The Virtual Laboratory - Resources on Experimental Life Sciences
  • Upload
Log in Sign up

Open Access

Zur Frage über den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die Entwicklung und die Färbung der Tiere

beta


JSON Export

{"created":"2022-01-31T16:40:03.491889+00:00","id":"lit36253","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Nen\u00fckow, Dimitri","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 1: 244-250","fulltext":[{"file":"p0244.txt","language":"de","ocr_de":"244\nLEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\nniger langsamer Strom von Teilchen, und zu beiden Seiten desselben, bewegen sieb die Letzteren in krummen Linien die in den mittleren Strom ein m\u00fcnden.\nDieses ist der gew\u00f6hnlichste und am leichtesten zu beobachtende Fall, wenn die (senkrechte) Axe der Zelle in der Schwingungsebene des Systems liegt; und da das Letztere auch f\u00fcr die Haarzellen des Ohrlabyrintes gilt, so mag die beschriebene D\u00e4mpfungsart der im dem Ohre stattfindenden entsprechen. Die Wirkung unseres D\u00e4mpfers l\u00e4sst sich nun folgenderm\u00e4ssen auffassen. So lange die schwingende Zelle unbelastet bleibt, zerf\u00e4llt dieselbe nach Art einer Glocke in eine Anzahl von Segmenten, welche mehr oder weniger symmetrisch durch den K\u00f6rper der Zelle verteilt sind. Eine vollkommene Symmetrie derselben ist aber an unserer Zelle offenbar unm\u00f6glich, und dazu kommt noch die ungleichm\u00e4ssige H\u00e4rte iher W\u00e4nde; dies beides bewirkt den unregelm\u00e4ssigen Gang der Schwingungen, so wie das Zustandekommen disharmonischer Nebent\u00f6ne in dem Klange des Apparates. Sobald aber die St\u00e4bchen der Zelle so belastet werden, dass sie nicht mehr unabh\u00e4ngig voneinander, sondern als ein zusammenh\u00e4ngendes Ganzes, d. h. alle synchronisch, schwingen k\u00f6nnen, so tritt die Bedingung f\u00fcr das Zerfallen der Zelle nur in zwei Segmente ein (der D\u00e4mpfer wirkt ja auf eine H\u00e4lfte des Zellenk\u00f6rpers); und dieses Zerfallen findet wirklich statt, sobald die Schwingungen des Diapason so geregelt werden, dass sie mit denjenigen der in zwei H\u00e4lften zerfallenen Zelle zusammenfallen. Ein solches Anpassen des gl\u00e4sernen Diapason isi ja, wegen der Nachgiebigkeit seiner Zinken, leicht m\u00f6glich.\nAlle diese Auseinandersetzungen gelten nat\u00fcrlich nur so lange, als man das an den makroskopischen Theilen Beobachtete auf die mikroskopischen Gebilde \u00fcbertragen darf.\nZur Frage \u00fcber den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spcctrums auf die Entwicklung und die F\u00e4rbung der Tiere.\nYon Dimitri Nen\u00fckow,\naus dem physiologischen Institute der K. Universit\u00e4t Moskau\nIn letzter Zeit lenkt das Studium des Einflusses der Medien auf den tierischen Organismus die Aufmerksamkeit der Naturforscher immer mehr auf sich. Nach einer Reihe experimenteller Arbeiten \u00fcber den Einfluss der Nahrung, der Temperatur, des Umfangs u. s. w. ist die Frage \u00fcber die Entstehung der F\u00e4rbung, cler verschiedenen Formen des tierischen K\u00f6rpers und manche andere dunkle Fragen in einem gewissen Grade aufgehellt worden. W\u00e4hrend jedoch die L\u00f6sung einiger derselben schon von verschiedenen