemeister bedeutend vergr\u00f6gert worden und z\u00e4hlt gegenw\u00e4rtig 222 Nummern.\nc. \u00c4ugere (chirurgische) Krankheiten der Haustiere. Vertreter des Faches: Dr. R. Eberlein, Professor an der K\u00f6niglichen\nTier\u00e4rztlichen Hochschule.\nVorlesungen \u00fcber Krankheiten der Haustiere wurden schon an dem Landwirtschaftlichen Lehrinstitut gehalten und bereits bald nach der Begr\u00fcndung desselben eingerichtet. Sie sind seitdem ununterbrochen von den betreffenden Fachdozenten in den Kliniken der tier\u00e4rztlichen Hochschule abgehalten worden. Schon im Sommersemester 1865 er\u00f6ffnete Spinola seine Vorlesungen f\u00fcr Landwirte und trug in einem einst\u00fcndigen Kolleg im Sommer- und Wintersemester \u00fcber \u201eExterieur und \u00e4ugere Krankheiten der Pferde mit Demonstrationen\u201c vor. Im Sommersemester 1872 \u00fcbernahm Dieckerhoff diese Disziplin und unterrichtete in einer dreist\u00fcndigen Vorlesung, welche aber nur im Sommersemester stattfand, \u00fcber \u201eSporadische Krankheiten (innere und \u00e4ugere) der Haustiere\u201c.\nEine weitere \u00c4nderung wurde dadurch erforderlich, dag im Jahre 1885 an der tier\u00e4rztlichen Hochschule die Trennung der bis dahin vereinigten Kliniken f\u00fcr gr\u00f6gere Haustiere in eine Abteilung f\u00fcr innere und eine solche f\u00fcr \u00e4ugere Krankheiten erfolgte und zur Leitung der letzteren M\u00f6ller ernannt wurde. Diesem wurde deshalb auch auf Antrag","page":183},{"file":"p0184.txt","language":"de","ocr_de":"184\nVI. Die landwirtschaftliche Abteilung.\nDieckerhoffs mit Beginn des Sommersemesters 1886 die Vorlesung \u00fcber \u201e\u00c4u\u00dfere Krankheiten der Haustiere\u201c \u00fcbertragen. Seit dieser Zeit sind die \u00e4u\u00dferen Haustierkrankheiten von dem Leiter der chirurgischen Klinik der tier\u00e4rztlichen Hochschule in jedem Sommersemester in einem einst\u00fcndigen Kolleg vorgetragen worden, und zwar in den Jahren 1886\u20141894 durch M\u00f6ller, von 1895\t1903 durch Fr\u00f6hner\nund seit dem Sommersemester 1904 durch den Referenten.\nDa f\u00fcr diese Vorlesung nur eine sehr kurze Zeit zur Verf\u00fcgung steht, so kann das Lehrziel derselben auch nur beschr\u00e4nkt sein. Der Unterricht wird derart erteilt, da\u00df den Studierenden die wichtigsten \u00e4u\u00dferen Krankheiten der Haustiere an der Hand des Klinikmaterials vorgef\u00fchrt werden. Hierbei wird besondere R\u00fccksicht auf die praktischen Bed\u00fcrfnisse des Landwirtes genommen und den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, die Krankheitsf\u00e4lle selbst zu studieren und sich ein Urteil \u00fcber die Bedeutung derselben anzueignen. Sie werden ferner mit den allgemeinen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden so weit vertraut gemacht, da\u00df sie auch imstande sind, bei Ungl\u00fccksf\u00e4llen die erste Hilfe leisten zu k\u00f6nnen. Endlich wird bei allen chronischen Erkrankungen, insbesondere bei den chronischen Knochen-, Gelenk-, Sehnen-etc. Leiden die Bedeutung derselben f\u00fcr die Tierzucht er\u00f6rtert.\nd. Innere Krankheiten der Haustiere.\nVertreter des Faches:\nProf. Dr. Fr\u00f6hner, z. Z. Rektor der Kgl. Tier\u00e4rztlichen Hochschule.\nDer einst\u00fcndige Vortrag bezweckt, die Studierenden der Landwirtschaft mit den wichtigsten inneren Tierkrankheiten durch Vorstellung kranker Tiere bekannt zu machen. Insbesondere werden die Krankheitsursachen und die Krankheitserscheinungen erkl\u00e4rt. Auch die Behandlung der inneren Krankheiten wird namentlich nach der di\u00e4tetischen und prophylaktischen Seite hin besprochen und demonstriert. Endlich wird die Bedeutung der Hauptm\u00e4ngel f\u00fcr den kaufenden und verkaufenden Landwirt erl\u00e4utert.\ne. Seuchen und parasit\u00e4re Krankheiten der Haustiere.\nVertreter des Faches:\nGeh. Reg.-Rat Eggeling, Professor an der Kgl. Tier\u00e4rztlichen Hochschule.\nIn dem alten landwirtschaftlichen Institute sind seit dem Jahre 1865 von dem Professor der Tierarzneikunde Dr. Spinola Vortr\u00e4ge \u00fcber Krankheiten der Haustiere gehalten worden. Hierbei fanden die Tierseuchen eine besondere Beachtung.\nNach der Einrichtung der Hochschule \u00fcbernahm der Dozent Dieckerhoff die Vorlesungen \u00fcber innere Krankheiten, die er im","page":184},{"file":"p0185.txt","language":"de","ocr_de":"26. Tierarzneikunde.\n185\nWinter- und Sommersemester in zwei Teilen vortrug, von denen der erste die ansteckenden Leiden umfa\u00dfte. Im Winter 1881 wurden die Seuchen und parasit\u00e4ren Krankheiten als besondere F\u00e4cher in den Lehrplan aufgenommen und seitdem von Dieckerhoff bis zu seinem im November 1903 erfolgten Tode vertreten. Darauf sind sie Professor Eggeling \u00fcberwiesen worden.\nIn den Vortr\u00e4gen \u00fcber Seuchenlehre sollen die Studierenden mit dem Wesen, der Verbreitung, den Ursachen, den Kennzeichen und dem Verlaufe der ansteckenden Krankheiten der Haustiere bekannt gemacht werden. Bei den in das Reichsviehseuchengesetz aufgenommenen Seuchen ist die veterin\u00e4rpolizeiliche Bek\u00e4mpfung derselben zu erkl\u00e4ren, und bei den \u00fcbrigen Infektionskrankheiten, den sogenannten Stallseuchen, sind die Ma\u00dfnahmen des Selbstschutzes und die Methoden der Tilgung zu besprechen.\nIn den Vorlesungen \u00fcber parasit\u00e4re Leiden werden die durch Entozoen verursachten Herdekrankheiten der Schafe und die \u00fcbertragbaren Hautkrankheiten besonders ber\u00fccksichtigt. Entstehung, Erkennung und Behandlung dieser Leiden sind den Studierenden darzulegen.","page":185},{"file":"p0186.txt","language":"de","ocr_de":"VIL\nDie geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nAbteilungsvorsteher: Geh. Regierungsrat Professor Dr. Vogler.\n1. Allgemeiner \u00dcberblick.\n(Hierzu Abb. 38-40.)\nGar manche Lehrst\u00e4tte technischer Richtung ist so emporgewachsen, dag man sie einer zu Versuchs- oder Beratungszwecken errichteten Staatsanstalt angliederte, wobei das Personal des schon bestehenden Instituts zun\u00e4chst den Unterricht zu seinen bisherigen Aufgaben \u00fcbernahm. Dazu war keine Gelegenheit, als man nach St\u00e4tten f\u00fcr den geod\u00e4tischen und kulturtechnischen Unterricht suchte. Also hieg es an bestehenden Lehranstalten neue Abteilungen eigens f\u00fcr den geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Lehrzweck errichten und es den zu berufenden Kr\u00e4ften \u00fcberlassen, ob sie sich selbst neben ihrem Lehrauftrag noch Versuchs- und Forschungsaufgaben stellen wollten. Das war von vorn herein ausgeschlossen f\u00fcr diejenigen Mitglieder der Abteilung, die als viel besch\u00e4ftigte Baubeamte mitten in der Praxis standen und ihr Lehramt daneben versehen mugten. Aber auch f\u00fcr die \u00fcbrigen war die gewaltig anschwellende Last des Lehrberufs, insbesondere der damit verkn\u00fcpften Pr\u00fcfungen, ein Hindernis daf\u00fcr, dag sich in unserer Abteilung f\u00fcr bestimmte Forschungsgebiete mehrere Versuchszentren h\u00e4tten bilden k\u00f6nnen; zumal der neue Unterricht auch gebieterisch neue Leitf\u00e4den forderte, an deren Herstellung die Dozenten mit Hand anzulegen hatten.\nEine Gliederung der Abteilung in \u201eInstitute\u201c hat sich demnach bisher eigentlich nicht vollzogen. Freilich, wenn Vorhandensein und eifriger Gebrauch eines fachlichen Apparates das Kennzeichen des wissenschaftlichen Institutes w\u00e4re, so w\u00fcrde es daran nicht fehlen, von der kostbaren geod\u00e4tischen Sammlung an \u00fcber die im Wachsen begriffene kulturtechnische hinweg bis zu der inhaltreichen und doch h\u00f6chst wohlfeilen, weil von ihm selbst gefertigten Modellsammlung des Mathematikers.","page":186},{"file":"p0187.txt","language":"de","ocr_de":"1. Allgemeiner \u00dcberblick.\n187\nAber, wie im Jahresbericht der Hochschule, ist es auch hier vorgezogen worden, Seminare statt Institute aufzuz\u00e4hlen. Anlag gab dort wohl der mehr zuf\u00e4llige Umstand, dag fast jeder Dozent der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung eine der von ihm geleiteten \u00dcbungen als Seminar bezeichnet; doch hat bei allen Studien, in denen sich eine gewisse technische Fertigkeit entwickeln mug, das bekannte Verfahren der Diskussion von Vortr\u00e4gen der Studierenden nur den Wert einer Erg\u00e4nzung anderer ebenso wichtiger \u00dcbungen, in denen der Student selbst entwirft, beobachtet, laboriert usw. und sein Vorgehen dabei sowie das Ergebnis mit dem Dozenten pers\u00f6nlich bespricht. Darum soll hier Seminar, in der dem Worte urspr\u00fcnglich innewohnenden allgemeineren Bedeutung, den wissenschaftlichen Gesamtverkehr des Dozenten mit seinen Zuh\u00f6rern, dem jungen Nachwuchs in seinem Fache, umfassen.\nDie Vereinigung von Geod\u00e4sie und Kulturtechnik in einer Abteilung, einem Lehrplan und einer Pr\u00fcfung besteht nur hier und in Bonn-Poppelsdorf und hat zuweilen Befremden, und bei Ausl\u00e4ndern oft Migbehagen erregt, von denen manche gern ein oder das andere Fach studiert h\u00e4tten, um dann mit einem bequem und rasch erworbenen akademischen Sonderzeugnis zur Heimat zur\u00fcckzukehren. Aber jene Vereinigung ist in den preugischen Verh\u00e4ltnissen begr\u00fcndet, aus ihnen nat\u00fcrlich hervorgewachsen, womit nicht gesagt sein soll, dag es nicht scharfer Erw\u00e4gungen und r\u00fchriger Tatkraft bedurft h\u00e4tte, das Nat\u00fcrliche auch ins Leben zu rufen. Der fr\u00fchere Direktor der Landwirtschaftlichen Akademie Bonn - Poppelsdorf, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. F. W. D\u00fcnkelberg*), hatte in seiner Heimat, dem Herzogtum Nassau, schon fr\u00fch Gelegenheit, im kleinen zu erproben, wie n\u00fctzlich den dortigen Konsolidationsgeometern ein von ihm eingef\u00fchrter Lehrkursus geod\u00e4tischen und meliorationstechnischen Inhalts wurde. Vorher war auch dort, wie wohl in ganz Deutschland, der Landmesser in seinem Fach auf den Lehrherrn und auf Selbststudium angewiesen. In Preugen wenigstens fand D\u00fcnkelberg ganz \u00e4hnliche Verh\u00e4ltnisse vor. Er erreichte es aber, dag 1876 in Poppelsdorf ein kulturtechnischer Kursus eingerichtet ward, der zuerst freiwillig, und seit 1878 vorschriftsm\u00e4gig von jenen Feldmessern zu besuchen war, die in den Dienst der Auseinandersetzungsbeh\u00f6rden treten wollten. Es gelang ihm ferner, die Errichtung eines Lehrstuhles f\u00fcr Geod\u00e4sie (1880) durchzusetzen, damit der angehende Feldmesser an der landwirtschaftlichen Akademie beide f\u00fcr ihn wichtige F\u00e4cher zugleich studieren k\u00f6nne.\nD\u00fcnkelbergs Versuch gl\u00fcckte sehr wohl. Er wugte die, meist schon gepr\u00fcften, preugischen Feldmesser, die f\u00fcr ein Jahr nach Poppelsdorf kamen, so anzufeuern, dag sie mit Eifer sowohl die\n'\u25a0) Jetzt zu Wiesbaden wohnhaft.","page":187},{"file":"p0188.txt","language":"de","ocr_de":"188 VI. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nkuiturtechnischen als auch die geod\u00e4tischen Vorlesungen besuchten. Ebenso konnte in den Jahren 1880\u20141883 erprobt werden, dag ein Hand in Hand arbeiten der Dozenten beider F\u00e4cher m\u00f6glich sei. Waren auch von dem Wert der Megkunst und ihrem B\u00fcrgerrecht an der landwirtschaftlichen Akademie nicht alle Lehrer so durchdrungen, wie ihr begeisterungsf\u00e4higer, namentlich f\u00fcr die tachymetrischen Methoden lebhaft interessierter Direktor, so waren andrerseits damals die lehrenden Vertreter der Geod\u00e4sie in Deutschland, die fast alle den technischen Hochschulen entstammten, fest davon \u00fcberzeugt, der Landmesser m\u00fcsse auch Techniker, zum mindesten Wegbauingenieur sein, um allen Aufgaben seines Faches Verst\u00e4ndnis entgegenzubringen. Es war also nur noch ein Schritt bis zu der Einsicht, dag die Disziplinen, die unter dem Namen Kulturtechnik zusammengefagt werden, dem Landmesser jenes Mag bautechnischer Kenntnisse, dessen er bedarf, vermitteln, und gerade in der Form, die f\u00fcr seinen Beruf die zweckm\u00e4gigste ist. Der Landmesser, der beim Eisenbahn-, beim Kanalbau besch\u00e4ftigt wird, oder der in st\u00e4dtische Dienste tritt, wird zwar bautechnisch noch weiter studieren m\u00fcssen, aber dazu in seinen kulturtechnischen Kenntnissen eine gute Grundlage besitzen.\nDie \u00dcberzeugung davon hat sich Bahn gebrochen, und so wurde in den Verhandlungen \u00fcber Umgestaltung der Feldmesserpr\u00fcfungsordnung, die zwischen den drei Ministerien der Finanzen, der Landwirtschaft und der \u00f6ffentlichen Arbeiten damals stattfanden, die Kulturtechnik als Pr\u00fcfungsfach f\u00fcr alle k\u00fcnftigen Landmesser erw\u00e4hlt. Daraus ergab sich ganz von selbst, dag als Ort ihres Studiums neben der Akademie Poppelsdorf die neugegr\u00fcndete landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin am geeignetsten sein werde.\nUnterm 4. September 1882 wurde von den drei genannten Ministerien die neue Landmesserpr\u00fcfungsordnung erlassen. Wie bisher ward die Reife f\u00fcr Prima eines Gymnasiums (oder gleichwertiger Anstalten) verlangt, aber zum erstenmal vor der Zulassung zur Pr\u00fcfung ein akademisches Studium vorgeschrieben. Bisher hatte die Vorbereitung zur Pr\u00fcfung in zwei Jahren Praxis unter Leitung eines Lehrherrn bestanden. Von nun an war nur noch ein solches Lehrjahr gefordert; doch sollte die ganze Vorbereitungszeit drei Jahre dauern, wovon mindestens ein Jahr auf das Hochschulstudium zu verwenden war, w\u00e4hrend das dritte Jahr nach Wahl noch auf jene vorbereitende Praxis oder auf Studium verwandt werden durfte. Es spricht sich hierin die Besorgnis aus, dag zuviel auf einmal verlangt und der Zuflug zum Landmesserfache gehemmt werden m\u00f6chte. Nur die landwirtschaftliche Verwaltung forderte unbedingt zweij\u00e4hriges Studium und darin die Teilnahme an den Vorlesungen und \u00dcbungen in allen jenen F\u00e4chern, aus denen in einem kulturtechnischen Schlugexamen gepr\u00fcft werden sollte, ganz","page":188},{"file":"p0189.txt","language":"de","ocr_de":"1. Allgemeiner Ueberblick.\n189\nunabh\u00e4ngig von jener weniger eingehenden Pr\u00fcfung in Kulturtechnik, die im Landmesserexamen vorgesehen war.\nIm Fr\u00fchjahr 1883 wurde gleichzeitig an der landwirtschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf und an unsrer Hochschule ein zweij\u00e4hriger geod\u00e4tisch-kulturtechnischer Kursus*) errichtet und eine Pr\u00fcfungskommission f\u00fcr Landmesser eingesetzt. Es mu\u00dfte das Bestreben aller Dozenten der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik sein, durch ihren Rat und Einflu\u00df die angehenden Landmesser zum zweij\u00e4hrigen Studium an der Hochschule zu bewegen und so das herbeizuf\u00fchren, was den Urhebern der neuen Pr\u00fcfungsordnung offenbar als w\u00fcnschenswert vorgeschwebt hatte, aber noch nicht zu erreichen gewesen war. Das einfachste und nat\u00fcrlichste Mittel dazu war, die Studierenden zum Betreiben beider Disziplinen, der Geod\u00e4sie und der Kulturtechnik, sowie zum Ablegen beider Schlu\u00dfpr\u00fcfungen zu ermuntern und sie darauf hinzuweisen, wie sehr sich der Gesichtskreis des Geod\u00e4ten erweitern und seine Leistungsf\u00e4higkeit erh\u00f6hen m\u00fcsse, wenn er zugleich Techniker sei, auch abgesehen von der freien Wahl unter den Dienstzweigen des Vermessungswesens, die ihm dadurch sich \u00f6ffne. Der von Poppelsdorf nach Berlin versetzte Professor der Geod\u00e4sie, der zugleich den Vorsitz in der geod\u00e4tischkulturtechnischen Abteilung und in der Landmesserpr\u00fcfungskommission \u00fcbernahm, konnte aus voller \u00dcberzeugung in diesem Sinne wirken, und es ist trotz mancher Gegenstr\u00f6mung gelungen, da\u00df von den 1500 Landmessern, die bisher an der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin ihre Staatspr\u00fcfung bestanden, wohl nicht 20 weniger als zwei Jahre lang Geod\u00e4sie und Kulturtechnik studiert haben, von jenen abgesehen, denen Studiensemester, an anderen Hochschulen verbracht, angerechnet werden durften. Es ist klar, da\u00df dadurch beide F\u00e4cher in ruhigerem Zeitma\u00df vorgetragen, mit besserem Verst\u00e4ndnis erfa\u00dft und mit allm\u00e4hlich erstarkender Kraft in den \u00dcbungen verarbeitet werden konnten. War das erst erfahrungsgem\u00e4\u00df festgestellt, so stand nichts im Wege, das zweij\u00e4hrige Studium der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik (nach einj\u00e4hriger Vorpraxis) als obligatorisch vorzuschreiben, was denn auch durch die ab\u00e4ndernden Bestimmungen zur Landmesserpr\u00fcfungsordnung vom 12. Juni 1893 geschah. Gleichzeitig sorgten diese f\u00fcr eine bessere Verwertung des Lehrjahres zur praktischen Vorbildung der Landmesserz\u00f6glinge.\n*) Das Fach Kulturtechnik vertrat von 1883\u20141888 Meliorationsbauinspektor Ludwig Koehler, J Ms Reg-- und Baurat zu Hildesheim, von 1888\u20141893 Meliorationsbauinspektor (jetzt Geh. Ober-Baurat) P. Gerhardt, seitdem Geh. Ober-Baurat v. M\u00fcnstermann; das Fach Baukunde von 1883\u20141893 Prof. Julius Schlichting t, 1893\u20141901 Reg - und Baurat (jetzt Geh. Reg.-Rat und Prof.) M. Grantz, seitdem Geh. Ober-Baurat Nolda. In den Wintersemestern 1898/99, 1900/01 und 1902/03 trug Oberlandmesser G. Friebe \u00fcber das technische Verfahren im Auseinandersetzungswesen vor.","page":189},{"file":"p0190.txt","language":"de","ocr_de":"190\nVI. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneimichtungen.\nVon nicht ganz so tiefgreifender Bedeutung f\u00fcr das Studium war die Einf\u00fchrung einer zweiten, sogenannten Fachpr\u00fcfung f\u00fcr die Landmesser der landwirtschaftlichen Verwaltung, die fr\u00fchestens drei, sp\u00e4testens sechs Jahre nach dem Eintritt in deren Dienst abzulegen ist. Die akademische Pr\u00fcfung in Kulturtechnik ward daf\u00fcr (von 1889 ab) aufgehoben und ersetzt durch eine, mit dem Landmesserexamen verbundene, umfassendere Pr\u00fcfung im Fache Kulturtechnik, deren befriedigendes Bestehen erst den Weg zum Dienste der landwirtschaftlichen Verwaltung \u00f6ffnet. Der Erwerb des Pr\u00e4dikats \u201eKulturtechniker\u201c ist seitdem erst mit dem Bestehen der Fachpr\u00fcfung verkn\u00fcpft. Das sogenannte kulturtechnische Studienzeugnis wird zwar vom Rektor erteilt, aber nur an solche In- und Ausl\u00e4nder, welche die Landmesserpr\u00fcfung und in ihr jene umfassendere Pr\u00fcfung in Kulturtechnik befriedigend bestanden haben.*) Trotz der nicht unerheblichen Mehrleistung, die die umfagendere Pr\u00fcfung in Kulturtechnik den Landmesserkandidaten auferlegt, hat zu Berlin doch stets deren gr\u00f6gere H\u00e4lfte sich dieser M\u00fche unterzogen. Es ist zu w\u00fcnschen, dag dies so bleibt und sich damit das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr kulturtechnische Aufgaben in allen Dienstzweigen des Vermessungswesens weiter ausbreitet.\nJunge Lehranstalten, die technischen Berufen zu dienen haben, d\u00fcrfen sich auf sehr widerspruchsvolle Beurteilung gefagt machen. Auch die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung erschien manchem Vertreter der beobachtenden Wissenschaften, namentlich im Hinblick auf die kurze zweij\u00e4hrige Studienzeit, nicht viel mehr zu bieten, als eine Gelegenheit f\u00fcr Landmessereleven, sich mechanisch auf Messungen, Rechnungen und Entw\u00fcrfe nach feststehenden Mustern einzudrillen. M\u00e4nner der Praxis hingegen beklagten laut den Mangel solchen Exerzitiums und verurteilten die angebliche Tendenz der Hochschule, dem Vermessungsdienst nur junge Theoretiker zuzuf\u00fchren. Die Lehrer der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik hielten demgegen\u00fcber an der \u00dcberzeugung fest, dag sie trotz der beschr\u00e4nkten Studienzeit verpflichtet seien, wissenschaftlich, d. h. zwar so einfach als m\u00f6glich, aber mit strenger Begr\u00fcndung vorzutragen und in den \u00dcbungen das selbst\u00e4ndige Denken und Schaffen ihrer Zuh\u00f6rer zu wecken. Es war ihnen wohlbekannt, dag gegen\u00fcber schwach begabten oder tr\u00e4gen Naturen diese Lehrmethode versagt. Und doch ist es die richtige, und es gesch\u00e4he dem Landmesserstand ein schlechter Dienst, wenn die betr\u00e4chtliche Summe von F\u00e4higkeit des Geistes und des Willens, die in jedem neuen Jahrgang der Studierenden steckt, nicht zum selbst\u00fcberlegten, der eigenen Verantwortlichkeit bewugten Handeln hingelenkt w\u00fcrde, dem eigentlichen Ziel der akademischen Bildung.\n*) \u00dcber die zurzeit bestehenden Studien- und Pr\u00fcfungsbestimmungen gibt die Schrift Auskunft: \u201eAusbildung und Pr\u00fcfung der preu\u00dfischen Landmesser und Kulturtechniker\u201c, 3. Aufl, Berlin 1904.","page":190},{"file":"p0191.txt","language":"de","ocr_de":"1. Allgemeiner Ueberblick.\n191\nEine Einrichtung, die in diesem Sinne weiter wirkt, ist die \u00dcberweisung der Assistenten f\u00fcr den geod\u00e4tischen Unterricht aus der Reihe der Landmesser, welche im Dienste der landwirtschaftlichen Verwaltung stehen, an die Hochschule auf die Dauer einiger Jahre, w\u00e4hrend welcher Zeit diese Herren weder an ihren Bez\u00fcgen noch in ihrer Bef\u00f6rderung Einbuge erleiden. Es soll auf etwa 50 Studierende je ein Assistent einberufen werden, und dazu reichten die wenigen, im Budget der Hochschule vorgesehenen und knapp dotierten Assistentenstellen nicht aus, weshalb auf Anregung unseres Kurators, des Ministerialdirektors Dr. Thiel, die vorgenannte Anordnung in den Etat des Landwirtschaftsministeriums auf genommen, auch vom Landtag ohne Anstand genehmigt wurde. Den Assistenten ist reichlich Gelegenheit geboten, ja ihr Dienst leitet sie geradezu darauf hin, sich fachlich weiter zu bilden, noch einzelne Vorlesungen an der Universit\u00e4t oder der technischen Hochschule zu h\u00f6ren, wissenschaftliche Fragen zu bearbeiten und sich literarisch zu versuchen. Diese Einrichtung ist mehr wert alsReisestipendien und dergleichen, womit man in Frankreich besondere Pr\u00fcfungsleistungen belohnt. Durch den Anschlug an einen anregenden und ehrenvollen Dienst wird das Weiterstudieren getragen und belebt, durch die oft recht anstrengende Doppelverpflichtung die Tatkraft sehr gesteigert. Mit den Erfolgen dieses eigent\u00fcmlichen Instituts, aus dem u. a. akademische Lehrer der Geod\u00e4sie, Leiter gr\u00f6gerer Vermessungsbetriebe usw. hervorgegangen sind, darf die Stifterin, die landwirtschaftliche Verwaltung, zufrieden sein, auch wenn sie einzelne ihrer begabten jungen Beamten verliert, d. h. an andere Ressorts, den Reichsdienst usw. abgibt.\nIn dieser Hinsicht galt in unserem Ministerium stets eine weitherzige Auffassung.\nAbb. 38. Friedrich Gustav Gau\u00df.","page":191},{"file":"p0192.txt","language":"de","ocr_de":"192 VII. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nWenn man jetzt zwei wohlorganisierte Lehrst\u00e4tten f\u00fcr angehende Landmesser, zu Berlin und Poppelsdorf, im vollen Betriebe sieht und dabei nur bedauern mug, dag nicht jeder, der es k\u00f6nnte, von der ihm gebotenen Bildungsgelegenheit den richtigen Gebrauch macht, m\u00f6chte man den Blick der Jugend auf jene M\u00e4nner lenken, die, \u201eihre eigenen Bildner und Sch\u00f6pfer\u201c, Jahrzehnte vor Er\u00f6ffnung der ersten Vorlesungen f\u00fcr Landmesser die Vermessungsarbeiten des preugischen Katasters und der Generalkommissionen auf eine solche Stufe erhoben haben, dag sie vielfach als vorbildlich f\u00fcr andere L\u00e4nder, auch f\u00fcr das Ausland gelten durften. Unter jenen M\u00e4nnern war einer, der jetzt in den Ruhestand getretene Wirkliche Geheime Rat Dr. h. c. Friedrich Gustav Gaug, Exzellenz, dazu berufen, eine der gr\u00f6gten Aufgaben, die je einem Katasterbeamten zugefallen sind, zu l\u00f6sen: die Leitung des Vermessungswesens bei Neuregelung der Grundsteuer in der gesamten preugischen Monarchie 1861\u20141878. Wie ein hochbegabter, aber auch mit eisernem Fleig und unersch\u00fctterlicher Pflichttreue ger\u00fcsteter Mann an und mit seinem Werk emporw\u00e4chst, wie er an Einflug gewinnt und dann in weite Gebiete seines Faches segensreich eingreifen kann, daf\u00fcr bietet das Leben von F. G. Gaug ein erhebendes Beispiel*). Auch zu unserer Hochschule trat Gaug schon bei den Vorberatungen zur Gr\u00fcndung der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung und dann als Vorsitzender der k\u00f6niglichen Oberpr\u00fcfungskommission f\u00fcr Landmesser in (noch jetzt) dauernde Beziehung. Gelegentlich von Gaug\u2019 f\u00fcnfzigj\u00e4hrigem Dienstjubil\u00e4um kamen die Mitglieder der Abordnung, welche den Gl\u00fcckwunsch der Hochschule zu \u00fcberreichen hatte, angesichts von soviel Zeichen aufrichtiger Verehrung**) auf den Gedanken, die Aufstellung einer Marmorb\u00fcste von Gaug in dem f\u00fcr die Geod\u00e4ten erbauten H\u00f6rsaal zu beantragen. Die B\u00fcste, von Reinhold Felderhoff ausgef\u00fchrt, ist hier abgebildet. Sie soll den Studierenden davon erz\u00e4hlen, dag F. G. Gaug einst, wie sie, als schlichter Landmesserz\u00f6gling begonnen hat, und sie auffordern, ihm an Willenskraft und Pflichttreue auch sp\u00e4ter zu gleichen. (Abb. 38.)\n2. Das mathematische Seminar.\nDas Seminar hat die Aufgabe, den Studierenden Gelegenheit einerseits zur Wiederauffrischung elementarer Kenntnisse, andererseits aber und vornehmlich zur Durcharbeitung und Ein\u00fcbung des in den Vor-\n*) Vergl. Otto Koll: Zum f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Dienstjubil\u00e4um von Friedrich Gustav Gaug, Zeitschr. f. Vermessungswesen, 1899, Heft 3.\n**) Die Katasterbeamten errichteten eine Gaugstiftung, die von dem Gefeierten zur Unterst\u00fctzung Geod\u00e4sie studierender S\u00f6hne von Katasterbeamten bestimmt ward.","page":192},{"file":"p0193.txt","language":"de","ocr_de":"2. Das mathematische Seminar.\n193\nlesungen dargebotenen Stoffes zu liefern, endlich, sie zu Erweiterungen dieses Stoffes durch ein von Vortrag durchsetztes System von \u00dcbungen zu f\u00fchren. Auf diese Weise sucht das Seminar in Verbindung mit den Vorlesungen*) hinzuarbeiten auf das Ziel des mathematischen Studiums der jungen angehenden Geod\u00e4ten; n\u00e4mlich auf das Ziel, dag ihnen die mathematische Schulung und das unentbehrliche geistige Werkzeug zum Eindringen in ihr Fach dargeboten werde. Vorlesungen und Seminar m\u00fcssen sich demgem\u00e4g m\u00f6glichst auf solche Disziplinen beschr\u00e4nken, zu denen die Praxis des Geod\u00e4ten in einer gewissen Verwandtschaft steht. Ganz besonders zu pflegen ist daher die Anschauung; und hierzu helfen die darstellende Geometrie und eine nicht zu beschr\u00e4nkte Vorf\u00fchrung von Modellen und Modellzeichnungen (die in primitivster, aber zweckentsprechender Ausf\u00fchrung vorhanden sind). In das Seminar fallen dem Gesagten entsprechend: \u00dcbungen im Aufl\u00f6sen von quadratischen und kubischen Gleichungen, \u00dcbungen im Aufl\u00f6sen von einzelnen h\u00f6heren algebraischen, auch einzelnen transzendenten Gleichungen mittels der Newton\u2019schen N\u00e4herungsmethode (z. B. Berechnung der Zahl ji, wobei allerdings die Reihe f\u00fcr sin x bereits benutzt wird**). \u00dcbungen im Bestimmen von Grenzen, im Sch\u00e4tzen des Fehlers, bis auf den man die Summe einer konvergenten Reihe erh\u00e4lt, wenn man die Reihe abbricht, dementsprechend: angen\u00e4herte Berechnung solcher Summen, insbesondere auch Berechnung der Zahl e, einzelner Logarithmen, Sinus etc. Ferner \u00dcbungen in der Zinseszins-und Rentenrechnung. \u00dcbungen in der Entwicklung und Handhabung der goniometrischen und trigonometrischen Formeln. \u00dcbungen in der darstellenden Geometrie mit einer und zwei Projektionsebenen, insbesondere \u00dcbungen in der Darstellung einfacher, in der Praxis vorkommender Gebilde, z. B. eines Balkenzapfens, eines Doppel-T-Tr\u00e4gers, eines Widerlagers f\u00fcr eine \u00dcberleitungsrinne, eines Durchlasses u. a. \u2014 L\u00f6sung einfacher sph\u00e4risch - trigonometrischer Aufgaben aus der Erd- und Himmels-Geographie durch Rechnung, in einzelnen F\u00e4llen, zwecks Veranschaulichung, auch durch darstellende Geometrie. Beispiele: Man denke sich auf k\u00fcrzestem Wege ein Kabel, gelegt von Peking (40\u00b0 n. Br., 116\u00b0 26' \u00f6. L. Greenwich) nach Rio de Janeiro (23\u00b0 s. Br., 43\" w. L. Gr.); wo liegt der n\u00f6rdlichste Punkt des Kabels? (L\u00f6sung durch Rechnung; L\u00f6sung durch Zeichnung; Modell.) \u2014 Ein Schiff f\u00e4hrt von einem Punkt A der Marokkanischen K\u00fcste, 30\u00b0 n. Br., 10\u00b0 w. L. Gr., immer genau westlich bis zur Stadt Ste. Augustine, 30\u00b0 n. Br., 81\u00b0 15' w. L. Gr., (Halbinsel Florida); einen wie gro\u00dfen Umweg macht das Schiff? \u2014\n*) Siehe Verzeichnis der Vorlesungen an der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule, Sommersemester 1905, und Wintersemester 1905/1906.\n**) Vergl. \u201eReichel, Vorstufen etc. Leipzig 1903.\u201c\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n13","page":193},{"file":"p0194.txt","language":"de","ocr_de":"194\nVI. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nJemand reist von der Nordspitze der Insel Island, 661 /2 0 n. Br., 22'/2 0 w. L. Gr., in der Richtung nach West-S\u00fcd-West ab, und reist immer genau gerade aus, d. h. im Grogkreisbogen. Wie weit mug er reisen, bis die Richtung seines Weges sich in S\u00fcd-S\u00fcd-West verwandelt hat? Ein Schiffskapit\u00e4n beobachtet an einem gewissen Tage die Sonne um 9 Uhr 52 Min. Vormittags unter einem Azimut von 145\u00b0 und in einer H\u00f6he von 30\u00b0; in welcher geographischen Breite befindet sich das Schiff?\n\u00dcbungen im Differenzieren, Bestimmung der Grenze eines Bruchs, wenn Z\u00e4hler und Nenner die Grenze Null haben. Maxima und Minima einer Funktion f (x). Absolute Maxima oder Minima einer Funktion f (x, y), oder f (x, y, z) . . . .\nBestimmung bedingter Maxima und Minima nach der Methode von Lagrange.\n\u00dcbungen im Auffinden einfacherer Integrale durch Substitution, oder durch partielle Integration, oder durch Partialbruchzerlegung. Auswertung einfacherer bestimmter Integrale.\t\u00dcbungen im\nanalytisch-geometrischen Bestimmen von Punkten, Linien, Ebenen aus Bedingungen, die f\u00fcr dieselben gegeben sind. Analytisch-geometrische \u00dcbungsaufgaben \u00fcber Kreis, Ellipse, Parabel, Hyperbel. Berechnung der Kr\u00fcmmungsradien einer Kurve, die durch ihre Gleichung gegeben ist, und, unter Hinzuziehung der sich ergebenden Werte, eine angen\u00e4herte \u201epunktweise\u201c Zeichnung der Kurve. Ferner Berechnung des zwischen Kurve, Abszissenachse und zwei Ordinaten enthaltenen Fl\u00e4cheninhalts (\u201eKurvenvierecks\u201c) durch Integration. Beispiel: Bei der Kurve y= g Bestimmung der Ordinaten und der\nKr\u00fcmmungskreise f\u00fcr die Abszissen O, ~ *\t71 ~ n und Auswertung\nTC\t2 7t\ndes durch die Abszissen und _ bestimmten Kurvenvierecks. Zeich-\nb ,\to\nnun g der Kurve (Empfohlen: Kontrolle dnrch Ausschneiden des Kurvenvierecks aus einer Postkarte, ebenso Ausschneiden der Fl\u00e4cheneinheit, W\u00e4gen, Vergleichen der Gewichte).\nAls ein Gegenstand, dessen Behandlung im Seminar wenigstens mit vorbereitet wird, wenn er auch im \u00fcbrigen der Vorlesung anheimf\u00e4llt, werde schlie\u00dflich noch erw\u00e4hnt das f\u00fcr die Geod\u00e4sie ganz besonders wichtige Thema: \u201eKr\u00fcmmungsradien der Normalschnitte des Erd-ellipsoids.\u201c Die Bestimmung der Kr\u00fcmmungsradien f\u00fcr jeden durch seine geographische Breite gegebenen Ort wird, unter Herleitung und Benutzung des Eulerschen Lehrsatzes, und w\u00e4hrend durch Zeichnungen und Modelle die notwendige anschauliche Unterlage dargeboten wird, theoretisch vollst\u00e4ndig entwickelt.\nVorsteher des mathematischen Seminars: Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Otto Reichel. Geboren 1836 zu Eisenspalterei bei Eberswalde. Sch\u00fcler des Gymnasiums zum grauen Kloster in Berlin von Ostern 1845 bis Ostern 1854;","page":194},{"file":"p0195.txt","language":"de","ocr_de":"3. Seminar f\u00fcr geographische Ortsbestimmung.\n195\nStudiosus (Mathematik und Physik) bis Mai 1861, anfangs zu Berlin, dann zu K\u00f6nigsberg i. Pr., Ostern 1862 Schulamtskandidat an der Realschule zur Burg in K\u00f6nigsberg i. Pr., und darauf am Kneiph\u00f6fischen Gymnasium ebendaselbst; Ostern 1863 wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Realschule zu St. Petri und Pauli in Danzig; Ostern 1864 ordentlicher Lehrer am Gymnasium zu Thorn; Ostern 1869 Oberlehrer am sp\u00e4teren Kaiserin Augusta-Gymnasium zu Charlottenburg; Juli 1873 Verleihung des \u201eDr. phil.\u201c durch die Georgia-Augusta in G\u00f6ttingen; Michaelis 1873 im Nebenamt Privatdozent an der K\u00f6niglichen Gewerbeakademie zu Berlin, sp\u00e4teren technischen Hochschule; Ostern 1883, ebenfalls im Nebenamt, Dozent an der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule; 1886 Verleihung des Professortitels; Ostern 1897 Berufung an die Hochschule als etatsm\u00e4giger Professor f\u00fcr Mathematik; Weihnachten 1903 Verleihung des Charakters als Geheimer Regierungsrat. Seit 1883 Mitglied der K\u00f6niglichen Pr\u00fcfungskommission f\u00fcr Landmesser.\nSchriften: Grundlagen der Arithmetik, T. I, 1886, T. II, 1890, beide Berlin bei Haude & Spener; Vorstufen der h\u00f6heren Analysis und analytischen Geometrie 1904 (Teubner); drei Schulprogramm-Abhandlungen; eine Reihe von Abhandlungen in der Zeitschrift f\u00fcr physikalischen und chemischen Unterricht (bei Springer in Berlin).\n3. Seminar f\u00fcr geographische Ortsbestimmung.\nDas Seminar besteht an der landwirtschaftlichen Hochschule seit 1892. Dies ist die Zeit, da in der Abteilung die zweite Professur f\u00fcr Geod\u00e4sie gegr\u00fcndet wurde. Die Notwendigkeit, den jungen Landmessern, welche in unsere Kolonien oder sonst in \u00fcberseeische L\u00e4nder gehen, schon auf der Hochschule die Gelegenheit zu bieten, sich mit der geographischen Ortsbestimmung vertraut zu machen, hatte sich als dringend herausgestellt.\nDie Vortr\u00e4ge setzen die Benutzung einer Uhr, welche Greenwichsche Zeit angibt, voraus. L\u00e4ngenbestimmungen durch Messen von Monddistanzen, Bedeckungen von Fixsternen durch den Mond, welche auch eine geringe Genauigkeit erwarten lassen, sind von ihnen ausgeschlossen.\nAn den \u00dcbungen zur Ortsbestimmung, die im Anschlug an die Vorlesungen im Sommersemester abgehalten werden, nehmen im Durchschnitt etwa 40 Studierende teil. Sie finden auf dem Westturme statt, von dem sich eine Abbildung in dieser Festschrift findet. Die \u00dcbungen erstrecken sich auf Zeit- oder L\u00e4ngenbestimmung ungef\u00e4hr im ersten Vertikal, sowie auf Durchgangsbeobachtungen des Polarsterns und eines Zeitsterns in beliebigen Vertikalebenen, welcher sich aber in der N\u00e4he des Meridians befindet. Breitenbestimmungen werden ausgef\u00fchrt mit der Sonne, mit S\u00fcdsternen oder dem Polarstern. Endlich wird das Azimut mit der Sonne oder mit Fixsternen in der N\u00e4he des ersten Vertikals oder durch Visieren nach dem Nordpolarstern bestimmt. Die Messungen werden meist mit Theodoliten, die 30 Sekunden angeben, ausgef\u00fchrt. Jedoch steht f\u00fcr die ge\u00fcbteren Herren ein Universalinstrument zur Verf\u00fcgung. Dieses Instrument, aus der Werkst\u00e4tte des\n13*","page":195},{"file":"p0196.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 39. Oberer Beobachtungssaal des Westturmes.\n196\nVII. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nMechanikers Wanschaff in Berlin, zeichnet sich durch seine genaue Teilung aus; wie \u00fcberhaupt die aus dieser Firma hervorgegangenen Instrumente sich durch au\u00dferordentliche Feinheit der Teilung hervortun.","page":196},{"file":"p0197.txt","language":"de","ocr_de":"3. Seminar f\u00fcr geographische Ortsbestimmung.\n197\nSeine Kreise haben einen Durchmesser von 21 cm. Es gestattet noch Sekunde abzulesen. Mehr zum Gebrauch des Dozenten ist ein Passageinstrument, von Bamberg in Friedenau, bestimmt. Dieses hat auf der Br\u00fcstung der s\u00fcdlichen Fenster seine Aufstellung gefunden. Eine Lucke, welche im Dache des Turmes angebracht ist, erm\u00f6glicht es Visuren nach dem Polarstern zu nehmen. Weil der Aufstellungsort dem Instrument keine dauernd feste Stellung gew\u00e4hrt, werden Zeitbestimmungen durch Durchgangsbeobachtungen im Vertikal des Polarsterns ausgef\u00fchrt.\nZur Beleuchtung des Fadenkreuzes bei den Nachtbeobachtungen dient elektrisches Licht, welches von kleinen Birnen gespendet wird.\nAn astronomischen Uhren sind vier vorhanden, eine Pendeluhr, die im unteren Westturmsaal ihre Aufstellung gefunden hat, ferner f\u00fcr die direkten Beobachtungen zwei Box- und ein Taschenchronometer.\nDie Vorlesungen \u00fcber das deutsche Vermessungswesen, \u00fcber Kartenprojektionen sowie die \u00dcbungen zur Ausgleichung und Landesvermessung und die geod\u00e4tischen Zeichen\u00fcbungen werden ebenfalls von dem Unterzeichneten abgehalten, deshalb mag im Anschlu\u00df an das Vorgehende ein Bericht \u00fcber diese Vorlesungen und \u00dcbungen hier seinen Platz finden.\nEs wird in den Vorlesungen \u201edas deutsche Vermessungswesen\u201c, kurz ein Lebensabri\u00df der gro\u00dfen deutschen Astronomen und Geod\u00e4ten Bessel und Gau\u00df gegeben, woran sich die Betrachtung ihrer geod\u00e4tischen Werke schlie\u00dft. Sowohl die Gradmessung in Ostpreu\u00dfen als auch die von Gau\u00df in Hannover ausgef\u00fchrte Gradmessung und die daran sich anschlie\u00dfende Landesvermessung werden ausf\u00fchrlich behandelt. Daran reihen sich die Arbeiten des Generals Baeyer: die K\u00fcstenvermessung, die schlesische Dreieckskette, der Anschlu\u00df bei Tarnowitz, sowie das rheinische Dreiecksnetz, um endlich mit den Werken der preu\u00dfischen Landesaufnahme, welche sehr ausf\u00fchrlich behandelt werden, zu schlie\u00dfen. Im Anschlu\u00df daran findet noch eine kurze Besprechung der geod\u00e4tischen Arbeiten der Kataster- und landwirtschaftlichen Verwaltung statt.\nIn der Vorlesung \u201edie Kartenprojektionen\u201c, welche w\u00e4hrend eines Semesters einst\u00fcndig per Woche stattfindet, werden die perspektivische, die Parallelprojektion, die Abbildung durch Abwickelung, die \u00e4quivalente und konforme Projektion auf einfache Weise entwickelt und kurz besprochen.\nDie \u00dcbungen zur Ausgleichungsrechnung und Landesvermessung nehmen einen breiten Raum in dem Stundenplan des zweiten Jahrgangs unserer Abteilung ein. So werden im Sommer drei und im Wintersemester vier Stunden mit diesen \u00dcbungen ausgef\u00fcllt. Sie erstrecken sich im wesentlichen auf die praktische Ein\u00fcbung der in den betreffenden Vorlesungen behandelten Probleme. Es wird der Gegenstand nochmals theoretisch besprochen, woran sich alsdann das Aus-","page":197},{"file":"p0198.txt","language":"de","ocr_de":"198\nVII. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nrechnen von ein oder zwei seitens der Studierenden zu bearbeitenden Zahlenbeispielen schlie\u00dft.\nDer geod\u00e4tische Zeichenunterricht findet in der Woche zweist\u00fcndig f\u00fcr die H\u00f6rer des ersten Studienjahres statt. Er bezweckt haupts\u00e4chlich die Fertigkeit im Zeichnen der von der Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr Landmesser vorgeschriebenen Studienkarte. Diese besteht im Kopieren und Auszeichnen eines Teils eines Me\u00dftischblatts. Weil der Ma\u00dfstab der preu\u00dfischen Me\u00dftischbl\u00e4tter f\u00fcr diese Zwecke ein zu kleiner ist, und namentlich die Ortslagen sehr winzig ausfallen, werden die hessischen Bl\u00e4tter von der Umgegend von Kassel, welche in doppelt so gro\u00dfem Ma\u00dfstabe als jene preu\u00dfischen gezeichnet sind, als Originale gew\u00e4hlt. Die \u00dcbungen erstrecken sich also auf das Zeichnen von Signaturen, Schrift und Bergstrichen. Dabei ist die Wahrnehmung gemacht worden, da\u00df gute mathematische und geod\u00e4tische Kenntnisse sich meist mit einer t\u00fcchtigen Leistung im Zeichnen deckten.\nLebenslauf des Professors Ernst Hegemann, Vorstehers des Seminars f\u00fcr geographische Ortsbestimmung.\nGeboren am 9. September 1857 zu Barmen. Sein Staatsexamen legte er in Aachen ab, worauf er nach einigen Jahren praktischer Besch\u00e4ftigung 1886 Assistent an der hiesigen Hochschule wurde. Zum Professor an dieser wurde er im Jahre 1892 ernannt.\nDie von ihm herausgegebenen B\u00fccher sind die folgenden: 1. \u00dcbungsbuch f\u00fcr die Anwendung der Ausgleichungsrechnung auf die praktische Geometrie (2. Auflage). 2. Das topographische Zeichnen. 3. Lehrbuch der Landesvermessung, s\u00e4mtlich bei Paul Parey, Berlin erschienen.\n4. Das kulturtechnische Seminar.\nDie Vortr\u00e4ge und \u00dcbungen in der Kulturtechnik, die in Verbindung mit denen \u00fcber Erd-, Wege-, Br\u00fccken- und Wasserbau die Studierenden bef\u00e4higen sollen, Entw\u00fcrfe f\u00fcr Landeskulturen aufzustellen, erstrecken sich \u00fcber vier Semester. Sie gliedern sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil.