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{"created":"2022-01-31T14:25:39.752873+00:00","id":"lit36559","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morochowetz, Leo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 3: 50-174","fulltext":[{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"bas Globulin des Blutserums und des Eiweisses.\nSeroglobin und Ovoglobin.\nVon Prof. Leo Morochowetz.\nErste Periode\u2014bis 1835.\nSynonyme: Albumen, Eiweiss, schleimige Substanz \u2014 Hewson, Schleim\u2014Haller, gerinnender Stoff \u2014 Fordyce, Albumin (Ehoeissstcff) \u2014 Fourcroy, Eiweissstoff\u2014Edler v. Jacquin, Albuminose \u2014 Bourget, Seralbumen und Ovalbumen \u2014 Brande, zum Teil Albuminin oder Oonin \u2014 Cou\u00ea'rb.\nAllgemeine Begriffe. Historisches \u00fcber die Benennung \u201eAlbumin\u201c. Ohne uns in historisch-philologische Forschungen dar\u00fcber einzulassen, ob die Benennung Eiweiss\u2014albumen\u2014daraus enstanden ist, dass die Fl\u00fcssigkeit, welche das Eidotter umgiebt, zum Unterschiede von der Farbe dieses letzteren, w e i s s genannt wurde, oder daraus, dass die erw\u00e4hnte Fl\u00fcssigkeit unter der Einwirkung der W\u00e4rme sich wirklich in eine weisse Masse verwandelt *), k\u00f6nnen wir nicht umhin anzuerkennen, dass das lateinische Wort \u201ealbumen\u201c von dem Worte \u201ealbus\u201c in Verkn\u00fcpfung mit der Farbe der das Dotter des Vogeleies umgebenden Fl\u00fcssigkeit abgeleitet wurde; desselben Wortes \u201eweiss\u201c bedienen sich zur Bezeichnung dieses Gebildes auch andere europ\u00e4ische Sprachen, doch in Verbindung mit dem Worte \u201eEi\u201c: blanc d\u2019oeuf, Fi(ey)weiss, white of an egg,\u2014russisch: \u201e64-jok1!.\u201c. Andererseits l\u00e4sst sich auch nicht bestreiten, dass die schon seit altersher beobachtete wunderbare Eigent\u00fcmlichkeit des H\u00fchnereiweisses, aus einem durchsichtigen, fl\u00fcssigen sich in der W\u00e4rme in einen harten, br\u00fcchigen, weissen K\u00f6rper zu verwandeln, die Veranlassung gegeben hat, alle andern Fl\u00fcssigkeiten des tierischen Organismus mit dem H\u00fchnereiweiss zu vergleichen und in jenen nicht nur solche Eigenschaften aufzufinden, die sie mit letzterem gemein haben, sondern sie mit dem Eiweiss zu identificiren und daraufhin \u201ealbuminose Fl\u00fcssigkeiten\u201c zu nennen.\nSoviel mir bekannt ist, begann Quesnay noch fr\u00fcher als andere Autoren (1747. 124 p. 349) sich des Adjectifs \u201ealbumineux\u201c zur Identificirung 3) jener Fliis-\n') Manche Autoren schrieben diese Benennung geradezu der in der W\u00e4rme durch Coagulation ver\u00e4nderten Farbe des Einweisses zu; so lesen wir bei Cadet (1803,18 p. 195): \u201eAlbumen ou Albumine \u2014 on a donne le nom d\u2019albumen \u00e0 la mati\u00e8re du blanc d\u2019oeuf, \u00e0 la cause de sa blancheur, lorsqu\u2019elle est coagul\u00e9e par la chaleur. Weiter\u2014bei Denis (32 p. 38): \u201eOn a pris pour type de cette substance, la mati\u00e8re visqueuse qui devient dure et blanche par l\u2019action de la chaleur, mati\u00e8re qui, pour cela, \u00e0 \u00e9t\u00e9 appel\u00e9e blanc ou albumen\u201c.\nGew\u00f6hnlich berufen sich die Verfasser lateinischer W\u00f6rterb\u00fccher in Bezug auf das Wort \u201ealbumen\u201c auf Plinius, doch findet man weder in Buch XX, 2, noch in XXVIII, 18, 2, wo des Albumens erw\u00e4hnt wird, dass die Benennung \u201ealbumen\u201c mit der weissen Farbe des durch W\u00e4rme coagulirten Eiweisses verkn\u00fcpft sei; an beiden Stellen war, dem Sinne der therapeutischen Vorschrift nach, das frische, fl\u00fcssige Eiweiss gemeint: \u201eContra carcinomata adjicitur ovorum album\u201c\n(121 lib. XX, 50, 2) und \u201eSalpe foret ilia oculos firmitatis causa: illinit sole usta, cum ovi albumine, efficius struthiocameli, binis horis (ibid, lib. XXVIII, 18, 2). So verbindet, Harvey\u2019s Worten nach, auch Fabrieius das Wort albumen mit dem fl\u00fcssigen Zustande des Eiweisses: \u201eAlbumen ovi albus liquor, Plinio; ovi candidum, Celso; ovi albor, Palladio, & albumentum, Apicio.... Estque ovi liquor frigidus lentus, albus, varius crassitie....\u201c (71 p. 43).\n-) \u201eLa premi\u00e8re forme, le sang et les lymphes des animaux, ses propri\u00e9t\u00e9s, qui sont assez semblables \u00e0 celle du blanc d\u2019oeuf, lui a fait donner le nom de s u c albumineux\u201c (124 p. 349). Diese von Quesnay gegebenen Bestimmungen wurden von Tarin in die erste Ausgabe der Encyclop\u00e4die von Diderot & d\u2019Alembert (1751, 34 p. 246), aufgenommen; dasselbe findet man auch in der Ausgabe von 1771 (35 p. 29, unterschrieben H. D. G.) unter dem Worte \u201ealbumineux\u201c, w\u00e4hrend Fourcroy die Einf\u00fchrung dieses Ausdrucks sich zuschreibt (53 p. 661).","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND D\u00c8S \u00c8IW\u00c8ISSEg.\n51\n\u00bb\nsigkeiten mit dem Eiweiss zu bedienen, die vor ihm und noch einige Zeit nach ihm tierische S\u00e4fte, Oele, Schleim, F e u c h t i g k e i t (50. p. 313; 124 p. 522, 352, 206; 68 p. 198, 208), haupts\u00e4chlich aber gerinnbare Lymph e (119 p. 38\u20149)\u2014Ly mp ha coagulabilis, Ly mph a animalis oder sogar tierische Materie, tierische Substan z\u2014s ubstance ou mati\u00e8re animale (149 p. 27\u20148; 102, p. 159; 101 p. 540; 119 p. 11; 54 p. 715)\u2014u. dergl. genannt wurden. Unter diesen Namen begriff man \u00fcberhaupt alle durchsichtigen farblosen Fl\u00fcssigkeiten tierischen Ursprungs, welche die Eigenschaft besitzen sich mit Wasser zu vermischen und, zum Unterschiede von den leimartigen Substanzen (gel\u00e9e animale, tierischer Leim), beim Kochen oder durch Einwirkung von S\u00e4ure sich niederzuschlagen (101 p. 160, 540; 54 p. 817). Zu denselben rechnete z. B. Thouvenel (1777,149 p. 22) das Eiweiss, das Serum, die durch Auspressen verschiedener \u201eweicher Theile\u201c des Organismus erhaltenen Fl\u00fcssigkeiten, die eigentliche Lymphe (des Milchbrustganges) die Amnionfl\u00fcssigkeit, die liydropische Fl\u00fcssigkeit, die Herzbeutelfl\u00fcssigkeit, die Gehirnfl\u00fcssigkeit, die Fl\u00fcssigkeiten mancher Geschw\u00fclste und diejenigen des Auges. Ausserdem rechnet Gmelin (1789, 62 p. 726) noch die Tr\u00e4nen, die Fl\u00fcssigkeiten der Brusth\u00f6hle und der Gelenke, den Nasenschleim u. s. w. dazu.\nUnter allen genannten albumin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten verdienen besondere Beachtung das H\u00fchnereiweiss und das Blutserum.\nDie Ueberzeugung, dass diese Fl\u00fcssigkeiten ganz identisch l) sind, veranlasst Fourcroy das Serum nicht nur albumin \u00f6se Materie, Substanz, Fl\u00fcssigkeit (mati\u00e8re substance oder fluide albumineux\u201446 p. 41; 50 p. 309; 47 p. 254\u20145), sondern sogar einfach\u2014albumen, Eiweiss, (47 p. 254\u20145) zu nennen, wobei er diese Benennung \u00fcbrigens auf alle protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten \u00fcbertr\u00e4gt (49 p. 11).\nUnter dem Worte \u201ealbumen\u201c, sowie auch unter den Benennungen \u201emati\u00e8re\u201c oder \u201esubstance\u201c, verstand Fourcroy dasselbe wie unter dem Ausdruck \u201elymphe coagulable\u201c u. dergl. oder, richtiger gesagt, Maquer 3), Rouelle 2), Fourcroy, sowie Boerhaav sahen das Serum und das Eiweiss f\u00fcr eine besondere Substanz oder einen selbst\u00e4ndigen K\u00f6rper 3) an. Indessen finden wir schon bei Neumann (1753, 114 p. 505) solche Ausdr\u00fccke, wie \u201eAlbuinen oder die Substanz des Eiweisses\u201c, was im Gegensatz zu Boerhaav\u2019s Meinung, mit der allgemeinen Ansicht Neumann\u2019s \u00fcbereinstimmt, dass das \u201ealbumen ovi\u201c ein Gemisch von Substanzen sei, wobei Neumann die Bestandteile des Eiweisses aufz\u00e4hlt. Das soeben Gesagte zeigt, dass, wenn Neumann den Begriff \u201eEiweiss\u201c auch zergliedert, er das Wort \u201ealbumen\u201c bald f\u00fcr das ganze Eiweiss, bald nur f\u00fcr den uns interressirenden Teil desselben gebraucht; dagegen spricht sich Hewson und nach ihm Fordyce mit um gr\u00f6sserer Bestimmtheit \u00fcber die Gegenwart einer besondern, nach Hewson\u2019s Ausdruck, schleimigen Substanz\u2014mucilaginous substance 4), nach Fordyce\u2019s\u2014coagulable matter (1791, 44 p. 4)\u2014\n*) Fourcroy z. B. spicht sich im Jahre 1782 und im Jahre 1794 ganz \u00e4hnlich aus: \u201eLe blanc d\u2019oeuf est absolument de la m\u00eame nature que la lymphe (s\u00e9rum) du sang (45 p. 817; 50 p. 460).\ns) \u201eLes principales mati\u00e8res lymphatiques sont; la s\u00e9rosit\u00e9 du sang, le blanc d\u2019oeuf et, suivant l\u2019observation de M. Rouelle, l\u2019eau des hydropiques\u201c (101 p. 542).\n*) \u201eLe s\u00e9rum est bien \u00e9loign\u00e9 d\u2019\u00eatre de l\u2019eau pure, c\u2019e s t une mati\u00e8re particuli\u00e8re, tr\u00e8s importante \u00e0 consid\u00e9rer, et \u00e0 laquelle nous donnons le nom de lymphe\u201c (1782, 45 p. 715;\nebenso 1788, 46 p. 41; 1789, 47 p. 254) oder: \u201eLe s\u00e9rum est bien \u00e9loign\u00e9 d\u2019\u00eatre de l\u2019eau pure; c\u2019est une mati\u00e8re tr\u00e8s importante \u00e0 consid\u00e9rer et \u00e0 laquelle nous donnons le nom de fluides albumineux (50 p. 309), oder, indem er das H\u00fchnereiweiss beschreibt: Telles sont les propri\u00e9t\u00e9s qui caract\u00e9risent la substance albumineuse (ibj.\n4) \u201eWhen chemically examined the serum is found to consist of a mucilaginous substance, which is dissolved in a water that contains a small quantity of neutral salts\u201c. (1772, 76 p. 135).\n4!","page":51},{"file":"p0052.txt","language":"de","ocr_de":"DA\u00df CrLOB\u00dcL\u00ceN DES BLUTSERUMS UND DES EIW\u00cbISSES.\n64\nim Eiweiss aus. Auch bei Fourcroy selbst finden wir Ausdr\u00fccke, welche uns veranlassen anzunehmen, dass er den Begriff \u201eSerum\u201c zu zergliedern geneigt war, indem er z. B. sagt, dass der albumin \u00d6se Teil desselben sich in der W\u00e4rme niederschl\u00e4gt (coagulirt), wobei er aber schon in dem n\u00e4chsten Satze diesen Ausdruck mit dem Worte Albumen identificirt '). Durch diese Unbestimmtheit der Benennungen werden solche Ausdr\u00fccke wie seralbumen und ovalbumen (151 p. 89), die man im Beginn des verflossenen Jahrhunderts in der englischen Literatur antrifft, sowie andererseits der bis zu unserer Zeit gangbare unrichtige Ausdruck \u201eAlbumen des Serums\u201c, z. B. bei H\u00fcnefeld (81 p. 339) * * 3) verst\u00e4ndlich, was bei Berzelius noch deutlicher mit den Worten: \u201eder Hauptbestandteil des Blutwassers ist Eiweiss\u201c 3) ausgedr\u00fcckt ist. Auf die genannten Autoren folgen: Simon (142 p. 51), Lehmann (96 p. 320 u. a.), K\u00fchne (91 p. 177), Mathieu & Urbain (106 p. 227\u20148) u. s. w. u. s. w. Ueberhaupt ist es auch noch jetzt keine Seltenheit solchen Ausdr\u00fccken wie \u201eEiweiss\u201c dieses oder jenes Organs, dieser oder jener Fl\u00fcssigkeiten oder einem solchen wie: \u201eEiweissfl\u00fcssigkeit\u201c und dergl. zu begegnen. An-dereseits muss auf einige, ziemlich seltene F\u00e4lle eines richtigen Gebrauchs jener Benennungen hingewiesen werden, wie z. B. bei Plenk (1796, 119 p. 11), welcher nicht \u201edas Eiweis des Blutserums\u201c sondern \u201edas Eiweissartige, welches dem Blutwasser eigen ist\u201c, schrieb.\nEs ist wohl kaum n\u00f6tig hinzuzuf\u00fcgen, dass der Gebrauch des Wortes Eiweiss (albumen) beschr\u00e4nkt und nur zur Bezeichnung des anatomischen Gebildes, welches das Eidotter umgiebt, des Eiklars benutzt werden sollte. Dieser Vorschlag verdient um so mehr Beachtung, als die chemische Structur dieses unter dem Namen \u201eEiweiss\u201c bekannten anatomischen Gebildes nicht nur f\u00fcr das \u00e4hnliche Gebilde bei verschiedenen Tieren, sondern sogar in einem und demselben Ei, je nach der Zeit, die seit dem Legen verflossen ist, sehr verschieden sein kann. Zuweilen enth\u00e4lt das Eiweiss gar nichts oder, richtiger, in sehr unbedeutender Menge von dem K\u00f6rper, der in dem H\u00fchnereiweiss so reichlich vorhanden ist, wie z. B., nach Fr\u00e9my & Valanciennes\u2019s (57 p. 159) und meinen eigenen Beobachtungen, das Eiweiss der Schildkr\u00f6ten, und zwar im Widerspruch zu Spalanzani (85 p. 222), welcher behauptete, in den Schildkr\u00f6teneiern ein dem H\u00fchnerei analoges Eiweiss gefunden zu haben.\nDem Gesagten zufolge sollten dem Eiweiss \u00e4hnliche Fl\u00fcssigkeiten \u201er iweissar-tige\u201c u. dergl. genannt werden, was in Frankreich auch schon l\u00e4ngst der Fall ist, wo die Ausdr\u00fccke: \u201ecorps, substances albumino\u00efdes\u201c (125 p. Ill; 32 p. 1; 137 p. 93) gangbar sind; andererseits aber k\u00f6nnte diese Benennung grosse Misverst\u00e4nd-nisse veranlassen, da in Deutschland mit dem Namen \u201eAlbumino\u00efde\u201c\u2014Collagen Elastin, Peptone u. a. (65 p. 141 u. a.) bezeichnet werden. Noch unbequemer ist der schwerf\u00e4llige Ausdruck \u201eStickstoffsubstanzen\u201c (61 p. 579 u. a.).\n\u2019) \u201eLe s\u00e9rum ou la p a r t i e albumineuse qu\u2019il contient, a la propri\u00e9t\u00e9 de fixer & de faire solidifier, par la chaleur, deux ou trois fois son poids d\u2019eau. Lorsqu\u2019on met sept \u00e0 huit parties d\u2019eau sur une de s\u00e9rum, alors 1\u2019albumen ne devient point concret par la chaleur\u201c (50 p. 311).\n-) Bei H\u00fcnefeld ist diese Seite f\u00e4lschlich mit 249 bezeichnet, auch der \u00a7 ist nicht LXXX, sondern LXXXY (81 p. 239).\n3) Ein nicht geringes Interesse bietet der Vergleich folgender S\u00e4tze in einem und demselben Lehrbuch von Berzelius & W\u00fchler:\n\u201eDer Hauptbestandteil des Blutwassers ist Eiweiss, dem es seinen haupts\u00e4chlichsten Character\nverdankt\u201c (5 p. 62), ferner: \u201eBei Beschreibung des Eiweisses verwechseln die C h e m i k e r (!) h\u00e4ufig das Eiweiss-aus dem Blutwasser mit dem Weissen aus Eiern (ib. p. 65)\u201c, und zulezt:\n\u201eDas Weisse des Eies liegt zun\u00e4chst unter dem Eih\u00e4utchen und ist eine ziemlich concentrirte Aufl\u00f6sung von Eiweiss (!) in Wasser eingeschlossen, wie die Glassfl\u00fcssigkeit des Auges, in zellige B\u00e4ume oder F\u00e4cher von einem \u00e4usserst feinen leicht zerreibbaren H\u00e4utchen. Die \u00e4usseren Zellen enthalten ein d\u00fcnneres (!) Eiweiss, als die welche dem Gelben zun\u00e4chst liegen. Das ganze Weiss enth\u00e4lt 12% bis 13% Eiweiss (!) u. s. w. (ib. p. 538).","page":52},{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n53\n\u00bb\nZur Bezeichnung solcher Fl\u00fcssigkeiten wie Eiweiss, Serum u. dergl. schlage ich vor, nach dem Beispiel vieler, die, seitdem Mulder die Benennung \u201eProtein\u201c, eingef\u00fchrt, den Ausdruck \u201eprotemhaltige Fl\u00fcssigkeiten\u201c gebraucht haben (96 p. 305; 138 p. 51 u. a.), diesen letzteren zu benutzen, mit dem Ausdruck \u201eProteink\u00f6rper, Pro-te\u00fcnsubstanz\u201c aber die in diesen Fl\u00fcssigkeiten enthaltene, uns gegenw\u00e4rtig interesserende chemische Verbindung zu bezeichnen.\nEs schien, als sollte Fourcroy\u2019s gl\u00fccklicher Gedanke dem K\u00f6rper, welchem die proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten ihren ausschliesslichen Charakter verdanken, einen besonderen Namen zu geben, allen Misverst\u00e4ndnissen ein Ende machen. Im Jahre 1792 schlug Fourcroy die Benennung \u201ealbumine\u201c *) zur Bezeichnung der organischen Substanz vor, welche, Fourcroy\u2019s Ansicht nach, als die Grundlage, den Ausgangsstoff einer ganzen Reihe scharf unterscheidbarer Gebilde tierischen Ursprungs, unter denen das Eiweiss\u2014albumen s), eine vorherrschende Stellung einnimmt, anzusehen ist. Fast zu derselben Zeit wird der entsprechende und dem Sinne nach mit \u201eAlbumin\u201c identische Ausdruck \u201eEiweissstoff\u201c in die deutsche Literatur eingef\u00fchrt. So hatte derselbe f\u00fcr Edlen von Jacquin (1792, 40 p. 191), der ihn zuerst benutzte, einen bestimmteren Sinn, als der ihm zeitlich und etymologisch entsprechende franz\u00f6sische Ausdruck \u201emati\u00e8re albumineuse\u201c, den Jacquin in seiner Arbeit neben seinem eigenen Worte \u201eEiweisstoff\u201c 3) in Aussicht zu haben schien. Unsere Ansicht best\u00e4tigt Bourget, der darin zugleich auch Jacquin unterst\u00fctzt (1798, 14 p. 464), indem er seinerseits die lateinische Benennung \u201ealbuminose\u201c vorschl\u00e4gt, die er dem deutschen Ausdruck \u201eEiweisstoff\u201c und dem franz\u00f6sischen \u201emati\u00e8re albumineuse\u201c gleichstellt, wobei ihm die schon von Fourcroy vorgeschlagene Benennung \u201ealbumin\u201c offenbar unbekannt war.\nUnstreitig machte sich schon seit Neumann, d. h. in der Mitte des XVIII Jahrhunderts das Bed\u00fcrfniss f\u00fchlbar, die Substanz, die in dem Serum, dem Eiweiss und andern proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten neben den andern, den anorganischen, Bestandteilen dieser Fl\u00fcssigkeiten enthalten ist, von den \u00fcbrigen zu unterscheiden. Schnaubert dr\u00fcckt sich ganz bestimmt aus: \u201eunter Eyweissstoff verstehe ich die eigenth\u00fcmliche Substanz im Eyweiss, Blutwasser u. s. w.; rede ich aber von Eyweiss, so meine ich die Verbindung des Eyweissstoffes mit Natrium und Wasser in den Eyern der H\u00fchner\u201c (134 p. 75).\nZu Fourcroy\u2019s Zeit ist also die Benennung bereits gefunden, der Ort, wo sich diese Substanz befindet, bekannt. Welches sind aber die Eigenschaften und Eigent\u00fcmlichkeiten des Albumins?\nDie Autoren erkannten schon damals ihre H\u00fclflosigkeit diese Substanz, die den Namen \u201eAlbumin\u201c erhalten hatte, n\u00e4her zu bestimmen. So finden wir z. B. bei Thomson (1807, 147 p. 19) einen directen Hinweis darauf, dass, wenn das H\u00fch-nereiweiss nicht f\u00fcr reines Albumin angesehen werden k\u00f6nne, es andererseits nicht m\u00f6glich sei, dieses in reinem Zustande darzustellen, ohne dessen Eigenschaften zu ver\u00e4ndern, infolgedessen man darauf angewiesen sei, die Eigenschaften des Albumins\nnique, fort abondante dans les animaux, qu\u2019il est n\u00e9cessaire de consid\u00e9rer comme formant un genre bien distinct parmi les compos\u00e9s dus \u00e0 l\u2019organisation. Le blanc d\u2019\u0153uf nomm\u00e9 albumen par les latins est pour ainsi dire le chef ou la premi\u00e8re de ces genresu (49 p. 13).\n3) \u201e....das Blutwasser also aus Wasser, gerinnbarer Lymphe oder Eiweisstoff, etwas Gallerte, Kochsalz, mit der Soda und phosphor-saurm Kalk zu bestehen\u201c (40 p. 191).\n') Robin & Verdeil (125 p. 319) f\u00fchren Fourcroy\u2019s Worte aus Annales de Chimie ou Recueil u. s. w. 1789; t. III p. 259 (47 p. 259) an, wo man den Ausdruck \u201e\u201el\u2019autre, semblable \u00e0 l\u2019albumine....\u201c\u201c findet, woraus man schliessen k\u00f6nnte, dass Fourcroy schon im J. 1789 sich des Wortes Albumin bediente; das ist aber ein Irrtum: Robin & Verdeil\u2019s: obiger Satz heisst: \u201el\u2019autre, semblable \u00e0 l\u2019albumen (47 p. 259).\n5) \u201eL\u2019albumine est une mati\u00e8re compos\u00e9e orga-","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"54\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nin Verbindung mit andern K\u00f6rpern, wie es sich uns im Eiweiss *) bietet, kennen zu lernen. Fast eben dasselbe sagt Klaproth (88 p. 49).\nDieses \u00e4usserst wichtige Gest\u00e4ndniss der damaligen Autoren, wie wir es bei Thomson finden, darf in dem Studium der Geschichte der Prote'ink\u00f6rper nicht aus dem Auge gelassen werden. Wir m\u00fcssen uns immer wieder in Erinnerung bringen, dass die Eigenschaften des unter dem Namen Albumin bekannten K\u00f6rpes nicht unmittelbar erforscht, sondern ihm die Eigenschaften und der Charakter derjenigen Fl\u00fcssigkeiten, in denen es enthalten ist, beigelegt wurden: die Eigenschaften der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, haupts\u00e4chlich des Hiih-nereiweisses und des Menschen- und Ochsepblutserums, wurden geradeswegs auf das Albumin \u00fcbertragen. Solche Ueber-tragungen finden auch noch jetzt ihre Anh\u00e4nger; dadurch erkl\u00e4rt sich auch die Angabe desselben Autors\u2014Thomson (147 p. 19)\u2014an derselben Stelle, dass das Eiweiss von den Chemikern Albumin s) genannt werde.\nDoch blieben die Forscher nicht einmal in diesen weiten Grenzen der Vorstellung von dem Albumin stehen. Die Chemiker fingen an die Begriffe Eiweiss und Eiweissstoff\u2014albumen und albumin\u2014zu verwechseln, wie wir es bei Parmentier & Deyeux (118 p. 471) finden, und sahen nicht nur diese Benennungen\u2014^albumen\u201c und \u201ealbumin\u201c\u2014f\u00fcr identisch an, wie z. B. Gmelin (63 p. 1049), Cadet (18 p. 195), Bostock (9 p. 54) u. a., sondern legten dem Eiweiss eine Solche Bedeutung bei, welche nur mit der Vorstellung von dem Albumin verbunden werden kann, oder welche Fourcroy zuerst mit dem Worte \u201eAlbumin\u201c verkn\u00fcpfte * 2 3). Die Chemiker gingen aber noch weiter. So nahmen z. B. Dumas & Pr\u00e9vost an, dass Eiweiss und Blutserum beinahe ganz reines Albumin 4) vorstellen, wobei sie aber dem Blutserum den Vorzug gaben, da dass Eiweiss h\u00e4utige Flocken (35 p. 52) bildet. Dasselbe schreibt beinahe Wort f\u00fcr Wort H\u00fcnefeld (81 p. 238), obgleich er seinen Ausspruch ein wenig durch die Bemerkung mildert, dass im Organismus nirgend von Salzen und organischen Beimengungen freies Albumin angetroffen werde (81 p. 239). Demzufolge h\u00e4lt H\u00fcnefeld es nicht f\u00fcr n\u00f6tig, unter den Ausdr\u00fccken: albumen, albumin, Eiweiss und Eiweissstoff zu w\u00e4hlen, und bedient sich derselben ohne Unterschied (ib. p. 238).\nDie Verwechslung auch dieser Ausdr\u00fccke geht durch die ganze Geschichte der Pro-te'ink\u00f6rper hindurch; die seltenen Einwendungen dagegen, wie z. B. seitens John (84 p. IV), welcher darauf bestand, dass der Eiweissstoff mit dem Eiweiss nicht verwechselt5) werden d\u00fcrfe, wurden nicht beachtet, oder nur mit seltenen Ausnahmen wie z. B. in den Arbeiten von Treviranus 6) (1816, 153 p. 119) und Henle (74 p. 457), Du-\n*) \u201eLe blanc d\u2019oeuf n\u2019est cependant pas de l\u2019albumine pure, puisqu\u2019il contient aussi du mucus, de la soude et du soufre; mais comme cette substance ne se pr\u00e9sente jamais parfaitement pure et qu\u2019on ne connait aucun moyen de la s\u00e9parer sans eu alt\u00e9rer les propri\u00e9t\u00e9s, on est forc\u00e9 de l\u2019examiner dans son \u00e9tat de combinaison avec ces corps\u201c (147 p. 19).\n2)\t\u201eLes oeufs des volatiles contiennent deux substances bien diff\u00e9rentes.... et un liquide incolore luisant et visqueux qu\u2019on a nomm\u00e9 le blanc d\u2019\u0153uf, et que les chimistes sont convenus (?) de d\u00e9signer par le mot albumine (!)\u201c 147 p. 19).\n3)\tSo sagt Hatchett: \u201eIn attempting to prove\nthat albumen (!) or the coagulating lymph ist the\noriginal (!) animal substance (!).... that albumen\nis the primary animal substance, from which the others are derived\u201c (73 p.743).\n*) \u201eLe hlanc d\u2019oeuf et le s\u00e9rum du sang nous offrent tous les deux l\u2019albumine en grande abondance et dans un \u00e9tat de puret\u00e9 presque compl\u00e8te\u201c (36 p. 52); dasselbe auch deutsch (37 p. 310), wo sich jedoch ein Fehler eingeschlichen hat: anstatt albumine\u2014Eiweisstoff\u2014steht Eiweiss.\ns) \u201eMit dem Eiweisstoff ist nicht das Eiweiss zu verwechseln, welches, wie ich vor etlichen Jahren durch Analysen bewiesen habe, aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt ist\u201c (84 p. IV).\n*) \u201eEiweissstoff nenne ich die im Blutwasser und in den Vogeleyern enthaltene Substanz, die von der Siedhitze, dem Weingeist u. s. w.\u201c (153 p. 119).","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n55\ntrochet (38 p. 42\u20143), die unter clem Worte \u201eEiweissstoff\u201c das verstanden, was darunter verstanden werden muss. Uebrigens waren kaum drei Jahre vergangen, als John (1817,85 p. 251) unter dem Namen fl\u00fcssiger Eiweis stoff nichts anderes als H\u00fchnereiweiss beschreibt. Es muss hier bemerkt werden, dass nach der Einf\u00fchrung des Wortes \u201eAlbumin\u201c das H\u00fchnereiweiss und das Blutserum h\u00e4ufig, wie in dem obigen Beispiel, \u201efl\u00fcssiger Eiweissstoff\u201c, \u201ealbumine liquide\u201c genannt, oder, richtiger, daf\u00fcr angesehen wurden.\nWer sich die Bedeutung der Ausdr\u00fccke: Eiweiss (albumen), Eiweissstoft (albumin) u. s. w. klar machen wollte, w\u00fcrde in einen Kreis von Begriffs- und Namensverwechslungen u. s. w. geraten, aus dem er keinen Ausweg finden w\u00fcrde, wenn er es sich nicht zur Regel machte, jedesmal nachzuforschen, was f\u00fcr ein Product und welchen Ursprungs das Pr\u00e4parat gewesen war, welches der gegebene Autor vor sich gehabt hatte.\nSelbstverst\u00e4ndlich hat jene Begriffsverwechslung auch auf die Nomenclatur unserer Zeit nicht ohne Einfluss bleiben k\u00f6nnen. Wie in den ersten Zeitperioden nach der Einf\u00fchrung der Benennung \u201eAlbumin\u201c zwischen Eiweiss, Eiweissstoff u. dergl. kein Unterschied gemacht wurde, so wird auch noch heutzutage nicht nur in dieser oder jener kleinen Schrift \u00fcber Eiweissstoffe, sondern auch in solchen Werken wie encyciop\u00e4dische W\u00f6rtenb\u00fccher u. s. w., in diesen Benennungen kein Unterschied gemacht. So ist z. B. in der Encyclopaedia britanica unter dem Worte \u201eAlbuinen\u201c das gesagt, was von dem Albumin gesagt werden sollte (41 p. 456). Unter den russischen allgemeinen Werken geben von dem Eiweissstoffe einen unrichtigen Begriff die W\u00f6rterb\u00fccher von Toll, Kray: in dem ersteren wird das \u201eAlbumin\u201c mit dem Eiweiss f\u00fcr identisch erkl\u00e4rt, obgleich die Erl\u00e4uterung (152 p. 82) der wirklichen Bedeutung des Wortes \u201eAlbumin\u201c entspricht: doch wird dieselbe Erkl\u00e4rung auch f\u00fcr das Wort \u201eEiweissstoff\u201c gegeben (ib. p. 374), so dass beide Substanz \u201eEiweiss\u201c und \u201eEiweissstoff\u201c unter einen Begriff gebracht sind. In Kray\u2019s W\u00f6rterbuche wird unter dem Worte \u201eEiweissstoff\u201c, in Klammern \u201ealbumen\u201c, das gesagt, was sich auf \u201eEiweissstoff\u201c und auf \u201eEiweiss\u201c bezieht, und ist letzteres Wort ganz ausgelassen (41 p. 537). Dieselbe Nachl\u00e4ssigkeit haben sich auch manche Verfasser von Lehrb\u00fcchern der physiologischen Chemie zu Schulden kommen lassen, wie z. B. Gautier (1865, 58 p. 30), der unter dem Worte \u201eAlbumin\u201c Blutserum und Eiweiss beschrieb, Sch\u00f6ffer (1882, 135 p. 9), der Albumen und Eiweissstoff f\u00fcr identisch erkl\u00e4rt. Ausserdem schien es z. B. den russischen Uebersetzern von K\u00fchne\u2019s Lehrbuch (unter Setschenoffs Redaction) ganz unerheblich anstatt des Wortes \u201eEiweissstoff\u201c das Wort \u201eEiweiss\u201c zu gebrauchen, selbst wenn der Urtext ersteres forderte.\nEine vollst\u00e4ndige Umkehrung der Begriffe finden wir aber bei Michailoft (1887, 108 p. 11), der Eiweiss \u201eEiweissstoff\u201c und diesen \u201eEiweiss\u201c nennt. Dieselbe verkehrte Terminologie giebt dieser Autor auch in Kursus der \u201epractischen Physiologie\u201c (13 p. 1\u201425). Einer eben solchen Verwirrung der Begriffe begegnen wir auch bei A. Danilewsky (26 p. 371).\nAus dem Gesagten folgt aber keineswegs, dass es in der russischen Literatur in diesem Falle an einem ganz bestimmten Ausdruck fehlt,1 wie auch aus Dahl\u2019s (25 p. 136) und Beresin\u2019s W\u00f6rterbuche (4 p. 499 und 505) zu ersehen ist. Ich kann nicht umhin Dahl\u2019s Bestimmung w\u00f6rtlich anzuf\u00fchren \u201eDas Eiweiss S. n. ist die dicke, klebrige, durchsichtige Fl\u00fcssigkeit im Eie, die in der Hitze fest wird und eine weisse Farbe annimmt; in dem Eiweiss liegt das Dotter\u201c. \u201eDer Eiweiss-stoff\u201c S. m. ist eine in dem Eiweiss befindliche Substanz, die von den Chemikern auch in andern tierischen und in pflanzlichen Gebilden u. s. w. gefunden worden ist u. s. f. \u201edas eiweissartige Princip\u201c (25 p. 136).","page":55},{"file":"p0056.txt","language":"de","ocr_de":"56\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nSelbstverst\u00e4ndlich hat es auch unter den russischen Physiologen und Chemikern nicht wenige gegeben, die die Ausdr\u00fccke \u201eEiweiss\u201c und \u201eEiweissstoff\u201c, \u201ealbumen\u201c und \u201ealbumin\u201c ganz richtig gebraucht haben, so z. B. Chodneff, der im Jahre 1847 (23 p. 231 u. a.) ein Originalwerk, \u201ePhysiologische Chemie\u201c benannt, herausgab, und noch fr\u00fcher, 1823, Iwanoff (87 p. 10), der seine Arbeit in lateinischer Sprache schrieb, u. s. w.\nMithin darf man k\u00fchn behaupten, dass bis zu der zweiten H\u00e4lfte der dreissiger Jahre des XIX Jahrhunderts, richtiger bis zu Denis\u2019Zeit, eigentlich die Eigenschaften der album in haltigen Fl\u00fcssigkeiten studirt wurden, da das freie Albumin im unver\u00e4nderten Zustande, folglich auch dessen wahre Eigenschaften, unbekannt waren. Mit der Einf\u00fchrung des Wortes \u201eAlbumin\u201c war etwa nur das Eingest\u00e4ndniss gemacht worden, dass der eigent\u00fcmliche, scharfe Charakter der protein haltigen Fl\u00fcssigkeiten von der Gegenwart einer besonderen organischen Substanz ab h\u00e4ngt, nichts weiter. Fourcroy selbst, der das Wort \u201eAlbumin\u201c eingef\u00fchrt, interessirte mehr die etymologische Seite der Verwandlung von \u201eAlbumen\u201c in \u201eAlbumin\u201c. Seiner Meinung nach, widersprach \u201eAlbuinen\u201c einerseits dem Geiste der franz\u00f6sischen Sprache, andererseits den allgemeinen Regeln der \u201ewissenschaftlichen Nomenclature deren Aufgabe, f\u00fcgen wir unsererseits hinzu, in diesem, wie auch in vielen andern F\u00e4llen, sich darauf beschr\u00e4nkte, die verschiedensten Ausdr\u00fccke mit der Endung \u201ein\u201c zu versehen *).\nEigenschaften der p rote\u00efnhalti g enFl \u00fc ssigkeite n. 1.Einfluss der W\u00e4rme. A. Festwerden a) Gallertbildung, b) Ge-r i n n u n g und c) F\u00e4llung. Eine der wesentlichsten Eigenschaften der prote'in-haltigen Fl\u00fcssigkeiten, sich unter dem Einfluss der W\u00e4rme zu ver\u00e4ndern, wurde am Eiweiss seit uralten Zeiten, am Blutserum seit Harvey (147 p. 183) studirt. Der Process, durch den das H\u00fchnereiweiss und das Blutserum bei dem Erhitzen in eine weisse feste, undurchsichtige Masse \u00fcbergehen, wird gew\u00f6hnlich Gerinnung\u2014coagulation, das Product\u2014Gerinnsel\u2014coagulum genannt.\nLe Fevre\u2019s (1669,94 p. 82\u20143) Aussage nach, wurde unter dem Worte \u201ecoagulation\u201c F\u00e4llung im allgemeinen verstanden, w\u00e4hrend \u201econg\u00e9lation\u201c die Verwandlung fester K\u00f6rperteile in Gallerte bedeutete (ib. p. 91). Dieselbe Bedeutung gab dem Worte \u201ecoagulatio\u201c hundert Jahre sp\u00e4ter Boerhaav (1753, 7 p. 931), welcher auch noch Krystallisation, F\u00e4llung von Salzen, namentlich aber, was hier besonderes Interesse verdient, die F\u00e4llung des Serums und des Eiweisses durch Alkohol, und der Milch, der Molken und des Eiweisses durchs aure Salze (ib. p. 932) dazu rechnete; doch versteht schon Baum\u00e9 (2 p. cli) im J. 1773 unter dem Namen \u201ecoagulum\u201c eine Art Gallerte (gel\u00e9e), die sich entweder in einer, oder durch Vermischung zweier oder mehrerer Fl\u00fcssigkeiten bildet; so nennt Baume geronnene (saure) Milch \u201ecoagulum\u201c, erw\u00e4hnt aber, dass mit diesem Namen auch Krystallisationsproducte a) genannt wurden. Macquer 3) (1778, 100 p. 367) und auch\n*) \u201eCependant ce mot (albumen) est peut-\u00eatre trop latin; sa terminaison, sa signification propre appliqu\u00e9e de tout temps au blanc d\u2019oeuf proprement dit......ainsi les chimistes modernes ont-ils\npresque toujours employ\u00e9 l\u2019esp\u00e8ce de paraphrase mati\u00e8re albumineuse pour indiquer ce genre de substance; mais dans la marche s\u00e9v\u00e8re & m\u00e9thodique de la nomenclature moderne il n\u2019est plus permis de s\u00e9 servir de deux mots, l\u2019un vague et ind\u00e9termin\u00e9, l\u2019autre sous forme d\u2019adjectif,\npour nommer un corps; nous adopterons donc le mot albumine\u201c (1792, 49 p. 11).\n2) \u201eEsp\u00e8ce de gel\u00e9e provenant d\u2019une ou de plusieurs liqueurs qu\u2019on m\u00eale ensemble. On nomme coagulum le caill\u00e9 du lait.... On dit quelquefois qu\u2019un sel se coagule pour dire qu\u2019il se crystallise....\u201c (2 p. cli).\n*) \u201eCoagulum, ce mot latin, est usit\u00e9 en chimie pour distinguer les concr\u00e9tions en forme de caill\u00e9 ou de gel\u00e9e...\u201c (100 p. 367).","page":56},{"file":"p0057.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES . EIWEISSeS.\n57\nBourget (14 p. 361) nennen \u201ecoagulum\u201c sowohl den gallertartigen Zustand z. B. der sauren Milch, des Blutes, als auch den Uebergang der K\u00f6rper, z. B. des Wachses u. dergl., aus dem geschmolzenen in den festen Zustand (14 p. 361 u. 463).\nDenis (30 p. 25) begn\u00fcgte sich f\u00fcr die F\u00e4llung der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten nicht mehr mit dem Ausdruck \u201ecoagulation\u201c, sondern gebrauchte, je nach den Eigenschaften des Niederschlags, \u201ecoagulation\u201c, wenn sich derselbe z. B. in Salzl\u00f6sungen nicht aufl\u00f6ste und \u201esolidification\u201c wenn er sich in solchen l\u00f6ste. Virchow betrachtet ganz richtig den \u201eGerinnungsprocess\u201c f\u00fcr ganz unabh\u00e4ngig von dem Umstande, ob das erhaltene Product sich in diesen oder jenen Agentien aufl\u00f6st, oder nicht (155 p. 141). Zu derselben Zeit findet auch Panum (117 p. 441) f\u00fcr notwendig die Begriffe \u201egerinnen, coaguliren, sich setzen\u201c und \u201esich niederschlagen, abscheiden\u201c zu unterscheiden und mit dem Worte \u201eCoagulum\u201c ein durch \u201eGerinnung\u201c erhaltenes Product nur in dem Falle zu bezeichnen, wenn es eine zusammenh\u00e4ngende Masse bildet *).\nDie hier dargelegten Erkl\u00e4rungen der Verfasser erm\u00f6glichen es nicht, auch nur dem A eus seren nach von dem, was unter dem Worte \u201eGerinnung\u201c verstanden wurde, eine klare Vorstellung zu gewinnen. Daher wollen wir hier sogleich, indem wir uns dem gew\u00f6hnlichen Beobachtungsobject alter und neuer Autoren zuwenden, bemerken, dass man, ohne in das Wesen der Erscheinung einzudringen, unter dem Worte Gerinnung (coagulation) denjenigen Process zu verstehen hat. bei welchem unverd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss und Blutserum bei dem Erhitzen bis 100\u2019\u2019 in seiner ganzen Masse in einen festen K\u00f6rper \u00fcbergeht, sofern es, auch in kein Gef\u00e4ss eingeschlossen, seine Form bewahrt, Elasticit\u00e2t aufweist, d. h. seine unter einem leichten Druck ver\u00e4nderte Gestalt wieder annimmt und geringe Coh\u00e4sion besitzt, d. h. sich leicht zerteilen l\u00e4sst. Die Consistenz einer solchen Gallerte kann eine verschiedene sein, ja nachdem deren Partikelchen ihre Beweglichkeit soweit einge-b\u00fcsst haben, um keine Fl\u00fcssigkeit mehr zu bilden, und gen\u00fcgende Coh\u00e4sion erworben haben, um zu einem festen K\u00f6rper sich zu gestalten. Als Beispiel eines solchen Festwerdens dient die Gerinnung des Blutes 8), des Blutplasma, mancher pathologischen Fl\u00fcssigkeiten, sowie das Sauerwerden der Milch, wobei ein St\u00fcck oder die ganze Masse der soeben geronnenen Fl\u00fcssigkeiten Gerinnsel (coagu-1 u m) genannt wird. Diese Bestimmung erstreckt sich nat\u00fcrlich auch auf die Bildung von Gallerte (gel\u00e9e) in Fl\u00fcssigkeiten, welche Leim und pflanzliche gallertartige Substanzen enthalten.\nDennoch besteht zwischen dem Blutcoagulum und der Gallerte ein grosser Unterschied: das Coagulum f\u00e4hrt fort fester, dichter zu werden; es scheidet Fl\u00fcssigkeit aus, zieht sich zusammen, setzt sich und beh\u00e4lt seinen Namen Blutkuchen, Gerinnsel, coagulum, solange bei, bis es nach dem Auspressen ein Product hinterl\u00e4sst,\n*) \u201eEbenso unrichtig und unstatthaft ist es, das Zeitwort \u201ecoaguliren\u201c oder \u201egerinnen\u201c als Synonym mit \u201ef\u00e4llen\u201c oder \u201eabscheiden\u201c zu gebrauchen oder von einer \u201eGerinnung\u201c oder \u201eCoagulation\u201c zu sprechen, wenn man bei andern Stoffen von einer \u201eF\u00e4llung\u201c oder \u201eAbscheidung\u201c reden w\u00fcrde. Nur wenn der z. B. durch eine S\u00e4ure gef\u00e4llte oder z. B. durch Temperaturerh\u00f6hung abgeschiedene K\u00f6rper eine zusammenh\u00e4ngende Masse, \u201eein Coagulu m\u201c bildet, ist es statthaft von einer \u201eCoagulation\u201c zu sprechen; nur dann \u201egerinnt\u201c oder \u201ecoagulirt\u201c er in der urspr\u00fcnglichen und allein statthaften Bedeutung des Wortes. Man\nsage immerhin, \u201eBlut gerinnt durch Festwerden des Fibrins\u201c, \u201eMilch durch Sauerwerden\u201c, \u201eH\u00fchnereiweiss durch Kochen\u201c, heisser Beim durch Abk\u00fchlung\u201c (117 p. 440).\n2) Unter den zahlreichen Beispielen wollen wir nur das neueste und charakteristischste hervorheben:\n\u201eLes analogies qui existent entre l\u2019albumine et la fibrine, impliquaient pour les deux substances un m\u00eame mode de coagulation; car on a toujours compar\u00e9 la coagulation spontan\u00e9e de la fibrine \u00e0 celle de l\u2019albumine, provoqu\u00e9e par la chaleur\u201c, sagen Mathieu & Urbain (106 p. 226).","page":57},{"file":"p0058.txt","language":"de","ocr_de":"58\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nwelches verschiedene Benennungen (Quark, K\u00e4se, Fibrin u. dergl.) erh\u00e4lt. So nannte Virchow (155 p. 141) den schon abgesetzten Teil schlechthin \u201ecoagulum\u201c und den Gerinnungsprocess selbst \u201ecoagulatio\u201c. Ohne der soeben angef\u00fchrten Erkl\u00e4rung Virchow\u2019s besondere Aufmerksamkeit zu widmen, finden wir bei Virchow selbst directe Hinweise darauf, dass in dem Gerinnunsvorgange zwei Akte zu unterscheiden seien; w\u00e4hrend des ersten findet blosses Festwerden der Fl\u00fcssigheit statt, was im Deutschen gut durch das 'Wort \u201eGestehen\u201c ausgedr\u00fcckt wird, in dem zweiten wird Retraction\u2014\u201eGerinnen\u201c\u2014des Gerinnsels (coagulum) beobachtet 1).\nEs findet also in den gerinnbaren (coagulirbaren) Fl\u00fcssigkeiten, bald nach der Verwandlung derselben in ihrer ganzen Ausdehnung in ein Gerinnsel, Retraction, Zusammenziehung dieses statt, infolge deren der anfangs fl\u00fcssige K\u00f6rper so zu sagen sich in eine neue Fl\u00fcssigkeit und einen festen K\u00f6rper trennt, was bei der Gallerte nicht der Fall ist; diese ist und bleibt Gallerte, sowohl bei l\u00e4ngerem Stehen in bedeckten Gef\u00e4ssen als auch bei dem Durchpressen z. B. durch Leinen, Gaze, wobei St\u00fcckchen derselben Gallerte in ihrer ganzen Masse, ohne dass Fl\u00fcssigkeit sich auspresse, durchschl\u00fcpfen. Virchow sah die Gerinnung der pro-te\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten unter der Einwirkung von Aether sogar f\u00fcr eine \u201escheinbare Gerinnung\u201c *) an. Somit ist die Gallertbildung so zu sagen die erste Stufe, das erste Stadium der Gerinnung, auf welchem dieser Process stehen bleibt.\nAusserdem wird, f\u00fcgen wir noch hinzu, im allgemeinen in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten am h\u00e4ufigsten nur das letzte Stadium der Gerinnung\u2014Zusammenziehung, \u201eSichsetzen\u201c, F\u00e4llung (praecipitatio) beobachtet, als deren Resultat, flockenartige, k\u00f6rnige, angeh\u00e4ufte u. dergl. Niederschl\u00e4ge erscheinen. Wenn die Gallerte dadurch charakterisirt ist, dass sie sich nicht zusammenzieht, so ist f\u00fcr die durch Gerinnung bedingte F\u00e4llung charakteristisch, dass die Gallertbildung entweder ganz ausbleibt oder \u00e4usserst schnell, momentan, verl\u00e4uft. Doch wurde und wird auch ein derartiges Festwerden, eine derartige Ausscheidung eines der Bestandteile der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten Gerinnung genannt und der Niederschlag, welcher Art er auch sei: flockig, k\u00f6rnig oder sogar in Gestalt einer leichten Tr\u00fcbung, gew\u00f6hnlich mit .dem Worte \u201ecoagulum\u201c. Gerinnsel, bezeichnet, wie z. B. bei Gorup-Besanez (66 p. 132), Schmidt (132 p. 705 mid 696).\nUm eine vollkommenere Vorstellung zu gewinnen, darf man annehmen, dass der Uebergang der prote'mhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in den festen Zustand, das Festwerden (solidificatio, solidification) auf dreifache Art vor sich geht: a. Das Festwerden beginnt und bleibt bei der Gallertbildung (Gestehen, congelatio, g\u00e9latinisation) stehen und liefert als Product die G a 11 e r t e (gelatina, gel\u00e9e): 6. Das Festwerden beginnt mit Gallertbildung, welche gew\u00f6hnlich von langsamem, mit dem Auge nicht wahrnehmbarem Zerfallen der Gallerte in einen fl\u00fcssigen und einen festen Teil gefolgt ist, wobei letzterer sich zusammenzieht und die Fl\u00fcssigkeit gleichsam aus sich hinauspresst. Nur f\u00fcr diese Art von Festwerden dar! die\n*) \u201eDie alte Bezeichnung der Coagulation (von coago) bezieht sich offenbar auf den zweiten Akt des Vorgangs, n\u00e4mlich auf die Zusammenziehung, die Retraction des Gerinnsels, womit zugleich die Abscheidung des Serums, die spontane Trennung der in den ungel\u00f6sten Zustand \u00fcbergegangenen Theile von den l\u00f6slich und fl\u00fcssig gebliebenen angezeigt wird. Die deutsche Sprache unterscheidet auch sehr gut den ersten Akt, n\u00e4mlich das blosse Festwerden, ohne Orts Ver\u00e4nderung derTheile, als Gestehen von der sp\u00e4teren Zusammenzieh-\nung und Sammlung derselben auf gewisse Mittelpunkte als dem Gerinnen. Genau genommen, sollte nur das Letztere als Coagulation benannt werden, indess ist die Ausdehung dieses Begriffes auf den ganzen Vorgang so allgemein geworden....\u201c (155 p. 141).\n0 \u201eIndess muss man die wirkliche Gerinnung wohl von der blossen Gallertbildung (scheinbaren Gerinnung) unterscheiden, welche durch die Mengung von Aether und Fl\u00fcssigkeitstheilchen en-steht\u201c (155 p. 138).","page":58},{"file":"p0059.