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{"created":"2022-01-31T16:41:32.810462+00:00","id":"lit36293","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Samojloff, A.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 2: 62-69","fulltext":[{"file":"p0062.txt","language":"de","ocr_de":"Graphische Darstellung der Vokale.\nVon Dr. A. Samojloff,\nPriv.-Docent der Physiologie an der Kaiserlichen Universit\u00e4t zu Moskau.\nVor einiger Zeit war ich mit Versuchen \u00fcber die akustische Natur der Vokale besch\u00e4ftigt. Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung dieser Versuche wurde im Arch. f. die gesammte Physiologie Bd. 78, p. 1 mitgetheilt. An dieser Stelle m\u00f6chte ich nur die methodologische Seite und kurz die Hauptresultate anf\u00fchren.\nIch benutzte bei meinen Versuchen eine Membran, gegen die gesprochen wurde und deren Schwingungen auf einer beweglichen, lichtempfindlichen Platte aufgezeichnet w urden.\nDer Vorschlag, eine Membran mit einem Spiegelchen zu versehen, um auf diese Weise durch einen vom Spiegel reflectirten Lichtstrahl die Schwingungen der Vokalkl\u00e4nge in Form einer Kurve zu erhalten, wurde schon 1883 von zwei franz\u00f6sischen Autoren, Pi i g o llot und Chavanon '). gemacht. Allerdings haben diese die Vokalkurven nicht photographirt; sie beobachteten die Kurven auf dem Projektionsschirme, indem sie den vom Spiegelchen re-flektirten Lichtstrahl auf einen Koni g'schen rotirenden Spiegel fallen Hessen. Ihre Membran wurde aus Kollodium bereitet, das Spiegelchen drehte sich um eine Achse, die aus einem an den Spiegel angeklebten Kokonfaden bestand. Es ist klar, dass sowohl die Wahl der Membran, wie die Art der Befestigung des Spiegels sehr unzweckm\u00e4ssig sind, denn es wird hierbei nur f\u00fcr die leichte Beweglichkeit des ganzen Systems gesorgt, w\u00e4hrend der n\u00f6thige Grad der D\u00e4mpfung unber\u00fccksichtigt bleibt,\nSp\u00e4ter wurde dieser Apparat von dem Physiker P. Lebedeff2) in Moskau ver\u00e4ndert und verbessert. Lebedeff kam auf den Gedanken, die Membran aus Kork zu bereiten, und so weit meine Erfahrungen reichen, muss ich sagen, dass eine Korkmembran im Vergleich zu anderen f\u00fcr akustische Versuche bestimmten Membranen das Beste leistet. H e r m a n n, der eine ganze Pteihe verschiedener Membranen aus Eisen, Glimmer, Glas, Karton, Holz u. A. auf ihre Leistungsf\u00e4higkeit im Sinne der getreuen Uebertragung von Schallschwingungen vergleichend untersuchte, h\u00e4lt nur die starren Membranen f\u00fcr zweckentsprechend und hat den gr\u00f6ssten Tlieil seiner \u00ab\u00ab-Versuche\u00bb mit Glimmer- und Glasplatten ausgef\u00fchrt. Es scheint mir aber, dass die nicht elastischen, leicht biegsamen, aus Seide, Tuch u. dgl. geschnittenen Membranen\n') Journal de physique 1883 (2) t. 2 p. 553.\n!) Journal der russischen physikalisch-chemischen Gesellschaft, 1894, Bd. 26 S. 290 (russisch),","page":62},{"file":"p0063.txt","language":"de","ocr_de":"GRAPHISCHE PARSfELLUNG PER VOKALE.