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{"created":"2022-01-31T16:40:04.596964+00:00","id":"lit36287","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Ilyin, P.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 2: 19-34","fulltext":[{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"J\u00eeas (ieli\u00f6rbl\u00e4sclieu als statisches Organ hei den Ptero-\ntraeheidae.\nVon Dr. P. Ilyin.\n.Assistent an der Basanow\u2019schen Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Ohren-, Hals- und Xasen-\nkrankheiten in Moskau.\nDen Wirbeltieren dienen die halbkreisf\u00f6rmigen Can\u00e4le bekanntlich als 'Organ, das die Bewegungen des Tieres in den drei Dimensionen des Raumes reguliert, das ganze h\u00e4utige Labyrinth aber als Gleichgewichts- und Geh\u00f6rorgan.\nIm Jahre 1887 wies Ives Delage als Erster nach, dass bei den wirbellosen Tieren das Bl\u00e4schen mit dem im Innern desselben enthaltenen Sternchen, das sogenannte Geh\u00f6rbl\u00e4schen (Otocista), dem bis dahin nur die Geh\u00f6rfunktion zugeschrieben wurde, noch eine weitere Funktion aus\u00fcbt: dass es n\u00e4mlich f\u00e4hig ist die Bewegungen des Tieres zu regulieren und den K\u00f6rper desselben im Gleichgewicht zu erhalten. Wie aus seinen Untersuchungen folgt, bilden die Otocisten der wirbellosen Tiere das Rudiment des h\u00e4utigen Labyrinths der Wirbeltiere und die zwei Funktionen des Labyrinths, die Geh\u00f6rfunktion und die statische, sind im Otocisten als dem Homologus des Labyrinths enthalten. Seine Versuche stellte Ives Delage an den Mollusca (genauer an den Octopus) und den Arthropoda an Die Experimente an den Octopus ergaben folgende Resultate: bei gl\u00fccklichem Gelingen der Operation \u2022erholt sich das Tier rasch und unterscheidet sich auf den ersten Blick in nichts von gesunden Tieren; in gew\u00f6hnlichem Zustande befindet sich der Octopus im Innern der Aush\u00f6hlung, frisst Krabben und Mollusken, die man ihm reicht, wechselt jedoch nur ungern seinen Aufenthaltsort. Ber\u00fchrt man ihn mit einem St\u00e4bchen, so sucht er sich weiter zu verbergen und erst nach anhaltender Beunruhigung entschliesst er sich sein Obdach zu verlassen. Bei langsamer Fortbewegung kann man ein Hin- und Herschwanken des Tieres beobachten, was durch ein Drehen parallel der L\u00e4ngenachse unter einem Winkel von ungef\u00e4hr 20\u00b0\u201430\u00b0 hervorgerufen wird. Bei beschleunigterer Bewegung pr\u00e4gen sich die Drehungserscheinungen noch sch\u00e4rfer aus. Bei pl\u00f6tzlicher, schneller Bewegung endlich l\u00e4sst sich anfangs der \u00fcbliche gerade Gang beobachten, allm\u00e4lig jedoch beginnt das Tier entweder sich auf dem Spiralgange fortzubewegen, falls es sich der L\u00e4ngenachse nach umgedreht, oder es bildet, falls es sich der Querachse nach gewandt, eine Ellipse, wobei die Fl\u00e4che des R\u00fcckens immer dem Centrum zugewandt ist. Zum Schluss wendet das Tier seine Bauchfl\u00e4che nach oben und gelangt auf solche Weise in eine .den gesunden Mollusken nicht eigene Lage. Jeder Versuch des Tieres seine","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"20\nUHII\u00d6RBL\u00c4SCIIEX BE! PTEKOTEAOHEIOAE.\n\u00fcbliche Lage wiederzugewinnen wird von unregelm\u00e4ssigen Rotationsbewegungen begleitet, die mit einer der 3 Achsen zusammenfallen. Bloss wenn es die AYaud oder den Boden des Gef\u00e4sses ber\u00fchrt, gelingt es ihm, und auch dann nicht sofort, vom Gesichts- und F\u00fchlverm\u00f6gen geleitet, die normale Lage an-zunehmen. Ein geblendeter Mollusk bewegt sich langsam, jedoch immer regelrecht. auf geradem AVege, ohne Rotationsbewegungen fort. Tiere, die der Augen und Geh\u00f6rbl\u00e4schen zugleich beraubt sind, verlieren jegliches Verm\u00f6gen sich regelm\u00e4ssig fortzubewegen: bald drehen sie sich beim Schwimmen, bald legen sie grosse Strecken auf dem R\u00fccken zui\u00fcck, bald endlich purzeln sie. AI it einem Wort, ein des Otocisten beraubtes Tier verliert die F\u00e4higkeit sich zu orientieren und kann die normale Lage nur ein Zustande der Ruhe erlangen, indem es sich mit seinen Saugn\u00e4pfen an die n\u00e4chsten unbeweglichen Gegenst\u00e4nde anheftet. Wodurch, fragt nun Ives Delage, werden diese Erscheinungen hervorgerufen? Nat\u00fcrlich nicht durch die Reizung. Sobald der Otocist er\u00f6ffnet, die Fl\u00fcssigkeit ausgeflossen, die H\u00f6hlung mit einer K\u00fcrette ansgekratzt\u2014wie er es in seinen Experimenten that\u2014der Otolith entfernt ist\u2014so ist das Organ zerst\u00f6rt und kann nur unnormale Empfindungen ergeben. Freilich wird das Ende des n. acusticus im Verlauf der Operation stark gereizt, doch verschwindet die Reizung nach einigen Tagen, wenn der Durchschnitt sich vernarbt hat, die St\u00f6rungen der Bewegungen vermindern sich dagegen nicht. Ives Delage erkl\u00e4rt diese Erscheinung in der AYeise, dass er zul\u00e4sst, dass die Otocisten dem Tiere zu Folgendem dienen: sie geben ihm durch spo-cielle Empfindungen kund, welche Rotationsbewegungen der K\u00f6rper macht, und rufen durch einen Reflex geringe Ausbesserungen hervor, die den K\u00f6rper in seiner normalen Lage erhalten und ihn daran hindern, den AYeg. den er verfolgen soll, zu verlassen. Sobald die Funktion des Otocisten aufh\u00f6rt, werden die Rotationsbewegungen nicht mehr automatisch ausgebessert, verst\u00e4rken ' sich und bringen das Tier dazu, den Charakter seiner Bewegungen zu \u00e4ndern. Bei langsamem Schwimmen k\u00f6nnen die anderen Sinne, z. B. das Sehverm\u00f6gen dem Tiere die Kenntnisse zuf\u00fchren, die er sonst vom Otocisten erh\u00e4lt. Die Th\u00e4tigkeit dieser Organe ist weniger genau und schnell, da sie nicht durch Reflexe bewirkt wird: In diesen F\u00e4llen muss das Empfinden sozusagen zur Einsicht werden, muss eine Idee erwecken und eine AYillensregung hervorrufen, dank welchen das Tier dann seinen Fehler ausbessert. Diese Ausbesserung verlangt Zeit; ebenso hat auch die Abweichung, bevor sie ausgebessert wird, Zeit gen\u00fcgende Kraft zu erlangen und dies um so mehr, je schneller die Bewegung des Tieres ist. Dass die oben angef\u00fchrten St\u00f6rungen der Bewegung von der Zerst\u00f6rung des Otocisten abh\u00e4ngen und nicht vom Trauma bei der Operation, ersieht man daraus, dass geblendete Tiere zwar langsam und unentschlossen, jedoch vollkommen regelrecht schwimmen; selbst wenn sie sich schnell fortbewegen, kann man nicht das geringste Drehen des K\u00f6rpers bemerken, ihr AYeg ist gerade. Dies beweist, dass ein legulatoiisches Organ existirt, das von der Sehkraft unabh\u00e4ngig ist, und das f\u00fcr sich allein eine unbedingt regelm\u00e4ssige Fortbewegung sichert. Tiere, die der Augen und Otocisten zugleich beraubt werden, verlieren absolut das Orientirungsverm\u00f6gen: sie drehen sich nicht nur w\u00e4hrend des Schwimmens, ja sie k\u00f6nnen nicht ein-","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"G Eil \u00d6 RB L\u00c4 S CI IE X B EI P T E K OTE ACHEIPAE.