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{"created":"2022-01-31T13:37:38.813730+00:00","id":"lit36115","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Nedzwiedzki, W.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 1: 18-27","fulltext":[{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"l\u00e9\nl\u2019h^mine en rapport avec l\u2019alcool ET QUELQUES BAS\u00c9S.\nmais encore par des dissolvants tout-\u00e0-fait neutres. Le traitement de l\u2019h\u00e9mine par la quinine nous permet d\u2019un c\u00f4t\u00e9 d\u2019isoler la substance incolore, quoique peut-\u00eatre incompl\u00e8tement, de l\u2019autre le chloroforme et l\u2019ac\u00e9tone nous servent \u00e0 extraire la mati\u00e8re colorante. La pr\u00e9paration de cette derni\u00e8re en quantit\u00e9s assez grandes pour que l\u2019\u00e9tude en soit possible, voil\u00e0 le but de notre prochain travail.\nGrundfragen der In tomie nud Physiologie des Semis vagus.\nVon Dr. med. W. Nedzwiedzki,\nPr.-Docenten der inneren Medicin der kaiserlichen Universit\u00e4t zu Moskau.\nSeiner Gr\u00f6sse und Ausdehnung, sowie auch der grossen Anzahl der ihm zugeschriebenen Functionen wegen nimmt der Nervus vagus eine hervorragende, besondere Stellung unter den zw\u00f6lf Hirnnerven ein. Derselbe zieht sich mit seinen Verzweigungen von der Hirn-bis zur Beckenh\u00f6hle hin, die Organe und Geflechte der Brust und des Bauches mit seinen Nervenfasern versehend, so dass der ganze vegetative Schlauch des Organismus sich im Bereiche seines Einflusses befindet. Im Stamme des Vagus ist die Gegenwart motorischer und sensorischer Fasern bewiesen, diejenige von trophischen h\u00f6chst wahrscheinlich, wohingegen die Anwesenheit vasomotorischer noch fraglich ist. Dass eben Gesagte erkl\u00e4rt folgende Aeusserung Schiffs *) \u00abUeber keinen Hirnnerven ist seit Jahrhunderten so viel geschrieben und sind so widersprechende Meinungen ge-\u00e4ussert worden, wie \u00fcber den Vagus>... Das wurde vor 50 Jahren geschrieben. Im Laufe dieses halben Jahrhunderts hat sich die Menge des \u00fcber diesen Gegenstand Geschriebenen bedeutend angeh\u00e4uft und ist \u00fcber einige Fragen eine gen\u00fcgende Uebereinstimmung erreicht worden, so dass es nun m\u00f6glich ist einige Schl\u00fcsse zu ziehen und allgemeine Grunds\u00e4tze dar\u00fcber aufzustellen.\nEhe ich jedoch zu weiteren Ausf\u00fchrungen \u00fcbergehe, m\u00f6chte ich einige Worte \u00fcber die Benennung < Vagus> sagen, an deren Stelle man in neuerer Zeit oft eine andere, n\u00e4mlich \u00abNervus pneumogastricus> zu h\u00f6ren bekommt. Meiner Ansicht nach ist diese letztere Benennung viel weniger bezeichnend und sogar nicht ganz richtig, da sie die Beziehung des Vagus nur zu den Athmungs-und Verdaungsorganen anzeigt, die wichtigen Abzweigungen aber, die sich zum Herzen, sowie die Fasern, die sich zur Leber, den Nieren und der Harnblase hinziehen, ganz ausser Acht l\u00e4sst. Der fr\u00fchere Name entspricht besser der weiten Verbreitung dieses Nerven und dem eigent\u00fcmlichen \u00abherumschwei-\n*) Arehiv f\u00fcr physiol. Heilkunde, 1847.","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"GRUNDFRAGEN PER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\n19\nfenden> Gange seiner Fasern und wirkt kraft des Beobachters ein.