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n59\nBenennung Gerinnung (coagulatio, coagulation) und f\u00fcr das Product derselben Gerinnsel, coagulum (caillot) beibehalten werden, c. Endlich ist es m\u00f6glich anzunehmen, dass sowohl die Bildung als auch das Zerfallen der Gallerte und die Zusammenziehung der ganzen Masse oder einzelner Teile so rasch vor sich geht, dass die zwei ersten Vorg\u00e4nge ganz unbemerkbar sind, der dritte aber dem Auge zug\u00e4nzlich ist. In diesem Falle findet die Abscheidung des festen Teils im Vergleich zu der Zusammenziehung so rasch statt, dass ein jeder auf den ersten Blick (vom physikalischen Standpunkte aus) in derselben einen Vorgang erkennt, der von den Chemikern F\u00e4llung fpraecipitatio, pr\u00e9cipitation) genannt wird, und dessen Product\u2014Niederschlag (praecipitatum, pr\u00e9cipit\u00e9) heisst.\nFestwerden.\ni *pf\no g '--' ----------- -------------- \u25a0 '--1 1 \u25a0'\t1 ----------\n^ trj l a) Gallertbildung (Gestehen) b) Gerinnung\tc) F\u00e4llung\ng \u00a7 (\t,1\t---------!--------- ---------------!----------\n\\\tGallerte\tFl\u00fcssigkeit Gerinnsel Fl\u00fcssigkeit Niederschlag\nIn der Folge werden wir einer gen\u00fcgenden Anzahl von Thatsachen begegnen, die uns zu dem Schl\u00fcsse leiten werden, dass die genannten Arten des Festwerdens eigentlich Variationen eines und desselben Vorgangs vorstellen, dementsprechend unter gewissen Umst\u00e4nden aus einer und derselben Fl\u00fcssigkeit alle drei Modifica-tionen der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten dargestellt werden k\u00f6nnen.\nSich auf das obige Schema st\u00fctzend, gewinnt man die M\u00f6glichkeit \u00fcber die von verchiedenen Autoren erhaltenen Producte sich nicht nur Piechenschaft zu geben, sondern dieselben auch zu systematisiren.\nDie grossen Ver\u00e4nderungen, die in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten unter der Einwirkung der W\u00e4rme vor sich gehen, veranlassten die ersten Autoren, wie zu erwarten war, dem Vorgang auch wirklich die passendste und dabei allgemeine Benennung, n\u00e4mlich \u201eFestwerden\u201c, zu geben. So bedienten sich Ques-nay *), Boerhaav * 2), Neumann 3), Thouvenel 4), Edlen von Jacquin 5), Bourget fi), Fourcroy ') u. a. dem Worte \u201eFestwerden\u201c analoger Ausdr\u00fccke, was besonders deutlich bei Bourget 6 7) und nicht weniger charakteristisch bei Bostock 8) ausgedr\u00fcckt ist. So musste auch Orfilla, unstreitig unter dem Eindr\u00fccke des in der W\u00e4rme ver\u00e4nderten Eiweisses, in diesem Process Festwerden 9) anerkennen. Es ist interessant zu bemerken, dass auch Dahl in seinem W\u00f6rterbuche dass Eiweiss als eine, namentlich in der Hitze, \u201eerh\u00e4rtende\u201c Fl\u00fcssigkeit charakterisirt (p. n. 55).\nWenn man sich jetzt fragt, welcher Art Festwerden man in dem Falle vor sich hat, wenn auf Eiweiss und Blutserum W\u00e4rme einwirkt, so unterliegt keinem\n*) \u201eL\u2019huile albumineuse a des propri\u00e9t\u00e9s fort singuli\u00e8res dont il est difficile de d\u00e9couvrir le principe, elle se durcit au feu & m\u00eame dans l\u2019eau chaude\u201c (124 p. 349)*\ns) \u201e....verdicket, verh\u00e4rtet\u201c (7 p. 618).\n3) \u201eAndicket, Andickung\u201c (114 p. 527).\n*) \u201eSe concr\u00e8te----concrescible\u201c (149 p. 23).\n*) \u201e... .erh\u00e4rtet\u201c (40 p. 171).\n6)\t\u201eGerinnen-coagulare; man bedient sich aber desselben um das Festwerden fl\u00fcssiger Substanzen zu bezeichnen\u201c (15 p. 121).\n7)\tBei Fourcroy begegnet man best\u00e4ndig in\nVerkn\u00fcpfung mit dem erw\u00e4hnten Process den\nAusdr\u00fccken \u201esolide\u201c, \u201econcr\u00e9tion\u201c, \u201ese durcir\u201c u. s. w. (49 p. 13, 14) sowie auch in seinen \u00fcbrigen Arbeiten.\ns) \u201eDans l\u2019\u00e9tat de densit\u00e9 o\u00f9 elle se trouve dans le blanc d\u2019oeuf, dont elle forme les 0,15, on sait qu\u2019elle est susceptible de se prendre si fortement qu\u2019elle paro\u00eet former une substance solide, et qu\u2019alors elle ne change plus ni de forme, ni de consistance, dans l\u2019eau bouillante, quoi qu\u2019on la divise beaucoup\u201c (9 p. 55).\n9) \u201eCoagulation\u2014coagulatio\u2014op\u00e9ration \u00e0 l\u2019aide de laquelle un corps liquide devient subitement solide ou mou....\u201c (115 p. 466).","page":59},{"file":"p0060.txt","language":"de","ocr_de":"6\u00d6\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nZweifel dass liier Gallertbildung vorliegt. Des Ausdrucks \u201eGallerte\u201c bediente sich Gmelin im J. 1789 (62 p. 723), um das durch Einwirkung von W\u00e4rme auf Blutserum erhaltene Product zu bezeichnen. Auch Edlen von Jacquin (40 p. 171) sagt aus, dass H\u00fchnereiweiss unter denselben Umst\u00e4nden zu einer gelatin\u00f6sen Masse erh\u00e4rtet *).\nSelbstverst\u00e4ndlich konnten solche der Wirklichkeit entsprechende Vorstellungen von dem Erh\u00e4rtungsprocesse nicht ohne Einfluss auf die W\u00f6rterb\u00fccher bleiben; so charakterisirt z. B. Bourget (14 p. 361) die \u201eGerinnung\u201c als Gallertbildung und nennt das Gerinnsel oder Coagulum\u2014Gallerte. Den genannten Autoren folgen Fourcroy 8), Thomson * * 3), Berzelius 4), welche das festgewordene Blutserum und Eiweiss auch f\u00fcr Gallerte ansehen.\nAusser dieser so zu sagen allgemeinen Bezeichnung des uns interessirenden Productes mit dem Worte \u201eGallerte\u201c begegegnet man auch eingehenderen Beschreibungen, welche unzweifelhaft beweisen, dass die \u00e4lteren Autoren das Erh\u00e4rtungs-product nicht nur mit einem passenden Namen versahen, sondern auch eine klare, den Thatsachen entsprechende Vorstellung von dem hatten, wor\u00fcber sie schrieben. So sagt z. B. Zetzell, dass das Blutserum in seiner ganzen Masse in einen festen K\u00f6rper 5 *) \u00fcbergeht; Fourcroy (49 p. 13) schreibt, dass beim Kochen die ganze Masse des Albumens (Eiweiss und Blutserum) in eine weisse, feste, homogene, br\u00fcchige Masse mit glatten Bruchfl\u00e4chen sich verwandeltfi); Thomson 7) giebt eine analoge Beschreibung.\nWenn als Typus der Gerinnung das Gerinnen des Blutes, das Sauerwerden der Milch u. s. w. gelten kann, so muss, in Anbetracht der oben dargelegten historischen Thatsachen und der t\u00e4glichen Erfahrung, sowie in Uebereinstimmung mit unserem Schema, das Festwerden des Eiweisses und des Blutserums f\u00fcr Gallertbildung und das erhaltene Product f\u00fcr Gallerte anerkannt werden, wobei die durch W\u00e4rme ver\u00e4nderten Fl\u00fcssigkeiten, Eiweiss und Blutserum, eine homogene milchweisse, in d\u00fcnne Scheiben geschnitten, durchscheinende opalescirende, gallertartige Masse vorstellt (die unter Umst\u00e4nden durch Austrocknen in durchsichtige glas\u00e4hnliche homogene St\u00fcckchen und Pl\u00e4ttchen sich verwandeln), welche durch gew\u00f6hnliche Leinwand sich gleich m\u00e4ssig durchpresst8). Dass in die sem Falle des Festwerdens weder Gerinnung noch F\u00e4llung stattgefunden hat, beweist ein schon von Fourcroy (1794. 50 p. 311) ausgef\u00fchrter Versuch, in welchem sogar mit 2\u20143 Volumina Wasser verd\u00fcnntes Blutserum durch Einwirkung von W\u00e4rme in seiner ganzen Masse in einen gallertartigen Zustand s) \u00fcbergeht, ohne\n\u2018) \u201eBei der Hitze .... e r h \u00e4 r t e t es zu einer gelatin\u00f6sen Masse\u201c (40 p. 171).\n:) \u201eOn nomme albumine, d\u2019apr\u00e8s son analogie avec le blanc d\u2019oeuf, la portion cong\u00e9lable par le feu, et devenant opaque et indissoluble; on appelle g\u00e9latine la mati\u00e8re plus transparente, qui se fige surtout par le refroidissemeut et qui est dissoluble dans l\u2019eau\u201c (52 p. 140).\n3) \u201eLa coagulation de l\u2019albumine ressemble exactement \u00e0 ce qui se passe lorsque la potasse silic\u00e9e concentr\u00e9e est satur\u00e9e d\u2019acide muriatique. La masse acquiert lentement une couleur opale\net finit par se concr\u00e9ter en une sub-\nstance solide & g\u00e9latineuse. Or cette\ngel\u00e9e est form\u00e9e par les mol\u00e9cules de la silice\ncombin\u00e9es entre elles, et avec une certaine portion d\u2019eau (147 p. 25\u20146).\n4) \u201e ... . und gesteht beim Erhitzen bis zu ungef\u00e4hr+76\u00b0 zu einer Gallert\u201c (5 p. 62).\n\u2018) \u201eSobald es anfing warm zu werden, ward es weiss, und bei zunehmender W\u00e4rme gieng es alles in einen K\u00f6rper zusammen\u201c (160 p. 241).\n6)\t.... mais bient\u00f4t, lorsque la coagulation est compl\u00e8te, toute la masse est homog\u00e8ne, solide, blanche, cassante & lisse dans sa cassure (49 p. 13).\n7)\tS. Cit\u00e2t *) auf dieser Seite.\n8)\tMit Ausnahme der das Eiweiss durchziehenden H\u00e4utchen und Streifen.\n9)\t\u201eLe s\u00e9rum ou la partie albumineuse qu\u2019il contient a la propri\u00e9t\u00e9 de fixer & de faire solidifier, par la chaleur, deux ou trois fois son poids d\u2019eau\u201c (50 p. 311).","page":60},{"file":"p0061.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND BES EIWEISSES.\n61\ndass Trennung in einen festen und einen fl\u00fcssigen K\u00f6rper beobachtet w\u00fcrde. So zeigte auch Bostock (9 p. 55\u20146) hinsichtlich des H\u00fchnereiweisses, dass bei dessen Verd\u00fcnnung mit einem halben Volum Wasser, nach dem Erhitzen des Gemisches eine feste Masse erhalten wird, die mit dem Messer zerschnitten werden kann, wobei die Eiweissst\u00fccke ihre Form behalten, d. h. nicht auseinanderfliessen 1). In der Folge fand Marchand (104 p. 233), dass eine prote\u00fcnhaltige Fl\u00fcssigkeit, welche 8% oder mehr Albumin in sich schliesst, bis auf 60\u00b0 erhitzt, eine einzige feste Masse bildet \u00e4).\nDer einzige Umstand, welcher die Autoren verhinderte das durch W\u00e4rme erh\u00e4rtete Eiweiss oder Blutserum Gallerte zu nennen, scheint die weisse Farbe und die Undurchsichtigkeit gewesen zu sein, da die gew\u00f6hnliche Glutingallerte durchsichtig wie Glas ist. Wie wir aber schon erw\u00e4hnt, ist das zu Gallerte gewordene H\u00fchnereiweiss und das Serum von Ochsen- und Hundeblut in d\u00fcnnen, aus grossen St\u00fccken mit dem Basirmesser bereiteten Schnitten oder in d\u00fcnnen auf dem Deckglase erh\u00e4rteten Schichten von Eiweiss- oder Serumfl\u00fcssigkeit (s. die Methode die Versuche mit Tropfen auszuf\u00fchren 111 p. 207) durchsichtig und stark opalescirend. Ausserdem verwandeln sich Eiweiss und Serum durch Austrocknen in eine glas\u00e4hnlich, durchsichtige Masse, was eine Eigenschaft der Gallerte, nicht aber der k\u00f6rnigen oder feinflockigen, wenn auch eine einzige Masse bildenden Niederschl\u00e4ge und auch nicht der Gerinnsel, wie Fibrin, ist. Es giebt endlich auch Beispiele, dass unter derselben Einwirkung von W\u00e4rme und bei einem gewissen Eingreifen des Experimentators, doch ohne Teilnahme starkwirkender Agentien, aus nat\u00fcrlichen Fl\u00fcssigkeiten durchsichtige farblose Gallerte erhalten wurden (s. Aussehen der Gallerte).\nAusser dieser Gerinnungsweise (Gallertbildung) des mit Wasser unverd\u00fcnnten Eiweisses und Blutserums wurde schon seit Quesnay\u2019s (124 p. 349), Boerhaav\u2019s (7 p. 614), Neumann\u2019s (114 p. 527) u. a. Zeiten h\u00e4ufig Festwerden des Eiweisses und Blutserums, wenn dieselben in heisses Wasser eingegossen wurden, beobachtet, wobei, je nach den Umst\u00e4nden, Flocken von verschiedenem Aussehen und verschiedener Gr\u00f6sse als Niederschlag zu Boden fallen; hier werden im allgemeinen schon keine Erscheinungen von Gallertbildung oder Gerinnung mehr beobachtet, sondern liegen alle charakteristischen Eigent\u00fcmlichkeiten der F\u00e4llung vor. Hierher ist auch die gew\u00f6hnliche F\u00e4llung des Eiweisses und des Blutserums durch S\u00e4uren, Alkohol und andere chemische Agentien zu rechnen, welche auch von den obengenannten Autoren studirt worden ist. Wenn wir mit den angef\u00fchrten Agentien auch auf unverd\u00fcnntes Eiweiss oder Serum einwirken w\u00fcrden, so w\u00e4re der Unterschied zwischen der hier beobachteten Erscheinung und der weiter oben beschriebenen Gallertbildung ein sehr grosser; unter der Einwirkung von S\u00e4uren, Alkohol u. a. erh\u00e4rten die protemlialtigen Fl\u00fcssigkeiten nur teilweise, indem sie in eine Fl\u00fcssigkeit und einen Niederschlag, welcher sich leicht abpressen, von der Fl\u00fcssigkeit abtrennen l\u00e4sst, zerfallen. Auch diese Art von Festwerden war schon genau beobachtet und charakterisirt worden, z. B. von Gmelin (1789, 62 p. 725) durch das Wort \u201eScheiden\u201c f\u00fcr die Trennung des fl\u00fcssigen Teils der prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten von dem festen. Auch Bourget unterschied diese Abtrennung des festen Teils (des Albumins) (14 p. 464) von dem Wasser, indem er diesen Process im allgemeinen \u201eGerinnung\u201c nannte. Schon diese Thatsachen sollten, d\u00e4ucht mir, die For-\n\u2019) \u201eJ\u2019ai vu que le blanc d\u2019oeuf, \u00e9tendu de moiti\u00e9 de son poids d\u2019eau, avoit la propri\u00e9t\u00e9 de se coaguler, au point de pouvoir \u00eatre coup\u00e9 avec un couteau, sans que les morceaux perdissent leur forme....\u201c (9 p. 56).\n2) \u201eEnth\u00e4lt die Fl\u00fcssigkeit 8% Albumin und dar\u00fcber, so gerinnt sie schon durch eine Erhij-zung bis auf 60\u00b0, und bildet dann eine einzige feste Masse\u201c (104 p. 233).","page":61},{"file":"p0062.txt","language":"de","ocr_de":"62\nDAS GLOBULIN B\u00cbS BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nscher auf diesem Gebiete veranlasst haben, in der Erh\u00e4rtung durch W\u00e4rme und derjenigen durch S\u00e4uren oder Alkohol einen Unterschied zu sehen; indess haben viele Autoren, bis auf unsere Zeit, in allen F\u00e4llen sich mit dem Ausdruck \u201egeronnenes Eiweiss\u201c begn\u00fcgt, indem sie mit diesem Worte zugleich auch die Producte des geronnenen Eiweisses und Blutserums bezeichneten. Doch waren auch schon im XVIII Jahrhundert Versuche gemacht worden, diese Begriffe abzugrenzen. So bezeichnet Neumann (114 p. 527) die durch W\u00e4rme bewirkte Gerinnung durch das Wort \u201eAndickung\u201c, sagt aber in Bezug auf Alkohol und S\u00e4uren, dass sie nicht bloss andicken sondern auch coaguliren. Nat\u00fcrlich entspricht letzteres der F\u00e4llung.\nWill man sich durchaus des Wortes \u201egeronnen\u201c bedienen, und den Vorgang selbst der Blutgerinnung gleichstellen, so w\u00e4ren f\u00fcr das zu Gallerte gewordene Eiweiss und Blutserum \u201egeronnenes Eiweiss\u201c oder \u201egeronnenes Serum\u201c die entsprechenden Ausdr\u00fccke; keineswegs ist es aber am Platze das gef\u00e4llte Blutserum oder Eiweiss mit denselben Ausdr\u00fccken zu bezeichnen, da sie ja dort f\u00fcr das Ganze, hier nur f\u00fcr einen Teil desselben dienen w\u00fcrden. Am interessantesten ist aber, dass der Ausdruck \u201egeronnenes Eiweiss\u201c nicht nur i\u00fcr den Niederschlag im Eiweiss, f\u00fcr das in seiner ganzen Masse geronnene Serum und die in demselben entstehenden Niederschl\u00e4ge, sondern auch f\u00fcr alle die F\u00e4lle beibehalten wurde, wenn man den Vorgang mit der Teilnahme des Albumins an demselben zu verkn\u00fcpfen w\u00fcnschte.\nIm Hinblick darauf, dass das Wort \u201eGerinnung\u2014coagulatio\u201c von den Autoren sowohl auf die Producte als auch auf die Fl\u00fcssigkeiten selbst, in denen diese entstehen bezogen und das Wort \u201egeronnen\u201c von ihnen f\u00fcr diese und jene, gebraucht wurde, haupts\u00e4chlich aber weil sie es vornehmlich, wenn nicht ausschliesslich, mit den Niederschl\u00e4gen proteinhaltiger Fl\u00fcssigkeiten zu thun hatten, so wollen wir, um offenbaren Missverst\u00e4ndnissen zuvorzukommen, gleich erkl\u00e4ren, dass wir von den ersten Momenten der Geschichte der Proteink\u00f6rper an, unter dem Worte \u201eGerinnung\u201c\u2014\u201eF\u00e4llung\u201c zu verstehen haben, ohne irgend welche besonderen Eigenschaften der Producte dieses Vorgangs\u2014der Niederschl\u00e4ge\u2014dabei im Auge zu haben, was unbedingt notwendig w\u00e4re, wenn man die Ausdr\u00fccke \u201eGerinnung\u201c, \u201eGeronnenes\u201c beibehalten wollte.\nB. D i e Temperatur des Festwerdens der p rote'in haltigen Fl\u00fcssigkeiten. Nachdem man gefunden hatte, dass das Blutserum, das Eiweiss und ihnen analoge Fl\u00fcssigkeiten in der W\u00e4rme in den festen Zustand \u00fcbergehen, liess man es sich angelegen sein, die Temperatur, bei welcher dieser Uebergang stattfindet, zu bestimmen. Anschaulichkeit halber haben wir die Angaben der verschiedenen Autoren, in Graden des Celsius\u2019schen Thermometers aus-gedr\u00fcckt, in folgender Tabelle zusammengefasst.\nTABELLE I.\nDie Temperatur des Festwerdens der prote\u00efnhaltigen F1 \u00fcs-\nEiweiss,. des Huhnes\t560\u201460\u00b0 C.\ts i g k e i t e n. Fourcroy\t\t\t....\t(49 p. 13)\n\t00\u00b0 \u201e\tEd. v. Jacquin\t\t, ...\t(40p. 171)\ny)\t74\u00bb\tKlaproth \t\t,. ..\t(85 p. 50)\n\t75\u00b0\tBostock\t\t\t\t(5 p. 538)\n\tot o o ! 00 o \u00a9\tJohn\t\t...\t(83 p. 251)\n\t70\u00b0\tDumas & Pr\u00e9vost\t\t....\t(35 p. 52)\nr>\t65\u00b0\u201475\u00b0 \u201e\tid\t\t. ...\t(36 p. 310)","page":62},{"file":"p0063.txt","language":"de","ocr_de":"t>AS GLOBULIN D\u00c8S BLUTSERUMS UND D\u00c8S EIWEISSES.\n63\nfies Huhnes\tOi H-k 0 1 00 o\tC.\tChevreul\t (21 p.\t379: 20 p. 38 u. 41)\n77\t74\u00b0\t55\tH\u00fcnefeld\t\t\t (81 p. 40)\n\u2713 1)\t74\u00b0\t\u00bb\tGobley\t\t\t (64 p. 11)\n57\t61\u00b0\u201475\u00b0\t55\tBerzelius\t\t\t (5 p. 60)\n57\t70\u00b0\u201480\u00b0\t55\tid\t\t\t (6 p. 35)\n57\t71\u00b0\t55\t\t\t (29 p. 253)\n77\t60\u00b0\u201470\u00b0\t55\tDavy\t\t\nund \u00fcber\t100\u00b0\t55\tFr\u00e9my & Valanciennes.\t\t (57 p. 139)\n55 und \u00fcber\t55\u00b0\u201470\u00b0 100\u00b0\t\u00bb 1 \u201e 1\t> Morochowetz\t\t\n55\t64\u201468\t55\tFarmer\t\t\t (43 p. 207)\nder Taube\t86\u00b0\t55\t\u25ba\t\ndes Holzh\u00e4hers\t84.5\u00b0\t\u201d 1\t|\t\nder Drossel des Staars\t87\u00b0 90,5\t\u201e !\t) Davy\t\t\t\t (29 p.253)\n\u201e Rothkehlchens\t86\t\u201e i\t1\t\n\u201e Rohrs\u00e4ngers\t75.51\t55\t!\t\nder Uferschwalbe 90\t0 und h\u00f6her\t\t\t\n\t100\u00b0\t55\tTarchanoff\t\t\t (144 p. 72)\nder Gans\t77\u00b0\t55\tMorochowetz\t\t\t (112 p. 58)\n\u201e Truthenne\t65\u00b0\t55\tid\t\t\t id.\nEigelb des Huhnes\t76\t55\tGobley\t\t\t (64 p. 117)\nSerum.\t\t\t\t\ndes Blutes\t71\u00b0\t55\tHewson\t\t\t (77 p. 27)\nr>\t55\t71\u00b0\u201473\u00b0\t55\tHunter\t\t\t (82 p. 100)\n55\t55\t56\u00b0\t55\tThouvenel\t\t\t (149 p. 30)\n55\t55\t58\u00b0\t55\tGmelin\t\t. . . \u2022 .\t(62 p. 723)\n\u201e\t\u201e\t50\u00b0, 55\u00b0, 60\u00b0\t\t55\tFourcroy\t\t\t (48 p. 155)\n55\t55\t64.5\u00b0\t55\tBourget\t\t\t (14 p. 270)\n55\t55\t65.5\u00b0\t5?\tBlumenbach\t\t\t (87 p. 18)\nn\t69\u00b0\t55\tH\u00fcnefeld\t\t\t (81 p. 240)\n55\t>5\t76\u00b0\t55\tBerzelius\t\t\t (5 p. 538)\nn\tr>\tc O CO 1 O o t-\t55\tid\t\t\t (6 p. 35)\n55\t55\t74\u00b0\t55\tDenis\t\t\t (30 p. 79)\n55\t55\t60\u00b0\u201490\u00b0\t55\tStrecker\t\t\t (143 p.574)\n5)\t\u00bb\t72\u00b0\t55\tHoppe-Seyler\t\t\t (78 p. 135)\nn\t5)\t74\u00b0\t55\tZahn\t\t\t (159 p. 76)\nder Lymphe\t\u00fcber 100\u00b0\t\t55\tMarcet\t\t\t (103 p. 44)\nLinse von Fischen\t\t\t\t\neinfach\t\u00fcber 100\u00b0\t\t55\tPlenk\t\t\t (119 p. 156)\nOchsenlinse w\u00e4sser. Extract\t73\u00b0\u201483\u00b0\t55\tLehmann\t\t\t(95 p. 376:98 p\n\u201e\t93\u00b0\u2014\t.70\u00b0\u201472\u00b0\tn\tVintschgau\t\t\t (154 p.493)\n\u201e\t79\u00b0\u2014\t-85\u00b0\u201490\u00b0\t55\tSchmidt\t\t\t (133 p.442)\nBlutplasma Hydrocele-\t52\u00b0\t55\tC. Hewson\t\t\t (77 p. 25)\nfl\u00fcssigkeit Cerebrospinal-\t71\u00b0\u201474\u00b0\t55\tProut\t\t\t (122 p.535)\nfl\u00fcssigkeit\t\u00fcber 100\u00b0\t\t55\tBostock\t\t\t (9 p. 63)\n\u00bb\t130\u00b0\t55\tHoppe-Seyler\t\t\t (79 p. 3)","page":63},{"file":"p0064.txt","language":"de","ocr_de":"64\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UtfD DES EIWEISSES.\nAus obiger Tabelle erhellt, dass die genannten Fl\u00fcssigkeiten keine bestimmte und constante Temperatur des Festwerdens besitzen, dass diese in weiten Grenzen schwankt. John fand schon im Jahre 1818 f\u00fcr das H\u00fchnereiweiss (85 p. 251) 59\u00b0\u201480\u00b0, was auch durch die Angaben anderer Beobachter best\u00e4tigt wird. Andererseits beobachteten Fr\u00e9my & Yalanciennes (57 p. 139), Tarchanoff (144 p .72) und ich selbst F\u00e4lle, wo das Ei-weiss gewisser V\u00f6gel auch bei 100\u00b0 garnicht gef\u00e4llt wurde, und Davy (29 p. 253, 254) zeigte, dass die Temperatur des Festwerdens des Eies bei den verschiedenen V\u00f6geln fast in jedem einzelnen Falle eine verschiedene ist. Es ist interessant, dass das Blutserum fast in denselben Grenzen der Temperatur, zwischen 60\u00b0 und 90\u00b0, erh\u00e4rtet. Schon seit 1777 wird die Meinung ausgesprochen, dass auch das Blutserum keine constante Erh\u00e4rtungstemperatur besitzt. So f\u00fchrt Thouvenel (149 p. 30) widersprechende Angaben verschiedener Autoren \u00fcber diesen Gegenstand an, wobei er selbst annimmt, dass das Blutserum bei 56\u00b0 fest wird *). Weiter fand Hoppe-Seyler, dass die Cerebrospinalfl\u00fcssigkeit in einem Falle nicht einmal bei 130\u00b0 gerann, und Marcet\u2014dass das Serum der Lymphe sogar in der Siedhitze keinen Niederschlag bildet. Obwohl im allgemeinen mit Sicherheit gesagt werden kann, dass die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in der W\u00e4rme erh\u00e4rten, so ist die Temperatur der Gallertbildung nicht nur f\u00fcr die verschiedenen Fl\u00fcssigkeiten eine verschiedene, sie schwankt auch noch f\u00fcr eine und dieselbe Fl\u00fcssigkeit in weiten Grenzen. Zugleich zeigte auch schon Fourcroy (1790,48 p. 15S), dass die Temperatur des Festwerdens auch von der Art und Weise abh\u00e4ngt, wie diese Erscheinung beobachtet wird. Wird mit Blutserum in Glasgef\u00e4ssen experimentirt, so erh\u00e4rtet es bei 60\u00b0; in heis-ses Wasser eingegossen, bildet es schon bei 50\u00b0\u201455\u00b0 Niederschl\u00e4ge.\nWie klar und selbstverst\u00e4ndlich die Schl\u00fcsse, zu denen wir gelangt sind, auch sein m\u00f6gen, es wurde von vielen Autoren, namentlich von Verfassern von Lehrb\u00fcchern angenommen und wird leider auch noch jetzt behauptet, dass es nicht das H\u00fchnereiweiss und das Blutserum sind, die bei einer und derselben Temperatur erh\u00e4rten (gerinnen), sondern dass das Serum- und d a s Eiweissalbumin (!) eine constante \u201eGerinnungstemperatur\u201c besitzt. Wenn man in Betracht zieht, dass es nur unmittelbare Beobachtungen \u00fcber Eiweiss und Serum waren, die diese Autoren zu solchen Schl\u00fcssen leiten konnten, so ist einem jeden Beobachter, der in die Sache tiefer blickt, die Unrichtigkeit derselben vollkommen klar. H\u00f6chstens k\u00f6nnte Folgendes gesagt werden: die Fl\u00fcssigkeiten, welche wir Serum, Eiweiss nennen, erh\u00e4rten bei dieser oder jener Temperatu r, wenn man diesen Vorgang durchaus mit einer gewissen Temperatur in Verbindung bringen will, oder, besser gesagt: bei so oder so einer Temperatur scheiden diese Fl\u00fcssigkeiten einen P rote'ink\u00f6rper aus, oder endlich: das Albumin scheidet sich aus dem Serum bei so oder so einer, aus dem Eiweiss bei so oder so einer Temperatur aus. Ein solcher Satz aber wie z. B.: \u201edie Temperatur der Gerinnung des Eiweiss- oder des Ser um albumins ist diese oder jene\u201c entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage, erstens weil die Einwir-\n*) \u201eJe remarquerai auparavant que les auteurs ne sont pas d\u2019accord sur le degr\u00e9 de chaleur capable d\u2019op\u00e9rer la coagulation, de la mati\u00e8re albumineuse. Les uns ont soutenu qu\u2019elle avait lieu \u00e0 quelques degr\u00e9s au del\u00e0 du thermom\u00e8tre de Fahrenheit; selon d\u2019autres, elle ne se fait\nqu\u2019au 140\u00b0, 150\u00b0 et m\u00eame au 156\u00b0, mais il est prouv\u00e9 par des exp\u00e9riences ult\u00e9rieures et exactes que le premier terme de cette coagulation est marqu\u00e9 par le 45\u00b0 degr\u00e9 du thermom\u00e8tre de M. de R. qui \u00e9quivaut \u00e0 peu pr\u00e8s au 138-e de F-heit\u201c (149 p. 30).","page":64},{"file":"p0065.txt","language":"de","ocr_de":";\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n65\nkung der W\u00e4rme auf das Seru m und auf das E i w e i s s studirt wurde; zweitens\u2014weil sich eine besondere Best\u00e4ndigkeit der Temperatur nicht kundgegeben hat, drittens\u2014weil dieser Satz eine irrt\u00fcmliche, partielle Charakteristik f\u00fcr das \u201eAlbumin\u201c aus dem Eiweiss und aus dem Serum enth\u00e4lt und, so zu sagen, Grund zu der Unterscheidung von zwei Arten von \u201eAlbumin\u201c, eines dem Serum und eines-anderen dem Eiweiss angeh\u00f6rigeig giebt, was in der Wirklichkeit nicht der Fall ist. Die Hauptsache aber ist die, dass die Prote'insubstanz des Serums und des Eiweisses in der W\u00e4rme zwar erh\u00e4rtet, diese Ver\u00e4nderung aber, wie wir sp\u00e4ter sehen werden, ganz von den anorganischen Bestandteilen genannter Fl\u00fcssigkeiten a b h \u00e4 n g t. Schliesslich hat noch niemand die Temperatur der \u201eGerinn u n g\u201c des reinen, ausgeschiedenen \u201eAlbumins\u201c beobachtet.\nDie entstehenden Missverst\u00e4ndnisse lassen sich viel einfacher erkl\u00e4ren. Wie wir schon erw\u00e4hnt haben, wurden, dem Gest\u00e4ndnisse einiger Autoren nach, die Eigenschaften und Eigent\u00fcmlichkeiten lier albuminhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in Bezug auf die W\u00e4rmewirkung auf das Albumin selbst, \u00fcber welches es an Angaben fehlte, \u00fcbertragen. Am deutlichsten ist dies bei Klaproth (88 p. 40-\u201450) ausgedr\u00fcckt, der geradezu darauf hinweist, dass er es mit Eiweiss zu thun hatte, dieses aber, gleichsam zuf\u00e4llig, \u201eEiweissstoff\u201c nennt. Wenn man diesen wissentlichen \u201eDruckfehler\u201c berichtigt, so findet man nichts Erstaunliches darin, dass das Eiweiss (nicht der Ei-weissstoff) bei 74\u00b0 gerinnt 1 2). Auf diese Weise gew\u00f6hnten sich die Autoren die Benennungen \u201eEiweiss\u201c\u2014\u201e albumen\u201c\u2014mit dem Albuinin zu verwechseln; sie identifi-cirten zuerst das Eiweiss mit dem Serum und \u00fcbertrugen, in ihrer Unkenntniss der Eigenschaften des Eiweisses, auf das Albumin das, was sie am Eiweiss und am Serum beobachteten: die Gegenwart dieses besondern K\u00f6rpers unterschied ja die sogenannten prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten von den andern damals bekannten! Es ist begreiflich, dass alle Eigenschaften dieser Fl\u00fcssigkeiten durch die Gegenwart des unbekannten Albumins erkl\u00e4rt wurden. In dem gegenw\u00e4rtigen Zustande der Frage, wo es schon anerkannt ist, dass einen wesentlichen Teil des Eiweisses und des Serums das Globulin bildet, muss man sich \u00fcber die Hartn\u00e4ckigkeit wundern, mit welcher einige Autoren auf einer bestimmten und constanten Gerinnungstemperatur \u201eder Albumine\u201c des H\u00fchnereiweisses und des Serums, bestehen; dies ist um so erstaunlicher, als es in der Geschichte der Albumine nicht an Beispielen gefehlt hat, wo andere Beobachter die Irrth\u00fcmlichkeit der Annahme einer constanten F\u00e4llungstemperatur eingesehen hatten. Wenn Berzelius, der von dieser Best\u00e4ndigkeit \u00fcberzeugt war, im Jahre 1830 den Unterschied in den Temperaturen der F\u00e4llung des Eiweisses in Dumas & Cahour\u2019s (659) und Chevreul\u2019s (61\u00b0) Beobachtungen durch nichts anderes als einen Fehler in den Angaben der Thermometer, die, seiner Meinung nach, aus uncalibrirten Glasr\u00f6hren angefertigt waren, zu erkl\u00e4ren vermochte (5 p. 65\u20146), so war er 10 Jahre sp\u00e4ter gezwungen, seine Meinung zu \u00e4ndern. Nachdem Berzelius die Sache n\u00e4her betrachtet hat, findet er, dass die Temperatur der F\u00e4llung des Albumins von verschiedenen Umst\u00e4nden abh\u00e4ngt, wodurch die Widerspr\u00fcche der verschiedenen Autoren sich erkl\u00e4ren lassen 3). Seit-\n\u2019) \u201eDer Eiweissstoff l\u00f6st sich niu- in kaltem Wasser auf, wie wohl er seiner Klebrigkeit wegen sich nicht leicht mit demselben vermischt. Wird der Eiweisstoff bis zu einer Temperatur von 165\u00b0 erhoben, so gerinnt er zu einer weissen festen Masse\u201c (88 p. 50).\n2) \u201eV ird diese L\u00f6sung erhitzt, f\u00e4ngt sie unge-\nf\u00e4hr bei+ 60\u00b0 an tr\u00fcbe zu werden, erstarrt, wenn sie einigermaasen concentrirt war, darauf bei+ 64\u00b0. und geht dabei in den coagulirten Zustand \u00fcber. Die Temperatur, hei welcher dieser Uebergang erfolgt, beruht \u00fcbrigens sehr auf der Concentration der L\u00f6sung, denn mit mehr Wasser kann diese, besonders wenn zugleich Alkali zugegen ist, sich\n5","page":65},{"file":"p0066.txt","language":"de","ocr_de":"66\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\ndem liaben sieb unsere Beobachtungen bereichert, so dass man jetzt schon mit gr\u00f6sserer Sicherheit sich in der uns interessirenden Frage zurechtfinden kann. Dennoch lehrt Hoppe-Seyler (80 p. 269) noch im J. 1883, dass das Serumalbumin, wie wir es in dem normalen Serum des Blutes und der Lymphe neben dem Globulin und den Salzen haben, immer \u00fcber 60\u00b0 coagulirt, zuerst als Tr\u00fcbung, dann, zwischen 72\u201475\u00b0, in Flocken 3). Man m\u00fcsste sich wundern, auf welche Weise Hoppe-Seyler diese Kenntniss erhalten und glauben, dass er sie durch Betrachtungen an seinem Schreibtisch erworben hatte, wenn wir nicht die Ueberzeugung h\u00e4tten, dass er von dem festen Glauben an eine constante Gerinnungstemperatur der Protemk\u00f6rper durchdrungen war. Dasselbe Verhalten dieser Frage gegen\u00fcber sehen wir auch bei anderen Autoren.\nNeben den Thatsaclien, die noch in dem Kapitel \u00fcber die W\u00e4rmewirkung auf das Globulin zur Sprache kommen werden, gen\u00fcgt, glaube ich, das oben Dargelegte zur Aufstellung folgenden Satzes: Die Temperatur der F\u00e4llung kann nicht nur nicht zur Charakteristik des \u201eAlbum in s\u201c dienen, folglich nicht nur keinen Anhaltspunkt f\u00fcr die Unterscheidung des Serum- und Eiweissalbumins geben, sie dient nicht einmal zur Charakteristik des Eiweisses und des Serums als protein haltige Fl\u00fcssigkeiten; die Temperatur der Gallertbildung oder der F\u00e4llung des E i w e i s -ses und des Serums ist nicht nur f\u00fcr verschiedene Tiere, sondern auch f\u00fcr eine und dieselbe Tier species eine verschiedene, je nach der Gegend (f\u00fcr das Serum) oder nach der Zeit (seitdem das Ei gelegt oder das Serum entzogen wurde). Unsere eigenen Beobachtungen haben gezeigt, dass Eier von einem und demselben Huhn im frischen Zustande von 55\u00b0 an, solche aber, welche einige Zeit gelegen hatten, erst bei 66\u00b0 gerannen; ein von demselben Huhn gelegtes frisches Ei, welches aber unter die Luftpumpe \u00fcber Aetznatron gebracht und nach f\u00fcnf Tagen versucht wurde, gerann (das Weisse) erst bei 70\u00b0. Nach sehr langem Liegen der Eier verliert das Weisse die Eigenschaft sogar in der Siedhitze fest zu werden.\nUm Eier l\u00e4ngere Zeit aufzubewahren, ohne dass dieselben austrocknen oder verderben, ist das frische Ei zuerst mit Wasser, dann mit Alkohol zu \u00fcbergiessen und zuletzt mit gew\u00f6hnlichem weissem Lack zu \u00fcberziehen, zu welchem Zwecke man das Ei mehrmals in den Lack eintaucht und jedesmal trocknen l\u00e4sst. Im Laufe eines Jahres verliert ein solches Ei wenig am Gewicht, aber das Eiweiss b\u00fcsst h\u00e4ufig ganz die F\u00e4higkeit ein in der Hitze zu erh\u00e4rten, obgleich es \u00e4usserlich wenig ver\u00e4ndert erscheint: es ist nur ein wenig d\u00fcnnfl\u00fcssiger. Flier fand ich die Reaction der Peptone, Salkowski, der meine Arbeit (112 p. 64) nicht kannte, sagte in Jahre 1893, (128 p. 515) seinerseits Folgendes aus: \u201ewenn man aus mit dem mehrfachen Volumen Wasser verd\u00fcnntem und dann filtrirtem H\u00fchnereiweiss die Ei-weissk\u00f6rper durch Erhitzen unter sorgf\u00e4ltiger Neutralisirung mit verd\u00fcnnter Essigs\u00e4ure ausf\u00e4llt und das vollkommen klare, aber stets gr\u00fcnlich fluorescirende Filtrat im Wasserbad v\u00f6llig zur Trockne eindampft, so erh\u00e4lt man einen gef\u00e4rbten R\u00fcckstand\u201c,\nbis zu+ 70\u00b0 klar erkalten und erst bei+ 75\u00b0 erstarren.\nSehr verd\u00fcnnte afbuminbaltige Fl\u00fcssigkeiten werden erst bei + 90\u00b0 und + 1000 tr\u00fcbe, und das coagulirte Albumin sammelt sieb erst nach lange fortgesetztem Ko eben an. Auf diesem Umstand beruht ohne Zweifel die Verschiedenheit in den\nAngaben verschiedener Chemiker \u00fcber die Temperatur, bei der das Albumin coagulirt\u201c (6 p. 32).\n3) In der Mischung aus Serumglobulin und Salzen, wenn das Serumalbumin in Blut- und Lymphserum auftritt, gerinnt es stets \u00fcber 60\u00b0, zuerst als Tr\u00fcbung, zwischen 72\u201475\u00b0 in Flocken (80 p. 269).","page":66},{"file":"p0067.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n67\nder \u201edurch l\u00e4ngeres Waschen von Zucker befreite Substanz zeigt, Eigenschaften (ib. p. 516) einer eigent\u00fcmlichen Alhumose\u201c (ib. p. 514). Nicht weniger zuverl\u00e4ssig ist Lambert\u2019s Verfahren, der schon im Jahre 1845 riet die Eier abwechselnd mit Gummi und Caoutchouc zu \u00fcberziehen (92 p. 1182) 1 2).\nAusserdem waren schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts manche Autoren nicht mehr der Meinung, dass die W\u00e4rme auf die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten einen unabwendliclien Einfluss aus\u00fcbt; so r\u00e4t z. B. Chevreul die Fl\u00fcssigkeit abzudampfen, um Erh\u00e4rtung noch in solchen F\u00e4llen zu erreichen, wo sie fr\u00fcher beim Kochen nicht beobachtet wurde 3). Noch entschiedener spricht sich Lehmann 3) dar\u00fcber aus, dass diese Eigenschaft der Proteink\u00f6rper keine best\u00e4ndige sei: \u201eDieselben k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden in der W\u00e4rme auch nicht gerinnen\u201c. Noch mehr: diese Fl\u00fcssigkeiten erleiden sehr mannigfaltige Ver\u00e4nderungen unter der Einwirkung verschiedener. in quantitativer und qualitativer Hinsicht oft sehr unbedeutender die^ misclier Agentien, welche aber gen\u00fcgen, um den in den Augen mancher Autoren verh\u00e4ngnissvollen Einfluss der W\u00e4rme auf das \u201eAlbumin\u201c abzuschw\u00e4chen oder auch g\u00e4nzlich aufzuheben.\nWir sehen hier das erste Beispiel unseres Leitsatzes, dass dem \u201eAlbumin\u201c die Eigenschaften der es enthaltenden Fl\u00fcssigkeiten zugeschrieben werden!\nC. Einfluss des Wassers a u f d i e Temperatur des F e s t-w e r d e n s. Schon im Beginn des XVIII Jahrhunderts begegnen wir interessanten Angaben dar\u00fcber, dass die F\u00e4llung durch W\u00e4rme (100\u00b0) f\u00fcr die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, besonders f\u00fcr das Albumin, nichts Unabwendliches hat, wie es z. B. f\u00fcr das H\u00e4moglobin der Fall ist, welches in jeder beliebigen L\u00f6sung, einer w\u00e4sserigen oder sauren, u. s. w. und sogar im trocknen Zustande bei 60\u00b0 sich zerzetzt.\nBoerhaav (7 p. 617) und sp\u00e4ter Thouvenel (149 p. 27) verkn\u00fcpften die weniger feste Consistenz der Gallerte und der Niederschl\u00e4ge des Serums im y er gleich mit solchen des Eiweisses durch den gr\u00f6sseren Wassergehalt des Serums; die bedeutenden Ver\u00e4nderungen der Temperatur der F\u00e4llung bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser wurde aber zuerst von Hewson beobachtet (1772,77 p. 107); er fand, dass mit dem gleichen Volum Wasser verd\u00fcnntes Blutserum nicht mehr die Eigenschaft besitzt, sich in der W\u00e4rme, sogar beim Kochen, niederzuschlagen. Dies best\u00e4tigten Fourcroy (48 p. 156; 50 p. 311), Thomson (147 p. 183), H\u00fcnefeld (81 p. 240), Bourdacli (12 p. 81). Fourcroy verd\u00fcnnte das Blutserum mit dem 7\u20148- fachen, Thomson mit dem 6-fachen Volum Wasser und erhielt beim Kochen weder Gallerte noch einen Niederschlag. In einigen F\u00e4llen beobachtete Hunter (82 p. 105) beim Erw\u00e4rmen sowohl des unverd\u00fcnnten als des mit s/4 Volum Wasser verd\u00fcnnten Serums keine Gerinnung. Parmentier & Deyeux (118 p. 456) bemerken ausserdem, dass, wenn das Blutserum in heisses Wasser eingegossen wird,\n*) Im Jahre 1837 erhielt Voisin (156 p. 126) aus der chinesischen Provinz Se-tschnn zweij\u00e4hrige mit einem Teig aus Cypressenasche oder Potasche, Kalk und Theeaufguss bestrichene Eier. Offenbar ist die Aufbewahrung in Kalk ein allgemein bekanntes Mittel.\n2) ,,.... 2\u00b0, que Fon pourra d\u00e9sormais s\u2019assurer, si un liquide animal qui ne se coagule pas par\nla chaleur, et qu\u2019on soup\u00e7onne \u00eatre de nature albumineuse, est r\u00e9ellement de l\u2019albumine, en le faisant concentrer dans le vide, et en recherchant si le r\u00e9sidu qu\u2019il laissera formera avec un peu d\u2019eau un liquide susceptible de se coaguler par la chaleur\u201c (20 p. 47).\n3) \u201eIm Allgemeinen ist die Gegenwart von Eiweiss sehr leicht nachzuweisen, indem man aus der Gerinnbarkeit einer Fl\u00fcssigkeit in der Hitze auf die Gegenwart von Eiweiss schliesst; allein wenn wir auch hier davon ab sehen, dass es noch mehrere (weiter unten zu betrachtende) Substanzen giebt, welche ebenfalls beim Kochen gerinnen, so ist diese Eigenschaft des Eiweisses doch schon deshalb nicht als einziges Mittel zu seiner Erkennung zu benutzen, weil es, wie wir oben gesehen haben, unter manchen Verh\u00e4ltnissen gar nicht gerinnt oder kaum wahrnehmbare Tr\u00fcbungen bildet\u201c (96 p. 321).","page":67},{"file":"p0068.txt","language":"de","ocr_de":"68\nDAS GLOBULIN DLS BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nkeine F\u00e4llung stattfindet: die Mischung bekommt das Aussehen einer w\u00e4sserigen Seifenl\u00f6sung, nichts weiter. Dasselbe beobachteten Darcet (27 p. 51) und Scheele (129 p. 150); letzterer fand, dass bei 10-facher Verd\u00fcnnung mit Wasser das Ei-weiss die F\u00e4higkeit verliert in der W\u00e4rme sich niederzuschlagen. Klaproth (88 p. 50), Chevreul (20 p. 46) und Berzelius (5 p. 66) best\u00e4tigen diese Angaben; Chevreul und, nach ihm, Berzelius erw\u00e4hnen nur, dass bei der Verd\u00fcnnung mit dem 20-fachen Volum Wasser das Eiweiss in der W\u00e4rme nicht gerann. Auch Arnold (1 p. 122) beobachtete bei der Verd\u00fcnnung des H\u00fchnereiweisses mit 2,5\u201410 Vol. Wasser, dass das Filtrat beim Kochen keinen Niederschlag ausschied. Bostock (8 p. 141) giebt i\u00fcteressante Angaben, wobei er gleichsam das allgemeine Gesetz aufstellt, dass, wenn der Albumingehalt einer Fl\u00fcssigkeit den i/ao Gewichtsteil ausmacht, dieselbe wohl tr\u00fcbe wird, sich aber kein Niederschlag bildet, und das Filtrat ebenfalls tr\u00fcbe ist. Leider sind diese Thatsachen wenig von Belang, da die F\u00e4higkeit einen Niederschlag zu bilden nicht bloss von dem quantitativen Albumin oder von dem Wassergehalt ahh\u00e4ngt. Jedenfalls erkannte auch Berzelius (6 p. 32) die enge Beziehung zwischen der Ver\u00e4nderung der Temperatur, bei welcher ein Niederschlag sich bildet, und der Menge des eingef\u00fchrten Wassers: so steigt die Temperatur der F\u00e4llung hei der Verd\u00fcnnung mit Wasser von 60\u00b0\u201464\u00b0 auf 70\u00b0\u201474\u00b0 und bei weiterer Zufuhr von Wasser\u2014auf 90\u00b0\u2014100\u00b0. Etwas sp\u00e4ter fand Zimmermann, dass mit Wasser verd\u00fcnntes Serum beim Kochen nicht gerinnt (161 p. 48; 163 p. 48). Auch von anderer Seite wurde die Beobachtung gemacht, dass das Eiweiss bei der gew\u00f6hnlichen Koclrweise nicht so fest wird wie in dem Falle. vTenn es in kochendem MeerwTasser oder in Oel auf 280\u00b0 erhitzt ward, wie Wasserberg beobachtete (157 p. 312\u20143). In der Folge zeigten Fr\u00e9my & Valanciennes (57 p. 139), dass das Eiweiss nicht nur des Huhns, sondern auch aller H\u00fchnerarten (Gallinaceae) bei mehrfacher Verd\u00fcnnung mit Wasser die F\u00e4higkeit zu gerinnen verliert, w\u00e4hrend das Eiweiss der Wasserv\u00f6gel und Strandl\u00e4ufer diese F\u00e4higkeit schon bei 3-faeher Verd\u00fcnnung einb\u00fcsst.\nNach meinen eigenen Beobachtungen, steigt bei der Verd\u00fcnnung des G\u00e4nsc-eiweisses schon mit dem gleichen Volum Wasser die Temperatur der Gerinnung des Filtrats von 74\u00b0 auf 77\u00b0; unter denselben Umst\u00e4nden gerinnt das Eiweiss der Truthenne, anstatt bei 65\u00b0, bei 70\u00b0, bei zweifacher Verd\u00fcnnung\u2014bei 100\u00b0, und endlich ver\u00e4ndert es sich, mit 3 Volumina Wasser \u2019vermischt, auch heim Kochen gar nicht mehr. Das Eiweiss frischer Eier der verschiedenen H\u00fchnerrassen gerinnt schon bei 5-faclier Verd\u00fcnnung nicht mehr.\nB\u00e9champ (3 p. 17) erwies ebenfalls, dass das Eiweiss des Huhns, der Gans, der Ente, des Strausses beim Kochen unver\u00e4ndert bleibt, wenn 2 gr. davon getrocknet und dann in 50 cc. Wasser aufgel\u00f6st werden.\nWenn man die Thatsachen \u00fcber die Verd\u00fcnnung der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, welche die Unf\u00e4higkeit letzterer in der W\u00e4rme zu gerinnen zur Folge hat, und andererseits Wasserberg\u2019s Beobachtungen mit einander vergleicht, so wird man zu dem Gedanken geleitet, dass die gew\u00f6hnliche F\u00e4llungstemperatur zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung der Prote\u00fcnsubstanz nicht ausreicht, und ein Teil dieser Substanz im fi\u00fcssigen Zustande verbleibt. Hewson (77 p. 106) fand, dass bei 70\u00b0 nicht alles Serum gef\u00e4llt wird; nach Thouvenel (149 p. 23), ist dies nicht einmal bei 100\u00b0 der Fall, d. h. ein Teil des Albumins bleibt ungeronnen. Im Hinblick auf eine so ver\u00e4nderliche Wirkung der W\u00e4rme auf die Protemsubstanzen hat man schon l\u00e4ngst angefangen dieser Reaction zu mistrauen; so beobachtete Marcet (103 p. 44) im Lymphserum beim Kochen keine Gerinnung, nahm aber dennoch die Gegenwart von Eiweiss in demselben an, desgleichen auch Bostock (9 p. 63) und in der Folge","page":68},{"file":"p0069.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n69\nIToppe-Seyler, der, trotzdem dass die Cerebrospinalfl\u00fcssigkeit aucli bei 130\u00b0 nicht gerann, sie f\u00fcr eine protemhaltige Fl\u00fcssigkeit erkl\u00e4rte (79 p. 3). Uebrigens verkn\u00fcpfte schon Marchand (104 p. 233) die Temperatur des Festwerdens mit der Menge des Albumins, indem er annahm, dass, je weniger eine gegebene Fl\u00fcssigkeit Albumin enth\u00e4lt, um so h\u00f6her die Temperatur, hei welcher es gerinnt *), gesteigert werden m\u00fcsse. Endlich fand Zoth (165 p. 143), dass bei Wasserzusatz bis 50% das Blutserum nicht mehr erstarrt.