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Ueber die Wirkung der Inductionsschläge auf einige Ciliata

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{"created":"2022-01-31T14:59:03.238649+00:00","id":"lit36552","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Statkewitch, Paul","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 3: 1-55","fulltext":[{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"LE\nPHYSIOLOGISTE RUSSE\nR\u00c9DIG\u00c9 PAR\nM. L\u00e9on Morokhowetz,\nProfesseur de physiologie \u00e0 l\u2019Universit\u00e9 Imp\u00e9riale. MOSCOU.\nVol. III.\t12 janvier 1903.\tN\u00b0M\u00b0 41\u20144%\nHeber die Wirkung der Iuductionssclil\u00e4ge auf einige Giliata1).\nVon Dr. Paul Statkewitsch,\nAssistenten am physiologischen Institut d. K. Universit\u00e4t zu Moskau.\nMit 17 Textabbildungen.\n(\"Der Redaction zugegangen am 17 November 1902).\nI. Einleitung und historischer Ueberblick.\nVorliegende Arbeit stellt einen besonderen, von den andern ganz unabh\u00e4ngigen Teil meiner Untersuchungen \u00fcber die Galvanotaxis vor und bezieht sich umittelbar auf die von M. Verworn (1) eingehender untersuchte Frage nach der polaren Erregung der Protisten.\nAlle diesbez\u00fcglichen von V erworn und L u d 1 o ff mitgeteilten Resultate waren bei der Untersuchung des Einflusses, den der constante Strom auf die Protisten aus\u00fcbt, erhalten worden. Dagegen ist die Wirkung der In-ductionsschl\u00e4ge auf das lebendige Protoplasma bisher noch wenig untersucht.\nBald nach der Entdeckung der mikroskopischen Lebewesen erschien eine ganze Reihe von Arbeiten, deren Verfasser den Versuch machten physiologische Fragen zu beantworten, aber, infolge der zu jener Zeit noch ungen\u00fcgen-\n*) Bericht gehalten im Jahre 1902, 10. Decemb. in einer Sitzung der Physiol. Abtheilung der Kais. Gesellschaft von Fr. d. Naturwissensch., d. Anthrop. u. Ethnogr.\n1","page":1},{"file":"p0002.txt","language":"de","ocr_de":"2\tT\u00ce\u00c8BER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00e2GE ETC.\nden Kenntnisse in der Morphologie der Protisten, nichts anderes als Zerst\u00f6rung dieser Organismen unter der Einwirkung der elektrischen Entladungen consta-tiren konnten.\nDie Gelehrten des XVIII Jahrhunderts \u2014 Saussure (1776), S p a 11 a n-zani, (1776), Tereschowsky (1775) und Guanzati (1797), welche die Wirkung des elektrischen Funkens auf die Infusorien untersuchten, beobachteten, dass derselbe diese Kleinwesen t\u00f6tet. Diese Thatsache, d. h. die Zerst\u00f6rung der Infusorien durch die Schl\u00e4ge einer Leydener Flasche, wurde in der Folge auch am Anfang des XIX Jahrhunderts von Eh r en b erg (1888) beobachtet. Dabei bemerkte Ehrenberg, dass die Schl\u00e4ge nur diejenigen Tiere t\u00f6ten, welche sich direct in der Stromlinie befinden; auch gewahrte derselbe Autor damals, dass bei der Einwirkung eines constanten galvanischen Stroms die Zerst\u00f6rung nur bei dem Schliessen und Oeffnen desselben eintritt, und auch stets nur auf den Stromlinien (nach B \u00fc t s c h 1 i 2, S. 1819).\nNicht viel mehr beobachtete im J. 1859 K\u00fchne (3). Er wandte Inducti onsschl\u00e4ge an und bemerkte dabei, dass auf Amoeba diffluens schwache In-ductionsschl\u00e4ge keine Wirkung hervorbrachten; Spuren irgend einer Reaction waren nicht einmal dann wahrzunehmen, wenn beim Ber\u00fchren des Wassertropfens mit der Fingerspitze ein unertr\u00e4glicher, stechender Schmerz entstand (3, S. 819). Sehr starke und rasch auf einander folgende Schl\u00e4ge rufen heftige Bewegungen hervor, welche bei Opalina, Plaesconia patella, Paramaecium, Dileptus folium, Trichoda angulata und Kerona mytilus bruchartige Aussackungen und schliesslich vollst\u00e4ndiges Zerplatzen zur Folge haben.\nBei m\u00e4ssigen Str\u00f6men konnte K\u00fchne es meist dahin bringen, dass \u00abdie \u00abTiere nach dem ersten heftigen Ruck beim Oeffnen der Nebenschliessung ganz \u00abruhig in einer Art von Tetanus s\u00e4mmtlicher Muskeln liegen blieben, wenn sie \u00abnicht durch die Flimmerbewegung weiter bef\u00f6rdert wurden, auf welche die \u00abStr\u00f6me absolut gar keinen Einfluss haben. Wurden die Schl\u00e4ge verst\u00e4rkt, so \u00abbildeten sich bald Einschn\u00fcrungen, und trat dann irgendwo aus der K\u00f6rper-\u00abbegrenzung ein Bruch aus.... Nur bei l\u00e4ngerer Dauer der sehr kr\u00e4ftigen \u00abStr\u00f6me zerfliesst das ganze Tier zu einem unf\u00f6rmigen Brei, in welchem dann \u00abhie und da die Flimmerbewegung noch eine Zeit lang fortdauern kann>.\nDie Reaction der Vorticellen auf frequente Inductionsschl\u00e4ge that sich dadurch kund, dass (3, S. 824\u2014825) \u00abpl\u00f6tzlich alle Vorticellen ihre Stiele \u00abspiralig zusammenrolten und festgebannt an der Pflanzenwurzel angeheftet zu \u00absehen waren, wobei auch die Glocke sich kugelf\u00f6rmig zusammenballte und die \u00abMundwimpern eingeschlagen blieben>. Indem K\u00fchne bei Vorticellen die Stiele von der Glocke abtrennte, beobachtete er, dass auch die kopflosen Stiele, auf die Inductionsstr\u00f6me reagirend, zusammenfahren (3, S. 827)-\nK\u00fchn e\u2019s Versuche wiederholte im Jahre 1862 G. Schwalbe an Paramaecien in seiner Arbeit \u00fcber die contractilen Beh\u00e4lter der Infusorien (4). Seine sehr kurz gefasste Beschreibung der Ver\u00e4nderungen der K\u00f6rperform der Paramaecien unter dem Einfl\u00fcsse von Inductionsschl\u00e4gen bietet einen vollst\u00e4ndigen Gegensatz zu denen, welche von neueren Autoren (V e r w 0 r n u. a.) gegeben werden. Es scheint uns nicht \u00fcberfl\u00fcssig Schwalbe selbst reden zu lassen: \u00abDie Haupterscheinung, welche man allgemein an Paramaecien,","page":2},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcEB\u00cbR DIE WIRKUNG DER tND\u00dcCTl\u00d4NSSCHLaG\u00cb ETC.\n3\n\u00abwelche Schliessungsschl\u00e4ge erhalten, wahrniinmt, ist Verk\u00fcrzung derselben in \u00abder L\u00e4ngsaxe und bimf\u00f6rmige Gestaltung des ganzen K\u00f6rpers und zwar so, \u00abdass das Vorderende sich zuspitzt, w\u00e4hrend das Hinterende anschwillt.... Ist \u00abdie Zusammenziehung sehr heftig gewesen, so ist das hintere Ende fast kuge-\u00ablig, und es sitzt ihm das vordere Ende ungef\u00e4hr so an, wie das halsf\u00f6rmige \u00abSt\u00fcck dem eif\u00f6rmigen K\u00f6rper von Trachelius ovum; ja es kommt bei sehr \u00ablange fortgesetzten Schliessungsschl\u00e4gen vor, dass das spitze Ende fast ganz ein-\n<\tgezogen wird, so dass nun die Paramaecien kugelig erscheinen> (4, S. 866\u201486?).\nSehr befremdlich, ja unverst\u00e4ndlich erscheint die Abh\u00e4ngigkeit dieser Formver\u00e4nderung von der St\u00e4rke der Schl\u00e4ge. Weiter schreibt Schwalbe:\n<\tOeffnungsschl\u00e4ge erweisen sich auffallender Weise wirkungslos. Die ersten \u00abauffallenden Ver\u00e4nderungen dieser Art beobachtet man bei Schliessungsschl\u00e4gen, \u00abwo die secund\u00e4re Spirale der prim\u00e4ren etwa bis zur Ber\u00fchrung gen\u00e4hert war. \u00abAllein in diesem Falle hielt es schwer die Tiere weiter zu beobachten, weil \u00absie auf den Beiz des Schliessungsschlages sogleich fortschwammen, so dass man \u00absie aus dem Auge verlor. Wurden dagegen die Spiralen zur H\u00e4lfte \u00fcberein-<ander geschoben, so waren die oben beschriebenen Erscheinungen besonders \u00ableicht und deutlich zu beobachten, da die Thiere dann bei jedem Schliessungs-\u00ab schlage eine Zeit lang an ihrer Stelle wie festgebannt waren und erst nach \u00abund nach sich erholten. Setzte man solche Beizungen l\u00e4ngere Zeit fort, so \u00abstarben die Tiere, und schliesslich zerplatzte das Tier und zerfloss (4, S. 36?).... \u00abEs wurde zu diesen Versuchen ein Dubois\u2019scher Schlittenapparat benutzt, der \u00abvon einem Grove\u2019schen Element getrieben wurde\u00bb (4, S. 366). Folglich tritt die Beaction des Zerfalls der Paramaecien bei ziemlich starken Schliessungsschl\u00e4gen ein, w\u00e4hrend \u00abdie Oeffnungsschl\u00e4ge sich wirkungslos erweisen\u00bb.\nIm Jahre 1867 verfolgte A. Wrzesniowski (5) ausschliesslich den anatomischen Zweck die Unabh\u00e4ngigkeit der Trichocysten von dem Wimper-tegument bei den Paramaecien darzuthun. Er benutzte dabei den D u-B o i s-Beymon d\u2019schen Schlittenapparat und als Elektroden Streifen Blattgold. Er constatirte, dass unter dem Einfl\u00fcsse starker Str\u00f6me (4\u20145 ctm. Abstand der secund\u00e4ren Spirale von der prim\u00e4ren) das Tier sich sogleich stark contrahirte und aus allen Trichocysten noch verschiedenen Bichtungen hin lange F\u00e4den entleerte, so dass es von einer filzartigen Kapsel umgeben zu sein schien (5, S. 44). Nach Unterbrechung des Stromes blieb dasselbe eine Zeit lang unbeweglich liegen, nahm dann seine normale Gestalt an und schwamm davon. In dem Baue des Tieres erfolgte dabei keine St\u00f6rung, die Cilien behielten ihre Stellung, nur waren die Trichocysten spurlos verschwunden. Bei schw\u00e4cheren Str\u00f6men (die secund\u00e4re Spirale steht um 7 ctm. ab) entleerte das Tier, \u00abwenn man den eingeleiteten Strom schnell wieder unterbrach\u00bb nur einen Teil der Trichocysten, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen unver\u00e4ndert blieben. Wird der Strom wieder geschlossen, so werden auch die \u00fcbrigen Trichocysten entleert. Zuweilen gelingt es den Beiz dermaassen zu reguliren, dass Trichocysten auch noch ein drittes Mal entleert werden. Somit beobachtete A. Wrzesniowski bei der Beizung yon Paramaecia aurelia durch eine Reihe von starken Inductionsschl\u00e4gen Entleerung der Trichocysten und bemerkte, dass unter dem Einfl\u00fcsse von Str\u00f6men mittlerer St\u00e4rke dieselbe allm\u00e4lig in","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"4\tt\u00ef\u00c9BER DIE WIRKUNG DER \u00cfND\u00dcCT\u00ceONSSCHLaGE ET\u00d6.\n2\u20143 Malen durch die ganze Oberfl\u00e4che des Tieres vor sich geht; nachdem diese Reize aufgeh\u00f6rt haben, erholt sich dasselbe wieder und die ganz unver\u00e4ndert gebliebenen Cilien setzen ihre normale Function fort, zuweilen bei vollst\u00e4ndigem Schwinden der Trichocysten.\nDiese Versuche bewiesen die Unabh\u00e4ngigkeit des Wimperapparats von den Trichocysten. Somit war Wrzes'niowski der erste, der den Einfluss einer Reihenfolge ziemlich starker Inductionsschl\u00e4ge auf die Paramaecien beobachtete und, wenn auch bei weitem nicht ersch\u00f6pfend, den Effect der Entleerung der Trichocysten beschrieb.\nTh. Engelmann (6) untersuchte mit Hilfe besonders construirter unpolarisirbarer Elektroden die Reaction von S\u00fcsswasserrhizopoda (Amoeba diffluens und Arcella vulgaris) auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag. Die Rhizopoda nahmen eine kugelige Gestalt an, was E n g e 1 m a n n dahin deutete, dass bei der elektrischen Reizung das Protoplasma vor\u00fcbergehend die mechanischen Eigenschaften einer Fl\u00fcssigkeit annimmt.\nRossbach (7) fand im Jahre 1872, dass Stylonychia und Euplotes sowohl bei Sehliessungsschl\u00e4gen als bei intermittirenden Str\u00f6men sofort weitgehende Gestaltver\u00e4nderungen (Wellung der Oberfl\u00e4che, Auswellung des Hinterendes) erfahren, die er als active Contractionserscheinungen des Protoplasma deutete... Bei Anwendung \u00ab schw\u00e4cherer > Str\u00f6me stellen sich bei Stylonychia Drehbewegungen ein, es \u00abtreten helle, wasserklare, runde Blasen aus \u00abdem K\u00f6rper und l\u00f6sen sich von ihm los, und schliesslich erfolgt totale Aufl\u00f6sung\u00bb (nach K\u00f6lsch, 22, S. 398).\nEndlich ist in ganz letzter Zeit eine Arbeit von E. R o e s 1 e (8) erscheinen, welche die Reaction folgender Infusorien: Paramaecium aurelia, Oxytricha parallela, Stylonychia mytilus, Stentor coeruleus und Roeselii und einiger Vorticellen auf einzelne Inductionsschl\u00e4ge zum Gegenstand hat. Der Autor f\u00fchrte seine genau beschriebenen Untersuchungen mit Hilfe nach Prof. H e r i n g\u2019s Gedanken construirter, leicht verstelbarer Platinelektroden aus, die an einem drehbaren Hartgummiringe befestigt waren; der Du Boi s-R eymon d\u2019sche Schlittenapparat war mit 2 Grove\u2019schen Elementen beschickt. Um den Einfluss der einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschl\u00e4ge auf die rasch dem Blicke entschwindenden Infusorien (z. B. Paramaecien) beobachten zu k\u00f6nnen, f\u00fcllte der Autor das Reizk\u00e4stchen mit einem Filz feiner Wasserpflanzen an, in dessen Maschen sich die Tiere gleichsam fingen\n\u00abDie Reaction der Paramaecien bestand bei Schwellenreizen in einer Art \u00abvon ganz schwacher Zusammenzuckung ohne Ortsver\u00e4nderung oder in einer \u00abganz geringen, gerade noch wahrnehmbaren R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung. Bei etwas \u00abst\u00e4rkeren Str\u00f6men erfolgte hingegen eine pl\u00f6tzliche ruckweise Bewegung nach \u00abvorw\u00e4rts infolge einer pl\u00f6tzlichen Beschleunigung der Rythmicit\u00e4t der Wimperibewegung, die jedoch nur wenige Augenblicke w\u00e4hrte, worauf das Tier seine \u00abfr\u00fchere Bewegungsweise wieder fortsetzte. Diese Vorw\u00e4rtsbewegung steigerte \u00absich bei der Verminderung des Rollenabstands, also bei Zunahme der Strom-\u00abst\u00e4rke, so dass das Tier oft pl\u00f6tzlich dem Blicke entschwand> (8, S. ue).\nNachdem der Autor die Schwellenreize festgestellt batte, fand er, dass die Reaction nur in einer ganz bestimmten Lage des Tieres zur Stromesrich-","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSClIL\u00e4GE ETC.\n5\ntung eintritt. Die Reaction tritt zuerst, d. h. bei geringster Stromst\u00e4rke, bei dem absteigenden Strom ein.\nBei Oxytricha parallela und Stylonycbia wird auch deutlich wahrnehmbares Zur\u00fcckzucken beobachtet. Die vorteilhafteste Lage f\u00fcr das Eintreten der Reaction ist, wenn das Peristom der Anode zugewandt ist,\u2014folglich w\u00e4re dies die erregbarste Stelle an dem K\u00f6rper des Tieres. Die Versuche des Autors an Stentoren zeigten, dass sich durch gr\u00f6sste Reizbarkeit nicht das Peristom, sondern die im Zellmund befindlichen Wimpern auszeichnen. Mechanische Reizungen des innern Teils des Peristoms der Vorticellen riefen pl\u00f6tzliche und sehr starke Zusammenziehung hervor; dieselben Erscheinungen beobachtete der Autor auch an Oxytricha und Paramaecien. Bei dem Ber\u00fchrungsreiz kann an Paramaecien R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung constatirt werden, wenn dieser mechanische Reiz das Peristom trifft. Betrachtet man diese Reaction auf den mechanischen Reiz als eine indirecte Erregung, welche gewisse Punkte der K\u00f6rperoberfl\u00e4che trifft, so sind die Inductionschl\u00e4ge, wie der Autor meint, in der That zu den indirecten Erregungen zu rechnen, da die Reaction der Infusorien auf die einzelnen Inductionsschl\u00e4ge mit den Reactionen, welche auf mechanische Reizung erfolgen, \u00fcbereinstimmt. Das ist vollkommen klar aus der Zur\u00fcckzuckung der Oxytricha und Stylonychia, sowie aus den Contractionen der Stentoren und Vorticellen (8, S. 102) zu sehen. Nur die Paramaecien bieten darin eine offenbare Abweichung (8, S. ms).\nSich auf den Vergleich der Reactionen der Infusorien auf mechanische Ber\u00fchrungsreize mit denjenigen auf einzelne Oeffnungsinductionsschl\u00e4ge st\u00fctzend, zieht der Autor den Hauptschluss, dass die Reaction einiger Infusorien auf einzelne Inductionsschl\u00e4ge der Ausdruck von Erregung der Bewegungsorganoiden ist, und dass diese Reaction infolge der Reizung des Peristommunds, welcher f\u00fcr elektrische Reize eine h\u00f6here Reizbarkeit besitzt, eintritt. Infolgedessen ist der Autor mit Jennings (9, S. 239 u. 256) darin nicht einverstanden, dass das Vorderende die erregbarste Stelle an der Oberfl\u00e4che des K\u00f6rpers sei.\nFrequente Inductionsschl\u00e4ge \u00fcben eine richtende Wirkung auf die Paramaecien aus, indem sie dieselben zwingen dem Minus der Oeffnungsschl\u00e4ge zuzuschwimmen. Diese Erscheinung ist schon im Jahre 1886 von V er worn (la, S. 26) constatirt und im Jahre 1889 beschrieben und von Birukoff (10) und mir n\u00e4her untersucht worden *).\n') Die Beschreibung meiner Versuche \u00fcber die bewegungsrichtende Wirkung der Inductionsschl\u00e4ge wird bald erscheinen, doch halte ich f\u00fcr angemessen schon hier einen historischen Irrtum zu beseitigen, der sich infolge von B. B i r u k o f f\u2019s Arbeit auch in die Lehrb\u00fccher eingeschlichen hat; so f\u00fchrt z. B L an g (11, S. ss) in der nmen Auflage seines \u201eLehrbuchs der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tiere\u201c die haupts\u00e4chlichsten Resultate von Birukoffs Untersuchungen an, n\u00e4mlich: \u201edie Paramaecien bewegen sich immer in jenen Teilen des Tropfens fort, wo die St\u00e4rke des circuli-\u201erenden Stromes die geringste ist, und lagern sich an der Oberfl\u00e4che der Elektrode so, dass sie die \u201eTheile derselben frei lassen, wo die Dichtigkeit des Stromes am gr\u00f6ssten ist\u201c. Die Billigkeit fordert es, darauf hinzuweisen, dass die Methodik dieser Versuche, sowie die Resultate derselben schon im Jahre 1889 von Verworn in einigen Zeilen vortrefflich dargelegt wurden. B. Birukoff kommt nur das Verdienst zu, die Form der Elektroden verschiedentlich abge\u00e4ndert zu haben, was jedoch die Resultate, die auch in V e r w o r n\u2019s Lehrbuche aufgenommen sind, nicht im geringsten beeinflusst hat. Verworn schrieb im Jahre 1889 Folgendes: \u201eEine eigenth\u00fcmliche Erscheinung zeigt sich,","page":5},{"file":"p0006.txt","language":"de","ocr_de":"6\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00dcGE ETC.\nDie auf den ersten Blick sehr einfache Wirkung des Stroms entbehrt bis jetzt einer genaueren Erkl\u00e4rung, und sprechen die verschiedenen Autoren in Bezug auf diese Erscheinung verschiedene Ansichten aus. Um zu dieser oder jener Erkl\u00e4rung schreiten zu k\u00f6nnen, muss man zuerst versuchen diese compiexen Erscheinungen in einfachere Elemente zu zerlegen, die der Beobachtung zug\u00e4nglicher w\u00e4ren und die Analyse erleichtern k\u00f6nnten. K. Ludloff\u2019s (13) Versuche, auf Grund deren M. V er worn (lb) die Galvanotaxis beiden Pa-ramaecien erkl\u00e4rte, best\u00e4tigten die Untersuchungen von R. Pearl (14) und H. Wallengren (15) \u00fcber den Einfluss des constanten Stroms auf die Stellung und Bewegung der Cilien bei diesen Infusorien. Ein einzelner Inductionsschlag, dessen Einfluss sich auf die denkbar geringste Zeitdauer beschr\u00e4nkt, erm\u00f6glicht die Beobachtung des Effects einer momentanen Reizung unter den einfachsten Bedingungen.\nF\u00fcr die Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, erschien der Inductionsschlag als die bequemste Erregungsform, weshalb ich demselben auch den Vorzug gegeben habe. Ueberdies zeigt unsere Uebersicht der Literatur, dass dessen Wirkung auf die einzelligen Organismen noch sehr wenig und ungen\u00fcgend untersucht ist.\nII. Untersuchungsmethoden.\nDie erste und wichtigste Thatsache, die bei der Einwirkung ? on Inductions-schl\u00e4gen auf einen Tropfen mit Infusorien beobachtet wird, besteht darin, dass erstens alle Tierchen mit ihrem Vorderende sich pl\u00f6tzlich der Kathode zu wenden, d. h. mit ihrer L\u00e4ngsaxe sich in der Richtung des Stromes stellen, und zweitens der Kathode zuschwimmen. Dies geschieht infolge der Bewegung der Cilien in einer bestimmten Richtung.\n\u201ewenn man statt der parallelen Elektroden zwei Spitzenelektroden von der obenbeschriebenen Form \u201eanwendet. Dann wird der Tropfen nicht parallel durchstr\u00f6mt, sondern es entstehen die bekannten \u201eStromkui\u2019ven, welche die beiden spitzen Pole mit einander verbinden. Im Moment der Schliessung \u201estellen sich jetzt alle Paramaecien mit ihrer L\u00e4ngsaxe in die Richtung der Stromkurven ein und \u201eschwimmen in den Bahnen derselben nach der Kathode hin\u00fcber, so dass die am \u00e4ussersten Rande \u201edes Tropfens befindlichen Individuen eine nahezu halbkreisf\u00f6rmige Bahn zur\u00fccklegen. Es bietet sich \u201eim Augenblick der Schliessung ein Anblick dar \u00e4hnlich dem Bilde, welches man erh\u00e4lt, wenn man \u201e\u00fcber einem Hufeisenmagneten Eisenfeilsp\u00e4hne auf ein Blatt Papier streut. Befinden sich die Elektro-\u201edenspitzen nicht am \u00e4ussersten Rande des Tropfens, sondern mehr nach der Mitte zu, so bemerkt, \u201eman, nachdem alle Infusorien nach der Kathode hin\u00fcbergewandert sind, dass dieselben nicht gleich-\u201em\u00e4ssig die Kathodenspitze\tumgeben,\tsondern dass ihre Hauptmasse hinter der\tKathode\tsich ange-\n\u201esammelt hat\u201c (la, S. 30),\td. h. dort, wo der Strom keine, oder eine nur sehr\tschwache Wirkung\naus\u00fcbt. Aus der citirten Stelle ist klar zu ersehen, dass Verworn\u2019s Worte \u201eEs bildet sich... ein \u201eAnblick dar \u00e4hnlich dem Bilde, welches man erh\u00e4lt, wrenn man \u00fcber einem Hufeisenmagneten Eisen-\u201efeilsp\u00e4hne auf ein Blatt Papier streut... Stellen sich alle Paramaecien mit ihrer L\u00e4ngsaxe in die \u201eRichtung der Stromcurven und schwimmen in den Bahnen derselben nach der Kathode\u201c bei B. B i-rukoff folgendermaassen periphrasirt sind: \u201esie bewegen sich immer in jenen Teilen des Tropfens fort, \u201ewo die St\u00e4rke des circulirenden Stromes die geringste ist\u201c.\nEs sind auch schematische Abbildungen, die das Beschriebene vorz\u00fcglich veranschaulichen, beigelegt; diese Abbildungen\tsind auch\tin V e r w 0 r n\u2019s Lehrbuche aufgenommen,\tdessen\tzwei erste\nAuflagen vor B. B i r u k 0 f f s Arbeit\terschienen waren. S. denselben Irrtum\tin W.\tBieder-\nm a n n\u2019s Schrift \u00fcber die Galvanotaxis in \u201eErgebnisse der Physiologie\u201c (12, S. is:).","page":6},{"file":"p0007.txt","language":"de","ocr_de":"7\nUEBER PIE WIRKUNG PER INDUCTIONSSCHL\u00e4OE ETC.\nEs wirft sich nun die Frage auf, in welcher Richtung die Wimpern unter diesen Umst\u00e4nden th\u00e4tig sind. Die \u00e4usserst grosse Geschwindigkeit, mit welcher die Wimpern sich bewegen, die j\u00e4he Ortsver\u00e4nderung der Infusorien gestatten nicht, die Paramaecien in einem gew\u00f6hnlichen Heuaufguss zu beobachten. Um das Spiel des Wimperapparats studiren zu k\u00f6nnen, bedienen sich die Zoologen zu diesem Zwecke schon l\u00e4ngst des Kirschgummi von verschiedener Consistenz, mit dem man die von der Kultur genommenen Paramaecien in einem Uhrglase vermischt. Stahl (16) schlug zu demelben Zwecke Gelatine vor, deren sich Jensen (17) zu seinen Beobachtungen bediente, und nach ihm Ludloff (13, S. 537) u. and. bei der Untersuchung der Th\u00e4tigkeit des Wimperapparats der Infusorien unter dem Einfl\u00fcsse des constanten Stromes benutzten; gew\u00f6hnlich entstand eine erstarrende Gelatinel\u00f6sung (0,8\u20141,0%), in welcher die Th\u00e4tigkeit der Cilien der unbeweglich gewordenen Infusorien studirt wurde. Trotz ihrer Zweckm\u00e4ssigkeit besitzt diese Methode dennoch einige M\u00e4ngel, die mich bewogen haben dieselbe etwas ab zu \u00e4ndern.\nDas Wesentliche meiner Methode besteht darin, dass die Kultur der Infusorien in schleimigen und coTloidalen Medien aus Semini Psylii, Semini cidoniorum, Algae carragehen, Gummi-Traganthae, Agar-Agar, Gelatine, Kirschgummi u. dergl. vorgenommen wurde *)\u2022 Die Bewegungen der in diesen Medien lebenden Infusorien sind so verlangsamt, dass diese Methode es m\u00f6glich macht die Wimpern in einem unmittelbar der Kultur entnommenen Tropfen, ohne vorhergegangene Vermischung in einem Uhrglase, unter starker Vergr\u00f6sserung (Ocul. 4 und Object. D oder FF Zeiss) gut und ruhig zu beobachten. Bedeutendere Verlangsamung des Rytlimus der Wimpern wird dadurch erreicht, dass man einige Tropfen einer solchen Kultur in einem Uhrglase oder auf dem Objecttr\u00e4ger etwas trocknen l\u00e4sst; umgekehrt kann durch den Zusatz von 1\u20142 Tropfen Wasser Beschleunigung der Wimperschl\u00e4ge hervorgerufen werden. Ausserdem k\u00f6nnen in kurzen Probirgl\u00e4schen Kulturen von verschiedenartigster Consistenz, von sehr fl\u00fcssiger an bis zu \u00fcberaus steifer, in welcher die Infusorien sich m\u00fchsam bewegen, bereitet werden.