\nWie erw\u00e4hnt, ist \u00fcber den Vagus viel geschrieben Teile desselben und nicht alle hier in\ndaher lebhafter auf die Einbildungs-\ndoch sind nicht alle\nsorgf\u00e4ltigen\nBetracht kommenden Fragen einer gleich\nUntersuchung und Bearbeitung unterworfen worden; so war z. B.\nlange Zeit der Ursprung und die Enstehung desselben im\nin Dunkel geh\u00fcllt und ein\ngewesen.\nGegenstand\nverl\u00e4ngerten Markt*\ngrosser\nMeinungsverschiedenheiten\nlebhaften Streites gewesen, ln meiner Arbeit: \u00abZur rungen im Nervensystem und den inneren ( )rganen Nervus vagus und des N. splanchnicus :\nFrage\ngenstand bez\u00fcgliche Literatur sogenannte Vagus\nangef\u00fchrt.\n\u00fcber nach der ') habe ich die ganze Aus derselben ersehen\nund die Ver\u00e4ude-Resection des auf diesen\nwir.\ndass\nGo-\nder\nKern (Nucleus) des am Boden des vierten Ventrikels von vielen f\u00fcr den gemeinsamen Anfang der Nn. vagus, accessorius und glosso-pharyngeus gehalten wurde, wobei jedoch die Angabe fehlte, welcher Teil des erw\u00e4hnten Kerns auf einen jeden dieser 3 Nerven kommt. Eine Beziehung des Funiculus solitarius und des Nucleus ambiguus zum Vagus, von einigen Beobachtern zugege-\nben, wurde von andern beinahe oder ganz abgesprochen. Die durch diese Meinungsverschiedenheiten hervorgerufene Unsi- Abbild. 1: Medulla obloug. ein. Kaninches nach Resection\nr*hprell pit und Unklarheit ver- d* rechten Vaguskerns (n. v.)-, funiculus solatarius (f. s.) cneicneit unu L Mkiail 11\tund Hinterstrang {f. g.) sind atrophirt auf der Seite der\nsteht sich von selbst. Eine Reihe\tResection.\nvon Versuchen, die ich behufs\nder Beantwortung obiger Fragen angestellt habe, ergiebt: 1) dass der aus einer grossen Anzahl oft bipolarer Zellen bestehende intramediale Teil des sogenannten auschliesslich diesem letzteren angeh\u00f6rt und das Centrum die sensorischen Fasern endigen, die in den Stamm des Va-und der Bauchh\u00f6hle treten; 2) dass ein grosser Teil des der gr\u00f6ssere Teil des Nucleus ambiguus dem Vagus\n\u00bb\nNucleus des Vagus bildet, in welchem gus aus der Brust-Funiculus solitarius angeh\u00f6ren, da ich nach Funiculus solitarius und den des N. ambiguus erhalten habe.\nund\nResection dieses Nerven am Halse Verringerung des ausgesprochene Atrophie sowie fast g\u00e4nzliches Schwin-\nDiese Beobachtung liefert das Material zur Beantwortung einer weiteren principiell wichtigen Frage; ich meine die Ver\u00e4nderungen im motorischen Kern\ngemischten Nerven.\nnach Durchschneidung des bez\u00fcglichen motorischen oder Bei jungen Thieren wird dabei Atrophie des erw\u00e4hnten motorischen Kerns be-\n) Bullet, d. 1. Soc. des Naturalistes de Moscou, 189G, N\u00bb 3 (deutsch).","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"20\nftRUNDFRAG\u00cbN DER ANATOMIE END PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\nobachtet. Was in diesem Falle bei erwachsenen Tieren geschieht, dar\u00fcber sind die Meinungen verschieden; meine eigenen Beobachtungen weisen darauf hin, dass bei erwachsenen Tieren derselbe Vorgang stattfindet wie bei jungen.\nAbbild. 2: Med. oblongata ein. Kaninchens; normal. Altbild. 3: Atrophirter sensorisch. Yagus-intramed. Theil d. sensoriseh. Vagus-Kerns (er). kern auf d. Seite d. Resection; alle gan-\nglios. Zellen (a) d. intramed. Theiles sind verschwunden.