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{"created":"2022-01-31T15:07:30.327158+00:00","id":"lit30049","links":{},"metadata":{"alternative":"Zeitschrift f\u00fcr Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane","contributors":[{"name":"Stern, W.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Zeitschrift f\u00fcr Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane 11: 311-315","fulltext":[{"file":"p0311.txt","language":"de","ocr_de":"Utter aturbericht.\n311\ner\u00f6rtert. Der Technik \u2014 vielleicht auch der physiologisch-psychologischen (Bef.) \u2014 k\u00f6nnen sie dadurch von Nutzen sein, dafs sie eine Handhabe bieten, den Isochronismus zweier Gangwerke mit Bequemlichkeit und Genauigkeit zu kontrollieren, bezw., wenn die Geschwindigkeit des einen bekannt ist, die des anderen zu bestimmen.\nBeide T\u00e4uschungen sind im Prinzip \u00fcbrigens wohl bekannt; die zweite ist oft beschrieben, der Grundgedanke der ersten findet Anwendung beim HELMHOLTZschen Vibrationsmikroskop, bei physikalischer Beobachtung von Pl\u00fcssigkeitsstrahlen oder -tropfen u. s. w. Neu ist daran der Gedanke, dafs man Beleuchtungseffekt und Bewegungseffekt von derselben Kraftquelle ausgehen lassen kann und daher ohne weiteres die Konstanz des Eindruckes zu erreichen vermag, die sonst nur durch langwieriges Ausprobieren zu erzielen und schwer aufrecht zu erhalten war. \u2014 Erw\u00e4hnt sei noch folgendes, vom Verfasser beschriebenes und erkl\u00e4rtes Ph\u00e4nomen: Hat eine rotierende Sektorenscheibe eine so grofse Geschwindigkeit, dafs sich bei konstanter Beleuchtung die Sektoren bereits verschmelzen, so zeigt sie bei intermittierender Beleuchtung (falls die Intermittenzzahl sich nicht mit der Periodizit\u00e4t des Sektorenwechsels deckt) deutlich ein langsames Vorw\u00e4rts- oder B\u00fcckw\u00e4rts-schreiten der Sektoren.\tW. Stern (Berlin).\nErnst Meumann. Untersuchungen zur Psychologie und \u00c4sthetik des Rhythmus. Habilitationsschrift (Leipzig). Erster Teil. Theoretische Grundlegung. \u2014 Philos. Stud. X. S. 249\u2014322 u. S. 393\u2014430. 1894.\nDie obige Arbeit ist vorl\u00e4ufig noch ein Fragment, aber dennoch zu bedeutsam, als dafs mit einer Berichterstattung bis zum endg\u00fcltigen Abschlufs gewartet werden durfte. Freilich wird durch den fragmentarischen Charakter die Aufgabe des Beferenten einigermafsen erschwert; denn der bisherige Teil enth\u00e4lt so manche Verweisungen und Vorweg-nahmen, \u00fcber deren Tragweite sich vor Kenntnis des Ganzen oftmals schwer urteilen l\u00e4fst. Hiermit mag zugleich angedeutet sein, was mir \u00fcberhaupt als eine Unvollkommenheit an dem vorliegenden Abschnitt der Arbeit erscheint: die Anlage, f\u00fcr die allerdings zum Teil \u00e4ufsere Gr\u00fcnde mafsgebend gewesen sein m\u00f6gen. In dem noch zu erwartenden Hauptteil will M. \u201edie Entscheidung einiger prinzipieller Fragen mittelst experimenteller Untersuchung\u201c bringen; dagegen ist die Absicht der uns hier besch\u00e4ftigenden \u201etheoretischen Grundlegung\u201c, \u201e1. die verschiedenen Thatsachengebiete, in denen wir die rhythmischen Erscheinungen finden, gegeneinander abzugrenzen, ihre Eigent\u00fcmlichkeiten wenigstens durch eine Aufsuchung der den rhythmischen Eindruck konstituierenden Elemente zu bestimmen; 2. die Aufgabe der psychologischen Forschung gegen\u00fcber den Thatsachen des Bhythmus zu bezeichnen und bestimmte Fragestellungen f\u00fcr die experimentelle Untersuchung zu gewinnen.