\n21\nmal ihre normale Lage einnehmen; sie durcheilen grosse Strecken auf dem R\u00fccken oder der Seite, wenden sich auf verschiedene Weise, und selbst nachdem sie den Boden erreicht haben, m\u00fcssen sie sich abm\u00fchen, um ihre normale Lage zu erlangen. Dies weist nur darauf hin, dass das taktile Gef\u00fchl dem Tiere nur geringe H\u00fclfe leistet sich von seiner Lage Rechenschaft zu geben. Solange das Tier im Wasser schwimmt, sind seine taktilen Empfindungen gleich Null: ebenso ist der Verlust, des Orientirungsverm\u00f6gens ein vollst\u00e4ndiger; erreicht das Tier den Boden, so f\u00fchlt es ihn unter sich: wenn es dabei nicht zuf\u00e4llig in seine normale Lage gelangt, muss es sich umdrehen, da es aber nicht f\u00e4hig ist. die Amplitude seiner Rotationsbewegungen zu ermessen, um sie durch eine entsprechende Anstrengung auszubessern, st) \u00fcberschreitet es die Grenze, verliert den Schwerpunkt und f\u00e4llt auf die entgegengesetzte Seite. Zu bemerken ist, dass in den Bewegungen des Tieres gar keine Ataxie ist: die Bewegungen sind vorsichtig und ausgezeichnet coordiniert. Ives Delage hatte nur wenig Gelegenheit die Erscheinungen bei der Zerst\u00f6rung nur eines Utopisten zu untersuchen, doch schien es ihm, dass in solchem Falle die St\u00f6rungen sich zuerst bemerkbar machten und nach einiger Zeit vergingen.\nDie Beobachtungen, die Ives Delage an den Crustacea anstellte, ergaben ebenfalls charakteristische St\u00f6rungen der Bewegungen bei Zerst\u00f6rung des < Hocisten.\nJli/sis. Die Otocisten befinden sich bei den Mysis im Schw\u00e4nze. Der letztere besteht aus f\u00fcnf geflachten Teilen: einem mittleren und vier seitw\u00e4rts gelegenen. Das innere Paar der Seitenteile enth\u00e4lt die- Geh\u00f6rbl\u00e4schen; die Zerst\u00f6rung der Geh\u00f6rbl\u00e4schen wird durch das Durchstecken einer Nadel bewirkt. Die Mysis fallen, wenn sie gleichzeitig der Augen und Otocisten beraubt werden, auf den Boden des Gef\u00e4sses. wo sie auch bleiben und nur leicht die Antennen bewegen. Falls sie w\u00e4hrend der Operation nicht stark gequetscht wurden, beginnen sie nach einiger Zeit sich zu bewegen, jedoch bei v\u00f6lligem \\ erlust des ( h\u2019ientierungsverm\u00f6gens. Die Tiere drehen sich viele Stunden lang um ihre L\u00e4ngenachse. Fins der Tiere, das St\u00f6rungen im h\u00f6chsten Maasse aufwies, drehte sich unabl\u00e4ssig im Laufe von 3 Tagen mit der Schnelligkeit von 120 Drehungen in der Minute, ohne die Richtung zu \u00e4ndern. Es ass w\u00e4hrend es sich drehte, und schien keineswegs krank zu sein. Die anderen drehten sich haupts\u00e4chlich auf der Seite, indem sie einen Kreis in horizontaler Fl\u00e4che bildeten oder ihren Gang auf verl\u00e4ngerten Spirallinien nahmen. Der Charakter des Drehens blieb unver\u00e4ndert. Wenn es dem Tiere gelang sich an einen festen K\u00f6rper anzuheften, so blieb es unbeweglich, wurde es jedoch frei, so begann es von Neuem die fr\u00fcheren Bewegungen. Am Anfang waren die Erscheinungen sch\u00e4rfer als nach Verlauf von einigen Tagen, was darauf hinweist, dass den Mysis eine Erregung durch Reizung nicht fern lag\u2014nichts desto-weniger ist ihnen nach Vernarbung der Wunde, wenn sie zu fressen beginnen und ganz gesund scheinen, ein regelm\u00e4ssiges und normales Schwimmen unm\u00f6glich. Die Aehnlichkeit dieser Erscheinungen mit den St\u00f6rungserscheinungen bei Verletzung der halbkreisf\u00f6rmigen Can\u00e4le der Wirbeltiere ist offenbar. Um diese Resultate zu erzielen, muss man, wie wir sahen, die Augen und die Otocisten entfernen. Die Entfernung der Otocisten allein ruft s flehe Erscheinungen nicht","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"GEH \u00dcRBL\u00c4SCIIEN BEI ETE ROTI! AG HEID AE.\n0 0\nliervor, was auf die grosse Bedeutung der Gesichtsempfindungen f\u00fcr diese-Here hinweist. Die Gesichtsempfindungen gen\u00fcgen ihnen als Bewegungsregulatoren.\nDecapoda. Die Otocisten befinden sich bei diesen Tieren im Basalgliede der inneren Antennen. Die Zerst\u00f6rung derselben wird dadurch bewirkt, dass in das Geh\u00f6rbl\u00e4schen, das als schwarzes Fleckchen bemerkbar ist, eine Nadelspitze gesteckt wird, womit das Bl\u00e4schen leicht gekratzt wird, oder dass das Teilchen vom Grunde aus mit einem scharfen Scalpel abgeschnitten wird. Bei den Crevetten (Palaemon, crevette) ergiebt die Entfernung der Otocisten allein keine Bewegungsst\u00f6rungen, die gleichzeitige Entfernung der Augen und < Itocisten dagegen ruft solche hervor und zeigen sich diese St\u00f6rungen darin, dass einige der Tiere vorsichtig schwimmen mit gespreizten F\u00fcssen, oft nach r\u00fcckw\u00e4rts umkippen und r\u00fcckw\u00e4rts schwimmen, andere mit dem Kopfe voran nach unten, zum Boden streben, jedoch letzteren nicht erreichen und aut krummem AYege wieder aulschwimmen. Geblendete Crevetten, denen die Geh\u00f6rbl\u00e4schen nicht verletzt wurden, beginnen nach der durch die ( )peration hervorgerufenen Erregung zwar unentschlossen, jedoch v\u00f6llig regelrechtm\u00e4ssig zu schwimmen. Daher muss man bei ihnen die Bewegungsst\u00f6rungen den Geh\u00f6rbl\u00e4schen zuschreiben. Blindheit l\u00e4sst diese unnormalen Bewegungen nur deutlicher hervortreten. Crevetten ohne Augen, Otocisten und Antennen \u00fcben vollkommen unregelm\u00e4ssige Bewegungen aus.\nDas Ausreissen der zwei inneren Antennen bei den Gebia (Decapoda) wird von ernsten Gleichgewichtsst\u00f6rungen begleitet: das Tier wirft sich bald nach rechts, bald nach links mit nach oben gekehrtem Bauch. Es ist bem\u00fcht sich zu erheben, f\u00e4llt jedoch auf die entgegengesetzte Seite. Mit grosser M\u00fche gelingt es ihm den Ort zu erreichen, wohin es strebt. Nach Entfernung der Augen und der Otocisten tritt v\u00f6llige Gleichgewichtsst\u00f6rung ein.