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Die physiologische Bedeutung der Centrifuge zur Entlarvung von Functionsstörungen des Ohrlabyrinthes

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{"created":"2022-01-31T16:55:44.782110+00:00","id":"lit36556","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Stein, St. von","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 3: 1-30","fulltext":[{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"LE\nPHYSIOLOGISTE EUSSE\nR\u00c9DIG\u00c9 PAR\nM. L\u00e9on Morokhowetz,\nProfesseur de physiologie \u00e0 l\u2019Universit\u00e9 Imp\u00e9riale. MOSCOU.\nVol. III.\t6 f\u00e9vrier 1904.\tN\u00b0N\u00b0 48\u201460.\nDie physiologische Bedeutung der Centrifuge zur Entlarvung von Functionsst\u00f6rungen des Ohrlabyrinthes ')\u2022\nVon Dr. St. von Stein,\nDirector der Basanowa\u2019schen Universit\u00e4ts-Ohrenklinik in Moskau.\nAuf Grund meiner Erfahrungen bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, dass die Centrifuge sowohl f\u00fcr den Otologen, als auch f\u00fcr den Neuropatho-logen \u00fcber kurz oder lang ein unentbehrliches Hilfsmittel bei Untersuchungen sein wird. Sie erleichtert n\u00e4mlich die Entdeckung einer ganzen Reihe von Symptomen, welche sonst durch die jetzt vorhandenen \u00fcblichen Untersuchungsverfahren nicht festgestellt werden k\u00f6nnen. Da die Sache noch neu ist, so hat man sich vorl\u00e4ufiig mit dem Constatiren nackter Thatsachen zu begn\u00fcgen, deren Zahl sich bedeutend vermehren muss, um sp\u00e4terhin eine richtige Erkl\u00e4rung derselben m\u00f6glich zu machen. Bevor ich jedoch zu der Krankengeschichte zweier Patienten \u00fcbergehe, bei welchen man nur vermittelst passiver Drehung eigenartige St\u00f6rungen der Kopfbewegungen feststellen konnte, m\u00f6chte ich noch die beiden, von mir erfundenen Instrumente: die Centrifuge mit dem dynamischen Goniometer und den statischen Goniometer, mit deren Hilfe ich die Untersuchungen an den unten angef\u00fchrten Patienten anstellte, beschreiben.\n1) Die Centrifuge ist ein sehr einfach construirter Apparat. Auf eine Axe aus Gusseisen, welche in einem Kreuzrubel befestigt ist, wird ein Rad aus\n*) Vortrag gehalten in einer Sitzung mit Demonstration von Kranken.\n1","page":1},{"file":"p0002.txt","language":"de","ocr_de":"2\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nMetall gesetzt, an dessen Speichenoberfl\u00e4che ein h\u00f6lzerner Kreis von 300 ctm. Umfang angeschraubt ist. An beiden Polen des Kreises sind auf Kolonnen zwei drehbare St\u00fchle angebracht, von denen der eine, mit Seitenlehnen versehene, f\u00fcr den Kranken, der andere f\u00fcr den Arzt bestimmt ist. Die R\u00fcckenlehnen der St\u00fchle lassen sich in horizontaler Richtung zur\u00fcckklappen, sodass der Patient sich bequem hinlegen und seiner ganzen L\u00e4nge nach ausstrecken kann. Dank der Beweglichkeit des Stuhles sind.folgende Drehungen des zu untersuchenden Patienten zu vollf\u00fchren m\u00f6glich: mit dem Gesicht zur Peripherie oder zum Centrum (Drehung nach rechts und nach links), mit der rechten oder der linken Schulter zur Peripherie (seitw\u00e4rts; Drehung mit dem Gesicht nach vorne oder dem Nacken nach hinten), bei horizontaler R\u00fcckenoder Bauchlage (Drehung nach rechts und nach links). In allen diesen Lagen lassen sich sowohl bei geschlossenen als auch bei ge\u00f6ffneten Augen folgende\nSymptome nachweisen: Nystagmus, Hin\u00fcberrollen der Augen, Gef\u00fchl der Entgegendrehung, die F\u00e4higkeit die Drehrichtung festzustellen, leichtes Auftreten von Schwindel, Uebelkeit, Erbrechen, Herzklopfen, Ger\u00e4usche. Auf diese Weise erh\u00e4lt der Kliniker eine Kombination von Erscheinungen, die ihm zur genaueren Lokalisirung der Diagnose verhelfen k\u00f6nnen. Fig. 1.\n2) Durch den statischen Winkelmesser oder Goniometer l\u00e4sst sich feststellen, ob der Patient die F\u00e4higkeit besitzt, in vertikaler Lage zu verharren. Der Apparat besteht aus zwei Brettern (21), die an dem einen Ende vermittelst einer Scharniervorrichtung miteinander verbunden sind. Das untere, mit einer Kolonne (4) versehene, ruht unbeweglich auf der Diele, das andere obere (2) dagegen ist beweglich und kann an einem metallenen Fortsatz (5) gehoben werden. Letzteres geschieht beim Drehen einer an der Kolonne oben angebrachten Kurbel (7) durch Schn\u00fcre (6), welche \u00fcber einem dreifachen","page":2},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n3\nFlaschenzug laufen. Der Fortsatz (5) bewegt sich in einer in die Kolonne eingeschnittenen Spalte (10, 10) und tr\u00e4gt an seinem freien Ende einen Flaschenzug. An dem unteren Brett neben der Kolonne befindet sich ein Gradbogen (9), der in 50 Grade eingetheilt ist; die Zahl derselben wird durch einen an dem Fortsatz (5) angeschraubten Zeiger angegeben. Fig. 2.\nZur Feststellung der Widerstandsf\u00e4higkeit des Patienten, wird letzterer auf das obere Brett gestellt und zwar so, dass er sich mit den Fussspitzen, Hacken oder dem Rande der rechten oder linken Fusssohle, bei geschlossenen F\u00fcssen, an ein Brettchen (3), welches am Ende des oberen Brettes (2) senkrecht befestigt ist, st\u00fctzen muss. Normale Menschen fallen sowohl bei geschlossenen als auch bei ge\u00f6ffneten Augen ungef\u00e4hr unter einem und demselben Winkel um, was bei Kranken nicht vorkommt. Dabei ergiebt sich Folgendes: das Fallen nach vorne, inclinatio anterior, geschieht gew\u00f6hnlich zwischen 35\u2014\n40 Grad, das Fallen r\u00fcckw\u00e4rts, inclinatio posterior\u2014zwischen 26\u2014\n30 Grad, das Fallen seitw\u00e4rts (nach rechts und nach links), inclinatio lateralis dextra oder sinistra,\u2014zwischen 35\u201440 Grad.\nPatienten, welche an einer organischen Affection des Bewegungscentrums im Labyrinth leiden, fallen mit einer bemerkenswerten Pr\u00e4cision immer bei einen und derselben Gradzahl um, im Gegensatz zu den Neurasthenikern, Hysterischen und Simulanten, bei denen sich sehr starke Abweichungen konstatiren lassen.\n3) Dynamischer Goniometer ('Winkelmesser). Um einigermassen genau den Grad der St\u00f6rungen des statischen Gleichgewichts feststellen zu k\u00f6nnen, habe ich im Jahre 1893 den ersten statischen Goniometer oder Winkelmesser vorgeschlagen *) und mich von dessen Zweckm\u00e4ssigkeit im Verlauf von zehn Jahren vollkommen \u00fcberzeugt.\nAls ich aber sp\u00e4ter zwecks genauerer Lokalisirung der Labyrinthverletzungen die klinische Centrifuge zu benutzen begann, so stiess ich oft auf Patienten, deren Kopf sogar bei langsamer Drehung des Apparates sich bei geschlossenen Augen bald auf die eine, bald auf die andere Seite neigte.\ni) st. von Stein. Appareil servant \u00e0 d\u00e9terminer les d\u00e9viations des fonctions statiques du labyrinthe de l\u2019oreille et sa d\u00e9monstration \u00e0 Moscou 1893.","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"4\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nAnfangs begn\u00fcgte ich mich mit dem blossen Constatiren der vorhandenen Abweichungen, da ich, in Ermangelung eines speciellen, f\u00fcr diesen Zweck construirten Instruments nicht die M\u00f6glichkeit hatte, diese St\u00f6rungen in Zahlen anzugeben. Schliesslich gelang es mir, einen dazu geeigneten Messapparat auszudenken, dessen Beschreibung ich gleich folgen lassen will.\nEr besteht aus zwei, je einem Halbkreis entsprechenden B\u00f6gen, die in Grade derart eingeteilt sind, dass der Nullpunkt in der Mitte eines jeden zu stehen kommt, w\u00e4hrend der 90-te Grad sich an den Endpunkten des Diameters befindet. Fig. 3.\nFig. 4.\tFig. 5.\nDie Enden des vertikalen Bogens sind an einen dicken Messingstab ge-l\u00f6thet; diesen Anheftungsstellen entsprechend, befindet sich an letzterem je ein Loch und eine Schraubenvorrichtung, um die in St\u00e4be auslaufenden Forts\u00e4tze des horizontalen Bogens aufzunehmen und festzuhalten (Fig. 3).\nVermittelst zweier parallel verlaufender St\u00e4be (auf der Zeichnung sehen wir sie nach unten gerichtet) wird der Apparat an der Stuhllehne der Centrifuge befestigt.\nFigur 4 stellt den horizontalen Halbbogen von vorne gesehen dar, wobei ein Theil der parallelen St\u00e4be durch die Lehne verdeckt wird.\nFigur 5 dagegen zeigt, wie der Bogen hinter der Lehne zu fixiren ist.","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n5\nZum Notiren der Abweichungen des Kopfes nach rechts oder nach links, dient ein langer leichter Zeiger, welcher am Nacken vermittelst eines Bandes in vertikaler Richtung befestigt wird (Fig. 3).\nDa es aber manchmal vorkommt, dass der Kopf zwar im Centrum des Halbkreises bleibt, sich aber um seine vertikale Axe in der horizontalen Ebene nach rechts oder nach links dreht, so war ich gezwungen an der Stirn noch einen anderen und zwar wagerechten Zeiger anzubringen, der mit seinem hakenf\u00f6rmig umgebogenen Ende die Zahl der Grade auf dem horizontalen Halbbogen angiebt (Fig. 3).\nDiese Vorrichtung gen\u00fcgte jedoch noch nicht ganz; es kommen n\u00e4mlich Kranke vor, bei denen der Kopf w\u00e4hrend des Neigens zur Seite hin sich gleichzeitig hebt oder senkt.\nEig. 6.\nIn solchen F\u00e4llen wird der Grad der Ablenkungen mit Hilfe von zwei anderen senkrecht verlaufenden B\u00f6gen festgestellt: der eine, obere, ist gr\u00f6sser (Fig. 4 und 6 links) und bildet einen Viertelkreis von 90 Grad, der andere, untere, dagegen ist k\u00fcrzer und in 45 Grad eingetheilt.\nDiese beiden B\u00f6gen lassen sich l\u00e4ngs dem horizontalen Bogen verschieben und werden vermittelst Schrauben an den Enden desselben fixirt, in welcher Lage sie auch bis zum Beginn der Untersuchung bleiben.\nErst nachdem der Kopf eine gewisse Stellung eingenommen hat, schiebt man sie zum horizontalen Zeiger hin, um die Zahl der Grade nach oben resp. nach unten hin abzulesen; hat der Kopf die Neigung sich zu heben, so wird der Zeiger mit der Spitze nach unten gerichtet (Fig. 6), bei krankhaften Senkungen des Kopfes dagegen nach oben (Taf. II Fig. 11).","page":5},{"file":"p0006.txt","language":"de","ocr_de":"6\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nTaf. II. Fig. 10 und 11 zeigen uns einen Kranken vor der Drehung und den Apparat, der an der Centrifuge angebracht ist, das eine Mal en face, das andere Mal en profil.\nZeichnung Taf. II. Fig. 8 stellt einen Patienten ohne dynamischen Goniometer dar, mit ruhiger Kopfhaltung vor der Drehung; sein Kopf ist an die Lehne des Sessels gest\u00fctzt.