Open Access
{"created":"2022-01-31T16:44:05.326202+00:00","id":"lit36122","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Judin, A.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 1: 65-68","fulltext":[{"file":"p0065.txt","language":"de","ocr_de":"Ein einfaches Verfahren zur Bestimmung der Dauer kleiner Zeitintervalle.\nVon A. J\u00fcdin,\naus dem physiologischen Institutut der kaiserlichen Universit\u00e4t zu Moskau.\nBei vielen physikalischen und physiologischen Versuchen und Untersuchungen ist die Bestimmung der Dauer irgend einer Erscheinung oft von der gr\u00f6ssten Wichtigkeit. Wie bekannt, wird bei diesen Bestimmungen immer genau der Anfangs- und Endmoment vermerkt und der zwischen beiden verstrichene Zeitraum gemessen. Die Aufzeichnungen geschehen meist auf einem berussten, sich mehr oder weniger gleichm\u00e4ssig drehenden Cylinder, wobei der Anfang und das Ende der Erscheinung durch irgend einen Vermerket\u2019, z. B. einen elektrischen, bezeichnet wird. Wenn der Cylinder sich gleichm\u00e4ssig bewegt '), so k\u00f6nnen wir, wenn uns die Drehungsgeschwindigkeit desselben bekannt ist, die Dauer der gegebenen Erscheinung berechnen. Doch ist die Herstellung eines Apparates mit einem sich gleichm\u00e4ssig bewegenden Cylinder eine so schwierige und complicate, dass man sich gezwungen sieht zu einfacheren Bestimmungsmethoden f\u00fcr kleine Zeitintervalle Zuflucht zu nehmen. Man benutzt zu diesem Zwecke gew\u00f6hnlich Pendel, Metronome, Stimmgabeln, deren Schwingungszeit sehr genau bestimmt werden kann und die bei jeder Schwingung eine elektrische Kette schliessen oder \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Durch dieses abwechselnde Scnliessen und Oeffnen des Stromes wird eine in die Kette des Elektromagnetvermerkers eingeschlossene Ankerplatte in Bewegung gesetzt, welche mit ihrer Schreibspitze auf eine sich bewegende Fl\u00e4che eine Curve zeichnet.\nEs stellt sich somit die Notwendigkeit heraus sich zweier signalisirender Schreibapparate zu bedienen, des einen zur Vormerkung des Anfangs und Endes, des andern\u2014der Dauer der Erscheinung. Es ist leicht einzusehen, welche Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten dadurch entstehen k\u00f6nnen. Zur Bek\u00e4mpfung derselben wurden einerseits zwei gleichzeitige Vermerkereingef\u00fchrt, wie z. B. von Baltzar, Deprez u. A., andererseits versuchte man mit Hilfe eines und des selben Vermerkers beide Arten von Aufzeichnungen, d. h. diejenige des Anfangsund Endmomentes, sowie diejenige der Dauer der Erscheinung, zu erhalten. Von diesen letzten Methoden sind folgende drei die bekanntesten: das von Grashey in die physiologische Praxis eingef\u00fchrte ehronographische Verfahren mit Hilfe des elektrischen Funkens, das Landois\u2019sche, welches darin besteht, dass die Aufzeichnung auf einer an die Zinke einer Stimmgabel befestigten schwingenden Platte vor sich geht, und das Verfahren Langendorfs, der sich der Marey\u2019sehen Capsel f\u00fcr Luft\u00fcbertragung bedient. Diese drei Verfahren dienen in der physiologischen Technik fast ausschliesslieh zur Aufzeichnung der Curven der Zusammenziehung der Muskeln, der Herzth\u00e4tigkeit und clergl., wobei die Zeitdauer\n\u2018) Wie z. B. bei Helmholtz\u2019s Myographen.","page":65},{"file":"p0066.txt","language":"de","ocr_de":"66\nEIN EINFACHES VERFAHREN ZUR BESTIMMUNG DER HAUER ETC.