Seiten","page":244},{"file":"p0245.txt","language":"de","ocr_de":"LEBER EEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\n245\nangebahnt ist, ist diejenige anderer von der neueren Wissenschaft kaum noch in Angriff genommen worden. Zu diesen letzteren geh\u00f6rt auch die Frage \u00fcber den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die Entwicklung und F\u00e4rbung der Tiere. Obgleich einige Forscher (B\u00e9clard, Poey, Schnetzler, Pleasanton, Gr\u00e4ber, Schoch, Serrano-Fatigati, Young, E. Gorbacewicz) in dieser Richtung gearbeitet haben, so sind verl\u00e4ssliche Versuche nur von Young, Schnetzler und Gorbacewicz ausgef\u00fchrt worden. Eine der ersten Untersuchungen, in chronologischer Reihenfolge, \u00fcber den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spectrums (ausser den orangefarbenen) kommt B\u00e9clard zu, der im Jahre 1858 Versuche \u00fcber die Entwicklung der Brut von Musca carnaria anstellte, indem er die gleiche Anzahl zu einer und derselben Zeit gelegter Eier dieses Insekts unter Glasglocken von verschiedener Farbe brachte. Aus allen Eiern entwickelten sich Larven, aber 4\u2014 5 Tage sp\u00e4ter waren diejenigen, die sich in den violetten Strahlen entwickelt hatten, dreimal dicker und l\u00e4nger als die Larven, auf welche die gr\u00fcnen eingewirkt hatten. Auf Grund ihres g\u00fcnstigen Einflusses auf diese Organismen ordnet B\u00e9clard die Strahlen des Spectrums in folgender abnehmender Reihe an: violett, blau, rot, gelb, das weisse Liebt und zuletzt gr\u00fcn. Leider hat er nichts \u00fclmr das weitere Schicksal jener Larven berichtet, sowie auch den Monochromatismus der von ihm gebrauchten farbigen Gl\u00e4ser nicht untersucht.\u2014Im Jahre 1869 stellte General Pleasanton folgenden Versuch an Schweinen an. Es wurden 4 Ferkel (6 Weibchen und 1 M\u00e4nnchenj von circa 2 Monaten in einen durch ein violettes Glas, und eine zweite derartige Gruppe in einen durch ein weisses Glas erhellten Raum gesperrt. Alle Tiere wurden mit demselben Futter, in gleichen Quantit\u00e4ten und zu gleicher Zeit gef\u00fcttert. Nach 4 Monaten wurde eine jede Gruppe gewogen und das Gewicht derselben mit deren Gewicht vor dem Versuche verglichen. Dabei erwiesen sich die unter dem violetten Glase aufgewachsenen Ferkel um 22 Pfund schwerer; da dieselben aber vor dem Versuch um 12 Pfund leichter gewesen waren, so betrug der Unterschied 34 Pf. Andere, an einem Stiere angestellte Versuche desselben Autors bekr\u00e4ftigten die von ihm gezogenen Schl\u00fcsse.\u2014 Im Jahre 1874 untersuchte Schnetzler, Professor an der lausanner Universit\u00e4t, den Einfluss der gr\u00fcnen Strahlen auf die Entwicklung von Rana temporaria 2 Ge-f\u00e4sse von gleichem Rauminhalt\u2014aber das eine aus durchsichtigem weissem, das andere aus gr\u00fcnem Glase \u2014wurden mit Wasser gef\u00fcllt und mit Froschlaich versehen. Die Froschlarven bekamen dieselbe Nahrung, doch entwickelten sich die im weissen Gef\u00e4sse enthaltenen sehr rasch, w\u00e4hrend die im gr\u00fcnen befindlichen fast alle umkamen, und nur eine, die man in das weisse Glas gesetzt hatte, sich entwickelte und in einen Frosch verwandelte. Die spectroscopische Untersuchung erwies, dass das gr\u00fcne Glas ausser den gr\u00fcnen Strahlen auch noch mittlere rote und gelbe durchliess.