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Zur Lehre von den Stomata der serösen Höhlen

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{"created":"2022-01-31T16:48:18.612714+00:00","id":"lit36151","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Ussow, P.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 1: 144-154","fulltext":[{"file":"p0144.txt","language":"de","ocr_de":"144\nZUR LEHRE YON DEN STOMATA DER SER\u00d6SEN H\u00d6HLEN.\nAus diesem Grunde bietet das allm\u00e4hlige Wachstum des Kerns und dessen sich allm\u00e4hlig complicirende Individualisation w\u00e4hrend der Furchung der Eier der Knochenfische, ferner die hier erscheinenden eigent\u00fcmlichen cytologischen Bilder, vor allem aber die directe Teilung, bietet dies alles unzweifelhafte Spuren der Genesis der Zelle dar und wirft ein Licht auf die Frage von der genetischen Beziehung zwischen den beiden Formen der Zellenteilung.\nUnd in der That sieht man in dem Bilde der Entwicklung des Individuums gew\u00f6hnlieh den verk\u00fcrzten und modificirten Weg, den die Phylogenese genommen hat, wobei haupts\u00e4chlich der Ursprung der Keimbl\u00e4tter und der Organe, ungef\u00e4hr mit dem Blastulastadium beginnend, unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. In unserem Falle jedoch erlauben die oben beschriebenen Thatsachen weiter zu gehen. AVenn man an einem reifen befruchteten Ei (im gegebenen Falle demjenigen eines Knochenfisches) cytologisch den Furchungsprocess verfolgt, so gelingt es in diesem \u00e4usserst schnell vor\u00fcbergehenden Stadium der Entwicklung unzweifelhafte Spuren der Genesis der Ur-zelle, ehe sie die Grundlage der Metazoen wurde, wahrzunehmen.\nZur Entscheidung der Frage von der Genesis der Zelle wendet man sich mit Nutzen dem Studium cytologischer Erscheinungen bei den Protozoen zu, doch sollte man auch die sich furchenden Eier der Knochenfische und vielleicht auch anderer Tiere nicht vernachl\u00e4ssigen. Dieses bis jetzt noch wenig untersuchte Material, welches, wie wir gesehen, viel Interessantes bietet, wiederholt, vielleicht, ontogenetisch Erscheinungen aus dem Leben solcher einzelligen Organismen, die jetzt schon verschwunden sind.\nZum Schl\u00fcsse halte ich es f\u00fcr eine angenehme Pflicht dem verehrten Herrn Prof. I. Ognew, in dessen Laboratorium die vorliegende Arbeit ausgef\u00fchrt wurde, meinen innigsten Dank hier auszuspreehen.\nZur Lehre von tfeu Stomata \u00ab1er ser\u00f6seu H\u00f6hlen.\nVon Dr. P. U s s o w,\nAus dem histologischen Institut der Kaiserlichen Universit\u00e4t zu Moskau.\nDie F\u00e4higkeit des Zwerchfells, sehr fein verteilte unl\u00f6sliche Substanzen zu absorbiren, wurde zuerst von Recklinghausen beobachtet. Seitdem ist dieses Organ, namentlich dessen Centrum tendineum, der Gegenstand zahlreicher Untersuchungen gewesen, welche den Zweck hatten den feineren Bau desjenigen Apparats zu zeigen, dem das Zwerchfell die F\u00e4higkeit verdankt unl\u00f6sliche Teilchen aufzusaugen. Im Allgemeinen waren die Untersuchungen auf die","page":144},{"file":"p0145.txt","language":"de","ocr_de":"ZUR LEHRE VON DEN STOMATA DER SER\u00d6SE H\u00d6HLEN.\n145\nAuffindung der G\u00e4nge gerichtet, welche die Paritonealh\u00f6hle mit den Lymph-gef\u00e4ssen verbindet, mit anderen Worten, sie bezweckten die Ermittelung des Ursprungs des Lymphgef\u00e4sse, sowie deren Beziehung zu den ser\u00f6sen H\u00f6hlen.\nln dieser kurzen Schrift will ich mich nicht dabei aufhalten einen Ueber-blick \u00fcber die hierauf bez\u00fcgliche Literatur zu geben und mich nur auf die Darstellung der Hauptphasen in der Entwicklung der verschiedenen Meinungen \u00fcber diese Frage beschr\u00e4nken.\nIndem Recklinghausen *) auf ein \u00fcber einen Korkpfropfen gespanntes Centrum tendineum eines Kaninchens Milch goss, bemerkte er, dass die Milchk\u00fcgelchen nach gewissen Stellen hinstr\u00f6mten, dort Wirbel (Str\u00f6mungen) bildeten, hierauf sanken und in die darunter liegenden Lymphgef\u00e4sse drangen. Er erkl\u00e4rte diese Erscheinungen durch die Gegenwart von Oeffnungen zwischen den Zellen des Endothels, wobei diese sich bald \u00fcber den Lymph-gef\u00e4ssen, bald neben denselben befindlichen rundlichen Oeffnungen den Durchmesser der Milchk\u00fcgelchen um das zwei\u2014bis dreifache \u00fcbertreffen sollten. Recklinghausen nannte diese Oeffnungen Stomata. Ludwig, Schweiger-Seidel -) und Dogiel * * 3) lenkten ihre Aufmerksamkeit auf die kleinen Oeffnungen zwischen den Zellen, welche an Silberpr\u00e4paraten als Punkte erscheinen, und hielten dieselben f\u00fcr den Ursprung der Lymphwege.