\nIn ersterem und zwar in den ersten beiden Semestern werden die Grundlehren der Kulturtechnik, die Lehre von den Ent- und Bew\u00e4sserungen sowie von der Moorkultur vorgetragen. Es wird besonderer Wert darauf gelegt, den Studierenden die Niederschlags- und Abflu\u00dfverh\u00e4ltnisse in Gr\u00e4ben, B\u00e4chen und Fl\u00fcssen, die Wechselwirkung zwischen Boden, Wasser und Luft, sowie die technischen Ma\u00dfnahmen zur Erzielung und F\u00f6rderung g\u00fcnstiger Wirkungen klar zu machen. Sodann wird die Entw\u00e4sserung durch offene Gr\u00e4ben und verdeckte Leitungen (Drainage) mit nat\u00fcrlicher und k\u00fcnstlicher Vorflut besprochen. Hieran schlie\u00dft sich die Lehre von der Bew\u00e4sserung und der Moorkultur.","page":198},{"file":"p0199.txt","language":"de","ocr_de":"4. Das kulturtechnische Seminar.\n199\nBei diesen Vortr\u00e4gen wird an geeigneten Stellen besonders hervorgehoben und an zahlreichen Modellen er\u00f6rtert, dag alle kulturtechnischen Magnahmen sich den vorhandenen Verh\u00e4ltnissen anschmiegen m\u00fcssen und dag der Wert der Arbeiten und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen um so gr\u00f6ger ist, je mehr dieses beachtet wird.\nUm den Studierenden Gelegenheit zu geben, die theoretischen Auseinandersetzungen auf die Praxis zu \u00fcbertragen, sind in den beiden letzten Semestern \u00dcbungen im Entwerfen kulturtechnischer Anlagen eingerichtet, in denen jeder Studierende, der das kulturtechnische Examen abzulegen gedenkt, wenigstens einen Entwurf f\u00fcr Ent- und einen f\u00fcr Bew\u00e4sserung anzufertigen hat. Unterst\u00fctzt werden diese praktischen \u00dcbungen durch das Seminar f\u00fcr Kulturtechnik, durch Besichtigungen kulturtechnischer Anlagen, sowie durch \u00dcbungen auf dem kulturtechnischen \u00dcbungsfelde.\nDiese praktischen \u00dcbungen sind f\u00fcr die weitere Entwicklung des jungen Kulturtechnikers von ganz besonderer Bedeutung. Die gemeinschaftliche Arbeit des Dozenten und seiner Assistenten mit den Studierenden, die Vortr\u00e4ge einzelner Studierender im Seminar und die sich an diese anschliegende Besprechung, die Besichtigung ausgef\u00fchrter Anlagen und nicht weniger die Mitarbeit auf dem \u00dcbungsplatz hebt das Interesse und kl\u00e4rt die Ansichten in ganz hervorragender Weise.\nBei dem Entwerfen kulturtechnischer Arbeiten wird nicht nur der Entwurf in zeichnerischer Darstellung, sondern auch ein zugeh\u00f6riger Erl\u00e4uterungsbericht mit den technischen Berechnungen und dem Kostenanschlag geliefert. Auch die wirtschaftliche Seite des Entwurfs erf\u00e4hrt gen\u00fcgende Beachtung.\nIm Seminar werden teils die Grundlehren der Kulturtechnik an der Hand ausgef\u00fchrter Beispiele, teils einzelne besonders wichtige Magnahmen eingehender, als dies in den Vortr\u00e4gen m\u00f6glich war, besprochen, teils werden von den Studierenden kleinere Vortr\u00e4ge gehalten; dabei wird auf eine rege Beteiligung aller Studierenden an den Besprechungen besonderer Wert gelegt.\nEs gibt wohl kaum ein besseres Mittel zur Hebung des Interesses der Studierenden f\u00fcr die Kulturtechnik, als die Besichtigung ausgef\u00fchrter Anlagen. Da die n\u00e4chste Umgebung von Berlin hierzu wenig Gelegenheit bietet, so hat der Herr Minister f\u00fcr Landwirtschaft allj\u00e4hrlich eine Summe zur Unterst\u00fctzung von Studierenden f\u00fcr diese Exkursionen zur Verf\u00fcgung gestellt, die es auch wenig Bemittelten erm\u00f6glicht, sich an mehrt\u00e4gigen Exkursionen zu beteiligen.\nVon der Dom\u00e4ne Dahlem bei Berlin ist in den letzten Jahren ein Grundst\u00fcck von etwa U/2 ha Gr\u00f6\u00dfe, das in etwa 3/+ Stunden von der landwirtschaftlichen Hochschule zu erreichen ist, zur Vornahme praktischer \u00dcbungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Den Studierenden wird","page":199},{"file":"p0200.txt","language":"de","ocr_de":"200 VII. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nhier Gelegenheit geboten, nicht nur den Projektentwurf auf den Plan zu \u00fcbertragen, die erforderlichen Messungen auszuf\u00fchren, sondern auch die Ausf\u00fchrung selbst zu \u00fcbernehmen oder wenigstens zu leiten.\nLeiter des kulturtechnischen Unterrichts ist der Geheime Oberbaurat von M\u00fcnstermann, Vortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\n5. Das bautechnische Seminar.\nDie Vortr\u00e4ge \u00fcber Erd-, Wege-, Br\u00fccken- und Wasserbau erstrecken sich auf die dem Kulturingenieur zufallenden einfacheren Aufgaben auf diesen Gebieten. Vollkommene Br\u00fccken- und Wasserbauingenieure auszubilden, wird nicht beabsichtigt. Studierende, die dieses Ziel im Auge haben, m\u00fcssen sich bei einer technischen Hochschule einschreiben lassen. Den Studierenden der landwirtschaftlichen Hochschule soll nur Gelegenheit geboten werden, sich diejenigen Kenntnisse anzueignen, welche erforderlich sind, um die bei Meliorationen geringeren Umfanges, insbesondere auch bei Separationen h\u00e4ufiger wiederkehrenden bautechnischen Aufgaben selbst\u00e4ndig bearbeiten, die erforderlichen Projekte also sachgem\u00e4\u00df aufstellen, veranschlagen und ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen.\nEs werden besprochen die allgemeinen und besonderen Vorarbeiten f\u00fcr Erdbauten der verschiedensten Art, die Bearbeitung der Projekte, Ermittelung und Verteilung der Massen, Aufstellung der Kostenanschl\u00e4ge, Verdingung und Ausf\u00fchrung der Arbeiten.\nSodann die Kr\u00fcmmungs- und Steigungsverh\u00e4ltnisse der verschiedenen Wegegattungen und die verschiedenen Arten ihrer Befestigung.\nIm Br\u00fcckenbau gelangen die gebr\u00e4uchlichen Durchl\u00e4sse, Br\u00fccken geringerer Lichtweite mit massivem und h\u00f6lzernem Unterbau, sowie h\u00f6lzernem und eisernem \u00dcberbau und kleinere gew\u00f6lbte Br\u00fccken zum Vortrag, einschlie\u00dflich der Bestimmung der Lichtweiten und der Wahl der Gr\u00fcndungsart. Es wird Wert darauf gelegt, da\u00df die Studierenden die Eigenschaften der verschiedenen Baumaterialien kennen lernen, und ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Beanspruchungen bekommen, welche durch die Nutzlast, den Erddruck und Gew\u00f6lbeschub die einzelnen Konstruktionsteile und die Fundamentsohle erfahren.\nIm Wasserbau wird die Regulierung kleinerer Fl\u00fcsse er\u00f6rtert, die Bestimmung der zu w\u00e4hlenden Querschnitte vorgenommen, die Befestigung der B\u00f6schungen, die Anwendung und Konstruktion von Kaskaden, Eindeichungen, fester und beweglicher Wehre, von Unter- und \u00dcberleitungen, Deicheinl\u00e4ssen usw. besprochen.\nDie Vortr\u00e4ge werden durch Modelle unterst\u00fctzt, die neuerdings in gr\u00f6\u00dferem Umfange beschafft werden und zum Verst\u00e4ndnis des Vorgetragenen au\u00dferordentlich f\u00f6rderlich sind.","page":200},{"file":"p0201.txt","language":"de","ocr_de":"5. Das bautechnische Seminar.\n201\nUnter Anweisung des Dozenten und seines Assistenten haben die Studierenden sodann im 3. und 4. Semester je einen Entwurf aus dem Gebiete des Br\u00fcckenbaues und des Wasserbaues nach gegebenem Programm anzufertigen, zu berechnen und zu veranschlagen.\nDa die meisten Studierenden vor dem Beginn ihres akademischen Studiums noch keine Gelegenheit gehabt haben, sich mit diesen Aufgaben zu besch\u00e4ftigen, so w\u00fcrde durch Vortr\u00e4ge und Entwurfsbearbeitung allein das gesteckte Ziel kaum in vollem Umfange erreicht werden. Es werden deshalb Exkursionen unternommen, auf welchen den Studierenden die verschiedensten Bauwerke - in der Regel in Verbindung mit Meliorationen \u2014 vorgef\u00fchrt und erl\u00e4utert werden. Au\u00dferdem ist noch ein Seminar eingerichtet worden, in welchem kleinere Aufgaben skizziert und an der Hand der L\u00f6sungen die vorgetragenen Lehren nochmals er\u00f6rtert werden.\nEin solches Seminar mit m\u00fcndlicher Aussprache zwischen Studierenden und Lehrenden bietet Gelegenheit, unzutreffende Auffassungen der Studierenden zu erkennen und richtig zu stellen, schwierigere Probleme nochmals eingehend zu behandeln und so volles Verst\u00e4ndnis des Geh\u00f6rten zu erreichen.\nKann bei dem kurzen Studium, den wenigen zur Verf\u00fcgung stehenden Vortragsstunden und der noch mangelnden Praxis der Studierenden auch nicht erwartet werden, dag sie nach dem Verlassen der Hochschule fertige Kulturingenieure sind und sofort selbst\u00e4ndig allen an einen Kulturteckniker gestellten Anforderungen in vollem Umfange gerecht zu werden verm\u00f6gen, so steht doch zu hoffen, dag das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Aufgaben geweckt ist und dag diejenigen Studierenden, die das am Schl\u00fcsse des Studiums abzulegende umfassendere kulturtechnische Examen bestanden haben, bef\u00e4higt sind, in der Praxis sich weiter zu bilden und, nachdem sie noch praktische Erfahrungen gesammelt haben werden, die ihnen zufallenden Aufgaben in t\u00fcchtiger Weise zu l\u00f6sen.\nLeiter des bautechnischen Unterrichts ist der Geheime Oberbaurat Nolda, Vortragender Rat im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\n6. Das geod\u00e4tische Seminar.\nDie Vorlesungen \u00fcber praktische Geometrie ziehen sich je dreist\u00fcndig durch zwei Semester. Im Sommer befassen sie sich haupts\u00e4chlich mit Feldmessen und Nivellieren f\u00fcr das erste Studiensemester, im Winter mit Instrumentenkunde f\u00fcr das zweite. Erleichtert werden die Sommervorlesungen durch die praktische Vorbildung der Zuh\u00f6rer, erschwert durch die best\u00e4ndige R\u00fccksicht auf die Anwendung des Ge-","page":201},{"file":"p0202.txt","language":"de","ocr_de":"202 VII. Die geod\u00e4tisch-kulturteclinische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nh\u00f6rten in den gleichzeitigen Meg\u00fcbungen. So l\u00e4gt sich wohl in der Einleitung eine klare Zerlegung des Stoffes nach Kapiteln und Paragraphen vollziehen, doch kann der Vortrag sich daran nicht halten, sondern mug h\u00e4ufig die Gegenst\u00e4nde behandeln, die gerade dringlich erscheinen. Indessen bleibt im grogen und ganzen die Hauptgliederung gewahrt: Fl\u00e4chenberechnung, Fl\u00e4chenteilung und Grenzregelung, Herstellen von Liniennetzen zur St\u00fcckvermessung, Punkteinschaltung durch Kleintriangulation, Nivellieren mit Entwerfen der Niveaukurven und Abstecken mit dem Nivellierinstrument.\nDie Instrumentenkunde im Winter fugt auf der von unserm Physiker im Sommer gehaltenen Vorlesung \u00fcber Dioptrik, wirft aber gleichwohl noch einen Blick auf das Fernrohr, um die dem Geod\u00e4ten wichtigsten Eigenschaften hervorzuheben, greift dann als weiteren Bestandteil der Meginstrumente die Libelle heraus, die f\u00fcr sich und in Verbindung mit Fernrohr und Drehachsen betrachtet wird, bespricht den geteilten Kreis mit Alhidade und Ablesevorrichtungen und dann die Zusammenstellung aller dieser Bestandteile zu Theodoliten, Nivellierinstrumenten usw. An den H\u00f6henkreis des Theodolits schliegt sich die trigonometrische H\u00f6henmessung an. Dem folgen noch die Instrumente zum Karteneintrag (Kartierinstrumente) und zum \u00dcbertragen in andern Magstab (Storchschnabel), endlich zur Fl\u00e4chenberechnung, wobei die ganze Gattung der Scharnierplanimeter von einem Gesichtspunkt aus behandelt wird.\nDen Vortrag \u00fcber Feldmessen und Nivellieren unterst\u00fctzen die geod\u00e4tischen Rechen\u00fcbungen (unter Mitwirkung zweier Assistenten zweist\u00fcndig im Sommer und Winter). Es werden allen Studierenden zugleich gemeinsame Aufgaben aus der Landmegkunde gestellt und diese nun von jedem f\u00fcr sich mit geeigneten Rechenhilfsmitteln behandelt, auftauchende Schwierigkeiten mit dem einzelnen oder f\u00fcr alle erl\u00e4utert, der Wert der Rechenproben stets betont, die Ergebnisse aber augerdem nach und nach an die Tafel geschrieben. Die Gemeinsamkeit der Aufgaben weckt wohl das Interesse, deckt aber so recht die grogen Unterschiede der \u00dcbung im Rechnen auf, deren Wirkung durch Stellen von kleineren Zwischenaufgaben (z. B. \u00fcber den Gebrauch des analytischen Winkeimages) f\u00fcr die ge\u00fcbteren m\u00f6glichst ausgeglichen wird. Es wird nach Kr\u00e4ften erstrebt, die Regeln der feineren Rechenkunst zum Gemeingut zu machen, ein Bem\u00fchen, dem freilich ungleiche Begabung und Schulung, sowie K\u00fcrze der Studienzeit eine Grenze ziehen. Weit mehr liege sich erreichen, wenn die jungen Semester, denen diese \u00dcbungen gelten, schon einige Erfahrung darin bes\u00e4gen, welch unerwartete Ausbildung im Kalk\u00fcl man sich durch Selbstnachhilfe geben kann.\nDer Vortrag \u00fcber Tracieren (zweist\u00fcndig im Winter) f\u00e4llt f\u00fcr die meisten ins zweite Semester und kann damit rechnen, dag \u00fcber Erdbau schon","page":202},{"file":"p0203.txt","language":"de","ocr_de":"6. Das geod\u00e4tische Seminar.\n203\nvorgetragen ist, also z. B. die Regeln f\u00fcr Berechnung der Erdmassen und Transportweiten schon bekannt sind. So bringt er denn zun\u00e4chst als Nachtrag nur die strenge Definition der windschief begrenzten Erdk\u00f6rper, die als Stellvertreter der wirklichen dienen, und deren Kubatur. Von dem eigentlichen Lehrstoff des Tracierens, den man in die drei Abschnitte, Vorarbeiten, Entwerfen, \u00dcbertrag der Entw\u00fcrfe aufs Gel\u00e4nde, einzuteilen pflegt, bringt der Vortrag nur den geod\u00e4tischen Teil, l\u00e4gt also den zweiten Abschnitt, der im wesentlichen bautechnischer Natur ist, fast ganz weg und streift ihn nur da, wo, wie bei vielen kleineren Erd- und Wasserbauten, das Entwerfen mit dem geometrischen Teil der Vorerhebung sofort verbunden werden kann. Bei dem Abschnitt Vorarbeiten wird das Vervollst\u00e4ndigen bestehender Pl\u00e4ne durch Niveaukurven mit Nivellierinstrument, Gef\u00e4llmesser, H\u00f6henkreis oder Aneroid, sodann die Neuaufnahme nach tachymetrischen Methoden behandelt, wobei auch die topographische Aufnahme mit dem Megtisch zur Sprache kommt. Dabei wird allenthalben, wie es angehenden Landmessern gegen\u00fcber nicht anders sein darf, volles Gewicht auf Meg- und Rechenproben gelegt. Das gilt auch von dem letzten Abschnitt, einerlei ob es sich um das Abstecken langer Geraden oder Kreise oder Querprofile und dergleichen handelt. Bei Kreisabsteckungen wird ein scharfer Unterschied zwischen dem Vorgang mit oder ohne Theodolit gemacht, beim ersteren das Instrument m\u00f6glichst ausgenutzt, beim letzteren konsequent selbst das Rechnen mit geometrischen Funktionen vermieden. Der \u00dcbergangskurven geschieht in diesem Vortrag vorerst nur Erw\u00e4hnung.\nErst im dritten Studiensemester (dreist\u00fcndig im Sommer) setzt die Vorlesung \u00fcber Ausgleichungsrechnung und Fehlertheorie ein. Fr\u00fcher war dies anders, aber wir kamen \u00fcberein, dem Tracieren den Vortritt zu lassen, weil es gar zu miglich war, wenn dies Fach erst gleichzeitig mit den Sommermeg\u00fcbungen gelesen ward, in denen zahlreiche Tracieraufgaben vorkamen. Nun stehen den Studierenden f\u00fcr das sich Einarbeiten in die Ausgleichungsrechnung freilich nur zwei Semester zur Verf\u00fcgung, und schon darum mug der Vortrag knapp gehalten sein. Er beginnt mit der Vereinbarung des arithmetischen Mittels als Ausgleichungswert f\u00fcr gleich gute unmittelbare Beobachtungen, untersucht dessen Eigenschaften und erw\u00e4gt, welche von diesen sich auf den Fall mehrerer Unbekannten \u00fcbertragen lasse. Es zeigt sich, dag alle Willk\u00fcr im einzelnen wegf\u00e4llt, wenn als neue Vereinbarung, welche die erste enth\u00e4lt, die Forderung der kleinstm\u00f6glichen Quadratsumme f\u00fcr die Verbesserungen der Beobachtungen aufgestellt wird. Diese Quadratsumme selbst bietet sich zum Absch\u00e4tzen der G\u00fcte der n Beobachtungen dar, wenn man sie (bei m Unbekannten) zur Reduktion auf die einzelne Beobachtung durch n\u2014m dividiert; denn f\u00fcr ?; = ni darf nicht null, wohl aber die unbestimmbare Form 0:0 zum Vorschein","page":203},{"file":"p0204.txt","language":"de","ocr_de":"204\nVII. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nkommen. Die Wurzel aus der reduzierten Quadratsumme heigt einstweilen mittlere Verbesserung. Es folgen die Grundlehren der Fehlertheorie, die Definition des mittleren Fehlers und die Ableitung der Fehlerh\u00e4ufungsregel. Um Beobachtungen ungleicher G\u00fcte auszugleichen, werden daraus (durch Division mit den mittleren Fehlern) Beobachtungs-gr\u00f6gen gleicher Genauigkeit gebildet, deren Verbesserungen die kleinst-m\u00f6gliche Quadratsumme ergeben sollen; wieder eine neue Vereinbarung, die alle fr\u00fcheren in sich einschliegt. Es wird der Begriff Gewicht eingef\u00fchrt, das Gewicht der Unbekannten, der mittlere Fehler einer Beobachtungsgr\u00f6ge vom Gewicht Eins bestimmt und dann bewiesen, dag er dasselbe ist, was vordem mittlere Verbesserung hieg. Wenn noch Zeit \u00fcbrig, wird jetzt dasjenige Ausgleichungsverfahren gesucht, das den Unbekannten gr\u00f6gte Gewichte erteilt, und gezeigt, dag es die zuletzt vereinbarte Methode der kleinsten Quadrate ist.\nSo der theoretische Gang des Vortrags, den Formelentwickelungen und Beispiele begleiten. Eine kurze Fortsetzung im Wintersemester behandelt die Ausgleichung nach bedingten Beobachtungen, insbesondere auch die in Stufen, wobei Normalgleichungen nicht gebildet werden.\nDie besondere Bezeichnung geod\u00e4tisches Seminar f\u00fchren zweist\u00fcndige \u00dcbungen im letzten Wintersemester, in denen Vortr\u00e4ge von den Teilnehmern gehalten und dann besprochen werden. Die Stoffe werden der Landmeg-, der Instrumentenkunde, der Ausgleichungsrechnung und Fehlerlehre entnommen, wobei sich Gelegenheit bietet, manchen Gegenstand zu behandeln, der fr\u00fcher zu kurz gekommen ist, z. B. \u00dcbergangskurven, Photogrammetrie, Stadtvermessung, Fehlerermittelungen, g\u00fcnstigste Netzgestalt in einfachen F\u00e4llen u. dergl. mehr.\nDie Vorlesung \u201eGrundz\u00fcge der Landesvermessung\u201c (zweist\u00fcndig im letzten Wintersemester) kn\u00fcpft an die Definition sph\u00e4rischer Winkel als sph\u00e4rischer Zweiecke die Berechnung des Excesses an, behandelt die Aufl\u00f6sung kleiner Kugeldreiecke mit Hilfe ebener von gleichen Seiten, ferner nach dem sph\u00e4rischen Sinussatz mit Additamenten der Seiten; definiert Soldnersche Koordinaten und berechnet sie aus Dreiecksseiten und Azimuten in mehrerlei Rechenform, l\u00f6st auch die Umkehrung dieser Aufgabe und lehrt (nach C. F. Gaug) geographische Koordinaten auf der Kugel f\u00fcr ein Seitenpolygon berechnen. Aus den Hauptkr\u00fcmmungsradien f\u00fcr einen Punkt des Ellipsoids werden mit Hilfe des Eulerschen Satzes mittlere Kr\u00fcmmungsradien berechnet. Dann folgt die Berechnung geographischer Koordinaten auf dem Ellipsoid f\u00fcr die Brechpunkte eines Seitenpolygons mit Benutzung der Schreiberschen Hilfstafeln, in geschlossener Rechnung und mit Reihenentwickelung, ferner die Berechnung Soldnerscher sph\u00e4roidischer Koordinaten in der Form von Jordan und der der F. G. Gaugschen Vermessungsanweisung IX, endlich die Ermittelung von L\u00e4nge der Verbindungsseite","page":204},{"file":"p0205.txt","language":"de","ocr_de":"7. Die Me\u00df\u00fcbungen.\n205\nzweier Punkte nebst Seiten-Azimuten aus sph\u00e4roidischen Koordinaten. Zur Formelableitung wird allenthalben das Verfahren benutzt, dem Ellipsoid Kugeln anzuschmiegen, insbesondere auch solche, die es l\u00e4ngs eines Parallelkreises ber\u00fchren. Von diesem Stoff, der im wesentlichen seit 1888 feststeht, mug h\u00e4ufig ein oder das andere Thema zugunsten einer allgemeinen \u00dcbersicht \u00fcber die Gesch\u00e4fte der Landesvermessung wegbleiben und durch Hinweise ersetzt werden. Die \u00dcbersicht darf bereits seit mehreren Jahren auf erfolgreiche Arbeiten fr\u00fcherer Zuh\u00f6rer in unsern Kolonien Bezug nehmen.\nLeiter des geod\u00e4tischen Seminars ist Professor Dr. Vogler.\n7. Die Me\u00df\u00fcbungen\nwerden von beiden Professoren der Geod\u00e4sie unter Mitwirkung aller Assistenten nach gemeinsamem Plan, jedoch an zwei getrennten Orten abgehalten; im Sommer auf zwei bisher unbebauten Feldern \u00f6stlich und westlich von Westend, im Winter auf den beiden T\u00fcrmen, die aus dem Dach des Hauptgeb\u00e4udes emporragen*) und deren obere S\u00e4le zur Untersuchung, zur Berichtigung und zum Gebrauch der Instrumente ganz besonders geeignet sind.\nF\u00fcr die Teilnehmer sind diese Meg\u00fcbungen gleichsam das R\u00fcckgrat des ganzen geod\u00e4tischen Studiums. In ihren knapp getagten, meist in wenigen Stunden ausf\u00fchrbaren Aufgaben kommt so ziemlich der gesamte geod\u00e4tische Lehrstoff zur Anwendung, teils auf dem Feld, teils bei h\u00e4uslicher Ausarbeitung. Wer in den Meg\u00fcbungen etwas leistet, der wird auch draugen im Leben seinen Mann stehen, und umgekehrt ist von dem nicht viel zu erwarten, der schon hier versagt. Freilich kommen bei den Meg\u00fcbungen, \u00e4hnlich wie bei den geod\u00e4tischen Rechen\u00fcbungen, Unterschiede der Begabung und noch mehr Unterschiede der praktischen Vorbildung zum Ausdruck, aber gutem Willen bleibt die M\u00f6glichkeit, alles fr\u00fcher vers\u00e4umte wett zu machen. Stehen doch mindestens zwei Sommer- und zwei Wintersemester zur Verf\u00fcgung. Allerdings d\u00fcrfen sich die Teilnehmer nicht damit begn\u00fcgen, den Gang der L\u00f6sung einer Aufgabe zu verstehen, vielmehr hat jeder sie ganz durchzuarbeiten. Solche Ausarbeitungen werden zu Durchsicht und Kritik seitens des Lehrpersonals entgegengenommen.\nZu den Sommermeg\u00fcbungen (an 20 Tagen) treten die Studierenden nach eigener Wahl in feste Gruppen zu je f\u00fcnf zusammen, die einen F\u00fchrer unter sich w\u00e4hlen. Jeder Assistent \u00fcbernimmt es, f\u00fcr f\u00fcnf bis sechs Gruppen Ratgeber zu sein, und zwei bis drei Assistenten nebst einem Professor als Leiter des Ganzen beziehen jedes der beiden\n*) Der \u00f6stliche ist 1886, der westliche 1896 erbaut.","page":205},{"file":"p0206.txt","language":"de","ocr_de":"206 VII. Die geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nMe\u00dffelder, auf denen die zwei Jahrg\u00e4nge der Studierenden zeitlich von einander getrennt \u00fcben. Die Aufgaben werden zuvor bekannt gemacht und die Gruppenf\u00fchrer sind verpflichtet, schon zuhause mit dem ratgebenden Assistenten den Gang der Arbeit zu besprechen, damit diese drau\u00dfen sogleich nach Verteilung der Instrumente begonnen werden kann.\nBei den Winterme\u00df\u00fcbungen (zwei bis vier Stunden w\u00f6chentlich) f\u00e4llt der Gruppenzwang weg. Auf den T\u00fcrmen arbeiten an jedem Instrument ganz nach Wahl einer, zwei oder mehr Studierende zugleich. Die \u00dcbungsaufgaben k\u00f6nnen von den Teilnehmern, namentlich im letzten Semester, beliebig vorgeschlagen werden.\nEine Sammlung von \u00dcbungsaufgaben der Art, wie sie an der Hochschule durchgenommen werden, ist im untenfolgenden Publikationsverzeichnis unter \u201eGeod\u00e4tische \u00dcbungen\u201c (I. Feld-, II. Winter\u00fcbungen) angef\u00fchrt. Der Hinweis darauf mu\u00df hier gen\u00fcgen.\n8. Die geod\u00e4tische Sammlung.\nVon den R\u00e4umen der Abteilung sind bisher erw\u00e4hnt worden: die beiden T\u00fcrme und der eigens f\u00fcr die Abteilung erbaute H\u00f6rsaal hinten im Hofe, neben dem indessen andere H\u00f6rs\u00e4le benutzt werden m\u00fcssen. Zu erw\u00e4hnen bleiben noch f\u00fcnf Zeichens\u00e4le A bis E von verschiedener Gr\u00f6\u00dfe (der Mikroskopiersaal F wird zum Zeichnen namentlich f\u00fcr die j\u00fcngeren Semester mitbenutzt), zwei Professorenzimmer, ein Zimmer f\u00fcr das Bureau, zwei Assistentenzimmer (neben dem geod\u00e4tischen H\u00f6rsaal) und ein Saal f\u00fcr die geod\u00e4tische Sammlung, der zugleich mehrere Assistentenpl\u00e4tze enth\u00e4lt, aber keineswegs die ganze Sammlung aufzunehmen vermag. Diese zerf\u00e4llt, was ihre Instrumente betrifft, in drei Abteilungen:\tGebrauchsinstrumente f\u00fcr die Studierenden, Schau-\noder Demonstrationsinstrumente, darunter solche, die nur historische Bedeutung haben, und andere endlich zum Gebrauche des Lehrpersonals allein. Die erste Abteilung ist den Sommer \u00fcber stets feldgebrauchsm\u00e4\u00dfig verpackt, im Winter auf den Turms\u00e4len bereitgestellt, die gr\u00f6beren Me\u00dfger\u00e4te in dem Hausflur der Treppe aufbewahrt, die neben dem Saal der Sammlung zum Hofe hinabf\u00fchrt, und von wo aus die Verladung der Transportwagen (Kremser) erfolgt. Da in den letzten Jahren durchschnittlich 300 Studierende an 20 Me\u00dftagen im Sommer halbt\u00e4gig am Vor- oder Nachmittag, zum Teil aber auch den ganzen Tag, also mindestens immer 150 zugleich besch\u00e4ftigt waren, so m\u00fcssen die gew\u00f6hnlichen Gebrauchsinstrumente, Nonientheodolite verschiedener Gr\u00f6\u00dfe, einfache Nivellierinstrumente und dergl., reich vertreten sein, doch arbeiten die Studierenden nach einiger Zeit auch mit Mikroskoptheodoliten, Feinnivellierinstrumenten usw. Instrumente zu feineren Studien sind z. B. ein Komparator mit Mikroskopen zur Untersuchung","page":206},{"file":"p0207.txt","language":"de","ocr_de":"8. Die geod\u00e4tische Sammlung.\n207\nvon Nivellierlatten, Vergleichsma\u00dfst\u00e4be, ein gro\u00dfer freischwebender Storchschnabel, einige Feinplanimeter. Nur zu Arbeiten des Lehrpersonals dient das Schiebfernrohr, ein von Reinecke gebautes katheto-\nAbb. 40. Geod\u00e4tische Sammlung.","page":207},{"file":"p0208.txt","language":"de","ocr_de":"208 VI*- D'e geod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung in ihren Studieneinrichtungen.\nmeterartiges Nivellierinstrument mit Metalllatten*), und ein von Hildebrand bisher nur f\u00fcr die Stra\u00dfburger Sternwarte und f\u00fcr uns gebautes Zenitteleskop, das z. Z. an das Kolonialamt zum Gebrauch in S\u00fcdwestafrika verliehen ist. Nur aus wenigen, immerhin wertvollen St\u00fccken besteht die historische Instrumentengruppe; vergebens ward bisher Ausschau nach einem Bordaschen cercle r\u00e9p\u00e9titeur gehalten. Dagegen wurde aus Anla\u00df der Pariser Weltausstellung von 1889 eine Gruppe von Instrumenten erworben, welche haupts\u00e4chlich als Typen der franz\u00f6sischen Werkst\u00e4ttentechnik interessieren, ohne deshalb zur Nachfolge zu reizen.\nEine Reihe von 42 Wandtafeln, meist Instrumente der geod\u00e4tischen Sammlung in verschiedenen Ansichten und Schnitten darstellend, hat in verkleinerter Lichtdrucknachbildung Eingang in den Buchhandel gefunden (vergl. Publikationen weiter unten).\nEine Plansammlung enth\u00e4lt u. a. ein vom Ministerium gestiftetes vollst\u00e4ndiges Exemplar der Me\u00dftischbl\u00e4tter des preu\u00dfischen Staates, und als besonders wertvolles St\u00fcck die Nachbildung eines Teiles der Berliner Stadtvermessung, n\u00e4mlich \u00dcbersichtskarten des Dreiecks- und Polygonnetzes, Handrisse, Reinkarten, Ausz\u00fcge aus den Koordinatenverzeichnissen, alles unter Aufsicht des verstorbenen Direktors der Stadtvermessung, von H\u00f6egh, angefertigt. In anderem Sinne von Wert ist eine Reihe von \u00e4lteren Landkarten in Holzschnitt und Kupferstich, an deren Hand sich die allm\u00e4hliche Entwicklung der Bergzeichnung verfolgen l\u00e4\u00dft; wieder in anderem Sinne eine uns \u00fcberwiesene Sammlung ausgezeichneter \u201eMe\u00dfbilder\u201c. Aneifernd wirken die sch\u00f6nen Karten, die fr\u00fchere Sch\u00fcler der Hochschule in fernen Landen aufgenommen und in Abdr\u00fccken der geod\u00e4tischen Sammlung geschenkt haben.\nDurch Schenkungen der Vermessungsbeh\u00f6rden unterst\u00fctzt ist eine reichhaltige geod\u00e4tische Handbibliothek zustande gekommen, die auch einige Denkm\u00e4ler der Entwicklung der Me\u00dfkunst enth\u00e4lt.\nVorstand der geod\u00e4tischen Sammlung ist Professor Dr. Ch. August Vogler (1).\nLebenslauf. Geboren am 16. Mai 1841 zu Wiesbaden; habilierte sich 1874 in Aachen, 1880 in Bonn. 1878 a. o. Lehrer in Aachen, 1880 etatsm\u00e4\u00dfiger Lehrer der Geod\u00e4sie inPoppelsdorf ; 1882 a. o. Professor ander Universit\u00e4t Bonn. 1883 nach Berlin versetzt. Verfasser (Herausgeber) folgender B\u00fccher: \u00dcber Ziele und Hilfsmittel geometrischer Pr\u00e4zisionsnivellements (M\u00fcnchen 1873); Anleitung zum Entwerfen graphischer Tafeln etc. (Berlin 1877); Graphische Barometertafeln zur Bestimmung von H\u00f6henunterschieden durch eine blo\u00dfe Subtraktion (entworfen von Hugo Feld, Braunschweig 1880); Grundz\u00fcge der Ausgleichungsrechnung, elementar entwickelt (Braunschweig 1883); Lehrbuch der praktischen Geometrie (Teil I, Braunschweig 1885; II, erste H\u00e4lfte 1894); Geod\u00e4tische\n*) Berichte \u00fcber das Feinnivellement der Hochschule bei Westend erstatteten in der Zeitschrift f\u00fcr Vermessungswesen Repkewitz 1898, Eggert 1902 und 1905.","page":208},{"file":"p0209.txt","language":"de","ocr_de":"8. Das geod\u00e4tische Seminar.\n209\n\u00dcbungen f\u00fcr Landmesser und Ingenieure (Berlin 1890, zweite Auflage. I, Feld\u00fcbungen 1899; II, Winter\u00fcbungen 1901); Abbildungen geod\u00e4tischer Instrumente, 36 Lichtdrucktafeln nebst Text (Berlin 1892); Grundlehren der Kulturtechnik, mit Fleischer, Gerhardt, Gieseler, Grantz, Wittmack (Berlin 1896); zweite Auflage mit den vorigen und v. d. Goltz, H\u00fcser, Mahraun, v. Schlebach (Bd. I, 1898; II, 1899); dritte Auflage (Bd. I, 1903).\nAssistenten f\u00fcr den geod\u00e4tischen Unterricht waren bisher die Herren: (2) M. Dietze, (3) E. Hegemann, (4) 0. B\u00f6decker, (5) G. Friebe.\n(6)\t0. Seiffert, (7) Dr. P. Wilski, (8) Curtius M\u00fcller, (9) H. Sogna, (10) G. Kummer, (11) K. Schweimer, (12) Joh. Hamann, (13) F. Nippa, (14) Joh. Pankalla, (15) F. Peuckert, (16) Dr. 0. Eggert, (17) R. Repkewitz, (18) W. Semmler f, (19) Wilh. Wolf, (20) Max Lange, (21) Hans Neuendorff, (22) E. Steindel, (23) G. Stiehr, (24) H. Koller, (25) G. Jatho, (26) Lothar Jacobi f, (27) F. Kreisel, (28) W. L\u00fchrs, (29) H. B\u00f6hler, (30) O. Thie, (31) J. Bornemann, (32) K. K\u00f6nig, (33) J. Wilh. G. Schulz, (34) E. Harbert, (35) O. Kerl.\nAus dem geod\u00e4tischen Lehrpersonal oder mit dessen Beihilfe entstandene Abhandlungen etc.\nBern.: Wo nichts anderes angegeben, in der Zeitschrift f\u00fcr Vermessungswesen, Stuttgart b. K. Wittwer, Jahrgang 1883 bis 1905 erschienen. Die ein-geklammerten Zahlen vertreten die Namen der Verfasser. (S. oben unter 7.)\n(1)\tErtels Distanzokular in vereinfachter Fassung, 1883, S. 477. \u2014 (1) Beispiele zum Einschneiden durch Vorw\u00e4rtsvisuren mit Ausgleichung, 1883, S. 609. \u2014\n(2)\tBeitr\u00e4ge zur Aufsuchung von Refraktionskoeffizienten. 1884, S. 245. \u2014 (1) \u00dcber Proportionalteilung an polygonal begrenzten Grundst\u00fccken. 1884, S. 277. \u2014 (1) \u00dcber Stationsbeobachtungen in symmetrischer Anordnung. 1885, S. 49. \u2014 (1) \u00dcber Stative. 1886, S. 104. \u2014 (1) Tachymetrisches Nivellierinstrument. 1886, S. 473, 481. \u2014 (1) Die Methode der kleinsten Quadratsummen als Bildnerin bestgew\u00e4hlter Mittelgr\u00f6\u00dfen. 1887, S. 142, 183. \u2014 (4) Aufgabe der zwei unzug\u00e4nglichen Punkte. 1889, S. 671. \u2014 (1) Wo soll der Nullpunkt einer Nivellierskala liegen? 1890, S. 49. \u2014 (1) Die Tangentenkippschraube. 1891, S. 145. \u2014 (1) \u00dcber die Einrichtung des geod\u00e4tischen Studiums an der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. 1891, S. 465. \u2014 (6) Logarithmische Hilfstafel zur Berechnung der Fehlergleichungskoeffizienten beim Einschneiden nach der Meth. d. kl. Qu., Halle, 1892. \u2014 (7) Kubatur eines prismatischen K\u00f6rpers mit windschiefer oberer Grenzfl\u00e4che und unregelm\u00e4\u00dfigem Viereck als Grundfl\u00e4che. 1892, S. 401. \u2014 (7) Rollenschiefe und Scharnierschiefe beim Amslerschen Polarplanimeter. 1892, S. 609. \u2014\n(7)\tNeue mechanische Rechenhilfsmittel, 1892, S. 625. \u2014 (14) Neue Methode der stufenweisen Ausgleichung bedingter Beobachtungen. 1894, S. 121. \u2014 (10) Genauigkeit der Absch\u00e4tzung mittelst Nivellierfernrohres. 1894, S. 129. \u2014 (5) \u00dcber das Mitschleppen des Limbus und verwandte Fehler bei den Repetitionstheodoliten Reichenbachscher Bauart. 1894, S. 333. \u2014 (1) Zur Kreisabsteckung ohne Theodolit. 1894, S. 561. \u2014 (3) Kreisabsteckung durch Streckenmessung. 1895, S. 417.\n(3)\tBericht \u00fcber die allgemeine Konferenz der internationalen Erdmessung in\nBerlin, 1895, S. 569, 625. \u2014 (12) \u00dcber das Stangenplanimeter, insbesondere ein Stangenplanimeter mit Rolle. 1895, S. 643. \u2014 (13) \u00dcber die Verschiebungen von Alhidade gegen Limbus bei den Repetitionstheodoliten franz\u00f6sischer Form. 1895, S. 675. \u2014 (7) Topographische Aufnahmen auf der Insel Santorin-Thera. 1897, S. 353. \u2014 (18) Auftrageapparat f\u00fcr tachymetrische Aufnahmen. 1898, S. 145. \u2014 (20) Ein neuer Schichtensucher. 1898, S. 230.\t(17) Gegenseitige Bewegung\nFestschrift d. landw. Hochschule.\t14","page":209},{"file":"p0210.txt","language":"de","ocr_de":"210\n8. Das geod\u00e4tische Seminar.\neiniger H\u00f6henmarken. 1898, S. 385. \u2014 (21) \u00dcber ein neues Koordinatenplanimeter aus der Werkstatt des Mechanikers Ch. Hamann. 1898, S. 553. \u2014 (16) Berechnung rechtwinkliger aus den geographischen Koordinaten. 1898, S. 622. \u2014 (3) Die Haupttriangulation der Stadt Charlottenburg. 1898, S. 401. \u2014 (16) R\u00fcckw\u00e4rtseinschnitt mit Korrelatenausgleichung. 1899, S. 44. \u2014 (19) Zur Polygonstreckenmessung vermittelst der Feinbewegung des Theodolits. 1899, S. 233. \u2014 (18) Proportionalrechenscheibe von Ch Hamann. 1899, S. 304. \u2014 (25) \u00dcber drei neuere Auftrageapparate f\u00fcr Polarkoordinaten. 1899, S. 647. \u2014 (24) Proportionalrechenschieber von Ch. Hamann. 1899, S. 660. \u2014 (12) Das Koordinatenplanimeter von Ch. Hamann 1899, S. 464. \u2014 (12) Untersuchungen \u00fcber das Harfenplanimeter von M\u00f6nkem\u00f6ller. 1899, S. 549. \u2014 (7) Topographische Aufnahme auf Thera, Sommer 1896. Aus Hiller von Gaertringen, Thera, besonders abgedruckt. Berlin 1899. \u2014 (10) Aufnahme der Ruinenstadt Priene in Kleinasien. 1899, S. 473. \u2014 (16 )Ver-gleichung der Ergebnisse des geometrischen und des trigonometrischen Nivellements usw. 1900, S. 113. \u2014 (24) Graphische Fehlerverteilung beim Einketten und bei der Koordinatenumformung. 1901, S. 335. \u2014 (1) Johann Heinrich Lambert und die praktische Geometrie. Festrede, Berlin, 1901. \u2014 (29) Vermessungen in Deutschostafrika behufs Anfertigung einer Karte von Ostusambara. Zeitschrift des Rheinisch-Westf\u00e4lischen Landmesservereins, 1902, S. 42. \u2014 (16) mit (22) Die Einw\u00e4gungen der landwirtschaftlichen Hochschule bei Westend, 1902, S. 1, 32. \u2014 (5) Das technische Verfahren bei den Grundst\u00fcckszusammenlegungen in Preugen. Berlin, 1903. \u2014 (16) und (27) Hilfstafel zur Berechnung der Richtungskoeffizienten, f\u00fcr Koordinatenausgl. Berlin 1903. \u2014 (16) \u00dcber die g\u00fcnstigsten Punktlagen beim Einschneiden. Zeitschr. f\u00fcr Math, und Physik, Band 49, 1903, S. 145, 168. \u2014 (16) Successive Ausgleichung eines Punktpaares, 1903, S. 241. \u2014 (28) \u00dcber das Einsinken von Instrument und Latten auf drei St\u00e4nden einer Feineinw\u00e4gung. 1903 S. 344. \u2014 (24) Zwei neue Quadrat- und Liniennetzzeichner, 1903, S. 569. -(1) Didaktisches zur Ausgleichungsrechnung, 1904, S. 394, Erg\u00e4nzung dazu S. 609.\u2014 (16) Die Einw\u00e4gungen der landwirtschaftlichen Hochschule bei Westend. Dritte Mitteilung. 1905, S. 13, 38, 57. \u2014 (1) Nachtrag dazu, 1905, S. 73. \u2014 (29) Beschreibung des Basismegverfahrens mittels horizontaler Distanzlatte, Berlin, 1905. \u2014 (1) Das Wilskische Prisma und die Kubatur der Erdk\u00f6rper. 1905, S. 169. \u2014 (3) G\u00fcnstige Lage des durch R\u00fcckw\u00e4rtseinschnitt bestimmten Punktes. 905, S. 425.","page":210},{"file":"p0211.txt","language":"de","ocr_de":"VIII.\nDie landwirtschaftlich-technische Abteilung,\n1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\nVorsteher: Geheimer Regierungsrat, Prof. Dr. Delbr\u00fcck.\n(Hierzu Abb. 41\u201457. )\nDie Geschichte der Entstehung des Instituts und seiner Abteilungen ist untrennbar verkn\u00fcpft mit der Entwicklungsgeschichte der f\u00fcnf dem Institut angeschlossenen Verb\u00e4nde. Es sind dies:\nder Verein der Spiritusfabrikanten in Deutschland, der Verein \u201eVersuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin\u201c, der Verein der St\u00e4rke-Interessenten in Deutschland, der Verein der Kornbrennereibesitzer und der Preghefe-fabrikanten Deutschlands, der Verband deutscher Essigfabrikanten.\nDer \u00e4lteste dieser Verb\u00e4nde, der jetzt \u00fcber 5000 Mitglieder z\u00e4hlende \u201eVerein der Spiritusfabrikanten in Deutschland\u201c, wurde im Jahre 1857 mit 127 Mitgliedern gegr\u00fcndet. Die Leitung des Vereins lag w\u00e4hrend der ersten 25 Jahre seines Bestehens in den H\u00e4nden des \u00d6konomierats Kiepert, ihm folgte Neuhaug-Selchow, und an dessen Stelle trat im Jahre 1895 Rittergutsbesitzer v. Grag-Klanin.\nDer Verein gelangte zu Anfang der 70er Jahre, als Handel und Industrie in Deutschland allgemein einen bedeutenden Aufschwung nahmen, zu st\u00e4rkerer Entfaltung und begr\u00fcndete 1874, auf Anregung Maerckers, eine Versuchsanstalt, zu deren Errichtung dessen damaliger Assistent in Halle, M. Delbr\u00fcck, berufen wurde. Die Versuchsanstalt entwickelte sich schnell; eine Brennereischule, eine Glasbl\u00e4serei, eine Versuchsbrennerei wurden ihr angegliedert und die T\u00e4tigkeit auch auf die maschinentechnische und die wirtschaftliche Seite des Gewerbes ausgedehnt. Die Versuchsanstalt mugte sich in ihren Anf\u00e4ngen mit einem Arbeitsplatz f\u00fcr Studierende an der K\u00f6niglichen Gewerbe-Akademie begn\u00fcgen; nach \u00dcberwindung einer Zwischenzeit im landwirtschaftlichen Institut in der Dorotheenstrage stellte im Jahre 1882 die K\u00f6nigliche Staatsregierung R\u00e4umlichkeiten in der landwirtschaft-\n14*","page":211},{"file":"p0212.txt","language":"de","ocr_de":"Jris\u00f9\u00f9it \u00ef-i------\nfttr Zuckerindustrie\nA m r u m e r s t r a f s e\ni\"i winn\n! LL\n| Weber yj .Sti/enbulle\nVegetationsh\u00e4ia\n5V Erweiterungsbau\n--------------------!\nRabatte furFutterfi/lanzen\nr Platz f\u00fcr \\ % KartofTelmiefhy\n\u00fci\u00fb'tnenoobnung Meteorolog.Afqiarate\nlichen Hochschule zur Verf\u00fcgung. Die Mitgliederzahl hatte inzwischen 1200 \u00fcberschritten, das Vereinsorgan, die \u201eZeitschrift f\u00fcr Spiritusindustrie\u201c, redigiert von Maercker und Delbr\u00fcck, wurde vom Parey-schen Verlag \u00fcbernommen. In den R\u00e4umen und auf dem Gel\u00e4nde der landwirtschaftlichen Hochschule fand 1882 die erste Ausstellung f\u00fcr Spiritusindustrie statt.\nAus dieser Zeit stammen die wichtigen Untersuchungen \u00fcber den Einflug der mechanischen Bewegung auf das Leben der Hefe und die Einf\u00fchrung des Systems der G\u00e4rbottichk\u00fchlung.\nDieser Organisation schlossen sich im Jahre 1883 die neu gegr\u00fcndeten Vereine \u201eVersuchs-und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in B erlin\u201c und der \u201eVerein der St\u00e4rke-Interessenten in Deutschland\u201c an, ersterer unter dem Vorsitz von Richard Roesicke nur in der gemeinsamen Benutzung des Laboratoriums und einiger wissenschaftlicher Hilfskr\u00e4fte; letzterer als Zweigverein des Spiritusverbandes unter seinem Vorsitzenden Schulze-Schulzendorf, nach dessen R\u00fccktritt im Jahre 1891 Ritterschaftsrat v. Freier-Hoppenrade den Vorsitz \u00fcbernahm. Vorsteher der Versuchsanstalt des St\u00e4rkeverbandes ist zur Zeit Dr. Parow.\nDem durch den Anschlug dieser Verb\u00e4nde entstandenen vermehrten Raumbed\u00fcrfnis kam","page":212},{"file":"p0213.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n213\nAbb. 42. Versuchs- und Lehrbrauerei (links). \u2014 Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Westansicht.","page":213},{"file":"p0214.txt","language":"de","ocr_de":"214\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\ndie Staatsregierung durch Errichtung eines besonderen Laboratoriumgeb\u00e4udes auf dem Grundst\u00fcck der Hochschule entgegen, das von den Versuchsanstalten im Jahre 1884 bezogen werden konnte.