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{"created":"2022-01-31T16:43:45.315105+00:00","id":"lit36334","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Iwanoff, N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 2: 261-277","fulltext":[{"file":"p0261.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER. DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\n261\nLITERATUR.\n1.\tJ. Beswick-Perrin. On the Myology of the Limbs of the Kinkajou. Procee-\ndings of the Scientific Meetings of the Zoological Society of London. 1871. Pp. 547\u2014559.\n2.\tAY. Haacke. Die Sch\u00f6pfung der Tierwelt. Leipzig u. Wien. 1893. S. 510.\n3.\tI. F. Meckel. System der vergleichenden Anatomie. 1828. Bd. 3.\n4.\tJ. M\u00fbrie and G. Mivard. On the Anatomy of the Lemuroidea. Transactions\nof the Zoological Society of London. Vol. VII. Pp. 1 \u2014113.\n5.\t11. G. Bronn. Klassen und Ordnungen des Thierreichs, vorgesetzt von Dr.\nW. Leche. Bd. VI. Abt. V. Leipzig. 1895. Ss. 749\u2014758.\n0. K. von Bardeleben. Handbuch der Anatomie des Menschen. Bd. VII. Teil II.\nAbt. II. Die Muskeln und Fascien des \u00dfeckenausganges, von Prof. Dr. M. Holl. Jena 1897.\nLeber das elastische (iewebc des Items wahrend der\nGravidit\u00e4t.\nUntersuchung aus dem histologischen Laboratorium der Kais. Universit\u00e4t\nMoskau.\nDr. Med. N. Iwanoff,\nPr.-Docent der Geburtsh\u00fclfe an der K. Universit\u00e4t Moskau und Assistenzarzt an der\nMoskauer geburtshilflichen Anstalt.\nEs' ist verh\u00e4ltnism\u00e4ssig noch nicht lange her. dass man begonnen hat das elastische Gewebe des Uterus n\u00e4her zu studiren, und haben die wenigen diesem Gegenstand gewidmeten Arbeiten die Frage noch bei weitem nicht von allen Seiten beleuchtet. Der erste, der die Frage \u00fcber das elastische Gewebe des Uterus ber\u00fchrte, war Acconci ]). Derselbe hatte in dem K\u00f6rper des gra-\n*) Acconci. Contribution a l\u2019\u00e9tude de l\u2019anatomie et de la physiologie de l\u2019ut\u00e9rus gravide. Archives de Tocologie. 1890. 8. 794.","page":261},{"file":"p0262.txt","language":"de","ocr_de":"262\nLIEBER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS\nvielen Uterus Netzwerke vun elastischen Fasern gefunden, wobei dieselben in dem untern Segment des Uterus st\u00e4rker entwickelt waren. Die gr\u00f6sste Menge elastischer Fasern fand der Autor in der Cervix, wo dieselben sehr dick sind und die Cervix quer von der Peripherie an bis zu der Schleimhaut selbst, ihrer ganzen Dicke nach, durchziehen. Eine solche Anh\u00e4ufung von elastischem Gewebe in der Cervix macht, der Meinung des Autors nach, deren Gl\u00e4ttung und Er\u00f6ffnung w\u00e4hrend des Geburtsactes m\u00f6glich, da die elastischen Fasern die gr\u00f6sste Dehnung zu ertragen verm\u00f6gen.\nSp\u00e4tere Autoren: D\u00fchrssen 1}, Dittel 2), Davidoff3), Poroscliin 4 5), Woltke0) und Pick \"), Die sich mit der Frage \u00fcber das elastische Gewebe des Uterus \u00fcberhaupt besch\u00e4ftigt haben, ber\u00fchrten dessen Ver\u00e4nderungen im graviden Uterus entweder gar nicht oder doch nur sehr oberfl\u00e4chlich.\nDer Zweck unserer Arbeit war die Reihenfolge der Ver\u00e4nderungen des elastischen Gewebes des Uterus vom Anfang der Gravidit\u00e4t an bis zum Ende derselben zu verfolgen. Zu diesem Zwecke untersuchten wir eine Reihe von Pr\u00e4paraten des graviden Uterus w\u00e4hrend aller Schwanger-schaftsmonate an bis zur Geburt. Wie schwer es auch war eine solche Sammlung von Pr\u00e4paraten des graviden menschlichen Uterus sich zu verschaffen, gaben wir bei unsern Untersuchungen dem menschlichen Uterus dennoch den Vorzug, da uns Aerzten, und speciell den Geburtshelfern unter uus, die Anatomie und Physiologie dieses Organs sowie die ganze Klinik der Gravidit\u00e4t und Geburt beim Menschen am besten bekannt sind.\nSolche Pr\u00e4parate des Uterus, welche in F\u00e4llen, wo die Gravidit\u00e4t durch Fibrome complicirt war, nach der Operation hergestellt worden waren, kamen bei unserer Beschreibung nicht in Betracht, da sie schon ins Gebiet der Pathologie geh\u00f6ren.\nAusser den Uteri im graviden wurden auch einige Pr\u00e4parate solcher im nicht graviden Zustande von Individuen verschiedenen Alters, und mehrere in der Puerperalperiode befindliche untersucht.\nDie St\u00fccke, welche zur mikroscopischen Untersuchung dienen sollten, wurden allen Gegenden des Uterus, des parametralen Zellengewebes und der Ligamente entnommen und die Schnitte in drei Richtungen, der sagittalen, horizontalen und frontalen, ausgef\u00fchrt. Die meisten Pr\u00e4parate wurden uns, zur\n') DUhrssm. \u201eBeitrag zur Anatomie. Physiologie und Pathologie der Portio vaginalis uteri\". Arch. f. Gyn\u00e4k. B. XLI. H. 2.\n2)\tDittel. \u201eUeber die elastischen Fasern der Geb\u00e4rmutter\u201c.\u2014Ali\u00e9ner klm. Rundschau 18%, .V'.Y\u00fc 20, 27.\n3)\tDavidoff. \u201eZur Frage nach den Ab\u00e4nderungen des elastischen Gewebes des l terus bei spontanen Rupturen desselben w\u00e4hrend Geburt und Gravidit\u00e4t\u201c. Biss. St.-Petersburg. 18%.\n4)\tPoroschin. \u201eZur Aetiologie der spontanen Uterusruptur w\u00e4hrend Schwangerschaft und\nGeburt\u201c. Centralblatt. Gyn\u00e4k. 1898. Ais 7.\t_\n5)\tWoltke. \u201eHistologische Untersuchung des elastischen Gewebes im l terus und den Fierstocken. Medecinskoje Obosrenije. 1900. Mai.\nfi) L. Pick. \u201eUeber das elastische Gewebe in der normalen und pathologisch ver\u00e4nderten Geb\u00e4rmutter\u201c. Samuil, klin. A ortr\u00e4ge. X- 280. 1900.","page":262},{"file":"p0263.txt","language":"de","ocr_de":"HEBER DAS ELASTISCHE GEWEBE BES UTERUS.\n268\nUntersuchung, in Formalin conservirt \u00fcberlassen. Aus dem Formalin wurde eine Serie der St\u00fccke in Alkohol von zunehmender St\u00e4rke \u00fcbergef\u00fchrt und dann auf gew\u00f6hnliche Weise in Celloidin eingebettet, eine andre, der ersten parallele Serie, aus dem Formalin in die Flemming sehe L\u00f6sung gebracht und dann nach der Entw\u00e4sserung, behufs Herstellung sehr d\u00fcnner Schnitte, nach Dr. Stepanoffs, *) Methode in Celloidin eingebettet.\nLei der F\u00e4rbung der elastischen Fasern wandten wir die Weigert sehe -) Methode an. indem wir verschiedene Combinationen bei der Anwendung dieses Verfahrens versuchten, fanden wir f\u00fcr unsre Objecte am besten, die zubereitete Weigert\u2019sche F\u00e4rbel\u00f6sung mit der dreifachen Menge Alkohol zu verd\u00fcnnen und die Schnitte 24 Stunden lang in dieser verd\u00fcnnten L\u00f6sung liegen zu lassen. Diese Combination lieferte die besten Resultate. Als Kernfarbe bedienten wir uns des Alaun-Carmins und zum F\u00e4rben des collagenen Gewebes der F\u00e4rbel\u00f6sung Ramon-y-Cajal\u2019s und dieser parallel Van Gieson's F\u00e4rbemethode.\nEhe wir \u00fcber das elastische Gewebe in dem Uterus w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t reden, ist es n\u00f6tig einige Worte \u00fcber dasselbe in dem nicht graviden Uterus zu sagen, da die Untersuchungen fr\u00fcherer Autoren in dieser Hinsicht nicht, wie erw\u00fcnscht w\u00e4re, bis zu Ende gef\u00fchrt worden sind.