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Ueber eine neue Reaction auf einige reducierende Substanzen des Organismus

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{"created":"2022-01-31T15:12:39.050744+00:00","id":"lit36332","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Gabritschewsky, G.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 2: 251-254","fulltext":[{"file":"p0251.txt","language":"de","ocr_de":"LE\nM. L\u00e9on Morokhowetz.\nProfesseur de physiologie \u00e0 l\u2019Universit\u00e9 Imp\u00e9riale.\nMOSCOU.\nVol. II.\n12 NOVEMBRE 1901.\tNs N\u00bb 36\u201440.\nUber eine neue Ken et i ou auf eiui\u00e7e minci rende Substanzen des Organismus.\nVon Dr. G. Gabritschewsky,\nDirektor des bakteriol. Instituts an der K. Universit\u00e4t zu Moskau.\nYon der Voraussetzung ausgehend, dass die Zersetzung verschiedener Jod Verbindungen unter dem Einfl\u00fcsse der Lebensth\u00e4tigkeit der Bakterien statt-Jiaben k\u00f6nnte, w\u00e4hlte ich f\u00fcr meine Versuche, auf Herrn L. Tschugajeffs Vorschlag, die lods\u00e4ure und deren Natriumsalz. Beim Zusatz gleicher Tlieile einer 4u/0-en L\u00f6sung dieser S\u00e4ure und 1%-er St\u00e4rkel\u00f6sung zu gew\u00f6lmlicher Fleischpeptonbouillon erhielt ich eine lebhafte dunkelblaue F\u00e4rbung. Dieses Reagens entsprach somit dem von mir im Auge' gehabten Zwecke nicht, da die lods\u00e4ure durch die N\u00e4hrfl\u00fcssigkeit selbst zersetzt werden kann; die Thatsache jedoch an und f\u00fcr sich schien mir nicht uninteressant, weshalb ich die diese Reaction charakterisirenden Merkmale in gedr\u00e4ngter K\u00fcrze mittheilen will.\nMeine Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses Reagens positive Resultate mit folgenden Substanzen und Fl\u00fcssigkeiten des Organismus ergiebt: Pepton, Menschenharn, Harns\u00e4ure, Alloxantin, Alloxan, Pyrokatechin, Hydrochinon, Guajacol, Hydroxylamin, Hydrazin, Schwefelwasserstoff, Natriumhyposulfit, Thioessigs\u00e4ure, Merkaptan und mit anderen die Sulfhydrilgruppe enthaltenden Verbindungen. Pyragallol und Tannin (in L\u00f6sung 1:10,000) verleihen der Fl\u00fcssigkeit anf\u00e4nglich eine gelbe F\u00e4rbung, welche nach 24 St. in einen blauen Niederschlag sich verwandelt. Man erh\u00e4lt eine sehr schwache Reaction und\n17","page":251},{"file":"p0252.txt","language":"de","ocr_de":"252\n\u00d9EB\u00c8E EINE NEUE REACTION ETC.\nerst nach l\u00e4ngerer Zeit bildet sieb ein schwach gef\u00e4rbter violetter Ring an der Grenze zwischen dem Reagens und verd\u00fcnntem H\u00fchnereiweiss oder Pferdeblutserum (1 : 10); dieselbe Reaction erziel ilt man ausserdem mit L\u00f6sungen von Ptyalin, Trypsin und Papain-Schuchardt; Merck's Papain dagegen bewirkt deutliches Blauwerden der St\u00e4rke.\nDie Reaction verl\u00e4uft negativ bei den verschiedenen Zuckerarten (Dextrose, L\u00e4vulose, Galaktose und Maltose), Glycogen, einigen Fermenten (Diastase und Invertin), ferner Harnstoff, Xantin, Kreatin. Guanin, (\u25a0offein. Tyrosin, Hippurs\u00e4ure; Glykokoll, Codein, Resorcin, Salicyls\u00e4ure; schwefelsaurem Eisenoxyd\u00fcl, Formaldehyd, Benzaldehyd und Salicylaldehyd.\nWas den Mechanismus derjenigen Vorg\u00e4nge anbelangt, welche die Indausscheidung verursachen, so verl\u00e4uft, z. B. die Reduction der lods\u00e4ure durch Schwefelwasserstoff nach folgender Gleichung:\n2HJOa \u2666 5/Z, S = 6\u00c4O+ 5S-+ 2J,\nwobei das freie Iod mit der St\u00e4rkel\u00f6sung die blaue F\u00e4rbung ergiebt.\nWie aus der Reihe der so eben angef\u00fchrten Substanzen ersichtlich ist, war es uns haupts\u00e4chlich darum zu tliun, verschiedene reducirende Substanzen und namentlich solche, die einen Bestandtheil sowohl des normalen als auch des pathologischen Harns bilden, zu untersuchen, wobei es sich herausstellte, dass dieses Reagens uns in die M\u00f6glichkeit versetzt die reducirenden Substanzen in 2 Gruppen zu theilen, von denen die eine bei der Untersuchung ein positives, die andere ein negatives Resultat ergeben.