\nS\u00e4mmtliche n\u00e4chstfolgende Beobachtungen wurden an Kulturen in schlei-miq-colloidalen Medien vorgenommen und die erhaltenen Resultate durch vergleichende Beobachtungen an Infusorien aus einem gew\u00f6hnlichen Heuaufguss controlirt.\nDer Tropfen mit den Infusorien wurde auf dem Objecttr\u00e4ger zwischen unpolarisirbare oder Platinelektroden gebracht.\nDie unpolarisirbaren Elektroden wandte ich in verschiedenen Modificatio-nen. Man legte dieselben an Leisten aus por\u00f6sem weissem Kaolin der sehr zweckm\u00e4ssigen V e r w 0 r n\u2019schen Kammer. Die Leisten waren 1,2 mm. hoch, der Abstand derselben betrug 10 mm.; zwischen ihnen bildete der Tropfen\n*) N\u00e4heres \u00fcber die Anwendung schleimig-colloidaler Medien, als einer neuen Methode f\u00fcr das Studium der Morphologie und der Biologie der Infusorien, habe ich in einer Sitzung der Zoologischen Abteilung der Ges. von Freunden d. Naturw., Anthrop., Geogr. u. Ethnogr. in Moskau, am 14 November 1902. mitgeteilt. Diese Mitteilung wird n\u00e4chstens gedruckt erscheinen. '","page":7},{"file":"p0008.txt","language":"de","ocr_de":"8\nHEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCUL\u00e4GE ETC,\nmit den Infusorien ein d\u00fcnnes Br\u00fcckchen; die Kammer konnte mit einem Deckgl\u00e4schen, dessen untere Fl\u00e4che den Tropfen nicht ber\u00fchrte, bedeckt werden.\nDie Beobachtung in einer solchen Kammer konnte nur mittels der Systeme AA und BB Zeiss vorgenommen werden; deshalb benutzte ich zu meinen Versuchen bei starker Vergr\u00f6sserung\u2014 Objectiv D\u2014folgende Elektroden: \u00fcber den plastischen Thon der Elektroden wurde ein 2\u20144-fach zusammengedrehter dicker oder d\u00fcnner Strickbaumwollenfaden, der je noch Bedarf mit Wasser von dem Heuinfusum oder physiologischer Kochsalzl\u00f6sung benetzt war, geh\u00e4ngt, und an demselben befestigt; dass freie d\u00fcnne Ende des Fadens war 2\u20142,5 ctm. lang. Der Faden darf nicht gar zu feucht sein, damit die Fl\u00fcssigkeit von dem freien Ende nicht abtropfe *). Die freien Enden solcher ThonfadeneleUroden wurden einander parallel quer \u00fcber den Objecttr\u00e4ger gew\u00f6hnlich auf solche Art gelegt, dass der Abstand zwischen denselben 5 mm. betrug (Fig. 1). In manchen F\u00e4llen war derselbe bis 14 mm. Indem man die L\u00e4nge der freien Enden ab\u00e4ndert, kann man den Elektroden auf dem Objecttr\u00e4ger die verschiedenartigsten Formen geben; zu den beschriebenen Versuchen benutzte ich aber ausschliesslich eine parallele Anordnung der F\u00e4den. Ein Tropfen von mehr oder weniger dicker Consistenz aus einem schleimigen oder collo\u00efdalen Medium l\u00e4sst sich leicht zwischen den Elektroden in einer schmalen d\u00fcnnen Schicht ausbreiten und mit einem Deckgl\u00e4schen von entsprechender Gr\u00f6sse bedecken. Die R\u00e4nder des Deckgl\u00e4schens liegen auf den genau abgeschnittenen Enden der F\u00e4den. Eine Anziehung des Tropfens seitens der F\u00e4den nach dieser oder jener Richtung infolge von Capillarit\u00e4t wird bei Benutzung von Fl\u00fcssigkeiten von gr\u00f6sserer Consistenz gew\u00f6hnlich nicht beobachtet; obiger Umstand ist eine l\u00e4stige Erscheinung bei Versuchen mit sehr fl\u00fcssigen Tropfen, welch letztere zu diesem Zwecke jedoch selten benutzt werden. Nichtsdestoweniger wird es durch Uebung m\u00f6glich sich der Fadenelektroden auch bei Versuchen mit Tropfen von gew\u00f6hnlichem Heuaufguss zu bedienen; es ist zwar schwer, doch erreichbar. Im Allgemeinen m\u00fcssen vor dem Experimentiren die freien Enden der F\u00e4den auf dem Objecttr\u00e4ger so angeordnet werden, dass auf diesem nur solche Abschnitte derselben zu liegen kommen, welche der Breite des Deckgl\u00e4schens entsprechen, w\u00e4hrend der \u00fcbrige Teil des Endes in verticaler Richtung in den mehrfach zusammengedrehten Teil des Fadens \u00fcbergeht (Fig. 1). Sollten die F\u00e4den zu viel Fl\u00fcssigkeit enthalten und an den Enden sich ein Tropfen zeigen, so ist dieser mittels kleiner Streifen Filtrirpapier vorsichtig zu entfernen; wenn aber infolge der Differenz in dem Feuchtigkeitsgrade der beiden F\u00e4den, der Tropfen von irgend einem der Elektroden angesogen wird, so muss mittels \u00e4hnlicher Streifen Filtrirpapier der Raum zwischen den Elektroden abgetrocknet, ein neuer Tropfen darauf gebrach* und dieser mit einem Deckgl\u00e4schen, je nach den Umst\u00e4nden, von specieller L\u00e4nge und Breite bedeckt werden. Tropfen aus schleimigen und colloi-dalen Medien lagern sich sehr gut zwischen diesen Thonfadenelektroden; solch einem Tropfen ist es m\u00f6glich die Gestalt eines sehr feinen Br\u00fcckchens zu ge-\n*) Schlingen von gut ausgewaschenem Baumwollenfaden benutzten hei der Untersuchung elektrischer Erscheinungen hei den Pflanzen A, Kunkel (18), T. Wiasemski (19) u. and.","page":8},{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLaG ETC.\n9\nben, welches die Elektroden verbindet und keinen Meniscus bildet, so dass man es, nach Wunsch, mit einem Deckglase auch nicht zu bedecken braucht. Solche Elektroden sind in den F\u00e4llen sehr zweckm\u00e4ssig, wenn, wie bei den gegenw\u00e4rtigen Versuchen, immer wieder frische Tropfen n\u00f6tig sind. Es ist sehr leicht den im Gebrauch gewesenen Tropfen mittels kleiner Streifen Fliesspapier zu entfernen und zwischen die Enden der F\u00e4den einen neuen zu bringen.\nThonfadenelektroden setzen dem Strom mehr Widerstand entgegen als die Thonfl\u00e4chen, deren K. Lu dl off (13, S.\n537\u2014538) sich bei seinen Versuchen bediente, lassen sich aber leichter handhaben. K. L U d 1 0 f f's Elektroden sind Fig- Unpolarisirbare Thonfadenelektroden. f\u00fcr den \u00f6fteren Wechsel des Tropfens wenig geeignet; da der Zwischenraum zwischen denselben leicht durch Thonpartikeln verunreinigt wird, so bedarf es sorgf\u00e4ltiger Reinigung des Objecttr\u00e4gers zwischen dem Thonfl\u00e4chen. Bei der Benutzung von Baumwollenf\u00e4den f\u00e4llt diese Schwierigkeit fort; die Elektroden k\u00f6nnen zugleich mit den F\u00e4den leicht beiseite geschoben und der Objecttr\u00e4ger einzeln abgewischt werden.\nSowohl die Thonfadenelektroden, als auch die schleimig colloidalen Medien setzen den Inductionsschl\u00e4gen einen bedeutenden Widerstand entgegen; deshalb eignen sich diese Elektroden nicht f\u00fcr alle Versuche; mittels derselben ist es immer nur m\u00f6glich gewesen sehr gut die Ver\u00e4nderungen in der Th\u00e4tig-keit der Wimpern unter der Einwirkung von Inductionsschl\u00e4gen zu beobachten, deren Intensit\u00e4t sogar bei vollst\u00e4ndigem Zusammenr\u00fccken der Rollen, die ich benutzte, zuweilen nicht gen\u00fcgte, um eine sch\u00e4rfer ausgepr\u00e4gte Reaction mancher Protisten auf die Reizung hervorzurufen. Aus diesem Grunde bediente ich mich in einigen F\u00e4llen der Platinelektroden, welche mittels Cana-dabalsam an dem Objecttr\u00e4ger befestigt wurden, und zwischen deren freien, parallelen, auf 5 mm. gegenseitig abstehenden R\u00e4ndern, sich ein schleimiger oder colloidaler Tropfen als feines Br\u00fcckchen lagerte, ohne dabei einen Meniscus zu bilden; die Breite der Elektroden betrug 8 mm.; der Tropfen konnte auch unbedeckt mittels des Systems D Zeiss beobachtet wrerden. Der Objecttr\u00e4ger mit den Platinelektroden wurde durch eine lange Platte aus gepresstem Kork isolirt, damit die mit der Leitung verbundenen Enden der Elektroden das Objecttischchen nicht ber\u00fchrten. In der Mitte der Korkplatte war eine Oeffnung f\u00fcr die Lichtstrahlen ausgeschnitten. Die Platindr\u00e4hte wurden mittels Kupferklemmen und Kupferdr\u00e4hten mit der secund\u00e4ren Spirale des Du B o i s-R e y m o n d\u2019schen Schlitteninductoriums verbunden. In den Kreis der secund\u00e4ren Rolle und der Elektroden wurde eine P o 1 Fsche Wippe eingeschaltet. Die prim\u00e4re Spirale war mit einem Accumulator von 2 \u2014 4 Volt verbunden; die einzelnen Schliessungs- und Oeffnungsschl\u00e4ge f\u00fchrte man mit der Hand mittels des Quecksilberschl\u00fcssels oder des von Herrn Prof.","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nI\nUEBER DIE WIRKUNG PER INDUCT]ONSSCHL\u00e4GE ETC.\nMorochowetz (20, S. \u00eees) erdachten Schl\u00fcssels aus; eine Eeihe von Unterbrechungen geschahen mit Hilfe des Unterbrechers von Heft; die Ver\u00e4nderungen der Lage, des Gewichts und des Winkels von dessen Pendel erm\u00f6glichen, wie bekannt, die Frequenz der Unterbrechungen leicht von 30\u2014 600 in 1' zu variiren (20, S. 211). Her von dem Mechaniker Gromoff f\u00fcr unser Institut construirte H e f fsehe Unterbrecher liefert, meiner Pr\u00fcfung nach, 10\u20143000 Unterbrechungen in der Minute.\nIII. Experimente.\nHie Wirkung der Inductionsschl\u00e4ge wurde an folgenden Ciliata ') studirt:\nA.\tAus der Ordnung Holotricha:\n1.\tParamaecium caudatum Ehrbg.\n2.\tParamaecium bursaria Ehrbg.\n3.\tLacrymaria olor O. F. M.\n4.\tColpidium colpoda Ehrbg.\n5.\tColpoda cuculus O. F. M.\n6.\tChilodon cucullulus O. F. M.\n7.\tOpalina ranarum Ehrbg.\n8.\tHolophrya Ehrbg.\nB.\tAus der Ordnung Hypotricha:\n1.\tStylonychia mytilus Ehrbg.\n2.\tOxytricha platystoraa Ehrbg.\n3.\tUronychia transfusa M\u00fcll.\n4.\tEuplotes charon M\u00fcll.\n5.\tHolosticha flava Cohn.\nC.\tAus der Ordnung Hetero tricha:\n1.\tHalteria grandinella O. F. M.\n2.\tBalantidium entozoon Ehrbg.\n3.\tNyctoterus cordiformis Stein.\n4.\tStentor polymorphic M\u00fcll.\nParamaecium caudatum.\nHie langsamen, aber normalen Bewegungen der Infusorien in schleimigen und colloidalen Medien gestatten es wahrzunehmen, dass bei der Reizung durch eine Reihenfolge von Inductionsschl\u00e4gen die Wimpern schneller und energischer nach dem Hinterende des K\u00f6rpers zu arbeiten anfangen, infolgedessen die Infusorien mit dem Vorderende sich nach der Kathode hin bewegen. Her Abstand der Spiralen wird experimentell derartig bestimmt, dass die Oeffnungsschl\u00e4ge eben erst anfangen auf die Paramaecien eine Wirkung auszu\u00fcben und sie gegen die Kathode zu richten. Her Schwellenwert betr\u00e4gt 17\u201416 ctm. Rollenabstand f\u00fcr Platinelektroden und 9\u20147 ctm. f\u00fcr Thonfadenelektroden (4 Volt).\nHie Richtung gegen die Kathode hin findet jedoch nur in Medien von ziemlich fl\u00fcssiger Consistenz statt, in denen die untersuchten Infusorien ziemlich rasch dem Blicke entschwinden, so dass es unm\u00f6glich ist, den Charakter der Bewegung ihrer Wimpern weiter zu beobachten; im Moment der\n*) Einige Infusorien wurden von Herrn W. Z y k o f f, Privat-Doc. f\u00fcr Zoologie und Specia-listen in der Biologie der Protisten, bestimmt, und balte icli es f\u00fcr eine angenehme Pflicht ihm hier meinen besten Dank auszusprechen.","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"LIEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00e4GE ETC.\n11\nSchliessung des Stromes befinden sich verschiedene Exemplare gew\u00f6hnlich in verschiedenen Lagen gegen die Richtung der einwirkenden Schl\u00e4ge. Nicht alle Paramaecien schwimmen sogleich der Kathode zu; sie fangen an, sich \u00fcberhaupt nach allen Richtungen hin zu bewegen, wobei nach kurzer Zeit die gr\u00f6sste Anzahl derselben mit ihrem Yorderende, infolge rascher auf einander folgender und energischerer Schl\u00e4ge der Wimpern nach hinten, sich der Kathode zuwendet. Die Beschreibung des Charakters der Bewegung der Wimpern bei den Infusorien in den verschiedenen Lagen dieser zu der Stromrichtung entspricht dem Zwecke unserer Arbeit nicht; diese Bewegungen werden in einer andern von meinen Arbeiten, die sich auf die Galvanotaxis bei den Protisten bezieht, beschrieben werden. Hier beschr\u00e4nke ich mich auf das Gesagte, um zu der Beschreibung des Einflusses st\u00e4rkerer Schl\u00e4ge \u00fcberzugehen.\nWenn man die Intensit\u00e4t der die Paramaecien zu dem Minus richtenden Oeffnungsschl\u00e4ge steigert indem man die Rollen einander bis auf 8\u2014 5 ctm. (16\u201415 ctm. f\u00fcr die Platinelektroden) n\u00e4hert, so findet am Hinteroder Anodenende des K\u00f6rpers der Paramaecien Verk\u00fcrzung und Verdickung statt; die K\u00f6rperform der ganzen Infusorie wird aus einer langgezogenen eine ovale, und am Anodenende erscheint der von Verworn beschriebene Zipfel.\nBei weiterer Verminderung des Rollenabstands (15,5\u201414 ctm. f\u00fcr Platinelektroden) tritt in der K\u00f6rperform des Tieres eine scharfe Ver\u00e4nderung und momentane Entleerung von Trichocysten nach verschiedenen Richtungen hin ein; es erscheinen Aussackungen, hyaline Blasen, das Ektoplasma zerplatzt, und das Endoplasma zerfliesst.\nSomit rufen Steigerung der Intensit\u00e4t und der Frequenz der Inductions-schl\u00e4ge nach einander folgende Erscheinungen hervor:\n1.\tErregung des Wimperapparats der Infusorien;\n2.\tZusammenziehung des K\u00f6rpers und, infolgedessen, Ver\u00e4nderung der Form desselben;\n3.\tEntleerung der Trichocysten an der ganzen K\u00f6rperoberfl\u00e4che, endlich\n4.\tZerst\u00f6rung des Protoplasma.\n1. Ver\u00e4nderungen in der Th\u00e4tigkeit des Wimperapparats.\nAlle Erscheinungen, die wir nach und nach bei der Zunahme der Stromintensit\u00e4t beobachtet haben, k\u00f6nnen bei der Reizung der Infusorien durch einzelne Inductionsschl\u00e4ge von verschiedener Intensit\u00e4t und Richtung in einfachere zerlegt werden.\nDie Consistenz des Mediums war eine etwas dichtere, als in den vorhergehenden Versuchen, die Bewegungen der Infusorien sehr verlangsamt, doch ganz normal, und die Bewegung der Wimpern deutlich zu sehen. Die St\u00e4rke des Schlages wurde so regulirt, dass nur der Oeffnungsschlag zu wirken begann, d. h. der Abstand der Rollen wurde nach und nach verringert; dieselben wurden einander so lange gen\u00e4hert, bis eine kaum wahrnehmbare Wirkung des Oeffnungsschlages erfolgte. Meinen Beobachtungen nach, wird ein","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLUGE ETC.\nsolcher Schlag bei einem Rollenabstand von 17,5\u201415 ctm. <) in Abh\u00e4ngigkeit von der Consistenz des Mediums und der Gr\u00f6sse des Tropfens erhalten. Der zwischen den Elektroden zu einer d\u00fcnnen Schicht ausgebreitete Tropfen wurde mittels des Oculars 4 und des Objectivs D Zeiss beobachtet. Unmittelbar vor der Reizung wurde eine sich frei in der Richtung eines parallelen oder senkrechten Stromes bewegende Paramaecie mittels des Objectivs AA gemessen; die weiteren Beobachtungen erfolgten mittels des Objectivs D.\nZahlreiche Beobachtungen \u00fcber den Einfluss einzelner Inductionsschl\u00e4ge auf die Bewegungen des Wimperapparats erm\u00f6glichten folgende Thatsachen festzustellen.\na.\tWird eine frei, aber sehr langsam vorw\u00e4rts schwimmende Infusorie durch einen einzigen Schlag so gereizt, dass deren Plus sich am Hinterende befindet, so ist sogleich nach der Schliessung eine scharfe Bewegung aller Wimpern nach vorn und ein pl\u00f6tzlicher Ruck oder eine rasche Bewegung des Infusoriums nach r\u00fcckw\u00e4rts wahrzunehmen, w\u00e4hrend alle Wimpern nach dem Vorderpol des K\u00f6rpers hin arbeiten; in fl\u00fcssigeren Medien entschwindet das Tier nach vorhergegangenem R\u00fcckw\u00e4rtsschnellen sofort dem Blick. Diese Welle eines momentanen Schlages der Wimpern von hinten nach vorn l\u00e4uft rasch \u00fcber die ganze Oberfl\u00e4che des K\u00f6rpers zu gleicher Zeit sowohl in der Anoden- als auch in der Kathodenh\u00e4lfte, erscheint aber zuweilen in der ersteren deutlicher ausgedr\u00fcckt. In den Schl\u00fcssen muss man sehr vorsichtig sein, da das Auge nicht immer die Wimpern des Vorder- und des Hinterendes der Infusorien zugleich beobachten und dieselben ganz deutlich sehen kann.\nDie Ver\u00e4nderungen im Rythmus oder in der Richtung, in welcher sich die Wimpern bewegen, sind gut zu sehen; es ist aber schwer zu bestimmen, welche davon energischer schlagen; unter dem Object. D nimmt die Paramaecie fast die H\u00e4lfte des Diameters des Gesichtsfeldes ein. In dickfl\u00fcssigen Medien kann man ganz deutlich sehen, dass die Ver\u00e4nderung in der Arbeit der Wimpern von hinten nach vorn bei einer Paramaecie, welche fr\u00fcher unter dem Einfl\u00fcsse des aufsteigenden Inductionssehlages vorw\u00e4rts geschwommen war, immer an dem anodischen Hinterende des K\u00f6rpers beginnt. Hier ist es eben, wro die Wimpern momentan nach vorn schlagen, und die Welle dieser neuen Bewegungsrichtung sich sogleich von hinten nach vorn verbreitet; wodurch das pl\u00f6tzliche Zur\u00fcckschnellen der Infusorie erfolgt. In Fl\u00fcssigkeiten von weniger dicker Consistenz ist diese Abschnellung nach r\u00fcckw\u00e4rts noch sch\u00e4rfer ausgepr\u00e4gt, und man sieht deutlich, dass sogleich nach dem Schlage alle Wimpern sich momentan nach vorn wenden und auf einen Augenblick dicht an den K\u00f6rper legen.\nIn manchen F\u00e4llen, von denen weiter unten die Rede sein wird, ruft ein aufsteigender Schlag einen energischeren Schlag der Wimpern nach hinten und eine sch\u00e4rfer ausgedr\u00fcckte pl\u00f6tzliche Bewegung nach vorn hervor.\nb.\tWenn das Plus des Oeffnungsschlages das Vorderende der Infusorie trifft, und diese sich in normaler Bewegung nach vorn befindet, so schlagen\n*) Einfacherer Darlegung halber werde ich im Weiteren den Rollenabstand nur f\u00fcr Platinelektroden anf\u00fchren.","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"HEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHlEgE ETC.\n13\nsogleich nach der Reizung durch den Oeffnungsschlag alle Wimpern pl\u00f6tzlich nach vorn; infolgedessen das Tier sogleich nach der Reizung leicht nach hinten schnellt. Die Gr\u00f6sse dieser momentanen R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung h\u00e4ngt von der St\u00e4rke des Reizes und von der Consistenz des Tropfens ab. In sehr fl\u00fcssigen Medien erfolgt ein sehr rascher Ruck nach hinten, und das Tier entschwindet dem Blicke nach mehr oder weniger langer R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung; in dickfl\u00fcssigeren L\u00f6sungen betr\u00e4gt diese Bewegung nur einen Teil der K\u00f6rperl\u00e4nge des Tieres. Nach diesem Rucke nach hinten folgt wieder ruhige Bewegung nach vorn. In F\u00e4llen von Reizung durch einen absteigenden In-ductionsschlag \u00f6ffnungs schlagen momentan alle Wimpern von hinten nach vorn und legen sich dicht an den K\u00f6rper; in dichteren Medien gelingt es zu beobachten, dass der Anfang dieser neuen Bewegung der Wimpern an dem vordem Anodenende beginnt, von wo die Contractionswelle sich schnell nach hinten verbreitet, wobei der Schlag der Anodenwimpern sch\u00e4rfer ausgedr\u00fcckt ist und energischer von statten geht. Die K\u00f6rperform bleibt, wie auch in den fr\u00fcheren Versuchen, unver\u00e4ndert.\nc. Zuweilen bleibt auch bei aufsteigender und absteigender Richtung des Stroms die Bewegung der Wimpern nach dem Vorderpol des K\u00f6rpers hin, namentlich bei Paramaecien, die sich in ziemlich consistenter L\u00f6sung befinden, eine Zeit lang an dem Vorderende des K\u00f6rpers, auch nach Aufhebung der Reizung, und die Paramaecie bewegt sich einige Zeit nach r\u00fcckw\u00e4rts; es ist, als wenn hier eine Nachwirkung der Reizung vorhanden w\u00e4re, resp. die Reizung eine Reihe von Schl\u00e4gen der Wimpern nach der entgegengesetzten Seite hervorgerufen h\u00e4tte. Wenn man jetzt vermittelst einer P o 1 l\u2019schen Wippe einen Schlag derartig aussendet, dass das Plus an dem Hinterende des K\u00f6rpers sich befinde, so schlagen augenblicklich alle Wimpern nach vorn, legen sich an den K\u00f6rper, und die Paramaecie schwimmt energisch r\u00fcckw\u00e4rts; diese energischeren Schl\u00e4ge der Wimpern nach vorn bei jedem neuen aufsteigenden Oeffnungsschlage werden nach dem 3-ten\u20144-ten Schlage pl\u00f6tzlich durch die Bewegung der Wimpern nach hinten ersetzt, und die Paramaecie schwimmt dann schnell nach vorn.\nWenn eine normal vorw\u00e4rts schwimmende Paramaecie alle 2 Secunden durch einzelne Inductionsschl\u00e4ge gereizt wird, so folgt auf jede Reizung ein Schlag der Wimpern nach vorn und ein Ruck der Infusorie nach hinten, und dann aufs neue Bewegung nach vorn; nach dem 3-ten oder 4-ten Schlage aber arbeiten die Wimpern schon l\u00e4ngere Zeit nach vorn, und die Paramaecie bewegt sich nach r\u00fcckw\u00e4rts.\nEin einzelner Oeffnungsschlag, sowohl ein aufsteigender als auch ein absteigender, bewirkt einen Schlag der Wimpern nach vorn oder verst\u00e4rkt denselben, welches die Bewegung des Tieres, nach vorw\u00e4rts oder r\u00fcckw\u00e4rts, auch gewesen sei; als Folge dieses Schlages entsteht ein unbedeutender Ruck der Infusorie nach hinten, welcher nur einen Moment dauert, wonach die Bewegung der Paramaecie und die Schnelligkeit der Ortsver\u00e4nderung ihren fr\u00fcheren Charakter annehmen. Diese R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung unter der Einwirkung eines einzelnen Inductionsschlages hatte auch E. R o e s 1 e (8) bemerkt; da er aber die Infusorien im Wasser beobachtete, so konnte er den Charakter","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"14\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTlONSSCHLaG\u00cb ETC.\nder Ver\u00e4nderung in der Th\u00e4tigkeit der Wimpern, welcher oben beschrieben wurde, nicht wahrnehmen.\nd.\tIn manchen F\u00e4llen sind die Reizschwellen f\u00fcr den aufsteigenden und den absteigenden Schlag verschieden. Diese Thatsache wurde in ganz letzter Zeit als eine gesetzm\u00e4ssige Erscheinung von E. R o e s 1 e beschrieben, obgleich mir dieselbe auf Grund eigner Beobachtung vor der Ver\u00f6ffentlichung von E. R o e s 1 e\u2019s Arbeit (8, S. u\u00f6) bekannt war. Hier kann ich nur dessen Satz best\u00e4tigen, dass die Reaction der Paramae-cien auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag, die sich durch eine deutlich wahrnehmbare R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung kundgiebt, bei dem absteigenden Schlage fr\u00fcher, als bei dem aufsteigenden, eintritt; wobei ich aber hinzuf\u00fcgen muss, dass dies nicht bei allen Paramaecien beobachtet wird. Ausserdem ist die Reaction selbst, wie die aus R o e s 1 e\u2019s Arbeit citirte Stelle (S. 4) zeigt, von ihm anders beschrieben worden. Die Reizschwelle ist im ersten Falle h\u00f6her, d. h. wenn die Anode auf den Vorderteil des K\u00f6rpers einwirkt, so tritt die Reaction bei schw\u00e4cheren Str\u00f6men, als bei der entgegengesetzten Richtung des Schlages ein; mit andern Worten, das Vorderende des K\u00f6rpers erscheint erregbarer. Doch ist der Schwellenwertunterschied gew\u00f6hnlich nicht so bedeutend, wie in E. R 0 e s 1 e\u2019s Protocoll angegeben ist; in seinen Versuchen war der Rollenabstand = 1 ctm., wogegen in den mei-nigen es zuweilen gen\u00fcgte die Rollen um 1 \u2014 2\u20143 mm. zusammenzur\u00fccken, damit bei einer und derselben langsam schwimmenden Paramaecie der aufsteigende Schlag eine Reaction hervorrufe; die Reizschwelle f\u00fcr den absteigenden Schlag begann, wie schon gesagt, bei 17\u201416 ctm. Abstand der Spiralen.