\u201c Hierzu versucht er, \u201ezuerst in einem \u00dcberblick \u00fcber die rhythmische Litteratur das Fazit der bisherigen theoretischen Forschung zu ziehen\u201c.\nDen so formulierten Aufgaben wird Verfasser durchaus gerecht, aber in einer dem Verst\u00e4ndnis nicht ganz f\u00f6rderlichen Weise, indem in der \u00e4ufseren Anordnung der litterarische Gesichtspunkt zu stark \u00fcber-","page":311},{"file":"p0312.txt","language":"de","ocr_de":"312\nLitteraturbericht.\nwiegt. Drei von den vier Kapiteln der Arbeit tragen \u00dcberschriften, die sich auf historisch-litterarische Nachweise zu beziehen scheinen. In Wirklichkeit enthalten sie viel mehr: teilweise lange zusammenh\u00e4ngende Er\u00f6rterungen rein psychologischer Natur (so behandelt Kapitel II, das sich betitelt \u201eBeitr\u00e4ge von seiten der Musiktheoretiker\u201c, ausf\u00fchrlich die Analyse des einfachen Schallrhythmus und des musikalischen Rhythmus); zum anderen Teile finden sich eingestreut eine Menge selbst\u00e4ndiger und neuer Gedanken, die in ihrer Bedeutung weit \u00fcber eine Kritik der betreffenden Autoren hinausgehen, aber durch dies sporadische Auftreten ihren Zusammenhang mit den leitenden Ideen der Arbeit mehr erraten als erkennen lassen.\nIch habe der Besprechung dieser Aufserlichkeiten einen etwas breiten Spielraum gew\u00e4hrt, weil, wie ich hoffe, hier noch Abh\u00fclfe m\u00f6glich ist; handelt es sich ja nicht um eine definitiv abgeschlossene Arbeit, und zudem um eine Arbeit, der es zu w\u00fcnschen ist, dafs sie nicht auf Grund formaler M\u00e4ngel in ihrem Werte verkannt und untersch\u00e4tzt w\u00fcrde.\nDenn ich stehe nicht an, es auszusprechen, dafs die MsuMANNSche Abhandlung schon in dem, was uns vorliegt, mit zu dem Besten z\u00e4hlt, was in der letzten Zeit auf dem Gebiete psychologischer Selbstbeobachtung, Analyse und Kritik geleistet worden ist. Vor allem zeigt M. die Einsicht, die mir stets als charakteristisches Merkmal des berufenen psychologischen Analytikers erschienen ist: ein komplexes Ph\u00e4nomen bedarf zu seinem Verst\u00e4ndnis der Ber\u00fccksichtigung einer Mehrheit von Faktoren; w\u00e4hrend der psychologische Laie gar schnell zur Hand ist mit dem Bestreben, ein einzelnes Teilmoment zum allein seligmachenden Erkl\u00e4rungsprinzip zu erheben. Das Letztere geht recht drastisch aus den meisten der von M. kritisierten bisherigen Rhythmustheorien hervor; jener will die Betonung, dieser die zeitliche Begrenzung, ein dritter den Einflufs des periodischen Atem- oder Pulsvorganges, ein vierter zuf\u00e4llig rhythmisierte Bewegungen zum alleinigen konstituierenden Faktor der Rhythmuswahrnehmung machen. M. aber weifs mit Scharfsinn den Anteil von Zeitperzeption und Betonung, von physiologischen Begleitvorg\u00e4ngen, von sensorischen, motorischen, zentralen Prozessen gegeneinander abzugrenzen ; und er beachtet die Modifikationen, die der Rhythmuseindruk jeweilig durch die Besonderheiten des zu rhythmisierenden Stoffes erh\u00e4lt.\nDoch wenden wir uns nun zum Einzelnen.\nDas erste Kapitel bringt eine kritische Er\u00f6rterung der Versuche zur Ausbildung einer allgemeinen Theorie des Rhythmus. \u2014 Die entwickelungsgeschichtlichen Betrachtungsweisen stellen sich als d\u00fcrftig und oberfl\u00e4chlich heraus, die teleologischen als h\u00f6chstens von heuristischem Werte, die rein \u00e4sthetischen als \u201ewortreiche Beschreibungen rein symbolischer Art.