\nBeim normalen Menschen bleibt der Kopf sowohl mit ge\u00f6ffneten als auch mit geschlossenen Augen, selbst bei rascher Rotation am Brette der Centrifuge angelehnt. In einigen pathologischen F\u00e4llen dagegen beugt sich der Kopf sogar bei langsamer Drehung nach vorne. Die Gr\u00f6sse dieser Neigung wird nun an dem unteren in 45 Grad eingeteilten Bogen vermittelst des horizontalen Zeigers notirt, der zu diesem Zweck unter den grossen wagerechten Halbkreis geschoben wird (Taf. II. Fig. 12). Auf Taf. II. Fig. 6 sehen wir einen Kranken mit dem zur Seite und gleichzeitig etwas vorw\u00e4rts gerichteten Kopf.\nDie Stellung der Zeiger dabei ist aus der Zeichnung Taf. II Fig. 13 en face ersichtlich. Nach der Drehung hat sich der Kopf des Patienten zur linken Schulter hin geneigt. Der Grad dieser Ablenkung wird von dem laugen Zeiger auf dem grossen senkrechten Kreise markirt; zugleich ist aber auch der Kopf etwas nach vorne gebeugt, wie es Fig. 12 deutlich erkennen l\u00e4sst. Die Gr\u00f6sse dieses Senkungswinkels giebt nun der andere, untere Zeiger am kurzen vertikalen Bogen an.\nDas ganze Zahlenmaterial, welches man durch die Anwendung des dynamischen Goniometers gewinnt, kann jedoch nur als ein relativ exactes betrachtet werden und nur ann\u00e4hernd einen gewissen Begriff von dem Grade der zu beobachtenden St\u00f6rungen geben. Man muss sich daher an die Angaben halten, welche den mittleren Wert von einigen, wiederholt in derselben Richtung ausge\u00fcbten, Beobachtungen repr\u00e4sentiren.\nWill man eine m\u00f6glichst nahe Stellung der Wirbels\u00e4ule im Centrum des vertikalen Bogens erziehlen, was sehr erw\u00fcnscht ist, so hat man bloss den Diameter desselben derartig concav auszubiegen (nach Rath des Herrn P. P. Lazareff), dass der Nacken in diese Ausbuchtung bequem hineinpasse. F\u00fcr einen jeden Patienten muss der Apparat, je nach dem Wuchs, extra eingestellt werden, wobei darauf zu achten ist, dass die Zeiger sich dicht bei den B\u00f6gen befinden und bei Verschiebungen des Kopfes die Fl\u00e4chen derselben nicht ber\u00fchren, da das geringste Hinderniss auf die freie Bewegung hemmend wirkt, und dann einen geringeren Zahlenausschlag geben w\u00fcrde. Sind die Zeiger auf den Nullpunkt gestellt, so kann die Drehung beginnen; letztere muss aber gleichm\u00e4ssig und nicht stossweise ausgef\u00fchrt werden und zwar so lange, bis die Zeiger sich nicht mehr verschieben. Dann l\u00e4sst man die Centrifuge von selbst anhalten, und z\u00e4hlt die Summe der Grade von den B\u00f6gen ab. Dabei ist Folgendes zu beachten: da der am Nacken befestigte Zeiger bei Bewegungen des Kopfes nach vorne sich vom vertikalen Kreise abhebt, so stellt man zwecks genauerer Berechnung der Grade zwischen dem Rande des Zeigers und dem Kreise ein d\u00fcnnes Lineal ein, oder aber man biegt den Kopf nach der gegebenen Richtung soweit zur\u00fcck, bis der Zeiger den Kreis ber\u00fchrt.","page":6},{"file":"p0007.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n7\nWas die kurzen B\u00f6gen anbetrifft, so werden sie l\u00e4ngs dem horizontalen Bogen verschoben, bis sie den Stirnzeiger erreicht haben, wodurch das Abz\u00e4hlen der Grade erm\u00f6glicht wird.\nDie Schnelligkeit der Drehung soll ganz von der Disposition der Patienten zum Schwindel, zur Herzschw\u00e4che, Uebelkeit u. s. w. abh\u00e4ngig gemacht werden. Jedenfalls darf sie aber keineswegs ein gewisses Maximum \u00fcberschreiten und beim Abgleiten des Patienten vom Stuhle oder bei Muskelspannungen sofort unterbrochen werden, da sie sonst zu falschen Ergebnissen f\u00fchren kann.\nUm sich eine Vorstellung von der Gr\u00f6sse der Verschiebungen des Kopfes zu machen, muss man sich die maximale Zahl der Grade vergegenw\u00e4rtigen, die ein normaler Mensch im Stande ist, durch willk\u00fcrliche Drehungen und Senkungen des Kopfes ohne gleichzeitige Verschiebung der Schultern hervorzurufen.\nMeine Resultate lassen sich in dieser Hinsicht durch folgende Zahlen beim Normalen ausdr\u00fccken:\nDie Drehung des Kopfes in horizontaler Ebene nach rechts\noder nach links betr\u00e4gt............................... 70\u00b0 \u2014 80\u00b0\nDas Richten des Kopfes nach hinten.......................... 70\u00b0\u201475\u00b0\nDas Richten des Kopfes nach hinten mit einer Abweichung zur\nSeite................................................. 85\u00b0\u201470\u00b0\nDas Senken des Kopfes direct nach vorne.................... 40\u00b0\nDas Senken des Kopfes mit einer Abweichung zur Seite........ 35\u00b0\u201440\u00b0\nDie Maasse des dynamischen Goniometers sind folgende:\n1)\tDer Diameter des Bogens ohne Nackenausbiegung betr\u00e4gt.. 75 cm.\n2)\tDer vertikale Halbbogen.................................. 120 cm.\n3)\tDer horizontale Halbbogen................................ 120 cm.\nIch gehe jetzt zu meinen Beobachtungen \u00fcber.\nErster Fall. A. Bagulewitsch, 28 Jahre alt, Reservist, Littauer, ,aus dem Kowno\u2019schen Gouvernement geb\u00fcrtig, trat den 25-ten September des Jahres 1901 in die Klinik ein.\nIm 14-ten Lebensjahr bekam er einen Schlag mit einem Pferdehufeisen in die vordere Scheitelbeingegend, wo noch jetzt eine nach vorn concave halbmondf\u00f6rmige Narbe sichtbar ist. Am Knochen l\u00e4sst sich noch eine leichte Depression wahrnehmen.\nMit 16 Jahren erhielt er wiederum einen heftigen Schlag auf den Scheitel, diesmal mit einer Stange, in Folge dessen er w\u00e4hrend einer Woche an starken Kopfschmerzen litt.\nEin Jahr darauf fingen die submaxillaren Dr\u00fcsen an zu schwellen, waren sehr schmerzhaft und erreichten H\u00fchnereigr\u00f6sse. Sie brachen in die Mundh\u00f6hle auf, wobei sehr viel Eiter aus dem Zungenboden herausquoll.\nIm Alter von 19 Jahren erkrankte Patient mit hohem Fieber und phan-tasirte dabei. Danach wurde er Soldat und diente seine Miiit\u00e4rzeit in Tiflis ab. Daselbst, als er 24 Jahre alt war, hatte er an einem heissen Augusttage den ersten heftigen Schwindelanfall auf der Strasse, verlor die Besinnung und","page":7},{"file":"p0008.txt","language":"de","ocr_de":"8\nPIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG PER CENTRIFUGE.\nst\u00fcrzte zu Boden. Als er zu sieh kam, sah er wohl, dass Leute sich um ihn zu schaffen machten, konnte aber ihrem Gespr\u00e4ch nicht mehr folgen. Im Milit\u00e4rhospital von Tiflis war im Krankenbericht \u00fcber ihn Folgendes eingetragen: Sugillation der linken Wange und Parese der linken Gesichtsh\u00e4lfte (Unverm\u00f6gen das linke Auge zu schliessen, Verschiebung des Mundwinkels nach rechts etc.) bei vollst\u00e4ndiger Gef\u00fchllosigkeit der linken Wange. Einige Zeit darauf begann eine r\u00f6thlich-schwarze \u00fcbelriechende Fl\u00fcssigkeit an der inneren Wangenseite herauszufliessen; diese Secretien hielt beinahe drei Monate an.\nNach einer Behandlung mit Electricit\u00e4t verschwand die Parese des Gesichts fast g\u00e4nzlich und die Sensibilit\u00e4t der Wange stellte sich wieder ein, der linke Backenknochen jedoch blieb noch 31/, Monate schmerzhaft. Nach Besserung der Gesichtsparese trat Parese der linken Hand und des linken Beines ein, von einem Anschwellen der linken Schulter- und Kniegelenke begleitet. Letztere wurden jedoch durch zwei Wochen langes Electrisiren und warme B\u00e4der wieder beweglich gemacht.\nIm Ganze lag der Kranke beinahe drei Monate im Hospital, dann trat er wieder in den Dienst ein. Von dieser Zeit an bemerkte er, dass seelische Aufregungen, Aerger und physische Anstrengung hei ihm gewisse Beschwerden, Unbehagen und Schmerzen im Kopf hervorriefen.\nMit 25 Jahren litt er w\u00e4hrend dreier Monaten an einem eitrigen Ausfluss aus dem linken Ohr, der aber keinerlei Schw\u00e4chung des Geh\u00f6res hin-terliess.\nBis zum 5-ten Januar 1902 hatte er 13 Anf\u00e4lle gehabt. Der erste, schon besprochene, erfolgte in Tiflis im August, als er 24 Jahre alt war; das n\u00e4chste, 25-te Lebensjahr verging ohne Attaquen, im 26-ten\u2014wiederholten sie sich 2-mal. Die \u00fcbrigen Anf\u00e4lle hatte er im 27 und teils im 28 Jahre, wobei sie allm\u00e4lig h\u00e4ufiger wurden, sich beinahe alle Monate wiederholten und einmal sogar 2-mal am Tage auftraten. Der Verlauf derselben war nicht immer ein gleicher, bestand aber meistens in Folgendem: w\u00e4hrend des Stehens oder Sitzens scheint es pl\u00f6tzlich dem Kranken, als ob eine unwiderstehliche Gewalt seinen Kopf nach rechts aufw\u00e4rts drehen w\u00fcrde; dieser Kreisbewegung folgt nun der ganze K\u00f6rper. Beim Schluss des zweiten Kreises verliert der Patient gew\u00f6hnlich die Besinnung. Nach den Angaben von Augenzeugen, soll er noch 2 Kreise umschreiben und dann endlich auf die linke Wange fallen. W\u00e4hrend er liegt, macht er noch im bewusstlosen Zustande Versuche sich aufzurichten, f\u00e4llt aber jedesmal hin, und wiederholt dies so lange, bis er zu sich kommt. Nach den Anf\u00e4llen f\u00fchlt er eine grosse Schw\u00e4che und Zerschlagenheit in allen Gliedern und eine unangenehme Schwere im Kopf, was einige Stunden anh\u00e4lt. Die Anf\u00e4lle dauern ungef\u00e4hr 10 bis 11 Minuten. Dreimal wiederholten sich auch solche Anf\u00e4lle, wo der Kranke in bewusstlosem Zustande die Treppe heraufstieg, die Th\u00fcr aufmachte, sich an den Tisch lehnte u. s. w.\nStatus praesens-. K\u00f6rperbau und Muskulatur m\u00e4ssig entwickelt. Das Unterhautfettgewebe gering. Sensibilit\u00e4t\u2014vorhanden. Der Muskelsinn ist erhalten.\nAn den inneren Organen ist nichts Abnormes zu bemerken. Patient leidet am Taenia.\nDie rechte Hand dr\u00fcckt am Dynamometer ein Gewicht von 48\u201450 Kilo, e linke dagegen nur 34\u201437\u201438 Kilo aus.","page":8},{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"PIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG PEE CENTRIFUGE.\n9\nDie linke Augenspalte ist enger als die rechte. Die Lider schliessen gut.\nInsufficientia mm. rectorum internorum ist an beiden Augen zu beobachten. Die Pupille ist farblos. Morgens sind die Augen ger\u00f6tet.\nBeim \u00d6ffnen des Mundes lassen sich keinerlei krampfartige Kontraktionen an der linken Halsseite konstatiren, dagegen treten solche w\u00e4hrend des Kauens manchmal ein. Die linke Nasolabialfalte ist st\u00e4rker ausgebildet, als die rechte. Der linke Backenknochen tritt mehr hervor. Ueberhaupt ist die linke Gesichtsseite schmaler als die rechte.\nIm Ruhezust\u00e4nde zeigt das Gesicht folgende Eigent\u00fcmlichkeiten: die linke Augenspalte ist bedeutend enger als die rechte. Der Kranke zieht die Augenbraunen herauf und kr\u00e4uselt die Stirnhaut, wobei sich dieselbe in Falten legt, die links weniger ausgesprochen sind. Die Augen schliessen sich, links ist jedoch das Aneinanderdr\u00fccken der Augenlider schw\u00e4cher.