\nD. Das Aussehen der Gallerte, a) Die Gallerte des H\u00fchnerei w e i s s e s. Nicht nur die Temperatur, auch das Aussehen des in F\u00e4llen von unzweifelhafter Erh\u00e4rtung unter der Einwirkung von W\u00e4rme erhaltenen Products kann f\u00fcr die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten nicht als charakteristisch gelten. Auch eine sehr dickfl\u00fcssige protemhaltige Fl\u00fcssigkeit wird bei dem Uebergang in Gallerte durch die Einwirkung von W\u00e4rme nicht immer w e i s s und undurchsichtig, wie gew\u00f6hnlich angenommen und auch beschrieben wird * 2). So erw\u00e4hnt schon Neumann 3), dass das Weisse des Kibitzeies beim Kochen zwar hart wird, aber durchsichtig und opalescirend ist. Unzweifelhaft waren Wasserberg (157 p. 326) auch andre Beispiele eines durchsichtigen zu Gallerte gewordenen Eiweisses bekannt, da er Beobachtungen an dem Eiweiss von G\u00e4nsen, Enten, Straussen und \u201ekleinen V\u00f6geln\u201c anstellte, wobei er fand, dass das Eiweiss dieser Eier sich von dem H\u00fchnereiweiss unterscheidet 4). Dieser Unterschied bezieht sich, wie aus Weiterem ersichtlich sein wird, bei dem Eiweiss der \u201ekleinen V\u00f6gel\u201c haupts\u00e4chlich auf die Bildung einer durchsichtigen Gallerte. Leider habe ich trotz Wasserberg\u2019s Versprechen \u00fcber diesen Gegenstand N\u00e4heres mitzuteilen, bei ihm keine weiteren Angaben dar\u00fcber gefunden. Dagegen finden wir bei Fr\u00e9my & Valanciennes eine grosse Anzahl umfangreicher Beobachtungen \u00fcber das Eiweiss des Huhns und anderer V\u00f6gel. Vor allem (1854) best\u00e4tigen diese Forscher die schon bekannte Thatsaclie, dass das Kibitzeiweiss beim Kochen erh\u00e4rtet, jedoch durchsichtig, obgleich etwas opalescirend, bleibt (56 p. 472); sp\u00e4ter teilen sie die Resultate (57 p. 138) auch ihrer ferneren Beobachtungen mit, wobei sie finden, dass das Eiweiss der H\u00fchnerarten, Schwimmv\u00f6gel und Strandl\u00e4ufer beim Kochen in Wasser, wie das gew\u00f6hnliche H\u00fchnereiweiss in eine wTeisse undurchsichtige Gallerte \u00fcbergeht, w\u00e4hrend dasjenige der Raubv\u00f6gel und einiger zu den Tauben und Sperlingen geh\u00f6rigen V\u00f6gel in der W\u00e4rme nicht gerinnt (ib. p. 139 und 138). Zu unserem lebhaften Bedauern finden wir bei den genannten Autoren weder \u00fcber die Art des von ihnen angewandten Kochens noch \u00fcber die erhaltenen Producte eingehendere Angaben. Dies w\u00e4re um so wichtiger, als sp\u00e4tere und auch neuerdings angestellte Untersuchungen des Eiweisses der Sperlingsv\u00f6gel sowie der Raubv\u00f6gel andre Resultate geliefert haben. Ausserdem ist nicht genau angegeben, zu welchen Arten die Raubv\u00f6gel und Sperlingsv\u00f6gel geh\u00f6rten, deren Eiweiss von Fr\u00e9my & Valanciennes untersucht wurde, wenn man von den Tabel-\nf) \u201eJe weniger Albumin darin enthalten ist, desto h\u00f6her muss die Temperatur sein und muss bei sehr geringem Eiweissgehalt bis zum Kochen gesteigert werden\u201c (104 p. 233).\n') Thomson gieht z. B. folgende Erkl\u00e4rung: \u201el\u2019albumine coagul\u00e9e par la chaleu r, Tal-cohol ou par les acides est dure, o p a q u e, d\u2019u n blanc de perle\u201c (147 p. 36).\n3) \u201e . . .. wie unter andern schon wieder das\nblasse Kywitz-Eiweiss zu erkennen giebt, welches fast porcelainhaft durchsichtig, wenn es gekocht worden, aussieht\u201c (114 p. 495).\n4) \u201eMan muss \u00fcberdies anmerken, dass nach angestellten Versuchen, das n\u00e4hmliche Verh\u00e4ltniss, welches man bei den H\u00fchnereiern wenigstens gr\u00f6sstentheils als bestimmt annehmen kann, nicht gerade das N\u00e4hmliche ist, wenn man die Eyer anderer Thiere, z. B. der G\u00e4nse, der Enten, der Straussen, sehr kleiner V\u00f6gel oder der Schildkr\u00f6ten, oder der Eydeclisen u. s. w. den ehern ichen\u00fcntersuchunge n u n t e r w i rf t. Von diesen werde ich aber bei einer andern Gelegenheit vielleicht insbesondere umst\u00e4ndlicher handeln\u201c (157 p. 326).","page":69},{"file":"p0070.txt","language":"de","ocr_de":"70\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nlen ab sieht (ib. p. 135\u2014186), wo eigentlich der Trockenrest des Eiweisses ver=-schiedener Vogelarten *) angef\u00fchrt ist. Ob sie das Eiweiss aller dort genannten V\u00f6gel, oder nur einiger oder einer noch gr\u00f6sseren Anzahl untersuchten, ist nicht gesagt. Was die genannten Autoren scheinbar nicht bemerkt hatten, war Jahn\u2019s Beobachtung schon im Jahre 1844 (83 p. 259) nicht entgangen. Erfand, dass das Eiweiss der Haustaube um das Dotter herum beim Kochen eine durchsichtige Gallerte bildet 1 2). Hach Berichten, die Jahn gesammelt hatte, zeigt das Eiweiss des Kibitzes und der \u00e4gyptischen Taube dasselbe Verhalten in der W\u00e4rme. Sogleich nach Jahn muss Davy (29 p. 253\u20144) genannt werden, der im Jahre 1863 zeigte,-dass das Eiweiss des H\u00e4hers, des Rohrs\u00e4ngers, des Zaunk\u00f6nigs, des Rotkehlchens, der Drossel, des Stars und der Taube in der W\u00e4rme erh\u00e4rtet, aber durchsichtig bleibt. In der Folge fand Tarchanoff, ohne mit den Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger, Fr\u00e9my & Valanciennes und Davy ausgenommen, bekannt gewesen zu sein, auf Grund seiner Untersuchungen (145 p. 303) der Eier folgender Familien: I. unter den H\u00fchnerarten: des Haus-liuhns und des Feldhuhns; II. unter den Taubenv\u00f6geln: der Haustaube; III. unter den Strandl\u00e4ufern: des Wachtelk\u00f6nigs und IV. unter den Sperlingsv\u00f6geln: der Drossel, des Goldammers, des Kanarienvogels, des Finken, des Rotschwanzes, der Uferschwalbe, des Dompfaffen, der Kr\u00e4he (144 p. 74\u201475), dass das Eiweiss der von ihm untersuchten Eier der Sperlingsv\u00f6gel beim Kochen eine glas\u00e4hnlich - durchsichtige, zuweilen ein wenig opalescirende Masse bildet; deshalb wird dieses Eiweiss g 1 a s \u00e4 h n-lic h gallertartiges genannt 3) zum Unterschiede von demjenigen des Huhnes, der Taube und des Wachtelk\u00f6nigs, welches beim Kochen weiss und undurchsichtig wird. Frische 'Taubeneier bilden eine durchsichtige Gallerte, haben sie aber gelegen\u2014eine weisse (145 p. 320). Tarchanoff hat \u00fcberhaupt beobachtet, dass je l\u00e4nger das Ei gelegen hat und die Entwicklung des Keimes vorgeschritten ist, desto mehr das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel dem H\u00fchnereiweiss \u00e4hnlich wird. Auf Grund dieser Beobachtungen 4) teilte Tarchanoff das Eiweiss der V\u00f6gel in zwei grosse Categorien: das Eiweiss der Nesthocker und dasjenige der Nestfl\u00fcchter ein; ersteres bildet beim Kochen eine durchsichtige Gallerte, letzteres eine weisse, undurchsichtige. Diese Einteilung entbehrt der praktischen Bedeutung, da zwischen diesen zwei Gruppen Uebergangsfonnen vorhanden sind.\n1)\t\u201eMoineau, m\u00e9sange, pie, faisan argent\u00e9, faisan commun, buzarcl cendr\u00e9, ibis sacr\u00e9, pigeon, canard de barbarie, oie de Guin\u00e9e, traquet, rossignol, bruant, merle, roitelet, grisette, babillarde fauvette, cygne, poule, tarier, fauvette \u00e0 t\u00eate noire\u201c (57 p. 133,135, 136).\n2)\t\u201eDen auffallendsten Unterschied bietet es gegen H\u00fchnereiweiss darin dar, dass es beim Kochen der Eier zwar gerinnt, aber nicht fest wird, sondern, einer durchsichtigen Gallerte gleich, das Eigelb umgiebt....\u201c (83 p. 259).\n3)\tTarchanoff schl\u00e4gt vor, dieses von dem H\u00fchnereiweiss \u201esehr verschiedene\u201c Eiweiss verk\u00fcrzt \u201eTata\u201c, dem abgek\u00fcrzten Namen eines vierj\u00e4hrigen M\u00e4dchens, zu benennen, welches diese Art Eiweiss entdeckt (!) haben soll (144p. 71). Bemerken wir gleich, dass gar keine Notwendigkeit vorliegt, dieser durchsichtigen Gallerte einen besondern Namen zu geben, da, wie wir sehen werden, jedes Eiweiss in ein glas\u00e4hnliches verwandelt werden kann, ohne dass man Alkalien\noder S\u00e4uren verwende, blos durch Handgriffe,\nwelche die Hauptbestandteile des Eiweisses in dieser Beziehung garnicht ver\u00e4ndern. Ausserdem war es nicht das Kind \u201eTata\u201c, welches eine solche Gallerte zuerst beobachtete; man hatte es schon fr\u00fcher gekannt, gesehen und sogar aus H\u00fchnereiweiss und Serum, wie wir weiter unten sehen werden, zu bereiten verstanden. Ebenso ermangelt auch die von Tarchanoff f\u00fcr das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel vorgeschlagene Benennung \u201eProto-albumin\u201c, auf Grund von Betrachtungen (nicht factischer Thatsachen), die ihn dazu geleitet haben,, n\u00e4mlich dass dieses Eiweiss f\u00fcr einen besonderen Eiweissk\u00f6rper, welcher der Entwicklung (!) des wahren Eiweisses vorangeht (!), anz u-sehen sei, jeglicher Bedeutung. In diesem Sinne k\u00f6nnte dann das Tata-E iw e i s s (!) Eier-protoalbumin (?!) benannt werden (144 p. 77 u. 78).\n4)\tWas die Eier der Truth\u00fchner, Enten, G\u00e4nse anbetrifft, so f\u00fchrt zwar Tarchanoff diese Y\u00f6gel an,, um das Wort Nestfl\u00fcchter zu erkl\u00e4ren, erw\u00e4hnt aber nicht, ob er die Eier derselben untersucht hat.","page":70},{"file":"p0071.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n71\nWie Tarchanoff\u2019s Beobachtungen \u00fcber das Eiweiss verschiedener V\u00f6gel, so haben mir auch meine eigenen gezeigt, dass dasselbe in allen F\u00e4llen beim Erhitzen bis 100\u00b0 in Gestalt einer durchsichtigen oder undurchsichtigen Gallerte erh\u00e4rtet. Ich untersuchte das Eiweiss *) folgender Arten.\nI.\tH\u00fchner arten.\n1)\tverschiedene Gattungen russischer\nH\u00fchner.\n2)\tTruth\u00fchner\n3)\tPerlh\u00fchner.\n4)\tWachteln.\nII.\tTaubenv\u00f6gel.\n1)\tHaustauben.\n2)\tTurteltauben.\nIII.\tSchwimmv\u00f6gel.\n1)\tG\u00e4nse\n2)\tHausenten.\nIV.\tSperlingsv\u00f6gel.\n1)\tKr\u00e4hen.\n2)\tElstern.\n3) Dohlen.\nSchwarze Amseln\n5)\tGraue Amseln\n6)\tStare\n7)\tSperlinge.\n8)\tZeisige.\n9)\tRohrs\u00e4nger.\n10)\tNaclitigalen.\n11)\tLerchen.\n12)\tSchwarzk\u00f6pfchen.\n13)\tD orfschwalben.\n14)\tKohlmeisen.\n15)\tStieglitze.\n16)\tKornkr\u00e4hen.\nV. Haubv\u00f6gel. 1) Bienenfalken.\nDas Eiweiss aller Sperlingsv\u00f6gel bildete in allen F\u00e4llen, ohne Ausnahme, bei der Erhitzung bis auf 100\u00b0 eine durchsichtige oder schwach opalescirende Gallerte. Rechnet man noch dazu vier Arten, die ich nicht untersucht habe, die aber bei Tarchanoff angegeben sind, so giebt das Eiweiss von 20 Arten Sperlingsv\u00f6gel eine durchsichtige Gallerte. Das Eiweiss mehrerer darunter wurde von Fr\u00e9my & Valanciennes f\u00fcr in der W\u00e4rme \u201eungerinnbar\u201c erkl\u00e4rt. Im Gegensatz zu diesen Autoren fand ich, dass auch das Eiweiss des Bienenfalken, gleich demjenigen der Sperlingsv\u00f6gel, beim Erhitzen eine durchsichtige Gallerte bildet. Die von Fr\u00e9my & Valanciennes gefundene \u201eUngerinnbarkeit\u201c des Eiweisses der Sperlingsv\u00f6gel l\u00e4sst sich dadurch erkl\u00e4ren, dass er es unmittelbar nach dem Kochen beobachtete, als es noch nicht ganz das gallertartige Aussehen hatte, was bei solchen Fl\u00fcssigkeiten, welche durchsichtige Gallerte zu bilden geneigt sind, leicht vorkommt. Uebrigens bieten Fr\u00e9my & Valancienne\u2019s Angaben im allgemeinen nichts Unwahrscheinliches, da bei einem gewissen Grad der Verd\u00fcnnung mit Wasser das Eiweiss der h\u00fcliner-und taubenartigen V\u00f6gel und der Schwimmv\u00f6gel nicht nur keine Gallerte bildet, sondern \u00fcberhaupt die F\u00e4higkeit einb\u00fcsst durch W\u00e4rme gef\u00e4llt zu werden. Fr\u00e9my & Valanciennes\u2019s Untersuchungen (57 p. 139) zufolge, kann, gleich dem H\u00fchnerei-weiss, auch das Eiweiss anderer H\u00fchnerarten bei der Verd\u00fcnnung mit einer \u201ebedeutenden Menge Wasser\u201c durch W\u00e4rme nicht mehr gef\u00e4llt werden. Die geringste Verd\u00fcnnung f\u00fcr das H\u00fchnereiweiss ist bei Scheele (p. n. 68) angegeben; bei 10-fa-cher Verd\u00fcnnung gerinnt das Eiweiss beim Kochen nicht.\n\u2019) Ich spreche hier meinen aufrichtigsten Dank land einheimischer Wiesenv\u00f6gel, mit denen er Herrn Dr. P. P. Feodoroff aus f\u00fcr die bedeutende die Liebensw\u00fcrdigkeit gehabt hat mich zu Versammlung frischer Eier verschiedener in Russ- sorgen.","page":71},{"file":"p0072.txt","language":"de","ocr_de":"72\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nMeine eignen Untersuchungen (112 p. 71) haben gezeigt, dass das frische Ei-weiss des Huhns *) (des gew. russischen, des Bentham- und Cochincliinahuhns) schon bei einer Verd\u00fcnnung mit 5 Volumina Wasser in der W\u00e4rme nicht gerinnt; obgleich es stark opalescirt, scheidet es auch bei langem Stehen keinen Niederschlag aus; bei dem Eiweiss der Truthenne gen\u00fcgt schon eine dreifache Verd\u00fcnnung, damit beim Kochen nur unbedeutende Opalescenz, aber kein Niederschlag entstehe. Unmittelbar auf das Eiweiss der H\u00fchnerarten folgt dasjenige der Taubenv\u00f6gel: \u00fcbrigens ist dieses von jenem kaum zu unterscheiden. Wenn, wie Jahn und Tarchanoft beobachteten, frisches Taubeneiweiss heim Kochen \u201edurchsichtige Gallerte\u201c, \u00e4lteres aber\u2014weisse, undurchsichtige, bildete, so konnte frisches Eiweiss der Turteltaube vom H\u00fchnerweiss nicht unterschieden werden, denn es bildete ebenso undurchsichtige Gallerte und verlor erst bei 10-facher Verd\u00fcnnung die F\u00e4higkeit zu gerinnen. Demgem\u00e4ss m\u00fcsste das Eiweiss der Turteltaube demjenigen der H\u00fchnerartigen vorangesetzt, dasjenige der Haustaube zwischen das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel und dasjenige der Schwimmv\u00f6gel gereiht werden. Zudem bemerkten noch Fr\u00e9my & Valan-ciennes in Bezug auf das H\u00fchnereiweiss, dass Eier, welche l\u00e4ngere Zeit gelegen hatten zur Verd\u00fcnnung viel Wasser brauchten, um die F\u00e4higkeit zu verlieren in der W\u00e4rme zu gerinnen (57 p. 139). In Bezug auf das Taubeneiweiss giebt Tarchanoff zu verstehen, dass frische Eier eine durchsichtigere Gallerte bilden als seit l\u00e4ngerer Zeit gelegte (145 p. 322). Ueberhaupt, je l\u00e4nger ein Ei liegt, je weiter die Entwicklung des Keimes vorger\u00fcckt ist, desto \u00e4hnlicher wird das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel dem H\u00fchnereiweiss, da es beim Kochen gleichfalls eine weisse, undurchsichtige Gallerte bildet (ib. p. 322).\nUnmittelbar nach dem Eiweiss der Taubenv\u00f6gel kommt dasjenige der Schwimmv\u00f6gel und Strandl\u00e4ufer, welches, Fr\u00e9my & Valancienne\u2019s Beobachtungen zufolge, schon bei 3-facher Verd\u00fcnnung aufh\u00f6rt, in der W\u00e4rme zu gerinnen, obgleich das unverd\u00fcnnte eine undurchsichtige Gallerte bildet. Bei der Verd\u00fcnnung mit dem doppelten Volum entsteht in der Siedhitze eine durchsichtige Gallerte (57 p. 139). Unsere Beobachtungen \u00fcber das G\u00e4nse- und Enteneiweiss best\u00e4tigen diese Angaben im allgemeinen, unterscheiden sich jedoch in manchen Einzelheiten. Um ganz durchsichtige Gallerte zu erhalten, gen\u00fcgt es, G\u00e4nseeiweiss mit dem gleichen Volum Wasser zu verd\u00fcnnen, wobei es nicht n\u00f6tig ist, die Fl\u00fcssigkeit zu kochen, da die Gallertbildung schon von 77\u00b0 an beginnen kann. Noch mehr: wird unverd\u00fcnntes G\u00e4nseeiweiss eine Stunde lang bei 65\u00b0 erhitzt, so wird eine d\u00fcnnfl\u00fcssige, ein wenig opalesci-rende Gallerte erhalten, welche in eine undurchsichtige erst bei 74\u00b0 \u00fcbergeht. Auf diese Weise war die M\u00f6glichkeit geboten, das Eiweiss der Schwimmv\u00f6gel und Strandl\u00e4ufer nicht nur in Gestalt einer bis zur Undurchsichtigkeit opalescirenden, sondern auch als ganz durchsichtige Gallerte zu erhalten. Dieses sowie den Umstand in Betracht ziehend, dass das H\u00fchnereiweiss, mit 5\u201410 Volumina Wasser verd\u00fcnnt, sich gar nicht niederschl\u00e4gt, konnte man erwarten, dass es f\u00fcr letzteres ebenfalls Umst\u00e4nde giebt, unter denen es sich in durchsichtige Gel\u00e9e, verwandelt, ohne dass die Bedingungen der chemischen Behandlung ver\u00e4ndert w\u00fcrden. Im Jahre 1853 zeigte Wittstein (158 p. 359) auch wirklich, dass mit 10 Volumina Wasser verd\u00fcnntes und beim Kochen nicht gerinnendes H\u00fchnereiweiss beim Abdampfen eine durchsichtige Gallerte bildet. Sp\u00e4ter (1864) machte Monnier (109 p. 470) eine Mitteilung \u00fcber l\u00f6sliches, in der W\u00e4rme nicht gerinnendes Eiweiss. Indem er zu\n0 Der Liebensw\u00fcrdigkeit Herrn A. Droby- Eier verschiedener H\u00fchnerrassen mit der Bezeich-schewski\u2019s, eines Liebhabers der H\u00fchnerzucht, ver- nung des Datums, wann ein jedes gelegt worden dankte ich die M\u00f6glichkeit immer ganz frische war, zu meinen Untersuchungen zu haben.","page":72},{"file":"p0073.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n73\nFabrikzwecken eine grosse Anzahl Eiweissproben pr\u00fcfte, fand er, dass die einen in der W\u00e4rme gerannen, die andern nicht. Monnier vermischte H\u00fchnereiweiss mit dem gleichen Volum destillirten Wassers, filtrirte durch feine Leinwand und liess es in flachen Schalen an der Sonne verdampfen; aufs neue in Wasser aufgel\u00f6st, gerann die Fl\u00fcssigkeit in der W\u00e4rme nicht mehr, obgleich die anf\u00e4ngliche L\u00f6sung sogar auf dem Dampfbade gerann (ib. p. 4 71). Die in der W\u00e4rme nicht gerinnende L\u00f6sung verwandelte sich auf dem Wasserbade, nachdem sie eine gewisse Concentration (tr\u00e8s concentr\u00e9e) erreicht hatte, in eine durchsichtige Gallerte (ib. p. 472).\nWenn die Ungerinnbarkeit des mit 5 Volumina Wasser verd\u00fcnnten H\u00fchnerei-weisses und des mit 3 Vol. verd\u00fcnnten Eiweisses der Strandl\u00e4ufer und Schwimmv\u00f6gel und die Bildung von Gallerte aus dem letzteren bei 2-facher Verd\u00fcnnung sich auch nicht erkl\u00e4ren, so doch mit der Verd\u00fcnnung mit Wasser und dessen Einfl\u00fcsse in enge Beziehung bringen l\u00e4sst, so fragt es sich, wodurch Monnier\u2019s Beobachtung ihre Erkl\u00e4rung finden k\u00f6nnte? Die Ungerinnbarkeit in der W\u00e4rme nach dem Trocknen und Aufl\u00f6sen in Wasser, so zu sagen der erste Teil der Behandlung, liesse sich dadurch erkl\u00e4ren, dass die zur Aufl\u00f6sung gebrauchte Wassermenge hinreichend war, um dem Eiweiss die F\u00e4higkeit zu nehmen in der W\u00e4rme zu gerinnen, da Monnier nicht erw\u00e4hnt, wieviel Wasser zur Aufl\u00f6sung des an der Sonne getrockneten Eiweisses gebraucht wurde; dennoch muss noch die Frage beantwortet werden, aus welchem Grunde bei der Concentration durch Eindampfen nicht tr\u00fcbe Gallerte, wie zu erwarten war, sondern durchsichtige erhalten wurde. Auch hier\u00fcber finden wir eine Erkl\u00e4rung.\nNachdem Mathieu & Urbain (1875, 106 p. 227) gezeigt hatten, dass das H\u00fchnereiweiss auf 100 cc. des normalen Eiweisses oder bis 14 grm. des trocknen 45,75\u201484,50 cc. Kohlens\u00e4ure enth\u00e4lt, fanden sie zugleich, dass bei gleichzeitiger Einwirkung von Wasser und der Queksilberpumpe dasselbe die F\u00e4higkeit einb\u00fcsst beim Kochen zu gerinnen *)\u2022 Her Umstand, dass die Wassermenge nicht angegeben ist, \u00e4ndert nichts an dem Wesen der Sache, da nach Mathieu & Urbain\u2019s Verfahren bearbeitetes und von der Kohlens\u00e4ure befreites Eiweiss bei der Einleitung von Kohlens\u00e4ure die F\u00e4higkeit wieder erlangt in der W\u00e4rme zu gerinnen. Zugleich finden wir auch eine Angabe dar\u00fcber, dass von der Concentration der prote\u00efnhalti-gen Fl\u00fcssigkeiten die Bildung eines flockenartigen Niederschlages oder der Ueber-gang in den festen Zustand der ganzen Masse abh\u00e4ngt (ib. p. 228).\nDurch das Entweichen der Kohlens\u00e4ure beim Trocknen des Eiweisses l\u00e4sst sich zum Teil auch Monnier\u2019s Beobachtung erkl\u00e4ren. Uebrigens wies schon Fourcroy (51 p. 134; 52 p. 141) direct auf die Bedeutung der Kohlens\u00e4ure f\u00fcr die Gerinnung hin. Gautier (60 p. 51) fand seinerseits, dass nach dem Trocknen in Wasser aufgel\u00f6stes Eiweiss die Gerinnungsf\u00e4higkeit wiedergewinnt, wenn durch die L\u00f6sung einige Blasen Kohlens\u00e4ure durchgeleitet werden. Der weiteren Entwicklung dieses Gedankens zufolge mussten wir bei gleichzeitiger Entfernung der Kohlens\u00e4ure und Erhitzen des Eiweisses Gallerte erhalten, was Setschenoff a) (140 p. 170; 141 p. 991)\n*) \u201eL\u2019albumine que l\u2019on soumet \u00e0 l\u2019action combin\u00e9e de l\u2019eau, du vide et de la chaleur perd sa propri\u00e9t\u00e9 caract\u00e9ristique. Apr\u00e8s l\u2019extraction de Foxyg\u00e8ne, de l\u2019azote et de l\u2019acide carbonique qu\u2019elle contient normalement, elle n\u2019est plus coagulable par la chaleur seule, qu\u2019elle provienne de l\u2019albumine de l\u2019\u0153uf ou de s\u00e9rum sanguin\u201c (106 p. 227).\n2) Setschenoff erw\u00e4hnt nicht, ob er wenigstens durch Leinwand geseihtes Eiweiss benutzte;\nwidrigenfalls w\u00fcrden sich seine gallertartigen Flocken leicht durch die Gegenwart der dichteren, dehnbareren, unmittelbar an dem Dotter liegenden Eiweisschicht erkl\u00e4ren, welche Setclienoff selbst f\u00fcr n\u00f6thig findet, von dem \u00fcbrigen zu unterscheiden (141 p. 991). In Bezug auf Setchenoff\u2019s Beobachtungen sagt Michailoff, dass Setchenoff in einem solchen Falle das Eiweiss filtrirte <108 p. 31).","page":73},{"file":"p0074.txt","language":"de","ocr_de":"74\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nzuf\u00e4llig beobachtete; auch das H\u00fchnereiweiss bildet im luftleeren Raume bei 30\u00b0\u2014 35\u00b0 gel\u00e9eartige Flocken, welche sp\u00e4ter in fadenf\u00f6rmige \u00fcbergehen. Derselben Methode bediente sich, nach Johnson\u2019s Worten (1874, 87 p. 734), noch vor Setschenoff, Miller; derselbe trocknete Eiweiss unter der Glocke der Luftpumpe \u00fcber Schwefels\u00e4ure bei 50\u00b0, wobei er fand, dass das Eiweiss teilweise in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fchergeht 1).\nDieser entscheidende Einfluss der Kohlens\u00e4ure sowohl auf die Gerinnungstemperatur als auch auf das Aussehen der Gallerte oder der Fl\u00fcssigkeit nach dem Kochen l\u00e4sst sich sehr leicht demonstriren. In unserem Laboratorium hat wohl selten ein Studirender es unterlassen, seine Wissbegierde zu befriedigen, indem er aus (zweifach) verd\u00fcnntem, in der W\u00e4rme gut gerinnendem Eiweisse die Gase durch Auspumpen entfernte und dadurch eine Fl\u00fcssigkeit erhielt, die nicht mehr die F\u00e4higkeit besass durch W\u00e4rme gef\u00e4llt zu werden, und nach dem Kochen eine schwach opalescirende Fl\u00fcssigkeit vorstellte. Nach dem Einleiten von Kohlens\u00e4ure in letztere kehrte die F\u00e4higkeit in der W\u00e4rme zu gerinnen wieder, nach abermaligem Auspumpen ging dieselbe aufs neue verloren u. s. w. Ein durch 5\u201410 fache Verd\u00fcnnung mit Wasser des Gerinnungsverm\u00f6gens beraubtes H\u00fchnereiweiss braucht nach sorgf\u00e4ltigem Auspumpen mit der gew\u00f6hnlichen Luftpumpe nur mit 1\u20142 Volumina Wasser verd\u00fcnnt zu werden (abgesehen davon, dass das Eiweiss bei dem Auspumpen einen Teil seines Wassers verlieren konnte), damit die Fl\u00fcssigkeit beim Kochen nur opalescire, bei gen\u00fcgendem Abdampfen aber eine durchsichtige Gallerte bilde. Noch erstaunlicher ist der Einfluss der Kohlens\u00e4ure auf das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel (z. B. der Kornkr\u00e4he, der Kr\u00e4he u. a.). Nach Durchleitung eines Kohlens\u00e4urestroms und darauffolgendem Kochen wird aus dem Eiweiss keine durchsichtige Gallerte, sondern eine Masse erhalten, die sich von der gew\u00f6hnlichen, undurchsichtigen Gallerte des H\u00fchnereiweisses wenig unterscheidet. Nimmt man aber verd\u00fcnntes Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel oder Schwimmv\u00f6gel (von 1 : 1 bis 1:4 H20 und h\u00f6her), so beginnt eine solche L\u00f6sung, welche in der W\u00e4rme weder Niederschl\u00e4ge noch Gallerte bildet, bei der Durchleitung von Kohlens\u00e4ure in der W\u00e4rme sich niederzuschlagen. Ausser uns fand auch Tarehanoff (144 p. 79), dass das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel in einer Kohlens\u00e4ureatmosph\u00e4re die Eigenschaft des H\u00fchnereiweisses in der W\u00e4rme zu gerinnen erwirbt.\nZieht man dies alles in Betracht, so gewinnt man die M\u00f6glichkeit das Vorhandensein eines in seiner nat\u00fcrlichen Gestalt nicht gerinnbaren Eiweisses zuzugeben, worauf zuerst von Fr\u00e9my & Valanciennes hingewiesen wurde. Indem sie G\u00e4nse- oder Schwaneneiweiss, welches circa 4% Albumin enth\u00e4lt, verd\u00fcnnten, erhielten diese Forscher eine Fl\u00fcssigkeit, in welcher mehr als 1 \u00b0/0 Eiweiss enthalten war, die aber trotzdem in der W\u00e4rme nicht gerann (57 vergl. pp. 135,136 u. 139). Solche Verh\u00e4ltnisse, welche von der Gegenwart von 1% Albumin im Eiweiss bedingt werden, anzunehmen ist um so mehr zul\u00e4ssig, als das Eiweiss der Schildkr\u00f6te (Testudo europaea), unseren Beobachtungen nacfl, zwar Albumin enth\u00e4lt, doch nur in sehr geringer Menge, weshalb es beim Kochen auch nicht gerinnt.\nb. Die Gallerte des Blutserums. Wie das Eiweiss, so geht auch das Serum in eine weisse, undurchsichtige Masse \u00fcber, welche dieselben Eigent\u00fcmlichkeiten wie die Eiweissgallerte besitzt, n\u00e4mlich Durchsichtigkeit in d\u00fcnnen Schichten nebst Opalescenz. Was die Beobachtungen am Eiweiss gezeigt haben, gilt auch f\u00fcr das Serum; bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser werden \u00e4hnliche Ver\u00e4n-\n3) Miller remarks, that when soluble albumin,\tover sulphuric acid, is treated with water, a portion\ndried either at 122\u00b0 F. (50\u00b0 C.), or i n vacuo\tof it always remains undissolved\u201c (86 p. 746).","page":74},{"file":"p0075.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n75\nderungen beobachtet: mit 2 Volumina Wasser verd\u00fcnnt, wird es, wie Hewson gezeigt, in der W\u00e4rme nicht gef\u00e4llt. Unsern eignen Beobachtungen nach, verliert Hunde- und Ochsenserum die F\u00e4higkeit in der W\u00e4rme fest zu werden zuweilen schon bei Verd\u00fcnnung mit einem Volum Wasser; zur H\u00e4lfte mit Wasser verd\u00fcnnt, scheidet es beim Kochen einen Niederschlag aus, was zuerst von Fourcroy & Vauque-lin (1790, 55 p. 180) beobachtet wurde, und die Fl\u00fcssigkeit bildet beim Erkalten eine Gel\u00e9e 1), deren Enstehen sie durch die Gegenwart von Glutin im normalen Blute erkl\u00e4rten. In der Folge behauptete Fourcroy (52 p. 140), dass er es war, der im Jahre 1790 Glutin im Blute gefunden hatte, wodurch er glaubte die F\u00e4higkeit des Serums in der W\u00e4rme eine durchsichtige Gallerte zu bilden erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Trotzdem finden wir bei Senac (139 p. 289) Hinweise darauf, dass dieser Autor schon im Jahre 1774 von einer gallertartigen Substanz das Blutes gesprochen hatte *). Schon Fourcroy & Vauquelin\u2019s erste Angaben wurden durch Parmentier & Deyeux\u2019s Beobachtungen best\u00e4tigt (118 p. 438), welche nach dem Beispiel der ersten Beobachter das Serum auf dem Wasserbade w\u00e4rmten und einen Niederschlag erhielten, wonach schon die ganze Fl\u00fcssigkeit sich in Gallerte verwandelte. Hunter (82 p. 105) fand in einem Falle, dass das Serum fast ganz in der Hitze gerann, und fast gar nichts Fl\u00fcssiges ausschwitzte.\nDiese Beobachtungen wurden von einigen Autoren auch Anfang des XIX Jahrhunderts\u2014Bostock (10 p. 71; 11 p. 55; 9 p. 63), Brande (16 p. 98), Thomson (147 p. 184) u. a.\u2014best\u00e4tigt. Interessant ist die Art, wie Thomson (ib. p. 184) die Gallerte erhielt: nach 6-facher Verd\u00fcnnung des Serums mit Wasser enstand nach dem Kochen. Filtriren und Abdampfen bei m\u00e4ssiger W\u00e4rme eine- Gel\u00e9e, in welche sich die ganze Masse der Fl\u00fcssigkeit verwandelt hatte.\nDas Aussehen einer solchen Gallerte sowie die unvollkommene Gerinnbarkeit des Serums beim Kochen scheint nach Fourcroy\u2019s Vorgehen, die Autoren veranlasst zu haben, im Serum die Gegenwart von Glutin anzunehmen. Dadurch erkl\u00e4rt es sich, dass in den Analysen, die aus dem XVIII und dem Beginn des XIX Jahrhunderts stammen, neben den \u00fcbrigen Bestandteilen des Serums und des Eiweisses auch Glutin angezeigt ist (z. B. bei John, 85 p. 222 u. a.). Indessen hatte, wie unsere Nachforschungen gezeigt, Thouvenel (1777, 149 p. 27) nicht nur vor Fourcroy die F\u00e4higkeit des Serums unter den genannten Umst\u00e4nden Gallerte zu bilden bemerkt, sondern auch, mit vollem Recht, diese Erscheinungen mit den Eigenschaften der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten (ib. p. 23) verkn\u00fcpft, obgleich er bei gleicher Behandlung des H\u00fchnereiweisses keine Gel\u00e9e erhalten hatte (ib. p. 27). Thouvenel f\u00e4llte das Serum auf dem Wasserbade, dampfte das Filtrat auf diesem auch ab und erhielt eine Gallerte (ib. p. 23). Ohne Zweifel beruht diese Ansicht auf Neumann\u2019s Behauptungen und Versuchen (1753, 114 p. 523), welcher auf die scharfe Grenze zwischen den Reactionen des Glutins und der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, n\u00e4mlich die F\u00e4higkeit letzterer durch verschiedene \u201eliquoribus & spiritibus\u201c gef\u00e4llt zu werden, hinwies, was bei Glutinl\u00f6sungen nicht beobachtet wird. Obgleich Bostock (10 p. 71) sp\u00e4ter Fourcroy\u2019s Schl\u00fcssen im allgemeinen beistimmt, findet er dennoch, dass die \u201eGel\u00e9e\u201c des Serums in Wasser beim Kochen unl\u00f6slich ist, woraufhin er den Bildungsprocess der durchsichtigen Gallerte, der Gel\u00e9e, in den protemhaltigen\n*) \u201eLe s\u00e9rum expos\u00e9 \u00e0 la clialeur apr\u00e8s avoir \u00e9t\u00e9 m\u00eal\u00e9 de moiti\u00e9 de son poids d\u2019eau, se coagule en partie. La portion de liquide qui ne se coagule pas contient de la g\u00e9latine qui se prend en gel\u00e9e par le refroidissement\u201c (55 p. 182).\n\u2018) \u201eLa mati\u00e8re g\u00e9latineuse qui est dans le sang\n(139 p. 288)-----quand le sang, par exemple, s\u2019est\ndurci sur le feu, en perdant son humidit\u00e9, il se s\u00e9pare en trois substances .. .\\ la troisi\u00e8me, qui a la m\u00eame couleur (blanche), peut se dissoudre; c\u2019est la mati\u00e8re g\u00e9latineuse\u201c (ib. p. 289).","page":75},{"file":"p0076.txt","language":"de","ocr_de":"76\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nFl\u00fcssigkeiten \u201ecoagulation\u201c nennt, den Ausdruck \u201eg\u00e9latinisation\u201c aber f\u00fcr den Uebergang des Glutins in Gallerte (11p. 55) beibeli\u00e4lt. Dieselbe Eigent\u00fcmlichkeit des Serums erkennt auch Brande (16 p. 98) an und findet, dass die Gallertbildung mit den Eigenschaften der protemlialtigen Fl\u00fcssigkeiten verkn\u00fcpft sei. Nach ihm beobachtete auch Marcet (103 p. 44). dass Lymphserum, welches beim Kochen nicht fest geworden war, beim Abdampfen eine zwar undurchsichtige (opaque), doch mit allen Eigenschaften des gew\u00f6hnlichen fest gewordenen Eiweisses ausgestattete Gallerte bildet. Nachdem Scherer (1852, 131 p. 322) das Blut eines an Leuk\u00e4mie Leidenden in kochendem Wasser zum Gerinnen gebracht und den Niederschlag abfiltrirt hatte, erhielt er beim Abdampfen des klaren und reinen Filtrats zuerst H\u00e4ute, dann \u201ebei weiterer Concentration, gestand die Fl\u00fcssigkeit zu einer gallertigen Masse\u201c, die sich zum Teil in Wasser l\u00f6ste. Endlich haben unsere Zeitgenossen Mathieu & Urbain (106 p. 227) gefunden, dass, gleich dem H\u00fcnereiweiss, auch das Serum, nachdem die Gase aus demselben durch Auspumpen entfernt worden sind, in der W\u00e4rme sich nicht niederschl\u00e4gt, wenn es aber wieder mit Kohlens\u00e4ure versehen wird, die F\u00e4higkeit wiedergewinnt beim Kochen sich niederzuschlagen.\nIm J. 1884 gelang es endlich Pt. Koch (89 p. 471 der ganzen Masse des unverd\u00fcnnten Blutserums das Aussehen einer durchsichtigen Gallerte zu verleihen, indem er es l\u00e4ngere Zeit \u00fcber 65\u00b0, doch nicht \u00fcber 70\u00b0 erhitzte. Die erhaltene Gallerte ver\u00e4ndert sich lange nicht, sogar unter der Einwirkung der K\u00f6rpertemperatur \u2019). Jahre 1891 best\u00e4tigte (165 p. 141) Zotli diese Beobachtungen von Koch. Ferner findet Koch, dass Schafserum schneller als anderes eine gallertartige Masse bildet, w\u00e4hrend Kalbsserum in den gallertartigen Zustand sehr langsam \u00fcbergeht. Indem wir die Behandlung des Serums nach Mathieu & Urbain mit der Ivoch\u2019schen verbanden, konnten wir die Bildung einer durchsichtigen Gallerte nur beschleunigen.\nBei der Untersuchung des Serums von Ochsen. K\u00e4lbern und Hunden, seltener von Schweinen, nach diesem oder jenem Verfahren, beobachteten wir h\u00e4ufig Bildung von undurchsichtiger Gallerte, erhielten aber auch Serum, welches sich in der W\u00e4rme nicht niederschlug. Noch einfacher und schneller erh\u00e4lt man Gallerte aus Serum auf folgende Weise: das Serum wird mit 2\u20145 Volumina Aether ausgesch\u00fcttelt und letzterer nach dem Abstehen abgegossen. Dann wird die Fl\u00fcssigkeit filtrirt, behufs Entfernung des Aethers zuerst auf 50\u00b0\u201470\u00b0 erhitzt, wonach sie sowohl bei 70\u00b0 als bei 100\u00b0 sich in Gallerte verwandelt. Dichtere 2) Gallerte wird durch Abdampfen des mit Aether behandelten Serums auf */4\u2014'% des Vohims erhalten.\nNach allem Gesagten ist es wohl kaum noch n\u00f6tig zu wiederholen, dass sowohl die Gerinnungstemperatur als auch das Aussehen der Gallerte in voller Abh\u00e4ngigkeit von den anorganischen Bestandteilen des Eiweisses und des Serums sich befinden und in keinem Falle das \u201eAlbumin\u201c charakterisiren k\u00f6nnen, wenn die Bedingungen nicht genau angegeben sind, unter denen die Beobachtung stattfand.\n2) F\u00e4llung durch S\u00e4uren und Alkohol. Schon seit den ersten Schritten einer eingehenderen Erforschung des uns interessirenden K\u00f6rpers war bemerkt worden, dass ausser der W\u00e4rme auch viele andere Agentien, vor allem\n*) \u201eIch hatte hei Experimenten, welche darauf ausgingen, Blutserum nach dem von Tyndall zuerst f\u00fcr Heuinfus angegebenen A erfahren durch wiederholtes Erw\u00e4rmen zu sterilisi\u2014 ren, gefunden, dass das Serum, wenn es l\u00e4ngere Zeit \u00fcber 65\u00b0 C. erw\u00e4rmt wird, erstarrt, aber durchsichtig bleibt. Einen solchen N\u00e4hrboden kann\nman, ohne dass er irgend welche Ab\u00e4nderungen erleidet, l\u00e4ngere Zeit hindurch Temperaturen aussetzen, welche der K\u00f6rpertemperatur entsprechen\u201c (89 p. 47).\n2) Die Gallerte is sehr passend f\u00fcr Bacterien-kulturen, da man sie bei 100\u00b0 sterilisiren kann.","page":76},{"file":"p0077.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSeS.\n77\nS\u00e4uren und Alkohol, in den prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten Ver\u00e4nderungen her-vorrufen, welche mit dem Festwerden dieser Fl\u00fcssigkeiten unter der Einwirkung von W\u00e4rme vieles gemein haben. Sowohl die ersten Beschreibungen als auch sp\u00e4tere und neueste Untersuchungen berechtigen uns zu der Behauptung, dass die Einwirkung von S\u00e4uren und von Alkohol auf die prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten haupts\u00e4chlich F\u00e4llung hervorbringt, was bei Gmelin besonders charakteristisch durch das Wort \u201eScheidung\u201c ausgedr\u00fcckt ist (1789, 62 p. 725). Noch fr\u00fcher\u2014bei Neumann (1753, 114 p. 527)\u2014finden wir Hinweise auf den Unterschied zwischen dem Festwerden durch W\u00e4rme und durch S\u00e4uren, wobei letztere, wie Neumann (p. n. 62) sich ausdr\u00fcckt, die prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten \u201enicht nur verdicke n, sondern auch f\u00e4llen\u201c. Quesnay (124p. 349), Zetzell (160p. 239), Boer-liaav (7 p. 616\u20147), Wasserberg (157 p. 319), Fourcroy (45 p. 817\u20148), Parmentier & Dey eux (118 p. 456), Edlen v. Jacquin (40 p. 171), Hewson (76 p. 135), Thomson (147 p. 22)} Th\u00e9nard (146 p. 361) sprechen sich sehr bestimmt dar\u00fcber aus, dass Eiweiss und Serum durch S\u00e4uren und Alkohol gef\u00e4llt werden. Macquer (102 p. 450) spricht von der F\u00e4llbarkeit, ausser dem Serum verschiedener Tiere, auch anderer prote\u00fcnhaltiger Fl\u00fcssigkeiten durch S\u00e4uren. Boerhaav (7 p. 616, 617) stellt die Wirkung des Alkohols derjenigen der W\u00e4rme gleich, findet aber einen gewissen Unterschied in der Wirkung des Alkohols auf Eiweiss und Serum: das Serum schl\u00e4gt sich in kleinen Flocken nieder, das Eiweiss dagegen in Gestalt einer mehr oder weniger dfchten Masse. Diesen Unterschied erkl\u00e4rt er durch den gr\u00f6sseren Wassergehalt des Serums. Wasserberg findet, wie auch Boerhaav, dass die F\u00e4llung durch Alkohol durch Umr\u00fchren sowie durch Erw\u00e4rmen der Fl\u00fcssigkeit beschleunigt wird. Gewichtigere Thatsaclien finden wir bei Neumann. Schwache oder vegetabilische S\u00e4uren f\u00e4llen Eiweiss nicht *); doch auch Minerals\u00e4uren \u00fcben nicht ein und dieselbe Wirkungaus: \u201eam gewaltigsten\u201c wirkt Salpeters\u00e4ure, dann kommt Schwefels\u00e4ure und zuletzt Salzs\u00e4ure (114 p. 527). Auch Parmentier & Deyeux bemerkten in Bezug auf das Serum, dass verd\u00fcnnte S\u00e4uren diese Fl\u00fcssigkeit nicht f\u00e4llen und dass unter den concentrirten die Schwefels\u00e4ure das Blutserum besser als andere S\u00e4uren zur F\u00e4llung bringt (118 p. 456); doch sprechen Gmelin und besonders Edlen v. Jacquin (40 p. 171) sich sehr klar dar\u00fcber aus, dass Eiweiss und Serum durch vegetabilische S\u00e4uren (auch durch Essigs\u00e4ure) gef\u00e4llt werden. Besonders interessant sind Marcet\u2019s Beobachtungen (1816, 103 p. 45) \u00fcber die Essigs\u00e4ure; er fand dass dieselbe Eiweiss und Serum stark f\u00e4llt, wenn diese nicht mit Wasser verd\u00fcnnt sind2). Diese Beobachtungen lassen die Essigs\u00e4ure in Neumann\u2019s Reihe gleich nach der Salzs\u00e4ure setzen, da auch concentrirte Essigs\u00e4ure nicht nur in mit Wasser unverd\u00fcnntem Eiweiss sondern auch in unverd\u00fcnntem Serum sogar in einem S\u00e4ure\u00fcberschuss unl\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge bildet. Davon kann man sich leicht \u00fcberzeugen, trotz der allgemein verbreiteten Ansicht, dass die genannten prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch Essigs\u00e4ure nicht gef\u00e4llt werden. Zwar f\u00e4llt verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure die prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten nicht, doch unterscheidet sie sich in dieser Hinsicht von den Minerals\u00e4uren nur quantitativ, da letztere, wie Neumann fand, im verd\u00fcnnten Zustande das Eiweiss auch nicht f\u00e4llen. Dadurch erkl\u00e4ren sich auch Zetzell\u2019s Beobachtungen (160 p. 243) aus dem XVIII Jahrhundert, dass Blutserum weder\n*) Unter den Addis verursachen die schwache oder vegetabilische Acida dem Albumini ovi keine Andickung oder mehre Coagulation, sondern der Weinessig und Spiritus Mellis acidus haben sich,\nals w\u00e4re jedes bloss Wasser damit vermischet\u201c (114 p. 527).\n\u25a0) \u201e----car cet acide (ac\u00e9tique) coagule forte-\nment la partie albumineuse de l\u2019\u0153uf ou le s\u00e9rum qui n\u2019est pas \u00e9tendu d\u2019eau\u201c (103 p. 45).","page":77},{"file":"p0078.txt","language":"de","ocr_de":"78\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nbei erh\u00f6hter noch hei gew\u00f6hnlicher Temperatur durch destillirte Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt wird.\nEs scheint, als sollten wir in den S\u00e4uren, namentlich in den Minerals\u00e4uren und im Alkohol unfehlbare Reagentien auf \u201eAlbumin\u201c haben. Doch wurde schon Anfang des vorigen Jahrhunderts mit Bestimmtheit auf die Unbest\u00e4ndigkeit des Verhaltens der genannten Agentien den prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gegen\u00fcber hingewiesen. Klaproth (88 p. 50) sowohl als Cheyreul (20 p. 47) sagen bestimmt aus, dass stark mit Wasser verd\u00fcnntes Eiweiss die F\u00e4higkeit einb\u00fcsst, von S\u00e4ure und von Alkohol gef\u00e4llt zu werden (88 p. 50). Thomson findet, dass diese Ver\u00e4nderungen im Eiweiss bei der Verd\u00fcnnung mit 10 Volumina Wasser eintreten, wonach dasselbe schon weder durch S\u00e4uren noch durch Alkohol gef\u00e4llt wird. Fourcroy (52 p. 143) spricht sich allgemeiner dahin aus, dass Serum nach vorangegangener Vermischung mit irgend einem Alkalicarbonat durch S\u00e4uren nicht gef\u00e4llt wird *). Sp\u00e4ter sah Marcet die S\u00e4uren f\u00fcr ein unsicheres (infid\u00e8le) Reagens auf die prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten an. Er findet, dass verd\u00fcnnte Schwefels\u00e4ure und Salzs\u00e4ure diese Fl\u00fcssigkeiten nicht f\u00e4llen, dass verd\u00fcnnte Salpeters\u00e4ure zwar die Bildung eines Niederschlags bedingt, dieser aber beim Kochen l\u00f6slich 3 4) ist. S\u00e4uren von gew\u00f6hnlicher Concentration f\u00e4llen die prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, wobei aber der durch Schwefel- oder Salzs\u00e4ure hervorgerufene Niederschlag bei Hinzuf\u00fcgung einer hinl\u00e4nglichen Quantit\u00e4t Wasser schon bei gew\u00f6hnlicher Temperatur, noch besser in der W\u00e4rme, in der Mutterlauge l\u00f6slich ist, w\u00e4hrend der durch Salpeters\u00e4ure erhaltene Niederschlag in der K\u00e4lte in einem Ueberscliuss von Wasser unl\u00f6slich ist. Nicht weniger interessante Thatsachen in Bezug auf das Eiweiss der Sperlingsv\u00f6gel und der, Kletterv\u00f6gel finden wir bei Fr\u00e9my & Valanciennes. Das Eiweiss dieser V\u00f6gel wird nicht nur beim Kochen nicht fest, sondern auch durch Salpeters\u00e4ure nicht gef\u00e4llt (57 p. 138).