\nDas Tier dreht sich nicht sonderlich viel, doch im Bestreben seine gew\u00f6hnliche Lage zu erreichen, beginnt es auf dem R\u00fccken unregelm\u00e4ssige, ziemlich lange Kreise zu ziehen. Das Abschneiden eines oder zweier \u00e4usserer Antennen bleibt ohne Einfluss auf die Bewegungen.\nBei den Palynurus vulgaris und Scyllarus arctus (Decapoda) ist nach Entfernung der Augen und Bl\u00e4schen eine unbedeutende Anomalie in den Bewegungen bemerkbar: n\u00e4mlich ein pl\u00f6tzliches Fallen auf den R\u00fccken.\u2014bald vergeht es jedoch.\nCorystes (Decapoda): Seine \u00fcbliche Lage ist vertikal, da er immer auf dem hinteren Rande des K\u00f6rpers und den Hinterf\u00fcsschen ruht. Nach Entfernung der Antennen verliert er die F\u00e4higkeit sich im Gleichgewicht zu erhalten.\nDie Beobachtungen Steiner's *) best\u00e4tigen in den meisten F\u00e4llen die von Ives Delage erzielten Resultate.\nBei Unterziehung der erhaltenen St\u00f6rungen einer Pr\u00fcfung kommt Ives Delage zu der Folgerung, dass starke, jedoch vor\u00fcbergehende Erscheinungen durch traumatische Erregung hervorgerufen sein k\u00f6nnen, f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit\n1 Citirt nach S. von Stein\u2014Die Lehren von den Funktionen der einzelnen Teile des < >hr-labyrinths. Jena. 1894.","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"GEH\u00d6RBL\u00c4SCHEN BEI PTEROTRACHEIDAE.\n23\nanhaltende Erscheinungen aber anderer Art sind. Diese Symptome sind best\u00e4ndig. Sie verschwinden nicht nur nicht, sondern werden nicht einmal schw\u00e4cher, w\u00e4hrend zu derselben Zeit die Wunde heilt, die Tiere selbst vollkommen her-gestellt werden, fressen, die abgeschnittenen Teile ihres K\u00f6rpers wechseln und wiederherstellen. Andererseits bleiben einseitige Operationen in den meisten F\u00e4llen fast ganz ohne Effekt; wie ja aber bekannt ist, d\u00fcrfen starke Erregungen der ( )rgane nicht doppelseitige sein, um die wichtigen Symptome aufzuweisen: z. B. Meni\u00e8re\u2019s Krankheit. Ives Delage l\u00e4sst daher zu, dass die Erscheinungen von Bewegungsst\u00f6rungen durch die Funktionszerst\u00f6rung der Otolithen hervorgerufen werden. Alle Experimente f\u00fchren zu der Folgerung, dass die Otocisten nicht nur Geh\u00f6rorgane sind, sondern auch eine grosse Rolle bei der Orienti-rung in den Bewegungen spielen. Es wird doch niemandem, sagt er. einfallen zu behaupten, dass die Tiere solche Bewegungsst\u00f6rungen nur deshalb aufweisen. weil sie taub geworden sind.\nAuf Grund seiner Experimente kommt Ives Delage zu folgenden Schl\u00fcssen:\n11 Die Zerst\u00f6rung der Otocisten ruft den Verlust des OrientirungsVerm\u00f6gens in den Bewegungen bei allen der Operation unterworfenen Tieren hervor.\n2)\tDieses Resultat wird durch die Zerst\u00f6rung der Funktion des Organs bewirkt und nicht durch die Erregung des Organs oder des durchschnittenen Nerven.\n3)\tDie Vernichtung der Gesichts- und taktilen Empfindungen ruft Erscheinungen solcher Art nicht hervor.\n4)\tDie Sehkraft und das F\u00fchlverm\u00f6gen k\u00f6nnen in gewissem Maasse die vernichteten Otocisten ersetzen, doch ist es h\u00e4ufiger nur m\u00f6glich dank dem Beisein dieser beiden Sinne die Bewegungsst\u00f6rungen zu schw\u00e4chen.\n5)\tDie Otocisten spielen, neben ihrer Geh\u00f6rsfunktion, die Rolle von Bewegungsregulatoren, indem sie. wahrscheinlich durch den Reflex, verbessernde Muskelnbewegungen verursachen, die den K\u00f6rper auf dem erw\u00fcnschten V ege und in normaler Lage w\u00e4hrend der ganzen Zeit der Bewegung erhalten.\n6)\tMan kann zulassen, dass diese Organe in die cerebralen Ganglien Empfindungen versenden, die dem Tiere das passive oder aktive Drehen, das sein K\u00f6rper vollf\u00fchrt, kund thun.\n7 ) 1 fiese Empfindungen k\u00f6nnen, ebenso wie die Reflexakte, durch mechanische Arbeit hervorgerufen sein, die im Verlauf der Bewegung durch die Fl\u00fcssigkeit oder die Otolithe auf die Nervenenden der Wandung ausgef\u00fchrt wird.\nIm Jahre 1891 ver\u00f6ffentlichte Max Verworn O seine Experimente an den Ctenophora. Bei diesen Tieren vernichtete er das Geh\u00f6rbl\u00e4schen und beobachtete die Bewegungsst\u00f6rungen, die nach der Entfernung auftraten. Tiere, denen das Bl\u00e4schen entfernt war. verloren auf lange Zeit die F\u00e4higkeit ihre gew\u00f6hnliche Lage anzunehmen. M. Verworn's Experimente dienen als neuer Beweis zu Gunsten der Annahmen von Ives Delage, dass das Geh\u00f6rbl\u00e4schen das Gleichgewichtsorgan ist.\n*) M. Yenvorn. Gleichgewicht- und Otolithenorgan. Experimentelle Untersuchungen. M\u00fcger\u2019s Archiv f\u00fcr die gesammte Uhvsiologie. Ac. Bd. 50. S. 423\u2014 472. 1891.","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\noEH\u00d6 RB LASCHEN BEI PTEROTRACHEIDAE.\nIm Februar und M\u00e4rz des Jahres 1899 ward ich von der Klinik der Frau J. Basanowa f\u00fcr Ohren-Nasen- und Halskrankheiten an der Moskauer Universit\u00e4t in Russland auf die zoologische Meeresstation in Villefranclie (Alpes Maritimes) commandirt, und gelang es mir deselbst, dank der liebensw\u00fcrdigen Beihilfe des Directors der Station Prof. A. A. Korotneff und des Stationsleiters Herrn M. M. Davidoff, eine Reihe Beobachtungen an der Familie der Pterotracheidae hinsichtlich ihrer statischen und Geh\u00f6rfunktion anzustellen. Die Familie der Pterotracheidae bestellt aus zwei Arten: Carinaria me-diterranea Lam. und Pterotrachea (mutica, coronata etc.) Sie geh\u00f6ren zum VI Tierkreise\u2014den Mollusca ('Weichtiere1, zur IV Chasse\u2014den Gastropoda (Bauchf\u00fcssler), 111 Ordnung der Heteropoda (Kielfuessler). Sie halten sich im Mittell\u00e4ndischen Meere auf, wo man sie gew\u00f6hnlich zwischen October und Mai, haupts\u00e4chlich im Februar und M\u00e4rz antrifft. Im Sommer sind sie gar nicht zu erblicken, weil sie sich in tiefere, kalte Wasserschichten versenken.\nHeteropoda \u2018)\u20143-te Ordung\u2014Pelagische Gastropoden mit flossen\u00e4hnlichem Fuss, grossem, schnauzenf\u00f6rmig vortretendem Kopfe und hochentwickelten beweglichen Augen; getrennten Geschlechts.