\nDas Pfeifen macht grosse Schwierigkeiten. Beim Aufblasen der Wangen schliesst sich das linke Auge, an der linken H\u00e4lfte des Halses und \u00fcber der Oberschl\u00fcsselbeingrube hebt sich die Haut in Falten, das rechte Auge \u00f6ffnet sich bei leichtem Aufziehen der Augenbraunen dermassen weit, dass das Weisse vom Auge sich scharf um die Hornhaut herum abhebt. Die rechte Wange bl\u00e4ht sich gleich einer Halbkugel auf, w\u00e4hrend die linke flacher und weniger gespannt erscheint.\nBeim Aufeinanderbeissen der Z\u00e4hne spannt sich die Haut der linken Halsseite und legt sich in Falten, gleichzeitig schliesst sich das linke Auge. Der linke Mundwinkel wird scharf nach links und herunter gezogen. Das rechte Auge \u00f6ffnet sich dabei ganz weit, und die rechte Augenbraune hebt sich bogenf\u00f6rmig mit leichtem Runzeln der Stirnhaut rechts. Die Nasenspitze biegt sich etwas nach links.\nIm Ruhezust\u00e4nde lassen sich klonisch-fibrill\u00e4re Zuckungen in der linken Gesichtsh\u00e4lfte, meistenteils am \u00e4usseren Augenwinkel, wahrnehmen. Mitunter kommt es zu einer langsamen Bewegung des Kopfes nach rechts aufw\u00e4rts.\nDie Empfindlichkeit der Haut im Allgemeinen und der Gesichtshaut im Speciellen ist intakt. Die Geschmacksempfindungen, die Aussprache, das Bewegen des weichen Gaumens und die Handschrift sind nicht gest\u00f6rt.\nDie Statik dagegen hat St\u00f6rungen erlitten:\nBei ge\u00f6ffneten Augen.\nFest.\nFest. 30 Sekunden lang. L\u00e4nger als 60 Sek., schwankt. Mehr als 60 Sek., schwankt.\nStatik.\tBei geschlossenen Augen.\n2 F\u00fcsse.\tLeichtes Schwanken.\nFussspitzen.\t12 Sek., zittert, f\u00e4llt nach\trechts.\nRechter Fuss.\t7\u20148 Sek., f\u00e4llt nach rechts.\nLinker Fuss.\t6\u20148 Sek., f\u00e4llt nach rechts.\nGoniometer.\n12\u00b0 Inclinatio anterior\t6\u00b0\nNormal\u201435 bis 40 Grad. Inclinatio posterior Normal=26- 30 Grad.\n8\u00b0\n4\u00b0\u20146\u00b0","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n\t\t\tB\t\t\n\t\t\twBm\tlillif\u00eefl\t\nFig-. 7\n\t-*\u25a0\t\t\n\tBi\t\t\nFig. \u00ab\nD\u2019i\u00fc:. 12.","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DEB CENTRIFUGE.\n11\n14\u00b0\tInclinatio lateralis dex.\t8\u00b0\nNormal=35\u201440 Grad.\n15\u00b0\tInclinatio lateralis sin.\t9\u00b0\nNormal=35\u201440 Grad.\nDynamik.\nBei ge\u00f6ffneten Augen.\nFig. 7. Das Gehen vorw\u00e4rts mit der ganzen Fusssolile.\nFig. 8. Das Gehen r\u00fcckw\u00e4rts auf den Fussspitzen.\nBei geschlossenen Augen.\nFig. 9. Das Gehen vorw\u00e4rts mit der ganzen Fusssolile.\nFig. 10. Das Gehen r\u00fcckw\u00e4rts mit der ganzen Fusssolile.\nFig.\t11.\tDas\tGehen vorw\u00e4rts auf\tden\tFussspitzen.\nFig.\t12.\tDas\tGehen r\u00fcckw\u00e4rts auf\tden\tFussspitzen.\nFig. 13. Das Springen nach hinten auf beiden Beinen mit der ganzen Fusssolile.\nFig.\t14.\tDas\tSpringen nach vorne\tauf\tden Fussspitzen.\nFig.\t15.\tDas\tSpringen nach hinten\tauf\tden Fussspitzen.\nFig. 16. Das Springen seitw\u00e4rts nach rechts mit der ganzen Fusssolile.\nFig. 17. Das Springen seitw\u00e4rts links mit der ganzen Fusssolile.\nBei ge\u00f6ffneten Augen ist das Gehen und das Springen sowohl mit beiden F\u00fcssen auf einem Fleck, als auch auf dem einen rechten oder linken Fuss vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts ziemlich regelm\u00e4ssig, daher sind auch nur 2 Aufnahmen davon gemacht worden (Fig. 7, 8).\nBei geschlossenen Augen dagegen lassen sich einige Unregelm\u00e4ssigkeiten beobachten 1).\nIn Fig. 9, 10 sind die Schritte k\u00fcrzer und h\u00e4ufiger.\nFig. 11, 12 zeigen dasselbe.\nFig. 13. Nach 5 Spr\u00fcngen schwenkt der Kranke nach links ab und verl\u00e4sst das Papier. Man kann genau sehen, wie er nach jedem Sprung bald auf beide Fusssohlen, bald auf die Fussspitzen, bald auf die Fusssohle des einen und die Fussspitze des anderen Fusses f\u00e4llt. Die Spr\u00fcnge sind ungleich, wobei ein Bein bald vorauseilt, bald nachbleibt.\nFig. 14, 15 zeigen dieselben Abweichungen.\nAuf den Fig. 16 und 17 sieht man folgende besondere Unregelm\u00e4ssigkeiten. Beim Seitw\u00e4rtsspringen, wird manchmal der eine Fuss vorgeschoben, um das Gleichgewicht zu erhalten. Nach einigen bogenf\u00f6rmig ausgef\u00fchrten Spr\u00fcn-\n\u2019) Die urspr\u00fcnglich 7\u20148 Meter langen Papierstreifen wurden in den Figuren auf 13\u201414 Ctm. reducirt. Wenn einige Streifen k\u00fcrzer geraten sind, so h\u00e4ngt es damit zusammen, dass der Kranke das Papier zu fr\u00fch verliess, wobei die Brennpunktentfernung heim Photograpliiren dieselbe blieb. Je k\u00fcrzer der Streifen, um so bedeutender ist folglich die Gleichgewichtsst\u00f6rung.","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\ngen verliess der Kranke infolge durch die Bewegung entstandener Inertion so schnell den Papierstreifen, dass man ihn auffangen musste, um etwaige Besch\u00e4digung beim Fallen zu verh\u00fcten.\nAlle \u00fcbrigen Bewegungen, sowohl bei offenen als auch bei geschlossenen Augen, erfolgten innerhalb normaler Grenzen.\nDie Untersuchung vermittelst der Centrifuge f\u00fchrte zur Entdeckung eines h\u00f6chst bemerkenswerten Factums: auf welche Seite der Fatient in den verschiedensten Stellungen, sowohl bei geschlossenen als auch bei offenen Augen auch immer, gedreht wurde, warf er den Kopf stets mit einer leichten Drehung nach rechts zur\u00fcck; bei verschiedenen Stellungen variirte nur der Abweichungswinkel, wie es aus der heigelegten Tafel I (Fig. 1\u201424) zu ersehen ist. Da dieser wie auch der n\u00e4chste Fall von mir zum ersten Mal beschrieben sind, so habe ich photographische Aufnahmen von den verschiedensten Stellungen angefertigt. Die Gr\u00f6ssen der Abweichungen wurden mit Hilfe meines dynamischen Goniometers gemessen. Dabei dauerte die Drehung so lange, bis sich der Kopf endg\u00fcltig in seiner maximalen Abweichung festgestellt hatte. Wiederholte Beobachtungen ergaben das gleiche Resultat. Schliesslich wurde der vertikale Bogen zum Zeiger hingeschoben, um den Ablenkungsgrad zu bestimmen.\nErkl\u00e4rung der 1-ten Tafel.\nFig. 1. Ruhige Stellung.\nFig. 2. Beim Aufblasen der Wangen schliesst sich das linke Auge und die Haut der linken Wange legt sich in Falten.\nFig. 3. Beim Aufeinanderbeissen der Z\u00e4hne spannt sich die Haut an der linken Seite des Halses und legt sich in Falten.\nFig. 4. Vor der Drehung. Das Gesicht ist zur Peripherie gewandt, wobei der Hinterkopf sich an die Lehne des Stuhles st\u00fctzt.\nFig. 5. Nach einigen Drehungen hebt sich der Kopf von der Lehne ab.\nFig. 6. Nach einigen Drehungen nach rechts oder nach links, bei ge\u00f6ffneten oder geschlossenen Augen, dreht sich der Kopf immer nach rechts-oben und beugt sich etwas nach hinten, wobei die Gr\u00f6sse dieser Abweichungen von der Lage des Patienten auf der Centrifuge abh\u00e4ngig ist.\nFig. 7. stellt den Kranken mit dem dynamischen Goniometer vor der Drehung dar: der Zeiger steht auf dem Nullpunkt in der Mitte.\nFig. 24. Der Patient befindet sich in horizontaler R\u00fcckenlage: w\u00e4hrend der Drehung nach rechts oder nach links blieb der Zeiger unbeweglich.\nDas Gesicht ist zur Peripherie der Centrifuge gewandt.\nGe\u00f6ffnete Augen.\nDie Abweichung des Kopfes.\nFig. 8 Drehung mit der rechten\nNach rechts..... 13\u00b0\nNach oben....... 12\u00b0\nGeschlossene Augen.\nDie Abweichung des\tKopfes.\nSchulter nach\tvorne.\tFig.\t9\nNach\treckts. 15\u00b0\nNach\toben... 10\u00b0","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER C\u00cbNTRIEUGE.\n13\nFig. 10 Drehung mit der linken Schulter nach vorne. Fig. 11\nNach\trechts.... 23\u00b0\tNach\trechts..... 20\u00b0\nNach\toben...... 12\u00b0\tNach\toben....... 16\u00b0\nDas Gesicht ist zum Centrum der Centrifuge gekehrt.\nFig. 12 Drehung mit der rechten Schulter nach vorne. Fig 13\nNach\trechts.... 11\u00b0\tNach\trechts..... 27\u00b0\nNach\toben......\t5\u00b0\tNach\toben....... 12\u00b0\nFig. 14 Drehung mit der linken Schulter nach vorne. Fig. 15\nNach\trechts.... 17\u00b0\tNach\trechts..... 11\u00b0\nNach\toben...... 11\u00b0\tNach\toben.......\t9\u00b0\nDie rechte Schulter ist zur Peripherie der Centrifuge gekehrt.\nFig. 16 Drehung mit dem Gesicht nach vorne. Fig. 17\nNach rechts...... 38\u00b0\nNach oben........ 16\u00b0\nNach rechts...... 25\u00b0\nNach oben........ 16\u00b0\nFig. 18. Drehung mit dem Hinterkopf nach hinten\nNach rechts...... 23\u00b0\tNach\trechts..... 11\nNach oben........ 10\u00b0\tNach\toben......\t8\nFig. 19.\nDie linke Schulter ist zur Peripherie der Centrifuge gekehrt. Fig. 20.\nNach rechts....... 18\nDrehung mit dem Gesicht nach vorne.\nFig. 21.\nNach rechts...... 30'\nNach oben........\t9'\nNach oben.......\t6\u00b0\nFig. 22. Drehung mit dem Hinterkopf nach hinten.\nNach rechts..... 30\u00b0\tNach rechts...... 23\nNach oben.......\t9\u00b0\tNach oben........\t6\nFig. 23.\nHierbei soll noch hinzugef\u00fcgt werden, dass das Drehen des Kopfes, sowohl bei ge\u00f6ffneten als auch bei geschlossenen Augen, vom Kranken selbst unbemerkt geschieht. Erst nach Beendigung der Rotation \u00fcberzeugt sich der Patient, dass sein Kopf eine andere Lage eingenommen hat.\nDurch keinerlei Anstrengungen von Seiten des Kranken k\u00f6nnen diese Kopfbewegungen beseitigt werden. Das Fixiren von Gegenst\u00e4nden \u00e4nderte auch nichts an der Sachlage. Beim Heben von schweren Gegenst\u00e4nden, besonders mit nach vorne gebeugtem Kopf f\u00fchlt der Patient ein H\u00e4mmern in der Scheitelbeingegend, eine Schwere im Kopf, und Anwandlungen zur Ohnmacht.\nManchmal, wenn der Kranke l\u00e4ngere Zeit unbeweglich mit ge\u00f6ffneten Augen gesessen hat, dreht sich sein Kopf etwas nach rechts und ger\u00e4t in Zuckungen.","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"t)lE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nBei schneller Drehung (3 bis 4 Rotationen in 10 Sekunden) leidet der Patient an Schwindel, \u00dcbelkeit, Erbrechen, Herzklopfen u. s. w. nicht.\nBei offenen Augen l\u00e4sst sich w\u00e4hrend der Drehung ein rhytmischer Nystagmus (nystagmus horizontalis rythmicus) feststellen, welcher in normalen, den verschieden Lagen des Kranken entsprechenden Richtungen auftritt ,).\nBei geschlossenen Augen ergiebt sich Folgendes:\n1)\tBas Gesicht ist zur Peripherie gewandt. Beim Drehen mit der rechten Schulter nach vorne, bleiben die Augen unbeweglich, keine Empfindung der Gegendrehung. Drehung mit der linken Schulter: Unbeweglichkeit der Augen nebst Empfindung der Gegendrehung, die nach 5 Sek. langer Drehung 7 Sekunden anh\u00e4lt.\n2)\tBas Gesicht ist zum Centrum gelehrt. Beim Drehen mit der rechten Schulter nach vorne bleiben die Augen unbeweglich. Gegendrehungsempfindung ist vorhanden und dauert, nach 5 Sekunden langer Rotation, 15 Sekunden.