\nIn die nun folgende Zeit fiel die Gr\u00fcndung der \u201eWochenschrift f\u00fcr Brauerei\u201c und die Ausf\u00fchrung zahlreicher grundlegender wissenschaftlicher Arbeiten, so z. B. die Arbeiten Heinzeimanns \u00fcber Ver-g\u00e4hrung von konzentrierten Maischen, die Hayduckschen Arbeiten \u00fcber die Regenerierung der Hefen, die Untersuchungen \u00fcber die Sarcina, \u00fcber Hopfen; damals begann Windisch seine die Reformen in der M\u00e4lzerei und im Sudhaus einleitenden Arbeiten, und Lindner, dem wir die Methodik der Untersuchungen der G\u00e4rungsorganismen verdanken, z\u00fcchtete zusammen mit Matthes die Reinhefen f\u00fcr die im Jahre 1892 f\u00fcr den Gro\u00dfbetrieb gegr\u00fcndete Hefezuchtanstalt. Ende der 80er Jahre begann v. Eckenbrecher als Vorsteher der deutschen Kartoffel-Kulturstation seine umfangreichen Anbau- und D\u00fcngungsversuche, die er von 1892 ab auch auf Gerste ausdehnte, und Goslich legte den Grund zu der heute mit f\u00fcnf Ingenieuren und zahlreichem Hilfspersonal eine vielseitige T\u00e4tigkeit entfaltenden maschinentechnischen Abteilung. Als Vorsteher der Versuchsanstalt des Vereins der St\u00e4rke-Interessenten ver\u00f6ffentlichte der im Jahre 1903 verstorbene 0. Saare seine Arbeiten \u00fcber die Ver\u00e4nderungen der Kartoffeln beim Lagern, \u00fcber die f\u00fcr die St\u00e4rkefabrikation wichtigen Ver\u00e4nderungen der Zusammensetzung der Kartoffel in verschiedenen Reifestadien usw. Schon damals wurde auch der wirtschaftlichen Bedeutung der Gewerbe und der Statistik geb\u00fchrend Rechnung getragen und die Anf\u00e4nge der publizistischen T\u00e4tigkeit E. Struves datieren aus jener Zeit.\nDie Brauerschule verdankt dem Jahre 1888 ihre Entstehung; aus bescheidenen Anf\u00e4ngen hat sich die Unterrichtsanstalt zu ihrer heutigen Bedeutung entwickelt. Uber 230 Studierende des Brauereifaches wurden im abgelaufenen Studienjahre unterrichtet, ein Erfolg, der zwar zum Teil dem Verein, welchem seit dem Tode Roesickes nacheinander F. Goldschmidt und B. Knoblauch vorstanden, nicht zum wenigsten aber der F\u00fcrsorge der Kgl. Staatsregierung zu danken sein d\u00fcrfte, die im Jahre 1903 ihr Interesse f\u00fcr die Lehranstalt noch besonders dadurch zu erkennen gab, da\u00df sie der Einf\u00fchrung der Diplompr\u00fcfung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure ihre Zustimmung erteilte. Die Pr\u00fcfungsordnung wurde im Jahre 1905 einigen Ab\u00e4nderungen unterworfen. (S. Anhang.)\nDie gegen Ende der achtziger Jahre sich rasch vergr\u00f6\u00dfernde T\u00e4tigkeit auf allen Gebieten, der Mangel an R\u00e4umen und an geeigneten Versuchsanstalten zum Ausfuhren praktischer Versuche im Gro\u00dfen lie\u00dfen schon damals den Plan der Errichtung eines gr\u00f6\u00dferen Instituts zur gemeinsamen Benutzung bei den Vereinen entstehen, doch scheiterte die Ausf\u00fchrung der entworfenen Pl\u00e4ne und so unternahm es der","page":214},{"file":"p0215.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n215\nAbb. 43. Institut fiir G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Versuchsanstalt f\u00fcr Spiritus-, Hefe-, Essig- und St\u00e4rkefabrikation. \u2014 S\u00fcdansicht.","page":215},{"file":"p0216.txt","language":"de","ocr_de":"216\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nAbb. 44.\nInstitut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Lichthalle.","page":216},{"file":"p0217.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n217\nBrauereiverein, selbst\u00e4ndig vorzugehen und wenigstens zum Teil auf eigene Kosten, eine Versuchsbrauerei zu errichten. Der Bau an der Seestrage wurde nach eigenen Pl\u00e4nen mit Unterst\u00fctzung des Reg.-Baumeisters Metzing 1890 begonnen und 1891 vollendet; 229000 Mark von den 750000 Mark betragenden Baukosten trug die K\u00f6nigliche Staatsregierung.\nSehr zahlreich und f\u00fcr die Gewerbe von weittragender Bedeutung sind die aus den Versuchsanstalten damals hervorgegangenen Arbeiten; den Untersuchungen \u00fcber Hopfen schlossen sich die Arbeiten \u00fcber die absolute und nat\u00fcrliche Hefereinzucht, \u00fcber die Hefen Saaz und Frohberg,\nZimmer\nlOboratnriL\nAufzug\nLoboraJer\u00fc/m h\nGaLLerie\n_____20.29-\n\n\n; ^-ArmUjtisches Laboralur\u00e4.\nrr\tU UCLfG f LZ\nZimmer\nhimmer _\nsa alE\nH\u00f6r\n1\t0 12 3^ 5 6 7 8 9/0\nAbb. 45. Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Grundri\u00df.\nweitere Studien \u00fcber die Sarcina und \u00fcber das Gebiet der oberg\u00e4rigen Brauerei an. Letztgenannte Arbeiten f\u00fchrten dann sp\u00e4ter (1899) zur Errichtung einer Abteilung f\u00fcr Oberg\u00e4rung, deren Leiter F. Sch\u00f6nfeld der Reinzuchthefe in die oberg\u00e4rigen Brauereien Eingang zu verschaffen wu\u00dfte.\nDie Zust\u00e4nde in den Versuchsanstalten in der Invalidenstra\u00dfe verlangten indessen Mitte der neunziger Jahre gebieterisch nach einer durchgreifenden \u00c4nderung, die Aufrechterhaltung der Zweiteilung \u2014 das Laboratorium und Unterrichtsgeb\u00e4ude in der Invalidenstra\u00dfe 42, die Versuchsbrauerei, Hefenzucht, die Abteilung f\u00fcr Rohstoffe dreiviertel","page":217},{"file":"p0218.txt","language":"de","ocr_de":"218\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nStunden davon in der Seestrage \u2014 wurde zur Unm\u00f6glichkeit; dazu der fortgesetzte Mangel praktischer Versuchsanstalten f\u00fcr Brennerei und St\u00e4rkefabrikation. Das Bed\u00fcrfnis der landwirtschaftlichen Hochschule nach Erweiterung brachte den Stein ins Rollen: schnell wurden unter Leitung des Architekten Martens die Pl\u00e4ne f\u00fcr den Neubau des Instituts hergestellt, der Preugische Staat bewilligte die Mittel, 1896 wurde mit dem Bau begonnen, Ende 1897 konnte bereits ein Teil bezogen werden. (Vergl. Seite 22.)\nVon Alters her hatte der Verein der Spiritus-Fabrikanten auch die Preghefefabrikation und die Essigindustrie gepflegt, die Vertreter dieser\nSchnitt A-B\n/ o / 2 J \u00bb 5 6 7 s 9 w\tt\u00e4\t20m\nAbb. 46. Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Querschnitt.\nGewerbegruppen hatten sich aber zu besonderen Verb\u00e4nden zusammengetan; es wurde daher eine Verbindung mit diesen gesucht und gl\u00fccklich durchgef\u00fchrt, so dag im Jahre 1896 die Versuchsanstalt des \u201eVereins der Kornbrennereibesitzer und Preghefefabrikanten\u201c, im Jahre 1897 die Versuchsanstalt des Verbandes deutscher Essigfabrikanten ins Leben treten konnte.\nDer erstgenannte, seit 1887 unter diesem Namen bestehende Verein richtete sich im Jahre 1896 ein Laboratorium unter einem besonderenVor-steher Dr. Lange als selbst\u00e4ndige Abteilung des Laboratoriums desVereins der Spiritusfabrikanten ein. Das Vereinsiaboratorium wurde 1897 als \u201eVersuchsanstalt des Vereins\u201c eine besondere Abteilung des Instituts.","page":218},{"file":"p0219.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n219\nAbb. 47. Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 \u00dcbungslaboratorium I,","page":219},{"file":"p0220.txt","language":"de","ocr_de":"220\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nEin Jahr nach dem Einzug in das neue Haus in der Seestrage konnte auch die neuerbaute Versuchsbrennerei und die Hefezuchtanstalt in Benutzung genommen werden. Unter Leitung Lange\u2019s arbeitete die Versuchsstation an der Aufkl\u00e4rung zahlreicher interessanter wissen-licher Probleme, z. B. \u00fcber Flockenbildung der schon 1896 in die Preg-hefefabriken und die Kornbrennereien eingef\u00fchrten Reinhefe, \u00fcber \u201ehitzige\u201c Hefe und die Bedeutung der Enzyme im Leben der Hefe. Auch der Milchs\u00e4urepilz wurde 1896 in die Brennereien eingef\u00fchrt, ausf\u00fchrliche Arbeiten \u00fcber diese Organismengruppe ver\u00f6ffentlichte in den letzten Jahren Henneberg, der im Verein mit Rothenbach, dem Vorsteher der Versuchsanstalt des Verbandes deutscher Essigfabrikanten, in allerletzter Zeit den Betrieb eines Essigbildners mit reingez\u00fcchteten Essigbakterien im Fabrikbetrieb durchgef\u00fchrt hat.\nDie Gr\u00fcndung der letzterw\u00e4hnten Versuchsanstalt fiel zeitlich (1897) mit der Gr\u00fcndung der Wochenschrift \u201eDie deutsche Essigindustrie\u201c zusammen. Vorsitzender des Verbandes deutscher Essigfabrikanten war C. Moskopf-Fahr, an dessen Stelle im Jahre 1903 J. Mertz-Heilbronn trat. Die 1898 er\u00f6ffnete Versuchs-Essigfabrik arbeitet zur Zeit mit neun Schnellessigbildnern.\nEs w\u00fcrde den hier zur Verf\u00fcgung stehenden Raum \u00fcberschreiten, alle wichtigeren aus den Versuchsanstalten in den letzten Jahren hervorgegangenen wissenschaftlichen Arbeiten zu erw\u00e4hnen, nur einige der haupts\u00e4chlichsten sollen hier genannt werden, w\u00e4hrend im \u00fcbrigen auf die Vereinsorgane verwiesen werden mug.\nF\u00fcr das Brennereigewerbe von segensreichen Folgen waren die Preisausschreiben \u00fcber Kartoffeltrocknung und das Studium der Heferassen II und XII, von wissenschaftlicher Bedeutung die Arbeiten \u00fcber die Enzyme der Hefe, der Kartoffel und des Getreides. Der Verwendung des Spiritus zu technischen Zwecken wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt, Preisausschreiben erlassen und Ausstellungen veranstaltet, welche die auf diesem Gebiet gemachten Fortschritte veranschaulichten. Eine besondere Abteilung des Instituts ist mit der Pr\u00fcfung von Spiritusapparaten besch\u00e4ftigt, der Vorsteher dieser Abteilung, Dr. Mohr, ist gleichzeitig Leiter der im Jahre 1900 errichteten feuerungstechnischen Abteilung.\nF\u00fcr das Brauereigewerbe von Wichtigkeit sind die aus der Versuchsanstalt des Brauereiverbandes hervorgegangenen Arbeiten \u00fcber die Lagerung des Getreides, \u00fcber den Hopfengerbstoff, die D\u00fcngung von Hopfen und Gerste, \u00fcber verschiedene M\u00e4lzerei- und Sudverfahren, die Vorg\u00e4nge beim Weichen und Darren der Gerste, \u00fcber den physiologischen Zustand der Hefe, den Einflug der Zusammensetzung des Brauwassers auf das Bier; im analytischen Laboratorium (Vorsteher Dr. Hanow) wurden analytische Methoden nachgepr\u00fcft und verbessert, von zahl-","page":220},{"file":"p0221.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n221\nAbb. 48. Sudhaus der Versuchs- und Lehrbrauerei.","page":221},{"file":"p0222.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 49. Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Topfkulturen vor dem Vegetationshause.\n222\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.","page":222},{"file":"p0223.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr Q\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n223\nreichen Beamten des Instituts wurden Studienreisen unternommen und die Brauereibetriebskontrolle wurde ausgestaltet. Dem Maschinenwesen wird eingehende Beachtung geschenkt; allj\u00e4hrlich im Oktober werden\nAbb. 50. Versuchsanstalt f\u00fcr St\u00e4rkeindustrie.\nBrauereimaschinen-Ausstellungen veranstaltet. Diese finden gleichzeitig mit den Ausstellungen von Braugersten, Brauweizen und Hopfen statt und seit 1905 ist ihnen auch eine Ausstellung von Brauerei-Pferden angegliedert.","page":223},{"file":"p0224.txt","language":"de","ocr_de":"224\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nAbb. 51. Versuchsbrennerei und Hefezuchtanstalt.","page":224},{"file":"p0225.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n225\nDie j\u00fcngste Abteilung des Instituts ist das 1903 errichtete, unter der Leitung Neumanns stehende Stickstofflaboratorium, es hat im vergangenen Jahre \u00fcber ein Viertel der rund 10000 dem Institut zur Untersuchung \u00fcbergebenen Gegenst\u00e4nde (Malze, Gersten, Biere, Hefe usw.) zu bew\u00e4ltigen gehabt.\nIm Jahre 1898 wurde dem Institut endlich die Verwaltung des am Nordhafen gelegenen staatlichen Kornhauses (Vorsteher Dr. J.F.Hoffmann) \u00fcbertragen in dem Gedanken, dag die Frage der Selbsterw\u00e4rmung und Trocknung des Getreides in nahem Zusammenhang mit den Erscheinungen der Keimung des Getreides und der Malzbereitung stehen.\nDamit ist der Kreis geschlossen. Die Organisation ist so beschaffen, dag mit selbst\u00e4ndig arbeitenden Abteilungsvorstehern doch einer leitenden Hand das Gesamtinstitut untersteht.\nDas Institutsgeb\u00e4ude erhebt sich in drei Stockwerken, welche dem Kellergeschog aufgesetzt sind, mit der Front nach Nordwesten gerichtet. Zur Linken liegt die Brauerei mit besonderem Betriebshof; r\u00fcckw\u00e4rts schliegt sich die Versuchsanstalt f\u00fcr Brennerei, St\u00e4rke- und Essigindustrie, rechts die maschinentechnische Versuchsanstalt an; das Ganze ist umschlossen von den Versuchsfeldern und Hopfenplantagen.\nDurch das Portal des Hauptgeb\u00e4udes er\u00f6ffnet sich der Blick in den prachtvollen Oberlichtsaal, von welchem alle R\u00e4ume, die oberen vermittelst zweier Galerien zug\u00e4nglich sind (Abb. 44). Ein Fahrstuhl verbindet s\u00e4mtliche Geschosse.\nIm Kellergeschog sind die Garderoben untergebracht. Jeder Beamte und jeder Sch\u00fcler haben ihren eigenen Schrank. Auger den Heizungsanlagen und Wohnungen f\u00fcr zwei Unterbeamte sind die anderen R\u00e4ume f\u00fcr die Glasbl\u00e4serei bestimmt. Die Glasbl\u00e4serwerkst\u00e4tte, der Lager- und Packraum, endlich die Pr\u00fcfungsstelle nehmen mit Hilfsr\u00e4umen zusammen eine Grundfl\u00e4che von 285 qm ein.\nIm ersten Stock liegen die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume, das Zimmer des Vorstehers, ein H\u00f6rsaal und mehrere Laboratorien; der zweite Stock ist, auger dem zweiten H\u00f6rsaal, vollst\u00e4ndig mit Laboratorien besetzt; im dritten Stockwerk endlich befinden sich ebenfalls Laboratorien und Zimmer f\u00fcr einzelne Abteilungsvorsteher.\nDie 1901 nach Pl\u00e4nen des Architekten Gottlob erbaute maschinentechnische Versuchsanstalt enth\u00e4lt im Verwaltungsgeb\u00e4ude die Dienstr\u00e4ume der maschinentechnischen und der wirtschaftlichen Abteilung, einen H\u00f6rsaal mit 250 Sitzpl\u00e4tzen, die B\u00fccherei, Wohnr\u00e4ume f\u00fcr f\u00fcnf Beamte und Unterbeamte, ein Sitzungszimmer und Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume f\u00fcr die in der an-stogenden Halle stattfindenden Ausstellungen. Die Ausstellungshalle besteht aus einer grogen Haupthalle und zwei schm\u00e4leren Seitenhallen, einer der letzteren sind die Werkst\u00e4ttenr\u00e4ume mit der Hufschmiede eingef\u00fcgt.\n15\nFestschrift d. landw. Hochschule.","page":225},{"file":"p0226.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 52. Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Schnellessigbildner in der Versuchs-Essigfabrik.\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\n226","page":226},{"file":"p0227.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation,\n227\nAbb. 53. Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Maschinentechnische Versuchsanstalt. (Vorderansicht).","page":227},{"file":"p0228.txt","language":"de","ocr_de":"\n228\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nDas Institut bildet eine Abteilung der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin und untersteht demgem\u00e4\u00df dem Rektorat, sowie dem Kuratorium dieser. Auch das Grundst\u00fcck und die Geb\u00e4ulichkeiten sind Eigentum der Kgl. landwirtschaftlichen Verwaltung, die gesamte\n--------\u2014\u2014 vg.se------------\n\\Mofcrial'et\nN\u00f6rdliche\nSeitenha/le\nAbtei/ung Jur Motoren\nS\u00fcd/iche Seitenha//e\nGrojse - A usstc//ungsha//e\n\nPost\nAus st et!u gs-Pa um\n^ H\u00f6r haue\niWerkmeister\nk Wohnung\n\nAbb. 54. Maschinentechnische Versuchsanstalt (Erdgescho\u00df).\ninnere Verwaltung des Instituts jedoch, die Aufbringung der Mittel f\u00fcr das Personal und den Betrieb ist durch besondere mit der Staatsregierung geschlossene Vertr\u00e4ge den erw\u00e4hnten gewerblichen Verb\u00e4nden \u00fcbertragen, welche nach ihren Satzungen sich die Aufgabe der wissenschaftlichen und technischen F\u00f6rderung ihrer Gewerbe durch Forschung,","page":228},{"file":"p0229.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n229\npraktische Versuchsanstellung, Ver\u00f6ffentlichungen und Unterricht gestellt haben.\nDer Vorsteher des Instituts ist Mitglied des engeren Lehrerkollegiums, er vertritt die betreffenden Gewerbe an der Hochschule, und das Institut dient gleichzeitig dem Unterricht f\u00fcr die Studierenden aller Abteilungen der Hochschule.\nDer \u201eVerein der Spiritusfabrikanten in Deutschland\u201c und der \u201eVerein Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin\u201c besitzen die Rechte einer juristischen Person, sie vertreten das Institut gegen\u00fcber der Kgl.\nJngenieur\nJngenieur\n\u00a3--------' --------------V.SB-\t/\n100 0\tS\t*0\t15\t20\t25\tJO\nIII t I I I l I\u2014\tI --------------1\t----------1\t- i\nAbb. 55. Maschinentechnische Versuchsanstalt (l. Obergescho\u00df).\nvom\nJ\n\nI <r//)jr-r-f/6/Jx ; -/Zfr,\nAbb. 56. Maschinentechnische Versuchsanstalt (II. Obergescho\u00df).\nStaatsregierung und finanziell, die \u00fcbrigen Verb\u00e4nde haben mit demVerein der Spiritusfabrikanten Sonderabkommen getroffen.\nDie Finanzgebahrung der einzelnen Verb\u00e4nde, die innere Verwaltung sowie die Vertretung nach au\u00dfen ist im \u00fcbrigen eine vollst\u00e4ndig selbst\u00e4ndige: eine engere Verbindung besteht darin, da\u00df in Bezug auf die Gesamtleitung des Instituts durch den Vorsteher, f\u00fcr einzelne Beamte und Abteilungen, sowie Tragung der aus der Sache sich ergebenden gemeinsamen Ausgaben besondere Vereinbarungen getroffen sind. Eine","page":229},{"file":"p0230.txt","language":"de","ocr_de":"230\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nweitere enge Verbindung zwischen dem Institut und der Hochschule ergibt sich daraus, dag die Studierenden der Brauerschule gleichzeitig H\u00f6rer an der Hochschule und als solche verpflichtet sind, Vorlesungen an letzterer zu belegen.\nDie Kosten der baulichen Gesamtanlage, zu denen der Brauereiverband 520 000 M. beigetragen hat, belaufen sich auf 1 859 000 M.\nDer Gesamtetat des Instituts bel\u00e4uft sich einschlieglich Versuchskornhaus auf 1 280 000 M.\nDie erzielten \u00dcbersch\u00fcsse werden ausschlieglich f\u00fcr die Ausf\u00fchrung wissenschaftlicher Arbeiten und zur F\u00f6rderung der Gewerbe verwendet.\nZur Erf\u00fcllung der rein landwirtschaftlichen Aufgaben erh\u00e4lt das Institut einen Staatszuschug, welcher in den vorstehenden Summen enthalten ist.\nDie Zahl der allen Teilen Deutschlands angeh\u00f6renden Verbandsmitglieder betr\u00e4gt rund 11 000, sie zahlen 140 000 M. an j\u00e4hrlichen Beitr\u00e4gen.\nDen Zwecken des Instituts dient ein Laboratoriums- und Unterrichtsgeb\u00e4ude, je eine praktische Versuchsanstalt f\u00fcr die vertretenen Gewerbe, die maschinentechnische Versuchsanstalt mit Ausstellungshallen, Versuchsfelder und Vegetationsh\u00e4user. Projektiert ist der Bau einer oberg\u00e4rigen und eine Erweiterung der unterg\u00e4rigen Versuchsbrauerei.\nEs sind 59 wissenschaftliche Beamte t\u00e4tig, welche folgende F\u00e4cher vertreten: Chemie und Physik, Botanik und Bakteriologie, Technologie der vertretenen Gewerbe, National\u00f6konomie und Statistik, Ingenieurwissenschaft und Landwirtschaft.\nInsgesamt sind am Institut regelm\u00e4gig 168 Personen t\u00e4tig.\nFolgende Zeitschriften, deren Schriftleitung Beamten des Instituts obliegt, dienen der Er\u00f6rterung wirtschaftlicher Angelegenheiten der Verb\u00e4nde und der Ver\u00f6ffentlichung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse :\ndie \u201eZeitschrift f\u00fcr Spiritusindustrie\u201c (zugleich die St\u00e4rkeindustrie vertretend), und das Jahrbuch des Vereins der Spiritus-Fabrikanten.\ndie \u201eTageszeitung f\u00fcr Brauerei\u201c mit \u201eWochenschrift f\u00fcr Brauerei\u201c und Jahrbuch der V. L. B.\nDie \u201eDeutsche Essigindustrie\u201c.\nDie Zeitschriften sind Eigentum der betreffenden Verb\u00e4nde, sie erscheinen in dem Verlage von Paul Parey, Berlin SW., Hedemannstr.\nDas Organ des Vereins der Kornbrennereibesitzer und Preghefe-fabrikanten Deutschlands: \u201eBrennerei-Zeitung\u201c wird von dem Vorsitzenden dieses Verbandes herausgegeben und erscheint im Selbstverl\u00e4ge des Vereins in Berlin.","page":230},{"file":"p0231.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation,\n231\nAbb. 57. Maschinentechnische Versuchsanstalt. Ausstellungshalle.","page":231},{"file":"p0232.txt","language":"de","ocr_de":"232\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nWissenschaftliche Beamte:\nDr. Heinzeimann, NW., Stephanstr. 40.\nProf. Dr. von Eckenbrecher, Halensee, Joachim Friedrichstr. 13.\nW. Goslich, Ingenieur, N. Seestrage. Versuchs- und Lehrbrauerei.\nProf. Dr. Windisch, Pankow, Amalienpark 2.\nProf. Dr. P. Lindner, Charlottenburg, Wilmersdorferstr. 66 a.\nProf. Dr. E. Struve, Charlottenburg, Berlinerstr. 84.\nProf. Dr. Sch\u00f6nfeld, Charlottenburg, R\u00f6nnestr. 2.\nDr. Rothenbach, Charlottenburg, Schlogstr. 4a.\nDr. J. F. Hoffmann, Pankow, Neue Sch\u00f6nholzerstr. 1.\nDr. Lange, N.W. Klopstockstr. 20.\nM. Student, N. Usedomstr. 29.\nF.\tGoldiner, N.W. Flemmingstr. 2.\nDr. Hanow, Charlottenburg, Niebuhr-strage 74.\nE. Haack, Ingenieur, N. M\u00fcllerstr. 157,\nDr. Parow, N.W. Birkenstr. 28.\nDr. Henneberg, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 83.\nDr. O. Neumann, N. Schwartzkopfstr. 3.\nK. Fehrmann, Ingenieur, N. Togostrage 1.\nDr. Mohr, Charlottenburg, Knesebeckstrage 77.\nDr. Behrend, Pankow, Damerowstr. 16.\nDr. Rommel, Charlottenburg, Schl\u00fcterstrage 44.\nDr. Keil, SW. Wilhelmstr. 24.\nDr. Foth, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 10.\nDr. Bode, N. Seestr. 68 b.\nDr. Sierig, NW. Wilsnackerstr. 57.\nDr. L\u00fchder, Charlottenburg, Fried-bergstr. 37.\nDr. H. Schulze, NW. Gerhardstr. 11. R. Wagner, SW. Halleschestr. 18.\nDr. Ploetz, SW. Zimmerstr. 15.\nDr. Stockhausen, NW. Spenerstrage 1. Dr. Groge, NW. Birkenstr. 29.\nDr. Ellrodt, N. Seestr. 68a.\nDr. Vogelsang, NW. Klopstockstr. 29. Dr. H. Hoffmann, Potsdam, Kaiser Wilhelmstr. 52.\nDr. Stiegeler, N. Seestr. 69.\nDr. von der Heide, N. Lynarstr. 9. W. Wenzel, N. Seestr. (Institut f\u00fcr G \u00e4rungsgewerbe).\nDr. Hayduck, W. D\u00fcsseldorferstr. 105. Dr. Eberlein, N. Seestr. 68 c. Ingenieur Schirmer, N. Seestrage.\n(Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe).\nDr. Dehnicke, N. Seestrage (Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe ).\nDr. Schulze - Besse, NW. Birkenstrage 26.\nDr. Koeck, N. Seestr. 63.\nDr. W Hoffmann, N. Seestr. 68m.\nDr. F. Neumann, N. Nazarethkirchstrage 36 I.\nDr. von Pickardt, NW. L\u00fcbeckerstrage 40 I.\nDr. Wendel, W. Lindauerstr. 11.\nDr. Pieper, N Schlegelstr. 17.\nG.\tHinrichs, N. Guineastr. 2.\nR. Seibriger, M\u00fcllerstr. 38 a.\nC. Sch\u00fccking, N. W\u00f6hlerstr. 2 I.\nH.\tNehbel, Ingenieur, NW. Birkenstrage 52.\nDr. Thiele, NW. Spenerstr. 4.\nDr. Kohlmann, N. Seestr. 68 1.\nDr. Sarow, N. Rosenthalerstr. 67.\nDr. Reuter, Schulstr. 611.\nDr. Frhr. von Gillern, N. Guineastrage 3.\nDr. Ruhncke.\nB etriebsbeamte:\nR. Ahrens, Braumeister, N. Seestrage. H. Klemann, Glasbl\u00e4sermeister, NW. Versuchs- und Lehrbrauerei.\tHindersinstr. 6.","page":232},{"file":"p0233.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation,\n2m\nV erwaltun\nF. Naumann, Rendant, Charlottenburg, Leonhardstr. 23.\nM. Kettler, Rendant, N. Nazarethkirchstrage 49 a.\nBureau\nR. M\u00fcller, Buchhalter, Tegel, Hauptstrage 29.\nThate, Bureauvorsteher in der bau-und maschinentechn. Abteilung, NW. Lehrterstr. 38.\nSch\u00e4plitz, N. Seestr. 68 d.\nNebert, NW. Rostockerstr. 48.\nR\u00f6stel, N. Seestr. 60.\nBarfug, N. Seestr. 68 c.\nFri. Stobbe, W. Pfalzburgerstr. 15.\nGottschalk. N. Alte Sch\u00f6nhauserstr.29.\nUnter!\nGoese, N. Seestr. 4.\nSchneider, N. Seestrage, Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe.\nRutz, desgl.\nH\u00f6rnicke, F\u00f6hrerstr. 11.\nSch\u00f6nbeck, N. Seestr. 68 m.\nTowe, N. M\u00fcllerstr. 53.\nGiese, N., Antonstr. 24.\nKleemann, N. Togostr. 79.\ngsbeamte.\nG. Ens, Sekret\u00e4r, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 9.\nA.K\u00fchn, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Versuchskornhauses, NW. Thurmstr. 17. eamte.\nFrl. K\u00fchn, NW. Wilhelmshavenerstr. 29. Dennert, N. Seestr. 68 d.\nBoethel. N. M\u00fcllerstr. 138.\nFrl. Bethge. NO. Lebuserstr. 10.\nFrl. Lehr, Westend, Spandauerberg 4. Frl. Brinck, NW. Pritzwalkerstr. 14. G\u00fcrtler, N. M\u00fcllerstr. 162. Lautenschl\u00e4ger, N. Schivelbeinerstr.48. Frl. Kammin. Wilhelmsruh, Viktoria-strage 21.\ne amte.\nB\u00f6hm. N. Borsigstr. 8.\nJestram, Pankow, Breitestr. 31. Kotzte, N. Guineastr. 2.\nZerm. N. Hochstr. 21.\nAleith. N. Nordufer, Ecke Fehmarnstr. Appel. N. Triftstr. 31.\nUnger, Bernau, Chausseestrage. Thelke, N. Tegelerstr. 15.\nR\u00f6mer, N. Seestr. 68.\nUnterrichtsanstalten.\nA. Bedingungen f\u00fcr den Eintritt.\na) F\u00fcr Studierende des Brauereifaches.\nI. Brauerschule, Wintersemester (Winterkursus).\nBeginn: Mitte Oktober.\nSchlug: Ende M\u00e4rz.\nAufnahmebedingung.\nEs wird verlangt auger einer ausreichenden praktischen Ausbildung eine angemessene Schulbildung (gen\u00fcgende Kenntnisse in Chemie und Physik, mindestens zwei Jahre Praxis).\nDie Besucher unserer Schule haben erfahrungsgem\u00e4g eine durchschnittliche Praxis von acht Jahren aufzuweisen. Es kann hierf\u00fcr eine maggebende Richtschnur f\u00fcr den einzelnen nicht gegeben werden, da der Erfolg in erster Linie von der Pers\u00f6nlichkeit des Teilnehmers abh\u00e4ngt.","page":233},{"file":"p0234.txt","language":"de","ocr_de":"234\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nII. Brauerschule-Sommersemester (Kursus f\u00fcr Betriebs-Kontrolleure).\nBeginn: Ende April.\nSchlug: Ende Juli.\nAufnahmebedingung.\nAn dem Kursus f\u00fcr Betriebs-Kontrolleure k\u00f6nnen als ordentliche H\u00f6rer solche Studierende teilnehmen, welche das Wintersemester der V. L. B. oder andere gleichwertige Schulen durchgemacht und die Schlu\u00dfpr\u00fcfung bestanden haben.\nVon anderen Teilnehmern wird der Nachweis einer ausreichenden Vorbildung je nach Befinden der Direktion verlangt. Die Aufnahme kann von der Ablegung einer Aufnahmepr\u00fcfung abh\u00e4ngig gemacht werden.\nDie Studierenden sind verpflichtet, sich als H\u00f6rer an der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule einschreiben zu lassen.\nb) F\u00fcr Studierende des Brennereifaches, der Pre\u00dfhefei'abrikation, der St\u00e4rkefabrikation, f\u00fcr Essigfabrikanten und Interessenten des Kornhauswesens.\nBedingung f\u00fcr die Aufnahme ist eine ausreichende praktische Vorbildung.\nPraktikanten-Laboratorium.\nPl\u00e4tze k\u00f6nnen das ganze Jahr hindurch in allen Abteilungen, auch im Maschinentechnischen Laboratorium monatweise belegt werden.\nZahl der Studierenden.\nSchulbesuch.\nSeit Begr\u00fcndung der Schulabteilungen hat die Zahl der Teilnehmer am\nUnterricht betragen:\nI.\tPraktikanten-Laboratorium:\nvon\t1892\u20141899\t 55\n1900\t 4G\n1901\t 32\n1902\t 54\n1903\t 44\n1904\t 38\n1905\t 65\nII.\tBrennereibesitzerkursus:\nvon\t1877\u20141899\t 295\n1900\t 25\n1901\t 26\n1903\t 31\n1904\t 29\n1905\t 30\nIII.\tBrennmeisterkursus:\na) Kartoffelbrenner.\nvon\t1876\u20141899\t 1586\n1900\t............ ...\t100\n1901\t 124\n1902\t 120","page":234},{"file":"p0235.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n235\n1903\t Ul\n1904\t 114\n1905\t.\t.\t.\t,............... 119\nb) Pre\u00dfhefefabrikanten und Dickmaischer, von 1890\u20141899\t 179\n1900\t 37\n1901\t 48\n1902\t 13\n1903\t 99\n1904\t 71\n1905\t 61\nIV. St\u00e4rkemeisterkursus:\nEs hat nur erst ein besonderer Kursus f\u00fcr St\u00e4rkemeister mit sieben Teilnehmern stattgefunden, infolgedessen ist dieser Unterricht mit dem Brennmeisterkursus verbunden worden.\nV. Essigkursus:\n1899\t\t\t\t 16\n1900\t\t\t\n1902\t\t\t\t20\n1903\t\t\t\t 16\n1904\t\t\t\t11\n1905\t\t\t\t 11\nKornhauskursus:\t\n1901\t\t\t24\n1903\t\t\t\t20\n. Brauerschule:\t\nvon 1888\u20141900\t\t\t\t1124\n1900/01\t\t\t\t119\n1901/02\t....\t\t126\n1902/03\t\t\t\t126\n1903/04\t\t\t\n1904/05\t....\t\t213\n1905/06\t....\t\t239\nB. Pr\u00fcfungen.\nI. Winter- und Sommer-Kursus f\u00fcr die Studierenden des Brauereifaches.\nAm Schl\u00fcsse jedes Semesters wird f\u00fcr die sich zur Teilnahme freiwillig meldenden Studierenden eine Pr\u00fcfung abgehalten, \u00fcber die Leistungen und den Besuch wird ein Zeugnis ausgestellt.\nII. Pr\u00fcfung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure.\nK\u00f6nigliche Pr\u00fcfungskommission f\u00fcr Brauerei-Ingenieure.\nVorsitzender der Kommission ist der Rektor der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule, sein Stellvertreter der Vorsteher des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe.","page":235},{"file":"p0236.txt","language":"de","ocr_de":"236\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nMitglieder der Pr\u00fcfungskommission sind die Herren:\nProfessor Dr. B\u00f6rnstein, Professor Dr. Buchner, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Delbr\u00fcck, Ingenieur Goslich, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Kny, Professor Dr. Lindner, Professor Dr. Sch\u00f6nfeld, Professor Dr. Windisch.\nPr\u00fcfungsordnung s. Anhang.\nIII. Pr\u00fcfung f\u00fcr Brennmeister.\nAm Schl\u00fcsse des Kursus wird f\u00fcr die sich hierzu meldenden Teilnehmer eine Pr\u00fcfung abgehalten, \u00fcber Leistungen und Besuch wird ein Zeugnis ausgestellt.\nLebenslauf des Vorstehers, Geh. Reg.-Rat, Prof. Dr. Delbr\u00fcck.\nMax Emil Julius Delbr\u00fcck, geboren als Sohn des damaligen Kreisrichters, sp\u00e4teren Appellationsgerichtsrats Dr. Berthold Delbr\u00fcck, am 16. Juni 1850 zu Bergen auf R\u00fcgen, absolvierte das Gymnasium zu Greifswald, studierte 1868 Chemie an der damaligen Gewerbeakademie, heutigen technischen Hochschule und beendete seine Studien in Greifswald, wo er 1872 zum Doktor promoviert wurde. Er war 1872/73 Assistent im organischen Laboratorium der Gewerbeakademie, 1873/74 Assistent in der landwirtschaftlichen Versuchsstation Halle a. S. und wurde 1874 Leiter der neu zu errichtenden Versuchsanstalt des Vereins der Spiritusfabrikanten in Deutschland. Er war 20 Jahre lang, bis 1897, Mitglied des Kaiserlichen Patentamts. 1882 wurde er zum Professor,\n1.\tOktober 1898 zum Mitglied des engeren Lehrerkollegiums der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule ernannt, wo er die Technologie der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe vertritt. Der Inhaber dieser Stellung ist gleichzeitig Vorsteher des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. 1897 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt.\nDer Vorsteher des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe hat als solcher auch das Programm der wissenschaftlichen Arbeiten f\u00fcr das Institut aufzustellen, zu beaufsichtigen und zu leiten. Obgleich in gewissen Fragen eine gemeinsame Versuchsanstellung vorgesehen ist, sind doch die wissenschaftlichen Arbeiten im allgemeinen den 21 wissenschaftlichen Beamten, welche Abteilungsvorsteher sind oder in deren Range stehen, zur selbstst\u00e4ndigen Ausf\u00fchrung und Ver\u00f6ffentlichung \u00fcberlassen.\nVerfa\u00dfte B\u00fccher:\nMaercker - Delbr\u00fcck, Handbuch der Spiritusfabrikation. \u2014 Delbr\u00fcck-Schrohe, Hefe, G\u00e4rung und F\u00e4ulnis. \u2014 Delbr\u00fcck-Sch\u00f6nfeld, System der nat\u00fcrlichen Hefenreinzucht.\nHauptarbeiten.\n1. Mechanik des Hefenlebens und nat\u00fcrliche Hefenreinzucht. \u2014\n2.\tBedeutung der Enzyme im Leben der Hefe. \u2014 3. Physiologischer Zustand der K\u00f6rner- und Hackfr\u00fcchte.\nMitarbeiter des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe.\nWittelsh\u00f6fer, Professor, Dr. Paul, geb. 19. September 1852 zu Berlin. Mitglied des Intituts von 1880 bis 1899. Zurzeit Vorsteher der technischen Abteilung der Zentrale f\u00fcr Spiritusverwertung, Berlin.","page":236},{"file":"p0237.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n237\nHauptarbeiten.\n1. Brennereibetriebskontrolle. \u2014\t2. Wirtschaftspolitische Unter-\nsuchungen.\nHayduck, Professor Dr. Max, geb. 22. August 1842 zu Stralsund, gest. 5. Oktober 1899. Mitglied des Instituts von 1879 bis 1899.\nHauptarbeiten:\n1. Einflug der Stickstoffern\u00e4hrung auf den physiologischen Zustand der Hefe. \u2014 2. Chemische Zusammensetzung des Hopfens. \u2014 3. Einflug von Art, Eiweiggehalt und Keimung auf den Diastasegehalt des Gerstenmalzes.\nHeinzeimann, Dr. Gustav, geb. 13. Februar 1851 zu Binz auf R\u00fcgen. Mitglied des Instituts seit 1. Oktober 1879.\nHauptarbeiten:\n1. Die Einf\u00fchrung der G\u00e4rbottichk\u00fchlung in Kartoffel-und Melassebrennereien. \u2014 2. Verhalten verschieden ern\u00e4hrter Hefen in ihrer G\u00e4rwirkung. Diastase als Hefenahrungsmittel. Zerst\u00f6rung der Diastase durch die G\u00e4rung. \u2014\t3. \u00dcber den Wert der Flugs\u00e4ure, Kieselfluor-\nwasserstoffs\u00e4ure, neutraler und saurer schwefligsaurer Salze zur Verg\u00e4rung von Dickmaischen.\nReinke, Professor Dr. Otto, geb. 22. Februar 1852 zu Naugard. Mitglied des Instituts von 1883 bis 1899. Dann ordentlicher Professor der technischen Hochschule zu Braunschweig.\nHauptarbeiten:\nTechnisch-wissenschaftliche Arbeiten \u00fcber Brauereibetrieb.\nSaare, Professor Dr. Oscar, geb. 7. Oktober 1854 zu L\u00fcbeck, gest. 1. Juni 1903, Mitglied des Instituts von 1883 bis 1903, zuletzt Stellvertreter des Vorstehers des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und Mitglied des engeren Lehrerkollegiums der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule.\nB\u00fccher:\nDie Fabrikation der Kartoffelst\u00e4rke. \u2014 Die Industrie der St\u00e4rke und der St\u00e4rkefabrikate in den Vereinigten Staaten von Amerika und ihr Einflug auf den englischen Mar t.\nHauptarbeiten:\nBewertung der Kartoffeln nach Sorte, D\u00fcngung und Kultur f\u00fcr St\u00e4rkefabrikation und zwar in Bezug auf den Gehalt an kleinen und grogen St\u00e4rkek\u00f6rnern und an Zucker. Durchf\u00fchrung der beiden Preisausschreiben f\u00fcr Kartoffeltrocknung.\nGoslich, Ingenieur, Walter, geb. 12. Juli 1853 zu Zielenzig. Mitglied des Instituts seit 1885.\nBuch:\nBrauereimaschinenkunde.\nHauptarbeiten:\n1. Pr\u00fcfung der verschiedenen Arbeitsmaschinen in Brennerei und Brauerei auf Kraftverbrauch und Leistungsf\u00e4higkeit. --2. Einf\u00fchrung des Benzol-Spiritus als Brennstoff f\u00fcr Explosionsmotore.\nFoth, Dr. Georg, geb. 7. September 1862 zu Berlin. Mitglied des des Instituts von 1885 - 1887 und seit 1903.","page":237},{"file":"p0238.txt","language":"de","ocr_de":"238\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nBuch:\nVerg\u00e4rung und Alkoholertrag der Kartoffelmaische.\nHauptarbeiten:\n1. Einflug der Kohlens\u00e4ure auf das Leben der Hefe. -\t2. Einflug\nder Elektrizit\u00e4t auf das Leben der Hefe.\nStudent, Maximilian, geb. 21. April 1856 zu Rosenberg in West-preugen. Mitglied des Instituts seit 1885.\nHauptarbeiten:\n1. Die Kartoffelproduktion der wichtigeren Kulturstaaten. 2. Die Melassebrennerei im Deutschen Reiche. 3. Die Verteilung der gr\u00f6geren Brauereien auf die einzelnen Direktivbezirke des deutschen Brausteuergebietes. 4. Die Beurteilung der Lage des Braugewerbes aus der Statistik.\nWindisch, Professor Dr. Wilhelm, geb. 8. Dezember 1860 zu Schmitten (Obertaunus). Mitglied des Instituts seit 20. Oktober 1885.\nB\u00fccher.\nDas chemische Laboratorium des Brauers. - Die Untersuchung des Malzes auf Extraktgehalt. Moritz & Morris, Handbuch der Brauwissenschaft, ins Deutsche \u00fcbertragen. \u2014 Green, Die Enzyme, ins Deutsche \u00fcbertragen.\nHauptarbeiten:\n1. Arbeiten \u00fcber Luftwasserweiche bei der Malzbereitung und Einf\u00fchrung h\u00f6herer Abdarrtemperaturen. 2. Einf\u00fchrung des Kurz- und Hochmaischverfahrens. \u2014 3. Arbeiten zum Ersatz des L\u00e4uterbottichs durch das Maischefilter. \u2014 4. Das Eiweig spaltende Enzym in Gerste und Malz. \u2014 5. Der Abbau der Stickstoff- und phosphorhaltigen Stoffe bei der Malzbereitung und im Maischverfahren. 6. Die Vorg\u00e4nge beim Trocknen und bei der Keimung der Gerste.\nvon Eckenbrecher, Professor Dr. Curt, geb. 6. M\u00e4rz 1853 zu Bergen a. R\u00fcgen. Mitglied des Instituts seit 1888. Stellvertreter des Vorstehers des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe.\nHauptarbeiten:\nBeitr\u00e4ge zur Braugerstenkultur. Berlin 1903. \u2014 Jahresberichte \u00fcber die Anbauversuche der deutschen Kartoffel-Kultur-Station seit 1888.\nLindner, Professor Dr. Paul, geb. 24. April 1861 zu Giesmanns-dorf bei Nei\u00dfe. Mitglied des Instituts seit 1887.\nB\u00fccher:\nMikroskopische Betriebskonirolle in den G\u00e4rungsgewerben. Atlas der mikroskopischen Grundlagen der G\u00e4rungskunde.\nHauptarbeiten:\n1. Die Sarcinaorganismen der G\u00e4rungsgewerbe. 2. Monilia variabilis.\nStruve, Professor Dr. Emil, geb. 20. Juli 1864 zu Berlin. Mitglied des Instituts seit 1888.\nB\u00fccher:\nDie Aufhebung des Identit\u00e4tsnachweises bei auszuf\u00fchrendem Getreide und die deutsche Bierbrauerei. \u2014 Der Hopfenhandel. Produktion, Verkehr und Preise des Hopfens nebst Geschichte, Organisation und Technik des Hopfenhandels. \u2014 Die Entwicklung des Bayerischen Braugewerbes im neunzehnten Jahrhundert. Der Berliner Bierboykott von","page":238},{"file":"p0239.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\n239\n1894. Meitzen, Grund und Boden der preu\u00dfischen Monarchie, Berlin 1906. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Nebengewerbe. Thau-sings Handbuch \u201eMalzbereitung und Bierfabrikation\u201c (Statistik der Produktion und des Verkehrs von Gerste, Malz und Hopfen und Darstellung der Bierbrauerei und die Bierbesteuerung). - Handw\u00f6rterbuch der Staatswissenschaften, Herausgegeben von Conrad, Elster, Lexis, Loening (Bier, Bierbrauerei und Bierbesteuerung). - Ver\u00f6ffentlichungen der wirtschaftlichen Abteilung des Vereins \u201eVersuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin \u201c Heft I bis III.\nHauptarbeiten:\n1. Hamburgs Brauwesen einst und jetzt. (Festschrift zum Hamburger Brauertag 1902.)\t2. Der Erlag eines gesetzlichen Surrogat-\nverbotes f\u00fcr die Bierbrauerei des norddeutschen Steuergebietes. 3. Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Biers und des Brauwesens (gemeinsam mit M. Delbr\u00fcck).\nGoldiner, Franz, geb. 18. Januar 1861 zu Berlin. Mitglied des Instituts seit 1887, Wissenschaftlicher Leiter der Glasbl\u00e4serei.\nHanow, Dr. Heinrich, geb. 24. August 1855 zu Stettin. Mitglied des Instituts seit 1890.\nHauptarbeiten:\nRegelm\u00e4\u00dfige Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber zur Untersuchung eingesandte Malze.\nSch\u00f6nfeld, Professor Dr. Franz, geb. 1. Juni 1866 zu Hohen-Dodeleben bei Magdeburg. Mitglied des Instituts seit 1891.\nB\u00fccher:\nDie Herstellung oberg\u00e4riger Biere. Delbriick-Sch\u00f6nfeld, System der nat\u00fcrlichen Reinzucht.\nHauptarbeiten:\n1. Studien \u00fcber Bier-Sarcina. 2. Trennung von Saaz- und Frohberg-Hefe durch nat\u00fcrliche Reinzucht. 3. Studien \u00fcber Berliner Wei\u00dfbier und dessen Krankheiten.\nRemy, Professor Dr. Theodor. Mitglied des Instituts von 1896 bis 1905. Mitglied des engeren Lehrerkollegiums der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule. Seit 1905: Vorsteher des Instituts f\u00fcr Bodenlehre und Pflanzenbau an der landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf.\nZahlreiche Arbeiten, besonders im Vegetationshaus \u00fcber Gerste-und Hopfenkultur.\nRothenbach, Dr. Fritz, geb. 28. Februar 1865 in Berlin. Mitglied des Instituts seit 1892. Mitglied des Kaiserlichen Patentamtes.\nB\u00fccher:\nUntersuchungsmethoden und Organismen des G\u00e4rungsessigs und seiner Rohstoffe. \u2014 Post, Chemisch-technische Analysen. (Kapitel \u00fcber G\u00e4rungsessig, Holzessig, Essigs\u00e4ure und Acetate, \u00c4thylalkohol, Aceton.)\nHauptarbeiten:\n1. Die Dextrin verg\u00e4rende Hefe Schizosaccharomyces Pombe und ihre Einf\u00fchrung in der Praxis. -\t2. Die Anwendung spaltpilzfeindlicher","page":239},{"file":"p0240.txt","language":"de","ocr_de":"240\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nAgentien im Brennereibetriebe. 3. Verschiedene Arbeiten \u00fcber Essigbakterien und Fabrikation von G\u00e4rungsessig.\nHoffmann, Dr. J. F., geb. 7. November 1859 zu K\u00f6nigsberg i. Pr. Mitglied des Instituts seit 1890.\nBuch:\nDas Versuchskornhaus und seine wissenschaftlichen Arbeiten.\nHauptarbeiten:\n1. Ein Beitrag zur Selbstentz\u00fcndung von pflanzlichen N\u00e4hr- und Futterstoffen. \u2014 2. Beitr\u00e4ge zur Theorie und Praxis der Trocknung von Getreide und anderen K\u00f6rpern.\nLange, Dr. Hermann, geb. 10. Juli 1860 zu Ostinsel bei Stendal. Mitglied des Instituts seit 1895.\nHauptarbeiten:\n1. \u00dcber Bildung und Zerst\u00f6rung der G\u00e4rkraft der Hefe a) in den verschiedenen Stadien ihrer Fabrikation und beim Lagern, b) unter dem Einflug von Temperatur und Reizstoffen, -\t2. Die Verarbeitung von\nTrockenkartoffeln auf Hefe und Spiritus.\nHaack, Ingenieur Emil, geb. 1867 zu Bartenstein, Ostpreugen. Mitglied des Instituts seit 1897.\nHauptarbeiten:\n1. Pr\u00fcfung der Destillierapparate der Brennereien auf W\u00e4rmeverbrauch. 