Open Access
{"created":"2022-01-31T14:04:06.335315+00:00","id":"lit36555","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morochowetz, Leo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 3: 84-96","fulltext":[{"file":"p0084.txt","language":"de","ocr_de":"Das Globulin der Linse des Auges.\nLentoglobin.\nSynonyme: Albumin\u2014Nicolas, KrystallinJ)\u2014H\u00fcnefeld, Globulin\u2014Berzelius, Ca sein\u2014Simon, Melalbumin\u2014Fr\u00e9my & Valenciennes (nach B\u00e9champ), Globulin\u2014Schmidt, f\u00efbri-noplastische Substanz\u2014Schmidt, Lentoglobin\u25a0\u2014Morochowetz.\nVon Prof. Leo Morochowetz.\nGeschichte des Lentoglobins. Die ersten Angaben \u00fcber das Vorhandensein eines Prote'ink\u00f6rpers in der Linse werden gew\u00f6hnlich Chenevix zugeschrieben: doch kann ich darauf hinweisen, dass bereits im Jahre 1780 Wasserberg (46 p. 316), die Linse des Auges mit den prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in eine Reihe stellend, gefunden hatte, dass dieselbe, gleich dem Eiweiss, in Wasser und unter der Einwirkung von W\u00e4rme sich tr\u00fcbt. Bald darauf, im Jahre 1789, fand Plenk (36 p. 56), dass die Linse der Warmbl\u00fctler durch Alkohol und W\u00e4rme zum Gerinnen gebracht wird, w\u00e4hrend bei den Fischen nach dem Kochen nur die \u00e4usseren Schichten der Linse gerinnen, das Innere aber halbdurchsichtig bleibt. Endlich weist Fourcroy (6 p. 308) nicht nur auf die Tr\u00fcbung der Linse durch W\u00e4rme, S\u00e4uren und Alkohol hin, sondern spricht noch die Ansicht aus, dass dieselbe aus einer Prote'insubstanz und \u201eGelatine\u201c bestehe. Nichtsdestoweniger bleibt Chenevix (4 p. 578) das Verdienst, auf die Gegenwart eines Prote'm-k\u00f6rpers hingewiesen und eine besondere Methode f\u00fcr die Untersuchung der Bestandteile der Linse in Anwendung gebracht zu haben. Chenevix scheint der erste gewesen zu sein, der ein w\u00e4sseriges Extract aus der verriebenen Linse erhalten und gefunden hatte, dass dasselbe durch Tannin und z u m Teil auch durch Hitze gef\u00e4llt wird. Dieses Verhalten leitete Chenevix zu dem Schluss, dass die Linse gr\u00f6sstenteils aus \u201eGelatine\u201c besteht. In dem Kapitel \u00fcber das \u201eAlbumin\u201c werden wir sehen, dass Fourcroy\u2019s und Chenevix\u2019s \u201eGelatine\u201c eine eben solche Pro-temsubstanz wie das gew\u00f6hnliche Eiweiss ist, welches in gewissen F\u00e4llen f\u00fcr Leim (Glutin), doch auch nur \u00e4usserlich, angesehen wurde.\nWie dem auch sei, Nicolas (1805. 34 p. 312) allein wies ohne Schwanken auf das Vorhandensein eines Prote'ink\u00f6rpers in dem w\u00e4sserigen Extract im M\u00f6rser verriebener Linsen hin; das tr\u00fcbe Extract lieferte ein durchsichtiges Filtrat, welches die Reactionen des Albumins besass. Auch Berzelius (2 p. 68) fand, dass die Linse beinahe vollst\u00e4ndig in Wasser l\u00f6sbar ist, wobei die L\u00f6sung in der W\u00e4rme coagulirt; doch gleicht der Niederschlag nicht dem Coagulum-des Albumins, sondern ist k\u00f6rnig und undurchsichtig und erinnert dem Aussehen nach an den unter gleichen Umst\u00e4nden coagulirten Blutfarbstoff. Brandes (3 p. 197), der, f\u00fcr jene Zeit, ziemlich weitgehende Untersuchungen ausf\u00fchrte, fand, dass die Linse unstreitig eine Protemsubstanz enth\u00e4lt, welche zum Teil in Wasser l\u00f6slich, gr\u00f6sstenteils aber unl\u00f6slich ist, wobei er den l\u00f6slichen Teil mit dem Serumalbumin identificirte.\nH\u00fcnefeld, der die Substanz der Linse Krystallin (1827, 18 p. 92) benannt hatte, gewann dieselbe entweder einfach durch Auslaugen mit Wasser oder s\u00e4uerte das\nl) Die in die Chemie eingef\u00fchrte Benennung zugeschrieben; unstreitig aber hatte H\u00fcnefeld \u201eKrystallin\u201c wird von Wittstein (60 p. 847) \u2014 (1827. 18 p. 92 u folg.) sich derselben fr\u00fcher als Simon, vou Laptschinski (21 p. 631) \u2014 Berzelius Simon oder Berzelius bedient.","page":84},{"file":"p0085.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.\n85\nw\u00e4sserige Extract, um es von den anorganischen Bestandteilen zn befreien, mit Essigs\u00e4ure bei massig warmer Temperatur an, engte es etwas ein und f\u00e4llte es sodann mit Ammoniak: nachdem der abfiltrirte Niederschlag an der Sonne getrocknet und,zerkleinert worden war, quoll er in Wasser auf, l\u00f6ste sich darin aber nicht (ib. p. 96). Das w\u00e4sserige Extract frischer Linsen f\u00e4llt in der W\u00e4rme in Gestalt eines p u 1 v e r f \u00f6rmige n Niederschlags aus, \u201eab e r\u201c f\u00fcgt H\u00fcnefeld hinzu, \u201edamit ein solcher Niederschlag erhalten werde, darf die L\u00f6sung nicht gar zu concentrirt sein\u201c. In Bezug auf Metallsalze, Aether, Alkohol und S\u00e4uren verh\u00e4lt sich das Krystallin in w\u00e4sseriger L\u00f6sung ebenso wie das Albumin. Im allgemeinen ist H\u00fcnefeld geneigt eine n\u00e4here Verwandtschaft des Krystallins mit dem Albumin als mit dem Blutfarbstoff anzuerkennen, w\u00e4hrend Berzelius (ib. p. 97\u20149) letzteres annahm. Zu Gunsten der Aelmlichkeit zwischen dem Krystallin und dem Albumin spricht sich noch entschiedener Mulder (32 p. 195\u20146,\u20148; 18 p. 98; 33 p. 190) aus, der die Beobachtung gemacht hatte, dass das einzige Unterscheidungsmerkmal des Krystallins\u2014der k\u00f6rnige Niederschlag\u2014f\u00fcr diesen K\u00f6rper nicht charakteristisch ist, da beim Abdampfen und nacliherigen Kochen dessen w\u00e4sseriger L\u00f6sung der Niederschlag nicht in Gestalt von K\u00f6rnern, sondern als Coagulum mit allen dem Albumincoagulum *) eigent\u00fcmlichen Eigenschaften und Reactionen sich ausscheidet, wobei die elementare Zusammensetzung eine gleiche ist.\nIndem Simon (44 p. 76 und 526) das Krystallin mit dem Berzelius\u2019sehen Globulin identificirte, sah er seinerseits dasselbe f\u00fcr Casein an, infolge der der Proteinsubstanz der Linse innewohnenden Eigenschaft, in kochendem Alkohol (sp. Gew. 0.915\u20140.925) sich teilweise aufzul\u00f6sen und nach der Abk\u00fchlung der L\u00f6sung sich wieder niederzuschlagen. In der Folge erkl\u00e4rte Lieberk\u00fchn (29 p. 306), welcher eine analoge Beziehung der Proteink\u00f6rper zum kochenden Alkohol beobachtet hatte, Simon\u2019s Reaction durch die Gegenwart eines Alkalialbuminats. Doch konnte Simon nicht umhin zuzugeben, dass das w\u00e4sserige Linsenextract zu der Reaction des Kochens sich ebenso wie die gew\u00f6hnlichen Proteinl\u00f6sungen verh\u00e4lt, d. h. sich niederschl\u00e4gt, obgleich in demselben noch Proteinsubstanzeil Zur\u00fcckbleiben, welche durch Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt werden (41 p. 76\u20149).\nAus der oben dargelegten historischen Uebersicht folgt klar, dass Berzelius allein die k\u00f6rnige Beschaffenheit des Niederschlags, der beim Kochen des w\u00e4sserigen Linsenxtracts erhalten wird, f\u00fcr das Krystallin f\u00fcr charakteristisch hielt. In der That wird in den allgemeinen Lehrb\u00fcchern aus den f\u00fcnfziger Jahren dieses, nach Berzelius, charakteristischen Merkmals fast gar nicht erw\u00e4hnt. Zwar erw\u00e4hnten manche Autoren von Zeit zu Zeit desselben wieder, aber nur, um zu erkl\u00e4ren, dass dasselbe kein charakteristisches Anzeichen sei. So findet Vintschgau (1857, 45 p. 503), dass das Aussehen des beim Erhitzen des w\u00e4sserigen Linsenextracts erhaltenen Niederschlags von dem Concentractionsgrad jenes abh\u00e4nge, und dass sehr schwache L\u00f6sungen sich bloss tr\u00fcben. Vintschgau findet, dass, im allgemeinen, die w\u00e4sserigen Linsenextracte alle Eigenschaften prote\u00fcnhaltiger Fl\u00fcssigkeiten besitzen. Damit d\u00fcrfte wohl die ohnehin zuf\u00e4llige Verkn\u00fcpfung der Substanz der Linse mit dem Blutfarbstoff endg\u00fcltig aufgel\u00f6st sein.