\u2014Im Jahre 1879 besch\u00e4ftigte sich Serrano-Fatigati mit der Frage \u00fcber den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die niederen Organismen und gelangte auf Grund seiner Versuche zu dom Schl\u00fcsse, dass die violetten Strahlen die Entwicklung der niederen Organismen beschleunigen, die gr\u00fcnen dagegen dieselbe verlangsamen. Aus irgend welchen Gr\u00fcnden giebt der Autor nicht an, mit welcher Art niederer Organismen er experimentiert hat.","page":245},{"file":"p0246.txt","language":"de","ocr_de":"246\nUEBER PEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\nIn den Jahren 1876 und 1878 stellte Young sehr interessante Versuche an einer Reihe von tierischen Organismen: Pana temporatia, Puma esculenta. Sahno trutta, IAmnea stagnalis, an, wobei der Autor wertvolle Angaben \u00fcber die von ihm befolgte Methodik macht, die von seinen Vorg\u00e4ngern erhaltenen Resultate in Betracht zieht und die eigenen kritischer Erw\u00e4gung unterwirft. Zu seinen Versuchen bediente sich Young gl\u00e4serner Gef\u00e4sse, die ineinander gestellt, w\u00e4hrend die Zwischenr\u00e4ume zwischen deren Wandungen mit farbigen Fl\u00fcssigkeiten gef\u00fcllt wurden. Bei den Experimenten an Rana temporaria und Pana esculenta wurden die Froschlarven, die sich entwickelt hatten, genau gemessen, und der Autor giebt einige Tabellen, aus denen zu ersehen ist, dass das Maximum an L\u00e4nge und Breite auf diejenigen Organismen fiel, die sich in den violetten Strahlen entwickelt hatten; dann kamen in abnehmender Reihenfolge die durch die blauen und gelben Strahlen und das weisse Licht beeinflussten. Die roten und gr\u00fcnen Strahlen stehen der Entwicklung hinderlich entgegen. Sp\u00e4ter, im Jahre 1880, entsagte Young auf Grund seiner Versuche an Loligo vulgaris, Sepia officinalis und Giona intestinalis seiner fr\u00fcheren Ansicht in der Hinsicht, dass die roten und die gr\u00fcnen Strahlen die Entwicklung zwar nicht beg\u00fcnstigen, dieselbe aber auch nicht verhindern. Auch fehlt es den Versuchen an Einheit, da seine Experimente an Convoluta Sen ul teil und Hydra viridis Young die Ueberzeugung aufgedrungen haben, dass sich diese Organismen zu verschiedenen Strahlen des Spectrums ganz verschieden verhalten. Convoluta Scliultzii entwickelt sich n\u00e4mlich in gleicher Weise unter den violetten und unter den gr\u00fcnen Strahlen, w\u00e4hrend Hydra viridis sich am schnellsten unter den roten entwickelt und die violetten auf dieselbe sogar ung\u00fcnstiger wirken als die gr\u00fcnen.\nEs sind noch einige Worte \u00fcber die an S\u00e4ugetieren von Erast Gorba-cewicz angestellten Versuche (1883) zu sagen. Der Autor brachte junge Hunde. jedesmal eines und desselben Wurfes, sogleich nach der Geburt in Glaskasten mit doppelten W\u00e4nden und f\u00fcllte die Zwischenr\u00e4ume zwischen den letzteren mit farbigen L\u00f6sungen. Alle 10 Tage wurden die Tiere gemessen und gewogen Der Unterschied in der Entwicklung derselben war ein sehr bedeutender, doch war die Reihenfolge der verschiedenen Strahlen nicht immer die gleiche.