\nMeine obenerw\u00e4hnten Untersuchungen haben durch eine von Dr. Ossipoff f) in Prof. BechterefPs Laboratorium ausgef\u00fchrte Arbeit eine Best\u00e4tigung erhalten.\nAbbild. 4: Nucleus ambiguus ein. Kaninchens auf d. gesund. Seite.\nAbbild. 5: Nucleus ambiguus ein. Kaninchens auf d. Seite d. Vagusresection.\nDie gesammte auf diesen Gegenstand bez\u00fcgliche Literatur, sowie auch die Methodik meiner eigenen Versuche sind in meiner obengenannten Ab-\n*) Neurolog. Centralblatt. 1896.","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"GRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\n21\nhandlang ausf\u00fchrlich dargelegt. Solche, die sich f\u00fcr das N\u00e4here dar\u00fcber inte-ressiren sollten, auf diese Schrift verweisend, will ich jetzt einiges \u00fcber die Beziehungen des Vagus zum Lungengewebe sagen. Es ist bekannt, dass die Durchschneidung beider Vagi H\u00e4morrhagie und Pneumonie in den Lungen nach sich zieht, der Traube\u2019schen Theorie nach infolge des Eindringens in die Lunge von Speiseresten und sonstigen Fremdk\u00f6rpern, welche infolge der Resection der in den Vagi befindlichen sensorischen Fasern der Lungen durch Husten nicht entfernt werden k\u00f6nnen. Die Sache ist aber die, dass die Lungen manchmal auch dann leiden, wenn nur der eine N. Vagus durchschnitten ist, wenn folglich der Larynx und die Trachea, die durch beide Nerven innervirt werden, ihr Empfindungsverm\u00f6gen nicht eingeb\u00fcsst haben k\u00f6nnen. Hierher geh\u00f6ren zwei von mir beobachtete F\u00e4lle, einige F\u00e4lle Grenzmer\u2019s * *), Durdufi\u2019s 8) und mehrere an Menschen angestellte Beobachtungen. In meinen und Durdufi\u2019s F\u00e4llen erwiesen sich nicht die geringsten Spuren irgend welcher Fremdk\u00f6rper in den Luftwegen. Dass Durdufi seine Beobachtungen an jungen Tieren machte, erh\u00f6ht sogar in einem gewissen Sinne die Beweiskraft derselben, da sich bei erwachsenen Tieren Innervation einer jeden Lunge durch beide Vagi entwickelt haben kann, was bei jungen Tieren, die ihr volles Wachstum noch nicht erreicht haben, der Fall auch nicht sein k\u00f6nnte. Ich halte somit Beobachtungen an jungen Tieren f\u00fcr zweckm\u00e4ssiger, doch bleibt in beiden F\u00e4llen die Thatsache dieselbe: Resection des Nerven und Lungenver\u00e4nderungen unter absoluter Abwesenheit von Fremdk\u00f6rpern in den Luftwegen, und daher v\u00f6llige Unm\u00f6glichkeit den Vorgang auf Grund der Traube\u2019schen Theoiie zu erkl\u00e4ren. Die Un-zul\u00e4nglichkeit dieser Hypothese machte sich schon seit lange f\u00fchlbar. Schiff erkl\u00e4rte schon die Enstehung der oben beschriebenen Erkrankung der Lungen durch die L\u00e4hmung der vasomotorischen Fasern des Vagus (infolge der Resection), daher die Erkrankung selbst eine neuroparalytische genannt wurde. Zu letzterer Theorie neigen auch die neuesten Untersuchungen Gourfein\u2019s im Jahre 1895. Meiner Meinung nach kann dieselbe aber keine gen\u00fcgende genannt werden. Bei meinen Versuchen mit der Durchschneidung eines so starken Vasoconstrictors wie der Nervus splanchnicus major erhielt ich eine Hyper\u00e4mie der Gef\u00e4sse, beobachtete aber kein einziges Mal H\u00e4morrhagie \u2019). Folglich zieht die Durchschneidung eines Vasoconstrictors als eines solchen noch keine Blutergiessung und noch weniger eine Entz\u00fcndung nach sich. Damit erstere stattfinde, ist eine St\u00f6rung der Ern\u00e4hrung der Gef\u00e4sswand, d. h. eine trophische Erscheinung, notwendig. Im Jahre 1895 sprach sich auch Bentivegna 4) zu Gunsten der neuroparalytischen Theorie aus, indem er bewies, dass der Vorgang in den Lungen nach Durchschneidung der Vagi kein entz\u00fcndlicher sei und eigentlich durch die Durchschneidung des mit dem Vagus engverbundenen N. sympathicus, der den Lungen Vasomotore zuf\u00fchrt, hervorgerufen werde. Der genannte Forscher be-\n') PHiiger\u2019s Archiv. 