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{"created":"2022-01-31T16:10:57.327357+00:00","id":"lit36557","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Neniukoff, Dimitri","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 3: 31-34","fulltext":[{"file":"p0031.txt","language":"de","ocr_de":"\nDie Yenlauimgsprocessc bei Pcriplancla orientalis.\nVorgetragen in einer Sitzung der physiologischen Abteilung der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften, der Anthropologie und Ethnographie.\nVon Dimitri Neniukoff,\naus dem physiologischen Institute der K. Universit\u00e4t Moskau.\nAls Object meiner Untersuchungen w\u00e4hlte ich die K\u00fcchenschabe (Peri-planeta orientalis), da dieses Insekt seiner Zug\u00e4nglichkeit halber ein sehr bequemes Material bietet. Dabei finde ich es angemessen, sogleich zu erkl\u00e4ren, dass meine Untersuchungen sich vorl\u00e4ufig auf die Speicheldr\u00fcsen, den Kropf, den Mitteldarm beschr\u00e4nkt haben, da, wie Metalnikoff1) dargethan hat, der Flinterdarm zur Absorbtion dient. Ausserdem m\u00fcnden an der Grenze des Mitteldarms und Hinterdarms die Malpighi\u2019schen Gef\u00e4sse aus, und muss der Inhalt dieser in Verbindung mit der Function der Harnabsonderung betrachtet werden, welch letztere das Thema meiner n\u00e4chsten Untersuchungen bilden wird.\nDie erste Arbeit \u00fcber die Verdauung bei Periplaneta orientalis geh\u00f6rt S. Basch 2). Den Untersuchungen dieses Autors nach, scheiden die Speicheldr\u00fcsen der K\u00fcchenschabe ein saures Secret aus, welches die Ei weissk\u00f6rper in Peptone und die St\u00e4rke in Glycose verwandelt. Die Sekrete der Speiser\u00f6hre und des Kropfes reagiren ebenfalls sauer; was den Mitteldarm anbetrifft, so reagirt der vordere Teil sauer, der hintere alkalisch. Plateaux\u2019s 3) Worten nach, kann bei der Ern\u00e4hrung der Schabe mit neutral reagirender Nahrung Alka-linit\u00e4t des Speichels und des Kropfes constatirt werden. Griffiths 4 * *) leugnet das Peptonisationsverm\u00f6gen des Speichels der K\u00fcchenschabe ab und behauptet, in demselben Bhodankalium (KCNS) gefunden zu haben. Miall a. Deny \u2019) und auch Krukenberg \u00b0) fanden, dass das Secret des Mitteldarms schwachsauer reagirt. Jousset de Bellesme\u2019s 7) Untersuchungen nach, scheiden\n*) Metalnikoff. Ueber die Absorbtion des Eisens im Verdauungskanal von Blatta orientalis. Maly\u2019s Jahresbericht. 1896.\ns) S. Basch. Untersuchungen \u00fcber das chylo- und uropo\u00efetiscbe Svstem von Blatta orientalis. Sitz-Ber. d. Wien. Akad. T. 33. 1858.\n3) Plateaux. Recherches sur les ph\u00e9nom\u00e8nes de la digestion chez les insectes. Bruxelles. 1874.\n*) Griffiths. On some points in the phys. of ceratin organs of the alimentary canal of Blatta orientalis. Chemical News. T. LII. p. 195. 1885.\ns) Miall a. Deny. Studies in Comparative Anatomy. 3. The structure and life history of the Cockrooch (Periplaneta orientalis). London and Leeds. 1886 (citirt nach Zool. Jahresber. 1887).\n\") Krukenberg. Vergleichend-physiologische Beitr\u00e4ge zur Kenntniss der Verdauungsprocesse. Untersuchung, d. physiolog. Instit. Heidelberg. II, 1878. p. 1\u201445.\n7) Jousset cle Bellesme. Physiologie compar\u00e9e. Recherches exp\u00e9rimentales sur la digestion des insectes et en particulier de la blatte, Paris, 1876. VII u. 96 S. mit 3 Taf.","page":31},{"file":"p0032.txt","language":"de","ocr_de":"32\ti)i\u00cb VERDAUUNGSPROCESSE BEI PERIPLANETA ORIENT ALIS.