\nUnsere eigenen Beobachtungen (112 p. 80) \u00fcber das Eiweiss des Bienenfalken und zahlreicher Arten Sperlingsv\u00f6gel haben uns gezeigt, dass in vielen F\u00e4llen Salpeters\u00e4ure dem Eiweiss, mit Ausnahme des Zeisigeiweisses, das Aussehen einer halb-fi\u00fcssigen, gallertartigen, durchsichtigen Masse giebt. Beim Kochen nahm in diesen F\u00e4llen die Fl\u00fcssigkeit eine noch'gelbere F\u00e4rbung, ohne weitere Ver\u00e4nderungen, an. Ein eben solches Verhalten wurde auch seitens der Schwefel-, Salz- und Essigs\u00e4ure beobachtet. Alkohol gab in allen F\u00e4llen weisse, undurchsichtige Niederschl\u00e4ge. Bei der Verd\u00fcnnung des Eiweisses der obengenannten V\u00f6gel mit geringen Mengen von Wasser (1 : 1 und mehr) wird bei der Einf\u00fchrung der erw\u00e4hnten S\u00e4uren Bildung gallerartiger Massen auch nicht mehr wahrgenommen; bei gr\u00f6sserer Verd\u00fcnnung des Serums mit Wasser verliert auch der Alkohol nach und nach die F\u00e4higkeit das verd\u00fcnnte Eiweiss niederzuschlagen. Bemerken wir unter anderem, dass, wenn zu dem unverd\u00fcnnten Eiweiss des Bienenfalken und der Sperlingsv\u00f6gel Kochsalz zugegeben wird, es m\u00f6glich wird, das Eiweiss durch Behandlung mit den genannten S\u00e4uren und auch mit Essigs\u00e4ure in Gestalt weisser Niederschl\u00e4ge, wie sie. unter denselben Umst\u00e4nden aus Hiihnereiweiss entstehen, zu erhalten (112 p. 80) Aehnliclie Beobachtungen machte auch Tarchanoff (144 p. 81).\nNach allem, was \u00fcber die Wirkung der S\u00e4uren, teils auch des Alkohols gesagt worden ist, ist es wohl kaum noch n\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass sowohl diese Agentien\n3) \u201eOn. emp\u00eache la coagulation du s\u00e9rum par les acides en le m\u00ealant, avant d\u2019y ajouter ceux-\nci, une certaine quantit\u00e9 de dissolution d\u2019un carbonate alcalin\u201c (52 p. 143).\n4) \u201eLes acides sulfuriques et muriatiques \u00e9tendus ne firent point na\u00eetre de flocons, tandis que l\u2019acide nitrique faible y d\u00e9termine un pr\u00e9cipit\u00e9 blanc qui dispara\u00eet par l\u2019\u00e9bullition\u201c (103 p. 45).","page":78},{"file":"p0079.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n79\nals auch die W\u00e4rme nicht als unfehlbare Reagentien auf die prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. um so mehr auf das Albumin, angesehen werden k\u00f6nnen.\nMan darf nicht vergessen, dass von den mitgeteilten historischen Thatsachen haupts\u00e4chlich nur die positiven\u2014die Eigenschaft durch S\u00e4uren und Alkohol gef\u00e4llt zu werden\u2014als Grundlage zur Charakteristik des \u201eAlbumins\u201c gedient haben. Zieht man aber auch die negativen und auch bloss die in dieser Richtung erworbenen historischen Thatsachen in Betracht, so darf man wohl sagen, dass diese Eigenschaft von S\u00e4uren, vielleicht auch von Alkohol, gef\u00e4llt zu werden keine unantastbare Eigent\u00fcmlichkeit der prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten ist, und die F\u00e4llung durch obengenannte Reagentien ganz von den \u00fcbrigen Bestandteilen dieser Fl\u00fcssigkeiten abh\u00e4ngt, wobei die Mengenverh\u00e4ltnisse des Albumins eine untergeordnete Rolle spielen k\u00f6nnen. Hier, wie auch in andern F\u00e4llen, wurden die Eigenschaften des H\u00fchnerei w e i s s e s und des Serums, und zwar auch in Bezug auf S\u00e4uren und Alkohol gewisser Concentration, auf das hypothetische \u201eAlbumin\u201c \u00fcbertragen.\nNachdem die Chemiker die Wirkung der W\u00e4rme und der S\u00e4uren gesondert als F\u00e4llungsmittel erkannt und von der Unbest\u00e4ndigkeit dieser Agentien bei der F\u00e4llung der prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten sich \u00fcberzeugt hatten, fingen sie bald an, behufs kr\u00e4ftigerer Wirkung auf diese, oder wenn diese Fl\u00fcssigkeiten von den genannten Reagentien einzeln ungen\u00fcgend gef\u00e4llt wurden, W\u00e4rme und S\u00e4uren gleichzeitig einwirken zu lassen. Indem (122 p. 535) Prout fluidum hydroc\u00e9phale untersuchte, erhielt er, augenscheinlich bei 71\u00b0\u201477\u00b0, zu wenig Niederschlag; dies bewog ihn, zugleich mit der W\u00e4rme auch Salpeters\u00e4ure anzuwenden, worauf F\u00e4llung erfolgte. Sp\u00e4ter fand Lehmann (97 p/177), dass Neutralisation und sogar Ans\u00e4uern bei nachfolgendem Kochen nicht immer F\u00e4llung bewirkt. Er schreibt \u00fcberhaupt allen auf F\u00e4llung beruhenden Reactionen nur eine relative Bedeutung zu (96 p. 321 u. 354). Obgleich seitdem 40 Jahre verflossen sind, wird dieselbe Reaction\u2014F\u00e4llung durch W\u00e4rme in Gegenwart von S\u00e4uren\u2014in Lehrb\u00fcchern der Physiologie, z. B. von Hammarsten (69 p. 15; 70 p. 25), bis jetzt als eine f\u00fcr das Albumin besonders charakteristische empfohlen.\nDas Verhalten der prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten andern Agentien gegen\u00fcber bietet auch noch jetzt nichts f\u00fcr die Charakteristik des Albumins Hervorragendes, weshalb wir die Betrachtung dieser Agentien auf die speciellen Kapitel \u00fcber diesen Gegenstand verschieben.\n3) W i r k u n g ~d e s Wassers auf die prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. Wasserberg (1780, 157 p. 314) scheint der erste gewesen zu sein, der seine Aufmerksamkeit dem interessanten Verhalten des Wassers den prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gegen\u00fcber zuwandte. Dieses Verhalten mochte nat\u00fcrlich schon vor ihm beobachtet worden sein, da, infolge der Z\u00e4higkeit des H\u00fchnereiweisses und der Gegenwart von H\u00e4utchen darin, es ziemlich schwer ist, dasselbe so, wie es aus dem Ei kommt, einer chemischen Bearbeitung zu unterwerfen. W\u00e4hrend des Verd\u00fcnnens des Eiweisses mit Wasser bemerkte Wasserberg, dass sich Niederschl\u00e4ge bildeten und nannte diesen Vorgang ebenfalls Gerinnung (ib.p. 315) *). Auch Schnaubert (134 p. 77) erw\u00e4hnt der F\u00e4llung des Eiweisses durch destillirtes Wasser. Was die Tr\u00fcbung oder Bildung von Niederschl\u00e4gen im Blutserum unter der Einwirkung von Wasser anbetrifft, so werden seit Mitte der 50-er Jahre des NIX Jahrhunderts die ersten hierher geh\u00f6rigen Beobachtungen Scherer, Zimmermann und Panum zugeschrieben. Es ist besonders Zimmer-\no \u201eAber warum gerinnt das Eyerweiss doch,\tAlkohol) mit etwas Wasser verd\u00fcnnt hat (157\nwenn man es auch vor der Vermischung (mit\tp. 315).","page":79},{"file":"p0080.txt","language":"de","ocr_de":"80\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nmann, der Panum diese Ehre streitig macht (164 p. 377) 1 2). Doch schon 80 Jahre vor Panum (117 p. 17) beobachtete Zetzell (1769, 160 p. 240), wie unsere Nachforschungen gezeigt haben, F\u00e4llung des Blutserums bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser a). Auch-Four-croy 3) waren \u00e4hnliche Beobachtungen Bucquet\u2019s (50 p. 311 ; 52 p. 142) bekannt. Den Angaben dieses Autors zufolge, bekommt mit 10\u201412 Volumina Wasser verd\u00fcnntes Serum ein milchiges Aussehen (52 p. 142) 4). Ausserdem beobachtete Fourcroy auch die vereinte Einwirkung der Verd\u00fcnnung mit Wasser und der Ans\u00e4uerung. Wenn er bei einfacher Verd\u00fcnnung mit WMsser Tr\u00fcbung gewahrte, so beobachtete er bei gleichzeitigem Verd\u00fcnnen und Ans\u00e4uern auch teilweise Gerinnung 5). Hierher geh\u00f6ren auch Cou\u00ebrb\u2019s fi) Versuche (24 p. 206) mit Eiweiss; derselbe beobachtete bei der Vermischung mit Wasser teilweise F\u00e4llung, was ihn veranlasste in dem Eiweiss die Gegenwart zweier K\u00f6rper: des \u201eAlbumiiims\u201c und des \u201eOonins\u201c anzunehmen, von denen ersteres dem Albumin enspricht, w\u00e4hrend letzteres von ihm f\u00e4lschlich f\u00fcr eine stickstofflose Substanz angesehen wurde (116 p. 128).\nGeronnenes Eiweiss und Serum oder \u201egeronnenes Albumin\u201c. Sobald die Eigenschaft der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten unter der Einwirkung von W\u00e4rme, S\u00e4uren, Alkohol u. s. w. sich zu ver\u00e4ndern bekannt geworden war, fing man an, auch dem Producte dieser Ver\u00e4nderung des Eiweisses und des Serums Aufmerksamkeit zu schenken. Was die Forscher besonders anzog, war die durch die W\u00e4rme bewirkte Ver\u00e4nderung, wenn in die protemkaltige Fl\u00fcssigkeit keine andern chemischen Agentien eingef\u00fchrt wurden, und dieselbe trotzdem entweder sich in ihrer ganzen Masse in Gallerte verwandelte oder Niederschl\u00e4ge ausschied. Ungeachtet dieses Unterschiedes schon in der Form der Producte gab man dem Pro cesse der Ver\u00e4nderung der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch S\u00e4uren, Alkohol u. s. w. den allgemeinen Namen \u201eGerinnung\u201c und nannte das Product dieser Ver\u00e4nderung ohne Unterschied \u201egeronnenes Albumin\u201c, welches Agens dieselbe auch hervorgerufen hatte, in was f\u00fcr einer protemhaltigen Fl\u00fcssigkeit das Product entstanden war und in welcher Form es sich darstellte. Als Begr\u00fcndung solch einer allgemeinen Vorstellung diente die sowohl mit dem Process der Gerinnung\u2014des Festwerdens \u2014 der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten eng verkn\u00fcpfte als auch in ihrer \u00e4usseren Erscheinung das eigentliche Wesen dieses Vorganges darstellende U n-l\u00f6slichkeit des Productes in der Mutterlauge. Eine derartige Bestimmung kann sich offenbar nur auf solche F\u00e4lle beziehen, wenn sich Niederschl\u00e4ge bilden; mit solchen hatten die Beobachter es auch haupts\u00e4chlich zu thun. In der That bezieht sich diese Bestimmung nicht auf das unter dein Einfluss von W\u00e4rme zu Gallerte gewordene Eiweiss und Serum, weil hier keine Mutterlauge vor-\n*) \u201eIn meiner Abhandlung \u00fcber das Blutserum (Arcb. f. Chemie & Microsp., Wien, 1846) hatte ich dievon mire ntdeckteThatsache, dass jedes klare und von Molek\u00fclen freie Serum, wenn es mit destill. Wasser verd\u00fcnnt wird, sich mehr oder weniger tr\u00fcbt.... etc.\u201c (1854 r. 164 p. 377).\t.\t.\n2)\t\u201eNachgehends nahm ich einen Theil von der mittlern aschgrauen Feuchtigkeit (Serum), und vermischte ihn mit acht Theilen Wasser, aus dieser Mischung entstand eine weisse Milch, welche, als noch acht Tlieile Wasser dazu gegossen wurden, blau ward, und das Ansehn einer gew\u00f6hnlichen, mit Wasser vermengten Milch bekam\u201c (160 p. 240).\n3)\t\u201eUne portion de ce fluide forme avec l\u2019eau\nune esp\u00e8ce de liqueur blanche, opaque & laiteuse,\nqui a, suivant Bucquet, tous les caract\u00e8res du lait; c\u2019est-\u00e0-dire, qui se rar\u00e9fie et monte comme ce fluide, par la chaleur, qui se coagule par les m\u00eames agens, par les acides, par l\u2019alcohol\u201c (50 P- 311).\n4)\t\u201eQuand on dissout du s\u00e9rum dans dix ou douze parties d\u2019eau, la liqueur qui en r\u00e9sulte imite le lait, suivant l\u2019observation de Bucquet\u201c (52 p. 142).\n5)\t\u201eLe s\u00e9rum du sang s\u2019unit facilement \u00e0 l\u2019eau dans toutes les proportions. L\u2019eau \u00e2cr\u00e9e le trouble l\u00e9g\u00e8rement et en concr\u00e8te une petite portion\u201c (52 p. 142).\n6> Cou\u00ebrb wird irrt\u00fcmlich Co\u00ebrn genannt (24\np. 206).","page":80},{"file":"p0081.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DBS BLUTS\u00c9R\u00dcMS \u00dcND DES EL WEISSES.\nBi\nlianden ist, indem diese protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten sich vollst\u00e4ndig in Gallerte verwandeln, wobei nach Fourcroy, wie wir gesehen (p. n. 35), das Serum bei diesem Ueber-gange bis 3 Vol. Wasser zu binden vermag. Andererseits ist nicht abzuleugnen, dass es namentlich das unverd\u00fcnnte Eiweiss und das unverd\u00fcnnte Serum in Gestalt von Gallerte waren, die zuerst \u201egeronnenes Eiweiss\u201c und \u201egeronnenes Serum\u201c benannt wurden, wie sie von den \u00e4lteren Autoren, z. B. von Edlen v. Jacquin u. a. (40 p. 189) *) \u201edas geronnene Blutwasser\u201c oder\u2014\u201eEiweiss\u201c\u2014auch genannt werden. In Uebereinstim-mung mit den historischen Thatsachen und dem Wesen der Dinge muss unter \u201egeronnenem Eiweiss\u201c und\u2014\u201eSerum\u201c der feste Zustand dieser K\u00f6rper im Gegensatz zu dem nat\u00fcrlichen, fl\u00fcssigen, durch W\u00e4rme unver\u00e4nderten Zustande derselben, n\u00e4mlich das fest oder zu Gallerte gewordene Eiweiss oder Serum verstanden werden. So nennt Piudolphi (127 p. 128 \u20149) das gew\u00f6hnliche fl\u00fcssige Eiweiss \u201eAlbuinen liquidum\u201c, das in der W\u00e4rme fest gewordene\u2014\u201ealbumen coagulatum, solidum\u201c. Auch noch jetzt, nach der Einf\u00fchrung des Begriffs Albumin, werden nicht nur die Niederschl\u00e4ge im H\u00fchnereiweiss h\u00e4ufig \u201egeronnenes Eiweiss\u201c genannt; sogar die unl\u00f6slichen Niederschl\u00e4ge des Serums und der verschiedenartigsten sog. proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten Messen und heissen noch: \u201egeronnenes Eiweiss\u201c!\nWenn man andererseits die Niederschl\u00e4ge der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten \u201egeronnenes Albumin\u201c nennen und darunter die in der Mutterlauge unl\u00f6slichen Producte verstehen wollte, so w\u00e4re es ziemlich schwer eine solche Deutung auf den Fall zu beziehen, wenn das Eiweiss oder dieses oder jenes Serum unter der Einwirkung von W\u00e4rme in eine gallertartige Masse \u00fcbergeht. Obgleich dieser gallertartige Zustand auch als Ausgangspunkt f\u00fcr den Begriff von dem geronnenen Eiweiss gedient hat, so muss derselbe doch, infolge der diesen Vorgang begleitenden Erscheinungen, ausser der Sph\u00e4re der uns in diesem Augenblick interessirenden Frage (s. d. Kap. \u00fcber das Verhalten der Alkalien) betrachtet werden; dies um so mehr, als hier an der Bildung der Gallerte alles Eiweiss und alles Serum teilnimmt, w\u00e4hrend dort nur ein Teil, wenn auch der wesentlichste Bestandteil der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, derjenige, der ihren Charakter bestimmt und zu allererst mehr oder weniger rein und frei von den \u00fcbrigen Bestandteilen, wenngleich in etwas ver\u00e4nderter Gestalt, dem Beobachter entgegentritt, der einzige, der zu jener Zeit auf die Benennung \u201eAlbumin\u201c Anspruch machen konnte. Den K\u00f6rper, welcher der Vorstellung \u201eAlbumin\u201c entspricht, lernen wir eigentlich in Gestalt des sog. \u201egeronnenen Albumins oder Eiweisses kennen und auch nur dann, wenn darunter Niederschl\u00e4ge u. s. w. gemeint sind, w\u00e4hrend wir ausser dem Begriff \u201egeronnener Eiweisstoff'\u201c es mit complicirten Fl\u00fcssigkeiten zu thun haben und eigentlich nur die Eigenschaften dieser kennen lernen, wenn letztere auch in einem gewissen Maasse durch die Natur des in diesen Fl\u00fcssigkeiten enthaltenen \u201eAlbumins\u201c bedingt werden. Ausserdem war die Aufmerksamkeit der Forscher des XVIII und des Anfangs des XIX Jahrhunderts nicht nur in den meisten F\u00e4llen, sondern fast auschliesslich auf die Producte, die wir mit dem Worte \u201eNiederschlag\u201c charakterisiren (p. n. 31,33), gerichtet.\nSomit haben wir bis zu Denis\u2019s Arbeiten, d. h. w\u00e4hrend der ersten Periode der Geschichte des sog. Albumins, unter dem Namen \u201egeronnenes Albumin\u201c die Nie de r-s c h 1 \u00e4 g e zu verstehen, welche in den protein haltigen Fl\u00fcssigkeiten durch irgend welche chemische Agentien oder auch mechanisch. z. B. durch Schlagen u. d e r g 1. erhalten werden. In\n\u2019) Dass Edl. v. Jacquin keinen Niederschlag Beschreibung des Vorgangs: \u201e_____________erh\u00e4rtet es zu\nsondern Gallerte vor sich hatte, erhellt aus der einer gelatin\u00f6sen Masse\u201c (40 p. 171).\n6","page":81},{"file":"p0082.txt","language":"de","ocr_de":"82\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nErw\u00e4gung dessen, dass das historische \u201egeronnene Albumin\u201c der zeitgem\u00e4ssen Vorstellung von dem geronnenen Eiweissstoff nicht mehr entspricht, andererseits in der Absicht den unbestimmten Ausdruck \u201egeronnen\u201c zu vermeiden, m\u00f6chten wir, ohne dabei die Rechte der Geschichte zu verletzen, vorschlagen, zeitweilig in allen F\u00e4llen, wo der Eiweissstoff sich in Flocken ausscheidet, das Wort \u201eF\u00e4llung\u201c und f\u00fcr das erhaltene Product den Ausdruck \u201egef\u00e4lltes Albumin\u201c oder \u201eNiederschlag der protein-haltigen Fl\u00fcssigkeiten\u201c zu gebrauchen. Diese Ausdr\u00fccke k\u00f6nnen sowohl der zeitgem\u00e4ssen Vorstellung von dem geronnenen Albumin als auch der fr\u00fcheren Forderung gen\u00fcgen, nach welcher das geronnene Albumin, um als solches gelten zu k\u00f6nnen, nach der Ausscheidung sich in der Mutterlauge nicht aufl\u00f6s en darf, wie es, dem Anschein nach, zuerst von Hewson (77 p. 106) charakterisirt wurde. Wenn die \u00e4lteren Autoren von der \u201eUnl\u00f6slichkeit\u201c des geronnenen Eiweisses auch redeten, so hatten sie vor allem stets die Unl\u00f6slichkeit in der Mutterlauge im Auge. Zwar finden Edlen v. Jacquin (40 p. 171), Fourcroy (50 p. 312) und John (85 p. 25), dass durch S\u00e4uren und W\u00e4rme, Klaproth (88 p. 49) und Thomson (147 p. 36), dass durch W\u00e4rme, S\u00e4uren und Alkohol gef\u00e4lltes Albumin auch in Wasser unl\u00f6slich sei; andererseits aber spricht Edlen v. Jacquin von der L\u00f6slichkeit des durch W\u00e4rme geronnenen Eiweisses und Serums in concentrirten Alkalien und S\u00e4uren (40 p. 171). Scheele fand seinerseits, dass die durch Einwirkung von S\u00e4uren erhaltenen Niederschl\u00e4ge in denselben, doch schon verd\u00fcnnten S\u00e4uren sich l\u00f6sen (147 p. 36), w\u00e4hrend auf die L\u00f6slichkeit der alkoholischen Niederschl\u00e4ge in Alkalien Parmentier A Deyeux hinweisen (118 p. 435). So findet auch Thomson, dass die durch S\u00e4uren in den prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten erhaltenen Niederschl\u00e4ge in concentrirten Alkalien l\u00f6slich sind (147 p. 37\u20148). Sp\u00e4ter giebt Berzelius eine sehr interessante Charakteristik des gef\u00e4llten Eiweisses (geronnenen Albumins) l). Er findet nicht den geringsten Unterschied zwischen dem geronnenenn Albumin und dem Fibrin (5 p. 69), welch letzteres, seinen Worten nach, durch Einwirkung von Schwefel-, Phosphor-, Essig-und Salzs\u00e4ure sowie von Alkalien, verd\u00fcnntem Aetzkali und Ammoniakl\u00f6sung aui-quillt und dann bei einer hinl\u00e4nglichen Quantit\u00e4t Wasser sich in denselben aufl\u00f6st (ib. p. 38\u201442). Bemerken wir zugleich, dass Berzelius daselbst auch J. Arnold\u2019s Beobachtung \u00fcber die L\u00f6slichkeit des Fibrins in Salmiak erw\u00e4hnt, obgleich es ihm selbst nicht gelungen war, Fibrin in demselben aufzul\u00f6sen (ib. p. 44). Ferner nimmt Berzelius zum Vergleich nicht blos festes Albumin und Fibrin, sondern auch eine Fibrinl\u00f6sung in verd\u00fcnntem Aetzkali, nachdem dieselbe mit Essigs\u00e4ure neutralisirt und flltrirt worden war, und findet, dass diese L\u00f6sung in Betreff der wichtigsten Reactionen, mit Ausnahme der F\u00e4llung durch Kochen 2), mit den nat\u00fcrlich vorkommenden prote\u00efnhaltigen L\u00f6sungen identisch ist.\nAuf Grund alles Dargelegten sollte man glauben, dass, wenn das gef\u00e4llte Albumin sogar in verd\u00fcnnten Alkalien nicht mehr f\u00fcr unl\u00f6slich gelten kann, dasselbe wenigstens durch seine Unl\u00f6slichkeit in Wasser charakterisirt werden k\u00f6nnte. Es erweist sich aber, dass dies nicht einmal in F\u00e4llen von Bildung des sog. \u201egeronnenen\u201c Albumins gesagt werden kann. Schon Bucquet (50 p. 313) beobachtete, dass mit Alkohol behandeltes Serum eiuen Niederschlag bildete, der in Wasser l\u00f6slich w a r. Diese Beobachtung schien mit den Schl\u00fcssen aller andern Autoren im Wi-\n*) \u201eIn geronnenem Zustand hat das Eiweiss so vollkommen alle chemischen Eigenschaften des Faserstoffs, dass ich nicht eine einzige der heim Faserstoff angef\u00fchrten w\u00fcsste, die nicht eben so vollkommen f\u00fcr das Eiweiss gelte\u201c-----(5 p. 69).\n2) \u201eDiese Aufl\u00f6sung zeigt in ihrem Verhalten eine grosse Aehnlichkeit mit Eiweiss, gerinnt jedoch nicht heim Kochen, was aber mit Alkohol und S\u00e4uren gerade wie mit Eiweiss der Fall ist\u201c\n(5 p. 42).","page":82},{"file":"p0083.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n88\nderspruch zu stehen. Fourcroy, der Bucquets Beobachtungen darlegte, nennt diesen Niederschlag \u201eCoagulum\u201c und den Process\u2014\u201eCoagulation\u201c (\u00efb. p. 313). Parmentier & Deyeux dagegen fanden, dass der durch Alkohol bedingte Niederschlag nur in Alkalien l\u00f6slich sei (118 p. 435). Um Albumin m\u00f6glichst frei von allen andern Bestandteilen des Serums zu erhalten, raten Dumas & Pr\u00e9vost (37 p. 312), dasselbe mit Alkohol zu f\u00e4llen, wobei ein in Wasser unl\u00f6slicher Niederschlag, der die Eigenschaften des Fibrins aufweist, erhalten wird. Dasselbe Verfahren\u2014F\u00e4llung durch Alkohol bei 28\u00b0 und Auswaschen des Niederschlags mit eben solchem Alkohol \u2014 empfiehlt auch Lassaigne (91 p. 98); trotz sorgf\u00e4ltigem Auswaschen gelang es jedoch nicht, die Niederschl\u00e4ge von den \u201eSalzen\u201c zu befreien, so dass in die durch W\u00e4rme nicht gerinnende L\u00f6sung \u2018) nur ein geringe Menge dieser Salze \u00fcberging a). Nach Angaben von Berzelius k\u00f6nnen in den durch Alkohol erzeugten Niederschl\u00e4gen ausser Salzen auch noch Alkalien enthalten sein (5 p. 63).\nEs is nicht zu bestreiten, dass schon Th\u00e9nard (1824,146 p. 358), auf solche Beobachtungen sich st\u00fctzend, zur Gewinnung von \u201egeronnenem Albumin\u201c, welches alle Eigenschaften des \u201egew\u00f6hnlichen Fibrins\u201c bes\u00e4sse, Behandlung mit 10\u201412 Gewichtsteilen Alkohol empfahl.\nZustand des Albumins in den nat\u00fcrlich vorkommenden protein haltigen Fl\u00fcssigkeiten. Dem Beobachter der Zeitperiode, die uns jetzt besch\u00e4ftigt, boten das Eiweiss und das Serum sich in zweifacher Gestalt dar: entweder in ihrem nat\u00fcrlichen fl\u00fcssigen Zustande\u2014albumen s. serum liquidum, oder in dem festen oder gef\u00e4llten\u2014coagulatum s. solidum. Fourcroy, der die Benennung \u201eAlbumin\u201c vorgeschlagen hatte, beschr\u00e4nkte sich im allgemeinen darauf, das alte Wort \u201ealbumen\u201c durch das neue \u201ealbumine\u201c zu ersetzen; daher wird es niemand wundern, dass dieser Forscher den fl\u00fcssigen Zustand des Albumins dahin erkl\u00e4rt, dass dieser Stoff mit einer gewissen Quantit\u00e4t Wasser verbunden sei 2). Man braucht das Wort Albumin in diesem Satze nur durch Albuinen zu ersetzen, damit es, so zu sagen, historisch besser am Platze sei. Fourcroy beschr\u00e4nkt sich jedoch nicht auf solche Gemeinpl\u00e4tze, sondern bedient sich zugleich auch solcher Ausdr\u00fccke wie \u201efl\u00fcssiges Albumin\u201c\u2014albumine liquide\u2014zum Unterschiede vom \u201egeronnenen\u201c\u2014albumine solide (49p. 14), was der Form nach eine Paraphrase der Ausdr\u00fccke \u201ealbumen coagulatum\u201c und \u201ealbumen liquidum\u201c ist, welche, sagen wir es, von den nachfolgenden Autoren ganz richtig gebraucht werden, wie z. B. von Rudolphi (127 p. 128). Unter dem Namen \u201efl\u00fcssiger Eiweissstoff\u201c beschreiben sowohl Fourcroy als auch John (85 p. 251) nichts anderes als H\u00fchner eiweiss!\nDas alles war die Folge davon, dass man dem hypothetischen Albumin die Eigenschaften der Fl\u00fcssigkeiten, in denen es enthalten ist, beilegte (p. n. 28 u. a.).\nVorsichtiger oder, richtiger gesagt, besser im Einkl\u00e4nge mit den Kenntnissen, die man am Anf\u00e4nge des vorigen Jahrhunderts besass, spricht sich Thomson aus. Er sagt, dass das Albumin in zwei verschiedenen Zust\u00e4nden bestehen k\u00f6nne, dem einen vor, dem andern nach der Gerinnung 3). So wurde man durch die Umst\u00e4nde\n*) \u201e .... nous avons d\u2019abord cherch\u00e9 \u00e0 purifier l\u2019albumine de cette quantit\u00e9 de sel qu\u2019elle renferme; et si nous ne sommes pas parvenus \u00e0 l\u2019en s\u00e9parer enti\u00e8rement, du moins n\u2019en restait-il que des traces. Le moyen que nous avons employ\u00e9 pour y parvenir a \u00e9t\u00e9 la coagulation du blanc d\u2019oeuf par l\u2019alcohol \u00e0 28\u00b0, et son lavage \u00e0 plusieurs reprises jusqu\u2019\u00e0 ce que la dissolution d\u2019argent n\u2019y d\u00e9montr\u00e2t plus la pr\u00e9sence du chlore. L\u2019albumine ainsi trait\u00e9e a \u00e9t\u00e9 mise avec de l\u2019eau distill\u00e9e; une petite quantit\u00e9 s\u2019y est seulement\ndissoute, car la solution pr\u00e9cipitait par l\u2019acide nitrique, l\u2019infusion de noix de galle, et \u00e9tait troubl\u00e9e par la chaleur\u201c (93 p. 98).\n2)\t\u201eLa liquidit\u00e9 donn\u00e9e comme un caract\u00e8re de l\u2019albumine tient \u00e0 ce qu\u2019elle est toujours combin\u00e9e avec une certaine quantit\u00e9 d\u2019eau\u201c (49 p. 13).\n3)\t\u201eL\u2019albumine peut donc exister dans deux \u00e9tats diff\u00e9rents; celui qu\u2019elle a avant sa coagulation, et celui dans lequel elle se trouve apr\u00e8s avoir \u00e9t\u00e9 coagul\u00e9e\u201c (147 p. 26).\n6*","page":83},{"file":"p0084.txt","language":"de","ocr_de":"D\u00c2S GtOfcULIN D\u00c9S BLUTSERUMS UND D\u00c9S EIWETRS\u00e9S,\n84\ngezwungen dem gef\u00e4llten, weder in der Mutterlauge noch in Wasser l\u00f6slichen, Albumin das in L\u00f6sung befindliche entgegenzustellen; denn in was f\u00fcr einem andern Zustande, schien es, konnte das Albumin in den nat\u00fcrlich vorkommenden Fl\u00fcssigkeiten enthalten sein als in dem gel\u00f6sten?..\nAuch vom practischen Standpunkte aus schien die Frage auf befriedigende Weise beantwortet zu sein.\nSo zeigten Zetzell (160 p. 242), Fourcroy (54 p. 817), John (85 p. 251), Che-vreul (20 p. 39), H\u00fcnefeld (81 p. 238) in Bezug auf das H\u00fchnereiweiss, Hewson (77 p. 107) hinsichtlich des Serums und Thouvenel (149 p. 27) in Bezug auf beide, dass diese Fl\u00fcssigkeiten beim Abdampfen unter ihrer Gerinnungstemperatur, z. B. hei 37,5\u00b0 nach Hewson, bei 25\u00b0 nach John, bei 56\u00b0\u201462\u00b0 nach H\u00fcnefeld, nach Berzelius hei 60\u00b0 oder besser hei 50\u00b0 (6 p. 32) und endlich nach Thouvenel nach vorangegangenem Ausfrieren des Wassers und sp\u00e4terem Abdampfen bei niedriger Temperatur, einen Trockenrest geben, welcher in der verdampften Quantit\u00e4t Wasser l\u00f6sbar ist *). Wie Chevreul (20 p. 41) und nach ihm Berzelius (5 p. 66) gezeigt haben, kann das hei niedriger Temperatur getrocknete Eiweiss sowie das Serum eine Zeitlang sogar bis auf 100\u00b0\u2014110\u00b0 erhitzt werden, ohne dass der Trockenrest der genannten Fl\u00fcssigkeiten die F\u00e4higkeit verliere, sich in Wasser aufzul\u00f6sen.\nNach Thomson, verliert H\u00fchnereiweiss heim Troknen 0,8 am Gewicht, nach Chevreul (20 p. 39; 21 p. 380) \u2014 86,15 Teile auf 100. Nach 2-j\u00e4hrigem Trocknen eines H\u00fchnereies an der Luft fand Prout (123 p. 239), dass es alle 24 Stunden 3/4 Gran verlor, w\u00e4hrend der ganzen Zeit also 544,5 Gran von den anf\u00e4nglichen 907,5 Gran verloren hatte, wobei F\u00e4ulnisserscheinungen fehlten, dieses Ei jedoch nach Zutritt von Wasser das fr\u00fchere Aussehen eines frischen Eies wiedergewann.\nSchon die angef\u00fchrten Thatsachen zeigen, dass Eiweiss und Serum, die durch Abdampfen, von der Zimmertemperatur an bis zur Temperatur des Festwerdens dieser Fl\u00fcssigkeiten, entw\u00e4ssert worden sind, einen Trockenrest hinterlassen, der in dem abgedampften Quantum Wasser l\u00f6slich ist und die F\u00e4higkeit behalten hat, von S\u00e4uren, Alkohol u. s. w. beim Ko.chen gef\u00e4llt zu werden.\nEs waren zum Teil die soeben beschriebenen Beobachtungen, welche zu der Annahme Veranlassung gaben, dass der Eiweissstoff\u2014das Albumin\u2014in Wasser l\u00f6slich sei, wie z. B. hei Berzelius (5 p. 538). Ausserdem begegnet man aber auch noch andern, ganz merkw\u00fcrdigen Gr\u00fcnden zu dieser Annahme, z. B. hei Klaproth (88 p. 49). Von dem Satze ausgehend, dass wir von dem Albumin nichts wissen und uns \u00fcber dessen Eigenschaften auf Grund der Eigenschaften der Fl\u00fcssigkeiten, in denen es enthalten ist, ein Urteil bilden m\u00fcssen, sagt Klaproth unmittelbar darauf, das \u201eAlbumin\u201c sei in Wasser l\u00f6slich (!), da das aus dem Ei herausgelassene H\u00fchnereiweiss (!) sich mit 2\u20143 Volum Wasser vermische, ohne sich zu ver\u00e4ndern i) 2). So sind auch Simon\u2019s Worte (142 p. 51\u20142) zu deuten, welche dieselbe Ansicht \u00fcber die L\u00f6slichkeit des Albumins in Wasser ausdr\u00fccken,\nIn einem jeden einzelnen Falle ist es zwar leicht auf den Ursprung des gegebenen Irrtums hinzuweisen und, wie in den angef\u00fchrten F\u00e4llen, durch Ersatz des unrichtigen Ausdrucks durch den richtigen, dem Satze einen den Thatsachen entsprechenden Sinn zu verleihen. Dennoch haben sich bei dem allgemeinen Hange, na-\ni) Wenn mehr Wasser hinzugef\u00fcgt wird, so 2) \u201eDer Eiweissstoff l\u00f6st sich in kaltem Wasser entsteht, wie Hewson bemerkt, eine L\u00f6sung, die auf, wie wohl er seiner Klebrigkeit (?!) wegen in der W\u00e4rme nicht mehr gerinnt (s. p. n. 41). sich nicht mit demselben vermischt\u201c (88 p. 50).\nOffenbar ist hier vom Eiweiss die Bede.","page":84},{"file":"p0085.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n85\nmentlich in der Chemie der Prote'ink\u00f6rper, zur Annahme von S\u00e4tzen und Schl\u00fcssen solcher Autoren, die mit der Frage scheinbar am besten bekannt sein mussten, Vorstellungen eingeb\u00fcrgert, die eigentlich aller factischen Begr\u00fcndung entbehren. Zieht man dies nicht in Betracht, so ist es in F\u00e4llen, wo irgend ein Autor einen solchen Satz wie z. B.: \u201eAlbumin ist in Wasser l\u00f6slich\u201c ausspricht, selbstverst\u00e4ndlich schwer bis zu dem Urspr\u00fcnge desselben hinaufzugehen.\nSoweit mir bekannt ist, war Boerhaav der einzige Gelehrte, welcher das ganze Eiweiss als selbst\u00e4ndigen K\u00f6rper ansah und das Vorhandensein mineralischer Bestandteile in demselben ableugnete. Schon in Jahre 1753 erkl\u00e4rte Neumann sehr entschieden, dass das Eiweiss auch mineralische Substanzen enth\u00e4lt 1). Dasselbe fanden Rouelle (118 p. 471) und Hewson (77 p. 105) auch in Bezug auf das Serum. Bucquet (48 p. 313) bestimmt die mineralischen Bestandteile des Blutserums genauer als Chlornatrium, Natriumcarbonat und Calciumphosphate, und Margeron gab im Jahre 1793 die Zahlenverh\u00e4ltnisse des Serums sowie der Fl\u00fcssigkeit einer auf der Haut durch Cantharidenpflaster hervorgerufenen Blase 2) (105 p. 30). Seitdem besitzen wir eine hinl\u00e4ngliche Anzahl von Analysen sowohl des Eiweisses als des Serums verschiedener Tiere und des Menschen, um sagen zu k\u00f6nnen, dass der beim Abdampfen des Serums und des Eiweisses erhaltene Trockenrest aus Proteinsubstanzen und Salzen besteht, wobei im Serum bis 8\u00b0/0, im Eiweiss bis 12\u00b0/0 Prote'insubstanzen, im Serum des Menschen bis 0,8\u00b0/0, des Pferdes 0,7\u201409%} im Eiweiss bis 0,7% Asche gefunden worden sind.\nFerner war schon am Ende des XVIII Jahrhunderts bekannt, dass das Serum und Eiweiss nicht nur mineralische Bestandteile enthalten, sondern dass diese, wie Rouelle fand (126 p. 68; 118 p. 471), sowohl der Asche als auch den Fl\u00fcssigkeiten selbst eine alkalische Reaction verleihen.\nDieser Forscher erkl\u00e4rte auf Grund seiner Beobachtungen, dass die alkalische Reaction des Serums von der Gegenwart eines freien und best\u00e4ndigen Alkali, n\u00e4mlich des Natron (126 p. 74\u20145), herr\u00fchre. Obgleich Ha\u00ebn (67 p. 162) nicht annahm, dass Serum und Eiweiss freies Alkali enthalten, sagte er dennoch aus, dass diese Fl\u00fcssigkeiten alkalisch reagiren, den violetten Veilchensyrup gr\u00fcn f\u00e4rben. In Rouel-le\u2019s Sinne sprachen sich auch Fourcroy (54 p. 817), Edlen v. Jacquin (40 p. 171), Thomson (147 p. 25, 183) aus. Klaproth (88 p. 2) zeigte, dass auch dass Htihnerei-weiss alkalisch reagirt\u2014die violette L\u00f6sung gr\u00fcn f\u00e4rbt. Parmentier & Deyeux dagegen dr\u00fccken Rouelle\u2019s Behauptungen gegen\u00fcber grosse Verwunderung aus und leugnen, Ha\u00ebn\u2019s Ansicht beistimmend, die M\u00f6glichkeit des Vorhandenseins von freiem Alkali in den proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten entschieden ab (118 p. 435),.\nNicht weniger interessanten Thatsachen, die auf den Zustand der Alkalien in diesen Fl\u00fcssigkeiten einiges Licht werfen, begegnen wir bei Bostok (9 p. 60), der durch Titriren mittels Essigs\u00e4ure zeigte, dass Hiihnereiweiss auf 100 Teile V12 Alkali, namentlich Natron, enth\u00e4lt. Sp\u00e4ter findet Stromeyer (74 p. 463), dass zur Neutralisation des Serums f\u00fcr V2 Unze Blut 10 Tropfen destillirten Essigs gen\u00fcgen. Ob dieses Natron in Gestalt eines Carbonats enthalten sei, wagt Bostok nicht zu entscheiden, da bei der Hinzuf\u00fcgung von S\u00e4uren keine Kohlens\u00e4ureblasen aus dem\n') ,Gnug das ich anders weiss und auclrniemals glauben werde, als sollten keine partes salinae & oleosae darinnen vorhanden seyn, ob man sie schon nicht schmeckt....\u201c (114 p. 523).\n2) Auf 100 Th.:\nAlbumin\t\tSerum. 20\tBlasenfl\u00fcssigkeit. 18\nChlornatrium....\t2\t2\nNatriumcarbonat. .\t1,5\t1\nCalciumphosphat. .\t1\t1\nWasser\t\t75,5\t78,5 (105 p. 30)","page":85},{"file":"p0086.txt","language":"de","ocr_de":"86\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UKD DES EIWEISSES.\nEiweiss entweichen. Doch behauptet er an derselben Stelle, dass, wenn zu dem Eiweiss mehr kohlensaures Natron zugegeben wird, als darin enthalten sein kann, bei darauffolgender Einf\u00fchrung von S\u00e4uren auch keine Gasbl\u00e4schen entweichen 1). Das hier Dargelegte zeugt eher, in Gestalt eines Beweises \u201ead absurdum\u201c daf\u00fcr, dass das Alkali im Eiweiss als kohlensaure Verbindung vorhanden ist. Gegen die Gegenwart von freiem Alkali in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten redet auch Prout\u2019s Beobachtung (122 p. 5B5), nach welcher in einem Falle von hydrocephalus die Fl\u00fcssigkeit rotes Lakmuspapier blau und durch Alkali vorher braun gewordenes Curcumapapier wieder gelb f\u00e4rbte. Auf Grund seiner elektrolytischen Untersuchungen der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten spricht Brande (1816, 17 p. 302) sich dahin aus, dass das Eiweiss aus Albumin, Alkali und Wasser besteht. Schliesslich waren Marcet, Berzelius, J. Davy, H\u00fcnefeld u. a. der Ansicht, dass im Serum nicht freies sondern an Kohlens\u00e4ure gebundenes Natron enthalten sei. Es ist interessant, dass H\u00fcnefeld ein \u00e4hnliches Verhalten des Serums der Curcuma gegen\u00fcber beobachtete, wie Prout es fr\u00fcher seitens der Hydrocephalusfl\u00fcssigkeit gesehen hatte. H\u00fcnefeld sah, dass Serum, welches eine Zeitlang gestanden hatte, auf Curcuma Dicht mehr reagirte, nach dem Kochen aber diese Eigenschaft wiedergewann, und erkl\u00e4rt diese Reaction dahin, dass sich ein Bicarbonat bildet. Endlich zeigte Hermann (75 p. 312) im Jahre 1834 an Lakmuspapier, dass Serum nicht nur kein freies Alkali sondern einen Ueberschuss an Kohlens\u00e4ure enth\u00e4lt [111 p. 141).\nDas n\u00e4here Studium der mineralischen Bestandteile der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in Verbindung mit der alkalischen Reaction letzterer, andererseits die Eigenschaft dieser Fl\u00fcssigkeiten durch S\u00e4uren gef\u00e4llt zu werden, endlich die L\u00f6sbarkeit der in diesem Falle erhaltenen Niederschl\u00e4ge in Alkalien, das alles diente als Grundlage der damals allgemein verbreiteten Ansicht, dass das \u201eA 1 b u m i n\u201c es nur den Alkalien v e r d a n k e, in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten im gel\u00f6sten Zustande vorhanden zu sein. Sich auf ihre eignen und Rouelle\u2019s Beobachtungen st\u00fctzend, sagen Parmentier & Deyeux (118 p. 471) geradezu aus, dass die L\u00f6slichkeit des Eiweissstoffes durch das Alkali bedingt wird, da es mit demselben verbunden ist, wobei das jedenfalls schwache Band .durch die Einwirkung von W\u00e4rme, S\u00e4uren u. dergl. gel\u00f6st wird, und das Albumin nach der F\u00e4llung die F\u00e4higkeit sich wieder aufzul\u00f6sen einbtisst (ib. p. 471). Im allgemeinen erinnert, nach der Lehre genannter Autoren, die Verbindung des Albumins mit dem Alkali in Bezug auf die F\u00e4rbung der vegetabilischen Pigmente an die Seifen (ib. p. 436). In diesem Sinne muss auch Fourcroy verstanden werden, wenn er erkl\u00e4rt, dass die S\u00e4uren eine den Alkalien entgegengesetzte Wirkung auf das Albumin aus\u00fcben: indem sie das Albumin f\u00e4llen, f\u00fchren sie das Alkali in ein neutrales Salz \u00fcber. Auch Dumas & Pr\u00e9vost finden auf Grund ihrer Untersuchungen \u00fcber das Verhalten des Eiweisses und des Serums der W\u00e4rme (36 p. 53), dem Alkohol (ib. p. 54) und den S\u00e4uren (ib. p. 55) gegen\u00fcber, dass der Eiweissstoff im Serum und im Eiweiss seine L\u00f6slichkeit dem Natron verdankt, und dass die F\u00e4llung des Eiweissstoffs durch Alkohol und S\u00e4uren von Abtrennung des Alkali begleitet ist (ib. p. 54). Dem Gedankengange dieser Autoren folgend, nennt Lassaigne (93 p. 97) die hypothetische Verbindung des Eiweissstoffes mit dem Alkali \u201eNatriumalb uminat\u201c.\n*) \u201e.... on peut, avec raison, croire que le blanc d\u2019oeuf contient de la soude, on a encore cru que la soude y \u00e9tait contenue \u00e0 l\u2019\u00e9tat caustique, mais je n\u2019ai pu trouver aucun proc\u00e9d\u00e9 certain pour d\u00e9cider cette question, car ayant ajout\u00e9 du carbonate de soude \u00e0 une dissolution de blanc d\u2019oeuf, en\nquantit\u00e9 beaucoup plus consid\u00e9rable que celle qu\u2019il contient naturellement, et ayant satur\u00e9 par l\u2019acide sulfurique, il n\u2019y eut point d\u2019efferverscence; je crois donc ne pouvoir point d\u00e9cider cette question\u201c (9 p. 60).","page":86},{"file":"p0087.txt","language":"de","ocr_de":"BAS GLOBULIN BES BLUTSERUMS UNB BES EIWEISSES.\n87\nAusser diesen mehr oder weniger theoretischen Betrachtungen, denen es jedoch an einer gewissen factischen Begr\u00fcndung nicht fehlte, suchten Parmentier & Dey eux auch nach directen Beweisen der L\u00f6slichkeit des Eiweisses auf Kosten der in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten befindlichen Alkalien. Zwar hatten schon Edlen v. Jac-quin (40 p. 171) und Scheele (147 p, 3G\u20148) im allgemeinen auf die L\u00f6slichkeit der in der W\u00e4rme oder durch S\u00e4uren in protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten entstandenen Niederschl\u00e4ge in Alkalien hingewiesen, doch fanden Parmentier & Deyeux (118 p. 435), dass auch der durch Alkohol erhaltene und weder in Wasser noch in der Mutterlauge l\u00f6sbare Niederschlag sich in Alkalien aufl\u00f6st. An Best\u00e4tigungen dieser Beobachtungen fehlte es am Ende des XVIII Jahrhunderts nicht. So fand Fourcroy (50 p. 312), dass ein durch S\u00e4uren gef\u00e4llter und in Wasser unl\u00f6slicher Niederschlag sich in Ammoniakl\u00f6sung gut aufl\u00f6st, was ihn veranlasste zu erkl\u00e4ren, Ammoniakl\u00f6sung sei das \u201eechte L\u00f6sungsmittel\u201c f\u00fcr den Eiweissstoff. Aus der Ammoniakl\u00f6sung wird das Albumin *) durch S\u00e4uren wieder ausgeschieden.\nTrotzdem sprach sich Berzelius \u00fcber die gegenseitigen Beziehungen des Albumins, des Alkali und der Kohlens\u00e4ure, welch letztere nach Davy\u2019s Ansicht im Serum sich nicht blos im gel\u00f6sten Zustande befindet, sehr unbestimmt aus. Zwar w\u00fcnschte er hier eine Verbindung des Albumins mit dem Alkali zu sehen und, nach Dumas & Pr\u00e9vost und Lassaigne\u2019s Beispiel, diese Verbindung Natronalbuminat (5 p. 62) zu nennen; einerseits aber verhinderte ihn die Gegenwart der Kohlens\u00e4ure, andererseits, und haupts\u00e4chlich, die Thatsache, dass blosses Neutralismen der Fl\u00fcssigkeit mit S\u00e4ure noch nicht gen\u00fcgt, um die Protemsubstanz derselben zu f\u00e4llen, sich diesem Gedanken hinzugeben. Infolgedessen dr\u00fcckt sich Berzelius- \u00fcber diesen Gegenstand sehr vorsichtig und auch wenig bestimmt aus, indem er sagt, dass das Albumin3) im Serum nicht vom Natron allein im gel\u00f6sten Zustande gehalten werde (ib. p. 64). Auf diese Weise betrachtet Berzelius auch das H\u00fch-nereiweiss (ib. p. 538). Eine Best\u00e4tigung dessen, dass die prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch blosses Neutralismen nicht gef\u00e4llt werden, finden wir bei Heule, der auch bemerkt hatte, dass sogar Neutralisation mit Salpeters\u00e4ure keinen Niederschlag in mit Wasser verd\u00fcnntem H\u00fchnereiweiss hervorbringt (74 p. 463).\nAus dem Dargelegten ersieht man, dass jedesmal, wenn die Frage nach der L\u00f6slichkeit des \u201eAlbumins\u201c aufgeworfen wurde, die Autoren fast einstimmig erkl\u00e4rten, dass es in Wasser unl\u00f6slich sei. Infolgedessen m\u00fcssen solche Ausdr\u00fccke, ganze S\u00e4tze u, s. w., in welchen neben dem Worte \u201eAlbumin\u201c das Wort L\u00f6slichkeit vorkommt, auf das trockne Serum oder E i w e i s s, oder auf den Trockenrest des Serums oder Eiweisses bezogen werden, welche in Wasser wirklich l\u00f6slich sind, da sie sowohl die mineralischen Bestandteile als auch die Prote'insubstanzen der Serum- oder Eiweissfl\u00fcssigkeit in sich schliessen. Hierher sind auch die frischen, durch Alkohol bewirkten Niederschl\u00e4ge in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten zu rechnen. Doch schrieben die \u00e4lteren Autoren die L\u00f6slichkeit\n*) \u201eLe coagulum form\u00e9 dans cette liqueur par l\u2019addition d\u2019un acide, se dissout tr\u00e8s promptement dans l\u2019ammoniaque, qui est le v\u00e9ritable dissolvant de la partie albumineuse; mais il ne se dissout pas du tout dans l'eau pure; les acides pr\u00e9cipitent cette mati\u00e8re unie \u00e0 l\u2019ammoniaque\u201c (50 p. 312).\n-\u2019) \u201eDas Blutwasser enth\u00e4lt ausserdem Alkali, tlieils Kali, theils Natron, grossentlieils mit dem Eiweiss verbunden,... (5 p. 62) vergl. mit: \u201eDasselbe Albumin befindet sich im Blutwasser mit\nNatron verbunden zu einer Verbindung die man ein Albuminat von Natron nennen k\u00f6nnte; es ist aber nicht bloss durch dieses Natron aufgel\u00f6st erhalten, denn man kann dieses genau durch Essigs\u00e4ure s\u00e4ttigen, ohne dass das Eiweiss niedergeschlagen oder unl\u00f6slich wird\u201c. Und in Bezug auf die Kohlens\u00e4ure: \u201ewas nur darin seinen Grund haben kann, dass sich mit dem Alkali ein kohlensaures Salz gebildet hat\u201c (ib. p. 64).","page":87},{"file":"p0088.txt","language":"de","ocr_de":"88\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nauch dieser Niederschl\u00e4ge der tats\u00e4chlichen Gegenwart mineralischer Bestandteile und sogar eines Alkali (5 p. 63) in denselben zu. Noch mehr: Berzelius erkl\u00e4rt diese frischen, durch Alkohol bedingten Niederschl\u00e4ge dem Trokenrest des bei niedriger Temperatur getrockneten Serums oder Eiweisses f\u00fcr analog (6 p. 32\u20143).