\nB\u00e9champ\u2019s Worten nach, benannten ungef\u00e4hr zu derselben Zeit Fr\u00e9iny & Va-landmines die Prote'msubstanz der Linse Metalburnin (m\u00e9talbumine) (l p. 1256): die Quellen dieser Angabe oder weitere Einzelheiten sind nicht angef\u00fchrt.\n*) \u201eDie im Wasserbade erhitzte Fl\u00fcssigkeit ge- besass alle Eigenschaften des Eiweissstoffes (83 rann schnell zu Klumpen. Die auf diese Weise p. 190)\u201c. erhaltene Substanz war vollkommen weiss und","page":85},{"file":"p0086.txt","language":"de","ocr_de":"86\nDAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.\nDie unbestimmten Reactionen des Krystallins werden bald durch neue, doch den Reactionen f\u00fcr die protemlialtigen Fl\u00fcssigkeiten im ganzen nahestehende ersetzt. Lehmann (27 p. 376) fand jedoch einem Unterschied erstens darin, dass das w\u00e4sserige Linsenextract bei 73\u00b0 anf\u00e4ngt zu opalesciren, bei 83\u00b0\u2014sich zu tr\u00fcben und bei D3\u00b0 coagulirt, zweitens, dass dieses Extract weder durch Essigs\u00e4ure noch durch Ammoniakl\u00f6sung allein gef\u00e4llt wird, aber bei consecutiver Bearbeitung mit den genannten Fl\u00fcssigkeiten sich niederschl\u00e4gt. Im Uebrigen findet Lehmann zwischen dem Extract und den prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten keinen Unterschied. Im folgenden Jahre giebt er (28 p. SO) als Temperatur, bei welcher ein w\u00e4sseriges Linsenextract sich niederschl\u00e4gt, schon 73\u00b0 an. Bemerken wir noch, dass zu Lehmann\u2019s Zeit es f\u00fcr ein i\u00fcr das Albumin charakteristisches Kennzeichen galt, dass dasselbe durch Essigs\u00e4ure nicht gef\u00e4llt wird (31 p. 96).\nBald darauf findet Lehmann ein charakteristischeres Verhalten der w\u00e4sserigen Linsenextracte und zwar durchaus in Verbindung mit der Gewinnung des H\u00e4mato-globins, nun aber schon in krystallinischer Form!...\nNachdem Funke (7 p. 172) das Krystallisationsverm\u00f6gen des H\u00e4matoglobins gezeigt hatte, schlug Lehmann seinerseits ein Verfahren vor, H\u00e4matoglobinkrystalle in gr\u00f6sseren Mengen darzustellen. Dieses Lehmann\u2019sche Verfahren gewann f\u00fcr die Geschichte des Globulins eine sehr wichtige Bedeutung. Dasselbe bestand in Folgendem: nach der Abtrennung des Serums behandelte Lehmann das Blutcoagulum mit ebenso viel oder anderthalbmal so viel Wasser und leitete in die Fl\u00fcssigkeit zuerst Sauerstoff, dann Kohlens\u00e4ure ei n, wobei 5 Minuten sp\u00e4ter die Bildung von Krystallen beobachtet werden konnte (23 p. 65; 27 p. 415; 9 p. 66). Lehmann, der in der L\u00f6sung des H\u00e4matoglobulins, oder, wie er es nannte, H\u00e4matokrystallins (25 p. 101), im ganzen Reactionen der Proteink\u00f6rper wahrgenommen hatte, suchte zwischen dem H\u00e4matoglobulin und irgend einer andern Proteml\u00f6sung eine Parallele zu ziehen, und wandte ganz zuf\u00e4llig seine Aufmerksamkeit unter anderem dem Krystallin, oder, wie man diesen K\u00f6rper schon damals zu nennen begann, dem Globulin, zu. Nat\u00fcrlich zog Lehmann die besonderen Eigenthfimlichkeiten des H\u00e4matoglo-bins in Betracht; auch suchte er ja nicht Identit\u00e4t aufz\u00fcstellen, sondern wollte nur das Verhalten der Proteinl\u00f6surigen zur Kohlens\u00e4ure pr\u00fcfen.\nBei Lehmann\u2019s Versuchen erwies es sich, dass, w\u00e4hrend eine IT\u00e4matoglobinl\u00f6sung unter dem Einfl\u00fcsse der Kohlens\u00e4ure einen krystallinischen Niederschlag ausscheidet, ein w\u00e4sseriges Linsenextract b e i der Durchleitung eines Kohlens\u00e4urestroms einen amorphenNiederschlag in Gestalt von gallertartigen Flocken giebt,'wobei derselbe beim Auswaschen mit Wasser, welches ebenfalls Kohlens\u00e4ure enth\u00e4lt, sich nicht a u f 1 \u00f6 st. Wird aber der Niederschlag in der Mutterlauge an der Luft gelassen, oder Sauers to ff durchgeleitet, so l\u00f6st sich derselbe in der Mutterlauge wieder auf (ib. p. 122).\nSchmidt, A. (39 p. 431), der Lehmann\u2019s Versuche unter denselben Bedingungen wiederholte *), fand, dass die w\u00e4sserige L\u00f6sung reiner H\u00e4matoglobinkrystalle unter dem Einfl\u00fcsse von Sauerstoff, dann von Kohlens\u00e4ure, nicht immer aufs neue Krystalle ausscheidet; ist die L\u00f6sung wenig concentr\u00e2t, so erscheint, anstatt der Krystalle, eine Tr\u00fcbung, \u2014 dessen erw\u00e4hnt \u00fcbrigens, auch schon Lehmann; - Schmidt aber sah, ausserdem, dass diese Tr\u00fcbung bei der Durchleitung von Sauerstoff durch die Mutter-\n*) \u00c9s ist eben der aut S. 4SI beschriebene Fall, gegebenen irrt\u00fcmlichen Deutung (s. p. n. 18) gar auf den ich mich beziehe, da der auf S. 430 der- keinen Wert hat. selben N\u00bb 39 befindliche infolge der ihm von Schmidt","page":86},{"file":"p0087.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTFARBSTOFFS.\n87\nlauge oder beim Stehen letzterer an der Luft verschwand, wie in dem Falle mit dein w\u00e4sserigen Linsenextract. Ferner bemerkte Schmidt noch, dass es gen\u00fcgte aut dieselbe schwache H\u00e4matoglobinl\u00f6sung mit einem Kohlens\u00e4urestrom allein einzuwirken, um dieselbe Tr\u00fcbung hervorzurufen, die ebenfalls die F\u00e4higkeit besass, nach der Entfernung der Kohlens\u00e4ure sich in der Mutterlauge aufzul\u00f6sen (39. p. 431). Allein auf diesem Wege wird nur eine schwache Tr\u00fcbung erhalten; damit dieselbe stark genug werde, um zu Reactionen dienen zu k\u00f6nnen, empfiehlt Schmidt die Krystalle in einer geringen Quantit\u00e4t Wasser, mit einigen Tropfen Aetznatronl\u00f6sung versetzt, aufzul\u00f6sen und erst dann Kohlens\u00e4ure durch die erhaltene L\u00f6sung durchzuleiten. Die abfiltrirten, a u t dem Filter ausgewaschene n Flocken r\u00e4t der Autor aufzul\u00f6sen, giebt aber das L\u00f6sungsmittel nicht an (ib. p. 444); letzteres ist jedoch von grosser Bedeutung, da der Niederschlag fr\u00fcher in der Mutterlauge verblieb und nach Entfernung der Kohlens\u00e4ure sich darin aufl\u00f6ste, w\u00e4hrend er hier von der Mutterlauge abgetrennt und dazu noch gewaschen (mit Wasser?) wurde1). Es wirft sich nat\u00fcrlich die frage auf, worin derselbe aufgel\u00f6st wurde. Jedenfalls nicht in Wasser. Zugleich schl\u00e4gt Schmidt noch vor, die H\u00e4matoglobinkrystalle in einem Alkali oder einer S\u00e4ure aufzul\u00f6sen und die erhaltene L\u00f6sung zu neutralisiren; dabei sollte der durch diese Neutralisation erhaltene Niederschlag dieselben Eigenschaften besitzen wie der vorher beschriebene (ib. p. 436). Im allgemeinen zweifelt Schmidt nicht, dass die erhaltene Substanz durch Zerfall des H\u00e4inatoglobins (ib. p. 430 und 444) entsteht und, was die Hauptsache ist, alle (?) Reactionen des Globulins der Linse*) (ib. p. 444 u. 431) aulweist, und nennt sie daraufhin sogleich Globulin (ib. p. 444).