\u201c Insbesondere wird hier und anderw\u00e4rts die Analogisierung von Architektur und Musik, von Symmetrie und Rhythmus gegeifselt. Die physiologischen Erkl\u00e4rungsversuche sind, meist von Nichtfachm\u00e4nnern herr\u00fchrend, \u00fcberhaupt nicht diskutabel; eine Ausnahme bildet Mach, dessen Theorien jedoch auch Ablehnung erfahren. Prinzipiell spricht sich Meumann dahin aus, dafs man \u00fcberhaupt aus physiologischen Vorg\u00e4ngen rhythmischer Art das Wesentliche ues","page":312},{"file":"p0313.txt","language":"de","ocr_de":"Litteraturbericht.\n313\nRhythmuseindruckes abzuleiten nicht hoffen d\u00fcrfe, denn derselbe sei in der Hauptsache ein intellektueller Prozefs, f\u00fcr den Atmungs- und \u00e4hnliche Vorg\u00e4nge h\u00f6chstens den Charakter von mehr oder minder einflufs-reichen Begleiterscheinungen tr\u00fcgen. M. macht bei dieser Gelegenheit auf einen interessanten hypothetischen Zusammenhang aufmerksam; die innige Verkn\u00fcpfung von rhythmischen Geh\u00f6rseindr\u00fccken mit dem Zwang zu rhythmischen Bewegungen mag vielleicht darin ihre physiologischanatomische Grundlage haben, dafs sich im Ohre sowohl das tonperzi-pierende, wie auch ein bewegungsregulierendes Organ (Bogeng\u00e4nge) befinde. \u2014 Der letzte Paragraph des ersten Kapitels behandelt die bisherigen psychologischen Theorien. Diejenigen Herbarts, Lotzes, Zimm^ermanns erweisen sich als unzureichend, doch finden sich bei ersterem mehrere wertvolle Einzelbeobachtungen. Die Theorie Wundts, die zu der des Verfassers wichtige Grundgedanken abgegeben hat, findet ausf\u00fchrlichere Er\u00f6rterung.\nZu Beginn des zweiten Kapitels l\u00e4fst M. diejenigen Theorien Revue passieren, die von speziell musiktheoretischem Standpunkt \u00fcber den Rhythmus aufgestellt sind. Die Ausbeute ist gering. Die Musiktheoretiker, fast durchweg psychologischen Betrachtungen abgeneigt, ergehen sich entweder in Begriffsspielereien, wie Hauptmann, oder bevorzugen einseitig den metrischen Gesichtspunkt, wie Lobe. Nur bei H. Riemann findet sich ein tieferes Eindringen in das Problem.\nDie zweite H\u00e4lfte des zweiten Kapitels und das dritte ist der eigentlich psychologischen Analyse des Rhythmuseindruckes gewidmet. M. bespricht dreierlei Rhythmizomena, d. h. der Rhythmik sierung zug\u00e4ngliche Stoffe: einfache succedierende Schalleindr\u00fccke, die musikalische Tonfolge, die versifizierte Sprache. Von einem anderen Gesichtspunkte aus macht er die sehr wichtige Unterscheidung, ob der Rhythmus lediglich perzipiert (geh\u00f6rt) oder aber selbst erzeugt (geklopft, gespielt, gesprochen) wird, denn in der That sind die psychischen Ph\u00e4nomene in beiden F\u00e4llen durchaus nicht identisch. Es fehlt die Erw\u00e4hnung der willk\u00fcrlich erzeugten Bewegungsempfindungen als eines selbst\u00e4ndigen Rhythmizomenon, als welches sie z. B. beim Tanzen (das selbst ohne Musikbegleitung und wohl auch von Taubstummen durchaus rhythmisch empfunden wird), beim Marschieren und anderw\u00e4rts auftreten.\nBeim H\u00f6ren succedierender Schalleindr\u00fccke sind folgende zwei Beobachtungen bemerkenswert: Bei gleicher Intensit\u00e4t und gleichem zeitlichen Abstand der einzelnen Sch\u00e4lle entsteht ein Zwang zur subjektiven Rhythmisierung; bei ungleichen Zeitintervallen kann die Zeitordnung stellvertretend f\u00fcr die Betonung eintreten. Die rein subjektive Rhythmisierung \u2014 als die einfachste experimentell herzustellende Rhythmuserscheinung von besonderer Wichtigkeit \u2014 zeigt der Selbstbeobachtung folgende Elemente: scheinbaren Betonungswechsel, periodische Wiederholung desselben, Gruppierung oder innerliche Zusammenfassung, zeitliche Zusammendr\u00e4ngung der zu einer Gruppe geh\u00f6rigen Eindr\u00fccke. M. hebt mit Recht die Bedeutung der rem zentralen Einleitung dieses Eindruckes hervor und weist als auf eine m\u00f6g-","page":313},{"file":"p0314.txt","language":"de","ocr_de":"314\nLit teraturberich U\nliehe Ursache desselben auf die ungleiche Energieverteilung der Aufmerksamkeit hin.