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Ueber die vasomotorische Function der hinteren Wurzeln

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{"created":"2022-01-31T16:07:42.164678+00:00","id":"lit36120","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Wersilow, N. M.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 1: 48-51","fulltext":[{"file":"p0048.txt","language":"de","ocr_de":"Leiter die vasomotorische Function der hinteren Wurzeln.\nVon Dr. merk N. IV1. Wersiiow.\nAssistenten der Nervenklinik der kaiserlichen Universit\u00e4t zu Moskau.\n(Vorgetragen in der physiologischen Section des XII internationalen medieinischen Congresses\nin Moskau).\nIm vorigen Jahre hatten wir die Gelegenheit unsere Beobachtungen \u00fcber die vasomotorische Function der hinteren Wurzeln f\u00fcr die hintere Pfote des Hundes zu ver\u00f6ffentlichen und konnten uns dabei mit Sicherheit von folgenden Erscheinungen \u00fcberzeugen.\nDer Effect bei den der Reihe nach vorgenommenen Durchschneidiingen der Wurzeln gestaltete sich bei allen Versuchen ohne Ausnahme in folgender Weise: die Durchsehneiditng der vierten und f\u00fcnften Lumbahvurzel gab eine Temperaturerniedrigung bis zu l1/., \" unter der Haut des Unterschenkels und bis auf einige Zehntelgrade zwischen den Zelten der Pfote. Die darauf folgende Durchschneidung der sechsten Wurzel ergab ein betr\u00e4chtlicheres Sinken der Thermometergrade (bis zu 1\") an der Pfote, die Temperatur kehrte aber bald zu ihrer fr\u00fcheren H\u00f6he zur\u00fcck; die Durchschneidung der ersten Sacral-wurzel rief eine Temperaturerniedrigung von 6\" bis 8\" hervor, die erst nach 2J Stunden bis auf 1 \" unter der Norm wieder zur\u00fcckging. Dabei konnte man wahrnehmen, dass die w\u00e4hrend des Sinkens der Temperaturgrade in der Haut der Pfote ebenfalls erniedrigte Temperatur am ( Iberschenkel sich wiederum ausglich.\nDer Effect der Reizung (mechanischen und elektrischen) der vierten Lumbalwurzel documentirte sich durch eine Erh\u00f6hung der Temperatur der Haut am Oberschenkel bis lk.,,n am Unterschenkel bis zu 1\". sie fiel jedoch bald nach Unterbrechung der Reizung auf ihre fr\u00fchere H\u00f6he herab. Die Reizung der sechsten Lumbalwurzel erh\u00f6hte, ohne einen nennenswerthen Einfluss auf die Temperatur der Oberschenkelhaut auszu\u00fcben, die Temperatur am Unterschenkel nahezu um 1\", die der Pfote nahezu um 1\", sie sank jedoch ebenfalls schnell auf ihr fr\u00fcheres Niveau herab. Die Reizung der siebenten Lumbal-und der ersten Saeralwurzel rief denselben Effect hervor: Steigen der Temperaturgrade am Unterschenkel um 2\" bis ?>\u00b0, an der Pfote um 6\". 7\" bis 8\". wobei die Temperatur, nachdem sie ihr .Maximum erreicht hatte, rasch auf den Stand zur\u00fccksank, den sie gleich nach Durchschneidung s\u00e4mmtlielier Wurzeln gehabt hatte.\nAus diesen Untersuchungen gewannen wir die Ueberzengung, dass die von uns untersuchten Wurzeln in unmittelbarer Beziehung zu der Blutcircula-tion der Haut der correspondirenden Extremit\u00e4ten stehen, und zwar in der Weise, dass sie gef\u00e4sserweiternde Fasern f\u00fchren, wobei diese folgende Anordnung aufweisen: Die vierten und f\u00fcnften Lumhalwurzeln enthalten vasodilata-torische Fasern, die in dem N. eruralis ihren Verlauf nehmen, doch augenscheinlich sind ihrer nur wenige, denn ihre Ausschaltung bewirkt keine pr\u00e4g-","page":48},{"file":"p0049.txt","language":"de","ocr_de":"t\u00eeI\u00ceB\u00cbR PIB VAS\u00d4M\u00d4T\u00d4R\u00ceSCfl\u00cb FUNCTION PEU \u00cb\u00ceXT\u00cbT\u00ce\u00cbN W\u00dcRZET^.