\nSchluss. Das in diesem Kapitel Dargelegte berechtigt uns zu folgenden Schl\u00fcssen: in den 40-er Jahren des verflossenen Jahrhunderts fehlte es noch an einer gesonderten Vorstellung von dem Albumin, und wenn von einem fl\u00fcssigen Albumin auch die Bede war, so wurden darunter die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten: Eiweiss und Serum, mit denen man es am \u00f6ftesten zu tliun hatte, gemeint. Der Gedanke war den Thatsachen um vieles vorausgeeilt. Ehe man noch irgend welche bestimmte, wenn auch oberfl\u00e4chliche Unterscheidungsmerkmale zwischen den eigentlichen protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten und dem hypothetischen Albumin festgesetzt hatte, fing man schon an, nicht nur von dessen, d. h. des \u201eAlbumins\u201c, L\u00f6slichkeit, sondern auch von dessen Verbindungen mit Alkalien und S\u00e4uren zu reden.\nWenn die Autoren jener Zeitperiode Albumin in einer von den \u00fcbrigen Bestandteilen der es enthaltenden Fl\u00fcssigkeiten mehr oder weniger freien Gestalt auch vor sich hatten, so fanden sie es so ver\u00e4ndert, dass es sich schon weder in Wasser oder der Mutterlauge noch in schwachen S\u00e4uren oder Alkalien l\u00f6ste; jedenfalls stellte es sich den Forschern mit solchen Eigenschaften ausgestattet dar, welche mit den Bedingungen, die ihnen die gew\u00f6hnlichen protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten boten, nicht mehr vereinbar waren. So l\u00f6ste sich das \u201egeronnene Albumin\u201c nicht mehr in der Mutterlauge, w\u00e4hrend es fr\u00fcher sogar nach der Neutralisation dieser S\u00e4uren in L\u00f6sung blieb. Angenommen, dass, der Ansicht der Autoren nach, es die A!-kalicarbonate waren, die das Albumin im Serum gel\u00fcst halten; daraufhin musste nach der Neutralisation des Serums durch S\u00e4ure notwendigerweise zugegeben werden, dass das Albumin in L\u00f6sung verblieb, weil sich ein neues, neutrales Salz gebildet hatte. Dies folgt klar aus Berzelius\u2019 Beschreibung des Neutralisirungsproces-sos (p. n. 58). Berzelius blieb nur noch \u00fcbrig zu sagen, dass das \u201eAlbumin\u201c auch in Salzl\u00f6sungen l\u00f6slich sei... Es war jedoch Denis, welcher diesen Gedanken nicht nur zuerst aussprach, sondern auch noch den Beweis f\u00fchrte, dass d a s A 1-bumin zwar in Wasser- unl\u00f6slich, aber in w\u00e4sserigen Salzl\u00f6sungen l\u00f6slich ist.\nLITERATUR.\n1) Arnold-\u2014Die physiologische Anstalt der Universit\u00e4t Heidelberg von 1853 bis 1858. Heidelberg. Mohr. 1858. 2) Baum\u00e9.\u2014Chimie exp\u00e9rimentale et raisonn\u00e9e. Paris. Didot. 1773, t. 1. 3) B\u00e9-champ.\u2014Nouvelles recherches sur les albumines normales et pathologiques. Paris. Bailli\u00e8re. 1887. 4) Eepe3MH\u00ef>.\u2014PyccKifi onpnKJionejiH'iecKiH caoBapL. Cn6. 1874. Ot,h. I, t. 4 (E\u2014B). 5) Berzelius.\u2014Lehrbuch der Thier-Chemie; aus dem Schwed. \u00fcbers, v. W\u00f6hler. Dresden. 1831. 6) Id.\u2014Id. 4 Auii. 1840. Bd. 9. 7) Boerhaav.\u2014Elementa Chemicae oder Anfangs-Gr\u00fcnde der Chemie etc. v. lateinisch, \u00fcbers. 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Chim. 1874, t. 22. 61) Gibourt.\u2014Journ. de pharm. 1823, t. 9. 62) Gmelin \u2014Grundriss der allg. Chemie zum ^Gebrauche bei Vorlesungen. G\u00f6ttingen, Vandebeck & Ruprecht. 1789. Th. 2. 63) Id.\u2014Handbuch d. theoretischen Chemie. 3 Aufl. 1829. Abth. 2. Bd. 2. 64) Gobley.\u2014Journ. de pharm. 1846, S\u00e9rie 3, t. 9. 65) Gorup-Besanez.\u2014Anleitung zur quantitativen Analyse. N\u00fcrenberg, Schr\u00e4g. 2 Aufl. 1854. 66) Id.\u2014Lehrbuch d. physiol. Chemie, Braunschweig, Vieweg. 1862. 67) Ha\u00ebn.\u2014Heilungsmethode in dem k. Krankenhause; aus d. Lateinischen. Leipzig. 1780. 68) Haller.\u2014Anfangsgr\u00fcnde der Physiologie des menschlichen K\u00f6rpers. Berlin, 1762. Bd. 2. 69) Hammarsten.\u2014Lehrbuch der physiol. Chemie. Wiesbaden, Bergmann. 1891. 70) Id.\u2014Ibid. 4 Aufl. 1899. 71) Harvey.\u2014Opera, pars altera, exercitationes de Generatione animalium. Lungduni Batavarum; von Kerlkehn. 1737. 72) Hasebr\u00f6k.\u2014Zeitschr. physiol. Chemie 1887. 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Th. 1. 82) Hunter.\u2014Versuche \u00fcber das Blut etc. Leipzig, Sommer. 1797. Bd. 1. 83) Jahn.\u2014Arch, der Pharmacie. 1844. Bd. 87, d. g. Folge, 37 der II Reihe. 84) John.\u2014Chemische Tabellen der Thierreichs etc. Berlin. 1814. 85) Id.\u2014Handw\u00f6rterbuch der allgemeinen Chemie 1817. Bd. 1. 86) Johnson.\u2014Journ. of. Chem. Soc. 1874 vol. 12; enters. Series vol. 27. 87) Ivanow.\u2014-De sanguinis naturae et motu. Diss. inaug. Mosquae, 1823. 88) Klaproth.\u2014 Chemisches W\u00f6rterbuch v. Klaproth & Wolff. 1807. Bd. 2. 89) Koch.\u2014Mittheilungen aus d. k. Gesundheitsamte. Berlin, Struck. 1S84-. Bd. 2. 90) Kossel. \u2014 Zeitschr. physiol. Chemie, 1878\u20149, Bd. 2. 91) K\u00fchne.\u2014Lehrbuch der physiol. Chemie. Berlin, Engelmann. 1866. 92) Lambert.\u2014Comp. rend. 1845 t. 21. 93) Lassaigne.\u2014Ann. de chim. & phys. 1822, t. 20. 94) Le-F\u00eavre.\u2014Trait\u00e9 de la chimie. Paris, Jolly, 1669. 95) Lehmann.\u2014Lehrbuch der physiol. Chemie. Leipzig, Engelmann. 2 Aufl. 1850. Bd. 1. 96) Id.\u2014 Ibid. 2 Aufl. 1853. Bd. 1. 97) Id. \u2014 Ib. Bd. 2.98) Id. \u2014 Handbuch der physiolog. Chemie. Leipzig, Engelmann. 1854. 99) Lieberk\u00fchn.\u2014Arch. M\u00fcller\u2019s. 1848. 100) IVIacquer.\u2014Dictionnaire de chimie, contenant la th\u00e9orie et la pratique de cette science. 1778. t. 1. 101) Id.\u2014Ibid. t. 2. 102) Id.\u2014Ibid. t. 3. 103) Marcet. \u2014 Ann. de chim. et de phys. 1816, t. 2. 104) Marchand.\u2014Lehrbuch d. physiol. Chemie; Berlin. 1844. 105) Margeron.\u2014Observations sur la physiologie, l\u2019histoire naturelle et les arts. Par Ros-","page":89},{"file":"p0090.txt","language":"de","ocr_de":"/\n90\nDAS GLOBULIN DES BLUTSEDUMS UND DES EIWE'SSES.\nsier, Delametherie etc. 1793, t. 42. 106) Mathieu & Urbain.\u2014Causes et m\u00e9canisme da la coagulation etc; Paris. Masson 1875. 107) Michailoff\u2014MaxafijOBt.\u2014ffiypH. $h3.-xhm. 06m. 1887, t. 19.108) Id.\u2014O cryjieiiHCTOMi. cocTOflH\u00ceH 64.TKOBHXT, BemecTBi.. CEE. 1888. 109,) Monnier.\u2014Bull. soc. cliim. 1869. t. 11. 110) Monoyer.\u2014Ibid. 1866, s\u00e9rie 2, t. 5.111) Morochowetz.\u2014Tpy^a mockobck. <Jm3iojior. jiadopaTopin 1888. t. 1. 112) Id.\u2014-Die Einheit der Prote\u00efnstoffe, Theil I, Zooglobin. S. XXYI + 939, und 3 Tafeln. Moskau, 1892, russisch. Kap. III. p.39\u201496.113) Morochowetz & Domanoff.\u2014Tpysu mockobck. (})H3io.ior. jia\u00f6opaTopm. 1888. t. 2. 114) Neumann.\u2014Chymiae medicae dogmatico-experimentalis etc. Zullichau-Dendeln, Kessel. 1753. Bd. 3.115) Orfilla.\u2014Nouveau dictionnaire de m\u00e9dicine etc. par B\u00e9clard, Cloquet et Orfilla. Paris, 1826, t. 1.116) Id.\u2014Ibid. 1833, v. 2. 117) Panum.\u2014Arch. Virchow\u2019s. 1852. Jahrg. 4. 118) Parmentier & Deyeux.\u2014Journ. de physique. 1794. v. 44 (1). 119) Plenk.\u2014Hygrologie des menschl. K\u00f6rpers etc. Berlin, Felisch. 1796. 120) Id.\u2014\u00cbrpoioria hjih XHMHKO-<})H3iojiorimecKaa HayKa o coKax-B HejiOB'ImecKaro Tkjra. CBB. 1800. 121) Plinius. \u2014 Historia naturalis. Parisius, Desfontaines. 1829. 122) Prout. \u2014 Journ. de pharm. 1820, s\u00e9rie 6, t. 6. 123) Id.\u2014Jahresb. Berzelius. 1825. Jahrg. 4. 124) Quesnay.\u2014Essai physique sur l\u2019\u00e9conomie animale. Ed. 2. Paris, Cavelier. 1747 t. 2. 125) Robin & Verdeil.\u2014Trait\u00e9 de chimie etc. Paris, Bailli\u00e8re. 1853, t. 3. 126) Rouelle. \u2014 Journ. m\u00e9d. 1773, t. 40. 127) Rudolphi. \u2014 Grundriss der Physiologie. 1820. Bd. 1. 128) Salkowski.\u2014Centrabl. f. m. W. 1893. Jahrg. 31. 129) Scheele.\u2014Die neuesten Endeckungen in der Chemie, gesamm. v. Grell. 1783. Bd. 8. 130) Id.\u2014S\u00e4mmtliche physische & chemische Werke etc. Berlin, Rottmann. 1793, Bd. 2. 131) Scherer.\u2014Verhandlungen d. physiol, medic. Gesellschaft in W\u00fcrzburg etc. 1852. Bd. 2. 132) Schmidt, A.\u2014Archiv du Bois. 1861. 133) Id.\u2014 Ibid. 1862. 134)Schnaubert.\u2014Journ.TromsdorfPs. 1804,Bd. 4. 135) Sch\u00f6ffer (m\u00eb^c^epr.).\u2014\u00abDasioxormieeK.' xnMia. KieBt, 1882. 136) Sch\u00fcbler.\u2014Arch, deutsches Meckel\u2019s. 1818. Bd. 4. 137) Sch\u00fctzenberger.\u2014Dictionnaire de chimie pure et appliqu\u00e9e etc; par Wurtz, 1886. 138) Schwarz.\u2014Memoranda der physiolo-gichen Chemie mit R\u00fccksicht auf Pathologie etc. Weimar, 1856. 139) Senac.\u2014Trait\u00e9 de la structure du coeur etc. Paris, Vincent. 1749. t. 2. 140) S\u00e9tsch\u00e9noff (CkTOHOBt).\u2014jKypn. dm3.-xHM. 1878. Ota. I, t. 10. 141) Id.\u2014Bericht. Chem. Ges. 1878. Jahrg. 11. 142) Simon.\u2014Handbuch der angewandten medi-cinischen Chemie. Berlin. 1840. Bd. 1. 143) Strecker.\u2014Handw\u00f6rterbuch der reinen & angewandten Chemie etc. Suppl. 1850. 144) Tarchanoff (TapxanoBT.).\u2014jKvpu. BoeHHO-MeA. 1883, MacTt 146. 145) Id.\u2014 Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1884. Bd. 33. 146) Thenard.\u2014Trait\u00e9 de Chimie \u00e9l\u00e9mentaire etc. Paris, Crochard. 1824, t. 4. 147) Thomson.\u2014Syst\u00e8me de chimie; trad, de la derni\u00e8re \u00e9dit. 1807 par Riffault, 1809, t. 9. 148) Id.\u2014Lancet. 1845, v. 1. 149) Thouvenel.\u2014M\u00e9moires chimiques etc. St. P\u00e9tersbourg, 1777. 150) Tiedemann & Gmelin.\u2014Die Verdauung nach Versuchen. Heidelberg & Leipzig. 1826. Bd. 1. 151) Todd.\u2014 The Encyclopaedia of Anatomy and Physiology. London^ Sherwood. 1839. v. 1 (A\u2014Dea). 152) Tojuib.\u2014 HacTOJitHH\u00dc cjiOBapB no bc\u00e8m'i. oTpacJiaM\u00ef. 3Haraa etc. CnE. 1863. t. 1. (A\u2014D). 153) Treviranus.\u2014 Vermischte Schriften anatomischen und physiologischen Inhalts. G\u00f6ttingen, Cr\u00f6mer, 1816, Bd. 1. 154) Vintschgau \u2014Sitzungsbers. Wien. 1857. Bd. 24. 155) Virchow.\u2014Gesammelte Abhandlungen zu wissenchafl. Medicin. Frankfurt, a. M. 1856. 156) Voisin.\u2014Comp. rend. 1838. t. 7. 157) Wasserberg.\u2014Neues Magazin f\u00fcr Aerzte, herausg. Baldinger. Leipzig. 1780. Bd. 2. 158) Wittstein.\u2014Vierteljahrsschrift f\u00fcr praktische Pharmacie. M\u00fcnchen. Palm. 1853. Bd. 2. 159) Zahn.\u2014Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1870. Bd. 3. 160) Zetzell.\u2014Abhandlungen der lt\u00f6n. Schwed. Akademie. 1769. Bd. 32. Leipzig\u2014Halle, 1774. 161) Zimmermann.\u2014Arch. chem. Micr. 1846. Jahrg. 3. 162) Id.\u2014Arch. f. Heilkunde. 1846. Jahrg. 5. 163) Id.\u2014 Leber die Analyse des Blutes und die pathologischen Krasenlehren ect. Berlin, Reimer. 1847. 164) Id.\u2014 Arch. M\u00fcller\u2019s. 1854. 165) Zoth.\u2014Sitzungsber. Wien 1891. Bd. 100.\nZweite Periode\u2014von 1835 an.\nSynonyme: Albumin \u2014 Denis, Berzelius, Simon, Lehmann u. a., F/brin, molecul\u00e4res Albumin, molecul\u00e4res Fibrin, ungeronnenes Albumin, gel\u00f6stes (l\u00f6sliches) Fibrin, Serin\u2014Den is, Serumcasein, Albumin, Eierschleim \u2014 Panum, Pabuhn \u2014 Buchanan (nach Parkes), Globulin, \u00dfbrinoplastische Substanz \u2014Schmidt, Schmidt\u2019s Globulin oder Paraglobulin\u2014K\u00fchne, Panum!s Serumcasein oder Natronalbummat \u2014 K\u00fchne, Albumin\u2014 K\u00fchne, Jlbrinoplatischer und nicht fibrinoplastistischer Teil des Serumcaseins\u2014Panum, Serosin \u2014 Gommaille, natives Eiweiss\tBr\u00fccke, Serumfibr m\u00f6gen\u2014\nWooldridge, Fibrinoglobulin \u2014 Hammarsten, Fibrinogen Rege, Fibrinoplastin Allchin, Oco- fibrinogen\u2014Gautier, Globulin und Albumin Aronstein, Schmidt u. a., Ovo-albumin globulin \u2014 Langstein, Ovoglobin und Scroglobm Morochowetz.\nUntersuchung der Eigenschaften der in den p r o t e \u00ef n haltig e n Fl\u00fcssigkeiten sich bildenden Niederschl\u00e4ge. I. F\u00e4llung durch Wasser und S\u00e4uren. Wenn in der ersten Periode die","page":90},{"file":"p0091.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n91\nForscher ihre Aufmerksamkeit haupts\u00e4chlich den Eigenschaften der sog. prote\u00fcnhal-tigen Fl\u00fcssigkeiten zugewandt hatten, so machten sie in der folgenden, zweiten, Periode die Eigenschaften der auf den verschiedensten Wegen erhaltenen Niederschl\u00e4ge derselben Fl\u00fcssigkeiten zum Gegenstand ihrer Forschungen. Denis geh\u00f6rt die Ehre, darin sowohl den Anfang gemacht, als auch die Eigenschaften der Globuline in einer f\u00fcr seine Zeit ersch\u00f6pfenden Weise studirt zu haben. Nachdem Denis einen Ueberschlag dessen, was in den Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger enthalten war, gemacht hatte, bemerkte er: \u201eDas Albumin wird immer in fl\u00fcssiger Form angetroffen, es wird aber im Wasser so leicht unl\u00f6slich, dass man nur zwei Aggregatgust\u00e4nde desselben, den fl\u00fcssigen und den festen, anerkannt hat. Den fl\u00fcssigen Zustand erkl\u00e4rte man durch die L\u00f6slichkeit des Albumins in Alkalien, die in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten immer vorhanden sind\u201c. Denis findet jedoch, 1) dass, obgleich das aus dem Serum ausgeschiedene Albumin nach dessen Aufl\u00f6sung in Alkalilauge wieder fl\u00fcssig wird, die L\u00f6sung nicht alle Eigenschaften des Serums bezitzt (31 p. 78); 2) dass bei genauer Neutralisirung des Alkali des Serums keine Ausscheidung von Albumin beobachtet wird (ib. p. 79); 3) dass L\u00f6sungen von Ammonium\u2014, Kalium\u2014, Natrium\u2014, Calcium\u2014und Bariumchlorid, Ammonium\u2014, Kalium\u2014, Natrium\u2014und Zinksulfat, salpetersaurem Kalium, Natrium und Strontium, von Natriumphosphat, Ammoniumalaun, endlich von neutralem Bleiacetat das Serum nicht f\u00e4llen (ib. p. 79, 75\u20146); 4) dass durch Einwirkung von vegetabilischen und Minerals\u00e4uren auf Serum erhaltene Niederschl\u00e4ge in denselben aber verd\u00fcnnten S\u00e4uren l\u00f6slich sind (ib. p. 79) und 5) dass Alkalien\u2014sowohl Kali und Natron als auch Ammoniakfl\u00fcssigkeit\u2014im Serum keine Ver\u00e4nderungen hervorzurufen scheinen,\u2014dies alles in Betracht ziehend, spricht Denis sich dahin aus, dass die Gegenwart von Alkali allein den nat\u00fcrlichen \u201efl\u00fcssigen\u201c Zustand des Albumins\u201c nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nne \u2018) Da andererseits eigne Erfahrung Denis gezeigt hatte, dass 6) in Salzl\u00f6sung aufgel\u00f6stes Fibrin durch Verd\u00fcnnung der L\u00f6sung mit Wasser sich niederschl\u00e4gt (ib. p. 72) und er, sich auf die historischen Thatsaclien st\u00fctzend, zwischen Albumin und Fibrin keinen Unterschied sieht, so empfiehlt e r, um Albumin zu erhalten, das Alkali der p r o-te'inhaltigen Fl\u00fcssigkeit mit irgend einer S\u00e4ure, z. B. Essig-s\u00e4ure, zu neutralisiren und dann mit Wasser zu verd\u00fcnne n, o d e r, u m gekehrt, zuerst mit Wasser zu verd\u00fcnnen u n d d a n n zu neutralisiren* 2). Das sich in kleinen Flocken langsam niederschlagende Albumin l\u00f6st sich sogleich entweder in einem Ueberschusse der hinzugef\u00fcgten S\u00e4ure oder, besser, in der L\u00f6sung eines neutralen Salzes auf3). Ausserdem fand Denis, dass auch der durch 30\u00b0-igen Alkohol in einem gleichen Volum Serum bewirkte Niederschlag sich in der L\u00f6sung eines neutralen Salzes aufl\u00f6st4). Die L\u00f6sung der Niederschl\u00e4ge geht besser von statten, wenn die Salzl\u00f6sung V13 Alkali enth\u00e4lt. In diesem Falle reagirt die L\u00f6sung wie das Serum (ib. p. 80). Aelinliche, von analogen Piesultaten gefolgte Beobachtungen am H\u00fchnereiweiss veranlassten Denis zu derBe-\n*) \u201eLa soude seule ne peut \u00eatre la cause de cet \u00e9tat liquide\u201c (31 p. 81).\n2) \u201eMaintenant, qu\u2019on sature exactement l\u2019alcali, tant du s\u00e9rum naturel que du s\u00e9rum artificiel, avec un acide quelconque, de l\u2019ac\u00e9tique par exemple, puis qu\u2019on \u00e9tende d\u2019eau la masse enti\u00e8re, ou qu\u2019on commence \u00e0 l\u2019\u00e9tendre d\u2019eau avant de proc\u00e9der \u00e0 la saturation; il se pr\u00e9cipite aussit\u00f4t\ndes flocons tr\u00e8s fins avec lenteur\u201c (ib. p. 83).\na) \u201e.... il se pr\u00e9cipite aussit\u00f4t des flocons tr\u00e8s fins avec lenteur, Ils sont form\u00e9s de fibrine,\naccompagn\u00e9e \u00e0 la v\u00e9rit\u00e9 de corps gras. Qu\u2019on verse alors un exc\u00e8s d\u2019acide, ou mieux une solution de sel neutre, cette fibrine mol\u00e9culaire est aussit\u00f4t redissoute\u201c (ib. p. 83\u201484).\n4) \u201eSi l\u2019on pr\u00e9cipite ce s\u00e9rum avec un volume \u00e9gal d\u2019alcool \u00e0 33\u00b0, et qu\u2019on ajoute aussit\u00f4t une solution d\u2019un sel neutre, ou mieux une solution de ce sel additionn\u00e9e d\u2019un treizi\u00e8me de soude ou de potasse, le pr\u00e9cipit\u00e9 disparait et le s\u00e9rum semble reconstitu\u00e9\u201c (ib. p. 80).","page":91},{"file":"p0092.txt","language":"de","ocr_de":"92\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nhauptung, (lass sowohl das Eiweiss als das Serum das Albumin als salzig-alkalische L\u00f6sung enthalten *). Indem Denis seine bei der Untersuchung der Salzl\u00f6sungen des Fibrins erworbenen Kenntnisse anwandte und zwischen Fibrin und Albumin keinen wesentlichen Unterschied erkannte, zog er, nicht zuf\u00e4llig sondern ganz bewusst, den Schluss, dass nach der Ueberf\u00fchrung des Alkali der prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in ein neutrales Salz diese Fl\u00fcssigkeiten nach der Verd\u00fcnnung mit Wasser Niederschl\u00e4ge ausscheiden m\u00fcssen. Diese und auch andre Reactionen des Fibrins veranlassten Denis, das Albumin und das Fibrin f\u00fcr identisch zu erkl\u00e4ren und auf Grund dessen das Albumin * 2) sogar Fibrin zu nennen, zum Unterschiede des schon ausgeschiedenen, in feinen K\u00f6rnern sich niederschlagenden Albumins von dem Fibrin, welches sich aus dem Blute in der allgemein bekannten Waise auscheidet, crsteres nennt er molecul\u00e4res Fibrin, fibrine mol\u00e9culaire oder einfach (ib. p. 87), wegen der unter dem Mikroscop gesehenen (ib. p. 80) kugelf\u00f6rmigen Gestalt der K\u00f6rner des Niederschlags,\u2014albumine globulaire, oder noch einfacher\u2014fibrine globulaire (31 p. 84). Auf Grund seiner Beobachtungen unterscheidet Denis folgende Albuminarten: in L\u00f6sung befindliches und ausgeschiedenes Albumin, welch letzteres wieder in Salzen l\u00f6slich oder unl\u00f6slich sein kann; in dieser letzteren Gestalt wird das Albumin durch Einwirkung von W\u00e4rme erhalten und in diesem Falle identificirt Denis es (albumine coagul\u00e9e) mit dem durch W\u00e4rme zum Gerinnen gebrachten Fibrin (fibrine coagul\u00e9e) (ib. p. 85). Analoge Ver\u00e4nderungen werden auch durch Alkohol bewirkt, den man zu der Fl\u00fcssigkeit in sehr grossem Ueberscliuss zugiesst. Schliesslich findet Denis, dass in einer Salzl\u00f6sung gel\u00f6stes Albumin bei 74\u00b0 gerinnt. Diesen von Denis erhaltenen Thatsaclien zufolge enth\u00e4lt das Serum zweierlei Verbindungen des Alkali mit dem Albumin, die eine als ein Alkalialbuminat, die andre als eine Verbindung mit Salzen (ib. p. 166\u20147).\nAm 4. Januar 1838 demonstrirte Denis seine Beobachtungen vor der pariser medicinischen Facult\u00e4t, worauf er dieselben in einer kleinen Brosch\u00fcre ver\u00f6ffentlichte. Diese ist dadurch interessant, dass die Lehre des Autors darin klar und b\u00fcndig dargelegt ist. 1) Alle tierischen Fl\u00fcssigkeiten, von dem Eiweiss, Serum u. s. w. au, bestehen aus einem Complex von Salzen, Oxyden, Wasser und Albumin. Diesem Gemenge begegnet man \u00fcberall, wo das Leben in seine Rechte tritt3). 2) Das Albumin wird durch die gleichzeitige Gegenwart von Salzen und Wasser in L\u00f6sung erhalten 4). Folglich 3) ist reines, salzfreies Albumin in Wasser\n*) \u00bbLe blanc d\u2019oeuf, examin\u00e9 comparativement avec le s\u00e9rum, se comporte de la m\u00eame mani\u00e8re; il n\u2019est ainsi qu\u2019une solution salino-alcaline d\u2019albumine (31 p. 86).\n\u25a0\u2019) L\u2019albumine liquide, par cons\u00e9quent, ne serait-elle qu\u2019une dissolution naturelle salino-alcaline de fibrine....\u201c (ib. p. 81).\n3) \u201eL \u2019 e n s e m b 1 e de s e 1 s, d \u2019 o x y d e s, d\u2019e a u e t d\u2019a lbumin e, en quoi consiste cette m\u00eame mati\u00e8re, forme, comme vous pouvez vous en assurer, le liquide appel\u00e9 blanc d\u2019oeuf, le fluide qui entoure le germe, m\u00eame dans les graines des plantes, le canevas de l\u2019embryon, une portion du chyme, car \u00e0 mesure que les alimens sont attaqu\u00e9s pendant la digestion, ils se convertissent partiellement en cet ensemble salino-albu-mineux, c\u2019est le cbyle brut; le chyle \u00e9labor\u00e9, le sang, la lymphe, le liquide des s\u00e9reuses des mem-\nbranes synoviales, du tissu cellulaire, l\u2019exsuda-\ntion des plaies nouvelles, le pus lui-m\u00eame, une partie des muscles, vous le savez, sont presque compos\u00e9s par ce m\u00eame ensemble; les os, les gros comme les petits visc\u00e8res, le foie, le cerveau, etc.; les liquides, comme la bile, etc. en renferment aussi: il constitue la lymphe coagulable, organi-sable, plastique, le cambium animal; il compose plusieurs produits morbides, les tubercules, etc. En r\u00e9sum\u00e9, l\u00e0 o\u00f9 l\u2019\u00eatre ou bien une partie de l\u2019\u00eatre appara\u00eet, l\u00e0 o\u00f9 il puise sa nourriture, dans tous les points de l\u2019\u00e9conomie o\u00f9 il faut une mati\u00e8re organisante, r\u00e9paratrice et s\u00e9cr\u00e9toire; vous trouvez l\u2019ensemble salino-albumineux dont je vous entretiens\u201c (32 p. 14\u201415).\n*) \u201eComme la forme liquide n\u2019a lieu, pour l\u2019albumine, que par la coexistence de sa substance, de sels et d\u2019eau, il faut la consid\u00e9rer comme r\u00e9sultant d\u2019une combinaison, et non d\u2019un \u00e9tat mol\u00e9culaire\u201c (ib. p. 18\u201419).","page":92},{"file":"p0093.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOB\u00dcLUNT DES BLUTSERUMS UND DES ElWEISgES.\n9S\nganz unl\u00f6slich und bietet sich uns in molecul\u00e4rer Form dar 1). 4) Um das Albumin auszuscheiden2), muss man die Fl\u00fcssigkeit mit viel Wasser verd\u00fcnnen und dann mit S\u00e4ure neutralisiren; oder, umgekehrt, zuerst neutralisiren und dann mit Wasser verd\u00fcnnen. Der auf diese Weise erhaltene Niederschlag (Albumin) stellt zwar einen festen K\u00f6rper vor, doch ist es kein \u201egeronnenes\u201c 3) Albumin, da 6) diese Niederschl\u00e4ge, solange si feucht sind, unmittelbar nach dem Trocknen, nach Befeuchtung mit Wasser sich in Salpeter aufiosen und bei dem Verd\u00fcnnen der L\u00f6sung mit Wasser sich wieder niederschlagen 4). Diese Niederschl\u00e4ge sind, ausser in Salpeter, auch in andern neutralen Salzen, z. B. in Kalisalzen und in Natriumsulfat, l\u00f6slich 5 *). Doch k\u00f6nnen diese Albuminniederschl\u00e4ge im unl\u00f6slichen Zustand entweder unmittelbar aus den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten erhalten werden oder in eine in Salzl\u00f6sungen unl\u00f6sliche Form schon nach der Auscheidung \u00fcbergehen. Die in Salzen l\u00f6slichen Albuminniederschl\u00e4ge tr\u00e4gt Denis an, 7) uncoagulirtes Albumin \u2014 albumine incoagul\u00e9e \u2014 im Gegens\u00e4tze zum coagulirten Albumin \u2014 albumine coagul\u00e9e fi) zu nennen und den Ausdruck albumine mol\u00e9culaire f\u00fcr das festgewordene Albumin im allgemeinen zu gebrauchen (32 p. 19). Unmittelbar aus den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten erh\u00e4lt Denis das geronnene Albumin 8) durch Einwirkung von Alkohol und nachfolgender Bearbeitung des Niederschlags mit heissem Alkohol und Aether (ib. p. 19), oder 9) durch Erhitzen \u00fcber 74\u00b0, 10) durch Einwirkung eines Ueberschusses von S\u00e4ure auf das verd\u00fcnnte Serum oder Eiweiss und darauffolgendes Neutralisiren der S\u00e4ure mit Alkali oder, umgekehrt 7), durch Hinzuf\u00fcgung von Alkali und Neutralisiren mit S\u00e4ure (ib. p. 19 und 24), 11) durch Erhitzen der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten \u00fcber 74\u00b0 (p.* 19 und 24) und endlich 12) durch Neutralisiren uud Verd\u00fcnnung der Fl\u00fcssigkeiten mit Wasser und Bearbeitung des Niederschlags mit Alkohol und Aether, oder durch Einwirkung von W\u00e4rme, oder\n4) \u201eT ouj ours l\u2019a 1 b u mine p u r e, d \u00e9 g a-g\u00e9edesels, est solide, totalement, insoluble dans Peau, et elle offre une forme soit m o 1 \u00e9 c u 1 a i r e, soit f i b r i n e u s e\u201c (32 p. 19).\n2) \u201eVous s\u00e9parerez aussi de l\u2019albumine mol\u00e9culaire pure, en \u00e9tendant d\u2019eau le blanc d\u2019oeuf ou le s\u00e9rum, et en saturant leur alcali naturel avec un acide quelconque; l\u2019albumine se pr\u00e9cipitera. Il faut employer, dans cette op\u00e9ration, une tr\u00e8s grande quantit\u00e9 d\u2019eau, et affaiblir l\u2019acide avant de s\u2019en servir. On peut sature)\u2019 l\u2019alcali d\u2019abord, et n\u2019\u00e9tendre d\u2019eau le s\u00e9rum ou le blanc d\u2019oeuf qu\u2019apr\u00e8s la saturation\u201c (ib. p. 19\u201420).\n0 \u201eAinsi, quand l\u2019albumine est pr\u00e9cipit\u00e9e du s\u00e9rum \u00e9tendu d\u2019eau, neutralis\u00e9 par un acide, elle reprend l\u2019\u00e9tat solide; mais elle n\u2019est pas coagul\u00e9e, en reparaissant alors sous la forme globulaire\u201c (ib. p. 24\u201425).\n4) \u201e.... prenez de l\u2019albumine mol\u00e9culaire pr\u00e9cipit\u00e9e, du s\u00e9rum ou du blanc d\u2019oeuf \u00e9tendu d\u2019une\ngrande masse d\u2019eau, et dont on a satur\u00e9 la soude naturelle par un peu d\u2019acide, imbibez - la d\u2019eau\nsi elle est s\u00e8che, employez-la \u00e0 l\u2019\u00e9tat cr\u00e9meux,\nsi elle vient d\u2019\u00eatre pr\u00e9cipit\u00e9e; a joutez-y de l\u2019azotate de potasse en poudre, autant qu\u2019il s\u2019en dissoudra, et, le lendemain, versez le liquide \u00e9pais\nqui se sera form\u00e9 dans une forte quantit\u00e9 d\u2019eau; vous remarquerez que les particules de l\u2019albumine resteront group\u00e9es en franges l\u00e9g\u00e8res, mais tr\u00e8s fragiles, ce sera une sorte de fibrine\u201c (ib.\np. 22).\n6) \u201eSi l\u2019on recourt \u00e0 une solution d\u2019un sel neutre, tel que l\u2019azotate de potasse, le sulfate de soude, alors, du jour au lendemain ou au surlendemain, on verra l\u2019albumine incoagul\u00e9e seule se ramollir, se gonfler, devenir blanch\u00e2tre, demi-transparente, puis transparente, g\u00e9latineuse, et finir enfin par se dissoudre enti\u00e8rement. La dissolution est visqueuse, si le sel et l\u2019albumine ont \u00e9t\u00e9 mis en forte quantit\u00e9, et l\u2019eau en proportion faible; elle est tr\u00e8s fluide, dans le cas contraire. Les sels jouent-ils ici le r\u00f4le de bases ou d\u2019acides? J\u2019incline pour l\u2019admission du dernier r\u00f4le. L\u2019albumine coagul\u00e9e est insensible \u00e0 l\u2019action des sels qui dissolvent l\u2019albumine incoagul\u00e9e\u201c (ib. p. 29).\n6) Obgleich er auch den fr\u00fcheren Ausdruck\u2014 albumine mol\u00e9culaire\u2014nicht aufgiebt (ib. p. 19).\n\u2019) \u201e... celle qu\u2019on a obtenue en la pr\u00e9cipitant par l\u2019alcool, ou par un alcali ou par un acide, soit du s\u00e9rum, soit du blanc d\u2019oeuf, d\u2019abord assez fortement acidul\u00e9 ou alcalis\u00e9\u201c (ib. p. 24).","page":93},{"file":"p0094.txt","language":"de","ocr_de":"I)AS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n94\nendlich durch nacheinander folgende Bearbeitung mit Alkalien und S\u00e4uren 1). Solch ein \u201egeronnenes\u201c Albumin ist weder in Salzl\u00f6sungen noch in Aether und Alkohol l\u00f6slich, l\u00f6st sich aber in S\u00e4uren und Alkalien von entsprechender Concentration und in gen\u00fcgender Menge (ib. p. 20 u. 28). Indem Denis auf diese Weise die Beobachtungen seiner Vorg\u00e4nger in Bezug auf die L\u00f6slichkeit des geronnenen Albumins in Alkalien und S\u00e4uren best\u00e4tigt, zieht er eine scharfe Grenze zwischen dem g e~ f\u00e4llten uncoagulirten und dem gef\u00e4llten coagulirten Albumin und beh\u00e4lt f\u00fcr letzteres die Benennung \u201ecoagul\u00e9e\u201c \u2014 \u201egeronnenes\u201c \u2014 wobei der Hauptunterschied von ersterem dessen Unl\u00f6slichkeit in Salzl\u00f6sungen ist2). Doch ist nur frischgef\u00e4lltes Albumin in Salzl\u00f6sungen Alkalien und S\u00e4uren l\u00f6slich (1842, 33 p. 51).\nIm allgemeinen betrachtet Denis 13) das Serum und Eiweiss als ein Gemenge von Verbindungen des Albumins mit Alkalien und Salzen und nimmt auf Grund dieser Lehre endlich 14) sowohl im Serum als im Eiweiss und auch in den andern protein-haltigen Fl\u00fcssigkeiten nur eine Art Albumin an, indem er auch das Fibrin in diesen Begriff scl\u00fciesst (32 p. 17)\nUm gerecht zu sein, m\u00fcssen wir jedoch sagen, dass, Denis, in einem gewissen Sinne, Vorg\u00e4nger gehabt hatte, von denen er keine Ahnung hatte. Thouvenel f\u00fchrte schon im Jahre 1777 (171 p. 31) den Beweis, dass man nach Wunsch Albumin in \u201egeronnenem\u201c oder \u201eungeronnenem\u201c Zustande aus den proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten auscheiden k\u00f6nne: wenn diese Fl\u00fcssigkeiten mit concentrirten S\u00e4uren neutralis\u00e2t werden, so erhalte man Niederschlage von \u201egeronnenem\u201c Albumin, w\u00e4hrend schwache S\u00e4uren beim Neutralismen \u201eungeronnenes\u201c Albumin f\u00e4llen, wenn auch nur deshalb, weil der Niederschlag in destillirtem Essig l\u00f6slich sei u. s. w.3). Denselben Gedanken spricht auch Th\u00e9nard (168 p. 106; 169 p 361) aus, obgleich weniger bestimmt: mit Wasser verd\u00fcnnte S\u00e4uren erzeugen in proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten einen andern Niederschlag als die Einwirkung von W\u00e4rme. Der durch S\u00e4uren bewirkte Niederschlag reisst auch S\u00e4ure mit sich fort, nach deren Neutralisation durch Alkalien, derselbe sich wieder aufl\u00f6st. Weniger bestimmt ist Fourcroy\u2019s Ausspruch: anges\u00e4uertes Wasser bewirkt. im Blutserum das Entstehen eines Niederschlags (47 p. 142; siehe auch p. n. 79).\nZu Denis\u2019 Vorg\u00e4ngern, sofern es die F\u00e4llung der proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch Wasser und S\u00e4uren (p. n. 79) betrifft, ist auch Sclmaubert (161p. 77) zu rechnen; derselbe fand, dass die \u201efiltrirte Fl\u00fcssigkeit mit verd\u00fcnnter Salpeters\u00e4ure einen h\u00e4utigen, k\u00e4sigen Niederschlag gab\u201c.\nDiese zuf\u00e4lligen Angaben setzen Denis\u2019 Verdienste und die Bedeutung seiner Arbeiten nicht im mindesten herab. Trotzdem findet er gleich am Anfang\n\u2018) \u201eAu contraire, elle est coagul\u00e9e, si Ton soumet, soit cette albumine globulaire, soit cette albumine fibrineuse, \u00e0 l\u2019action du feu, de l\u2019alcool, et aux r\u00e9actions successives des acides et des alcalis (ib. p. 25). Les caract\u00e8res principaux de l\u2019albumine coagul\u00e9e sont, comme on le voit, cette friabilit\u00e9 et ce d\u00e9faut d\u2019\u00e9lasticit\u00e9,lorsque sa substance est gonfl\u00e9e d\u2019eau, joints \u00e0 l\u2019impossibilit\u00e9 d\u2019\u00eatre attaqu\u00e9e par les solutions de certains sels neutres. Lorsqu\u2019on chauffe une solution saline ou salino \u2014 alcaline albbumineuse, ou qu\u2019on la soumet \u00e0 de l\u2019alcool, \u00e0 des acides, etc., l\u2019albumine passe \u00e0 l\u2019\u00e9tat incoagulable, et cesse de pouvoir rester en dissolution; elle devient insoluble et se pr\u00e9cipite\u201c (ib. p.27).\n2)\t\u201eL\u2019albumine coagul\u00e9e est insensible \u00e0 l\u2019action des sels qui dissolvent l\u2019albumine incoagul\u00e9e\u201c. (ib. p. 29).\n3)\t\u201ePour retirer la mati\u00e8re albumineuse dissoute dans ces diff\u00e9rentes liqueurs, je les ai satur\u00e9es avec des acides. Lorsque j\u2019y en ai employ\u00e9 de forts, la mati\u00e8re albumineuse a \u00e9t\u00e9 pr\u00e9cipit\u00e9e & coagul\u00e9e en m\u00eame temps; mais avec les faibles, par exemple l\u2019acide du vinaigre, le pr\u00e9cipit\u00e9 n\u2019a \u00e9t\u00e9 nullement coagul\u00e9, quoiqu\u2019il eut r\u00e9cup\u00e9r\u00e9 sa condition albumineuse. Car l\u2019ayant s\u00e9par\u00e9 et fait dissoudre dans le vinaigre distill\u00e9, et ensuite expos\u00e9 aux m\u00eames \u00e9preuves que la mati\u00e8re albumineuse r\u00e9cente, il a donne des r\u00e9sultats tout \u00e0 fait semblables\u201c (171 p. 81).","page":94},{"file":"p0095.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES ElWEISSeS.\n95\neinen Gegner in Berzelius (13 p. 667). Ohne in den Sinn der Beobachtungen dieses Forschers sich gen\u00fcgend hineingedacht zu haben und sich auf ein kurzes ReferatQ beschr\u00e4nkend, in welchem man sich seinerseits auf ein Referat aus einer andern Zeitschrift (Arch. g\u00e9n. de m\u00e9d. 1838, f\u00e9vrier) berief, sprach Berzelius, in seinen Jahresberichten sich dahin aus, dass Denis zwischen \u201egeronnenem und ungeronnenen Albumin\u201c keinen Unterschied sehe, den \u201egeronnenen Zustand des Albumins f\u00fcr den nat\u00fcrlischen halte und der Meinung sei, dass das Albumin auf Rechnung der Salze im Blut gel\u00f6st sei. Diese Angaben ganz irrt\u00fcmlich erkl\u00e4rend, sagt Berzelius, um Denis Schl\u00fcsse anzufechten, aus, dass nach dem Neutralismen des Natriums im Serum, Verd\u00fcnnung mit einer beliebigen Quantit\u00e4t Wasser keine F\u00e4llung bewirkt3).\nDieser Umstand ist in der Hinsicht von Wichtigkeit, als infolge von Berzelius\u2019 gewichtigem Auspruch Denis\u2019 Angaben fast unbekannt blieben: zur rechten Zeit lenkten sie die Aufmerksamkeit nicht auf sich, und wurden dann vergessen. Seine Angaben blieben vergessen, man liess sie ausser Acht, obgleich zwei Jahre sp\u00e4ter Berzelius selbst, wie wir sehen werden, durch Neutralisation und Verd\u00fcnnung der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten mit Wasser Niederschl\u00e4ge erhielt. Aber das Urteil war gef\u00e4llt, und ich darf sagen, dass bis zu meiner fr\u00fcheren (122 p. 73) sowie der gegenw\u00e4rtigen Arbeit, mit Ausnahme von Liebig und Scheren, Denis\u2019 Schl\u00fcsse, haupts\u00e4chlich aber seine Beobachtungen, nicht nach Verdienst gew\u00fcrdigt worden sind.\nEs fiel niemand auf, dass Berzelius bald sich selbst widerlegt und, gleich Denis, findet (1842,15 p. 542\u20143), dass sowohl Serum als auch H\u00fchnereiweiss nach genauer Neutralisation und darauffolgender Verd\u00fcnnung mit Wasser Albumin, obgleich, seiner Ansicht nach, in coagulirtem Zustande auscheidet3). Noch mehr: schon fr\u00fcher, im J. 1840, hatte Berzelius (14 p. 33) bemerkt, dass mit wenig Wasser verd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss, welches dann bis zu deutlich saurer Reaction mit Schwefels\u00e4ure neutralisirt wird, einen Niederschlag bildet, obgleich dieser von Berzelius f\u00fcr Zellgewebe\u2014tela eellulosa\u2014gehalten wurde (14 p. 33). Durch Neutralisation oder einen Ueberschuss von S\u00e4ure entstehende Niederschl\u00e4ge erhielt er auch mit vielen andern S\u00e4uren (ib. p. 38\u20149). Indem Berzelius, dem Denis\u2019 Arbeit ungen\u00fcgend bekannt war, auf diese Weise dessen wichtigsten Satz \u2014 dass Verd\u00fcnnung mit Wasser und Neutralisation keine F\u00e4llung bedingt \u2014 widerlegt, spricht er sich jetzt schon dahin aus, dass bei dieser F\u00e4llung ein Niederschlag von coagulirtem, sogar mit S\u00e4ure verbundenem, Albumin erhalten wird, ohne, f\u00fcgen wir hinzu, in der Beschreibung seiner Beobachtungen den Widerspruch zu bemerken. Nach Berzelius, findet die F\u00e4llung des Albumins eher statt, als alles Alkali des Serums neutralisirt ist; dabei verbindet das Albumin sich mit der S\u00e4ure, welche bei dem Umr\u00fchren der\nf) Berzelius weisst auf Journ. de Chimie m\u00e9clic. S\u00e9rie IV p. 191 hin; richtiger w\u00e4re: 14 t. p. 161. 1838.\n2) \u201eDenis (Journ. de Ch. M\u00e9d. Sec. Serie. IV. pag. 191) sucht zu beweisen, dass Albumin und Fibrin dieselben Stoffe sind: er macht keinen Unterschied zwischen ihrem coagulirten Zustande. Er h\u00e4lt sie im coagulirten Zustande f\u00fcr nat\u00fcrlich, aber aufgel\u00f6st durch die Salze des Blutes. I) i e s e g\u00e4nzlich unrichtige Meinung (!) gr\u00fcndete er auf folgende Versuche: Wenn man reines in Wasser aufgequollenes Fibrin in einer L\u00f6sung you einem neutralen Salze, z. B. von Salpeter, 24 bis 48 Stunden lang macerirt, so l\u00f6st es\nsich auf, und man erh\u00e4lt eine Fl\u00fcssigkeit, die dem Eiweiss gleicht... Man kann jedoch das Natron im Eiweiss mit einer S\u00e4ure v \u00f6 11 i g s \u00e4 11 i g e n und es dann mit beliebig vielem Wasser verd\u00fcnnen, ohne dass es gef\u00e4llt wird\u201c (13 p. 667).\n3) \u201eWenn man in dem Serum oder in dem Eiweiss das Alkali genau mit Essigs\u00e4ure s\u00e4ttige und die Fl\u00fcssigkeit dann verd\u00fcnne, sie tr\u00fcbe wird und nach einiger Zeit Flocken von ausgeschiedenem Albumin absezt (15 p. 542).........und das\nallm\u00e4hlig in den coagulirten Zustand \u00fcbergegangene Albumin absetzt\u201c (ib. p. 543).","page":95},{"file":"p0096.txt","language":"de","ocr_de":"96\nDAS GLOBULIN BES BLUTSERUMS UND' BES EIWEISSES.\nFl\u00fcssigkeit sich wieder abspaltetJ)- Den Niederschlag sieht Berzelius f\u00fcr coagulirtes Albumin an.\nDas, was Berzelius l\u00f6sliches Albumin (14 p. 32) nannte, hatte Denis schon im J. 1830 (30 p. 101) erhalten und erhielt es auch nach Berzelius\u2019 Einw\u00fcrfen. Um aus protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten einen wasserl\u00f6slichen Trockenrest von Serum oder Eiweiss zu erhalten, empfiehlt Denis (33 p. 38) das Blutserum unmittelbar, das H\u00fch-nereiweiss aber nach Verd\u00fcnnung mit dem gleichen Volum Wasser und Bearbeitung mit Aether bei nicht \u00fcber 50\u00b0, zu trocknen. Der erhaltene Trockenrest ist es, der noch der Aufl\u00f6sung in Wasser das Berzelius\u2019sche l\u00f6sliche oder fl\u00fcssige Albumin, oder, wie es von Denis genannt wird, das \u201el\u00f6sliche, uncoagulirte oder fl\u00fcssige Albumin\u201c vorstellt* 2). Hier wird aber das Albumin nicht im freien Zustande sondern in Verbindung mit Alkalien und Salzen erhalten, dementsprechend, behufs Dartellung von freiem aber uncoagulirtem Albumin, die Fl\u00fcssigkeit neutralisirt werden muss; da aber reines, uncoagulirtes Albumin in Salzen l\u00f6slich, in reinem Wasser unl\u00f6slich ist, so muss die Fl\u00fcssigkeit nach der Neutralisation noch stark mit Wasser verd\u00fcnnt werden 3),\u2014so lehrt Denis. Daher empfiehlt er nochmals, um reines, salzfreies Albumin zu erhalten, das H\u00fchnereiweiss mit 2\u20143 Vol. Wasser zu verd\u00fcnnen, umzurscli\u00fctteln, zu filtriren, dann nochmals mit 20\u201430 Vol. zu verd\u00fcnnen, das Serum aber unmittelbar mehrfach zu verd\u00fcnnen, dann diese und jene Fl\u00fcssigkeit zu neutralisiren, indem man eine stark verd\u00fcnnte Pflanzen- oder Minerals\u00e4ure tropfenweise zugiebt. Nach 24 Stunden besteht der vom Filter abgenommene Niederschlag aus gef\u00e4lltem, in Wasser unl\u00f6slichem, in Salzen aber l\u00f6slichem Albumin4), welches Denis das eigentlich unl\u00f6sliche Albumin (l\u2019albumine proprement dite insoluble) nennt. Doch auch dieses ver\u00e4ndert sich und geht schon bei 50\u00b0\u201455\u00b0\u2014100\u00b0, namentlich solange es feucht ist. in den Zustand \u00fcber, in welchen auch das H\u00fchnereiweiss nach dem Kochen in Wasser \u00fcbergeht (ib. p. 57), und in welchen die andern Agentien, welche Eiweiss und Serum zur Gerinnung bringen (ib. p. 58), das Albumin \u00fcberf\u00fchren, oder auch wie er beim Erhitzen des Niederschlags aus dem Serum und dem Eiweiss bis 74\u00b0-75\u00b0 (ib. p. 72) entsteht, Mit einem Worte, das leicht in Salzen l\u00f6sliche Albumin verwandelt sich in das in Salzen unl\u00f6sliche sog. coagulirte Albumin 5).\n4) \u201e . .. und das allm\u00e4hlig in dem coagulirten Zustand \u00fcbergegangene Albumin absetzt, welches, ehe das Alkali mit S\u00e4ure v\u00f6llig ges\u00e4ttigt werden konnte, an dem Punkte, wo diesse eingegossen wurde, sich mit der S\u00e4ure verband und davon hernach durch das Akali beim Umr\u00fchren abgeschieden wurde\u201c (16 p. 543).\n\u25a0) \u201eL\u2019albumine soluble ou liquide est donc une r\u00e9union constante de sels et d\u2019un corps azot\u00e9, auxquels se joint presque toujours soit un acide soit un alcali libres qui ne sont pas essentiels \u00e0 la constitution, puisque\u2019 elle peut exister \u00e0 l\u2019\u00e9tat neutre\u201c (33 p. 44).\n3) \u201eAu contraire, qu\u2019on enl\u00e8ve les sels qu\u2019il renferme naturellement, un changement consid\u00e9rable s\u2019y op\u00e8re \u00e0 l\u2019instant; la substance azot\u00e9e se s\u00e9pare, devient insoluble dans l\u2019eau; l\u2019albumine liquide est d\u00e9compos\u00e9e en albumine coagul\u00e9e et\nen sels qui la rendaient soluble.\nLorsque l\u2019albumine soluble est acide ou alcaline, elle est susceptible d\u2019\u00eatre \u00e9tendue d\u2019eau en toute proportion sans qu\u2019elle s\u2019alt\u00e8re en\nrien. Il n\u2019en est plus de m\u00eame quand elle est neutre. Elle cesse d\u2019\u00eatre soluble dans l\u2019eau, si la quantit\u00e9 de ce liquide d\u00e9passe 10 \u00e0 15 fois son poids \u00e0 l\u2019\u00e9tat sec. Alors les sels seuls se dissolvent, et l\u2019albumine ayant moins d\u2019affinit\u00e9 pour eux que n\u2019en a l\u2019eau, elle se pr\u00e9cipite aussit\u00f4t. Ainsi, qu\u2019on neutralise avec un acide du s\u00e9rum ou du blanc d\u2019oeuf, qu\u2019on l\u2019\u00e9tende d\u2019une grande masse d\u2019eau, on en d\u00e9terminera n\u00e9cessairement la d\u00e9composition\u201c (33 p. 46).