\nDer eigentlich musikalische Rhythmus (zun\u00e4chst vom Standpunkte des H\u00f6renden aus befrachtet) unterscheidet sich von dem oben beschriebenen durch Eigenschaften, die in Besonderheiten des Rhythmi-zomenon ihren Grund haben. Hierdurch ist bedingt: eine besondere Gruppierung nach Motiven (Phrasierung), das Hervortreten einzelner T\u00f6ne als Kulminations-, Ausgangs-, Abschlufspunkte, der mannigfache Wechsel der Dauer, die Pausen, die Abstufung der Betonung; durch die Arbeit der Auffassung, durch Vergleichen, durch Assoziationen wird der intellektuelle Inhalt reicher. Wieder treten Beziehungen zwischen Betonungs- und Zeitverh\u00e4ltnissen hervor (so ist ein accelerando fast stets mit einem crescendo verbunden etc.). Die verschiedenen, bei Zeitsinnversuchen gefundenen Erscheinungen, T\u00e4uschungen etc. werden daraufhin zu untersuchen sein, welche spezielle Form sie f\u00fcr die Rhythmusperzeption annehmen. M. schliefst diesen Abschnitt mit einem Hinweis darauf, welche kolossalen Leistungen die Musik unserer unmittelbaren Zeitsch\u00e4tzung zumutet. (Nicht geringer sind \u00fcbrigens die Anforderungen, die die Musik an das Zeitged\u00e4chtnis stellt, da wir im st\u00e4nde sein sollen, ein Musikst\u00fcck jedesmal wieder in dem gleichen Tempo wiederzugeben. Ref.)\nEs folgt die Betrachtung des musikalischen Rhythmus vom Standpunkte des Spielenden. Hier zeigt sich als ein wesentliches H\u00fclfsmittel f\u00fcr den aus\u00fcbenden Musiker bald die rasche Ein\u00fcbung eines motorischen Automatismus, der noch oft durch Nebenbewegungen unterst\u00fctzt wird, z. B. durch das Spielen regelm\u00e4fsiger Begieitfiguren, durch lautes Z\u00e4hlen u. s. w. Der Automatismus entlastet die Aufmerksamkeit, die sich dem musikalischen Element hingeben kann, ohne das rhythmische Element zu verlieren.\nDem eigentlich metrischen Element der Musik wird \u2014 mit Recht \u2014 f\u00fcr psychologische Zwecke nur geringe Bedeutung zugeschrieben. Metrische Vorschriften sind technische Regeln, schablonenhafte Schemata und Symbole. Die metrische Einheit ist der Takt. Die eigentlich rhythmischen Ph\u00e4nomene der Phrasierung, der gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit von Zeit und Betonung (der erste Takteil eines 3/4-Taktes ist viel l\u00e4nger als die beiden anderen) werden in der metrischen Darstellung einfach vernachl\u00e4ssigt. Die Gefahr ist grofs, die metrische Schablone f\u00fcr den psychologischen Thatbestand zu nehmen.\nDas dritte Kapitel besch\u00e4ftigt sich mit dem Rhythmus des gesprochenen Verses. Die Eigent\u00fcmlichkeit des Rhythmizomenon, der Sprache, bedingt hier wieder andere Modifikationen des psychischen Eindruckes. Denn jetzt sind es vor allem logische Zusammenh\u00e4nge, die rhythmisiert werden, wodurch strenge Innehaltung des Rhythmus, wie etwa in der Musik, ausgeschlossen ist. Die Aufmerksamkeit ist nur in Ausnahmef\u00e4llen der Rhythmisation selbst zugewandt, und diese \u00c4nderung der Aufmerksamkeitsrichtung bewirkt die Freiheit des deklamierten Rhythmus. Die Betonung ist aufs reichste abstuf bar und wird zur Ausdrucksbewegung. Mit dem Zeitfaktor wird auf das freieste gewaltet.","page":314},{"file":"p0315.txt","language":"de","ocr_de":"Litteraturberich t.