\nDie genannten Forscher waren die ersten, die die Verschiedenartigkeit der Endothelzellen der Peritonealh\u00fclle des Zwerchfelles bemerkten und dieselben der Gr\u00f6sse nach in zwei Gruppen reihten. Diejenigen der ersten, die gr\u00f6sseren Zellen, liegen \u00fcber den Sehnen, wohingegen sich die kleineren Zellen der zweiten Gruppe \u00fcber den intertendin\u00f6sen Spalten befinden und mit jenen abwechselnd Streifen bilden. Eine solche Beschreibung finden wir bei Schweig-ger-Seidel, der auch noch hinzuf\u00fcgt, dass die von den kleineren Zellen gebildeten Streifen durch H\u00e4ufchen noch kleinerer Elemente unterbrochen werden, die er f\u00fcr Bildungst\u00e4tten von Lymphk\u00f6rperchen aus dem Endothel h\u00e4lt. Dybkowski 4) fand bei seiner Untersuchung \u00fcber die Aufsaugung in der Pleuralh\u00f6hle denselben Unterschied in der Gr\u00f6sse der Zellen des Endothels der Intercostalpleura, wo er die Aufsaugung seitens der Lymphgef\u00e4sse beobachtete; doch gelang es ihm nicht in der Anordnung dieser Zellen irgend eine Regelm\u00e4ssigkeit zu entdecken. Was den Ursprung der Lymphgef\u00e4sse betrifft, so verlegt er denselben in die intercellul\u00e4ren Zwischenr\u00e4ume in Gestalt von Stigmata, wie die vorhergenannten Forscher.\nHinsichtlich des Baues des Aufsaugungsapparate ist Ranvier 5) anderer Meinung. Seiner Ansicht nach gleichen die Sehnenfasern des Diaphragmacentrums des Kaninchens den Sehnen im Schw\u00e4nze der Ratte, da sie wie diese mit platten Bindegewebzellen bedeckt sind. Zwischen den Sehnen befinden\n*) y Recklinghausen. Strieker\u2019s Gewebelehre.\n-) C. Ludwig und F. Schweiger-Seidel. Ueber das Centr. tendineum des Zwerchteiles. Arbeit aus der Physiol. Anstalt zu Leipzig vom Jahre 1866. S. 175.\n3)\tF. Schweiger-Seidel und Dogiel. Ueber die Peritonealh\u00f6hle heim Frosche etc. ibid. S. 68.\n4)\tDr. Dybkowsky. Ueber Aufsaugung und Absonderung der Pleurawand. Arb. a. d. Phys. Anst. Leipzig 1866. S. 41.\n5)\tRanvier. Technisches Lehrbuch der Histologie.","page":145},{"file":"p0146.txt","language":"de","ocr_de":"146\nZUR LEHR]-: VON DEN STOMATA DER SER\u00d6SEN JI\u00d6IILEN.\nsich Spalten, die in die Lymphgef\u00e4sse f\u00fchren, und \u00fcber den Spalten liegt die Peritonealmembran, in welcher Oeffnungen zu bemerken sind. Diese Oeffnun-gen, welche mit den sich zwischen den Sehnen befindlichen Spalten in gleicher Fl\u00e4che liegen, sind mit kleinen Zellen, seiner Ansicht nach Leukocyten, angef\u00fcllt. Bei genauerer Pr\u00fcfung wird man gewahr, dass in dieser Oeffnungen die Kan\u00e4le entspringen, die sich von der Oberfl\u00e4che des Bauchfelles zu den Lymph-gef\u00e4ssen hinziehen. Das ist Ranvier\u2019s Meinung nach die Anordnung der Kan\u00e4le oder, wie er sie nennt, Lymphbrunnen, die den Ursprung der Lymph-wege in dem Diaphragma vorstellen.\nTourneux und Hermann ') sind anderer Meinung. Ihrer Ansicht nach sind die kleinen Zellen keine Leukocyten, sondern embryonale Endothelzellen, aus denen sich sp\u00e4ter gew\u00f6hnliche Endothelzellen bilden sollen. In ihrem Sinne w\u00e4ren die Anh\u00e4ufungen kleiner Zellen Vertiefungen mit H\u00e4ufchen von embryonalen Zellen und Bildungscentra f\u00fcr das gew\u00f6hnliche Endothel, w\u00e4hrend die Lymphgef\u00e4sse unter denselben hinziehen, ohne dass in deren Wandungen Oeffnungen vorhanden w\u00e4ren.\nDubar und R\u00e9my * 7) heben in ihrer Arbeit \u00fcber die Absorption aus der Bauchh\u00f6hle des Kaninchens hervor, dass es auf der peritonealen Seite des Centrum tendineum des Zwerchfelles Lymphgef\u00e4sse giebt, die, die Sehnenfasern durchkreuzend, unmittelbar unter dem Endothel des Bauchfelles liegen, so dass an diesen Stellen die Wand derselben aus zwei Schichten von Endothelzellen besteht Genannte Autoren stellen das Vorhandensein der Ranvier\u2019schen Lymphbrunnen in Abrede, behaupten dagegen, dass die Vertiefungen vollst\u00e4ndig mit kleinen Endothelzellen ausgef\u00fcllt sind und gar keine Oeffnungen aufweisen. Ihrer Ansicht nach geschieht -die Absorption mittels unmittelbaren Durchdringens eckiger Teilchen (particules anguleuses) durch die Zellen: sie sagen geradezu: \u00abNous n'avons jamais vu que les puits lymphatiques fussent un lieu d\u2019\u00e9lection pour l'entr\u00e9e des diverses mati\u00e8res \u00e0 injection\u00bb. Die von den letztgenannten Autoren angef\u00fchrten Thatsachen wurden von ihnen ziemlich oberfl\u00e4chlich und in mancher Hinsicht nicht den wahren Verh\u00e4ltnissen gem\u00e4ss beschrieben.