\nes\nden Vorzug verdienen, da sie keinen ausgesprochenen Eigenton besitzen. Es ist bekannt, dass E d i s o n bei der Konstruktion seines Phonographen von Anfang an eine Seidenmembran angewandt li\u00e2t. Der Nachtheil dieser biegsamen Membranen besteht nur darin, dass man sie nicht sicher genug, behufs Uebertragung der Schwingungen, mit einem Spiegel resp. mit einem Hebel verbinden kann. Spannt man sie, um ihnen einen festen Halt zu geben, sehr stark, so verlieren sie ihre Vorz\u00fcge und werden ebenso unbrauchbar wie gespannte Gummimembranen. Der Kork vereinigt gewissermassen die hier in Betracht kommenden Eigenschaften der starren und leicht biegsamen, keinen ausgesprochenen Eigenton besitzenden Membranen. Dass eine Korkmembran in der That sich besser eignet zur getreuen Uebertragung von Schallschwingungen, geht schon aus Folgendem hervor.\nH e r m a n n ') bemerkte, dass d\u00fcnne, grosse, leicht ansprechende Membranen auf verschiedene Vokale mit den gleichen Sinuskurven antworten, wenn sie nicht sorgf\u00e4ltig ged\u00e4mpft sind. Dass solche Membranen schlecht funktioni-ren, kann man auch daraus schliessen, dass sie beim Besingen ein Schwirren und Schlottern h\u00f6ren lassen. Von der Richtigkeit dieser Bemerkung kann man sich leicht \u00fcberzeugen. Ein besonders starkes Schlottern mit einem sehr intensiven klirrenden Ger\u00e4usch geben Glasmembranen. Befestigt man dagegen eine Korkmembran von ziemlich grosser Oberfl\u00e4che, z. B. ein kreisrundes St\u00fcck von 5 cm im Durchmesser, so ist eine solche Membran durch Besingen ausserordentlich leicht in Schwingungen zu versetzen, ohne dass man hierbei das geringste Schwirren wahrnimmt. Verbindet man dieselbe Membran, ohne dieselbe zu d\u00e4mpfen, oder sogar unter m\u00f6glichster Vermeidung irgend einer D\u00e4mpfung, mit einem Spiegelchen, so kann man sich leicht \u00fcberzeugen, dass sie f\u00fcr verschiedene Vokale verschiedene Kurven liefert, allerdings ohne Hervortreten der hohen T\u00f6ne der Vokale E und /; eine Glasmembran schwingt unter denselben Bedingungen blos in Sinuskurven. Ich zog deshalb die Korkmembranen vor und bediente mich ausschliesslich derselben. Ich benutzte diejenige Korkmasse, die aus gepresstem Korkpulver besteht und im Handel unter dem Namen Suberit bekannt ist; man bekommt sie fertig in Plattenform von verschiedener Gr\u00f6sse und Dicke. Meine Membranen. 1 mm dick, wurden immer in eine Fassung, bestehend aus zwei 2 cm breiten Ringen, mit Filzunterlage eingeklemmt; der den Luftschwingungen ausgesetzte Theil der Membran hatte im Durchmesser 3 cm.; ist die Membran noch kleiner und wird sie ausserdem noch ged\u00e4mpft, so verliert sie sehr an Empfindlichkeit; man muss dann beim Besingen die Sprachorgane anstrengen, was ich durchaus vermeiden wollte, deshalb blieb ich bei der angegebenen Gr\u00f6sse stehen.