\nBei Drehung mit der linken Schulter nach vorne, rollte das rechte Auge nach rechts (Hin\u00fcberrollen nach rechts mit Feststellung des Auges in Strabismus divergens). Das linke Auge ist unbeweglich. Es tritt nach einer Umdrehung in 5 Sek., 2 Umdrehungen in 10 Sek., 3 Umdrehungen in 10 Sek. keine Gegendrehungsempfindung auf.\n3)\tBie rechte Seite ist zur Peripherie gerichtet. Drehung mit dem Gesicht nach vorne. Das rechte Auge steht unbeweglich in der Milte. Das linke. Auge hat sich nach vorne-unten gedreht und ist unbeweglich (Hin\u00fcberrollen).\nDrehen mit dem Hinterkopf nach hinten: Nystagmus verticalis (ruckweise Verdrehung beider Augen nach unten). Gegendrehungsempfindung nicht vorhanden.\n4)\tBie Unie Seite ist zur Peripherie gewandt. Drehung mit dem Gesicht nach vorne. Normaler Nystagmus horizontalis rythmicus ist an beiden Augen in der Richtung zum Centrum zu beobachten.\nDrehung mit dem Hinterkopf nach hinten: nystagmus verticalis, nach unten zu \u2014 rhytmicus. Keine Gegendrehungsempfindung.\n5)\tIn horizontaler Lage bleiben die Augen unbeweglich. Empfindung der entgegengesetzten Drehung nicht vorhanden.\nBie Function des Geh\u00f6rs.\nDas rechte Ohr h\u00f6rt T\u00f6ne von 16 bis 30520 (si8) Schwingungen.\nFliister-Spr. ist auf 17\u201418 Meter h\u00f6rbar (normal 20\u201425 M.).\nDas Unie Ohr h\u00f6rt von 16 bis 32768 (ut9) Schwingungen. Fliister-Spra-che\u2014auf 16\u201417 Meter.\nEine geringe Schw\u00e4chung der Luft- und Knochenperception vorhanden.\nNormale Tondauer meiner Stimmgabeln in Sekunden:\n\u2018) St. von Stein. Uelier einen neuen selbst\u00e4ndigen, die Augenbewegungen automatisch regu-lirenden Apparat. Centralblatt f\u00fcr Physiologie, 4 Aug. 1900. H. 9.","page":14},{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDE\u00dcT\u00dcNG DER CENTRIFUGE.\n15\n\t\t\tc.\t128\tc. 256\tc. 512\tc. 1024\tc. 2048\nper\taera\t\t\t65\t50\t75\t105\t50\nper\tOS\t\t\t28\t25\t44\t50\t22\nRechtes Ohr\t\tper\taera:\t65\t37\t76\t101\t44\n\u00bb\t>\tper\tos:\t27\t17\t39\t54\t28\nLinkes Ohr\t\tper\taera:\t41\t38\t52\t91\t50\n>\t\u00bb\tper\tos:\t21\t18\t32\t53\t28\nDiagnosis. Als der Kranke in die Klinik eintrat, konnte man sich auf Grund seiner Angaben kein richtiges Urteil \u00fcber den Charakter der Anf\u00e4lle bilden, und musste man infolgedessen von einer bestimmteren Diagnose abstehen. Was aber die Wendung des Kopfes w\u00e4hrend des Centrifugirens und die St\u00f6rungen des Ganges anbetraf, so fand ich, dass dieselben in keinerlei Zusammenhang mit einer Labyrinth Verletzung gebracht -werden konnten. Folgende Ver\u00e4nderungen lassen sich konstatiren:\n1)\tEine leichte Schw\u00e4chung des Geh\u00f6rs per aera, worauf die K\u00fcrze der Entfernung bei der Wahrnehmung im Fl\u00fcsterton gesprochener Worte hinweist (16\u201417 Meter statt der normalen 20\u201425 M.). Eine merkbare Verl\u00e4ngerung der Dauer der Schallperception per os war nicht zu beobachten.\n2)\tDas Zur\u00fcckwerfen des Kopfes sogar bei der langsamsten Drehung, was nur in dem Fall m\u00f6glich ist, wenn eine Gruppe von Muskeln mehr gereizt wird, als die andere. Es fragt sich nun, wo man die Lokalisation dieses Reizfaktors zu suchen hat? Jedenfalls hat er seinen Sitz nicht in der Gehirnsubstanz, da sich bei langsamer Drehung das Gehirn in toto auf die eine oder die andere Seite dislocirt. Somit ist auch die M\u00f6glichkeit ausgeschlossen, dass die Centrifugalkraft nur auf diejenigen Gehirnzellen einwirkt, die ihren Impuls gerade auf die den Kopf nach hinten ziehenden Muskeln \u00fcbertragen.\nAnnehmbarer erscheint es, dass dieser ununterbrochene Reiz vom Labyrinth des Ohres (Tonuslabyrinth nach Etvald) ausgeht, in dessen Endolymphe sich bewegliche Gebilde in Form von Ampullenh\u00e4rchen und Statoliten (Oto-liten) des utriculus und sacculus befinden. Vorhin war schon bemerkt, dass die Statik beim Stehen auf der Diele und auf dem Goniometer bedeutend gest\u00f6rt ist. Diese Thatsache deutet auf das Vorhandensein von St\u00f6rungen in der Gegend des sacculus, welcher die Bewegungen in vertikaler Richtung regu-lirt\u2014asynergia saccularis incompleta. Letztere \u00e4ussert sich auch w\u00e4hrend des Springens in gewissen Richtungen (man sehe Fig. 7, 8, 9, 10 und 11).\nDie \u00fcbrigen Bewegungen, wie z. B., das Springen auf einem Fleck mit den Fussspitzen, das Springen nach vorne mit der ganzen Fusssolile bei ge\u00f6ffneten Augen, das Springen mit dem rechten und linken Fuss r\u00fcckw\u00e4rts und vorw\u00e4rts bei offenen und geschlossenen Augen waren von keinen besonderen Abweichungen begleitet.\nWas den Ampullenapparat der halbkreisf\u00f6rmigen Kan\u00e4le, die unsere kreisf\u00f6rmigen Bewegungen regeln, anbetrifft, so lassen sich in ihren Funktionen keinerlei St\u00f6rungen wahrnehmen, da der Kranke auf einem Fleck sich frei drehen kann. Das Centrifugiren (gew\u00f6hnliche Schnelligkeit\u2014eine Drehung des Kreises von 300 Ctm. Umfang in 5 Sekunden) sogar bei schnellerer Drehung","page":15},{"file":"p0016.txt","language":"de","ocr_de":"16\nD\u00ceE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nrief weder Schwindel, \u00dcbelkeit, Erbrechen, noch Herzklopfen, Athemnot, pr\u00e4-kordiale Angst oder sonstige unangenehme Empfindungen hervor, sowohl bei geschlossenen als auch bei offenen Augen. Unser Kranker reagirte auf die Drehung schw\u00e4cher, als es hei gesunden Menschen der Fall ist, so dass man daraus auf eine bedeutende Tr\u00e4gheit des Ampullenapparats schliessen kann (An\u00e4sthesie desselben).\n3)\tUnregelm\u00e4ssiges Auftreten der Empfindung der entgegengesetzten Drehung, welche nur zweimal vorkam, sonst in allen Lagen fehlte: erstens, heim Centrifugiren mit der linken Schulter nach vorne mit peripheriew\u00e4rts gekehrtem Gesichte, wobei die Gegendrehung nach 5 Sekunden langer Drehung 7 Sekunden von links nach rechts dauerte, und zweitens nach 5 Sekunden langer Drehung mit der rechten Schulter nach vorne bei centrumw\u00e4rts gewandtem Gesichte, 15 Sekunden anhielt und zwar von links nach rechts, d. h. in einer Richtung mit der Drehung erfolgte, was nicht normal ist. Bei gesunden Menschen tritt die Empfindung der entgegengesetzten Drehung gleich nach Beendigung des Centrifugirens mit geschlossenen Augen auf: bei Drehung nach rechts\u2014von rechts nach links und rice versa. Nach meinen Beobachtungen ist die Dauer dieser Empfindung proportional der Drehungszeit, kann jedoch nicht ein Maximum von 30\u201440 Sekunden \u00fcberschreiten, selbst wenn die Rotation sich bis ins Unendliche fortsetzen w\u00fcrde ').\nWenn man die fr\u00fchere Parese des Gesichtsnervs ins Auge fasst, l\u00e4sst sich schon der Sitz des Leidens genauer lokalisiren. Vor allen Dingen w\u00e4re zu entscheiden, ob die Parese peripheren oder centralen Ursprungs ist? Beim jetzigen Stand unseres Wissens, wo man auf die \u00fcblichen klinischen Untersuchungsmethoden angewiesen ist, gelingt es nicht in allen F\u00e4llen, eine strenge Grenze ^zwischen centralen und peripherischen Paresen des Gesichtsnervs zu ziehen) 2, da die verschiedenen Symptome keine absolute Hinweisung auf diese oder jene Form von Parese geben. Der Goniometer und die Centrifuge erm\u00f6glichen es aber, dank Entlarvung neuer Symptome, der L\u00f6sung dieser Aufgabe entschieden n\u00e4her zu treten:\nln unserem Fall sind beinahe alle Symptome eines centralen Ursprungs der Gesichtsparese vorhanden und zwar:\n1)\tPartielle Parese.\n2)\tErhaltung der Augen-Stirn\u00e4ste (rami oculo-frontales): die M\u00f6glichkeit die Augen zu schliessen (\u00abSigne de l\u2019orbiculaire\u00bb, Revilliod) und die Stirnhaut auf der kranken Seite zu kr\u00e4useln, w\u00e4hrend die Nasen-, Lippen- und Kinnnerven\u00e4ste paralysirt sind.\n3)\tParese der Extremit\u00e4ten (hier beider Extremit\u00e4ten) derselben Seite.\n4)\tLokale klonische Zuckungen (kortikale Monoplegie), Verletzungen der Gehirnoberfl\u00e4che und seiner Bewegungszone.\n5)\tMitbewegungen. Bei unserem Kranken schliesst sich w\u00e4hrend des Aufblasens der Wangen, das Auge auf der kranken Seite, wobei sich die\nP Stanislas von Stein: \u201eSensation de mouvement ou rotation illusoire inverse\u201c. Arch, internationales de laryngologie, d\u2019otologie et de rhinologie. Juillet-Ao\u00fbt, 1900.\n-) M. Bernhardt. Die Erkrankungen der peripheren Nerven. I Theil. 1902. Wien. Holder. S. 189\u2014271. L\u00e4hmung des n. facialis.","page":16},{"file":"p0017.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DEE CENTRIFUGE.\n17\nHaut auf der linken Halsseite und \u00fcber der linken Schl\u00fcsselbeingrube in Falten abhebt (siehe Fig. 2 auf der 1-ten Tafel).\nBeim Aufeinanderbeissen der Z\u00e4hne l\u00e4sst sich, abgesehen vom Schliessen des Auges und Falten der Halshaut links, noch ein Herunterziehen des linken Mundwinkels beobachten (Fig. 3 anf der 1-teu Tafel). Die Haut legt sich in Falten infolge der Mitbewegung des m. platysmae (welcher auch vom n. facialis innervirt wird). Das st\u00e4ndige Zittern der Hautfalten deutet auf klonische Kontraktion des Muskels.\nDr. L. Minor teilte in einer Sitzung der physiologischen Gesellschaft mit, dass die Mitbewegung des platysma von ihm zum ersten Mal gerade in meinem Fall festgestellt wurde. F\u00fcr Gehirnverletzung spricht das Schwinden des Bewusstseins w\u00e4hrend der Anf\u00e4lle, die sehr an epileptische erinnern. Nach dem Erwachen erkl\u00e4rte der Kranke, dass dem Anfall diesmal keine Kreisbewegungen des Kopfes und des Rumpfes, die quasi eine motorische Aura vorstellen, vorhergegangen waren, wie es fr\u00fcher der Fall gewesen war.\nBeim Patienten k\u00f6nnte man verschiedene Ursachen f\u00fcr die Entstehung von Epilepsie annehmen: erstens den Schlag mit dem Hufeisen auf das Scheitelbein mit Narbenbildung, ferner den Schlag mit der eisernen Stange auf den Kopf, den Bandwurm, und endlich die M\u00f6glichkeit eines Sonnenstichs in Tiflis, wo der erste Anfall stattfand. Alles dies l\u00e4sst auf eine- Verletzung der kortikal-motorischen Zone schliesen, worauf auch die blitz\u00e4hnlichen fibrill\u00e4ren Zuckungen der Muskeln der linken, kranken Gesichtsh\u00e4lfte deuten.\nJetzt fragt es sich, ob eine periphere Sch\u00e4digung des Stammes des n. octavus und der beiden Labyrinthe vorhanden ist? Dagegen sprechen folgende Angaben: 1) Das Fehlen merkbarer Ver\u00e4nderungen im Mittelohr beiderseits. 2) Das Fehlen jeglicher Ger\u00e4usche. 