\nNeuerdings hat Kolossoff v) die Frage \u00fcber die kleinen Endothelzellen und die Stomata wieder aufgenommen. Seiner Ansicht noch besitzen die kleinen Zellen keinen embryonalen Charakter, und k\u00f6nnen folglich die Anh\u00e4ufungen derselben in den Vertiefungen des ser\u00f6sen Gewebes nicht als Bildungscentra gelten. Deren wirkliche Bedeutung ist ihm zwar nicht klar, doch scheint ihm unzweifelhaft, dass die Endothelh\u00fclle des Bauchfelles nirgend Unterbrechungen aufweist. Aus diesem Grunde stellt er das Vorhandensein pr\u00e4formirter Stomata ganz in Abrede, giebt aber die M\u00f6glichkeit der Bildung facultativer Oeffnungen zwischen den Zellen zu, ohne deren Beziehung zu den Lymphgef\u00e4ssen n\u00e4her zu bestimmen.\nMit dieser Aufz\u00e4hlung haben wir alle typischen Meinungen, die \u00fcber diese Frage laut geworden sind, wiedergegeben Schon aus dieser kurzen Au-\n,;) Tourneux et Hermann. Journal d'anatomie et physiologie de Cb. llobin J875.\n7) Dubar et R\u00e9my. Absorption par le p\u00e9ritoine. Journ. d\u2019anal, et de phys. 1882 Al 1, p. 60. \u00ae) Kolossoff. O CTpoeHiu n.reBponepnTonea.TtHaro n cocvgHCTaro angOTeaia. quccepraitia. Aloc-KBa 1892.","page":146},{"file":"p0147.txt","language":"de","ocr_de":"ZUR, LEHRE VOX HEX\nST0.MATA DER SER\u00d6SEN H\u00d6HLEN.\t147\ng\u00e4be ist ersichtlich, wie verschiedenartig und zuweilen sogar widerspruchsvoll unsere Kenntnisse von den \"Wegen, auf denen die Absorption aus der Bauchh\u00f6hle vor sich geht, gestaltet sind.\nMeine Untersuchung \u00fcber diesen Gegenstand begann ich mit Experimenten \u00fcber die Absorption von chinesischer Tusche und l\u00f6slichem Berlinerblau seitens des Diaphragma eines Kaninchens. Diese versuche wurden nach der bekannten Methode an einem halbirten Kaninchen angestellt, und wurde anfangs ein dem von Schweigger-Seidel beschriebenen identisches Bild erhalten; d. h. es waren auf der peritonealen Seite des Zwerchfelles deutlich in radiale Richtungen geordnete, mit Farbstoff angef\u00fcllte Streifen zu sehen, w\u00e4hrend auf der pleuralen ein mehr oder weniger klares Netz von Lymphgef\u00e4ssen hervortrat.\nZu Versuchen an anderen Thicren \u00fcbergehend, w\u00e4hlte ich weisse M\u00e4use, die sich beim Manipuliren besonders bequem erwiesen. Schon anderthalb Stunden nach dem Einspritzen von 1 Cc. Berlinerblau in die Peritonealh\u00f6hle derselben mittels der Pravaz\u2019schen Spritze erhielt ich eine vorz\u00fcgliche injection der Lvmphgef\u00e4sse. Das Bild war ein etwas anderes als bei den Kaninchen. Das Centrum des Zwerchfelles wies nicht die geringste Spur von Farbstoff auf: auf dem muskul\u00f6sen Teil der der Bauchh\u00f6hle zugekehrten Seite waren farbige Streifen sichtbar, die von der Peripherie znm Centrum gingen, all-m\u00e4hlig schm\u00e4ler wurden und. bevor sie den seimigen Teil erreichten, in einen Strich ausliefen. Auf der pleuralen Seite gewahrte man ein sch\u00f6nes Netz von Lymphgef\u00e4ssen. deren allgemeine Richtung eine ringf\u00f6rmige war; dieselben nahmen nur den peripheralen Teil des Zwerchfelles ein. ohne sich dem sehnigen Centrum zu n\u00e4hern. Wenn man das nichtinjicirte Zwerchfell einer Maus durch die Loupe betrachtete, so konnte man wahrnehmen, dass die den radialen Streifen entsprechenden Stellen d\u00fcnne weissliche Striche vorstellten.\nAn Silberpr\u00e4paraten des Zwerchfelles konnte wahrgenommen werden, dass die Stellen, welche den blauen radialen Streifen entsprachen, einen etwas abweichenden Charakter aufwiesen: w\u00e4hrend das Centrum des Diaphragma und der gr\u00f6ssere Teil des Muskels desselben mit verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig grosszelligem Endothel bedeckt war, erschienen die \u00fcber diesen Stellen liegenden Zellen des Endothels bedeutend kleiner, und schien die ser\u00f6se H\u00fclle hier eine Falte zu bilden, Um ein m\u00f6glichst deutliches Bild zu erhalten, schritt ich zur Versilberung des Zwerchfelles nach der physiologischen Injection desselben mit Berlinerblau, Zur Sichtbarmachung der Lvmphgef\u00e4sse bediente ich mich der Ran-vier'schen, in seinem Lehrbuche beschriebenen, Methode 9) mit dem Unterschiede, dass die Pr\u00e4parate nicht l\u00e4nger als 20 Minuten in der Silbernitratl\u00f6sung gehalten, und das Diaphragma nachher nicht auf ein Glasrohr gespannt wurde, was angesichts der geringen Ausdehnung diese Organs bei der Maus schwierig gewesen w\u00e4re. Meine Verfahrungsart dagegen war folgende: nach der Enth\u00e4utung wurde die Maus halbirt. die Leber entfernt, sodann der Brustkasten in seinem oberen Teile durchgeschnitten und alle Orga-\nJ I. c.","page":147},{"file":"p0148.txt","language":"de","ocr_de":"ZUR LEHRE VOX DEX STOMATA TER SEK\u00d6SEX II\u00d6IILEX.