\nDie Befestigung des Spiegelchens und die Art der Verbindung desselben mit der Membran sind von grosser Bedeutung. S\u00e4mmtliche Tlieile des ganzen Systems m\u00fcssen leicht sein, ausserdem muss ihre Beweglichkeit durch Einf\u00fchrung von Widerst\u00e4nden gehemmt werden. H e r m a n n hat diese Aufgabe in der Weise gel\u00f6st, dass er an die Mitte der Membran senkrecht zu derselben ein kleines Holzst\u00e4bchen anklebte; dieses Holzst\u00e4bchen war verbunden mit einem\n*) P fl tiger\u2019s Archiv Bd. 47 S. 3-Ui.","page":63},{"file":"p0064.txt","language":"de","ocr_de":"04\nGRAPHISCHE DARSTELLUNG PER VOKALE.\nd\u00fcnnen, mit einem Spiegelclien versehenen Glimmerpl\u00e4ttchen, welches parallel der Membranfl\u00e4che lief und am Rande der Fassung befestigt war. Bei diesem Verfahren bekommt man aber sehr kleine Kurven, was entschieden ein Nachtheil ist, wenn man die Kurven auf photographischem Wege registirt, denn will man sie sp\u00e4ter unter dem Mikroskop messen, so wird die Linie zu dick. Allerdings lassen sich die Exkursionen dadurch vergr\u00f6ssern, dass man die Platte st\u00e4rker besingt; andrerseits kann man auch die Entfernung zwischen dem Spiegel und der photographischen Platte sehr gross nehmen, aber beides ist unzweckm\u00e4ssig. Ich f\u00fchrte deshalb eine zwei- bis dreifache Hebelvergr\u00f6s-serung ein. Aus der schematischen Zeichnung Fig. 1 ist die Einrichtung des ganzen von mir zusammengestellten Apparates ersichtlich. Die Korkmembran (p) ist in die metallische Fassung (F) eingeklemmt. An die Mitte der Membran ist ein kleines Korkst\u00e4bchen (k) angekittet. Vom oberen Theil der Fassung geht ein metallischer Stab, der in einer H\u00fclse vermittels der Schraube a eingeklemmt ist und sich weiter in zwei Arme theilt, von denen man nur den vorderen, mit der Achsenschraube c, sieht. Zwischen den beiden Armen l\u00e4uft eine feine, spitz auslaufende Achse. Diese Achse wird vor dem Einschrauben in die Achsenlager durch ein rhombisches, scharfkantig zugeschnittenes Korkst\u00fcckchen, an welches das Spiegelchen angeklebt ist, durchgef\u00fchrt. Vor dem Anziehen der Schraube a wird der Stab A so weit nach unten geschoben, bis die scharfe Kante des Rhombus (r) an das Korkst\u00e4bchen (k) sich anstemmt; die Kante ist ebenso lang, wie das Korkst\u00e4bchen breit, Schon in dieser Form funktionirt der Apparat sehr gut. Um aber eine noch bessere D\u00e4mpfung zu erzielen, wurde das zentrale Korkst\u00e4bchen auch von unten an die scharfe Kante des Korkprisma m angestemmt. Die Membran muss also bei ihren Bewegungen ausser k noch r mit dem Spiegelclien s und m mitbewegen und grosse Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden. Die s\u00e4mmtlichen die Bewegung mitmachenden Korktheile waren freilich nur von einem geringen Gewichte; das Spiegelclien besass die Dicke eines gew\u00f6hnlichen Deckgl\u00e4schens und hatte eine L\u00e4nge von 7 mm und eine Breite von 5 mm. Zwischen dem oberen und unteren Stab und der Membran wurde Watte hineingeschoben. Die Fassung war auf einem Stativ (in der Zeichnung nicht angegeben) vermittels eines Charniers mit horizontaler Achse verbunden, so dass der ganze Apparat und mit ihm das Spie-gelchen sich beliebig neigen liess.