\nBei der mikroscopischen Untersuchung der Pr\u00e4parate von nicht graviden normalen Uteri gewahrt man ein ziemlich buntes Bild, in welchem es schwer ist sich zurecht zufinden: es bieten sich dem Auge Massen von Muskelb\u00fcndeln dar, die sich in den verschiedensten Richtungen kreuzen: dieselben sind dicht aneinander gedr\u00e4ngt, gleichsam aufgeh\u00e4uft; dabei sind die Muskelb\u00fcndel selbst, h\u00e4ufig gebogen, sodass genaue L\u00e4ngsschnitte derselben, sowie auch richtige Querschnitte, selten anzutreffen sind. Aus demselben Grunde sind auch ganze elastische Fasern eine Seltenheit, und hat man gew\u00f6hnlich eine Menge schr\u00e4g abgeschnittener elastischer Fasern vor Augen.\nDie Menge von Gef\u00e4ssen in dem Uterus ist eine erstaunliche: es scheint, als seien ihrer viel mehr da, als f\u00fcr ein so kleines Organ n\u00f6tig w\u00e4re; an einigen Stellen sieht man 5\u20146 nebeneinander hinziehende Arterien.\nDer allgemeine Eindruck, den man erh\u00e4lt, ist der, dass der nicht gravide Uterus (die Schleimhaut nicht inbegriffen) ein Complex von Muskelb\u00fcndeln und Gef\u00e4ssen darbietet, die mit einander innig verbunden sind und gleichsam einen festen Kn\u00e4uel bilden, in welchem die einzelnen 'Feile durch Bindegewebe zu einem Ganzen verbunden sind; mit andern Worten, der Uterus erscheint in diesem Zustande als ein Vorrat an Gewebe, welcher nur w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t, wenn ein umfangreiches und mit sehr complicirten Functionen ausgestattetes Organ gebildet werden soll, zur Anwendung kommt.\nSobald Gravidit\u00e4t eintritt, beginnen die Muskelb\u00fcndel auseinanderzur\u00fccken, sich zu strecken und regelm\u00e4ssiger anzuordnen. Es entsteht gleichsam eine nat\u00fcrliche Pr\u00e4parirung, welche das Studium des Baues des Uterus erleichtert\n*) Stepannff. \u201eEine neue Einbettungsmothodo. in Celloidin\u201c. Zeitschrift f\u00fcr wissenschaftliche Mikroscopie. B. XVII. II. 2.\n-) Weigert. \u201eI eher eine Methode zur F\u00e4rbung elastischer Fasern\u201c\u2014Central!)], f. allg. Pathol, u. path. Anatomie. 1898. .V 8\u20149.","page":263},{"file":"p0264.txt","language":"de","ocr_de":"2G4\nHEBER EAS ELASTISCHE GEWEBE BES UTERUS.\nEs wird somit die Tdee des Baues des nicht graviden Uterus, sowie die gegenseitige Beziehung der ihn bildenden Gewebe zu einander, erst nach der Untersuchung einer Iieihe von Pr\u00e4paraten dieses Organs in verschiedenen Perioden der Gravidit\u00e4t verst\u00e4ndlich.\nDas elastische Gewebe erscheint in dem Uterus, wie auch in anderen Organen, nicht als selbst\u00e4ndiges Ingredienz sondern nur als Begleiter des collagenen Gewebes. In Pr\u00e4paraten der Uteri von kleinen M\u00e4dchen und auch von Nulliparen ist zwischen den Muskelb\u00fcndeln das eollagene Gewebe vorherrschend und die Beimengung von elastischem Gewebe nur eine ganz geringf\u00fcgige; dagegen ist im Uterus von Frauen, die geboren haben, das elastische Gewebe in einer verh\u00e4ltnism\u00e4ssig so grossen Menge vorhanden und stellenweise so stark entwickelt, dass es das eollagene Gewebe der Menge nach zu \u00fcberwiegen scheint.\nIn dem nicht graviden Uterus erscheint das elastische Gewebe in Gestalt von Fasern von verschiedener L\u00e4nge und Dicke; die meisten derselben haben glatte Contouren und sind entweder spiralf\u00f6rmig oder wellenf\u00f6rmig gebogen; einige Fasern haben unebene Contouren und breiten sich so stark aus, dass sie eher Platten als Fasern genannt zu werden verdienen.\nDie Anordnung der elastischen Fasern im Uterus ist eine typische, und wird dieser Typus durch den Charakter bestimmt, welchen die Verbreitung des Bindegewebes in diesem Organe \u00fcberhaupt besitzt.\nDie Bindegewebsplatten umh\u00fcllen die Muskelb\u00fcndel scheidenartig und senden in das Innere derselben als Forts\u00e4tze d\u00fcnnere Pl\u00e4ttchen, welche zwischen mehreren, oft sogar zwischen einzelnen Muskelfasern Scheidenw\u00e4nde bilden. Die in die collagenen Pl\u00e4ttchen hineingewebten elastischen Fasern umliecliten das Muskelb\u00fcndel von aussen und dringen zusammen mit den Scheidewandpl\u00e4ttchen in dasselbe ein, indem sie sich nicht selten zwischen einzelne Muskelfasern lagern. Bei alledem besitzen die Fasern des elastichen Gewebes, die M.us-helfasern und die collagenen Fasern immer dieselbe Bicldung, d. h. alle Bestandteile des B\u00fcndels sind einander parallel angeordnet, Dieser Satz wird durch die ganze nachfolgende Reihe von Beobachtungen best\u00e4tigt, und werden wir zu demselben noch mehr als einmal zur\u00fcckkehren.\nDr. Pick\u2019s Beobachtung in Bezug auf die allgemeine radiale Richtung der elastischen Fasern in dem Uterus und deren senkrechte Richtung zu derjenigen der Muskelfasern wird in unserer Arbeit auf jedem Schritte wiederlegt, woraufhin auch Dr. Pick\u2019s theoretische Erkl\u00e4rung der Zweckm\u00e4ssigkeit einer solchen Anordnung der elastischen Fasern in dem Uterus, von selbst f\u00e4llt.\nBei der Untersuchung der Verbreitung des elastischen Gewebes in der Uteruswand fanden wir uns gen\u00f6tigt eine Einteilung der Muskelwand desselben in 4 Schiehten anzuerkennen, wie es St\u00f6hr r) und Nagel -) thun. Wie die Untersuchung zeigt, ist in allen Schichten, von der peritonealen Decke an beginnend, elastisches Gewebe vorhanden.\n() St\u00f6hr. Lehrbuch der Histologie.\n2) Bardeleben. Handbuch der Anatomie des Menschen.\u2014Ncr/el. ..Hie weiblichen Geschlechtsorgane\u201c. 1896. .Jena.","page":264},{"file":"p0265.txt","language":"de","ocr_de":"rF/FF,R FAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\n265\nIn dem Gewebe des Peritoneums befindet sich eine d\u00fcnne elastische Schicht, die aus ziemlich grossen gebogenen elastischen Fasern besteht.\nQuantitativ ist elastisches Gewebe am meisten im Strat. vasculare enthalten, da sich dasselbe in gr\u00f6sster Menge im Adventitium der Geiasse anh\u00e4uft. Die Muskelb\u00fcndel, die sich in der N\u00e4he der Gebisse befinden, sind reichlich mit elastischen Fasern umflochten, w\u00e4hrend dieselben Muskelb\u00fcndel des Strat. vasculare, welche weiter ab von den Gef\u00e4ssen liegen, \u00fcberhaupt ein schw\u00e4cher entwickeltes Perimysium besitzen und von innen und aussen mit einer geringeren Menge von elastischem Gewebe ausgestattet sind. Im Strat. supravasculare ist letzteres zwischen den B\u00fcndeln und innerhalb derselben gleichm\u00e4ssig verteilt. Das Strat. submucosum enth\u00e4lt elastische Fasern in geringster Quantit\u00e4t; dieselben sind hier am d\u00fcnnsten, doch sind sie auch hier in der ganzen Schicht, wie um die Gef\u00e4sse herum so auch zwischen den Muskelb\u00fcndeln, bis zur Schleimhaut verbreitet. Nur in der Schleimhaut fehlt das elastische Gewebe ganz, die Gef\u00e4ssw\u00e4nde ausgenommen. Diese Beobachtungen wiedersprechen den Kesultaten von Woltke und Pick s Untersuchungen, aut Grund derer sie das Vorhandensein von elastischen Fasern im Strat. submucosum ableugneten. Dieser Widerspruch l\u00e4sst sich dadurch erkl\u00e4ren, dass genannte Autoren ihre Prap\u00e4rate in der Weigert'schen F\u00e4rbel\u00f6sung zu kurze Zeit gelassen hatten, als dass sich die feinsten, schwer tingerbaren elastischen F\u00e4serchen h\u00e4tten gut durchf\u00e4rben k\u00f6nnen.