\n49\nnanten Ver\u00e4nderungen in der Blutcirculation im Verbreitungsbezirkc des N. cruralis. Bedeutend mehr sind in den drei folgenden Wurzeln enthalten, aber auch hier ist ihre Vertheilung keine gleiehm\u00e4ssige. Wenn man nach dem durch Reizung hervorgerufenen Effecte urtheilen soll, so sind sie ungef\u00e4hr zur H\u00e4lfte in der siebenten Lumbal- und in der ersten Sacralwurzel enthalten und viel weniger in der sechsten Lumbalwurzel; aber dass sie auch dieser Wurzel beigemengt sind, unterliegt keinem Zweifel.\nDie Durchschneidung und Reizung der den vorher namhaft gemachten hinteren W urzeln entsprechenden vorderen Wurzeln blieb ohne jeglichen Effect in den F\u00e4llen, wo das Curarisiren gen\u00fcgend tief war. Wir haben \u00fcberhaupt ein unvollst\u00e4ndiges Curarisiren und leichte Chloroformnarkose vermieden und Hessen uns in diesen F\u00e4llen von dem jeweiligen Temperaturzustande der Controlpfote leiten; derselbe blieb ohne jede Schwankung w\u00e4hrend der Durchschneidung und Reizung der Wurzeln.\nDie Entfernung des Bauchtheiles des Sympathicus rief eine Steigerung der Temperatur um einen Betrag bis zu 5\" bis 7\" hervor und bei nachfolgender Durchschneidung und Reizung der hinteren Wurzeln blieb die Temperatur jetzt ohne bemerkenswerthe Schwankungen. Um uns zu \u00fcberzeugen, dass die gef\u00e4sserweiternden Fasern nicht anderswo durchtreten als durch die gemischten Nerven der Extremit\u00e4ten, nahmen wir bei einigen Versuchen vorher die Durch-sclmeidung der Nn. cruralis und ischiadicus vor; die Temperatur stieg, aber bei der Durchtrenung und Reizung der hinteren Wurzeln wies sie keine weiteren Schwankungen auf. Ausser durch die bei Reizung der entsprechenden hinteren V urzeln hervogerufene Steigerung der Temperatur \u00fcberzeugten wir uns mit Hilfe des Plethysmographen in einer noch anschaulicheren Weise, dass die Blutf\u00fcllung der Extremit\u00e4t bei Reizung der hinteren Wurzeln sich vermehrt, In den Plethysmographen wurde nur die Pfote des Versuchthieres eingeschlossen. Bei Reizung der vierten und f\u00fcnften Lumbalwurzel zeigte der I mfang der Extremit\u00e4t keine Ver\u00e4nderung, aber bei Reizung der sechsten und siebenten Lumbalwurzel und namentlich der ersten Sacralwurzel nahm der Umfang deutlich zu, und an der Curve konnte man haupts\u00e4chlich zu Anfang der Reizung der Wurzeln scharf ausgesprochene pulsatorische Schwankungen nachweisen, die, bevor der Versuch unternommen wurde, nicht existirten.\nZum Zwecke des Studiums der einzelnen Momente, aus denen sich bei Reizung der hinteren Wurzeln die vermehrte Blutf\u00fcllung in der Extremit\u00e4t zusammensetzt, stellten wir Messungen des Blutdruckes in den Gef\u00e4ssen an. Um den Bedingungen der Blutcirculation in der Haut n\u00e4her zu kommen, w\u00e4hlten wir f\u00fcr das Experiment den Fussohlenast art, saphenae und venae saphen. postic., die Einf\u00fchrung der Can\u00e4le in diese konnte nicht wesentlich die Blutcirculation alteriren; zugleich waren wir dadurch im Stande den Blutdruck in einer Arterie unter mittlerem Kaliber zu messen. Der Effect der Durchschneidung aller Wurzeln war ein sehr rasches Ansteigen des Blutdruckes in der Arterie und Erniedrigung in der Vene. Bei Reizung der vierten und f\u00fcnften Lumbalwurzel erzielten wir gar keinen Effect, bei Reizung der sechsten und namentlich der siebenten Lumbalwurzel und ersten Sacralwurzel aber hob sich der Blutdruck in der Vene und erniedrigte sich in der Arterie, wobei der","page":49},{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"50\nUE BE R DIE VASOMOTORISCHE FUN CHON I\u00bbER HINTEREN WDR 2 EEN.