\nDie Gesetzm\u00e4ssigkeit dieser Erscheinung wage ich auf Grund meiner Versuche nicht zu behaupten, da diese Thatsache nicht in allen F\u00e4llen, ohne Ausnahme, beobachtet wird.\nAls Beispiel will ich folgenden Versuch aus den Protocollen anf\u00fchren:\nTropfen Gummi - Tragacanth ziemlich dichter Consistenz; der 3-te Tag; die Bewegungen der Paramaecien sind sehr verlangsamt, aber frei; der K\u00f6rper ist normal gestreckt; das allgemeine Aussehen und die Th\u00e4tigkeit der Wimpern normal. Un-polisirbare Thonfadenelektroden, der Abstand der Spiralen = 8 ctm. 2 Paramaecien schwimmen einander entgegen. In der Lage Fig. 2 a\u2014b pressen sich nach einem Inductions\u00f6ffnungsschlage alle Wimpern bei beiden Infusorien in der Richtung nach dem Vorderende hin an den K\u00f6rper; die Paramaecien schnellen in entgegengesetzten Richtungen ab. Danach folgt das normale Spiel der Wimpern. Keine anderen Erscheinungen wurden dabei bemerkt.\ne.\tVersuche mit einer und derselben Infusorie zeigen, dass bei der Querlage derselben (Fig. 8c), d. h. wenn die L\u00e4ngsaxe des K\u00f6rpers senkrecht zu der Stromrichtung ist, zuweilen, aber wieder nicht immer, keine Ver\u00e4nderung in der Arbeit der Wimpern bei demselben Schlage bemerkt wird, welcher bei einer in der Richtung des Schlages oder ihm entgegen schwimmenden Infusorie eine Reaction hervorruft; auch bei der Lage des Tieres unter irgend einem Winkel zu der Richtung des Schlages wird kein merklicher Effect bei der gegeben St\u00e4rke des Schlages beobachtet. \u2014 F\u00fcr diese Lagen trat\nFig. 2, a\u2014b. Zwei in ent-gegengetzten Richtungen schwimmende Paramaecien; erstes Stadium der Reaction \u2014 Schlag der Wimpern nach vorn.","page":14},{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"HEBER DIE WIRKUNG DER iNDllCTIONSSCHL\u00e4GE ETC.\n15\ndie Reaction bei einem st\u00e4rkeren Schlage ein; die Rollen mussten wieder um einige mm. zusammenger\u00fcckt werden. Ein pl\u00f6tzlicher Schlag aller Wimpern nach vorn und, infolgedessen, ein leichter Ruck der Infusorie nach hinten konnten bei einer zu oder von dem Beobachter schwimmenden Paramaecie hervorgerufen werden; dasselbe wiederholte sich bei der Aenderung der Richtung des Schlages. Ich habe nicht bemerken k\u00f6nnen, wie das E. R o e s 1 e behauptet, dass die Reaction fr\u00fcher eintritt, wenn die Paramaecie mit dem Peristom der Anode zugewandt ist. Ein Schlag von einer und derselben St\u00e4rke rief immer eine Reaction von R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung hervor, gleichviel ob das Peristom von der Anode oder von der Kathode ber\u00fchrt wurde. Bei der Bewegung der Paramaecie unter einem Winkel zu der Stromrichtung trat die Reaction stets etwas fr\u00fcher in den F\u00e4llen ein, wenn das Vorderende derselben der Anode zu gewandt war. Die Lage des Peristoms spielte in diesen F\u00e4llen keine Rolle; wichtig war nur der Umstand, dass, wrenn die Anode selbst, das Hinterende des K\u00f6rpers ber\u00fchrte, wie auf Fig. 2b zu sehen ist, die Reaction schw\u00e4cher ausgedr\u00fcckt war als in der auf Fig. 2a dargestellten Lage, wenn der Schlag der Wimpern energischer war; d. h. in einigen F\u00e4llen war das Vorderende erregbarer bei der Reizung durch einen einzelnen Inductionsschlag auch bei einer schr\u00e4gen Lage der Paramaecie.\nSomit erregt ein einzelner Inductions\u00f6ffnungsschlag bei einem gewissen Minimum der Reizung nur den Wimperapparat der Paramaecien; die Reaction tritt immer zuerst in der Gegend der Anode ein, wo die Wimpern in der Richtung zum Vorderende hin schlagen; wonach momentan auch die \u00fcbrigen Wimpern wellenf\u00f6rmig \u00fcber den \u00fcbrigen Teil des K\u00f6rpers nach vorn schlagen, was eine R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung der Infusorien bedingt. Per Charakter der Ausl\u00f6sung dieser ersten Reaction f\u00fcr eine gegebene Reizschwelle bleibt f\u00fcr die verschiedenen Richtungen des Schlages, resp. die verschiedenen Lagen der L\u00e4ngsaxe des K\u00f6rpers gegen die Richtung des Schlages, unver\u00e4ndert.\n2. Contraction des E k t o p 1 a s m a.\nFolgende Resultate werden in einem schleimigen oder colloidalen Medium an Paramaecien erhalten, welche die Reaction der Ver\u00e4nderung der Bewegung auf einzelne Inductionsschl\u00e4ge bei 17\u201416 ctm. Abstand der se-cund\u00e4ren Spirale von der prim\u00e4ren geben. Die Anordung der Versuche und die Bedingungen, unter denen sie angestellt wurden, sind dieselben wie bei der Untersuchung der Reaction der Wimpern. Hier wird eine etwas bedeutendere St\u00e4rke des Schlages angewandt: zwischen 16,50\u201415,50\u201415,25 ctm. Rollenabstand. Bei einer solchen, etwas gesteigerten Intensit\u00e4t des Schwellenreizes beobachtet man folgende Erscheinungen:\na. Man w\u00e4hlt ein Individuum, welches mit dem Schlage parallel und in derselben Richtung schwimmt; d. h. die Wippe wird so eingestellt, dass die Anode dem Hinterende, die Kathode dem Vorderende zugewandt sei (Fig. 3a)\\ folglich ist die Richtung des Stromes eine von dem Hinter- zum Vorderende aufsteigende. Auf die L\u00e4ngsdurchstr\u00f6mung mit dem Oeffnungssclilage folgt sogleich","page":15},{"file":"p0016.txt","language":"de","ocr_de":"16\tUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHiAgE ETC.\neine ganz deutlich bemerkbare Zusammenziehung des Hinterendes des Ekto-plasma. Sie giebt sich durch eine ganz unbedeutende Gestaltver\u00e4nderung desselben kund, indem die stumpf-kegelf\u00f6rmige Form zu einer kugeligen wird, nach einige Augenblicken, die auf die Reizung folgen, aber wieder die fr\u00fchere annimmt. Man darf nicht vergessen, dass diese Erscheinung von der obenbeschriebenen unbedeutenden R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung oder, so zu sagen, von einem pl\u00f6tzlichen Stillstand begleitet ist, auf welchen wieder eine Bewegung nach vorn folgt.\nWenn man den Rollenabstand auf einige mm (bis 15,75) vermindert, so wird die Zusammenziehung an der Anode, d. h. die Ver\u00e4nderung der Form, noch bemerkbarer, w\u00e4hrend an der Kathode in diesem Augenblick noch keine Ver\u00e4nderung wahrzunehmen ist.\nBesonders deutlich ist die Anodencontraction bei der Reizung mit dem Oeffnungsschlage an Paramaecien zu bemerken, deren Einschliessungen und Nahrungs vacuolen mit Neutral rot gef\u00e4rbt sind. Die meisten dieser gef\u00e4rbten Theilchen befinden sich, wie bekannt, in der hinteren H\u00e4lfte des K\u00f6rpers und viele in dem Hinterende desselben. (Provazek, 21). Bei der Reizung eines Protisten in der beschriebenen Lage, d. h. wenn die Anode das Hinterende desselben trifft, durch einen Inductions\u00f6ffnungsschlag (bis 15,75 Rollenabstand) werden diese Einschliessungen oder gef\u00e4rbten Vacuolen augenblicklich nach dem Vorderende des Tieres hin gestossen, bewegen sich aber infolge der Form Ver\u00e4nderung des anodischen Hinterpols der Paramaecie nur auf eine kleine Strecke vorw\u00e4rts. Somit wird bei einer gewissen St\u00e4rke des aufsteigenden Inductions\u00f6ffhungsschlages Contraction der ektoplastischen Schicht beobachtet, infolgedessen am anodischen Hinterende eine unbedeutende Formver\u00e4nderung der Infusorie, sowie Vorw\u00e4rtsbewegung des Entoplasma stattfindet. Diese Erscheinung wiederholt sich stets und giebt niemals zu irgend welchen Zweifeln Veranlassung.\nb.\tWir suchen jetzt eine neue Paramaecie auf, deren L\u00e4ngsase sich wieder in der Stromrichtung befindet, die Anode aber auf das Vorderende des Protisten kommt, d. h. der Schlag eine absteigende Richtung, dem Hinterende des K\u00f6rpers zu, hat (Fig. 3e); die Paramaecie schwimmt der Anode entgegen. Sogleich nach dem Oeffnungsschlage erfolgt Zusammenziehung am Vorderende (a) also wieder dort, wo die Anode ist. Dass eine Zusammenziehung statt hat, kann aus zwei Erscheinungen geschlossen werden: aus der Formver\u00e4nderung des Vorderteils, dessen langgezogenes Ende sich abstumpft, und aus der R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung des Entoplasma, was besonders deutlich bei mit Neutralrot vital gef\u00e4rbten Paramaecien hervortritt.\nc.\tBei diesem Versuch wird folgender interessanter und wichtiger Umstand beobachtet. Die Zusammenziehung des Vorderendes ist bei \u00fcbrigens gleichen Bedingungen deutlicher als diejenige des Hinterendes ausgepr\u00e4gt, und geht die Reaction der Wimpern, deren Schlag nach vorn, energischer von statten, oder, mit andern Worten, wenn die Anode des Oeffnungsschlages am Hinterende nur eine kaum wahrnehmbare Formver\u00e4nderung bewirkt, ruft derselbe Schlag, bei dem gleichen Rollenabstand, aber bei der Inversion des Stromes einen energischen Schlag der Wimpern nach vorn und eine deutliche","page":16},{"file":"p0017.txt","language":"de","ocr_de":"UEB\u00cbR \u00ce)\u00cf\u00cb WIRKUNG D\u00cbR mD\u00dc\u00d4TIONS\u00a7\u00d4HLA.G\u00cb ETC.\nil\nContraction an dem neuen anodischen Vorderende, hervor. Um in diesem Falle eine kaum merkliche Zusammenziehung, resp. Gestaltver\u00e4nderung, des Vorderendes des K\u00f6rpers zu bewirken, muss man die secund\u00e4re Spirale von der prim\u00e4ren etwas fortr\u00fccken; wenn z. \u00df. am vordem Pol des K\u00f6rpers bei absteigender Richtung des Schlages die Reaction der Contraction bei 16 ctm. Rollenabstand begann, so ruft dieselbe St\u00e4rke des aufsteigenden Schlages nicht einmal Erscheinungen von Gestaltver\u00e4nderung am Hinterende hervor; ein merklicher Effect beginnt in diesem Falle erst bei der Verminderung des Rollenabstands um 2\u20148 mm. Wird jetzt der Versuch an einem und demselben Individuum fortgesetzt, so kann Folgendes wahrgenommen werden: die St\u00e4rke des aufsteigenden Oeffnungsschlages, welche am Hinterende kaum merkliche Zusammenziehung hervorgerufen hatte, bedingt bei absteigender Richtung des Schlages deutliche Gestaltver\u00e4nderung des Vorderendes. Nicht selten kann man in einem an Paramaecien reichen Tropfen solche 2 Exemplare beobachten, die dem Schlage parallel, doch in entgegengesetzten Richtungen schwimmen; wenn man einen Oeffnungsschlag bei 16 ctm.\nAbstand giebt, und die Paramaecien, einander entgegenkommend, sich begegnen und dann auseinander gehen, so kann man darin die Best\u00e4tigung des soeben Gesagten sehen. Bei der Paramaecie, die sich dem Strom ent gegen, d. h. bei absteigendem Schlage bewegt, wird eine sehr unbedeutende Gestaltver\u00e4nderung des Vorderendes beobachtet; w\u00e4hrend bei der zweiten, die in der Stromrichtung, d. h. bei aufsteigendem Schlage, schwimmt, noch keine merkliche Reaction in Bezug auf die Zu-sammenzieehuug wahrgenommen wer den kann. Die Wirkung eines einzelnen Inductionsschlages thut sich, wie schon beschrieben wurde, auch in der R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung kund; die einander entgegenschwimmenden Paramaecien gehen auseinander, kommen aber nach der Unterbre -chung der Reizung aufs neue so zusammen, dass ihre L\u00e4ngsaxen parallel und ihre Bewegungen entgegengesetzt sind; es ist mir gegl\u00fcckt einige solche F\u00e4lle zu beobachten, wo ich bei denselben zwei Exemplaren den Einfluss der Inversion des Stromes, d. h. wenn der Schlag demjenigen der soeben beschriebenen Versuche gerade entgegengesetzt war, beobachten konnte. In diesem Falle kam die Anode des Oeffnungsschlages auf das Hinterende der ersten und das Vorderende der zweiten Infusorie,\u2014die erste gab gar keine Reaction von Zusammenziehung, das Vorderende der zweiten dagegen ver\u00e4nderte seine Form. Solche Lagen sind jedoch bei den Infusorien h\u00f6chst selten anzutreffen; man muss sie mit Geduld aufsuchen. Oefter studirte ich den Einfluss der Inversion an Infusorien, die schon auseinander gegangen waren, und zwar an derjenigen von\n2\nFig. 3, u\u2014//. Schematische Abbildung des zweites Stadiums der Reaction der Paramaecien\u2014Contraction des Ektoplasma an der Anode\u2014in verschiedenen Lagen; die Stellen der Contraction\u2014a\u2014sind punktirt.","page":17},{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"18\nTJEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLRGE ETC.\nihnen, welche in der fr\u00fcheren Richtung zu schwimmen fortfuhr und auf den aufsteigenden Schlag keine Reaction gegeben hatte. Jetzt findet hei dem absteigenden Oeffnungssehlage Zusammenziehung des Yorderendes d. h. dort, wo sich die Anode befindet, statt. Es gen\u00fcgt aber die Reizung sehr wenig zu verst\u00e4rken, damit die Zusammenziehung sich stets sowohl am Vorder- als am Hinterende, wo sich die Anode befindet, bemerkbar mache.\nFolglich constatirt man auf Grund der beschriebenen Erscheinungen, dass das Vorderende der Paramaecien die F\u00e4higkeit besitzt sich bei einem weniger starken Schlage zusammenzuziehen, als das Hinterende, da, um eine derartige Reaction an diesem Ende zu erhalten, ein st\u00e4rkerer aufsteigender L\u00e4ngs\u00f6ffnungsschlag angewandt werden muss, als um ein solchen Effect am Vorderende bei dem absteigenden Oeffnungssehlage zu erhalten.\nAus den schon beschriebenen und vielen anderen Versuchen kann man den Schluss ziehen, dass die Richtung der Bewegung der Infusorien bei der L\u00e4ngsdurchstr\u00f6mung keinen Einfluss auf den Eintritt der Reaction der Zusammenziehung aus\u00fcht. Es ist gleichviel, wie sich der Protist bewegt, ob normal, mit dem Vorderende nach vorn, oder mit dem Hinterende nach r\u00fcckw\u00e4rts, in der Richtung des Schlages oder derselben entgegengesetzt, \u2014 sowohl bei dem aufsteigenden als bei dem absteigenden L\u00e4ngs\u00f6ffnungsschlage beginnt die Reaction der Zusammenziehung des Ektoplasma bei einer gewissen St\u00e4rke des Schlages immer an der Anode.\nd.\tEin st\u00e4rkerer aufsteigender Oeffnungssehlag (15,so\u201415,25 etm. Rollenabstand) bewirkt auch eine st\u00e4rkere Contraction des Hinterendes; das Gebiet derselben wird gr\u00f6sser und die Contraction selbst energischer; ein Schlag von derselben St\u00e4rke, aber in absteigender Richtung bewirkt eine momentane energische Contraction des anodischen Vorderendes, die schon von neuen Erscheinungen begleitet wird, welche wir weiter unten beschreiben. An manchen Exemplaren gelingt es, eine \u2018solche St\u00e4rke des Schlages zu w\u00e4hlen, welche bei aufsteigender Richtung eine bedeutende Zusammenziehung des Hinterendes und nur eine kaum merkliche Ver\u00e4nderung der Form des Vorderendes hervorruft. Oefter ist jedoch zu einer solchen Verbreitung der Reizung auf das kathodische Vorderende eine solche Intensit\u00e4t des Schlages notwendig, welche auf dem anodischen Hinterende schon complicirtere Erscheinungen hervorruft. Zu diesen Erscheinungen\u2014der Verbreitung des Zusammenziehung auch auf das Kathodenende,\u2014werde ich sp\u00e4ter zur\u00fcckkommen.\ne.\tIch gehe nun zu der Beschreibung der Reaction des Ektoplasma auf Inductionsschl\u00e4ge bei der Durchstr\u00f6mung der Infusorie in der Querlage oder unter einem spitzen Winkel \u00fcber. Bei der Querdurchstr\u00f6mung einer Para-maecie mit dem Oeffnungssehlage, beobachtet man (bei ungef\u00e4hr 15,so ctm. Rollenabstand) Zusammenziehung des K\u00f6rpers der Infusorie noch immer an der Anodenseite; diese Zusammenziehung thut sich durch eine leichte Form-ver\u00e4nderung des K\u00f6rpers an dessen Seitenfl\u00e4che kund; ungef\u00e4hr in der Mitte dieser nach aussen convexen Oberfl\u00e4che zeigt sich entweder eine momentane unbedeutende Abplattung oder sogar eine leichte Einbuchtung (Fig. 3cu.^\u2014a), welche sich sogleich wieder ausgleicht; nach einige Augenblicken nimmt die zur Anode hin gelegene Seitenfl\u00e4che ihr fr\u00fchere, normale Gestalt an, und die In-","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcEB\u00cbR DIE WIRKUNG DER iNDUCTlONSSCHLaGE ET\u00d6.\n19\nfusorie, die einen leichten Ruck nach r\u00fcckw\u00e4rts erhalten hatte, schwimmt wieder nach vorw\u00e4rts, \u00f6fters schneller und in irgend einer andern Richtung, fort. Diese Contraction an der anodischen Seitenfl\u00e4che bei der Querdurchstr\u00f6mung erfolgt best\u00e4ndig, unabh\u00e4ngig von der Richtung der Bewegung des Protisten in dem Tropfen, von dem Beobachter ab oder diesem zu, und von dem Charakter der Bewegung nach vorn oder nach hinten.\nWenn die Bewegungsrichtung der Infusorie mit der Stromrichtung irgend einen Winkel bildet, so macht sich die Reaction der Zusammenziehung, wie aus der Abbildung (Fig. 3 b, d, f\\ h\u2014a) zu ersehen ist, verschiedenartig bei den verschiedenen Richtungen des Tieres hinsichtlich der Pole der Schl\u00e4ge k\u00fcndbar. Im Interesse der K\u00fcrze meiner Darlegung will ich mich nur bei den F\u00e4llen aufhalten, wenn die Bewegungsrichtung des Protisten und die Richtung des Schlages einen Winkel von 45\u00b0 bilden. Liegt das Vorderende (Fig. 3 b u. h) der Kathode n\u00e4her, so erscheint sogleich nach der Einwirkung des Oeffnungsschlages eine leichte Abplattung oder unbedeutende Einbuchtung des Ektoplasraa an der Anodenh\u00e4lfte des K\u00f6rpers, n\u00e4her dem Hinterende desselben (a); bei der Inversion des Stromes, d. h. wenn das Vorderende mehr der Anode gen\u00e4hert ist, wird eine eben solche Zusammenziehung des Ekto-plasma an der n\u00e4her dem Vorderende gelegenen Seite beobachtet (Fig. 3 d u. f). Andere m\u00f6gliche Lagen sind auf Fig. 5 dargestellt. Auf Fig. 5 m, n, o, p schwimmt die Infusorie vorw\u00e4rts, und 'ihr Vorderende ist mehr der Anode gen\u00e4hert; bei der Einwirkung des Oeffnungsschlages macht sich die Formver\u00e4nderung in der Vorderh\u00e4lfte des K\u00f6rpers, d. h. an der der Anode zun\u00e4chst gelegenen Stelle bemerkbar; bei der Inversion dagegen beobachtet man dasselbe an der Hinterh\u00e4lfte des K\u00f6rpers, wo die Anode sich jetzt befindet (i, k, /, q).\nDiese Erscheinungen von Einbuchtung oder, richtiger gesagt, Abplattung des Ektoplasma an den lateralen, postlateralen und antelateralen Teilen des K\u00f6rpers der Tiere lassen sich gut bei den soeben beschriebenen Versuchen, beobachten, werden aber noch besser bei Infusorien, die mit Neutralrot vital gef\u00e4rbt sind, constatirt; die Ortsver\u00e4nderung der gef\u00e4rbten Einschliessungen und Nahrungsvacuolen an bestimmten Stellen und in gewissen Richtungen zeugt von dem localen Druck des contrahirten Ektoplasma auf dieselben.\nSomit bewirkt ein Oeffnungsschlag bei einer queren oder schr\u00e4gen Strom-richtung stets Contraction des Ektoplasma der Paramaecie an der Seite, die gegen die Anode gerichtet ist; wobei die Stelle der Contraction sich gegen das Vorder- oder Hinterende des K\u00f6rpers hinschiebt, in Abh\u00e4ngigkeit davon, welches Ende der Anode des Oeffnungsschlages n\u00e4her liegt.\nDie Richtung der Bewegung der Infusorien vor der Reizung, vorw\u00e4rts oder r\u00fcckw\u00e4rts, \u00fcbt auf die Erscheinung der Reaction des Zusammenziehung sowie auf deren Localisation keinen Einfluss aus.\nAuf Grund aller in diesem Kapitel dargelegten Experimente darf man sagen, dass ein einzelner Inductions\u00f6ffnungssd\u00fcag, der eine gewisse Inten-\n2*","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dc\u00c9B\u00cbR Bit! \u00c8INWIRUNG D\u00cbR iND\u00d9CT\u00ceOSSCHLaG\u00cb \u00c8tC.\nsit\u00f4t erreicht hat, den Eintritt einer meiden Reaction\u2014d. h. die locale Contraction des EJdoplasma der Baramaecien\u2014bedingt; diese Contraction ist bei jeder Richtung eines Schlages von gewisser Intensit\u00e4t streng localisirt und mar stets an der Anodenseite, an der der Anode zun\u00e4chst liegenden Stelle des EJdoplasma, unabh\u00e4ngig von der Bewegungsrichtung der Infusorie nach vorn oder r\u00fcckw\u00e4rts. Der Grad der Contraction h\u00e4ngt unmittelbar von der Intensit\u00e4t des Reizes ab.\nB. Entleerung des Inhalts der Trichocysten.\nEine weitere Verst\u00e4rkung der Heizung, durch das Zusammenr\u00fccken der Rollen ruft wieder eine neue Erscheinung hervor, welche die Contraction des Anodenendes des K\u00f6rpers begleitet. Der Effect der Einwirkung eines Schlages von dieser Intensit\u00e4t besteht in der Entleerung der Trichocysten. Diese Erscheinung wird bei einem Rollenabstand von circa 15,5\u201415,o ctm. erhalten.\na.\tWir legen die Wippe derartig, dass der Oeffnungsschlag die Paramae-cie in absteigender Richtung, folglich wenn dieselbe mit ihrem Vorderende der Anode zuschwimmt, durchstr\u00f6me. Sogleich nach der Oeffnung des Stromes erfolgt augenblickliche energische Zusammenziehung des ganzen Vorderendes des K\u00f6rpers und heftige Ausschnellung des Inhalts der Trichocysten, wobei die anmutige Figur eines aus \u00e4usserst feinen structurlosen geraden Nadeln bestehenden Wedels gebildet wird (Fig. 4 e). Die Paramaecie bekommt einen Ruck nach hinten, worauf aufs neue Vorw\u00e4rtsbewegung erfolgt; das Vorderende hat seine fr\u00fchere normale Gestalt noch nicht angenommen, doch in sehr kurzer Zeit erh\u00e4lt es unter den Augen seine anf\u00e4ngliche Form wieder.\nb.\tAuf die L\u00e4ngsdurchstr\u00f6mung einer nach vorn schwimmenden Paramaecie in aufsteigenden Richtung, d. h. wenn die Anode auf das Hinterende kommt, folgt Contraction dieses Endes und Entleerung der Trichocysten (Fig. 4 a). Die Erscheinung tritt zuweilen erst bei etwas st\u00e4rkeren Str\u00f6men, als es der absteigende Schlag ist, deutlich ein; gew\u00f6hnlich aber erfolgt die Entleerung der Trichocysten in dieser K\u00f6rpergegend bei einer und derselben Stromst\u00e4rke. Der Anfang der Reaction besteht in der Ausschnellung des Inhalts der Trichocysten in Gestalt eines Wedelchens; bei einem kr\u00e4ftigeren Schlage wird eine an einen Malerpinsel aus sehr feinen N\u00e4delchen erinnernde Figur gebildet, und kann h\u00e4ufig zugleich auch Zusammenziehung des Vorderendes, aber ohue Entleerung der Trichocysten beobachtet werden; dasselbe wird nur etwas stumpfer. Folglich wird bei einer gewissen Verst\u00e4rkung des aufsteigenden Inductions\u00f6ffnungsschlages energische Zusammenziehung an der Anode beobachtet, welche von Entleerung der Trichocysten und unbedeutender Zusammenziehung an der Kathode begleitet ist. Einige Augenblicke nach der Einwirkung des Schlages nimmt die Paramaecie ihre anf\u00e4ngliche Gestalt wieder an und schwimmt unbehindert umher. Das Aussehen derselben ist unver\u00e4ndert und die Th\u00e4tigkeit der Wimpern eine normale.","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE EINWIRKUNG DER lNDUCTlONSSCHL\u00e2GE ETC.\n21\nDie Contraction des Hinterendes bei aufsteigender L\u00e4ngsdurchstr\u00f6mung ist von einer Bewegung und Extension aller Wimpern etwas nach vorn begleitet, worauf ein starker Schlag derselben nach hinten und schnelles Anpressen an die Oberfl\u00e4che des K\u00f6rpers folgt; dadurch erkl\u00e4rt es sich, dass die Infusorie auf einen Augenblick stehen bleibt und dann pl\u00f6tzlich vorw\u00e4rts schnellt.\nc. Sehr interessant sind die Erscheinungen bei der Querdurchstr\u00f6mung oder schr\u00e4gen Richtung des Schlages, d. h. wenn die Paramaecie senkrecht oder unter einem spitzen Winkel zu der Richtung des Schlages, schwimmt. Bei diesen Versuchen werden wunderh\u00fcbsche Erscheinungen beobachtet. Dieselben treten beinahe bei derselben Intensit\u00e4t des Schlages ein, welche die Infusorien bei aufsteigendem Strom ein ganzes B\u00fcndel Nadeln aus den Tricho-cysten zu entleeren zwingen. Bei der Querdurchstr\u00f6mung einer senkrecht zum Strom befindlichen Paramaecie, beobachtet man an der anodischen Seitenfl\u00e4che pl\u00f6tzliche Contraction (Fig. 4 c) und Auschnellung einer sehr kleinen Anzahl kurzer nadelf\u00f6rmiger Gebilde, deren L\u00e4nge in diesem Falle nur V4 \u2014 V3 der K\u00f6rperbreite der Paramaecie betr\u00e4gt; die Anordnung derselben ist eine sehr charakteristische, in Gestalt kurzer nach allen Seiten hin auseinander -gehender St\u00e4bchen, 10\u201420 an der Zahl. Zuweilen gelingt es nur, eine ganz geringe Anzahl, 5\u20148, parallel sich in einer Ebene befindlicher Nadeln zu erhalten, die aus der Aequatorialzone entleert sind. Wenn die Anode bei demselben Individuum sich an der andern Seite befindet, so wird auch dort bei vollkommen senkrechter Lage der Paramaecie eine anologe Entleerung von Trichocysten beobachtet. Die Bewegung der Infusorie nach vorn oder r\u00fcckw\u00e4rts, dem Beobachter entgegen oder von ihm fort, \u00e4ndert weder an dem Eintritt der Erscheinung noch an dem Charakter der Entleerung der Trichocysten das Geringste; der Anfangsmoment der Erscheinung besteht immer in der Entleerung der Trichocysten an der anodischen Seitenfl\u00e4che, normal zu der K\u00f6rper ober fl\u00e4che.