\nAuf diese Weise giebt Schmidt im Jahre 1862 der Prote\u00efnsubstanz des H\u00e4ma-toglobulins die ihr auf Grund der Priorit\u00e4t zukommende Benennung \u201eGlobulin\u201c wieder zur\u00fcck. Um das Globulin des H\u00e4inatoglobulins, welches wir \u201eChromoglobin\u201c benannt haben, nicht mit dem Globulin der Linse (lens, lentis) zu verwechseln, wollen wir dieses \u201eLentoglobin\u201c nennen. In Schmidt\u2019s ersten Arbeiten wird dem Chromoglobin nicht nur die Eigenschaft des Lentoglobins beigelegt, welches zuerst von Lehmann studirt wurde, sondern ihm werden auch diejenigen eines K\u00f6rpers, welcher seit den ersten Arbeiten von Denis (1835) durch Ver d \u00fcnnu n gvon Bl u t-serum mit Wasser und nac h h e r i g e m Ans\u00e4uern der M i s c h u n g mit Essigs\u00e4ure erhalten wurde und heutzutage unter dem Namen Seru m g 1 o-b u 1 i n\u2014S er o g 1 o b i n3) (31 p. 96)\u2014bekannt ist, zuerkannt. Zugleich bemerkte Schmidt, dass dieses Globulin sowie das Chromo- und Lentoglobin sich den fibrin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten gegen\u00fcber analog verhalten, indem sie deren Gerinnung bef\u00f6rdern. Aus diesem Grunde identificirt er dieselben in ihren Eigenschaften, in der gemeinschaftlichen Benennung \u201eGlobulin\u201c und auch noch darin, dass er dieselben \u201ef ib rill oplastisc he Substanz\u201c nennt4).\n*) \u201eEine solche alkalische L\u00f6sung ist viel dunkler gef\u00e4rbt als die w\u00e4sserige und liefert hei Kohlens\u00e4uredurchleitung einen Niederschlag, gross genug um ihn a b f i 1t rire n, auswasche n und wieder a u f 1 \u00f6 s e u zu k \u00f6 n n e n\u201c (39 p. 443).\ns) \u201eIn dieser Weise rein dargestellt stimmt diese aus den Blutkrystallen gewonnene Substanz in allen Punkten chemise h, m ikrosco-p i s c h und in ihrem Verhalten gegen fibrin\u00f6se Fl\u00fcssigkeiten mit dem Globulin der Linse und des B 1 u t s e r u m s \u00fcberein\u201c. (39 p. 444).\n3) S. Cit\u00e2t 1 ) und n\u00e4chstfolgendes *).\n4) \u201e... wo die Krystalle des H\u00e4inatoglobins, also in einer ganz w\u00e4sserigen Fl\u00fcssigkeit, suspendirt waren, so erhielt ich nach ihrer Aufl\u00f6sung durch verd\u00fcnnte S\u00e4ure oder verd\u00fcnntes Alkali beim Neutralisiren der Fl\u00fcssigkeit kein krystallinisches Sediment, sondern einen ungef\u00e4rbten Niederschlag von fibrinoplastischerSubstanz\u201c (ib-p. 436).\n\u201eAus einer Linsenl\u00f6sung .... durch Kohlens\u00e4ure .... Niederschlag .... besteht aus der eigentlichen fibrinopiastischeu Substanz der Linse\u201c (ib. p. 441),","page":87},{"file":"p0088.txt","language":"de","ocr_de":"88\nDAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.\nBei der Erw\u00e4gung dieser Identificirung ist es notwendig in Betracht zu ziehen: 1) dass Schmidt zu jener Zeit vollst\u00e4ndig von dem Gedanken an die unbedingte und wichtige Bedeutung der fibrinoplastischen Substanz f\u00fcr die Blutgerinnung in Anspruch genommen war; 2) dass dieser letztere Umstand, n\u00e4mlich der Einfluss auf die Blutgerinnung, schon an sich selbst gen\u00fcgte Schmidt zu Gunsten dieser Identit\u00e4t zu stimmen und 3) dass Schmidt unter dem Namen \u201efibrinoplastische Substanz\u201c die verschiedenartigsten Producte *) begriff. Noch mehr: schon die erste Beobachtung, der erste Schritt, der ihn zu dem Gedanken leiten konnte, dass das H\u00e4matoglobulin sich spaltet und dessen Product thats\u00e4chlich fibrinoplastistische Eigenschaften besitzt, d. h. die Blutgerinnung beschleunigt, wurde von ihm falsch gedeutet. So tr\u00e4gt er (ib. p. 430) die abfiltrirten Krystalle des gereinigten H\u00e4matoglobulins in Hydrocele-fl\u00fcssigkeit ein, wonach Aufl\u00f6sung der Krystalle und gleich darauf Gerinnung dieser Fl\u00fcssigkeit beobachtet wird. Nach der Entfernung des Fibrins beabsichtigte Schmidt die H\u00e4matoglobinkrystalle aus der dunkelroten Fl\u00fcssigkeit wieder abzuscheiden, zu welchem Zwecke er, nach Lehmann\u2019s Verfahren (p. n. 86\u2014-7), nach vorhergehender Verd\u00fcnnung mit Wasser zuerst Sauerstoff, dann Kohlens\u00e4ure durch die Fl\u00fcssigkeit leitete. Zwar tr\u00fcbte sich die Fl\u00fcssigkeit dabei, schied aber, zu Schmidt\u2019s Verwunderung, nicht Krystalle des Blutfarbstoffs, welcher durchaus in der L\u00f6sung blieb, sondern farblose Partikelchen aus, die sich leicht zu Flocken zusammenballten und fibrinoplastische Substanz vor stellten. \u201eOffenbar geh\u00f6rte dieser gerinnungserzeugende K\u00f6rper den in die Fl\u00fcssigkeit gebrachten Blutkrystallen an\u201c, erkl\u00e4rt Schmidt, \u201ederen Substanz bei der Behandlung mit Kohlens\u00e4ure sich gespalten hatte, wobei ein Teil derselben \u2014 der Farbstoff\u2014in L\u00f6sung blieb, \u201eder andere \u2014 die fibrinoplastische S u list a n z\u2014i n Form jenes w eis s e n Niederschlages ausgeschieden w u r d e\u201c 2).\nWenn kein Grund vorhanden ist, an der M\u00f6glichkeit einer, wenn auch unbedeutenden, Zersetzung des H\u00e4matoglobins in dem beschriebenen Falle zu zweifeln, so kann noch weniger abgeleugnet werden, dass die Hauptmasse des Niederschlags das\n*) S. die Gescliiclite des Seroglobins (Kap. IV). s) \u201eDm-cli weitere mit Blutkrystallen angestellte Versuche gelang es mir nun, die fibrinoplastische Substanz wirklich darzustellen und zu isoliren. Nachdem ich die durch wiederholtes Abschl\u00e4mmen mit destillirtem Wasser m\u00f6glichst gereinigten Krystalle von Meerschweinchenblut auf einem Filtrum so lange mit destillirtem Wasser ausgewaschen hatte, bis sich im Filtrat kein Serumeiweiss mehr nachweisen liess (insofern salpetersaures Silberoxyd keine F\u00e4llung bewirkte)\u2014bewirkte ich durch Beimengung der r\u00fcckst\u00e4ndigen Krystalle die Gerinnung einer Hydrocelefl\u00fcssigkeit, die spontan nicht coagidirte, also auch keinen Gehalt an fibri-noplastischer Substanz besitzten konnte; vor Eintritt der Gerinnung l\u00f6sten sich die Blutkrystalle, wie ich schon fr\u00fcher angegeben, vollkommen auf.\u2014 Nach Entfernung des Faserstoffes versuchte ich es, aus der dunkelrothen, jetzt fibrinoplastisch wirkenden Fl\u00fcssigkeit durch die gew\u00f6hnliche Behandlungsart, also durch Verd\u00fcnnung mit Wasser und durch Sauerstoff-und Kolilens\u00e4uredurchlei-tung die Blutkrystalle wieder darzustellen. \u2014 Die Fl\u00fcssigkeit tr\u00fcbte sich dabei, aber diese Tr\u00fcbung beruhte nicht auf einer Krystallausscheidung; der\nFarbstoff blieb durchaus in L\u00f6sung, und die tr\u00fcbenden Partikelchen sammelten sich zu einem ganz weissen Sediment, welches sich unter dem Mikroskop als aus einer ungeheuren Masse farbloser, amorpher, ausserordentlich kleiner K\u00f6rnchen bestehend erwies; dieselben zeigen stets eine sehr ausgesprochene Neigung, sich zu unregelm\u00e4ssigen Haufen oder zu mehr oder weniger langen St\u00e4ben zu gruppiren. Die fibrinoplastische Substanz erschien jetzt in Gestalt dieses Sedimentes pr\u00e4ci-pitirt und die von demselben abfiltrirte gef\u00e4rbte Fl\u00fcssigkeit war unwirksam geworden, w\u00e4hrend das Sediment selbst, bei Zusatz einer fibrin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeit sich augenblicklich l\u00f6ste, worauf die Gerinnung erfolgte. Offenbar geh\u00f6rte dieser gerinnungserzeugende K\u00f6rper den in die Fl\u00fcssigkeit gebrachten Blutkrystallen an und es war also die Substanz der letzteren nach ihrer Aufl\u00f6sung durch erneuerte Behandlung mit Kohlens\u00e4ure gespalten W'orden, indem ein Bestandtheil derselben, der Farbstoff, in L\u00f6sung blieb, w\u00e4hrend der andere, die fibrinoplastische Substanz, in Form jenes weissen durch seine eigenth\u00fcmliche Wirkung cha-rakterisirten Niederschlages ausgeschieden wurde\u201c, (ib. p. 430).","page":88},{"file":"p0089.