\nIm Allgemeinen l\u00e4sst sich sagen, dass die lebhaftesten Strahlen sich am wirksamsten erweisen, so dass sich die Reihenfolge derselben in absteigenden Stufen folgendermaassen gestaltet: rot, orange, gr\u00fcn, violett.\u2014Zur Frage \u00fcber die Ver\u00e4nderung der F\u00e4rbung unter dem Einfl\u00fcsse der verschiedenen Strahlen des Spectrums \u00fcbergehend, muss ich gestehen, dass ich nur zwei Autoren nennen kann, von denen der eine zu einem negativen Schl\u00fcsse gelangt ist. Bei Gr\u00e4ber ist ein Versuch an Yanersa polycldoros angef\u00fchrt. Wenn die Raupen dieses Schmetterlings unter gelbem Glase auferzogen werden, so erscheinen bei dem erwachsenen Insekt anstatt der gew\u00f6hnlichen blauen Flecken am Rande der Fl\u00fcgel\u2014graue. Ein anderer, von Scho-di ausgef\u00fchrter Versuch gab ein negatives Resultat. Die Schmetterlinge aus den Raupen von Euprepia caja, welche sich unter violettem, blauem und rotem Glase entwickelt hatten, unterschieden sich \u00e4usserlich in keinerlei Weise von einander, nur waren die un-","page":246},{"file":"p0247.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\n247\nter dem violetten Glase befindlichen um 4 Tage fr\u00fcher herausgeschl\u00fcpft.\u2014 Nachdem ich hiemit eine kurze historische Uebersicht \u00fcber den Zustand der Frage von dem Einfl\u00fcsse der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die Entwicklung und die F\u00e4rbung des tierischen Organismus gegeben, gehe ich zu meinen Versuchen in dieser Richtung \u00fcber.\nZu den Experimenten, die ich im Sommer 1898 im Kiew\u2019schen Gouvernement unweit der Stadt Lipo wetz ausf\u00fchrte, bediente ich mich der Eier des Schmetterlings Vieris rapae. Die frische Brut brachte ich in w\u00fcrfelf\u00f6rmige Pappschachteln (14%\u201415 Ctm. hoch), die mit einer das Licht nicht durchlassenden Ventilationsr\u00f6hre besonderer Konstruktion versehen waren. An der einen Seite der Schachteln wurde die Wandung durch Lichtfilter mit flachen parallelen Gl\u00e4sern ersetzt.\nUm die verschieden Strahlen des Spectrums zu erhalten verfuhr ich folgendermaassen:\nGr\u00fcne Strahlen: es wurden zwei L\u00f6sungen bereitet, welche parallel gestellt sehr reine gr\u00fcne Strahlen gaben, obgleich auch eine unbedeutende Menge anderer durchliessen.\n1-\tste L\u00f6sung: 60 Gewichtsmenge CuCli-+-2HiO auf 100 H,0 in einer ' Schicht von 20 Mm. St\u00e4rke.\n2-\tte L\u00f6sung: 10 Gewichtsteile K, CrO, auf 100 11, 0. St\u00e4rke der Schicht 20 Mm.\nBote Strahlen: zu einer 15\u2014procentigen warmen L\u00f6sung von Gelatine wurde eine ges\u00e4ttigte w\u00e4sserige Fuchsinl\u00f6sung und */3 des Volumens Glycerin gef\u00fcgt. Die St\u00e4rke der Schicht = 20 Mm. Man erh\u00e4lt fast ganz reine rote Strahlen.\nViolette Strahlen: es wurden von dem im Handel befindlichen Glase zwei solche St\u00fccke gew\u00e4hlt, die beim Aufeinanderlegen ziemlich reine violette Strahlen lieferten, obgleich sie auch eine geringe Menge roter durchliessen. Mit orangefarbenen, gelben und blauen Strahlen habe ich nicht experimentiert. Die obenbeschriebenen Methoden pr\u00fcfte ich mittels eines Spectroscops im physiologischen Institut der moskauer Universit\u00e4t.