\nBei der Verminderung des Rollenabstands um 2\u20143 mm., d. h. bei der Verst\u00e4rkung der Reizung, wird zugleich mit der schon fr\u00fcher beschriebenen Abplattung der Seitenfl\u00e4che auch noch eine Ver\u00e4nderung in der Entleerung der Trichocysten beobachtet. Die Paramaecie schwimmt genau in der Querrichtung; auf einen Inductions\u00f6ffnungsschlag von gewisser St\u00e4rke folgt merkliche Contraction der anodischen Seitenfl\u00e4che; letztere wird concav, das Protoplasma wird gegen die andere Seite hin, deren Convexit\u00e4t zunimmt, fort-gedr\u00e4ngt, und der K\u00f6rper bekommt eine merklich halbmondf\u00f6rmige Gestalt; der Moment dieser Abstossung des Protoplasma gegen die kathodische Seitenfl\u00e4che l\u00e4sst sich leicht an mit Neutralrot gef\u00e4rbten Paramaecien beobachten. Zu gleicher Zeit wird auch der Inhalt der Trichocysten entleert: es erfolgt j\u00e4he Adsstossung einer grossen Anzahl von F\u00e4den an der ganzen anodischen Seitenfl\u00e4che. Die herausgeschnellten F\u00e4den bilden fast immer beinahe eine und dieselbe strahlenf\u00f6rmige Figur; die kathodische Seite der Basis derselben beschreibt stets eine nach der Anode hin etwras concave, folglich eine nach dem K\u00f6rper der Infusorie zu convexe, von den Enden der entleerten F\u00e4den be-zeichnete Linie; die andern, freien Euden dieser Nadeln sind gegen die Anode hin","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"22\nUEBER DIE EINWIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00e2GE ETC.\ngerichtet; die Nadeln selbst sind von verschiedener Gr\u00f6sse: die Mitte der Figur (Fig. 4 g) wird aus kurzen, fast parallelen gebildet; nach der Peripherie hin verl\u00e4ngern sich dieselben jedoch allm\u00e4lig und gehen immer weiter auseinander, so dass schliesslich eine strahlenf\u00f6rmige Figur mit nach aussen auseinandergehenden Strahlen entsteht. Die Nadeln werden nur aus der H\u00e4lfte der Meridionalzone herausgeschnellt und liegen fast alle in einer Ebene.\nWird jetzt das Plus eines invertirten Inductions\u00f6ffnungsschlages von gleicher Intensit\u00e4t gegen eine andere in derselben Richtung schwimmende Infusorie gerichtet, so macht sich an der Anodenseite wieder starke Contraction bemerkbar; das Tier nimmt eine halbmondf\u00f6rmige Gestalt an, die Concavit\u00e4t der Anode zugewandt \u2014 und zugleich erfolgt Ausstellung des Inhalts der Trichocysten und zwar stets unter Bildung der soeben beschriebenen strahlenf\u00f6rmigen Figur. Der Stillstand des Tieres, die starke Form Ver\u00e4nderung desselben, die Ausstellung der Trichocysten und darauffolgende rasche Bewegung nach vorw\u00e4rts, alles dies h\u00e4ngt nicht von dem Charakter der Bewegung der Paramaecie\u2014vorw\u00e4rts oder r\u00fcckw\u00e4rts, dem Beobachter zu oder von ihm fort\u2014noch von der Lage des Peristoms ab.\nDer Process der Entleerung der Trichocysten kann an Paramaecien in schleimigen und colloidalen Medien von verschiedener Consistenz beobachtet werden; am besten aber l\u00e4sst sich diese Erscheinung in verh\u00e4ltniss-m\u00e4ssig d\u00fcnnfl\u00fcssigen Medien, in denen die Bewegungen der Infusorien nur wenig verlangsamt sind, was eine notwendige Bedingung einer genaueren Beobachtung der Form Ver\u00e4nderung der K\u00f6rpers derselben ist, studiren. Dieser Formver\u00e4nderung und Entleerung der Trichocysten geht ein pl\u00f6tzlicher Stillstand voraus, resp. begleitet dieselben, wonach eine j\u00e4he Bewegung nach vorw\u00e4rts erfolgt, der der Blick in einem sehr d\u00fcnnfl\u00fcssigen Medium kaum, in gew\u00f6hnlichem Heuinfusum garnicht zu folgen im Stande ist. Bei einer solchen Intensit\u00e4t des Schlages findet stets Wiederherstellung der Form des Tieres statt, so dass nach sehr kurzer Zeit dieselbe sich in nichts von der normalen unterscheidet. Der Moment der Aus-schnellung der Trichocysten aus dem K\u00f6rper, den ein ge\u00fcbtes Auge zuweilen wahrnimmt, l\u00e4sst sich am besten in schleimigen und colloidalen Medien von mittlerer Consistenz beobachten, wobei die von den ausgeschnellten Nadeln gebildete Figur deutlicher erscheint. Sehr dickfl\u00fcssige Medien, die f\u00fcr die Beobachtung der Wimpern geeigneter sind, eignen sich f\u00fcr diese Versuche nicht.\nFig. 4, a \u2014 h. Schematische Abbildung des dritten Stadiums der Reaction bei den Paramaecien\u2014Hinausschleudern homogener Nadeln aus den Trichocysten an dem Anodenseite in den verschiedenen Lagen; Ver\u00e4nderung der K\u00f6rperform durch eine punktirte Linie bezeichnet.","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHl\u00e4GE ETC\n28\nd. Eiu noch gr\u00f6sseres Interesse bieten die Erscheinungen der Entleerung der Trichocysten bei einer schr\u00e4gen Lage der Paramaecien zur Richtung des Inductions\u00f6ffnungsschlages. Es gen\u00fcgt, dass die Paramaecie sich ein wenig auf solche Weise wende, dass ihre L\u00e4ngsaxe mit der Schlagrichtung irgend einen Winkel bildet, damit die soeben beschriebene Figur durch andere Figuren ersetzt werde, die, wie besonders hervorzuheben ist, stets eine und dieselbe Gestalt haben. Diese zeichnet sich durch auffallende Best\u00e4ndigkeit aus, und es kann immer vorausgesagt werden, was f\u00fcr eine Figur die herausgeschnellten F\u00e4den bei einer gegebenen Lage der Infusorie und einer gegebenen Intensit\u00e4t des Schlages bilden werden.\nBei einem Bollenabstand von 15,s\u201414,5 ctm. ruft der Inductions\u00f6ffnungs-schlag folgende Erscheinungen hervor. Die L\u00e4ngsaxe der Paramaecie bildet mit der Stromrichtung einen Winkel von 45\u00b0; dabei m\u00fcssen in der Lage der Infusorie in Bezug auf die Richtung des Schlages 4 F\u00e4lle unterschieden werden:\na) Die Infusorie schwimmt mit ihrem Vorderende nach oben und links *); das Plus des Oeffnungsschlages befindet sich links, n\u00e4her zur Vorderh\u00e4lfte des K\u00f6rpers (Fig. 4 f). Sogleich nach dem Oeffnungsschlage erfolgt merkliche Contraction an der anodischen Seite, in der Gegend der Vorderlateralseite, und pl\u00f6tzliche Ausschnellung der Nadeln aus den Trichocysten; dieselben werden nach der Anode hin, nach vorn und links in Bezug auf die vordere K\u00f6rperh\u00e4lfte ausgestossen; sie sind, einander fast parallel, mit ihrer Kr\u00fcmmung der Anode zugevvandt (Fig. 4 f). Nach einem \u00e4usserst kurzen Stillstand, w\u00e4hrend dem die Entleerung der Trichocysten statt gefunden hat, nimmt die Paramaecie ihre normale Gestalt wieder an und schwimmt, die ausgeworfenen F\u00e4den zur\u00fccklassend, rasch nach vorw\u00e4rts.\nKommt bei derselben Richtung der Bewegung der Infusorie das Plus des Inductions\u00f6ffnungsschlages von rechts, d. h. n\u00e4her zu der Hinterh\u00e4lfte des Tieres, so l\u00f6st sich die Wirkung desselben, wie in allen diesen F\u00e4llen (weshalb ich K\u00fcrze halber in den folgenden F\u00e4llen dessen nicht erw\u00e4hnen werde) durch Contraction der hinterlateralen Gegend an der Anode und Entleerung der Trichocysten aus dieser Gegend aus; wobei eine aus parallelen, nach aussen und hinten gerichteten Nadeln gebildete Figur entsteht.\n3) Die Paramaecie schwimmt mit ihrem Vorderende nach oben und rechts; das Plus des Oeffnungsschlages ist links, n\u00e4her zu der hinterlateralen Gegend der K\u00f6rperoberfl\u00e4che. Der Inhalt der Trichocysten ist an der Anodenseite aus der hinterlateralen K\u00f6rpergegend entleert, die Nadeln liegen einander parallel, nach der Anode hin etwas gekr\u00fcmmt, und sind von der linken K\u00f6rperseite nach aussen und hinten ausgestossen (Fig. 4 h),\nBei der Ver\u00e4nderung der Richtung des Schlages befindet sich das Plus rechts; die Stelle des Stromeintritts ist die vorderlaterale Fl\u00e4che. Die Nadeln sind von hier aus an der anodischen Seite des K\u00f6rpers, nach rechts und vorn hinsichtlich des Vorderendes der Infusorie entleert.\ny) Die Infusorie schwimmt, normal mit den Wimpern arbeitend, nach\n4) Nach oben\u2014von dem Beobachter fort, nach unten\u2014dem Beobachter zu.","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\nUEBER DIE WIRKUNC DER INDUCTI ONSSCHL\u00e4GE ETC.\nrechts und nach unten. Das Plus des Oeffnungsschlages befindet sich links, n\u00e4her zu der hinterlateralen Gegend der K\u00f6rperoberfl\u00e4che. Sogleich nach dem Oeffnungsschlage erfolgt j\u00e4he Ausschnellung des Trichocysteninhalts an der anodischen Seite in der hinterlateralen Gegend, die Nadeln sind hinsichtlich der Hinterh\u00e4lfte des K\u00f6rpers nach aussen und hinten gerichtet (Fig. 4 b).\nDie Richtung des Schlages ist ver\u00e4ndert; die Richtung, in welcher die Infusorie sich bewegt, die fr\u00fchere; folglich kommt jetzt das Plus des Schlages von rechts auf die vorderlaterale Fl\u00e4che des K\u00f6rpers. Der Induetions\u00f6ff-nungsschlag bewirkt Entleerung der Trichocysten aus der anodischen Seite der vorderlateralen Fl\u00e4che des Tieres. Die zur Anode etwas gekr\u00fcmmten F\u00e4den sind hinsichtlich der Vorderh\u00e4lfte des K\u00f6rpers nach aussen und nach vorn entleert.\no) Der letzte Fall. Die Bewegungsrichtung der Infusorie ist von oben nach unten, von links nach rechts. Das Pius des Oeffnungsschlages befindet sich links, in der Gegend der vorderlateralen Fl\u00e4che des K\u00f6rpers. Der Oeff-nungsschlag bewirkt Contraction des Ektoplasma und j\u00e4hes Hinauswerfen des Inhalts der Trichocysten an der anodischen Seite der vorderlateralen Oberfl\u00e4che der Paramaecie. Die Nadeln werden nach links, nach aussen und vorn hinsichtlich der Vorderh\u00e4lfte des K\u00f6rpers (Fig. 4 d) hinausgeworfenen.\nDie Bewegungsrichtung der Paramaecie ist die fr\u00fchere; das Plus des Oeffnungsschlages\u2014rechts; die Eintrittsstelle des Schlages die hinterlaterale Fl\u00e4che. Sogleich auf den Oeffnungsschlag folgt Ausscheidung von j\u00e4h ausgepressten Nadeln an der anodischen Seite des hinterlateralen Teils des K\u00f6rpers; diese Nadeln sind nach aussen und hinten gerichtet.\ne. In allen beschriebenen Lagen werden die Trichocysten, wie aus den Abbildungen (Fig. 4 b, d, h, f) ersichtlich ist, an der Seitenfl\u00e4che der Vorder- oder Hinterh\u00e4lfte des K\u00f6rpers entleert; in den Aequatorial- und Polgegenden fehlt es ganz an Nadeln. Das Bild der Verteilung der Nadeln, resp. der Gegenden, in denen die Trichocysten ihren Inhalt hinauswerfen, ver\u00e4ndert sich mit der Ver\u00e4nderung der Lage der L\u00e4ngsaxe der Infusorie in Bezug auf die Richtung des Schlages, und zwar: wenn die L\u00e4ngsaxe sich der Querrichtung n\u00e4hert, beginnt die von den ausgeworfenen Nadeln gebildete Figur derjenigen \u00e4hnlicher zu werden, welche bei dem zur Bewegungsrichtung des Tieres senkrechten Schlage erhalten wird. In der in Fig. 5 (l m} p, q) dargestellten Lage der Infusorie haben an der dem Plus des Oeffnungsschlages zu-gewTandten Seite Trichocysten sich nicht nur an dem hinterlateralen sondern auch an dem aequatorialen Teile der Oberfl\u00e4che entleert. Dasselbe wird auch beobachtet, wenn das Plus des Oeffnungsschlages sich rechts befindet; der Unterschied besteht nur darin, dass an der Hinterh\u00e4lfte dieselben, wie immer, nach aussen und hinten, an der Vorderh\u00e4lfte dagegen nach aussen und vorn entleert sind. Hier sind die 4 Combinationen von F\u00e4llen, von denen soeben die Rede gewesen ist, m\u00f6glich. Aus Fig. 5 ersieht man leicht die Lage der Nadeln in Bezug auf das Plus des Schlages und die K\u00f6rperoberfl\u00e4che des Tieres. Der Charakter der Figur bleibt sich immer gleich\u2014es kommen Nadeln aus der Aequatorialgegend zu, und die dabei erhaltene Figur wird dadurch der bei der Querlage der Infusorie entstehenden \u00e4hnlich.","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"TJEBER DIE WIRKUNG DER INDICTIONSSCHLACE ETC.\n25\nDie L\u00e4ngsaxe der Paramaecie kann gegen die Richtungslinie des Schlages eine noch geneigtere Lage annehmen, und dann sind wieder 4 Gruppen von F\u00e4llen in den neuen Richtungsbewegungen der Infusorie m\u00f6glich.\nDie Gegend, aus welcher die Tri-chocysten entleert werden, r\u00fcckt jetzt mehr dem Vorder- oder Hinterende des K\u00f6rpers zu, in Abh\u00e4ngigkeit davon, wo das Plus des Oeffnungs-schlages sich befindet, und in der Figur gewahrt man auch schon Nadeln, die sich aus dem Vorder- oder dem Hinterende des K\u00f6rpers ausgeschieden haben. Die diesbez\u00fcglichen Abbildungen eikl\u00e4ren das soeben Gesagte.\nf Bei fernerer Steigerung der Intensit\u00e4t des Schlages bleibt der Charakter der Reaction der Paramaecien auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungs-schlag derselbe, doch vergr\u00f6\u00dfert sich das Wirkungsfeld dieses Schlages. Es wurde darauf schon hingewiesen, dass bei einer gewissen Intensit\u00e4t des Schlages (f\u00fcr Medien von mitilerer Consistenz bei 14,5 Rollenabstand) die Contraction des Ektoplasma an der anodischen Hinterh\u00e4lfte des K\u00f6rpers zuweilen auch von Contraction des kathodischen Vorderendes der Infusorie begleitet ist (Fig. 5 k, o); dabei erfolgt h\u00e4utig am anodischen Ende auch Hinauswerfen des Inhalts der Trichocysten. Wird der Rollenabstand noch um einige mm. vermindert, so bewirkt der aufsteigende Oeffnungsschlag rasche, energische, gleichzeitige Contraction in der Gegend der hinteren (eine kr\u00e4ftigere) und der vorderen K\u00f6rperh\u00e4lfte, die von Hinauswerfen von Nadeln aus beiden Enden begleitet ist; dabei beobachtet man den fr\u00fcher beschriebenen Schlag der Wimpern nach vorn; eine leichte Abstumpfung des Vorder- und Hinterendes verschwindet sogleich, und das Tier schwimmt in einer neuen Richtung fort, nachdem es seine normale Gestalt wieder angenommen hat. Wenn die Bewegungsrichtung der Infusorie mit der Stromrichtung einen Winkel bildet, so werden compli-cirte Figuren von hinausgeworfenen Nadeln aus unvollkommen entleerten Trichocysten erhalten, von denen beispielsweise zwei auf Fig. 5 dargestelt sind.\nBei 13,5\u201413 ctm. Rollenabstand bewirkt der Inductions\u00f6ffnungschlag, unabh\u00e4ngig von der Richtung des Schlages und der Lage der Axe der Paramaecie, Contraction des ganzen Ektoplasma und Entleerung der Trichocysten beinahe an der ganzen Oberfl\u00e4che des K\u00f6rpers. Die Infusorie nimmt momentan eine ovale Form an und setzt sowohl an der anodischen als auch an der kathodischen Seite eine grosse Menge Nadeln in Freiheit. Zuweilen gelingt es einen Schlag von solcher Intensit\u00e4t zu finden, welcher Entleerung von Trichocysten fast nur in der Meridionalebene hervorruft. Die Infusorie ist gleichsam von einem Kranz umgeben, und es stellen die dabei beobachteten\nFig. 5, i\u2014q. Ib.; Verschiedenartigkeit der von den Trichocystennadeln gebildeten Figuren in Abh\u00e4ngigkeit von der Lage der Paramaecie und der Intensit\u00e4t des Inductionsschlages.","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00e2GE ETC.\nFig. 6, a \u2014 c. Paramaecien; ein ziemlich starker Incluctionsschlag \u2014 die hinausgeworfenen und vom K\u00f6rper losgetrennten Tricliocysten-nadeln bilden eine regelm\u00e4ssige strahlenf\u00f6rmige Figur.\nFiguren symmetrische Erg\u00e4nzungen der Figuren (Fig. 4 c, g) vor; dieselben sind auf (Fig. 6 a, b. c) dargestellt. Nach einem kurzem, durch Extension\nder Wimpern nach vorn hervorgerufenen Stillstand, resp. schneller Vorw\u00e4rtsbewegung, als Folge eines energischen Schlags derselben nach hinten, bewegt sich die Infusorie schneller und nimmt nach wenigen Augenblicken ihre fr\u00fchere Gestalt wieder an. Auch diese Versuche werden am geeignetsten in d\u00fcnnfl\u00fcssigen Medien vorgenommen.\ng. Sehr interessant ist das Verhalten conjugiren-der oder sich querteilender Individuen einem Induc-tions\u00f6ffnungsschlag von solcher Intensit\u00e4t gegen\u00fcber. Eine minimale Reizung ruft nur \u00fcbereinstimmende Bewegung oder einen rapiden Ruck beider Individuen nach hinten hervor. Wird die Reizung verst\u00e4rkt, so beobachtet man schon Contraction des Ektoplasma und danach Hinauswerfen von Trichocysten in folgender Weise:\na) Zwei conjugirende Individuen schwimmen senkrecht zu der Stromrichtung; sogleich nach dem Induction\u00f6ffnungsschlag erfolgt, wie auf Fig. 7 zu sehen ist, Contraction der anodischen Seitenfl\u00e4che des K\u00f6rpers nur bei der linken Paramaecie und findet Entleerung von Trichocysten nur aus dieser Gegend statt; wird die Richtung des Schlages umgekehrt, so beobachtet man eine solche Entleerung von Trichocysten nur an der Seitenfl\u00e4che der rechten Infusorie. Der aufsteigende Oeffnungsschlag bewirkt Contraction und Ausschnel-\nlung von Trichocysten aus den beiden anodischen Hinterenden des K\u00f6rpers der Paramaecien wie aus Fig. 8 ersichtlich ist, und der absteigende In-ductionsscblag\u2014dieselben Erscheinungen an den beiden Vorderenden derselben.\n\u00df) Bei der Reizung sich querteilender Individuen mit einem einzigen Schlage beobachtet man stets, sowohl bei aufsteigendem als bei absteigendem und auch bei einem Querschlage, Contraction des Ektoplasma und Entleerung von Trichocysten an der anodischen Seite, wie in Fig. 9 u. 10 dargestellt ist.\nFolglich wiederholen sich die bei der Beizung von zwei conjugirenden oder sich querteilenden Paramaecien mit einem einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag beobachteten Erscheinungen mit erstaunlicher Gesetzm\u00e4ssigkeit auch hinsichtlich der Erregbarkeit conjugirender oder in Teilung begriffener Individuen.\nFig. 7 u. 8. Conjugirende Paramaecien; die Nadeln der Trichocysten an der Anodenseite herausgeschnellt.\nWenn wir uns alles Gesagte vergegenw\u00e4rtigen und uns noch einmal die den Protocollen meiner zahlreichen Versuche entnommenen Abbildung anse-hen, so m\u00fcssen wir die strenge Gesetzm\u00e4ssigkeit in diesen Erscheinungen localer Entleerungen der Trichocysten unter dem Einfl\u00fcsse eines Inductions\u00f6ff-nungsschlages von bestimmter Intensit\u00e4t anerkennen; alle diese zahlreichen","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"HEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00e4GE ETC.\n27\nF\u00e4lle sind eigentlich einem Gesetze, welches sich sehr leicht formuliren l\u00e4sst, unterworfen. In allen F\u00e4llen entleeren sich die Trichocysten an der Anode: in welcher Lage, in der L\u00e4ngenoder Querlage oder in schr\u00e4ger Lage hinsichtlich der Eichtung des Schlages ^ die Paramaecie sich auch befinde, der IH Inhalt der Trichocysten wird immer nach der Anode hin entleert, und eine jede einzelne Nadel, oder jeder Faden, d. h. der Inhalt einer jeden einzelnen\nTrichocyste, erscheint immer senkrecht Fig. 9 u. 10. Eine sich querteilende Paramaecie-\n+H-\nder\nan der Anode\u2014Trichocystennadeln.\nden Abbildungen deutlich zu ersehen\nzu einem jeden gegebenen Punkt K\u00f6rperoberfl\u00e4che des Tieres, wie aus ist. Das Gesetz der beschriebenen Erscheinung l\u00e4sst sich folgendermaassen k\u00fcrzer formuliren:\nEin einzelner Inductions\u00f6ffnungsschlag von bestimmter Intensit\u00e4t ruft j\u00e4he locale Entleerung der Trichocysten normal zur K\u00f6rperoberfl\u00e4che und immer an der anodischen K\u00f6rperseite der Infusorie hervor.\n4. Zerst\u00f6rung des Protoplasma.\nNachdem ich nun die Beschreibung der verschiedenen Reactionen, die in strenger Gezetzm\u00e4ssigkeit, in Abh\u00e4ngigkeit von der vergr\u00f6sserten Intensit\u00e4t des Inductionsschlages, beobachtet werden, zu Ende gef\u00fchrt habe, muss ich bemerken, dass man, um diese Reactionen zu erhalten, mit den virulentesten Objecten experimentiren muss. Eine Reihe von Ver\u00e4nderungen, die bei Protisten, welche in sehr dickfl\u00fcssige schleimige oder colloidale Medien gebracht werden, auf nat\u00fcrliche Weise eintreten, lassen sie auch weniger erregbar werden; vom 5-ten Tage an reagiren sie auf die Reizung schon schw\u00e4cher, und Infusorien aus sehr dickfl\u00fcssigen Medien reagiren nach 7\u20149 Tagen nicht mehr auf 2\u20148 starke Reizungen, w\u00e4hrend sie auf die 3-te oder 4-te Reizung sogleich durch mc montane, nicht einmal sehr starke Contraction und Entleerung der Trichocysten reagiren; danach geht der Protist zu Grunde und reagirt nicht mehr auf die intensivsten Schl\u00e4ge.\nSogar in Medien von mittlerer Consistenz stellte ich einen jeden Versuch, besonders in Bezug auf die Reaction der Contraction und Entleerung der Trichocysten, mit einem neuen Tropfen an. Die Form und Gr\u00f6sse des K\u00f6rpers, der Charakter der Th\u00e4tigkeit der Wimpern, der Zustand des Protoplasma (H. Wallengre n, 23) lassen auf die Tauglichkeit des Objects f\u00fcr den Versuch schliessen. An einem frischen Individuum k\u00f6nnen alle aufeinander folgenden Stadien der Reaction der Paramaecien auf einen einzelnen Inductions-schlag vorz\u00fcglich demonstrirt werden. Sowohl die Herren Prof. M 0 r 0 c h 0-w e t z und O g 11 e w als alle anderen Herren, die in unserem Institut gearbeitet, haben immer die strenge Gesetzm\u00e4ssigkeit der vor ihnen demon-strirten Versuche beobachtet.\nEine Reihe von gleichm\u00e4ssig aufeinander folgenden Schl\u00e4gen rufen jedoch\nErm\u00fcdungserscheinungen hervor, die sich durch Abschw\u00e4chung oder g\u00e4nzlichen","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"28\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00e4GE ETC.\nVerlust der Erregbarkeit ausdr\u00fccken. Die Iufusorie reagirt nicht mehr auf einen Reiz von derselben St\u00e4rke, oder die Reaction bekommt einen andern Charakter. Dieser Umstand muss in Betracht gezogen und der Versuch mit Pausen, wenn auch nur kurzen, ausgef\u00fchrt werden. Diese Ver\u00e4nderung der Erregbarkeit hat eine besonders grosse Bedeutung bei den Versuchen mit intensiven Schl\u00e4gen, zu denen ich jetzt \u00fcbergehe.\nEin einzelner Oeffnungsschlag bei 12 ctm., bei sehr dicker Constistenz \u2014 9 ctm., Rollenabstand bewirkt starke Contraction des ganzen Ektoplasma; die Form des K\u00f6rpers ver\u00e4ndert sich pl\u00f6tzlich sehr bedeutend; derselbe nimmt eine ovalkugelige Gestalt an; zu gleicher Zeit beobachtet man sehr reichliche Entleerung der Trichocysten in Form von Nadeln, die nach allen Richtungen hinausgeworfen werden, wie an Fig. 11 a ersichtlich ist. Nach 1\u20142 Minuten streckt sich der K\u00f6rper wieder etwas, und einzelne Exemplare schwimmen wieder frei umher, zuerst langsam, bald aber wird die Arbeit der Wimper-tegumente wieder eine normale; die St\u00e4bchenschicht der Trichocysten ist nicht in allen Teilen des Protoplasma deutlich wahrzunehmen. Bei einigen Paramaecien wird bei einer solchen Intensit\u00e4t des Schlages, bei allen aber bei 11 ctm. (wenn der Anfang der Reaction, d. h. die Ver\u00e4nderungen der Bewegung bei 17\u201416 ctm. stattgefunden hatte) pl\u00f6tzliche energische Contraction des K\u00f6rpers, regellose Entleerung der Trichocysten nach allen Seiten hin beobachtet; die Form des K\u00f6rpers ver\u00e4ndert sich stark, an dem Hinterende erscheint der von Verworn beschriebene Zipfel (Fig. 11 5), an den Seitenfl\u00e4chen zeigen sich hyaline Blasen mit zarten Umrissen; die Bewegungen der Infusorien sind sehr unregelm\u00e4ssig; nach einiger Zeit zerplatzt das Ektoplasma, am h\u00e4ufigsten unweit des Zipfels, und das Protoplasma zerf\u00e4llt. Mit einem Worte, ein Inductions\u00f6ffnungsschlag ruft pl\u00f6tzliche, zeftige Contraction des Ektoplasma hervor, welches, da das Entoplasma nicht husammengepresst werden .kann, platzt, infolgedessen letzteres zerfliesst.