\n4) \u201eLes preuves que je viens d\u2019\u00e9tablir d\u00e9posent qu\u2019on a eu tort jusqu\u2019ici, de regarder l\u2019albumine soluble ou liquide comme une substance imm\u00e9diate simple. Elle est r\u00e9ellement un compos\u00e9. Ce sont les sels combin\u00e9s avec elle qui d\u00e9terminent sa solubilit\u00e9. L\u2019albumine coagul\u00e9e au contraire, qui est sa base, est insoluble dans l\u2019eau. Je vais l\u2019\u00e9tudier en d\u00e9tail et par l\u00e0 fournir encore de nouvelles preuves qui confirmeront ce que j\u2019ai d\u00e9j\u00e0 avanc\u00e9\u201c (ib. p. 49).\n6) \u201e... l\u2019albumine insoluble ou coagul\u00e9e pr\u00e9cipit\u00e9e par la chaleur ou par l\u2019alcool ou par les acides et les alcalis concentr\u00e9s du serum, du blanc","page":96},{"file":"p0097.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n97\nSomit nimmt Denis in dem im ausgeschiedenen Zustande befindlichen Albumin zwei Modificationen an: die eine ist zwar auch gef\u00e4lltes, aber in Salzl\u00f6sungen leicht l\u00f6sliches Albumin, f\u00fcr welches Denis empfiehlt die Benennung \u201ealbumine\u201c beizubehalten; die andre\u2014gleichfalls gef\u00e4lltes Albumin, aber im \u201egeronnenen\u201c, unl\u00f6slichen Zustande. F\u00fcr dieses schl\u00e4gt er den, besonders neben dem Worte mit der Endung \u201eine\u201c *), un\u00fcbersetzbaren Ausdruck \u201ealbumin\u201c (ib. p. 79) vor. Folglich unterschied Denis, ausser dem nat\u00fcrlichen Zustande des Albumins, in welchem er dessen Verbindung mit Alkalien und Salzen annahm, und ausser der in der W\u00e4rme geronnenen Modification desselben, auch noch einen dritten, \u201eneutralen\u201c, Zustand des Albumins, n\u00e4mlich gef\u00e4lltes aber in Salzl\u00f6sungen, Alkalien und S\u00e4uren l\u00f6sliches Albumin, welches alle Reactionen der nat\u00fcrlich vorkommenden albumin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten aufweisst, nachdem es in analogen Gemischen der anorganischen Bestandteile der albumin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten (ib. p. 57\u201463) aufgel\u00f6st worden ist.\nDiesem Zwischenzustande des Albumins, wenn man sich so ausdr\u00fccken darf, schenkte Berzelius keine Aufmerksamkeit. Nach allem, was wir dargelegt, blieb Denis nichts andres \u00fcbrig als zu sagen, dass Berzelius seine Schl\u00fcsse am Studiertische gezogen hatte, ohne, seiner Gewohnheit zuwider, die Richtigkeit derselben durch Versuche zu pr\u00fcfen 2), wobei aber Denis dem schwedischen Forscher die tiefste Achtung zollte.\nAusser bei Berzelius, findet man auch noch bei andern Autoren jener Zeit, welche jedoch nicht einmal Denis1 Namen erw\u00e4hnen, manche Best\u00e4tigungen der von diesem Autor gelieferten Thatsachen.\nSo fand, gleich ihm, Simon, dass mit Wasser verd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss (164 p. 59) und Serum (165 p. 588) bei dem Neutralismen mit Essigs\u00e4ure einen in Wasser unl\u00f6slichen Niederschlag von Albumin geben, bemerkt aber dabei, in voller Ueber-einstimmung mit Denis, dass bei dieser Operation nicht alles Albumin sich niederschl\u00e4gt (ib. p. 538). Ausserdem fand Simon (164 p. 60), dass auch ein Kohlens\u00e4urestrom in mit Wasser verd\u00fcnntem Serum (ib. p. 60) oder H\u00fchnereiweiss (ib. p. 51 und 56) das Albumin f\u00e4llt3).\nSehr interessante Thatsachen sowohl in Bezug auf Denis\u2019 Lehre als auch \u00fcber den damaligen Stand der Dinge in der Frage nach dem uns interessirenden K\u00f6rper finden wir bei Liebig. In seinem Briefe (1841,106 p. 539) an Denis best\u00e4tigt er dessen Angaben \u00fcber die F\u00e4llung des Serums nach der Neutralisation und Verd\u00fcnnung mit Wasser4) und beschreibt in seinem W\u00f6rterbuche ausf\u00fchrlich sowohl das Verfahren als auch die bei diesem Processe stattfindenden Reactionen. So meint\nd\u2019oeuf, des sucs albumineux des plantes, etc., albumine cuite ou coagul\u00e9e proprement dit animale et v\u00e9g\u00e9tale\u201c (ib. p. 77).\n\u2018) \u201eJusqu\u2019\u00e0 preuve contraire il faut admettre cette proposition, comme une cons\u00e9quence rigoureuse des faits connus; et, afin de d\u00e9signer convenablement les deux substances, je laisserai \u00e0 la derni\u00e8re le nom d\u2019a 1 b u m i n e en donnant celui d\u2019a 1 b u m i n \u00e0 l\u2019autre, au lieu de l\u2019appeler, selon l\u2019usage, albumine cuite ou coagul\u00e9e, expressions qui ne sont pas toujours vraies............\u201c\n(ib. p. 79).\ns) \u201eQuelques chimistes ont \u00e9crit qu\u2019elle n\u2019\u00e9tait que de l\u2019albumine coagul\u00e9e. C\u2019\u00e9tait le sentiment de Berzelius, qui ne l\u2019a motiv\u00e9 du reste que par des assertions sans preuves exp\u00e9rimentales, assertions faciles \u00e0 r\u00e9futer........ Cette th\u00e9orie for-\nmul\u00e9e dans le cabinet, contrairement aux habitudes du savant su\u00e9dois, n\u2019a aucun fondement, car il suffit d\u2019examiner l\u2019albumine s\u00e9par\u00e9e \u00e0 l\u2019\u00e9tat solide pour voir qu\u2019elle ne se comporte pas comme le fait l\u2019albumine coagul\u00e9e, surtout avec les sels neutres \u00e0 base d\u2019alcali.....\u201c (34 p. 25).\n3) \u201eAls ich in das Blutserum oder Eiweiss der Eier einen Strom von Kohlens\u00e4ure leitete, fiel das Albumin heraus, welches als Natronalbuminat darin enthalten war, l\u00f6ste sich aber auch beim anhaltend fortgesetzten Hindurchleiten des Gases nicht wieder auf\u201c (164 p. 60j.\n*) \u201eNous avons \u00e9galement r\u00e9ussi \u00e0 pr\u00e9cipiter l\u2019albumine sous forme de globules en ajoutant une suffisante quantit\u00e9 d\u2019eau \u00e0 du s\u00e9rum rendu neutre par un acide\u201c (106 p. 539).\n7","page":97},{"file":"p0098.txt","language":"de","ocr_de":"98\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nauch Liebig, dass es gleichg\u00fcltig sei, ob das Serum zuerst mit Essigs\u00e4ure oder verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure neutralisirt und dann mit Wasser verd\u00fcnnt wird, oder umgekehrt; in beiden F\u00e4llen wird ein Niederschlag erhalten, der sogleich in neutralen Salzen l\u00f6slich ist. Nach der Verd\u00fcnnung des Serums mit 100\u2014200 Vol. Wasser und der Neutralisation des das Albumin in L\u00f6sung haltenden Alkali bildet sich nach und nach ein Niederschlag, welcher nach dem Auswaschen sich als reines Albumin erweist 1). Einen ganz eben solchen K\u00f6rper erhielt Liebig auch aus H\u00fchnereiweiss nach dessen Verd\u00fcnnung mit 200\u2014300 Teilen Wasser und Neutralisation mit Essigs\u00e4ure2). Dieses \u201ereine Albumin\u201c l\u00f6st sich in L\u00f6sungen geringer Mengen neutraler Salze. Ausserdem l\u00f6sen sich die Niederschl\u00e4ge reinen Albumins aus Serum und Eiweiss nicht nur sehr leicht in Alkalien und Alkalicarbo-naten, sondern bleiben auch nach der Neutralisation des Alkali mit Essigs\u00e4ure in L\u00f6sung; ferner ist dieses reine Albumin aber auch in ganz neutralen Salzen, wie z. B. Salpeter, aus deren L\u00f6sung es durch eine grosse Menge Wasser wieder ausgef\u00e4llt wird3), l\u00f6slich. Nasse (124 p. 128) findet, dass schwache S\u00e4uren, wie Essigs\u00e4ure, Milchs\u00e4ure, Citronens\u00e4ure und Kohlens\u00e4ure, Tr\u00fcbung hervorrufen, dass aber durch Neutralisation mit S\u00e4ure sich, im allgemeinen, ein Niederschlag bildet (ib. p. 128). Weiter beobachtete Zimmermann (1844,180 p. 101) unter 50 F\u00e4llen von Blutenziehung in 17 F\u00e4llen, dass das Serum milchig und tr\u00fcbe war. Durch die Gegenwart von Fett konnte er diese Tr\u00fcbung nicht erkl\u00e4ren, und giebt zu, dass es irgend eine Prote\u00efnverbindung des Fibrins oder Globulins (Caseins) in fein verteiltem Zustande war; er schloss aber auch die M\u00f6glichkeit nicht aus, dass diese Teilchen ein durch die Neutralisation bedingter, unter dem Einfl\u00fcsse der Kohlen- oder Phosphors\u00e4ure des Serums auf eine in denselben enthaltene Verbindung des Albumins mit einen Alkali\u2014Alkalialbuminat\u2014erhaltener, Niederschlag gewesen sein konnten. Bemerken wir hier gleich, dass im Jahre 1837 Mandl (109 p. 478) im Serum neben den Blutk\u00f6rperchen sehr kleine K\u00f6rnchen beobachtete, die er f\u00fcr Albumin im coagulirten Zustande ansah. Zwei Jahre nach seiner ersten Arbeit kehrte Zimmermann (1846, 181 p. 197) zu dieser Frage wieder zur\u00fcck; er zieht hier die Behandlung mit S\u00e4ure und Wasser so zu sagen in die L\u00e4nge und findet, dass sowohl bei der Neutralisation des Serums als auch bei einem gewissen \u00dcberschuss an S\u00e4ure in der That kein Niederschlag beobachtet wird; l\u00e4sst man aber ein solches Serum ruhig stehen, so bemerkt man schon nach einer Stunde eine leichte Tr\u00fcbung, und nach 12 Stunden hat sich ein starker Niederschlag von Albumin gebildet. Noch mehr: die von dem Niederschlag abgegossene klare Fl\u00fcssigkeit l\u00e4sst nach Verd\u00fcnnung mit\n*) \u201eWird das Blutserum mit Essigs\u00e4ure oder verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure vorsichtig neutralisirt, so entsteht essigsaures oder schwefelsaures Natron, welche das ausgeschiedene reine Albumin gel\u00f6st erhalten; verd\u00fcnnt man aber diese Fl\u00fcssigkeit mit 100\u2014200 Theilen Wasser, so entsteht ein Niederschlag in weissen, rundlichen Flocken, der sich in der Ruhe vollkommen ahsetzt. Dieser Niederschlag enth\u00e4lt, ausgewaschen, nichts von der S\u00e4ure zur\u00fcck, es ist Albumin in reinem Zustande\u201c (105 p. 875).\n\u25a0) \u201eGanz den n\u00e4mlichen K\u00f6rper erh\u00e4lt man, wenn Eiweiss mit 2\u2014300 Th. Wasser wohl vermischt, filtrirt und alsdann, bis zum Verschwinden der Alkalinit\u00e4t, sehr verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure uzgesetzt wird, bis die Fl\u00fcssigkeit tr\u00fcbe und milch\u00e4hnlich geworden ist; in der Ruhe setzt sich,\nwie heim Serum, der Niederschlag ab, durch Abfiltriren und Waschen wird er rein erhalten\u201c (ib.).\n3) \u201eAber nicht bloss die genannten Alkalien, sondern auch v\u00f6llig neutrale Salze, und namentlich Salpeter, versetzen das reine Albumin in den l\u00f6slichen Zustand zur\u00fcck. Wird es feucht in der Form eines dicken Rahms mit etwas Salpeter versetzt, so wird die Mischung in einigen Augenblicken durchscheinend gallertartig; setzt man etwas mehr Salpeterl\u00f6sung zu, so entsteht nach 24 Stunden eine vollkommen fl\u00fcssige L\u00f6sung, die beim Erhitzen zu einer festen Masse gerinnt (P. Denis), mit vielem Wasser verd\u00fcnnt, schl\u00e4gt sich das Albumin aus der Salpeterl\u00f6sung wieder nieder\u201c (105 p. 875\u20146).","page":98},{"file":"p0099.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n99\nWasser noch eine grosse Menge geronnenen Albumins zu Boden fallen1). Ein Jahr sp\u00e4ter nennt Zimmermann (182 p. 47) den Niederschlag, welcher sich 24 Stunden nach der Verd\u00fcnnung des Serums mit Wasser im Verh\u00e4ltniss von 1 : 50 gebildet hat. schon geradezu molecul\u00e4res Albumin. Ausserdem erhielt er analoge Resultate, indem er Serum mit 10 Teilen Wasser bis auf 110 Vol. des anf\u00e4nglich genommenen Serums brachte. Dabei bemerkt Zimmermann, dass mit Wasser verd\u00fcnntes Serum in der W\u00e4rme niemals gerinnt (ib. p. 48). Erw\u00e4hnen wir hier gleich, dass Zimmermann ein Jahr fr\u00fcher ebenfalls von der Ungerinnbarkeit des mit Wasser verd\u00fcnnten Serums im Gegensatz zu dem neutralisirten, in der W\u00e4rme gerinnenden Serum gesprochen hatte (1846,181 p. 197).\nDerartige und zwar mit einander \u00fcbereinstimmende Angaben genannter Autoren konnten von den Verfassern von Lehrb\u00fcchern nicht unbeachtet bleiben. In der That sagt Lehmann in seinem Lehrbuch (1850), dass neutralisirtes und dann mit 20\u201430 Vol. Wasser (97 p. 341 und 344) verd\u00fcnntes Eiweiss oder Serum Albumin ausscheidet, welches vorher in Verbindung mit einem Alkali in L\u00f6sung gewesen war; den Process selbst erkl\u00e4rt Lehmann, in Uebereinstimmung mit anderen Autoren, dadurch, dass nach der Neutralisation das neugebildete Salz das Eiweiss gel\u00f6sst h\u00e4lt, dass aber nach starker Verd\u00fcnnung das Salz die F\u00e4higkeit einb\u00fcsst das Albumin in L\u00f6sung zu erhalten a).\n2. F \u00e4 11 u n g durch Alkohol. Die von Denis gelieferten Thatsachen finden ihre Best\u00e4tigung auch von einer andern Seite. Wir haben schon von der F\u00e4llbarkeit der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch Alkohol und der L\u00f6slichkeit solcher Niederschl\u00e4ge in Wasser (p. n. 83) gesprochen. Berzeli\u00fcs fand, dass bei Zimmertemperatur getrocknetes Serum nicht nur nach der Verreibung zu Pulver und Behandlung mit Aether und danach in kleinen Portionen mit Alkohol, sondern auch beim Trocknen bei 100\u00b0 seine L\u00f6slischkeit in Wasser nicht einb\u00fcsst und dessen Albumin in den coagulirten Zustand nicht \u00fcbergeht (14 p. 32). Uebrigens hatte schon vor Berzelius Denis vorgeschlagen, Serum unter 74\u00b0 zu trocknen und dann den Trockenrest mit Wasser zu extrahiren; die erhaltene L\u00f6sung nannte er fr\u00fcher Albumin (1830, 30 p. 101), was mit seiner Lehre gleichsam im Widerspruch steht. Eine ganz befriedigende Erkl\u00e4rung dieser Erscheinung finden wir jedoch bei Berzelius (p. n. 87), sowie auch bei sp\u00e4teren Autoren. So spricht Zimmermann (182 p. 70) in seiner Arbeit von 1846, und auch im J. 1847 die feste Ueber-zeugung aus, dass nicht nur mit absolutem oder verd\u00fcnntem Alkohol sondern auch mit Wasser allein es schwer sei, das aus Serum mit absolutem Alkohol ausgef\u00e4llte Albumin sowohl von dem kohlensauren als auch von dem schwefelsauren Natron zu befreien; das Wasser w\u00e4scht eher das Chlornatrium als das Alkali aus. Dasselbe Verhalten der anorganischen Bestandteile dem Albumin gegen\u00fcber bei der F\u00e4llung mit Alkohol beobachteten Marchand & Colberg an der Lymphe (111p. 131). In demselben Sinne spricht sich auch Lehmann aus, der unter l\u00f6slichem Eiweiss und l\u00f6slichem Serum (er nennt sie \u201el\u00f6sliches Albumin\u201c oder \u201el\u00f6sliche Modification\u201c desselben) \u00fcber Schwefels\u00e4ure im leeren Raum oder unter gew\u00f6hnlichen Bedingungen nicht \u00fcber 50\u00b0 getrocknetes Eiweiss oder Serum, mit nachfolgender Behandlung mit Alkohol und Aether, versteht. Selbstverst\u00e4ndlich konnte Lehmann nicht umhin anzuerkennen, dass in den genannten F\u00e4llen die erhaltenen Pr\u00e4parate keineswegs frei von mineralischen Bestandteilen angesehen werden d\u00fcrfen (97 p. 344\u20145). Dazu\n*)\t\u201e. ... eine grosse Menge\tcoagulirten Albn-\tte Albumin\twird durch die Salze gel\u00f6st erb alten,\n-mins zu Boden\u201c (181 p. 197).\tdurch starke\tVerd\u00fcnnung verlieren diese aber ihre\n2)\t\u201eDie Erkl\u00e4rung der letzten Erscheinung ist\tL\u00f6sungkraft,\tund das Albumin scheidet sich allm\u00e4-\ndie:\tdas von Alkali durch die\tEssigs\u00e4ure befrei-\tlig aus\u201c (97\tp. 341).","page":99},{"file":"p0100.txt","language":"de","ocr_de":"100\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nfindet Lehmann noch, dass sogar mit Alkohol gef\u00e4lltes Albumin sich schwer in reinem Wasser l\u00f6st, leichter in Wasser, welches ein Alkalisalz enth\u00e4lt (ib. p. 341).\n3. Der Trockenrest. Das genauere Studium des Trockenrestes der pro-te'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten liefert seinerseits ein h\u00f6chst interessantes Material zu Gunsten von Denis\u2019 Lehre. So geht Simon noch weiter als seine Vorg\u00e4nger und findet, dass Eiweiss nicht nur nach einfachem Abdampfen bei 40\u00b0 sondern auch in dem Falle, wenn das Alkali der Fl\u00fcssigkeit vorher genau neutralisirt worden war, sich in Wasser aufl\u00f6st. Dasselbe beobachtete, Simon\u2019s Worten nach, auch Chevreul1). Andererseits zeigten Scherer (148 p. 19) und nach ihm Liebig (105 p. 876), die L\u00f6slichkeit des bei gew\u00f6hnlicher Temperatur abgedampften menschlichen Serums best\u00e4tigend, dass ein solches, nach Scherer zu grobem, nach Liebig zu feinem Pulver verriebenes Serum bei dem Auswaschen mit kleinen Portionen kalten Wassers gallertartige St\u00fccke auf dem Filter zur\u00fcckl\u00e4sst, welche bei 25\u00b0\u201428\u00b0 R. in Wasser unl\u00f6slich sind. Die Aschenanalyse zeigte Scherer, dass im ersten Fall der unl\u00f6sliche Teil eine Asche giebt, die schon keine alkalisch reagirenden und \u00fcberhaupt keine l\u00f6slichen Salze mehr enth\u00e4lt (148 p. 20). Dementsprechend h\u00e4lt Liebig diesen Rest f\u00fcr reines Albumin, das gar keine l\u00f6slichen Salze enth\u00e4lt, durch welche, seiner Meinung nach, jenes in L\u00f6sung erhalten wurde, welche aber in dem gegebenen Falle von den schnell abfliessenden Waschw\u00e4ssern mitgerissen worden waren. Wird dieser Niederschlag in die Waschw\u00e4sser gebracht, so l\u00f6sst er sich in denselben auf und bildet eine Fl\u00fcssigkeit, die in der W\u00e4rme gerinnt2). Nasse, der dieses von Salzen befreite Albumin \u201edas ungeronnene\u201c nannte, findet, dass es in Essigs\u00e4ure viel leichter als das geronnene (124 p. 150) und auch in Salpeter sich leicht aufl\u00f6st (ib. p. 152). Diese Beobachtungen scheinen Denis\u2019 Gedanken zu best\u00e4tigen, nach welchem das in den pro-te\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten l\u00f6sliche Albumin nur auf Kosten der darin enthaltenen Salze in L\u00f6sung bleiben soll, da nach der Entfernung derselben durch schnelles Auswaschen ein Albumin zur\u00fcckbleibt, welches die F\u00e4higkeit in dem Waschwasser und in Salzen sich aufzul\u00f6sen nicht eingeb\u00fcsst hat, in Wasser aber offenbar unl\u00f6slich ist. Doch auch ein anderer Teil von Denis\u2019 Lehre, n\u00e4mlich dass das Albumin in den Fl\u00fcssigkeiten zum Teil in Verbindung mit Alkalien enthalten sei, findet in Scherer\u2019s Arbeiten seine Best\u00e4tigung. Indem letzterer die Waschw\u00e4sser des trocknen Serumpulvers sammelte, fand er, dass das Waschwasser Albumin zwar enth\u00e4lt, die Fl\u00fcssigkeit aber beim Kochen sich gar nicht ver\u00e4ndert und sogar bei starkem Abdampfen nicht gerinnt, w\u00e4hrend der Trockenrest stark alkalisch reagirt und, nach Liebig (105 p. 876), Kochsalz (148 p. 20), Sulfate und Chloride enth\u00e4lt. Bemerken wir unter anderem, dass diese Waschw\u00e4sser, die beim Kochen nicht gerannen, beim Abdampfen gleich der Milch H\u00e4utchen bildeten, was auf Casein hinweist3 * * *). Doch findet Scherer, dass auch alles Serum, sammt dem Teile, der bei dem Auswaschen auf dem Filter zur\u00fcckbleibt, in einen analogen Zustand \u00fcbergeht, wenn zu frischem mit dem\n*) \u201eDas bei 40\u00b0 abgedampfte l\u00f6ste sieb im Wasser wieder auf. Auch wenn man das freie Alkali genau s\u00e4ttigt und dann das Eiweiss auf angegebene Art behandelt, zeigt sich derselbe Erfolg\u201c (164 p. 57).\n2) \u201e....... so bleibt ein gallertartiger R\u00fcck-\nstand, der sich nicht mehr l\u00f6st; es ist reines Albumin, was beim Ein\u00e4schern keine alkalisch\nreagirende Asche, \u00fcberhaupt kein l\u00f6sliches Salz,\nsondern nur eine kleine Menge phosphorsauren\nKalk hinterl\u00e4sst. Das Wrasser nahm bei diesem\nAuswaschen offenbar die l\u00f6slichen Salze zuerst\nhinweg, mit deren H\u00fclfe sich das Albumin in Aufl\u00f6sung erhielt. W7ird das Waschwasser in der That mit dem R\u00fcckst\u00e4nde auf dem Filter wieder zusammengebracht, so l\u00f6st er sich v\u00f6llig wieder auf zu einer in der W\u00e4rme coagulirenden Fl\u00fcssigkeit\u201c (105 p. 876).\n3) \u201e....die durch Auslaugen des Blutserums\nerhaltene Fl\u00fcssigkeit sich wie eine L\u00f6sung von Casein verh\u00e4lt und eine sehr alkalische Asche liefert. Dieses ist eine Thatsache, die sich bei jedem l\u00f6slichen Casein in seiner Asche wiederfindet\u201c\" (148 p. 20).","page":100},{"file":"p0101.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n101\ndoppelten Gewicht Wasser verd\u00fcnntem Serum Aetzkali bis zu kaum merklicher Wirkung auf Curcumapapier *) hinzugef\u00fcgt wird, wonach die Fl\u00fcssigkeiten beim Kochen nicht mehr gerinnen.\n4. F\u00e4llung durch Wasser. Denis\u2019 Ansicht, dass das Albumin in den prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten zum Teil in Verbindung mit Salzen vorhanden sei, und die Salzl\u00f6sungen des Albumins durch Wasser f\u00e4llbar seien, hat ihre Begr\u00fcndung in der Wirkung von blossem Wasser auf die prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. Ausser den Beobachtungen der ersten Periode, die wir in Kapitel III (p. n. 78) dargelegt haben, fand, fast zu derselben Zeit wie Denis, Dutrochet (1833, 42 p. 369 in der Anmerkung), gleich den Autoren der zweiten Periode, dass Eiweiss durch Wasser gef\u00e4llt wird; tr\u00e4gt man es aber in Wasser tropfenweise ein, so beziehen die Tropfen sich gleichsam mit einem H\u00e4utchen, das beim Umsch\u00fctteln der Fl\u00fcssigkeit sich in Flocken verwandelt, welche Dutrochet f\u00fcr geronnenes Albumin ansieht. Demgem\u00e4ss glaubt dieser Forscher, dass das Eiweiss zwei Substanzen, eine unter der Einwirkung von VTasser gerinnende und eine in Wasser l\u00f6sliche, enth\u00e4lt (ib.p. 369). In der Folge behauptete Dutrochet (1837,43 p. 42\u20143) fest, dass bei der Einwirkung von Wasser sich nicht H\u00e4utchen auscheiden, in denen das Albumin enthalten ist, sondern dass dieses selbst sich ausscheidet und zwar im \u201egeronnenen\u201c Zustande2). Gleich Denis (1839, 32 p. 17) beobachteten auch Simon (164 p. 51 und 56) und Dumas & Ca-hours (41 p. 405 und 407). dass bei Verd\u00fcnnung mit Wasser das H\u00fchnerei-weiss einen Niederschlag auscheidet, der, ihrer Ansicht nach, aus den H\u00e4utchen besteht, welche das Eiweiss durchziehen (tela cellulosa\u2014164 p. 51 und 56). Doch fanden Lehmann & Messerschmidt im J. 1842 (102 p. 244),'dass bei der Verd\u00fcnnung mit sehr viel Wasser H\u00fchnereiweiss zwar eine grosse Menge weisser Flocken auscheidet, diese Flocken sich jedoch leicht in Salmiak- und Kochsalzl\u00f6sungen aufl\u00f6sen, und dass die erhaltenen L\u00f6sungen ihrerseits durch Wasser gef\u00e4llt werden, wobei die Niederschl\u00e4ge aufs neue in Salzen l\u00f6slich sind 3). Auch Lehmann & Messerschmidtbeobachteten, dass bei der Neutralisation mit sehr verd\u00fcnnter Milchs\u00e4ure der sich dabei aus dem Eiweiss abscheidende Niederschlag in den erw\u00e4hnten Salzl\u00f6sungen (102 p. 234) l\u00f6slich ist. Nasse (1842, 124 p. 128) erw\u00e4hnt gleichfalls, dass Serum hei der Verd\u00fcnnung mit Wasser sich tr\u00fcbt. Scherer (149, p. 77, 107\u20149, 115 und 167) fand, dass Transsudate (der Pleura, des Peritoneums) und auch Serum (ib. p. 82)\n*) \u201eGanz frisches reines Blutserum wurde mit seinem doppelten Gewichte destillirten Wassers vermischt und dieser Fl\u00fcssigkeit etwas weniges fl\u00fcssiges Aetzkali zugesetzt. Die alkalische Reaction des Aetzkali verschwindet, wenn man nicht zu viel zusetzt, beinahe ganz. Hat man das Verh\u00e4ltniss in der Art genommen, dass noch einige Reaction auf Curcumapapier stattfindet und erhitzt nun diese Fl\u00fcssigkeit zum Kochen, so findet keine Coagulation des Eiweisses mehr statt\u201c (148 p. 21).\nl) \u201eLorsqu\u2019on met l\u2019albumen de l\u2019oeuf de poule dans de l\u2019eau, celle - ci dissout une quantit\u00e9 d\u2019abord assez faible d\u2019albumine, et la surface de l\u2019albumen immerg\u00e9 se couvre d\u2019une enveloppe blanch\u00e2tre;... Un chimiste c\u00e9l\u00e8bre pense que l\u2019albumen de l\u2019oeuf est compos\u00e9 d\u2019un r\u00e9seau solide, dans les mailles duquel l\u2019albumine soluble est contenue, et que l\u2019eau venant \u00e0 dissoudre cette derni\u00e8re, le r\u00e9seau solide reste \u00e0 nu; ce serait lui qui formerait cette enveloppe blanch\u00e2tre qui\nrecouvre l\u2019albumen plong\u00e9 dans l\u2019eau. Mes exp\u00e9riences ne me permettent point d\u2019adopter cette mani\u00e8re de voir, que r\u00e9prouve \u00e9galement la physiologie.... La substance blanch\u00e2tre qui appa-\nra\u00eet \u00e0 la surface de l\u2019albumen plong\u00e9 dans l\u2019eau est le r\u00e9sultat d\u2019une v\u00e9ritable coagulation de l\u2019albumine, coagulation qui est op\u00e9r\u00e9e par le contact de l\u2019eau\u201c (43 p. 42\u20143).\n3) \u201eVerd\u00fcnnt man das Eiweiss aus Eiern, besonders solchen, die l\u00e4ngere Zeit in Kalkwasser eelegen haben, mit viel Wasser, so scheiden sich eine Menge weisser Flocken aus, die von Salmiak und Kochsalzl\u00f6sung sehr leicht wieder aufgel\u00f6st werden; verd\u00fcnnt man diese L\u00f6sung wieder mit Wasser, so scheiden sich von Neuem Flocken aus, die auf Zusatz einer Salzl\u00f6sung alsbald wieder verschwinden; besser noch l\u00e4sst sich dies an mit Wasser anger\u00fchrtem Eidotter trotz der durch das Fett bedingten Tr\u00fcbung beobachten\u201c (102 p. 234).","page":101},{"file":"p0102.txt","language":"de","ocr_de":"102\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nbei der Verd\u00fcnnung mit Wasser, in Essigs\u00e4ure und Salzl\u00f6sungen (ib.p. 109,113 und 115> l\u00f6sbare Niederschl\u00e4ge ausschieden; wurden aber diese noch feucht an der Luft liegen gelassen, so b\u00fcssten sie vollst\u00e4ndig oder beinahe vollst\u00e4ndig die F\u00e4higkeit ein, sich nicht nur in Salzl\u00f6sungen sondern auch in Essigs\u00e4ure aufzul\u00f6sen. Ueberdies stellte Scherer auch noch quantitative Bestimmungen an und fand, dass z. B. pleuritisches Exsudat beim Kochen in Gegenwart von Essigs\u00e4ure 4,77% Albumin gab, bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser dagegen nur 0.456% (ib. p. 108), in einem andern Falle beim Kochen mit Essigs\u00e4ure\u20142,27%, mit Wasser\u20141,19% Albumin auschied (ib.p. 115). Desgleichen findet auch Zimmermann (181 p. 211), dass die Verd\u00fcnnung eines jeden Menschen- oder Ochsenserums mit sehr viel Brunnenwasser einen Niederschlag von eben derselben Anzahl von Albumin-Molec\u00fclen bewirkt, wie die Verd\u00fcnnung mit ebenso viel Wasser einer gleichen Menge, aber neu-tralisirten Serums (ib.p. 511). Wird das Serum entweder mit Quellwasser oder mit destillirtem Wasser in dem Verh\u00e4ltniss von 10:18 verd\u00fcnnt, so bilden sich Niederschl\u00e4ge erst nach 12\u201424 Stunden, im allgemeinen geht die F\u00e4llung durch destillir-tes Wasser langsamer und sp\u00e4rlicher von statten (ib. p. 212\u20143). Einen besonders merklichen Unterschied in der Menge des erhaltenen Niederschlags bei um 3-, 4-f 5-, 6-, 8-mal st\u00e4rkerer Verd\u00fcnnung hat Zimmermann nicht beobachtet (ib.p. 216); er f\u00fchrte die Verd\u00fcnnung noch weiter, bis auf 1 : 50 und sogar 1 : 100 (1847, 182 p. 47). Die erhaltenen Niederschl\u00e4ge l\u00f6sen sich in neutralen Salzen und werden durch Wasser wieder gef\u00e4llt. Auch in Essigs\u00e4ure *) sind diese Niederschl\u00e4ge leicht l\u00f6slich. Das Ausfallen des Albumins aus den Salzl\u00f6sungen bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser erkl\u00e4rt Zimmermann dadurch, dass das Albumin in einer wenig concentrirten Salzl\u00f6sung, die nicht mehr im Stande ist Albumin zu l\u00f6sen, nicht Zur\u00fcckbleiben kann (ib p. 215). Demgem\u00e4ss verhindert die Zugabe einer geringen Menge eines neutralen Salzes (wie z. B. Kalium- und Natriumcarbouat, Kalium- und Natriumsulfat, Chlornatrium und- kalium, Kalium- und Natriumphosphat, Kalium- und Natriumsalpeter, weinsaures Kalium und Natrium, Cyankalium, Iodkalium, Ferrocyankalium, Ammoniumcarbonat und -phosphat, Magnesiumsulfat) das Ausfallen des Albumins bei der Verd\u00fcnnung des Serums mit Wasser. Auf Grund seiner Beobachtungen glaubt Zimmermann, das Albumin werde im Serum sowohl von Natriumphosphat und Kochsalz als auch von Aetz-natron gel\u00f6st erhalten (ib. p. 319). Schon fr\u00fcher hatte Brett (1838, 17 p. 3) im Blute drei Protemk\u00f6rper angenommen, wovon der eine selbst\u00e4ndig, der andre durch Einwirkung von W\u00e4rme gerinnen, der dritte mit Natrium verbunden sein sollte. Fast zu derselben Zeit sprach auch Marchand (1844,110 p. 235) die Meinung aus, dass das Albumin an sich selbst in Wasser nicht l\u00f6slich sei, in den prote\u00efnhalti-gen Fl\u00fcssigkeiten aber durch Alkalicarbonate in L\u00f6sung erhalten werde. Sowohl diese als auch die \u00fcbrigen Alkalisalze bes\u00e4ssen das Verm\u00f6gen Albumin in L\u00f6sung zu erhalten, demgem\u00e4ss der Fall eintreten k\u00f6nne, dass bei der Neutralisation der nat\u00fcrlich vorkommenden prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten das Albumin nicht ausf\u00e4llt; werden diese aber mit Wasser verd\u00fcnnt, so scheidet sich das Albumin aus2). Ebenso spricht auch Lehmann, sowohl im J. 1850 (97 p. 356) als auch im J. 1853 (99 p. 313), indem er das Albumin im Eiweiss f\u00fcr ein Natriumalbuminat erkl\u00e4rt, sich dahin aus, dass bei der Verd\u00fcnnung des H\u00fchnereiweisses mit Wasser nicht nur die Eiweissmembranen\n*) \u201eDurch Neutralsalze l\u00f6st sich das Albumin-sediment sehr leicht und kann aus der L\u00f6sung durch Zuguss von Wasser wieder niedergeschlagen werden\u201c (182 p. 213).\n-) \u201eEs ist dasselbe n\u00e4mlich an und f\u00fcr sich in\nWasser durchaus unl\u00f6slich, und wird nur aufgel\u00f6st gehalten durch die geringe Quantit\u00e4t des kohlensauren Natrons, mit welchem es in dem Serum verbunden ist\u201c; u. s. w. (110 p. 235).","page":102},{"file":"p0103.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n103\nausfallen sondern auch das Albumin, da der aus Protein bestehende Teil des Niederschlags in Chlorammonium, Kochsalz und diesen \u00e4hnlichen neutralen Salzen sich vollst\u00e4ndig *) aufl\u00f6st, so dass nur die Membranen und Chalazen ungel\u00f6st bleiben (99 p. 313). Das, was wir \u00fcber die F\u00e4llbarkeit des Blutserums und des H\u00fchnereiweisses gesagt haben, vervollst\u00e4ndigen Arnold\u2019s (2 p. 122) im Jahre 1858 ausgef\u00fchrte Beobachtungen, n\u00e4mlich dass bei der Verd\u00fcnnung des H\u00fchnereiweisses mit 2\u201410 Vol. Wasser dasselbe in Gestalt von F\u00e4den, K\u00f6rnchen und dergl. ausf\u00e4llt. Uebrigens hatte Melsens (116 p. 185) schon fr\u00fcher gezeigt, dass sogar nach dem Abfiltriren des Niederschlags vom Wasser beim Sch\u00fctteln des Filtrats oder beim Durchleiten neutraler Gase durch dasselbe, im Eiweiss sich wieder Niederschl\u00e4ge bilden. Solche Niederschl\u00e4ge erhielten auch Chalfeieff (21 p. 134) und Gautier (54 p. 1069). Gautier h\u00e4lt dieselben f\u00fcr Globulin, wobei er dieses mit dem Fibrinogen identificirt und es deshalb \u201eovofibrinog\u00e8ne\u201c nennt (ib. p. 1070).\n5. Stand der Frage am Ende der vierziger Jahre. Sowohl Denis\u2019 erste Arbeiten als auch diejenigen einer ganzen Reihe von Beobachtern in der Zeitperiode zwischen 1835 und dem Ausgange der vierziger Jahre sind der Vergessenheit anheim gefallen. Nicht nur jetzt spricht niemand mehr davon, schon seit dem Ende der genannten Zeitperiode erw\u00e4hnt man ihrer nicht mehr, kennt man sie nicht mehr!\nUnd doch waren die Arbeiten der Gelehrten dieses kurzen Zeitraums, der die Grenze zwischen der Lehre vom Albumin der \u00e4lteren Autoren und derjenigen unserer Zeit bilden, sowohl durch ihren Gegenstand als auch in Bezug auf ihre Beziehung zu der Lehre vom Globulin h\u00f6chst interessant.\nDabei w\u00fcrden wir schwerlich einen besseren Commentator alles dessen, was die bis zum Ende der vierziger Jahre gemachten Beobachtungen und deren wahre Bedeutung anbetrifft, finden als Liebig.\n\u201eAllen Fl\u00fcssigkeiten, welche in einer gewissen Menge Albumin gel\u00f6sst erhalten, erteilt diese Materie die Eigenschaft, wenn sie \u00fcber 60\u00b0 erhitzt werden, zu einer festen Masse zu gerinnen\u201c...3)! Auf Grund des soeben Angef\u00fchrten beschreibt Liebig, sich auf Denis\u2019 Standpunkt stellend, in dem Kapitel \u00fcber die Proteink\u00f6rper, wie zu erwarten war, die \u201eEigenschaften des Blutserum s\u201c, d. h. das, was von andern Autoren der ersten Periode und von vielen neuerer Zeiten \u201eEigenschaften des Albumins\u201c genannt wurde (105 p. 875).\nIm Hinblick darauf, dass das von Liebig Mitgeteilte so zu sagen das Resum\u00e9 alles dessen ist, was wir \u00fcber die Eigenschaften der prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten und des Albumins dargelegt haben, geben wir es hier in von uns systematisirter Uebersicht wieder.\nI. Das Serum vermischt sich mit allen Alkalisalzen, ohne sich zu ver\u00e4ndern.\n*) \u201eMan kann sich hiervon sehr leicht \u00fcberzeugen, wenn man so behandeltes und von ausgeschiedenen Flocken fast weiss und undurchsichtig gewordenes Eiweiss mit einem wenn auch nur neutral reagirenden Alkalisalze, z. B. Chlor-natrium, Salmiak und dergl., versetzt; ein sehr grosser Theii der Tr\u00fcbung verschwindet alsdann, und man erkennt in dem noch ungel\u00f6st gebliebenen unter dem Mikroskop nur noch die Ausl\u00e4ufer der Chalazen und die membran\u00f6sen Theile\u201c (97 p. 356, beinahe Wort f\u00fcr Wort, wie in 98 p. 313;.\n:) \u201eAllen Fl\u00fcssigkeiten, welche Albumin in einer gewissen Menge gel\u00f6st enthalten, ertheilt\ndiese Materie die Eigenschaft, wenn sie \u00fcber 60\u00b0 C. erhitzt werden, zu einer festen, elastischen Masse zu gerinnen, wobei man keine Art von Gasentwickelung bemerkt. Die Fl\u00fcssigkeiten, denen diese Eigenschaft zukommt, besitzen eine alkalische Reaction und enthalten stets mehr oder weniger neutrale Salze, Kochsalz, kohlensaures Natro u. s. w., von denen sich das Albumin nicht trennen l\u00e4sst, ohne seine Eigenschaften einzub\u00fcs-sen. Die Eigenschaften des reinen Albumins sind so gut wie unbekannt; Alles, was man dar\u00fcber weiss, bezieht sich auf das Verhalten des Blutserums und des Eiweisses\u201c (105 p. 874\u20145).","page":103},{"file":"p0104.txt","language":"de","ocr_de":"104\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nII.\tMinerals\u00e4uren, die in das Serum in solcher Menge eingef\u00fchrt werden, dass die alkalische Reaction in die neutrale \u00fcbergeht, ver\u00e4ndern das Aussehen des Serums nicht, dasselbe bleibt klar; wird aber das neutralisirte Serum mit Wasser verd\u00fcnnt, oder solches vor der Neutralisation zugesetzt, so scheidet das Serum in beiden F\u00e4llen bei dem Eintritt der neutralen Reaction einen Niederschlag aus. Fast ebenso verh\u00e4llt sich das H\u00fchnereiweiss.\nIII.\tDas reine Albumin ist an sich selbst in Wasser unl\u00f6slich.\n1.\tIm Serum und im Eiweiss wird die L\u00f6slichkeit des Albumins durch das Natrium bedingt, mit welchem es chemisch verbunden ist, so wie auch durch Salze mit alkalischen Basen.\n2.\tDemselben Natrium verdanken das Serum und das Eiweiss die Eigenschaft mit Wasser verd\u00fcnnt werden zu k\u00f6nnen, ohne Albumin auszuscheiden, mit Ausnahme eines verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringen Teils desselben.\n3.\tDie in diesem letzten Falle sich bildenden Salze halten das Albumin in L\u00f6sung und zwar;\na.\tBei vorsichtigem Neutralismen des Serums mit Essigs\u00e4ure oder verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure h\u00e4lt das sich bildende Natriumacetat oder Natriumsulfat das in diesem Falle aus seiner Verbindung mit dem Natrium abgespaltene reine Albumin in L\u00f6sung.\nb.\tBei der Verd\u00fcnnung der neutralisirten Fl\u00fcssigkeit mit 100\u2014200 Teilen Wasser scheidet sich ein Niederschlag aus, der bei ruhigem Stehen der Fl\u00fcssigkeit zu Boden f\u00e4llt.\nc.\tDer erhaltene Niederschlag enth\u00e4lt nach dem Auswaschen gar keine S\u00e4ure und stellt reines Albumin vor.\nd.\tEbenso wird Albumin rein und in Gestalt von Niederschl\u00e4gen nach der Verd\u00fcnnung mit 200\u2014300 Teilen Wasser erhalten.\nIV- Reines aus Serum und Eiweiss in Gestalt von Niederschl\u00e4gen ausgeschiedenes Albumin wird sowohl durch Salzl\u00f6sungen als auch durch Alkalien sehr leicht aufs neue in den l\u00f6slichen Zustand \u00fcbergef\u00fchrt.\n1.\tEine Albuminl\u00f6sung in Aetznatron oder Natriumcarbonat verh\u00e4lt sich, nach der Entfernung eines Ueberschusses des Alkali durch Essigs\u00e4ure, zur W\u00e4rme, zu Alkohol, Sublimat und S\u00e4uren wie nat\u00fcrlich vorkommendes Serum und Eiweiss. _\n2.\tEine Albuminl\u00f6sung in einem neutralem Salze\u2014z. B. in Salpeter\u2014scheidet sich in der W\u00e4rme und auch bei Verd\u00fcnnung mit Wassser aus.\nV.\tAus dem Gesagten folgt, dass im Serum neben dem Aetznatron auch andere Salze nicht nur an der Aufl\u00f6sung des Albumins sondern auch an der Erhaltung desselben in L\u00f6sung, nachdem die Fl\u00fcssigkeit z. B. mit Essigs\u00e4ure oder Schwefels\u00e4ure neutralisirt worden war, teilnehmen.\n1.\tDoch halten die bei der Neutralisation sich bildenden Salze nur bei einem gewissen Concentrationsgrade das Albumin in L\u00f6sung;\n2.\tda nach der Verd\u00fcnnung des neutralisirten Serums und Eiweisses mit G asser das Albumin ausf\u00e4llt.\nVI.\tReines ausgeschiedenes Albumin ist in Essigs\u00e4ure und auch in verd\u00fcnnter Phosphors\u00e4ure (105 p. 874 u. folg.) l\u00f6slich.\nBesondere Benennungen f\u00fcr die Niederschl\u00e4ge und Alb umin reste der p r o t e \u00ef n h a 11 i g e n Fl\u00fcssigkeiten. Am Anfang der f\u00fcnfziger Jahre erfuhr der regelm\u00e4ssige Entwicklungsgang dei Leine vom Albumin eine marquante St\u00f6rung. Ein an sich selbst . ganz geringf\u00fcgiger Linstand wurde die Quelle von Verwirrungen und Ungewissheiten, deren Spuren noch\nX","page":104},{"file":"p0105.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n105\njetzt zu erkennen sind. Ein solcher, in der Geschichte einer jeden Wissenschaft h\u00e4ufig vorkommender geringf\u00fcgiger Umstand\u2014die Unkenntniss seitens dieses oder jenes Autors der Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger \u2014 veranlasste in dem gegebenen Falle auch andere Autoren den Gegenstand anders aufzufassen. Der Urheber der erw\u00e4hnten Verwirrung war Panum. Ihm waren die Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger nicht nur unbekannt, er stellte auch noch die Thatsachen, die er kannte, in falsches Licht. Sein Eintreten in die Geschichte der Prote'ink\u00f6rper deutet Panum wirklich mit der Beschreibung einer Thatsaelie an, die schon bekannt und von seinen Vorg\u00e4ngern vielleicht besser studirt worden war. \u201eAls ich am 14 Okt. etwas Blutserum in ein Glas Wasser goss, sah ich zu meinem Erstaunen\u201c, schreibt Panum (1851, 128 p. 251), \u201edass das Wasser das Ansehen eines d\u00fcnnen Milchwassers annahm\u201c 1). Diese Erscheinung wurde nicht nur durch Quellwasser sondern auch durch destillirtes Wasser, aber nur bei 4-oder mehrfacher Verd\u00fcnnung hervorgerufen, w\u00e4hrend die Verd\u00fcnnung mit 10 Vol. Wasser die Tr\u00fcbung vermehrte. Bei fernerer Verd\u00fcnnung, bis 20 Vol., blieb die Tr\u00fcbung sich gleich, wurde aber sp\u00e4ter weniger dicht. Nach 24 Stunden ging die Tr\u00fcbung in einen Niederschlag \u00fcber, welcher auf dem Filter sich sammelte, und die Mutterlauge lief ganz klar durch. Der Niederschlag l\u00f6ste sich in einer geringen Menge Essigs\u00e4ure, in Alkalicarbonaten und freien Alkalien; die L\u00f6sung des Niederschlags in Essigs\u00e4ure wurde von Ferrocyankalium gef\u00e4llt: \u201eUnter dem Mikroskop zeigte das Sediment sich als eine amorphe Punktmasse, wie Eiweiss (!?), das durch Alkohol unter dem Mikroskop zum Gerinnen gebracht wird\u201c (128 p. 252). Gleich darauf f\u00fcgt Panum hinzu: \u201eDie vom Sediment getrennte klare Fl\u00fcssigkeit reagirte alkalisch und enthielt viel Albumin, das beim Kochen coagulirte\u201c (!?) (ib. p. 252). Es kann nicht geleugnet werden, dass, fr\u00fchere Autoren F\u00e4llung durch Wasser zwar bemerkt hatten, jedoch fanden, dass nach Abscheidung des Niederschlags das Serum, durch die entstandene Verd\u00fcnnung, die F\u00e4higkeit einb\u00fcsst in der W\u00e4rme zu gerinnen, oder dass nach dem Kochen nur sehr schwache Opalescenz eintritt,\u2014wovon sich jeder leicht \u00fcberzeugen kann (p. n. 67). Somit sehen wir hier die erste Ungenauigkeit, deren Panum bewusst oder unbewusst sich schuldig macht, die er aber jedenfalls begeht, um dem \u201eneuen K\u00f6rper\u201c\u2014dem obenbeschriebenen Niederschlag\u2014dasselbe \u201eAlbumin\u201c, mit dessen Haupteigenschaft \u201ein der W\u00e4rme zu gerinnen\u201c gegen\u00fcberzustellen. Mit 2 Vol. Wasser verd\u00fcnntes Serum verliert, wie wir schon wissen, bereits die charakteristischen Eigent\u00fcmlichkeiten der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, und kann in keinem Falle als Typus dienen, um die wichtigsten Reactionen des Albumins zu zeigen. Jedenfalls konnte Panum aus den schon ver\u00f6ffentlichten Thatsachen ersehen, dass man es hier mit ver\u00e4ndertem Albumin zu tliun hat Uebrigens finden wir zur Best\u00e4tigung des soeben Gesagten experimentelle Thatsachen bei Panum selbst2).\nFerner beschreibt Panum ziemlich na\u00efv die Art und Weise, wie er auf die F\u00e4llung des Serums durch S\u00e4uren gekommen war. Er hatte n\u00e4mlich beobachtet, dass bei der Verd\u00fcnnung des Serums mit Wasser die F\u00e4llung nicht sogleich stattfindet, der\n*) \u201eAls ich am 14. Oct. etwas Blutserum in ein Glas Wasser goss, sah ich zu meinen Erstaunen, dass das Wasser unklar wurde und fast das Ansehen eines d\u00fcnnen Milchwassers annahm\u201c (1851, 128 p. 251 \u2014 aus Bibliothek for Lager, Jan. 1850, nach Milne Edwards. Dasselbe erschien in engl. Sprache in London Journal of Medicine 1850, t. II. p.685, folglich muss der hedeutungs-Arolle 14 Oktober auf 1849 bezogen werden, Es sei hier bemerkt, dass beinahe dasselbe im folgenden Jahre, 1851, in deutscher Spi\u2019ache (129 p.\n17) dargelegt ist, obgleich der gemeinsame Umschlag der erw\u00e4hnten Schriften das J. 1852 tr\u00e4gt. In franz\u00f6sischer Sprache erschien dieselbe Arbeit im Jahre 1853 (130 p. 237).