\u2014 Die Schachteln wurden in zerstreutem Licht gehalten, um den Einfluss der Temperatur zu vermeiden; wenigstens zeigte ein Thermometer C. keinen Unterschied, weder an den verschieden Schachteln, noch auch zwischen der Temperatur derselben und derjenigen des Zimmers. Ausserdem wurde ein Teil der Brut zum Vergleich in ein Gef\u00e4ss von weissem, durchsichtigem Glase gebracht und dasselbe gew\u00f6hnlichem Sonnenlicht ausgesetzt. Ein grosser Procentsatz der Eier blieb ganz unentwickelt, doch messe ich diesem Umstande keine Bedeutung bei und zwar aus folgenden Gr\u00fcnden: erstens gehen auch bei normaler Enwicklungsweise viele Eier zu Grunde, zweitens konnten einige davon der Befruchtung entgangen sein, drittens konnten sie eine mechanische Verletzung erfahren haben.\nDie Larven krochen aus den Eiern fast gleichzeitig hervor, aber nach 4 \u2014 5 Tagen bemerkte ich unter den in den gr\u00fcnen Lichtstrahlen lebenden eine grosse Sterblichkeit. Sie schienen sehr matt, assen wenig und bewegten sich fast gar nicht. Was die Gr\u00f6ssenunterschiede bei den Larven betrifft, die sich unter dem Einfluss der verschiedenen Strahlen entwickelt hatten, so konnte","page":247},{"file":"p0248.txt","language":"de","ocr_de":"\u25a0248\nUEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\nich beim besten Willen keine bemerken. Ich muss hier erw\u00e4hnen, dass die Larven die ganze Zeit \u00fcber als Nahrung Kohlbl\u00e4tter bekamen, die der Frische halber mehrere Mal am Tage gewechselt wurden. Um die Frage entscheiden zu k\u00f6nnen, welche Strahlen des Spectrums und in welchem Grade die Entwicklung beschleunigen, muss die ganze Dauer der Entwicklungszeit genommen werden, doch f\u00fchre ich hier zum Zwecke genauerer Analyse dieser Erscheinung auch die Tabellen einzelner Perioden an. Obgleich das Procent der Sterblichkeit keine besondere Aufmerksamkeit verdient, so kann es doch unter andern Beweisgr\u00fcnden f\u00fcr die Richtigkeit dieses oder jenes Satzer \u00fcberzeugend wirken.\nTabelle des Sterblich keitsprocents.\nrote Strahlen violette\tgr\u00fcne\n50\n20\n70\nDauer des Larvenstadiums.\nWeisse\ts Liclit\trote Strahlen\tviolette\tgr\u00fcne\n15\tTage\t16 T. 1\t17\u201420 T.\t16 \u2014 17 T.\nDauer des Puppenstadiums.\nWeiss. Licht.\trote Str.\tviolette\tgr\u00fcne\n8 Tage\t9\u201410 T, J\tI 9 T.\t14 T.\nAus diesen Tabellen erhellt, dass die violetten und die gr\u00fcnen Strahlen auf die Entwicklung der Larve verlangsamend wirken, aber w\u00e4hrend die violetten Strahlen die verlorene Zeit einholen, indem sie das Stadium der Verpuppung verk\u00fcrzen, halten die gr\u00fcnen auch in diesem die Entwicklung zur\u00fcck. Wenn sich in diesen Tabellen Schwankungen zeigen, so verschwinden dieselben vollst\u00e4ndig, wenn man die ganze Zeitdauer der Entwicklung nimmt.\nDauer der vollst\u00e4ndigen Entwicklung.\t\t\t\nWeiss. Licht\trote Str.\tviolette\tgr\u00fcne\n30 Tage\t32\u201433 T.\t33\u201434 T.\t37 T.","page":248},{"file":"p0249.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\n249\nAlle diese Tabellen zeigen deutlich genug, dass wie in den einzelnen Perioden, so auch im Allgemeinen die Entwicklung am schnellsten hei gew\u00f6hnlichem Lichte vor sich geht, dass die gr\u00fcnen Strahlen grosse Sterblichkeit bedingen und die Entwicklung bedeutend beeintr\u00e4chtigen, w\u00e4hrend die roten und violetten die Mitte halten, wobei bei den roten die Entwicklung etwas schneller vor sich geht. Dabei muss ich bemerken, dass ich in der Schachtel mit den violetten Gl\u00e4ssern die Raupen immer an der unteren Seite der Bl\u00e4tter fand, wohin sie sich augenscheinlich vor diesen Strahlen, die eine unangenehme Empfindung in ihnen hervorriefen, gefl\u00fcchtet hatten.