2. Elektrische Kraftverteilung und W\u00e4rme\u00f6konomie im Brauereibetrieb.\nParow, Dr. Edmund, geb. 11. M\u00e4rz 1870 in Cleven bei Mandel in Norwegen. Mitglied des Instituts seit 1897.\nB\u00fccher:\nDer St\u00e4rkezucker und seine Bedeutung f\u00fcr die Nahrungsmittelindustrie. - Post, Chemisch-technische Analyse (Kapitel St\u00e4rke, St\u00e4rkezucker und Dextrin).\nHauptarbeiten:\n1. Die S\u00fcgstoffe verschiedener Lik\u00f6re. 2. F\u00fcnfj\u00e4hrige Versuche \u00fcber die St\u00e4rkeausbeute bei verschiedenen Kartoffelarten.\nHenneberg, Dr. Wilhelm, geb. 6. Januar 1871 zu Magdeburg. Mitglied des Instituts seit 1898.\nHauptarbeiten:\n1. Zur Kenntnis der Milchs\u00e4urebakterien der Brennereimaische, der Milch, des Bieres usw. \u2014 2. Reinkultur in der Essigfabrik. \u2014 3. Zur Biologie des Essigaales.\nNeumann, Dr. Otto, geb. 5. November 1870 in Eydtkuhnen. Mitglied des Instituts seit 1898.\nHauptarbeiten:\n1. Beeinflugt die Herkunft des Hopfens die Zusammensetzung der in ihm enthaltenen Bitterstoffe? 2. Enth\u00e4lt der Hopfen Senf\u00f6l oder ein Senf\u00f6l bildendes Glykosid? -\t3. Regelm\u00e4gige Ver\u00f6ffentlichungen\n\u00fcber den Qualit\u00e4tsausfall der Braugersten-Ernten.\nBehrend, Dr. Wilhelm, geb. 6. M\u00e4rz 1855 zu Danzig. Mitglied des Instituts seit 1898.\nBrosch\u00fcren:\nDie Novelle von 1902 zum Branntweinsteuergesetz. Deutschlands Kartoffelerzeugung in Gegenwart und Zukunft.","page":240},{"file":"p0241.txt","language":"de","ocr_de":"1. Das Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation.\t241\nFehrmann, Ingenieur Karl, geb. 25. November 1875 zu Potsdam. Mitglied des Instituts seit 1901.\nHauptarbeit:\nUber den Einflug gesteuerter und ungesteuerter Einlagventile auf Leistung und Verbrauch von Explosionsmotoren.\nMohr, Dr. Otto, geb. 26. Dezember 1871 zu Annaberg, Erzgeb. Mitglied des Instituts seit 1901.\nB\u00fccher:\nMeyer, Jahrbuch der Chemie (Kapitel G\u00e4rungsgewerbe).\nHauptarbeiten:\n1. Kontraktion der W\u00fcrze beim Abk\u00fchlen. 2. Kohlens\u00e4urebindung, Viskosit\u00e4t und Schaumhaltigkeit.\nRommel, Dr. Wilhelm, geb. 22. Oktober 1871 zu Frankfurt a. Main. Mitglied des Instituts seit 1899.\nHauptarbeit:\nBiologisches \u00fcber verschiedene Mikroorganismen.\nKeil, Dr. Hermann, geb. 25. September 1868 zu Leopoldshall (Anhalt). Mitglied des Instituts seit 1900.\nHauptarbeit:\nRegelm\u00e4gige Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber zur Untersuchung eingesandte Biere und W\u00e4sser.\nBode, Dr. Gustav, geb. 1. Oktober 1870 zu Langenselbold, Kreis Hanau. Mitglied des Instituts seit 1900.\nHauptarbeit:\nBedeutung von Grobschrot und Feinmehl f\u00fcr die Malzanalyse.\nSonstige ehemalige Mitarbeiter des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe.\nBalcke, Dr. J., starb als Brauerei-Betriebschemiker in Moskau.\nHauptarbeit:\nStickstoffgehalt der Bierw\u00fcrzen.\nKrieger, Dr. Josef, starb als wissenschaftlicher Leiter der Schwarzschen Brau-Akademie in New-York.\nSchrohe, Dr. Adam, Regierungsrat im Kaiserlichen Patentamt.\nHeinzeimann, Dr. Robert, H\u00fclfsarbeiter im Kaiserlichen Patentamt.\nSch\u00fctt, Dr. Franz, Regierungsrat im Kaiserlichen Patentamt.\nStumpf, Dr. Martin, Direktor der Preghefefabrik Mautner in Wien.\nLange, Dr. Ernst, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Brennereiberufsgenossenschaft zu Berlin.\nFranche, Dr. G., Brennereiingenieur.\nB\u00fccheier, Professor Dr., Vorsteher der Abteilung f\u00fcr Brennerei an der Akademie f\u00fcr Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan bei Freising, Bayern.\nLintner, Dr. C. J., Professor an der technischen Hochschule und Vorsteher der wissenschaftlichen Station f\u00fcr Brauerei in M\u00fcnchen.\nHantke, E., gestorben als Inhaber einer Brau-Akademie in Milwaukee.\nSakszewski, Dr., Urfahr bei Linz, Preghefenfabrik von Kirch-meir & Sohn.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n16","page":241},{"file":"p0242.txt","language":"de","ocr_de":"242\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nMohr, Dr. G., Betriebschemiker der Preghefefabrik ten Doornkaat Koolman S\u00f6hne in Norden (Ostfriesland).\nVoss, Dr., Sch\u00f6ppenstedt (Braunschweig) Melasse - Brennerei, Herrn. Horney.\nMittenzwey, Dr., Brauereidirektor U. S. A.\nBau, Dr. Arminius, Bremen, Betriebschemiker der Kaiserbrauerei.\nJodlbauer, Dr. Max, Direktor der Akt.-Ges. Paulanerbr\u00e4u M\u00fcnchen.\nLorenz, Dr., gestorben als Besitzer einer Preghefefabrik in Rostock.\nZeidler, Albert, technischer Direktor der Trochgorny - Brauerei, Moskau.\nGronow, Dr., Betriebschemiker der Schultheig - Brauerei, Abteilung I, Berlin.\nFischer, Dr. P., New-York, Brauerei-Ingenieur.\nSchimmel, Dr., Amsterdam, Brauerei-Chemiker.\nMierau, Dr., Betriebschemiker der Preghefenfabrik in Friedenthal-Giesmannsdorf.\nM\u00fcller, Dr. R., Chemiker der Firma Gebr. Avenarius, Charlottenburg.\nK\u00f6nig, Dr., Betriebschemiker im B\u00f6hmischen Brauhaus, Berlin.\nHeyder, Dr., Betriebschemiker der St\u00e4dtischen Lagerbierbrauerei, Hannover.\nDonath, Dr., Untersuchungsamt in Leipzig.\nSchellhorn, Dr., Gewerbe-Betriebsinspektion, Berlin.\nDormeyer, Dr., technischer Direktor der Stettiner Bergschlog-brauerei, Stettin.\nWilke, Dr., gestorben als Betriebschemiker der Essigfabrik Carl K\u00fchne, Berlin.\nMacheleidt, Dr., Betriebschemiker der Schultheig - Brauerei Abteilung III, Dessau.\nMartens, Dr. M., Vorsteher der Abteilung f\u00fcr Brauerei an der Scientific Station for Pure Products in New-York.\nHartmann, M., Betriebschemiker, Brauerei Janssen We., Hamburg.\nDeinhardt, Dr., Betriebschemiker der Schultheig - Brauerei, Abteilung II, Berlin.\nPhilippe, Dr., Betriebschemiker der F\u00fcrstlichen Brauerei, Tichau O./Schl.\n2. Institut f\u00fcr Zucker-Industrie.\nDirektor: Professor Dr. A. Herzfeld.\n(Hierzu Abb. 58\u201460.)\nDas Institut f\u00fcr Zucker-Industrie, welches im Jahre 1866 vom Verein der Deutschen Zucker-Industrie unter dem Namen \u201eLaboratorium des Vereins f\u00fcr die R\u00fcben-Zucker-Industrie des deutschen Reiches\u201c gegr\u00fcndet wurde, bildet seit dem 17. April 1880 einen integrierenden Bestandteil der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule. Die Oberleitung des Instituts f\u00fchrte vom Jahre 1880 bis zu seinem Austritt aus dem Verb\u00e4nde der Landwirtschaftlichen Hochschule Geheimrat Professor Dr. Landolt, Vorsteher war bis zum Jahre 1887 Dr. P. Degener. Ihm","page":242},{"file":"p0243.txt","language":"de","ocr_de":"2. Das Institut f\u00fcr Zucker-Industrie.\n243\nfolgte im Amte der gegenw\u00e4rtige Direktor des Instituts, welchem beratend zwei praktische Zuckerfabrikanten als Kuratoren zur Seite stehen. Die Unterhaltung des Instituts erfolgt ausschlieglich durch den Verein der Deutschen Zucker-Industrie ohne jegliche Staatsbeihilfe, jedoch ist\ndas Institut, welches seit Mai 1904 in einem gesonderten Geb\u00e4ude, Ecke See- und Amrumer Strage, untergebracht ist, mit allem zum Betrieb N\u00f6tigen Staatseigentum. Das stattliche Geb\u00e4ude mit 50 Fenstern Front, drei Stockwerke hoch, ist in der vorderen Ansicht auf der Abbildung 58 zu ersehen. Es hat eine L\u00e4nge von 60 m und eine Gesamttiefe von\nIG*","page":243},{"file":"p0244.txt","language":"de","ocr_de":"244\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nebenfalls 60 m. Die Ausf\u00fchrung des Baues lag in den H\u00e4nden des Kgl. Regierungs- und Baurats Adams und des Regierungsbaumeisters Mebes. Die feierliche Er\u00f6ffnung in Gegenwart der Herren Minister v. Rheinbaben, v. Budde und M\u00f6ller, Vertretern des Reichs sowie der an der Zuckerindustrie beteiligten Bundesstaaten fand am 8. Mai 1904 statt.\nIm Inneren des Geb\u00e4udes ist die Dreiteilung streng durchgef\u00fchrt, in Unterrichts-, Analysen- und Versuchsabteilung, um den \u00dcbelst\u00e4nden des alten Laboratoriums, wo alle Arbeiten auf diesen drei Gebieten ineinander liefen, abzuhelfen.\nBemerkenswert ist, dag das Institut vollst\u00e4ndig auf elektrischen Betrieb eingerichtet ist und jeder Studierende seine eigene Stromleitung hat, ferner dag f\u00fcr physikalische Untersuchungen die R\u00e4ume im Sommer mit Hilfe von K\u00e4ltemaschinen auf eine beliebige konstante Temperatur bis minus 8 0 C. gebracht werden k\u00f6nnen.\nZur Unterrichtsabteilung geh\u00f6rt ein groger Saal f\u00fcr 40 Studierende (vergl. Abbildungen 59 und 60).\nZum Unterrichtslaboratorium geh\u00f6rt ferner, im ersten Stock untergebracht, das Damenlaboratorium, in welchem ungef\u00e4hr 27 Damen Arbeitspl\u00e4tze finden k\u00f6nnen.\nDas analytische Laboratorium ist in seinen Aufgaben insofern scharf begrenzt, als ihm erstens vom Herrn Finanzminister die Polarisationen in Zweifelsf\u00e4llen wegen der steuerlichen Klassierung des Zuckers \u00fcbertragen sind, eine Aufgabe, die freilich durch die Aufhebung der Pr\u00e4mien sehr an Bedeutung verloren hat. Ferner sind ihm die Schiedsanalysen bei R\u00fcbensamenuntersuchungen anvertraut. Ebenso hat es die Schiedsanalysen f\u00fcr den Rohzuckerhandel auszuf\u00fchren. F\u00fcr die R\u00fcbensamenpr\u00fcfungen ist ein eigenes Laboratorium mit elektrisch beheiztem, sich selbstt\u00e4tig auf die richtige Temperatur einstellenden Keimschrank vorhanden.\nDie Versuchsabteilung enth\u00e4lt in dem R\u00fcbenlaboratorium alle gebr\u00e4uchlichen Apparate zur Zerkleinerung der R\u00fcben f\u00fcr die Analyse, dann einen Versuchssaal mit einer vollst\u00e4ndigen kleinen Zuckerfabrik.\nVon der Anlage einer eigentlichen Versuchsfabrik ist abgesehen worden, weil die Kosten derselben zu hoch gewesen sein w\u00fcrden, doch ist ein groger Saal vorhanden nebst einem kleinen Bureau, welcher solchen Herren aus der Praxis, also insbesondere Maschinenfabriken oder Erfindern, welche der Industrie hier in Berlin etwas vorf\u00fchren wollen, zur Verf\u00fcgung gestellt werden soll.\nIm obersten Stockwerk befindet sich ein Museum f\u00fcr Zuckerfabrikation, welches bereits einige sehr bemerkenswerte St\u00fccke enth\u00e4lt, so z. B. eine Original-Zuckerbrod-Form aus Ton, welche Achard, der Gr\u00fcnder der R\u00fcbenzucker-Industrie, in der Zeit vom Jahre 1801- 1806 benutzt hat, ferner die erste Filterpresse, welche in Deutschland tats\u00e4chlich zur Anwendung gelangt ist. Die Querwand des Museums ziert","page":244},{"file":"p0245.txt","language":"de","ocr_de":"2. Das Institut f\u00fcr Zucker-Industrie.\n245\nein \u00d6lgem\u00e4lde, welches den Moment festh\u00e4lt, in welchem Achard dem K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. in Gegenwart der K\u00f6nigin Luise und der Minister v. Haugwitz und v. Hardenberg den ersten aus R\u00fcben hergestellten Zuckerhut \u00fcberreicht.\nVorpla/v.\nEE E\u00ce Huri'fi/, Lahor\u00bb/ , t\n\nAbb. 59.\nInstitut f\u00fcr Zuckerindustrie, Grundri\u00df des ersten Stockwerks, Unterrichtsabteilung.\nDem praktischen Zwecke gem\u00e4g, zu welchem das Institut gegr\u00fcndet worden ist, hat sich dasselbe vornehmlich mit der Ausbildung von Zucker-Chemikern besch\u00e4ftigt. Die Zahl der Sch\u00fcler betr\u00e4gt \u00fcber 1200, wobei zu ber\u00fccksichtigen ist, dag nach der letzten amtlichen Statistik in Deutschland nur 436 Rohzuckerfabriken im Betrieb waren. Dem starken","page":245},{"file":"p0246.txt","language":"de","ocr_de":"246\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nAndrang von Ausl\u00e4ndern mu\u00dfte durch Erh\u00f6hung des Honorars, sowie durch die Beschr\u00e4nkung der Anzahl der Pl\u00e4tze und Aufnahme nur solcher, welche gut empfohlen sind, ein Hemmnis untergeschoben werden.\nNeben der praktischen T\u00e4tigkeit sind jedoch die theoretischen Forschungen im Institut niemals au\u00dfer acht gelassen worden und besonders zahlreiche Substanzen, welche im R\u00fcbensaft Vorkommen, im Institut teils entdeckt, teils zur Feststellung ihrer Eigenschaften bearbeitet worden. Auf dem Gebiete der Chemie der Kohlenhydrate wurden besonders Zuckerarten, welche in anderen Pflanzen au\u00dfer der R\u00fcbe Vorkommen, untersucht. Keineswegs beschr\u00e4nkte sich die wissenschaftliche T\u00e4tigkeit des chemischen Laboratoriums jedoch einseitig auf Zuckeruntersuchungen; sie umfa\u00dfte vielmehr das ganze weite Gebiet der organischen und anorganischen Chemie, der Physik und Biologie in der Erkenntnis, da\u00df nur naturwissenschaftlich vielseitig ausgebildete Personen einem landwirtschaftlichen Gewerbe, wie der Zuckerfabrikation, wirklichen Nutzen bringen k\u00f6nnen.\nDie aus dem Institut hervorgegangenen Arbeiten sind an Zahl au\u00dferordentlich gro\u00df, sie sind fast s\u00e4mtlich in der Zeitschrift des Vereins der Deutschen Zucker-Industrie, welche im Selbstverl\u00e4ge dieses Vereins seit dem Jahre 1850 erscheint, niedergelegt.\nLebenslauf des Direktors Prof. Dr. Alexander Herzfeld.\nGeboren am 7. September 1854, promoviert 1879 in Halle a S., Assistent daselbst bei K\u00fchn, Maercker und Volhard bis 1883, von 1883 bis 1887 Assistent am Laboratorium des Vereins f\u00fcr die R\u00fcbenzucker-Industrie des Deutschen Reiches, seit 1887 Vorsteher dieses Laboratoriums, seit 1903 Direktor des Instituts f\u00fcr Zuckerindustrie, seit 1893 Redakteur der Zeitschrift des Vereins der Deutschen Zuckerindustrie, seit 1884 habilitiert an der K\u00f6niglich technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg, seit 1887 Honorardozent f\u00fcr landwirtschaftliche Gewerbe daselbst, und f\u00fcr Zuckerfabrikation an der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule. Seit 1903 Mitglied des engeren Lehrerkollegiums der letzteren. Seit 1896 Vorsitzender der Internationalen Kommission f\u00fcr einheitliche Methoden der Zuckeruntersuchungen.\nPublikationen: Dissertation \u00fcber Maltodextrin, \u00fcber Eigenschaften des Milchzuckers, \u00fcber Maltose und isomere Glucons\u00e4uren, \u00fcber die chemische Zusammensetzung des Nesselharzes, \u00fcber Invertzucker usw.\nEine gro\u00dfe Anzahl weiterer Publikationen ist in der Festschrift zur Er\u00f6ffnungsfeier des Instituts f\u00fcr Zuckerindustrie abgedruckt, fernere, in dieser Festschrift nicht ver\u00f6ffentlichte Arbeiten betreffen Amidoguanidinverbindungen des Traubenzuckers, Hydrazide und Semi-hydrazide der Zuckerarten u. a. m.\nNamen der Assistenten des Laboratoriums des Vereins der R\u00fcbenzucker-Industrie, welche l\u00e4ngere Zeit am Institut t\u00e4tig gewesen sind.","page":246},{"file":"p0247.txt","language":"de","ocr_de":"2. Das Institut f\u00fcr Zucker-Industrie.\n247\nAbb. 60. Institut f\u00fcr Zucker-Industrie. Arbeitssaal f\u00fcr Studierende.","page":247},{"file":"p0248.txt","language":"de","ocr_de":"248\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\n1.\tVon 1883\t1903: Dr. Kottmann, Lierke, Naumann, Professor\nDr. Wohl, Dr. Kohlrepp, Dr. Baumann, Dr. Hammerschmidt, Dr. Thiele, Dr. F\u00f6rster, O. Schrefeld, Dr. Stiepel.\n2.\tGegenw\u00e4rtig sind als Assistenten angestellt: 0. Schrefeld, Abteilungsvorsteher des analytischen Laboratoriums, Dr. F. Ehrlich, Vorsteher der Unterrichts-Abteilung, Privatdozent Dr. P. K\u00f6thner, Vorsteher der Versuchsabteilung, Dr. Oppermann und Dr. Gahrtz.\n3. Die Versuchsanstalt des Verbandes Deutscher M\u00fcller\nan der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule.\nLeiter: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Wittmack.\n(Hierzu Abb. 61.)\nBei den reichen Sch\u00e4tzen der vegetabilischen Abteilung des Museums an Getreide und den daraus hergestellten Fabrikaten konnte es nicht fehlen, dag der Vorsteher der Abteilung, L. Wittmack, sich schon von seinem Eintritt, 1867, an viel mit der Untersuchung dieser so wichtigen Nahrungsmittel besch\u00e4ftigte. Er f\u00fchlte sich dazu umsomehr veranlagt, als zu jener Zeit die unterscheidenden anatomischen Merkmale der verschiedenen Kleien und Mehle noch nicht gen\u00fcgend erforscht waren und ver\u00f6ffentlichte einen Artikel \u00fcber die Erkennung der Verf\u00e4lschung von Roggenmehl mit Weizenmehl in Verhandlungen des bot. Ver. der Prov. Brandenburg XXIV, Sitzungsberichte (1882) S. 4. Das wurde die Grundlage zu allen seinen sp\u00e4teren Untersuchungen der Mehle. Als dann im Jahre 1882 der Verband Deutscher M\u00fcller auf Anregung seines Vorsitzenden, des Direktor J. J. van den Wyngaert, Berlin, eine Preisaufgabe betr. die beste Methode zur Erkennung organischer und unorganischer Verunreinigungen im Roggen- und Weizenmehl stellte und diese Aufgabe von dem Abteilungsvorsteher gel\u00f6st wurde, war es eine nat\u00fcrliche Folge, dag die landwirtschaftliche Hochschule vielfach von Reichs- und Staatsbeh\u00f6rden, vom Verband Deutscher M\u00fcller usw. mit m\u00fcllereitechnischen Untersuchungen, namentlich in Bezug auf Zollfragen beauftragt wurde. Die Arbeiten nahmen aber allm\u00e4hlich so zu, dag sie von der vegetabilischen Abteilung nicht mehr bew\u00e4ltigt werden konnten. Der Verband Deutscher M\u00fcller stellte darauf bei den Beh\u00f6rden den Antrag, eine besondere Versuchsanstalt f\u00fcr M\u00fcllerei zu errichten, und erkl\u00e4rte sich bereit, dazu j\u00e4hrlich 2500 M. beizusteuern. Angesichts des Nutzens, den sowohl das Reich wie die Einzelstaaten von einer solchen Anstalt haben w\u00fcrden, erkl\u00e4rten die Beh\u00f6rden ihre Zustimmung.\nDer preugische Herr Minister f\u00fcr Landwirtschaft etc. gew\u00e4hrte die unentgeltliche Benutzung von zwei R\u00e4umen im zweiten Stock der landwirtschaftlichen Hochschule (siehe den Grundrig Abb. 7 S. 36) sowie","page":248},{"file":"p0249.txt","language":"de","ocr_de":"3. Die Versuchsanstalt des Verbandes Deutscher M\u00fcller.\n249\nHeizung, Beleuchtung, Gas, Wasser und elektrische Kraft, der preu\u00dfische Herr Finanzminister bewilligte einen j\u00e4hrlichen Zuschu\u00df von\nI\n1000 M., den er vom Etatsjahre 1904 an auf 1500 M. erh\u00f6hte, und das Reichsschatzamt ebenfalls j\u00e4hrlich 1000 M.\nAbb. 61. Versuchsanstalt des Verbandes Deutscher M\u00fcller. An der T\u00fcr Versuchs-Walzenstuhl mit Plansichter, links davon Kugelm\u00fchle, Sch\u00fcttelapparat, Schrotm\u00fchle, Teigknetmaschine, alles elektrisch betrieben.","page":249},{"file":"p0250.txt","language":"de","ocr_de":"250\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nEin Kuratorium aus Vertretern der drei genannten Beh\u00f6rden, sowie des Verbandes Deutscher M\u00fcller und der landwirtschaftlichen Hochschule ward gebildet und die Versuchsanstalt am 1. Februar 1899, wenn auch im bescheidensten Mage, er\u00f6ffnet. Ihr wurde vor allem die Feststellung der Muster f\u00fcr Ausfuhrmehle, wie sie nach dem neuen M\u00fchlenregulativ vom 1. Januar 1900 gefordert werden, \u00fcbertragen und ferner in Streitf\u00e4llen die Beurteilung der zur Ausfuhr angemeldeten Mehle sowie umgekehrt der zur Einfuhr angemeldeten Kleien betreffs ihres Mehlgehaltes. Au\u00dferdem erhielt sie gleich viele andere Auftr\u00e4ge von Beh\u00f6rden wie von Privaten.\nVon Jahr zu Jahr stieg die T\u00e4tigkeit der Versuchsanstalt, immer mehr wurden ihre Einrichtungen vervollst\u00e4ndigt, u. a. ein elektrisch geheizter Versuchs-Backofen, ein kleiner Walzenstuhl mit Plansichter angeschafft etc. (siehe Abb. 61), immer mehr aber auch machte sich der Mangel an Raum f\u00fchlbar, namentlich wenn im M\u00e4rz die seit dem Jahre 1900 eingerichteten 14t\u00e4gigen Kurse f\u00fcr M\u00fcller und B\u00e4cker abgehalten wurden. Dazu kam noch, dag bei dem steigenden Besuch der landwirtschaftlichen Hochschule diese die R\u00e4ume selber brauchte, und nur in der Hoffnung, dag die Versuchsanstalt bald ein eigenes Heim erhalten werde, wurde von der Forderung der R\u00e4umung einstweilen Abstand genommen.\nDa war es der Vorsitzende des Kuratoriums der Versuchsanstalt, Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Traugott M\u00fcller, im Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft etc., welcher Rat schaffte. Auf seine warme Bef\u00fcrwortung hin bewilligten die K\u00f6nigliche Staatsregierung und der Landtag die n\u00f6tigen Mittel zur Erbauung einer eigenen Versuchsanstalt, und es beschlossen die preu\u00dfischen Landwirtschaftskammern und der Verband Deutscher M\u00fcller, zum Betriebe dieser Anstalt gemeinsam eine Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung: \u201eVersuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung\u201c (siehe unten) zu bilden. Mit dieser wird die bisherige Anstalt verschmolzen werden.\nLeiter der Versuchsanstalt ist L. Wittmack (s. S. 94). Der erste Assistent war Dr. Maurizio, jetzt in Z\u00fcrich, dessen Werk \u201eGetreide, Mehl und Brot\u201c Berlin, Paul Parey 1903 die weiteste Verbreitung gefunden hat. Ihm folgte Dr. Paul Nathan son, dem wegen Zunahme der Arbeiten schon ein zweiter Assistent, Heinrich Lauck, zur Hilfe gegeben werden mu\u00dfte. Nach dem Abg\u00e4nge von Dr. Nathanson folgte am 1. Januar 1902 Dr. Carl Br ahm als erster Assistent und nach dem Ausscheiden von H. Lauck am 1. Februar 1902 Dr. Johannes Buchwald als zweiter Assistent. Beide sind noch jetzt t\u00e4tig. Die Ver\u00f6ffentlichungen der Anstalt sind meist in dem Organ des Verbandes Deutscher M\u00fcller erfolgt (bis 1904 \u201eDie M\u00fchle\u201c, von 1905 ab \u201eDer M\u00fcller\u201c).\nVer\u00f6ffentlichungen.\n(Wo nichts bemerkt, ist \u201eDie M\u00fchle\u201c der Ver\u00f6ffentlichungsort.)\nL. Wittmack und Maurizio: \u00dcber das Litergewicht des Mehles zur Qualit\u00e4tsbestimmung. 1899.","page":250},{"file":"p0251.txt","language":"de","ocr_de":"4. Die Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung.\n251\nA. Maurizio: Anleitung zur Bestimmung des Aschengehaltes der Mehle. 1900.\nP. Nathanson: \u00dcber die Feuergef\u00e4hrlichkeit von Zelluloidsieben im Vergleich zu Seidensieben. 1900. \u2014 Einwirkung von schwefliger S\u00e4ure auf Mehl. 1900.\nL. Wittmack und P. Nathanson: \u00dcber den Aschengehalt von Roggenmehlen. 1901.\n('. Brahm: Studien \u00fcber das Alsop\u2019sche Mehlbleichverfahren und \u00fcber den Einflug des Ozon auf Farbe und Backf\u00e4higkeit von Weizenmehl. Stenographischer Bericht der 32. Generalversammlung des Verbandes deutscher M\u00fcller zu Hamburg 1904. \u2014 Das Alsop\u2019sche Mehlbleichverfahren. \u201eDer M\u00fcller\u201c 1905. \u2014 \u00dcber den Einflug von Ozon auf die Backf\u00e4higkeit von Weizenmehl. Zeitschrift f\u00fcr Unters, der Nahrungs- und Genugmittel. 1905. Bd. 8. \u2014 Bleichen von Mehl. Vortrag auf der 33. Generalversammlung des Verbandes Deutscher M\u00fcller zu Breslau 1905. Stenographischer Bericht der 33. Generalversammlung des Verbandes Deutscher M\u00fcller. 1905.\nC. Brahm und J. Buchwald: \u201eDiamalt\u201c. 1902 u. 1903. \u2014 Eine Kleief\u00e4lschung. 1902. \u2014 Das Kartoffelwalzmehl. 1903. \u2014 Zur Kenntnis der Kleberzellen und der Kleberverteilung in den Getreidek\u00f6rnern. Zeitschrift f\u00fcr Untersuchung der Nahrungs- und Genugmittel. 1904.\nJ. Buchwald: Die Erkennung der Mandeln und verwandter Samen. Zeitschrift f\u00fcr Untersuchung der Nahrungs- und Genugmittel. 1902. \u2014 Das Erkennen von Kastorbohnenmehl in Weizenmehl. 1904 \u2014- Enarthrocarpus lyratus. Eine Art der alt\u00e4gyptischen Flora, nebst einigen Bemerkungen \u00fcber den Bau der Frucht, in Festschrift zu Prof. Aschersons 70. Geburtstag. Berlin 1904.\t\u2014 Eine seltene\nBrotkrankheit (Monilia. variabilis), \u201eDer M\u00fcller\u201c. 1905. Nr. 41.\n4. Die Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung,\nGesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung.\n(Hierzu Abb. G2 und 63.)\n\u00c4hnlich wie bei dem Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und dem Institut f\u00fcr Zuckerindustrie hat die Kgl. Staatsregierung beschlossen, die Kosten des Baues und der Einrichtung dieser in der Seestrage neben dem Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe belegenen, noch in der Herstellung begriffenen Anstalt (bis zur H\u00f6he von 586 000 M.) zu tragen; das bereits bestehende Versuchskornhaus soll dem neuen Institut angegliedert werden. Die Gesellschaft aber hat f\u00fcr die Betriebskosten zu sorgen. Diese werden gr\u00f6gtenteils von den Gesellschaftern, zur Zeit 14, n\u00e4mlich den dreizehn preugischen Landwirtschaftskammern und dem Verb\u00e4nde Deutscher M\u00fcller, aufgebracht; doch geben auch der Staat und das Reich j\u00e4hrliche Zusch\u00fcsse. Zuletzt ist auch noch die B\u00e4ckerinnung \u201eGermania\u201c als Gesellschafter beigetreten.\nDer Aufsichtsrat besteht aus 9 Mitgliedern; 6 werden von den Landwirtschaftskammern, 2 vom Verb\u00e4nde Deutscher M\u00fcller gew\u00e4hlt, das neunte Mitglied mug ein mit dem B\u00e4ckereibetriebe vertrauter Sachverst\u00e4ndiger sein.","page":251},{"file":"p0252.txt","language":"de","ocr_de":"252\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nDem Reichskanzler und dem preu\u00dfischen Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten steht die Entsendung von Vertretern zu allen Versammlungen des Aufsichtsrates zu.\nVorsitzender des Aufsichtsrates ist der Rittmeister von Arnim-G\u00fcterberg, Vorsitzender der Landwirtschaftskammer f\u00fcr die Provinz Brandenburg.\nGesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind der Rechtsanwalt von H\u00fclsen, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg, und H. Schlueter, Generalsekret\u00e4r des Verbandes Deutscher M\u00fcller.\nGegenstand des Unternehmens dieser Gesellschaft, auf die im vorigen Abschnitt schon hingewiesen wurde, ist laut Gesellschaftsvertrag die Verwaltung und der Betrieb der an der Seestrage zu Berlin zu errichtenden Versuchsanstalt f\u00fcr M\u00fcllerei und B\u00e4ckerei nebst Laboratorium f\u00fcr Brotgetreide und M\u00fcllereierzeugnisse und des an der Heide-strage zu Berlin bereits bestehenden Versuchs-Kornlagerhauses,\nDas Unternehmen hat:\n1.\tder praktischen Versuchs- und der wissenschaftlichen Forschungst\u00e4tigkeit zu dienen. Insbesondere ist ihm die Aufgabe gestellt:\na)\tdas Verhalten des Getreides w\u00e4hrend des Lagerns, des Vermahlens, der Verarbeitung und des Verbackens unter den verschiedensten Verh\u00e4ltnissen und Einfl\u00fcssen zu beobachten;\nb)\tBackversuche mit inl\u00e4ndischem und ausl\u00e4ndischem Getreide anzustellen, um den Backwert der verschiedenen Getreidesorten zu ermitteln;\nc)\tMaschinen und Ger\u00e4te f\u00fcr das M\u00fcllerei- und B\u00e4ckereigewerbe und Getreidetrockenapparate zu pr\u00fcfen;\nd)\tUntersuchungen f\u00fcr die Reichs- und Staatsbeh\u00f6rden, sowie Analysen von Getreiden, Mehlen, Kleien, Futtermitteln, \u00d6lsaaten, \u00d6len usw. f\u00fcr Beh\u00f6rden und Private vorzunehmen;\ne)\tdie zum Betriebe erforderlichen Getreidearten, Futtermittel, \u00d6lsaaten usw. anzukaufen und die in der Anstalt hergestellten Produkte zu verkaufen.\n2.\tals Lehranstalt zur Ausbildung des f\u00fcr die Kornlagerung, M\u00fcllerei und B\u00e4ckerei erforderlichen technisch vorgebildeten Personals zu dienen.\nEine Verteilung des Reingewinnes an die Gesellschafter ist ausgeschlossen. Der Reingewinn soll ausschlie\u00dflich f\u00fcr die dauernde Sicherung der Gesellschaft und f\u00fcr F\u00f6rderung der Gesellschaftszwecke dienen.\nBeschreibung\nder Neubauten der Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung, G. m. b. H. Berlin N., Seestrage.\nDieVersuchsanstalt besteht aus dem haupts\u00e4chlich f\u00fcr Laboratoriumszwecke und die Versuchsb\u00e4ckerei bestimmten Hauptgeb\u00e4ude und der","page":252},{"file":"p0253.txt","language":"de","ocr_de":"fWd>! nadj\t/rHy.\tJWrSeesfrraJte\n1?\nAbb. 62. Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung. \u2014 Ansicht des Hauptgeb\u00e4udes.","page":253},{"file":"p0254.txt","language":"de","ocr_de":"254\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\nVersuchsm\u00fchle. Das daf\u00fcr vom Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft \u00fcberwiesene Grundst\u00fcck hat einen Fl\u00e4cheninhalt von rund 45 00 qm mit einer Stra\u00dfenfront von 67,50 m. Das Hauptgeb\u00e4ude ist so gelagert, da\u00df der Abstand von dem nord\u00f6stlich belegenen Grundst\u00fcck derVersuchs-anstalt f\u00fcr landwirtschaftliche Maschinentechnik 15,50 m und von der Bauflucht i. m. 6,50 m betr\u00e4gt, und da\u00df sp\u00e4ter ein Erweiterungsbau von ebenso gro\u00dfem Fl\u00e4cheninhalt wie ihn das jetzt im Bau befindliche Hauptgeb\u00e4ude aufweist, sp\u00e4ter nach SO. hin angef\u00fcgt werden kann.\nDie Versuchsm\u00fchle tritt hinter die Bauflucht 47,50 m zur\u00fcck.\nDie Fertigstellung der gesamten Anlage d\u00fcrfte im Dezember des Jahres 1906 erfolgt sein.\nDie vom Staate bewilligten Mittel betragen f\u00fcr beide Geb\u00e4ude 586 000 M. und verteilen sich etwa wie folgt:\nHauptgeb\u00e4ude . .\tM.\t297\t000\nInnere Einrichtung\t\u201e\t66\t000\nM\u00fchle...............\u201e\t90\t000\nInnere Einrichtung\t,,\t70\t000\nAllgem. Unkosten\t,,\t63\t000\nM. 586 000\nDie Geb\u00e4ude werden unter Aufsicht des K\u00f6niglichen Baurates Astfalck nach den Entw\u00fcrfen und unter der Leitung des Architekten F. Gottlob, Berlin, ausgef\u00fchrt.\nA. Das Hauptgeb\u00e4ude.\nDas \u00c4u\u00dfere zeigt eine einfache konstruktive Backsteinarchitektur. Die Belebung der Fl\u00e4chen ist unter m\u00e4\u00dfiger Verwendung von Formsteinen durch Putzblenden und Friese, Backsteinfriese usw. erzielt. In derselben Weise ist noch das Treppenvestib\u00fcl und das Treppenhaus behandelt, w\u00e4hrend alle anderen R\u00e4ume, ihrem Charakter als Arbeits- und Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume entsprechend, ohne jede Dekoration bleiben werden.\nDie geforderten R\u00e4ume sind auf die einzelnen Stockwerke wie folgt verteilt:\n1.\tKellergescho\u00df, 3,15 m hoch (von Oberkante bis Oberkante Fu\u00dfboden gerechnet). R\u00e4ume f\u00fcr konstante Temperatur, Heizkeller (gegen die anderen Kellerr\u00e4ume um 0,85 m vertieft), Kohlenkeller, Waschk\u00fcche, Raum f\u00fcr den Aufzugsmotor, B\u00e4ckereikeller, Badezimmer.\n2.\tErdgescho\u00df, 3,47 m hoch. Wohnungen f\u00fcr den Hausbeamten, den Hauswart und den B\u00e4ckermeister, Versuchsb\u00e4ckerei (4,39 m hoch) nebst G\u00e4r-, Heiz- und Kohlenraum.\n3.\t1. Obergescho\u00df, 4,39 m hoch. Chemisches Laboratorium, Zimmer des Vorstehers und des Assistenten, Laboratorium des Vorstehers, Zimmer f\u00fcr den Direktor, den Sekret\u00e4r, die Kasse und die kaufm\u00e4nnische Leitung, Mehllager, Stube f\u00fcr die B\u00e4ckergesellen, Brausebad, Klosett.","page":254},{"file":"p0255.txt","language":"de","ocr_de":"Abb. 63. Versuchsanstalt f\u00fcr Getreideverarbeitung. - Hauptgeb\u00e4ude, Erdgescho\u00df.","page":255},{"file":"p0256.txt","language":"de","ocr_de":"256\nVIII. Die landwirtschaftlich-technische Abteilung.\n4.\t2. Obergescho\u00df, 4,39 m hoch. Chemisch-wissenschaftliches Laboratorium, S\u00e4urezimmer, analytisches Laboratorium, Zimmer f\u00fcr den Assistenten, R\u00e4ume f\u00fcr Wagen, Chemikalien und Apparate, technisches Laboratorium, Zimmer f\u00fcr den Vorsteher, B\u00e4ckerei-Laboratorium (dar\u00fcber Plattform), Zimmer f\u00fcr den Assistenten.\n5.\t3. Obergescho\u00df, 3,77 m hoch. H\u00f6rsaal mit Vorbereitungszimmer, Mikroskopiersaal, Zimmer f\u00fcr den Vorsteher, Laboratorium des Vorstehers, botanisches Laboratorium, Raum f\u00fcr Thermostaten, bakteriologisches Laboratorium, Zimmer f\u00fcr den Assistenten.\n6.\tAusgebautes Dachgescho\u00df, 3,08 m hoch (bis Unterkante der Mansardenbalkenlage). Photographisches Atelier mit Dunkelkammer, Glaskammer, Bibliothek, Trockenboden, zwei Assistentenwohnzimmer, Gew\u00e4chshaus, R\u00e4ume f\u00fcr Zollproben etc., Getreide und \u00c4hren.\nS\u00e4mtliche Decken und W\u00e4nde sind in Massivkonstruktion, die Decken als preu\u00dfische Kappen mit Linoleumbelag auf Zementestrich, die freitragenden Zwischenw\u00e4nde als Prii\u00dfsche W\u00e4nde vorgesehen.\nDie Au\u00dfenfl\u00e4chen werden in Kreuzverband mit Handstreichsteinen verblendet, die D\u00e4cher mit Biberschwanzziegeln als Kronendach eingedeckt.\nS\u00e4mtliche Stockwerke sind untereinander durch eine Haupttreppe und einen f\u00fcr rund 2500 kg Tragf\u00e4higkeit berechneten Lasten- und Personenaufzug verbunden. Die Laboratorienr\u00e4ume werden nach Bedarf mit Fenstertischen, Laboratorientischen und Digestorien ausgestattet. Das photographische Atelier, f\u00fcr welches das ganze Dachprofil in Anspruch genommen wird, ist, wie schon angegeben, im Dachgescho\u00df untergebracht und in der Hauptsache durch ein gro\u00dfes, bis zum First hinangef\u00fchrtes Oberlicht mit doppelter Glasdecke beleuchtet. Zur W\u00e4rmehaltung in den Dachr\u00e4umen sollen Wickelstaken, Korkplatten und Rabitzverkleidungen verwendet werden.\nDie Versuchsb\u00e4ckerei wird mit folgenden Gegenst\u00e4nden ausger\u00fcstet: 1. ein Kombinations-Dampfbackofen. mit einem feststehenden und zwei ausziehbaren Herden, 2. eine Knet- und Mischmaschine f\u00fcr Roggenteig, 3. eine Knet- und Mischmaschine f\u00fcr Weizenteig, 4. eine Teigteilmaschine, 5. eine Flachsch\u00fcttelsiebmaschine, 6. eine Sackklopfmaschine, 7. ein Elektromotor von 6 PS, 8. eine Teigwage, 9. ein Wasser-Misch-und Me\u00dfgef\u00e4\u00df, 10. eine Backmulde, 11. ein fahrbarer G\u00e4rst\u00e4nder, 12. ein Brotwagen, 13. diverse kleine Utensilien.\nAlle zur B\u00e4ckerei geh\u00f6rigen, auf vier Stockwerke \u00fcbereinander verteilten R\u00e4ume sind durch eine besondere Nebentreppe verbunden. Das in der B\u00e4ckerei zur Verwendung gelangende Mehl soll von der M\u00fchle her auf Handwagen zum Hauptgeb\u00e4ude, dann durch einen Aufzug nach dem im 1. Obergescho\u00df belegenen Mehllagerraum transportiert werden und gelangt durch eine Mehlsiebmaschine wieder zur weiteren Verarbeitung nach der ebenerdig angeordneten B\u00e4ckerei.","page":256},{"file":"p0257.txt","language":"de","ocr_de":"IX. Die Bibliothek.\n257\nF\u00fcr die fertigen Backwaren sind gut gel\u00fcftete und geheizte Lagerr\u00e4ume im Kellergescho\u00df vorgesehen.\nZur Beheizung des ganzen Geb\u00e4udes ist eine Niederdruck-Dampfheizung in Aussicht genommen.\nB. Die Versuchsm\u00fchle.\nDen \u00e4u\u00dferen Formen nach ist die M\u00fchle dem Hauptgeb\u00e4ude angepa\u00dft, so da\u00df sich ohne weiteres die Zusammengeh\u00f6rigkeit beider erkennen l\u00e4\u00dft. Vorhanden sind f\u00fcnf, im Kopfbau sechs Stockwerke, die durch eine massive Treppe und einen f\u00fcr rund 2500 kg Tragf\u00e4higkeit berechneten Lastenaufzug untereinander verbunden sind. Letzterer ist von den Podesten der Treppe aus zug\u00e4nglich und ist nebst dem Motorh\u00e4uschen an der Au\u00dfenseite der dem Hauptgeb\u00e4ude zugekehrten Front angeordnet. Abgesehen von einem Untersuchungszimmer, welches vom Erdgescho\u00df, und einem Assistentenzimmer, welches vom 1. Stockwerk abgetrennt ist, sind s\u00e4mtliche verf\u00fcgbaren R\u00e4ume unmittelbar zu M\u00fchlenzwecken ausgenutzt.\nDie Versuchsm\u00fchle enth\u00e4lt Lagerr\u00e4ume f\u00fcr Getreide verschiedener Art, sowie Apparate f\u00fcr Vorreinigung und Reinigung des zu vermahlenden Getreides, und zwar einen Getreideelevator, eine Aspirationsvorreinigungsmaschine, sogenannter Lagerhausaspirateur, eine automatische Wage, Magnetapparat, Trieure, Getreidespitz- und Sch\u00e4lmaschine, B\u00fcrstmaschine, Schlauch- und Druckfilter, Apparate f\u00fcr Getreidew\u00e4scherei mit Steinausleser und Trockenkolonne. Die Mahleinrichtung, die in zwei vollst\u00e4ndig getrennte Systeme, f\u00fcr Roggen- und Weizenvermahlung, zerf\u00e4llt, ist f\u00fcr eine st\u00fcndliche Leistung von 200 kg gedacht und sind dazu nachstehende Apparate vorgesehen: zwei automatische Wagen, ein Weizenbrechstuhl, ein Roggenquetschwalzenstuhl, ein Vierwalzenstuhl f\u00fcr Roggenschrot, ein Vierwalzenstuhl f\u00fcr Weizenschrot, ein Vierwalzenstuhl f\u00fcr Roggengries und ein Vierwalzenstuhl f\u00fcr Weizengriese, ein Mahlgang mit Aspiration, zwei Schrotputzapparate, zwei Plansichter, eine Zentrifugalsichtmaschine, Gries- und Dunstputzmaschine, Mehlmischmaschine. Da die M\u00fchlenanlage zum gr\u00f6\u00dften Teil automatisch gedacht ist, so fehlen auch die dazu n\u00f6tigen Elevatoren, Transportschnecken, Exhaustoren und sonstigen Hilfsmaschinen nicht.\nIX.\nDie Bibliothek.\nBibliothekar: Prof. Dr. Franz Engel.\nIm Jahre 1880 ging die Bibliothek des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten zum gr\u00f6\u00dften Teile an das damalige, im\n17\nFestschrift d. landvv. Hochschule.","page":257},{"file":"p0258.txt","language":"de","ocr_de":"258\nIX. Die Bibliothek.\nJahre 1881 zur Hochschule umgeschaffene K\u00f6nigliche landwirtschaftliche Lehrinstitut \u00fcber, und aus der Verschmelzung dieser beiderseitigen B\u00fccherbest\u00e4nde ist der Grundstock der Zentralbibliothek der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule gebildet worden; nach Aufl\u00f6sung der Akademie Proskau wurde auch deren B\u00fccherbestand teilweise der Zentralbibliothek \u00fcberwiesen.\nEine im Jahre 1886/87 vorgenommene B\u00fccherz\u00e4hlung der Zentralbibliothek ergab - soweit solche Z\u00e4hlungen eine vollst\u00e4ndige Genauigkeit ergeben k\u00f6nnen \u2014 einen Bestand von 32 500 einzelnen B\u00e4nden; dieser Bestand ist bis zum Schl\u00fcsse des Jahres 1904 durch Ankauf, \u00dcberweisungen aus dem zust\u00e4ndigen Ministerium und sonstige Zuwendungen auf 49 980 B\u00e4nde angewachsen, wird also bis zum Schl\u00fcsse des laufenden Jahres 1905 einen Bestand von \u00fcber 50 000 B\u00e4nden erreicht haben. Der weitere Auf- und Ausbau der B\u00fccherei konnte der Hauptsache nach nur auf die dem Ziele und Zwecke der Bibliothek entsprechende landwirtschaftliche Literatur mit deren einschl\u00e4gigen Grund-und Hilfswissenschaften beschr\u00e4nkt bleiben, w\u00e4hrend die weniger nahe hegenden F\u00e4cher - trotz des vielseitig angelegten Grundstockes -sich einer gleichen F\u00fcrsorge aus zwingenden Gr\u00fcnden nicht erfreuen durften.\nMit der Erweiterung der Hochschule durch Angliederung des geod\u00e4tischen und kulturtechnischen Lehrkursus im Jahre 1883, wie mit ihrer eigenen Erstarkung und Ausdehnung und der Zunahme ihrer Sch\u00fclerzahl, wie denn auch mit der in ihrem Umfange immer mehr anschwellenden Fachliteratur und deren Hilfswissenschaften steigerten sich gleichlaufend auch die Anforderungen an die Zentralbibliothek und die Bed\u00fcrfnisse der erweiterten, durch sie gespeisten Arbeitsfelder. In den nunmehr 25 Jahren ihres Bestehens hat der innere und \u00e4u\u00dfere Betrieb mindestens um das vierfache zugenommen, besonders in der letzten H\u00e4lfte des Vierteljahrhunderts. Eine zuverl\u00e4ssige Statistik \u00fcber die Zahl der Besucher und den Umfang der B\u00fccherausgabe lie\u00df sich leider erst mit dem Jahre 1887 einleiten und dann mit m\u00f6glichster Sorgfalt und Genauigkeit ununterbrochen weiterf\u00fchren; darnach ist die Zahl der j\u00e4hrlich aus der Bibliothek entliehenen B\u00e4nde von 3000 im Jahre 1887 auf 12 000, und die Zahl der Besucher des Lesezimmers \u2014 in den einzelnen Jahren schwankend von 3600 im Jahre 1887 auf 9000, 10 000 und 11 000 bis heute angewachsen.\nMit der Bibliothek ist im Zusammenh\u00e4nge mit derselben ein Lesezimmer verbunden, in welchem die nach F\u00e4chern geordneten Zeitschriften und eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Hand- und Nachschlageb\u00fcchern in mehreren Schr\u00e4nken zur freien Benutzung ausgestellt sind; au\u00dferdem k\u00f6nnen gegen besondere Empfangsbescheinigung B\u00fccher aus der Bibliothek, wie zur h\u00e4uslichen Benutzung, auch f\u00fcr das Lesezimmer entnommen werden; die Bestellzettel f\u00fcr die verlangten B\u00fccher, welche zugleich","page":258},{"file":"p0259.txt","language":"de","ocr_de":"IX. Die Bibliothek.\n259\nals Empfangsbescheinigung gelten, werden unentgeltlich verabreicht. -Bestimmend f\u00fcr die Benutzung und Verwaltung der Bibliothek ist ein von dem Herrn Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten am 18. Dezember 1883 genehmigtes Regulativ.\nIm Jahre 1887 wurde die Zentralbibliothek einer Neuordnung und g\u00e4nzlichen B\u00fccherumstellung unterworfen und dementsprechend ein neuer Fachkatalog und, auf diesen hinweisend, ein alphabetischer Katalog angefertigt; beide Kataloge sind, bisher noch ungedruckt, nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1891 in einer Reihe von B\u00e4nden nebst einem Verzeichnisse der aushegenden Zeitschriften im Lesezimmer ausgestellt und allgemein zug\u00e4nglich gemacht. Bibliothek und Lesezimmer sind an allen Wochentagen, mit Ausnahme der Festtage, und das ganze Jahr hindurch, mit Ausnahme von einer Woche im Fr\u00fchling und vier Wochen im Sommer, ununterbrochen ge\u00f6ffnet.