\nZur photographischen Aufzeichnung der Kurven benutzte ich anfangs Trommeln mit lichtempfindlichem Papier, habe aber bald davon Abstand genommen. Die gew\u00f6hnlichen Uhrwerke ertheilen den Trommeln nicht die gew\u00fcnschte Geschwindigkeit; man muss folglich die Trommel entweder mit der Band treiben oder mit einem Motor verbinden, ausserdem muss man daf\u00fcr","page":64},{"file":"p0064s0001table1.txt","language":"de","ocr_de":"A. Samojloff.\nVok. A.\nTafel X.\nmbsssb\nG SSi\u00bb**\n\n\nflS\n\nFig. 1.\nVok. A.\nF ! g. 2.\nFig. 3.\nVok. I.\nFig. 4.\n'I\u2019OTOTiniiii K. A. \u00ab\u00eemiiepT., Mockbo.","page":0},{"file":"p0064s0003table2.txt","language":"de","ocr_de":"Le Physiologiste Russe, vol. II.\nA. Samojloff.\nT zx fc 1 II.\nG\nc\ne\ng\nc\ni\nVok. O\n///.-:/a'.'.-'.'.'avVvVavWvV. ; -.v\nVok. U\nFig. fi.\nA\nNote G.\tNote c.\nVok U\nFig. 9.\ni'OTOTimia K. A. <I*iiiiropT., Mockm.","page":0},{"file":"p0065.txt","language":"de","ocr_de":"(GRAPHISCHE DARSTELLUNG DER VOKALE.\n65\nsorgen, dass das Papier nur w\u00e4hrend eines Umlaufes der Einwirkung des Lichtes ausgesetzt wird Alles das macht die Sache koniplicirter und die Hilfe eines Assistenten unentbehrlich. Ich ging \u00fcber zu dem von Prof. M o r o c h o-wetz konstruirten Apparate, der f\u00fcr viele Zwecke ausgezeichnete Dienste leistet und in meinem Falle ganz besonders werthvoll war. (S. dieses Heft, p. 51).\nDas Photographiren gestaltet sich somit folgendennassen. Die elektrische Bogenlichtlampe, das Stativ mit der Membrankapsel und der Kasten mit dem Pendel werden alle auf einem Tische im Dunkelzimmer aufgestellt. Zwischen der Bogenlichtlampe und der Membran, dicht vor ihrem Spiegelchen, befindet sich eine Linse, mit der man ein reelles, verkleinertes und somit ein sehr helles Bild des horizontalen Spaltes der Lampe auf den Kasten entwirft. Das horizontale Spaltbild muss begreiflicher AVeise den vertikalen Spalt des Kastens in der Mitte unter rechtem Winkel schneiden. Es wird also durch gekreuzte Spalten, wie sie H e r m a n n bei seinen Versuchen einf\u00fchrte, in Innern des Kastens ein feiner heller Punkt entworfen; man \u00f6ffnet die hintere Wand des Kastens, f\u00fchrt anstatt der photographischen Platte eine Mattscheibe ein, und stellt scharf ein. Bei den Bewegungen des Spiegelchens um seine horizontale Achse muss sich der leuchtende Punkt in vertikaler Richtung bewegen.\nDer Spalt des Kastens wird mit einem schwarzen Schirm, auf welchem entsprechend der Lage und der H\u00f6he des Spaltes eine weisse Linie mit Ska-lentheilung aufgezeichnet ist, zugedeckt. Will man eine Aufnahme machen, so wird der Schirm abgehoben, ein Vokal in den Trichter hineingesprochen und der das Pendel festhaltende Haken vermittels \u2022 Griff nach unten gezogen; man h\u00f6rt dann sofort das Anschl\u00e4gen der Pendelspitze an den anderen Haken, jetzt deckt man den Spalt mit dem Schirm wiederum zu und f\u00fchrt das Pendel in die urspr\u00fcngliche Lage \u00fcber. Um auf derselben photographischen Platte noch eine Aufnahme zu machen, braucht man nur die Fassung mit der Membran um die horizontale Achse des Stativs ein wenig zu drehen, man verschiebt auf diese AVeise das horizontale Spaltbild auf eine andere Theilung der Skala. Ich machte gew\u00f6hnlich auf einer Platte 3 bis 4 Aufnahmen. Allerdings wird durch diese Verschiebung des Spaltbildes der Radius desjenigen Kreises ver\u00e4ndert, auf welchem die Kurve geschrieben wird, das hat aber keine besonderen Nachtheile.