\u2014Auf die Frage \u00fcber die F\u00e4rbung \u00fcbergehend, muss ich sagen, dass es mir nicht gelungen st eine Ver\u00e4nderung derselben weder bei den Larven, noch bei den Puppen, noch auch bei erwachsenen Individuen zu erhalten, obgleich ich ausser an Pie-ris rapae auch noch Raupen des buntfarbigen Schmetterlings Vanessa nrticae unter dem Einfluss derselben Strahlen aufgezogen habe. Auch bei keinem der obengenannten Autoren habe ich irgend eine Andeutung dar\u00fcber gefunden, dass bei ihren Versuchen eine Ver\u00e4nderung in der F\u00e4rbung stattgefunden hatte. Was den von Gr\u00e4ber beschriebenen Versuch, bei welchem unter dem Einfluss gelber Strahlen bei erwachsenen Vanessa polijchloros, anstatt der gew\u00f6hnlichen blauen Flecken auf den Fl\u00fcgeln, graue erhalten worden waren, so habe ich zwar mit dieser Art keine Versuche gemacht, aber bei dem ihm verwandten Schmetterling Vanessa nrticae kommt eine solche Farbenver\u00e4nderung bei in gew\u00f6hnlichem weissem Lichte ausgekrochenen Individuen vor und muss daher als Variet\u00e4t angesehen werden. Es ist nat\u00fcrlich a priori schwer zu sagen, warum weder ich noch meine Vorg\u00e4nger, ausser Gr\u00e4ber, eine Farben Ver\u00e4nderung beobachten konnten, sei es dass wir uns bei unseren Versuchen solcher Tiere bedienten, die sich durch besonders best\u00e4ndige Pigmentirung auszeichneten, oder dass die verschiedenen Strahlen des Spectrums keinen Einfluss auf die Entwicklung dieses oder jenes Pigments aus\u00fcben. Ohne irgend welche Verallgemeinerungen zu wagen, will ich nur bemerken, dass die von mir gewonnenen Thatsachen zu denen der obengenannten Autoren m scharfem Widerspruch stehen. W\u00e4hrend alle meine Vorg\u00e4nger, ausser Gorbacewicz, behaupten, dass die violetten Strahlen im Vergleich mit den andern die Entwicklung merklich beschleunigen, kann ich nicht anders als dem gew\u00f6hnlichen unzer-streuten Lichte die erste, den violetten Strahlen aber erst die dritte Stelle einr\u00e4umen. Gleicherweise stimmen die von mir erhaltenen Resultate auch mit denen von Young in Bezug auf die roten Strahlen nicht \u00fcberein; Young sagt n\u00e4mlich, dass die roten Strahlen die Entwicklung hemmen, w\u00e4hrend ich dieselben sogar \u00fcber die violetten stellen muss und mich darin mehr Gorba-cewicz und B\u00e9clard n\u00e4here. In meiner historischen Uebersicht \u00fcber die Literatur dieses Gegenstandes wies ich darauf hin, dass Young\u2019s Versuche an Hydra viridis und Convoi ata Schultzii ganz unerwartete Resultate geliefert hatten; wenn man denselben die ganz einzeln dastehenden Untersuchungen Gorbacewicz\u2019s zur Seite stellt, so erh\u00e4lt man unvereinbare Resultate. Wahrscheinlich liegt die Ursache davon darin, dass die Strahlen des Spectrums auf verschiedene Tiere eine ungleiche Wirkung aus\u00fcben, obgleich nicht zu leugnen ist, dass diese Widerspr\u00fcche auch teilweise der Verschiedenartigkeit der bei den Untersuchungen angewandten Methoden zuzuschreiben ist.","page":249},{"file":"p0250.txt","language":"de","ocr_de":"250\nUEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.