\nHinsichtlich der Stellen, wo die Oberfl\u00e4che des Uterus nicht vom Peritoneum bedeckt ist, sondern dom Parametrium entspricht, ist Folgendes zu bemerken: die Muskelb\u00fcndel, welche von der compacten Schicht der Uteruswand abgegangen sind und frei inmitten des Bindegewebes des Parametriums liegen, sind von allen Seiten sehr \u00fcppig von elastischem Gewebe in Gestalt von netzf\u00f6rmigen Scheiden umgeben; von letzteren gehen h\u00e4ufig elastische Fasern in das Innere der B\u00fcndel ab, um sich liier zwischen den einzelnen Muskelzellen zu lagern.\nDie W\u00e4nde der Cervix, sowohl dem Leichnam entnommener als auch nach der Operation erhaltener, scheinen ungef\u00e4hr die gleiche Dicke zu haben wie diejenigen des Uterus selbst: bei genauerer mikroscopischer Untersuchung (besonders in Bezug auf die elastischen Fasern) erweist es sich jedoch, dass die eigentliche Wand der Cervix weit d\u00fcnner (nicht \u00fcber % Ctm. dick) ist. w\u00e4hrend der \u00fcbrige, \u00e4ussere Teil dessen, was im allgemeinen f\u00fcr die Cervixwand gehalten wird, zu dem paracervicalen Zellengewebe zu rechnen ist, in welchem grosse und kleine Gef\u00e4sse, einzelne, zerstreute Muskelb\u00fcndel und ganze Complexe derselben liegen, wie man solches \u00fcberhaupt oft im Parametrium beobachten kann. Bei dem Ber\u00fchren der Schnittfl\u00e4che der Cervix mit der Sonde kann ebenfalls die Ueberzeugung gewonnen werden, dass der innere Teil der Wand hart, der \u00e4ussere\u2014weich ist.\nln der ganzen inneren Zone der Cervix, d h. in der Wand selbst, fehlt es ganz an elastischem Gewebe, wenn man von den feinsten elastischen F\u00e4-serchen absieht, die in seltenen F\u00e4llen in der N\u00e4he der Gef\u00e4sse angetroffen werden. In dieser Hinsicht ist der Gegensatz zwischen dem K\u00f6rper und der Cervix des Uterus ein auffallender. Selbstverst\u00e4ndlich ist das Lumen der Ge-","page":265},{"file":"p0266.txt","language":"de","ocr_de":"26 fi\n\u00fceber das Elastische gewebe des uterus.\nfasse von elastischem Gewebe umgeben, doch ist das Adventitium an elastischen Fasern arm. und erstrecken sich letztere, vom Adventitium abgehend, nicht auf das n\u00e4chstliegende Gewebe, wie es in dem Uterusk\u00fcrper der Fall ist. An den Muskelb\u00fcndeln (und den Gelassen), die sich nicht mehr in der compacten Schicht, sondern inmitten des Zellengewebes befinden, wird die Menge des elastischen Gewebes auf einmal sehr bedeutend: elastische Fasern umflechten die Muskelb\u00fcndel von allen Seiten, wie wir soeben hinsichtlich derjenigen des Parametriums beschrieben haben.\nIn der Portio vaginalis bildet das elastische Gewebe eine d\u00fcnne Schicht unter dem mehrschichtigen Epithel, wie es von D\u00fchrsen beschrieben ist. In Bezug auf das zweite tiefgelegene elastische Netzwerk in der Portio vaginalis scheinen individuelle Schwankungen obzuwalten.\nDas Ligamentum rotundum ist sowohl an der Peripherie als auch im Innern zwischen dem Muskelb\u00fcndeln mit elastischen Fasern reichlich, a iel starker als der Uterus selbst, versehen.\nIm 1-sten und *2-ten Monate der Gravidit\u00e4t beobachtet man sehr starke Wucherung des Perimysiums, wobei auch das collagene und elastische Gewebe \u00fcppig wuchern. Aus einem ziemlich compacten, wie sich das collagene Gewebe in dem nicht graviden Uterus darstellt, verwandelt es sich in ein lockeres Gewebe, dessen Fasern auseinander r\u00fccken und grossmaschige Netzwerke bilden, in welchen sich sehr viele grosse, runde Bindegewebszellen befinden. Infolge der Wucherung genannter Gewebe .werden die Muskelb\u00fcndel auseinander geschoben, wobei auch die Muskelelemente im Inneren der B\u00fcndel auseinander r\u00fccken. Da die bindegewebigen Scheidew\u00e4nde in den Muskelb\u00fcndeln des nicht graviden I te \u25a0 rus dermaassen angeordnet sind, dass sie anf\u00e4nglich zwischen mehreren Muskelfasern, z. B. zwischen 2, 3, 5, liegen und die d\u00fcnnsten derselben dann zwischen die einzelnen Fasern dringen, so schieben diese Scheidew\u00e4nde bei der Tn ucherung 2, 3, 5 Fasern zugleich auseinander: auf diese V eise werden innerhalb der B\u00fcndel gleichsam neue secund\u00e4re B\u00fcndel gebildet, welche B\u00fcndelehen genannt werden k\u00f6nnen. Inmitten grosser, mit Bindegewebe ausgef\u00fcllter, Zwischenr\u00e4ume zwischen den jetzt weit auseinander liegenden Muskelb\u00fcndeln treten die dunkeln Anh\u00e4ufungen des wuchernden elastischen Gewebes scharf zu Tage (Fig. I und II).\nIn Bezug auf das elastische Gewebe in dem erw\u00e4hnten Stadium der Gravidit\u00e4t ist vor allem die Thatsache charakteristich. dass hier viele Fasern stark ver\u00e4ndert erscheinen: die Contouren derselben sind unregelm\u00e4ssig, da sie in ihrem Verlaufe sich mehrere Mal zu ungleichen Knoten verdicken. Sie nehmen die Weigert'sehe F\u00e4rbe ungleich m\u00e4ssig auf. indem sie an einige Stellen zu stark, beinahe schwarz gef\u00e4rbt erscheinen, an andern viel schw\u00e4cher. Die charakteristischste Erscheinung ist jedoch das Vorhandensein einer grossen Menge \u00e4usserst feiner K\u00f6rnchen von elastischer Substanz, die zu studiren es nur bei Oelimmersion (Apochromat Zeiss 2,0: comp. Ocul. \u00df) m\u00f6glich ist,\nDie elastischen Fasern stellen sich in den allermeisten F\u00e4llen als venvor-","page":266},{"file":"p0267.txt","language":"de","ocr_de":"26?\nTIMBER BAS ELASTISCHE GEWEBE BES UTERUS.\nreue Str\u00e4hne dar. Es kommt nicht selten vor, dass diese, die Str\u00e4hne bildenden, Fasern mit einer grossen Menge von K\u00f6rnchen untermischt sind; in diesen F\u00e4llen erblickt man bei mittlerer Vergr\u00f6sserung nur grosse Klumpen von elastischem Gewebe, und k\u00f6nnen die Bestandteile derselben nur in sehr d\u00fcnnen Schnitten bei Oelimmersion wahrgenommen werden. Die zwischen den Muskel-b\u00fcndeln befindlichen Str\u00e4hne sind diesen entlang ausgestreckt. An solchen Stellen, wo elastisches Gewebe in grosser Menge vorhanden ist und der L\u00e4ngsschnitteines Muskelb\u00fcndels von dem einen Ende desselben bis zum andern geht, oder auch nur das eine Ende durchschneidet, sieht man, wie die Str\u00e4hne des elastischen Gewebes die Enden der B\u00fcndel umh\u00fcllen; von diesen Str\u00e4hnen ziehen Forts\u00e4tze in Gestalt von Fasern oder secund\u00e4ren Str\u00e4hnen l\u00e4ngs den Muskelb\u00fcndeln hin (Fig. III). Innerhalb der B\u00fcndel und B\u00fcndelchen lassen sich zwischen den Muskelfasern auch sehr schmale Str\u00e4hnchen feinster elastischer F\u00e4serchen wahrnehmen; auch diese Str\u00e4hnchen besitzen eine l\u00e4ngliche Form, da sie sich l\u00e4ngs der Muskelb\u00fcndel erstrecken. Neben diesen Str\u00e4hnen begegnet man auch einzelnen elastischen Fasern und einzelnen Anh\u00e4ufungen von K\u00f6rnchen. Oft kann man wahrnehmen, dass diese \u00e4usserst feinen K\u00f6rnchen sich im Innern von St\u00fccken einer gewissen formlosen Substanz, augenscheinlich in den protoplasmatischen Forts\u00e4tzen von Zellen, befinden. Stellenweise kann man sehr deutlich sehen, wie sehr feine, stark tingerte K\u00f6rnchen elastischer Substanz sich in gerader Linie perlenschnurartig aneinander reihen und, zusammenfliessend, elastische F\u00e4serchen bilden. Es ist uns gelungen eine solche Stelle photographisch aufzunehmen (Fig. IV).