\nan der Curve selbst aufgezeichnet wird. Ein jeder, der Gelegenheit gehabt hat sich dieser Verfahren zu bedienen, kann \u00fcber deren Wert ein eigenes Urteil f\u00e4llen. Meinerseits bemerke ich nur, dass alle drei mehr oder weniger complicirte specielle Apparate und Einrichtungen ben\u00f6tigen. Es versteht siel) von selbst, dass s\u00e4mmtliche dieser Methoden mehr oder weniger bequem wie zur Aufzeichnung der Zeitdauer, so auch zu derjenigen des Anfangs- und Endmomentes einer Erscheinung dienen k\u00f6nnen.\nAusser den genannten sind uns noch zwei andere Verfahren bekannt, von denen das eine von Dr. A Samoylow, das andere von Dr. W. Popow erfunden wurden. Ueber Dr. A. Samoylow\u2019s Apparat will ich etwas ausf\u00fchrlicher reden, da derselbe noch nirgend beschrieben worden ist Der Apparat besteht aus zwei Elektromagneten verschiedener Gr\u00f6sse, wobei die Ankerplatte des gr\u00f6sseren mit einem sogenannten Marey\u2019schen Chronographen versehen ist. Letzterer zeichnet die Zeitcurve, w\u00e4hrend das Schliessen und Oeffnen des Stromes in dem gr\u00f6sseren Elektromagnete das Seitw\u00e4rtsschieben dieser Curve bewirkt. Aus der Zahl der Zeitmarken in dem seitw\u00e4rts ger\u00fcckten Teile der Curve ergieht sich die Dauer der Erscheinung. Angesichts der Construction dieses Apparates muss derselbe in die Reihe der doppelten Vermerk er, von denen oben die Rede war, in denen jedoch die zwei Schreibhebel durch einen einzigen ersetzt worden sind, gestellt werden.\nDr. Popow\u2019sin \u00abMat\u00e9riaux des Congr\u00e8s internationaux d\u2019Anthropologie, d\u2019Arch\u00e9ologie et de Zoologie \u00e0 Moscou, enl893>, beschriebene Methode besteht in folgendem: er bedient sich der gew\u00f6hnlichen Zeitmarkirungsapparate, d. h. der elektrischen Stimmgabel und des Marey\u2019schen Chronographen, und schliesst in die Kette einen kurzen Schluss ein, infolge dessen er den Strom entweder durch die elektrische Stimmgabel, oder durch diese und den Marey\u2019schen Chronographen zugleich senden kann; im ersten Falle zeichnet der Chronograph eine Curve (die Zeitdauer), im zweiten eine gerade Linie. Der Angfangs- und der Endmoment m\u00fcssen mit der Ein- und Ausschliessung des kurzen Schlusses Zusammentreffen. Man erh\u00e4lt bessere Resultate, wenn man Deprez\u2019s elektrisches Signal anstatt Marey\u2019s Chronographen benutzt.\nMeinerseits schlage ich von Dr. Popow vorgeschlagenen keine speciellen Apparate erfordert und, trotz\nseiner Einfachheit, ausgezeichnete Resultate liefert. Die dazu n\u00f6tigen Apparate sind: die elektrische Stimmgabel als Unterbrecher, das Deprez\u2019sche Signal und galvanische Elemente. Die elektrische Stimmgabel und\nfolgendes Verfahren vor, welches gleich dem\n\u25a0zc-zc-zc\nFig. 1.