\nAlle von mir erhaltenen Resultate lassen sich zu gr\u00f6sserer Uebersichtlich-keit in folgende S\u00e4tze zusammenfassen, denen ich jedoch in keinem Falle das Ansehen der Gesetzm\u00e4ssigkeit geben m\u00f6chte:\n1.\tAm schnellsten ging die Entwicklung, im Ganzen, sowie auch in den einzelnen Perioden, unter dem Einfluss des weissen, unzerlegten Lichtes vor sich.\n2.\tNach dem wmissen Lichte w\u00e4ren die Strahlen des Speetrums in folgende abnehmende Reihe zu bringen: rot, violett, gr\u00fcn.\n3.\tDie gr\u00fcnen Strahlen hielten die Entwicklung merklich zur\u00fcck und bedingten die gr\u00f6sste Sterblichkeit.\n4.\tEine Ver\u00e4nderung der F\u00e4rbung unter dem Einfluss der roten, violetten, und gr\u00fcnen Strahlen wurde weder an Larven, noch an Puppen, noch an erwachsenen Schmetterlingen wmhrgenommen, obgleich Versuche nicht nur an Pieris rapae, sondern auch an Yenessa urticae vorgenommen wurden.\nZum Schl\u00fcsse muss ich noch bemerken, dass ich bei der Darstellung der literarischen Thatsachen William F. Edwards, W. A. Hammond, Mac Donnell und I. Higginbotton nicht erw\u00e4hnt habe, da ihre Arbeiten sich nicht auf die Strahlen des Speetrums, sondern auf den Einfluss des Lichtes im Allgemeinen beziehen.\nLiteratur.\nYoung. Eine Reihe von Arbeiten \u00fcber den Einfluss der Strahlen des Speetrums in: Archives de Zool. exper. et g\u00e9n. 1878, Comptes Rendus, Paris, 1880 und 1892.\nBedard, Note relative \u00e0 l\u2019influence de la lumi\u00e8re sur les animaux. Comptes Rendus, Paris, 1858.\nPoeg. Influence de la lumi\u00e8re violette sur la croissance de la vigne, des cochons et des taureaux. Comptes Rendus, Paris, 1871.\nSchneider. Influence de la lumi\u00e8re sur les larves de grenouille. Arch, des sciences physiques et nat., 1874.\nPleasonton. Voir Poey.\nErast Gorbacewicz. Ueber den Einfluss der verschiedenen farbigen Strahlen auf die Entwicklung und das Wachstum der S\u00e4ugetiere. Diss. 1883.\nSerrano-Fatigati.\u2014Influence des diverses couleurs sur le d\u00e9veloppement et la respiration des Infusoires. Comptes Rendus, Paris, 1879.\nGrober. Die Insekten, II, S. 38. G. Schoch. Mitteil d. Schweiz, entom. Gesellsch. 1880, B. V, S. 540.\nSchoch. Mittel, d. Schweiz, entom. Gesellsch. 1880, B. V, S. 540.\nMoskau den 18 Oktober 1899.","page":250}],"identifier":"lit36253","issued":"1898-99","language":"de","pages":"244-250","startpages":"244","title":"Zur Frage \u00fcber den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die Entwicklung und die F\u00e4rbung der Tiere","type":"Journal Article","volume":"1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:40:03.491894+00:00"}

VL Library

Journal Article
Permalink (old)
http://vlp.uni-regensburg.de/library/journals.html?id=lit36253
Licence (for files):
Creative Commons Attribution-NonCommercial
cc-by-nc

Export

  • BibTeX
  • Dublin Core
  • JSON

Language:

© Universitätsbibliothek Regensburg | Imprint | Privacy policy | Contact | Icons by Font Awesome and Icons8 | Powered by Invenio & Zenodo