\nDer Einfluss einer mehr oder weniger frequeten Reihenfolge von Induc-tionssclil\u00e4gen giebt sich in folgenden Erscheinungen kund. Als Beobachtungsobject dient ein sehr d\u00fcnnfl\u00fcssiger Tropfen, in welchem 25 \u2014 30 Paramaecien sich lebhaft hin und her bewegen; dieselben werden jede Secunde durch In-ductionsschl\u00e4ge bei 14 ctm. Rollenabstand gereizt, wobei nur der Oeffnungsschlag eiue Wirkung aus\u00fcbt. Als Reaction auf jede Strom\u00f6ffnung erfolgen Ver\u00e4nderungen in der Bewegung, Contraction an der Anode und Entleerung von Trichocysten bei diesen oder jenen Paramaecien; jeder Schlag ist von immer neuer Entleerung der Trichocysten aus verschiedenen K\u00f6rpergegenden bei den Infusorien, die der Anode zugewandt sind, begleitet. Nach einigen Schl\u00e4gen h\u00f6ren die unruhig im Tropfen umherschwimmenden Infusorien auf, den Inhalt der Trichocysten auszuwerfen; die St\u00e4bchenschicht dieser ist nicht mehr deutlich zu sehen. Der untersuchte Tropfen wird f\u00fcr 3\u20145 Stun-\nFig. 11, a\u2014c. Paramaecien; Einfluss intensiver Schl\u00e4ge: regelloses Hinausschleudern der Trichocystennadeln; starke Ver\u00e4nderung der K\u00f6rperform bei a\u2014durch eine Punktirlinie bezeichnet; b u. c\u2014verschiedene Stadien der Ektoplasma- und Formver\u00e4nderungen.","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcEBER DIE WIRKUNG DER INDU\u00d4T\u00ceONSSCHL\u00e4GE ETC.\t29\nden in eine feuchte Kammer gebracht und dann aufs neue der Reizung durch eine Reihe von Schl\u00e4gen unterworfen; es erweist sich, dass einige Infusorien ihre Trichocysten wieder entleeren.\nBei einem st\u00e4rkeren Schlage (12 ctm.) nimmt man bei der beobachteten Infusorie Entleerung der Trichocysten an der ganzeu K\u00f6rperoberfl\u00e4che wahr. Nach dem ersten Schlage l\u00e4sst man jede Secunde noch drei Schl\u00e4ge einwirken, wobei jedesmal eine Ausscheidung aus den Trichocysten erfolgt, welche noch immer nur wenige betrifft und nur stellenweise zu bemerken ist. Die Paramaecie erholte sich bald, der K\u00f6rper nahm seine fast normale Form an, die Wimpern arbeiteten normal. Nach 30 Minuten bewirkte ein Inductions-\u00f6ffnungsschlag von derselben Intensit\u00e4t nur Doch die Reaction der Bewegung nach r\u00fcckw\u00e4rts.\nAus diesen Versuchen folgt: 1) dass der Inhalt der Trichocysten successiv aus den verschiedenen Stellen des Ektoplasma entleert werden kann; 2) dass hei einem verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig sclnvachen einseinen Indudionsoffnungsschlage aus einer und derselben Gegend nicht der gesummte Inhalt der entsprechenden Trichocysten auf einmal ausgeschieden wird und 3) dass der aus den Trichocysten aus-geworfene Inhalt sich in deren Bl\u00e4schen iviederherstellt; als Beweis dieser letzteren Thatsaehe dienen die deutlicheren Umrisse der St\u00e4bchenschicht des Ekto-plasma bei den Paramaecien 3\u20145 Stunden nach der Reizung, sowie die F\u00e4higkeit derselben aufs neue structurlose Nadeln aus den Trichocysten hinauszuschleudern.\nEndlich bleibt mir noch \u00fcbrig, einige Worte \u00fcber den Einfluss der In-ductionsschl\u00e4ge mit sehr kurzen Pausen zwischen denselben\u201425-50 Schl\u00e4ge in der Secunde\u2014zu sagen; Heffs Unterbrecher, Rollenabstand = 13\u201412,5 ctm.; der Schl\u00fcssel der prim\u00e4ren Spirale wird sehr rasch mit der Hand geschlossen und ge\u00f6ffnet. Auf eine grosse Anzahl frequenter Inductionsschl\u00e4ge reagiren die Protisten momentan durch Hinausschleudern von Nadeln durch die ganze Oberfl\u00e4che des Ektoplasma und eine geringe Ver\u00e4nderung der K\u00f6rperform; 2\u20143 nachfolgende sehr kurze Schliessungen und Oeffnungen des Stromes der prim\u00e4ren Spirale mit der Hand alle 5 Secunden bewirken eine neue Entleerung von Trichocysten in sehr geringer Anzahl, aber h\u00e4ufig eine bedeutende Form Ver\u00e4nderung des K\u00f6rpers und sogar Zerfall desselben. Eben solche frequente Unterbrechungen bei 12,5\u201411 ctm. Rollenabstand rufen augenblicklich Hinausschleudern von Nadeln und Verunstaltung des K\u00f6rpers, Bildung eines Zipfels und Erscheinen hyaliner Blasen hervor; darauf zerplatzt am Hinterende das Ektoplasma, und das Endoplasma zerfliesst unausbleilich. Nur solche scharfe Ver\u00e4nderungen unter der Einwirkung frequenter Inductionsschl\u00e4ge von grosser Intensit\u00e4t wurden, wie schon erw\u00e4hnt, von W r z e s n i o w-s k i beobachtet. Zuweilen ist bei rapider Ver\u00e4nderung der K\u00f6rperform, welche zuletzt Platzen des Ektoplasma herbeif\u00fchrt, Bewegung und Andr\u00fccken an den K\u00f6rper aller Wimpern in gleicher Richtung zu beobachten, jedoch bleibt deren Spiel gew\u00f6hnlich auf die Aequatorialzone beschr\u00e4nkt. (Fig. 11 c). Nur in sechs F\u00e4llen aus meinen zahlreichen Versuchen sah ich, dass nach einer starken Reizung des K\u00f6rpers alle Wimpern der vorderen H\u00e4lfte nach vorn, die der hinteren H\u00e4lfte nach hinten gedr\u00fcckt wurden. Doch wird beides nach starken Reizungen bei zu Grunde gehenden Individuen beobachtet.","page":29},{"file":"p0030.txt","language":"de","ocr_de":"BO\nUEBER DTE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLRGE ETC.\n5. Reaction der Paramaecien in Meerwasser und in\n0,5 %-i g e r Na C 1-L \u00f6 s u n g.\nDie Anpassungsf\u00e4higkeit der Infusorien an verschiedene chemische Medien ist eine festgestellte Thatsache. Schon im Jahre 1854 constatirte Cohn (24), dass Euplotes anscheinlieh ungef\u00e4hrdet in Meerwasser leben konnte, dessen Kochsalzgehalt langsam und allm\u00e4lig bis auf 12% gebracht worden war. Fahr e-D o m e r g e fand, dass S\u00fcsswasserstylonychien und- paramaecien sich einem 2,5%-igen Gehalt an NaCl anpassten. Dasselbe constatirten auch Ver-worn, Massart, I a su da (25) u. a. Um positive Resultate erhalten zu k\u00f6nnen, darf man eine chemische Substanz nur ganz allm\u00e4lig zugeben. Die letzten Untersuchungen von Goldberger (26) haben gezeigt, dass eine rasche Zugabe selbst geringer Mengen anorganischer Salze, z. B. 0,3% NaCl, Riger\u2019scher oder H o w e 1 l\u2019scher L\u00f6sung, rasche morphologische Ver\u00e4nderung des Protoplasma und den Tod der verschiedenen Protisten zur Folge hat.\u2014Die galvanotaxischen Untersuchungen von Biru ko ff (10, S. 581), welcher kategorisch behauptete, dass in physiologischer Kochsalzl\u00f6sung die Paramaecien unter der Einwirkung frequenter Inductionsschl\u00e4ge sich gegen die Anode hin bewegten, wurden unter unmittelbarem Zusatz von NaCl zum untersuchten Tropfen angestellt, wie auch fr\u00fcher Loeb und Budgett1) 27, S. 532) getlian hatten. H. Jennings (31), Goldberger (26) u. and. wiesen darauf hin, dass unter diesen Bedingungen sofort eine bestimmte ziemlich complicirte Reaction der Infusorien auf den eingef\u00fchrten chemischen Reiz ein-tritt; deshalb bediente ich mich bei meinen Versuchen nur solcher Infusorien, die sich einem bestimmten chemischen Medium l\u00e4ngere Zeit angepasst hatten, so dass die Th\u00e4tigkeit ihres Wimperapparats eine ganz normale war.\nZu einem bestimmten Volum einer Kultur von Paramaecien in Heuaufguss wurde im Laufe einer Woche tropfenweise ein gleiches Volum Wasser aus dem Schwarzen Meere zugegeben. Die Paramaecien passten sich diesem neuen Medium vorz\u00fcglich an. Auf dieselbe Weise wurden zu irgend einem Volum Infusorien enthaltenden Infusums tropfenweise gleiche Volumina 1%-iger Kochsalzl\u00f6sung in einer Dauer von 24\u201448 Stunden zugesetzt. 2-3 cc. solcher Kulturen wurden in kleine Probiergl\u00e4schen gebracht und im Interesse der Verlangsamung der Wimperbewegung eine der schleimigen oder colloidalen\n*) Die Analyse des Wassers aus dem Schwarzen Meere ergab folgende Zahlen: der Gehalt an anorganischen Salzen auf 1000 Teile Wasser (28, S. 459\u2014\u00abo) betrug:\nChlornatrium......................................  14.19\nChlorkalium......................................... 0.1S\nChlormagnesium...................................... 1.30\nSchwefels\u00e4ure Magnesia............................   1.47\nSchwefelsaurer Kalk................................. 0.10\nDoppeltkohlensaure Magnesia......................... 0.20\nDoppeltkohlensaurer Kalk............................ 0.36\nBrommagnesium..................................... Spuren\n17.66","page":30},{"file":"p0031.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcEB\u00cbR DIE WIRKUNG \u00ce)\u00cbR iND\u00dcCTlONSSCHL\u00e4GE ETC.\nBl\nSubstanzen zugesetzt. Aus diesen Gl\u00e4schen oder unmittellbar aus den Salzl\u00f6sungen genommene Tropfen wurden der Einwirkung einzelner Inductions-\u00f6ffnungsschl\u00e4ge ausgesetzt.\nDer Charakter und die verschiedenen Stadien der Reaction in Meerwasser oder 0,5\u00b0/0-iger Kochsalzl\u00f6sung befindlicher Paramaecien sind ganz dieselben wie die f\u00fcr S\u00fcsswasserparamaecien beschriebenen, \u2014 es wird nicht der geringste Unterschied beobachtet. Es muss hervorgehoben werden, dass bei diesen Infusorien die Reizschwelle bei Schl\u00e4gen von weit gr\u00f6sserer Intensit\u00e4t als bei den S\u00fcsswasserparamaecien, beginnt; die erste Reaction, der Ruck nach r\u00fcckw\u00e4rts, trat erst bei einem Rollenabstand von 11,5\u201410 ctm. ein, w\u00e4hrend die S\u00fcsswasserparamaecien schon bei 19\u201418 ctm. zu reagiren begannen. Dieser Versuch weist auf Verminderung der Erregbarkeit dem Strome gegen\u00fcber in Salzl\u00f6sungen hin. Zur Erkl\u00e4rung dieses wichtigen Umstands werde ich bei der Beschreibung meiner Beobachtungen \u00fcber die Galvanotaxis zur\u00fcckkehren.\nParamaecium bursaria.\nDiese Paramaecie ist etwas kleiner als Paramaecium caudatum und besitzt eine mehr ovale Gestalt; die Trichocystenschicht ist deutlicher ausgedr\u00fcckt und \u00fcbertrifft an Dicke diejenige von Paramaecium caudatum oder aurelia. Die Reaction auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag ist ganz dieselbe wie bei Param. caudatum; zugleich mit der Steigerung der Intensit\u00e4t des Schlages beobachtet man diese in strenger Gesetzm\u00e4ssigkeit successiven Erscheinungen: 1) Zur\u00fcckzucken infolge eines Schlags aller Wimpern nach vorn, 2) Contraction des Ektoplasma, stets an der anodischen Seite localisirt, aber nicht so deutlich wie bei Paramaecium caud. ausgedr\u00fcckt; die ovale K\u00f6rperform dieser Paramaecie gestattet keine so weitgehenden Ver\u00e4nderungen der Umrisse wie der langgestreckte K\u00f6rper von Param. caudat.; 3) rapides Hinausschleudern des Inhalts der Trichocysten zuerst an der anodischen Seite, wonach die In-fusorie sich nicht so schnell wie Param. caud. erholt; 4) das Zerfliessen des K\u00f6rpers der Infusorie infolge von Zerplatzen des Ektoplasma tritt schon bei einem schw\u00e4cherem Schlage ein, wenn bei Param. caud. erst Entleerung der Trichocysten an der Anode statt hat. Die Entleerung der Trichocysten erfolgt gleichzeitig an der ganzen Oberfl\u00e4che des K\u00f6rpers, der beim zweiten Schlage zerf\u00e4llt. Ueberhaupt ist Paramaecium bursaria durch die In-ductionsschl\u00e4ge erregbarer; der Schwellenwert liegt h\u00f6her als bei Param. caudatum.\nLacrymaria olor.\nDiese h\u00fcbsche Infusorie [Trachelocerca\u2014Synonym nach K e n f s (29, S. 514\u2014516) Nomenclatur] fand ich in den Teichen des moskauer Agronomischen Instituts und cultivirte sie nach meiner eignen Methode 2% Monate lang in Gelatine. Das Medium stellte eine ziemlich d\u00fcnnfl\u00fcssige, zitternde Masse vor, in welcher die anmutige Infusorie ihren langen geschmeidigen K\u00f6rper frei hin und her bewegte (Fig. 12). Der leichtbewegliche, biegsame, ziemlich ge-","page":31},{"file":"p0032.txt","language":"de","ocr_de":"ueb\u00ebr die Wirkung d\u00e8r INDucTioNs\u00e2CHLaGE Etc.\n32\nstreckte, r\u00fcsself\u00f6rmige Hals bewegt sich energisch hin und her und giebt dem K\u00f6rper seine Richtung nach vorn und seitw\u00e4rts infolge der Arbeit seiner zarten Wimpern nach hinten. Der Hals ist sehr contractil. Der Hinterteil des K\u00f6rpers ist abgerundet, \u00f6fters aber zugespitzt, und der ganze K\u00f6rper hat die Form einer langhalsigen Flasche mit zugespitztem Ende. Der Hals tr\u00e4gt einen kegelf\u00f6rmigen Kopf, der auf demselben wie ein Pfropf sitzt. Der Kopf ist vom Halse durch eine Einschn\u00fcrung getrennt und von einem Kranz von gr\u00f6sseren Wimpern als an den andern K\u00f6rperteilen umgeben. Unter dem Ekto-plasma befindet sich eine \u00e4usserst contractile Schicht von sog. Corticalplasma (W. Schewiakoff 30, S. 139). Das ganze Ektoplasma ist von schr\u00e4glaufenden (B\u00fctschli 2, S. 1683) Streifen von rechts nach links und von links nach rechts durchzogen (contractile Elemente?), welche sehr deutlich mit den Systemen D und F Zeiss wahrzunehmen sind. Dieselben ziehen, wie gesagt, in zwei Richtungen (Kent 29, S. 515) unter einem Winkel zu der L\u00e4ngsaxe des K\u00f6rpers hin und bilden ein aus einer grossen Menge rhomboidaler Maschen bestehendes Netzwerk. Die Infusorien sind in ausgestreckter Lage 0,5 mm. und sogar bis 1 mm. lang.\nEinzelne Inductionsschl\u00e4ge rufen bei La crymaria 0 1 0 r bestimmte charakteristische Reactionen hervor, die denjenigen der Paramaecien in vielem gleichen, weshalb ich sie nur kurz beschreiben will.\n1. Ver\u00e4nderung der Wimperbewegung.\na.\tDer Anfang der Reaction ist schon bei 17 ctm. Rollenabstand bemerkbar. Wir w\u00e4hlen ein mit dem Vorderende der Anode zuschwimmendes Individuum; sogleich nach dem Inductions\u00f6ffnungsschlag wird infolge des momentanen Schlags aller Wimpern nach vorn ein leichter, doch wahrnehmbarer Ruck nach hinten beobachtet; danach functionniren die Wimpern sogleich wieder normal, und die Infusorie schwimmt, wie gew\u00f6hnlich, nach vorn.\nb.\tWir legen um und senden durch den Tropfen einen aufsteigenden Schlag; es wird dabei keine Reaction wahrgenommen. Indem man den Versuch an einer und derselben Lacrymaria, sowie an vielen andern wiederholt, gewinnt man die Ueberzeugung, dass diese minimale Intensit\u00e4t des Reizes nur bei absteigender Richtung eine Reaction hervorruft. Damit ein aufsteigender Oeff-nungsschlag eine solche Reaction bewirke, muss der Rollenabstand um 1 ctm., sogar um 1,5 ctm. vermindert werden.\nc.\tUnter denselben Bedingungen, d. h. bei 16\u201415,5 ctm. Rollenabstand senden wir einen L\u00e4ngs\u00f6ffnungsschlag durch eine ausgetreckte fast cylinder-f\u00f6rmige Infusorie und nehmen sogleich, infolge eines j\u00e4hen Schlags aller Wimpern nach vorn, einen ziemlich bedeutenden Ruck des Tiers nach hinten wahr; besonders schlagen die den Kopf umgebenden Wimpern um und dr\u00fccken sich f\u00fcr einen Moment an den Kopf an. Dieser Ruck nach hinten macht sogleich wieder der gew\u00f6hnlichen Bewegung der Infusorien nach vorw\u00e4rts und dem normalen Spiel des Wimperapparats Platz. Bald darauf senden wir aufs neue, jetzt aber einen aufsteigenden Schlag aus und beobachten nur kaum merkliches R\u00fcckw\u00e4rtszucken der Infusorien, w\u00e4hrend der absteigende Oeffnungsschlag","page":32},{"file":"p0033.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\n83\nvon gleicher Intensit\u00e4t einen bedeutenden Ruck des Protisten nach hinten bewirkt.\nd. Nach einer kurzen Pause erfassen wir den Moment, wo dieselbe Infusone, auf welche wir mittels eines auf- und absteigenden L\u00e4ngs\u00f6ffnungsschlages bei 16\u201415,5 ctm. ein wirkten, die Querlage einnimt. Ein einzelner Querschlag von derselben Intensit\u00e4t von rechts nach links oder umgekehrt, bringt keinerlei Wirkung hervor; wollten wir einen kaum bemerkbaren Ruck nach hinten beobachten, so m\u00fcssten wir den Rollenabstand noch auf 1 ctm. vermindern, dagegen auf 1,5 ctm., um ein deutlich ausgesprochenes Abprallen auf eine gewisse K\u00f6rperl\u00e4nge der Infusorie nach hinten zu bemerken.\nAus allen diesen Versuchen folgt, dass die erste Reaction Lacrymariae oloris auf einen einzelnen. Inductions-\u00f6ffnungsschlag sich als j\u00e4he Bewegung aller Wimpern nach vorn ausl\u00f6st, infolgedessen ein Ruck des Protisten nach hinten erfolgt; zahlreiche Beobachtungen erlauben uns festzustellen, dass die Reizsclnvellen f\u00fcr die absteigende, aufsteigende und quere Richtung des Schlages verschieden sind: h\u00f6her f\u00fcr den absteigenden und am niedrigsten f\u00fcr den in einer Querrichtung ausgesandten Schlag, d. h. der Protist ist durch den absteigenden Schlag, wenn die Anode auf das Vorderende *\tdesselben kommt, erregbarer. Die beschriebenen Erscheinun-\nLarymaria oior. gen legen eine Gesetzm\u00e4ssigkeit vor Augen.\n2. Contraction des Corticalplasma.\na.\tDas durch einen absteigenden Oeffnungsschlag bei 16\u201415,5 ctm. Rollenabstand bewirkte R\u00fcckw\u00e4rtszucken der Infusorie wird in einigen F\u00e4llen von kaum merklicher Formver\u00e4nderung der Lacrymaria olor begleitet. Der gestreckt-cylinderf\u00f6rmige, nach hinten leicht ellipso\u00efdale K\u00f6rper ist in dieser Gegend etwas verdickt, wobei der Hals sich kaum merklich verk\u00fcrzt. Diese Reaction ist deutlicher ausgedr\u00fcckt und wird bei einem absteigenden Schlage bei 15 ctm. Rollenabstand bei allen Individuen beobachtet. Sogleich nach dem Schlage zuckt die Infusorie zur\u00fcck, indem sich ihre K\u00f6rperform in oben beschriebener Weise, wie auf Fig. 13 dargestellt ist, ver\u00e4ndert.\nb.\tUm denselben Grad von Contraction bei der aufsteigenden Richtung des Schlages zu erhalten, muss man den Rollenabstand noch um 1 ctm. vermindern; dann wird der energische Ruck nach hinten von der erw\u00e4hnten Contraction des Corticalplasma, besonders in der der Anode zun\u00e4chst gelegenen Gegend begleitet; das Hinterende nimmt bei einem aufsteigenden Schlag eine ovalere Form an, das im normalen Zustande zugespitzte Ende rundet sich ein wenig ab; schw\u00e4cher ist die Contraction des Halses ausgedr\u00fcckt (Fig. 13 g).\nc.\tBei einer Querdurchstr\u00f6mung von gleicher Intensit\u00e4t wird nur ein Ruck der Infusorie nach r\u00fcckw\u00e4rts beobachtet. Um eine Contraction des K\u00f6rpers zu bewirken, muss man den Reiz verst\u00e4rken und einen Schlag bei\n3","page":33},{"file":"p0034.txt","language":"de","ocr_de":"S4\nUEBER DIE WIRKUNG DER IND\u00dcCTIONSSCHLAGE E\u00ceC.\n13,5\u201413 ctm. Rollenabstand aussenden. Von welcher Seite die Anode des Oeffnungsschlages auch komme, der Charakter der Contraction bleibt sich gleich.\nd. Die Lage des Halses allein \u00fcbt keinen ausschliesslichen Einfluss auf den Charakter der Contraction des Corticalplasma aus. Wie beschrieben, beobachtet man stets nach einem Schlage von mittlerer Intensit\u00e4t (circa 14 ctm.). Contraction des ganzen K\u00f6rpers des Protisten, welche deutlicher an der Anode hervortritt. Wir w\u00e4hlen ein Individuum, dessen Hals mit dem K\u00f6rper einen rechten Winkel bildet, senden einen in Bezug auf den Hinterteil des K\u00f6rpers absteigenden, auf den Hals senkrechten Oeffnungsschlag bei 15 ctm. Bollenabstand (Fig. 13 e) aus; es erfolgt allgemeine Contraction, welche deutlicher an der Stelle, wo der Hals in den K\u00f6rper \u00fcbergeht, ausgedr\u00fcckt ist, und nur unbedeutende Contraction des Halses.\nWir legen die Wippe um, suchen dieselbe Lage des Protisten auf: die Lichtung des Schlages ist eine umgekehrte, hinsichtlich des Halses wieder eine senkrechte, aber dem K\u00f6rper gegen\u00fcber eine aufsteigende; es wird nur leichtes R\u00fcckw\u00e4rtszucken beobachtet (Fig. 13 l). Ein Querschlag durch die Infusorie, deren ganzer K\u00f6rper sich senkrecht zu der Stromrichtung befindet, ruft ausserdem ein kaum merkliches B\u00fcckw\u00e4rtszucken hervor. Die in diesen F\u00e4llen beobachteten Beactionen nehmen betreffs der Sch\u00e4rfe, mit der sie ausgesprochen sind, die Mitte zwischen den im ersten Falle durch den absteigenden und quergehenden Schlag und den im zweiten\u2014durch den aufsteigenden und queren Schlag hervorgerufenen Beactionen ein.\nDer absteigende Inductions\u00f6ffnungsschlag bewirkt eine Contraction des K\u00f6rpers der Infusorie, wobei diese Contraction am deutlichsten in der Halsgegend ausgepr\u00e4gt ist; ein Querschlag bei demselben Bollenabstand (15 ctm.) bringt keine Wirkung, oder nur einen unbedeutenden Buck nach r\u00fcckw\u00e4rts hervor; ein hinsichtlich des . K\u00f6rpers absteigender, und den Hals querdurchstr\u00f6mender Schlag bedingt weniger deutliche Contraction haupts\u00e4chlich an der Eintrittsstelle des Stroms in den K\u00f6rper der Infusorie; der in Querlage befindliche Hals contrahirt sich jetzt schw\u00e4cher. Folglich ist die Beaction schw\u00e4cher als bei dem absteigenden Strom, und st\u00e4rker als bei der Querdurchstr\u00f6mung.\nDer aufsteigende Schlag (15 ctm.) ruft meist keine Contraction hervor, nur manchmal wird eine sehr geringe beobachtet; ein Schlag von dieser Intensit\u00e4t bewirkt starke Erregung des Wimperapparats und einen merklichen Buck nach hinten bei der L\u00e4ngsdurchstr\u00f6mung des ganzen K\u00f6rpers; der aufsteigende Schlag f\u00fcr den K\u00f6rper und der Querschlag f\u00fcr den ausgestreckten Hals (Fig. 13 l) bewirkten nur ein etwas ausgepr\u00e4gteres Zur\u00fcckzucken, als bei einem Querschlag derselben Intensit\u00e4t, wenn die ganze Infusorie sich senkrecht zu dem Schlage bewegte. Auch hier ist die Reaction schw\u00e4cher, als bei dem aufsteigenden und st\u00e4rker als bei dem Querschlage.\n\" Mit der Zunahme der Intensit\u00e4t des Schlages ist auch die Beaction st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt. Ein Oeffnungsschlag bei 14 ctm. Bollenabstand in der Richtung Fig. 13 e ruft die beschriebene Contraction und eine ziemlich bedeutende, 2-3 Secunden w\u00e4hrende, R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung, in der Richtung Fig. 13 l\u2014 nur deutliches R\u00fcckw\u00e4rtszucken hervor.\ne. Wir w\u00e4hlen einen Moment (Fig. 13 c), wenn der absteigende Schlag den langen Hals der L\u00e4nge nach, den kurzen Teil des K\u00f6rpers aber quer","page":34},{"file":"p0035.txt","language":"de","ocr_de":"UEB\u00cbR DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLiGE ETC.\n85\ndurchstr\u00f6mt (14,5 ctm.); sogleich erfolgt eine starke Zusammenziehung des Halses und eine weniger starke des K\u00f6rpers; ein Schlag in entgegengesetzter Richtung ruft denselben Effect erst bei 14\u201418 ctm. Rollenabstand hervor.\nUm die Abh\u00e4ngigkeit der Reaction der Zusammenziehung der verschiedenen K\u00f6rperteile der Infusorien von deren Lage hinsichtlich der Stromrichtung besser zu veranschaulichen, will ich noch folgenden Versuch anf\u00fchren. Die Lage der Infusorie ist in Fig. 13 f u. h dargestellt. Auf den Schlag folgt augenblicklich Contraction fast nur in der der Anode zun\u00e4chst gelegenen K\u00f6rpergegend, die Biegungsstelle wird dicker und rundet sich ab; der der Kathode zugewandte Hals contrahirt sich sehr schwach. Bei der Inversion des Stroms (Fig. 13 b u. m) beobachtet man bei derselben Lage der Infusorie starke Contraction des ganzen Halses und des K\u00f6rpers.