1878. Gr\u00fcnde f. d. pathol. Ver\u00e4nderungen u. s. w.\ns) \u00bb.Unters, \u00fcber die troph. Nerven\u201c, Centralblatt f. allgem. Path. u. p. A. 1894, Xs 12.\n3) Siehe meine Schrift: Zur Pathogenese der Blutergiessung. Med. Rundschau. 1896. jY\u00ab 16. l\u00fce^HUHHCKoe 06o3pAHie. Russieh.\n*) Archives italienes de Biolog. 1895. B. XXIV.","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"GRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS\n22\nweist dies durch Versuche ausschliesslich an Hunden, indem er diesen das obere Halsganglion und das erste Brustganglion des N. sympathicus aus-reisst, in Folge dessen in den Lungen dieselben Ver\u00e4nderungen wahrgenommen werden wie bei der doppelten Vagotomie. Da bei dieser Extirpation der Ganglien der Vagus keine Verletzung erlitt, so folgt daraus, dass die beschriebene Erkrankung der Lungen von der Verletzung des N. sympathicus herr\u00fchrte. Dabei l\u00e4sst jedoch, meiner Ansicht nach. Bentivegna ganz ausser Acht, dass die Extirpation der zwei Ganglien mit der Resection des Grenzstranges am Halse nicht gleichwertig ist: es is aber gerade der Grenzstrang, der bei dem Hunde bei der Vagotomie durchschnitten wird, w\u00e4hrend die Ganglien bei dieser Operation (d. h. Vagotomie) unber\u00fchrt bleiben. Zugleich lassen Bentive-gna's Versuche die Erkrankungen der Lungen bei Kaninchen unerkl\u00e4rt; obgleich bei diesen Tieren der Sympathicus vom Vagus getrennt ist und bei der \\ agotomie nicht leidet, tritt Pneumonie dennoch, folglich auch bei unverletztem Sympathicus. ein. so dass auch diese Versuche wenig zu Gunsten der neuropa-ralytischen Hypothese sprechen. Dieser letzteren widersprechen auch noch viele directe Beobachtungen * *). welche darauf hindeuten, dass der Vagus keine Va-somotore f\u00fcr che Lungen enth\u00e4lt. Angesichts aller dieser Thatsachen wird man durch Ausschliessung unwillk\u00fcrlich auf den Gedanken geleitet, dass die Resection des A agus auf das Lungengewebe einen trophischen Einfluss aus\u00fcbt. Von diesem Gesichtspunkte aus w\u00e4re es nicht uninteressant zu ermitteln, was nach der Vagotomie mit dem elastischen Gewebe der Lunge vorgeht: ob dasselbe irgend welche Ver\u00e4nderungen erleidet oder nicht und. wenn ersteres der Fall ist. welcher Art. Dies ist auch noch deshalb von Wichtigkeit, weil die Elastizit\u00e4t eine der charakteristischen Eigenschaften des Lungengewebes ist und nach der Vagotomie manche Forscher volumen pulmonum auctum beobachtet haben. Doch kann letzteres auch von einer L\u00e4hmung der in den Lungen und den Bronchien enthaltenen glatten Muskeln abh\u00e4ngig gewesen sein. Ich muss hier bemerken, dass auf Grund von Dr. \"Woronin's _) Untersuchungen die anf\u00e4ngliche Erscheinung des Entz\u00fcndungsprocesses (der entz\u00fcndlichen Reaction), d. h. die inflammatorische Erweiterung der Capillaren. eine Folge der Verminderung