\nDer K\u00f6rper der Heteropoden ist meist gestreckt cylindrisch und verl\u00e4ngert sich in einen r\u00fcsself\u00f6rmig vorragenden Kopf. Die Haupteigent\u00fcmlichkeit des Leibes beruht auf der Bildung des Fusses, dessen Vorder- und Mittelteil zu einer blattf\u00f6rmigen und oft einen Saugnapf tragenden Flosse umgestaltet ist. w\u00e4hrend der hintere Abschnitt eine bedeutende Strekung erh\u00e4lt und weit nach hinten ger\u00fcckt die schwanzartige Fortsetzung des Rumpfes zu bilden scheint.\nAn und f\u00fcr sich ist der Rumpf oder der Eingeweidesack kleiner als die \u00fcbrigen Teile des K\u00f6rpers; er bildet ein an der Grenze des hinteren Fusses vortretendes Kn\u00e4uel, das vom Mantel, von einer hutf\u00f6rmigen Schale (Carinaria) bedeckt wird; bei den Pterotrachea ist er im Verh\u00e4ltnis zum Fuss und den \u00fcbrigen Teilen des K\u00f6rpers sehr klein und ist von einer metallgl\u00e4nzenden Haut \u00fcberzogen, w\u00e4hrend er der Schale vollkommen entbehrt. Das Nervensystem erlangt die h\u00f6chste Entwickelung unter den Gastropoden \u00fcberhaupt und bildet den cerebralen, pedalen und Schlundknoten. Die zwei grossen Augen liegen neben den F\u00fchlern in besonderen Kapseln, in denen sie durch Muskeln bewegt werden. Die grosse Geh\u00f6rblase empf\u00e4ngt vom Gehirn einen langen H\u00f6rnerven und ist nicht nur durch die merkw\u00fcrdigen Schwingungen der langen Wimperb\u00fcschel ihres Epithels, sondern auch durch das Verhalten der Nervenzellen (Haarzellkreise der Macula acustica im Umkreis einer grossen Centralzelle) ausgezeichnet, Die Heteropoden sind durchwegs pelagische Tiere, die oft scharenweise in den w\u00e4rmeren Meeren auftreten. Ihr K\u00f6rper ist h\u00e4ufig durchsichtig, sonst auch milchfarben. Sie erreichen zuweilen die L\u00e4nge von 20 und mehr ctm. Sie bewegen sich ziemlich schwerf\u00e4llig, mit nach oben gekehrter Bauchfl\u00e4che durch Hin- und Herschlagen des gesammten K\u00f6rpers und der Flosse: alle ern\u00e4hren sich vom Raube ').\n*) C. Claus. Lehrbuch der Zoologie. 1885.\n\u00ee) Ausf\u00fchrliche Beschreibung siehe: C. Cegenbaur, Untersuchungen \u00fcber Bteropoden und He-teropoden. Leipzig 1855.","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"GEH\u00d6R B L\u00c4SC HEX BEI P TE R OT K A C HEIDA E.\n25\nBevor ich die Versuche au den Pterotracheidae begann, suchte ich den Charakter und die typischen Sonderheiten der Bewegungen dieser Tiere klarzulegen. Ich hielt die Tiere in cylindrischen Gl\u00e4sern von einem Durchmesser von 20\u201440 ctm.\nCarinaria mediterranea. (Fig. 1). Sowohl die grossen (10 und mehr ( tin. L\u00e4nge), als auch die kleinen Exemplare schwimmen immer mit nach oben gekehrter Bauchfl\u00e4che, indem sie also die Flosse vertikal nach oben richten. Figur 1. zeigt uns die Carinaria in solcher Lage, wie sie, vom gew\u00f6hnlichen\nKiu. 1. M\u00e4nnchen von Carinaria mediterranen, nach Souleyet. Gegenhaur und Keferstein. P.\u2014Fus>. ,S\u2014 Saugnapf. 0\u2014Mund. Bm\u2014lluccalmasse, M\u2014Manen, Sp\u2014Speicheldr\u00fcsen, L\u2014Leher, .4 Atter.'' b > e-rehralganulion. 7>\u2014Tentakeln, <k\u2014Augen, (jt\u2014Ceh\u00fcrblasen, B G\u2014Buccalganglion, Pg\u2014redaigang-iion. Mfj-\u2014Mantelganglion, X\u2014Miere, Br\u2014Kiemen, At\u2014Atrium, TV\u2014Ventrikel. Ar\u2014Korperarterie, Z\u2014hinterer Ast derselben, T\u2014Hoden. Yd\u2014Vas deferens, Wp\u2014Wimperrinne, Pc\u2014Penis, P\u2014Flagellum mit Dr\u00fcse.\nStandpunkte betrachtet, sich uns darbieten m\u00fcsste, d. h. mit nach unten gekehrter Bauchfl\u00e4che, den R\u00fccken nach oben gewandt. Um sich die Lage des Tieres w\u00e4hrend des Schwimmens vorzustellen, gen\u00fcgt es die Zeichnung umzukehren. In solcher Lage schwimmt das Tier an der Oberfl\u00e4che des V assers, im Innern des Gef\u00e4sses und am Boden. V \u00e4hrend des Schwimmens \u00fcbt es Bewegungen mit der Flosse aus. wobei dieselbe von einer Seite auf die andere hin\u00fcln rf\u00e4ilt. Fm Allgemeinen \u00e4hneln die Bewegungen dieser Tiere den Bewegungen der Fische.\nWenn man das Tier k\u00fcnstlich aus seiner gew\u00f6hnlichen Lage bringt, d. h. mit H\u00fclfe eines Glasst\u00f6kchens es so umdreht, dass die blosse nach unten gerichtet ist. so nimmt es in demselben Augenblick wieder die fr\u00fchere Lage an. Von kreisf\u00f6rmigen Bewegungen habe ich nichts bemerken k\u00f6nnen.\nPterotrachea (mutica, coronata). Die grossen Exemplare (Fig. 2) davon unterscheiden sich in den Bewegungen gar nicht von den Carinaria.","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nGEH\u00d6RBL\u00c4SCHEN BEI PTEROTRACHEIDAE.\nFig. 2. Fterotracbea coronata von der Seite aus gesehen: 1\u2014.^Iantel, 2\u2014R\u00fcssel, 3\u2014Hund, 4\u2014Flosse, 5\u2014Saugnapf, 6\u2014Schw\u00e4nzende, 7\u2014 Eingevveidesack, 8\u2014Kiemen, 9\u2014Yer-daunngscanal, 10\u2014Auge, 11\u2014Herz, 12\u2014Pedalknoten.\nDie kleinen Exemplare der Pterotrachea (3 ctm. und wenig mehr) schwimmen verschiedenartig: entweder schwimmen sie, wie die Carinari;] und die grossen Pterotrachea, mit vertikal und nach oben gerichteter Flosse, oder\u2014auf der Seite und im Kreise an der Oberfl\u00e4che des \"Wassers, den Schwanz und die Flosse hin und herbewegend, wobei die letztere immer dem Centrum des Kreises zugewandt ist. Diese ihre Kreisbewegungen sind vom physikalischen Standpunkte aus betrachtet v\u00f6llig verst\u00e4ndlich. Schwimmt das Tier auf der Seite, nat\u00fcrtlich mit dem Kopfe voran, so leisten Kopf und R\u00fcssel seinem Fortbewegen Widerstand. Da die dem Kopfe und dem mit ihm verbundenen K\u00f6rper entsprechende AYider-standsfl\u00e4che kleiner als die dem R\u00fcssel entsprechende ist. so bieten sich auch den Bewegungen des Kopfes vorw\u00e4rts weniger Hindernisse, als den Bewegungen des R\u00fcssels. Letzterer wird in den Bewegungen Zur\u00fcckbleiben, w\u00e4hrend der Kopf voraneilen wird, jedoch zur Seite hin und nicht in gerader Linie.\nDer K\u00f6rper des Tieres wird also einen Kreis ziehen. Diese Abweichung hat viel Wohnlichkeit mit derjenigen eines Bootes, das infolge des Stenerns aus der geraden Bahn gebracht wird. Schwimmt das Tier nicht, so liegt es entweder mit nach oben gerichteter Flosse, oder auf der Seite, oderauch mit nach unten gekehrter Flosse wie an der Oberfl\u00e4che des Wassers, so auch am Boden des Gelasses. AYenn man dann die Pterotrachea mit einem Glasst\u00f6ckchen anr\u00fchrt, so","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"OEH\u00d6RBL\u00c4SCHEN bei pterotracheidae.