\nf. Die best\u00e4ndigen Bewegungen des langen biegsamen Halses der La-crymaria nach allen Seiten hin erm\u00f6glichen, die Infusorie in mannigfachen Lagen leicht zu beobachten und Oeffnungschl\u00e4ge bei den verschiedensten Lagen des Halses und des K\u00f6rpers derselben auszusenden.\nDurch die vorhergehenden Versuche wurde festgestellt, dass durch den L\u00e4ngs\u00f6ffnungsschlag, namentlich den absteigenden, die Infusorien erregbarer sind, als durch den quergehenden Schlag, weshalb die Reaction sich um so intensiver kund giebt, ein je gr\u00f6sserer Teil der Infusorie sich in der L\u00e4ngsrichtung befindet, und umgekehrt.\nDer Hals als solcher, resp. das Ende desselben, der sog. Mundzapfen, in dessen kegelf\u00f6rmiger Spitze sich die runde Mund\u00f6ffnung befindet, \u00fcbt keinen merklichen Einfluss auf das Auftreten und den St\u00e4rkegrad der Reaction aus. Dieser Schluss h\u00e4tte schon auf Grund der beschriebenen Versuche gezogen werden k\u00f6nnen, doch giebt es ausser diesen auch unmittelbare Beobachtungen. Wir stellen genau die Reizschwelle des Querschlages fest, wenn nur eben leichtes R\u00fcckw\u00e4rtszucken der in senkrechter Richtung zum Strom schwimmenden Infusorie erfolgt; wir verringern den Rollenabstand um 2\u20141 ctm., wenn der aufsteigende Schlag einen Ruck nach hinten, und der absteigende auch noch eine unbedeutende Contraction, haupts\u00e4chlich des Halses, bewirkt, und reizen durch diesen Schlag eine zu der Stromrichtung senkrecht schwimmende Lacry-maria in den Momenten, wenn sie bald der Anode, bald der Kathode fast nur das Ende des lang ausgestreckten Halses mit dem kegelf\u00f6rmigen Zapfen, in welcher die Mund\u00f6ffnung sitzt, zuwendet (Fig. 13 d). In beiden F\u00e4llen findet gar keine Reaction statt. Wir vermindern den Rollenabstand noch um 2 ctm.\n3*\nFig. 13 a\u2014m. Schematische Darstellung der Intensit\u00e4t der Contraction Lacrymariae oloris in Abh\u00e4ngigkeit von den verschiedenen Lagen gegen die Richtung des Inductionsschlages; d\u2014ein Protist, der senkrecht zu dem Schlage steht und den Hals mit dem Mundzapfen bald der Anode \u2014 ah bald der Kathode\u2014a.> zuwendet.","page":35},{"file":"p0036.txt","language":"de","ocr_de":"B6\nHEBER DIE WIRKUNG'DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nund lassen den Schlag einwirken, wenn das Halsende der Infusorie bald gegen die Anode, bald gegen die Kathode des einwirkenden Querschlages gerichtet ist; jedesmal beobachten wir nur unbedeutendes R\u00fcckw\u00e4rtszucken; die Reaction bleibt sich ihrem Charakter und ihrer Intensit\u00e4t nach gleich, wohin der Mundzapfen auch gerichtet sei,\u2014nach der Anode oder nach der Kathode hin.\ng. Ein Oeffnungsschlag von etwas gr\u00f6sserer Intensit\u00e4t (14,5 ctm. f\u00fcr den absteigenden, 14\u201413,5 f\u00fcr den aufsteigenden Schlag, circa 13,5\u201413 ctm. f\u00fcr den Querschlag) bewirkt auch st\u00e4rker ausgepr\u00e4gte Formver\u00e4nderung und l\u00e4nger andauernde Bewegung nach r\u00fcckw\u00e4rts. Sogleich nach der Reizung beobachtet man nicht nur einen Ruck, sondern auch, obgleich die Reizung aufgeh\u00f6rt hat, Fortsetzung der Bewegung nach hinten. Letztere dauert 3\u20145 Secunden infolge der Arbeit der Wimpern in der entgegengesetzten Richtung, d. h. nach vorn, fort, und macht erst nach Verlauf dieser Zeit der normalen Rewegung nach vorn Platz, wobei die Form des K\u00f6rpers eine llaschen\u00e4hnliche bleibt und die gestreckt-cylinderf\u00f6rmige Gestalt noch lange nicht annimmt. Eine ziemlich starke Reizung bewirkt keinen einzelnen Schlag der Wimpern, sondern eine ganze Reihe von Bewegungen nach vorn, die noch lange nach dem Aufh\u00f6ren der Reizung fortdauern; folglich wird in diesen F\u00e4llen so zu sagen eine Nachwirkung der Heizung beobachtet, welche nach einigen Secunden ein Ende nimmt.\nBei der Reizung einer frei umherschwimmenden Infusorie durch einen absteigenden Oeffnungsinductionsschlag bei 14 ctm. Rollenabstand wird rapide\nContraction der ganzen Infusorie beobachtet; dieselbe nimmt eine ovale Gestalt an, wie auf Fig. 14 a dargestellt ist. Besonders starke Contraction wird an dem anodischen Teil des Halses bemerkt; derselbe ist ganz eingezogen, nur der kegelf\u00f6rmige Mundzapfen steht etwas hervor. Das hintere Ende des K\u00f6rpers ist abgerundet. Nach 3\u20144 Secunden f\u00e4ngt die Infusorie an, den Hals auszustrecken; ein neuer Schlag bewirkt aufs neue bedeutende Contraction der Vorderh\u00e4lfte des K\u00f6rpers und gleichsam Einziehung des Halses; ein aufsteigender Schlag ruft bei einer solchen sich wieder ausdehnenden Infusorie nur R\u00fcckw\u00e4rtszucken hervor. Folglich besitzt der Hals sehr bedeutende Contrac-tilit\u00e4t.\nIn allen F\u00e4llen bedeutender Contraction des K\u00f6rpers der Lacrymariae oloris ver\u00e4ndern dessen L\u00e4ngsschr\u00e4gstreifen ihre Lage, indem sie fast die Querrichtung einnehmen. Die Streifen charakterisiren eine bestimmte Anordnung und Bewegung der Wimpern, deren normale Arbeit die Bewegung der Infusorie nach vorw\u00e4rts bezweckt; bei der Reizung mit dem Inductionsschlag beobachtet man R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung. Eine intensive Reizung ruft auch eine nach dem Aufh\u00f6ren derselben fortdauernde Erregung, d. h. Arbeit der Wimpern nach vorn, hervor; bei der Querlage der Streifen infolge starker Contraction des K\u00f6rpers bewirken die Wimpern, die noch immer fortfahren von hinten nach vorn, aber schon senkrecht zur L\u00e4ngsaxe des K\u00f6rpers, zu schlagen, Drehung dieses letzteren um seine L\u00e4ngsaxe.\nFig. 14 a\u2014b. Lacrymaria olor a\u2014 im Contractionsstadium; b \u2014 starke Contraction, Bildung zweier Kugeln, einer Grobk\u00f6rnigkeit des Entoplas-ma. Zerfall des Entoplasma; Abschn\u00fcrung des Mundzapfens mit einem Teil des Halses.","page":36},{"file":"p0037.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\n37\nDie Querlage der Streifen und das Schlagen der Wimpern von hinten nach vorn erkl\u00e4ren die Drehung des stark contrahirten K\u00f6rpers der Infusorie (Fig. 14 a) in der Richtung des Uhrzeigers eine Zeitlang nach erfolgter starker Reizung.\nAus allem Dargelegten folgt somit, dass der Vorderteil des K\u00f6rpers Lacry-mariae oloris\u2014der Hals\u2014,welcher gr\u00f6ssere Contractilit\u00e4t besitzt, erregbarer als der \u00fcbrige Teil desselben ist; die ganze Infusorie ist am erregbarsten durch den absteigenden Schlag und am ivenigsten erregbar durch den Quer schlag... Die Lage der Mund\u00f6ffnung \u00fcbt auf die Intensit\u00e4t der Ileaction heinen Einfluss aus.\nDie Zeichnung Fig. 13 a \u2014 m giebt eine schematische Darstellung der allm\u00e4li-gen Abschw\u00e4chung der Intensit\u00e4t der Contraction des Corticalplasma in Abh\u00e4ngigkeit von der Lage des K\u00f6rpers der Infusorie und dessen Teilen zu der Richtung der einwirkenden Schl\u00e4ge.\n3. Der Einfluss starker Inductions\u00f6ffnungsschl\u00e4ge.\nStarke Oeffnungsschl\u00e4ge bei 12\u201410 ctm. Rollenahstand bewirken momentan eine starke Contraction des s\u00e4mmtlichen Corticalplasma und eine bedeutende Formver\u00e4nderung des Protisten. Die Reaction tritt wieder fr\u00fcher bei dem absteigenden Schlage ein. Der ausgestreckte cylinderf\u00f6rmige K\u00f6rper zieht sich augenblicklich zusammen und nimmt eine ovale Gestalt an, wie auf Fig. 14 a ersichtlich ist. An dem mehr zugespitzten Ende tritt nur der Mundzapfen mit den krampfhaft angedr\u00fcckten Wimpern des Kranzes hervor; dem es an Contractilit\u00e4t zu fehlen scheint. Der Mundzapfen erscheint eingezogen oder, richtiger gesagt, die durchsichtige, homogene Corticalschicht des Halses \u00fcberzieht das Entoplasma; der ganze K\u00f6rper erscheint dunkelbraun infolgedessen, dass das stark contrahirte Corticalplasma das s\u00e4mmtliche br\u00e4unliche Entoplasma um-giebt; die Schr\u00e4gstreifen sind jetzt fast zu Querstreifen geworden; und ist dies die Ursache dass die Infusorie eine Zeitlang sich um ihre L\u00e4ngsaxe dreht. Bald nach der Wirkung der Reizung erholt sich der Protist wieder und f\u00e4ngt an, seinen Hals auszustrecken, wobei er, das Ektoplasma nach hinten dr\u00e4ngend, sein fr\u00fcheres homogenes Aussehen mit den schr\u00e4glaufenden Streifen wieder annimt. Ein neuer Schlag bewirkt wieder eine Contraction des Halses, und die Infusorie nimmt aufs neue die soeben beschriebene Gestalt an.\nEin sehr intensiver einzelner Schlag bei 6\u20145 ctm., oder 2\u20143 Schl\u00e4ge bei 8\u20147 ctm. Rollenabstand bewirken starke Deformation des K\u00f6rpers, und das Tier geht zu Grunde. Am h\u00e4ufigsten nimmt es die Gestalt zweier unregelm\u00e4ssig kugeliger, durch eine Einschn\u00fcrung von einander getrennter K\u00f6rper an (Fig. 14 b). Der Mundzapfen tritt gew\u00f6hnlich ein wenig hervor; in seltenen F\u00e4llen erscheint er von dem \u00fcbrigen K\u00f6rper gleichsam abgeschn\u00fcrt. Das Ektoplasma zerplatzt selten; h\u00e4ufiger werden an verschiedenen Stellen des K\u00f6rpers von aussen in geringer Anzahl k\u00f6rnige Gebilde beobachtet., welche haupts\u00e4chlich aus zerfallenen Wimpern zu bestehen scheinen.","page":37},{"file":"p0038.txt","language":"de","ocr_de":"38\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nColpidium colpoda, Colpoda cucullus, Chilodon cucullulus.\nDie Eeaction dieser drei Infusorien auf einen einzelnen Inductionsschlag ist eine ganz analoge, weshalb dieselbe, K\u00fcrze halber, zugleich f\u00fcr alle drei beschrieben ist. Sogleich nach dem Inductions\u00f6ffnungsschlage \u2014 die Reizschwellen . unterscheiden sich verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig wenig\u2014erfolgt Unterbrechung der Vorw\u00e4rtsbewegung und ein Ruck der Infusorie nach hinten, worauf pl\u00f6tzlich noch raschere Bewegung nach vorn folgt. Dieser Ruck ist die Folge eines momentanen Schlags der Wimpern nach vorn, wobei an dieser Reaction auf den Inductions-schlag alle Wimpern teilnehmen. Das ist auch die einzige Wirkung, die ein einzelner Inductions\u00f6ffnungsschlag auf Colpidium Colpoda, Colpoda cucullus und Chilodon cucullulus, in welcher Richtung derselbe die Infusorien auch durchstr\u00f6me, aus\u00fcbt. Diese Infusorien sind durch die Inductionsschl\u00e4ge weniger erregbar, als. z. B. Paramaecium, besonders Colpidium colpoda. Diese Infusorie reagirt erst bei 9\u20148 ctm. Rollenabstand, w\u00e4hrend die Reizschwelle f\u00fcr Paramaecium viel h\u00f6her liegt (17 ctm.). Intensivere Schl\u00e4ge bewirken auch st\u00e4rkere R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung; doch wird nach einem Schlage bei 4 ctm. Rollenabstand Fig. 15. Colpidium kein Ruck nach hinten, sondern l\u00e4ngerer Stillstand der Infusorie\n0 pot a\u2018 und Drehen derselben um ihre L\u00e4ngsaxe beobachtet; \u00f6fters aber beschreibt der K\u00f6rper des Protisten die Seitenfl\u00e4che eines Kegels, dessen Spitze von dem Hinterende des Tieres gebildet wird (Fig. 15); seltener dreht sich die Infusorie im Kreise herum; in diesem Falle bewegt sie sich nach rechts, das Pe-ristom ist nach dem Innern des Kreises gerichtet, folglich bewegt sich die Infusorie in der Richtung des Uhrzeigers mit dem Vorderende nach vorn; h\u00e4ufig macht diese Bewegung der Drehung um die L\u00e4ngsaxe Platz. Eine solche Nachwirkung der Reizung l\u00e4sst sich am besten an Colpidium colpoda beobachten, Ein sehr starker Schlag (8\u20145 ctm.) ruft bei diesen Infusorien gleichsam L\u00e4hmung der Wimpertegumente hervor; nach 1\u20142 starken Schl\u00e4gen bleiben sie regunglos stehen, die Wimpern sind senkrecht zur K\u00f6rperoberfl\u00e4che gerichtet, und ein Spiel derselben wird nur am Peristom beobachtet. Neue Schl\u00e4ge rufen schon keine Bewegung derselben hervor; eine Reihe von Schl\u00e4gen bewirkt Aufquellen des Protoplasma; der K\u00f6rper nimmt eine eckige Gestalt an, nach einiger Zeit zerplatzt die Pellicula am hinteren Ende, und das Ento-plasma zerfliesst nach und nach. Diese Zerst\u00f6rung des K\u00f6rpers findet bei Colpoda cucullus und Chilodon cucullulus bei einem etwas weniger starken Schlage (5\u20144 ctm.), als bei Colpidium colpoda (2\u20141 ctm.), statt. Folglich setzen diese Infusorien, besonders Colpidium colpoda, der zerst\u00f6renden Wirkung der Inductionsschl\u00e4ge einen bedeutenden Widerstand entgegen; ihre Pellicula ist resistenter, als das Ektoplasma der Paramaecien, deren K\u00f6rper schon durch Schl\u00e4ge bei 13\u201412 ctm. Rollenabstand zerst\u00f6rt wird.\nOpalina ranarum.\nDie Versuche wmrden an ganz frischen, aus dem D\u00fcnn-und Dickdarminhalt von Fr\u00f6schen erhaltenen Infusorien angestellt. In einer 0,5 \u00b0/0 neutralen Koch-","page":38},{"file":"p0039.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\n39\nSalzl\u00f6sung schwimmen diese grossen Infusorien langsam und tr\u00e4ge in verschiedenen Richtungen umher, indem sie mit ihren Wimpern gleichm\u00e4ssig nach hinten schlagen. Zwei-drei Individuen wurden mittels einer Pipette aus dem Uhrglase in die Kammer gebracht und der Wirkung von Inductionsschl\u00e4gen ausgesetzt.\na.\tDie Reaction Opalinae ranarum auf einen einzelnen Inductionsschlag ist immer eine und dieselbe und besteht nur in dem Schlage aller Wimpern nach dem Vorderende des K\u00f6rpers hin sogleich nach der Reizung; die Folge davon ist ein mehr oder weniger deutlicher Ruck oder einer schwache Bewegung nach hinten. Die Energie und Amplitude dieser pl\u00f6zlichen Bewegung der Wimpern nach vorn, resp. der Grad der Ortsver\u00e4nderung nach hinten, befinden sich im geraden Verh\u00e4ltniss zu der St\u00e4rke des Schlages; wenn die St\u00e4rke der Reizung eine gewisse Grenze erreicht hat, so erfolgt das Optimum der Wirkung. Sehr starke Schl\u00e4ge (von 12 ctm. Rollenabstand beginnend) bedingen pl\u00f6tzlichen Stillstand, starke Gestaltver\u00e4nderung der Infusorie, Bildung von Vacuolen und nach 3\u20144 Schl\u00e4gen\u2014Zerreissen des K\u00f6rpers an der Anode des einwirkenden Stromes.\nb.\tDie Reaction der Infusorie auf einen Inductionsschlag von minimaler Intensit\u00e4t h\u00e4ngt von der Lage derselben zur Stromrichtung ab. Durch zahlreiche Versuche wurde ein bedeutender Unterschied in den Reizschwellen bei den verschiedenen Lagen von Opalinae ranarum festgestellt; am h\u00f6chsten liegt dieselbe bei der absteigenden Richtung des Inductions\u00f6ffnungsschlages, wenn dessen Anode auf das Vorderende des K\u00f6rpers kommt. In diesen F\u00e4llen tritt eine Reaction des Zur\u00fcckzuckens der Infusorie\u2014von 22\u201421 ctm. Rollenabstand beginnend\u2014 ein, w\u00e4hrend der aufsteigende Schlag noch unwirksam ist.\nEin absteigender Schlag bei 20 ctm. Rollenabstand bedingt pl\u00f6tzliches Umschlagen aller Wimpern nach vorn, wie immer ohne jegliche Formver\u00e4nderung, und R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung des Tieres, w\u00e4hrend ein aufsteigender Schlag eine einmalige ziemlich tr\u00e4ge Bewegung der Wimpern nach vorn erst bei 20\u201419 ctm. Rollenabstand hervorruft; ein energischer Schlag derselben nach vorn tritt nach einem aufsteigenden Schlage erst bei 19 \u201418,5 ctm. ein.\nNoch niedriger liegt die Reizschwelle bei der Querdurchstr\u00f6mung der Infusorie, d. h. wenn die Opalina senkrecht zu der Stromrichtung schwimmt. Die Verminderung des Rollenabstands bis 18-17 ctm. bringt noch keine Wirkung hervor; kaum merkliche Bewegung der Wimpern nach vorn tritt erst bei gr\u00f6sserer Intensit\u00e4t des Schlags ein, wenn der Rollenabstand bis 16 ctm. vermindert ist. Ein energischer Schlag der Wimpern nach vorn und ein Ruck der Infusorie nach hinten wird erst bei 15,5\u201415 ctm. Rollenabstand unter der Einwirkung eines Querschlages erhalten.\nInductionsschliessungsschl\u00e4ge fangen erst bei 5\u20143 ctm. Rollenabstand an, eine Wirkung hervorzubringen. Die Opalinae reagiren somit auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag nur durch Erregung des Wimperteguments, durch eine Bewegung der Wimpern nach vorn und einen Ruck der Infusorie nach hinten; die Differenz zwischen den Schwellenwerten bei den verschiedenen Lagen des Tieres ist eine bedeutende; dessen Wimpertegument ist am erregbarsten bei absteigender L\u00e4ngsdurchstr\u00f6mung, weniger erregbar bei aufsteigen der und am wenigsten bei der Querdurchstr\u00f6mung. Starke Schl\u00e4ge bewirken Deformation des K\u00f6rpers und dessen Zerfall, der an der Anode des auf denselben ein wirkenden Schlags beginnt.","page":39},{"file":"p0040.txt","language":"de","ocr_de":"40\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCT10NSSCHL\u00c4GE ETC.\nHolophrya.\nDer ellipso\u00efdale K\u00f6rper ist mit zarten, in meridionalen Furchen angeordneten Wimpern bedeckt. Das Entoplasma ist grobk\u00f6rnig, der Nucleus\u2014gross und enth\u00e4lt ein Nucleolum. Die runde Mund\u00f6ffnung liegt an dem weniger abgerundeten Yorderpol und f\u00fchrt in den Schlund, dessen Wand mit einem gut entwickelten St\u00e4bchenapparat ausgestattet ist; der Schlund besitzt die F\u00e4higkeit sich bedeutend zu erweitern und beim Verschlingen der Nahrung sich gut zu contrahiren. An dem Hinterende befinden sich eine grosse und 3\u20144 kleine contractile Vacuolen.\nDie Reaction auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag f\u00e4ngt bei 9 ctm. Rollenabstand (Fadenelektroden) an und besteht in pl\u00f6tzlichem Stillstand und Drehbewegung von rechts nach links, wonach die Infusorie ihre ziemlich raschen Bewegungen wieder aufnimmt, indem sie sich um ihre L\u00e4ngsaxe dreht. Eine etwas st\u00e4rkere Reizung ruft ausser dem Stillstehen des Protisten, infolge des Umschlagens der Wimpern nach vorn, auch starke Contraction des Schlundes hervor; das Vorderende rundet sich mehr ab, und die Mund\u00f6ffnung wird etwas eingezogen. Unmittelbar nach einem intensiven Schlage zerplatzt das Ektoplasma, und das Entoplasma zerfliesst. Der K\u00f6rper dieser Infusorie besitzt keine Myonemen,\u2014Inductionsschl\u00e4ge bewirkten keine Contractionen, wie unter denselben Umst\u00e4nden bei Holophrya discolor (W. Schewiakoff 30, S. 56), welche gut differencirte contractile Elemente besitzt, beobachtet werden.\nHypotricha.\nAlle Hypotrichae geben auf einen einzelnen Inductionsschlag eine h\u00f6chst charakteristische Reaction, die'sehr leicht beobachtet werden kann. Bei diesen Infusorien gewahrte ich zu allererst die Reaction auf eine momentane Reizung durch die Welle eines einzelnen Inductionschlags. In dem Wasser aus Seeaquarien, welches mir liebensw\u00fcrdigst von Herrn S. Z e r n o f f, Director der Biologischen Station in Sebastopol, zugesandt wurde fand ich eine Hypotricha, deren Art noch nicht bestimmt gewesen war. Die Reaction dieser grossen Infusorie demonstrirte ich meinem Lehrer, Herrn Prof. Morochowetz, im April 1902,\u2014d. h. einige Monate vor der Ver\u00f6ffentlichung der Arbeit E. R o e s 1 es (8), der bios die Reaction von Oxytricha parallela und Stylonichia mytilus beschrieben hat. Die Beobachtung der Wirkung des lnductions\u00f6ffnungsschlags wurde gew\u00f6hnlich an diesen Infusorien in den Medien, See-oder S\u00fcsswasser, in denen sie sich gew\u00f6hnlich aufhalten, seltener in schleimig-collo\u00efdalen, angestellt.\nStylonychia mytilus.\na. Die Reaction auf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag beginnt hei 29\u2014ff6\u201425 ctm. Rollenabstand und besteht in momentanem Abprallen nach hinten infolge des Schlagens der vorderen Sprungwimpern nach vorn, wobei es,","page":40},{"file":"p0041.txt","language":"de","ocr_de":"41\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4G ETC.\nunwandelbar nach einer jeden Reizung sich wiederholend, wieder dem normalen Laufen auf dem Glase oder einem Detrithaufen Platz macht.\nEine solche Reaction wird durch die Einwirkung schwacher und mittelstarker Oeffnungsschl\u00e4ge hervorgerufen, wobei mit der Verst\u00e4rkung der Reizung bis zu einer gewissen Grenze auch die Reaction an Intensit\u00e4t zunimmt, d. h. die Bewegung der vorderen Sprungwimpern energischer vor sich geht und, infolgedessen, die Infusorie auf eine ziemlich grosse Strecke nach hinten abprallt.\nb. Die Lage der Infusorie zu der Schlagrichtung \u00fcbt auf den Eintritt und die Intensit\u00e4t der Reaction einen entscheidenden Einfluss aus. Der absteigende Oeffnungsschlag, d. h. wenn das Plus auf das Vorderende kommt, ruft eine Reaction am ehesten hervor; f\u00fcr den aufsteigenden Schlag liegt die Reizschwelle niedriger und f\u00fcr den Querschlag noch niedriger. In dieser Hinsicht best\u00e4tigen meine Versuche die von E. Roesle (8) erhaltenen Ergebnisse. Die Differenz zwischen den Schwellenwerten ist eine ziemlich bedeutende. Ist z. B. ein absteigender Oeffnungsschlag schon bei 29 ctm. Rollenabstand wirksam, so ruft ein aufsteigender Schlag ein leichtes Zur\u00fcckzucken erst bei 27 ctm. hervor, wenn ein absteigender Schlag von derselben Intensit\u00e4t schon merkliches Abprallen nach hinten bewirkt; ein Querschlag bringt noch gar keine Reaction hervor, und beginnt eine solche erst nach einer Verminderung des Rollenabstands noch um 4\u20145 ctm. Zuweilen betr\u00e4gt die Differenz der Schwellenwerte der L\u00e4ngsund Querschl\u00e4ge nur 2 ctm.\nWenn man durch einen Tropfen, der viele Stvlonichien enth\u00e4lt, in Pausen von 30 Secunden bis zu 1 Minute eine Reihe Inductionschl\u00e4ge von solcher Intensit\u00e4t sendet, dass nur erst der aufsteigende Strom wirkt, so stellen sich die meisten Infusorien quer zu der Stromrichtung, d. h. nehmen eine solche Lage ein, bei welcher ein Schlag von entsprechender Intensit\u00e4t ohne sichtbare Wirkung bleibt.\nOhne hier R o e s 1 e\u2019s Hauptsatz, dass das Peristom gr\u00f6ssere Reizbarkeit besitzt, einer Pr\u00fcfung zu unterwerfen, muss ich jedoch darauf hinweisen, dass ein etwas energischeres Zur\u00fcckzucken beobachtet wird, wenn das Plus des Querschlages in der Sagittal rieh tun g auf das Peristom, resp. die Ventralfl\u00e4che der Infusorie kommt als bei der entgegengesetzten Richtung des einwirkenden Schlages; doch ist die Differenz der Schwellenwerte in diesen F\u00e4llen eine sehr unbedeutende.\ne. Die Energie des Schlages der vorderen Sprungwimpern nimmt mit der Intensit\u00e4t des Reizes zu; aber bei der Einwirkung von starken Schl\u00e4gen, 15\u201412 ctm. Rollenabstand, tr\u00e4gt die sogleich auf den Oeffnungsschlag folgende Reaction schon einen anderen Charakter. Die frei umherlaufende Stylonychia, die eine etwas convexe Dorsalfl\u00e4che besitzt, steht momenton still; die Ventralfl\u00e4che hat sich bedeutend contrahirt, die vorderen und hinteren Sprungwimpern und die Laufwimpern sind an diese Fl\u00e4che angedr\u00fcckt; die Dorsalfl\u00e4che ist stark gew\u00f6lbt, das ganze Entoplasma der Infusorie ist durch die contrahirte Ventralseite zusammengedr\u00e4ngt (Fig. 16), folglich bewirkt ein intensiver Schlag schon eine andre Reaction, n\u00e4mlich, starke Contraction der in der Ventralfl\u00e4che der Infusorie befindlichen Elemente' und, infolgedessen, Ver\u00e4nderung der Ge-","page":41},{"file":"p0042.txt","language":"de","ocr_de":"42\nUEBER PIE WIRKUNG PER INPUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nstalt des Protisten\u2014unbedeutende Concavit\u00e4t der Ventralfl\u00e4che und bedeutende Convexit\u00e4t der Dorsalfl\u00e4che. Es ensteht gleichsam ein Tetanus der contraction Elemente, der einige Zeit nach der Reizung fortdauert, w\u00e4hrend nach der Reaction auf einen schwachen Inductionsschlag die Infusorie sogleich ihre gew\u00f6hnlichen Spr\u00fcnge macht, zu laufen oder zu kreichen fortf\u00e4hrt. Hach einem starken Schlage nimmt sie nicht bald ihre fr\u00fchere Gestalt an. 2\u20143 neue Oeffnungs-schl\u00e4ge bewirken noch gr\u00f6ssere Contraction des Tieres, und die Dorsalfl\u00e4che nimmt eine kuppelf\u00f6rmige Gestalt an. Dasselbe erfolgt auch bei der Einwirkung eines noch st\u00e4rkeren Schlages (8 ctm). In diesen F\u00e4llen dr\u00fcckt das zur Dorsalfl\u00e4che fortgedr\u00e4ngte Entoplasma auf das Ektoplas-ma; auf letzterem erscheinen locale Ausbuchtungen, durch welche sich eine, zwei oder drei Blasen (Nahrungsva-cuolen, Einschliessungen), durchdr\u00e4ngen; das Ektoplasma bekommt ein h\u00f6ckeriges Aussehen (Fig. 16 b u. c), was deutlich zu sehen ist, wenn die Infusorie im Profil steht. Die allm\u00e4lig durch das Ektoplasma herausgepressten Blasen werden von dem K\u00f6rper abgeschn\u00fcrt und das Ektoplasma schliesst sich gleichsam wieder. Nach 1-2 Minuten fangen die Wimpern des Peristoms an zu arbeiten, und wenn die Reizung nicht zu stark (nicht \u00fcber 10 ctm.) gewesen ist, so nimmt die Infusorie ihre fr\u00fchere Gestalt wieder an, sogar wenn 1 \u2014 2 Blasen herausgepresst worden sind; sie bewegt sich langsam vorw\u00e4rts und reagirt auf neue Reize. Sehr intensive Schl\u00e4ge bewirken Verlust der Erregbarkeit, starke Deformation und Zerfall des K\u00f6rpers.