der Elasti-eit\u00e4t der sie unterst\u00fctzenden Gewebe sein m\u00fcsste. Das Studium der Ver\u00e4nderungen im elastischen Gewebe unter dem Einfluss der Resection des F agus w\u00e4re somit von hohem Interesse bez\u00fcglich der Frage \u00fcber die Pathogenese der Vagus - Pneumonie. Ich will mich bei dem allgemein bekannten Einfluss des Vagus auf die Verlangsamung der Herzbewegungen nicht aufhalten und nur noch der fettigen Entartung des Herzmuskels nach der Resection der beiden Vagi erw\u00e4hnen. Ob diese Degeneratio adiposa cordis aber auch schon nach Durchschneidung nur des einen Vagus vor sich geht, ist eine bis jetzt wenig untersuchte Frage. Bei meinen Versuchen mit einseitiger Resection habe ich Degeneration des Herzmuskels in keinem Falle beobachtet,\nEs ist jetzt am Platze noch eines sehr interessanten centripetalleitenden Nerven, der, vom Herzen ausgehend, sich dem Vagus einverleibt, zu erw\u00e4hnen:\n') Alexandroff, Dissertation \u00fcber Lungen\u00f6dem, Moskau, 1892.\n*) Woronin, Untersuchungen \u00fcber die Entz\u00fcndung. Dissertation. Moskau, 1896, Ss. 33 und 123.","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"GRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\n28\nich meine den sogenannten N. depressor. Mir ist es zu Teil geworden den Einfluss desselben auf die Venen im allgemeinen und die V. portarum im besonderen einem sorgf\u00e4ltigen Studium zu unterwerfen, wobei es sich ergeben hat, dass eine Reizung des N. depressor den Druck in den Venen des grossen Kreislaufs (Hohlvenen) erh\u00f6ht, da die bei der Reizung entstehende Erweiterung der Arterien von einem starken Blutandrang nach den Venen begleitet wird, daher der erh\u00f6hte Venendruck. Dasselbe musste auch in der Pfortader erwartet werden, doch macht sich hier, wider Erwarten, eine bedeutende Verminderung des Druckes bemerkbar. Dies f\u00fchrt zur Annahme, dass bei der Reizung des N. depressor eine Erweiterung nicht nur der Arterien, sondern auch der Pfortader stattfindet und dass diese letzte Erweiterung den Einfluss des verst\u00e4rkten Blutandrangs aus den Arterien compensirt und eine Druckerh\u00f6hung nicht zul\u00e4sst. Kurz, alles deutet auf den Tonus der Pfortader hin (siehe meine Dissertation *). Nur auf diese Weise l\u00e4sst sich diese auf den ersten Blick paradoxe Combination des erh\u00f6hten Blutandrangs aus den Arterien und des verminderten Druckes in den entsprechenden Venen erkl\u00e4ren.\nDie beschriebenen Resultate erhielt ich bei Versuchen an Katzen und Kanin-\tl'p\u2018\nchen, bei. denen der Depressor gut entwickelt ist und in bedeutender L\u00e4nge isolirt werden kann. Doch habe ich ein gleiches manchmal auch an Hunden beobachtet, die einen Depressor als isolirt en Nerven nicht besitzen, wenn das centrale Ende des Vagus mit einem sehr schwachen Inductionsstrom gereizt wird. Durch wiederholte Versuche kann die n\u00f6tige St\u00e4rke des Stroms ermittelt wer \u2022 den. Man kann dasselbe Ziel aber noch schneller erreichen,\npin* 4\u00dcC, Abbild. 6: Depressorische Effect durch Faradisation d. een-v enn man rn-dae mut des\ttral> Endeg n vag0.symph< dext. ein< Rundes: \u00bb. p. - Teueres vorher eine gewisse\tna porta (Blutdruck); a. f.\u2014arteria femoralis; v. c. s.