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DEB LINSE DES AUGES.\n89\nGlobulin der Hydrocelefl\u00fcssigkeit selbst bildete. Zwar behauptet Schmidt (ib. p. 430), dass in der beschriebenen Hydrocelefl\u00fcssigkeit fibrinoplastische Substanz nicht vorhanden war, doch st\u00fctzt er sich nur darauf, dass die Fl\u00fcssigkeit spontan nicht coagu*-lirte. Auf dieselbe Weise \u2014 durch Verd\u00fcnnung mit Wasser und Durchleitung von Kohlens\u00e4ure\u2014hatte ja Schmidt Globulin sowohl aus analogen Hydrocelefl\u00fcssigkeiten (s. Kap. X, 31 p. 347) als auch aus den \u00fcbrigen protemhaltigen F\u00fcssigkeiten (s. Kap. IV, 31 p. 96) erhalten. Daf\u00fcr, dass hier wirklich das Globulin der Hydrocelefl\u00fcssigkeit ausfiel, zeugen auch Schmidt\u2019s weitere Angaben \u00fcber die Zersetzung schon reiner H\u00e4matoglobulinl\u00f6sungen, wobei jedoch unter identischen Bedingungen nur Tr \u00fc b u n g erfolgte. Mit diesen letzteren, auf unbestreitbare Thatsachen sich gr\u00fcndenden Angaben begannen wir in diesem Kapitel den historischen Ueberblick von Schmidt 's Arbeiten. Es wirft sich nun unwillk\u00fcrlich die Frage auf, ob Schmidt eine gen\u00fcgende Menge unbedingt dem H\u00e4matoglobulin angeh\u00f6riger Prote\u00efnsubstanz\u2014d. h. Chromoglo-bin\u2014und in gen\u00fcgender Reinheit besessen hatte, um deren Reactionen nicht nur in Bezug auf ihre Identit\u00e4t mit dem Seroglobulin, nicht nur in Betreff der Blutgerinnung, sondern auch hinsichtlich anderer m\u00f6glicher Reactionen bestimmen zu k\u00f6nnen. In Schmidt\u2019s Arbeiten fehlt es an Angaben, welche eine positive Antwort auf diese Frage unbedingt gestatten w\u00fcrden. Ausserdem ist die von Schmidt angegebene Dar stellungsart eine h\u00f6chst schwierige (s. weiter unten die Gewinnungsmethode p. 90).\nWas das Zerfallproduct des krystallinischen H\u00e4matoglobins betrifft, so sprach schon Funke im Jahre 1852 die Ansicht aus, dass dasselbe aus Globulin und H\u00e4matin bestehe *); doch finden wir directe Hinweise auf die Zerlegbarkeit des H\u00e4ma \u25a0 toglobins sowohl in L\u00f6sungen als im trocknen Zustande (26 p. 98; 24 p. 70), sowie dar\u00fcber, dass eines der Producte des Zerfalls eine Prote\u00efnsubstanz sei (27 p. 431; 25 p. 119), zuerst bei Lehmann. Nichtsdestoweniger sprach Schmidt mit einer Sicherheit, die keine Zweifel aulkommen liess, sich sowohl \u00fcber die Zerlegbarkeit des H\u00e4matoglobins, \u00fcber die Verbindung des Globulins mit H\u00e4matin als auch \u00fcber den unbedingt notwendigen Anteil des Chromoglobins an dem Bau des krystallinischen H\u00e4matoglobulins (39 p. 435 u. 444; 42 p. 499; 40 p. 11; 41 p. 77\u20148 u. 83) aus. Gleichzeitig mit Schmidt fand auch Hoppe-Seyler (12 p. 449). dass Funke\u2019s Ivrystalle, welche Hoppe-Seyler f\u00fcr H\u00e4matoglobulin ansah, unter der Einwirkung von W\u00e4rme, Alkohol, S\u00e4uren und Alkalien in H\u00e4matin und eine Prote\u00efnsubstanz (16 p. 377\u20148), oder Globulin (14 p. 835; 13 p. 233\u20144), zerfallen k\u00f6nnen. Zu derselben Zeit wurden Schmidt\u2019s Angaben \u00fcber die Zerlegung einer w\u00e4sserigen H\u00e4matoglobulinl\u00f6sung durch Kohlens\u00e4ure von K\u00fchne (20 p. 256) und Heynsius (11 p. 34) best\u00e4tigt. Ausserdem findet K\u00fchne, dass das H\u00e4matoglobulin ein Zerfallproduct\u2014das Chromoglobin (19 p. 207) \u2014 auch unter der Einwirkung eines AVasserstoffstroms giebt, und dass dieser K\u00f6rper sich in \u00e4usserst verd\u00fcnnten Alkalien und S\u00e4uren leicht l\u00f6st. Ferner fand Hoppe-Seyler (14 p. 835: 15 p. 208), dass bei spontaner Zersetzung das H\u00e4matoglobin ein Product\u2014das Meth\u00e4moglobin\u2014bildet, w\u00e4hrend Preyer der Ansicht ist, dass in diesem Falle neben dem Meth\u00e4moglobin beim Trocknen frischer H\u00e4matoglobulinkrystalle \u00fcber 0\u201d (37 p. 110; 38 p. 58 und 166) noch eine Prote\u00efnsubstanz, Globulin, oder, wie er es nennt, Globin erhalten wird. Ein \u00e4hnlicher weisser Chromoglobinniederschlag wird auch beim Erw\u00e4rmen einer H\u00e4matoglobulinl\u00f6sung zwischen 0\u00b0 und 64\u00b0 und h\u00f6her, bis 68, 5\u00b0, erhalten. Preyer r\u00e4t nach dem Erw\u00e4rmen schleunigst zu filtriren,\n*) \u201eIch glaube, dass die von mir beschriebenen Bestandteil in solcher Quantit\u00e4t in den Blutzellen Krystalle aus dem eiweisshaltigen Inhalt der Blut-\tenthalten sei, als eben ihr wesentlicher Gesamm-\nzellen in Verbindung mit Haematin bestehen. Man\ttinhalt G 1 o b u 1 i n + H aematin\u201c (8 p. 215).\nkann sich nicht vorstellen, dass irgend ein anderer","page":89},{"file":"p0090.txt","language":"de","ocr_de":"90\nDAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.\nwobei auf dein Filter weissliche Flocken, doch mit einer Beimengung von Metli\u00e4\u00ab moglobin (38 p. 59), Zur\u00fcckbleiben. Bei der Einwirkung kr\u00e4ftigerer Beagentien, z. B. kolilensauren Natrons bei 54\u00b0, findet jedoch vollst\u00e4ndige Spaltung des H\u00e4niato-globulin in Globulin und H\u00e4matin statt (ib. p. 60). Andererseits wird das H\u00e4mato-globulin von unbedeutenden Mengen verd\u00fcnnter S\u00e4uren, sogar verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig so schwacher wie 3% Bors\u00e4ure oder Kohlens\u00e4ure, und von Alkalien zerst\u00f6rt. Trotz seiner zahlreichen Untersuchungen \u00fcber die Zersetzungsproducte des H\u00e4matoglobulins li\u00e2t Preyer \u00fcber die Natur des Chromoglobins wenig gesagt, doch ist dieses Wenige von Bedeutung. Preyer findet, dass das Chromoglobin in Wasser unl\u00f6slich ist, namentlich aber dass es beim Verbrennen auf dem Platinblech keine Asche zur\u00fcckl\u00e4sst (ib. p. 58). Allerdings hatte K\u00fchne schon fr\u00fcher die Ansicht ausgesprochen (19 p. 207), dass kaum ein anderer Prote'ink\u00f6rper dem Chromoglobin an Reinheit gleichkommen d\u00fcrfte.\nDie zweite Periode in der Geschichte des Chromoglobins\u2014seit den f\u00fcnfziger Jahren bis zu der Gegenwart\u2014wird haupts\u00e4chlich durch die Best\u00e4tigung von Lecanu\u2019s Lehre \u00fcber die Zusammensetzung des H\u00e4matoglobulins aus H\u00e4matin und einem Proteink\u00f6rper charakterisirt, in welchem, Schmidt\u2019s Untersuchungen nach, alle Eigenschaften, die dem sogenannten Globulin des Blutserums\u2014dem Seroglobulin\u2014zuerkannt werden, angenommen werden k\u00f6nnen. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, dass sowohl die Darstellungsmethode des Chromoglobins als auch die Gr\u00fcnde, die dasselbe mit dem Seroglobin zu identificiren veranlassten, unzul\u00e4nglich sind; dies um so mehr, als Schmidt, von seinen ersten Arbeiten an, keine Angaben \u00fcber die wesentlichsten Eigenschaften dieser Substanz anf\u00fchrt, sondern sich darauf beschr\u00e4nkt einfach zu behaupten, dass die Reactionen des Chromoglobins mit denjenigen des Seroglobulins identisch sind, ohne sich auf factisches Material zu berufen. Der Mangel an diesbez\u00fcglichen Angaben l\u00e4sst sich durch die Mangelhaftigkeit der Darstellungsmethoden erkl\u00e4ren. Sowohl A. Schmidt als auch Preyer geboten \u00fcber ein sehr k\u00e4rgliches Material, und war es ihnen wohl kaum m\u00f6glich eine f\u00fcr die Charakteristik des Chromoglobins hinl\u00e4ngliche Anzahl von Reactionen einzuleiten. Wenn man dies in Betracht zieht, so erscheint Gr\u00fcnhagen\u2019s (10 p. 29) Ausspruch, dass die Protein -substanz des H\u00e4matoglobins viel zu wenig erforscht sei, um mit Sicherheit zu den \u201eGlobulinen\u201c gerechnet werden zu k\u00f6nnen, vollkommen gerechtfertigt.\nWie seltsam dieser letzte Satz auch scheinen m\u00f6ge, er entspricht vollkommen der Sachlage. In der That: die Prote'insubstanz des H\u00e4matoglobins hat zuerst den Namen \u201eGlobulin\u201c erhalten, denselben zahlreichen Protempr\u00e4paraten aus verschiedenen anatomischen Gebilden verliehen, wie wir in der Folge sehen werden, ist aber selbst noch durch keine bestimmten Reactionen gekennzeichnet.\nIndessen h\u00e4tte das Chromoglobin in der Erforschung der st\u00f6chiometrischen Beziehungen der Prote'ink\u00f6rper eine wichtige Rolle spielen k\u00f6nnen, da es in bestimmten Verh\u00e4ltnissenan der Constitution eines krystallisirbaren Proteink\u00f6rpers\u2014des H\u00e4matoglobins\u2014teilnimmt, welcher seinerseits, auf Grund eben dieser F\u00e4higkeit die krystallinische Gestalt anzunehmen, chemisch rein erhalten werden kann. Doch waren in dieser Richtung nicht einmal Versuche gemacht worden...\nDarstellung und allgemeine Eigenschaften des Chromo g 1o b i n s. Obgleich das H\u00e4matoglobulin sich leicht zersetzt, ist doch die Darstellung des reinen Chromoglobins wegen der umst\u00e4ndlichen Abtrennung des H\u00e4matins mit bedeutenden Schwierigkeiten verkn\u00fcpft. Weder das Berzelius sehe Verfahren (p, n. 73) und das sich von demselben wenig unterscheidende von Schmidt (p. n. 86), noch auch die Methoden von Lecanu(p. n. 74) und Wittich (p. n. 82) erm\u00f6glichen die Darstellung einer gen\u00fcgenden Menge der Substanz, wobei Lecanu\u2019s Methode noch den Uebelstand besitzt, dass das Chromoglobin im unl\u00f6slichen Zustande","page":90},{"file":"p0091.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DEK LINSE DES AUGES.\n91\nerhalten wird. Ebenso unzul\u00e4nglich ist Preyer\u2019s Verfahren (p. n. 89): es wird entweder gar nichts oder ein stark durch H\u00e4matin verunreinigtes Pr\u00e4parat, dazu in ganz unbedeutender Menge erhalten. Die Spaltung mittelst Kohlens\u00e4ure vorzunehmen, wie Schmidt vorschl\u00e4gt (p. n. 86), ist gar zu langwierig, was Schmidt auch (42 p. 499) selbst gesteht; der Hauptmangel, den auch Preyer (38 p. 77) bemerkte, ist aber der, das der ganze Versuch resultatlos bleiben kann; nicht etwa weil die Kohlens\u00e4ure das H\u00e4matoglobin nicht zersetzen sollte, sondern haupts\u00e4chlich weil die entstehenden Chromoglobinflocken von dem Gasstrom fortgerissen werden, an den Gef\u00e4ssw\u00e4nden kleben bleiben und antrocknen. Ich werde mich wohl kaum irren, wenn ich die Vermutung ausspreche, dass Schmidt auf die beschriebene (p. n. 86) Weise schwerlich eine gen\u00fcgende Menge reinen Chromoglobins erhalten hatte, um dasselbe zu Reactio-nen benutzen zu k\u00f6nnen.\nDas soeben hier Dargelegte, und bereits im Jahre 1892 in russicher Sprache Ver\u00f6ffentlichte (31) muss durch einige von Schulz (43 p. 449) aufgezeichnete Thatsachen vervollst\u00e4ndigt werden. Schulz, der, beil\u00e4ufig gesagt, mit meiner Arbeit unbekannt war, erhielt mit H\u00fclfe von Ammoniumsulfat H\u00e4moglobinkrvstalle, welche durch Abpressen zwischen Filtrirpapier von der Mutterlauge m\u00f6glichst befreit, getrocknet und nachher in Wasser aufgel\u00f6st wurden. Setzt man zu einer solchen H\u00e4moglobinl\u00f6sung, die eben sauer reagirt, Alkohol (ca. V5 Vol.) zu und sch\u00fcttelt dann mit Aether aus, so geht der ganze Farbstoff in den Aether \u00fcber, w\u00e4hrend die untenstehende w\u00e4sserig-alkoholische v\u00f6llig klare L\u00f6sung den entf\u00e4rbten Eiweissk\u00f6rper enth\u00e4lt (ib. p. 456). Aus dieser L\u00f6sung f\u00e4llt beim Neutralismen mit Ammoniak ein schwach gelblich gef\u00e4rbter grobflockiger, Niederschlag aus, den man in Wasser, dem einige Tropfen verd\u00fcnnter Essigs\u00e4ure zugesetzt sind, aufl\u00f6st. Nunmehr wird die \u00fcbersch\u00fcssige Essigs\u00e4ure durch mehrt\u00e4giges Dialysiren gegen h\u00e4ufig gewechseltes destillirtes Wasser entfernt und so eine v\u00f6llig neutral reagirende, absolut klare, schwach gef\u00e4rbte, geruch-und geschmacklose Globinl\u00f6sung erhalten (ib. p. 457). Die Dialyse wurde jedoch nicht bis zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung fortgef\u00fchrt, wie wir es getlian hatten (p. n. 92); durch Spuren von Ammoniak, Natriumhydroxyd, Natriumcarbonat entstand ein dicker, flockiger Niederschlag, der sich jedoch im geringsten Ueberschuss wieder aufl\u00f6ste. Das Globin wird also aus salzsaurer (43 p. 45) sowie essigsaurer L\u00f6sung durch Ammoniak gef\u00e4llt (ib. p. 463); durch ein \u00e4hnliches Verfahren erhielt Schultz ein eben solches Globin aus Hunde- und G\u00e4nseblut. Das aus den sauren L\u00f6sungen ausgeschiedene Globin unterwarf Schulz keinen Reactionen; diejenigen der sauren Globulinl\u00f6sungen werden in Kap. XII, welches den Verbindungen der Protemsubstanzen mit S\u00e4uren gewidmet ist, betrachtet werden.\nIn unserm Laboratorium wurden sowohl die \u00e4lteren als auch die neueren Darstellungsarten des Chromoglobins erprobt, wobei ich nicht umhin konnte dieselben h\u00f6chst unvollkommen zu finden.Wir versuchten H\u00e4matoglobulin mittelst Alkalien und alkalischer Erden, mit S\u00e4uren und Salzen bei gew\u00f6hnlicher und erh\u00f6hter Temperatur\u2014doch nicht \u00fcber 50\u00b0\u2014zu zersetzen. Die Resultate unserer Beobachtungen stimmen f\u00fcr die Zerlegung durch S\u00e4uren, namentlich durch Salz- und Schwefels\u00e4ure. In dem Kapitel \u00fcber die Wirkung der S\u00e4uren auf das Globulin werden wir sehen, dass wenig verd\u00fcnnte S\u00e4uren die chemischen Eigenschaften des Globulins als eines solchen nicht ver\u00e4ndern. Wir bedienten uns zum obengenannten Zwecke des H\u00e4matoglobins aus Ochsen-, K\u00e4lber-, Schweine-und Hundeblut, wobei es entweder in krystallinischer Form durch Einwirkung von Aether auf die ausgewaschenen Blutk\u00f6rperchen und Umkrystallisiren, oder durch Extrahiren der ausgewaschenen Blutk\u00f6rperchen mit Wasser dargestellt wurde. Im letzteren Falle wurde das defibrinirte Blut durch Umr\u00fchren init","page":91},{"file":"p0092.txt","language":"de","ocr_de":"92\nPAS GLOBULIN PER LINSE PES AUGES.