\nFig. 16 a \u2014 c. Stylonichia mytilus; a\u2014normales Aussehen; b \u2014 Contractions-stadium\u2014Concavit\u00e4t der Abdominalfi\u00e4che, Convexit\u00e4t und h\u00f6ckeriges Aussehen der Dorsalfl\u00e4che; c\u2014Abschn\u00fcrung der Va-cuolen nnd Schliessung des Lktoplasma.\nOxytricha platystoma.\nDer Charakter der Reaction dieser Infusorie auf die Reizung durch einen einzelnen Inductionsschlag ist ganz derselbe wie bei Stylonychia mytilus; die Verh\u00e4ltnisse der Reizschwellen bei der absteigenden, aufsteigenden und queren Richtung der Schl\u00e4ge sind dieselben; deshalb will ich, um Wiederholungen zu vermeiden, dieselben\" nicht beschreiben. Der Reiz beginnt bei einem st\u00e4rkeren Schlage als bei Stylonychia, was von der Gr\u00f6sse der Infusorie abh\u00e4ngen k\u00f6nnte.\nEine Reihe von Inductionsschl\u00e4gen, die in 3\", 2\", 1\", 0,5\" aufeinander folgen, bewirkt nach jedem Schlage Abprallen der Infusorie nach hinten; diese Reaction der Infusorie ist ganz isorythmisch mit den Inductionsschl\u00e4gen, da aut jeden Schlag momentan ein Sprung der Infusorie nach hinten folgt. Bei einer bestimmten Intensit\u00e4t des Schlags bestrebt sich die Infusorie die Querlage zu der Stromrichtung eiuzunehmen, bei welcher der Schlag schw\u00e4cher wnkt, resp. gar keine sichtbare Wirkung aus\u00fcbt. Dieser Versuch . liefert ein anmutiges Bild und ist f\u00fcr die Demonstration der momentanen Wirkung der Inducti-onsschl\u00e4ge auf den Wimperapparat der Infusorien durch Projiciren sehr geeignet. Die Oxytricha springt im Bereiche des Sehfelds hin und her, jedesmal auf den Schlag reagirend. Sehr intensive Inductionsschl\u00e4ge bewirken starke D\u00e9forma-","page":42},{"file":"p0043.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\n43\ntion der Infusorie, h\u00f6ckerige Ausbuchtungen und k\u00f6rnigen Zerfall. Nach der Einwirkung mehrerer Schl\u00e4ge von mittlerer Intensit\u00e4t macht sich schon schw\u00e4chere oder gar keine Reaction bemerkbar, was ein Anzeichen von verminderter Erregbarkeit infolge von Erm\u00fcdung ist. Durch Chloroform get\u00f6tete Infusorien reagiren auf den Reiz nicht.\nUronychia transfuga, Euplotes charon, Holosticha flava.\nDiese drei Infusorienarten wurden in Wasser aus dem Schwarzen Meer cultivirt. Der allgemeine Charakter der Reactionen dieser Seewasserinfusorien ist wieder derselbe wie bei Stylonychia mytilus.\nUronychia transfuga reagirt auf einen jeden einzelnen Inductionssschlag durch einen energischen Sprung nach hinten infolge eines pl\u00f6tzlichen Schlags aller Sprungcirren nach vorn. Dieser Sprung r\u00fcckw\u00e4rts oder seitw\u00e4rts ist ein so bedeutender, dass die Infusorie sich momentan \u00fcber die H\u00e4lfte des Sehfelds schwingt, resp. dem Blicke ganz entschwindet. (Ocular 4, Objectiv BB Zeiss).\nEuplotes charon (S. K e n t, 29 S. 799) reagirt auf den Reiz ebenfalls durch einen Schlag mit seinen vorderen cirrenartigen Cilien (sog. Bauchwimpern, Stein), was einen ziemlich weiten Sprung nach hinten bewirkt. Ein starker Inductions\u00f6ffnungsschlag (10\u20148 ctm) ruft eine complicirtere Reaction hervor: auf einen momentanen Sprung nach hinten folgt rapide Vorw\u00e4rtsbewegung des Tieres auf einer steilen Spirallinie, welche aufs neue 2\u20143 Spr\u00fcngen nach hinten und rapiden Bewegungen nach vorn Platz macht, wonach die Infusorie sich beruhigt und normal kriecht oder springt. Einige schnell aufeinander folgende Schl\u00e4ge von geringerer Intensit\u00e4t (12\u201410 ctm.), lassen die Infusorie mit ihrem Hinterende rasche Bewegungen in einem Kreise von verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig kleinem Radius von links nach rechts, d. h. in der Richtung des Uhrzeigers, ausf\u00fchren (das Peristom nach links)*, diese rapide kreisf\u00f6rmige Bewegung wird durch energische Schl\u00e4ge der hakenf\u00f6rmig gebogenen Sprungcirren des Vorderendes bedingt und befindet sich nat\u00fcrlich in Abh\u00e4ngigkeit von der anatomischen Anordnung derselben.\nDas Ektoplasma der Seewasserinfusorien ist ziemlich resistent; erst bei 5\u20143 ctm Rollenabstand bewirken energische Inductionsschl\u00e4ge den Zerfall der Infusorie.\nHolosticha flava (S. K e n t, 29 S. 769) hat einen langen, cylinderf\u00f6rmigen K\u00f6rper mit abgerundetem Vorder-und Hinterende; der in sagittaler Richtung etwas abgeplattete K\u00f6rper ist ziemlich biegsam, doch nicht contractil; die Wimpern sind nicht scharf differenciit. Die Reaction der Wimpern auf einen Inductionsschlag ist eine sehr einfache und tritt gew\u00f6hnlich schon bei 16 ctm. Rollenabstand ein. Sogleich nach dem Schlage beobachtet man einen sehr leichten, unbedeutenden, doch wahrnehmbaren Ruck nach hinten, der die ziemlich rasche Bewegung der Infusorie vorw\u00e4rts oder seitw\u00e4rts unterbricht. Eine Reihe von Inductions-schl\u00e4gen ruft, infolge des Schlagens der nur auf einer Seite befindlichen Wimpern, Bewegung des Protisten im Kreise von kleinem Radius hervor. Nach sehr starken Inductionsschl\u00e4gen (zuweilen bei vollst\u00e4ndigem Zusammenr\u00fccken der Spiralen) bleiben die Infusorien stehen, und einige Zeit darauf erfolgt Zer -St\u00f6rung des Protoplasma, meist am Vorderende des K\u00f6rpers.","page":43},{"file":"p0044.txt","language":"de","ocr_de":"44\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nHeterotricha.\nHalteria grandinella.\nDiese kleine Infusorie hat eine nahezu kugelige Gestalt; deren Bewegungen sind sehr charakteristisch. Infolge des Spiels der Peristomwimpern schwimmt sie langsam vorw\u00e4rts oder steht regungslos; zuweilen macht sie einen rapiden Sprung nach hinten infolge eines pl\u00f6tzlichen Schlags der Sprungwimpern, die \u00fcber dem Rumpf zu einem \u00e4quatorialen Kranz zusammengeordnet sind, nach vorn; nach einem solchen Sprung kehrt sie wieder zur Ruhelage zur\u00fcck.\nAuf einen einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlag reagirt Halteria grandinella durch einen pl\u00f6tzlichen energischen R\u00fcckw\u00e4rtssprung, der sogleich auf den Reiz folgt. Eine Reihe von Inductionssehl\u00e4gen ruft auch eine Reihe von Spr\u00fcngen hervor. Indem man mittels eines Heff\u2019schen Unterbrechers den Rythmus der erregenden Schl\u00e4ge \u00e4ndert, kann man auch den Rythmus der Reaction \u00e4ndern; nach einem jeden Schlage beobachtet man sogleich einen Sprung der Infusorie auf eine neue Stelle. Diese Spr\u00fcnge sind mit den Inductionssehl\u00e4gen isorythmisch. Bei der Reizung der Protisten durch eine Reihe von Inductionssehl\u00e4gen, die in Pausen von 1 Secunde auf einander folgen, beobachtet man ein sehr anmutiges Bild; der Versuch wird noch interessanter, wenn derselbe Tropfen Stylonychia mytilus oder Oxytricha platistoma enth\u00e4lt; man hat so zu sagen einen k\u00fcnstlichen Tanz der Infusorien vor Augen: nach jedem Schlage r\u00fccken die letztgenannten nach hinten, w\u00e4hrend die Halterien grosse Sprunge \u00fcber das ganze Sehfeld machen. Dieser Versuch eignet sich besonders zur Demonstration vor einem grossen Auditorium durch Projicirgen.\nBalantidium entozoon und Nyctoterus cordiformis.\nDiese beiden Infusorien wurden in dem unteren Abschnitt des D\u00fcnndarms von Ranae temporariae gefunden und in einer 0,5% Kochsalzl\u00f6sung untersucht. Ein Inductions\u00f6ffnungsschlag bewirkt nur die Bewegung der Wimpern nach vorn und einen unbedeutenden Ruck des Tieres nach hinten.\nDas sich ziemlich rasch nach vorw\u00e4rts bewegende Balantidium entozoon steht einen Moment lang still und setzt dann seine Vorw\u00e4rtsbewegung fort.\nNyctoterus cordiformis giebt mehrere Typen von Reactionen der Erregung der Wimpern: a) bei jeglicher Lage des Protisten zu der Stromrichtung (16 ctm.) beobachtet man einen Schlag der Wimpern nach vorn und eine unvollkommene Drehung der Infusorie um ihre L\u00e4ngsaxe in der aboralen Richtung; b) als Reaction auf die Reizung (16\u201415 ctm.) schl\u00e4gt die Infusorie mit. ihren Wimpern nach vorn und dreht sich, einen Bogen von % \u2014 % eines Kreises beschreibend, nach links, infolge der pr\u00e4valirenden Wirkung der convexen Seite der Wimpern, wonach sie unter beschleunigterem Rythmus der Wimpern nach hinten, wieder nach vorw\u00e4rts schwimmt; c) ein schw\u00e4cherer Reiz (17 ctm.) ruft bei einer tr\u00e4ge mit dem Wimpern arbeitenden thygmotaxischen Infusorie einen an der Aboralseite sch\u00e4rfer ausgedr\u00fcckten Schlag nach vorn hervor; danach folgen eine Zeitlang lebhafte Bewegungen der Wimpern nach hinten, worauf","page":44},{"file":"p0045.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcEBER DIE WIRKUNG DER IND\u00dcCTIONSSCIIL\u00c4GE ETC.\n45\ndieselben, sich senkrecht zu der K\u00f6rperoberfl\u00e4che stellend, wieder tr\u00e4ge zu arbeiten anfangen; d) intensive Inductions\u00f6ffnungsschl\u00e4ge (5 ctm.) bewirken Bewegung der Wimpern nach vorn, welche raschen und energischen Schl\u00e4gen nach hinten und rascheren Vorw\u00e4rtsbewegungen Platz machen; dieselbe .Reaction wird zuweilen auch bei vollst\u00e4ndigem Zusammenr\u00fccken der Rollen erhalten, doch ruft ein zweiter Schlag keinen Effect mehr hervor,\u2014 nach intensiver Reizung ist die Erregbarkeit des Wimperapparats stark herabgesetzt; einige Zeit darauf erholt sich die lnfusorie wieder und reagirt auf eine Reizung; nach der Einwirkung ^on 3\u20144 intensiven Inductionsschl\u00e4gen beobachtet man starke Deformation des Protisten; derselbe bekommt eine halbmondf\u00f6rmige Gestalt mit h\u00f6ckerigen Ausbuchtungen oder feink\u00f6rnigem Zerfall an der Peripherie.\nStentor polymorphus.\nDiese morphologisch hoch differencirte lnfusorie stellt ein sehr geeignetes Object f\u00fcr viele physiologische Versuche vor. Infolge einer besonderen Diffe-rencirung der Wimpern ist das Peristom derselben sehr erregbar, der K\u00f6rper\u2014sehr contractil, da das Endoplasma von zahlreichen contractilen Elementen in Gestalt von Muskelnbrillen, den sog. Myonemen, durchzogen ist. Versuche mit derartigen Objecten erfordern, wie solche mit Vorticellen, eine besondere Methodik.\nDie Wirkung einzelner Inductionsschl\u00e4ge auf die Stentoren wurde von W. Schewiakoff (32, S. 32) untersucht und in ganz letzter Zeit von E. R 0 e s 1 e sehr eingehend studirt.\nFrei umherschwimmende Stentoren bleiben sogleich nach dem Inductions\u00f6ff-nungsschlage einen Moment lang stehen und contrahiren ihren K\u00f6rper. Ihre kleinen zarten Wimpern schlagen nach vorn.\nEin Stentor, der sich mit seinem Stielende festgesetzt und r\u00f6hrenf\u00f6rmig ausgestreckt hat, reagirt sogleich durch pl\u00f6tzliche rasche Contraction des ganzen K\u00f6rpers, der eine eif\u00f6rmige oder kugelige Gestalt annimmt. Die Reaction f\u00e4ngt bei 38\u201435 ctm. Rollenabstand an, folglich ist diese lnfusorie im Vergleich zu den \u00fcbrigen weit erregbarer. Die Lage des Protisten zu der Stromrichtung \u00fcbt auf den Eintritt der Reaction einen entscheidenden Einfluss aus. Die Differenz der Schwellenwerte f\u00fcr die verschiedenen Stromrichtungen, der L\u00e4ngs-Quer-und Schr\u00e4grichtung, ist ein sehr bedeutender. Wenn z. B. ein absteigender L\u00e4ngsschlag bei 35 ctm. wirksam ist, so ruft ein aufsteigender erst bei 32,5\u201430 ctm. und ein Querschlag erst bei 28\u201425 ctm. Rollenabstand eine Reaction hervor; folglich ist der Stentor bei einer Reizung durch den Inductions-\u00f6ffnungsschlag dann am erregbarsten, wenn die Anode des einwirhenden Schlags auf das Peristom kommt. In dieser Beziehung stimmen meine Versuche vollst\u00e4ndig mit den von E. Roes le (8) erhaltenen Ergebnissen \u00fcberein.\nWenn man einen nach der Reizung contrahirten und noch nicht wieder ausgestreckten Stentor durch einen neuen schwachen Inductions\u00f6ffnungsschlag reizt, so ist die Contraction seines eif\u00f6rmigen K\u00f6rpers immer bedeutender an dem der Anode zugewandten Ende, sei es das Hinter-oder das Vorderende; bei der Inversion des Schlages ist die Contraction wieder deutlicher an der Eintrittsstelle des Stroms, d. h. an der Anode, zu bemerken.","page":45},{"file":"p0046.txt","language":"de","ocr_de":"46\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nThygmotaxis und Reizung durch den Inductionsschlag.\nDie Reaction thygmotaktischer Infusorien ist, dem Charakter ihrer Ausl\u00f6sung nach, dieselbe wie diejenige von frei umherschwimmenden, tritt aber meist erst bei einem intensiveren Schlage ein. Bei einer frei umherschwimmenden Para-maecie findet schon eine locale Reaction an der anodischen Seite des K\u00f6rpers statt, wenn eine thygmotaktische erst durch leichtes Zur\u00fcckzucken reagirt oder dem Reiz gegen\u00fcber noch ganz unempfindlich bleibt. Eine gleiche Herabsetzung der Reaction wird auch bei anderen Infusorien, z. B. bei Colpidium colpoda, Chi-lodon cucullulus, Stylonychia mytilus u. a, beobachtet, wenn dieselben thygmo-taktisch geworden sind. I hygmotaktische Infusorien beginnen kaum zureagiren bei einen Oeffnungsschlage von solcher Intensit\u00e4t, welcher bei frei umherschwimmenden Infusorien eine deutliche Reaction bewirkt; oder die ersteren reagiren gar nicht aul schwache Schl\u00e4ge, die bei frei schwimmenden Individuen schon R\u00fcckw\u00e4rtszucken oder R\u00fcckw\u00e4rtsspr\u00fcnge bewirken.\nWie aus allen beschriebenen Versuchen zu ersehen ist, ruft ein einzelner Inductions\u00f6ffnungsschlag unfehlbar irgend ein Stadium der Reaction, in Abh\u00e4ngigkeit von der Intensit\u00e4t des Stromes, hervor. Wird bei einer gegebenen Reizschwelle keine Reaction beobachtet, so ist der Schlag von dieser Intensit\u00e4t unwirksam. Wenn in einem und demselben Tropfen bei einigen Paramaecien das zweite Stadium der Reaction \u2014 Contraction des Ectoplasma \u2014 bei andern dagegen erst das erste Stadium \u2014 das Umschlagen der Wimpern nach vorn\u2014 beobachtet wird,\u2014so bedeutet das, dass auf die ersteren ein Schlag von geringerer Intensit\u00e4t wirksam ist als auf die letzteren: eine andere Deutung der Ursache der schw\u00e4cheren Wirkung des Schlages auf diese ist nicht m\u00f6glich. Ein gewisses Reactionsstadium wird stets bei einer bestimmten Intensit\u00e4t des Schlags erhalten. Reagirt eine thygmotaktische Infusorie bei einer gewissen Reizschwelle schw\u00e4cher als eine frei umherschwimmende, so ist es so fern zu verstehen, dass auf dieselbe ein Schlag von geringerer Intensit\u00e4t einwirkt.\nDie Detrith\u00e4ufchen, neben denen die thygmotaktischen Protisten sich aufhalten, sind gew\u00f6hnlich von ziemlich bedeutendem Umfange, fast immer ungleich gr\u00f6sser als diese; in der N\u00e4he derselben beobachtet man fast immer grosse Mengen Infusorien. Gerade in solchen F\u00e4llen, d. h. wenn die Infusorien neben gr\u00f6sseren Detrith\u00e4ufchen thygmotaktisch sind, reagiren sie in der Regel garnicht, sogar auf einen Schlag von solcher Intensit\u00e4t, welcher bei frei umherschwimmenden Paramaecien Contraction bewirkt; das bedeutet, dass ein Detrith\u00e4ufchen mit thygmotaktischen Paramaecien von einem weniger intensiven Schlag durchstr\u00f6mt wird. Wir erinnern daran, dass wenn die Tropfenschicht dick genug ist, die Detrith\u00e4ufchen meist an der Oberfl\u00e4che schwimmen; die Sache ist etwas anders gestaltet, wenn der Tropfen mit einem Deckgl\u00e4schen bedeckt ist. In diesen F\u00e4llen stellen die Tropfen kein gleichartiges Medium, sondern Fl\u00fcssigkeit und Detrith\u00e4ufchen vor. Der Strom, der eine Ebene in der sich ein Detrith\u00e4ufchen befindet durchstr\u00f6mt, verzweigt sich: der eine Zweig dringt durch die Fl\u00fcssigkeit, der andre durch das Detrith\u00e4ufchen. Selbstverst\u00e4ndlich geht durch das","page":46},{"file":"p0047.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dc\u00c8BER DIE WIRKUNG U\u00cbR INDUCTIONSSCHLXGE \u00cbT\u00d4.\n47\nDetrith\u00e4ufchen mit den thygmotaktischen Infusorien ein schw\u00e4cherer Strom, als durch den fl\u00fcssigen Teil des ganzen Tropfens; man begreift nun, warum thygmotaktische Infusorien, da sie durch einen schw\u00e4cheren Schlag gereizt werden, entweder garnicht oder nur sehr schwach reagiren.\nUm die schw\u00e4chere Wirkung des constanten Stroms auf thygmotaktische Infusorien zu erkl\u00e4ren, nehmen H. Jennings (34) und A. Putter (33) eine etwaige \u00abInterferenz\u00bb der Thygmotaxis mit der Galvanotaxis an. In meiner Arbeit \u00fcber die Galvanotaxis werde ich den Beweis f\u00fchren, dass hier keine \u00abInterferenz\u00bb statt hat; an dieser Stelle will ich mich nur mit der Behauptung begn\u00fcgen, dass sich alles durch die Verzweigung des Stroms leicht erkl\u00e4rt.\nIV. Zusammenfassung und Erkl\u00e4rung der Ergebnisse.\n1.\tAlle Erscheinungen, die bei den Ciliata bei der Einwirkung eines einzelnen Inductions\u00f6ffnungsschlages von verschiedener Intensit\u00e4t beobachtet werden, und in dem vorigen, Kapitel beschrieben worden sind, k\u00f6nnen, besserer Uebersicht-lichkeit halber, in zwei Gruppen geteilt werden; dieser Einteilung liegt der Unterschied sowohl in der physiologischen Reaction als auch in dem morphologischen Bau der Protisten zu Grunde.\nZu der ersten Gruppe geh\u00f6ren die Ver\u00e4nderungen der Bewegung, d. h. der Arbeit des Wimperapparats; diese Reaction haben alle siebzehn Infusorienarten mit einander gemein (S. io).\nZu der zweiten Gruppe geh\u00f6rt die Reaction der Ver\u00e4nderung der Gestalt der Infusorien, infolge der Contraction der in der \u00e4us seren K\u00f6rperschicht befindlichen Elemente; diese Erscheinungen werden bei Paramaecium caudatum, Lacry maria o 1 o r, Stylo-nicliia mytilus, Ox y trie ha platystoma und Stentor polymorph us beobachtet, wobei bei den Paramaecien eine neue Erscheinung, die Entleerung der Trichocysten, hinzutritt.\n2.\tDie erste Reaction auf eine minimale Reizung mit dem Inductions\u00f6ffnungs-schlag l\u00f6st sich (wie aus den dargelegten Thatsachen ersichtlich ist) durch V e r-\u00e4nderung der Richtung und der Energie des Schlages der Wimpern aus (S. n). Anstatt der normalen, eine Vorw\u00e4rtsbewegung des K\u00f6rpers bedingenden Arbeit von vorn nach hinten, schlagen alle Wimpern nach der Reizung momentan von hinten nach vorn, infolgedessen eine R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung der Infusorie erfolgt. Diese Erscheinung wird bei allen Infusorien, mit denen exp\u00earimentirt wurde, beobachtet und kann besonders gut an Par ama e-cium caudatum, allen Hypotricha und an H a 11 e r i a g r a n dine 11 a studirt werden. Infolge der verlangsamten und gleichm\u00e4ssigen Bewegungen der Protisten in schleimig-collo\u00efdalenM,e dien gewinnt man die M\u00f6glichkeit sehr deutlich wahrzunehmen, dass die Welle des momentanen Schlages aller Wimpern nach vorn, sowohl bei dem aufsteigenden als bei dem absteigenden Schlag stets an der Anode beginnt. Die erste Reaction des Protisten auf die minimale Reizschwelle eines wirksamen Inductions\u00f6ffnungsschlags giebt sich aber auch nur durch diese Erscheinung unfehlbar kund, es werden keine anderen beobachtet.","page":47},{"file":"p0048.txt","language":"de","ocr_de":"4\u00d4\n\u00dcEBER D\u00ceE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nEine jede neue Reizung ruft ein einzelnes pl\u00f6tzliches Umschlagen der Wimpern nach vorn hervor, welches wieder durch ihr normales Spiel nach hinten ersetzt wird (stets bei Colpidium colpoda, Colpoda cucullus). Folgen aber 3-4 Schl\u00e4ge nach Pausen von 1 Secunde, so fahren nach dem letzten Schlage die Wimpern fort nach vorn zu arbeiten und die Paramaecien, bei denen diese Erscheinung am leichtesten beobachtet wird, schwimmen eine Zeitlang nach r\u00fcckw\u00e4rts\u2014eine Nachwirkung der Reizung. Folglich erregt ein Inductions\u00f6ffnungsschlag von minimaler Intensit\u00e4t die sensiblen Organoiden der Protisten, deren Existenz wir anzunehmen gen\u00f6tigt sind. Auf jede Reizung erfolgt dieselbe Reaction\u2014ein Schlag der Wimpern nach vorn\u2014und nach einer Reihe von Reizungen bewegt die Infusorie sich schliesslich nach r\u00fcckw\u00e4rts; die Richtung der Bewegung der Wimpern bleibt eine Zeitlang dieselbe, wie sie unmittelbar nach der Reizung gewesen war. Eine jede andere Art von Reizung, eine mechanische oder chemische, ruft bei den Infusorien dieselbe R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung hervor. H. Jennings (34) nannte diese Reaction \u00abMotorreaction\u00bb oder \u00abMotorreflex\u00bb; es ist die gew\u00f6hnliche Bewegung, durch welche die Infusorie einem auf ihr Aussentegument einwirkenden Reize zu entgehen suchen; auch der Inductionsschlag bewirkt eine solche Reaction. Auf Grund der beschriebenen Versuche nehme ich an, dass der Inductionsschlag auf die Oberfl\u00e4che der Infusorien einwirkt und bei den Protisten vor allem dieselbe Reaction wie chemische oder mechanische Reize hervorruft, oder, mit andern Worten, irgend welche Elemente des Ektoplasma, resp. das s\u00e4mmtliche Ektoplasma erregt, welches folglich Empfindungsverm\u00f6gen besitzen muss. Was den Einfluss des constanten Stroms anbetrifft, so.... \u00abist jeder Teil des Protoplasma, wie es scheint, in ganz gleichem Maasse reizbar\u00bb (M. V er worn, 35, S. 130).\nFast bei allen Infusorien ist das Vorderende reizbarer als das Hinterende; der ganze K\u00f6rper der meisten Ciliaten ist durch die absteigende L\u00e4ngsdurch-str\u00f6mung am erregbarsten und am wenigsten erregbar durch die Querdurchstr\u00f6mung.\n3. Die zweite Reaction bestellt bei gewissen Infusorien in einer localen Ver\u00e4nderung der K\u00f6rper gestalt, infolge von Reizung der contraction Organoiden. Nach pl\u00f6zlicher Contraction nimmt der Protist bald wieder seine anf\u00e4ngliche Gestalt an. Bei den Paramaecien wird locale Contraction des Ektoplasma S. 15\u201420) und bei den Hypotricha (S. 40), St ent or en (S. 45)\u2014allgemeine Contraction aller das Ektoplasma durchziehenden Myonemen beobachtet; die Contraction bei Lacrymaria olori nimmt eine mittlere Stellung ein, indem sie eine teils locale, teils allgemeine ist. Folglich l\u00f6st sich die Contraction als Reaction auf die Reizung durch einen Inductions\u00f6ffnungsschlag, in Abh\u00e4ngigkeit von dem Bau der Infusorie, auf zweierlei Weise aus: entweder als locale Contraction nur einiger Elemente des Ektoplasma (Paramaecien) oder als allgemeine Contraction aller in dem Ektoplasma befindlichen contractilen Elemente (Stentor) *). Die Wirkung der Reizung selbst ist in diesen beiden F\u00e4llen eine verschiedene.