~\nQuantit\u00e4t Atropin injecirt. In\tvena cava SUP-\ndiesem Falle ist es m\u00f6glich auch ohne Resection des Vagus, durch Reizung desselben in toto, einen vollkommenen depressorischen Effect zu erzielen. Letzteres ist f\u00fcr die Methodik wichtig, da Versuche mit der Pfortader an Kaninchen und Katzen sehr schwierig sind. Diese Tiere vertragen Curare ziemlich schlecht; dabei sind auch die Wandungen ihrer Venen sehr d\u00fcnn und zart und werden bald rissig.\nJetzt einige Worte \u00fcber den Einfluss des Vagus selbst auf den Kreislauf des Blutes in der Pfortader, wobei wir an die Beantwortung der Frage, ob\n\nVX.S.\n') Material, zur Untersuch, der Circulation in der Pfortader, (russisch).","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\t('{RUNDFRAGEN DEK ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\nder Vagus Vasomotore f\u00fcr den Magen und den Darmkanal enth\u00e4lt, heran treten. Dass diesen Nerven motorische Fasern f\u00fcr den Darmkanal durchziehen, unterhegt keinem Zweifel, oh das aber f\u00fcr alle Teile desselben der Fall ist, da-\nAbbild. 7: Resultat der Faradisation d. beiden nn. splanch. maj. bei intact. Milz. v. p.\u2014Pfortaderdruck, a. /\u2019.\u2014art. femoral.\nr\u00fcber sind die Meinungen verschieden. Zahlreiche Versuche, die ich zu diesem Zwecke anstellte, haben mir gezeigt, dass bei der Faradisation der Vagi an\nAbbild. 8: Einfluss der Faradisation der beiden Nn. splancb. maj. auf Pfortaderdruck (v. p.), a. f. \u2014art. femoral.\nder Speiser\u00f6hre Contraction des Magens und des Duodenums immer, des D\u00fcnndarms seltener, doch noch ziemlich oft, erfolgt, w\u00e4hrend ich eine Zusammen-ziehung des Dickdarms fast ni-mais beobachtet habe *). Dies alles kann\n*) Meine Dissertation: \u201eMateriale zur Untersuchung der Circulation in der Pfortader0 Seite 97 (russisch).","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"GRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE OES NERVUS VAGUS.\n25\nunmittelbar wahrgenommen werden; doch gen\u00fcgen nicht bloss Beobachtungen zur Entscheidung der Frage \u00fcber die vasomotorischen Eigenschaften des Vagus, es wird vielmehr die Messung des Druckes in der Pfortader, die das Blut der Darmarterien auftiimmt, notwendig. Um gr\u00f6sstm\u00f6glichste Objectivit\u00e4t und Genauigkeit zu erzielen, ist es geraten die Ver\u00e4nderung des Druckes in der Pfortader zuerst unter dem Einfluss eines unzweifelhaften, typischen Vasomo-tors, am besten des N. splanclmicus major, zu messen. Meine Untersuchungen ') haben ergeben, dass das Resultat der Reizung des N. splanclmicus major in Abh\u00e4ngigkeit von dem Zustande der Milz ein verschiedenes sein kann. Befindet sich die Milz im Normalzust\u00e4nde, so steigt bei Faradisation des genannten Nerven der Druck in der Pfortader und verbleibt die ganze Zeit der Erregung \u00fcber der Normalh\u00f6he. Ist dagegen die Milz entfernt oder durch Unterbindung der Gelasse von der Pfortader isolirt worden, so ist die anf\u00e4ngliche Druckerh\u00f6hung in der Pfortader eine geringe und wird bald durch eine Verminderung des Druckes unter die Normalh\u00f6he ersetzt. Das ist der reine, typische Effect der Reizung eines Vasoconstrictors. Die im ersteren Falle erhaltene Druckerh\u00f6hung hing fast ausschliesslich von der Milz ab, die sich durch Reizung des N. splanclmicus zusani-\nv.p.\na.f\nAbbild. 9; Einfluss der Faradisation der peripher. Endes der Milzkernen auf Pfortaderdruck (v. p.).