\n27\nf\u00e4ngt sie gleich an zu schwimmen, indem sie die Flosse nach oben richtet. Bei Bewegung des Schwanzes und der Flosse schwimmt das Tier niemals mit nach unten gekehrter Flosse, ebenso vollf\u00fchrt es auch keine anderen kreisf\u00f6rmigen Bewegungen ausser den angegebenen.\nDie Geh\u00f6rbl\u00e4schen bei den Pterotracheidae befinden sich in unmittelbarer Verbindung mit dem Cerebralganglion. Wie man aus den beiliegenden Darstellungen (Fig. 3 u. 4) sieht, ziehen sich vom Ganglion cerebrale, ganz selbstst\u00e4ndige Zweige sowohl zu den Augen, als auch zu den Geh\u00f6rbl\u00e4schen.\nDie Bl\u00e4schen scheinen durch die schleimige, v\u00f6llig durchsichtige K\u00f6rpermasse aller Pterotracheidae hindurch und stellen zwei matte milchfarbene Punkte dar: nur bei einigen Exemplaren der Carinaria kann man die Geh\u00f6rbl\u00e4schen nicht unterscheiden, manchmal sieht man sie, aber auch dann sehr schlecht. Dies h\u00e4ngt davon ab, dass der Mantel dieser Exemplare sehr dick ist und infolge der sich im K\u00f6rper der Tiere ansammelnden Kalksalze eben-\n4\na l;\nV\nbig. 3. (Au* Gegenbaur ) Der obere Sclilnndknotm (Gehirn) mit dem Sehnervast und dem Geh\u00f6rbl\u00e4s-chen. H. Das obere Geliirnganglion. a) (Tanglion f\u00fcr den 11\u00ab>v- und Sehnerven, b) Sehnerv, c) H\u00fcrnerv. d) Commissurstraenge zum unteren Schlundganglion f\u00fchrend (ganglion pedale). e. /) Nerven zur H\u00fclle. C- Geh\u00f6rorgan. a) Otolith, b) Die Wimperb\u00fcschel des Geh\u00fcrbl\u00e4schens.\ndieselbe Farbe besitzt wie die Bl\u00e4schen, sodass letztere entweder gar nicht, oder kaum zu bemerken sind. Das Entfernen der Geh\u00f6rbl\u00e4schen bei den Carinaria bewerkstelligte ich mit spitzen Pincetten, die ich ein wenig ge\u00f6ffnet eindringen liess, sie so f\u00fchrte, dass das Geh\u00f6rbl\u00e4schen zwischen die Arme derselben kam, die ich dann zusammenpresste und herauszog. Beim Durchstechen mit den Enden der Pincetten der sehr dicken und ziemlich harten K\u00f6rperh\u00fclle, zieht das Tier die Augen ein, wodurch es die Bl\u00e4schen verdekt, so dass man gezwungen ist abzuwarten, bis es sich beruhigt und die Augen wegschiebt\u2014dann f\u00fchrt man die Pincetten zu dem Geh\u00f6rbl\u00e4schen, das man damit erfasst und herausnimmt. Bei dieser Operation wird das Tier aus dem Wasser genommen und in der linken Hand gehalten. Der Fuss desselben kommt auf den 3 letzten Fingern dieser Hand zu liegen, der Bauch und die Flosse ber\u00fchren die Handfl\u00e4che und die B\u00fcckenseite ist dem Operator zugewandr. Der R\u00fcssel befindet sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger, von denen er festgehalten wird, sodass das Tier ihn nicht bewegen kann; der Kopf wird mit dem grossen Finger gehalten. Durch diese Art des Haltens wird das Tier aller Bewegungen beraubt, und kann man ungest\u00f6rt die Operation vollenden.","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"28\nliEII\u00d6RBL\u00c4SCnEX BEI PTER0TRACIIE1PAE.\nBei den Pterotracliea geht das Entfernen der Bl\u00e4schen viel leichter und bequemer von statten. Die \u00e4ussere H\u00fclle ihres Mantels ist sehr d\u00fcnn und das Durchstechen derselben dem Tiere schwach f\u00fchlbar, also von keiner so starken retiectiven Muskelarbeit begleitet, wie bei den Carinaria.\nEs bewegen sich wohl die Augen dabei, jedoch sind diese Bewegungen so schwach, dass sie die Bl\u00e4schen nicht verdecken und die Entfernung derselben nicht st\u00f6ren. Die \u00e4ussere Decke des Mantels ist bei den Pterotracliea nie mattfarben, so dass man die Ganglien, die Nerven\u00e4ste, die von ihnen ausgehen, die Augen und die hinter ihnen liegenden Geh\u00f6rbl\u00e4schen deutlich sehen kann. (Eig. 4 u. 5).\nLig. 4. Pterotracliea von der Bauchseite aus gesehen; der R\u00fcssel ist zum Schw\u00e4nze hin ein wenig in die L\u00e4nge gezogen und schmiegt sich eng an den K\u00f6rper. 1.1.\u2014Augen, 2.2.\u2014Geh\u00f6rbl\u00e4sclien,3.3.\u2014( umglinn Cerebrale, aus 2 H\u00e4lften bestehend. 4.4.\u2014Tubercula frontalia.\nLig. 5. Pterotracliea von der R\u00fceken-seite aus gesehen (w\u00e4hrend der < \u2022punition) 1.1\u2014Augen. 2.2.\u2014Geh\u00f6rbl\u00e4schen, 8.3.\u2014Ganglion cerebrale.\nBei den grossen Pterotracliea wird die Entfernung der Bl\u00e4schen mit Pm-cetten bewerkstelligt. Man h\u00e4lt sie ebenso, wie die Carinaria, in der linken Hand, da aber ihr schleimiger K\u00f6rper sehr zart u. zerbrechlich ist und, aus dem Wasser gehoben leicht in der Hand zergehen kann, so musste man sie im Wasser halten und durfte nur den Kopf herausstrecken. Das Entfernen der Bl\u00e4schen mit Pincetten ist bei den kleinen Exemplaren der Pterotracliea wegen ihrer Winzigkeit nicht gut m\u00f6glich, da man damit leicht das Auge","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"OEO\u00d6RBL\u00c4SCHEN BEI PEEK OIE ACII Eli) AE.\n29\noder das Ganglion besch\u00e4digen kann, auch weil die Gewebe stark verletzt werden. Ich that es deshalb mit einer ganz feinen Nadel, mit deren Spitze ich das Bl\u00e4schen von allen es umgebenden Geweben befreite, es losr\u00fcttelte, vom Nerven losriss und danach herausnahm. Gehalten wurde es auch in der linken Hand, nur kamen K\u00f6rper und Fuss des Tieres nicht auf der Handfl\u00e4che, sondern auf dem mittleren Finger zu liegen: das Tier befand sich auch im Wasser, nur der Kopf ragte daraus hervor Gleich nach Beendigung der Operation liess ich es ganz ins Wasser gleiten und gab ihm m seinen Bewegungen die vollste Freiheit.\nDas Material, das mir zur Verf\u00fcgung stand, teilte ich so ein, dass ich bei einigen Tieren nur ein Bl\u00e4schen entfernte, um zu erfahren, ob das \u00fcbriggebliebene das andere ersetzen kann, bei anderen\u2014alle beide, wobei ich auf ihren Zustand nach Verlust ihres ganzen Otolithenapparates achtete.\nAmserdem wurde ein Teil der Tiere der Augen beraubt, um den Ein-fluss dieser Entfernung klarzustellen, ein anderer\u2014der Augen und Bl\u00e4schen zugleich, um zu sehen, zu was f\u00fcr einem Resultate die gleichzeitige Entfernung dieser zwei so wichtigen Organe f\u00fchrt.