\nIhre Unterkunft hat die Bibliothek gemeinsam mit dem Lesezimmer im zweiten Stock des Hochschulgeb\u00e4udes gefunden, wo ihr ein Gebiet von 39 m L\u00e4nge, 7,75 m Tiefe und 5,6 m H\u00f6he mit zehn Fenstern nach der Vorderseite des Hauses einger\u00e4umt worden ist; davon fallen zwei Fenster auf das Lesezimmer; ein Rostbau von Eisen teilt den Bibliothek-raum in zwei Stockwerke, welche, durch eiserne Treppen verbunden, den Gebrauch von Ansetzleitern und Tritten g\u00e4nzlich ausschalten. Der Gesamtraum beider Stockwerke ist in einzelne Abteile von je Fensterbreite zerlegt, welche durch einen gemeinsamen offenen Mittelgang durch die ganze L\u00e4nge der Stockwerke miteinander verbunden sind. Jeder Abteil bietet eine Wand- oder Schrankfl\u00e4che von 4 X 6 qm = 24 qm dar, s\u00e4mtliche Abteile zusammen machen eine, durch eingestellte Schr\u00e4nke bedeutend vermehrte Raumfl\u00e4che von 476 qm zur B\u00fccheraufstellung verf\u00fcgbar. Zu zeitweiser Entlastung und Raumgewinnung bei eintretender \u00dcberf\u00fcllung ist der Bibliothek im Obergescho\u00df des Hauses noch ein Saal mit acht doppelseitigen Schr\u00e4nken zugewiesen, der aber mit den Bibliothekr\u00e4umen selbst in keiner Verbindung steht.\nDie k\u00fcnstliche Erleuchtung wird im Lesezimmer durch eine gro\u00dfe elektrische Bogenlichtflamme und je nach Bedarf durch acht Gasgl\u00fchlicht-flammen hergestellt; die Bibliothekr\u00e4ume erhalten eine Zuleitung von elektrischem Gl\u00fchlicht und k\u00f6nnen durch bewegliche Leitungsflammen am Abend und an dunklen Tagen beliebig abgeleuchtet werden. Die Erw\u00e4rmung im Winter geschieht durch Luftheizung, deren Ofenherde im Kellergescho\u00df hegen, und wird durch Registrierthermometer geregelt; die Zu- und Abf\u00fchrung von Luft ist durch verstellbare Luftklappen vorgesehen. - Bei dem starken Besuch des Lesezimmers erscheint dringend eine Erweiterung n\u00f6tig.\nVerwaltet und geleitet wird die Bibliothek von einem Bibliothekar, gegenw\u00e4rtig Professor Dr. Engel, unter Beistand eines Unterbeamten.\n17*","page":259},{"file":"p0260.txt","language":"de","ocr_de":"260\nX. Die Studierenden.\nBehufs Auswahl der anzuschaffenden B\u00fccher steht dem Bibliothekar ein vom engeren Lehrerkollegium auf zwei Jahre gew\u00e4hlter Kurator zur Seite (gegenw\u00e4rtig Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Kn y). Vom\n1.\tApril 1881 bis zu seinem bereits am 14. Juni 1883 erfolgten Tode war Dr. Deetz Bibliothekar. Am 28. September 1883 wurde der bisherige Assistent an der vegetabilischen Abteilung des Museums der landwirtschaftlichen Hochschule Dr. Franz Engel zu seinem Nachfolger ernannt. Am 21. Juli 1904 wurde diesem anl\u00e4\u00dflich seines 70. Geburtstages das Pr\u00e4dikat Professor verliehen.\nX.\nDie Studierenden.\n1. Bedingungen f\u00fcr den Eintritt.\nJe nachdem ein Studierender sich dem Studium der Landwirtschaft, der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik oder dem der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe zuwenden will, sind die Aufnahmebedingungen verschieden.\nLandwirtschaftliche Abteilung.\n1.\tOrdentliche H\u00f6rer m\u00fcssen, sofern sie Deutsche sind, mindestens denjenigen Bildungsgrad aufweisen, der zum einj\u00e4hrig-freiwilligen Dienst in der deutschen Armee berechtigt, d. h. sie m\u00fcssen mindestens das Wissen haben, welches zur Reife f\u00fcr die Ober-Sekunda einer neunstufigen Lehranstalt gefordert wird, beziehungsweise Landwirtschaftsschulen oder andere Anstalten besucht haben, deren Sch\u00fcler nach bestandenem Abgangsexamen das Einj\u00e4hrig - Freiwilligen - Recht erhalten. Nichtdeutsche haben den Nachweis der geforderten Vorbildung in einer dem Rektor gen\u00fcgenden Form zu f\u00fchren.\n2.\tAu\u00dferordentliche H\u00f6rer k\u00f6nnen solche werden, welche den Nachweis der f\u00fcr ordentliche H\u00f6rer vorgeschriebenen Vorbildung nicht f\u00fchren k\u00f6nnen, von denen aber der Rektor annehmen darf, da\u00df sie in den Kreis der Zuh\u00f6rer passen und da\u00df sie bef\u00e4higt sind, dem Unterricht mit Nutzen zu folgen.\n3.\tHospitanten. Als Hospitanten k\u00f6nnen solche Nichtlandwirte zugelassen werden, welche nur einzelne Vorlesungen h\u00f6ren wollen. Landwirte d\u00fcrfen als Hospitanten zu einzelnen Vorlesungen nur dann zugelassen werden, wenn sie gen\u00fcgend nachweisen, da\u00df sie an der vollen Teilnahme am Unterricht als ordentliche oder au\u00dferordentliche Zuh\u00f6rer verhindert sind.","page":260},{"file":"p0261.txt","language":"de","ocr_de":"2. Zahl der Studierenden.\n261\nWeibliche Personen k\u00f6nnen laut Erlag des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft vom 10. Dezember 1896 nur als Hospitanten auf genommen werden, und ist es dem Ermessen des Rektors \u00fcberlassen, ob er die Vorbildung f\u00fcr gen\u00fcgend h\u00e4lt.\nGeod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung.\nWer Geod\u00e4sie und Kulturtechnik studieren will, um sp\u00e4ter die Pr\u00fcfung als Landmesser abzulegen, soll vor Eintritt in das Studium eine praktische Lehrzeit von mindestens einem vollen Jahre zur\u00fcckgelegt haben. Augerdem wird als Nachweis der allgemeinen wissenschaftlichen Bildung gefordert: die Reife f\u00fcr die Prima eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule mit neunstufigem Lehrg\u00e4nge.\nAbteilung f\u00fcr die landwirtschaftlich-technischen Gewerbe.\nDa die Bedingungen f\u00fcr die einzelnen Zweige dieser Abteilung sehr verschieden sind, so sind sie bei der Besprechung der betreffenden Institute, S. 211 ff, n\u00e4her dargelegt worden. Im allgemeinen aber gelten f\u00fcr sie dieselben Bedingungen wie f\u00fcr die landwirtschaftliche Abteilung.\n2. Zahl der Studierenden.\n(Abbildung 64.)\n\u00dcber den Besuch der Hochschule gibt die beifolgende Tabelle I Auskunft. Noch deutlicher erhellt er aus dervonHerrnLarisch, Assistenten an der vegetabilischen Abteilung, ausgef\u00fchrten graphischen Darstellung.\nZu bemerken ist dazu, dag die geod\u00e4tische Abteilung erst am 1. April 1883 eingerichtet wurde, und die Studierenden der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe erst seit 1900 in den Listen der Hochschule gef\u00fchrt werden.\n\u00dcberblicken wir zun\u00e4chst die Frequenz seitens der Landwirte, so finden wir in den ersten Jahren nur einen schwachen Besuch, der sich aber immer mehr steigert.\nSehr zu unterscheiden sind hier aber die Sommersemester von den Wintersemestern. Leider ist die Zahl der studierenden Landwirte in Berlin, aber auch an manchen anderen h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten, im Sommer bedeutend kleiner als im Wintersemester, was besonders aus der graphischen Darstellung hervorgeht. Der Hauptgrund liegt darin, dag viele junge Landwirte im Sommer in die Praxis gehen, um im Winter oftmals wiederzukommen. Das ist sehr zu beklagen, denn sie erhalten dadurch niemals eine volle Ausbildung, da sie die wichtigen Sommervorlesungen gar nicht h\u00f6ren. Einige gehen im Sommer nach anderen Lehranstalten, die eine sch\u00f6nereUmgebung bieten, als Berlin ihrer Meinung nach besitzt, aber das sind verh\u00e4ltnism\u00e4gig doch nur","page":261},{"file":"p0262.txt","language":"de","ocr_de":"262\nX. Die Studierenden.\nTabelle I.\nI.\tII.\nSemester\tEingeschrieben schaftlichen 1 C T3\t\u00ab ord.\to\t&\tS u\tu\t2 0>:o H\u00f6rer\t\u00ab\u00bb53\tft 1\t3\t\u00cf !\trt\tO !\t1 W 1\t1\t\t\tbei Abt Sti :o3 <u >\tder Iandwirt-eilung als idierende der 0)\t.\t0) \u2019S .*3 ^2 ^\t1 * t w\tQ\tCfi\t-t-> bfl\t01\t-C\tIC\u00bb\t\u201d V ,\t^ 0\t0\tS \u00bb 1 \u0153hw\t\t\tSa.\tEingeschrieben kulturtechn. A c ord. 0 o; S S-. \u00bb_\t\u2122 0) :0 1 --8 H\u00f6rer j <g\u00ab |\t\u00a7\u2022\t\t\tbei der geod. Dteilung als Studierende der \u2022Io\t\u2022\t\u00ae !tj\t\u2019S\t\u2022 s 5\tjg\t!\tc\u00e4 01\tI\tPS\t\u00dcJ >\tC\u00a3\t1\t01\u00c6 \u00df\t'\tO p\t1\t\u00ab\t1\ta\t\t\tSa.\n\t1\t2\t3\t4\t5\t6\t7\t8\t9\t10\t11\t12\t13\t14\t15\nS. 1881\t18\t2\t6\t11\t\t1\t\t38\t\t\t\t\t\t\t\t\nW. 1881/82\t60\t6\t21\t\u2014\t\t-\t\u2014\t87\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t-\t\u2014\nS. 1882\t29\t6\t9\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t44\t-\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\nW. 1882/83\t74\t10\t24\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t108\t\u2014\t\t\t\t\t\t\nS. 1883\t41\tG\t6\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t53\t12\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t12\nW. 1883/84\t92\t14\t8\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\t114\t26\t\u2014\t2\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t28\nS. 1884\t32\t9\t3\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t44\t45\t\u2014\t2\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t47\nW. 1884/85\t83\t6\t10\t10\t\u2014\t1\t\u2014\t110\t57\t\u2014\t\t\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t57\nS. 1885\t41\t5\t4\t4\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t54\t70\t\u2014\t1\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t71\nW. 1885 86\t106\t15\t19\t10\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t150\t60\t\u2014\t1\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t61\nS. 1886\t55\t7\t10\t2\t\t\u2014\t\u2014\t74\t62\t\u2014\t3\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t65\nW. 1886/87\t107\th\t28\t10\t\t\u2014\t\t156\t61\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t61\nS. 1887\t42\t9\t3\t2\t\t\u2014\t\u2014\t56\t76\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t76\nW. 1887/88\t111\t10\t10\t4\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t135\t66\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t66\nS. 1888\t48\t7\t6\t3\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t64\t104\t\u2014\t6\t\u2014\t\u2014\t\u2014\tno\nW. 1888 89\t130\t9\t7\t9\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t155\t101\t\u2014\t1\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t102\nS. 1889\t49\t2\t6\t6\t\u2014\t\u2014\t\u2014\tG3\t147\t\u2014\t2\t\t\t\u2014\t\u2014\t149\nW. 1889/90\t149\t15\t13\t8\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t185\t145\t\u2014\t\u2014\t1\t\u2014\t\u2014\t146\nS. 1890\tG 5\t6\t3\t6\t\t\u2014\t\u2014\t80\t170\t\u2014\t6\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t176\nW. 1890 91\t126\t8\t11\t6\t\t\u2014\t\u2014\t151\t174\t\u2014\t3\t1\t\u2014\t\u2014\t178\nS. 1891\t45\t5\t5\t1\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t56\t225\t\u2014\t10\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t235\nW. 1891/92\t113\t13\t7\t3\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t136\t221\t\u2014\t8\t\t\u2014\t\u2014\t229\nS. 1892\t27\t7\t5\t4\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t43\t284\t\u2014\t25\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t309\nW. 1892/93\t106\t9\t9\t6\t-\t1\t\u2014\t131\t287\t\u2014\t12\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t299\nS. 1893\t45\t3\t10\t4\t\t1\t\u2014\t63\t317\t\u2014\t40\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t357\nW. 1893/94\t125\t11\t10\t5\t\u2014\t1\t\u2014\t152\t323\t\u2014\t29\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t352\nS. 1894\t66\t6\t5\t2\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t79\t349\t\u2014\t49\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t398\nW. 1894/95\t141\t13\t13\t8\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t175\t353\t\u2014\t35\t\u2014\t\t\u2014\t388\nS. 1895\t75\t7\t2\t4\t\u2014\t1\t\u2014\t89\t351\t\u2014\t66\t\t\t\u2014\t417\nW. 1895 96\t113\t13\t23\t13\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t162\t360\t\u2014\t44\t\t\t\u2014\t404\nS. 1896\t57\t7\t10\t26\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t100\t360\t\u2014\t73\t1\t\t\u2014\t434\nW. 1896/97\t122\t14\t29\t10\t\u2014\t1\t\u2014\t176\t353\t\u2014\t52\t0\t\u2014\t\u2014\t407\nS. 1897\t64\t10\t8\t8\t\u2014\t1\t\u2014\t91\t306\t\u2014\t54\t\u2014\t\u2014\t2\t362\nW. 1897 98\t132\t18\t29\tG\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t185\t279\t\u2014\t45\t\u2014\t\u2014\t1 \u2014\t324\nS. 1898\t74\t9\t11\t8\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t102\t182\t\u2014\t84\t\u2014\t\u2014\t! \u2014\t266\nW. 1898/99\t167\t13\t16\t12\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t208\t181\t\u2014\t52\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t233\nS. 1899\t90\t8\t19\t6\t\u2014\t1\t\u2014\t124\t176\t\u2014\t39\t1\t\u2014\t\u2014\t216\nW. 1899 00\t158\t14\t17\t8\t\u2014\t\t2\t\u2014\t199\t180\t\u2014\t38\t-\t\t\t\u2014\t218\nS. 1900\t91\t10\t7\t6\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t114\t218\t\u2014\t28\t\u2014\t\u2014\t--\t246\nW. 1900,01\t166\tH\t29\t18\t\u2014\t\t\u2014\t222\t226\t1\t25\t\u2014\t3\t\t255\nS. 1901\t81\t8\t25\t14\t\u2014\t2\t1\t131\t226\t\u2014\t42\t\u2014\t2\t\u2014\t270\nW. 1901/02\t161\t14\t40\t17\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t232\t223\t\u2014\t33\t\u2014\t2\t1\t259\nS. 1902\t90\t8\t7\t8\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t113\t223\t\u2014\t42\t1\t\t\t1\t267\nW. 1902/03\t180\t14\t41\t18\t\u2014\t2\t\u2014\t255\t231\t\u2014\t29\t\u2014\t\u2014\t1 1\t261\nS. 1903\t106\t7\t19\t12\t\u2014\t1\t1\t146\t267\t\u2014\t50\t\u2014\t\u2014\t1 \u2014\t317\nW. 1903/04\t225\t18\t30\t18\t\u2014\t2\t\u2014\t293\t270\t\u2014\t27\t1\t\u2014\t\u2014\t298\nS. 1904\t123\t12\t9\t15\t_\t\u2014\t\u2014\t159\t276\t\u2014\t49\t1\t\u2014\t1 \u2014\t326\nW. 1904/05\t240\t29\t35\t9\t\t\u2014\t\u2014\t313\t287\t\u2014\t41\t\u2014\t1\t\u2014\t329\nS. 1905\t132\t20\t19\t9\t\t2\t\t182\t296\t\u2014\t44\t5\t1\t\u2014\t346\nW. 1905 06\t269\t18\t38\t12\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t337\t307\t\u2014\t48\t4\t\u2014\t\u2014\t359","page":262},{"file":"p0263.txt","language":"de","ocr_de":"2. Zahl der Studierenden.\n263\nTabelle 1.\nIII.\tIV.\tV.\tVI.\nSemester\tEing land (res] te( t- V t- :0 X T3 \u00eb\tesch w.-te 3. als :hnik In o <u *-> \u00cf-. a> :o cS\trieb. chn Zuc er) G 0) G \u00f6S 1 S3\tb.d. Abt. per- ils 73 TD .tS G \u00ab |g 5g Ol\tSa.\tEs h\u00f6rten sonstige Vorlesungen als c Studierende der CU G\tTD\t. -\u00a7 \u00c4 m\t^\thfl\t\u00b0 ^ g\t>\t<U\u00c6 X\t*2\t\u00ee\t^ o \" i s | \u00ae\t\u00e4\t\t\t\tSa.\tSumme der eingeschriebenen H\u00f6rer\tHiervon sind i !-U\tQ 'S e G | :e\u00f6 :e\u00f6\t\u2022 \u2014.\tCO G | G ~ <\t\tAugerd. Studier, d. \u00dcniv., welch .a. d. b. d. ldw. Hoch- schule. u. d. Univ. gemeinsam geh. Vorles. teiln.\tStudierende der Tier\u00e4rztl. Hochschule\tSa.\tGesamtzahl der Studierenden \u00fcberhaupt\n\t16\t17\t18\t19\t20\t21\t22\t23\t24\t25\t26\t27\t38\t29\t30\t31\t32\nS. 1881\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t38\t31\t7\t88\t\t88\t126\nW. 1881 82\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t87\t82\t5\t121\t\u2014\t121\t208\nS. 1882\t\u2014\t\u2014\t13\t\u2014\t13\t3\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t3\t60\t54\t6\t130\t\u2014\t130\t190\nW. 1882/83\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t-\t108\t99\t9\t127\t\u2014\t127\t235\nS 1883\t\u2014\t\u2014\t29\t\u2014\t29\t4\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t4\t98\t88\t10\t125\t9\t134\t232\nW. 1883/84\t\u2014\t\u2014\t4\t\u2014\t4\t9\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t9\t155\t142\t13\t162\t\u2014\t162\t317\nS. 1884\t\u2014\t\u2014\t19\t\u2014\t19\t9\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t9\t119\t1C6\t13\t180\t29\t209\t328\nW. 1884/85\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t8\t63\t2\t2\t75\t212\t221\t21\t135\t4\t139\t381\nS. 1885\t\u2014\t\u2014\t21\t\u2014\t21\t6\t48\t\u2014\t\u2014\t54\t200\t177\t23\t225\t42\t267\t467\nW, 1885/86\t\u2014\t\u2014\t2\t\u2014\t2\t9\t63\t9\t2\t83\t296\t279\t17\t136\t10\t146\t442\nS. 1886\t\u2014\t\u2014\t13\t\u2014\t13\t10\t59\t2\t\u2014\t71\t223\t206\t17\t210\t48\t258\t481\nW. 1886/87\t\u2014\t\u2014\t1\t\u2014\t1\t13\t71\t11\t\u2014\t95\t313\t290\t23\t191\t11\t202\t515\nS. 1887\t\u2014\t\u2014\t6\t\u2014\t6\t12\t69\t6\t\u2014\t87\t225\t205\t20\t95\t41\t136\t361\nW. 1887 88\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t11\t69\t4\t\u2014\t84\t285\t268\t17\t168\t24\t192\t477\nS. 1888\t\u2014\t\u2014\t9\t\u2014\t9\t17\t71\t3\t1\t92\t275\t256\t19\t135\t57\t192\t467\nW. 1888/89\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t18\t61\t9\t1\t89\t346\t323\t23\t94\t19\t113\t459\nS. 1889\t\u2014\t\u2014\t11\t__\t11\t12\t50\t\u2014\t\u2014\t62\t285\t262\t23\t65\t58\t123\t408\nW. 1889 90\t\u2014\t\u2014\t4\t\u2014\t4\t22\t53\t5\t\u2014\t80\t415\t379\t26\t65\t7\t72\t487\nS 1890\t\u2014\t\u2014\t13\t\u2014\t13\t16\t50\t1\t3\t70\t339\t315\t24\t55\t38\t93\t432\nW. 1890/91\t\u2014\t\t\t3\t\u2014\t3\t18\t45\t11\t\u2014\t74\t406\t373\t33\t53\t113\t166\t572\nS 1891\t\u2014\t\u2014\t16\t\u2014\t16\t171\t28\t\u2014\t1\t46\t353\t321\t32\t25\t130\t155\t508\nW. 1891/92\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t12\t18\t2\t\u2014\t32\t397\t371\t26\t11\t121\t132\t529\nS. 1892\t\u2014\t\u2014\t8\t\u2014\t8\t19\t20\t4\t3\t46\t406\t388\t18\t15\t108\t123\t529\nW. 1892/93\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t16\t14\t2\t\u2014\t32\t462\t445\t17\t9\t109\t118\t580\nS. 1893\t\u2014\t\u2014\t10\t1\t11\t15\t14\t8\t\u2014\t37\t468\t435\t33\t15\t114\t129\t597\nW. 1893/94\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t1\t1\t12\t10\t5\t\u2014\t27\t532\t499\t33\t39\t109\t148\t680\nS. 1894\t\u2014\t\u2014\t3\t5\t8\t34\t14\t4\t1\t53\t538\t504\t34\t34\t111\t145\t683\nW. 1894/95\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t17\t7\t9\t1\t34\t597\t562\t35\t65\t118\t183\t780\nS. 1895\t\u2014\t\u2014\t17\t\u2014\t17\t22\t22\t4\t\u2014\t48\t571\t520\t51\t76\t111\t187\t758\nW. 1895/96\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t14\t51\t8\t1\t74\t640\t600\t40\t77\t117\t194\t834\nS. 1896\t\u2014\t\u2014\t2\t1\t3\t16\t58\t7\t1\t82\t619\t581\t38\t26\t142\t168\t787\nW. 1896/97\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t16\t7\t3\t\t26\t609\t568\t41\t93\t163\t256\t865\nS 1897\t\u2014\t\u2014\t10\t\u2014\t10\t15\t21\t3\t1\t40\t503\t468\t35\t53\t174\t227\t730\nW. 1897/98\t\u2014\t\u2014\t2\t\u2014\t2\t8\t19\t3\t2\t32\t543\t511\t32\t45\t152\t197\t740\nS. 1898\t\u2014\t\u2014\t8\t\u2014\t8\t15\t13\t1\t\u2014\t29\t405\t373\t32\t26\t140\t166\t571\nW. 1898/99\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t25\t27\t10\t3\t65\t506\t458\t48\t86\t145\t231\t737\nS. 1899\t\u2014\t\u2014\t7\t\u2014\t7\t3\t32\t5\t4\t44\t391\t348\t43\t79\t131\t210\t601\nW. 1899 00\t\u2014\t\u2014\t94\t\u2014\t94\t18\t33\t17\t1\t69\t580\t526\t54\t54\t101\t155\t735\nS 1900\t\u2014\t\u2014\t86\t\u2014\t86\t18\t7\t7\t1\t33\t479\t433\t46\t18\t112\t130\t609\nW. 1900/01\t\u2014\t\u2014\t120\t\u2014\t120\t3\t18\t7\t3\t31\t628\t562\t66\t53\t103\t156\t784\nS. 1901\t\u2014\t\u2014\t4\t1\t5\t3\t22\t6\t7\t38\t444\t399\t45\t28\t100\t128\t572\nW. 1901/02\t\u2014\t\u2014\t127\t\u2014\t127\t5\t36\t11\t13\t65\t683\t584\t99\t69\t100\t169\t852\nS. 1902\t__\t\u2014\t12\t\u2014\t12\t17\t35\t24\t3\t79\t471\t422\t49\t33\t107\t140\t611\nW. 1902/03\t\u2014\t\u2014\t126\t\u2014\t126\t22\t47\t15\t4\t88\t730\t639\t91\t70\t187\t257\t987\nS. 1903\t18\t20\t4\t\u2014\t42\t20\t25\t21\t1\t67\t572\t502\t70\t94\t126\t220\t792\nW. 1903/04\t46\t96\t\u2014\t\u2014\t142\t26\t41\t32\t4\t103\t836\t704\t132\t72\t61\t133\t969\nS. 1904\t26\t29\t6\t\u2014\t61\t27\t34\t27\t\u2014\t88\t634\t557\t77\t110\t71\t181\t815\nW. 1904/05\t66\t88\t\u2014\t\u2014\t148\t39\t33\t2\t1\t75\t865\t722\t143\t120\t95\t215\t1080\nS. 1905\t40\t39\t16\t1\t96\t29\t5\t\u2014\t\u2014\t34\t658\t566\t92\t137\t98\t235\t893\nW. 1905/06\t77\t84\t1\t\u2014\t162\t31\t2\t2\t\u2014\t35\t893\t746\t147\t270\t84\t354\t1247","page":263},{"file":"p0264.txt","language":"de","ocr_de":"2G4\nX. Die Studierenden.\nwenige, und wir sehen, dag z. T. auch an solchen Orten die Zahl im Sommer geringer ist als im Winter.\nVergleichen wir die Sommersemester f\u00fcr die ordentlichen H\u00f6rer der Landwirtschaft, so sehen wir sie beginnen mit der geringen Zahl von 18 im Jahre 1881, aber steigen bis auf 132 im Jahre 1905.\nDie Wintersemester beginnen mit 60 im Winter 1881/82 und steigen bis auf 269 im Wintersemester 1905/06. Im einzelnen kommen einige Schwankungen vor, im allgemeinen aber sehen wir eine stetig auf steigende Tendenz.\nAus Spalte 2 der Tabelle I ergibt sich, dag die Zahl der augerordentlichen H\u00f6rer eine verh\u00e4ltnism\u00e4gig geringe ist. Sie schwankt zwar zwischen 4 und 22 \u00b0/0 der landwirtschaftlichen Zuh\u00f6rer (Spalte 1 u. 2) im Laufe der 50 Semester; aber im wesentlichen handelt es sich nur um 8\t10 %. Es kommen n\u00e4mlich vor im Laufe\nder Semester:\n4\n5\n6\n7\n8 9\n10\n11\n12\n13\n14\n17\n18 21 22\nV\n2\tMal 1 \u201e\n3\t\u201e\n5\t\u201e 10 \u201e\n7 \u201e\n6\t\u201e\n5 \u201e\n2 \u201e\n3 \u201e\n2 \u201e\n1 \u201e\n1 \u201e\n1 \u201e\n1\nUm ein vollst\u00e4ndiges Bild von der Zahl Derjenigen zu gewinnen, die in Berlin landwirtschaftliche F\u00e4cher studieren, m\u00fcssen wir nicht nur die ordentlichen und die augerordentlichen H\u00f6rer, sondern auch die Hospitanten rechnen und ferner die Studierenden der Universit\u00e4t, welche Landwirte sind, zumal sie an der landwirtschaftlichen Hochschule die meisten Vorlesungen h\u00f6ren. Die Gesamtzahl ergibt sich deshalb aus Spalte 8 der Tabelle: \u201eSumma der Eingeschriebenen in der landwirtschaftlichen Abteilung\u201c. Die Studierenden der Bergakademie und der technischen Hochschule sowie der Forstakademie Eberswalde sind dort zwar in der Summe auch mitgerechnet, es ist aber, wie man aus den Spalten 5, 6, 7 der Tabelle I sieht, nur eine ganz geringe Zahl.","page":264},{"file":"p0265.txt","language":"de","ocr_de":"2. Zahl der Studierenden.\n265\nWir sehen die Gesamtzahl der bei der landwirtschaftlichen Abteilung Eingeschriebenen steigen von 38 im Sommer semester 1881\n-----1 Landwirtschaftliche Abteilung.\n.....\t2,\tGeod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung.\n---\t3.\tLandwirtschaftlich-technische Abteilung.\n----\t4.\tGesamtzahl der eingeschriebenen H\u00f6rer (1\u20143).\n+ -*\u25a0 -*\u25a0\t5.\tGesamtzahl der Studierenden \u00fcberhaupt.\nAbb. 64. Graphische Darstellung der Zahl der Studierenden an der Kgl. landw. Hochschule.\n1881\u20141905/06.\nauf 182 im Sommersemester 1905, und von 87 im Wintersemester 1881/82 auf 337 im Wintersemester 1905/06! \u2014 Daraus erhellt am besten, wie unrecht Herr Prof. Dr. von Schanz der landwirtschaftlichen Hoch-","page":265},{"file":"p0266.txt","language":"de","ocr_de":"266\nX. Die Studierenden.\nschule tat, wenn er 1902 in seiner Rektoratsrede (siehe unsere Festschrift Seite 2, erste Note) erkl\u00e4rte: \u201eDie Landwirte bleiben dieser Hochschule fast ganz fern, nur durch die Pflege der Kulturtechnik und der landwirtschaftlichen Nebengewerbe h\u00e4lt sie sich auf einer gewissen H\u00f6he\u201c. \u2014 v. Schanz, der f\u00fcr landwirtschaftliche Universit\u00e4tsinstitute eintritt, widerlegt sich in seiner Note 4 auch selbst, indem er f\u00fcr die Universit\u00e4tsinstitute im Durchschnitt der beiden Semester 1900, mit Ausnahme von Halle, weit niedrigere Zahlen anf\u00fchrt als f\u00fcr Berlin.\nObige Zahl von 337 ist die h\u00f6chste, die je an einer h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalt erreicht wurde.\nDie Zahl der Studierenden weiblichen Geschlechts hat allm\u00e4hlich zugenommen, sie betr\u00e4gt im laufenden Wintersemester 20.\nBei der geod\u00e4tisch - kulturtechnischen Abteilung, deren Kursus mit dem 1. April beginnt und zwei Jahre dauert, finden sich keine gro\u00dfen Schwankungen zwischen Sommer- und Wintersemester, da die Studierenden dieser Abteilung, um das Examen abzulegen, den ganzen Kursus durchmachen und meist an derselben Anstalt bleiben.\nDie Zahl dieser Studierenden (Spalte 15 der Tabelle), die im Sommersemester 1883 nur 12 (meist \u00e4ltere Landmesser) betrug, ist, wie die graphische Darstellung sehr gut zeigt, ganz au\u00dferordentlich angewachsen, bis sie im Sommersemester 1896 ihren H\u00f6hepunkt mit 360 ordentlichen H\u00f6rern und 73 Hospitanten, in Summa 434 H\u00f6rern erreichte (Spalte 15 der Tabelle). Der Mangel an Landmessern, die g\u00fcnstige Gelegenheit f\u00fcr junge begabte Leute, schnell in eine Stellung zu kommen, war die Ursache daf\u00fcr. Nachdem aber der Bedarf gedeckt war, machte sich naturgem\u00e4\u00df eine Depression geltend. Wir sehen allm\u00e4hlich, bis inkl. Sommersemester 1899, die Gesamtzahl sinken auf 216, um sich von da ab aber wieder auf 359 im Wintersemester 1905/06 zu heben.\nAn der Abteilung f\u00fcr die landwirtschaftlich-technischen Gewerbe, einschlie\u00dflich der Zuckertechniker, sehen wir bis zum Wintersemester 1902 03 nur Hospitanten, deren Zahl in diesem Semester bis auf 126 stieg. Von da ab finden sich in der Tabelle ordentliche H\u00f6rer, deren Zahl sich im Wintersemester 1905/06 auf 77 hob und au\u00dferordentliche H\u00f6rer, deren H\u00f6chstzahl im Winter 1903/04 mit 96 erreicht wurde.\nln Rubrik IV (Spalte 21 \u201425) finden sich diejenigen Zuh\u00f6rer eingetragen, welche einzelne Vorlesungen, sei es als Hospitanten, Studierende der Universit\u00e4t, Bergakademie oder technischen Hochschule, h\u00f6rten. Ihre Zahl schwankt zwischen 3 im Sommersemester 1882, und 103 im Wintersemester 1903/04.","page":266},{"file":"p0267.txt","language":"de","ocr_de":"2. Zahl der Studierenden.\n207\nDie Gesamtsumme aller eingeschriebenen H\u00f6rer, Rubrik I\u2014IV, (Spalte 1\u201425), stieg von 38 im Sommersemester 1881 auf 893 im Winter 1905/06 (Spalte 26 der Tabelle).\nDie Rubrik V (Spalte 27 und 28) gibt uns die Zahl der Inl\u00e4nder und der Ausl\u00e4nder unter den eingeschriebenen H\u00f6rern. Wir sehen, mit Ausnahme des Sommersemesters 1881, die Zahl der Ausl\u00e4nder und das Verh\u00e4ltnis derselben zu den Inl\u00e4ndern allm\u00e4hlich steigen bis zu 1/5 der Inl\u00e4nder im Wintersemester 1904/05 und ebenso 1905/06. Im Sommer 1881 war das Verh\u00e4ltnis allerdings fast ]/4, das war aber ein Ausnahmefall.\nIn der Rubrik VI findet sich Spalte 29 die Zahl der Studierenden der Universit\u00e4t verzeichnet, welche an der landwirtschaftlichen Hochschule diejenigen Vorlesungen h\u00f6ren, welche von Hochschullehrern gehalten werden, die zugleich Lehrer an der Universit\u00e4t sind, und ebendaselbst Spalte 30 die Zahl der Studierenden der K\u00f6niglichen Tier\u00e4rztlichen Hochschule, welche Vorlesungen an der landwirtschaftlichen Hochschule h\u00f6ren. Die letzteren Studierenden h\u00f6ren namentlich die Vorlesung \u00fcber Physik an der landwirtschaftlichen Hochschule, da der betreffende Dozent zugleich Lehrer an der Tier\u00e4rztlichen Hochschule ist,\nDie hohen Zahlen der Universit\u00e4tsstudierenden in den ersten Jahren, z. B. Sommer 1885: 225 erkl\u00e4ren sich einmal daraus, dag abgesehen von anderen Vorlesungen manche Studierende die Vorlesungen und \u00dcbungen in Chemie an der Hochschule h\u00f6rten, ferner besonders dadurch, dag eine eigene Vorlesung \u00fcber Boden und Wasser (in hygienischer Beziehung) von dem Vorsteher des agronomisch-pedologischen Instituts f\u00fcr die Studierenden der Kaiser Wilhelm - Akademie gehalten wurde. In den letzten Jahren ist wieder die Zahl der Universit\u00e4tsstudierenden bis auf 270 gestiegen, zum Teil, weil mehr Lehrer der Hochschule auch Dozenten an der Universit\u00e4t sind. Es betrifft das besonders die F\u00e4cher Botanik, Chemie, Landwirtschaft, National\u00f6konomie und Physik.\nDie Zahl der Studierenden der Tier\u00e4rztlichen Hochschule, welche an der landwirtschaftlichen Hochschule h\u00f6rten, erreichte im Wintersemester 1902/3 ihr Maximum mit 187, um im Winter 1903/4 auf 61 zu sinken. Dies erkl\u00e4rt sich daraus, dag an der Tier\u00e4rztlichen Hochschule seit dem 1. April 1903 an Stelle der Reife f\u00fcr Prima das Maturit\u00e4tszeugnis als Bedingung der Aufnahme gefordert wird.\nDie letzte Spalte (32) gibt uns die Gesamtzahl der Studierenden \u00fcberhaupt, welche an der Hochschule h\u00f6ren. Von 126 im Sommersemester 1881 stieg sie auf 893 im Sommersemester 1905 und von 208 im Wintersemester 1881/82 auf 1080 im Wintersemester 1904 5. Sie hatte damit das erste Tausend \u00fcberschritten. Im Wintersemester 1905/6 ist sie aber noch h\u00f6her geworden und betr\u00e4gt 1247. Gewig das beste Zeugnis f\u00fcr das Bl\u00fchen der Anstalt!","page":267},{"file":"p0268.txt","language":"de","ocr_de":"268\nX. Die Studierenden.\nVon den bei der landwirtschaftlichen Hochschule f\u00fcr das Wintersemester 1905/06 eingeschriebenen H\u00f6rern sind\n1.\taus\tder\tProvinz Ostpreu\u00dfen\t\t35\n2.\t11\t11\t\u201e\tWestpreu\u00dfen\t\t32\n3.\t11\t11\t\u201e\tBrandenburg einschl. Berlin\t169\n4.\t11\t11\t\u201e\tPommern\t\t41\n5.\t11\t11\t\u201e\tPosen \t\t49\n6.\t11\t11\t\u201e\tSchlesien\t\t86\n7.\t11\t11\t\u201e\tSachsen\t\t75\n8.\t11\t11\t\u201e\tSchleswig-Holstein .\t.\t.\t15\n9.\t11\t11\t\u201e\tHannover\t\t35\n10.\t11\t11\t\u201e\tWestfalen\t\t34\n11.\t11\t11\t\u201e\tHessen-Nassau .\t.\t.\t.\t25\n12.\t11\t11\tRheinprovinz\t\t41\n\t\t\t\t637\n13.\taus\tdem \u00fcbrigen Deutschland\t\t\t94\n\t\t\tZusammen aus Deutschland\t731\n14.\taus\tdem\tAuslande, und zwar\t\naus\tBelgien........................2\n\u201e\tBulgarien.......................3\n\u201e\tEngland.........................3\n\u201e\tFrankreich......................1\n\u201e\tHolland.........................2\n\u201e\tNorwegen........................1\n\u201e\t\u00d6sterreich-Ungarn..............22\n\u201e\tRum\u00e4nien.......................10\n\u201e\tRu\u00dfland........................75\n\u201e\tSchweden.......................15\n\u201e\tder Schweiz.....................3\n\u201e\tSpanien.........................1\n\u201e\tder T\u00fcrkei......................1\n\u201e\tNordamerika.....................2\n\u201e\tWestindien......................1\n\u00cf42\n142\nZusammen 873\nIm Ganzen sind im Laufe der 25 Jahre 3355 Studierende in der landwirtschaftlichen Abteilung 2623\t\u201e\tin der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung\n504\t\u201e\tin der landwirtschaftlich-technischen Abteilung\nSa. 6482 Studierende immatrikuliert worden.","page":268},{"file":"p0269.txt","language":"de","ocr_de":"3. Alter der Studierenden und praktische Vorbildung.\n269\n3. Alter der Studierenden und praktische Vorbildung.\nDie Frage nach dem Alter hat namentlich bei der landwirtschaftlichen Abteilung Bedeutung, denn aus dem Alter kann man in den meisten F\u00e4llen schlie\u00dfen, ob und wieviel Jahre die eintretenden Studierenden eine praktische T\u00e4tigkeit durchgemacht haben. Bezeichnenderweise ist in den Aufnahmebedingungen f\u00fcr Landwirte bez\u00fcglich der praktischen Vorbildung gar keine Forderung gestellt, w\u00e4hrend f\u00fcr Geod\u00e4ten und Kulturtechniker mindestens ein Jahr Praxis vor dem Eintritt verlangt wird. Tats\u00e4chlich wird von letzteren diese praktische Lehrzeit auch selten l\u00e4nger ausgedehnt, und da die Reife f\u00fcr Prima eines Gymnasiums oder einer gleichwertigen Anstalt vorhergegangen sein mu\u00df, so betr\u00e4gt das Alter der Studierenden der geod\u00e4tisch-kulturtechnischen Abteilung bei ihrem Eintritt im allgemeinen 20\u201421 Jahre, nur in den ersten Jahren, bis 1886, war es h\u00f6her, da viele bereits bestallte Landmesser noch Kulturtechnik betrieben.\nF\u00fcr die Studierenden der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe sind keine besonderen Bedingungen bez\u00fcglich vorheriger Praxis gestellt, weil man sie, wie bei den Landwirten, f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4lt, nur f\u00fcr diejenigen, welche das Examen als Brauerei-Ingenieur machen wollen, wird eine mindestens zweij\u00e4hrige Praxis gefordert.\nBez\u00fcglich der Landwirte ist bereits in der Einleitung darauf hingewiesen, da\u00df man in Deutschland mindestens eine einj\u00e4hrige Praxis voraussetzt. In Wirklichkeit haben die meisten aber mehrere Jahre, ja einige viele Jahre Praxis, ehe sie eintreten, was sich eben aus dem Alter ergibt.\nHerr Larisch, Assistent an der vegetabilischen Abteilung des Museums der landwirtschaftlichen Hochschule, hat eine eingehende \u00fcbersichtliche Tabelle \u00fcber das Alter der ordentlichen H\u00f6rer der landwirtschaftlichen Abteilung angefertigt, die wir aber, um nicht durch zu viel Zahlenwerk zu erm\u00fcden und um den Raum nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, hier nicht voll wiedergeben k\u00f6nnen. Nur die Hauptresultate seien mitgeteilt. (F\u00fcr die Zeit vom Wintersemester 1881/82 bis einschlie\u00dflich Sommersemester 1883 fehlen leider die Zahlen im Immatrikulationsbuch.)\nEs schwankt das Alter zwischen 15 und 52 Jahren. Die Extreme sind aber nat\u00fcrlich ganz selten. Das Alter von 15 Jahren kommt im Laufe der 25 Jahre nur einmal vor, das Alter von 16 Jahren siebenmal, das von 17 Jahren zw\u00f6lfmal, das von 18 Jahren allerdings bereits 61 mal vor.\nAm meisten ist die Altersstufe zwischen 21 und 26 Jahren vertreten, wie in nachstehender Tabelle II, die aus der Larisch\u2019schen Tabelle abgeleitet wurde, dargelegt ist.","page":269},{"file":"p0270.txt","language":"de","ocr_de":"270\nX. Die Studierenden.\nTabelle II.\nH\u00e4ufigste Werte des Alters der ordentlichen H\u00f6rer der Landwirtschaftlichen\nAbteilung.\nSemester\tAlter\t\t\tSemester\tAlter\t\nW. 1883/84\t23\tJahr\t\tW. 1894 95\t22\tJahr\nS. 1884\t24\tff\t\tS 1895\t23\tff\nW. 1884/85\t21\tff\t\tW. 1895/96\t23\tff\nS. 1885\t25\tff\t\tS. 1896\t24\tff\nW. 1885/86\t21\tff\t\tW. 1896/97\t22\t\u201e\nS. 1886\t22\ttf\t\tS. 1897\t24\tff\nW. 1886/87\t23\tff\t\tW. 1897/98\t23\tff\n\t21\t\talle\tS. 1898\t22\t\nS. 1887\t22 23\t- ff\t1 drei gleichviel.\tW. 1898/99 S. 1899\t22 23\tff 'f\n\t21\t\u201e\t\tW. 1899/1900\t22\t\nW. 1887/88\t24\t\u201eJ\tgleichviel\tS. 1900\t23\tff\nS. 1888\t23\t>\u00bb\t\tW. 1900/01\t23\t\u201e\nW. 1888/89\t22\t>>\t\tS. 1901\t25\t>>\nS. 1889\t23\tff\t\tW. 1901/02\t21\tff\nW. 1889/90\t22\tff\t\tS. 1902\t22\tff\nS. 1890\t23\tff\t\tW. 1902/03\t22\tff\nW. 1890/91\t22\t\tbeide\tS 1903\t23\t,, | beide\nS. 1891\t23\t(gleichviel\t\t\t24\t\u201e 1 gleichviel\nW. 1891/92\t23\t\t\tW. 1903/04\t22\t\u201e | beide\nS. 1892\t23\tff\t\t\t23\t\u201e (gleichviel\nW. 1892/93\t21\tff\t\tS. 1904\t22\tff\nS. 1893\t21\tff\t\tW. 1904/05\t24\tff\nW. 1893/94\t21\tff\t\tS. 1905\t26\tff\nS. 1894\t22\tff\t\tW. 1905/06\t22\tff\n\u00dcberblicken wir diese Tabelle II, so finden wir, dag von 1883/84\nbis 1905/06 das Alter\nvon\t21\tJahren\t8\tMal\n\u201e\t22\t\u201e\t16\t\u201e\n\u201e\t23\t\u201e\t18\t\u201e\n\u00bb\t24\t\u201e\t6\t\u201e\n\u201e\t25\t\u201e\t2\t\u201e\n\u201e\t26\t\u201e\t1\t\u201e\nals h\u00e4ufigster Wert vorkommt.\nDaraus folgt, dag das Alter von 23 Jahren das allerh\u00e4ufigste ist.\nDie Tabelle II zeigt aber eine auffallende Erscheinung. Mit einigen Ausnahmen ist der h\u00e4ufigste Wert des Alters im Sommer semester um ein oder gar mehrere Jahre h\u00f6her als im Winter. Man sollte gerade das Umgekehrte vermuten; man sollte glauben, es seien die \u00e4lteren Studierenden, welche im Sommer fortgehen. Nein, es sind die j\u00fcngeren. Die \u00e4lteren bleiben; gewig sind manche darunter\nExamenskandidaten.","page":270},{"file":"p0271.txt","language":"de","ocr_de":"4. Wissenschaftliche Vorbildung.\n271\n4. Wissenschaftliche Vorbildung.\nWie schon oben erw\u00e4hnt, ist f\u00fcr die Landwirte, welche als ordentliche H\u00f6rer eintreten wollen, derjenige Bildungsgrad erforderlich, der zum Einj\u00e4hrig-Freiwilligen-Dienst berechtigt, f\u00fcr die Studierenden der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik die Reife f\u00fcr Prima eines Gymnasiums oder einer gleichwertigen Anstalt. Um aber zu sehen, welche ordentlichen H\u00f6rer in der landwirtschaftlichen Abteilung das Maturit\u00e4tszeugnis eines Gymnasiums oder einer Realschule erster Ordnung bez. Oberrealschule haben, ist eine Zusammenstellung in Tabelle III gegeben. F\u00fcr die ersten Semester 1881 fehlen die Angaben. Siefindensich erstvomWintersemester 1883/84 ab.\nTabelle III.\nEs haben die Entlassungs-\tEs haben die Entlassungspr\u00fcfung bestanden auf:\tpr\u00fcfung bestanden auf:\nSemester\tGymnasium\tRealgymnasium (fr\u00fcher Realschule Ordnung)\tOberrealschule (fr\u00fchere lateinische Realschule) (9klassige Gewerbeschule)\tSa.\tVerh\u00e4ltnis der Abiturienten zur Gesamtzahl der ordentlichen H\u00f6rer der Landw. Abteilung.\tSemester\tGymnasium\tRealgymnasium (fr\u00fcher Realschule I. Orduung)\tOberrealschule (fr\u00fchere lateinische Realschule) (9kla8sige Gewerbeschule)\tSa.\tVerh\u00e4ltnis der Abiturienten zur Gesamtzahl der ordentlichen H\u00f6rer der Landw. Abteilung\nS. 1881\t\u2014\t\u2014\t\t\u2014\t\u2014\tW. 1893/94\t13\t2\ti\t16\t13%\nW. 1881/82\t\u2014\t\t\u2014\t\t\u2014\tS. 1894\t4\t3\t\u2014\t7\t11%\nS. 1882\t\u2014\t\t\u2014\t\t\u2014\tW. 1894/95\t15\t4\ti\t20\t14%\nW. 1882/83\t\t\t\u2014\t\u2014\t\u2014\tS. 1895\t5\t2\ti\t8\t10%\nS. 1883\t\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\tW. 1895/96\t4\t2\t\u2014\t6\t5%\nW. 1883/84\t4\t\u2014\t__\t4\t4%\tS. 1896\t3\t\u2014\t\u2014\t3\t5%\nS. 1884\t2\t2\t\u2014\t4\t13%\tW. 1896/97\t10\t5\ti\t16\t13%\nW. 1884/85\t7\t3\t\u2014\t10\t12%\tS. 1897\t2\t3\t\u2014\t5\t7%\nS. 1885\t6\t3\t\u2014\t9\t22%\tW. 1897/98\t6\t6\t\u2014\t12\t9%\nW. 1885/86\t9\t2\t\u2014\t11\t10%\tS. 1898\t3\t4\t\u2014\t7\t9%\nS. 1886\t5\ti\t-\t6\tH%\tW. 1898/99\t12\t5\ti\t18\t11%\nW. 1886/87\t9\t8\t\u2014\t17\t16%\tS. 1899\t7\t4\ti\t12\t13%\nS. 1887\t5\t3\t\u2014\t8\t19%\tW. 99 1900\t27\t4\t\u2014\t31\t20%\nW. 1887/88\t15\t4\t\u2014\t19\t17%\tS. 1900\t11\t3\t2\t16\t18%\nS. 1888\t6\t1\t\u2014\t7\tl\u00f6%\tW. 1900/01\t24\t3\ti\t28\t17%\nW. 1888/89\t12\t3\t\u2014\t15\t12%\tS. 1901\t13\t2\t\u2014\t15\t18%\nS. 1889\t1\t3\t\u2014\t4\t8%\tW. 1901/02\t23\t4\t\u2014\t27\t17%\nW. 1889/90\t17\t6\t\u2014\t23\t16%\tS. 1902\t18\t1\ti\t20\t22%\nS. 1890\t10\t3\t\u2014\t13\t20%\tW. 1902/03\t36\t2\t3\t41\t23%\nW. 1890 91\t15\t5\t\u2014\t20\t16%\tS. 1903\t20\t5\t2\t27\t26%\nS. 1891\t3\t1\t\u2014\t4\t9%\tW. 1903/04\t30\t10\t4\t44\t20%\nW. 1891/92\t14\t1\t\u2014\t15\t13%\tS. 1904\t18\t5\t2\t25\t20%\nS. 1892\t5\t\u2014\t\u2014\t5\t19%\tW. 1904/05\t33\t6\t3\t42\t18%\nW. 1892/93\t9\t\u2014\t\u2014\t9\t8%\tS. 1905\t17\t4\t3\t24\t18%\nS. 1893\t4\t1\t\u2014\t5\tH%\tW. 1905/06\t29\t5\t3\t37\t14%","page":271},{"file":"p0272.txt","language":"de","ocr_de":"272\nX. Die Studierenden.\nBis zum neuen Jahrhundert finden sich viele Schwankungen, zwischen 4 und 22 Prozent. Vom Wintersemester 1899 1900 bis Sommersemester 1905 sehen wir aber den Prozentsatz der maturi nie unter 17 Prozent sinken, im Sommersemester 1903 erreicht er das Maximum mit 26 Prozent. \u2014 Das Wintersemester 1905 06 zeigt wieder einen Niedergang auf 14 Prozent, hoffentlich ist\u2019s nur eine Ausnahme. Von diesem Semester abgesehen, kann man sagen: Rund ljh\u20141/4 aller ordentlichen H\u00f6rer sind jetzt im Besitz des Reifezeugnisses. Das ist ein wesentlicher Fortschritt gegen fr\u00fcher.\n5. Pr\u00fcfungen.\na) Die Abgangspr\u00fcfung f\u00fcr Studierende der Landwirtschaft.\nDie Grundlage zu den im Anhang abgedruckten Vorschriften \u00fcber die Abgangspr\u00fcfung nach viersemestrigem Studium bildete das von dem Herrn Minister f\u00fcr die landwirtschaftlichen Angelegenheiten unter dem 19. Januar 1863 erlassene Regulativ betr. solcher Pr\u00fcfungen f\u00fcr die landwirtschaftlichen Akademien zu Eldena, Proskau, Poppelsdorf und Waldau; doch wurden sie in dem vom engeren Lehrerkollegium ausgearbeiteten Entwurf, den der Herr Minister unter dem 14. Februar 1882 genehmigte, den entsprechenden Verh\u00e4ltnissen gem\u00e4\u00df abge\u00e4ndert.\nAuff\u00e4lligerweise war keine Gesamtzensur vorgesehen, eine solche wurde jedoch auf Antrag des engeren Lehrerkollegiums von dem Herrn Minister unter dem 29. Juli 1889 eingef\u00fchrt. Noch wichtiger war ein Antrag des engeren Lehrerkollegiums vom 9. Juni 1894 auf Einf\u00fchrung gleichm\u00e4\u00dfiger Bestimmungen f\u00fcr das landwirtschaftliche Abgangsexamen an den deutschen landwirtschaftlichen Hochschulen und Universit\u00e4ts-Instituten. Dies hatte zun\u00e4chst zur Folge, da\u00df der Herr Minister f\u00fcr Landwirtschaft unter dem 24. Februar 1897 f\u00fcr die seinem Ressort unterstehenden beiden Anstalten, die landwirtschaftliche Hochschule in Berlin und die landwirtschaftliche Akademie in Poppelsdorf, eine gleiche Pr\u00fcfungsordnung, auf Grund von Entw\u00fcrfen der beiden Anstalten, erlie\u00df. Eine v\u00f6llige Gleichheit der Bestimmungen auf allen h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten ist offiziell zwar noch nicht eingef\u00fchrt, in Wirklichkeit d\u00fcrfte \u00fcberall aber ziemlich \u00e4hnlich verfahren werden.