3) Eine gar zu regelm\u00e4ssige Abnahme des Geh\u00f6rs, was nach meinen Beobachtungen nur dann m\u00f6glich ist, wenn die St\u00f6rung nicht weit vom Abgang beider St\u00e4mme, also entweder auf der Basis des verl\u00e4ngerten Gehirns oder in diesem selbst sitzt. Eine gleichm\u00e4ssige periphere Sch\u00e4digung habe ich nur h\u00f6chst selten, als Ausnahme, vorgefunden. 4) Fehlen von Schwindel, \u00dcbelkeit, Erbrechen, Herzklopfen, Angst oder von Gef\u00fchl des Fallens bei schnellem Drehen (3 Umdrehungen des Kreises in 10 Sek.) in den verschiedensten Richtungen\u2014das alles ist ein Beweis f\u00fcr die Zerst\u00f6rung oder Abschw\u00e4chung der Reizleitungsf\u00e4higkeit, welche w\u00e4hrend des Centrifugirens von den Labyrinthen ausgeht. Da jedoch unser Kranker ganz gut h\u00f6rt, so kann von einer vollst\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung der Labyrinthe keine Rede sein, folglich hat man den Herd der St\u00f6rungen im verl\u00e4ngerten M\u00e4rk zu suche. 5) F\u00e4st g\u00e4nzliches Fehlen der Empfindung entgegengesetzter Drehung in den allerm\u00f6glichsten Stellungen deutet auch auf eine centrale Verletzung bei relativ gutem Geh\u00f6r. 6) Das best\u00e4ndige Drehen des Kopfes nach rechts, das ich folgendermassen erkl\u00e4re: die gleichm\u00e4ssigen, vom Labyrinth auf die Muskeln ausgel\u00f6sten Impulse sind w\u00e4hrend der Drehung einer gewissen Zerspaltung in den Centren unterworfen, wobei die Zellen, welche die Kopfbewegung nach hinten und zur Seite dirigiren, auf der einen Seite reizbarer sind als auf der anderen. Das Heben des Gesichts nach oben, das bei den verschiedensten Lagen des Patienten auf der Centrifuge immer eine ungleiche","page":17},{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"i\u00e9\nD\u00dc! PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG D\u00c9R CENTRIFUGE.\nGradzahl ergiebt, ist ein Beweis f\u00fcr eine ungleichm\u00e4ssig starke, obgleich von einen und denselben Zellen ausgehende Innervirung der Muskeln. Vorausgesetzt, dass der Kranke einen normalen peripheren Nervenapparat besitzt, so m\u00fcssten wir annehmen, dass die Leitungsf\u00e4higkeit des letzteren in verschiedenen Richtungen eine ungleiche w\u00e4re; das ist aber bisher noch durch kein Experiment bewiesen worden. Das Sehen \u00fcbt auch keinen besonderen Einfluss auf die Gr\u00f6sse der Abweichungen aus. Es ist sehr m\u00f6glich, dass im gegebenen Fall die Impulse, welche vom sakkul\u00e4ren Statolit ausgehen, auch sehr ungleichm\u00e4ssig verteilt sind.\nDer Kranke befand sich in der Klinik 195 Tage, vom 24 Sept. 1901 bis zum 9-ten April 1902. W\u00e4hrend seines Aufenthalts hatte er nur einen Anfall, am 10-ten Januar 1902. Er erkrankte an Diphtherie, die nach einer Einspritzung von Antidiphtherieserum verging. Am 28-ten Januar erfolgte bei allgemeinem Unwohlsein eine Temperatursteigerung, die einige Tage anhielt und Reissen in den Extremit\u00e4ten nebst Empfindlichkeit in einigen Gelenken zur Folge hatte. Durch Einnehmen von Aspirin und Iodkali vergingen diese rheumatischen Erscheinungen bis zum 4-ten M\u00e4rz. Man versuchte auch den Bandwurm zu entfernen, und einige Meter davon gingen ab.\nBeim Verlassen der Klinik war Patient zwar kr\u00e4ftiger und wohlgen\u00e4hrter, als beim Eintritt, die St\u00f6rungen des Gleichgewichts jedoch waren dieselben geblieben.\nSymptome von \u00fcberm\u00e4ssiger Nervenreizung (Hyper\u00e4sthesie) finden wir bei einem anderen Patienten, zu dessen Krankengeschichte ich jetzt \u00fcbergehen will.\nZweiter Fall. Jakob K., 27 Jahre alt, trat am 18 September 1901 ein, klagte \u00fcber Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, unsicheren Gang und zeitweiliges Auftreten von Bewusstlosigkeit (verbunden mit Umfallen beim Stehen).\nDie Eltern des Patienten leben noch; sein Vater ist nahe an 70, seine Mutter\u2014gegen 50 Jahre alt.\nAls Kind hat er keine Krankheiten durchgemacht. Ueberanstrengen-de physiche Arbeit auf dem Felde rief jedesmal starke M\u00fcdigkeit hervor. Wenn er nach Hause kam, wurde er oft von seinen Eltern geschlagen und misshandelt. So wuchs er in steter Angst auf, bis er schliesslich (im Alter von 23 Jahren) dieses Leben nicht mehr ertragen konnte und nach Moskau floh, wo er das erste Jahr in einer Fabrik arbeitete und dann an der Pferdebahn Anstellung fand. Den 27 August 1901 stiessen zwei Pferdebahnwagen zusammen, wobei K. vom Tritt nach vorne herunterfiel und sich Stirn und Hinterkopf verletzte. An der linken H\u00e4lfte des Stirnknochens, an der Haargrenze, zog er sich eine Quetschwunde zu. Der Kranke verlor das Bewusstsein und kam erst nach 20 Minuten zur Besinnung. Von der Zeit an traten \u00f6fters Schwindelanf\u00e4lle, von Ohrensausen begleitet, auf und dauerten 10 Minuten.\nPatient ist von Mittelgr\u00f6sse und gen\u00fcgender Ern\u00e4hrung; er wiegt 63 Kilo. Mit Ausnahme des Nervensystems weisen Herz, Lungen sowie alle \u00fcbri-","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n19\ngen Organe, Nase und Rachen keinerlei sichtbare Abweichungen von der Norm auf.\nK. lag in der Klinik bis Ende M\u00e4rz 1902, wurde mehrmals seines Geh\u00f6rs wegen untersucht und auf Grund typischer St\u00f6rungen der Koordination sowohl der Bewegungen im Allgemeinen, als auch der Kopfbewegungen im Speciellen (beim Drehen auf der Centrifuge) in einer Sitzung der Physiologischen Gesellschaft zugleich mit dem Kranken R. demonstrirt.\nAllgemeiner Verlauf. In der ersten Zeit wiederholten sich die Schwindelanf\u00e4lle h\u00e4ufig, wobei der Kranke zwar umfiel, das Bewusstsein jedoch nicht verlor. Der Gang was sehr schwankend und unsicher, so dass Patient sich an allen Gegenst\u00e4nden festhalten musste. Durch Liegen im Bett und Ruhe nahm allm\u00e4iig der Schwindel ab, auch der Gang wurde sicherer, daf\u00fcr aber verlor der Kranke bald am Tage, bald in der Nacht das Bewusstsein. Die Anf\u00e4lle haben einen epileptiformen Charakter; es tritt pl\u00f6tzliche Bewusstlosigkeit auf, der Kranke liegt eine Zeitlang unbeweglich mit ausgestreckten Extremit\u00e4ten, die Athmung bleibt aus, das Gesicht wird etwas cyanotisch. Einige Zeit darauf erfolgt ein tiefer Seufzer, dann ein Zittern (keine Kr\u00e4mpfe) der Extremit\u00e4ten. Der ganze Anfall dauert einige Minuten und wird von allgemeiner stundenlanger Schw\u00e4che und Zerschlagenkeit begleitet. Manchmal kam es vor, dass K. w\u00e4hrend des Sitzens auf dem Bett oder w\u00e4hrend des Stehens pl\u00f6tzlich umfiel und sich dabei besch\u00e4digte. Beim Beginn des Anfalls vermochte er nicht, sich festzuhalten. Patient ist sich seiner Anf\u00e4lle bewusst. Letztere wurden in der Klinik \u00f6fters beobachtet.\nDie Untersuchung der Gleichgewichtsst\u00f6rungen nahm man aus dem Grund nicht gleich nach Eintritt des Patienten vor, weil am Anfang der geringste Versuch zu springen und sich zu drehen ihn zu Fall brachte und ausserdem auf den Kranken eine deprimirende Wirkung hatte. Sp\u00e4terhin veranstaltete man mehrere Untersuchungen, die Folgendes ergaben. Die Statik ist stark gest\u00f6rt, die aktive Dynamik gleichfalls; die Schritte und Spuren sind sehr unregelm\u00e4ssig; die passive Dynamik\u2014das Centrifugiren ruft sowohl bei offenen als auch bei geschlossenen Augen eine Drehung des Kopfes nach links mit mehr oder weniger starker Senkung nach vorne hervor (also eine Art Z wangsbewegung).\nDie Augenuntersuchung zeigt Parese des n. abducens oculi dextri\u2014das Sehen nach rechts ist erschwert, geringe insufficientia recti interni.\nDer Wuchs ist mittelgross. Der K\u00f6rperbau ist normal und m\u00e4ssig entwickelt. Der Knochenbau weist keine besonderen Abweichungen auf. M\u00e4ssiger paniculus adiposus. Muskulatur kr\u00e4ftig. Reflexe erh\u00f6ht. Armbewegungen frei. Handschrift und Sprache nicht ver\u00e4ndert. Bewegungen der Beine h\u00f6chst unregelm\u00e4ssig\u2014starke St\u00f6rung der Bewegungskoordination (s. die Zeichnungen weiter unten). Bei l\u00e4ngerem Gehen, Stehen oder Sitzen stellen sich zuerst leichte Zuckungen in den Beinen ein, die allm\u00e4iig h\u00e4ufiger werden und in Zittern, Sch\u00fctteln \u00fcbergehen. Letzteres verbreitet sich von den Beinen auf die oberen Extremit\u00e4ten und von dort auf den ganzen Rumpf. In diesem Fall sieht der Kranke einem stark frierenden oder fiebernden Menschen \u00e4hnlich. Nach beschleunigter Drehung oder nach psychischen Aufregungen l\u00e4sst sich dasselbe beobachten.\n2*","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"Die physiologische \u00eb\u00ebde\u00fct\u00fcng der centrifuge.\n20\nNervensystem. Besondere An\u00e4stliesieersclieimingen\u2014nicht vorhanden. Geschmacks- und Geruchssinn intakt. Best\u00e4ndig finstere, gedr\u00fcckte Stimmung, die schon im J\u00fcnglingsalter sich kundgab, nebst traurigem, manchmal weinerlichem Gesichtsausdruck. Patient ist leicht beleidigt, beklagt sich oft m\u00fcndlich und schriftlich (den klinischen \u00c4rzten gegen\u00fcber) \u00fcber dr\u00fcckende Schwermut. Es scheint ihm, als ob alle hinter seinem R\u00fccken zischeln und fl\u00fcstern, ihn immer beobachten und nur \u00fcber ihn sprechen. H\u00e4lt sich f\u00fcr einen grossen S\u00fcnder. Ist leicht zu erschrecken.\nDiese finstere Stimmung hat Patient aller Wahrscheinlichkeit nach von seinem Vater geerbt, welcher sich fortw\u00e4hrend vor seiner Umgebung f\u00fcrchtete, weil es ihm vorkam, als ob ihn alle verfolgten. Zur Erschlaffung des Nervensystems trug auch viel die Onanie bei, welcher sich der Kranke von fr\u00fcher Kindheit an hingab. Zum weiblichen Geschlecht hat er keine Beziehungen gehabt.\n15 Oktober 1901. Um 9 Uhr morgens erfolgte ein Schwindelanfall mit St\u00fcrzen auf die Diele, ohne Kopfverletzung. Pr\u00e4cordialangstgef\u00fchl. Volles Bewusstsein. Puls 80, Athmung 18, T\u00b0 36\u00b0.\n5 Januar 1902. Im Schlaf \u00fcberfiel ihn ein allgemeiner Krampf mit Bewusstlosigkeit. Um 8 Uhr morgens T\u00b0 36,7\u00b0, Puls 100, Athmung 22.\n14 Februar. Um 3 Uhr nachts wollte der Kranke aufstehen, empfand aber pl\u00f6tzlich starken Schwindel und fiel auf die Diele, wobei er heftig mit dem Kopf an die Wand stiess, das Bewusstsein jedoch nicht verlor. Erst nach 5\u20146 Minuten war er im Stande sich zu erheben. 8 Uhr morgens\u2014 T\u00b0 36\u00b0, Puls 80, Athmung 19.\n18 Februar. Um 6V2 Uhr morgens fiel der Patient aus dem Bett und blieb einige Zeit besinnungslos auf der Diele liegen. Um 7 Uhr schlief er wieder fest ein. Um 8 Uhr morgens\u2014T\u00b0 36,8\u00b0, Puls 96, Athmung 22.\n8 M\u00e4rz. Abends f\u00fchlte er heftige Kopfschmerzen mit Erbrechen. Morgens 8 Uhr\u2014T\u00b0 36,4\u00b0, Puls 76, Athmung 19.