\nDie angef\u00fchrten Beobachtungen beweisen, dass bei der Proliferation des elastischen Gewebes zuerst K\u00f6rnchen entstehen und erst aus diesen sich die F\u00e4serchen bilden. Eine \u00e4hnliche Bildung elastischer Fasern aus K\u00f6rnchen wurde von folgenden Autoren beobachtet: Pansini '), Deutschmann * 2), Spuler 3), Loisel 4) und Gardner 5)- Eine gelungene Auswahl f\u00fcr das Studium der Histogen\u00e8se des elastischen Gewebes bequemer Objecte hat es letzgenanntem Autor erm\u00f6glicht einen wohlbegr\u00fcndeten und unzweifelhaften Beweis zu liefern, dass die elastischen Fasern aus dem Protoplasma der Zellen durch vorl\u00e4ufige Bildung von K\u00f6rnchen entstehen. Unsre eigenen Pr\u00e4parate haben uns nicht die Gelegenheit gegeben die Vereinigung mit K\u00f6rnchen elastischer Substanz angef\u00fcllter proto-plasmatischer Forts\u00e4tze mit ihren Zellen wahrzunehmen, da man bei der Betrachtung sehr feiner Schnitte diese Forts\u00e4tze bald in andre Fl\u00e4chen \u00fcbergehen sieht. Doch haben auch wir den Eindruck erhalten, dass die K\u00f6rnchen der elastischen Substanz sich aus dem Protoplasma bilden.\n') Pansini, S. ..Sulla genesi dolle fibre elasticbe. Progresse\u00bb med. Xapoli 1887 (Xach Gardner\u2019s Diss.).\n-) Deulschmann. \u201eGeber die Entwicklung der elastische Fasern im Xetzknorpel\u201c. Arch. f. Anat.. Phys. u. wiss. Vied. 1873. (X. Gardner's Diss.).\n\u00d6 Spuler. \u201eBeitrage zur Histologie und Histogen\u00e8se der Binde- und St\u00fctzsubstanz\u201c. Anat. Hefte. H. XXI. 1896 (Xach Gardner\u2019s Diss.).\n4) Loisel. ,,D\u00e9veloppement des fibres \u00e9lastiques dans le ligament cervical du cheval\u201c. Comptes-rendus hebdomadaires des S\u00e9anc. d. 1. Soc. de Biol. S\u00e9rie X. T. I. Vf\u00bb 22.\n;) Gardner. \u201eZur Frage \u00fcber die Histogen\u00e8se und den Bau des elastischen Gewebes\u201c. Moskau. 1898. Dissert.\n18","page":267},{"file":"p0268.txt","language":"de","ocr_de":"268\nHEBER DAS ETASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\nDie Muskelfasern in den B\u00fcndeln und B\u00fcndelchen der Pr\u00e4parate, die wir beschreiben, sind lang, schmal, die Kerne derselben ebenfalls schmal, der L\u00e4nge nach gestreckt und ohne jegliches Anzeichen von Teilung. Es muss bemerkt werden, dass die Muskelb\u00fcndel vorl\u00e4ufig blos mechanischer Dehnung unterworfen sind; von Proliferation der Muskelelemente kann im Laufe des l-sten und 2-ten Monats der Gravidit\u00e4t noch nicht die Pede sein.\nDas zur Cervix geh\u00f6rige elastische Gewebe nimmt an den Ver\u00e4nderungen, welche dasjenige des Uterusk\u00f6rpers erf\u00e4hrt, keinen Anteil.\nIm 3-ten Monate der Gravidit\u00e4t beobachtet man Verminderung der k\u00f6rnich-ten Anh\u00e4ufungen elastischer Substanz; Str\u00e4hne verworrener elastischer Fasern nehmen Ueberhand. Die Maschen der Str\u00e4hne sind oft so gross, dass man letztere eher Netze nennen k\u00f6nnte (Fig. V). In L\u00e4ngsschnitten von Muskelb\u00fcndeln sieht man, dass diese Str\u00e4hne und Netzwerke zwischen den B\u00fcndeln von Muskelfasern, diesen entlang liegen; auf gleiche Weise gestreckte, doch sein-zarte Netzwerke werden auch im Innern der B\u00fcndel angetroffen. Diese Netzwerke f\u00fcllen die Zwischenr\u00e4ume zwischen den B\u00fcndeln besser aus als man an Pr\u00e4paraten, die den zwei ersten Gravidit\u00e4tsmonaten entsprechen, wahrnimmt. Dort, wo in das Gesichtsfeld die Oberfl\u00e4che (nicht der L\u00e4ngsschnitt) eines B\u00fcndels tritt, kann man sehen, wie ein Netzwerk elastischer Fasern diesen umspinnt.\nSolche Bilder bieten sich an der Schnittfl\u00e4che dar; auf Grund derselben kann man sich die Beziehung der elastischen Netzwerke zu den Muskelb\u00fcndeln im Allgemeinen folgendermaassen vorstellen: die elastischen Netze umgeben das Muskelb\u00fcndel von allen Seiten, wobei sie nicht selten, zugleich mit den in dasselbe dringenden collagenen Scheidew\u00e4nden, ins Innere des Muskelb\u00fcndels ziehen. Man erh\u00e4lt auf diese Art das ideale Bild einer Umflechtung der Muskelb\u00fcndel mit elastischen Fasern.\nJe mehr man sich der Schleimhaut n\u00e4hert, desto h\u00e4ufiger begegnet man einem gek\u00f6rntem Bau des elastischen Gewebes und desto seltener Str\u00e4hnen und Netzwerken.\nAm meisten ist elastisches Gewebe im Str. supravasc- und vasc. enthalten; im Str. subseros. ist dessen Menge nicht immer bedeutend; das Str. sub-muc. enth\u00e4lt am wenigsten, doch wird es auch hier, wie in der N\u00e4he der Gef\u00e4sse so auch zwischen den Muskelb\u00fcndeln, angetroffen.\nIm Allgemeinen bemerkt man in diesem Stadium der Gravidit\u00e4t, wie auch in den vorhergehenden, starke Wucherung des Perimysiums, sowohl des collagenen Teils desselben als auch des elastischen. Infolge einer solchen Wucherung des Perimysiums sind auch hier die Elemente der M\u00fcndel auseinander ger\u00fcckt und haben aus 2, 3 oder 5 Fasern bestehende Gruppen gebildet. Proliferation und Wucherung des Muskelgewebes wird auch in diesem Stadium der Gravidit\u00e4t nicht beobachtet.\nUm die Muskelb\u00fcndel herum, die sich nicht in der Uteruswand sondern daneben, in dem parametralen Zellengewebe, befinden, bemerkt man besonders starke Entwicklung des elastischen Gewebes; dichte Flechtwerke sehr dicker elastischer Fasern umh\u00fcllen diese Muskelb\u00fcndel in Gestalt von dickwandigen Scheiden (Fig. VI).","page":268},{"file":"p0269.txt","language":"de","ocr_de":"11EB\u00cbU DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS\n269\nIm 4-ten Monate der Gravidit\u00e4t nimmt starke Wucherung des Muskelgewebes die Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Muskelfasern sind sehr ver-gr\u00f6ssert, gleichsam angeschwollen; das Protoplasma derselben f\u00e4rbt sich heller. Infolge starker Yergr\u00f6sserung der Muskelzellen erscheinen die Muskelb\u00fcndel und -b\u00fcndeichen im Vergleich zu denjenigen der Pr\u00e4parate, die sich auf den zweiten und dritten Monat der Gravidit\u00e4t beziehen, colossal. Die Kerne der Muskelfasern sind aus dem Ruhezust\u00e4nde gekommen, alle haben die St\u00e4bchenform eingeb\u00fcsst und die ovale Form angenommen. Die meisten befinden sich in verschiedenen Stadien der directen Teilung, indem sie biscuitartige Figuren, zwei Kerne in einer Faser, vorstellen; zuweilen kann \u00fcber der Teilungsstelle des Kerns eine Furche an der Muskelfaser selbst beobachtet werden.\nDie von uns constatirte directe Teilung der Muskelfasern in dem graviden Uterus best\u00e4tigt noch einmal das in der Biologie beobachtete Princip. welches, Friedrich Peinke ') nach, darin besteht, dass die directe Teilung niemals zur Bildung eines typischen, lebensf\u00e4higen Gewebes sondern nur zu Zellengebilden zu f\u00fchren scheint, welche nach einiger Zeit untergeben.\nln unserem Falle haben die neugebildeten Muskelfasern nur eine zeitweilige Bedeutung. Nach Beendigung der Gravidit\u00e4t verschwinden sie.\nWir haben Gelegenheit gehabt zwei Pr\u00e4parate von Uteri im 4-ten Monate der Gravidit\u00e4t zu untersuchen; beide waren nach der Operation (extirpatio uteri) erhalten worden. Die Uteruswand wurde unmittelbar nach der Operation aufgeschnitten und der Inhalt desselben herausgenommen, wonach er sich zusammenzog (derselbe wurde kleiner und dessen W \u00e4nde dicker). Die Contraction fand nat\u00fcrlich nicht infolge physiologischer Ursachen, sondern passiv, infolge der Elasticit\u00e4t der Uteruswand statt.