\nCharakter dieser Schwankungen f\u00fcr Arterie und Vene ein verschiedener war; in der Vene hob sich der Blutdruck unvergleichlich rascher, die Schwankungen bei der Athmung verschwanden, es machten sich dagegen pulsatorische Schwankungen bemerkbar, in der Arterie hei der Druck langsam ab und die Curve stellte eine wellenf\u00f6rmige Linie bei langsamem Sinken dar. Der Blutdruck nahm nach Unterbrechung der Reizung ebenso allm\u00e4hlich zu.\nBei diesen Versuchen stellte sich eine Unbequemlichkeit heraus, und zwar lag sie darin, dass wir nicht im Stande waren, zu gleicher Zeit alle Vasodilatatoren f\u00fcr den gegebenen Bezirk zu reizen, sondern nur auf einzelne ihrer Theile einwirken konnten.\nUm uns \u00fcber den Stand der Blutcirculation in den Venen zu unterrichten, stellten wir einen Versuch an \u00fcber die Geschwindigkeit der Ausstr\u00f6mung des Blutes aus der Vene bei der Durchtrenung und Reizung der Wurzeln; wir konnten dabei die Beobachtung machen, dass die Ausstr\u00f6mungsgeschwindig-keit bei der Reihe nach erfolgender Durchschneidung der Wurzeln (w\u00e4hrend 2 Minuten) sich wenig vermehrte, dass sie dagegen bei Reizung der Wurzeln, namentlich der siebenten Lumbalwurzel und ersten Sacralwurzel, rasch anstieg. Wenn wir die normale Geschwindigkeit graphisch in Form einer Linie darstellen, welche in der H\u00f6he von 24 Millimeter an der Abscisse verl\u00e4uft, so stieg sie w\u00e4hrend der Durchtrennung auf 36 Millimeter und w\u00e4hrend der Reizung auf 105 Millimeter an. Wir halten es nicht f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig noch zu bemerken, dass mit der vermehrten Ausstr\u00f6mungsgeschwindigkeit des Blutes aus der Vene sich auch die Farbe des Blutes ver\u00e4nderter sie nahm einen helleren Ton an als zu Anfang des Versuches.\nDie von uns angef\u00fchrten experimentellen Factoren lassen mit Sicherheit die Erscheinung der Gef\u00e4sserweiterung bei Reizung der entsprechenden hinteren Wurzeln erkennen; diese Erweiterung wird activ durch diejenigen Vasomotoren hervorgerufen, welche in der Physiologie unter dem Namen der Vasodilatatoren bekannt sind.\nUm die Existenz des trophischen Centrums zu ermitteln, durchschnitten wir vorl\u00e4ufig die Wurzeln und reizten das Gangl. intervertebrale 2 Wochen nach der Operation. Das Resultat \u00e4usserte sich in allen Hinsichten negativ. Folglich befindet sich unzweifelhaft das trophische Centrum der gef\u00e4sserweitern-den Fasern der hinteren Pfote des Hundes im R\u00fcckenmarke, und anatomisch muss man diese Fasern unter denjenigen suchen, welche nach der Durcli-schneidung der hinteren Wurzeln h\u00f6her als das Ganglion intervertebrale nicht degenerirt bleiben.\nNachdem wir uns von der Richtigkeit von Strieker\u2019s Ansicht \u00fcber die Existenz der Vasodilatatoren in den hinteren Wurzeln der hinteren Pfote \u00fcberzeugt hatten, erstreckten wir unsere Untersuchungen auch auf die Wurzeln des Cervical\u2014und Brachialplexus, da wir dachten, dass wir auch in diesem Bezirke dieselben Erscheinungen finden m\u00fcssen. Die Methode des Experiments blieb dieselbe\u2014thermometrische, manometrische und plethysmographische.\nBei unseren Experimenten wurden die Wirbel nur von der einen Seite ge\u00f6ffnet und die Wurzeln von der Dura mater bis zum Ganglion intervertebrale freigelegt, Bei allen Versuchen blieb die Anordung des Experimentes eine","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"UE BER DIE VASOMOTORISCHE FUNCTION PEE III NT FEE X WURZELN.