\n13 M\u00e4rz. Um llV2 Uhr nachts lag der Kranke im Bett, nachdem er den ganzen Abend an starken Kopfschmerzen, \u00dcbelkeit und Herzklopfen gelitten hatte. Gegen 12 Uhr fing er an laut zu st\u00f6hnen und zu schreien, wobei ihm Speichel und Schaum aus dem Munde floss. Er schlug sich gegen das Bett und die Wand, so dass man ihn nur mit M\u00fche festhalten konnte. Der Puls war frequent, die Athmung beschleunigt und unterbrochen. Der Kranke lag in kaltem Schweiss gebadet, besonders schwitzten ihm Gesicht und H\u00e4nde. Die Augen waren halbge\u00f6ffnet und blickten starr vor sich hin. Das Bewusstsein war zwar getr\u00fcbt, aber nicht ganz verloren; auf Fragen antwortete der Patient nicht, sondern st\u00f6hnte nur entsetzlich. Besagte Erscheinungen Hessen allm\u00e4lig nach. Der Kranke blieb regungslos auf dem Bett liegen, schnarchte und schnaufte laut.\nUm 2Va Uhr nachts wiederholte sich der Anfall mit noch gr\u00f6sserer Heftigkeit und v\u00f6lliger Bewusstlosigkeit. Patient lag ganz bewegungslos und athmete schwer. Darauf fiel er auf die Diele, wo er sich 20 Minuten lang w\u00e4lzte, mit H\u00e4nden und F\u00fcssen um sich schlug und die Zunge blutig biss. Er legte sich auch auf den Bauch. Die Pupillen reagirten gar nicht auf","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"DIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n21\ndas Licht. Nach einer Stunde gelang es endlich mit M\u00fche ihn wieder ins Bett zu bringen. Am Morgen grosse Schw\u00e4che. T\u00b0 36,5\u00b0, Puls 96, Athmung 20.\n16 April. In der Nacht vom 15-ten auf den 16-ten schlief der Kranke unruhig, f\u00fchlte Kopfschmerzen, und leichten Schwindel. Ein paar Mal sprang er aus dem Bett. Fragen beantwortete er. Das Bewusstsein war etwas getr\u00fcbt. Nachdem versank er in einen tiefen, ruhigen Schlaf, aus dem er am Morgen gekr\u00e4ftigt erwachte.\nMehrmals wohnte ich den n\u00e4chsten Anf\u00e4llen am Tage bei: es trat pl\u00f6tzlich Schwindel ein und der Patient wurde sofort in die horizontale Lage gebracht. Nachdem er einige Sekunden mit unbeweglichen Augen ruhig gelegen hat, f\u00e4ngt er an, an F\u00fcssen und H\u00e4nden zu zittern und wacht pl\u00f6tzlich, sich mit der Hand \u00fcber die Augen fahrend, wie erschrocken auf. Er ist sich seines vorhergehenden Anfalls bewusst. Wenn er w\u00e4hrend des Anfalls angeschrieen wird, so f\u00e4hrt er zusammen und kommt sogleich zu sich. Ein besonderes Schw\u00e4chegef\u00fchl empfindet er nicht.\nHerz, Lungen und die \u00fcbrigen inneren Organe zeigen keine besonderen Abweichungen von der Norm.\nGeh\u00f6rfunktion. Linkes Ohr. Die Ohrmuschel, der \u00e4ussere Geh\u00f6rgang weisen nichts Abnormes auf. Auf dem Trommelfell\u2014R\u00f6tung l\u00e4ngs dem Verlauf des Hammerstiels; Reflex fehlt, die Membran ist eingezogen. Der kurze Fortsatz hebt sich scharf ab, die vordere und die hintere Falte sind scharf umgrenzt (Eiter und Perforation nicht vorhanden). Der Warzenfortsatz tritt links mehr nach aussen hervor als rechts; auf Druck empfindlich.\nLinkes Ohr: per aera\u2014gew\u00f6hnliche Sprache auf 5 Meter, Fl\u00fcsterspr. auf 0,5 Meter; von 128 bis 32768 Schwingungen. Rinne-*-. Per os: von 120 bis 2048 Schw.\nBeeiltes Ohr. Ohrmuschel und \u00e4usserer Geh\u00f6rgang normal. Trommelfell eingezogen, besonders in der vorderen H\u00e4lfte, weisslich verf\u00e4rbt. Reflex schwach. Per aera\u2014gew\u00f6hnliche Sprache auf 7 Meter, Fl\u00fcsterspr. auf 2 Meter; von 53,3 bis 32768 Schwingungen. Rinne-*-. Per os\u2014von 120 bis 2048 Schwingungen. Weber nach rechts.\nDie ungef\u00e4hre normale Klangdauer\t\tmeiner\tStimmgabeln:\t\t\n\tc. 128\tc.\t256\tc. 512 c. 1024\t\tc. 2048\nSek.\tper aera.\t65\t50\t85\t105\t50\nSek.\tper os . .\t28\t25\t44\t50\t22\nRechtes Ohr per aera.\t10\t5\t20\t18\t10\nper os . .\t10\t5\t3\to O\t2\nLinkes Ohr per aera .\t5\t2\to D\t3\t2\nper os.. .\t4\t0\to D\t2\t2\nStehen kann der Kranke nur mit gespreizten Beinen; ist die Entfernung zwischen den Fusssohlen geringer als 1 Decimeter, so f\u00e4llt er um.","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"22\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nGe\u00f6ffnete Augen.\nStatik.\nGeschlossene Augen.\nSteht zitternd 9\u201410 Sek. Auf beiden Beinen zusammen, und f\u00e4llt nach hinten links.\nAufheben kann er sich nicht, als ob die Hacken angeklebt w\u00e4ren. Beim Versuch sich zu heben\u2014Fallen nach vorne links.\nKann nicht stehen.\nKann nicht stehen.\nFussspitzen.\nRechtes Bein. Linkes Bein,\nSteht zitternd 10 Sek. f\u00e4llt dann nach vorne. Kann sich nicht heben.\nKann nicht stellen. Kann nicht stehen.\nGoniometer.\n1\u00b0\u20142\u00b0\t\u2014Inclinatio anterior \u2014 1\u00b0\u20142\u00b0\nN ormal\u20143 50\u201440\u00b0\n4\u00b0 Zittern, Fallen nach \u2014 Inclinatio posterior \u2014 5\u00b0\u20146\" Zittern, Fallen nach links zur Seite.\tNormal=26\u00b0\u201430\u00b0\tlinks zur Seite.\n9\u00b0 Zittern in den Beinen,\u2014Inclinatio lateralis dex.\u20147\u00b0 Leichtes Zittern in den Fallen nach vorne.\tNormal=35\u00b0\u201440\u00b0\tBeinen, Fallen nach vorne.\n5\u00b0 Leichtes Zittern, Fallen\u2014Inclinatio lateralis sin. \u2014 5\u00b0 Zittern in den Beinen, nach links\u2014vorne.\tNormal\u201435\u00b0\u201440\u00b0\tFallen nach links\u2014vorne.\nDas Centrifugiren.\nDas Drehen konnte nur sehr langsam ausgef\u00fchrt werden, da hei etwas schnellerer Rotation qu\u00e4lende pr\u00e4cordiale Be\u00e4ngstigungen auftraten (der Patient griff mit den H\u00e4nden nach der Herzgegend und rieb dieselbe) von \u00dcbelkeit, Erbrechen und dem-Gef\u00fchl allgemeiner Schw\u00e4che und Zerschlagenheit begleitet, welche Erscheinungen in der ersten Zeit stundenlang airhielten. Der Kranke musste sogar ins Bett gebracht werden. Wegen einer solchen ungew\u00f6hnlichen Hyper\u00e4sthesie wurden die Untersuchungen, welche vom 5-ten November 1901 ungef\u00e4hr einen Monat dauerten, oft unterbrochen *).\nDynamik.\nBeifolgende Spuren habe ich erst nach einer wesentlichen Besserung des allgemeinen Zustandes am 22 M\u00e4rz 1902 abgenommen, da der Kranke beim\n*) Um einen Begriff von der ausserordentlichen Erregbarkeit des Patienten zu geben, will ich Folgendes anf\u00fchren: Als Ausgangspunkt meiner Beobachtungen nahm ich die Centrifugalkraft, die sich hei der Drehung eines Kreises von 300 Ctm. Umfang, welcher in G Sek. ungef\u00e4hr eine ganze Drehung macht, entwickelt. Letztere Drehungsgeschwindigkeit ist nicht willk\u00fcrlich von mir angenommen, sondern ergiebt sich als Resultat zahlreicher Beobachtungen, welche zeigen, dass hei normalen Menschen ungef\u00e4hr hei dieser peripherischen Schnelligkeit (Umlauf von 1 Ctm. des Kreises in 0,02 Sek., von 10 Ctm.\u2014in 0,2 Sek.), sowohl hei geschlossenen als auch hei ge\u00f6ffneten Augen Nystagmus _ auftritt (nystagmus centrifugalis ss. experimentalis passivus). Eine derartige Drehungsgeschwindigkeit wird im gr\u00f6ssten Teil der normalen F\u00e4lle von keinerlei unangenehmen Empfindungen gelbst nach einigen Umdrehungen begleitet.","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"ME PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\n23\nEintritt selbst bei ge\u00f6ffneten Augen \u00e4usserst langsam und zwar nur nach vorne gehen konnte, wobei er stark von einer Seite auf die andere schwankte (Entengang). Um jegliche Besch\u00e4digung beim Fallen zu verhindern, wurde Patient aufgefangen,\n\t\t\t\t\t\n\t\t\tFig.\t18.\t\n\t\t\t\t1\t\nFi,er. 19.\nFig. 20.\n\t\n\t\n\t\nFig. 21.\n\t\u25a0\n\t\nFig. 22.\nGe\u00f6ffnete Augen.\nFig. 18. Gehen nach vorne mit der ganzen Fusssohle. Fig. 19. Gehen r\u00fcckw\u00e4rts mit der ganzen Fusssohle.","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nFig. 20. Gehen nach vorne auf den Fussspitzen.\nFig. 21. Gehen r\u00fcckw\u00e4rts auf den Fussspitzen.\nFig. 22. Rotation auf zwei F\u00fcssen.\nGeschlossene Augen.\nFig. 23. Gehen nach vorne mit der ganzen Fusssohle.\nFig. 24. Gehen r\u00fcckw\u00e4rts mit der ganzen Fusssohle.\nFig. 25. Fallen nach drei Schritten.\nFig. 26. Gehen r\u00fcckw\u00e4rts auf den Fussspitzen (ausgelassen).\nFig. 27. Springen nach vorne auf\tFig. 28. Rotation auf 2\nden Fussspitzen.\tF\u00fcssen.\nErkl\u00e4rung.\nFig. 18 Der Patient geht ziemlich gerade und sicher, seine F\u00fcsse kreuzen sich aber. Schliesslich stellt sich der linke Fuss quer vor den rechten, und der Kranke f\u00e4llt um. Die Bewegungen der Beine waren nicht frei, sondern etwas krampfhaft.\nFig. 23. Die Schritte sind ungleich. Patient umschreibt einen leichten Bogen nach rechts, wobei er sich zuerst auf den Fussrand und dann erst auf die ganze Sohle stellt.\nFig. 19. Anfangs f\u00fchrten jederlei Versuche einen Schritt r\u00fcckw\u00e4rts zu machen momentan zum Fall. Jetzt kann der Kranke 5 ungleiche, zickzack-f\u00f6rmig verlaufende Schritte machen, er streift das Papier (weisse Linie) mit der linken Hacke und f\u00e4llt.\nFig. 24. Anfangs st\u00fcrzte K. sofort, bevor er noch einen Schritt gemacht hatte, wie eine tote Masse hin. Jetzt f\u00e4llt er erst nach 4 ungleichen Schritten unaufhaltsam zur\u00fcck, wobei er mit der linken Hacke das Papier streift (weisser Streifen.). W\u00e4hrend er auf dem rechten Bein steht, stellt er den linken zum 2-ten und 3-ten Mal um und f\u00e4llt dann mit gehobenem rechten Fuss um. Zuerst st\u00fctzt er sich krampfhaft auf die Zehen und setzt erst darauf die ganze Sohle auf die Diele. Die Beine zittern und stolpern \u00fcber einander.\nFig. 20. Anfangs war es dem Kranken unm\u00f6glich auf den Fussspitzen zu gehen. Jetzt kann er es; seine Schritte sind aber ungleich und die Spuren ordnen sich kreisf\u00f6rmig an. Der Gang ist watschelnd.\nFig. 25. F\u00e4llt nach 3 Schritten.\nFig. 21. Die Schritte sind ungleich und bilden keine gerade Linie. Die Beine sind die ganze Zeit etwas auseinandergespreizt. Zuerst stellt Patient sich krampfhaft auf die Zehen und sieht dabei fortw\u00e4hrend auf seine Beine. Nach 6 Schritten stolpert er, verliert das Gleichgewicht, tritt auf die ganze Fusssohle auf, weicht zuerst nach rechts, dann nach links ab und f\u00e4llt schliesslich um.\nFig. 26. Beim Stehen auf beiden F\u00fcssen kann der Kranke sich langsam mit ausgespreizten Beinen umdrehen, f\u00e4llt aber nach einer halben Drehung r\u00fcckw\u00e4rts um.","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"PIE PHYSIOLOGISCHE. BEDEUTUNG PER CENTRIFUGE.\n25\nFig. 28. Dasselbe, nur bei geschlossenen Augen, wobei der linke Fuss einknickt und der Kranke nicht die Kraft besitzt, ihn zurecht zustellen. Das rechte Bein bildet ein Centrum, um welches das linke Bein einen Kreis zieht.