\nUm die Schnelligkeit der Bewegung der Platte zu ermitteln, wurde folgender AWrsuch gemacht. Vor dem Spalt der Bagenlichtlampe wurde eine elektromagnetisch getriebene Stimmgabel von 200 Ar.D. aufgestellt. An den Zinken der Gabel waren zwei leichte Aluminiumpl\u00e4ttchen befestigt, die bei jeder Schwingung der Stimmgabel sich n\u00e4herten und das Licht der Bogenlampe abblendeten; unter diesen Umst\u00e4nden schreibt der Lichtpunkt auf der photographischen Platte eine unterbrochene Linie, wobei der Abstand zwischen zwei Unterbrechungen 0,005 Sekunden entspricht. Aus der auf diese AVeise gewonnenen unterbrochenen Linie in Fig. 2 ist zu ersehen, dass die Bewegung der Platte beim Durchgang durch die Mittellinie mit einer gen\u00fcgenden Gleichm\u00e4ssigkeit geschieht,\u2014-ohne Messung kann man \u00fcberhaupt keinen Unterschied in der Entfernung zwischen zwei benachbarten Punkten im mittleren Theil der Linie und an ihren Enden erkennen.","page":65},{"file":"p0066.txt","language":"de","ocr_de":"66\nGRAPHISCHE PARSTELLUNG PER V\u00d4K\u00c0L\u00cb.\nBevor ich zur Besprechung der gewonnenen Vokalkurven \u00fcbergehe, m\u00f6chte ich noch kurz einige Versuche anf\u00fchren, die zur Beurtheilung des D\u00e4mpfungsgrades der Membran auf graphischem Wege angestellt wurden. Derartige Versuche wurden bereits von Hensen 1 ) an seinem Sprachzeichner vorgenommen. Hen sen \u00fcbte durch einen Faden mit angeh\u00e4ngtem Gewicht einen Zug auf den Schreibhebel seines Apparates aus, und w\u00e4hrend geschrieben wurde, schnitt er den Faden mit der Scheere durch; der Hebel schrieb danach 6 bis 7 Schwingungen, aus denen man die Abstimmung der Membran feststellen konnte. Die Messungen ergaben im Mittel aus drei Versuchen: die Ablenkung\nvw-\nOH\t'y v\\w\nFie. 2.\nvon der Ruhelage = 11. die halbe Elongation der ersten halben Welle=5,l, die halbe Elongation der dritten halben Welle=2. Pipping -) wiederholte dieselben Versuche an dem vervollkommneten Sprachzeichner und bekam nach dem Abschneiden des Fadens nur eine geringe Anzahl von Wellen, die auch noch sehr niedrig waren.\nIch versuchte das Abklingen der Korkmembran in der Weise zu pr\u00fcfen, dass ich auf dieselbe einen kurzen Schlag aus\u00fcbte und die darauf folgenden Schwingungen photographisch registrirte. Es wurde dazu der Trichter von der Fassung abgenommen und vor der Membran an einem Stativ ein Pendel aus einem kurzen Faden und einem St\u00fcckchen Kork angebracht. Wird das Pendel abgelenkt und dann losgelassen, so schl\u00e4gt das Korkst\u00fcckchen an die Mitte der Membran an; die Schl\u00e4ge wiederholen sich dann einige Mal mit abnehmender St\u00e4rke (s. Taf. II Fig. 7 B, G, D). Es machte manche Schwierigkeiten, die Membran in demselben Moment anzuschlagen, in welchem die photographische Platte ihre Bewegung