\n148\nne der Brust durch die entstandene Oeffnung vorsichtig herausgenommen. Auf\ngleichsam\nein becher\u00e4hnliches Gef\u00e4ss entstanden, in welches gegossen wurde, w\u00e4hrend das ganze\nSilberl\u00f6sung\ndiese Art war eine weniger concentrirte\nPr\u00e4parat bis zur H\u00e4lfte in eine concentrirtere getaucht wurde. An solchen Pr\u00e4paraten waren sowohl das Endothel als auch die injieirten Stellen deutlich sichtbar. Bei aufmerksamerem Betrachten konnte man an den Stellen, wo die Farbe weniger dunkel war, bemerken, dass es \u00fcber dem Farbstoff ausser dem feinen peritonealen Endothel noch ein anderes, mit mehr gezackten Grenzen, giebt: bei mittlerer Yergr\u00f6sserung schien es, als seien diese letzteren Zellen in die ersteren eingeschrieben. Mit einem Apochromat von 3 Mm. und einem Ocular compens. Al 4 sah man deutlich, dass die Zellen mit den gezackten Grenzlinien etwas tiefer als die kleineren Zellen des peritonealen Endothels lagen. Es wurde uns somit klar, dass wir es mit der oberen\nWand eines oberfl\u00e4chlichen Lymph-gef\u00e4sses zu thun hatten, in dessen Innerem sich der Farbstoff befand. An Querschnitten von Celloidinpr\u00e4-paraten (Fig. 1.) konnte man sich davon \u00fcberzeugen, dass die beschriebenen Stellen Lymphgef\u00e4sse vorstellten, die unmittelbar an dem peritonealen Endothel lagen, so dass an diesen Stellen die Peritonealh\u00f6hle von dem inneren Raume des Gef\u00e4sses durch eine Membran getrennt war, welche aus zwei Reihen Endothelzellen bestand, von denen die eine der Endothelh\u00fclle des Bauchfelles, die andere dem Gef\u00e4ssendothel angeh\u00f6rte.\nOhne mich bei der ausf\u00fchrlichen Beschreibung\u201d der Beziehung der Lymphgef\u00e4sse zu dem Bauchfelle bei der Maus aufzuhalten, gehe ich zu der Beschreibung meiner weiteren \u00fcber. Um mich von dem Vorhandensein der radialen Lymph-ef\u00e4sse in dem muskul\u00f6sen Teile des Zwerchfelles zu \u00fcberzeugen, unternahm ich macroscopische Beobachtungen an dem Diaphragma eines Hundes.\nBei dem erwachsenen Hunde sind weissliche, in radialer Richtung laufende Striche von deutlich membran\u00f6sem Character schon mit blossem Auge sichtbar. Beim Abtrennen von diesen Stellen l\u00f6sst sich die ser\u00f6se Membran schwerer und reisst stellenweise. Es ist, als ob die Muskelfasern auseinander gingen und der Zwischenraum mit einer Membran \u00fcberzogen w\u00e4re, welche seitw\u00e4rts kleine keilf\u00f6rmige Abzweigungen entsendet. Auf der pleuralen Seite liegen grosse Lymphgef\u00e4sse, die im Allgemeinen ringf\u00f6rmig angeordnet sind.\nWie aus dem eben Gesagten ersichtlich ist, ist die macroscopische Anord-\nFig. 1. Querschnitt des Zwerchfells einer weissen Maus: a) Lumen eines oberfl\u00e4chlichen Lymphge-f\u00e4sses; b) Peripherische Wand eines unmittelbar an das peritoneala Endothel stossenden Gef\u00e4sses.\nBeobachtungen","page":148},{"file":"p0149.txt","language":"de","ocr_de":"ZUR LEHRE VOX DEN STOMATA DER SER\u00d6SEN H\u00d6HLEN.\n149\n7\nming der Lymphwege bei dem Hunde dieselbe wie bei der Maus. Bei der Injection der Lymphgef\u00e4sse von der pleuralen Seite aus mit einer L\u00f6sung von Berlinerblau, vermittelst Einstich mit der Pravaz\u2019schen Spritze, konnte man sehen, wie der Farbstoff auf die peritoneale Seite \u00fcberging und die erw\u00e4hnten radialen Striche anf\u00fcllte. Beim Injiciren eines solchen Streifens durch Einstich verbreitet sich der Farbstoff' nicht nur l\u00e4ngs desselben, sondern geht rasch auch auf die benachbarten Streifen \u00fcber und injicirt dieselben. Dabei erh\u00e4lt man ein feines Netz von oberfl\u00e4chlich gelegenen Lymphgef\u00e4ssen, welches selbst mit unbewaffnetem Auge zu unterscheiden ist.\nBei geringer Yergr\u00f6sserung erscheint das System der oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4sse folgendermassen gestaltet: an den Stellen der Streifen sieht man ein System von senkrecht gegen einander gerichteten kleinen Gef\u00e4ssen (Fig. 2);\nein Teil derselben l\u00e4uft parallel dem\t''\t- xx\nUmkreise des Zwerchfelles und vereinigt\t\"\t... --\t~\nsich mit den Gef\u00e4ssen des benachbarten\nSystems, die Gef\u00e4sse des andern Teils c 1\u2014- .\t-\t.\nendigen, ehe sie den n\u00e4chsten Streifen\tY\nerreichen. Alle ringf\u00f6rmig angeordneten\t^\t|\nGef\u00e4sse dieses Systems sind mit einan- a ---------\t' -\t\u2014 j\nder durch kurze Anastomosen verbunden, die den radialen Lymphgang bilden.