\nAus Fig. 27 ersieht man, dass nach dem ersten Sprung Patient unaufhaltsam nach vorne f\u00e4llt, wobei er mit den Zehen an die Diele anhakt und dieselben derart zur\u00fcckbiegt, dass sie mit ihrer R\u00fcckseite das Papiers ber\u00fchren, auf welchem sie 2 weisse Flecken hinterlassen. Die anderen Spuren sind nicht abgenommen, da sie den obigen gleichen.\nAlle \u00fcbrigen Bewegungen f\u00fchrten zu schnellem Fall.\nDie Beobachtungen vermittelst der Centrifuge fanden bei einer Umdrehung des Kreises in 20\u201425 Sek., also bei 4\u20145 Mal geringererer Geschwindigkeit als gew\u00f6hnlich, statt. Es ergab sich dabei folgende interessante Ercheinung: nach welcher Seite der Kranke in verschiedenen Stellungen, sowohl mit geschlossenen als auch mit ge\u00f6ffneten Augen, auch immer gedreht wurde, kehrte er stets den Kopf nach links und senkte ihn gleichseitig nach vorne. Die Gr\u00f6sse dieser Abweichungen wurde durch meinen dynamischen Goniometer festgestellt und in den unten angef\u00fchrten Zahlen ausgedr\u00fcckt.\nFig. 1\u201427 auf beigelegter Tafel II geben eine deutliche Vorstellung \u00fcber den Grad der Kopfabweichung bei verschiedenen Stellungen.\nFig. 1. Ruhige Lage vor der Drehung.\nFig. 2. Das Gesicht ist zur Peripherie gewandt. Die Augen s;nd ge\u00f6ffnet. Beim Drehen nach rechts oder nach links weicht der Kopf unwillk\u00fcrlich nach links ab.\nFig. 3 Dasselbe bei geschlossenen Augen.\nFig. 4. Das Gesicht ist mit geschlossenen Augen zum Centrum gewandt. Der Kopf biegt sich nach links.\nFig. 5. Mit der rechten Seite zur Peripherie gewandt. Die Augen sind ge\u00f6ffnet.\u2014Abweichung nach links.\nFig. 6. Dasselbe bei geschlossenen Augen. Abweichung nach links.\nFig. 7. Mit der linken Seite zur Peripherie. Die Augen sind ge\u00f6ffnet.\nFig. 8. Stellung des Kopfes vor der Drehung in Ber\u00fchrung mit der Lehne.\nFig. 9. Abstehen des Kopfes nach der Drehung.\nFig. 10. Stellung des Zeigers auf dem Nullpunkt der B\u00f6gen des dynami sehen Goniometers vor der Drehung. Von vorne gesehen.\nFig. 11. Dasselbe, von der Seite gesehen.\nFig. 12. Stellung der Zeiger nach der Drehung: sie sind Von den B\u00f6gen infolge der Neigung des Kopfes nach links abgegangen.\nDas Gesicht ist sur Peripherie gewandt.\nGe\u00f6ffnete Augen.\tGeschlossene Augen.\nAbweichung des Kopfes.\tAbweichung des Kopfes.\nFig. 13. Drehung mit der rechten Schulter nach vorne. Fig. fehlt.\nNach links\t\t33\u00b0\tNach links\t\t,.. 30\u00b0\nHorizontal\t\t41\u00b0\tHorizontal\t\t,.. 16\u00b0\nNach unten\u2014vorne\t18\u00ae\t' Nach unten...\t... 27\u00b0","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nFig. 14. Drehung mit der linken Schulter nach vorne. Fig. 15.\nNach links.......... 27\u00b0\tNach links.......... 40\u00b0\nHorizontal.......... 19\u00b0\tHorizontal.......... 23\u00b0\nNach unten......... 20\u00b0\tNach unten......... 25\u00b0\nBas Gesicht ist sum Centrum gewandt.\nFig. 16. Drehung mit der rechten Schulter nach vorne. Fig. 17.\nNach links.\t\t 30\u00b0\tNach links.. .\t\t43\u00b0\t\nHorizontal. ,\t\t 25\u00b0\tHorizontal.. ..\t... 20\u00b0\t\nNacli unten.\t\t 17\u00b0\tNach unten.. .\t.... 24\u00b0\t\nFig. 18. Drehung mit der\t\tlinken Schulter nach vorne.\tFig. 19.\t\nNach links.\t\t 29\u00b0\tNach links. . .\t\t 35\u00b0\t\nHorizontal . ,\t\t 19\u00b0\u201410\tHorizontal.. . .\t\t 25 \u00b0-\t\u201c15\u00b0\nNach unten.\t\t 16\u00b0\tNach unten...\t\t 21\u00b0\t\nDie rechte Schulter ist sur Peripherie der Centrifuge gewandt.\t\t\t\t\nFig. 20.\tDrehung mit\tdem Gesicht nach vorne.\tFig. 21.\t\nNach links. .\t\t 35\u00b0\tNach links. . .\t. . .. 32\u00b0\t\nHorizontal..\t\t 30\u00b0\u201412'\tHorizontal.. . .\t\t 26\u00b0-\t-21\u00b0\nNach unten.\t\t 26\u00b0\tNach unten.. .\t. . . . 16\u00b0\t\nFig. 22.\tDrehung mit dem Hinterkopf nach hinten.\t\tFig. 23.\t\nNach links. .\t\t 30\u00b0\tNach links...\t\t 20 \u00b0\u2014\t-22\u00b0\nHorizontal. .\t\t 27\u00b0\u201412c\tHorizontal... .\t\t 17\u00b0\u2014\t-10\u00b0\nNach unten.\t\t 32\u00b0\tNach unten.. .\t. . . . 30\u00b0\u2014\t-32\u00b0\nDie linke\tSchulter ist sur Peripherie der Centrifuge gewandt.\t\t\t\nFig. 24.\tDrehung mit dem Gesicht nach vorne.\t\tFig. 25.\t\nNach links. .\t\t 15\u00b0\tNach links. . .\t.... 24\u00b0\t\nHorizontal . .\t\t 7\u00b0\tHorizontal.. . .\t\t 15\u00b0\t\nNach unten.\t\t 15\u00b0\tNach unten...\t. . . . 17\u00b0\t\nFig. 26.\tDrehung mit dem Hinterkopf nach hinten.\t\tFig. 27.\t\nNach links. .\t\t 23\u00b0\tNach links. . .\t... 23\u00b0\t\nHorizontal. .\t..... 12\u00b0\tHorizontal... .\t\t 12\u00b0\t\nNach unten.\t..i.. 17\u00b0\tNach unten...\t. . .. 17\u00b0\t\nHorizontale R\u00fcckenlage.\nDrehung mit der rechten Schulter nach vorne.\nGe\u00f6ffnete Augen.\tGeschlossene Augen.\nNach rechts........\t0\u00b0\tNach rechts......... 13\u00b0\nDrehung mit der linken Schulter.\nNach links.........\t8\u00b0\tNach links\n13\u00b0","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"PIF PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DEE CENTRIFUGE\n27\nW\u00e4hrend des Centrifugirens verfiel der Kranke in einen gewissen Zustand von Erstarrung, welche nach Beendigung der Drehung noch einige Minuten anhielt. Bei geschlossenen Augen neigte der Kopf noch mehr nach vorne.\nDer Kranke K., wenn er ruhig wie Patient R. sass, liess unbewusst den Kopf nach Unis unten mit Senkung der Augenlider fallen. Wenn man in diesem Augenblick oder nach dem Centrifugiren an ihn eine Frage richtete oder ihn anrief, hob er pl\u00f6tzlich ganz verwundert den Kopf, \u00f6ffnete weit die Augen und fing an sie zu reiben. W\u00e4hrend des Centrifugirens vermochten keine Anstrengungen seitens des Kranken eine Abweichung des Kopfes zu verhindern.\nBei ge\u00f6ffneten Augen beobachtet man einen sehr lebhaften Nystagmus (hypernystagmus horizontalis rhytmicus), der in normalen Richtungen bei sehr langsamer Drehung auftritt, wie es schon oben beschrieben worden war. Bei Bauchlage erfolgten unregelm\u00e4ssige Zuckungen.\nBei geschlossenen Augen l\u00e4sst sich Folgendes constatiren:\n1)\tIn allen Lagen blieben die Augen unbeweglich. Bei R\u00fcckenlage\u2014unbeweglich nach unten gedreht (Hin\u00fcberrollen nach unten).\n2)\tDie Empfindung der entgegengesetzten Drehung fehlte in allen Lagen.\nAm 19 April 1902 fuhr der Kranke aufs Land zur\u00fcck, wo er ruhig ohne zu\narbeiten lebte. Dort bekam er einige Male leichte Tremoranf\u00e4lle im ganzen K\u00f6rper. Den 5-ten Juni 1903 hatte ich die M\u00f6glichkeit ihn nochmals zu untersuchen. Im Grossen und Ganzen kann man eine Abnahme aller Gleichgewichtsst\u00f6rungen beobachten: er steht, geht und dreht sich auf beiden Beinen viel sicherer als fr\u00fcher.\nMit offenen Augen steht er auf beiden Beinen, auf den Fussspitzen, auf dem einen rechten oder linken Bein ziemlich sicher.\nMit geschlossenen Augen h\u00e4lt er sich in denselben Stellungen einige (10 \u2014 15) Sekunden.\nGe\u00f6ffnete Augen.\tGoniometer.\tGeschlossene Augen.\n35\u00b0\tInclinatio\tanterior................. 19\u00b0\twackelt.\n16\u00b0\tInclinatio\tposterior................ 14\u00b0\tzittert.\n18\u00b0\tInclinatio\tlateralis\tdextra..... 10\u00b0\n19\u00b0\tInclinatio\tlateralis\tsinistra.....\t9\u00b0\nDas Heben auf dem Brett des Winkelmessers ruft Herzklopfen verbunden mit Angstgef\u00fchl hervor. Springen kann er nicht.\nEine Drehung der Centrifuge innerhalb 5 Sekunden wird nicht von Pr\u00e4-cordialangst und Schwindel begleitet. Bei ge\u00f6ffneten Augen beobachtet man einen lebhaften Nystagmus in allen Lagen, und in normalen Richtungen, bei geschlossenen Augen ist er nicht vorhanden. Die Bewegung des Kopfes, ist jetzt eine andere: derselbe senkt sich beinahe in allen Stellungen auf der Centrifuge sowohl bei geschlossenen, als auch bei ge\u00f6ffneten Augen leicht nach rechts.\nDie linke Schulter ist zur Peripherie der Centrifuge gewandt. Die Drehung erfolgt mit dem Gesicht nach vorne: der ganze Rumpf neigt sich etwas nach links mit leichtem Schwindelgef\u00fchl. Drehung mit dem Hinterkopf nach","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"28\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nhinten: der Kopf und der ganze Rumpf neigen sich leicht nach links, es treten \u00dcbelkeit, W\u00fcrgbewegungen und Druckgef\u00fchl in der Herzgegend auf; das Gesicht wird blass, und es stellt sich allgemeine Schw\u00e4che mit Schwitzen der Handfl\u00e4chen ein. Der Kranke konnte nicht von der Centrifuge absteigen, sein Gang war unsicher. Erst nach Verlauf einiger Zeit erholte sich Patient so weit, dass er mit leicht schwankenden Schritten nach Hause zu gehen vermochte.\nDas Gef\u00fchl der entgegengesetzten Drehung fehlte auch jetzt in allen Stellungen.\nDie Stimmung ist ebenso deprimirt wie fr\u00fcher. Der Patient ist zu keiner Arbeit f\u00e4hig.\nDiagnosis. Die ganze Symptomathologie des Patienten K. deutet im Gegensatz zum Kranken R. auf leichte Reizbarkeit\u2014Hyper\u00e4sthesie. Wollen wir jetzt zur Betrachtung der einzelnen Krankheitserscheinungen \u00fcbergehen.\n1)\tDie Abschw\u00e4chung des Geh\u00f6rs ist an beiden Ohren beinahe gleich, per aera und per os ist eine Verk\u00fcrzung der Schallperception vorhanden. Rinne-+-weist auf eine Sch\u00e4digung des Nervenapparats hin. Wo hat man dieselbe zu lokalisiren: in den Endapparaten der Labyrinthe, im Verlauf des n. octavus vor seinem Eintritt ins verl\u00e4ngerte Mark oder aber im Gehirn selbst? Man kann annehmen, dass das Trauma eine gleichm\u00e4ssige Ersch\u00fctterung in beiden Labyrinthen hervorgerufen hat: man hat nicht das Recht eine solche M\u00f6glichkeit absolut zu verneinen. Gegen den Sitz der Besch\u00e4digung an der Gehirnbasis oder im verl\u00e4ngerten Mark spricht das Fehlen jeglicher Ver\u00e4nderungen seitens der benachbarten Nerven.\n2)\tDas Fehlen der Empfindung der Gegendrehung l\u00e4sst ebenfalls auf eine Besch\u00e4digung des Labyrinths oder der Labyrinthe schliessen. Auf Grund meiner anderen Beobachtungen, welche ich demn\u00e4chst beschreiben will, bin ich zu der \u00dcberzeugung gekommen, dass v\u00f6llige Taubheit oder blosse Geh\u00f6rschw\u00e4chung des einen Ohres zur vollst\u00e4ndigen Vernichtung der Gegendrehungsempfindung f\u00fchrt, selbst wenn das andere Ohr ganz normal ist. Da aber im gegebenen Falle die Geh\u00f6rabnahme eine beinahe gleichm\u00e4ssige ist, so f\u00e4llt cs schwer zu entscheiden, welches von den beiden Labyrinthen, das rechte oder das linke oder beide zusammen, das Verschwinden der Empfindung der entgegengesetzten Drehung bedingen. Meine vielj\u00e4hrigen Beobachtungen aut diesem Gebiet ergeben folgendes Resultat: wenn diese Empfindung der Gegendrehung einmal verschwunden ist, so kehrt sie nie, selbst bei bedeutender Besserung der \u00fcbrigen Erscheinungen, wieder zur\u00fcck. Die Abnahme des Geh\u00f6rs bei gleichzeitiger Abschw\u00e4chung oder beim Fehlen der Gegendrehungs-empfindung deutet auf eine Besch\u00e4digung des Labyrinths, daher ist auch in solchen F\u00e4llen auf eine Besserung des Geh\u00f6rs wenig Hoffnung vorhanden.