\nEin Antrag des Lehrerkollegiums beim Herrn Ressortminister, eine gleichm\u00e4\u00dfige Anrechnung der auf der Hochschule Berlin oder Poppelsdorf verbrachten Semester beim \u00dcbergang auf ein Universit\u00e4tsinstitut zu erwirken, hatte zur Folge, da\u00df der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten unter dem 19. August 1897 die Bestimmungen \u00fcber das landwirtschaftliche Abgangsexamen bei den landwirtschaftlichen Instituten der Universit\u00e4ten K\u00f6nigsberg, Halle-Wittenberg und G\u00f6ttingen dahin ab\u00e4nderte, da\u00df die Anrechnung","page":272},{"file":"p0273.txt","language":"de","ocr_de":"5. Pr\u00fcfungen.\n273\ndes Studiums an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin und der Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf bis zur Dauer von drei Semestern k\u00fcnftig zu erfolgen hat, ohne dag es eines Beschlusses der Pr\u00fcfungskommission bedarf.\nWie die nachstehende Tabelle \u00fcber die Abgangspr\u00fcfung zeigt, war die Zahl derjenigen ordentlichen H\u00f6rer, welche sich der Abgangspr\u00fcfung unterzogen, anfangs nur eine geringe. Im Jahre 1894 sehen wir sie pl\u00f6tzlich von 4 im Jahre vorher auf 13 anwachsen. Es ist das gewig eine Folge der im Jahre 1892 erfolgten Einf\u00fchrung des vier-semestrigen Studienplans. Von 1894 ab sinkt die Zahl nur einmal auf 10 (1897), im \u00fcbrigen zeigen sich Schwankungen zwischen 13 und 23, und im Jahre 1905 erreicht sie ihr Maximum mit 33.\nDas Abgangsexamen nach einem Studium von mindestens vier Semestern bestanden\n\t\t\t\t\t\u00dcbertragen\t\t33\nim\tKalenderjahre\t1883\t2\tim\tKalenderjahre\t1894\t13\nyy\tyy\t1884\t3\t!\tyy\t1895\t13\n5 1\tyy\t1885\t4\t) >>\tyy\t1896\t23\nyy\ty y\t1886\t2\tyy\tyy\t1897\t10\n1y\tyy\t1887\t2\tyy\tyy\t1898\t13\nyy\tyy\t1888\t3\tyy\tyy\t1899\t17\nyy\tyy\t1889\t5\tyy\tyy\t1900\t18\nyy\tyy\t1890\t4\tyy\ty i\t1901\t19\nyy\tyy\t1891\t4\tyy\tyy\t1902\t23\nyy\tyy\t1892\t\tyy\tyy\t1903\t15\nyy\tyy\t1893\t4\tyy\tyy\t1904\t21\n\t\t\t33\t\u00bb\tyy\t1905\t33\n\t\t\t\t\t\tSa. 251\t\nEs ist schwer, hier eine richtige Basis f\u00fcr die Berechnung des prozentischen Verh\u00e4ltnisses zu gewinnen. Am zweckm\u00e4gigsten erscheint es. als Grundlage den Durchschnitt der Zahl der ordentlichen H\u00f6rer in den vier voraufgehenden Semestern zu nehmen. Dann haben am Schlug des Semesters 1882 83 2,2 \u00b0/0 das Examen bestanden, am Schlug von 1904/05 aber 13,3 \u00b0/n, am Schlug des Sommersemesters 1905 11 \u00b0/0. Das ist eine sehr erfreuliche Steigerung. Trotzdem bleibt aber immer noch zu beklagen, dag manche junge Landwirte nicht vier Semester studieren, und demnach sich der Abgangspr\u00fcfung nicht unterziehen k\u00f6nnen.\nLeider erwerben diejenigen, welche die Abgangspr\u00fcfung bestanden haben, gar keine Rechte, es ist f\u00fcr die meisten nur das Bewugtsein, das Examen gemacht zu haben, der sch\u00f6nste Lohn. Erfreulicherweise legen aber doch die Besitzer, welche einen j\u00fcngeren Landwirt in Stellung nehmen, immer mehr Wert darauf, dag derselbe ein Pr\u00fcfungszeugnis aufweisen k\u00f6nne.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n18","page":273},{"file":"p0274.txt","language":"de","ocr_de":"274\nX. Die Studierenden.\nEin allseitiger Wunsch, den bereits L. Wittmack dem Herrn Minister in seinem Rektoratsbericht 1891 vortrug, ist es auch, dag denen, welche die Pr\u00fcfung bestanden haben, irgend ein Titel verliehen werde, wie das in fast allen andern L\u00e4ndern, \u00d6sterreich, Frankreich, Belgien, D\u00e4nemark usw. der Fall ist. Der Hauptgrund, warum das bisher bei uns nicht geschehen, liegt wohl darin, dag man kein recht bezeichnendes Wort fand.\nAuf Antrag von L. Wittmack und Eduard Leplae, Professor am landw. Institut der Universit\u00e4t Louvain, hat der internationale Kongreg f\u00fcr landw. Unterrichtswesen zu L\u00fcttich 1905 folgenden Wunsch ausgesprochen:\n1.\tDag alle Studierende an h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten nach dem Abgangsexamen bezeichnende akademische Titel erhalten (titres acad\u00e9miques significatifs).\n2.\tDag die Frage der Einheitlichkeit (uniformisation) der nach Vollendung der h\u00f6heren landwirtschaftlichen Studien zu gew\u00e4hrenden Titel auf die Tagesordnung des n\u00e4chsten internationalen Kongresses f\u00fcr landw. Unterrichtswesen gesetzt werde.*)\nb) Die Pr\u00fcfung f\u00fcr Lehrer der Landwirtschaft an den Landwirtschaftsschulen.\nNachdem durch gemeinsame Verf\u00fcgung des Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten Dr. Falk und des Ministers f\u00fcr die landw. Angelegenheiten Dr. Friedenthal vom 10. August 1875 \u201eReglement, Lehrplan und Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr die Landwirtschaftsschulen\u201c erlassen waren und so diese wichtigen, mit der Befugnis zur Verleihung des Einj\u00e4hrig-Freiwilligen Rechts ausgestatteten landwirtschaftlichen Mittelschulen in ihrer Organisation einen gewissen Abschlu\u00df gefunden hatten, wurden unter dem 9. Mai 1877 von denselben beiden Ministern die \u201eVorschriften betreffend die Ausbildung und das Examen f\u00fcr die Lehrer der Landwirtschaft an den Landwirtschaftsschulen\u201c bekannt gegeben**) Unter dem 17. November 1877 erhielten diese Vorschriften eine Erg\u00e4nzung und unter dem 14. November 1882 eine Versch\u00e4rfung, letztere dahin gehend, dag eine Dispensation von der Beibringung des Reifezeugnisses nicht mehr stattfindet.\n*) IL Congr\u00e8s international de l\u2019Enseigement agricole \u00e0 Li\u00e8ge 1905, vol. II,\np. 130.\n*'\u25a0\u2022\u25a0) Sowohl das Reglement etc. f\u00fcr die Landwirtschaftsschulen sowie die Vorschriften \u00fcber die Ausbildung und das Examen der Lehrer der Landwirtschaft an diesen Schulen sind abgedruckt in Thiels Landw. Jahrb\u00fcchern Bd. VII (1878) Supplement I \u201ePreu\u00dfens landw. Verwaltung 1875\u201477\u201c I. Gruppe, Abschnitt IV, Anlage 7. \u2014 Dieser Supplementband enth\u00e4lt \u00fcberhaupt sehr viel Material aus den verschiedensten Gebieten der landw. Verwaltung, namentlich aber auch eine h\u00f6chst wertvolle Darstellung des gesamten landwirtschaftlichen Unterrichtswesens (im Text S. 63\u201476) mit vielen Anlagen.","page":274},{"file":"p0275.txt","language":"de","ocr_de":"5. Pr\u00fcfungen.\n275\nHauptbedingungen f\u00fcr die Anstellung der Landwirtschaftslehrer an den Landwirtschaftsschulen sind jetzt, wie aus den im Anhang zu dieser Festschrift abgedruckten Vorschriften erhellt: 1. Abiturientenexamen eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule erster Ordnung; 2. dreij\u00e4hriges Studium an h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten oder Universit\u00e4ten und Bestehen der Pr\u00fcfung f\u00fcr das Lehramt der Landwirtschaft; 3. zwei Jahre praktische landwirtschaftliche T\u00e4tigkeit; 4. ein Probejahr als Lehrer an einer Landwirtschaftsschule mit g\u00fcnstigem Erfolg.\nAls Minimum soll bei der Pr\u00fcfung die vollst\u00e4ndig sichere Beherrschung des betreffenden Lehrpensums der Landwirtschaftsschulen (abgedruckt in Thiels Jahrb\u00fcchern Bd. VII 1. c. (vergl. Note auf voriger Seite) verlangt werden; in Wirklichkeit wird bedeutend mehr verlangt, da der Kandidat auch in den begr\u00fcndenden F\u00e4chern gute Kenntnisse haben mu\u00df, um die eigentlichen praktischen F\u00e4cher auch wissenschaftlich beherrschen zu k\u00f6nnen. \u2014 Die Pr\u00fcfung ist demnach viel eingehender als beim Abgangsexamen; um so erfreulicher ist es, dag sich trotz der h\u00f6heren Anforderungen mitunter Studierende der Pr\u00fcfung unterziehen, die gar nicht die Absicht haben, Landwirtschaftslehrer zu werden, sondern die, weil sie im Besitz des Maturit\u00e4tszeugnisses sind, eine Ehre darin setzen, auch die h\u00f6here Stufe zu erklimmen und ihr Studium so zu einem vollen Abschlug zu bringen.\nUm denjenigen, welche als Landwirtschaftslehrer t\u00e4tig sein wollen, Gelegenheit zu geben, sich in der P\u00e4dagogik besser auszubilden, finden laut Verf\u00fcgung des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten vom 2. Juni 1891, bez. 21. September 1891 an einigen Landwirtschaftsschulen, zun\u00e4chst in Weilburg (Reg.-Bez. Wiesbaden) und in Hildesheim, regelm\u00e4gig Seminarkurse statt, welche zwei Halbjahre umfassen und an der ersteren Anstalt im April, an der letzteren im Oktober jeden Jahres beginnen.\nAuf Anregung des Kgl. Landes-\u00d6konomiekollegiums vom 11. November 1890 sind zur Teilnahme an diesen Kursen laut Verf\u00fcgung des Herrn Ministers vom 2. Juni 1891 auch solche Landwirte berechtigt, welche als landwirtschaftliche Fachlehrer an landwirtschaftlichen Winterschulen, Ackerbauschulen usw. oder als landwirtschaftliche Wanderlehrer eintreten wollen, sofern sie an einer h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalt oder einem landwirtschaftlichen Universit\u00e4tsinstitut studiert und die Abgangspr\u00fcfung bestanden haben.\nWeniger bemittelte und w\u00fcrdige Kursisten erhalten Stipendien aus Fonds der landwirtschaftlichen Verwaltung. \u2014 Es wird von dem Herrn Minister darauf hingewirkt, nur solche Kandidaten als landwirtschaftliche Fachlehrer anzunehmen, welche einen der vorbezeichneten Kurse mit Erfolg durchgemacht haben.","page":275},{"file":"p0276.txt","language":"de","ocr_de":"276\nX. Die Studierenden.\nDie Pr\u00fcfung f\u00fcr Lehrer der Landwirtschaft an den Landwirtschaftsschulen bestanden:\n1889 ... 3\n1892 ...\t1\n1896\t...\t1\n1897\t...\t1\n1898\t...\t3\n1899\t...\n1900\t...\t1\n1901\t...\t1\n1902\t...\t2\n1903\t...\t7\n1904\t...\t8\n1905\t...\t6\nSumma 34\nAuch hier sehen wir in den letzten Jahren eine erfreuliche Steigerung. Sehr hoch werden die Zahlen wohl nie werden, weil die Zahl der zu besetzenden Stellen beschr\u00e4nkt ist. Darum ist immer mehr zu w\u00fcnschen, dag bei Besetzung von h\u00f6heren Stellen bei Beh\u00f6rden, Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Vereinen diejenigen, welche dieses \u201egroge Examen\u201c bestanden haben, bevorzugt werden, wie das auch zum Teil schon geschieht.\nc) Die Pr\u00fcfung f\u00fcr Tierzuchtinspektoren.\nDiese Pr\u00fcfung ist erst durch Verf\u00fcgung des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten vom 14. Juli 1903 eingef\u00fchrt, nachdem seitens des Lehrerkollegiums ein Entwurf zur Pr\u00fcfungsordnung ausgearbeitet und von dem Herrn Minister vermittelst genannten Schreibens genehmigt war. Es bestanden dieselbe:\n1902\t...\t1\n1903\t...\t1\n1904\t...\t2\n1905\t... 2 Summa 6\nd) Die Pr\u00fcfung f\u00fcr Landmesser.\nDie Vorschriften f\u00fcr die Pr\u00fcfung der \u00f6ffentlich anzustellenden Landmesser sind bereits am 4. September 1882 erlassen und finden sich abgedruckt im Ministerialblatt f\u00fcr die innere Verwaltung 1882 S. 202, auch in \u201eAusbildung und Pr\u00fcfung der preugischen Landmesser und Kulturtechniker\u201c, 3. Aufl. nebst Nachtrag. Verlag von Paul Parey, Berlin. Das N\u00e4here \u00fcber die Zahl der Kandidaten etc. ist aus dem Abschnitt \u201eGeod\u00e4tisch-kulturtechnische Abteilung\u201c (S. 189) dieser Festschrift zu ersehen.","page":276},{"file":"p0277.txt","language":"de","ocr_de":"5. Pr\u00fcfungen.\n277\ne) Die Diplompr\u00fcfung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure.\nDiese Pr\u00fcfung ist erst ganz neuerdings eingef\u00fchrt. Auf Antrag des Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Delbr\u00fcck beschlo\u00df das engere Lehrerkollegium, am 21. November 1903, den Entwurf zu einer Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure dem Herrn Minister zur Genehmigung zu empfehlen, und unter dem 5. Januar 1904 erfolgte die ministerielle Best\u00e4tigung desselben. Es hat damit das technologische Studium f\u00fcr das Braugewerbe, die staatliche Sanktion erhalten und es ist nunmehr in Analogie der staatlichen Pr\u00fcfungen an den technischen Hochschulen die Erlangung des Diploms als Brauerei-Ingenieur als Endziel des Brauereistudiums hergestellt.\nBemerkung: S\u00e4mtliche Pr\u00fcfungsordnungen, mit Ausnahme der f\u00fcr Geod\u00e4ten und Kulturtechniker, sind im Anh\u00e4nge zu dieser Festschrift abgedruckt.\nDas Doktor-Examen.\nDas h\u00f6chste Ziel eines wissenschaftlich strebenden Landwirtes, den Doktortitel an der landwirtschaftlichen Hochschule zu erlangen, ist bis jetzt ihren Studierenden noch versagt. Sie sind in der Beziehung in einer viel ung\u00fcnstigeren Lage als ihre Kommilitonen an den landwirtschaftlichen Universit\u00e4tsinstituten. Dort ist mindestens ein Professor der landwirtschaftlichen F\u00e4cher Ordinarius in der philosophischen Fakult\u00e4t, und ohne weiteres k\u00f6nnen die Doktoranden eine Arbeit aus dem landwirtschaftlichen Gebiete als Dissertation einreichen. \u2014 Den Studierenden der landwirtschaftlichen Hochschule blieb, wenn sie das Doktorexamen ablegen wollten, nichts anderes \u00fcbrig, als sich an einer Universit\u00e4t immatrikulieren zu lassen, um dort die letzten Semester zu studieren. Dabei wurden ihnen aber die an der landwirtschaftlichen Hochschule verbrachten Semester oft nur zum kleineren Teil angerechnet; vor allem herrschte in der Hinsicht keine Einheitlichkeit auf den verschiedenen Universit\u00e4ten. Das ist f\u00fcr die preu\u00dfischen Universit\u00e4ten, dank einer Verf\u00fcgung des Herrn Ministers f\u00fcr die geistlichen Angelegenheiten vom 16. September 1897, mehr geregelt worden, wenn auch noch nicht vollkommen. Kraft dieses Erlasses sind die philosophischen Fakult\u00e4ten der preu\u00dfischen Universit\u00e4ten bis auf weiteres erm\u00e4chtigt worden, Semester, welche an technischen und landwirtschaftlichen Hochschulen Preu\u00dfens zur\u00fcckgelegt sind, nach ihrem eigenen Ermessen auf das nachzuweisende akademische Triennium, sei es zum teil oder ganz, zur Anrechnung zu bringen, sofern es sich um die Zulassung zur Promotion in F\u00e4chern handelt, welche zum Lehrgebiet jener Anstalten geh\u00f6ren. Die sonstigen Voraussetzungen der Zulassung zur Promotion bleiben unber\u00fchrt.\nWie man sieht, ist es immer noch in das Ermessen der Fakult\u00e4t gestellt, wie viele der Semester sie anrechnen will. Da aber immer mehr","page":277},{"file":"p0278.txt","language":"de","ocr_de":"278\nX. Die Studierenden.\nanerkannt wird, dag das Studium an landwirtschaftlichen Hochschulen ein ebenso wissenschaftliches ist, wie an den Universit\u00e4ten, so darf man mit einer gewissen Sicherheit rechnen, dag die Semester bald ganz angerechnet werden.\nF\u00fcr die in Berlin studierenden Landwirte, selbst wenn sie, um keine Schwierigkeiten betreffs Anrechnung der Semester zu haben, an der Universit\u00e4t immatrikuliert waren, bestand aber lange Jahre noch eine andere Schwierigkeit: Es konnte keine Dissertation aus dem Gebiete der Landwirtschaft eingereicht werden. Das ist jetzt erfreulicherweise anders geworden.\nAm 17. Dezember 1900 fagte die philosophische Fakult\u00e4t der Berliner Universit\u00e4t auf Antrag des augerordentlichen Professors Geheimen Regierungsrat Orth den wichtigen Beschlug, dag bei der Doktor-Promotions-Pr\u00fcfung die Landwirtschaftslehre als Hauptfach gew\u00e4hlt werden kann, aus dem das Thema der Dissertation entnommen wird. Es werden f\u00fcr die Pr\u00fcfung auger der Philosophie noch zwei Nebenf\u00e4cher vorgeschrieben, von denen das eine dem Gebiete der Naturwissenschaften, das andere dem der Staatswissenschaften angeh\u00f6ren soll.\nIndes vollkommen ist der Wunsch der Hochschule damit nicht erf\u00fcllt; denn immer bleibt es der philosophischen Fakult\u00e4t Vorbehalten zu bestimmen, wie viele Semester des Hochschulstudiums sie anrechnen will. Eine volle L\u00f6sung der Frage ist nur dann zu erwarten, wenn der landwirtschaftlichen Hochschule selber das Recht erteilt wird, die Doktorw\u00fcrde zu verleihen.\nBereits der verstorbene Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Frank hat in seinem Rektoratsbericht dem Herrn Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten diesen Gedanken unterbreitet, und nachdem inzwischen die technischen Hochschulen in allen deutschen Landen die Berechtigung zur Verleihung der W\u00fcrde eines Doktor-Ingenieurs erhalten haben, geben sich die landwirtschaftlichen Hochschulen der Hoffnung hin, dag auch ihnen dieses Recht bald zuteil werde. Selbstverst\u00e4ndlich ist dabei, dag die Bedingungen zur Zulassung f\u00fcr das Doktorexamen ganz dieselben sein m\u00fcssen wie an den deutschen Universit\u00e4ten, also Maturit\u00e4tszeugnis von einem humanistischen Gymnasium, einem Realgymnasium oder einer Oberrealschule und mindestens dreij\u00e4hriges Studium an einer landwirtschaftlichen Hochschule oder an Universit\u00e4ten.\nUnsere Hoffnung erscheint um so berechtigter, als im Jahre 1905 der k. k. Hochschule f\u00fcr Bodenkultur in Wien, allerdings nachdem diese statt eines dreij\u00e4hrigen Studiums ein vierj\u00e4hriges eingef\u00fchrt hat, das Recht zur Verleihung der Doktorw\u00fcrde erteilt ist. An der landwirtschaftlichen Hochschule zu Portici besteht dieses Recht schon lange.","page":278},{"file":"p0279.txt","language":"de","ocr_de":"6. Preisaufgaben.\n279\n6.\tPreisaufgaben.\nMittelst Erlag des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten vom 29. Januar 1885 wurde der Antrag des engeren Lehrerkollegiums genehmigt, zur Belebung des Fleiges und Bef\u00f6rderung des wissenschaftlichen Studiums der Studierenden j\u00e4hrlich Preisaufgaben zu stellen. Urspr\u00fcnglich waren dies j\u00e4hrlich drei: 1. eine landwirtschaftliche, 2. eine aus den begr\u00fcndenden Wissenschaften, 3. eine geod\u00e4tische oder kulturtechnische. Seit dem Jahre 1892 aber werden aus den begr\u00fcndenden F\u00e4chern zwei Aufgaben gestellt, im ganzen also vier.\nDiese Preisaufgaben haben meist eine rege Beteiligung gefunden, zumal diejenigen Arbeiten, die einen Preis erzielten, beim Abgangsexamen als Pr\u00fcfungsarbeiten angerechnet werden k\u00f6nnen. Beim Landwirtschaftslehrer-Examen d\u00fcrfen aber nur die Preisarbeiten, welche mit einem ersten Preise gekr\u00f6nt sind, als Pr\u00fcfungsarbeiten angerechnet werden. (Verf\u00fcgung des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft etc. und des Herrn Ministers f\u00fcr die geistlichen etc. Angelegenheiten vom 23. Juli 1904.)\n7.\tDas Reisestipendium.\nWenn schon die j\u00e4hrlich gestellten Preisaufgaben ein wichtiges Mittel sind, um die Studierenden zu regem Flei\u00df anzuspornen, so ist durch das seit 1891 von dem Herrn Minister f\u00fcr Landwirtschaft etc. allj\u00e4hrlich ausgesetzte Reisestipendium von 1500 Mark ein noch h\u00f6herer Anreiz zur Vertiefung der Studien gegeben.\nWie aus den im Anh\u00e4nge abgedruckten Bestimmungen hervorgeht, ist die Verleihung des Stipendiums nicht an das bestandene Examen als Landwirtschaftslehrer gekn\u00fcpft, das Stipendium kann auch solchen verliehen werden, die nur das Abgangsexamen gemacht haben. Das ist mit gutem Grunde geschehen, denn es handelt sich besonders mit darum, dag der Betreffende eine gute Beobachtungsgabe habe und auf der Reise, die meist ins Ausland geht, die Eindr\u00fccke richtig auffasse.\nGar manche wertvolle Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Kenntnis bestimmter Gegenden oder bestimmter Verh\u00e4ltnisse sind in den Reiseberichten niedergelegt, und da sie meist ver\u00f6ffentlicht wurden, auch allgemeiner bekannt geworden. Es k\u00f6nnen das Reisestipendium auch solche Bewerber erhalten, die zwar nicht mehr Studierende der Hochschule sind, aber erst innerhalb des letzten Studienjahres ihr Examen gemacht haben.\n8.\tSonstige Gelegenheiten f\u00fcr weitere Ausbildung.\nNach allen Seiten hin ist das Ministerium bem\u00fcht, den Studierenden Gelegenheit zur weiteren Ausbildung zu bieten wie aus nachstehenden Verf\u00fcgungen erhellt.","page":279},{"file":"p0280.txt","language":"de","ocr_de":"280\nX. Die Studierenden.\na)\tAusbildung in Weinbergsarbeiten.\nNach dem Erlag vom 5. Februar 1901 des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten ist einzelnen j\u00fcngeren Landwirten nach vollendeter praktischer und theoretischer Ausbildung und nach bestandenem Abgangsexamen an einer h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalt Gelegenheit geboten, zur Ausbildung als Weinbaulehrer und als Beamter f\u00fcr gr\u00f6gere Verwaltungen von Weing\u00fctern auf ein Jahr die Lehranstalt f\u00fcr Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim zu besuchen. Dort k\u00f6nnen sie praktisch und theoretisch sich mit dem Weinbau und der Kellerbehandlung des Weines besch\u00e4ftigen und dann sich in den fiskalischen Weinbergsanlagen im Rheingau oder im Regierungsbezirk Trier weiter ausbilden. Im Bedarfsf\u00e4lle stellt der Herr Minister zur Unterst\u00fctzung der Ausbildung in Geisenheim ein Stipendium in Aussicht.\nb)\tAusbildung im Pflanzenschutz.\nZumZwecke einer eingehenderen Ausbildung in der Pflanzenpathologie\nhat laut Verf\u00fcgung des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten vom 22. November 1904 auf Anregung des Lehrerkollegiums das Reichsamt des Innern unter dem 4. November 1904 die Zulassung von 6\u20148 Landwirtschaftslehrern oder solchen Landwirten, welche das landwirtschaftliche Abgangsexamen an der landwirtschaftlichen Hochschule bestanden haben, als freiwillige Hilfsarbeiter an der Kaiserlichen Biologischen Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft in Dahlem f\u00fcr die Dauer je eines halben Jahres genehmigt.\nDie Betreffenden haben sich w\u00e4hrend der gedachten Zeit dienstlich ausschlie\u00dflich den ihnen in der Biologischen Anstalt gestellten Aufgaben zu widmen, da nur dann in einem halben Jahre eine gen\u00fcgende Ausbildung auf dem Gebiete des gesamten Pflanzenschutzes m\u00f6glich ist.\nDer Herr Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten hat sich bereit erkl\u00e4rt, solchen Studierenden der Hochschule, die preu\u00dfische Staatsangeh\u00f6rige sind, den Besuch dieser Kurse durch eine Unterst\u00fctzung zu erleichtern.\nc)\tAusbildung im Versuchswesen.\nWie in dem Berichte \u00fcber die agrikultur-chemische Versuchsstation S. 168 gesagt, ist der Versuchsstation auch die wichtige Aufgabe gestellt, junge Chemiker, Botaniker und Landwirte, welche die n\u00f6tige Vorbildung erworben haben, f\u00fcr den Dienst des landwirtschaftlichen Versuchs- und Unterhaltungswesens auszubilden. In geeigneten F\u00e4llen k\u00f6nnen auch hierzu Stipendien verliehen werden.","page":280},{"file":"p0281.txt","language":"de","ocr_de":"XL\nUnterrichtskurse f\u00fcr praktische Landwirte.\nAls im Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts \u00fcberall sich der Wunsch nach Fortbildungskursen regte, war es die landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin zuerst, welche auch f\u00fcr die Landwirtschaft derartigen W\u00fcnschen entgegenkam.\nDer erste Kursus fand von Montag, den 23. Februar, bis Mittwoch, den 4. M\u00e4rz 1885 an neun Wochentagen statt, eine Zeitdauer, die bis 1888 beibehalten wurde. Von da an ward die Zeit auf sechs Tage beschr\u00e4nkt, um auch solchen Landwirten, die nicht so lange ihrer Wirtschaft fern bleiben konnten, den Besuch zu erm\u00f6glichen. Eine merkliche Zunahme der Zuh\u00f6rerzahl trat aber nicht ein, weil inzwischen auch an anderen Hochschulen bzw. von Landwirtschaftskammern \u00e4hnliche Kurse eingerichtet wurden und so die Landwirte aus ferneren Gegenden nicht n\u00f6tig hatten, nach Berlin zu kommen. Eine bedeutende Steigerung zeigte sich erst wieder vom Jahre 1893 ab, weil seit der Zeit auch Verwaltungsbeamte an diesen Kursen teilnahmen. Seitdem f\u00fcr letztere inzwischen besondere Kurse eingerichtet sind, ist der Besuch wieder gesunken (siehe Tabelle unten); immerhin glaubt die Hochschule einstweilen diese Kurse, welche in gro\u00dfen Z\u00fcgen den Landwirten vom Neuesten das Beste darbieten, andererseits das fr\u00fcher Erlernte befestigen, beibehalten zu sollen.\nJahr\t\tZahl der Teilnehmer\t\tJahr\t\tZahl der Teilnehmer\t\n1885\t23. Februar\u20144. M\u00e4rz\t\t75\t1891\t9.\tFebruar\u201414. Februar\t57\n1886\t(Mo.) 4. M\u00e4rz\u2014\t(Mi.) 13. M\u00e4rz\t52\t1892\t8.\t(Mo.)\t(Sd.) Februar \u201413. Februar\t80\n1887\t(Do.) 1. M\u00e4rz\u2014\t(Sd.) 10. M\u00e4rz\t41\t1893\t6.\t(Mo.)\t(Sd.) Februar \u201411. Februar\t153\n1888\t(Di.) 5. M\u00e4rz\u2014\t(Do.) -14. M\u00e4rz\t34\t1894\t12.\t(Mo.)\t(Sd.) Februar\u201417. Februar\t103\n1889\t(Mo ) 11. Februar-\t(Mi.) -16. Februar\t43\t1895\t11.\t(Mo.)\t(Sd.) Februar\u201416. Februar\t121\n1890\t(Mo.) 10. Februar\u2014\t(Sd.) -15. Februar\t37\t1896\t10.\t(Mo.)\t(Sd.) Februar\u201415. Februar\t182\n\t(Mo.)\t(Sd.)\t\t\t\t(Mo.)\t(Sd.)\t","page":281},{"file":"p0282.txt","language":"de","ocr_de":"282\nXI. Unterrichtskurse f\u00fcr praktische Landwirte.\nJahr\t\t\tZahl der Teilnehmer\t\tJahr\t\tZahl der Teilnehmer\n1897\t8.\tFebruar\u201413\tFebruar\t121\t1902\t3. M\u00e4rz\u20148. M\u00e4rz\t116\n1898\t7.\t(Mo.) Februar\u201417.\t(Sd.) Februar\t121\t1903\t(Mo.)\t(Sd.) 2. M\u00e4rz\u20147. M\u00e4rz\t87\n1899\t20.\t(Mo.) Februar\u201425.\t(Sd.) Februar\t146\t1904\t(Mo.)\t(Sd.) 7. M\u00e4rz \u201412. M\u00e4rz\t87\n1900\t19.\t(Mo.) Februar\u201421.\t(Sd.) Februar\t131\t1905\t(Mo.)\t(Sd) 2. M\u00e4rz\u20148. M\u00e4rz\t69\n1901\t4.\t(Mo.) Februar\u20149.\t(Sd.) Februar\t120\t(Do.)\t(Mi.) 1906 werden die Kurse vom 5.\t\t\u201410. M\u00e4rz\n\t\t(Mo.)\t(Sd.)\t\t\tstattfinden.\t\nAber nicht nur durch Unterrichtskurse sucht die Hochschule eine Verbindung mit der Praxis aufrecht zu erhalten, sie tut es weit mehr noch durch Erteilung von Ratschl\u00e4gen an alle, die sich an sie wenden; sie tut es weiter durch die Reisen ihrer Lehrer, durch deren Vortr\u00e4ge in Versammlungen, durch deren Mitarbeit im landwirtschaftlichen Vereinswesen, durch deren Ver\u00f6ffentlichungen an den verschiedensten Orten. \u2014 So erweitert sich das sch\u00f6ne Band, das zwischen der alma mater und allen ihren J\u00fcngern besteht, zu einem gro\u00dfen allgemeinen Bunde f\u00fcr die wissenschaftliche F\u00f6rderung der praktischen Landwirtschaft.","page":282},{"file":"p0283.txt","language":"de","ocr_de":"XII.\nSchlu\u00dfbetrachtung.\nBlicken wir noch einmal zur\u00fcck! Aus kleinen Anf\u00e4ngen hat sich eine ausgedehnte Hochschule erhoben, an Frequenz mancher Universit\u00e4t gleich.\nAber war der Anfang im Jahre 1881 wirklich der Anfang? \u2014 Nein, die Hochschule ist nur das weiter entwickelte landwirtschaftliche Lehrinstitut, das bereits seine T\u00e4tigkeit im Jahre 1859 im engsten Rahmen, 1862 in etwas erweitertem Rahmen begann. Und wer war der Professor der Landwirtschaft an diesem Institut? Es war der Enkel Thaers, Dr. Albrecht Thaer, der nach Berlin kam, als M\u00f6glin aufgel\u00f6st wurde. Er hat die gleiche Lehre, die er in M\u00f6glin vorgetragen, hier fortgesetzt, und so k\u00f6nnen wir in gewissem Sinne das Berliner Institut als die Fortsetzung der M\u00f6gliner Anstalt betrachten.\nGerade hundert Jahre sind es her, dag M\u00f6glin gegr\u00fcndet wurde, und so feiern wir mit unserem Jubil\u00e4um zugleich die Erinnerung an die Errichtung jener Anstalt im Jahre 1806, welche die Grundlage bildete f\u00fcr die erste wissenschaftliche Behandlung der Landwirtschaftslehre im 19. Jahrhundert.\nVon diesem Gesichtspunkte aus erh\u00e4lt unsere Feier eine noch viel h\u00f6here Bedeutung: Es ist die Jahrhundertfeier der ersten landwirtschaftlichen Lehranstalt in der Mark!\nM\u00f6ge unserer Hochschule, die unter so gl\u00fccklichen Auspizien ins Leben getreten ist, auch ferner die F\u00fcrsorge der K\u00f6niglichen Staatsregierung und der hohen gesetzgebenden K\u00f6rperschaften nicht fehlen, dann wird sie sich immer noch vollkommener zum Heile der ganzen Landwirtschaft entwickeln. Sie kann das aber nur, wenn die Lehrer, ihrem bisherigen Grundsatz treu, streng wissenschaftlichen Geist, wie an den Universit\u00e4ten, selbst bei allen Fragen der Praxis walten lassen, und wenn die Studierenden immerdar bem\u00fcht sind, diesen wissenschaftlichen Geist in ihre k\u00fcnftige Praxis zu \u00fcbertragen.\nWie ganz anders, wie viel weiter fagt man jetzt die Wissenschaft auf als vor einem halben Jahrhundert, zur Zeit Liebigs.","page":283},{"file":"p0284.txt","language":"de","ocr_de":"284\nXII. Schlu\u00dfbetrachtung.\nDer gro\u00dfe Liebig sagte in seiner ber\u00fchmten Rede vom 26. M\u00e4rz 1861: \u201eWenn die Chemie dem Landwirte gute D\u00fcngerrezepte f\u00fcr jedes Feld oder ein Mittel gegen die Kartoffelkrankheit oder zur Vertilgung der Raupen und M\u00e4use oder zur Verh\u00fctung des Befallens oder des Brandes des Getreides verschafft h\u00e4tte, so w\u00fcrde der praktische Mann vielleicht nicht im Dunkeln \u00fcber die Quelle dieser Verbesserungen sein. Allein mit solchen Dingen, die nur Einzelnen n\u00fctzen, gibt sich die Wissenschaft nicht ab, sie besch\u00e4ftigt sich nur mit dem, was allen gemeinsam n\u00fctzt, und das sind die Ideen, welche das Tun der Menschen beherrschen\u201c, usw.\nUnd wie ist es heute? Heute haben wir eine stattliche Zahl von landwirtschaftlichen Versuchsstationen, wir haben eine Kaiserliche biologische Anstalt f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, die sich speziell die Aufgabe gestellt hat, die Ursachen der Pflanzensch\u00e4digungen und die Gegenmittel zu finden. Gleich ihr arbeiten in allen Staaten zahlreiche Anstalten zu \u00e4hnlichen Zwecken. Die gr\u00f6\u00dften Forscher stellen ihre Dienste in das Interesse der Praxis, wie Liebig es \u00fcbrigens selbst getan. Dankbar benutzt der Landwirt die K\u00fchnsche Weizenbeize, den L\u00f6fflerschen M\u00e4usebazillus und die Millardetsche Bordeauxbr\u00fche. Erwartungsvoll steht er den neuen Entdeckungen Brefelds betreffs der Infektionswege der Brandpilze gegen\u00fcber.\n\u201eWie erfolgreich wirkt im Dienste der Menschheit der Biolog,\u201c sagt Oskar Hertwig*) \u201ewenn er die Ursachen von verheerenden pflanzlichen und tierischen Krankeiten in parasitischen Organismen entdeckt und dadurch zugleich auch die Mittel zu ihrer Verh\u00fctung und Heilung ausfindig zu machen versteht, oder wenn er durch eine rationelle, wissenschaftliche Bodenkultur die Ertragsf\u00e4higkeit der Felder auf das Vielfache zu steigern vermag.\u201c\nMehr und mehr stellt sich die Wissenschaft in den Dienst der Praxis, ohne dadurch von ihrem Ansehen einzub\u00fc\u00dfen, und so m\u00f6ge auch unsere Hochschule immerdar eingedenk sein des alten Wahlspruches:\n\u201eF\u00fcr das Leben allermeist!\n\u25a04*\u00ae'\n*) Oskar Hertwig (Rektor der Universit\u00e4t Berlin) \u201eDas Bildungsbed\u00fcrfnis und seine Befriedigung durch deutsche Universit\u00e4ten.'\u201c Rede zur Ged\u00e4chtnisfeier des Stifters der Berliner Universit\u00e4t K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. am 3. August 1905. Berlin 1905.","page":284},{"file":"p0285.txt","language":"de","ocr_de":"Anhang.","page":285},{"file":"p0287.txt","language":"de","ocr_de":"I. Satzungen\nder K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin.\n\u00a7 i.\nDie landwirtschaftliche Hochschule soll dem wissenschaftlichen Unterricht und der Forschung in der Landwirtschaft, in der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik und in den mit der Landwirtschaft in Beziehung stehenden technischen Gewerben, sowie in den hierzu geh\u00f6rigen Grund- und Hilfswissenschaften dienen.\nZur Erreichung dieses Zweckes dienen Vorlesungen, Seminarien, \u00dcbungen und wissenschaftliche Untersuchungen in den Instituten, Demonstrationen in den Sammlungen und Exkursionen.\n\u00a7 2.\nDer Unterricht ist semesterweise geordnet. Die Ferien entsprechen denen der Universit\u00e4t.\n\u00a7 3.\nDen Studierenden steht die Wahl der Vorlesungen und \u00dcbungen, an welchen sie Teil nehmen wollen, frei. Doch wird den Studierenden die Innehaltung des von dem Lehrerkollegium entworfenen und von dem Minister best\u00e4tigten Studienplanes empfohlen. Die Zulassung zu Vortr\u00e4gen und \u00dcbungen, deren Verst\u00e4ndnis die Absolvierung anderer, vorbereitender Unterrichtsgegenst\u00e4nde erfordert, kann von der vorg\u00e4ngigen Teilnahme an den letzteren abh\u00e4ngig gemacht werden.\n\u00a7 4.\nDer Unterricht wird von Professoren und Dozenten erteilt. Zur Unterst\u00fctzung beider werden nach Bed\u00fcrfnis Assistenten bestellt.\nAuger den Professoren und Dozenten haben die bei der Hochschule habilitierten Privatdozenten das Recht, Vorlesungen und \u00dcbungen abzuhalten. Die Habilitation der Privatdozenten erfolgt nach den hier\u00fcber vom Minister erlassenen Vorschriften.\n\u00a7 5.\nDie landwirtschaftliche Hochschule ist dem Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten direkt unterstellt. Die Organe f\u00fcr die Leitung der Hochschule sind:","page":287},{"file":"p0288.txt","language":"de","ocr_de":"288\nAnhang.\n1.\tdas Kuratorium;\n2.\tder Rektor;\n3.\tdas engere und weitere Lehrerkollegium.\n\u00a7 6.\nDie Mitglieder des Kuratoriums werden vom Minister ernannt. Die Aufgabe des Kuratoriums besteht haupts\u00e4chlich in der Pflege der wissenschaftlichen Interessen der Hochschule; alle hier einschlagenden Ma\u00dfnahmen unterliegen daher der Genehmigung resp. Begutachtung durch das Kuratorium, nach der von dem Minister hier\u00fcber erlassenen Gesch\u00e4ftsordnung. Die Mitglieder des Kuratoriums sind berechtigt, an den Versammlungen des engeren und weiteren Lehrerkollegiums mit beratender Stimme teilzunehmen.\n\u00a7 7.\nDer Rektor wird von dem engeren Lehrerkollegium aus dessen Mitgliedern gew\u00e4hlt und von dem K\u00f6nige best\u00e4tigt. Die Wahl hat sp\u00e4testens im Laufe des Januar stattzufinden und erfolgt in besonderer Sitzung in geheimer Wahl mittelst Wahlzetteln. An der Teilnahme an dieser Sitzung verhinderte Mitglieder des Kollegiums haben die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr schriftlich mitzuteilen. Au\u00dfer den Wahlzetteln der in der Versammlung Anwesenden sind Wahlzettel von Abwesenden nur dann anzunehmen, wenn sie in versiegelten, auf der Au\u00dfenseite mit der eigenh\u00e4ndigen Unterschrift des W\u00e4hlers versehenen Couverts eingereicht werden, und wenn die Wahlversammlung die Abwesenheit des W\u00e4hlers f\u00fcr gen\u00fcgend gerechtfertigt erachtet. Die Wahlzettel werden von dem Vorsitzenden unter Zuziehung des Protokollf\u00fchrers gez\u00e4hlt, sodann die darauf verzeichneten Namen verlesen, hierauf wird der Stimmen-Befund zu Protokoll verzeichnet. Als gew\u00e4hlt gilt, wer die absolute Stimmenmehrheit erhalten hat. Erhielt im ersten Wahlgange niemand diese Mehrheit, so findet durch die in der Versammlung Anwesenden eine engere Wahl zwischen den beiden Kandidaten statt, welche die meisten Stimmen erhalten haben. Hatten mehr als zwei der f\u00fcr die engere Wahl in Betracht kommenden Kandidaten gleiche Stimmen, so entscheidet das durch den Vorsitzenden zu ziehende Loos dar\u00fcber, welche von ihnen auf die engere Wahl kommen. Ergibt die engere Wahl Stimmengleichheit, so sind beide Kandidaten dem Minister zu pr\u00e4sentieren. Die Best\u00e4tigung der Wahl ist in sp\u00e4testens acht Tagen nach derselben unter Mitteilung des Wahlprotokolls bei dem Minister unter Vermittelung des Kuratoriums nachzusuchen. Wird die Best\u00e4tigung versagt, so ist sofort eine neue Wahl in den vorstehend vorgeschriebenen Formen vorzunehmen, und die Best\u00e4tigung ebenfalls binnen acht Tagen nach der Neuwahl nachzusuchen. Sollte auch die Best\u00e4tigung der zweiten Wahl versagt werden m\u00fcssen, so wird dem K\u00f6nige ein Mitglied des engeren Lehrerkollegiums zur Best\u00e4tigung als Rektor f\u00fcr die n\u00e4chste Amtsperiode durch den Minister vorgeschlagen.\nDie Amtsperiode des Rektors ist zweij\u00e4hrig und beginnt mit dem 1. April. F\u00fcr den Fall, da\u00df am Schlu\u00df der Amtsperiode der Nachfolger noch nicht ernannt sein sollte, f\u00fchrt der fr\u00fchere Rektor die Gesch\u00e4fte bis zu dieser Ernennung fort. Der Rektor wird in Behinderungsf\u00e4llen oder bei","page":288},{"file":"p0289.txt","language":"de","ocr_de":"1. Satzungen der landwirtschaftlichen Hochschule.\n289\nsonstiger Erledigung der Rektorstelle von seinem letzten Amtsvorg\u00e4nger, dem \u201eProrektor\u201c, oder, wenn dieser verhindert ist, von dem an Jahren \u00e4ltesten, nicht verhinderten Mitgliede des engeren Lehrerkollegiums vertreten.\nDie Wiederwahl des Rektors nach Ablauf seiner Amtsperiode ist zul\u00e4ssig.\n\u00a7 8.\nDer Rektor beruft und leitet die Versammlungen des Lehrerkollegiums. Der Rektor leitet den Gesch\u00e4ftsgang des Lehrerkollegiums und sorgt f\u00fcr die p\u00fcnktliche Erledigung der Gesch\u00e4fte. \u2014 Er f\u00fchrt die laufenden Gesch\u00e4fte der Verwaltung, bereitet die Beschl\u00fcsse des Lehrerkollegiums vor und tr\u00e4gt f\u00fcr die Ausf\u00fchrung derselben Sorge.\nDer Rektor ist befugt und verpflichtet, Beschl\u00fcsse des Lehrerkollegiums, welche den Gesetzen zuwiderlaufen oder die Befugnisse des Kollegiums \u00fcberschreiten oder das Interesse der Hochschule verletzen, mit aufschiebender Wirkung zu beanstanden und die Entscheidung des Ministers \u00fcber ihre Ausf\u00fchrung nachzusuchen.\nDer Rektor vertritt das Lehrerkollegium, wie die landwirtschaftliche Hochschule nach \u00e4ugen, verhandelt namens der Hochschule mit Beh\u00f6rden und Privatpersonen, f\u00fchrt den Schriftwechsel und unterzeichnet alle Schriftst\u00fccke.\nEr zeichnet die Berichte des'Lehrerkollegiums an den Minister mit der Unterschrift \u201eRektor und Lehrerkollegium\u201c und seinem Namen, die \u00fcbrigen Schriftst\u00fccke mit der Unterschrift \u201eder Rektor der landwirtschaftlichen Hochschule\u201c und seinem Namen. Die Berichte an den Minister sind, soweit sie wissenschaftliche Fragen und damit in Verbindung stehende Personalangelegenheiten betreffen, durch Vermittelung des Kuratoriums, in allen anderen Angelegenheiten, speziell den reinen Verwaltungsfragen, direkt bei dem Minister einzureichen.\nDas N\u00e4here bestimmt die von dem Minister erlassene Gesch\u00e4ftsordnung.\n\u00a7 9.\nDer Rektor hat die Beobachtung der Satzungen und der sonstigen Vorschriften, sowie den geregelten Fortgang des Unterrichts zu \u00fcberwachen und ist f\u00fcr die ordnungsm\u00e4\u00dfige Verwendung der f\u00fcr dieZwecke der Anstalt \u00fcberwiesenen Mittel, f\u00fcr die richtige Verteilung derselben und die Einhaltung der etatsm\u00e4\u00dfigen Grenzen in den einzelnen Titeln und Positionen, wie sie im Spezialetat aufgestellt sind, verantwortlich. Er hat s\u00e4mtliche Zahlungsanweisungen zu zeichnen, soweit nicht f\u00fcr die Verwaltung einzelner Fonds mit ministerieller Genehmigung besondere Vorschriften bestehen, und, mit Ausnahme der Lehrmittel bzw. der f\u00fcr die Laboratorien erforderlichen Unterrichtsmittel, deren Beschaffung von den betreffenden Dozenten selbst innerhalb der Grenzen der ihnen zugewiesenen Betr\u00e4ge erfolgt, die Anschaffungen aller Art zu bewirken, bzw. durch die ihm untergebenen Beamten unter seiner Kontrolle und unter Wahrung eines wirtschaftlichen Verbrauchs bewirken zu lassen.\nFestschrift d. landw. Hochschule.\n19","page":289},{"file":"p0290.txt","language":"de","ocr_de":"290\nAnhang.\n\u00a7 10.\nDer Rektor ist der Kurator der Kasse der landwirtschaftlichen Hochschule und hat die ordentlichen und au\u00dferordentlichen Revisionen der Kasse nach Ma\u00dfgabe der hier\u00fcber erlassenen Instruktionen abzuhalten, auch die Aufsicht \u00fcber die laufende Kassenverwaltung und Rechnungsf\u00fchrung zu \u00fcben. Dem Minister bleibt Vorbehalten, den Rektor in diesen Obliegenheiten durch einen Beamten unterst\u00fctzen zu lassen.\nDie Annahme und Entlassung der Assistenten der einzelnen Institute erfolgt durch die betreffenden Institutsvorst\u00e4nde, welche hiervon dem Rektor jedesmal Mitteilung zu machen haben.\nDer Rektor ist der Dienstvorgesetzte der Subaltern- und Unterbeamten der Anstalt.\nDie Annahme und Entlassung derselben, soweit sie nur auf K\u00fcndigung angestellt werden, erfolgt durch den Rektor, welcher, wenn es sich um Diener der einzelnen Institute handelt, jedesmal vorher den betreffenden Institutsvorstand hier\u00fcber zu h\u00f6ren hat.\n\u00a7 H-\nDer Rektor bewirkt nach Ma\u00dfgabe der sp\u00e4ter aufgef\u00fchrten Bestimmungen die Aufnahme der ordentlichen und au\u00dferordentlichen Zuh\u00f6rer und der Hospitanten.\nDer Rektor ist befugt, zur Wahrung der disziplin\u00e4ren Autorit\u00e4t auch ohne vorg\u00e4ngigen Beschlu\u00df des Lehrerkollegiums Studierenden der Hochschule einen Verweis zu erteilen.\n\u00a7 12.\nDas engere Lehrerkollegium besteht aus den bei der Hochschule etatsm\u00e4\u00dfig angestellten Professoren und den vom Minister hierzu besonders berufenen Dozenten. Die etatsm\u00e4\u00dfigen Professoren werden vom K\u00f6nige ernannt.