\nfn diesen zwei Uteri sowohl als auch in allen andern, die sich nicht auf Grund physiologischer Muskelcontraction, sondern nur infolge der Elasticit\u00e4t der W\u00e4nde zusammenzogen iwie z. B. in einem Uterus, welcher nach dem an einer Todten ausgef\u00fchrten Kaiserschnitt erhalten wurde, als derselbe, nach dem Tode der Frau von seinem Inhalt befreit, sich passiv zusammenzog, sowie in dem von einer w\u00e4hrend der Geburt gestorbenen Frau herr\u00fchrenden Uterus) haben die Muskelfasern eine eigent\u00fcmliche, sehr unregelm\u00e4ssige Form. Die Kanten der vergr\u00f6sserten Muskelfasern (die Mitte derselben hat ja eine prismatische Form) weisen Scharten auf, wobei die Zacken derselben, sich verl\u00e4ngernd und Ausl\u00e4ufer aus Muskelprotoplasma bildend, quer \u00fcber die zwischen den Muskelfasern befindlichen Zwischenr\u00e4ume ziehen. An Pr\u00e4paraten von Uteri, die sich physiologisch nach der Geburt zusammengezogen haben, ist keine Spur von solchen Erscheinungen zu sehen.\nDie von uns beobachteten Zacken besitzen keine Aehnlichkeit mit den Br\u00fccken zwischen den Muskelfasern, welche in St\u00f6hr s Lehrbuch abgebildet sind. Die beschriebenen Bilder an unseren Pr\u00e4paraten sind ganz identisch mit demjenigen, welches in Taf. XV, Fig. 22 von Joseph Schaffers Arbeit: \u00abZur Kenntnis der glatten Muskelzellen, insbesondere ihrer Verbindung\u00bb Zeitschr. f. wissensch. Zoologie. B. 66. S. 214 abgebildet ist. Die Bildung von Zacken\n) Friedrich Reinke. \u201eGrmidz\u00fcge der allgemeinen Anatomie\u201c. Wiesbaden. 1901.\n18","page":269},{"file":"p0270.txt","language":"de","ocr_de":"270\nt;eber das elastische oewede tes lteees.\nund Br\u00fcckchen muss. Schaffer s Ansicht nach, ganz auf Rechnung einer besonderen H\u00fclle der Muskelfaser gesetzt werden.\u2014Wir wollen uns ni ht in Polemik \u00fcber die noch sehr bestritten - Frotte in Bezug auf diese H\u00fclle und das Vorhandensein von Br\u00fccken zwischen den Muskelfasern einlassen. Wir halten es jedoch nicht f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig die Aufmerksamkeit uns rer Leser auf die Ansicht einiger Autoren zu lenken, welche das Aufkommen von Br\u00fccken und Zacken als eine Folge der Contraction der muscul\u00e4ren < >r_ ne halten. S beobachte Klecki ') in der ausgedehnten Speiser\u00f6hre und der ausgedehnten Harnblas-keine Br\u00fccken, w\u00e4hrend Werner l) in denselben Organen, aber im zusim-mengezogenen Zustande derselben deutlich ausgedr\u00fcckt- Br\u00fccken fand.\nWenn wir mit diesen Result ten die v.m un- beobachtete Tb,mache vergleichen. dass die Zacken und Br\u00fccken sich nur in Pr\u00e4paraten von Uteri bilden, die sich nicht physiologisch sondern nur infolge der Elasticit\u00e4t der M \u00e4nde zusammengezogen haben, so erhalten wir Resultate, aus denen Ach etw folgender Schluss ziehen liesse: Die Zacken und Bi ticken sind eine Formver\u00e4n-derung der Muskelzellen, welche bei der passiven Zusammenziehunu der Muskeln stattfindet.\nDas elastische Gewebe erscheint im 4-ten Gravidit\u00e4tsmonate in Gestalt von d\u00fcnnen elastischen Fasern mit regelm\u00e4ssigen Contouren. Es sind zwar auch unentwickelte Fasern vorhanden, doch nur in unbedeutender Menue und n\u00e4her zur Schleimhaut hin. Besondere Anh\u00e4ufungen von elastischem Gewebe werden weder an den Gef\u00e4ssen noch in dem Str. supravaseulare ange-treffen. Netze und Str\u00e4hne sind schon in geringer Anzahl vorhanden. Im Allgemeinen nehmen die inmitten der dicken bindegewebigen Zwis lienw\u00e4nde, zwischen den grossen Muskelb\u00fcndeln befindlichen d\u00fcnnen elastischen Fasern eine weit bescheidenere Stellung ein als in den vorhergehenden Madien der Gravidit\u00e4t. Da dieselben in dem lockeren Bindegewebe liegen, so besitzen sie die M\u00f6glichkeit sich, wie es kommt, zu lagern, so dass Ae oft nicht nur in schiefer Richtung, sondern auch senkrecht zu den Muskelfasern zu liegen kommen. Doch widerspricht diese Thatsache dem von uns aufgestellten Satze nicht, dass die elastischen Fasern stets l\u00e4ngs der Muskelfasern sich lagern, da in diesem Stadium das elastische Gewebe sich in einem Uebergangsstadium befindet: die oben beschriebenen Netze und Str\u00e4hne der neugebildeten elastischen Fasern entwirren sich, um eine regelm\u00e4ssige, den Muskelfasern parallele Lage anzunehmen.\nVom 5-ten Monate der Gravidit\u00e4t an. beginnen die Uterusw\u00e4nde d\u00fcnner zu werden; die Entfernungen zwischen den Muskelb\u00fcndeln werden immer kleiner und die elastischen Fasern zeichnen sich durch ihre regelm\u00e4ssige, den Muskelfasern parallele Lage aus. Die letzteren strecken sich und werden d\u00fcnner. Es ist \u00fcberhaupt nicht zweifelhaft, dass in diesem Stadium der Gravidit\u00e4t mechanische Ausdehnung des Uterus seitens des wachsenden Eies in viel h\u00f6herem Grade stattfindet als es in den fr\u00fcheren Perioden der Fall ist. Im Laufe der ersten vier Monate wird eine so starke Wucherung der die Uterusw\u00e4nde bildenden Gewebe beobachtet, dass das Wachstum des Eies mit\n11 Nach der erw\u00e4hnten Schrift Schaffer s.","page":270},{"file":"p0271.txt","language":"de","ocr_de":"LEBER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\n271\nder Vergr\u00f6sserung der W\u00e4nde gleichen Schritt zu halten scheint; von dem f\u00fcnften Monat oder, besser gesagt, von der zweiten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t an beginnt das Wachstum der W\u00e4nde hinter demjenigen des Eies z\u00fcruekzubleiben. Infolge der Ausdehnung der Uteruswand sind in den mikroscopischen Schnitten nicht mehr solche weit auseinander geschobene B\u00fcndel und B\u00fcndelehen wie in fr\u00fcheren Stadien zu sehen, da sowohl die gr\u00f6sseren als auch die kleineren B\u00fcndel zusammenger\u00fcckt sind. Bei dieser Streckung und diesem Zusammenr\u00fccken der Elemente haben sich die elastischen Fasern offenbar gerade gebogen und die regelm\u00e4ssige Lage, deren wir soeben erw\u00e4hnten, angenommen.\nIm Laufe der zweiten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t kann \u00fcberhaupt bemerkt werden, dass das D\u00fcnnerwerden und die Dehnung der Uteruswand von der Streckung aller dieselbe bildenden Teile begleitet ist: gestreckt sind die Muskelfasern und die zwischen ihnen befindlichen bindegewebigen Scheidew\u00e4nde; die Muskelb\u00fcndel und Gef\u00e4sse sind abgeplattet, sodass deren Querschnitte sehr langestreckte Ovale darstellen. In der Anordnung der Muskelb\u00fcndel herrscht nicht mehr die Verworrenheit, welche in dem nicht graviden Uterus oder in den ersten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t beobachtet wird; die B\u00fcndel nehmen eine geordnetere Lage an, wobei die meisten derselben der L\u00e4ngsaxe des Uterus entlang ziehen. Es sind namentlich die Muskelb\u00fcndel strati vascularis und des inneren Teils strati supravascularis, welche eine Lagenver\u00e4nderung erfahren, w\u00e4hrend die L\u00e4ngsschicht strati subserosi und die circul\u00e4ren B\u00fcndel strati supravascularis ihre Lage nicht ver\u00e4ndern.