\nDie Reaction wird, wie folgt, ausgef\u00fchrt: zu 4\u20145 Cctm der zu untersuchenden Fl\u00fcssigkeit l\u00e4sst man 1 Cctm. des Reagens in das schr\u00e4g gehaltene Probirr\u00f6hrehen die Wand entlang fliessen, damit die Fl\u00fcssigkeiten sich \u00fcber einander lagern. An der Ber\u00fchrungsstelle der beiden Schichten kann auch die schw\u00e4chste Reaction noch sichtbar werden. Es sei bemerkt, dass mit schwachen L\u00f6sungen von Harns\u00e4ure die Reaction nur sehr langsam eintritt. Alkalische Fl\u00fcssigkeiten m\u00fcssen vor dem Hinzuf\u00fcgen des Reagens mit Essigs\u00e4ure neutra-lisirt werden. Bei der Untersuchung des Harnes sind die Menge desselben und die von dem Kranken gebrauchten Medicamente zu ber\u00fccksichtigen.\nDie Empfindlichkeit dieses Reagens ist eine so grosse, dass mit Natriumhyposulfit selbst bei Verd\u00fcnnungen dieses Salzes von 1 : 30,000\u201440,000 noch deutliche Blauf\u00e4rbung stattfindet. Nimmt man die L\u00f6sung noch schw\u00e4cher, so erh\u00e4lt man eine mehr oder weniger intensive violette F\u00e4rbung; ganz farblos wird die Fl\u00fcssigkeit aber erst bei einer Verd\u00fcnnung von 1 : 100,000.\nDie grosse Empfindlichkeit dieser Farbenreaction erm\u00f6glicht, dieselbe f\u00fcr die quantitative Analyse gewisser reducirender Substanzen auf colorimetrisclien AVege zu verwenden.\nDie Anwendung der vorgeschlagenen Reaction bei Harnuntersuchungen hat uns Resultate, die ein besonderes Interesse in pathologischen F\u00e4llen bieten, ergeben, wobei die Reaction in quantitativer Hinsicht grossen Schwankungen unterliegt. Bei zwei an Tuberculose und bei einer an Leuk\u00e4mie leidenden Kranken ging die Reaction am energischsten vor sich, in F\u00e4llen von Chlorose,","page":252},{"file":"p0253.txt","language":"de","ocr_de":"HEBER EINE NEUE REACTION ETC.\n253\nNephritis, Magencarcinom war sie weniger intensiv; bei zwei an Abdominaltyphus Erkrankten - schwach, hei einer mit Salmiakgeist Vergifteten trat die Reaction erst nach 24 St. ein und endlich bei einem Diabetiker und einer an Peritonitis leidenden Kranken fiel sie negativ aus.\nEin solches Ausbleiben der Reaction im Harn bei Diabetes war kaum vorauszusehen, da die Menge der Harns\u00e4ure bei dieser Krankheit gew\u00f6hnlich nicht verringert ist (Naunyn) und die Polyurie (gegen 5 Liter in 24 St.)\u2014-eine solche Verd\u00fcnnung der Harns\u00e4ure bei welcher keine Reaction mehr erhalten wird nicht bedingen konnte. So gab, z. B., der mit einer 10 -fachen Wassermenge verd\u00fcnnte Harn der an Leuk\u00e4mie und der zwei an Tubercules\u00ab1 Erkrankten eine noch ganz deutliche farbige Reaction. Noch weniger konnte man ein negatives Resultat der Reaction in dem Falle von Peritonitis erwarten. F\u00fcr die Erkl\u00e4rung dieser in einigen F\u00e4llen von pathologischem Harn zu Tage getretenen Eigent\u00fcmlichkeit liess sich nur die M\u00f6glichkeit voraussetzen, dass es um chemische Substanzen, welche den gew\u00f6hnlichen Verlauf der Reaction verhindern, sich handeln m\u00fcsse.\nTheoretisch genommen, kann es zweierlei derartige chemische Substanzen geben, von denen die einen, wie z. B., Sublimat, das freie Iod binden, die anderen, z. B. starke Minerals\u00e4uren, das Iod aus seinen Verbindungen mit der St\u00e4rkel\u00f6sung verdr\u00e4ngen. Nach diesen Richtungen hin angestellte Versuche best\u00e4tigten diese Annahme.\nGiesst man zu dem von uns untersuchten diabetischen Harn normalen Urin oder eine L\u00f6sung von Natriumhyposulfit -oder Harns\u00e4ure hinzu, so ist es unschwer sich davon zu \u00fcberzeugen, dass dieser pathologische Harn besondere chemische Verbindungen, welche die Reaction verhindern, enth\u00e4lt. Hier f\u00e4llt also trotz der unzweifelhaften Anwesenheit von redueirenden Substanzen die Reaction negativ aus. Dasselbe Resultat konnte auch mit einem andern nicht diabetischen Harn erhalten werden.