\nEinige der querlaufenden Gef\u00e4sse kommen der Oberfl\u00e4che n\u00e4her, was auch durch intensivere F\u00e4rbung zu erkennen ist. Dieses feinmaschige Netz aus ringf\u00f6rmigen und radialen oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4ssen ist es eben, welches macroscopisch den weisslichen radialen Streifen bildet.\nDie Vorstellung, welche man sich von der Verteilung der Lymphgef\u00e4sse in dem Diaphragma des Hundes zu machen hat, w\u00e4re also folgende. An gewissen Stellen der pleuralen Seite dieses Organs laufen in radialer Richtung oberfl\u00e4chliche Lymphgef\u00e4sse, die seitw\u00e4rts Abzweigungen entsenden: durch diese werden die radialen Gef\u00e4sse mit einander derartig verbunden, dass sich ein feinmaschiges Netz oberfl\u00e4chlich gelegener Lymphgef\u00e4sse von capill\u00e4rem Character bildet. Die radial liegenden Gef\u00e4sse sind mit denjenigen der pleuralen Seite unmittelbar verbunden. An mit Hermann\u2019scher Fl\u00fcssigkeit fixirten Pr\u00e4paraten der ser\u00f6sen Membran, die in der Folge mit Holzessig geschw\u00e4rzt worden waren, f\u00e4rben sich die den Streifen entsprechenden Endothelzellen dunkler und sind kleiner als diejenigen, welche den \u00fcbrigen Teil des Zwerchfelles bekleiden, d. h. sie geh\u00f6ren zu Schweiger-Seidel\u2019s \u00abkleinen\u00bb oder Kolosoff's \u00abprotoplasmatischen Zellen.\nAuf der pleuralen Seite sind eben solche Streifen sichtbar, die, der Injection durch Einstich nach zu urteilen, mit den ringf\u00f6rmigen Lymph\nFig. 2. Injection mit BeiTinerblau mittels Einstich des Zwerchfelles eines Hundes. Die Zeichnung stellt das Radialsystem der oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4sse dar: a) Ranvier\u2019s \u00abculs-de-sac\u00bb\u2014Ursprung der Lymphgef\u00e4sse. d) Radiale Anastomosen.\ngelassen","page":149},{"file":"p0150.txt","language":"de","ocr_de":"150\n'/-VU LEI IKK VOX LEX STOMATA LEE SEK\u00d6SHX H\u00d6HLEN.\ngleichfalls in Verbindung stellen: docli habe ici) dieselben noch nicht genauer untersucht.\nInfolge der Durchsichtigheit des Centrum tendineum bei dem Kaninchen und\tder damit verkn\u00fcpften Leichtigkeit der\tBeobachtung,\tbietet das Dia-\nphragma dieses Tieres so grosse Vorteile, dass ich mich veranlasst sah mich demselben wieder zuzuwenden. Indem ich Pr\u00e4parate betrachtete, an welchen die Lymphgef\u00e4sse mit chinesischer Tusche injicirt und mit einer L\u00f6sung von\tBerlinerblau mittels\tEinspritzen dieser\tFarbstoffe in\tdie Bauchh\u00f6hle,\nges\u00e4ttigt worden waren, bemerkte ich, dass der Grad der Injection bebedeutend variirt und dass je vollkommener die F\u00fcllung statt gefunden, desto mehr der Farbstoff nach\tder intertendin\u00f6sen\tSpalte hin hervortritt und sich\n\u00fcber\tden Sehnen selbst\tverbreitet. Zuletzt\tgelang es mir\tdie Injection des\nganzen \u00fcber den Sehnen des Centrums des Zwerchfelles verbreiteten Systiues\nvon Lymphgef\u00e4ssen zu bewerkstelligen. Ueber den intertendin\u00f6sen Spalten ziehen sich breite radiale Gelasse hin, die seitw\u00e4rts sackf\u00f6rmige Abzweigungen entsenden, welche Ranvier 1 \") in seiner letzten Arbeit culs de-sac nennt und f\u00fcr den Ursprung der Lymphgef\u00e4sse h\u00e4lt. Diese sackf\u00f6rmigen Ausw\u00fcchse anastomosiren stellenweise mit solchen des n\u00e4chst liegenden radialen Gef\u00e4sses. wie aus Fig. 3 ersichtlich ist. Auf diese Weise entsteht ein Netz, welches in allgemeinen Z\u00fcgen dem beim Hunde beobachtetten gleicht, doch weniger complicirt ist und weitere Maschen hat. Trotz ihres ziemlich bedeutenden Calibers besitzen alle diese Gef\u00e4sse den Character von Lymphcapillaren. Die seitlichen Abzweigungen der radialen Gef\u00e4sse m\u00fcssen f\u00fcr den Ursprung der Lymphgef\u00e4sse angesehen werden und best\u00e4tigen in dieser Hinsicht meine\nc\n\\\n\\\na \u2014\n\\\n\\\n\\\nFig. 3. Injection mit Berlinerblau des Zwerchfells eines Kaninchens. Netz oberfl\u00e4chlicher Lymphgef\u00e4sse: a) Seitlicher sackf\u00f6rmiger Auswuchs (Ursprung des Lymphgef\u00e4sses); b) Anastomosen zwischen den sackf\u00f6rmigen Ausw\u00fcchsen-, c) Badiale Gef\u00e4sse.\neigenen und die von Ranvier an anderen Stellen gemachten Beobachtungen.\nUnter den radialen Gef\u00e4ssen schimmern die mehr oder weniger intensiv gef\u00e4rbten intertendin\u00f6sen Spalttn hervor, von denen weiter unten die Rede sein wird. Ein analoges Bild gelang es durch Injection, mittels Einstich, in einen der radialen weissen Streifen des muskul\u00f6sen Teils des Zwerchfellos zu\n10) Banvier. Morphologie et d\u00e9veloppement des vaisseaux lymph, chez les mammif\u00e8res. Arch. d\u2019Anat. microsc. T. I. F. 1. p. 70.","page":150},{"file":"p0151.txt","language":"de","ocr_de":"151\nZUR LEHRE VON DEN STOMATA DER SER\u00d6SEN H\u00d6HLEN.