\ndie Speicheldr\u00fcsen von Periplaneta orientalis ein Secret aus, welches St\u00e4rke in Glycose verwandelt, w\u00e4hrend das sauer reagirende Secret des Mitteldarms sehr energisch die Eiweissk\u00f6rper in Peptone \u00fcberf\u00fchrt und die Fette emulgirt. Lebedeff\u2019s l) Untersuchungen nach, hat das Secret der Speicheldr\u00fcsen eine schwachalkalische Reaction und verwandelt St\u00e4rke in Glycose; dem Autor kommt auch noch das Verdienst zu, die erste mikro-physiologische Untersuchung der Speicheldr\u00fcsen gemacht zu haben. Er studirte sowohl das histologische Bild dieser Dr\u00fcsen im Ruhezust\u00e4nde als auch das der durch Injiciren einer Pilocarpinl\u00f6sung hervorgerufenen Secretion.\nBei meinen Pr\u00fcfungen der Reaction der Secrete in den verschiedenen Abteilungen des Darms wandte ich zwei Methoden an: 1) Prof. Morochowetz\u2019s 2) Lakmuspurpur und die alkoholischen Phenol-Phtalem-L\u00f6sungen\u2014a) die rote und b) die farblose. Ausser den L\u00f6sungen wurden auch die entsprechenden Reagenspapiere angewandt. Um die Verdauungskraft der Secrete der verschiedenen Abteilungen des Darms zu untersuchen, wandte ich die Methode der w\u00e4sserigen Extracte an, und zwar folgendermaassen. Ein gewisser Teil des Darms wurde an einigen K\u00fcchenschaben abpr\u00e4parirt, sorgf\u00e4ltig gewaschen und in destillirtes Wasser gelegt, welchem zur Vernichtung der niederen Organismen etwas Chloroform zugegeben war. Darauf wurde die ganze Masse fein zerschnitten, im Porcellanm\u00f6rser verrieben und in die K\u00e4lte gestellt. Nach 12-st\u00fcndigem Stehen filtrirte ich die L\u00f6sung durch Watte und stellte folgende Versuche an. 1) Um das amylolytische Ferment nachzuweisen, wurde zu dem w\u00e4sserigen Extract eine schwache St\u00e4rkekleisterl\u00f6sung zugegeben und nach einiger Zeit mittels der Fehling\u2019schen L\u00f6sung eine Probe auf die Gegenwart von Glycose angestellt. Vor Beginn des Versuchs wurde die Reinheit sowohl der Fehling\u2019schen L\u00f6sung als auch des w\u00e4sserigen Extracts und des St\u00e4rkekleisters gepr\u00fcft. 2) Zum Nachweis des proteolytischen Ferments wurde zu der Versuchsfl\u00fcssigkeit Fibrin zugesetzt und nach einiger Zeit folgende Manipulationen vorgenommen: a) Erw\u00e4rmen u-eine geringe Quantit\u00e4t HN03; b) Fil-triren und Abk\u00fchlen des Filtrats bis 0\u00b0; c) abermaliges Filtriren; d) Pr\u00fcfung auf Pepton mittels CuS04-t-NaOH (rosenrote F\u00e4rbung). 3) Zum Nachweis des fettspaltenden Ferments wurde dem w\u00e4sserigen Extract irgend ein neutral reagirendes Oel zugegeben und dann auf die Gegenwart einer Fetts\u00e4ure gepr\u00fcft.\nAlle Versuche wurden im Thermostat bei 38\u00b0\u201440\u00b0 C. vorgenommen, wobei anf\u00e4nglich in das Probirgl\u00e4schen, in welchem der Verdauungsprocess statthatte, Thymol eingetragen wurde. Die Wirkung der Fermente wurde auf 3 Reactionen gepr\u00fcft: a) auf die neutrale, b) die alkalische, durch 0,5% Na2C03 und c) auf die saure durch HCl 2 pro mille.\nBei der geringen Quantit\u00e4t des zum Versuch dienenden w\u00e4sserigen Extracts wurde zur genauen Bestimmung des Procentgehalts an Alkali oder 8\u00e4ure folgende Methode angewandt. Eine Alkali- oder- S\u00e4urel\u00f6sung wurde\n') Lebedeff. Ueber die Speicheldr\u00fcsen der K\u00fcchenschabe (Periplaneta orientalis). Berichte der Ges. von Naturforschern an der Universit\u00e4t Kasan. B. XXXIII. H. 1. Kasan. 1899.\n2) Morochowetz. Phenol-Phtale\u00efn und Lakmuspurpur zur Bestimmung der Reaction tierischer Gewebe und Fl\u00fcssigkeiten. Berichte des Phys. Labor, der Univers. Moskau. Band I. 1887.