\nFederb\u00e4rten oder Hornspateln mit 4-5-faclien oder noch gr\u00f6sseren Volumina 2\u00b0/0\u20145% L\u00f6sung von Natriumchlorid, schwefel-oder salpetersaurem Natron, Magne-sium-oder Ammoniumsulfat vermischt. Nachdem die Blutk\u00f6rperchen sich gesetzt hatten, wurde die Fl\u00fcssigkeit nach 8\u201416\u201424 Stunden abgegossen, und die am Boden befindliche Blutk\u00f6rperchenschicht mit denselben Mengen der genannten Salzl\u00f6sungen vermischt. 3\u20144-mal wurden immer neue Fl\u00fcssigkeiten aufgegossen und dann ganz entfernt. Um die zur\u00fcckgebliebenen Waschfl\u00fcssigkeiten so vollkommen wie m\u00f6glich zu entfernen, liess ich, anstatt einen Filter zu benutzen, dieselben von den W\u00e4nden einer Schachtel, die aus einem mehrfach zusammengelegten Bogen Fliesspapier angefertigt war, aufsaugen. Die mehrschichtigen W\u00e4nde eines solchen einfachen Filters sogen die Fl\u00fcssigkeit rasch auf, und die Blutk\u00f6rperchen blieben auf dem Papier in Gestalt einer dicken, mit dem Spatel leicht abnehmbaren Schicht zur\u00fcck. N\u00f6tigenfalls wurde unter die Schachteln Fliesspapier gelegt. Die ganze Operation dauert nicht lange, weshalb sie der Filtration durch gew\u00f6hnliche gefaltete und sogar durch Bunsen\u2019sche Filter mit negativem Druck, auf denen die Blutk\u00f6rperchen leicht eine dunklere F\u00e4rbung annehmen, an den B\u00e4ndern des Filters kleben bleiben und durch Anh\u00e4ufung die Filtration verz\u00f6gern, vorzuziehen ist. Danach wurde das H\u00e4matoglobin aus den Blutk\u00f6rperchen mit verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig wenig destillirtem Wasser extrahirt und die erhaltene L\u00f6sung entweder unmittelbar filtrirt oder, behufs Entfernung der Salze, zuerst 16\u201424 Stunden lang in cylinderf\u00f6rmigen Dialysatoren oder im Filterdialysator (s. Kap. NI, 31 p. 436) der Dialyse unterworfen, und erst dann filtrirt. Die nach einer dieser Methoden erhaltene H\u00e4matoglobinl\u00f6sung wurde unter Umr\u00fchren und allm\u00e4ligem Hinzuf\u00fcgen kleiner Portionen sehr verd\u00fcnnter Salz-oder Schwefels\u00e4ure bei gew\u00f6hnlicher Temperatur oder im Bade bei 30\u00b0\u201450\u00b0 bis zum Uebergang des H\u00e4matoglobulinspectrums in das H\u00e4matinspectrum zersetzt. Darauf unterwirft man die dicke braune Fl\u00fcssigkeit 1) entweder der Dialyse in den obererw\u00e4hnten Dialysatoren, wobei nach 24\u201436 Stunden im Dialysator, je nach der Concentration, sich entweder braune Flocken niedergeschlagen haben, oder der Inhalt desselben eine einf\u00f6rmige, undurchsichtige, gallertartige, braune Masse vorstellt; 2) oder man neutralisirt die Fl\u00fcssigkeit mit Ammoniakl\u00f6sung, infolgedessen sich auch hier ein brauner Niederschlag bildet.\n' Die Producte dieser oder jener Behandlung werden al\u00bbfiltrirt, wobei, beil\u00e4ufig gesagt, das Filtrat fast gar keine Proteink\u00f6rper enth\u00e4lt, namentlich im ersteren Falle. Die auf dem Filter zur\u00fcckgebliebene braune Masse wird in beiden F\u00e4llen sammt dem Filter zwischen Fliesspapier abgedr\u00fcckt, dann vom Filter genommen und mit 10\u201415% Chlornatrium, Natrium \u2014oder Ammoniumsulfatl\u00f6sung oder irgend einem \u00e4hnlich auf das Globulin wirkenden neutralen Salze der Alkalien oder alkalischen Erden verrieben. H\u00e4ufig erh\u00e4lt man schon gleich nach dem Abfiltriren der Fl\u00fcssigkeit eine farblose L\u00f6sung; widrigenfalls ist es eine schwach gelb oder braun gef\u00e4rbte L\u00f6sung, welche, um entf\u00e4rbt zu werden, aufs neue mit einem neutralen alkalischen Salze, z. B. Ammoniumsulfat, gef\u00e4llt und in Wasser aufgel\u00f6st werden muss. Um den Process der Befreiung vom H\u00e4matin zu beschleunigen, ist est geraten die S\u00e4ttigung langsam auszuf\u00fchren, indem man die ersten, am st\u00e4rksten durch H\u00e4matin gef\u00e4rbten Flocken fortwirft und sich mit den sp\u00e4ter erhaltenen begn\u00fcgt.\nDas bei dieser letzten Ausf\u00e4llung oder auch durch die S\u00e4ttigung der zuerst erhaltenen Fl\u00fcssigkeit mit einem Salze gewonnene Chromoglobin stellt, je nach der Concentration der L\u00f6sungen, aus denen es zuletzt erhalten wurde, feinere oder gr\u00f6bere K\u00f6rner oder gar Flocken vor, welch letztere auf Kosten des von ihnen zur\u00fcckgehaltenen Salzes in Wasser wieder l\u00f6sbar sind. Aus nicht sehr verd\u00fcnnten Salzl\u00f6sungen wird dieses Globulin durch S\u00e4ttigung mit neutralen Salzen der Alkalien oder alka-","page":92},{"file":"p0093.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.\n93\n^sollen Erden und auch von Wasser ausgef\u00e4llt. In diesem Falle ist das Chromoglobin in schwachen Salzl\u00f6sungen, in Alkali-und S\u00e4urel\u00f6sungen sogar unter 1 : 1000 l\u00f6slich; hat es aber in Wasser gelegen, so verliert es die F\u00e4higkeit sich in den genannten L\u00f6sungen solcher Concentration schnell aufzul\u00f6sen. Die salzhaltigen Chromoglo-binl\u00f6sungen coaguliren in der W\u00e4rme, wobei die Temperatur, bei welcher die Gerinnungstattfindet, von dem Grad der Concentration der L\u00f6sung sowohl in Bezug auf das Chromoglobin als auf das Salz, welches dasselbe gel\u00f6st h\u00e4lt, und auch von dem gegenseitigen Yerh\u00e4ltniss der Salze und des Globulins in der gegebenen L\u00f6sung abh\u00e4ngt (s. Kap. XI\u2014\u00fcber das Yerh\u00e4ltniss der Salze zum Globulin 31, p. 436). F\u00e4rbenreactio-nen gelingen ebenso gut wie mit den andern Protemsubstanzen; so bringt die Biu-retreaction violette, die Millon\u2019sche\u2014rosa F\u00e4rbung hervor. Salpeters\u00e4ure f\u00e4rbt in der W\u00e4rme sowohl die Fl\u00fcssigkeit als auch den Niederschlag, wenn ein solcher sich zeigt, gelb, bei Hinzuf\u00fcgung von Alkalien\u2014orangegelb.\nIn allgemeinen unterscheidet sich das Chromoglobin in nichts von den schon .erforscht gewesenen Globulinen.\nWeitere Geschichte des Lentoglobins; dessen Darstellung und Eigen sc hafte n. Ungeachtet der wichtigen Bedeutung der Prote\u00efnsubstanz der Linse f\u00fcr die Lehre vom \u201eGlobulin\u201c, giebt uns die von uns dargelegte Geschichte desselben keine bestimmte Darstellungsmethode, welche den Begriff von dem Globulin der Linse wenn auch nicht zu bestimmen, so doch abzugrenzen erlauben w\u00fcrde. H\u00fcnefeld\u2019s Verfahren (p. n. 84) wurde von den nachfolgenden Autoren keiner Aufmerksamkeit gew\u00fcrdigt, obgleich dasselbe in der Folge f\u00fcr die Geschichte sowohl des sogenannten \u201eAlbumins\u201c als des \u201eGlobulins\u201c eine wichtige Bedeutung erhielt.Auch Lehmann begn\u00fcgte sich mit einem w\u00e4sserigen Extract der Linse des Auges und liess das von ihm beobachtete charakteristische Verhalten der Kohlens\u00e4ure zu dem w\u00e4sserigen Linsenextract ausser Acht, w\u00e4hrend gerade dieses Verhalten seit Panum\u2019s Zeit die Grundmethode f\u00fcr hie Darstellung des Globulins geworden ist (s. die Geschichte des Albumins, Periode II, Kap. IV, 31 p. 96). Bald nach Lehmann gab jedoch Denis im J. 1856 nicht nur eine. Gewinnungsmethode, welche den Grundeigenschaften des Globulins volkommen entsprach, sondern war auch der erste, der in der Substanz der Linse die wesentlichsten Eigenschaften der uns jetzt bekannten Globuline an den Tag legte. Ganz rationnell extra-liirte Denis (5 p. 212\u201414) das Globulin aus der Linse nicht mit Wasser, sondern mit 