ausf\u00fchrte. In einer gr\u00f6sseren Anzahl von Versuchen fanden sich aber immer an den Platten Linien, die durch Kurven der abklingenden Membran unterbrochen waren, ln der Taf. II Fig. 7. A ist eine derartige Kurve angegeben; diese wurde von einer Membran erhalten, an der die D\u00e4mpfung vermittels des Theils B (Fig. I) fehlte. Man sieht aus der Kurve, dass die Membran 5\u20146 Schwingungen mit abnehmender Amplitude aus-f\u00fchrte; eine Periode ist also deutlich ausgesprochen. Es wurde gemessen die ganze L\u00e4nge zwischen dem Punkte der gr\u00f6ssten durch den Schlag bewirkten Ablenkung und dem Umkehrpunkt der Kurve wiederum nach oben (auf der Zeichnung), dann der entsprechende parallel verlaufende Theil in der zweiten Periode u. s. w. Die erhaltenen Zahlen waren\n7,8\t3,8\t1,9\t1,0\t0.5\n*) Zeitschrift f\u00fcr B iologie, 1887, Bd 23 S. 298. s) Zeitschrift f\u00fcr Biologie, 1890, Bd. 27 S. 15.","page":66},{"file":"p0067.txt","language":"de","ocr_de":"GRAPHISCHE DARSTELLUNG DER VOKALE.\n67\nDas Verh\u00e4ltnis der Amplitudengr\u00f6ssen ist danach\n2,05\t2,0\t1,9\t2,0.\nEs ist also das D\u00e4mpfungsverh\u00e4ltniss hier deutlich ausgesprochen. Der D\u00e4mpfungsgrad entspricht demjenigen, welchen He ns en an seinem Apparate bestimmt hat; bei He ns en sind die Verh\u00e4ltnisse der abnehmenden Amplituden 2,16 und 2,5.\nWird der D\u00e4mpfer U (Fig. I) eingef\u00fchrt, so erh\u00e4lt man eine Kurve, die in Taf. II, Fig. 7, B dargestellt ist. Die Messungen ergeben hier:\n5.3\t1,5\t1,2\t1,0.\nDie Verh\u00e4ltnisse der Amplitudengr\u00f6sse sind danach:\n3,54\t1,25\t1,2.\nDer D\u00e4mpfungsgrad ist hier bedeutend gr\u00f6sser. Man sieht aber aus der Zeichnung und aus den Zahlen, dass die Membran nach der ersten Schwingung in eine Anzahl von kleinen Schwingungen von einem selbst\u00e4ndigen Typus und D\u00e4mpfungsverh\u00e4ltniss ger\u00e4th. Man kann an irgend eine zuf\u00e4llige Entstehungsursache dieser Schwingungen denken. Bei wiederholten Versuchen zeigte sich immer der grosse Unterschied zwischen der ersten Schwingung und den folgenden. Eine Ersch\u00fctterung des ganzen Apparates musste aus vielen Gr\u00fcnden ausgeschlossen werden. Befestigt man eine d\u00fcnne Glasmembran, anstatt der Korkmembran, so bekommt man unter denselben Bedingungen auch einen grossen Unterschied in der Amplitude der ersten grossen Schwingung und den nachfolgenden kleinen, die Zahl der letzteren ist aber gr\u00f6sser, 10 bis 12. Es ist m\u00f6glich, dass durch den Schlag an die Mitte der Membran letztere nicht nur in toto schwingt, sondern dass hier auch Wellen vom Zentrum nach der Peripherie mit Reflexionen Platz finden. Es ist jedenfalls anzunehmen, dass ein Schlag auf die Membran anders wirken muss wie ein pl\u00f6tzlicher Anprall einer Verdichtungswelle, und es ist deshalb wohl m\u00f6glich, dass auch Platten des Telephons und des Phonographen nach einem kurzen Schlag an die Mitte eine abklingende Periode zeigen.