\nDas Perimysium ist in der zweiten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t stark entwickelt. Wie an L\u00e4ngs- so auch besonders an Querschnitten von B\u00fcndeln kann man wahrnehmen, dass eine jede Muskelfaser von collagenem Gewebe umgeben ist. i >ie Einzelheiten des Baues des collagenen Teils des Perimysiums einzelner Muskelzellen haben wir nicht n\u00e4her studirt, da ein solches Studium eine Leihe besonders angeordneter Untersuchungen ben\u00f6tigt h\u00e4tte. Was den elastischen Teil des Perimysiums anbelangt, so enth\u00e4lt er gew\u00f6hnlich eine Beimengung elastischer Fasern, welche hier d\u00fcnn, lang und geradlinig sind und zwischen den Muskelb\u00fcndeln sowohl als auch zwischen den einzelnen Muskelfasern den letzteren streng parallel liegen (Fig. VII u. VIII). Imstrat. supravascu-lare sind elastische Fasern in grosser Menge vorhanden und begleiten ziemlich best\u00e4ndig fast jede Muskelfaser. Im strat. vasculare sind dieselben nicht so regelm\u00e4ssig verteilt: an einigen Stellen (in der N\u00e4he der Gef\u00e4sse) sind ihrer sehr viele vorhanden, an andern fehlen sie fast ganz. Am wenigsten werden sie im str. submucosus angetroffen.\nIm unteren Uterussegment werden im Vergleich zu dem oberen Teile des Uterus keine besonderen Ver\u00e4nderungen im elastischen Gewebe wahrgenommen. Von einer solchen Menge elastischen Gewebes in dem unteren Segment am Ende der Gravidit\u00e4t, wie sie Acconei und Dittel beschreiben, kann keine Rede sein.\nWas den Inhalt an elastischem Gewebe in der Cervix in der zweiten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t anbetrifft, so beobachtet man hier dasselbe, was in dem nicht graviden Uterus: au der Stelle, wo das untere Segment desselben in die Cervix \u00fcbergeht, bemerkt man in dieser Hinsicht einen scharfen Gegensatz:","page":271},{"file":"p0272.txt","language":"de","ocr_de":"272\nUEBER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\ninmitten des Gewebes der eigentlichen Cervix verschwindet das elastische Gewebe last ganz, und nur dort, wo schon das paracervicale Zellengewebe beginnt, welches eine grosse Anzahl Gef\u00e4sse und zerstreut liegender Muskelb\u00fcndel enth\u00e4lt, sieht man mit einemmal eine grosse Menge elastischer Fasern auftreten.\nAn den Stellen, wo die Cervix vom Peritoneum (gegen den hinteren Dou-glas\u2019schen Raum hin) bedekt ist, ist eine massige Anzahl elastischer Fasern unterhalb des Peritoneums und in der an demselben befindlichen Muskelschicht vorhanden. Folglich gehen die Resultate unserer Untersuchungen auch hinsichtlich der Cervix mit der Ansicht von Acconci, Dittel und Davydoff, welche behaupten, dass die Cervix die gr\u00f6sste Menge elastischer Fasern erh\u00e4lt, auseinander.\nAm Ende der Gravidit\u00e4t und w\u00e4hrend der Geburt erf\u00e4hrt das elastische Gewebe wesentliche Ver\u00e4nderungen. Schon bei der anf\u00e4nglichen Betrachtung hierher geh\u00f6riger, mit der V.'eigert sehen Farbe tingirter Prap\u00e4rate, bei mittlerer Vergr\u00f6sserung, f\u00e4llt die Abwesenheit der elastischen Contouren der B\u00fcndel (Fig. IX), die man gew\u00f6hnlich in den Querschnitten der Muskelb\u00fcndel str. supravascularis wahrnimmt, auf. Zwischen den B\u00fcndeln, wo das Auge gew\u00f6hnt ist in dem Gewebe elastischen Fasern zu begegnen, sieht man diese Fasern gleichsam schmelzen und gewahrt meist nur deren Schatten. Bei genauerer Betrachtung bei Oelimmersion kann man unterscheiden: li elastische Fasern, die mit der AVeigert\u2019schen Farbe schwach tingirt sind, 2) gar nicht gef\u00e4rbte Fasern o) mit der Weigert schen Farbe gut durchf\u00e4rbte Fasern. Diese letzteren sind kurz und gedreht, und machen den Eindruck, als w\u00e4ren sie gestreckt gewesen, dann gerissen, k\u00fcrzer geworden und h\u00e4tten sich dabei gedreht (Fig. IX). Die schwach gef\u00e4rbten Fasern haben in den meisten F\u00e4llen unregelm\u00e4ssige Contouren, mit gleichsam zernagten R\u00e4ndern; die Fasern sind oft ungleichm\u00e4ssig gef\u00e4rbt. H\u00e4ufig sind die Fasern in Fibrillen zerfallen, welche an verschiedenen .Stellen gerissen sind, und die abgerissenen St\u00fccke derselben sind zusammengeschrumpft. Diese Ver\u00e4nderungen verbreiten sich auch auf das elastische Gewebe der Gef\u00e4ssw\u00e4nde. Kurz gesagt, wir sehen hier ein Bild der Zerst\u00f6rung des elastischen Gewebes. Dies ist leicht zu begreifen, da ja ein Teil der elastischen Fasern nach der Geburt zu verschwinden hat, wie es auch mit Muskel- und Bindegewebselementen der Fall ist.\nDie beschriebenen Ver\u00e4nderungen der elastischen Fasern erinnern an die deren Zerst\u00f6rung vorausgehenden Ver\u00e4nderungen, welche Dr. Pokrowski *) bei Lungengangr\u00e4ne beschrieben hat.\nln Pr\u00e4paraten, welche nach der Einwirkung der Flemming\u2019schen L\u00f6sung erhalten werden, nehmen die elastischen Fasern die Weigert\u2019sche Farbe noch schwerer auf.\n') Pokrowski. \u201eDas elastische Gewebe und dessen Ver\u00e4nderungen bei verschiedenen Erkrankungen der Lungen. Dissertation. Moskau. 1897.","page":272},{"file":"p0273.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER PAS ELASTISCHE GEWEBE PES UTERUS.\n273\nIn dem untern Teile des Uterusk\u00f6rpers sind die Ver\u00e4nderungen in dem elastischen Gewebe analog denjenigen, die in der oberen Region statthaben. In der inneren Zone der Cervix nimmt das elastische Gewebe, welches blos in den Gef\u00e4ssw\u00e4nden vorhanden ist, nur eine blasse und tr\u00fcbe F\u00e4rbung an. In der \u00e4usseren Zone dagegen sind die elastischen Fasern d\u00fcnn, lang, sch\u00f6n gef\u00e4rbt und \u00fcberhaupt keinen Ver\u00e4nderungen unterworfen.\nIn den Uteri, in welchen die Zusammenziehung nach der Geburt stattgefunden hat, stellt die Verteilung der elastischen Gewebes denselben Typus vor: dessen Fasern sind dem collagenen Gewebe beigemengt, wobei sie sich den Muskelfasern parallel ordnen. An den Enden der Muskelb\u00fcndel sammeln sich die elastischen Fasern in etwas gr\u00f6sserer Menge an, sodass sie an die kappenf\u00f6rmigen elastischen Netze au dem vorderen Ende der B\u00fcndel erinnern, welche in der ersten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t so deutlich hervortreten (Fig. X).\nDie Beziehung des elastischen Gewebes zu dem Muskelgewebe l\u00e4sst sich am besten an den Stellen studiren, wo die B\u00fcndel nicht, wie in der Uteruswand, compact sondern einzeln, wie im Parametrium oder im Ligamentum ro-tundum, liegen. In dem zu einem Uterus in der zweiten H\u00e4lfte der Gravidit\u00e4t geh\u00f6rigen Ligamentum rotundum wird Streckung und Geradebiegung der Elemente wahrgenommen, da dasselbe von dem sich vergr\u00f6ssernden Uterus gestreckt wird. Bei der rnikroscopischen Untersuchung eines solchen Bandes an den Stellen, wo der Schnitt l\u00e4ngs eines ganzen B\u00fcndels geht und das ganze System der zu diesem B\u00fcndel geh\u00f6rigen elastischen Fasern in sich schliesst, wird folgendes Bild erhalten (Fig. XL: von 1\u20142 dicker oder einem ganzen Flechtwerke grober elastischer Fasern gehen einige Fasern in der Richtung des vordem Endes des Muskelb\u00fcndels ab; hier verzweigen sie sich zu feineren F\u00e4serchen, welche das Muskelb\u00fcndel von aussen umgeben, in dasselbe dringen, um sich l\u00e4ngs dessen Fasern zu ordnen, indem sie die ganze Zeit \u00fcber, den Muskelfasern parallel bleiben. Dabei sind die elastischen Fasern meist geradlinig.