\nDas Entfernen eines Geh\u00f6rbl\u00e4schens. Das Entfernen nur eines Bl\u00e4schens vollf\u00fchrte ich an 20 Exemplaren. Gleich nach der Operation zeigte sich bei einigen der Tiere eine gewisse Schlaffheit, ihre Bewegungen waren nicht so genau und frei, wie bei den Nichtoperirten. Diese Unregelm\u00e4ssigkeit der Bewegungen bemerkte ich gew\u00f6hnlich nur in den ersten Minuten nach der Operation, die Tiere erholten sich sehr bald, schwammen ganz regelm\u00e4ssig, so dass man sie nicht mehr von Unverletzten unterscheiden konnte. Bei dem gr\u00f6sseren Teile der Tiere verursachte die Operation jedoch gar keine Ver\u00e4nderung in den Bewegungen: sie schwammen ganz wie die gesunden.\nDie Entfernung der Augen. Die der Augen beraubten Tiere (14 Exemplare) \u00e4usserten keinerlei St\u00f6rungen in den Bewegungen. Bei den grossen Pterotracheidae entfernte ich die Augen mit H\u00fclfe von Pincetten, bei den kleinen\u2014mit einer Nadel, womit ich einen Einstich ins Auge machte, um den Crystall einen Kreis zog und, nach Ausdr\u00fcckung des Crystalls. die Pygment-schicht entfernte.\nDas Entfernen beider Geh\u00f6rblaschen. Das Entfernen beider Geh\u00f6rbl\u00e4schen bewerkstelligte ich an 52 Exemplaren, wovon 2\u2014Carinaria und 50\u2014Pterotrachea (coronata und mutica) waren.\n1. Eine grosse Pterotrachea.\nRegelm\u00e4ssiges Schwimmen vor der Operation. Nach Entfernung beider Bl\u00e4schen fing das sich selbst \u00fcberlassene Tier an, kreisf\u00f6rmige Bewegungen im vertikalen Fl\u00e4chenraum mit zum Kreiscentrum gerichteter Flosse zu vollbringen. Von Zeit zu Zeit h\u00f6ren die kreisf\u00f6rmigen Bewegungen auf und das Tier sucht in die normale Lage, d. h. mit nach oben gekehrter Flosse, zu kommen. Dieser Versuch ist aber ganz erfolglos, denn kaum hat das Tier, nach vielen Anstrengungen, die Flosse in die vertikal nach oben gerichtete Lage gebracht, so f\u00e4llt leztere gleich wieder auf die Seite und die Arbeit f\u00e4ngt von neuem an.","page":29},{"file":"p0030.txt","language":"de","ocr_de":"GEH \u00d6 E B L\u00c4S C11E X B EI PTEROTRACHEIP A E.\n30\n2.\tEine grosse Pterotrachea. Bewegt sich nach der Operation gr\u00f6sstenteils an der Wand des Gef\u00e4sses, indem sie kreisf\u00f6rmige Bewegungen im vertikalen Fl\u00e4chenraum macht. Manchmal sinkt sie zu Boden, stellt sich auf den Kopf, da es ihr aber unm\u00f6glich ist in dieser Lage zu bleiben, so f\u00e4llt sie wieder auf die Bauchfl\u00e4che, wonach sie sich wieder auf den Kopf zu stellen beginnt. Diese Bewegung hat viel Aelmlichkeit mit dem Purzelbaumschlagen. Tliut das Tier keine kreisf\u00f6rmigen Bewegungen, so schwimmt es mit nach unten gerichteter Flosse.\n3.\tEine kleine Pterotrachea. Schwimmt nach der Operation entweder der schmalen Spirale oder der die L\u00e4nge des K\u00f6rpers durchschneidenden Achse nach. Mit nach oben gerichteter Flosse kann das Tier nicht schwimmen.\n4.\tEine kleine Pterotrachea. Nach Entfernung der Bl\u00e4schen vollbringt sie keine kreisf\u00f6rmigen Bewegungen. Sie schwimmt mit nach unten gekehrter Flosse; der Versuch in die Lage mit nach oben gerichteter Flosse zu kommen, wird von keinem Erfolge gekr\u00f6nt.\nMan muss bemerken, dass man alle Pterotracheae nur in den ersten Stunden nach der Operation beobachten kann, da sie zum Abend des Operationstages ganz schlaff werden und meistenteils auf dem Boden liegen, wo sie sich kaum r\u00fchren. Den n\u00e4chsten Tag geben sie sehr schwache Lebenszeichen von sich.\n5.\tEine carinaria mediterranea. Im Verlauf von 3 Tagen \u00e4usserte das Tier starke St\u00f6rungen in den Bewegungen. 1) Es vollbrachte kreisf\u00f6rmige Bewegungen im vertikalen Fl\u00e4chenraum, 2) es schlug auf dem Boden des Gef\u00e4sses Purzelb\u00e4ume und 3) es machte auf der Seite liegend am Boden des Gef\u00e4sses um die den Kopf des Tieres durchschneidende Achse kreisf\u00f6rmige Bewegungen im horizontalen Fl\u00e4chenraum. Am vierten Tage h\u00f6rten die kreisf\u00f6rmigen Bewegungen auf. die Gleichgewichtsst\u00f6rung\u2014die sich in der Unm\u00f6glichkeit in die Lage mit nach oben gerichteter Flosse zu kommen, kundgab\u2014blieb. Das Tier schwamm auf der Seite mit horizontal gelegener Flosse.\nDie gleichzeitige Entfernung der Augen und Bl\u00e4schen verursachte ganz dieselben St\u00f6rungen wie die Entfernung der Bl\u00e4schen allein.\nAuf Grund der angegebenen Experimente sieht man, dass das Entfernen der beiden Geh\u00f6rbl\u00e4schen St\u00f6rungen in den regelm\u00e4ssigen Bewegungen des Tieres erzeugt: einerseits entsteht eine unnormale Lage des K\u00f6rpers: anstatt dass das Tier mit vertikal nach oben gerichteter blosse schwimmt, bewegt es sich mit horizontal gelegener oder nach unten gelegener Flosse, die normale Lage der Flosse kann es nicht mehr annehmen; andererseits treten Bewegungsst\u00f6rungen hervor in der Art, dass das Tier bald unwillk\u00fcrlich kreisf\u00f6rmige Bewegungen im vertikalen l l\u00e4chenraum vollbringt, bald der die L\u00e4nge-des K\u00f6rpers durchschneidenden Achse nach. Manchmal tragen diese Drehungen den Charakter von Purzelb\u00e4umen, manchmal wieder macht das Tier Spiralbewegungen. Wodurch k\u00f6nnen denn solche Bewegungsst\u00f6rungen hervogeru-fen werden? Augenscheinlich durch den Verlust des wichtigsten statischen und dynamischen Organes der Pterotracheidae.\u2014die Zerst\u00f6rung des Geh\u00f6rbl\u00e4schens. Um solche Bewegungsst\u00f6rungen hervorzurufen, muss man beide Bl\u00e4schen entfernen, denn die Enfernung nur eines derselben erzeugt gar keinen","page":30},{"file":"p0031.txt","language":"de","ocr_de":"GEH\u00d6KBL\u00c4SCHEN BEI PTEROTRACHEIDAE.