\nAn der Tafel I\u2014II sind die erhaltenen Vokalkurven, Fig. 1\u20146, angef\u00fchrt. Es wurden die Curven gemessen und die charakteristischen H\u00f6hen der einzelnen Vokale bestimmt. Die Resultate sind mit den Angeben anderer Autoren f\u00fcr die Vokale A, O, U, E und I in der kleinen Tabelle angegeben.\n5*","page":67},{"file":"p0068.txt","language":"de","ocr_de":"68\nGRAPHISCHE DARSTELLUNG DER VOKALE.\nVokal\tA\to\tu\tE\tI\nPipping\tcis3\u2014cP\tc)\tc\\ er\t<\u2022'. (P\tcP -\tv4 d'\nBo eke\tr]\u2014cis3\t>r\t(cP\t< hO\t} cP\nHermann (a-Versuche)\tc~\u2014g is '\tcis- \u2014 c-\tc~ \u2014 / 2\tir\u2014c\u20191\td*\u2014g'*\nHermann\t\t\t\t\t\n(Phonogr. Versuche)\t(\u25a0'\u2014gis2\t(\u25a0'\u2014 dts~\tcl\u2014f', d'\u2014p\tcP \u2014C'.ais3\u2014 ir\tr'-f*\nSamojloff\tcf\u2014er\tit'\u2014des2\tc'\u2014g'. c-\u2014e~\t(ltl (Irs'g Ir\u2014de A\t(cl\u2014gC'\u2014C'p cP\u2014P\nVor Allem sieht man. dass meine Werthe mit denen von Hermann und namentlich mit denjenigen, die er vermittels des Phonographen gewonnen hat, in guter Uebereinstimmnng sich befinden. Trotz vieler Einw\u00e4nde, die gegen die Phonographenmethode gemacht sind, besitzt dieselbe einen mit anderen Instrumenten unerreichbaren Vorzug der Kontrole der Richtigkeit der Kurven mit dem Ohre, und es ist deshalb ihre Zuverl\u00e4ssigkeit ausser jedem Zweifel. Es m\u00fcssen die Werthe f\u00fcr die charakteristische Hohe des A von Pipping und B oeke als zu hoch bezeichnet werden. Die Unterschiede auf die Eigenschaften der Aussprache beziehen k\u00f6nnte man nur dann, wenn man besondere auf diesen Punkt gerichtete Versuche anstellte. Uebrigens hat auch Pipping in einer sp\u00e4teren Arbeit ein Verst\u00e4rkungsgebiet in der H\u00f6he g is1 gefunden. F\u00fcr den Vokal U finden auch H e r m a n n und P i p p i n g zwei charakteristische H\u00f6hen; meine Werthe stimmen mehr mit Hermanns Angaben \u00fcberein, die Pipping\u2019sche zweite H\u00f6he a* ist wahrscheinlich zu hoch; in einer sp\u00e4teren Arbeit von Pippin g liegt das zweite Gebiet sogar bei d'\\ Ich muss aber Pipping vollst\u00e4ndig beistimmen, wenn er f\u00fcr E, sowie f\u00fcr I ein tieferes charakteristisches Gebiet findet; die tieferen charakteristischen Fl\u00f6hen konnte ich aus fr\u00fcher angegebenen Gr\u00fcnden nur unter Fragezeichen aufstellen.\nIch habe im Verein mit Dr. W. Nagel (1. c.) ein Verfahren ausgearbeitet, nach welchem man ohne jede Schwierigkeit am Kopfe eines frisch ge-t\u00f6dteten Thieres die Membrana tympani und das Mittelohr als eine Koni g\u2019sche Kapsel verwenden kann. Man f\u00fchrt eine Kan\u00fcle, die mit der Leuchtgasleitung verbunden ist, durch die Tuba Eustachii ins Mittelohr; dann trepanirt man in die Bulla ossea resp. Proc. mastoideus ein rundes Loch, f\u00fchrt in dieses ein","page":68},{"file":"p0069.txt","language":"de","ocr_de":"GRAPHISCHE DARSTELLUNG DER VOKALE.