\nNach der Geburt, d. h. nachdem sich die Muskeln zusammengezogen haben, bleibt das Verh\u00e4ltnis des elastischen Gewebes zu dem Muskelgewebe in dem Ligamentum rotundum ganz unver\u00e4ndert (Fig. XII). Die Muskelb\u00fcndel erscheinen hier verk\u00fcrzt, die Muskelfasern weniger gestreckt als w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t, sogar ein wenig gebogen; auch die elastischen Fasern sind gebogen und zwar in einem viel h\u00f6heren Grade.\nDas soeben beschriebene Verh\u00e4ltnis des elastischen Gewebes zu den Muskelb\u00fcndeln entspricht vollkommen dem, was Smirnoff *) unter dem Namen \u00abelastische Sehnen\u00bb beschrieben hat.\nEine ganz analoge Beziehung zwischen dem elastischen und dem Muskelgewebe beobachtet man auch in der Wand des Uterus, des graviden sowohl\n') Smirnoff, \u201elieber die Beziehungen zwischen dem Muskel- und elastischen Gewebe bei den Wirbeltieren\u201c. Anat. Anz. B. 15. 8. 4.84.","page":273},{"file":"p0274.txt","language":"de","ocr_de":"274\nUE BER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\nals dus nicht graviden, doch ist dieselbe in der compacten Muskelschicht dieses Organs h\u00e4ufig nicht deutlich ausgedr\u00fcckt; besonders unklar sind diese Beziehungen in dem nicht graviden Uterus, wo zwischen den Muskelb\u00fcndeln nur ganz enge Zwischenr\u00e4ume vorhanden sind.\nIn dem Ligament, rotundum trifft man nicht selten auch quergestreifte Muskeln an, infulge dessen die M\u00f6glichkeit gegeben ist die Beziehung des elastischen Gewebes zu den glatten und den quergestreiften Muskeln in einem und demselben Organ zu studiren. Ls erweist sich, dass die Beziehung eine analoge ist, d. h. dass die elastischen Fasern sich dem vorderen Ende des B\u00fcndels n\u00e4hernd, dasselbe von aussen umgeben, sich verzweigen und in das Innere des B\u00fcndels dringen, um sich zwischen den einzelnen Muskelfasern, denselben parallel, zu lagern (Fig. XIII).\nWorin besteht also die Rolle des elastischen Gewebes in dem Uterus, und welche Bedeutung haben die Ver\u00e4nderungen, denen dieses Gewebe in dem Uterus w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t unterworfen ist?\nIn dem untersuchten Uterus eines 14-j\u00e4hrigen M\u00e4dchens, welches zum ersten Mal menstruirt hatte, konnten nur kaum merkliche Spuren von elastischem Gewebe in Gestalt sehr feiner F\u00e4serchen, die nur hie und da angetroffen wurden, bemerkt werden. Dieser Uterus hatte schon eine gewisse Reife erlangt, was dessen Form (die gew\u00f6hnliche Form eines normal entwickelten Uterusg Volum, L\u00e4nge und das Eintreten der Menses bezeugten. Wenn wir uns jetzt vergegenw\u00e4rtigen, dass der gravid gewesene Uterus eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig sehr grosse Menge elastischen Gewebes enth\u00e4lt, so bietet sicii uns eine Reihe von S\u00e4tzen dar, aus denen folgende logische Schl\u00fcsse gezogen werden k\u00f6nnen:\n1)\tZum Bau des Uterus an sich selbst bedarf es einer minimalen Menge von elastischem Gewebe, man d\u00fcrfte sagen gar keines.\n2)\tDie bedeutende Menge von elastischem Gewebe in einem (jearid ae-wesenen Uterus stellt einen Ueberrest der Wucherung desselben w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t vor.\n3)\tDas elastische Gewebe ist in dem Uterus nur dazu da, um seine Bestimmung' w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t zu erf\u00fcllen.\nIn den ersten Monaten der Gravidit\u00e4t erf\u00e4hrt, wie auf Grund klinischer Beobachtungen bekannt ist, die (Konsistenz des Uterus eine grosse Ver\u00e4nderung, indem dieselbe aus einer festen, dichten, wie er sie im nicht graviden Zustande besitzt, zu einer weichen, w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t, wird. Wie aus unseren Untersuchungen folgt, bekommt der Uterus diese weiche (Konsistenz dadurch, dass w\u00e4hrend der ersten 3 Monate das Muskelgewebe (von welchem die Consistenz des Uterus ja abh\u00e4ngt) nicht prolificirt und die Vergr\u00f6sserung dieses Organs auf Kosten der Wucherung des Bindegewebes statt hat; bei der mikroscopischen Untersuchung erweist sich letzteres \u00e4usserst locker, sodass zur Aufrechterhaltung der Form des Uterus sowie der n\u00f6tigen Festigkeit der 1 te-rusw\u00e4nde das Hinzukommen eines festeren Materials vonn\u00f6ten ist, als welches das wuchernde elastische Gewebe angesehen werden kann.\nIn den letzten Monaten der Gravidit\u00e4t wird die Uteruswand auffallend","page":274},{"file":"p0275.txt","language":"de","ocr_de":"UEFER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\n275\nd\u00fcnn; dabei hat der Uterus einen so umfangreichen und schweren K\u00f6rper, wie das Ei saimnt der Frucht ist, auszutragen, und muss deshalb dessen Wand grosse Haltbarkeit besitzen. Dass dieses der Fall ist, beweisen F\u00e4lle von Hy-dramnion, wenn die Uterus wand einen sehr starken inneren Druck auszuhalten hat, wobei dieselbe gew\u00f6hnlich unversehrt bleibt. Diese Haltbarkeit erlangt die Uteruswand dadurch, dass in das die Muskelelemente derselben verbindende Bindegewebe eine grosse Menge teiner elastischer Fasern hineingeflochten sind.\nDass das elastische Gewebe f\u00fcr die Haltbarkeit gewisser Teile des weiblichen Geschlechtsapparats von grosser Bedeutung ist, beweist auch noch die Gegenwart einer colossalen Menge von elastischen Fasern in den Ligamenta rotunda, die w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t sowohl als w\u00e4hrend der Geburt eine \u00e4usserst starke Streckung auszuhalten haben, wie auf Grund klinischer Beobachtungen allgemein bekannt ist.\nDen Muskelb\u00fcndeln, die nicht compact sondern zerstreut liegen, wie es in den Ligamenta lata und rotunda der Fall ist, dient das jedes einzelne B\u00fcndel umgehende und umflechtende elastische Gewebe unzweifelhalt als St\u00fctze, welche demselben eine gewisse Lage anweist und ausserdem dem sich zusammenziehenden Muskelb\u00fcndel als Uebertragungsstelle seiner Kraft dient.\nEin Vergleich von elastischen Fasern, die einerseits zu einem ausgestreckten, nicht zusammengezogenen Muskelb\u00fcndel, andererseits zu einem zusammengezogenen geh\u00f6ren, l\u00e4sst uns den Schluss ziehen, dass die elastischen Fasern nur ein sehr geringes Dehnungsverm\u00f6gen besitzen, und die Elasticit\u00e4t derselben jedenfalls eine weit geringere ist als die absolute Elasticit\u00e4t der Muskelfasern (d. h. die Muskelelemente besitzen die Eigenschaft sich unter der Einwirkung sowohl physiologischer als physikalischer Kr\u00e4fte bedeutend mehr als die elastischen Fasern zu verk\u00fcrzen); das ist daraus ersichtlich, dass in den letzten Monaten der Gravidit\u00e4t die elastischen Fasern in dem Uterus geradlinig sind; nach der Geburt, also nachdem dessen Muskelfasern sich zusammengezogen haben, sind die elastischen stark gebogen, w\u00e4hrend die Muskelfasern es verh\u00e4ltnism\u00e4ssig nur in geringem Grade sind. Folglich findet beider Verk\u00fcrzung der Muskelfasern infolge der Contraction derselben keine propor-tionelle Verk\u00fcrzung der elastischen Fasern (die ja den Muskelfasern parallel sind) statt, infolge dessen sich die elastischen Fasern biegen m\u00fcssen.