\nmenzieht und dabei eine bedeutende Menge Blut in das Pfortadersystem auspresst. Weitere Versuche haben gezeigt, dass bei der Reizung der Vagi an der Speiser\u00f6hre der Druck in der Pfortader steigt und w\u00e4hrend der ganzen Zeit der Faradisation \u00fcber der normalen H\u00f6he bleibt, folglich ein dem fr\u00fcheren ganz entgegengesetztes Resultat. Dieses letztere kann nicht durch die Mitwirkung einer Contraction der Milz erkl\u00e4rt werden, da diese, wie bekannt, sich nach Reizung des Vagus nicht zusammenzieht und da ein gleiches Resultat auch nach ihrer Entfernung erzielt wird. Dies alles beweist, dass der Vagus keine Vasocon-\n*) Meine Dissertation 1, c. Seite 50 u w.","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nGRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\nstrictore f\u00fcr den Magen und den Dann enth\u00e4lt, weil sonst in der Pfortader eine Verminderung des Druckes, wie durch die Reizung des N. splanchnicus, erfolgen m\u00fcsste. Die oben beschriebene Druckerh\u00f6hung kann auch nicht durch die Mitwirkung von Vasodilatatoren erkl\u00e4rt werden, da in diesem Falle eine allg emeine Verringerung des arteriellen Druckes infolge der Erweiterung der Darmgef\u00e4sse stattfinden m\u00fcsste, wie es z B. bei Reizung des Nervus depres-soris beobachtet wird.\n\nAbbild. 10: Einfluss der Faradisation der b iden nn. vagi an der Speiser\u00f6hre auf d. Pfortaderblutdruck (v. p.) a. f.\u2014art. femoral. Die mittlere Curve bezeichnet die Con-\ntractionen des Duodenums.\nWas nun das Verh\u00e4ltnis des Vagus zu den Nieren betrifft, so zeigt uns-die auf diesen Gegenstand bez\u00fcgliche Literatur, dass die Meinungen der ver schiedenen Beobachter \u00fcber den Einfiuss des Vagus auf die Blutcirculation in den Nieren J) schroff' auseinandergehen. Die Ursache dieser Meinungsverschiedenheiten liegt wohl 1) in der Unvollkommenheit und Unzul\u00e4nglichkeit der ange wandten Methoden, 2) darin, dass in den meisten F\u00e4llen die Reizung des Vagus am Halse vorgenommen und dadurch Stillstand oder bedeutende Verlangsamung der Herzbewegungen hervorgerufen wurde. Letzteres rief somit w\u00e4hrend des Versuchs eine neue Erscheinung hervor, brachte in das Experiment Unklarheit und verhinderte die M\u00f6glichkeit eines sicheren Urteils. Um diese Misslichkeiten zu vermeiden \u00fcbte ich den Reiz auf die beiden Vagi im Brustkasten an der Speiser\u00f6hre aus, d. h. unterhalb des Abgangs der zu den Lungen und dem Herzen sich hinziehenden Zweige, bediente mich bei dem Messen des Umfangs der Nieren des Plethysmographs oder Onkometers und \u00fcberzeugte\nJ) S. meine Abhandlung \u201eZur Frage \u00fcber d. Ver\u00e4nderungen im Nervensystem etc.\u201c. Bull. ,d. 1. Soc. d. Naturalist, de Moscou. 1896.","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"GKUnPFKAGEN DEE ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.