5% oder sogar 10% Kochsalzl\u00f6sung l). Die klare, filtrirte L\u00f6sung gab mit Wasser einen in Salzl\u00f6sungen l\u00f6slichen Niederschlag (ib.). Das Gesagte gen\u00fcgt, glaube ich, um die Bedeutung dieses Autors als des ersten Beobachters, der die wirklichen Eigenschaften des Globulins in der Prote\u00efnsubstanz der Linse gezeigt, f\u00fcr die Geschichte des Lentoglobins zu erkl\u00e4ren. Nicht weniger verdienstvoll ercheint Schmidt, der im Jahre 1862 aussagte, dass die von Lehmann (p. n. 86) beobachtete Reaction \u2014 F\u00e4llbarkeit des w\u00e4sserigen Linsenextracts durch Kohlens\u00e4ure und L\u00f6slichkeit dieses Niederschlags in der Mutterlauge nach Entfernung der Kohlens\u00e4ure \u2014 dem Chromoglobin und, was noch wichtiger ist, auch dem Seroglobin zukommt, welches nach Schmidt\u2019s Arbeiten der Repr\u00e4sentant aller Globuline (39 p. 430) geworden ist. Indem Schmidt auf diese Weise das Lentoglobin mit dem Seroglobin (ib. p. 432) idendificirt, f\u00fchrt er die von ihm im Seroglobin gefundenen Eigenschaften auf das Lentoglobin zur\u00fcck und zeigt vor allem, dass letzteres aus dem Linsenextract wie durch\n*) \u201eOn l\u2019obtient ais\u00e9ment, pour en faire l\u2019\u00e9tude, en soumettant d\u2019une part un cristallin broy\u00e9 et lav\u00e9 \u00e0 l\u2019action de 2 ou 3 fois son volume d\u2019eau sal\u00e9e au tiers et d\u2019autre part, \u00e0 pareille dose\nd\u2019eau sal\u00e9e au vingti\u00e8me, un autre cristallin pr\u00e9par\u00e9 de la m\u00eame mani\u00e8re* (5 p. 213). Die Bedeutung der Ausdr\u00fccke \u201eau tiers\u201c (10\u00b0/0) \u201eau vingti\u00e8me\u201c (B\u00b0/o) s. 5 p. 2 des Vorworts.","page":93},{"file":"p0094.txt","language":"de","ocr_de":"94\nDAS GLOBULIN DER LINSE DAS AUGES.\nKohlens\u00e4ure so auch durch andre verd\u00fcnnte S\u00e4uren ganz so wie das Globulin des Serums ausgef\u00e4llt wird, und dass beiden das Recht zukommt fibrinoplastische Substanz ') genannt zu werden. Obgleich K\u00fchne (19 p. 404) die fibrinoplastische Bedeutung des Lentoglobins ableugnet, schreibt er diesem nichtsdestoweniger die Eigenschaften und Reactionen des Seroglobins und eines \u201eFibrinogens\u201c zu. Ohne der von Lehmann (28 p. 80) und Yintschgau (45 p. 503) erhaltenen Thatsachen zu erw\u00e4hnen, gelangt Schmidt seinerseits zu der Meinung des letzteren, dass die Gerinnungstemperatur der w\u00e4sserigen Extracte in weiten Grenzen schwankt (39 p. 441\u20142). Genaue Angaben \u00fcber die Reactionen des Lentoglobins finden wir bei Schmidt nicht. Die von ihm erhaltenen allgemeinen Thatsachen benutzt Laptschinski (21 p. 633), der das Lentoglobin aus dem w\u00e4sserigen Linsenextract mittelst . Durchleitung eines Kohlens\u00e4urestroms erhielt, wobei der enstandene Niederschlag in schwachen Kochsalzl\u00f6sungen sich aufl\u00f6ste. Ohne irgend welche Thatsachen anzuf\u00fchren, erw\u00e4hnt dieser Autor unter anderem, dass die Linse auch eine an das Vitellin (s. Kap. VIII \u00fcber das Vitellin, 31 p.269) erinnernde Substanz enth\u00e4lt. Offenbar gab dieser an sich selbst bedeutunglose Umstand Hoppe- Seyler Veranlassung (17 p. 266) die \u201eG 1 o b u 1 i n e (?) der Ivrystallinse\u201c dem Vitellin, der Prote\u00fcnsubstanz,* im allgemeinen dem Globulin zuzurechnen, welches aber, nach der Meinung Hoppe-Seyler\u2019s und seiner Sch\u00fcler, aus seinen L\u00f6sungen in neutralen Salzen bei deren S\u00e4ttigung mit Kochsalz, vor allem Steinsalz, nicht ausf\u00e4llt. Obgleich Schmidt und K\u00fchne keine Einzelheiten anf\u00fchren, sprechen sie sich doch deutlich genug dahin aus, dass dem Lentoglobin alle Reactionen des Globulins zukommen, folglich auch die Eigenschaft durch Kochsalz gef\u00e4llt zu werden.\nDiese Widerspr\u00fcche erkl\u00e4ren sich einerseits durch die Oberfl\u00e4chlichkeit, mit der die Autoren ihre Versuche anstellten und beschrieben, andererseits durch die Verschiedenartigkeit der Darstellungs-und Versuchsmethoden.\nNachdem meine Arbeit schon erschienen war (1892, 31 p. 221, extrahirte M\u00f6rner in Jahre 1894 aus Linsen nach dem Verreiben derselben mit Sand und xjk ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung Proteinsubstanzen von globulin\u00e4hnlichem Charakter (30 p. 81), die er aber, je nach ihrem Schwefelgehalt, als a-Krystallin und \u00df-Krystallin von einander unterschied (ib. p. 88).\nUnsere Versuche wurden haupts\u00e4chlich mit Linsen von Ochsenaugen (deren ich mir aus dem alten moskauer Schlachthause gegen 1000 St\u00fcck verchaffen konnte), ausserdem auch mit Linsen von Hunde-, Schweine-, Katzen-, K\u00e4lberaugen, nur sehr wenige mit menschlichen Ivrystallinsen ausgef\u00fchrt.\n-Es versteht sich von selbst, dass die Behandlung mit Wasser eines glohulinhalti-gen Gewebes oder Gemenges unzul\u00e4ssig ist, da das Globulin von Wasser gef\u00e4llt wird, was in Bezug auf die Linse schon im J. 1780 von Wasserberg (46 p. 316) beobachtet worden war. wobei er bemerkt hatte, dass die Linse sich im Wasser tr\u00fcbt, Eine gut mit Wasser im M\u00f6rser verriebene Linse bildet ein tr\u00fcbes Gemenge, welches um so. tr\u00fcber wird, je mehr Wasser hinzukommt; bei dem Abstehen des Gemisches setzen sich am Boden nicht nur vereinzelte zerrissene Zellen der Linse, sondern auch kleinere und gr\u00f6ssere Flocken ab, die in 5\u201410%-iger Kochsalzl\u00f6sung l\u00f6slich sind und sich \u00fcberhaupt wie Globulinniederschl\u00e4ge verhalten. Um in den Extracten eine m\u00f6glichst grosse Menge Globulin zu erhalten, muss man offenbar die Methode von Denis benutzen, der, wie schon erw\u00e4hnt (p. n. 93), die Linsen mit 5\u201410% Kochsalz-\n*) \u201eAus einer Linsenl\u00f6sung wird durch Kohlens\u00e4ure\u2019 oder verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure wie aus dem Blutserum nur ein Theil der organischen Substanz gef\u00e4llt; dieser Niederschlag, von der Fl\u00fcssigkeit getrennt, verh\u00e4lt sich in allen St\u00fccken wie das\nSerumglobulin, seine schwach alkalische L\u00f6sung gerinnt also auch nicht heim Erhitzen; er besteht aus der eigentlichen fibrinoplastischen Substanz der Linse\u201c (39 jj. 4dl).","page":94},{"file":"p0095.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN- DER LINSE DES AUGES.'\n95\nl\u00f6sung verrieb. Wir haben gefunden, dass schon 1% Kochsalzl\u00f6sung gen\u00fcgt, die man allm\u00e4lig zu den Linsen zugiebt, welche entweder rein oder, damit das Globulin sich besser extrahiren lasse, mit Glaspulver oder feinem Sand im M\u00f6rser verrieben wurden. Obgleich eine solche L\u00f6sung zerst\u00f6rte Linsenzellen suspendirt enth\u00e4lt, so sind diese doch ganz durchsichtig, und weisse Globulinflocken sind nicht mehr zu bemerken.