\n\") \u201e.... denn nachdem der durch Wasser und Essigs\u00e4ure gef\u00e4llte Stoff entfernt ist, enth\u00e4lt die neutrale Fl\u00fcssigkeit noch eine grosse Menge Eiweiss, ja dieses wird durch Kochen in noch reichlicherer Menge ausgeschieden, als vor dem Zusatz der Essigs\u00e4ure und vor dem Abfiltriren des ausgef\u00e4llten Stoffs\u201c (128 p. 259).","page":105},{"file":"p0106.txt","language":"de","ocr_de":"106\n1)AS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nNiederschlag aber beim Stehen der Fl\u00fcssigkeit oder beim Einblasen von Luft aus den Lungen in dieselbe ensteht, dabei bemerkt er, dass es eben die Kohlens\u00e4ure ist,, die nicht nur die F\u00e4llung von mit 9 Vol. Wasser verd\u00fcnntem Serum beschleunigt, sondern auch die Menge des Niederschlags bedeutend vermehrt, wobei aber letzterer dieselben Eigenschaften besitzt wie der durch ausschliessliche Einwirkung von Wasser erhaltene. Dieser Umstand \u201ebrachte\u201c Panum auf den Gedanken, mit Wasser verd\u00fcnntem Serum Essigs\u00e4ure tropfenweise zuzusetzen, wobei jedoch bei einem gewissen Ueberschuss von S\u00e4ure die entstandene Tr\u00fcbung wieder verschwindet. Deshalb giebt Panum die Essigs\u00e4ure\u2014gew\u00f6hnliche oder sogar hundertfach mit Wasser verd\u00fcnnte\u2014vorsichtiger zu. Das Resultat einer solchen Behandlung ist ein volumin\u00f6ser weisser Niederschlag, der ebenfalls in einem sehr geringen Ueberschuss von Essigs\u00e4ure l\u00f6slich ist (ib. p. 254).\nUnter solchen Bedingungen scheidet nicht nur Menschenserum sondern auch das Serum von Ochsen, K\u00e4lbern, Schafen und Schweinen einen bedeutenden Niederschlag, aus. Es ist sehr interessant zu bemerken, dass in diesem Falle, nach dem Abfiltriren des Niederschlags, das klare Filtrat nach dem Kochen einen bedeutenderen Niederschlag absetzt als vor der Zugabe von Essigs\u00e4ure (ib. p. 255\u20146). Ferner findet Panum, dass die Niederschl\u00e4ge, ob einfach durch Wasser oder durch Wasser im Verein mit Essigs\u00e4ure erzeugt, sich den Reagentien gegen\u00fcber ganz gleichartig verhalten: sie l\u00f6sen sich in verd\u00fcnnten S\u00e4uren gleich gut, wobei sie aus den L\u00f6sungen in verd\u00fcnnter Essigs\u00e4ure durch Ammoniakfl\u00fcssigkeit, Aetzkali und Aetznatron ausgef\u00e4llt werden. Die Niederschl\u00e4ge sind in w\u00e4sserigen L\u00f6sungen von Aetzalkalien und Alkali-carbonaten sowie in L\u00f6sungen von Natriumphosphat, Magniumsulfat, Ammonium-chlorid, Chlornatrium und Chlorcalcium, und auch in \u201eanderen neutralen Salzen\u201c leicht l\u00f6slich. Aus den L\u00f6sungen des Niederschlags in Natriumphosphat wird derselbe durch verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure ausgef\u00e4llt, wobei er sich in einem Ueberschuss derselben wieder aufl\u00f6st (ib. p. 256). Flocken und F\u00e4den entstehen auch bei der Einwirkung von Wasser auf H\u00fchnereiweiss, doch l\u00f6sen sie sich in neutralen Salzen schwerer auf (ib. p. 257).\nDas ist das Wesentlichste in Panum\u2019s Arbeiten aus den J. 1850\u201451. Alles von ihm Dargelegte war schon vor ihm bekannt gewesen. Seine Kentnisse sind, bemerken wir unsererseits, auch f\u00fcr jene Zeit sehr beschr\u00e4nkt. Seiner eignen Aussage nacli (ib. p. 263\u20144), hatte er nur Zimmermaim\u2019s Arbeit aus dem J. 1844 (180 p. 1) gelesen; von der aus dem Jahre 1847 (182 p. 1 und folg.) stammenden sagt Panum, er habe darin \u201enicht gefunden\u201c, was ihm gepasst h\u00e4tte! Entweder aber verwechselt er diese zwei Arbeiten, oder hat er die zweite garnicht gelesen, da, wie wir schon gesehen haben (p. n. 102), Zimmermann in dieser Arbeit gerade das darlegt, was Panum wissen sollte. Darauf f\u00fchrt Panum die unwichtige Angabe Vogel\u2019s (Pathol. An. d. mensch. K\u00f6rpers. 1845) an, dass Serum durch Wasser gef\u00e4llt werde und der Niederschlag in neutralen Salzen l\u00f6slich sei, sowie dass dasselbe auch am Eiweiss beobachtet werden k\u00f6nne (128 p. 254). Endlich stellt Panum in einem ganz falschen Lichte den Sinn von Liebig\u2019s Beobachtungen dar, indem er sagt, dass Liebig der F\u00e4llung des Serums durch Wasser und Essigs\u00e4ure nur als Curiosum *) erv\u00e4hnt habe (ib. p. 263\u20144), giebt dabei aber nicht an. wo er solche Kenntisse \u00fcber Liebig gesch\u00f6pft. Panum weiss nichts weiter \u00fcber diese Frage. Wenn Eichwald (45 p. 16) sagt, Panum habe schon zum dritten Mal die F\u00e4llbaikeit des Serums durch Wasser entdeckt, so vtirden wir dem\n\u2018) \u201eLiebig fand vor l\u00e4ngerer Zeit, dass aus gef\u00e4llt rverden kann (128 p. 263).................anstatt die\neinem mit Essigs\u00e4ure neutralisirten Blutserum\tErscheinung falsch zu deuten und als Curiosum.\ndurch Wasser ein k\u00f6rniges \u201eAlbuminsediment\u201c\tbei Seite zu legen\u201c (ib. p. 264).","page":106},{"file":"p0107.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n107\nLeser Vorschl\u00e4gen nachzurechnen, das wievielste Mal dieser Autor ausser der F\u00e4llbarkeit des Serums durch Wasser auch noch dessen F\u00e4llbarkeit durch Wasser und Essigs\u00e4ure entdeckt hat!..\nInzwischen werden auch noch heutzutage sehr oft Panum\u2019s Beobachtungen als Ausgangspunkt bei der Darlegung der Lehre von den Eiweissstoffen (1902.73 p. 333) benutzt. Auch kann man Hammarsten nicht beistimmen, dass \u201ePanum als erster (?!) die Ausscheidung eines Globulins durch blosses Verd\u00fcnnen des Serums mit Wasser wie auch durch S\u00e4urezusatz und Verd\u00fcnnung beobachtet oder wenigstens mehr eingehend studiert hat\u201c (73 p. 342). In beiden F\u00e4llen ermangeln solche Behauptungen der historischen Begr\u00fcndung.\nDas Dargelegte erkl\u00e4rt leicht Panum\u2019s Gedankengang hei der Bestimmung* der Eigenschaften des erhaltenen Niederschlags. Von der Annahme ausgehend, dass der Niederschlag in Wasser unl\u00f6slich sei, behauptet Panum (128 p. 258), derselbe k\u00f6nne kein Albumin sein, da d a s Serumalbumin von dem erw\u00e4hnten Niederschlage sich wesentlich dadurch unterscheide, das Wasser und Essigs\u00e4ure, d. h. Reagentien, welche Albumin nicht coaguliren, diesen neuen K\u00f6rper f\u00e4llen *). Das ist die Quelle von Panum\u2019s Irrt\u00fcmern!\nInteressant ist ausserdem auch noch Panum\u2019s Behauptung, die er, man weiss nicht worauf, gr\u00fcndet, seinen Worten nach jedoch \u201eallgemein bekannt\u201c (?) sein soll, dass es eine an und f\u00fcr sich in Wasser l\u00f6sliche Modification des Albumins und ausserdem auch noch eine an und f\u00fcr sich in Wasser unl\u00f6sliche, aber in Alkalien l\u00f6sliche Modification giebt * 2 3).\nWoher eine solche Vorstellung vom Eiweissstoff stammt, und was f\u00fcr ein Albumin Panum meint, ist unbekannt. Von dem, was man \u00fcber das Albumin vor ihm wusste, berechtigt ihn nichts, dessen L\u00f6slichkeit in Wasser anzunehmen, und eigene Thatsachen \u00fcber das Albumin oder dessen L\u00f6slichkeit in Wasser f\u00fchrt er nicht an.\nWenn Panum sich auf den Fall bezog, wenn bei dem Verdampfen des Wassers von dem Serum ein Trockenrest erhalten wird oder bei der Einwirkung von Alkohol auf dasselbe der Niederschlag sich in Wasser l\u00f6st3), so l\u00f6ste sich ja sein zweiter Niederschlag ebenfalls in Wasser auf. Das sind aber auch die einzigen F\u00e4lle, welche einige Autoren veranlassten, anstatt der Ausdr\u00fccke \u201eder trockne Serumrest\u201c oder der \u201edurch Alkohol bewirkte Niederschlag\u201c ist in Wasser l\u00f6slich, den Ausdruck \u201eAlbumin ist in Wasser l\u00f6slich\u201c zu gebrauchen. In diesem Falle l\u00f6st sich aber in Wasser auch der in Panum\u2019s Niederschlag \u00fcbergehende Teil der Prote\u00fcnsub-stanz des Serums....\nOhne die ungen\u00fcgende Vorstellung von dem, was Albumin ist, zu haben, welche sogar seinen Vorg\u00e4ngern gel\u00e4ufig war, behauptet Panum nichtsdestoweniger, dass dieser\n') \u201eVom Albumin des Serums unterscheidet die besprochene Prote\u00efnverbindung sich schon wesentlich dadurch, dass Wasser und Essigs\u00e4ure, Reagentien, die das Albumin nicht zu coaguliren verm\u00f6gen, dieselbe aus ihrer Aufl\u00f6sung f\u00e4llen\u201c (ib. p. 259)\n2)\t\u201eEs existirt indess bekanntlich auch eine f\u00fcr sich (Panum\u2019s Cursiv) in Wasser l\u00f6sliche Modification des Albumins, ausser dieser durch seine Verbindung mit Alkali in Wasser l\u00f6slichen, f\u00fcr sich aber unl\u00f6slichen Modification\" (129\np. 20).\n3)\tAusser allem, was wir hier schon mitgeteilt (p. n. 84\u20145), ist es interessant hier zu vermerken, dass auch in der zweiten Periode der Geschichte\ndes Albumins, ungef\u00e4hr 15 Jahre nach Panum\u2019s Arbeit, Gautier (53 p. 30) die L\u00f6slichkeit des beim Abdampfen bei niedriger Temperatur erhaltenen Serumrestes f\u00fcr die L\u00f6slichkeit des Albumins h\u00e4lt und dass Dumas im J. 1844 das \u201eEiweiss\u201c, \u201eWeisse\u201c des Eies, noch immer f\u00fcr Albumin ansah, dementsprechend er es auch f\u00fcr wasserl\u00f6slich hielt\u201c (40 p. 453): \u201eOn conna\u00eet l\u2019albumine sous deux formes bien distinctes: liquide et miscible \u00e0 l\u2019eau en toutes proportions,telle qu\u2019on la trouve dans le sang, le blanc d\u2019oeuf, etc; solide et tout \u00e0 fait insoluble, telle qu\u2019on l\u2019observe dans le blanc d\u2019oeuf cuit et dans le sang coagul\u00e9 par la chaleur\u201c (ib. p. 453).","page":107},{"file":"p0108.txt","language":"de","ocr_de":"108\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES\n^Niederschlag nicht einmal ein Modificationsproduct des Albumins sein k\u00f6nne, weil nach der Abscheidung des durch Wasser und Essigs\u00e4ure hervorgebrachten Niederschlags, das Serum noch viel Albumin enthalte, da aus dem Filtrat eines solchen neutralisirten Serums beim Kochen eim bedeutender Niederschlag ausf\u00e4llt (p. n. 105). In letzterem Falle werde sogar mehr Niederschlag erhalten, als wenn das Serum vor der Zugabe von S\u00e4ure gekocht wird. Der Zusatz einer neuen Quantit\u00e4t Wasser und Essigs\u00e4ure bewirke aber schon keinen Niederschlag, nachdem der zuerst erhaltene abfiltrirt worden ist (128 p. 259). Abgesehen davon, dass diese Angaben mit den von sp\u00e4teren Autoren beobachteten Thatsachen nicht vereinbar sind, wie z. B. mit Eichwald\u2019s (45 p. 120), welcher gezeigt hat, dass mehrmalige Verd\u00fcnnung mit Wasser und Durchleitung von Kohlens\u00e4ure auch mehrmalige F\u00e4llung zur Folge hat, fehlt es der soeben dargelegten Betrachtung Panum's sowohl an historischer als an factischer Begr\u00fcndung. Daraufhin muss seine Behauptung, dass der beschriebene Niederschlag, der, merken wir uns, von fr\u00fcheren Autoren \u201eAlbumin\u201c genannt worden war, eine vom \u201eAlbumin\u201c verschiedene Substanz sei, welche im Serum durch Salze und Alkalien in L\u00f6sung gehalten werde und bei dessen Neutralisation und Verd\u00fcnnung mit Wasser ausfalle '), muss diese Behauptung wenigstens f\u00fcr ein Missverst\u00e4ndniss angesehen werden. Als ein solches ist sie schon deshalb zu betrachten, weil bei der Deutung des Neutralisationsniederschlags im Serum Panum zu allererst die Analogie dieser Reaction mit derjenigen auffiel, welche gew\u00f6hnlich bei der F\u00e4llung von Milch beim Neutralismen mit S\u00e4uren vor sich geht. Deshalb betrachtet Panum auch den Neutralisationsniederschlag im Serum als Casein mit all den Eigenschaften, welche Scherer und Rochleder darin gefunden hatten, und hebt haupts\u00e4chlich die Unaufl\u00f6slichkeit des Niederschlags in Wasser hervor.\nDoch kannte Panum auch die Eigenschaften des Caseins oder, richtiger gesagt, der Milch sogar f\u00fcr jene Zeit ungen\u00fcgend, infolgedessen ihm der schon seinen Vorg\u00e4ngern wohlbekannte Unterschied in der F\u00e4llung des Serums und der Milch entging: in der Milch bildet sich ein Niederschlag schon bei einfacher Neutralisation mit S\u00e4ure, w\u00e4lirecl das Serum noch Verd\u00fcnnung mit Wasser erfordert (128 p. 259). Nur auf Grund dieser Unkenntniss konnte Panum Liebig den Vorwarf machen, dass er wichtige Beobachtungen, die in seinem Laboratorium * 2) gemacht worden waren, als Curiosum bei Seite gelegt hatte.\nIm allgemeinen sind jedoch Panum\u2019s Arbeiten in der Hinsicht interessant, dass dieser Forscher ohne vorgefasste Meinungen bei seinen Beobachtungen zu denselben Resultaten gelangte wie andere, ihm unbekannt gewesene, Autoren.\nWie man jenen Niederschlag der proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten auch nennen m\u00f6ge, die Sache bleibt wesentlich dieselbe; soll aber unter dessen neuem Namen ein von dem in L\u00f6sung gebliebener verschiedener K\u00f6rper verstanden werden, so wirft sich vor allem die Frage auf, ob es Panum wirklich gelungen war, auf dem besclirie-\n*) \u201eEs d\u00fcrfte also unzweifelhaft sein, dass die in Rede stehende Prote\u00fcnverbindung, verschieden vom Fibrin und Albumin, im Serum pr\u00e4existirt, und in demselben durch die Salze und Alkalien in Aufl\u00f6sung erhalten wird, sich aber ausscheidet, wenn die Salze verd\u00fcnnt und das Alkali an Essigs\u00e4ure gebunden wird\u201c (128 p. 259).\n2) \u201eLiebig fand vor l\u00e4ngerer Zeit, dass aus einem mit Essigs\u00e4ure neutralisirten Blutserum durch Wasser ein k\u00f6rniges \u201eAlbuminsediment\u201c gef\u00e4llt werden kann. H\u00e4tte dieser grosse Chemi-\nker, nachdem Scherer und Rochleder ihre Arbeiten \u00fcber Casein in seinem Laboratorium vollendet hatten, zuerst das Serum mit Wasser verd\u00fcnnt und darnach durch Hinzuf\u00fcgen einer verd\u00fcnnten Essigs\u00e4ure die im Ueberschuss der S\u00e4ure leicht l\u00f6sliche F\u00e4llung beobachtet, so unterliegt es keinem Zweifel, dass er den ausgef\u00e4llten Stoff sogleich als Casein erkannt haben w\u00fcrde, anstatt die Erscheinung falsch zu deuten und als Curiosum bei Seite zu legen\u201c (128 p. 263\u20144).","page":108},{"file":"p0109.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n10\u00bb\nbenen Wege zwei verschiedene prote\u00efnartige K\u00f6rper von einander zu trennen. Wenn diese Frage nur Panum betr\u00e4fe, so w\u00fcrden wir, seine unbegr\u00fcndete Betrachtung und den Namen, den er f\u00fcr diesen K\u00f6rper vorschl\u00e4gt, beiseite lassend, seine Beobachtungen nur f\u00fcr Best\u00e4tigungen der von Denis, Liebig u. a. (p. n. 90\u2014104) gemachten ansehen, da diese Forscher die Frage nach den Niederschl\u00e4gen des Serums und des Ei-weisses viel voller und eingehender behandelt haben als Panum. Die Sache ist aber die, dass nicht nur er, sondern auch alle nachfolgenden Autoren, von Anfang der 60-er Jahre an bis jetzt, der bis Panum in der Geschichte des Albumins verflossenen Zeitperiode gegen\u00fcber sich ebenso verhalten wie er, d. h. die Geschichte des Albumins nicht studirt haben, folglich es nicht kennen, und sich den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeit gegen\u00fcber wie Panum verhalten. Deshalb ist es notwendig gewesen einerseits von der Arbeit dieses Autors Kenntniss zu nehmen, andererseits zu ergr\u00fcnden, was er von seinem Standpunkte aus Albumin nannte. Obgleich wir nirgend eine directe Bestimmung dieses Begriffs bei ihm finden, ist es dennoch geraten sich auf seinen Standpunkt zu stellen, da Panum der erste war, der de m vor ihm unter dem Namen Albumin bekannten Niederschlage, den er aber Casein nennt, die Mutterlauge, aus welcher er sich ausscheidet, gegen\u00fcberstellte. Diese Ansicht, die sich alle nachfolgenden Autoren aneigneten, wurde die Quelle irrt\u00fcmlicher Beurteilungen und willk\u00fcrlicher Schl\u00fcsse \u00fcber die Eigenschaften und das Verhalten der Pro-teink\u00f6rper des Serums, des Eiweisses und anderer Fl\u00fcssigkeiten.\nPanum behandelte das Serum mit Wasser und erhielt eine geringe Menge Niederschlag A und ein Filtrat A', welches er Albumin nannte (128 p. 252). im weiteren enstand bei der Einwirkung von Kohlens\u00e4ure auf das mit Wasser verd\u00fcnnte Serum viel schneller ein ziemlich reichlicher Niederschlag *) B von in-dentischem Charakter mit dem ersten und ein Filtrat B' von ebenfalls albumin\u00f6-sem Charakter; schliesslich rief der Zusatz von Essigs\u00e4ure zu dem mit Wasser verd\u00fcnnten Serum die Bildung eines sehr umfangreichen Niederschlags 2) C hervor; dieser fiel sogleich zu Boden und hinterliess das Filtrat C', welches wiederum Albumin enthielt. Die Niederschl\u00e4ge, A, B und C waren identisch. Wie aus Panum\u2019s Beschreibung deutlich folgt, wie alle nachfolgenden Autoren wiederholen und wie es schliesslich sein muss und auch ist, unterscheiden sich die bei diesen Behandlungen erhaltenen Niederschl\u00e4ge quantitativ, indem A kleiner als B, B kleiner als C ist; daraus folgt, dass das Filtrat C' am wenigsten, B' mehr, A' am meisten Prote\u00efnsubstanz enth\u00e4lt. Und doch werden die Prote\u00efnreactionen von Panum, sowie auch von den andern Autoren dem Albumin zugeschrieben! Nimmt man daher an, dass das Filtrat wirklich nur Albumin enth\u00e4lt, so muss die Fl\u00fcssigkeit B' auch Panum\u2019s Casein in der Quantit\u00e4t C\u2014B enthalten, w\u00e4hrend in der Fl\u00fcssigkeit A' es in noch gr\u00f6sserer Menge n\u00e4mlich \u2014 C\u2014A vorhanden ist! Dies alles st\u00f6rt die Autoren nicht im mindesten.\u2014sie behaupten dasselbe bis zu dem heutigen Tage, und erkl\u00e4ren die Mutterlauge, wie gross der aus derselben ausgeschiedene Niederschlag auch sei, f\u00fcr Albumin, ohne die mineralischen Bestandteile, ja nicht einmal die Keaction der Fl\u00fcssigkeiten in Betracht zu ziehen!\nAuf Grund alles Dargelegten w\u00e4re es ganz folgerichtig anzunehmen, dass in den auf Panum\u2019s folgenden Arbeiten, mit seltenen Ausnahmen unter dem Na-\n\u2018) \u201e..... setzte beim Stehen bald einem sehr :) \u201e............wurde eine sehr starke, weisse F\u00e4l-\nreicklichen Bodensatz ab, der durchaus dasselbe\tlung hervorgebrackt, die das verd\u00fcnnte Serum\nYerh\u00e4ltniss zu den Reagentien zeigte, wie die\tganz undurchsichtig machte und demselben ein\nvorhin besprochene durch Wasser bewirkte F\u00e4l- fast milchweisses Aussehen gab\u201c (ib. p. 254). lung\u201c (ib. p. 254).","page":109},{"file":"p0110.txt","language":"de","ocr_de":"110\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS LT1N DES EIWEISSES.\nmen Albumin nicht nur die von einer gr\u00f6sseren oder geringeren Menge Prote\u00fcn-substanz befreiten Mutterlaugen verstanden wurden, sondern dass auch die Eigenschaften, die gegenw\u00e4rtig dem Albumin zugeschrieben werden, seit dem genannten Autor sowohl an unver\u00e4nderten protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten als auch an solchen studirt wurden, denen die Substanz, die unter den erw\u00e4hnten Bedingungen als Niederschlag erscheint, vorher entzogen worden war. Es darf auch nicht vergessen werden, dass man den Eigenschaften dieser Niederschl\u00e4ge oder deren L\u00f6sungen diejenigen der Mutterlaugen entgegensetzt, ohne zu beachten, ob aus diesen gr\u00f6ssere oder kleinere Mengen Prote\u00fcnsubstanz ausgeschieden worden sind. Panum, der derselben Ansicht auch in Bezug auf den Niederschlag der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten war, schl\u00e4gt auch im folgenden Jahre (129 p. 423) vor, denselben zum Unterschied vom Serumalbumin, Ser um cas ein, zu nennen (ib. p. 425). Es unterliegt keinem Zweifel, dass er sich kein einziges Mal vergegenw\u00e4rtigt hat, was er eigentlich f\u00fcr Albumin ansah. Im allgemeinen nahm Panum an, dass nach der Abscheidung des Serumcasems das Filtrat Albumin enthielt, welches sich eben beim Kochen dieser Fl\u00fcssigkeit ausschied (ib. p. 423\u20147). Mangel an eignen Beobachtungen, v\u00f6llige Unkenntniss der historischen Entwicklung dieser Frage und, infolgedessen, Mangel an irgend einer Vorstellung von den Eigenschaften des Albumins waren die Gr\u00fcnde, weshalb Panum in einem jeden Niederschlage, den er unter andern Bedingungen, als es das \u201eSerumcasem\u201c erforderte, erhielt, einen neuen K\u00f6rper zu sehen glaubte. So nahm er den durch Verd\u00fcnnung mit Wasser aus H\u00fchner-eiweiss erhaltenen Niederschlag f\u00fcr einen besonderen K\u00f6rper\u2014\u201eEierschleim\u201c *)\u2014an. Nat\u00fcrlich thut es nicht der Name; es ist aber interessant hervorzuheben, dass Panum auch hier, ohne die Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger zu kennen, zu denselben Schl\u00fcssen gelangte wie diese. Der durch Wasser im Eiweiss erzeugte Niederschlag. der mittelst einer gen\u00fcgenden Menge Kochsalzl\u00f6sung von der Mutterlauge abgetrennt ist, bildete einen z\u00e4hen schleimigen Klumpen, der in concentrirten w\u00e4sserigen Kochsalzl\u00f6sungen unl\u00f6slich war, aber nach Zugabe von Wasser mit einem geringen Zusatz von Kochsalz in L\u00f6sung \u00fcberging. Diese L\u00f6sung wurde durch Phosphors\u00e4ure und Essigs\u00e4ure, beim Kochen aber nicht gef\u00e4llt. Der beschriebene Klumpen l\u00f6ste sich auch in der 'mit Kochsalz ges\u00e4ttigten protemhaltigen Fl\u00fcssigkeit (ib. p. 448\u20149). Es ist wohl kaum n\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass wir in diesem Falle eine der wesentlichsten Eigenschaften des Globulins, n\u00e4mlich dessen Verhalten zum Kochsalz, vor uns haben. Offenbar untersuchte Panum diese Eigenschaft seines Serumcasems nicht in gen\u00fcgendem Masse; denn beider S\u00e4ttigung des unver\u00e4nderten (nicht mit Wasser verd\u00fcnnten oder vorher mit irgend welchen Agentien behandelten!) Serums erhielt er einen Niederschlag, den er Albumin (!) nannte, da dieser Niederschlag (unstreitig Globulin), selbstverst\u00e4ndlich auf Kosten des in ihm enthaltenen Kochsalzes, in Wasser sich auf-l\u00f6ste; beim Kochen, wie auch in Gegenwart von Essigs\u00e4ure und Kaliumeisencyan\u00fcr, fiel ein Niederschlag aus der L\u00f6sung aus \u2018).\nSomit fehlte f\u00fcr die Unterscheidung des \u201eAlbumins\u201c von dem \u201eCasein\u201c jede luetische Grundlage! Somit beschr\u00e4nkte sich alles auf den Unterschied in der\n*) \u201eIch erlaube mir f\u00fcr diesen im W e i s-sen des H\u00fchnereies vorhandenen -sch lei m artigen Stoff den Kamen \u201eE i e r s chl e i m\u201c vorzuschlagen\u201c (129 p. 449).\n2) \u201eAus dem Serum finde ich allerdings, dass man durch eine sehr grosse Menge fein gepulvertes, reines Kochsalz einen festen, eiweissartigen Stoff f\u00e4llen kann; dieser zeigt aber nicht\ndie Eigenschaften der durch S\u00e4ure und Salz gef\u00e4llten Stoffe. Er l\u00f6st sich n\u00e4mlich sehr leicht in Wasser, und die w\u00e4ssrige L\u00f6sung wird durch Kochen vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt; Kaliumeisencyan\u00fcr f\u00e4llt ihn nicht ohne Zusatz von Essigs\u00e4ure; in Essigs\u00e4ure und Phosphors\u00e4ure ist er unl\u00f6slich\u201c (129 p. 458).","page":110},{"file":"p0111.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUSERUMS UND DES \u00c9EWEISSES.\n111\nBenennung der Niederschl\u00e4ge ein und desselben K\u00f6rpers, welche aber auf verschiedene Weise erhalten worden waren!\nUm diese Niederschl\u00e4ge zu erhalten, musste Panum eine grosse Quantit\u00e4t Kochsalz zusetzen (129 p. 459\u201460). Wenig concentrirte L\u00f6sungen protemhaltiger Fl\u00fcssigkeiten k\u00f6nnen in einem solchen Falle auch keinen Niederschlag ausscheiden. So liess wie gew\u00f6hnlich mit Wasser verd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss, mit Kochsalz behandelt, keinen Niederschlag ausfallen (ib. p. 458). Nichtsdestoweniger konnte Panum bei der vereinten Einwirkung von S\u00e4ure und Kochsalz von letzterem viel weniger, und nicht einmal gepulvertes, sondern in Wasser gel\u00f6stes, nehmen und erhielt dennoch einen Niederschlag; andererseits brauchte er aber zur F\u00e4llung durch S\u00e4ure die protein-haltige Fl\u00fcssigkeit nicht mehr mit Wasser zu verd\u00fcnnen, was mit der Einwirkung des Salzes im Einkl\u00e4nge stand. Aber diese durch die vereinte Wirkung von S\u00e4uren und Salzen auf H\u00fchnereiweiss und unver\u00e4ndertes Serum (merken wir\u2014auf Fl\u00fcssigkeiten, die noch Panum\u2019s Serumcasein enthielten) entstandenen Niederschl\u00e4ge benannte Panum mit einem neuen Namen \u201eA c i d a 1 b u m i n\u201c. Diese Niederschl\u00e4ge werden aus den genannten Fl\u00fcssigkeiten erhalten, gleichg\u00fcltig, ob sie zuerst anges\u00e4uert und dann mit Salz ges\u00e4ttigt werden, oder anf\u00e4nglich m\u00f6glichst viel Salz eingef\u00fchrt, und dann erst die S\u00e4ure zugesetzt wird. In beiden F\u00e4llen sind die Niederschl\u00e4ge ihren Eigenschaften nach vollkommen identisch. Noch mehr: Panum\u2019s Beschreibungen nach, besitzen dieselben auch alle Eigenschaften der von ihm aus Serum erhaltenen und Serumcase\u00efn benannten Niederschl\u00e4ge. Wenn wir hier die Einzelheiten, die f\u00fcr deren Identit\u00e4t zeugen, nicht anf\u00fchren, so geschieht es nur, weil die durch Salze und S\u00e4uren erzeugten Niederschl\u00e4ge als Grundlage f\u00fcr die Lehre von der Verbindung von S\u00e4uren mit den Globulinen (s. Kap. XIII \u00fcber die Beziehungen des Globulins zu den S\u00e4uren, 122 p. 165) gedient haben. Ob zuerst ein neutrales Salz\u2014Chlornatrium, Natriumphosphat oder Natriumcarbonat, Chlorcalcium oder Magnesiumsulfat\u2014 und darauf eine S\u00e4ure\u2014Essig-, Phosphor-, Wein-, Oxal-, Milchs\u00e4ure u.a.\u2014, oder, umgekehrt, zuerst eine S\u00e4ure und dann ein Salz zugesetzt wurde, in keinem Falle wurde in der Fl\u00fcssigkeit das Vorhandensein von Protein durch rotes Blutlaugensalz oder durch Kochen, sogar in Gegenwart von Salpeters\u00e4ure1) (129 p. 429), an den Tag gelegt. Es ist wohl kaum n\u00f6tig hinzuzuf\u00fcgen, dass in allen F\u00e4llen, wo sich ein Niederschlag bildete, Panum ein und dieselbe Substanz vor sich hatte: er selbst fand es jedoch nicht f\u00fcr n\u00f6tig die Frage an sich zu richten, ob sein \u201eSerumcase\u00efn\u201c auch durch blosse S\u00e4ttigung mit Kochsalz oder nur durch die vereinte Wirkung von diesem und der S\u00e4ure ausgef\u00e4llt wurde. In allen drei F\u00e4llen glaubte er einen verschiedenen K\u00f6rper vor sich zu haben. Uebrigens hielt Panum f\u00fcr die Belegung dieses oder jenes Niederschlags mit diesem oder jenem Namen sich f\u00fcr nicht verantwortlich, da, seinem eignen Gest\u00e4ndniss 2) nach, die Namen auf diesem Gebiete keine bestimmte chemische Vorstellung ausdr\u00fccken! Es ist interessant schon hier hervorzuheben, dass Panum durch Einwirkung von S\u00e4uren und Alkalien prote\u00efnhaltige Fl\u00fcssigkeiten (129 p. 428\u20149) ganz ausf\u00e4llte. Zugleich findet er, dass unter dem Einfl\u00fcsse von Luft und Feuchtigkeit und auch beim Trocknen und\n*) \u201eDie Ausf\u00e4llung war, gleichg\u00fcltig, oh zuerst S\u00e4ure und dann Salz oder zuerst Salz und dann S\u00e4ure hinzugesetzt war, bei hinreichendem Zusatz dieser Substanzen so vollst\u00e4ndig, dass Ka-liumeisencyan\u00fcr in der sauren, vom ausgef\u00e4llten Stoff abfiltrirten Fl\u00fcssigkeit keine Tr\u00fcbung erzeugte; ebenso wenig wurde das Filtrat durch\nein Paar Tropfen Salpeters\u00e4ure oder durch Kochen getr\u00fcbt\u201c (129 p. 428\u20149).\n9) \u201eMan muss sich nur erinnern, dass die so erwachsende Nomenklatur eine rein provisorische ist und keine Anspr\u00fcche darauf macht, bestimmte chemische Gedanken auszudr\u00fccken\u201c (ib. p. 420).\nNat\u00fcrlich konnte Panum das nur von sich selbst sagen!","page":111},{"file":"p0112.txt","language":"de","ocr_de":"112\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nErw\u00e4rmen clas Serumcasem nicht nur in neutralen Salzl\u00f6sungen sondern auch in S\u00e4uren *) in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergeht.\nNat\u00fcrlich musste Panum\u2019s Arbeit in einem jeden, der die einschl\u00e4gige Literatur kannte und mit den Protemk\u00f6rpern zu thun gehabt hatte, Erstaunen erregen und zu Protesten auffordern. Wirklich sprachen sich auch Scherer (150 p. 75; 151 p. 109), Zimmermann (183 p. B77) und Denis gleich nach dem Erscheinen von Panum\u2019s Arbeit gegen dieselbe aus, indem sie den beschriebenen Niederschlag * 2 3), den dieser in seiner Unkenntniss f\u00fcr Casein ansah, f\u00fcr Albumin erkl\u00e4rten (151p. 109; 183 p. 377; 34 p. 82). Gleicherweise wurde in den damaligen Lehrb\u00fcchern, z. B. in denjenigen von Lehmann (98 p. 309), Schwartz (162 p. 57) u. a., das Vorhandensein nur eines Proteink\u00f6rpers in den tierischen Fl\u00fcssigkeiten angenommen.\nEs sei hier gleich auch Zimmermann\u2019s Beobachtung gedacht, nach welcher Wasser, dem durch Kochen die Gase entzogen worden sind, im Serum keinen Niederschlag erzeugt; demgem\u00e4ss erkl\u00e4rt Zimmermann die von ihm fr\u00fcher durch Wasser im Serum erhaltene F\u00e4llung durch die Gegenwart von Kohlens\u00e4ure im Wasser oder durch den Einfluss der in der Luft befindlichen oder in dem Serum selbst vorhandenen Kohlens\u00e4ure (183 p. 377). Interessant ist eine Bemerkung Lehmann\u2019s, die er zwar nur beil\u00e4ufig macht, die aber vom geschichtlichen Standpunkte aus in mancher Beziehung von Bedeutung ist. Panum\u2019s Ansicht, dass der von ihm aus dem Serum durch Kohlens\u00e4ure ausgeschiedene K\u00f6rper Casein sei, ebenfalls nicht teilend, glaubt Lehmann, dass diese Reaction (F\u00e4llung durch Kohlens\u00e4ure) eher auf dessen Analogie mit dem aus der Krystalllinse auf dieselbe Art ausgeschiedenen K\u00f6rper\u2014dem Globulin\u2014hinweist und dass ein \u00e4hnlicher K\u00f6rper und auf gleiche Weise auch aus dem Eiweiss ausf\u00e4llt, w\u00e4hrend das Casein durch Kohlens\u00e4ure 3) aus der Milch nicht ausgeschieden wird.\nVerschiedenartige Benennungen der aus einer und derselben Fl\u00fcssigkeit nach verschiedenen Darstellungsmethoden erhaltenen Niederschl\u00e4ge. Im J. 1856 und wieder im J. 1859 tritt Denis aufs neue mit Arbeiten \u00fcber die proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten hervor, \u00e4ndert aber unter dem Einfl\u00fcsse von Thatsachen \u00fcber die Gegenwart von Kohlens\u00e4ure in den proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in einem gewissen Maasse seine Ansicht (p. n. 91\u20142) \u00fcber die L\u00f6sungsbedingungen des Albumins in denselben, indem er annimmt, dass letzteres in den proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeit nicht von den freien Alkalien sondern von Kali-, Natron- und Ammoniumcarbonaten und anderen darin enthaltenen Salzen in L\u00f6sung gehalten wird (34 p. 18). Um dabei das Albumin des Serums mit demjenigen des Eiweisses nicht zu verwechseln,\n*) \u201eDie Einwirkung der Luft ver\u00e4ndert \u00fcbrigens auch, was ich schon fr\u00fcher erw\u00e4hnt habe, die L\u00f6slichkeitverh\u00e4ltnisse des Serumcase\u00efns; w\u00e4hrend dieser Stoff frisch gef\u00e4llt in h\u00f6chst verd\u00fcnnten Salzl\u00f6sungen leicht l\u00f6slich ist, wird er nach dem Austrocknen sowie auch durch Erhitzen zum Kochen in Salzl\u00f6sungen ganz unl\u00f6slich, ja er wird dann selbst durch S\u00e4uren in der K\u00e4lte nicht gel\u00f6st\u201c (ib. p. 438).\n2)\t\u201eDass ich im Uebrigen nicht mit Panum einverstanden bin, diesen Stoff als Casein anzusehen, sondern denselben immer nur als Albumin angesehen haben und hierin mit Zimmermann einverstanden bin, davon habe ich u. s. w.\u201c (151 p. 109).\n3)\t\u201eAls charakteristisch f\u00fcr diesen Stoff be-\nmerkt Panum noch, dass er aus seinen L\u00f6sungen durch Kohlens\u00e4ure praecipitirt werde; diese Beobachtung ist ganz richtig, allein sie widerspricht gerade der Identit\u00e4t dieses Stoff mit Casein: denn meinen Erfahrungen nach wird das Casein der Milch gerade nicht durch Kohlens\u00e4ure ausgef\u00e4llt, wogegen, wie unten erw\u00e4hnt, das Globulin der Krystallinse fast vollst\u00e4ndig aus seiner w\u00e4ssrigen L\u00f6sung durch Kohlens\u00e4ure ausgeschieden wird. Ueberhaupt hat jener Stoff, der sich \u00fcbrigens auch in dem Eiweiss der Eier durch Kohlens\u00e4ure in geringer Menge nachweisen l\u00e4sst, weit mehr Aehnlichkeit mit dem Globulin, als mit dem, was wir gew\u00f6hnlich Casein nennen\u201c' (98 p, 359).","page":112},{"file":"p0113.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULT\u00cf\u00ce DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n113\nschl\u00e4gt Denis vor, je nach dem Ursprung desselben, das erste \u201es\u00e9rine\u201c das zweite \u201ealbumine de blanc d\u2019oeuf\u201c zu nennen l) (ib. p. 80). Denis besteht wieder auf seiner Behauptung, dass sowohl das Serin als das Albumin in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch die Einwirkung der Salze 2) gel\u00f6st sind (ib. p. 65 und 80). Um das Albumin abzuscheiden, wurde das Eiweiss einige Mal durch Leinwand gepresst und mit 5 Vol. Wasser vermischt. Zur Darstellung des Serins behandelte man das Serum entweder anf\u00e4nglich mit 1/3 Volumen Aether, filtrirte und liess es bei Zimmertemperatur verfl\u00fcchtigen, oder nach der Behandlung mit Aether unmittelbar zur Trockene verdampfen, und l\u00f6ste es dann in einem dem gew\u00f6hnlichen Concentrationsgrade des Serums entsprechenden Quantum Wasser auf, worauf man noch 10 Vol. Wasser zusetzte. Danach wurde sowohl die aus dem Eiweiss als aus dem Serum erhaltene Fl\u00fcssigkeit mit l\u00b0/00 Chlorwasserstoffs\u00e4ure solange behandelt, bis Tr\u00fcbung sich einstellte; mehr S\u00e4ure zuzusetzen ist nicht r\u00e4tlich, da, wie Denis bemerkt, schon ein unbedeutender Ueberschuss davon die Niederschl\u00e4ge aufl\u00f6st (ib. p. 67 und 81\u20142). Doch f\u00e4hrt er fort zu lehren, dass auf diese Weise nur ein Teil des Albumins des Serums und des Eiweisses sich niederschl\u00e4gt3), da der andre durch die Salze in L\u00f6sung gehalten werde, obgleich das L\u00f6sungsverm\u00f6gen dieser einerseits durch die Verwandlung der Carbonate in Chloride, andererseits durch die Verd\u00fcnnung mit Wasser abgeschw\u00e4cht ist (ib. p. 68 und 82). Die auf diese Weise erhaltenen Niederschl\u00e4ge sind frei von Salzen und S\u00e4uren und in Wasser unl\u00f6slich.\nUm seine Annahme, dass Serin und Albumin in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten sich wirklich in L\u00f6sung befinden, zu beweisen, f\u00fchrt Denis die von ihm beobachtete Thatsache an, dass es gen\u00fcgt, die soeben entstandenen Niederschl\u00e4ge in neutralen Salzen durch einem Zusatz von Soda aufzul\u00f6sen, damit Fl\u00fcssigkeiten entstehen, die mit allen Eigenschaften des H\u00fchnereiweisses oder des Serums ausgestattet sind (ib. p. 69 und 88). Sowohl Albumin als auch Serin sind in einer Kochsalzl\u00f6sung 1 : 20 l\u00f6slich (ib. p. 69 und 84). Beim Liegen im feuchten Zustande geht das Albumin aus dem Eiweiss sowie auch das Serin aus dem Serum schon bei gew\u00f6hnlicher Temperatur in einen in Salzen unl\u00f6slichen (modifi\u00e9) Zustand \u00fcber. Viel schneller ver\u00e4ndert sich der Niederschlag bei 60\u00b0,\u201465\u00b0; auch 40\u00b0-iger Alkohol bringt schnelle Ver\u00e4nderung hervor. In sehr verd\u00fcnnten Alkalien und S\u00e4uren l\u00f6st sich der Niederschlag sogleich (ib. p. 71 u. 84) auf. Concentrirte L\u00f6sungen neutraler Salze, Carbonate ausgenommen, l\u00f6sen das Albumin nicht auf, verwandeln es jedoch in eine teigartige Masse, welche bei Verd\u00fcnnung mit Wasser l\u00f6slich wird; dagegen l\u00f6sen wenig concentrirte Salzl\u00f6sungen das Albumin und Serin. Dem soeben Gesagten zufolge bewirkt sogar eine grosse Menge Wasser bei einem bedeutenden Gehalt an neutralen Salzen\n') \u201eJ\u2019ai d\u00fb continuer \u00e0 appeler albumine la substance coagulable du blanc d\u2019o\u00e9uf, puisque ce mot rappelle son origine. En suivant la m\u00eame r\u00e8gle de nomenclature, je crois suivre l\u2019usage adopt\u00e9 en chimie, en nommant s\u00e9rine l\u2019albumine du s\u00e9rum\u201c (34 p. 80).\ns) \u201eLa s\u00e9rine est dissoute dans le s\u00e9rum du sang: j\u2019ai voulu prouver, il y a longtemps d\u00e9j\u00e0, que c\u2019est par l\u2019effet des sels toujours contenus dans ce fluide (ib. p. 80).... en donnant enfin des preuves irr\u00e9cusables, faciles \u00e0 v\u00e9rifier, qui d\u00e9montreront que la s\u00e9rine ne se dissout dans l\u2019eau qu\u2019autant qu\u2019elle est engag\u00e9e dans une combinaison saline\u201c (ib. p. 81).\n3) \u201eOn n\u2019obtient donc qu\u2019une portion de l\u2019albumine du blanc d\u2019oeuf sous forme de pr\u00e9cipit\u00e9, en suivant les prescriptions que j\u2019ai donn\u00e9es (ib. p. 68). Und in Betreff des Serums: Il ne s\u2019agit point d\u2019ailleurs de s\u00e9parer toute la mati\u00e8re organique du liquide; il conserve assez de sels pour qu\u2019elle y demeure partiellement dissoute, quoiqu\u2019on ait converti en un autre sel neutre son carbonate alcalin, et qu\u2019on ait affaibli l\u2019action de son chlorure de sodium, de ses sulfates et phosphates de potasse et de soude, par une suffisante addition d\u2019eau\u201c (ib. p. 82).\n8","page":113},{"file":"p0114.txt","language":"de","ocr_de":"lu\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES ElWElSSE\u00d6.\nkeine Niederschl\u00e4ge; im allgemeinen aber werden das Albumin und Serin bei mittlerer Concentration der l\u00f6senden Salze durch Wasser unver\u00e4ndert ausgef\u00e4llt (ib. p. 72 u. 85).\nDie in Denis\u2019 Arbeiten von 1856\u20141859 dargelegten Thatsachen, welche zu sehr verschiedenartigen Urteilen \u00fcber die von diesem Forscher erhaltenen Resultate gef\u00fchrt haben, beschr\u00e4nken sich bei weitem nicht auf das, was wir soeben auseinandergesetzt haben. Um diese Thatsachen richtig zu beurteilen, muss man sich immer vergegenw\u00e4rtigen, was Denis eigentlich unter dieser oder jener Benennung verstanden hat, so dass man bei der Benutzung einer solchen Benennung immer auch die Deutung und den Sinn anf\u00fchren muss, die ihr von Denis selbst verliehen wurden, wie willk\u00fcrlich seine Vorstellungen in dieser Hinsicht auch sein m\u00f6gen. So h\u00e4lt Denis f\u00fcr ein mit dem Albumin des Eiweisses identisches Albumin alles das, was beim Schlagen membran\u00f6se Gebilde, wie z. B. das Eiweiss beim Schlagen mit einem Stabe, bildet; f\u00fcr Serin erkl\u00e4rt er dagegen alles, was beim Schlagen keine F\u00e4den bildet und, ungeachtet des Alkalisirens, nach dem Ans\u00e4uern in der W\u00e4rme und durch Alkohol sowie auch durch Aether nach dem Ans\u00e4uern einen Niederschlag ausscheidet. F\u00fcr Fibrin h\u00e4lt Denis den Niederschlag, der in der neutralisirten prote'in-haltigen Fl\u00fcssigkeit durch Einwirkung von 40\u00b0-igem Alkohol und Auswaschen mit solchem Alkohol erhalten wird. Das erhaltene \u201eFibrin\u201c (!) ist in Wasser nicht l\u00f6slich, l\u00f6st sich aber in Salzen 1).\nUngeachtet dieser Bestimmungen ist es schwer Denis\u2019 Gedankengang in seinen letzten Arbeiten zu folgen. So gab er zu, dass ausser Serin auch noch Fibrin von obenerw\u00e4hntem Charakter im Serum vorhanden sei. Er f\u00e4llte Serum mit einem Ueberschuss von 40\u00b0-igem Alkohol, filtrirte den Niederschlag am n\u00e4chsten Tage ab und \u00fcbergoss ihn mit einer w\u00e4sserigen Kochsalzl\u00f6sung 1 : 9; nach dem Filtriren f\u00e4llte er die L\u00f6sung mit Magnesiumsulfat; nachdem dieser Niederschlag zwischen Fliesspapier abgepresst worden war. l\u00f6ste er sich unter der Einwirkung des in demselben zur\u00fcckgehaltenen Salzes in 40 Teilen Wasser auf. Im allgemeinen sehen wir hier dasselbe, was Denis am Fibrin (ib. p. 151\u20142) beobachtet hatte. Endlich erhielt Denis bei unmittelbarer S\u00e4ttigung des Serums mit Magnesiumsulfat gleichfalls einen Niederschlag, den er nach dem Auswaschen mit einer ebenso concen-trirten L\u00f6sung dieses Salzes in Wasser aufl\u00f6ste, wobei eine L\u00f6sung entstand, die durch S\u00e4uren u. s. w. in der W\u00e4rme zum Gerinnen gebracht wurde. 40\u00b0-iger Alkohol im Ueberschuss angewandt, gab einen Niederschlag, der aus kleinen Magne-siumsulfatkrystallen und albumin\u00f6sen Gerinnseln (grumeaux albuminiformes) be-\n4) \u201eLes fluides albumineux naturels, et les solides organiques contenant des substances albumino\u00efdes amen\u00e9es \u00e0 l\u2019\u00e9tat de fluides albumineux artificiels, peuvent en renfermer une, deux, trois et m\u00eame quatre \u00e0 la fois. J\u2019y cbercbe successivement les caract\u00e8res distinctifs g\u00e9n\u00e9raux propres \u00e0 chacune des substances albumino\u00efdes, et ceux qui les diff\u00e9rencient plus particuli\u00e8rement.\nAinsi j\u2019y soup\u00e7onne de l\u2019albumine, quand l\u2019agitation d\u00e9termine la formation de filaments d\u00e9li\u00e9s,\n\u00e9lastiques, insolubles dans l\u2019eau sal\u00e9e;......... de\nla fibrine, quand ce liquide rendu bien neutre donne par l\u2019alcool \u00e0 40\u00b0 aie. un pr\u00e9cipit\u00e9 qui, remis sur un filtre, et lav\u00e9 avec de l\u2019alcool faible, pour bien en s\u00e9parer le sel, est insoluble dans l\u2019eau pure, mais soluble dans l\u2019eau sal\u00e9e au\ntiers; de la globuline, d\u00e8s qu\u2019\u00e9tendu d\u2019eau il fournit des membranes, des fibres comme en produit cette substance, ou que satur\u00e9 de sel commun et ensuite soit un peu acidifi\u00e9 avec de l\u2019acide chlorhydrique au milli\u00e8me, soit l\u00e9g\u00e8rement additionn\u00e9 d\u2019un solut\u00e9 de soude ou de carbonate de soude, il se s\u00e9pare des flocons de globuline combin\u00e9e \u00e0 l\u2019acide ou unie au corps alcalin, flocons que l\u2019eau ne dissout pas; enfin de la s\u00e9rine, lorsqu\u2019il ne se fait pas de filaments par l\u2019agitation et que, cependant, quoique en l\u2019alcalisant, apr\u00e8s avoir donn\u00e9 \u00e0 l\u2019\u00e9ther tout ce qu\u2019il peut concr\u00e9fier, il reste un liquide coagulable au feu et par l\u2019alcool, qu\u2019on rend de nouveau concr\u00e9-fiable par l\u2019\u00e9ther en lui ajoutant fort peu d\u2019un acide\u201c (34 p. 141\u20142).","page":114},{"file":"p0115.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN- DES BLUTSERUMS UND- DES EIWEISSES.