\nerhalten. Nachdem ich mich auf diese Weise von dem Vorhandensein eines neuen Netzes von Lymphgef\u00e4ssen, welches ich bei meinen weiteren Auseinandersetzungen das oberfl\u00e4chliche\u00bb nennen werde, \u00fcberzeugt hatte, wandte ich mich der Untersuchung von nach Ranvier\u2019s \u201c) Methode versilberten Pr\u00e4paraten des Centrum tendineum zu, wobei ich es mir angelegen sein liess das Endothel der Peritonealh\u00fclle m\u00f6glichst unversehrt zu erhalten. Diese Pr\u00e4parate zeigten das gew\u00f6hnliche Bild von abwechselnden Gruppen und Streifen aus kleinen und gr\u00f6sseren Endothelzellen. Beim Senken des Objectivs gewahrte man die unter dem peritonealen Endothel liegenden Endothelzellen mit mehr gezackten Grenzlinien, in denen es leicht war das Endothel von Lymphgef\u00e4ssen zu erkennen. Dies Endothel war in verschiedenen Tiefen zu treffen und lag bald l\u00e4ngs der intertendin\u00f6sen Spalte, bald \u00fcber den Sehnen selbst. An gelungenen Silberpr\u00e4paraten war es leicht sich zu \u00fcberzeugen, dass man es dort mit zwei Endothelschichten der Lymphgef\u00e4sse zu tliun hatte, und dass die untere unmittelbar in das Endothel \u00fcberging, welches die intertendin\u00f6se Spalte von Innen auskleidete. Bei weiterem Senken des Objectivs trifft man wieder auf das grosszeilige Endothel der Lymphgef\u00e4sse der ser\u00f6sen H\u00fclle der pleuralen Seite des Zwerchfelles. Wenn man die Verbreitung der oberfl\u00e4chlichen Schichten des lymphatischen Endothels verfolgt, so erkennt man unschwer, dass letzteres dem obenbeschriebenen, durch Injection sichtbar gewordenen, Netze ent-snricht. Bei n\u00e4herer Betrachtung der ersten Schicht des Gef\u00e4ssendothels sieht man, dass es in verschiedenen Tiefen liegt, wovon man sich durch Messen des Abstandes zwischen den Grenzen des Peritoneal\u2014und des Gef\u00e4ssendothels an der micrometrischen Schraube des Microscops leicht \u00fcberzeugen kann. Diese Beobachtungsmethode machte es mir klar, dass das feinzeilige peritoneale Endothel immer \u00fcber den Lymphgef\u00e4ssen liegt und dass in dem Maasse, wie das Gef\u00e4ss aus der Tiefe des Gewebes an die Oberfl\u00e4che tritt, dieses Endothel immer kleinzelliger wird. Deshalb ordnen sich die kleinen Zellen auch so verschiedenartig an, indem sie die Ver\u00e4stelungen der Gef\u00e4sse auf gr\u00f6sseren oder kleineren Strecken bekleiden.\nEin besonderes Interesse bieten die Gruppen kleiner Zellen, welche gr\u00f6sstenteils \u00fcber den intertendin\u00f6sen Spalten liegen und zu verschiedenen Interpretationen Anlass gegeben haben. Das sind die Stellen, welche, wie schon oben bemerkt wurde, nach Ranvier\u2019s Ansicht mit lymphoidalen Elementen angef\u00fcllte Brunnen bilden, w\u00e4hrend sie von anderen Forschern f\u00fcr die Bildungsst\u00e4tten des Endothels aus lymphoidalen Elementen gehalten werden, und noch andere dieselben im Gegenteil f\u00fcr die Bildungsst\u00e4tten von lymphoidalen Elementen aus Endothelzellen ansehen. Bei n\u00e4herer Betrachtung der Pr\u00e4parate \u00fcberzeugte ich mich, dass nur einige Gruppen tiefer als das sie umgebende Gewebe, gleichsam in einer Vertiefung liegen, die meisten jedoch hervortreten, so zu sagen Anh\u00f6hen bilden. Eine solche Anordnung halte ich f\u00fcr die normale, denn wenn auch k\u00fcnstlich, anstatt einer Erh\u00f6hung, eine Vertiefung entstehen kann,\n\") Anmerkung: Wahrscheinlich hatten Dubar und R\u00e9my bei der Beschreibung der Lynrph-gef\u00e4sse des Diaphragma dieses Netz im Auge, doch ist dasselbe bis jetzt noch nicht genau beschrieben worden.\nf.","page":151},{"file":"p0152.txt","language":"de","ocr_de":"152\nZUR LEHRE VON DEN STOMATA DER SER\u00d6SEN H\u00d6HLEN.\nso ist es nicht m\u00f6glich sich vorzustellen, auf welche Art sich bei der gew\u00f6hnlichen Herstellungsmethode von Silberpr\u00e4paraten, anstatt einer Vertiefung, eine Erh\u00f6hung, und zwar eine ganz regelm\u00e4ssige, bilden k\u00f6nnte. Mit einem Apochro-mat, von 3 Mm. und einem Ocular compens 4 sieht man, dass die kleinen Zellen die unmittelbare Fortsetzung des peritonealen Endothels sind und dass ihre Grenzlinien ebenso regelm\u00e4ssig wie bei dem Endothel des Bauchfells \u00fcberhaupt gestaltet sind.