\n\u00a7 13.\nDas engere Lehrerkollegium hat die allgemeinen Interessen des Unterrichts auf der Hochschule wahrzunehmen und f\u00fcr die Vollst\u00e4ndigkeit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit desselben Sorge zu tragen. Speziell hat das engere Lehrerkollegium daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df jeder Studierende der Hochschule w\u00e4hrend der im Studienplan vorgesehenen Studienzeit Gelegenheit hat, die erforderlichen Vortr\u00e4ge in geordneter Folge zu h\u00f6ren, bzw. \u00dcbungen durchzumachen. Wenn in dieser Hinsicht sich in dem Lehrgang L\u00fccken oder M\u00e4ngel finden, so hat das Lehrerkollegium dar\u00fcber an den Minister durch Vermittelung des Kuratoriums rechtzeitig Bericht zu erstatten.\n\u00a7 14.\nDas engere Lehrerkollegium fa\u00dft der Regel nach seine Beschl\u00fcsse in seinen Versammlungen. Dieselben werden nach Bed\u00fcrfnis von dem Rektor unter Mitteilung der von ihm festgesetzten Tagesordnung berufen. Eine Versammlung mu\u00df berufen werden, wenn mindestens der dritte Teil des engeren Lehrerkollegiums dies bei dem Rektor beantragt. Von den bevorstehenden","page":290},{"file":"p0291.txt","language":"de","ocr_de":"I. Satzungen der landwirtschaftlichen Hochschule.\n291\nLehrerversammlungen ist jedesmal dem Kuratorium unter Angabe der Tagesordnung Mitteilung zu machen.\n\u00a7 15.\n\u00dcber Gegenst\u00e4nde, welche nicht auf der den Mitgliedern mitgeteilten Tagesordnung gestanden haben, darf in der Versammlung des engeren Lehrerkollegiums nicht Beschlu\u00df gefa\u00dft werden. Zu einem g\u00fcltigen Beschlu\u00df geh\u00f6rt die Anwesenheit von mindestens der H\u00e4lfte der Mitglieder des engeren Lehrerkollegiums.\nWenn ein Gegenstand wegen zu geringer Zahl der erschienenen Mitglieder zur Erledigung nicht gelangen kann, so ist f\u00fcr denselben eine demn\u00e4chst zu berufende Versammlung des engeren Lehrerkollegiums ohne R\u00fccksicht auf die Zahl der Anwesenden beschlu\u00dff\u00e4hig.\nAntr\u00e4ge der Mitglieder f\u00fcr die Tagesordnung m\u00fcssen dem Vorsitzenden mindestens zwei Tage vor der Sitzung \u00fcbermittelt worden sein. Der Rektor ist befugt, die Aufnahme von Antr\u00e4gen, welche gegen die Landesgesetze oder die Satzungen der Anstalt versto\u00dfen, f\u00fcr die Tagesordnung abzulehnen.\nGegen eine solche Ausschlie\u00dfung kann durch Vermittelung des Kuratoriums Einsprache bei dem Minister erhoben werden.\nBei Stimmengleichheit gibt der Vorsitzende den Ausschlag.\n\u00dcber die Beschl\u00fcsse der Versammlungen des engeren Lehrerkollegiums wird eine beim Schlu\u00df der Verhandlung zu verlesende und von dem Rektor und dem Protokollf\u00fchrer zu unterzeichnende Aufzeichnung gef\u00fchrt. Schriftliche Begr\u00fcndungen einzelner Abstimmungen zur Aufnahme in diese Aufzeichnung sind zul\u00e4ssig, m\u00fcssen aber in der Versammlung angemeldet und binnen zwei Tagen eingereicht werden. Soweit die Beschl\u00fcsse der Versammlung des engeren Lehrerkollegiums dies erfordern, erfolgt ihre Mitteilung an den Minister oder sonstige Beh\u00f6rden durch den Rektor.\n\u00a7 16.\nIn dringenden F\u00e4llen k\u00f6nnen Beschl\u00fcsse des engeren Lehrerkollegiums auch ohne die Berufung einer Versammlung durch schriftliche Abstimmung herbeigef\u00fchrt werden. Diese Beschl\u00fcsse haben aber nur dann G\u00fcltigkeit, wenn kein Mitglied des Kollegiums gegen diese Art der Beschlu\u00dffassung Widerspruch erhoben hat.\n\u00a7 17.\nW\u00e4hrend der amtlich festgesetzten Ferienzeit finden keine Versammlungen des engeren Lehrerkollegiums statt. In besonderen F\u00e4llen, deren Erledigung ohne gr\u00f6seren Schaden f\u00fcr die Hochschule oder die Beteiligten nicht bis nach Ablauf der Ferien hinausgeschoben werden kann, ist der Rektor oder sein Vertreter befugt, selbst\u00e4ndig zu entscheiden und hat dann der ersten Versammlung des engeren Lehrerkollegiums nach den Ferien \u00fcber die von ihm getroffenen Ma\u00dfnahmen Mitteilung zu machen.\n\u00a7 18.\nDas engere Lehrerkollegium hat, vorbehaltlich des von dem Rektor bei dem Minister zu erhebenden Einspruchs, selbst\u00e4ndig zu beschlie\u00dfen \u00fcber:\n19*","page":291},{"file":"p0292.txt","language":"de","ocr_de":"292\nAnhang.\n1.\tdie Verwendung der im Haushaltsplan der Hochschule zu wissenschaftlichen Exkursionen der Dozenten und zu Reisekosten f\u00fcr die Mitglieder der Pr\u00fcfungskommission f\u00fcr Landmesser vorgesehenen Mittel, soweit nicht ein Teil des betreffenden Etatstitels f\u00fcr die Dienstreisen der Museums-Beamten reserviert ist;\n2.\tg\u00e4nzliche oder teilweise Befreiung vom Studienhonorar und Verleihung von Unterst\u00fctzungen an Studierende nach den von dem Minister hier\u00fcber erlassenen Verf\u00fcgungen;\n3.\tdie Bestrafung von Disziplinarvergehen der Studierenden, jedoch unbeschadet der Vorschrift im \u00a711, Abs. 2.\n4.\tdie Zulassung von Privatdozenten nach den hier\u00fcber besonders erlassenen Vorschriften;\n5.\tZuerkennung von Preisen f\u00fcr Preisarbeiten.\n\u00a7 19.\nDas engere Lehrerkollegium hat das Recht, sich gutachtlich an den Minister zu \u00e4u\u00dfern \u00fcber:\n1.\tdie Vertretung von auf l\u00e4ngere Zeit an der Aus\u00fcbung ihres Amts verhinderten Dozenten;\n2.\tdie Besetzung erledigter Lehrerstellen; hierbei sind jedesmal drei Kandidaten zu nennen;\n3.\tdie Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Feststellung des halbj\u00e4hrigen Vorlesungsverzeichnisses und f\u00fcr den Stundenplan;\n4.\tEntbindung von den Zulassungsbedingungen zur Anstalt;\n5.\tVerleihung noch weiterer, als der von dem Minister der Anstalt im ganzen bewilligten Honorarerlasse und Unterst\u00fctzungen an bestimmte Studierende;\n6.\t\u00c4nderungen der Satzungen und des Lehrplanes der Hochschule;\n7.\tVorschl\u00e4ge zur Aufhebung oder Neuerrichtung von Sammlungen und Instituten der Hochschule, sowie \u00fcber die Benutzung der Sammlungen;\n8.\tVorschl\u00e4ge f\u00fcr die im Haushaltspl\u00e4ne der Hochschule f\u00fcr die einzelnen Lehrzweige oder sonstige Bed\u00fcrfnisse der Hochschule auszuwerfenden Mittel;\n9.\tdie Dienstinstruktionen aller Angestellten der Hochschule;\n10.\talle weiteren die Einrichtung der Hochschule betreffenden Fragen, insbesondere die Disziplinarordnung f\u00fcr die Studierenden und die Pr\u00fcfungsordnungen.\n\u00a7 20.\nDie den Lehrern als Beamten obliegende Verpflichtung zur Amtsverschwiegenheit erstreckt sich auch auf die Verhandlungen des engeren Lehrerkollegiums.\n\u00a7 21.\nDas weitere Lehrerkollegium besteht aus allen Dozenten, welche an der landwirtschaftlichen Hochschule Unterricht erteilen. Dasselbe versammelt sich auf Berufung durch den Rektor regelm\u00e4\u00dfig um die Mitte eines jeden","page":292},{"file":"p0293.txt","language":"de","ocr_de":"I. Satzungen der landwirtschaftlichen Hochschule.\n293\nSemesters, um den Entwurf des Stundenplans f\u00fcr das n\u00e4chste Semester festzustellen. Dieser Entwurf ist sodann dem Minister zur Best\u00e4tigung vorzulegen. Jedes Mitglied des weiteren Lehrerkollegiums ist befugt, f\u00fcr diese Sitzung sp\u00e4testens f\u00fcnf Tage vorher selbst\u00e4ndig Antr\u00e4ge zu stellen, welche, falls sie in dieser Sitzung angenommen werden, der nochmaligen Beratung und Beschlu\u00dffassung des engeren Lehrerkollegiums unterliegen. Der Gesch\u00e4ftsgang f\u00fcr die Verhandlungen des weiteren Lehrerkollegiums regelt sich nach den betreffenden Vorschriften f\u00fcr das engere Kollegium.\n\u00a7 22.\nZur Wahrnehmung der speziellen Interessen der haupts\u00e4chlichen an der landwirtschaftlichen Hochschule vertretenen Unterrichtszweige werden drei Abteilungen gebildet, eine f\u00fcr die Landwirtschaft, eine f\u00fcr Geod\u00e4sie und Kulturtechnik und eine f\u00fcr die landwirtschaftlich-technischen Gewerbe. Diese Abteilungen bestehen aus den Mitgliedern des weiteren Lehrerkollegiums, welche bei dem f\u00fcr die betreffende Abteilung bestimmten Unterricht beteiligt sind.\nDen Vorsteher jeder Abteilung w\u00e4hlen die dem engeren Lehrerkollegium angeh\u00f6renden Abteilungsmitglieder aus ihrer Mitte. Die Wahl des Vorstehers findet alle zwei Jahre, nach der Neuwahl des Rektors, statt, sobald diese die erforderliche Best\u00e4tigung erhalten hat.\nDie Abteilungen haben insbesondere f\u00fcr die Vollst\u00e4ndigkeit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit des f\u00fcr das betreffende Studium bestimmten Lehrplans und der bez\u00fcglichen Unterrichtseinrichtungen zu sorgen und die daf\u00fcr erforderlichen Antr\u00e4ge beim Rektor oder engeren Lehrerkollegium zu stellen. Der Vorsteher jeder Abteilung hat die betreffenden Studierenden, welche sich an denselben wenden, mit Rat und Auskunft zu unterst\u00fctzen.\n\u00a7 23.\nDie Aufnahme als ordentlicher Zuh\u00f6rer der Hochschule ist f\u00fcr Deutsche durch den Nachweis mindestens desjenigen Bildungsgrades bedingt, welcher zum einj\u00e4hrigen freiwilligen Dienst in der deutschen Armee berechtigt. Dieser Nachweis ist entweder durch Vorlegung des betreffenden Berechtigungsscheines oder entsprechender Schulzeugnisse zu f\u00fchren. Nichtdeutsche haben den Nachweis einer entsprechenden Vorbildung in einer f\u00fcr den gegebenen Fall nach dem Urteil des Rektors gen\u00fcgenden Form zu f\u00fchren. Als au\u00dferordentliche Zuh\u00f6rer k\u00f6nnen unter Zustimmung des engeren Lehrerkollegiums auch Studierende aufgenommen werden, welche den Nachweis der f\u00fcr die ordentlichen Zuh\u00f6rer vorgeschriebenen Vorbildung nicht zu erbringen verm\u00f6gen, wenn Umst\u00e4nde vorliegen, welche die Betreffenden als in den Kreis der Zuh\u00f6rer passend und als bef\u00e4higt erscheinen lassen, den Vorlesungen mit Nutzen zu folgen.\nAls Hospitanten k\u00f6nnen diejenigen aufgenommen werden, welche schon bei einer anderen h\u00f6heren wissenschaftlichen Anstalt Berlins inskribiert sind oder solche Nichtlandwirte, welche nur einzelne Vorlesungen h\u00f6ren wollen. Landwirte d\u00fcrfen als Hospitanten zu einzelnen Vorlesungen nur dann zugelassen werden, wenn sie gen\u00fcgend nachweisen, da\u00df sie an der vollen Teil-","page":293},{"file":"p0294.txt","language":"de","ocr_de":"294\nAnhang.\nn\u00e4hme am Unterricht als ordentliche oder au\u00dferordentliche Zuh\u00f6rer verhindert sind. Dispensationen von den Bestimmungen dieses Paragraphen sind nur mit Genehmigung des Ministers zul\u00e4ssig.\nWer Geod\u00e4sie und Kulturtechnik studieren will, um sp\u00e4ter die Pr\u00fcfung als Landmesser abzulegen, hat sich au\u00dferdem nach den Vorschriften der Landmesser-Pr\u00fcfungsordnung vom 4. September 1882 und den erg\u00e4nzenden Bestimmungen zu derselben zu richten.\n\u00a7 24.\nNur die ordentlichen Zuh\u00f6rer sind berechtigt, sich einem Abgangsexamen zu unterziehen und ein betreffendes Zeugnis zu erhalten. Au\u00dferdem erhalten die ordentlichen Zuh\u00f6rer auf Verlangen eine Bescheinigung \u00fcber ihren Aufenthalt an der Hochschule und die in jedem Semester geh\u00f6rten Vorlesungen. Den au\u00dferordentlichen Zuh\u00f6rern und den Hospitanten kann ebenfalls eine solche Bescheinigung erteilt werden.\n\u00a7 25.\nDie Abgangs-Examina und die Examina f\u00fcr die Lehrer der Landwirtschaft und f\u00fcr die Landmesser erfolgen nach den hier\u00fcber ergangenen Bestimmungen.\n\u00a7 26.\nF\u00fcr die ordentlichen und au\u00dferordentlichen Zuh\u00f6rer sind verschiedene Matrikeln, aus welchen die Vorbildung der Betreffenden zu ersehen ist, nebst entsprechenden, f\u00fcr ein Semester g\u00fcltigen Aufnahmekarten auszufertigen.\nDen Hospitanten wird nur eine auf ein Semester g\u00fcltige Erlaubniskarte zum H\u00f6ren bestimmter Vorlesungen ausgestellt.\nF\u00fcr alle Zuh\u00f6rer werden ein allgemeines Verzeichnis und Abteilungsverzeichnisse gef\u00fchrt; letztere liegen bei den Abteilungsvorstehern offen, bei dem sich die betreffenden Studierenden nach ihrer Aufnahme durch den Rektor behufs der Einzeichnung zu melden haben.\n\u00a7 27.\nDie ordentlichen wie die au\u00dferordentlichen Zuh\u00f6rer und ebenso die Hospitanten sind der Disziplinarordnung der Hochschule unterworfen. Die von dem Rektor und dem engeren Lehrerkollegium zu verh\u00e4ngenden Strafen bestehen in Verweisen, Androhung des Ausschlusses und dem wirklichen Ausschlu\u00df von der Hochschule. Au\u00dferdem kann die Einziehung von Stipendien beschlossen oder bei den direkt vom Ministerium verliehenen, bei dem Minister beantragt werden.\n\u00a7 28.\nDas Unterrichtshonorar wird durch den Minister bestimmt und ist beim Beginn des Semesters im voraus zu entrichten. Neben dem Unterrichtshonorar wird von den ordentlichen und au\u00dferordentlichen Zuh\u00f6rern bei ihrer Aufnahme in die Anstalt eine Einschreibegeb\u00fchr erhoben, deren H\u00f6he ebenfalls von dem Minister festgestellt wird. Bei den \u00dcbungen in den Laboratorien, welche gr\u00f6\u00dfere sachliche Kosten verursachen, kann neben dem Unter-","page":294},{"file":"p0295.txt","language":"de","ocr_de":"I. Satzungen der landwirtschaftlichen Hochschule.\n295\nrichtshonorar noch eine vom Minister festzusetzende Verg\u00fctung f\u00fcr diese Kosten erhoben werden. F\u00fcr den von Privatdozenten erteilten Unterricht bleibt die Bestimmung der H\u00f6he des Honorars, welches den Privatdozenten zufliegt, dem Ermessen derselben unter Vorbehalt der Genehmigung seitens des engeren Lehrerkollegiums \u00fcberlassen.\n\u00a7 29.\nMittellosen, dem preugischen Staate angeh\u00f6rigen Studierenden kann, sofern sie durch Verhalten und Fortschritte sich auszeichnen, das Honorar erlassen werden. Dieser Honorarerlag erfolgt f\u00fcr die ordentlichen und augerordentlichen Zuh\u00f6rer innerhalb eines bestimmten von dem Minister festzustellenden Prozentsatzes der im Etat der Anstalt eingestellten Honorar-Einnahme-Summe direkt durch das engere Lehrerkollegium. \u00dcber diesen Prozentsatz hinaus sowie f\u00fcr die Hospitanten kann ein Honorarerlag nur ausnahmsweise mit Genehmigung des Ministers stattfinden.\nStundung des Honorars ist nur f\u00fcr die ordentlichen und augerordentlichen Zuh\u00f6rer und h\u00f6chstens auf die Dauer von zwei Monaten zul\u00e4ssig.\n\u00a7 30.\nDas mit der landwirtschaftlichen Hochschule verbundene Museum hat die Aufgabe, dem landwirtschaftlichen Publikum im allgemeinen durch die Vorf\u00fchrung der f\u00fcr die Landwirtschaft wichtigen Rohstoffe, Fabrikate, Ger\u00e4te und wissenschaftlichen Objekte zur Belehrung zu dienen, einzelnen Interessenten Gelegenheit und Material f\u00fcr ihre speziellen Studien zu gew\u00e4hren, und in seinen einzelnen Abteilungen als Lehrmittel f\u00fcr den Unterricht der Hochschule verwendet zu werden.\nDie Verwaltung der einzelnen Abteilungen des Museums wird einzelnen Dozenten von dem Minister \u00fcbertragen. Die betreffenden Dozenten sind f\u00fcr die Verwendung der ihnen \u00fcberwiesenen Fonds in dem Sinne der ihnen hier\u00fcber vom Minister zu erteilenden Instruktion verantwortlich, desgleichen f\u00fcr die Inventarisierung und Erhaltung der vorhandenen und neu zu beschaffenden Gegenst\u00e4nde. Auch haben sie daf\u00fcr Sorge zu tragen, dag die Sammlungen sich stets im geordneten Zustande befinden und an den hierf\u00fcr bestimmten Tagen und Stunden dem Publikum zug\u00e4nglich sind. Durchgreifende \u00c4nderungen in dem ganzen System der Aufstellung k\u00f6nnen nur nach vorher eingeholter Zustimmung des Kuratoriums vorgenommen werden.\n\u00a7 31.\nNeben den Handbibliotheken der einzelnen Institute, f\u00fcr welche den betreffenden Dozenten bestimmte Fonds zugewiesen sind, besteht die Zentralbibliothek der Hochschule, verbunden mit dem Lesezimmer. Die Anschaffungen f\u00fcr beide letztgenannte Institute erfolgen unter tunlichster Ber\u00fccksichtigung der W\u00fcnsche der Dozenten durch den Bibliothekar unter Zustimmung des Bibliotheks-Kurators. In streitigen F\u00e4llen entscheidet der Rektor der Hochschule. Die Verwaltung und Benutzung der Bibliothek und des Lesezimmers ist durch ein besonderes vom Minister genehmigtes Regulativ geregelt.","page":295},{"file":"p0296.txt","language":"de","ocr_de":"296\nAnhang.\nDie Wahl des Bibliotheks-Kurators erfolgt durch das engere Lehrerkollegium alle zwei Jahre nach der Neuwahl des Rektors, sobald diese die erforderliche Best\u00e4tigung erhalten hat, mit absoluter Mehrheit. Eine Wiederwahl ist zul\u00e4ssig.\nAuf Ihren Bericht vom 29. Dezember v. J. will Ich den anbei zur\u00fcckfolgenden \u201eSatzungen der K\u00f6niglichen landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin\u201c hierdurch Meine Best\u00e4tigung erteilen. \u2014\nBerlin, den 20. Januar 1897.\tgez. Wilhelm R.\nggez. v. Hammerstein.\nAn den Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\nSeine Majest\u00e4t der Kaiser und K\u00f6nig haben Allergn\u00e4digst geruht, den neu entworfenen Satzungen der landwirtschaftlichen Hochschule hierselbst in der aus beifolgender Ausfertigung ersichtlichen Fassung die Best\u00e4tigung zu erteilen.\nBerlin, 22. Januar 1897.\nDer Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten.\ngez. Freiherr von Hammerstein.\nII. Lehrpl\u00e4ne.\n1. Viersemestriger Lehrplan f\u00fcr die Studierenden der Landwirtschaft.\nI. Semester (Winter).\na) Vorlesungen.\nA. Landwirtschaft.\nAllgemeiner Acker- und Pflanzenbau, I. Teil (Bodenkunde und Entw\u00e4sserung des Bodens). 2 st\u00fcndig. \u2014 Allgemeine Tierzuchtlehre. 3 st\u00fcndig.\nB. Naturwissenschaften.\na)\tPhysik.\nExperimental-Physik, I. Teil (Mechanik und W\u00e4rme). 3 st\u00fcndig.\nb)\tChemie.\nAnorganische Experimental-Chemie. 4 st\u00fcndig.","page":296},{"file":"p0297.txt","language":"de","ocr_de":"II. Lehrpl\u00e4ne.\n297\nc)\tMineralogie und Gesteinskunde.\nDie bodenbildenden Mineralien und Gesteine. 2 st\u00fcndig.\nd)\tBotanik.\nAnatomie und Morphologie der Pflanzen. 3 st\u00fcndig.\ne)\tZoologie.\nZoologie und vergleichende Anatomie, mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Wirbeltiere. 4 st\u00fcndig.\nC. Rechts- und Staatswissenschaft.\nAgrarwesen, Agrarpolitik und Landeskulturgesetzgebung in Deutschland. 2 st\u00fcndig.\nD. Veterin\u00e4rkunde.\nAnatomie der Haustiere. 3 st\u00fcndig.\nb)\t\u00dcbungen.\nPraktische \u00dcbungen im Bestimmen von bodenbildenden Mineralien und Gesteinen. 2 st\u00fcndig. \u2014 Botanisch-mikroskopischer Kursus im Anschlug an die Vorlesung \u00fcber Pflanzenanatomie. 4 st\u00fcndig.\nII.\tSemester (Sommer).\na) Vorlesungen.\nA.\tLandwirtschaft.\nAllgemeiner Acker- und Pflanzenbau, II. Teil (Bew\u00e4sserung des Bodens einschl. Wiesenbau und D\u00fcngerlehre). 3 st\u00fcndig. \u2014 Pferdezucht. 2 st\u00fcndig. \u2014 Schweinezucht. 1 st\u00fcndig.\nB.\tNaturwissenschaften, a) Chemie.\nEinf\u00fchrung in die organische Experimentalchemie. 3 st\u00fcndig.\nb) Geologie.\nGrundz\u00fcge der Geologie. 2 st\u00fcndig.\nc)\tBotanik und Pflanzenphysiologie.\nExperimental-Physiologie der Pflanzen. 3 st\u00fcndig. \u2014 Systematische Botanik mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Nutz- und Zierpflanzen. 3 st\u00fcndig. \u2014 Gr\u00e4ser und Futterkr\u00e4uter, nebst \u00dcbungen im Bestimmen der Pflanzen. 1 st\u00fcndig.\nd)\tZoologie und Tierphysiologie.\nZoologie und Geschichte der Haustiere. 4 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcberblick der gesamten Tierphysiologie. 4 st\u00fcndig.\nC.\tStaatswissenschaft.\nNational\u00f6konomie. 4 st\u00fcndig.\nb) \u00dcbungen.\nChemische \u00dcbungen. 4 st\u00fcndig. \u2014 Praktikum f\u00fcr Pflanzenphysiologie und Pflanzenpathologie. 4 st\u00fcndig.\nIII.\tSemester (Winter).\na) Vorlesungen.\nA. Landwirtschaft.\nSpezieller Acker- und Pflanzenbau, I. Teil (Futterbau und Getreidebau). 2 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Betriebslehre. 4 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Buch-","page":297},{"file":"p0298.txt","language":"de","ocr_de":"298\nAnhang.\nf\u00fchrung. 1 st\u00fcndig. \u2014 Rindviehzucht. 3 st\u00fcndig. \u2014 Schafzucht und Wollkunde. 3 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche F\u00fctterungslehre. 3 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Maschinenkunde. 3 st\u00fcndig- \u2014 Anwendung der Elektrizit\u00e4t in der Landwirtschaft. 1 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Bakteriologie. 1 st\u00fcndig.\nWetterkunde. 1 st\u00fcndig. Samenkunde. 1 st\u00fcndig.\nB. Naturwissenschaften, a) Meteorologie.\nb) Botanik.\nC. Veterin\u00e4rkunde.\nGesundheitspflege der Haustiere. 1 st\u00fcndig. \u2014 Seuchen und parasitische Krankheiten der Haustiere. 2 st\u00fcndig.\nb) \u00dcbungen.\nLandwirtschaftliches Seminar (Pflanzenbau). 2 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcbungen zur Bodenkunde. 2 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcbungen in zootechnischen Untersuchungen (ganzt\u00e4gig, kleiner Kursus 3 Stunden).\nIV. Semester (Sommer).\na) Vorlesungen.\nA.\tLandwirtschaft.\nSpezieller Acker- und Pflanzenbau, II. Teil (Anbau der Wurzel- und Knollengew\u00e4chse, sowie der Handelsgew\u00e4chse). 2 st\u00fcndig. \u2014 Bonitierung des Bodens. 1 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Absch\u00e4tzungslehre. 2 st\u00fcndig. \u2014 Molkereiwesen. 3 st\u00fcndig. \u2014 Z\u00fcchtung der Kulturpflanzen. 1 st\u00fcndig.\nB.\tRechts- und Staatswissenschaft.\nReichs- und preu\u00dfisches Recht mit besonderer R\u00fccksicht auf die f\u00fcr den Landwirt, den Landmesser und Kulturtechniker wichtigen Rechtsverh\u00e4ltnisse. 2 st\u00fcndig.\nC.\tVeterin\u00e4rkunde.\nInnere Krankheiten der Haustiere (ausschlie\u00dflich Seuchen). 2 st\u00fcndig. \u00c4u\u00dfere Krankheiten der Haustiere. 1 st\u00fcndig. \u2014 Hufbeschlagslehre. 1 st\u00fcndig.\nb) \u00dcbungen.\nLandwirtschaftliches Seminar (Betriebslehre). 2 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliches Seminar (Tierzucht). 2 st\u00fcndig. \u2014 Tierphysiologisches Praktikum. 2 st\u00fcndig.\n2. Sechssemestriger Lehrplan\ninsbesondere f\u00fcr solche Studierende der Landwirtschaft, welche die Pr\u00fcfung f\u00fcr Landwirtschaftslehrer an Landwirtschaftsschulen\nabzulegen beabsichtigen.\nDie 4 ersten Semester stimmen mit denen des viersemestrigen Studienplanes \u00fcberein, nur tritt im vierten Semester noch der II. Teil der Experimentalphysik (Optik und Elektrizit\u00e4tslehre) hinzu.","page":298},{"file":"p0299.txt","language":"de","ocr_de":"II. Lehrpl\u00e4ne.\n299\nV.\tSemester (Winter).\na) Vorlesungen.\nA. Landwirtschaft.\nBodenkunde und Bonitierung. 3 st\u00fcndig. \u2014 Forstbenutzung. 2 st\u00fcndig. \u2014 Forstschutz. 2 st\u00fcndig. \u2014 Obstbau. 2 st\u00fcndig. \u2014 Technologie der landwirtschaftlichtechnischen Gewerbe, 1. Teil (Brennerei, Brauerei, St\u00e4rkefabrikation). 2 st\u00fcndig. \u2014 Verf\u00e4lschung der Nahrungs- und Futtermittel. 2 st\u00fcndig. \u2014 Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Moorkultur. 2 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Baulehre. 2 st\u00fcndig. \u2014 Neueres landwirtschaftliches Versuchswesen. 2 st\u00fcndig.\nB. Naturwissenschaften.\nZoologie und Tierphysiologie.\nPhysiologie des tierischen Stoffwechsels. 3 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcber die der Landwirtschaft n\u00fctzlichen und sch\u00e4dlichen wirbellosen Tiere, mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Bienenzucht und des Seidenbaues. 2 st\u00fcndig. \u2014 Fischzucht.\n1\tst\u00fcndig.\nBotanik.\nPflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 2 st\u00fcndig.\nb) \u00dcbungen.\nChemisches Praktikum. (Ganz- oder halbt\u00e4gig). \u2014 Staatswissenschaftliches Seminar.\n2\tst\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftlich-technische Gewerbe. 2 st\u00fcndig.\nVI.\tSemester (Sommer).\na) Vorlesungen.\nLandwirtschaft.\nMaschinen und bauliche Anlagen landwirtschaftlicher Nebengewerbe (Zuckerfabrikation, Brennerei, Brauerei etc.). 2 st\u00fcndig. \u2014 Feldmessen und Nivellieren.\n3\tst\u00fcndig. \u2014 Waldbau. 4 st\u00fcndig. \u2014 Gem\u00fcsebau. 2 st\u00fcndig. \u2014 Technologie der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe, II. Teil (Zuckerfabrikation). 2 st\u00fcndig. \u2014 Entwickelung der deutschen Landwirtschaft ,im 18. und 19. Jahrhundert. 1 st\u00fcndig. \u2014 Demonstrationen am Rinde. 1 st\u00fcndig.\nNaturwissenschaften.\nTheorie der G\u00e4rung. 1 st\u00fcndig. \u2014 Geologie mit Bezug auf die Aufsuchung, Beschaffenheit und Brauchbarkeit des Wassers. 1 st\u00fcndig. \u2014 Fischzucht. 1 st\u00fcndig.\nb) \u00dcbungen.\nArbeiten im agronomisch-pedologischen Laboratorium (ganzt\u00e4gig). \u2014 Zoologisches Repetitorium. 2 st\u00fcndig. \u2014 Praktische \u00dcbungen im Bestimmen von Bodenarten und Meliorationsmaterialien in Verbindung mit geologisch-agronomischen Aufnahmen im Felde. 2 st\u00fcndig. \u2014 Zootechnische \u00dcbungen im Laboratorium (ganzt\u00e4gig, kleiner Kursus 3 st\u00fcndig).","page":299},{"file":"p0300.txt","language":"de","ocr_de":"300\nAnhang.\nAusserdem werden f\u00fcr das Studium der Landwirtschaft folgende Vorlesungen und \u00dcbungen gehalten:\nWintersemester.\nA. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau.\nAbrig der landwirtschaftlichen Produktionslehre. 2 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcbungen zur Bodenkunde im mineralogisch-bodenkundlichen Laboratorium. 2- und 4 st\u00fcndig. \u2014 Kolloquium \u00fcber Bodenkunde. 1 st\u00fcndig. \u2014 Arbeiten im agronomisch-pedo-logischen Laboratorium im Untersuchen von Pflanzen, Boden und D\u00fcnger. \u2014 \u00dcbungen zur Einf\u00fchrung in die Methodik des landwirtschaftlichen Kontroll-wesens. Ganzt\u00e4gig. \u2014 Anleitung zur selbst\u00e4ndigen Bearbeitung von Fragen des Pflanzenbaues und der Bodenbakteriologie. \u2014 \u00dcbungen in der Beurteilung der Wolle. \u2014 \u00dcbungen in zootechnischen Untersuchungen, speziell der Milch und der Molkereiprodukte, ferner der Futtermittel, der Wolle, Z\u00fcchtung der in der Molkerei wichtigen Bakterien. Kleiner und groger Kursus. In letzterem Anleitung f\u00fcr Fortgeschrittene zu selbst\u00e4ndigen Untersuchungen. \u2014Vorlesungen \u00fcber koloniale Themata. \u2014 Landwirtschaftliche Maschinenkunde und deren Grundlagen. 1 st\u00fcndig. \u2014 Die Praxis des Betriebes der landwirtschaftlichen Maschinen. 2 st\u00fcndig. \u2014 Die in der Landwirtschaft verwendbaren Kraftmaschinen. 2 st\u00fcndig. \u2014 Zeichen\u00fcbungen. 1 st\u00fcndig. \u2014 Forsteinrichtung. 1 st\u00fcndig. \u2014 Allgemeiner Gartenbau. 1 st\u00fcndig. \u2014 Weinbau. 1 st\u00fcndig. \u2014 Landwirtschaftliche Baulehre. 2 st\u00fcndig.\nB. Naturwissenschaften,\na)\tMeteorologie.\nEinleitung in die Klimatologie mit R\u00fccksicht auf die Landwirtschaft. 1 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcber die jeweiligen Witterungsvorg\u00e4nge. 1 st\u00fcndig. \u2014 Meteorologische \u00dcbungen. 1 st\u00fcndig.\nb)\tChemie und Technologie.\nKleines chemisches Praktikum. \u2014 Groges chemisches Praktikum. \u2014 G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation. Arbeiten f\u00fcr Fortgeschrittene im Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe. \u2014 Analytische Chemie. 2 st\u00fcndig.\nc)\tBotanik und Pflanzenphysiologie.\nArbeiten f\u00fcr Fortgeschrittene im botanischen Institute. Ganzt\u00e4gig. \u2014 Praktikum f\u00fcr Entwickelungsgeschichte der Pflanzen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der feineren Untersuchungsmethoden. 4 st\u00fcndig. \u2014 Mikroskopische und physiologische \u00dcbungen. 2 st\u00fcndig. \u2014 Verf\u00e4lschung der Nahrungs- und Futtermittel mit Demonstrationen. 2st\u00fcndig- \u2014 Mikroskopische \u00dcbungen im Anschlug an vorstehende Vorlesung. 2 st\u00fcndig. \u2014 Anleitung zu eigenen botanischen Arbeiten im Museum der Hochschule. \u2014 Grundz\u00fcge der Bakterienkunde mit besonderer R\u00fccksicht auf die praktische Landwirtschaft. 1 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcbungen auf dem Gebiete der Bakterienkunde. 2st\u00fcndig. \u2014 Pflanzenphysiologisches Praktikum. \u2014 4 st\u00fcndig.\nd)\tZoologie und Tierphysiologie.\nDie jagdbaren S\u00e4ugetiere und V\u00f6gel Deutschlands. 1 st\u00fcndig. \u2014 Physiologie des tierischen Stoffwechsels. 3 st\u00fcndig. \u2014 Arbeiten im tierphysiologischen Laboratorium f\u00fcr Ge\u00fcbtere. \u2014 Der Stoffwechselversuch und seine Methoden (mit \u00dcbungen). 2 st\u00fcndig. \u2014 Physiologisches Colloquium. 1 st\u00fcndig.","page":300},{"file":"p0301.txt","language":"de","ocr_de":"II. Lehrpl\u00e4ne.\n301\nC. Staatswissenschaft.\nVorlesungen \u00fcber ausgew\u00e4hlte Abschnitte der National\u00f6konomie des Ackerbaues. \u2014 Die soziale Frage der Gegenwart. \u2014 Die Agrarfrage der Gegenwart. \u2014 Handels- und Kolonialpolitik.\nSommersemester.\nA.\tLandwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau.\n\u00dcbuugen zur Bodenkunde, 4st\u00fcndig. \u2014 Arbeiten im agronomisch-pedologischen Laboratorium im Untersuchen von Pflanzen, Boden und D\u00fcnger. Ganzt\u00e4tig. \u2014 Grundz\u00fcge der D\u00fcngerlehre. 2st\u00fcndig. \u2014 \u00dcbungen in der Anwendung einfacher Methoden zur Untersuchung landwirtschaflicher Gebrauchsstoffe, sowie Demonstrationen und \u00dcbungen in der Ausf\u00fchrung pflanzenz\u00fcchterischer Ma\u00dfnahmen. 2st\u00fcndig. \u2014 Anleitung zur selbst\u00e4ndigen Bearbeitung von Fragen aus dem Gebiete des Pflanzenbaues und der Bodenbakteriologie. \u2014 Vorlesungen \u00fcber koloniale Themata. \u2014 Landwirtschaftliche Maschinenkunde. 4st\u00fcndig. \u2014 Zeichen\u00fcbungen. 4st\u00fcndig. \u2014 F\u2019orstliche Betriebslehre.\nB.\tNaturwissenschaften,\na)\tMeteorologie.\nPraktische Witterungskunde. 2st\u00fcndig. \u2014 Meteorologische \u00dcbungen, lst\u00fcndig.\nb)\tPhysik.\nPhysikalische \u00dcbungen. 2st\u00fcndig.\nc)\tChemie und Technologie.\nRepetitorium der Chemie. 2st\u00fcndig. \u2014 Grundz\u00fcge der anorganischen Chemie. 2st\u00fcndig. \u2014 Arbeiten f\u00fcr Fortgeschrittene im Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation. \u2014 \u00dcber Schmecken und Riechen.\nd)\tMineralogie, Geologie und Bodenkunde.\nDie haupts\u00e4chlichsten Bodenarten mit Ber\u00fccksichtigung ihrer rationellsten Kultur. 2st\u00fcndig. \u2014 Demonstrationen im geologisch - bodenkundlichen Museum.\n1\tst\u00fcndig.\ne)\tBotanik und Pflanzenphysiologie.\nEntwickelungsgeschichte der Pflanzen. 4 st\u00fcndig. \u2014 Grundz\u00fcge der praktischen Bakterienkunde mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Botanik. 1 st\u00fcndig. \u2014 \u00dcbungen in der biologischen Wasseranalyse mit Ber\u00fccksichtigung der Hygiene.\n2\tst\u00fcndig. \u2014 Arbeiten f\u00fcr Fortgeschrittenere im botanischen Institute. \u2014 Anleitung zu eigenen botanischen Arbeiten im Museum der Hochschule. \u2014 Botanisch-mikroskopischer Anf\u00e4ngerkursus. 2 st\u00fcndig.\nf)\tZoologie und Tierphysiologie.\nArbeiten f\u00fcr Ge\u00fcbtere im tierphysiologischen Laboratorium. \u2014 Methoden der Stoffwechsel - Untersuchung mit praktischen \u00dcbungen im Laboratorium. 2 st\u00fcndig. \u2014 Die der Land- und Forstwirtschaft n\u00fctzlichen und sch\u00e4dlichen wirbellosen Tiere. 2 st\u00fcndig.\nGeburtskunde.\nFinanzwissenschaft.\nC.\tVeterin\u00e4rkunde.\nD. Staatswissenschaft. Genossenschaftswesen.\nLandwirtschaftliche, forstliche, geologische und bodenkundliche, botanische, zoologische und entomologische Exkursionen unter Leitung der betreffenden Fachdozenten.","page":301},{"file":"p0302.txt","language":"de","ocr_de":"302\nAnhang.\n3. Viersemestriger Lehrplan\nf\u00fcr die Studierenden der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik.\n\tW\u00f6chentliche Stundenzahl\t\t\n\tErstes 1 Zweites\tDrittes\tViertes\n\tSemester | Semester Semester Semester\t\t\nAlgebra \t\t2 j\t\t\nAnalysis und analytische Geometrie .\t.\t.\t2\t4\t2\t\nDarstellende Geometrie\t\t2\t\t\n\u00dcbungen zur darstellenden Geometrie .\t.\t1\t\t\nTrigonometrie\t\t2\t\t\nMathematische \u00dcbungen\t\t4\t3\t4\t2\nMechanik\t\t1\t\t\nDioptrik\t\t2\t\t\nHydraulik\t\t\t1\t\nWetterkunde\t\t1\t\t\nB. Geod\u00e4sie.\t\t\t\nPraktische Geometrie\t\t3\t3\t\t\nAusgleichungsrechnung\t\t\t3\t\n\u00dcbungen zur Ausgleichungsrechnung .\t.\t\t3\t\nTracieren\t\t2\t\t\nGrundz\u00fcge der Landesvermessung .\t.\t.\t\t\t2\n\u00dcbungen zur Landmegkunde \t\t\t\t3\nRechen\u00fcbungen \t\t2 2\t\t\nZeichen\u00fcbungen\t\t2 2\t\t\nMeg\u00fcbungen, w\u00f6chentlich einen Tag, ferner\t\t\t\ndiePfingstwoche hindurch und am Schl\u00fcsse\t\t\t\ndes Semesters, im ganzen 20 Tage .\t.\t1 Tag\t2\t1 Tag\t2\nSeminar\t \t\t\t\t2\nC. Kulturtechnik und Baukunde.\t\t\t\nKulturtechnik\t\t2 2\t\t\nEntwerfen von Ent- u. Bew\u00e4sserungsanlagen\tI\t2\t2\nKulturtechnisches Seminar\t\t\t\t2\nErdbau ...\t\t\t2\t\t\nBaumaterial und Baukonstruktionslehre\t2\t\t\nWege- und Br\u00fcckenbau \t\t2\t\t\nWasserbau\t\t\t1\t1\nEntwerfen von Anlagen des Wege-, Br\u00fccken-\t1\t\t\nund Wasserbaues\t\t\t2\t2\nD. Rechts- und Staatswissenschaft.\t\t\t\nReichs- und preugisches Recht mit R\u00fccksicht\t\t\t\nauf die f\u00fcr den Landmesser wichtigen\t\t\t\nRechtsverh\u00e4ltnisse\t\t\t2\t\nAgrarwesen und Agrarpolitik \t\t\t\t2\nE Landwirtschaft.\t\t\t\nAbrig der landwirtschaftl. Produktionslehre\t2\t2\t\n\u00dcber Gr\u00e4ser und Futterkr\u00e4uter ....\t\t1\t\nBodenkunde \t\t3\t\t2\n\u00dcbungen zur Bodenkunde \t\t\t\t\nBonitierung des Bodens\t\t\t1\t\nSumme :\t1 T. + 25 St.\t32 St.\t1 T. -f- 24St.\t22 St.\nF. Empfohlene Vorlesungen.\t\t\t\nGrundz\u00fcge der anorganischen Chemie . .\t2\t\t\nExperimentalphysik\t\t3\t3\t\t\nMoorkultur\t\t\t2\t\nNational\u00f6konomie\t\tJ\t4\t\nAuseinandersetzungswesen, einmal .\t.\t.\t2\t\t2","page":302},{"file":"p0303.txt","language":"de","ocr_de":"II. Lehrpl\u00e4ne.\n303\nDie letztgenannte Vorlesung voriger Seite betrifft das technische Verfahren bei Auseinandersetzungen und Rentengutsbildungen und wird nur jedes zweite Jahr im Wintersemester gehalten.\nG. Au\u00dferdem werden im Laufe von etwa vier Semestern noch folgende Vorlesungen \u00fcber Gegenst\u00e4nde der Geod\u00e4sie f\u00fcr Vorgeschrittene gehalten: Geographische Ortsbestimmung. \u2014 Theorie der Kartennetze. \u2014 Das deutsche\nVermessungswesen. \u2014 Geschichte der Me\u00dfkunde.\nF\u00fcr die Studierenden der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik besteht seit 1883 ein Studienplan, der auf vier Semester berechnet ist und im Laufe der Zeit nur geringf\u00fcgige \u00c4nderungen erfahren hat, weil er im wesentlichen sich an den Lehrstoff anschlie\u00dft, aus dem nach der Landmesserpr\u00fcfungsordnung vom 4 September 1882 gepr\u00fcft werden soll. Erst seit Ostern 1892 konnte der geod\u00e4tische Lehrstoff etwas erweitert und auf Gebiete ausgedehnt werden, die oben unter G. aufgef\u00fchrt und vorgeschrittenen Studierenden zur Erweiterung ihres Gesichtskreises von Wert sind.\nF\u00fcr diejenigen angehenden Landmesser, welche nicht in den Dienst der landwirtschaftlichen Verwaltung treten wollen, erscheint der kultur- und bautechnische Lehrstoff unseres Studienplanes vielleicht etwas umfangreich bemessen. Aber die Erfahrung lehrt, da\u00df er mit dem geod\u00e4tischen zugleich ganz wohl in vier Semestern bew\u00e4ltigt werden kann. Also schon um f\u00fcr alle Dienstzweige, zu denen Landmesser berufen sind, ger\u00fcstet zu sein, betreibt die \u00fcberwiegende Mehrzahl unserer Studierenden seither Kulturtechnik mit gleichem Eifer, wie Mathematik und Geod\u00e4sie. Es ist dies um so erfreulicher, als nach dem Urteil gewiegter Meliorationsbeamten die Entwicklung und Ausbreitung des Meliorationswesens auf dem Lande wesentlich davon abh\u00e4ngt, in welchem Ma\u00dfe der Landmesserstand sich f\u00fcr kulturtechnische Anlagen interessiert und ihnen gewachsen ist. Die landwirtschaftlichen Bed\u00fcrfnisse sowohl, als auch der Entwickelungsgang des Vermessungswesens scheinen dahin zu f\u00fchren, da\u00df k\u00fcnftig keine Vermessung mehr ohne kulturtechnische R\u00fccksichten vollzogen wird.\n4. Lehrplan\nf\u00fcr die Studierenden der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe.\nZum ausf\u00fchrlichen Studium der G\u00e4rungsgewerbe und St\u00e4rkefabrikation ist den Studierenden Gelegenheit gegeben, an den Unterrichtskursen des Vereins der Spiritus-Fabrikanten in Deutschland, des Vereins der St\u00e4rke-Interessenten in Deutschland, des Vereins \u201eVersuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin\u201c teilzunehmen.\nIn diesen Kursen werden folgende Vorlesungen und \u00dcbungen gehalten: Brennereibetriebslehre. \u2014 Brennereibetriebskontrolle. \u2014 Pre\u00dfhefefabrikation. \u2014 Melassebrennerei. \u2014 St\u00e4rkefabrikation. \u2014 Brauereibetriebslehre. \u2014 Brauereibetriebskontrolle. \u2014 Hopfenkunde. \u2014 Chemische \u00dcbungen. \u2014 Mikroskopische \u00dcbungen. \u2014 Ausgew\u00e4hlte Kapitel aus der Chemie und Physik. \u2014 Ausgew\u00e4hlte Kapitel aus der Botanik. \u2014 Ausgew\u00e4hlte Kapitel aus der Maschinenlehre, verbunden mit Zeichen\u00fcbungen. \u2014 Buchf\u00fchrung. \u2014 Gro\u00dfes Praktikum im chemischen Laboratorium. \u2014 Gro\u00dfes Praktikum im Hefenreinzucht-Laboratorium.\nDen Studierenden ist ferner Gelegenheit gegeben, an den Unterrichtskursen des Laboratoriums des Vereins der Deutschen Zucker-Industrie teilzunehmen, sofern dieselben bereits in chemischen Arbeiten ge\u00fcbt sind. Die Kurse schlie\u00dfen","page":303},{"file":"p0304.txt","language":"de","ocr_de":"304\nAnhang.\nauger den Arbeiten im Laboratorium folgende \u00dcbungen und Vorlesungen ein: Vorlesung \u00fcber die auf die Zuckerfabrikation bez\u00fcglichen analytischen Methoden, Vorlesung \u00fcber Gasanalyse, Kursus f\u00fcr mikroskopische Untersuchungen von Fabrikprodukten und Abw\u00e4ssern.\nDie Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei*)\nin Berlin ist dem Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe angegliedert und dieses geh\u00f6rt zur technischen Abteilung der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule.\nAlle Studierenden, welche ein volles Semester belegen, also die Teilnehmer am Winterkursus, am Sommersemester, endlich die ein ganzes Semester verweilenden Praktikanten werden an der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule als Studierende eingeschrieben, sofern sie den Satzungen dieser gen\u00fcgen.\nStudiengang f\u00fcr diejenigen, welche nach mindestens zweij\u00e4hriger Brauereipraxis sich eine umfassende technisch wissenschaftliche Bildung verschaffen wollen.\nF\u00fcr diesen Fall empfiehlt sich eine Studienzeit von 5\u20146 Semestern. Das Studium wird zweckm\u00e4\u00dfig im Oktober begonnen.\nIm ersten Jahre werden ausschlie\u00dflich Vorlesungen an der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule belegt zur Gewinnung der naturwissenschaftlichen Vorbildung. Die Haupt-Unterrichtsgegenst\u00e4nde sind Chemie, Physik, Botanik und die zugeh\u00f6rigen Laboratoriums\u00fcbungen.\nAls drittes Semester wird das Wintersemester (Winterkursus) der Versuchsund Lehranstalt f\u00fcr Brauerei, als viertes das Sommersemester (Kursus f\u00fcr Betriebskontrolleure) der Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei besucht.\nAn diese Kurse schlie\u00dfen sich die Schlu\u00dfsemester an zur Ausf\u00fchrung selbst\u00e4ndiger wissenschaftlicher Arbeiten im Laboratorium.\nJe nach der auszuw\u00e4hlenden Arbeit und je nach der gl\u00fccklichen Hand, welche sich bei ihrer Ausf\u00fchrung zeigt, wird sich ein f\u00fcnftes oder ein f\u00fcnftes und sechstes Semester ergeben.\nBei entsprechender Vorbildung und Fertigstellung einer selbst\u00e4ndigen wissenschaftlichen Arbeit kann die Erlangung des Doktor-Grades in Aussicht genommen werden.\nStudiengang f\u00fcr diejenigen, welche neben ausreichender Brauereipraxis bereits ausreichende Vorbildung in den Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, Physik, Botanik, besitzen.\nDas Studium wird im Oktober jedes Jahres begonnen. Es folgen aufeinander der Winterkursus, der Kursus f\u00fcr Betriebskontrolleure und die Ausf\u00fchrung selbst\u00e4ndiger wissenschaftlicher Arbeiten im Laboratorium.\nStudiengang f\u00fcr diejenigen, welche eine umfassendere praktische Erfahrung besitzen (etwa 6- bis 8j\u00e4hrige Praxis) und dabei in Vorderstellen gewesen sind.\nDer Unterricht beginnt im Oktober jedes Jahres. Es folgen aufeinander\n1.\tWinterkursus.\n2.\tKursus f\u00fcr Betriebskontrolleure.\nJe nach Neigung und Anlage k\u00f6nnen auch diese Studierenden bei Ausf\u00fchrung selbst\u00e4ndiger Arbeiten zu einem dritten und vierten Semester zugelassen werden.