\nein Deprez\u2019sches Signal werden in die gal vanische Kette aus 2 \u2014 3 Elementen eingeschaltet (Fig. 1). Bei den Schwingungen\nder Stimmgabel macht das Deprez\u2019sche Signal diezelbe Anzahl von Schwingungen, selbst wenn die Schwingungszahl der ersteren 500 in 1 Secundo betr\u00e4gt. Wenn jetzt an das Deprez\u2019sche Signal eine andere, aus 1 Elemente bestehende Kette gef\u00fcgt und dieselbe geschlossen wird, so nehmen die Schwingungen der\nAnkerplatte des Deprez sehen Signals einen anderen Charakter an, da die Amplituden desselben, die anfangs gr\u00f6sser waren, mehr oder weniger abnehmen.","page":66},{"file":"p0067.txt","language":"de","ocr_de":"EIN EINFACHES VERFAHREN ZUR BESTIMMUNG DER DAUER ETC.\n67\nDie Verminderung der Schwingungsgr\u00f6sse bei dem Schliessen der zweiten Kette erkl\u00e4rt sich folgendermassen: der Strom der zweiten Kette h\u00e4lt nach dem Schluss den Kern des Elektromagnets die ganze Zeit \u00fcber in schwach magnetischem Zustande und wirkt somit, wie eine Feder, hemmend auf die Schwingungen der Ankerplatte. Folglich erhalten wir beim Hindurchleiten zweier verschiedener Str\u00f6me\u2014eines periodisch unterbrochenen und eines best\u00e4ndigen\u2014durch die Spiralen des Elektromagnets so zu sagen zwei Elektromagnete, die auf eine und dieselbe Ankerplatte einwirken. Dasselbe Resultat k\u00f6nnen wir auch erreichen, wenn wir die beiden Spiralen von einander isoliren, und durch die eine den Strom der ersten Kette, durch die andre denjenigen der zweiten Kette leiten. Es folgt daraus, dass wir bei Benutzung bloss der ersten Kette, indem wir deren Strom durch Einschaltung eines Widerstandes schw\u00e4chen, dem analoge Resultate nicht erhalten k\u00f6nnen.\nDer Uuterchied in der Gr\u00f6sse der Schwingungen der Ankerplatte h\u00e4ngt von dem Verh\u00e4ltnis der St\u00e4rke der von der ersten und zweiten Batterie erhaltenen Str\u00f6me ab. Je gr\u00f6sser der Unterschied der letzteren ist, desto kleiner ist der Unterschied in den Schwingungsgr\u00f6ssen der Ankerplatte des Deprez'schen Signals; bei Verst\u00e4rkung des Stromes in der zweiten Kette, resp. bei Schw\u00e4chung\nFig. 2.\ndesselben in der ersten wird der Unterschied immer gr\u00f6sser, so dass endlich, bei gen\u00fcgender St\u00e4rke des Stromes in der zweiten Kette, die Ankerplatte nach dem Schliessen der Kette stille h\u00e4lt. Alle diese Ver\u00e4nderungen sind an den beigef\u00fcgten Curven wahrzurnehmen (Fig. 2).\nDie Ver\u00e4nderungen in den Schwingungsgr\u00f6ssen bei dem Schliessen, resp. Oeffnen der zweiten Kette treten momentan, ohne irgend welche Vorbereitungsstadien, auf und endigen ebenso, was die Curven ebenfalls zeigen. Was die Technik der Vollziehung dieser Aufzeichnungen nach meinem Verfahren betrifft, so muss folgendes bemerkt werden: es ist vorteilhaft sich solcher Deprez\u2019scher Fermerker zu bedienen, deren Ankerplatte mit einem d\u00fcnnen Gummib\u00e4ndchen anstatt der Metallfeder versehen ist; die Schwingungen der Ankerplatte m\u00fcssen anfangs eine geh\u00f6rige Gr\u00f6sse besitzen. Die Frage, welche Richtung der zweite\n5","page":67},{"file":"p0068.txt","language":"de","ocr_de":"68\nEIN EINFACHES VERFAHREN ZUR BESTIMMUNG DER DAUER ETC.