\nn 1 \u00f6 1\nEffekt. Vielleicht h\u00e4ngen diese St\u00f6rungen von den traumatischen Besch\u00e4digungen, von der Reizung des Nerven oder des Centralganglion beim Entfernen der Blase ab? Setzen wir dies voraus, so m\u00fcssen wir auch zugeben, das bei dem Trauma, welches durch Entfernung der Augen verursacht wird, dieselben Bewegungsst\u00f6rungen eintreten m\u00fcssen, denn hierbei ist man gezwungen das Auge von dem ziemlich dicken Sehnerv abzureissen; in Wirklichkeit ist dies nicht der Fall: die der Augen beraubten Tiere unterscheiden sich, wie wir schon gesehen haben, in ihren Bewegungen durch gar nichts von den gesunden Tieren. Ich besch\u00e4digte das Tier dann k\u00fcnstlich, indem ich die K\u00f6rpermasse wie vor, so auch hinter den Bl\u00e4schen durchstach \u2014keine Bewegungsst\u00f6rungen traten hervor. Wir haben ausserdem gesehen, dass durch die Entfernung nur einer Blase keine St\u00f6rungen hervorgerufen werden; das Tier bewegt sich normal, woraus man ersieht, dass die Funktion zweier Bl\u00e4schen durch die Funktion nur eines derselben ersetzt werden kann. Man braucht jedoch nur das \u00fcbriggebliebene Bl\u00e4schen zu vernichten, was ich auch mehrere Male gethan, und die oben angegebenen Bewegungsst\u00f6rungen lassen nicht lange auf sich warten. Ausser der Entfernung der Geh\u00f6rblasen nahm ich auch das Durchschneiden der Str\u00e4nge, die von den Ganglien zu den Blasen f\u00fchren, vor. wie auch die Zerst\u00f6rung des Ganglion selbst. Der Durchschnitt der G\u00e4nge nur auf einer Seite \u2014erzeugt gar keine Bewegungsst\u00f6rungen, wogegen nach dem Durchschneiden derselben auf beiden Seiten man dieselben St\u00f6rungen bemerkt wie beim Entfernen beider Bl\u00e4schen.\nDurch die Vernichtung des Cerebralganglion (Zerquetschung mit Pincet-ten) verliert das Tier die F\u00e4higkeit beim Schwimmen die Lage mit nach oben gerichteter Flosse anzunehmen, von Drehbewegungen ist keine Spur. Das Vernichten des Ganglion pedale (Zerquetschung mit Pincetten) rief eine totale L\u00e4hmung der Bewegungen hervor. Das aus der Hand gelassene Tier sank langsam zu Boden, wo es auch regungslos, mit der Flosse nach unten, liegen blieb, ohne auf irgend welche St\u00f6sse zu reagieren. In dieser Lage blieb es auch den n\u00e4chsten Tag, und nur die Zuckungen des Herzens zeigten an, dass noch Leben in dem Gesch\u00f6pfe ist. Der Versuch die An\u00e4sthesie der Bl\u00e4schen durch eine schwache Cocainl\u00f6sung hervorzurufen, wurde von keinem Erfolge gekr\u00f6nt:\u2014eine isolirte An\u00e4sthesie der Bl\u00e4schen zu bekommen gelang mir nicht, da die Injektionstl\u00fcssigkeit sich ganz in den Geweben ergoss, das Cerebralganglion erreichte, ja sogar bis zum Ganglion pedale ging.\nEin Centrifugieren der Tiere in einem Kreise von G5\u2014TOctm., bei einer Schnelligkeit von 55 - 60 Kreisen in der Minute, rief keinerlei Bewegungsst\u00f6rungen hervor. Auf Grund der angef\u00fchrten Versuche an den Pterotracheidae kann man mit Bestimmtheit behaupten, dass das Geh\u00f6rbl\u00e4schen bei diesen Tieren ein statisches Organ bildet, das die Bewegungen des Tieres regulirt und ihm seine normale Lage beizubehalten hilft. Hierbei bietet die Frage Interesse, ob das Bl\u00e4schen die Funktion, infolge derer es das \u00ab Geh\u00f6rbl\u00e4schen > genannt wird, aus\u00fcbt? loh. Ranke folgerte aus seinen Experimenten an den Pterotracheae 1), dass die Bl\u00e4schen bei Letzteren wirklich das Geh\u00f6rorgan\n') loh. Ranke, Der Geh\u00f6rvorgang u. d. Geh\u00f6rorgan bei Pterotrachea, Zeitschi\u2019, f\u00fcr vissentsch. Zoologie Bd. 25. Supplementheft, p. 77\u2014102.","page":31},{"file":"p0032.txt","language":"de","ocr_de":"32\n( ; K B \u00d6 K B LA SC HE N BEI P T E R OTI\u00ce A C H EI I > A F..\nbilden. Er befestigte die Pterotracliea so, dass dieselben sich nicht r\u00fchren konnten, legte sie unters Mikroskop und beobachtete die Erscheinungen, welche bei Erzeugung eines Tones im Bl\u00e4schen vor sich gingen. Das Geh\u00f6rbl\u00e4s-clien der Pterotracliea ist mit Zellen bedeckt, an welchen Wimpern (Pilier.) sitzen (Siehe Fig. 3). An einer Stelle des Bl\u00e4schens, gegen\u00fcber dem Eingang des Nerven, erreichen die Zellen ihren gr\u00f6ssten Umfang, insbesondere die mittlere, wobei die Ciliae fehlen, dagegen H\u00f6rst\u00e4bchen die Zellen bedecken. Im Centrum des Bl\u00e4schens befindet sich der Otolith. Wenn man in der N\u00e4he des Tieres einen Ton hervorruft, so erheben sich die W impern mit Blitzesschnelle und dr\u00fccken den Otolithen an den H\u00f6rfleck, mit dessen Horstabchen sie augenscheinlich in Ber\u00fchrung kommen, ln dieser Lage bleibt der Stein eine Zeit lang.\nErzeugt man nochmals einen Ton, so n\u00e4hert sich der Otolith noch mehr dem H\u00f6rfleck. Wie er den Ton hervorriet und in welcher H\u00f6he, teilt loh.. Ranke nicht mit.\nUm ein Tier bei Erzeugung eines loues unter dem Mikroskop beobachten zu k\u00f6nnen, legte ich es in ein mit W asser gef\u00fclltes Gelass und befestigte es mit Nadeln an Korkst\u00fccke, die ich an den Boden des Geiasses angeklebt hatte, oder an eingegossenen Paraffin, ln solcher Lage kann das lier mehrere Stunden leben, wenn man das W asser wechselt.\nBei Beobachtung durch das Mikroscop, ohne Tonerzeugung, sieht man. wie sich die Wimpern von Zeit zu Zeit alle zugleich heben, an den Otolithen dr\u00e4ngen und ihn festhalten. Ausser dem Erheben aller W impern kann man ein fast fortw\u00e4hrendes Bewegen derselben, bald an einer, bald an einer anderen Stelle des Bl\u00e4schens bemerken. Man sieht, wie sich die einen H\u00e4rchen erheben, die anderen senken. Da die Hebungen der Wimpern zwar lasch, jedoch nicht gleichzeitig vor sich gehen, so vollfuhrt der Otolith beinahe Schwankungen im Bl\u00e4schen,\twrobei er sich\tmanchmal sehr dem H\u00f6ifieck n\u00e4hert und auf solche\tWeise\texcentrisch zu\tliegen\tkommt, manchmal liegt ei\nauch im Centrum des Bl\u00e4schens. Wenn man einen Ton hervorruft ich erzeug-te ziemlich hohe T\u00f6ne vermittelst einer fasse und eines Glases, an die ich mit einer Scheere stiess,\u2014geschehen das Heben der Wimpern und die Bewegungen des Otolithen nicht; man braucht jedoch nur mit demselben Glase auf den h\u00f6lzernen Tisch zu stossen. so erheben sich die Wimpern sofort, piessen sich an den Otolithen und rufen die erw\u00e4hnten Bewegungen desselben hervor. Wiederholt man den Ton sofort, fassen die Wimpern den Otolithen noch fester, ein weiteres Stossen macht jedoch keinen Eindruck mehr \u00fcie Wimpern senken sich.