\n69\nGummirohr ein und verbindet dasselbe mit einem Platinkegel, der an seiner Spitze eine kleine Oeffnung, durch welche das Leuchtgas ausstr\u00f6mt, besitzt. Z\u00fcndet man das Leuchtgas an und betrachtet die Flamme im rotirenden Spiegel, w\u00e4hrend man in den \u00e4usseren Geh\u00f6rgang des Pr\u00e4parates T\u00f6ne resp. Vokale hineinsingt, so sieht man Flammenkurven. Dieses Verfahren hat vor der K \u00f6-n i g'schen Kapsel den Vorzug, dass man hierbei das Trommelfell selbst als schwingende Membran verwendet. Ich versuchte die Flammenkurven zu pho-tographiren, um dieselben mit den auf anderem Wege gewonnenen Vokalkurven vergleichen zu k\u00f6nnen. Nach einigem Probiren gelang es uns vollst\u00e4ndig.\nWas die Zuverl\u00e4ssigkeit meiner Flammenkurven anbetrifft, so muss ich zugeben, dass trotz des ausgezeichneten Aufnahmeapparates, d. h. des nat\u00fcrlichen, unbesch\u00e4digten Geh\u00f6rorganes, der dazu verwendet wurde, die Kurven dennoch von einem in vielen Beziehungen wenig bekannten Faktor beeinflusst sein k\u00f6nnen, n\u00e4mlich von der Flamme. Ich habe mich vielfach \u00fcberzeugt, dass eine 3\u20144 cm. hohe Flamme nicht empfindlich genug f\u00fcr hohe T\u00f6ne ist; je kleiner man die Flamme macht, desto mehr Feinheiten lassen sich in der Kurve wahrnehmen. Ich benutzte immer eine Flamme, die kaum 1 cm lang war; um die Leuchtkraft zu verst\u00e4rken, wurden dem Leuchtgas Benzind\u00e4mpfe beigemengt. Photographirt wurde nicht auf Papier, sondern auf photographischen Platten, die vermittels des oben beschriebenen Apparates von Prof. M oroc h o-w etz bewegt wurden. In der vorderen Wand des lichtdichten Kastens des Apparates, entsprechend der H\u00f6he der Platte, war ein Ausschnitt gemacht, in welchem eine konvexe Linse befestigt werden konnte. Man erh\u00e4lt auf diese Weise ein stark verkleinertes, ziemlich lichtstarkes, umgekehrtes Bild der Flamme. Das Flammenbild war sehr schmal, und man konnte deshalb von der Anwendung eines Spaltes, der in diesem Falle wenig n\u00fctzt und viel Licht raubt, absehen. Betrachtet man die Kurven, so sieht man, dass dieselben f\u00fcr die Vokale A und 0 dieselben Resultate ergeben, wie die auf anderem Wege gewonnenen. Die Periode des Grundtones ist kaum angedeutet, die Ordnungszahl des charakteristischen Tones f\u00fcr A auf Note G ist 7-8, auf Note c 6, f\u00fcr 0 auf Note G 5 \u2014 6, auf Note c 4. Was die Vokale E und 1 anbetrifft, so sind die hohen T\u00f6ne der drei- und viergestrichenen Oktave nicht wiedergegeben, was auf die Insufficienz der Flamme schwachen und sehr hohen T\u00f6nen gegen\u00fcber zu beziehen ist. Der tiefere Ton des E liegt in der H\u00f6he des charakteristischen Tones 0, der tiefere Ton des 1 in der Gegend des tieferen charakteristischen Tones des Vokals 77- Wenn man also von der einzigen Ausnahme, dem Fehlen der hohen T\u00f6ne bei E uud I, absieht, so entsprechen die Ergebnisse der Versuche mit dem nat\u00fcrlichen Trommelfell denjenigen, die in der fr\u00fcher geschilderten Weise erhalten sind und best\u00e4tigen demnach die oben angef\u00fchrten Bestimmungen der charakteristischen H\u00f6hen der Vokale.","page":69}],"identifier":"lit36293","issued":"1900-1902","language":"de","pages":"62-69","startpages":"62","title":"Graphische Darstellung der Vokale","type":"Journal Article","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:41:32.810468+00:00"}