\nW. Popoff. Ueber die Reactionen von Farbstoffen auf die freien S\u00e4uren des Magens, eben-daselbst,","page":32},{"file":"p0033.txt","language":"de","ocr_de":"DIE VERDA\u00dcUNGSPROCESSE BEI PERIPLANETA ORIENT ALIS.\n33\nderartig bereitet, dass beim Zusatz einer gewissen Menge derselben zu der Versuchsfl\u00fcssigkeit, der gew\u00fcnschte Procentgehalt erhalten wurde.\nDie Speicheldr\u00fcsen.\nMeine Untersuchungen haben mir gezeigt, dass sowohl das Gewebe als auch das Secret dieser Dr\u00fcsen immer neutral reagiren. Die verdauende Wirkung des Secrets der Speicheldr\u00fcsen besteht darin, dass ein w\u00e4sseriges Extract derselben, St\u00e4rke in Glycose verwandelt, wobei der Process bei neutraler Reaction sehr energisch, bei alkalischer (0,5% Na2C03) weit schw\u00e4cher von statten geht, bei saurer (0,2% HCl) ganz ausbleibt. Die peptonisirende Wirkung des Secrets der Speicheldr\u00fcsen wird bei saurer Pieaction (0,2% HCl) unzweifelhaft beobachtet, obgleich die Peptonisation \u00fcberhaupt eine schwache ist. Der Speichel der K\u00fcchenschabe enth\u00e4lt Rhodankalium (KCNS), da die Reaction auf FeCl3 uud nachfolgende Probe mit Sublimat (HgCl2) und Salzs\u00e4ure (HCl) positive Resultate ergiebt.\nDer Kropf.\nDie innere Chitinauskleidung des Kropfes verhindert die Secretion nicht, was durch Plateaux\u2019s (siehe oben) und Petrunkiewitsch\u2019s*) Arbeiten darge-than wird. Ausserdem hat Metalnikoff, auf dessen Arbeit ich weiter oben hinwies, die Porosit\u00e4t des Chitins experimentell bewiesen.\nDer Kropfinhalt der K\u00fcchenschabe reagirt in den allermeisten F\u00e4llen sauer, obgleich in einigen F\u00e4llen neutrale Reaction beobachtet wird.\nBei der Untersuchung des Kropfinhalts ergab Ufelmann\u2019s Reaction (mit Carbols\u00e4ure) negative Resultate, G\u00fcnzburg\u2019s (Floroglucin-r-Vanilin) dagegen, positive. In Anbetracht dessen, dass diese Reagentien ungenau sind, kann ich keine bestimmte Meinung dar\u00fcber aussprechen, glaube aber, dass die saure Reaction des Kropfinhalts das Resultat der G\u00e4hrung der angeh\u00e4uften Speisemassen ist.\nDie Versuche mit einem w\u00e4sserigen Extract des Kropfes ergaben folgende Resultate: die St\u00e4rke verwandelt sich in Glycose, wobei der Process nur bei neutraler Reaction beobachtet wird; bei alkalischer (0,5% Na2C03) und saurer (0,2% HCl) aber ein negatives Resultat erhalten wird. Der Process geht im ganzen langsam vor sich. Eine w\u00e4sserige L\u00f6sung peptonisirt die Eiweissk\u00f6rper, wobei der Process bei alkalischer (0,5% Na2C03) und saurer (0,2% HCl) stattfindet, bei neutraler Reaction aber nicht. Der Peptonisationsvorgang ist ein so schwacher, dass er kaum constatirt werden kann.\nAuf den Kropf folgt der sog. Vormagen, dessen Th\u00e4tigkeit auf Grund eigener Beobachtungen, die im Einklang mit Petrunke witsch\u2019s (s. oben) sind, darin besteht, dass er die R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung der Speisemassen verhindert.\nDer Mitteldarm.\nAuf den Vormagen folgt der Mitteldarm, welcher innen mit einer Cuticula nichtchitinigen Ursprungs ausgekleidet ist. Bei der Pr\u00fcfung der Reaction\n*) Petrunkiewitsch. Die Verdauungsorgane von Periplaneta orientalis und Blatta germanica. Zool. Jahrbuch. Dreizehnter Band. 1 Heft. 1899.\n3","page":33},{"file":"p0034.txt","language":"de","ocr_de":"34\tDIE VERDA\u00dcUNGSPRO CESSE BEI PERIPLANETA ORIENT ALIS.