\nBeim vorsichtigen Senken des Objectivs wird man gewahr, dass die oben beschriebenen Stellen bald durch andere ersetzt werden. Diese zweite Schicht liegt der ersten sehr nahe, so dass sie beim Drehen der micrometrischen Schraube um ungef\u00e4hr 1 Teilung sehr scharf hervortritt. Die Zellen dieser Schicht sind gr\u00f6sser, ihre Grenzlinien sind tief gezackt\u2014mit einem V orte (s ist klar, dass wir das Endothel eines Lymphgef\u00e4sses vor uns sehen. Diese Zellenschicht weiter verfolgend, gelangen wir leicht zur Ueberzeugung, dass dieselbe mit der oberen Endothelschicht der beschriebenen oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4sse ein Ganzes bildet. Nachdem wir die Grenze der kleinzelligen Gruppen \u00fcberschritten haben, m\u00fcssen wir das Objectiv nach und nach immer tiefer senken um die uns interessirende Zellenschicht ununterbrochen beobachten zu k\u00f6nnen, da das Endothel zwischen den Gruppen ungef\u00e4hr 4 u. tief liegt. Es kann somit der Schluss gezogen werden, dass das Endothel der peripherischen Wand der oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4sse an den Stellen der einzelligen Gruppen sich den kleinen Zellen des peritoneale Endothels unmittelbar anscliliesst.\nDie weitere Beobachtung der Verbreitung des Lymphendothels _ zeigte, dass die kleinzelligen Gruppen gr\u00f6sstenteils an den Stellen liegen, wo die Verzweigungen und die Ranvier .sehen S\u00e4cke von dem \u00fcber der intertendin\u00f6sen Spalte liegenden Gef\u00e4sse abgehen.\nWas diese Spalten anbetrifft, so unterhegt keinem Zweifel, dass in denselben die Gef\u00e4sse hegen, welche die lymphatischen Netze der beiden Seiten des Zwerchfells verbinden; auch habe ich Gelegenheit gehabt zu beobachten, dass der Querschnitt derselben dem Umkreise der Spalte nicht immer entspricht und dass ihre cylindrische Form manchmal deutlich zu unterscheiden ist. Das Endothel der pleuralen Seite enth\u00e4lt, soweit meine Beobachtungen reichen, keine kleine Zellen, was auch von denjenigen anderer Forscher best\u00e4tigt wird.\nBei dem Meerschweinchen ist der Typus der Verbreitung der Lymphgef\u00e4sse und der Verteilung des Endothels von verschiedener Gr\u00f6sse im Allgemeinen derselbe, doch weisen die kleinen Zellen des peritonealen Endothels keine solche Minimalgr\u00f6ssen auf wie bei den Kaninchen.\nAlles Gesagte zusammenfassend, kann man f\u00fcr die Verbreitung der Lymphgef\u00e4sse des Zwerchfelles der von mir untersuchten S\u00e4ugetiere einen allgemeinen Typus aufstellen. Derselbe wird dadurch characterisirt, dass sowohl auf der peritonealen, als auch auf der pleuralen Seite des Diaphragma ein Netz von Lymphgef\u00e4ssen vorhanden ist, wobei dasjenige der peritonealen Seite aus Ge-f\u00e4ssen von geringerem Caliber, Lymphcapillaren, besteht, welche kleinere Maschen bilden und deren Hauptverzweigungen haupts\u00e4chlich die radiale Rieh-","page":152},{"file":"p0153.txt","language":"de","ocr_de":"ZUR LEHRE VOX DEN STOMATA DER SER\u00d6SEN H\u00d6HLEN.\n153\ntung einlialten, wohingegen die Gef\u00e4sse der pleuralen Seite von gr\u00f6sserem Caliber sind, ein Netz mit weiteren Maschen bilden und im Allgemeinen ringf\u00f6rmig geordnet sind. Beide Systeme sind durch Gef\u00e4sse von verschiedenem Caliber, welche senkrecht zu den Muskelfasern des Zwerchfells hinziehen, mit einander verbunden. In den Einzelheiten weist eine jede Tierart Abweichungen von diesem Schema auf, so dass das Kaninchen auch nur einen Einzellall, zugleich aller ein h\u00f6chst typisches Beispiel von starker Entwicklung der Lympli-gef\u00e4sse darbietet.\nDas Endothel, welches die peritoneale Seite des Zwerchfelles bekleidet, kennzeichnet sich vor dem gleichm\u00e4ssig grosszeiligen Endothel der pleuralen Seite durch scharf ausgepr\u00e4gte Gr\u00f6ssenunterschiede seiner Zellen. Die kleinen, von Kolossow <feine protoplasmatische> genannten Zellen bekleiden die oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4sse.\nBei dem Kaninchen sieht man deutlich, dass diese Zellen desto kleiner werden, je n\u00e4her der Oberfl\u00e4che das Gef\u00e4ss liegt. Die kleinsten davon befinden sich oberhalb der Stellen, wo die Seiten\u00e4ste und S\u00e4cke von deu oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4ssen abgehen, und f\u00fcgen sich dort zu Gruppen.