\ni) Die Contraction bei den Hypotricha, Stentoren, Vorticellen und Spirostomum habe ich bisher nicht gen\u00fcgend studirt, weshalb dieselbe auch noch nicht analysirt werden kann.","page":48},{"file":"p0049.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcE\u00d6ER DIE WIRKUNG DER INDUCT10NSSCHL\u00c4GE ETC.\n49\nIch habe nicht gefunden, dass bei den Paramaecien die Erregung durch den absteigenden Schlag immer schw\u00e4cher sei als durch den aufsteigenden, und stimme nicht im mindesten E. Pt o e s 1 e's (8) Satz bei, dass das Peristom dieser Infusorien am reizbarsten ist.\nBei den Hypotricha und Stentoren tritt, wie durch Versuche vollkommen festgestellt ist, die Reaction fr\u00fcher, d. h. hei einem schw\u00e4cheren Schlage des absteigenden Stroms, ein; bei diesen mit sehr hoch differencirten sensiblen Elementen des Peristoms und contractilen Elementen des Ectoplasma ausgestatteten Infusorien, sind sowohl die Reizschwelle als auch der Charakter der Ausl\u00f6sung der Contraction andere, als bei den Paramaecien. Eine Reaction wird durch einen so schwachen Schlag hervorgerufen, wie er bei den Paramaecien noch gar keinen Effect hervorbringt. Diese hohe Empfindlichkeit dem Strom gegen\u00fcber ausschliesslich mit der Gr\u00f6sse der Infusorie in Verbindung zu setzen, wie es R o e s 1 e (8) thut, w\u00e4re wohl kaum m\u00f6glich. Die Unzul\u00e4nglichkeit der gewonnenen Thatsachen erschwert die Erkl\u00e4rung der Ursachen der Erregung dieser hochdifferencirten contractilen Elemente bei den Stentoren. und besonders bei den Vorticellen, und fordert zu neuen Beobachtungen in einer neuen Richtung vermittelst einer specieilen Methodik auf.\nDie pl\u00f6tzliche Gestaltver\u00e4nderung der untersuchten Hypotricha h\u00e4ngt von der Gegenwart von Myophanenstreifen ab, deren Vorhandensein bei einigen Oxytricha in dem Ektoplasma V. S t e r k i (35, S. si) bewiesen hat.\n4. Viel bestimmter und einfacher tritt die Contraction bei den Paramaecien an den Tag (S. 19 u. 20). Mit erstaunlicher Best\u00e4ndigkeit und in strenger Gesetzm\u00e4ssigkeit f\u00e4ngt die Contraction des Ektoplasma, wie wir gesehen, sowohl bei dem aufsteigenden als bei dem absteigenden Schlage zuerst an der Anode an; die Contraction ist immer eine locale und entspricht genau der Anlegestelle der physiologischen Elektroden, der der Anode zun\u00e4chst liegenden Eintrittsstelle des Stroms; die Ausbreitung der Contraction h\u00e4ngt di-rect von der Intensit\u00e4t des Inductionsschlags ab, von welcher auch der Grad der Contraction abh\u00e4ngt. Nachdem die Contraction sofort nach dem Schlage an der Anode erfolgt ist, schwindet sie sogleich wieder, und die Paramaecie nimmt ihr normales Aussehen, ohne irgend eine Formver\u00e4nderung an. Im Moment der Contraction beobachtet man einen Ruck der Infusorie nach hinten infolge eines pl\u00f6tzlichen Schlags der Wimpern nach vorn.\nBei diesen Versuchen beobachtet man Thatsachen von hohem Interesse. Man sieht, dass ein Inductionsschlag von einer gewissen Intensit\u00e4t schon Erregung der Elemente des Ektoplasma bewirkt und, was bemerkenswert ist, dass diese Erregung immer genau an der Anode localisirt ist; die Welle des Inductions\u00f6ffnungsschlages ruft bei den Paramaecien directe Erregung der im Ektoplasma gelegenen contractilen Elemente hervor. Das ist keine blosse Annahme, sondern ein aus beobachteten Thatsachen gezogener Schluss; die locale Contraction an der Anode weist darauf hin, dass in diesem Falle nur die Anode reizt, und dass der Einfluss eines momentanen Schlags sich als Erregung der Elemente ausl\u00f6st, die sich in n\u00e4chster N\u00e4he von der Eintrittsstelle des Stromes befinden. Bei der Wendung des Schlages tritt die Reaction am dem andern Ende oder an einer der Lateralfl\u00e4chen der Infusorie auf, wo jetzt die neue Anode\n4","page":49},{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"50\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nhinkommt. Die Contraction ist die directe Reaction auf die Reizung, da dieselbe nur in dem Moment der Reizung eintritt und sogleich nach dem Aufh\u00f6ren derselben ein Ende nimmt. Eine frei umherschwimmende Infusorie kann durch eine Reihe von Schl\u00e4gen, die in Zwischenr\u00e4umen von je 1\"\u20142\" auf einander folgen, gereizt werden, und jedesmal wird Contraction des Ektoplasma an immer neuen Stellen wahrgenommen, n\u00e4mlich an denjenigen, welche die Infusorie der Anode zuwendet.\nDie n\u00e4chste Ursache dieses erregenden Einflusses des Stromes auf die lebendige Substanz bleibt noch immer in Dunkel geh\u00fcllt.\n5. Die Energie der localen Reaction bei den Paramaecien und bei La-crymaria olori steigt mit der Intensit\u00e4t der Reizung. Das an der anodischen Seite stark contrahirte Ektoplasma bewirkt bei den Paramaecien in der Gegend der Anode j\u00e4hes Hinausschleudern des Inhalts derTriehocysten in Gestalt von mehr oder weniger langen F\u00e4den oder Nadeln; die hinausgewoiv fenen Nadeln machen sich augenblicklich von der K\u00f6rperoberfl\u00e4che los; dieselben bestehen aus einer homogenen, collo'idalen, in dem sie umgebenden Medium nicht l\u00f6slichen Substanz; die F\u00e4den oder Nadeln ordnen sich immer zu irgend einer bestimmten Figur, stets in normaler Richtung zu der K\u00f6rperoberfl\u00e4che, zusammen (Fig. 4, 5, 6, 7 u. 8; S. 21 u. 27).\nVersuchen wir nun zu erkl\u00e4ren, warum jede Trichocystennadel normal zu der K\u00f6rperoberfl\u00e4che hinausschiesst und warum bei einer gewissen Intensit\u00e4t des Schlages bei den Paramaecien locale Contraction des Ektoplasma beobachtet wird. Die Antwort auf diese Fragen ist eine sehr einfache, wenn wir in einigen Worten an die morphologische Structur des Ektoplasma der Paramaecien erinnern.\nDas Ektoplasma der Paramaecien ist nach aussen durch eine ziemlich dicke, dunkle, structurlose H\u00fclle\u2014die Pellicula und die Alveolarscbicht\u2014begrenzt, welche nach aussen Verdickungen bildet, die in gleichen Zwischenr\u00e4umen von einander liegen. Die \u00e4ussere H\u00fclle zwischen diesen ist concav ausgebogen, und die Verdickungen selbst sind nichts anderes als die Stellen, in denen die drei gemeinschaftlichen Seiten dreier n\u00e4chstgelegener Fl\u00e4chen zusammenstossen; denn die ganze Alveolarschicht besteht aus hexagonalen Fl\u00e4chen, aus deren Centrum je eine Wimper hervorragt, welche die homogene Membran und die Pellicula so zu sagen durchbohrt. Unter der Pellicula liegen die Triehocysten\u2014besondere Gebilde in Gestalt von st\u00e4bchenf\u00f6rmigen oder nadelf\u00f6rmigen K\u00f6rperchen, die unter ziemlich starker Vergr\u00f6sserung spindelf\u00f6rmig erscheinen und an ihren Enden fein zugespitzt sind; dieselben sitzen fest unter der Pellicula, gew\u00f6hnlich rechts und links von der Basis jeder Flimmercilie, so dass jede hexagonale Fl\u00e4che 2 Triehocysten besitzt (S. Fig. 12, Taf. 26; K. K\u00f6lsch, 22). Das distale Ende der Trichocyste st\u00f6sst an die Pellicula, das proximale liegt an Her inneren Grenze des Ektoplasma. Die Ektoplasmaschicht ist bei den Pa-ramaecieien so dick, dass die ganze Trichocyste, deren L\u00e4nge 4 p.. betr\u00e4gt, darin eingeschlossen ist (K. K\u00f6lsch, 22, S. 281\u2014284). Eine jede Trichocyste endigt nach aussen mit einem St\u00e4bchen von gleichm\u00e4ssiger Dicke, dessen L\u00e4nge ungef\u00e4hr Ve\u2014Vs der allgemeinen L\u00e4nge der Trichocyste ausmacht. Diese erscheinen viel dunkler und st\u00e4rker lichtbrechend als das umgebende","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c2GE ETC.\n51\nPlasma, sind jedoch stets ungef\u00e4rbt, d. h. sie haben den bl\u00e4ulich-gr\u00fcnen Ton des Plasma (B\u00fctschli 2. S. 1459).\nAlle Trichocysten sind senkrecht zu der Oberfl\u00e4che angeordnet (Fig. 17). Bei dieser Veranlassung schreibt B\u00fctschli: \u00abInnerhalb des Corticalplasm\u00e4 sind die Trichocysten fast ausnahmslos deutlich senkrecht znr Oberfl\u00e4che und stets in einfacher Lage neben einander orientirt\u00bb. (2, S. U62)\nFeinere innere Structurverh\u00e4ltnisse sind bisher selbst mit den st\u00e4rksten Objectiven nicht beobachtet worden.\nDie chemische Natur dieser Gebilde ist bis jetzt unbekannt; dieselben scheinen aus plasma\u00e4hnlicher Substanz zu bestehen, also vornehmlich Eiweiss (2, S. i464) zu enthalten.\nDie L\u00e4nge der entleerten nadelf\u00f6rmigen Gebilde erreicht bei den Trichocysten circa 33 p. (2, S. 1464).\nDie F\u00e4higkeit der Trichocysten ihren Inhalt hinauszuschleudern berechtigt zu der Annahme, dass dieselben contractil sind, doch ist bis jetzt in dieser Beziehung noch gar nichts bekannt. Sowohl die Function als auch die Bestimmung der Trichocysten geh\u00f6ren bisher zu den wenig aufgekl\u00e4rten Fragen. Man sieht dieselben f\u00fcr Ver-teidigungs- und Angriffsorgane an, die eine giftige, den Feind oder die Beute t\u00f6tende Fl\u00fcssigkeit gegen diese schleudern. Von diesem Gesichtspunkte aus ist jedoch 1 schwer zu verstehen, weshalb die Trichocysten bei den Paramaecien \u00fcber den ganzen K\u00f6rper verbreitet sind, und ganz unld\u00e4rlich ist das Vorhandensein nicht auschnellbarer Trichocysten bei gewissen Infusorien.\nEs ist nunmehr begreiflich, dass die Richtung, in welcher der Inhalt der Trichocysten entleert wird, von deren anatomischer Stellung abh\u00e4ngt. Die Nadeln derselben k\u00f6nnen nur normal zu der Oberfl\u00e4che herausschnellen, da die Bl\u00e4sch en der Trichocysten senkrecht zu der Innenfl\u00e4che der Pellicula angeordnet\nFig. 17.Paramaecium\u201dcau-datum. Anordnung der Trichocysten und des Kerns in einem nach R. Mag-n i t z k y\u2019s (Moskau) M e-thode fixirten und gef\u00e4rbten Pr\u00e4parat. N \u2014 Ma-kronucleus, n\u2014Mikronu-cleus, p\u2014Peristom, U\u2014 Trichocysten, v\u2014contractile Vacuolen, na\u2014Nah-rungsvacuolen.\ngewisse Zeit dauert, schmalen Oeffnung eines langen cylin-\nsind. Obgleich bei der momentanen Ausschnellung des Inhalts der Trichocysten der Process selbst nicht wahrnehmbar. ist, darf man dennoch behaupten, dass er eine Dies beweist erstens der Umstand, dass der aus einer des Trichocysten herausgeschossene Inhalt die Gestalt derf\u00f6rmigen K\u00f6rpers annimmt, zweitens derjenige, dass die Richtung, in welcher der Inhalt der Trichocyste hinausgeschleudert wird, mit der raschen. Ver\u00e4nderung der Lage von deren Axe, deren Ende bei der Contraction des Ektoplasma des Vorder- oder Hinterendes des K\u00f6rpers rasch nach vorn oder hinten r\u00fcckt\u2014in Verbindung steht; in diesem F\u00e4lle nimmt die von dem\n4*","page":51},{"file":"p0052.txt","language":"de","ocr_de":"52\nUE BER PIE WIRKUNG PER INPUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nhinausgeschleuderten Inhalt der Trichocysten genommene Bahn die Form einer Parabel an\u2014die Concavit\u00e4t der Anode zugewandt (Fig. 4 b, d, f, Ji).\nWeniger bestimmt l\u00e4sst sich die locale anodische Contraction des Ecto-plasma erkl\u00e4ren. Die in der einschl\u00e4gigen Literatur enthaltenen Angaben \u00fcber die F\u00e4higkeit der Paramaecien ihre K\u00f6rperform zu ver\u00e4nderen zeichnen sich durch erstaunliche Widerspr\u00fcche aus. In den Lehrb\u00fcchern von A. Lang (11, S. 59), M. Marschall & Herbst (37, S. 5), N. Zograf (38, S. 33) und W. Haller (39, S. 49) ist geradezu gesagt, dass bei Paramaecium aurelia und putrinum Myophanienstreifen vorhanden sind; die Arbeiten, auf welche diese Autoren ihre Behauptung gr\u00fcnden, ist, es mir jedoch nicht gelungen zu finden.\nBei B\u00fctschli (2) dagegen finden wir keine Hinweise auf das Vorhandensein contractiler Elemente bei den Paramaecien; der russische Protistolog W. Sch\u00e9wiakoff (30, S. 33s), B\u00fctschli\u2019s Sch\u00fcler, behauptet in seiner vorz\u00fcglichen Monographie: \u00abDie Organisation und Systematik Infusoriae Holotrichae>, dass \u00abder K\u00f6rper der Paramaecien elastisch und biegsam, doch nicht contract\u00e9 ist\u00bb. (S. 338). Folglich muss die Frage nach dem Vorhandensein von Myophanien bei den Paramaecien vorl\u00e4ufig f\u00fcr offen angesehen werden.\nNichtsdestoweniger zeugen meine Versuche (S. 15\u201420) f\u00fcr das Vorhandensein einer contractilen Plasmaschicht bei Paramaecium caudatum, da nur eine solche die rasche locale Ver\u00e4nderung der K\u00f6rpergestalt an der Anode sogleich nach der Reizung und die Annahme der fr\u00fcheren Gestalt, wenn die Reizung aufgeh\u00f6rt hat, erkl\u00e4rlich macht. Es ist anzunehmen, dass das contractile Plasma, das sog. Corticalplasma, zwischen dem Ektoplasma und dem Ento-plasma an den Hinterenden der Trichocysten liegt; dasselbe reagirt auf einen Inductionsschlag von bestimmter Intensit\u00e4t, infolge von Reizung an der Anode, nur durch locale Contraction; starke Reizungen bewirken Contraction des s\u00e4mmtlichen Corticalplasma. Die Frage, ob letzteres homogen oder in einem gewissen Grade differencirt ist, hat eher eine morphologische Bedeutung.\nWenn die Paramaecien Myophanien bes\u00e4ssen, welche, wie z. B. bei Holo-phrya discolor (W. Schewiakoff, 30, S. se), in meridionaler Richtung hinz\u00f6gen, so w\u00fcrde die Reizung irgend eines Punktes des Streifens Contract] ons-erregung des ganzen Streifens, wie es bei Stentor der Fall ist, nach sich ziehen und w\u00fcrde die Folge davon Ver\u00e4nderung der K\u00f6rperform l\u00e4ngs des ganzen Meridians sein, was jedoch bei einer gewissen Reizschwelle nicht der Fall ist.\n6.\tDas Corticalplasma ist bei L a c r i m a r i a e olori (S. 33\u201437) st\u00e4rker entwickelt und b\u00ebsitzt die F\u00e4higkeit \u00fcber den ganzen K\u00f6rper hin sich zu contrahiren; bei einer gewissen Intensit\u00e4t des Oeffnungsschlages ist die Contraction jedoch st\u00e4rker an der Anode ausgedr\u00fcckt.\n7.\tDie conjugirenden und sich querteilenden Individuen (S. Seite 26). stellen in Bezug auf ihre Erregbarkeit ein Ganzes vor.\n8.\tDie Reaction in Kochsalz und Seewasser cultivirter Paramaecien und Seehypotrichae unterscheidet sich in nichts von derjenigen der S\u00fcss-wasserparamaecien.\n9.\tEin einzelner Inductions\u00f6ffnungsschlag mittlerer Intensit\u00e4t ruft E r-scheinungen von Nachwirkung der Reizung hervor: der Protist","page":52},{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE E'IC\t53\nreagirt durch mehrere Schl\u00e4ge der Wimpern nach vorn, infolgedessen kein einzelner Ruck oder Sprung nach hinten, sondern l\u00e4ngere R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung beobachtet wird*\nEinige Schl\u00e4ge mittlerer Intensit\u00e4t (nach einer bestimmten Reaction) vermindern oder heben f\u00fcr eine Zeitlang die Erregbarkeit der Ciliata auf -Erm\u00fcdungserscheinungen; auf eine neue ziemlich starke Reizung reagirt der Protist entweder gar nicht oder ganz regellos. Tote Protisten reagiren auf einzelne Inductionsschl\u00e4ge nicht. Die Zerst\u00f6rung des Protoplasma bei solchen Infusorien, denen die F\u00e4higkeit sich zu contrahiren abgeht, findet gew\u00f6hnlich nicht momentan nach einem, sondern erst nach mehreren Inductions-schl\u00e4gen statt und ist eine Folge electrolytischer Processe.\n10.\tThygmotaktische Infusorien, die infolge der Verzweigung des Stroms durch einen schw\u00e4cheren Schlag gereizt werden (S. 46), reagiren schw\u00e4cher als frei umherschwimmende Infusorien.\n11.\tDie Resultate meiner Experimente mit den Ciliata stehen somit im Widerspruch mit dem Pfl\u00fcg ergehen Gesetz der Polarerregung; die momentane Welle eines Inductions\u00f6ffnungsschlages ruft bei 17 Arten Ciliata eine anodische Erregung hervor, die sich durch bestimmte Reactionen ausl\u00f6st. Als beste Objecte f\u00fcr das Studium der Reaction betrachten wir Paramaecium und Lacrymaria.\nWenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, dass \u00e4hnliche Abweichungen von dem Pfl\u00fcgeraschen Gesetz unter der Einwirkung des constanten Stroms auch bei einigen von K\u00fchne (40) und V er worn (1) untersuchten Rhizo-poda beobachtet worden sind, so stimmt man letztgenanntem Forscher bei: \u00abdass sich kein allgemein g\u00fcltiges Gezetz der polaren Erregung f\u00fcr alle lebendige Substanz aufstellen l\u00e4sst> (41, S. 44i)-\n12.\tDer Unterschied in der morphologischen und chemischen Structur der verschiedenen Ciliata ist die. Hauptursache des verschiedenen Charakters der Reactionen derselben auf die elektrische Reizung.\nMoskau, 1902, 17 November.\nLi;teraturverzeichniss.\n1. M. Verworn: a) Die polare Erregung durch den galvanischen Strom. Arch.\nf. ges. Phys. Bd. 45. S. 1\u201436 und Bd. 46. S. 267\u2014303. 1889 u. 1890. \u201e\tb) Untersuchungen \u00fcber die polare Erregung der lebendigen\nSubstanz durch den constanten Strom. Arch. f. ges. Phys., Bd. 62. S. 415\u2014450. 1896.\n\u201e\tc) Die polare Erregung der lebendigen Substanz durch den con-\nstanten Strom. Arch. f. ges. Phys., Bd. 65, S. 47\u201462. 1897.","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"U\nUEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHL\u00c4GE ETC.\nr2. O. B \u00fc t s c h 1 i. Protozoa, inBro nn\u2019s \u201eKlassenu. Ordnungen desThierreichs Bd, I, Abth. Ill, Infusoria. Leipzig. 1887\u20141889.\t>\n8.\tK \u00fc h n e: Untersuchungen \u00fcber Bewegungen und Ver\u00e4nderungen der contractilen Substanzen. Arch. f. Anat. u. Phys. in .Wissenschaft. Med. 1859.\n4.\tG. Schwalbe. Ueber die contractilen Beh\u00e4lter der Infusorien. Arch. f. mik-\nrosc. Anat. Bd. II. S. 351\u2014371. 1866.\n5.\tA. Wrzesniowski. Ein Beitrag zur Anatomie der Infusorien. Arch. f. mik-\nrosc. Anat. Bd. V, S. 25\u201448. 1869.\n6.\tTh. Engelmann. Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Protoplasma. Arch. f. ges.\nPhys. Bd. II. S. 307\u2014322. 1869.\n7.\tJ. R o s s b a c h. Die rhythmischen Bewegungserscheinungen der einfachsten Orga-\nnismen und ihr Verhalten gegen physikal. Agentien und Arzneimittel. Arb. Zool. Inst. W\u00fcrzburg. V. 1 \u2014 2. S. 9\u201472. 1872.\n8.\tE. R o e s 1 e. Die Reaction einiger Infusorien auf einzelne Inductionsschl\u00e4ge.\nZeitschrift f. Allg. Phys. Bd. II, Hef. I. S. 139\u2014168. 1902.\n9.\tH. Jennings. Studies on Reactions to Stimuli in unicellular Organisms. V\nOn the Movements and motor Reflexes of the Flagellata and Cilata Amer. Journ. of Phys. Vol. III. 6. P. 229\u2014260. 1900.\n10.\tB. Birukoff. Untersuchungen \u00fcber Galvanotaxis. Arch. f. ges. Phys. Bd. 77.\nS. 555\u2014585.\n11.\tA. Lang. Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Thiere.\nLief. II. Protozoa. Jena 1901.\n12.\tW. Biedermann. Elektrophysiologie. Ergebnisse der Physiol., herausgeg.\nvon L. Asher u. K. S p i r o. Jahr. I. Abt. II. S. 169 \u2014 196. Wiesbaden, 1902.\t.\t\u25a0\n13.\tK. Ludloff. Untersuchungen \u00fcber den Galvanotropismus. Arch. f. ges.. Phys.\nBd. 59, S. 525\u2014554. 1895.\n14.\tR. Pearl. Reaction of Certain Infusoria to Electric Current. Amer. Jour, of\nPhys-. Vol. IV. X HI. S. 96\u2014123. 1900.\n15.\tH/ W a 11 e n g r e n. Zur .Kenntnis der Galvanotaxis. Zeitschr. f. Allg. Physiol\nBd. II. Hef. 2, S. 341\u2014384. 1902.\n16- E. Stahl. Zur Biologie der Myxomyceten. Bot. Zeitung, 1884, S. 12.\n17.\tP. Jensen. Methode der Beobachtung und Vivisection von Infusorien in Ge-\nlatinel\u00f6sung. Biol. Centralbit. Bd. XII. S. 558.\n18.\tA. Kunkel. Elektrische Untersuchungen an pflanzlichen und thierischen Ge-\nbilden. Arch. f. ges. Phys. Bd. XXV. S. 362. 1881.\n19.\tT. Wiasemsky. Elektrische Erscheinungen bei den Pflanzen. Moskau. 1901.\n20.\tL. M o r o c h o w e t z. Chemisch-physikalische Grundz\u00fcge der Untersuchungs-\nmethoden im Gebiete der Biologie und Medicin. Moskau 1897. Bd. II (russisch).\n21.\tS. Pr owazek. Ueber Vitalf\u00e4rbung mit Neutralroth. Biol. Centralblt. Bd. 17.\n1897.\n22.\tK. K\u00f6lsch. Untersuchungen \u00fcber die Zerfliessungserschemungen der ciliaten\nInfusorien. Zoolog. Jahrb\u00fcch. Bd. 16. Heft. 2. S. 273\u2014422. 1902.\n23.\tH. Wallen gr en. Inanitionserscheinungen der Zelle. Zeitschr. f. Allgem. Phy-\nsiol. Bd. I. Hf. I. S. 67\u2014128. 1902.\n24.\tF. Cohn. Nova Acta Ac. Caes. L. Carol. S. 135. 1854.\n25.\tA. Yasuda. On the Accomodation of some Infusoria to the Solutions ot cer-\ntain Substances in various Concentrations. Annotations Zool. Japon. Tokio. Vol. I. Part. II. 1897.","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"\u00fceber die Wirkung DER Hid\u00fcctionSSCHlage etc.\n55\n26.\tH. Goldberger. Die Wirkung von anorganischen Substanzen auf Protisten.\nZeitschrift, f. Biol. Bd. 25 (Neue Folge). S. 503\u2014581. 1902.\n27.\tJ. Loeb u. S. B u d g e 11. Zur Theorie des Galvanotropismus. IV Mittheilung.\nArch. f. ges. Physiol. Bd. 65. 1897.\n28: P. Re gnard. Recherches exp\u00e9rim. sur les condit. physiques de la vie dans les eaux. Paris. 1891.\n29.\tS. Kent. A Manual of the Infusoria. London. 1881\u20142. Vol. IL\n30.\tW. Schewiakoff. Organis\u00e2t, u. Systematik der Infusoria Aspirotricha (Ho-\nlotricha auctorum). Mem. de l\u2019Acad. Iinp\u00e9r. des Sciences St. P\u00e9tersbourg. S\u00e9rie VIII. T. IV. M 1. S. 1\u2014395. 1896.\n31.\t'\tJ e n n i n g. Studies on Reactions to Stim. in unicell. Organisms. I.* Keact. to\nchem., o'smot., and inechan. Stimuli in the ciliate Infusoria. \u2018 Journ. of Phys. V. XXL 257\u2014321.; 1897.\n32.\tW. Schewiakoff. Zur Biologie der Protisten. Mem. de l\u2019Acad. Imp. des\nSeien, de St. P\u00e9tersburg. T. 75. P. 1\u201490. 1895.\n33.\tA. P\u00fctt er. Studien \u00fcber Thygmotaxis'bei Protisten. Arch. f. Anat. u. Phys.,\nPhys. Abt., Suppl. Band. S. 243\u2014302. 1900.\n34.\tH. J e nnings. II. The Mechanism of the motor Reactions of Paramaecium.\nAmer. Journ. of Physiol. Vol. II. 311\u2014341.\n35.\tM. Verworn. Psycho-physiologische Studien, Jena. 1889.\n36.\tV. Sterki. Beitr\u00e4ge zur Morphologie der Oxytrichen. Zeitschrf. f. wissensch.\nZoolog. Bd. 31. S. 29\u201455: ,1878.\n37.\tM. Marc hall. a. H. Hurst. A junior Course of practical Zoology. Lon-\ndon. 1895.\n38.\tN. Zograf. Lehrbuch der Zoologie. Moskau 1898\u20141900 (russisch).\n39.\tB. Haller. Lehrbuch d. vergl. Anatomie. Lief. I. Jena 1902.\n40.\tK\u00fchne. Untersuchungen \u00fcber das Protoplasma und die Kontractilit\u00e4t. Leipzig.\n1864.\n41.\tM. Verworn. Allgemeine Physiologie. Drit. Aufl. Jena. 1901.\nDruckfehlerberichtigung.\nS. 2, Zeile 9 von oben lies \u201eGruithuisen (1809) und Ehrenberg (1838)\u201c anstatt \u201eEhren erg\u201c.\nS. 6, Zeile 7 von unten lies \u201eim Principe dr\u00fccken sie dasselbe aus, was die Phrase B. Birukoff\u2019s\u201c anstatt \u201ebei B. Birukoff folgendermassen pe-riphphrasirt sind\u201c.\nS. 7, Zeile 18, S. 8, Zeile 19 von oben, S. 9, Zeile 13 von unten, S. 10, Zeile 13 von unten, S. 15, Zeile 14, S. 22, Zeile 4, S. 27, Zeile 21, S. 30, Zeile 1 von unten lies \u201eSchleimig-collo\u00efdale\u201c anstatt \u201eSchleimig und colloidale\u201c.\nS. 26, Zeile 7 von unten lies \u201eda in Bezug auf die Erregbarkeit conjugirende oder in Teilung begriffene Individuen ein Ganzes vorstellen\u201c anstatt \u201eauch hinsichtlich der Erregbarkeit etc.\u201c.","page":55}],"identifier":"lit36552","issued":"1903-1904","language":"de","pages":"1-55","startpages":"1","title":"Ueber die Wirkung der Inductionsschl\u00e4ge auf einige Ciliata","type":"Journal Article","volume":"3"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T14:59:03.238654+00:00"}

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