\n27\nmich, dass man hoi einiger Uebung leicht und schnell zu beiden Vagi an der Speiser\u00f6hre durch einen Schnitt in einen Intercostalraum der linken Seite gelangt '). In keinem Falle bemerkte ich hei der Faradisation des Vagus eine Herabsetzung der onkometrischen Curve, mit andern Worten, es war keine Volumverminderung der Niere eingetreten. Daraus folgt, dass im.Vagus keine vasomotorischen Fasern f\u00fcr die Nieren enthalten sind. (Dies von mir ' erhaltene Resultat hat durch Warlawens Untersuchungen eine Best\u00e4tigung erhalten. S. Centralblatt f. Physiologie 1896), w\u00e4hrend dagegen eine Reizung des N. splan-ehnicus eine sehr bemerkbare und schnelle Volumverminderung der Niere bewirkt\nZum Schluss erlaube ich mir auf einige hierher geh\u00f6rende Fragen hinzu -weisen, \u00fcber die es zur Zeit noch nicht m\u00f6glich ist sich endg\u00fcltig auszusprechen, die jedoch den oben beschriebenen Erscheinungen sehr nahe stehen und so zu sagen von selbst zu weiteren Untersuchungen auffordern. Wie erw\u00e4hnt, wird der sogenannte Vaguskern als auch zum N. glossopharyngeus geh\u00f6rig betrachtet. Meine Untersuchungen haben ergehen, dass der innere Teil dieses Kerns ausschliesslich dem Vagus zukommt; ob nun der \u00fcbrige Teil desselben dem N. glossopharyngeus angeh\u00f6rt, ist eine Frage, die noch experimenteller Pr\u00fcfung bedarf. Letztere ist um so n\u00f6tiger, als man sich bis jetzt bei dem Studium des Ursprungs des N. glossopharyngeus im verl\u00e4ngerten Marke auf die Ergebnisse rein anatomischer Untersuchungen gest\u00fctzt hatte, was nach der sehr richtigen Ansicht Dee\u2019s 2) nicht f\u00fcr gen\u00fcgend angesehen werden kann.\nDa ich die Notwendigkeit eines gr\u00fcndlichen Studiums des elastischen Gewebes der Lunge nach der Vagotomie schon erw\u00e4hnt habe, so bleibt mir nur noch \u00fcbrig einige Worte \u00fcber eine bisher noch wenig untersuchte Thatsache zu sagen. Ich meine die Erh\u00f6hung des allgemeinen arteriellen Druckes bei der Reizung des peripherischen Endes des Vagus an der Speiser\u00f6hre. Ich habe eine solche wohl viele Mal, aber bei weitem nicht immer, wahrgenommen. In den meisten F\u00e4llen wurde die Faradisation der beiden Vagi von allen charakteristischen Erscheinungen begleitet, wobei aber der allgemeine arterielle Druck unver\u00e4ndert blieb, folglich ist diese Erscheinung keine constante. In den F\u00e4llen, wo dieselbe wahrgenommen wird, w\u00fcrde sie sich leicht erkl\u00e4ren, wenn der Vagus ein Vasoconstrictor w\u00e4re, doch l\u00e4sst sich letzteres, wie wir gesehen haben, nicht beweisen, und kann diese Function nicht zur Erkl\u00e4rung jener Thatsache dienen, was die Frage noch complicirter macht.\nDies sind die Themata, che als w\u00fcnschenswerter Gegenstand experimenteier Untersuchungen dienen k\u00f6nnten. Selbstverst\u00e4ndlich enthalten meine Ausf\u00fchrungen bei weitem nicht alles, was \u00fcber den Vagus gesagt werden k\u00f6nnte. Ich habe es mir haupts\u00e4chlich angelegen sein lassen, diejenigen Seiten dieses Gegenstandes zu beleuchten, die in die Sph\u00e4re meiner eigenen Erfahrungen gelangt waren und das Object meiner eigenen Untersuchungen gewesen sind. Das Thema als Ganzes betrachtet ist zu gross, die Aufgabe zu schwierig, da mit dem Begriff des Vagus sehr verschiedenartige und schwielige Probleme der Physiologie verbunden sind.\n*) Meine Abhandlung ^Ueber d, Ver\u00e4nd. im Nervensystem etc.\u201c 1. c., deutsch.\n*) \u201eZur Anatom, u. Physiol, des N. Vagus\u201c. Archiv, f. Psychiatrie, 1889, Bd. XX.","page":27}],"identifier":"lit36115","issued":"1898-99","language":"de","pages":"18-27","startpages":"18","title":"Grundfragen der Anatomie und Physiologie des Nervus vagus","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T13:37:38.813736+00:00"}