^ dabei mit der allgemeinen Endothelh\u00fclle der Bauchh\u00f6hle ein untrennbares Ganzes bildend. An dieser Stelle st\u00f6sst das Endothel der peripherischen Wand der. oberfl\u00e4chlichen Lymphgef\u00e4sse unmittelbar an das Endothel der Bauchh\u00f6hle. Folglich sind die Bildungen, die Ranvier f\u00fcr Brunnen h\u00e4lt, andere Forscher f\u00fcr Bildungsst\u00e4tten neuer Zellen ansahen, nichts anderes als Stellen in der Peritonealh\u00f6hle. wo diese von dem Lumen der Lymphgef\u00e4sse durch eine Wand getrennt ist, die hier am allerd\u00fcnnsten, ungef\u00e4hr 2 y. stark ist und nur aus zwei Schichten von Endothelzellen, dem peritonealen Endothel einerseits und dem Endothel der Lymphgef\u00e4sse andererseits, besteht. Was das Vorhandensein von pr\u00e4formirten Oeffnungen betrifft, so bin ich dar\u00fcber zu einem negativen Schl\u00fcsse gelangt, da die fakultativen Ver\u00e4nderungen der intercellul\u00e4ren Spalten, die von der Zusammenziehung der Endothelzellen bei der oben beschriebenen Beziehung der Lymphgef\u00e4sse zu der Bauchh\u00f6hle abh\u00e4ngeu, das Eindringen von feinverteilten Substanzen in das Lymphsystem zur Gen\u00fcge erkl\u00e4ren.\nObgleich meine Beobachtungen in dieser Richtung noch nicht die gew\u00fcnschte Vollst\u00e4ndigkeit besitzen, so glaube ich doch auf Grund des von mir bisher Wahrgenommenen schon das Recht zu haben obigen Satz aufzustellen.\nDie weitverbreitete Meinung, dass die Absorption nur im Centrum tendi-ueum stattfindet, gr\u00fcndet sich auf die Verallgemeinerung eines Einzelfalles, da alle Forscher ausschliesslich mit Zwerchfellen von Kaninchen gearbeitet haben. Meinen Beobachtungen nach erscheint als notwendige Bedingung der Absorption das Aneinanderhegen, an irgend einer Stelle, des Endothels der V and eines Lymphgef\u00e4sses und des Endothels des Bauchfelles. Diese Stellen sind mit den kleinen Zellen des peritonealen Endothels bekleidet. Somit w\u00e4ren diese Stellen pr\u00e4formirt, aber nicht in dem fr\u00fcheren Sinne dieses Wortes; denn die Oeffnungen erscheinen an denselben nur facultativ, in Gestalt von Erweiterungen der intercellul\u00e4ren Spalten, in Abh\u00e4ngigkeit von der Zusammenziehung des Protoplasma der Zellen, folglich nicht als eine einzige Oeffnung, wie man bis jetzt geglaubt hat, sondern als netzf\u00f6rmiges System von Spalten. Bei dem","page":153},{"file":"p0154.txt","language":"de","ocr_de":"154\nZUR LUI IRE VOX DEN STOMATA DER SEROSEX HOHLEN.\nKaninchen sind solche Stellen Teile der peritonealen H\u00fclle, welche mit kleinen, Gruppen bildenden Zellen bedeckt ist. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass die kleinen Zellen zu dem Absorptiousprocess in naher Beziehung stellen.\nAusser diesem Schluss ergiebt sich aus meinen Beobachtungen von selbst noch ein anderer. Bis jetzt war die am meisten verbreitete Ansicht \u00fcber die Beziehung der Peritonealh\u00f6hle zu den Lymphgef\u00e4ssen die von Recklinghausen ausgesprochene. Letzterer betrachtete diese H\u00f6hle als eine Fortsetzung^ des Lymphsystems, als eine Art von Erweiterung der Lymphgef\u00e4sse. Sich auf die Entwicklungsgeschichte, die ununterbrochene Ausdehnung und die morphologischen Eigent\u00fcmlichkeiten des peritonealen Endothels gr\u00fcndend, sprachen andere Forscher die Vermutung aus, dass diese H\u00f6hle mit dem Lymphsystem nichts gemein li\u00e2t, sondern ein Gebilde ganz anderer Art ist.\nDurch meine Beobachtungen hat diese letztere Ansicht eine neue tactische Best\u00e4tigung erhalten, da, wie aus den von mir angef\u00fchrten Thatsachen erhellt, die Lymphgef\u00e4sse nirgend unmittelbar in die Peritonealh\u00f6hle \u00fcbeigenen, sondern ein eigenes geschlossenes System bilden, welches nur in einzelnen Stellen mit der Wand der Bauchh\u00f6hle in enge Ber\u00fchrung tritt.\nMeine Arbeit ist noch lange nicht beendet. Gegenw\u00e4rtig bin ich mit uem Studium der Beziehung des Lymphsystems zu den ser\u00f6sen H\u00f6hlen \u00fcberhaupte in Verbindung mit den Bedingungen der Absorption aus denselben bei neren verschiedener Klassen besch\u00e4ftigt, und hoffe die Resultate meiner Beobachtungen bald ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen *')\u2022\nDiese Arbeit habe ich auf Antrag des H. Prof. 1. Ognew, dem ich bei dieser Gelegenheit meinen lebhaften Dank ausspreche, in dem unter seiner Leitung stehenden histologischen Institut an der Universit\u00e4t Moskau ausgef\u00fchrt.\nUN Auf Grund ven Thatsachen, in deren Besitze ich gegenw\u00e4rtig bin, kann ich erkl\u00e4ren, dass die Beziehungen der Lymphgef\u00e4sse zu der pleuralen H\u00f6hle die n\u00e4mlichen sind.","page":154}],"identifier":"lit36151","issued":"1898-99","language":"de","pages":"144-154","startpages":"144","title":"Zur Lehre von den Stomata der ser\u00f6sen H\u00f6hlen","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:48:18.612720+00:00"}

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