\nEs ist sehr wahrscheinlich, dass die zur Zerst\u00f6rung f\u00fchrenden Ver\u00e4nderungen der elastischen Fasern in der Uteruswand w\u00e4hrend der Geburt, auf welche wir hingewiesen haben, dieselben zur Anpassung an die neuen Verh\u00e4ltnisse vorbereiten, d. h. dieselben werden weicher und biegsamer, sodass sie den Contraetionen der Muskeln kein Hinderniss entgegensetzen k\u00f6nnen.\nSomit gelangen wir hinsichtlich der Bedeutung des elastischen Gewebes f\u00fcr den Organismus im Allgemeinen und f\u00fcr den Uterus im Besonderen auf Grund unserer Beobachtungen zu demselben Schl\u00fcsse wie unsere Vorg\u00e4nger Brunn '), Pokrowski und Melnikoff-Kaswedenkoff *), d. h. dass als haupt-\n*) Brunn. \u201eBeitr\u00fcge zur Ossificationslehre\u201c Arcli. f. die Anat. u. Pliys. 1874 (nach Dr. Po-krowski's Dissertation\").\nD Me/ nikujf-Ru sw cd rnkcff. \u201eHistologische Untersuchung des elastischen Gewebe in normalen und pathologisch ver\u00e4nderten Organen\u201c. Medic, \u00fcbosreuie 1899.","page":275},{"file":"p0276.txt","language":"de","ocr_de":"276\nUEBER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.\ns\u00e4chlichste physikalische Eigenschaft des elastischen Gewebes dessen Festigkeit anzusehen ist.\nJetzt wirft sich uns die Frage auf; welche Folie das elastische Gewebe w\u00e4hrend der Erweiterung der Cervix spielt?\nWenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen, dass in der \u00e4usseren Zone der Cervix das elastische Gewebe w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t unver\u00e4ndert bleibt; dass in der \u00e4usseren Zone derselben elastisches Gewebe in Menge vorhanden ist und dass es die Muskelb\u00fcndel, welche hier nicht eng aneinander liegen, umgiebt, so wird es uns klar, dass in der Cervix nur diese Muskelb\u00fcndel auseinander r\u00fccken, wobei die Systeme der elastischen Fasern eines jeden B\u00fcndels, mit einander anastomosirend, die B\u00fcndel aneinander heften und auf diese Weise die Integrit\u00e4t der Cervix bewahren. Wenn ein solches Auseinanderr\u00fccken der B\u00fcndel nicht statt f\u00e4nde und die Enfaltung der Cervix auf Bechnung der Ausdehnung der Elemente vor sich ginge, so w\u00fcrden die elastischen Fasern der Cervix reissen, was in der Wirklichkeit nicht der Fall ist.\nDie Rolle der elastischen Schicht, welche in Gestalt eines Netzwerkes unter dem vielschichtigen Epithel der Portio vaginalis sowohl als auch der Vagina selbst liegt, besteht sichtlich darin, dass das elastische Netz, als haltbarster Teil des Gewebes, bei der Erweiterung der Cervix w\u00e4hrend der Geburt deren Peripherie vor Ruptur bewahrt, gleichdem wie das seidene Netz einen Richardson'sehen Gummiball vor dem Zerreissen sch\u00fctzt.\nDas tief gelegene elastische Netzwerk in der Portio vaginalis, dessen D\u00fchrsen erw\u00e4hnt, geh\u00f6rt offenbar zum elastischen Gewebe der \u00e4usseren Zone der Cervix, d. h. zu dem Teile dieser Schicht, welcher zuweilen einen Bestandteil der Portio vaginalis. zwischen der Befestigungsstelle derselben an der Cervix und der inneren Zone der letzteren bildet.\nTafelerkl\u00e4rung.\nAlle Zeichnungen sind unter dein Mikroscop von den Pr\u00e4paraten, die nur\nn eh der IFrhytrPschen Methode gef\u00e4rbt wurden, photographie.\nFi(j. I. Das elastische Gewebe eines nicht schwangeren Uterus (strat. subser. et supravasc.) Zeiss Apochr. 8,0 Comp. oc. 6.\nFi(j II. Das elastische Gewebe eines 1 Monatelang schwangeren Uterus (Str. subser. et supravasc.) Zeiss Apoclir. 8,0 C. oc. 6.\nFi(j. III. Zeiss Apochr. 4,0 C. oc. 6.\nFig. IV. Zeiss Apochr. 2,0 Comp. oc. 0 Oelimm. Die punctirte Linie fuhrt zu der K\u00f6rnchenlinie.\nFig. V. Zeiss Apochr. 4,0 C. oc. 0.\nFig. VI. Zeiss Apochr. 4,0 C. oc. 6.\nFig. VII Die elastischen Fasern in einem VlI-Monatelang schwangeren Uterus (str. subser. et supravasc.). Zeiss Apochr. 8,0 C. oc. 6.","page":276},{"file":"p0276s0001table.txt","language":"de","ocr_de":"Fig. II.\nFig. III.\nFig. IV.\nFig.\ny.\nFig. YI.\nFig. ix. ;\nFig. VII.\nFig. VIII.","page":0},{"file":"p0277.txt","language":"de","ocr_de":"LES POISSONS DISTINGUENT-ILS LES COULEURS.\n277\nFig. VIII. L\u00e4ngs- und Querschnitte der elastischen Fasern (auch der Muskelzellen) in einem IX Monatelang schwangeren Uterus. Zeiss Apoclir. 8,0 C. oc. 6. Fig. IX. Zeiss Apoehr. 8.0 C. oc. 6.\nFig. X. Zeiss Apoehr. 8,0 C. oc. 6.\nFig. XI. Zeiss Apoehr. 8,0 C. oc. G.\nFig. XII. Zeiss Apoehr. 8.0 C. oc. G. Das Pr\u00e4parat ist nach der Weigert\u2019sch en Methode, nach Ramon-y-Cajal und mit Alaunearmin gef\u00e4rbt.\nFig. XIII. Zeiss Apoclir. 8,0 oc. G.\nLes poissons distinguent-ils les couleurs?\nPar N. Zolotnitsky '),\nVice-Pr\u00e9sident de la Section ichtiologique de la Soci\u00e9t\u00e9 Imp\u00e9riale d\u2019Acclimatation\n\u00e0 Moscou.\nDe nombreuses observations ont \u00e9t\u00e9 faites et bien des opinions ont \u00e9t\u00e9 \u00e9mises sur le point de savoir si les poissons peuvent distinguer les sons, s ils poss\u00e8dent le sens de l\u2019odorat tr\u00e8s d\u00e9velopp\u00e9 ou m\u00eame s ils jouissent de la facult\u00e9 du sommeil, ce qui a donn\u00e9 lieu \u00e0 de nombreuses controverses. Mais sur cette question: Les poissons distinguait-ils les couleurs? je n\u2019ai rien lu ni rien entendu dire. Il semble que tous les auteurs aient refus\u00e9 cette facult\u00e9 aux poissons, et ceux m\u00eame qui se sont montr\u00e9s le plus dispos\u00e9s \u00e0 l\u2019admettre en faveur des autres animaux et qui citent comme preuve toutes sortes d insectes et d'oiseaux ont gliss\u00e9 l\u00e9g\u00e8rement sur la possibilit\u00e9 de l\u2019existance de cette aptitude chez les poissons et n\u2019ont fait sur elle aucune observation. On peut n\u00e9anmoins se dire qu'il serait monstrueux d'admettre que la nature, toujours si pr\u00e9voyante, ait refus\u00e9 de doter les poissons aussi g\u00e9n\u00e9reusement que le reste des cr\u00e9atures. Mais cette consid\u00e9ration a priori n'est pas suffisante.\nC\u2019est le hasard qui m\u2019a mis \u00e0 m\u00eame d\u2019\u00e9tudier l'aptitude des poissons \u00e0 discerner les couleurs. J'avais d\u00fb placer temporairement de jeunes Macropo-de.s dans un aquarium o\u00f9 se trouvaient des T\u00e9lescopes et divers autres poissons. Craignant qu\u2019ils n\u2019eussent l\u2019id\u00e9e d'attaquer les yeux des T\u00e9lescopes, j'exer\u00e7ai une grande surveillance. Or, un soir que j\u2019observais les allures de mes h\u00f4tes, je remarquai avec int\u00e9r\u00eat qu\u2019un T\u00e9lescope \u00e9tait obstin\u00e9ment poursuivi par deux Macropodes qui ne cessaient de lui tirailler les nageoires. Le corps du T\u00e9lescope \u00e9tait compl\u00e8tement blanc, mais ses nageoires, d\u2019un rouge sang, semblaient les attirer d\u2019une fa\u00e7on manifeste. Quelle pouvait en \u00eatre la\n\u2018) Extrait, des Archives de Zoologie exp\u00e9rimentale et g\u00e9n\u00e9rale.","page":277}],"identifier":"lit36334","issued":"1900-1902","language":"de","pages":"261-277","startpages":"261","title":"Ueber das elastische Gewebe des Uterus w\u00e4hrend der Gravidit\u00e4t","type":"Journal Article","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:43:45.315111+00:00"}