\nDie abfiltrirte klare L\u00f6sung wird mit Wasser gef\u00e4llt. Der erhaltene Niederschlag ist in L\u00f6sungen neutraler Salze der Alkalien oder alkalischen Erden von mittlerer Concentration l\u00f6slich. Die L\u00f6sung l\u00e4sst sich durch Eintr\u00e4gen von Kry-stallen oder Pulver derselben Salze, so wie auch durch Uebergiessen einer Schicht dieses oder jenes Salzes mit derselben f\u00e4llen. Der Niederschlag ist auch in diesem Falle in Wasser l\u00f6slich, aber schon auf Kosten der vom Niederschlage zur\u00fcckgehaltenen Salze. Wie mit Steinsalz so auch mit gew\u00f6hnlichem Kochsalz giebt die erw\u00e4hnte L\u00f6sung Niederschl\u00e4ge von demselben globulinartigen Charakter. Verd\u00fcnnte L\u00f6sungen von Lentoglobin, wie auch von Globulinen irgend einer andren Herkunft, k\u00f6nnen unter der Einwirkung nicht nur von Steinsalz, sondern auch von Krystallen eines jeden anderen, in diesem Sinne energischeren Salzes Niederschl\u00e4ge auch nicht geben. Dies erkl\u00e4rt, warum Hoppe-Seyler bald nach seinem Sch\u00fcler Laptschinsky in der Linse die Gegenwart von Vitellin voraussetzte.\nUm reines Lentoglobin mit m\u00f6glichst geringem Aschengehalt, wo nicht ganz aschenfrei. zu erhalten, l\u00f6st man die in den oben beschriebenen F\u00e4llen erhaltenen Niederschl\u00e4ge dieser Substanz in 0,5\u20141\u20142\u00b0/0 Salzs\u00e4ure auf und unterwirft die L\u00f6sung der Dialyse in dem Filterdialysator. Der Bodensatz, der sich nach 16\u201424 Stunden aus-geschieden hat, enth\u00e4lt entweder gar keine Asche oder, im Vergleich zum Globulin, welches auf andere Weise erhalten wird, nur eine unbedeutende Menge. Im ganzen besitzt dieser Niederschlag alle Eigenschaften des Globulins.\nLITERATU R Z U K A P. TL\n1) Bechamp. \u2014 Comp. rend. 1S80, t. 90. 2) Berzelius. \u2014 Uebersicht der Fortschritte und des gegenw\u00e4rtigen Zustandes der thierischen Chemie (1813\u201414). T\u00fcbingen-N\u00fcrnberg. 1815. 3) Brandes.-\u2014\u2022 Journ. Scbweiger\u2019s. 1821, Bd. 31. 4) Chevenix. \u2014 Bild. brit. 1803, an. 8, t. 22. 5) Denis. \u2014 Nouvelles \u00e9tudes chimiques, physiologiques et m\u00e9dicales sur les substances albumino\u00efdes. Paris. Bailli\u00e8re. 1856. 6) Fourcroy. \u2014 Syst\u00e8me des connaissances chimiques et de leurs applications aux ph\u00e9nom\u00e8nes de la nature et de l\u2019art; 1801, (an. IX); t. 9.7) Funke.\u2014Zeitschr. rat. Med. 1851. Bd. 1. 81 Id.\u2014-Ibid.\n1852.\tBd. 2. 9) Gorup-Besanez. \u2014 Anleitung zur quantit. Analyse. N\u00fcrnberg. Schr\u00e4g. 2 Anti. 1854. 10) Gr\u00fcnhagen. \u2014 Lehrbuch der Physiologie f\u00fcr academische Vorlesungen und f\u00fcr Selbststudien. Hamburg-Leipzig. 1885. 11) Heynsius. \u2014 Pli\u00fcger\u2019s Arch. 1809. Bd. 2. 12) Hoppe-Seyler. \u2014 Arch. Virchow\u2019s 1862. Bd. 23. 13) Id\u2014Ibid. 1864. Bd. 29. 14) Id.\u2014Centrhl. f. m. W. 1804. Jahrg. 2. 15) Id.\u2014 Handbuch d. physiol, und pathol.\u2014chemischen Analyse. Berlin. Hirschwald. 1865. Aull. 2. 16) Id.\u2014 Untersuch, med.-chem. 1867\u201471, lift. 1\u20144. 17) Id. \u2014Handbuch der physiol, und pathol.-chemischen Analyse. Berlin. Hirschwald. 1883. Aufl. 5. 18) Id.\u2014Hiinefeld. \u2014 Physiologische Chemie des menschlichen Organismus; zur Bef\u00f6rderung der Physiologie und Medicin etc. 1827. Theil. 2. 19) K\u00fchne \u2014 Lehrbuch d. physiol. Chemie. Berlin. Engelmann. 1866\u20148. 20) Id.\u2014yaeoirmcf. 4>H3ioJioriiliecK,on xhm\u00fci; uep. nojii pejuaKu;. CduierroBa. CHB. 1866\u20148. 21) Laptschinsky. \u2014 Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1876. Bd. 13, 22) Lehmann\u2014Lehrhuch der physiolog. Chemie. Leipzig. Engelmann. 1850. 2 Anti. Bd. 1. 23) Id. \u2014 Journ. f. prakt. Chem. 1852. Bd. 56. 24) Id\u2014Berichte s\u00e4chs. Gesell. 1852. Jahrg. 4. 25) jd.\u2014Ibid.\n1853.\tJahrg. 5. 26) Id.\u2014Journ. f. prakt. Chem. 1853. Bd. 58. 27) Id.\u2014Ibid. 1853. Bd. 59. 28) Id.\u2014 Handbuch der physiol. Chem. Leipzig, Pingelmann. 1854. 29) Lieberk\u00fchn.-\u2019\u2014 Ann. Pogg. 1852. Bd. 6. 30) M\u00f6rner, C. Th. \u2014 Zeitschr. physiol. Chem. 1894. Bd. 18. 31) Morochowetz, Leo.\u2014Die Einheit der Prote\u00efnstoffe, Theil. I. Zooglobin. A NXVI + 939, mit 3 Tafeln. Moskau, 1892, russisch; Maly\u2019s","page":95},{"file":"p0096.txt","language":"de","ocr_de":"96\nDAS GLOBULIN DER LINSE DES \u2022 AUGES.\nJahresberichte f. d. J. 1892. Bd. 22, S. 10. Eahhctbo npoi,enHOBux,i> t\u00e9jtb. HcTopHTCCKia e 3KenepH-MeHTajibHiia H3CJil>\u00c40BaHia t. I\u2014r.io6y.iiHHT, h ero coTOTaHia. UacTt 1\u20143oomo6hhb. Op. 1\u201421. OaBa II\u2014JleHTOMO\u00d6HH'E CTp. 22\u201438. 32) Mulder. \u2014 Bull. N\u00e9erland. 1839. an. 5. 33) Id.\u2014Journ. f. prakt. Chem. 1840. Bd. 19. 34) Nicolas. \u2014 Ann. de chimie ou Recueil. 1805. t. 53. 35) Osborne. \u2014 Zeitschr. f. analyt. Chem. 1901 Bd. 41. 36) Plenk. \u2014 Hygrologie des menschl. K\u00f6rpers etc. Berlin. Felich, 1796. 37) Preyer.\u2014Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1868. Bd. 1. 38) Id.\u2014Die\u2019* Blutkrystalle. Jena. Mauke. 1871. 89) Schmidt.\u2014Arch. Du Bois. 1862. 40) Id.\u2014Arch. Virchow\u2019s. 1864. Bd. 29. 41) Id.\u2014 ITaematologische Studien. Dorpat, 1865. 42) Id. \u2014Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1872. Bd. 61. 43) Schulz, Fr. N.\u2014 Zeitschr. physiol. Chem. 1898. Bd. 24. 44) Simon, Fr.\u2014-Handbuch d. angewandten medicinischen Chemie. Berlin. 1840. Bd. I. 45) Vintschgau. \u2014 Sitznngsber. Wien. 1857. Bd. 24. 46) Wasserberg.\u2014 Neues Magazin f\u00fcr Aerzte. Leipzig. 1780. Bd. II. 47) Wittich. \u2014 Journ. f. prakt. Chem. 1854. Bd. 61 48) Wittstein.\u2014Vollst\u00e4ndiges etymologisch-chemisches W\u00f6rterbuch etc. 1847. Bd. 2.\nB i b I i o g r a p li i r.\nOuvrages re\u00e7us par la R\u00e9daction du \u00abPhysiologiste Russe*;\na) en langues \u00e9trang\u00e8res.\nAnglas, J. Les ph\u00e9nom\u00e8nes des m\u00e9tamorphoses internes. Un vol. in 8\u00b0. Collection S ci enti a. C. Nanti, \u00e9diteur, 3, rue Racine. Paris.\nAnnual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Institution schowing the operations, expenditures, and condition of the Institution for the year ending June 30, 1901. Washington. 1902.\nArbeiten aus der Physiologischen Anstalt zu Leipzig, 1902.\nArchives d'\u00e9lectricit\u00e9 m\u00e9dicale, exp\u00e9rimentales et cliniques. Recueil mensuel fond\u00e9 et publi\u00e9 par J. Bergoni\u00e9. 10-e ann\u00e9e. 15 ao\u00fbt 1902. \u00abN\u00ab 116, 117 (num\u00e9ro du Congres de Berne), 118; 119,120.\u201411-e ann\u00e9e. 15 Janvier. 1903. A\" 121, 122, 123, 124.\nAtwater, W. 0. and Benedict, F. G. An experimental inquiry regarding the natritive value of alcohol. Memoirs of the National Academy of Sciences. Vol. VIII. Sixt memoir. Washington. 1902.\nBasler, Adolf. Ueber die Art des Absterbens verschiedener quergestreifter Muskeln bei erh\u00f6hter Temperatur. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorw\u00fcrde in der Medicin, Chirurgie und Geburtsh\u00fclfe unter dem Pr\u00e4sidium v. Br. Paul v. Gr\u00fctmer. T\u00fcbingen. 1902.\nBulletin of the Johns Hopkins Hospital. Baltimore. 1902. Vol. XIII. JVs 136, 137\u2014138, 139, 140, 141. Vol. XIV. JV\u00ab 142, 143, 144\u2014145.\nBrodie, T. G. and Dixon, W. E. The Pathology of Asthma. Reprinted from the Transactions of the Pathological Society of London. Vol. 54. Part. I. 1903. London.","page":96}],"identifier":"lit36555","issued":"1903-1904","language":"de","pages":"84-96","startpages":"84","title":"Das Globulin der Linse des Auges. Lentoglobin","type":"Journal Article","volume":"3"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T14:04:06.335321+00:00"}