\nVon chemischen Substanzen untersuchten wir nach dieser Richtung hin: Acetessigs\u00e4ure (Aethylester der Acetessigs\u00e4ure), Acetylaceton, Cyanessigs\u00e4ureester, Malons\u00e4ureester und folgende S\u00e4uren: 8-Oxybutyrins\u00e4ure, Hippurs\u00e4ure, Malons\u00e4ure. Milchs\u00e4ure und mehrere andere, sowie Phenol und Antipyrin. Unter den genannten Substanzen verhindern Acetessigs\u00e4ure, Malons\u00e4ure, Acetylaceton und Antipyrin das Zustandekommen der Reaction und bedingen Verschwinden der schon vorhandenen Blauf\u00e4rbung. Cyanessigs\u00e4ureester und \u00df-Oxy-butyrins\u00e4ure \u00fcben in dieser Hinsicht eine schwache Wirkung aus, w\u00e4hrend Phenol (5%), welches man aa. part, aequal. zu der zu untersuchenden Fl\u00fcssigkeit hinzuf\u00fcgt, die Reaction zwar unmittelbar nicht verhindert, jedoch bald darauf eine Entf\u00e4rbung der blau gewordenen St\u00e4rkel\u00f6sung bedingt. Unter all diesen Substanzen besitzt die Acetessigs\u00e4ure eine besondere Bedeutung, da dieselbe im Harn sowohl bei Diabetes als auch in verschiedenen anderen pathologischen Zust\u00e4nden des Organismus, wie z. B. bei Eklampsien und gewissen Vergiftungen, angetroffen wird.\nUm zu bestimmen, in welchen quantitativen Verh\u00e4ltnissen die Acetessigs\u00e4ure den redueirenden Substanzen gegen\u00fcber ihre Wirkung \u00e4ussert, bereitete ich zwei Mischungen: die eine aus gleichen Teilen einer l\u00b0/n-L\u00f6sung von Acet-\n17*","page":253},{"file":"p0254.txt","language":"de","ocr_de":"254\nUEBER EINE NEUE REACTION ETC.\nessigs\u00e4ure und einer 1 \u201c/\u201e\u201e-L\u00f6sung von Natriumliyposulfit, die andere aus 2 Theilen der ersten L\u00f6sung und 1 Tlieil der zweiten. In dem ersten Gemische bewirkt das Reagens eine schwache F\u00e4rbung, in dem zweiten fiel die Reaction negativ aus.\nWie aus der folgenden Gleichung zu ersehen ist,\nCH, \u2014 (JOCH, \u2014 COOCJl, . J, \u2014 CH (JOCH\u2014 COOCJL t- IIJ\nJ\nbesteht die Wirkung des Acetessigesters darin, dass das Tod auf denselben sub-stituirend wirkt. Die gleichzeitig entstehende lodwasserstoffs\u00e4ure wird sofort durch die stets im Ueberschuss vorhandene Jods\u00e4ure zu freiem Tod oxydirt, welches letztere wieder mit Acetessigester in Reaction tritt.\nDiese Einwirkung erfolgt, solange noch freier Acetessigester in der betreffenden L\u00f6sung vorhanden ist. Zweifelsohne m\u00fcssen wir annehmen, dass die Acetessigs\u00e4ure nicht die einzige organische Verbindung im Harn ist, welche auf \u00e4hnliche Weise das freie Tod zu binden vermag, da in dem von uns zuletzt untersuchten Falle von Peritonitis der Harn auf Eisenchloridl\u00f6sung reagirte, w\u00e4hrend in dem Fall von Diabetes diese Reaction vollst\u00e4ndig ausblieb, und der betreffende Harn somit keine Acetessigs\u00e4ure enthielt.\nAus diesem Grunde w\u00e4ren weitere Untersuchungen nach dieser Richtung hin h\u00f6chst w\u00fcnschenswert!). Alle oben mitgetheilten Beobachtungen \u00fcber die neue Reaction liefern nur eine allgemeine Charakteristik derselben, und k\u00f6nnen die erhaltenen Resultate f\u00fcrs erste noch nicht als endg\u00fcltig abgeschlossen betrachtet werden. Da ich nicht in der Lage bin diese Reaction sowohl vom chemischen, als auch vom klinischem Standpunkte aus pers\u00f6nlich zu studiren, so entschloss ich mich die vorl\u00e4ufigen Resultate meiner Untersuchungen zu ver\u00f6ffentlichen, mich der Hoffnung hingehend, dass die Herrn Physiologen und Kliniker es vielleicht der M\u00fche wert halten k\u00f6nnten das Studium der neuen Reaction auf sich zu nehmen und dieselbe nach verschiedenen Richtungen hin weiter auszubauen.","page":254}],"identifier":"lit36332","issued":"1900-1902","language":"de","pages":"251-254","startpages":"251","title":"Ueber eine neue Reaction auf einige reducierende Substanzen des Organismus","type":"Journal Article","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:12:39.050749+00:00"}

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