\n*} Spezielle Programme sind von der Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin N. 65 Seestrage Nr. 4 zu beziehen.","page":304},{"file":"p0305.txt","language":"de","ocr_de":"II. Lehrpl\u00e4ne.\n305\nDer Besuch des Winterkursus.\nDer Winterkursus gibt an sich eine abgeschlossene Bildung. Er enth\u00e4lt die notwendigen Repetitorien f\u00fcr Chemie und Physik. Sein Besuch ist allen denjenigen zu empfehlen, welche \u00fcber eine fertige, ausgedehnte praktische Erfahrung verf\u00fcgen und ihre sp\u00e4tere Bet\u00e4tigung in der Praxis als Braumeister oder technische Direktoren suchen.\nDer Winterkursus gibt die Grundlage zur richtigen Beurteilung und Kenntnis aller Vorg\u00e4nge im Brauwesen.\nEr reicht aber nicht aus f\u00fcr Erlernung der feineren wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden, welche heutzutage bei der Benutzung eines Brauereilaboratoriums und f\u00fcr die Arbeiten von Betriebskontrolleuren verlangt werden.\nDie Hauptzahl der Studierenden beschr\u00e4nkt sich auf den Besuch dieses Kursus, und die Erfahrung hat gelehrt, dag er eine ausreichende Grundlage f\u00fcr eine t\u00fcchtige Fachbildung gibt.\nAm Schl\u00fcsse des Kursus wird ein Examen abgehalten und ein Zeugnis \u00fcber den Besuch und die Leistungen erteilt.\nJe nach den Erfolgen und je nach den W\u00fcnschen, wie sie sich bei der Besch\u00e4ftigung mit der Wissenschaft ergeben, wird sich am Schl\u00fcsse des Winterkursus der einzelne Studierende zu entscheiden haben, ob er es f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig h\u00e4lt, an den Winterkursus noch den Besuch des Sommersemesters, welches f\u00fcr Betriebskontrolleure eingerichtet ist, anzuschliegen.\nF\u00fcr den Besuch des Winterkursus ist auch eine gewisse Vorbildung in den Naturwissenschaften erw\u00fcnscht; aber es kann von dem Nachweis dieser abgesehen werden, wenn der Studierende \u00fcber eine l\u00e4ngere, wom\u00f6glich selbst\u00e4ndige Aus\u00fcbung seines Berufes oder wenigstens in Vorderstellen verf\u00fcgt.\nIn jedem Falle ist aber eine gute Schulbildung notwendig. Falls diese nicht vorliegt, empfiehlt es sich, in der dem Kursus vorangehenden Zeit durch Privatunterricht nachzuhelfen.\nDas wachsende Bed\u00fcrfnis des Brauereigewerbes an technisch durchgebildeten Betriebsleitern, insbesondere aber auch an Personen, welche selbst\u00e4ndig Analysen auszuf\u00fchren verm\u00f6gen, hat dazu gef\u00fchrt, dag das urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Studierenden des Brauereigewerbes auf ein Semester berechnete Studium f\u00fcr die sich zahlreich meldenden Studierenden mit guter Schulbildung (mindestens Berechtigung zum einj\u00e4hrigen Dienst) zuletzt auf vier Semester erweitert worden ist. Es wird damit namentlich bezweckt, die naturwissenschaftliche Ausbildung der Studierenden auf eine h\u00f6here Stufe zu heben. Der erfolgreiche Abschlug des gesamten Studiums soll sodann im f\u00fcnften Semester durch Ablegung einer Fach- und wissenschaftlichen Pr\u00fcfung nachgewiesen werden. Beim Bestehen dieser Pr\u00fcfung erh\u00e4lt der Kandidat das Diplom als \u201eBrauerei-Ingenieur\u201c. Die Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure siehe weiter unten.\nIII. Pr\u00fcfungen.\nEs finden an der Landwirtschaftlichen Hochschule folgende Pr\u00fcfungen statt:\n1.\tf\u00fcr Landwirte,\n2.\tf\u00fcr Lehrer der Landwirtschaft an den Landwirtschaftsschulen,\nFestschrift d. lanchv. Hochschule.\n20","page":305},{"file":"p0306.txt","language":"de","ocr_de":"306\nAnhang.\n3.\tf\u00fcr Tierzuchtinspektoren,\n4.\tf\u00fcr Landmesser,\n5.\tf\u00fcr Brauerei-Ingenieure.\n1. Landwirtschaftliche Abgangs-Pr\u00fcfung.\n\u00a7 1. Die Abgangs-Pr\u00fcfungen f\u00fcr die ordentlichen H\u00f6rer der Landwirtschaft finden in der Regel gegen Schlug jeden Semesters statt. Auf besonderen Beschlug der Pr\u00fcfungskommission k\u00f6nnen ausnahmsweise augerordentliche H\u00f6rer zugelassen werden. Die Pr\u00fcfung erfolgt durch eine Pr\u00fcfungskommission unter dem Vorsitze des Rektors. Mitglieder der Pr\u00fcfungskommission sind die Dozenten, welche die F\u00e4cher vortragen, in welchen gepr\u00fcft wird. Sind fiir ein solches Fach mehrere Dozenten vorhanden, so wechseln die betreffenden Dozenten miteinander von Jahr zu Jahr ab.\n\u00a7 2. Die Zulassung zur Pr\u00fcfung soll in der Regel an die Absolvierung von vier Semestern gekn\u00fcpft sein. Hierbei wird dem Examinanden das Studium an einer anderen landwirtschaftlichen Hochschule oder Akademie, sowie an einem landwirtschaftlichen Universit\u00e4ts-Institut voll, das Studium an einer Universit\u00e4t oder technischen Hochschule, soweit es sich auf Staats- oder Naturwissenschaften erstreckte, nach dem Ermessen der Examinatoren bis zu zwei Semestern angerechnet.\n\u00a7 3. Wer zur Pr\u00fcfung zugelassen werden will, mug sich hierzu sp\u00e4testens acht Wochen vor dem gesetzlichen Schlug des Semesters bei dem Vorsitzenden der Pr\u00fcfungskommission schriftlich anmelden.*) Dem Kandidaten steht es frei, statt am Ende des Semesters, die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung am Anf\u00e4nge des n\u00e4chsten Semesters abzulegen. Auch kann mit Genehmigung der Pr\u00fcfungskommission die Pr\u00fcfung derartig geteilt werden, dag der schriftliche Teil und eventl. auch ein Teil der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung am Ende des einen Semesters und der Rest der Pr\u00fcfung am Anf\u00e4nge des n\u00e4chsten Semesters stattfindet.\n\u00a7 4. Die Pr\u00fcfung zerf\u00e4llt in eine schriftliche und in eine m\u00fcndliche.\nZu der schriftlichen Pr\u00fcfung werden dem Examinanden zwei Aufgaben gestellt, von denen die eine aus dem Gebiete der Landwirtschaftslehre, die andere aus dem Gebiete eines der \u00fcbrigen Pr\u00fcfungsf\u00e4cher (\u00a7 5) zu entnehmen ist. Der Examinand darf sich die nicht-landwirtschaftliche Disziplin, aus welcher er das Thema zu der zweiten schriftlichen Arbeit gestellt zu haben w\u00fcnscht, selbst ausw\u00e4hlen. F\u00fcr die Ausarbeitung beider Aufgaben werden zusammen acht Wochen Frist gew\u00e4hrt. Die Pr\u00fcfungsarbeit, welche geheftet oder eingebunden abzugeben ist, mug die Angabe der Literatur sowie die eidesstattliche Versicherung des Kandidaten, dag er die Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt hat, enthalten. Die schriftlichen Pr\u00fcfungsarbeiten verbleiben der Hochschule undwerden den Kandidaten prinzipiell nicht mehr ausgeh\u00e4ndigt.\n\u00a7 5. Die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung erfolgt nach Ablieferung und Beurteilung der schriftlichen Arbeiten, jedoch nicht innerhalb der gesetzlichen Ferien.\nGegenst\u00e4nde der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung sind:\n1. Landwirtschaftslehre und zwar: a) Pflanzenbau, b) Tierzucht, c) Betriebslehre. \u2014 2. Volkswirtschaftslehre. \u2014 3. Physik. \u2014 4. Chemie. \u2014 5. Zoologie und Tierphysiologie. \u2014 6. Botanik und Pflanzenphysiologie. \u2014 7. Mineralogie und Geologie.\n*) F\u00fcr diejenigen Kandidaten, welche die Pr\u00fcfung am Ende des Semesters abzulegen w\u00fcnschen, ist es zweckm\u00e4\u00dfig, die schriftliche Anmeldung im Wintersemester bis 1. Dezember, im Sommersemester bis 1. Mai einzureichen.","page":306},{"file":"p0307.txt","language":"de","ocr_de":"III. Pr\u00fcfungen.\n307\nDem Examinanden bleibt es \u00fcberlassen, sich auch noch in anderen, hier nicht genannten, aber an der Hochschule vorgetragenen F\u00e4chern einer Pr\u00fcfung zu unterwerfen.\n\u00a7 6. Der Ausfall sowohl der schriftlichen, wie der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung wird durch Beschlu\u00df der Pr\u00fcfungskommission f\u00fcr die einzelnen Pr\u00fcfungsf\u00e4cher gesondert festgestellt, und es sind dabei die Pr\u00e4dikate:\n1.\tSehr gut. 2. Gut. 3. Befriedigend. 4. Gen\u00fcgend. 5. Ungen\u00fcgend anzuwenden\nDie drei Teile der Landwirtschaftslehre sind als drei gesonderte Pr\u00fcfungsf\u00e4cher zu behandeln. Eine Gesamtzensur \u00fcber den Ausfall des Examens wird in der Regel durch Mittelbildung aus den in den einzelnen Pr\u00fcfungsf\u00e4chern erteilten Zensuren abgeleitet, unter der Voraussetzung gleicher Abst\u00e4nde zwischen den oben genannten f\u00fcnf Pr\u00e4dikaten. Dabei sind die drei landwirtschaftlichen F\u00e4cher doppelt in Rechnung zu ziehen, und ebenso dasjenige Fach, aus welchem die zweite Pr\u00fcfungsarbeit genommen war. Ausnahmsweise kann die Pr\u00fcfungs-Kommission auch die Erteilung einer anderen Gesamtzensur auf Antrag eines Examinators durch Stimmenmehrheit beschlie\u00dfen. In diesem Falle ist eine kurze Begr\u00fcndung der Gesamtzensur in das Protokoll aufzunehmen.\n\u00dcber das Resultat der Pr\u00fcfung sowohl im ganzen, wie in den einzelnen F\u00e4chern wird dem Examinanden ein von dem Vorsitzenden der Pr\u00fcfungskommission im Namen der letzteren zu unterzeichnendes Zeugnis ausgestellt.\nDie Pr\u00fcfung gilt als nicht bestanden und demgem\u00e4\u00df wird ein Pr\u00fcfungszeugnis nicht erteilt, falls der Examinand in einem landwirtschaftlichen Fach oder drei anderen F\u00e4chern das Pr\u00e4dikat \u201eungen\u00fcgend\u201c erh\u00e4lt.\nWer in beiden schriftlichen Arbeiten das Pr\u00e4dikat \u201eungen\u00fcgend\u201c erhalten hat, wird von der weiteren Pr\u00fcfung ausgeschlossen.\n\u00a7 7. Vor Eintritt in die Pr\u00fcfung hat der Examinand \u201edrei\u00dfig Mark\u201c an Pr\u00fcfungsgeb\u00fchren zu erlegen.\n\u00a7 8. Ein Kandidat, der die Pr\u00fcfung nicht bestanden hat oder w\u00e4hrend derselben davon ausgeschlossen (\u00a7 6, Abs. 5) oder freiwillig zur\u00fcckgetreten ist, kann nach einem halben Jahre zu einer Wiederholungspr\u00fcfung zugelassen werden, hat aber dann die Pr\u00fcfungsgeb\u00fchren (\u00a7 7) noch einmal zu entrichten.\n2.\tF\u00fcr die Ausbildung und das Examen der Landwirtschaftslehrer an den Landwirtschaftsschulen gelten folgende Vorschriften:\nIn Zukunft sollen nur solche Lehrer der Landwirtschaft an den nach Ma\u00dfgabe des Normallehrplans organisierten Landwirtschaftsschulen definitive Anstellung erlangen k\u00f6nnen, welche:\n1.\tdas Abiturientenexamen eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule bestanden haben;\n2.\tein dreij\u00e4hriges landwirtschaftliches Studium an h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten oder Universit\u00e4ten zur\u00fcckgelegt und die Pr\u00fcfung f\u00fcr das Lehramt der Landwirtschaft bestanden haben;\n3.\tzwei Jahre praktisch landwirtschaftlich besch\u00e4ftigt gewesen sind;\n4.\tein Probejahr als Lehrer an einer Landwirtschaftsschule mit g\u00fcnstigem Erfolge abgehalten haben.\nZu Nr. 2 wird bemerkt, da\u00df das Studium an einer Universit\u00e4t oder technischen Hochschule, soweit es sich auf Natur- oder Staatswissenschaften erstreckte, nach dem Ermessen der Pr\u00fcfungskommission bis zu zwei Semestern angerechnet werden darf.\n20*","page":307},{"file":"p0308.txt","language":"de","ocr_de":"308\nAnhang.\nDie Pr\u00fcfung f\u00fcr das Lehramt der Landwirtschaft kann an jeder h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalt, sowohl an den selbst\u00e4ndigen landwirtschaftlichen Akademien, wie an den landwirtschaftlichen Universit\u00e4tsinstituten abgelegt werden. Sie findet in den Formen der an diesen Anstalten \u00fcblichen Abgangspr\u00fcfungen statt, und der Kandidat hat bei seiner Meldung zum Examen ausdr\u00fccklich anzugeben, dag er die Pr\u00fcfung zum Zwecke der Erlangung der Qualifikation zum Landwirtschaftslehrer zu machen w\u00fcnscht.\nDer Vorsitzende und die Mitglieder der f\u00fcr jede h\u00f6here landwirtschaftliche Lehranstalt zu errichtenden Pr\u00fcfungskommission werden von dem Minister, dessen Ressort die betreffende Anstalt angeh\u00f6rt, ernannt.\nDie Pr\u00fcfung selbst besteht aus einer schriftlichen und einer m\u00fcndlichen. Die schriftliche Pr\u00fcfung mug die Bearbeitung eines Themas aus dem Gebiete der Landwirtschaft und eines Themas aus dem Gebiete der Naturwissenschaft bezw. Staatswissenschaft umfassen.\nDer Examinand hat das Recht, aus den unten f\u00fcr die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung genannten naturwissenschaftlichen und staatswissenschaftlichen F\u00e4chern dasjenige zu bezeichnen, aus welchem ihm das zweite Thema zu bestimmen ist. F\u00fcr jede schriftliche Arbeit ist eine Zeit von mindestens sechs Wochen zu gew\u00e4hren.\nDie m\u00fcndliche Pr\u00fcfung mug sich erstrecken \u00fcber das ganze Gebiet der Landwirtschaft und \u00fcber Physik, Chemie, Botanik mit besonderer R\u00fccksicht auf Pflanzenphysiologie, Zoologie uud Tierphysiologie, Mineralogie und Geologie, Grundz\u00fcge der National\u00f6konomie und des Landwirtschaftsrechts.\nAuf Antrag des Examinanden ist die Pr\u00fcfungskommission, wenn n\u00f6tig unter Zuziehung weiterer Kommissionsmitglieder, befugt, die Pr\u00fcfung auf solche Lehrf\u00e4cher der Anstalt auszudehnen, welche unter den Pr\u00fcfungsgegenst\u00e4nden nicht genannt sind. Durch das Ergebnis der Pr\u00fcfung in solchen wahlfreien F\u00e4chern darf jedoch das Gesamturteil nicht beeinflugt werden.\nIn der Regel sind derartige Zusatzpr\u00fcfungen in unmittelbarem Anschlug an das Examen f\u00fcr die Lehrer der Landwirtschaft an den Landwirtschaftsschulen abzulegen.\nDie Pr\u00e4dikate f\u00fcr die schriftlichen Arbeiten, wie f\u00fcr den Ausfall der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung werden durch Abstimmung in der Pr\u00fcfungskommission festgestellt, nachdem der zun\u00e4chst beteiligte Examinator sein Votum zuerst abgegeben hat. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende. Auch das dem Bef\u00e4higungsatteste beizuf\u00fcgende Gesamtpr\u00e4dikat wird durch Abstimmung in der Pr\u00fcfungskommission festgestellt.\nNeben den Pr\u00e4dikaten \u00fcber den Ausfall der Pr\u00fcfung in den einzelnen F\u00e4chern mug das dem Examinanden auszustellende Zeugnis die ausdr\u00fcckliche Erkl\u00e4rung enthalten, dag der Betreffende von dem die Pr\u00fcfung vornehmenden Kollegium f\u00fcr bef\u00e4higt zum Lehrer der Landwirtschaft an einer Landwirtschaftsschule gehalten wird.\nDiesem Bef\u00e4higungsattest kann ein Gesamtpr\u00e4dikat in den Ausdr\u00fccken \u201egen\u00fcgend\u201c, \u201egut\u201c, \u201esehr gut\u201c beigef\u00fcgt sein. Das Bef\u00e4higungsattest darf nicht erteilt werden, wenn der Examinand in einer der drei Hauptabteilungen der Landwirtschaftslehre, in landwirtschaftlicher Betriebslehre oder Pflanzenbau oder Tierzucht, oder in dreien der \u00fcbrigen F\u00e4cher ungen\u00fcgende Kenntnisse gezeigt hat. Mangelhafte Kenntnisse in je einem der, auger der Landwirtschaftslehre, oben genannten F\u00e4cher, wenn der Examinand wenigstens eine allgemeine Bekanntschaft mit den Hauptlehren der betreffenden Disziplin nachgewiesen hat, k\u00f6nnen durch besonders t\u00fcchtige Kenntnisse in je einem anderen dieser F\u00e4cher kompensiert werden. Bei den drei Abteilungen der Landwirtschaftslehre findet jedoch eine","page":308},{"file":"p0309.txt","language":"de","ocr_de":"III. Pr\u00fcflingen.\n309\nsolche Kompensation nicht statt. Im \u00fcbrigen ist das Urteil des Examinatoren-Kollegiums \u00fcber die Bef\u00e4higung des Examinanden zum Landwirtschaftslehrer ein v\u00f6llig freies; als Minimum des in den einzelnen Disziplinen zu Verlangenden ist die vollst\u00e4ndig sichere Beherrschung des betreffenden Lehrpensums der Landwirtschaftsschule anzunehmen.\nKann dem Examinanden bei sonst gen\u00fcgenden Leistungen in der Mehrzahl der F\u00e4cher, wegen ungen\u00fcgender Kenntnisse in einzelnen F\u00e4chern das Bef\u00e4higungsattest nicht erteilt werden, so kann ihm von dem das Examen abhaltenden Kollegium ein bei demselben Kollegium abzuhaltendes Nachexamen in den betreffenden F\u00e4chern zur Erlangung des Qualifikationsattestes gestattet werden. Dieses Nachexamen darf nicht fr\u00fcher als sechs Monate nach dem ersten Examen stattfinden.\nIst der Ausfall der Pr\u00fcfung ein so ungen\u00fcgender gewesen, dag der Examinand als \u00fcberhaupt nicht bestanden erkl\u00e4rt werden mug, so mug die Pr\u00fcfung vollst\u00e4ndig wiederholt werden; diese Wiederholung darf fr\u00fchestens nach Jahresfrist eintreten\nDas Bef\u00e4higungsattest zum Lehrer der Landwirtschaft gibt nur die Berechtigung zum Unterricht in der Landwirtschaft selbst, nicht auch zum Unterricht in den \u00fcbrigen Lehrgegenst\u00e4nden an den Landwirtschaftsschulen.\nAuf Dozenten der Landwirtschaft an den h\u00f6heren landwirtschaftlichen Lehranstalten finden diese Vorschriften keine Anwendung.\nAusnahmen von diesen Bestimmungen k\u00f6nnen nur mit Bewilligung der beiden beteiligten Herren Minister \u2014 f\u00fcr die geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten bezw. f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten \u2014 eintreten.\nAugerpreugische Pr\u00fcfungsaspiranten haben durch Vermittelung derjenigen Pr\u00fcfungskommission, vor welcher sie die Pr\u00fcfung abzulegen w\u00fcnschen, die Genehmigung des der Kommission Vorgesetzten Ministers nachzusuchen. In den Schlug der betreffenden Zeugnisse ist die Erkl\u00e4rung aufzunehmen, dag der Kandidat durch dasselbe Aussicht auf eine diesseitige Anstellung nicht er worben habe.\nF\u00fcr die Pr\u00fcfung ist eine Geb\u00fchr von 50 Mark zu entrichten. Dieselbe ist beim Empfang der Aufgaben zu den schriftlichen Pr\u00fcfungen an die von dem Vorsitzenden der betreffenden Pr\u00fcfungskommission zu bezeichnende Kasse einzuzahlen und bleibt verfallen, auch wenn die Pr\u00fcfung aufgegeben oder nicht bestanden wird.\n3. Die Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr die Tierzuchtinspektoren lautet:\nDie Pr\u00fcfung f\u00fcr Tierzuchtinspektoren wird in Berlin an der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule daselbst abgehalten. Die Pr\u00fcfungskommission besteht aus den vom Herrn Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten zu Examinatoren ernannten Dozenten der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule und der K\u00f6niglichen Tier\u00e4rztlichen Hochschule unter Vorsitz des Rektors der Landwirtschaftlichen Hochschule, bezw. in dessen Verhinderung des Vorstehers der Landwirtschaftlichen Abteilung dieser Hochschule.\nZur Pr\u00fcfung werden nur solche Kandidaten zugelassen, welche an deutschen Hochschulen die landwirtschaftliche Abgangspr\u00fcfung, die Pr\u00fcfung f\u00fcr Lehrer der Landwirtschaft an Landwirtscliaftsschulen, oder die tier\u00e4rztliche Approbationspr\u00fcfung bestanden haben. F\u00fcr Landwirte ist augerdem der Nachweis einer vierj\u00e4hrigen praktischen Besch\u00e4ftigung in der Landwirtschaft notwendig.\nDie Pr\u00fcfung ist nur eine m\u00fcndliche. Pr\u00fcfungsf\u00e4cher sind: 1. Geburtskunde. 2. Seuchenlehre und Seuchengesetzgebung. 3. Gesundheitspflege der Haustiere.\nFestschrift d. landw. Hochschule,\t21","page":309},{"file":"p0310.txt","language":"de","ocr_de":"310\nAnhang.\n4. Anatomie der Haustiere. 5. Physiologie der Haustiere. 6. Allgemeine Tierzuchtlehre (Z\u00fcchtungslehre, Beurteilungslehre, Zuchtbuchf\u00fchrung, Z\u00fcchtereivereinigungswesen). 7. Die Lehre von der F\u00fctterung und Aufzucht der Tiere. 8. Spezielle Pferdezucht. 9. Spezielle Rindviehzucht. 10. Spezielle Schweinezucht. 11. Spezielle Schafzucht. 12. Volkswirtschaftliche Aufgaben und Betriebslehre der Tierzucht. 13. Mineralogische Grundlagen der Bodenkunde. 14. Lehre a) von dem Pflanzenbau, b) von den dauernden Grasanlagen.\nDiejenigen Kandidaten, welche die tier\u00e4rztliche Approbationspr\u00fcfung bestanden haben, sind von der Pr\u00fcfung in den unter Nr. 1\u20144 aufgef\u00fchrten, die Kandidaten, welche die Landwirtschaftliche Abgangspr\u00fcfung oder die Pr\u00fcfung als Lehrer der Landwirtschaft an Landwirtschaftsschulen bestanden haben, von der Pr\u00fcfung in den unter Nr. 13 und 14a aufgef\u00fchrten F\u00e4chern entbunden.\nJe nach dem Ausf\u00e4lle der Pr\u00fcfung werden f\u00fcr jedes einzelne Fach die Zensuren \u201esehr gut\u201c, \u201egut\u201c, \u201ebefriedigend\u201c, \u201egen\u00fcgend\u201c, \u201eungen\u00fcgend\u201c erteilt. Aus den Einzel-Zensuren kann in denselben Ausdr\u00fccken eine Gesamt-Zensur derart abgeleitet werden, dag die oben unter Nr. 6 \u201412 aufgef\u00fchrten Pr\u00fcfungsf\u00e4cher doppelt, die \u00fcbrigen einfach bewertet werden. In besonderen F\u00e4hen ist die Pr\u00fcfungs-Kommission berechtigt, diese berechnete Gesamt-Zensur um eine Stehe nach oben oder unten, d. h. besser oder schlechter, abzu\u00e4ndern.\nIm Fall des Bestehens der Pr\u00fcfung erh\u00e4lt der Kandidat ein Zeugnis, das mit folgendem Satze eingeleitet wird: Herr N. N. hat durch eine Pr\u00fcfung den Nachweis gef\u00fchrt, dag er mit den f\u00fcr den Beruf eines Tierzuchtinspektors erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen entsprechend nachfolgenden P \u00e4dikaten vertraut ist:\n(Folgen die Zensuren).\nDie Pr\u00fcfung gilt als nicht bestanden und mug vollst\u00e4ndig wiederholt werden, wenn der Kandidat in einem Hauptfache (Nr. 6\u201412) oder in mehr als zwei der \u00fcbrigen F\u00e4cher die Zensur \u201eungen\u00fcgend\u201c erh\u00e4lt. Wenn der Kandidat dagegen in den Hauptf\u00e4chern die Zensur \u201egen\u00fcgend\u201c und in den \u00fcbrigen F\u00e4chern nicht mehr als zwei ungen\u00fcgende Zensuren erh\u00e4lt, so hat er die Pr\u00fcfung in den mit \u201eungen\u00fcgend\u201c zensierten F\u00e4chern nachzuholen.\nZur Wiederholung der Pr\u00fcfung nur in einem Fache darf der Kandidat nicht vor drei Monaten, zur Wiederholung der Pr\u00fcfung in zwei F\u00e4chern sowie der ganzen Pr\u00fcfung nicht vor sechs Monaten zugelassen werden.\nW\u00e4hrend der Hochschulferien werden Pr\u00fcfungen nicht abgehalten.\nJeder Kandidat hat bei der Meldung zur Pr\u00fcfung eine Pr\u00fcfungsgeb\u00fchr von 50 M. an die Kasse der Landwirtschaftlichen Hochschule zu entrichten. Diese Geb\u00fchr ist auch verfallen, wenn der Kandidat die Pr\u00fcfung nicht besteht. Die Wiederholungspr\u00fcfung in nur einzelnen F\u00e4chern ist geb\u00fchrenfrei.\n4. Die Vorschriften \u00fcber die Pr\u00fcfung der \u00f6ffentlich anzustellenden Landmesser vom 4. September 1882 finden sich abgedruckt im Ministerialblatt f\u00fcr die innere Verwaltung 1882, S. 202.*)\nAusl\u00e4nder k\u00f6nnen nur, wenn sie die n\u00f6tige Vorbildung nachweisen und ein gen\u00fcgendes Mag praktischer T\u00e4tigkeit durchgemacht haben, mit besonderer Genehmigung der \u00dcberpr\u00fcfungs-Kommission zur Landmesserpr\u00fcfung in Geod\u00e4sie und Kulturtechnik zugelassen werden.\n*) Siehe auch: \u201eAusbildung und Pr\u00fcfung der preug. Landmesser und Kulturtechniker 3. Aufl. nebst Nachtrag, Heidin, Paul Parey\u201c.","page":310},{"file":"p0311.txt","language":"de","ocr_de":"III. Pr\u00fcfungen.\n311\nOrdentliche, unter Umst\u00e4nden auch au\u00dferordentliche Zuh\u00f6rer der Landwirtschaft, welche eine Pr\u00fcfung im Fache der Kulturtechnik und der Rechtskunde abzulegen w\u00fcnschen, finden dazu in der landwirtschaftlichen Abgangspr\u00fcfung Gelegenheit. (S. \u00a7 5, letzter Absatz der Landw. Abgangspr\u00fcfung, S. 307.)\n5. Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr Brauerei-Ingenieure.\n\u00a7 1. Mitglieder der Pr\u00fcfungskommission sind:\n1.\tvon der Landwirtschaftlichen Hochschule die Dozenten f\u00fcr Chemie, Physik, Botanik;\n2.\tvon dem Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe der Vorsteher und die Dozenten f\u00fcr Brauereibetriebslehre, sowie die Leiter praktischer und schriftlicher Pr\u00fcfungsarbeiten.\nVorsitzender der Kommission ist der Rektor der Landwirtschaftlichen Hochschule, sein Stellvertreter der Vorsteher des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe.\n\u00a7 2. Die Zulassung zur Pr\u00fcfung ist bedingt durch den Nachweis mindestens\n1.\teiner zweij\u00e4hrigen praktischen T\u00e4tigkeit im Brauereigewerbe;\n2.\teines viersemestrigen Hochschulbesuches; das letzte Semester mu\u00df der Bewerber als ordentlicher H\u00f6rer der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin angeh\u00f6rt haben.\nDer Besuch nachstehender Vorlesungen und \u00dcbungen mu\u00df nachgewiesen werden: 1. Chemie, anorganische und organische nebst \u00dcbungen, 2. Physik nebst \u00dcbungen, 3. Botanik nebst \u00dcbungen, 4. Volkswirtschaftslehre, 5. Wintersemester der Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin mit Abschlu\u00dfexamen, 6. Sommersemester der Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei in Berlin mit Abschlu\u00dfexamen.\nAu\u00dferordentliche H\u00f6rer der Landwirtschaftlichen Hochschule k\u00f6nnen mit Genehmigung des Herrn Ministers f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten ausnahmsweise zugelassen werden, wenn sie das Abschlu\u00dfexamen des Winter- und Sommersemesters der Versuchs- und Lehranstalt f\u00fcr Brauerei mit \u201esehr gut\u201c bestanden haben. In jedem einzelnen Falle ist jedoch ein vorheriger Beschlu\u00df der Pr\u00fcfungskommission erforderlich.\nIm \u00fcbrigen entscheidet die Kommission nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 5 selbst\u00e4ndig \u00fcber die Zulassung in denjenigen F\u00e4llen, in welchen die Vorbildung des Bewerbers von der vorgeschriebenen abweicht.\n\u00a7 3. Die Meldung zum Examen hat am Ende des vierten Semesters \u2014 im Sommersemester bis 1. August, im Wintersemester bis 1. M\u00e4rz \u2014 beim Vorsitzenden der Pr\u00fcfungskommission schriftlich zu erfolgen.\nW\u00e4hrend des Semesters ist die praktische und schriftliche Pr\u00fcfung zu erledigen, die m\u00fcndliche findet gegen Schlu\u00df des Semesters statt.\n\u00a7 4. Die Pr\u00fcfung zerf\u00e4llt in eine praktische, eine schriftliche und eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung; Pr\u00fcfungsgegenst\u00e4nde sind f\u00fcr die praktische und schriftliche Pr\u00fcfung: 1. G\u00e4rungschemie, 2. G\u00e4rungsphysiologie, 3. Brauereimaschinenkunde.\nEine Aufgabe aus einem dieser drei Gebiete nach Wahl des Bewerbers ist experimentell zu bearbeiten, aus den beiden anderen Gebieten erh\u00e4lt der Bewerber je ein schriftlich zu bearbeitendes Thema.\nZur Erledigung dieser drei Aufgaben hat der Examinand zw\u00f6lf Wochen Zeit; bei der Einlieferung des Berichtes \u00fcber die experimentellen Ergebnisse und der beiden schriftlichen Arbeiten hat der Einlieferer die eidesstattliche Erkl\u00e4rung abzugeben, da\u00df die Arbeiten von ihm selbst\u00e4ndig ohne fremde Beihilfe gefertigt sind.\n21*","page":311},{"file":"p0312.txt","language":"de","ocr_de":"312\nAnhan\nGegenst\u00e4nde der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung sind Chemie, Physik, Botanik, Brauereibetriebslehre, Technologie der G\u00e4rungsgewerbe.\n\u00a7 5. \u00dcber jedes einzelne Pr\u00fcfungsfach wird von dem betreffenden Examinator eine Einzelzensur vorgeschlagen, die durch Mehrheitsbeschlug der Pr\u00fcfungskommission Ab\u00e4nderungen erfahren kann. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden der Kommission.\nAn den Abstimmungen \u00fcber die Ab\u00e4nderung der Einzelzensuren, sowie \u00fcber die Zulassung in den im letzten Absatz von \u00a7 2 erw\u00e4hnten F\u00e4llen d\u00fcrfen auger dem Vorsitzenden der Pr\u00fcfungskommission nicht mehr als drei Examinatoren vom Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe teilnehmen. Diese werden vor Beginn der Pr\u00fcfung durch den Vorsitzenden ausgelost.\nAls Zensuren gelten:\n1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = befriedigend, 4 = - gen\u00fcgend, 5 : ungen\u00fcgend.\nDie Gesamtzensur wird durch Mittelbildung aus den Einzelzensuren festgestellt. Br\u00fcche bis 1/a werden nach unten, \u00fcber 1 /._, nach oben abgerundet.\n\u00dcber das Ergebnis der Pr\u00fcfung sowohl im ganzen, wie in den einzelnen F\u00e4chern wird dem Examinanden ein vom Rektor der Landwirtschaftlichen Hochschule und von dem Vorsteher des Instituts f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe unterschriebenes \u201eDiplom als Brauerei-Ingenieur\u201c\nausgestellt.\n\u00a7 6. Die Pr\u00fcfung gilt als nicht bestanden, wenn das Pr\u00e4dikat in einem Gegenstand der praktischen oder schriftlichen Pr\u00fcfung ungen\u00fcgend ist; eine ungen\u00fcgende Einzelzensur in der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung kann, vorausgesetzt, dag diese Zensur nicht in Brauereibetriebslehre erteilt worden ist, durch das Pr\u00e4dikat \u201esehr gut\u201c in einem anderen m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungsfach ausgeglichen werden.\n\u00a7 7. Ein Kandidat, der die Pr\u00fcfung nicht bestanden hat oder w\u00e4hrend der Pr\u00fcfung zur\u00fcckgetreten ist, kann die Pr\u00fcfung fr\u00fchestens im folgenden Semester wiederholen, hat aber dann die Pr\u00fcfungsgeb\u00fchren nochmals zu entrichten.\nZweimaliges Nichtbestehen der Pr\u00fcfung schliegt von einer Wiederholung aus.\n\u00a7 8. Die Pr\u00fcfungsgeb\u00fchren betragen 30 Mark und sind bei der Hochschulkasse einzuzahlen. Eine R\u00fcckzahlung erfolgt nur dann, wenn die Meldung vor Eintritt in die Pr\u00fcfung zur\u00fcckgezogen wird. F\u00fcr Ausf\u00fchrung der experimentellen Pr\u00fcfungsarbeit ist das Praktikanten-Laboratorium im Institut f\u00fcr G\u00e4rungsgewerbe zu belegen.\nIV. Bestimmungen, betreffend die Stellung von Preisaufgaben und die Erteilung von Preisen.\nZur Belebung des Fleiges wird den Studierenden der K\u00f6niglichen Landwirtschaftlichen Hochschule j\u00e4hrlich Gelegenheit gegeben, den Fortschritt ihrer Kenntnisse und den Umfang geordneten Wissens in der Bearbeitung von Preisaufgaben darzulegen.\nZu diesem Zweck werden beim Schlug eines jeden Sommersemesters f\u00fcnf Preisaufgaben gestellt, n\u00e4mlich\n1.\teine landwirtschaftliche,\n2.\tzwei aus den begr\u00fcndenden Wissenschaften,","page":312},{"file":"p0313.txt","language":"de","ocr_de":"IV. Bestimmungen, betr. die Stellung von Preisaufgaben und die Erteilung von Preisen. 313\n3.\teine geod\u00e4tische oder kulturtechnische,\n4.\teine aus den landwirtschaftlich-technischen Wissenschaften.\nDie Vorschl\u00e4ge zu den Aufgaben sind von den Mitgliedern des engeren Lehrerkollegiums, aus deren F\u00e4chern jene entnommen werden, bezw. von dem Dozenten der Kulturtechnik schriftlich einzureichen, und zwar von jedem wenigstens zwei Vorschl\u00e4ge. Diese werden alsdann in einer gegen Ende des Sommersemesters anzuberaumenden Sitzung des engeren Lehrerkollegiums unter eventueller Zuziehung des Dozenten der Kulturtechnik beraten Die einzelnen F\u00e4cher der begr\u00fcndenden Wissenschaften (s. o.) sollen regelm\u00e4\u00dfig abwechseln. Die Annahme der zu stellenden Aufgaben erfolgt durch Mehrheitsbeschlu\u00df.\nZur Bewerbung um die ausgesetzten Preise sind die als ordentliche H\u00f6rer immatrikulierten Studierenden der Landwirtschaftlichen Hochschule berechtigt. Die Bewerber haben ihre Arbeiten sp\u00e4testens am 1. April des auf das Jahr der Bekanntmachung folgenden Jahres versiegelt unter der Adresse des Rektors der Hochschule in dem Sekretariat derselben abzugeben.*) Der Arbeit ist ein versiegelter Zettel beizulegen, welcher innen den Namen des Verfassers enth\u00e4lt, au\u00dfen aber mit demselben Motto versehen ist, welches sich unter dem Titel der Arbeit selbst befinden mu\u00df.\nDer Rektor l\u00e4\u00dft hierauf die Arbeiten zun\u00e4chst bei den Mitgliedern des engeren Lehrerkollegiums, in deren Fach der Gegenstand einschl\u00e4gt, bezw. bei dem Dozenten f\u00fcr Kulturtechnik umlaufen; diese haben ihr Gutachten bis zum 15. Mai schriftlich abzugeben. Hierauf erhalten auch die \u00fcbrigen Mitglieder des engeren Lehrerkollegiums die Preisschriften zur Beurteilung.\nMit Ber\u00fccksichtigung aller schriftlichen Urteile werden dann in einer sp\u00e4testens auf den 1. Juni einzuberufenden Versammlung der Mitglieder des engeren Lehrerkollegiums, event, unter Zuziehung des Dozenten der Kulturtechnik, die in Geldsummen von je 150 Mark bestehenden Preise zuerkannt. Die Entscheidung hat mit absoluter Stimmenmehrheit zu erfolgen. Arbeiten, denen zwar ein Preis nicht zuerkannt werden konnte, welche jedoch neben geschickter Behandlung des Themas anerkennenswerten Flei\u00df bekunden, k\u00f6nnen durch eine \u201eehrenvolle Erw\u00e4hnung\u201c belohnt werden.\nDie Verfasser der mit Preisen oder ehrenvollen Erw\u00e4hnungen ausgezeichneten Arbeiten werden durch Offnen der betreffenden Zettel ermittelt, worauf die Verk\u00fcndigung des Ergebnisses der Bewerbung und die Namhaftmachung der Sieger durch den Rektor der Hochschule stattfindet.\nDie uner\u00f6ffneten Zettel werden nebst den zugeh\u00f6rigen Arbeiten denjenigen, welche sich dazu legitimieren, vom Sekretariat zur\u00fcckgegeben, w\u00e4hrend die Originale der preisgekr\u00f6nten Arbeiten bei den Akten der Hochschule aufgehoben werden.\nEine preisgekr\u00f6nte Arbeit kann, falls der Verfasser sich der landwirtschaftlichen Abgangs-Pr\u00fcfung an der Hochschule zu unterwerfen beabsichtigt, mit Genehmigung der Pr\u00fcfungskommission an die Stelle der sonst in dem betreffenden Fache vorgeschriebenen schriftlichen Pr\u00fcfung treten.\nF\u00fcr das Landwirtschaftslehrer-Examen d\u00fcrfen Preisarbeiten in der Regel nur dann angerechnet werden, wenn sie mit einem ersten Preise bedacht worden sind. Zur Anrechnung ist au\u00dferdem die Genehmigung der Herren Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten, sowie der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten erforderlich.\n*) Bei diesen Preisarbeiten ist seitens der Bewerber 1. ein vollst\u00e4ndiges Verzeichnis der benutzten Literatur anzugeben und 2. jede einzelne Benutzung durch Fugnoten, augerdem jedes w\u00f6rtliche Zitat durch Anf\u00fchrungsstriche zu kennzeichnen. Neben den Hauptwerken der Fachliteratur ist auch die neue Zeitschriften-Literatur zu beachten.","page":313},{"file":"p0314.txt","language":"de","ocr_de":"314\nAnhang.\nV. Reisestipendium.\nVom Herrn Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Dom\u00e4nen und Forsten ist ein j\u00e4hrliches Reisestipendium von 1500 M. ausgesetzt, welches demjenigen Studierenden der Landwirtschaft an der hiesigen Hochschule verliehen werden soll, welcher dem Herrn Minister seitens des Lehrerkollegiums als der W\u00fcrdigste in Vorschlag gebracht wird.\nBei Beurteilung der W\u00fcrdigkeit des Bewerbers wird neben der Begabtheit des Betreffenden vor allem sein ganzes Verhalten w\u00e4hrend der Studienzeit, ferner die Absolvierung eines gen\u00fcgend langen, geordneten Studienganges und der Nachweis des guten Erfolges der Studien durch das Bestehen der Abgangspr\u00fcfung bzw. der Landwirtschaftslehrerpr\u00fcfung ins Auge gefa\u00dft werden.\nDas Stipendium wird von dem Herrn Minister mit einem speziellen Auftr\u00e4ge zum Besuch einer bestimmten Gegend, vorzugsweise des Auslandes, und zum Studium eines bestimmten Zweiges der Landwirtschaft verbunden. Der Stipendiat mu\u00df sich verpflichten, einen ausf\u00fchrlichen Reisebericht zu erstatten.\nGeeignete Bewerber haben ihr Gesuch um Verleihung des Stipendiums schriftlich unter Beif\u00fcgung ihres Schulzeugnisses, der Testierb\u00fccher und eventl. des Abgangszeugnisses, sowie des Pr\u00fcfungszeugnisses \u00fcber das landwirtschaftliche Examen bis zum 15. Mai jeden Jahres an das Rektorat einzureichen.\nVI. Studien - Honorare und sonstige Zahlungen.\nAn Gesamt-Honorar ist von ordentlichen und au\u00dferordentlichen\nH\u00f6rern zu entrichten f\u00fcr ein Semester......................\nAn Spezial-Honorar ist zu zahlen von den Hospitanten f\u00fcr die w\u00f6chentliche Stunde der von ihnen belegten Kollegien f\u00fcr ein\nSemester...................................................\nF\u00fcr die Teilnahme an den \u00dcbungen in den Laboratorien haben zu entrichten:\nGro\u00dfes chemisches Praktikum:\nOrdentliche\tund\tau\u00dferordentliche\tH\u00f6rer,\tsowie\tStu-\ndierende der Universit\u00e4t (letztere ausschlie\u00dflich des Universit\u00e4ts-Honorars) und der Tier\u00e4rztl Hochschule\nSonstige Hospitanten.................................\nKleines chemisches Praktikum:\nOrdentliche\tund\tau\u00dferordentliche\tH\u00f6rer,\tsowie\tStu-\ndierende der Universit\u00e4t (letztere ausschlie\u00dflich des Universit\u00e4ts-Honorars) und der Tier\u00e4rztl. Hochschule\nSonstige Hospitanten.................................\nPraktikum im agronomisch-pedologischen Laboratorium:\nOrdentliche\tund\tau\u00dferordentliche\tH\u00f6rer,\tsowie\tStu-\ndierende der Universit\u00e4t (letztere ausschlie\u00dflich des Universit\u00e4ts-Honorars) und der Tier\u00e4rztl. Hochschule\nSonstige Hospitanten.................................\nF\u00fcr ein Studienzeugnis........................................\n(Hospitanten au\u00dferdem noch 1,50 M. Stempelgeb\u00fchren). F\u00fcr ein Duplikat des Anmeldebuches............................\n120,\u2014 M.\n5,-\n20,\u2014\n60,\u2014\n10,-\n20,\u2014\n10,- \u201e 20,- \u201e 3,- \u201e\n1,50 \u201e","page":314},{"file":"p0315.txt","language":"de","ocr_de":"VII. Ausschu\u00df der Studierenden.\n315\nF\u00fcr ein Duplikat der Legitimationskarte......................... 3,\u2014 M.\nBeitrag zum Studentenfonds (einschlie\u00dflich 2,50 M. Beitrag zur Krankenkasse) von den ordentlichen und au\u00dferordentlichen\nH\u00f6rern f\u00fcr das Semester...................................... 4,50 \u201e\nVon den Hospitanten.................................... 2,\u2014 \u201e\nDas Unterrichtshonorar ist beim Beginn des Semesters zu entrichten. Neben dem Unterrichtshonorar wird von den ordentlichen und au\u00dferordentlichen H\u00f6rern bei ihrer Aufnahme eine Einschreibegeb\u00fchr von 10 M. erhoben. Gesuche um Honorarstundung m\u00fcssen von den Eltern resp. Vorm\u00fcndern der Studierenden gestellt werden. Stundung darf f\u00fcr das Wintersemester nur bis 15. Dezember, f\u00fcr das Sommersemester nur bis 15. Juni gew\u00e4hrt werden. Hospitanten wird keine Stundung gew\u00e4hrt.\nF\u00fcr die Vorlesungen an der Universit\u00e4t, der Technischen Hochschule und der Berg-Akademie haben die Studierenden der Landwirtschaftlichen Hochschule nur das betreffende Kollegien-Honorar zu zahlen und sind von der Erlegung einer besonderen Einschreibe- und Immatrikulationsgeb\u00fchr befreit. F\u00fcr die Vorlesungen an der Tier\u00e4rztlichen Hochschule haben dieselben weder Kollegien-Honorar noch Einschreibegeb\u00fchr zu entrichten.\nMittellosen, dem preu\u00dfischen Staate angeh\u00f6renden Studierenden kann, sofern sie durch Verhalten und Fortschritte sich auszeichnen, das Honorar erlassen werden.\nUber den Termin zur Einbringung von Gesuchen um Honorarerla\u00df bzw. Gew\u00e4hrung von Stipendien werden jedes Semester am schwarzen Brett Bekanntmachungen erlassen. Das den Gesuchen beizuf\u00fcgende, von der heimatlichen Ortsbeh\u00f6rde auszustellende Bed\u00fcrftigkeits-Zeugnis mu\u00df nach einem am schwarzen Brett der Hochschule angehefteten Schema ausgestellt sein. Sp\u00e4ter eingehende oder direkt an den LIerrn Minister gerichtete Gesuche haben auf Ber\u00fccksichtigung nicht zu rechnen.\nGrunds\u00e4tzlich werden Studierenden im ersten Semester weder Honorarerla\u00df noch Stipendien gew\u00e4hrt.\nBei Gew\u00e4hrung von Honorar-Erla\u00df erfolgt die volle resp. teilweise Zur\u00fcckzahlung der eingezahlten Honorare durch die Kasse der Hochschule.\nVII. Ausschu\u00df der Studierenden.\nZur Vertretung der Studierenden der landwirtschaftlichen Hochschule, namentlich bei akademischen und patriotischen Feierlichkeiten, besteht ein Ausschu\u00df von 7 Mitgliedern \u2014 3 Studierenden der Landwirtschaft, 3 der Geod\u00e4sie und Kulturtechnik, 1 der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe \u2014, welcher f\u00fcr jedes Semester zu Beginn desselben neu gew\u00e4hlt wird.\nStimmberechtigt sind nur alle ordentlichen und au\u00dferordentlichen H\u00f6rer der landwirtschaftlichen Hochschule, zu Ausschu\u00dfmitgliedern w\u00e4hlbar nur Angeh\u00f6rige des Deutschen Reichs.\nN\u00e4heres besagen die Statuten des Ausschusses.\nBerichtigungen.\nSeite 5 Zeile 8 von oben lies statt Prag 1742: Leipzig 1742. Seite 20 Zeile 12 von unten f\u00fcge hinter Saare hinzu: 1903. Seite 21 Zeile 27 von oben lies statt Westseite: Ostseite.","page":315},{"file":"z0001.txt","language":"de","ocr_de":"Berlin, Druck von W. B\u00fcxenstein.","page":0}],"identifier":"lit24821","issued":"1906","language":"de","pages":"1-316","startpages":"1","title":"Die K\u00f6nigliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25j\u00e4hrigen Bestehens","type":"Book"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T12:32:52.224958+00:00"}