\tNach einiger Zeit der\tRuhe,\tkann man durch eineuei-\ntes Stossen mit dem\tGlase\tauf den lisch\tdie W\timpern wieder zum Heben\nveranlassen. Ich versuchte meine Beobachtungen mit dem Mikroscop aut clem Marmorfensterbrett anzustellen. Schl\u00e4gt man an das Fensterbrett mit einem beliebigen Gegenst\u00e4nde, so ruft dies keinerlei Bewegungen der H\u00e4rchen hervor, man braucht aber nur mit demselben Gegenst\u00e4nde an das Objekttischchen des\u2019 Mikroskopes zu stossen. und sofort heben sich die Wimpern und pressen sich an den Otolithen. Manchmal ber\u00fchrte ich mit einer Nadel den Ivopf des Tieres, ja sogar nur die Wasserfl\u00e4che,\u2014in diesen F\u00e4llen traten dieselben Ei-","page":32},{"file":"p0033.txt","language":"de","ocr_de":"GEH\u00d6RBL\u00c4SCHEN BEI PTEROTEACHEIDAE,\n33\nscheinungen auf, wie beim Stossen an den Holztisch oder an das Objekttischchen des Mikroscops. Offenbar erreichen die aus der Luft kommenden Tonwellen das Geh\u00f6rbl\u00e4schen nicht: letzteres nimmt nur solche Wellen auf, die bei St\u00f6s-sen oder T\u00f6nen, welche ein Beben hervorrufen, erzielt werden. In unserem Falle geschah dies beim Schlagen auf den Tisch oder auf das Objekttischchen des Mikroscops. Mit anderen Worten gesagt, nimmt das Tier den Ton nicht als Geh\u00f6r-, sondern als Gef\u00fchlsempfindungen auf. Geben wir z. B. zu, dass das Bl\u00e4schen eine Geh\u00f6rfunktion besitzt, wozu existirt in demselben der Otolith? Schreibt man ihm die Eigenschaft des D\u00e4mpfens zu, indem er nach jedem Tone vermittelst der H\u00e4rchen sich an das H\u00f6rfleckchen dr\u00e4ngt, so muss man wieder die Frage stellen: weshalb heben sich die H\u00e4rchen aber nicht nach jedem Schlage; es scheint ganz, als wenn sie erm\u00fcden, da sie auf die ohne Anhalt aufeinanderfolgenden Schl\u00e4ge eine Zeit lang nicht reagiren. Ausserdem befinden sich die Wimpern, wie wir sahen, in fortw\u00e4hrender Bewegung, und von Zeit zu Zeit erheben sie sich und dr\u00e4ngen sich an den Otolithen. Wenn im Bl\u00e4schen immerw\u00e4hrende, manchmal von Bewegungen des Otolithen begleitete Schwankungen vor sich gehen, so ist es sogar schwer ein gen\u00fcgendes Funktionieren des Bl\u00e4schens als Geh\u00f6rorgan zu erwarten, da in demselben unabh\u00e4ngig vom Geh\u00f6rakt Erscheinungen solcher Art Vorkommen, wie sie nur beim Aufnehmen eines Tones sein d\u00fcrften.\nStellen wir einen Vergleich mit den Geh\u00f6rorganen der Tiere h\u00f6herer Gattung an. so sehen wir, dass im vollkommensten Geh\u00f6rapparat, der Schnecke, sich keine Otolithen befinden. Endlich liegen die Bl\u00e4schen selbst, tief im K\u00f6rper des Tieres in einer gallertartigen Masse, die zum Tonaufnehmen im h\u00f6chsten Grade ungeeignet ist und mit dem Aussenraum in keiner Verbindung stellt.\nWenn jedes einzelne H\u00e4rchen nach einem bestimmten Tone gestimmt ist, in der Art wie. Hensen\u2019s Meinung nach, bei den Decapoda die H\u00f6rwimpern nach einem gewissen Tone gestimmt sind, so fragt es sich welche T\u00f6ne die Tiere eigentlich im Wasser aufnehmen k\u00f6nnten? Die Tiefe selbst, wie auch ihre Bewohner, sind stumm, es ist dort von T\u00f6nen keine Spur, nichts ist zu h\u00f6ren, die T\u00f6ne aus der Luft aber sind f\u00fcr die Meerbewohner ganz unn\u00f6tig. Es bleibt also nur eine einzige Zulassung, dass das Otolithenorgan speciell bei den Pterotracheidae, wie bei den Wirbellosen \u00fcberhaupt, ein f\u00fcr die Ori-entirung und ein progressives Bewegen im Raume bestimmtes Organ ist.\nFolgerungen.\n1.\tDie sogenannten < Geh\u00f6rbl\u00e4schen bei den Heteropoda sind kein Geh\u00f6rorgan. sondern ein Gleichgewichtsorgan.\n2.\tDie Entfernung nur eines Bl\u00e4schens erzeugt keine St\u00f6rungen in den Bewegungen, das verbleibende Bl\u00e4schen kann das entfernte ersetzen.","page":33},{"file":"p0034.txt","language":"de","ocr_de":"34\nGEH\u00d6R BL\u00c4SCHEN' BEI PTEROTRAC H EID AE.\n\u25a0). Dds Entfernen beider Ll\u00e4schen ruft eine Bewegungsst\u00f6rung' in der ^ eise hervor, dass das lier die F\u00e4higkeit in die normale Lage, d. h. mit nach eben gerichteter Flosse, zu kommen verliert und in kreisf\u00f6rmige Bewegungen in vertikaler Richtung und der L\u00e4ngenachse des K\u00f6rpers nach kommt.\n4.\tDun h das Enttcinen der Augen werden keine Bewegungsst\u00f6rungen verursacht.\n5.\tDie gleichzeitige Entfernung der Augen und der Bl\u00e4schen ergiebt dieselben Resultate, wie die Entfernung der Bl\u00e4schen allein.\n6.\tBei Entfernung der Bl\u00e4schen k\u00f6nnen die unverletzt gebliebenen Augen die St\u00f6rungen in den Bewegungen nicht ausbessern.\n7.\tDie Durchschneidung eines oder beider von den Geh\u00f6rbl\u00e4schen zum Nervenknoten f\u00fchrender G\u00e4nge gleicht dem Entfernen eines oder beider Geh\u00f6r-bl\u00e4schen.\n8.\tDas Vernichten des Kopfganglion verursacht die Unf\u00e4higkeit mit nach oben gerichteter Flosse zu schwimmen.\n9.\tDurch das Centrifugieren werden keine St\u00f6rungen erzeugt.\n10.\tDie V ernichtung des Ganglion pedale ruft eine volle L\u00e4hmung der Bewegungen des Tieres hervor.\nAnmerkung. Diese Arbeit war schon beendet, als in Pfl\u00fcgers Archiv Band 74 ein Artikel des Herrn Dr. Th. Beer (Vergleichend-physiologische Studien zur Statocystenfunction. 11. Versuche an Crustaceen (Pen\u00e4us membra-naceus) erschien, der die Beschreibung seiner Experimente an Pen\u00e4us membra-naceus (Crustacea) enthielt. 1 >er Verfasser nahm an dieser Krebsart Folgendes vor: 1) Entfernung der Antenen\u2014wobei er bei einseitiger Entfernung kreisende Bewegungen beobachtete, und zwar war die \u00fcbriggebliebene Antenne dem Centrum, des Kreises zugewandt. Die zweiseitige Entfernung der Antennen rief keine St\u00f6rungen in den Bewegungen hervor. 2) L>ie Entfernung der Geh\u00f6rbl\u00e4schen verursachte Bewegungsst\u00f6rungen: das Tier schwamm auf dem R\u00fccken, zog Kreise den verschiedenen Achsen nach. 3) Die Entfernung nur eines Bl\u00e4schens rief St\u00f6rungen gleicher Art, jedoch geringerer. St\u00e4reke hervor. 4) Die Blendung der Tiere zog keine St\u00f6rungen in den Bewegungen nach sich, gleichzeitig mit dem Entfernen der Bl\u00e4schen aber verst\u00e4rkte sie die St\u00f6rungen, ln einer Anmerkung zu seinem Artikel erkl\u00e4rt der Verfasser bei Heteropoda (Pterotrachea mutiea et coronata) bei \u00abEntstatung> \u00e4hnliche Erscheinungen wie bei Pen\u00e4us membranaceus gefunden zu haben (?); dieselben reagiren, wie er meint, auf den Schall nicht. Wie er die Experimente anstellte, teilt der Verfasser nicht mit.","page":34}],"identifier":"lit36287","issued":"1900-1902","language":"de","pages":"19-34","startpages":"19","title":"Das Geh\u00f6rbl\u00e4schen als statisches Organ bei den Pterotracheidae","type":"Journal Article","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:40:04.596970+00:00"}