\n51\nund dieselbe. Die Wurzeln wurden von oben nach unten der Reihe nach durchschnitten, wobei bei den thermometrischen Untersuchungen notirt wurde: der Effect der Durchschneidung jeder einzelnen Wurzel, der endliche Effect nach Durchschneidung s\u00e4mmtlicher Wurzeln und der mechanischen und elektrischen Reizung jeder Wurzel f\u00fcr sich. Bei den anderen Untersuchimgsmethoden ist der Effect bei Durchschneidung s\u00e4mmtlicher Wurzeln und bei Reizung jeder einzelnen der Reihe nach notirt worden.\nBei den Experimenten in diesem Bezirke hat man bedeutend mehr technische Schwierigkeiten: die Thiere verlieren viel Blut, werden rasch schwach und die Erscheinungen, welche man in diesem Bezirke erh\u00e4lt, sind nicht so bestimmt wie im Bezirke der Lumbal- und Sacralplexus.\nWir bekamen folgende Resultate mit Hilfe thermometrischer Untersuchungen: w\u00e4hrend der Durchschneidung der 1-ten und 5-ten Cervicalwurzel konnten wir keine Erscheinungen wahrnehmen; bei der Reizung der G-ten und vornehmlich der 7 ten und Uten Brustwurzel in der entsprechenden Extremit\u00e4t notirten wir immer eine Temperaturerniedrigung, welche aber nicht so bedeutend war wie bei den Versuchen an den Wurzeln der Nn. ischiadicus und eruralis, das Sinken war nicht gr\u00f6sser als 2\u2014-3 Grade; bei der Reizung konnten wir, im Gegentheil, eine Temperatursteigerung bemerken, aber auch keine starke\u2014anderthalb bis zwei Grad. Bei der Untersuchung des Blutdruckes konnten wir auch mit Hilfe eines Pletysmographen keinen Effect bei der Reizung jeder einzelnen Wurzel erhalten und erhielten in schwachem Grade ein Sinken des Arterialdruckes (in den peripherischen Theilen) bei der gleichzeitigen Reizung der 7 ten Cervical- und 1-ten Brustwurzel. Ebenso war es auch bei der Untersuchung vermittelst des Phletysmographen; die Vergr\u00f6sserung des Umfanges der Extremit\u00e4t wurde nur bei gleichzeitiger Reizung der beiden Wurzeln beobachtet. Die Zahl der Experimente bel\u00e4uft sich auf 50. Kurz, wir erhielten auch an der vorderen Extremit\u00e4t identische Erscheinungen wie an der hinteren Pfote, nur in schw\u00e4cherem Grade. Wie m\u00fcssen wir diese Erscheinungen erkl\u00e4ren? Hier ist es m\u00f6glich erstens, dass nicht alle Vasodilatator e durch die hinteren Wurzeln des entsprechenden Bezirkes durchgehen und zweitens kann man sie durch andere Nebenbedigungen erkl\u00e4ren; derselben giebt cs sehr viele: erstens ist die Vertheilung der Nervenst\u00e4mme an der vorderen Extremit\u00e4t complicirter als in der hinteren Pfote, folglich ent h\u00e4lt jede einzelne Wurzel auch weniger vasomotorische Fasern; zweitens ist die Technik der Operation complicirter und schwerer f\u00fcr die Thiere, folglich tritt rasch Fasernschw\u00e4che ein. Aber uns scheint es unzweifelhaft, (lass auch f\u00fcr die vordere Extremit\u00e4t dieselbe Vertheilung der Vasomotoren wie f\u00fcr die hintere Pfote als Regel bleibt und dass in den hinteren Wurzeln der Cervical- und Brachialplexus wenigstens ein Theil der vasodilitatorischen Fasern existirt.\n4","page":51}],"identifier":"lit36120","issued":"1898-99","language":"de","pages":"48-51","startpages":"48","title":"Ueber die vasomotorische Function der hinteren Wurzeln","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:07:42.164684+00:00"}

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