\nBei reinen Formen von Trommelfellsclerose bleibt die Empfindung der entgegengesetzten Drehung erhalten. Wenn aber bei allm\u00e4liger Abnahme des Geh\u00f6rs w\u00e4hrend des sclerotischen Processes eine Schw\u00e4chung oder Verst\u00e4rkung dieser Empfindung eintritt, so ist das ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Entz\u00fcndung schon auf das Labyrinth \u00fcbergegangen ist. Durch letzteren Umstand l\u00e4sst sich auch die Hoffnungslosigkeit unserer therapeuthischen Massregeln erkl\u00e4ren.","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"\u00ce)IE P\u00dfYST\u00d6LOfllSCHF, feEP\u00cbUTUN& PER C\u00c9NTRIFUG\u00cb.\n29\nWenn man eine gr\u00f6ssere Aufmerksamkeit der Gegenbewegungsempfindung widmen wollte, so w\u00fcrde man sich \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, dass die Mittelohient-z\u00fcndung nicht selten auch das Labyrinth angreitt. Das Auftreten der Empfindung der entgegengesetzten Drehung w\u00e4hrend des Centritugirens in einigen Richtungen und ihr Fehlen (resp. Abschw\u00e4chung) in anderen ergeben auch keine g\u00fcnstige Prognose. Bei unserem Kranken hat sich die Empfindung der entgegengesetzten Drehung nicht mehr eingestellt, obgleich sich eine relative Besserung einiger Bewegungsst\u00f6rungen gezeigt hat.\n3)\tEine starke St\u00f6rung der statischen Funktion mit schnellem Fallen in allen Stellungen auf dem Goniometer, aber bei verschiedener Gradzahl, deutet auf einen erh\u00f6hten Reiz in den Labyrinthen in verschiedenen Richtungen. Da diese St\u00f6rungen bei geschlossenen Augen deutlicher hervortreten, ist eine cerebrale Ataxie ausgeschlossen, weil dieselbe bei geschlossenen Augen nicht merklich zunimmt.\n4)\tEine ausserordentliche Empfindlichkeit gegen Kreisbewegungen sowohl bei geschlossenen, als auch bei ge\u00f6ffneten Augen, spricht f\u00fcr ein Labyrinthleiden: eine Umdrehung in 20\u201425 Sekunden ruft schon \u00dcbelkeit, Schwindel, pr\u00e4cordialen Druck hervor. Nur im inneren Ohr haben wir leicht bewegliche Theile, welche, sich auf \u00e4usserst reizbaren Nervenendapparaten verschiebend, starke Bewegungsst\u00f6rungen verursachen. Die Drehung wurde so langsam ausgef\u00fchrt, dass weder ein normaler Mensch, noch unser Kranker sie bei geschlossenen Augen f\u00fchlten und merkten. Bei einiger Beschleunigung gab sie sich dem Patienten vor allen Dingen durch pr\u00e4cordialen Druck kund.\n5)\tDas Drehen des Kopfes immer in einer Richtung - nach links vorne-unten\u2014ist ein Beweis daf\u00fcr, dass der krankhafte Reiz sich in einem Punkt streng lokalisirt hat und Contraction nur bestimmter Muskeln hervorruft.\n6)\tDas Drehen des Kopfes bei verschiedenen Stellungen auf der Centrifuge immer auf eine ungleiche Gradzahl weist, meiner Meinung nach, darauf hin, dass entweder in dem halbkreisf\u00f6rmigen Kan\u00e4le (vielleicht Kan\u00e4len) einige Ampullenh\u00e4rchen einen erh\u00f6hten Reiz empfinden, der den entsprechenden Muskeln mitgetheilt wird, oder aber, dass eine St\u00f6rung in der normalen Beweglichkeit der Statoliten durch das Trauma entstanden ist, und dass letztere (Statoliten oder Otoliten) sich in einer gewissen Richtung leichter verschieben. Dadurch wird der Endapparat st\u00e4rker gereizt und eine gr\u00f6ssere Abweichung des Kopfes verursacht. Man kann doch nicht annehmen, dass solch eine ungleiche Verschiebung in einem isolirten Zellkomplex, z. B. im Gehirnmarke, bei der leisesten Rotation stattfinden k\u00f6nnte.\n7)\tDas Drehen des Kopfes w\u00e4hrend des Centrifugirens in entgegengesetzter Richtung deutet seinerseits auf die Besch\u00e4digung nur des einen Labyrinths. Experimente an Tieren ergaben Folgendes: wenn man den halbkreisf\u00f6rmigen Kanal der rechten Seite verletzt, so beugt das Tier seinen Kopf und Rumpf nach links. Nach einiger Zeit f\u00e4ngt der Kopf jedoch an, sich zur Wundseite hin zu wenden. Bei doppelseitiger symmetrischer Verletzung der Kan\u00e4le liess sich eine derartige Erscheinung nicht beobachten. Den Kranken K, habe ich am 5 ten Juni 1903, also 2 Jahre nach der Kopfbesch\u00e4digung bei dem Zu-samrnenstoss zweier Wagen, von neuem untersucht. Auf Grund der Resul-","page":29},{"file":"p0030.txt","language":"de","ocr_de":"BO\nDIE PHYSIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER CENTRIFUGE.\nt\u00e4te obiger Experimente an Tieren k\u00f6nnen wir annehmen, dass durch den Stoss das rechte Labyrinth besch\u00e4digt wurde, und dass der Reiz desselben zuerst eine Neigung des Kopfes nach links und dann nach rechts verursachte.\n8)\tDie Erhaltung eines, wenn auch sehr erh\u00f6hten Nystagmus (hyperny-stagmus) in normalen Richtungen bei offenen Augen, l\u00e4sst auf die Intaktheit der Fasern schliessen, welche die Sehempfindungen in das verl\u00e4ngerte Mark leiten. Das Fehlen von Nystagmus oder manchmal das Eintreten von Augenverdrehung bei geschlossenen Augen weist auf eine Leitungsst\u00f6rung innerhalb der Bahnen hin, welche die von den Labyrinthapparaten ausgehenden Impulse bef\u00f6rdern.\n9)\tF\u00fcr eine erh\u00f6hte Reizbarkeit der Labyrinthe spricht eine reichliche Schweissabsonderung an den Armen., besonders an den inneren Handfl\u00e4chen, sogar bei langsamster Drehung. Bekanntlich sind die Centren f\u00fcr Schweissabsonderung im verl\u00e4ngerten Mark zusammen mit dem Kern des n. octavus gelegen.\nBer\u00fccksichtigt man das Obenauseinadergesetzte, so gelangt man zu der \u00dcberzeugung, dass man mit H\u00fclfe des Goniometers und der Centrifuge eine ganze Reihe neuer Symptome entlarven kann, welche sonst durch die \u00fcblichen klinischen Untersuchungsmethoden nicht entdeckt worden w\u00e4ren. Folglich m\u00fcssen diese Apparate in beliebiger Form unumg\u00e4nglich notwendige Instrumente sowohl f\u00fcr den Otiater, als auch f\u00fcr den Neuropathologen sein. Wenn man auch mit den von mir gegebenen Erkl\u00e4rungen und vorgeschlagenen Hypothesen bez\u00fcglich der Funktionen der einzelnen Labyrinthteile nicht \u00fcbereinstimmt, so kann das Vorhandensein der angef\u00fchrten Thatsachen doch nicht geleugnet werden.\nIch bin fest davon \u00fcberzeugt, dass man die Centrifuge auch f\u00fcr therapeutische Zwecke benutzen wird, worauf schon einige sp\u00e4rliche Beobachtungen hinweisen. Vor einigen Jahren erschien in Petersburg eine Dissertation, die \u00fcber die Vermehrung des Stickstoffs im Harn der Thiere handelte, welche der Rotation unterworfen waren. Daraus ersehen wir, dass das Centrifugiren eine starke Wirkung auf den allgemeinen Stoffwechsel aus\u00fcbt. Ferner ist bekannt, dass bei mit dem Kopf zur Peripherie gelagerten Hunden eine langdauernde und beschleunigte Drehung von starker Gehirnhyper\u00e4mie begleitet wird (Versuch von Salath\u00e9, Mendel, F\u00fcrstner). Ist aber der Kopf zum Centrum gekehrt, so kann man An\u00e4mie des Gehirns erzielen. Schon zu Anfang meiner Untersuchungen vermittelst der Centrifuge konnte ich bei einzelnen Kranken ein Verschwinden von Ger\u00e4uschen feststellen. Nach m\u00e4ssiger Drehung in vertikaler Lage innerhalb oben angef\u00fchrter Grenzen machte sich bei mir und bei Kranken ein Gef\u00fchl der Schl\u00e4frigkeit bemerkbar. Menschen, die zu Schwindel neigen, kann man durch eine allm\u00e4lige Steigerung der Drehung weniger empfindlich daf\u00fcr machen. Vrhantschitsch fand, dass bei Kranken, welche an Schwindelanf\u00e4llen litten, dieselben durch t\u00e4glich ausgef\u00fchrte Drehungen des Kopfes entweder ganz verschwanden oder bedeutend schw\u00e4cher auftraten. Lokales Centrifugiren wird schon l\u00e4ngst mit grossem Erfolg bei der Gymnastik angewandt: Drehungen des Kopfes, der Arme, der Beine u. s\u00bb w.","page":30},{"file":"p0030s0001.txt","language":"de","ocr_de":"Erkl\u00e4rung\nzu den kinematographischen Aufnahmen des zweiten Kranken Jakob K. mit der Camera System D e m e n y (bei Gaumont. Paris). Cr. 15 Aufnahmen per Sekunde.\nFig. 1, 2. 3. R\u00fcckw\u00e4rtsgehen mit offenen Augen. Man sieht, wie die Spreizbreite zwischen den F\u00fcssen allm\u00e4lig gr\u00f6sser wird. Schliesslich bleibt der Kranke stehen, da beim Weitergehen er umbedingt fallen w\u00fcrde. Zwei oder ein Dienstmann begleitet den Patienten.\nFig. 4, 5. R\u00fcckw\u00e4rtsgehen mit geschlossenen Augen. Nach ein Paar Schritten werden die Reine bald gespreizt, bald geschlossen, bald gekreuzt mit schroffer Ablenkung nach links und Seitw\u00e4rtsfallen.\nFig. 6, 7, 8. R\u00fcckw\u00e4rtsgehen mit geschlossenen Augen. Aufnahme von der Seite, um alle Momente des Hinstvirzens zu zeigen.\nFig. 9, 10. Springen auf einem linken Beine mit offenen Augen. Nach zwei Spr\u00fcngen ber\u00fchrt schon das rechte Rein die Diele. Dann werden die Beine wieder geschlossen. Das Springen auf dem rechtem Beine ist etwas sicherer.\nFig. 11, 12. Der Kranke steht auf dem Goniometer mit dem Gesichte nach vorne \u2014 Inclinatio anterior. Man sieht, wie beim allm\u00e4ligen Heben auf er. 9\u00b0 der Patient nach vorne st\u00fcrzt.\nFig. 13. 14, 15, 16. Zeigt das St\u00fcrzen des Kranken bei Inclinatio posterior \u2014 R\u00fcckw\u00e4rtsstellung mit offenen Augen bei er. 4\u00b0.\nFig. 17, 18, 19. Seitw\u00e4rtsstellung \u2014 Inclinatio lateralis dextra. Nach einer Hubh\u00f6he von er. 9\u00b0 mit offenen Augen erfolgt schon der Sturz.\nAlle Zeichnungen und Photographien sind von mir pers\u00f6nlich genacht.","page":0},{"file":"p0030s0003.txt","language":"de","ocr_de":"8\nr i\n15\nI\u00df","page":0},{"file":"p0030s0004.txt","language":"de","ocr_de":"KjiHraeBiit\u00efi\u00bb.\ni\n13\n14\n15\nl6\n11\n18\nl\u00e0\n20\n21\n22\n28\n24\n25\n2\u00ca\n2\u00cf\ni","page":0},{"file":"p0030s0005.txt","language":"de","ocr_de":"Fig. 8.\nFig. 6.\nFig. 6.\nFig 7.\nFig. 9.\nFig. 10.\nFig. 1.\nFig. 2.\nFig. 4.\nFig. 11.\nFig. 13.\nFig. 14.\nFig. 15.\nFig. 16.\nFig. 17.\nFig. 18.\nFig. 12.\nFig. 19","page":0}],"identifier":"lit36556","issued":"1903-1904","language":"de","pages":"1-30","startpages":"1","title":"Die physiologische Bedeutung der Centrifuge zur Entlarvung von Functionsst\u00f6rungen des Ohrlabyrinthes","type":"Journal Article","volume":"3"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:55:44.782116+00:00"}

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