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{"created":"2022-01-31T16:43:15.390295+00:00","id":"lit36124","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Okunew, W. N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 1: 73-74","fulltext":[{"file":"p0073.txt","language":"de","ocr_de":"Leber das Chymosinferment.\nVon Dr. med. W. N. Okunew,\naus dem medic.-chemisch. Laboratorium der milit.-medic. Akademie zu St. Petersburg.\n(Vorgetragen in der physiologischen Section des XII internationalen medieinischen Congresses\nin Moskau).\nDurch meine fr\u00fcheren Untersuchungen gelang es mir nachzuweisen, dass die Wirkung des Chymosinfermentes auf die Verdauungsproducte des Eiweisses darin besteht, dass hier ein Uebergang des Eiweisshydrates des Peptons zur\u00fcck in das Eiweissanhydrit geschieht. Ich habe zu dieser Reaction die Peptone verschiedener Arten von Eiweiss angewendet und zwar: Eieralbumin-, Myosin-, Myostromin-, Fibrin- und Caseinpepton, sowie Fibrin -, Myosin- und Eieralbuminpepton.\nDer chemischen Natur nach ist diese Reaction eine Dehydratation des Peptons und sie erstreckte sich bei den besten Bedingungen auf 50\"/\u201e des angewendeten Eiweisshydrates. Die Endproducte dieser Reaction, die flockenartig aus der Peptonl\u00f6sung ausfallen, waren meistentheils Anhydriteiweisse. Die n\u00e4heren Untersuchungen zeigten das folgende:\n1)\tdass sie sich weder in Wasser noch in verd\u00fcnnten Salzl\u00f6sungen l\u00f6sen;\n2)\tdass sie sich in schwachen L\u00f6sungen von S\u00e4uren nicht l\u00f6sen;\n3)\tdass sie sich in einer 1% L\u00f6sung von Natrium bicarbonicum und sehr schwachen L\u00f6sungen von Natr. caustic l\u00f6sen;\n4)\tdass sie einen Niederschlag bilden, wenn man die L\u00f6sung neutralisirt;\n5)\tdass sie gerinnen, wenn man sie in schwach sauer reagirenden neutra-lisirten L\u00f6sungen zum Sieden bringt;\n6)\tdass sie bis 0,4% Phosphor enthalten.\nDurch meine neuen Untersuchungen habe ich nachgewiesen, dass auch die nach der Methode von K\u00fchne und Neumeister entstehenden Albumosen, sowie auch diejenigen, die man als Niederschlag bei der Abk\u00fchlung der heissen, f\u00fcnfzig bis sechzig Procent Alkohol enthaltenden L\u00f6sungen bekommt, die Form eines Eiweissanhydrites annehmen, wenn man auf dieselben mit dem Chymosinfermente wirkt. Das geschieht desto besser, je n\u00e4her den Peptonen die Producte der k\u00fcnstlichen Verdaung der Reaction nach stehen. Anderseits erlauben diese Experimente eine physiologische Reaction f\u00fcr die Peptone anzuwenden, denn diese Wirkung kommt bei den Verdauungsproducten nicht zu Tage, bei welchen der Yerdauungprocess eine h\u00f6here, dem Zerfallen der Eiweissmolek\u00fcle nahe Stufe, erreicht hat.","page":73},{"file":"p0074.txt","language":"de","ocr_de":"74\nLEBER DAS CH YM OS IX FE R MENT.\nF\u00fcr meine Untersuchungen habe ich nur S\u00e4ugethiere gebraucht. Schon fr\u00fcher gelang es mir durch meine Experimente mit den Extracten verschiedener Organe nachzuweisen, dass die Extracte der Magen- und D\u00fcnndarmchleim-haut, so wie der Pancreassaft Chymosin enthalten, dass durch sie Peptone in Eiweissanhydrite \u00fcbergehen und dass sie das Eiweiss zum Gerinnen bringen.\nDurch meine letzten Untersuchungen habe ich konstatirt, dass diese beiden Reactionen ceteris paribus ausgef\u00fchrt sich vollst\u00e4ndig identisch zeigen in den Probiergl\u00e4schen sowohl, wie in dem Darmkanale der Thiere, die kurz vorher get\u00f6dtet und deren Schleimhaut gereinigt worden war, wo auch die Anwesenheit des Chymosins durch eine Probe auf Milch konstatirt wurde. Diese Untersuchungen erlaubten gleichzeitig eine sehr starke fermentative Wirkung der follikul\u00e4ren Elemente des Darmkanals zu konstatiren. Fast identische Resultate erhielt ich, als ich auf die von einem Thiere erhaltenen Albumosen und Peptone mit einen Extrakte der Darmkanalschleimhaut eines anderen Thieres wirkte, das vorher gef\u00fcttert und unmittelbar vor dem Experimente get\u00f6dtet worden war. Bei diesen Experimenten war das Chymosinferment vorher konstatirt worden.\nDie Producte^ die ich in allen diesen Untersuchungen von den Thie-ren erhielt, waren meistens identisch mit den Producten, die ich aus den Peptonen durch k\u00fcnstliche Verdauung erhalten habe, und gaben mir das Recht zu behaupten, dass das Chymosinferment auf die Verdau ungspro-ducte in dem Darmkanale eigenartig wirkt, und dass diese Wirkung nur auf einer bestimmten Stufe der Peptonisirung und des Tryptonisirungsprocesses stattfindet, ln meiner oben erw\u00e4hnten Arbeit habe ich diesen Process Albuminisirungsprocess genannt. Meine jetzigen Untersuchungen \u00fcber die chemische Natur dieses Eiweisses haben mich \u00fcberzeugt, dass dieser Name kein entsprechender ist. da diese Pro-ducte, die ich im Laboratorium erhalten habe, Eiweisse sui generis darstellen. Die Chymosin- Reaction h\u00e4ngt im h\u00f6chsten Grade von der Art der Vorbereitung des Peptons ab, n\u00e4mlich der Verdauungsprocess muss im bestimmten Momente unterbrochen werden. Sie h\u00e4ngt ferner von der Quantit\u00e4t der Salzs\u00e4ure w\u00e4hrend des Verdauungprocesses, von der sauren Reaction der Peptonl\u00f6sung, von der Temperatur (40\u00b0) und von noch zu bestimmenden \u00e4usseren Bedingungen ab.\nDie Peptone wurden durch Dyalise gereinigt und als Niederschl\u00e4ge mittels Alkohol erhalten. Der Fermentextract enth\u00e4lt 0,2% Eiweiss und zwei bis f\u00fcnf Procent Kochsalz.","page":74}],"identifier":"lit36124","issued":"1898-99","language":"de","pages":"73-74","startpages":"73","title":"Ueber das Chymosinferment","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:43:15.390301+00:00"}