\n315\nDies wird im einzelnen ausgef\u00fchrt. Die gleichm\u00e4fsige Dauer der zeitlichen Abst\u00e4nde der Hauptbetonungen ist bald gewahrt, bald v\u00f6llig preisgegeben ; jedenfalls findet sich nicht, wie manche behaupten, durchg\u00e4ngige Taktgleichheit. (Hier schaltet M. eine Er\u00f6rterung \u00fcber die psychologischen Gr\u00fcnde der Taktgleichheit ein, welche Er\u00f6rterung, da sie nicht nur auf den Versrhythmus, ja auf ihn am wenigsten sich bezieht, schon fr\u00fcher einen Platz h\u00e4tte finden m\u00fcssen. Er will die Tendenz zur Ausbildung gleicher Abst\u00e4nde der Hauptmomente mit einer Art von sensorischem Automatismus in Verbindung bringen, wodurch die Beobachtung des Wichtigeren, ein Nachlassen der Aufmerksamkeit w\u00e4hrend des Un\" wichtigeren erm\u00f6glicht wird. Sehr richtig weist er hier auf die nat\u00fcrlichen Aufmerksamkeitsperioden, auf das Vorhandensein einer gewissen absoluten Optimalzeit f\u00fcr die verschiedensten psychischen Ph\u00e4nomene hin.) Bei der Behandlung des metrischen Gesichtspunktes erweist sich, dafs derselbe im Verse noch weniger fruchtbar ist, als in der Musik. \u2014 An dieser Stelle m\u00f6chte ich mir erlauben, den Verfasser auf zwei Probleme aufmerksam zu machen, die wohl der Er\u00f6rterung wert w\u00e4ren. 1. Welche Gestaltung nimmt Bhythmus-Perzeption und -Hervorbringung an, wenn Musik und Vers Zusammenwirken, d. h. im gesungenen Liede? 2. Wie steht es mit dem Phythmus in der Prosasprache? Fehlt derselbe g\u00e4nzlich oder ist er nur weiter zur\u00fcckgetreten? Und wie ist dies Zur\u00fccktreten erkl\u00e4rlich, da doch Gr\u00fcnde, wie Aufmerksamkeitsperioden etc., auch in der Prosasprache sich geltend machen m\u00fcssen? Wieso endlich ist in der Musik ein solches Zur\u00fccktreten des Phythmus nicht m\u00f6glich?\nDas letzte Kapitel berichtet \u00fcber Anf\u00e4nge zur experimentellen Erforschung des Phythmus. Dieselben sind nur geringf\u00fcgig und beschr\u00e4nken sich auf gelegentliche Beobachtungen, bei Experimental-Untersuchungen, die mit ganz anderer Tendenz aufgestellt worden waren. Die bisher bekannten Methoden zur graphischen Aufnahme der beim Sprechen vorhandenen Zeitverh\u00e4ltnisse erweisen sich f\u00fcr die Messung des deklamatorischen Phythmus als unbrauchbar.\nIn den Schlufsworten hebt Verfasser noch einmal hervor, dafs sich ihm als Hauptbedingungen der psychischen Rhythmusph\u00e4nomene zu ergeben scheinen: ein zentraler Energiewechsel, zentrale Adaptation desselben an eine bestimmte Successionsgeschwindigkeit und ein dadurch entstehender Automatismus f\u00fcr den sensorischen Rhythmus, entsprechend einer Adaptation unserer motorischen Zentren an einen bestimmten Wechsel der Impulse und ebenfalls Erzeugung eines Bewegungsautomatismus f\u00fcr die motorischen Bhythmuserscheinungen.\nWir d\u00fcrfen nach dem Bisherigen den Fortsetzungen der Arbeit, die wohl eine genaue Schilderung der vom Verfasser angestellten Experimente und eine systematische Rhythmustheorie enthalten werden, mit hohem Interesse entgegensehen.\nW. Steen (Berlin).","page":315}],"identifier":"lit30049","issued":"1896","language":"de","pages":"311-315","startpages":"311","title":"Ernst Meumann: Untersuchungen zur Psychologie und \u00c4sthetik des Rhythmus. Habilitationsschrift (Leipzig). Erster Teil. Theoretische Grundlegung. - Philos. Stud. X. S. 249-322 u. S. 393-430. 1894","type":"Journal Article","volume":"11"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:07:30.327164+00:00"}