\ndes Inhalts des Mitteldarms fand ich gew\u00f6hnlich, dass derselbe alkalisch oder sauer reagirt. Im allgemeinen ist die normale Reaction des Mitteldarms eine alkalische, und wird erst unter dem Einfl\u00fcsse des sauren Kropfinhalts hei dem Uebergang der Speisemasse aus diesem in den Mitteldarm eine saure Reaction beobachtet. Die Untersuchung eines w\u00e4sserigen Extracts des Mitteldarms zeigte mir, dass es die Eiweissk\u00f6rper peptonisirt, wobei folgende Erscheinung beobachtet wird: die Peptonisation geht bei alkalischer Reaction (0,5% Na2C03) sehr energisch, bei neutraler sehr schwach, bei saurer (0,2% HCl) garnicht vor sich.\nIn Anbetracht dessen, dass das proteolytische Ferment des Mitteldarms bei neutraler Reaction sehr energisch wirkt, verfiel ich auf den Gedanken, dass dasselbe vielleicht, gleich dem Trypsin, das Pepton in Amidos\u00e4uren und sog. Extractivstoffe zerspaltet. Die in dieser Richtung von mir angestellten Versuche ergaben negative Resultate, obgleich ich mich dar\u00fcber noch nicht ganz bestimmt aussprechen m\u00f6chte.\nDer vordere Teil des Mitteldarms ist mit zahlreichen blinddarm\u00e4hnlichen Anh\u00e4ngen ausgestattet, in Betreff derer einige Autoren die Vermutung aussprechen, dass sie ein gallenartiges Secret ausscheiden. Ich stellte diesbez\u00fcgliche Versuche an, indem ich die Pettenkofer\u2019sche Reaction (H2S04-4-Rohrzucker) einleitete, erhielt aber absolut negative Resultate; was die Gallenpigmente anbetrifft, so kann das Nichtvorhandensein derselben auch ohne die bekannte Gmelin\u2019sche Reaction constatirt werden, da der Inhalt der blinddarm\u00e4hnlichen Anh\u00e4nge farblos ist. Wie mir Versuche gezeigt, haben diese Anh\u00e4nge eine Bedeutung in dem Sinne, dass sie die Darmoberfl\u00e4che ver-gr\u00f6ssern; jedenfalls aber scheiden sie keine Galle aus. Interessant ist die Thatsache, dass ich in keiner Abteilung des Darmkanals ein fettspaltendes Ferment gefunden habe. Was die Emulgirung des Fettes in dem Mitteldarm anbetrifft, so ist dies eine unzweifelhafte Thatsache, welche durch die gegenseitige Wirkung des Alkali und des Fettes auf einander stattfindet, wie dies ganz richtig aus Gad\u2019s Versuchen bekannt ist (L. Frederiq et I. P. Nuel. Grundz\u00fcge der Physiologie des Menschen. Russische Uebersetzung der III Auflage redigirt von Prof. N. Wwedenski. Petersburg. 1897. S. 298).\nAusserdem darf man aus der Arbeit Petrunkiewitsch\u2019s (siehe oben), welcher Fett in Substantia sogar in den Tracheen beobachtet hatte, folgern, dass das Fett unmittelbar von dem Gewebe des Darms assimilirt wird, wovon wir Beispiele auch bei h\u00f6heren Tieren finden.\nEine strenge Kritik meiner Arbeit d\u00fcrfte einwenden, dass die Methode w\u00e4sseriger Extracte eine wenig genaue ist; zieht man abei den geringen. Umfang des Objects in Betracht, so muss man zugeben, dass dies die einzige Methode ist, da es unm\u00f6glich w\u00e4re, sich das nat\u00fcrliche Secret zu verschaffen.\nZum Schl\u00fcsse halte ich es f\u00fcr meine angenehme Pflicht meinem theuren Lehrer Herrn Professor L. Morochowetz f\u00fcr seine Ratschl\u00e4ge und seinen Beistand bei der Ausf\u00fchrung gegenw\u00e4rtiger Arbeit hierselbst meinen tiefsten Dank auszusprechen.","page":34}],"identifier":"lit36557","issued":"1903-1904","language":"de","pages":"31-34","startpages":"31","title":"Der Verdauungsprocesse bei Periplaneta orientalis","type":"Journal Article","volume":"3"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:10:57.327362+00:00"}