\nStrom hinsichtlich des ersten haben soll, ist nicht von Bedeutung, doch gelingt der Versuch immer besser, wenn beide Str\u00f6me dieselbe Richtung haben. In letzterem Falle ist es notwendig die Ankerplatte des Deprez\u2019schen Signals mit einem feinen Gummifaden zu \u00fcberbinden, damit zwischen der Ankerplatte und dem Elektromagnet eine d\u00fcnne elastische Zwischenlage vorhanden sei.\nIdentische Besultate erh\u00e4lt man hei Benutzung des Metronoms anstatt der Stimmgabel, wenn eine l\u00e4ngere Zeitdauer verzeichnet werden soll.\nZum Schluss bemerke ich, dass dieses von mir vorgeschlagene Verfahren schon seit mehr als zwei Jahren im Laboratorium des Physiologischen Instituts der Kais. Universit\u00e4t zu Moskau mit Erfolg angewandt wird.\nChemische Untersuchung der Hexeuuiilch.\nVon S. G. Tschassownikow,\naus dem physiologischen Institute der Kaiserlichen Universit\u00e4t zu Moskau.\nWie bekannt, findet bei allen Neugeborenen beiderlei Geschlechts in den ersten Tagen nach der Geburt ein Anschwellen der Brustdr\u00fcsen, so wie die Ansammlung in denselben einer Fl\u00fcssigkeit statt, die beim Dr\u00fccken herausfliest. Die Menge dieser Fl\u00fcssigkeit wird nach und nach gr\u00f6sser, erreicht ihren H\u00f6hepunkt am Anf\u00e4nge der dritten Woche und geht dann zur\u00fcck, so dass in der f\u00fcnften Woche kein Tropfen davon mehr zu erlangen ist.. Da ein solches Anschwellen der Br\u00fcste oft der Ausgangspunkt eines Entz\u00fcndungsprocesses (Mastitis neonatorum) ist, so hat die Frage \u00fcber die Natur dieser Fl\u00fcssigkeit, der sogenannten Hexenmilch, die Aufmerksamkeit der praktischen Aerzte schon fr\u00fch auf sich gelenkt. Zum Zweck der Beantwortung dieser Frage wurden aber auschliesslich microscopische Untersuchungen angestellt. Diese letzteren zeigten, dass die in den Brustdr\u00fcsen der Neugeborenen sich ansammelnde Fl\u00fcssigkeit Milchk\u00f6rperchen, Milchk\u00fcgelchen, Colostrumk\u00f6rperchen, Leuko-cyten, kurz alle diejenigen Bestandteile, die in der gew\u00f6hnlichen Frauenmilch enthalten sind, in sich schliesst *)\u2022 Im Gegensatz zu den zahlreichen microscopischen Beobachtungen war die chemische Zusammensetzung wenig ber\u00fccksichtigt worden, so dass es in der Literatur nur drei quantitative Analysen der Hexenmilch giebt. Die eine, und zwar die \u00e4lteste, wurde von H\u00e4uf* 2) ausgef\u00fchrt, die zweite von Quevenne 3), die letzte und zugleich ausf\u00fchrlichste\n*) Ausf\u00fchrlicher s. N. Jablokow: jo^Ka\u201c. ftnec. M. 1892 r.\n2) Schlossberger: Untersuchung\n\u201e0 mojohhoh \u00e6eaeot Bt nepioAt OTA'UieHia ykTCKaro Moder sog. Hexenmilch. Annal, der Chemie und Pharmacie\nBd. XI. 1853.\t.\t.... , . . , v\n3) A. G\u00fcbler: Ueber die Absonderung und Zusammensetzung der Milch bei den -Neugeborenen. Journ. f. Kinderkrankh. 1856. Bd. 27.","page":68}],"identifier":"lit36122","issued":"1898-99","language":"de","pages":"65-68","startpages":"65","title":"Ein einfaches Verfahren zur Bestimmung der Dauer kleiner Zeitintervalle","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:44:05.326207+00:00"}