\n115\nstand; nach der Einwirkung von Wasser l\u00f6ste sich ein Teil davon, ein anderer blieb in Form von Membranen und K\u00f6rnchen zur\u00fcck, welch letztere \u201eGlobulin vorstellen\u201c, unter welchem hier Denis die mit dem Stroma der roten Blutk\u00f6rperchen identische Protei'nsubstanz versteht. Auch in dem Filtrat bilden sich, nach der S\u00e4ttigung des Serums mit Magnesiumsulfat nebst Aether, aus der Stromasubstanz der roten Blutk\u00f6rperchen bestehende Niederschl\u00e4ge, w\u00e4hrend das Filtrat Serin *) enth\u00e4lt (ib. p. 154). Dabei wird aber das Serum auch durch den Aether gef\u00e4llt, infolgedessen an der Grenze zwischen diesem und der Fl\u00fcssigkeit sich eine Schicht protemhalti-ger Substanz ausscheidet; andererseits meint Denis, indem er annimmt, dass Serin durch Aether nicht gef\u00e4llt wird und alle Prote\u00fcnsubstanzen durch Magnesiumsulfat ausgeschieden werden, dass auch der Niederschlag im Serum aus dem Fibrin und Globulin des Stroma der Blutk\u00f6rperchen (ib. p. 156\u20147) besteht; deshalb soll das Magnesiumsulfat (ib. p. 90), das in Serum (ib. p. 154), welches mit Aether nicht behandelt wurde, einen Niederschlag hervorbringt, in mit Aether behandeltem keinen, Niederschlag erzeugen, woraufhin Denis diese, seiner Ansicht nach, aus Fibrin und Globulin (ib. p. 155) bestehenden Niederschl\u00e4ge f\u00fcr identisch h\u00e4lt. Vergessen wir nicht, dass Denis es gewesen war, der nach der Bearbeitung mit Aether das Serum mit Wasser verd\u00fcnnt, mit Essig- und Salzs\u00e4ure gef\u00e4llt und den in Wasser unl\u00f6slichen, aber in Salzen l\u00f6slichen Niederschlag Serin genannte hatte (ib. p. 81). Um Serin darzustellen, schl\u00e4gt Denis im J. 1859 vor (86 p. 39), durch S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat zuerst das Serumfibrin, welches er jetzt \u201egel\u00f6stes Fibrin\u201c (fibrine dissoute) nennt, und dann schon das Serin durch S\u00e4ttigung des Filtrats mit Natriumsulfat bei 50\u00b0 zu f\u00e4llen. Das (nicht gewaschene) Serin ist in 20\u201430 Teilen Wasser l\u00f6slich s). Auch aus dieser L\u00f6sung kann das Serin durch sehr verd\u00fcnnte S\u00e4uren ausgef\u00e4llt werden; dann l\u00f6st es sich nicht mehr in reinem Wasser, wohl aber in salzhaltigem; im allgemeinen aber behauptet Denis wieder, dass das Serin im Plasma und im Serum sich in Verbindung mit den Salzen des Blutes befindet, welche dessen L\u00f6slichkeit auch bedingen (ib. p. 39)3). Zu alledem muss noch hinzugef\u00fcgt werden, dass ausser den genannten K\u00f6rpern\u2014Fibrin, Globulin, Serin \u2014 Denis im Serum auch noch Album inose findet; so nennt er den wasserl\u00f6slichen Teil des Niederschlags, welcher nach dem Auswaschen dieses letzteren mit 30\u00b0-igem Alkohol, behufs Abscheidung der Chloride, durch Einwirkung von 40\u00b0-igem Alkohol im Serum entsteht. Die erhaltene w\u00e4sserige L\u00f6sung soll reine Albumi-nose (albuminose pure) sein, die in Wasser l\u00f6slich ist und in der W\u00e4rme nicht\n') Somit ist Fredericq\u2019s Behauptung (48 p. 457), als h\u00e4tte Denis im Serum nur Serin und Fibrin (fibrine dissoute) angenommen, unrichtig. Dem oben Gesagten gem\u00e4ss nahm Denis in dem Serum das Vorhandensein von Serin, Fibrin und Globulin an. Er sagt: \u201eje conclus des faits exp\u00e9rimentaux qui viennent d\u2019\u00eatre expos\u00e9s, que le eorps albumineux du s\u00e9rum est compos\u00e9 de s\u00e9rine, de fibrine et de globuline, mais que la r\u00e9union des deux derni\u00e8res substances, dont la globuline ne fait qu\u2019une minime partie, repr\u00e9sente seulement en moyenne le huiti\u00e8me du tout\u201c (34 p. 156).\nAusserdem findet Denis im Serum noch Mial-he\u2019s (ib. p. 174) albuminose. Im ganzen nimmt er also im Serum 4 K\u00f6rper an (p. n. 116\u20147).\n2) Dieser Ausdruck ist es, der Fredericq (48 p. 457) die Veranlassung gegeben zu haben scheint den Schluss zu ziehen, dass das Serin in Wasser\nl\u00f6sslicb sei, w\u00e4hrend Denis\u2019 Lehre gerade darin besteht, dass das Serin, gleich dem Fibrin, im Wasser unl\u00f6slich ist. Von diesem Gesichtspunkte aus kann man sagen, dass das gel\u00f6ste Fibrin (fibrine dissoute) nach dem Ausf\u00e4llen mit Magnesiumsulfat (36 p. 184; 34 p. 152) im Wasser ebenfalls l\u00f6sslicli ist. Bei Denis finden wir hier wirklich die Erkl\u00e4rung, dass er in diesem Falle die durch das Magnesiumsulfat bedingte L\u00f6slichkeit als Wasserl\u00f6slichkeit ansah (s. das n\u00e4chste Cit\u00e2t). Bemerken wir auch, dass Denis, einiger Aenderungen in seiner Lehre von den Prote\u00efn-substanzen ungeachtet, in Bezug auf das Serin immer bei derselben Ansicht bleibt, dass es in Wasser unl\u00f6slich sei.\n3) \u201eLa s\u00e9rine est, selon moi, dans le plasma et dans le s\u00e9rum \u00e0 l\u2019\u00e9tat de combinaison faible avec les sels du sang qui la rendent soluble\u201c (36 p. 39).\n8*","page":115},{"file":"p0116.txt","language":"de","ocr_de":"116\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND D\u00c8S Et WEISSES.\ngerinnt. In Bezug auf diesen K\u00f6rper behauptet Denis, dass derselbe nach Wunsch auch dargestellt werden k\u00f6nne, indem man zu dem Serum ein Alkali zusetzt und dann mit 40\u00b0-igem Alkohol f\u00e4llt; nach Auswaschen mit 30\u00b0-igem Alkohol und Aufl\u00f6sen des Niederschlags in Wasser erhielt Denis Albuminosel\u00f6sungen (34 p. 175\u20146).\nDa es an irgend einem allgemeinen, zusammenh\u00e4ngenden Satze bei Denis fehlt, so ist es schwer von der gegenseitigen Beziehung der von ihm angenommenen Prote'ink\u00f6rper des Serums-irgend eine Vorstellung zu erhalten; dies ist noch klarer aus einen Vergleich des oben Dargelegten mit der folgenden Tabelle der Darstellung^- und Abscheidungsmethoden dieser K\u00f6rper zu ersehen.\nDoch zeigt ein Vergleich der in Tabelle II gegebenen Facta miteinander, abgesehen von deren Vergleich mit solchen aus den dreissiger Jahren, dass Denis selbst keinen klaren Begriff von dem Unterschiede der von ihm untersuchten Niederschl\u00e4ge hatte, so dass man keinen Grund hat zu behaupten, Denis h\u00e4tte einen K\u00f6rper mit einem andern nicht verwechseln k\u00f6nnen.\nAuf Grund obiger Auseinandersetzungen w\u00fcrde wohl schwerlich jemand sich entschlossen zu sagen, was unter Denis\u2019 Serin zu verstehen sei, wenn dabei die Darstellungsweise dieses K\u00f6rpers nicht angegeben w\u00e4re. Da Denis die Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger in Bezug auf die Wirkung der Salze unbekannt waren, so gab er sich auch nicht die M\u00fche die Niederschl\u00e4ge, welche durch S\u00e4ttigung mit Salzen entstehen. mit denjenigen, die bei der Verd\u00fcnnung und Neutralisation erhalten werden, zu vergleichen.\nEins kann jedenfalls nicht bestritten werden, n\u00e4mlich, dass Denis sowohl durch Einwirkung von S\u00e4uren (Salzs\u00e4ure und Essigs\u00e4ure) als auch durch Einwirkung von Magnesiumsulfat, welches vor der S\u00e4ttigung eingef\u00fchrt wurde, und auch von Aether in Wasser unl\u00f6sliche, aber in Salzen l\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge (gel\u00f6stes Fibrin, Globulin und Serin) aus Serum und Eiweiss (albumine proprement dite) erhalten hat: darin besteht auch haupts\u00e4chlich sein Verdienst.\nWenn man Denis\u2019 und Panum\u2019s Angaben vergleicht, so unterliegt keinem Zweifel, dass Panum\u2019s \u201eSerumcasem\u201c und Denis\u2019\u201eSerin\u201c identisch sind, wobei letzteres nichts anderes als Denis\u2019 Albumin bis zum Jahre 1840 vorstellt. Diese Ueber-zeuaung gewinnen wir nicht nur aus dem oben Dargelegten, sondern auch, im Gegensatz0 zu der Ansicht einiger Autoren jener Zeit *), aus Denis\u2019 eigener Behauptung, dass Panum das Serin nach einem alten, von ihm, d. h. Denis selbst, angewandten Verfahren ausgeschieden und dasselbe f\u00e4lschlich Casein benannt hatte 3).\nAus diesem Grunde kann man bei Hinweisen auf Denis\u2019 Arbeiten weniger als in irgend einem andern Falle sich darauf beschr\u00e4nken, dieser oder jener der von ihm gegebenen Benennungen zu erw\u00e4hnen; es ist notwendig die Quelle, die Methode murh\u00e4ufig auch die charakteristischen Eigenschaften des von ihm mit diesem oder jenem Namen bezeichneten K\u00f6rpers anzugeben.\nWenn man an dem alten Grunds\u00e4tze festh\u00e4lt, dass in der Chemie der Pro-temk\u00f6rper der Ort (die anatomische Gegend oder die Fl\u00fcssigkeit), die Darstellungsmethode und, wenn auch nicht immer in Abh\u00e4ngigkeit von letzterer, die Reaction den gegebenen K\u00f6rper bis jetzt cliarakterisiren, so ist es leicht*den damali-\n4) Einige Verfasser von Lehrb\u00fcchern, wie z. B. Wurtz (178 p. 74), Hoppe-Seyler (85 p. 184), auch Fr\u00e9d\u00e9rieq (48 p. 457) u. a., die Denis\u2019 Arbeiten nicht gen\u00fcgend kannten, klentificiren das S\u00e9rin mit dem heutigen Albumin, was Denis Ansicht g\u00e4nzlich widerspricht (s. die obenstehende Anmerkung).\n2) \u201eM. Panum, de Copenhague, qui l\u2019a obtenue m\u00eal\u00e9e de fibrine, sortout s\u2019il a op\u00e9r\u00e9 sur du s\u00e9rum de sujets atteints d\u2019inflammations, a reproduit, comme chose nouvelle, mon ancien proc\u00e9d\u00e9 d\u2019extraction de la s\u00e9rine, substance qu\u2019il nomme \u00e0 tort cas\u00e9ine\u201c (34 p. 82).","page":116},{"file":"p0117.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWETSSES.\n117\ngen Gesichtpunkt in Denis\u2019 Arbeiten zu verstehen, wobei die eigenth\u00fcmliche Diagnostik der von ihm ohne gen\u00fcgende Beweise angenommenen K\u00f6rper nicht vergessen werden darf. Haben wir uns demgem\u00e4ss von Denis\u2019 Serin eine mehr od\u00ebr weniger bestimmte Vorstellung gebildet, so k\u00f6nnen wir nicht umhin, in dem Teile des Niederschlags aus dem Serum, welchen Denis \u201efibrine dissoute\u201c (dans du s\u00e9rum)\nTABELLE H.\nSchematische Ueber sicht Eiweisses und des\n1. Eiweiss (34 p. 66)\n-f-5 Teile Wasser-f-l\u00b0/00 C1H\nNiederschlag\tFiltrat albumine pure 3. Serum (ib. p. 151) -f-Alkohol 40\u00b0\t\nNiederschlag +10%ClNa\tFiltrat\nRest\tFiltrat\ns\u00e9rine mod.\t+MgS04 bis\n\tzur S\u00e4ttigung\nRest\tFiltrat\nfibrine dissoute\t\navec la s\u00e9rine\t\n5. Serum (ib. p. 153)\t\n-j-MS04 bis\tz. S\u00e4ttigung\nNiederschlag\tFiltrat\n-f-Wasser 1\t\n1 L\u00f6sung\t\n-f-Alkohol 40\u00b0\t\nNiederschlag\tFiltrat\n-f-Wasser\t\nRest\tFiltrat\nglobuline\n7. Serum (ib. p. 8t) +V3 vol. Aether\nNiederschlag substance \u00e9trang\u00e8re \u00e0 la s\u00e9rine\nNiederschlag s\u00e9rine pure\nder F\u00e4llungsmethoden des Serums nach Denis.\n2. Eiweiss (34 p. 188) -f-Wasser-|-C1H (oder C2H402)\nNiederschlag albumine pure\tFiltrat\n4. Serum (ib. p. 175) -f-Alkohol 40\u00b0\t\nNiederschlag ausgewaschen mit Alkohol 30\u00b0 +Wasser 1\tFiltrat\n1 L\u00f6sung Albumine (!)\t\n6. Serum (36 p. 39) -f-MgS04 bis z. S\u00e4ttigung\t\nNiederschlag fibrine dissoute\tFiltrat +Na2S04 bei 50\u00b0\nNiederschlag s\u00e9rine\tFiltrat\n8. Serum (34 p. 90 und 155)\n+7\u00bb vol Aether\nNiederschlag\tFiltrat\nfibrine dissoute\t-f-MgS04\nscheidet keinen Niederschlag aus.\nFiltrat 10 Teile\nH\u00a3+l%o C1H Filtrat","page":117},{"file":"p0118.txt","language":"de","ocr_de":"118\nDAS GLOBULIN DES RLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nnennt, einen Teil desselben Serins zu erkennen. Wie unbegr\u00fcndet es seitens Denis war, liier einen besondern K\u00f6rper anzunebmen, so willk\u00fcrlich war es auch im Serum die Gegenwart vom Globulin des Stroma der Blutk\u00f6rperchen nur auf Grund dessen anzunebmen, was der Autor selbst dar\u00fcber berichtet.\nF\u00e4llung durch Salze. Gleich einigen andern Autoren glaubte Denis selbst, dass ihm die Ehre geb\u00fchre, die Behandlungsmethode der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten mit Salzen eingef\u00fchrt zu haben 1). Die ersten Beobachtungen \u00fcber die L\u00f6slichkeit der Niederschl\u00e4ge in Salzen geh\u00f6ren auch wirklich Denis. Was aber die F\u00e4llbarkeit der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch Salze anbetrifft, so erschienen schon am Anf\u00e4nge der vierziger Jahre die ersten Angaben \u00fcber die Wirkung neutraler Salze auf diese Fl\u00fcssigkeiten. So finden wir bei Nasse (1842, 124 p. 128) die ersten Hinweise auf die F\u00e4llbarkeit des Serums durch neutrale Salze 2 3). \u00dcbrigens finden wir einige Angaben \u00fcber die F\u00e4llung prote\u00efnhaltiger Fl\u00fcssigkeiten noch fr\u00fcher bei Babington (1837,4 p. 268). der, wie es scheint, bei der S\u00e4ttigung des Eiweisses mit Chlorammonium und Chlornatrium, Kalisalpeter, Natrium-, Kalium- und Magnesiumsulfat eine z\u00e4he Masse erhielt. Buchanan (1844,119 p. 11), welchem das milchige Aussehen von Menschenserum aufgefallen war und der anderseits Hewson\u2019s und Hunter\u2019s Beobachtungen in Betracht zog, dass bei dem Stehen eines solchen tr\u00fcben Serums die festen Teilchen sich an der Oberfl\u00e4che sammeln, kam auf den Gedanken, um diese Teilchen leichter und schneller abzuscheiden, das specifische Gewicht des Serums durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz zu vergr\u00f6ssern 2). Wenn man dies mit Nasse\u2019s Angaben vergleicht, so unterliegt keinem Zweifel, dass Buchanan in dem abgesetzten Teil ausser den suspen-dirten Teilchen, welche die Tr\u00fcbung hervorriefen, zum Teil auch Albumin erhalten hatte. Ohne Buchanan\u2019s Schl\u00fcssen \u00fcber die Natur dieser abgesetzten Substanz eine besondere Bedeutung beizulegen, finden wir es dennoch f\u00fcr angemessen darauf hinzuweisen, dass diese auf dem Filter gesammelte Substanz beim Waschen derselben mit Wasser sich in demselben nicht l\u00f6ste und Thomson\u2019s Beobachtungen nach, der diese Substanz genau untersuchte, weder in Aether noch in Alkohol l\u00f6slich war, in Alkalien sich aber aufl\u00f6ste,, demgem\u00e4ss Buchanan hier einen Proteink\u00f6rper zu sehen glaubt4). Parkes zufolge (132 p. 85) nannte Buchanan den beschriebenen Niederschlag Pabulin 5). Im folgenden Jahre beschrieb Thomson (1845,170 p. 550) Buchanan\u2019s Fall und nahm seinerseits den Niederschlag f\u00fcr eine Protemsubstanz\u2014 albuminous substance\u2014an. Ferner, um die Prote'insubstanz im Pancreassafte zu f\u00e4llen, vermischte Cl. Bernard (144 p. 345\u20146) letzteren mit dem gleichen Volumen Magnesiumsulfatl\u00f6sung6). Auch Parkes (133 p. 281; 132 p. 85) f\u00e4llte gleich nach Bu-\n*) \u201e...je voulais aussi d\u00e9montrer la bont\u00e9 de la m\u00e9thode d\u2019exp\u00e9rimentation par les sels, que je venais d\u2019appliquer \u00e0 l\u2019investigation des substances albumino\u00efdes qui font partie de l\u2019organisation\u201c (ib. p. 7\u20148).\n!) \u201e... tr\u00fcbt sich durch viel Kochsalz (dass Serum des Ochsen eher als das des Menschen) und andere Neutralsalze, besonders bei S\u00e4ttigung des freien Alkalis im Blute durch eine S\u00e4ure (doch selbst auch durch Kochsalz mit etwas Ammoniak\u201c (124 p. 128).\n3) \u201eIt consist in saturating the liquid with\ncommon salt, which so much augments ist spe-\ncific gravity, that the opaque particles becoming relatively lighter, rise to the surface... \u201c (19 p. 13).\n*) \u201eHe concluded, therefore, that it contained\nno fixed oil, and consisted most probably of a proteine compound, like albumen, or fibrin\u201c (ib. p. 13).\n6) \u201eDr. Buchanan named this matter provisionally pabulin from the notion that is was immediately derived from food; but, from an experiment on himself, he afterwards concluded that it existed also in the serum, drawn after twenty four hours\u2019fasting\u201c., aber Parkes f\u00fcgt hinzu: \u201eI think this substance is albumen\u201c (131 p. 85).\n6) Bobin et Verdeil (144 p.345\u20146) geben unrichtig an, dass es Cl. Bernard war, der im Jahre 1848 die erste Mitteilung \u00fcber die Wirkung des Magnesiumsulfats auf die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten machte. An der Stelle (7 p. 99), auf welche die Autoren hinweisen finden wir keine","page":118},{"file":"p0119.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n119\nehanan Serum nicht nur mit gepulvertem Kochsalz sondern auch mit einer ges\u00e4ttigten Natriumsulfatl\u00f6sung; doch bewirkte letzteres auch in Pulverform die Bildung eines Niederschlags. Besonders gut geht die F\u00e4llung vor sich, wenn die Fl\u00fcssigkeit zuerst mit Essigs\u00e4ure oder Salzs\u00e4ure anges\u00e4uert und dann mit Chlornatrium oder Natrium-, Kalium- oder Magnesiumsulfat behandelt wird: es erfolgt vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Albumins. Den in beiden F\u00e4llen erhaltenen Niederschlag sieht Parkes (132 p. 84) f\u00fcr Albumin an, wobei er findet, dass der Niederschlag in Wasser l\u00f6slich ist (133 p. 281).\nBei Melsens (1851,116 p. 178) dagegen finden wir auch directe Hinweise auf die F\u00e4llung vom Albumin aus zweifach mit Wasser verd\u00fcnntem (spec. Gew. 1,020) filtrirtem Eiweiss durch S\u00e4ttigung der Fl\u00fcssigkeit mit gewissen Barium-, Calcium-, Magnesium-, Ammoniumsalzen u. a. *), wobei durch Umr\u00fchren die F\u00e4llung scheinbar beschleunigt wurde (ib.). Melsens beobachtete bei der Bearbeitung mit S\u00e4uren und Salzen dieselben Erscheinungen wie Parkes. Auch Panum (129 p. 458) erw\u00e4hnt, dass mit einer grossen Quantit\u00e4t gepulverten Kochsalzes ein wasserl\u00f6slicher Niederschlag aus dem Serum erhalten werden k\u00f6nne, wobei die erhaltene L\u00f6sung beim Kochen einen Niederschlag ausscheidet. H\u00fchnereiweiss giebt diese Reactionen nicht (ib.).\nDie aus Robin & Moyse\u2019s Beobachtungen (1853,144 p. 229) gezogenen Schl\u00fcsse scheinen auf den ersten Blick zu Melsen\u2019s Beobachtungen im Widerspruch zu stehen. Nachdem Serum mit einer etwas gr\u00f6sseren Volummenge Magnesiumsulfat, und H\u00fchnereiweiss mit der dreifachen Menge Wasser und desselben Salzes vermischt worden waren, wurden in den Filtraten dieser Gemische beim Kochen und unter der Einwirkung von S\u00e4uren Niederschl\u00e4ge erhalten, was auf den Gedanken bringen k\u00f6nnte, dass Magnesiumsulfat das Albumin nicht f\u00e4llt. Robin & Moyse sagen jedoch nichts \u00fcber den Niederschlag auf dem Filter. Uebrigens erhielt Quevenne (141 p. 97) Albuminniederschl\u00e4ge 2), indem er, in umgekehrter Reihenfolge vorschreitend, mit Magnesiumsulfat oder Chlornatrium sowohl doppelt verd\u00fcnntes und filtrirtes H\u00fchnereiweiss als auch filtrirtes Serum s\u00e4ttigte. Der Zusatz einer kleinen Menge S\u00e4ure (Essig-, Milch-, Salz- oder, Phosphors\u00e4ure) beg\u00fcnstigt die F\u00e4llung des Albumins durch Kochsalz (ib.); \u00fcberdies zeigte sich eine deutliche Tr\u00fcbung auch bei der Einf\u00fchrung von 0,02\u20140,04 Kochsalz in schwach anges\u00e4uertes, filtrirtes und verd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss (ib. p. 98). Schliesslich fand Virchow (172 p. 573) bei der Wiederholung von Moyse & Robin\u2019s Versuchen, dass bei der S\u00e4ttigung mit krystal-linischem Magnesiumsulfat und auch mit Kalium- und Natriumsulfat, Chlorcalcium und Chlornatrium (ib.) nicht nur hydropische Fl\u00fcssigkeit Niederschl\u00e4ge ausscheidet, sondern dass mit denselben Salzen (in Pulverform) auch Menschen-, Pferde- und Ochsenserum Niederschl\u00e4ge giebt, die, nach dem Filtriren, in destillirtem Wasser l\u00f6slich sind, wobei die L\u00f6sung die Eigenschaften einer prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeit\nAngaben dar\u00fcber, ebenso wenig trifft man solche in der bekannten Arbeit Cl. Bernard\u2019s \u00fcber die Pancreasdr\u00fcse (9 p. 1 u. s. w.) an. Im Jahre 1855 giebt Cl. Bernard (8 p. 239) in der Beschreibung seiner Beobachtungen \u00fcber den Pancreassaft allerdings an, dass diese Fl\u00fcssigkeit durch Magnesiumsulfat vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt wird, wobei das Filtrat durch Kochen nicht ver\u00e4ndert wird. Einfache Filtration des Pancreassaftes durch eine auf dem Filter aufgel\u00f6ste Schicht Magnesiumsulfat bewirkt keine vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Proteinsubstanz.,\n*) \u201ePour quelques sels de baryte, de chaux,\nde magn\u00e9sie, d\u2019ammoniaque etc. (on doit laisser l\u2019albumine en exc\u00e8s;, car en saturant, on la pr\u00e9cipite par ces sels s\u2019ils ont \u00e9t\u00e9 ajout\u00e9s en exc\u00e8s\u201c (116 p. 178).\n2) \u201eJ\u2019ai aussi constat\u00e9 que l\u2019albumine d\u2019oeuf \u00e9tendue de partie \u00e9gale d\u2019eau et filtr\u00e9e de mani\u00e8re \u00e0 l\u2019avoir tr\u00e8s limpide et par cons\u00e9quent exempte de mati\u00e8res en suspension (dans le sens ordinairement attach\u00e9 \u00e0 ce mot), que le s\u00e9rum du sang tr\u00e8s limpide, pouvait aussi laisser former un pr\u00e9cipit\u00e9 l\u00e9ger par l\u2019addition de su 1-fate de magn\u00e9sie ou de chlorure d\u00e9 sodium, j u s q u\u2019\u00e0 saturatio n\u201c (141 p. 97).","page":119},{"file":"p0120.txt","language":"de","ocr_de":"120\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nbesitzt1). Dieselben Beziehungen zu Salzen beobachtet man auch im H\u00fchnereiweiss, doch ist hier die F\u00e4llung mit dem Verd\u00fcnnungsgrad eng verbunden. So werden in einer concentrirten L\u00f6sung, z. B. bei Verd\u00fcnnung mit 2 Teilen Wasser (1 T. Eiweiss und 2 T. Wasser) und S\u00e4ttigung mit Chlornatrium leichte aufschwimmende W\u00f6lkchen, mit Magnesiumsulfat st\u00e4rkere, mit Natriumsulfat ein ziemlich bedeutender Niederschlag erhalten; demgem\u00e4ss h\u00e4lt Virchow Panum\u2019s Angabe, dass Chlornatrium H\u00fchnereiweiss in der K\u00e4lte nicht f\u00e4lle, in dem Maasse f\u00fcr unrichtig, in welchem Panum diese Eigenschaft mit der vollen Unf\u00e4higkeit desselben durch Chlornatrium gef\u00e4llt zu werden verkn\u00fcpft. Zwar besitzt das H\u00fchnereiweiss diese F\u00e4higkeit nicht in hohem Grade, doch geht sie ihr jedenfalls nicht ganz ab (ib. p. 575). Diese ver\u00e4nderlichen quantitaven Verh\u00e4ltnisse der Niederschl\u00e4ge sowohl in einer und derselben Fl\u00fcssigkeit als in verschiedenen h\u00e4ngt, Virchow\u2019s Ansicht nach, von dem Alkaligehalt letzterer ab. In der Folge bestritt Commaille (1866, 24 p. 119), ohne die Bedingungen, unter denen er seine Beobachtungen anstellte, anzugeben, die F\u00e4llbarkeit des Eiweisses und des Serums durch Magnesiumsulfat, und nannte das Albumin des Serums Serosin (s\u00e9rosine) 2). Andererseits findet Hoppe-Seyler (84 p. 555) sogar, dass das Albumin durch trocknes kohlensaures Natron, zu prote\u00efn-haltigen Fl\u00fcssigkeiten bis zur S\u00e4ttigung zugesetzt, vollst\u00e4ndig ausgeschieden wird 3).\nMan muss jedoch Derns die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass er der erste war, der sowohl die F\u00e4llung der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten und der Salzl\u00f6sungen des Albumins mit Salzen als auch die Aufl\u00f6sung der erhaltenen Albuminniederschl\u00e4ge in Salzen zur Methode erhob (34 p. 16 u. folg.)!\nDas \u201eGlobulin\u201c, dessen Eigenschaften und D arstellungs methoden. 1. Al. S c h m i d t\u2019s Arbeiten. Auch Schmidt's Untersuchungen der prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten verdienen die h\u00f6chste Anerkennung. Um jedoch seine Arbeiten nach ihrem Werte zu sch\u00e4tzen, darf man niemals aus dem Auge lassen, dass er schon von den ersten Untersuchungen der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten an best\u00e4ndig von dem Gedanken an die L\u00f6sung der r\u00e4tselhaften Erscheinung der Blutgerinnung eingenommen war. Von dieser Frage in Anspruch genommen und in Bezug auf die prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten sich mit den Kenntnissen begn\u00fcgend, welche ihm von seinem Lehrer in literarischer Hinsicht, Lehmann, und in den Arbeiten einiger Autoren seiner Zeit geboten wurden, wandte Schmidt schon in seinen ersten Arbeiten in den 60-er Jahren seine Aufmerksamkeit den Agentien zu, welche die Gerinnung des Blutes oder solcher Fl\u00fcssigkeiten, welche wie Blut gerinnen k\u00f6nnen, bef\u00f6rdern. Diesen Agentien gab Schmidt den gemeinsamen Namen \u201efibrinoplastische Substanz\u201c, ohne mit dieser eine bestimmte chemische Vorstellung zu verbinden, und eigentlich nur, um die schriftliche Darlegung seiner Beobachtungen zu erleichtern 4 5). Folglich nennt Schmidt\n4)\t\u201eIch habe Blutserum von Menschen, Pferd und Ochsen gepr\u00fcft und auch hier Salzgerinsel erhalten, -welche sich in \u00fcbersch\u00fcssigem Wasser -wieder zu einer albumin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeit l\u00f6sten, die namentlich unter Essigs\u00e4urezusatz beim Kochen sowie durch Salpeters\u00e4ure von Neuen co-agulirte\u201c (172 p. 575).\n\u25a0) \u201eLa s\u00e9rosine, ou principe albumino\u00efde du s\u00e9rum priv\u00e9 de la fibrine, n\u2019est pas coagul\u00e9 \u00e0 froid par le sulfate de magn\u00e9sie...\u201c (24p. 119).\n5)\tVersetzt man eine eiweisshaltige Fl\u00fcssigkeit mit trocknem pulverigem kohlensaurem Kali in kleinen Portionen unter Umsch\u00fctteln bis\nzur S\u00e4ttigung, so wird das gesammte in der Fl\u00fcssigkeit enthaltene Albumin ausgeschieden\u201c (84 p. 555). Bemerken wir hierbei, dass Hoppe-Seyler von dem Nichtvorhandensein von Albumin im Filtrat sich mittelst des Polarisationsapparates \u00fcberzeugte!\n4) \u201eIch werde mich des Ausdruckes \u201efibrinoplastische Substanz\u201c f\u00fcr dasjenige, was die Fibrinausscheidung bewirkt, und \u201efi-brinogene Substanz\u201c f\u00fcr das, was Fibrin wird, bedienen, haupts\u00e4chlich weil es sehr schwer ist, von Dingen zu reden, die keinen Namen haben. Ich habe ausserdem die Ueberzeu-","page":120},{"file":"p0121.txt","language":"de","ocr_de":"BAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n121\nfibrinoplastische Substanzen: Fleisch. Sehnen, Lymphe (155 p. 3), H\u00e4matoglobulin und dessen Krystalle (154 p. 428 u. 444; 157 p. 502, 504, 508), das Stroma der Blutk\u00f6rperchen (154 p. 436; 157 p. 496), den durch Einwirkung von Kohlens\u00e4ure hervorgebrachten Niederschlag *) des defibrinirten Blutes (154 p. 435); endlich rechnete Schmidt, wie wir weiter unten sehen werden, auch das Fibrinogen zu den librinoplastischen Substanzen (ib. p. 434, s. die erste Darstellung des Fibrinogens). Wie wir gesehen haben, nennt er auch das Globulin des H\u00e4matoglobins fibrinoplastische Substanz (ib. p. 444). Ueberdies findet Schmidt, dass der durch Kohlens\u00e4ure in mit Wasser verd\u00fcnntem Serum erzeugte Niederschlag die Gerinnung des Blutes oder des Plasma ebenfalls beschleunigt, woraufhin er ihn gleichfalls fibrinoplastische Substanz nennt (ib. p. 432). Es w\u00e4re ein grosser Irrtum zu glauben, dass Al. Schmidt \u201efibrinoplastische Substanz\u201c gerade den Neutralisationsniederschlag des verd\u00fcnnten Serums benannte, wie das aus den Worten einiger Verfasser von Lehrb\u00fcchern (Hoppe-Seyler, Hofmann, Wurtz u. a.) unserer Zeit, welche mit der Geschichte des Serums nicht gen\u00fcgend bekannt waren, folgen k\u00f6nnte. Zwar scheint Schmidt im J. 1872 die Benennung \u201efibrinoplastische Substanz\u201c f\u00fcr den Neutralisationsniederschlag des verd\u00fcnnten Serums zu verfechten, doch geschieht es nur aus dem Grunde, weil Br\u00fccke diesem Niederschlag die Bedeutung abspricht, welche ihm, nach Schmidt, in dem Gerinnungsprocesse des Blutes zukommt, und weil Schmidt denselben durch diese Benennung von dieser Eigenschaft so zu sagen Besitz nehmen lassen wollte (157 p. 413). Diese Beziehung zur Gerinnung des Fibrins dr\u00fcckte Schmidt seit 1862 stets durch die Worte \u201ewirkt oder verh\u00e4lt sich fibrinoplastisch\u201c 0*4 p. 431\u20142:156 p. 58) aus, demgem\u00e4ss er diese Agentien fibrinoplastisch-wirkende K\u00f6rper oder Eiweissk\u00f6rper nennt (154 p. 440\u20142; 156 p. 48;. Aber dies alles, sowie die Beziehung des Niederschlags zur Gerinnung des Fibrins, wird bei Schmidt mit dem Ausdruck \u201egerinnungserzeugende K\u00f6rper\u201c bezeichnet (154 p. 428), der zwar eine hypothetische, jedoch bloss eine einzige Eigenschaft des Neutralisationsniederschlags \u00fces mit Wasser verd\u00fcnnten Serums wiedergiebt! Der Ausdruck \u201efibrinoplastische Substanz\u201c bezeichnet daher eine partielle Eigenschaft dieses Niederschlags und auch nur in Verkn\u00fcpfung mit Schmidt\u2019s Hypothese \u00fcber die Blutgerinnung.\nWas den allgemeinen Charakter dieses Niederschlags, dessen chemische Natur anbetrifft, so identifient ihn Schmidt schon in seinen ersten Arbeiten mit dem Globulin des H\u00e4matoglobulins oder mit dein L e n t o g 1 o b u 1 i n (154 p. 432, 440, 444, 445, 448, 452 u. folg.; 156 p. 36 u. folg.; 160 p. 126 u. folg.; 157 p. 503), oder nennt ihn einfach Eiweiss (157 p. 504). Den Neutralisationsniederschlag des Serums mit den genannten K\u00f6rpern zu identificiren veranlasste ihn die Identit\u00e4t der Beziehung aller zu der Gerinnung des Fibrins: sowohl das Chromoglobin als das Lentoglobin sind fibrinoplastische Substanzen (154 p. 444 u. 432). Obgleich Schmidt kein Wort dar\u00fcber sagt, scheint mir, dass ihm Lehmann Veranlassung gegeben hatte den Niederschlag des Serums \u201eGlobulin\u201c zu nennen; er wiederholt Lehmann\u2019s Ausspruch fast Wort f\u00fcr Wort, ohne jedoch auf denselben hinzuweisen (vergleiche 154 p. 432 mit 98 p. 359; s. p. n. 112). Beide Forscher sprechen sich dahin aus, dass\ngung, dass die Fibrinausscheidung abh\u00e4ngig ist von der Einwirkung einer besonderen, in den gerinnbaren Fl\u00fcssigkeiten enthaltenen Substanz; wen jedoch die mitgetheilten und noch mitzutheilenden Thatsachen zu einer anderen Ansicht leiten, der kann ja immerhin den Ausdruck in seinem Sinne interpretiren\u201c (153 p. 561).\n') .... aus defibrinirten Blute, wo folglich Stromata der Blutk\u00f6rperchen, Globulin des Serums und Globulin des H\u00e4matoglobulins vorhanden waren\u201c (157 p. 496). Heynsius weist darauf hin (75 p. 33), dass wenn man auf defibrinirtes Blut mit Kohlens\u00e4ure einwirkt, Stromata, Globulin des Serums und sogar Chromoglobin erhalten werden.","page":121},{"file":"p0122.txt","language":"de","ocr_de":"122\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES,\nder von Panurn unter dem Namen Serumcase'in beschriebene K\u00f6rper mehr dem Globulin der Linse gleicht, welches, gleich dem Serumcase'in, sich bei Durchleitung von Kohlens\u00e4ure niederschl\u00e4gt. Doch fand Schmidt ausserdem, dass derselbe sich bei Durchleitung von Luft wieder aufi\u00f6st 1), was fr\u00fcher von Lehmann f\u00fcr das Globulin der Linse gefunden worden war. So fordert die Gerechtigkeit anzuerkennen, dass Lehmann der erste gewesen ist, der in dem Albumin der Linse und dem Neutralisationsniederschlag des Serums gemeinschaftliche Z\u00fcge gefunden hat. Wenn Lehmann, der in der Geschichte der Eiweissk\u00f6rper bewandert war, diesen Niederschlag f\u00fcr Albumin ansah und demselben nur gemeinschaftliche Eigenschaften mit dem Globulin zuerkannte, so identificirt Schmidt, meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit den Lehrbuche Lehmann\u2019s (1853) sowie mit Panum\u2019s Arbeiten sich begn\u00fcgend, ohne tiefer dar\u00fcber nachzudenken, folglich auch ohne sich von der Geschichte oder den Traditionen belehren zu lassen, ohne n\u00f6tige kritische Beurteilung, den von ihm erhaltenen Niederschlag aus dem Serum mit dem Globulin des H\u00e4mato-globins und der Linse (154 p. 431\u20142) a).\nSo wurde eigentlich seit 1862 f\u00fcr den Niederschlag aus dem Serum, sei es dass er durch blosse Verd\u00fcnnung mit Wasser oder durch dieses im Verein mit der Einwirkung von Kohlens\u00e4ure oder Essigs\u00e4ure erhalten worden war, die Benennung Globulin festgesetzt, wobei letzteres mit analogen Niedersclil\u00e4g\u2019en aus dem H\u00fch-nereiweiss, welche gleichfalls Globulin benannt wurden, identificirt wurde. Zum Unterschiede von diesen Globulinen schlagen wir auf Grund des von uns auf gestellten Satzes (p. n. 71), je nach dem Ursprung desselben, f\u00fcr das Globulin des Serums die Benennung \u201eS e r o g 1 o b in\u201c, f\u00fcr dasjenige des Eiweisses\u2014\u201eOvoglobin\u201c vor. Die fr\u00fchere Vorstellung vom Albumin als von einem einheitlichen Prote'ink\u00f6rper des Serums und des Eiweisses zerf\u00e4llt im allgemeinen in zwei Begriffe: Globulin und Albumin. Alles, was aus Serum und Eiweiss durch Wasser allein oder im Verein mit Kohlens\u00e4ure oder andern S\u00e4uren, sowie durch S\u00e4ttigung mit Salzen ausf\u00e4llt, wurde \u201eGlobulin\u201c genannt, und Schmidt identificirte es mit dem Globulin des H\u00e4-matoglobulins und der Linse; alles dagegen, was von der Prote\u00efnsubstanz in L\u00f6sung bleibt, erhielt den Namen \u201eAlbumin\u201c. Es mehrte sich die quantitative Vorstellung des einen auf Kosten des andern, so dass der Satz: \u201eje mehr Globulin, desto weniger Albumin und umgekehrt\u201c, aufgestellt werden k\u00f6nnte. Bei einer solchen Ansicht \u00fcber die prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten konnten quantitative Bestimmung fast zu gar keinen bestimmten Schl\u00fcssen f\u00fchren; alles beschr\u00e4nkte sich auf das eingehende Studium der Eigenschaften der \u201eGlobulin\u201c genannten Niederschl\u00e4ge und auf dasjenige des in L\u00f6sung gebliebenen Prote'ink\u00f6rpers, welcher den Namen \u201eAlbumin\u201c beibehalten hatte, auf welchen man aber nach alter Gewohnheit alle Eigenschaften, die an den nat\u00fcrlich vorkommenden unver\u00e4nderten protein-haltigen Fl\u00fcssigkeiten, dem Serum und dem Eiweiss, gefunden und studirt worden waren oder denselben eigent\u00fcmlich sind, \u00fcbertrug, trotzdem dass mit jeder neuen Darstellungsmethode des Globulins immer mehr und mehr von der Proteinsubstanz des Serums und des Eiweisses unter den Namen \u201eGlobulin\u201c gebracht wurde. Es ist interessant hervorzuheben,\nf) \u201eIch muss Panum\u2019s Angaben dahin vervollst\u00e4ndigen, dass die durch Kohlens\u00e4ure in verd\u00fcnntem Blutserum bewirkte Tr\u00fcbung heim Durchleiten von atmosph\u00e4rischer Luit oder von Sauerstoff wieder schwandet....\nDie Uebereinstimmung mit dem Globulin, die sich im Verhalten bei abwechselndem Zuleiten\nvon Kohlens\u00e4ure und Sauerstoff zeigt\u201c (154 p. 432, vergl. mit p. n. 112, ebenfalls p. n. 85\u20146).\n\u25a0) \u201eEs ist nach alPdiesen Thatsachen nicht m\u00f6glich, die im Serum vorkommende gerinnungserzeugende Substanz das Panum\u2019sche Serumcasem und das Globulin der Blutk\u00f6rperchen f\u00fcr verschiedene Dinge zu halten\u201c (154 p. 444).","page":122},{"file":"p0123.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n123\ndass wie stark mit jeder neuen Darstellungsmethode der Niederschlag aus dem Serum und aus dem Eiweiss zum Schaden der quantitativen Best\u00e4ndigkeit des Albumins auch anwuchs, derselbe immer die Haupteigenschaften des Globulins\u2014Unl\u00f6slichkeit in Wasser und L\u00f6slichkeit in Salzen\u2014besass.\nUm aus Serum Globulin zu erhalten, schl\u00e4gt Schmidt vor, das mit 10 Yol. Wasser verd\u00fcnnte Serum nicht nur mit Kohlens\u00e4ure oder Essigs\u00e4ure sondern \u00fcberhaupt mit irgend einer nur hinl\u00e4nglich verd\u00fcnnten S\u00e4ure zu behandeln (154 p. 432). G\u00fcnsberg (58 p. 237) sagte schon damals aus, dass sowohl Minerals\u00e4uren als Pflanzens\u00e4uren in den prote'mhaltigen Fl\u00fcssigkeiten Niederschl\u00e4ge bewirken, wenn sie nur in gen\u00fcgendem Maasse mit Wasser verd\u00fcnnt sind. Ferner hebt Schmidt den sehr interessanten Umstand hervor, dass bei der erw\u00e4hnten Behandlung nicht das s\u00e4mmt-liche Globulin ausf\u00e4llt, dass, seinen Beobachtungen nach, die F\u00e4llbarkeit des Globulins dem Grade der Verd\u00fcnnung des Serums mit Wasser entspricht, d. h. je h\u00f6her diese ist, desto reichlicher und schneller die F\u00e4llung vor sich geht; bei wiederholten Verd\u00fcnnungen und F\u00e4llungen mit Kohlens\u00e4ure schl\u00e4gt sich immer weniger und weniger von der Substanz nieder (154 p. 433). Im allgemeinen, je concentrirter die L\u00f6sung ist, aus welcher das Globulin gewonnen wird, desto mehr S\u00e4ure (Kohlenoder Essigs\u00e4ure) ist erforderlich oder desto weniger braucht die S\u00e4ure mit Wasser verd\u00fcnnt zu werden (ib. p. 458). Um reines Seroglobin zu erhalten, r\u00e4t Schmidt dasselbe aus dem Serum von geronnenem Pferdeblutplasma darzustellen, obgleich auch Ochsenserum ein gutes Product liefern kann (ib. p. 437). Zur Reinigung l\u00f6st man den ersten Niederschlag mittelst einiger Tropfen sehr verd\u00fcnnter Aetznatron-l\u00f6sung auf und behandelt die erhaltene L\u00f6sung so wie das Serum. Das zum zweiten Mal gef\u00e4llte und in schwachalkalischer Fl\u00fcssigkeit aufgel\u00f6ste Globulin wird aufs neue mit Kohlens\u00e4ure gef\u00e4llt und in derselben Mutterlauge durch Durchleitung von Sauerstoff oder Luft (nach Entfernung der Kohlens\u00e4ure, sei hier bemerkt) aufgel\u00f6st; auf dieselbe Weise werden Niederschl\u00e4ge in der alkalischen L\u00f6sung auch durch Neutralisation mit andern S\u00e4uren erhalten und in einem unbedeutenden Ueberschuss von S\u00e4ure wieder aufgel\u00f6st; aus dieser sauren L\u00f6sung werden sie aufs neue durch Alkalien gef\u00e4llt, in denen sie bei dem geringsten Ueberschuss letzterer wieder l\u00f6slich sind (ib.p. 437). wobei die alkalische L\u00f6sung, da sie nur eine ganz unbedeutende Menge Alkali enth\u00e4lt, auf Reagenspapier zuweilen auch keine Wirkung hervorbringt (ib. p. 454). Ueberdies l\u00f6st Wasser die Spuren von Globulin auf (ib. p. 438), doch lassen sich diese Spuren leicht nachweisen; zu diesem Zwecke r\u00e4t Schmidt das Waschwasser\u2014nach dem Auswaschen des Globulinniederschlags\u2014von den suspendirten Teilchen nochmals abzufiltriren und einen Kohlens\u00e4urestrom in das klare Filtrat zu leiten. Nach einigen Stunden \u2014 in schwachsauren und schwachalkalischen L\u00f6sungen bei 25\u00b0\u201428\u00b0 nach 5\u201410 Tagen\u2014gewahrt man einen Niederschlag. Mit dieser Erscheinung eng verbunden ist der Umstand, dass das Globulin aus Salzl\u00f6sungen bei deren Verd\u00fcnnung mit Wasser nicht ganz ausgef\u00e4llt wird, und dass vollst\u00e4ndige F\u00e4llung erst bei nachfolgender Durchleitung von Kohlens\u00e4ure oder Behandlung mit irgend einer andern schwachen S\u00e4ure erfolgt. Ueberhaupt, je gr\u00f6sser der Gehalt an l\u00f6sendem Salze ist, desto mehr muss die Salzl\u00f6sung des Globulins mit Wasser verd\u00fcnnt werden, damit durch Kohlens\u00e4ure oder Essigs\u00e4ure ein Niederschlag erhalten werde. Hier ist die Erkl\u00e4rung des Umstandes zu suchen, warum Schmidt in der Folge (157 p. 422) zur F\u00e4llung des Globulins vorschl\u00e4gt, zu der mit Wasser verd\u00fcnnten prote'mhaltigen Fl\u00fcssigkeit Essigs\u00e4ure bis zu schwach saurer Reaction zuzusetzen. Mit denselben Eigenschaften des Seroglobins ausgestattetes Globulin findet Schmidt auch in dem Serum des Milchsaftes, der Lymphe und des Eiters (154 p. 445). Ferner enthalten ein eben solches Globulin Gewebe, die keine Blutgef\u00e4sse in sich","page":123},{"file":"p0124.txt","language":"de","ocr_de":"124\nDAS \u00abL0BUL1N DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nschliessen, wie z. B. die Hornhaut, die Umbilicalgef\u00e4sse, die Knorpel, auch die Fl\u00fcssigkeiten: humor aqueus, Speichel, Milch, Hiihnereiweiss, da die w\u00e4sserigen Extracte der genannten Gewebe und die genannten Fl\u00fcssigkeiten, nach der Versetzung mit Wasser und danach unter der Einwirkung von Kohlens\u00e4ure, mit Seroglobin identische Niederschl\u00e4ge ausscheiden (154 p. 445\u20147). Das Seroglobin ist \u00fcberhaupt sehr verbreitet und fast in allen prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten enthalten 1). Es ist hier am Platze zu bemerken, dass Schmidt das Verhalten der Kohlens\u00e4ure zu den globulinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten f\u00fcr so charakteristich h\u00e4lt, dass er in der Folge (1872) zur Bewerkstelligung vollst\u00e4ndiger quantitativer F\u00e4llung des Globulins vorschl\u00e4gt, durch das Serum, z. B. von Ochsenblut, nach der Verd\u00fcnnung mit Wasser einen Kohlens\u00e4urestrom so lange durchzuleiten, bis die Fl\u00fcssigkeit sauer reagirt. Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Globulins wird in demselben Falle auch durch Einf\u00fchrung von 4 Tropfen 25%-iger Essigs\u00e4ure auf je 10 Cc. Serum erreicht. Durch dieses Verfahren fand Schmidt in Ochsenserum 0,72 und 0,80 Grm., in Pferdeserum 0,31 und 0,56 Grm. Globulin auf je 100 cc. (157 p. 423\u20144)\n2. Die Dialyse in der Reihe der andern Behandlungsmethoden der protein haltigen Fl\u00fcssigkeiten. Zu den oben beschriebenen Behandlungsmethoden der proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gesellt sich noch seit 1862, eigentlich seit Graham\u2019s Arbeiten (57 p. 36) die Dialyse, welche Graham behufs Abscheidung der Salze, folglich Reinigung der eigentlichen pro-teinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, vorschl\u00e4gt, da er zum Dialysiren nicht Globulin, sondern verd\u00fcnntes Hiihnereiweiss mit einem gewissen Quantum Essigs\u00e4ure gebraucht. Dieses Gemisch wurde 3\u20144 Tage lang dialysirt, worauf Graham fand, dass die Fl\u00fcssigkeit im Dialysator nach dem Abdampfen und dem Verbrennen keine Asche hinterliess. Trotzdem dass, nach Graham\u2019s Meinung, die gesammte Essigs\u00e4ure unterdessen hatte verschwinden k\u00f6nnen, reagirte die Fl\u00fcssigkeit im Dialysator, welche Graham Albumin nennt, sauer. Andererseits, von dem Satze ausgehend, dem Gerhardt (1857,55 p. 477) wieder beistimmte, dass die Prote'lnsubstanz im Serum und im Eiweiss mit einem Alkali verbunden sei, folglich das Albumin (im \u00e4ltern Sinne) in den nat\u00fcrlich vorkommenden Fl\u00fcssigkeiten sich in Verbindung mit Alkalien befinde, f\u00e4llt Graham aus dem Hiihnereiweiss mit S\u00e4uren Albumins\u00e4ure, d. h. Albumin im \u00e4lteren Sinne, dialysirt es, nachdem es aufs neue mit einem Alkali verbunden wurde, und findet, dass sich das s\u00e4mmtliche Alkali abtrennt. Indem Graham diese That-sachen dem Resultat der oben beschriebenen Beobachtungen gegen\u00fcberstellt, findet er, dass man in der Dialyse ein Mittel besitzt die Verbindung des Albumins mit dem Alkali der nat\u00fcrlich vorkommenden Fl\u00fcssigkeiten zu zerst\u00f6ren (57 p. 61). Wenn man auf dem Standpunkte der Lehre vom Albumin vor Panum und Schmidt bleibt, so lassen sich Graham\u2019s Beobachtungen, dass er in beiden F\u00e4llen Albumin vor sich hatte, leicht erkl\u00e4ren; zieht man aber auch das Globulin in Betracht, so muss man sagen, dass sowohl im ersten als auch im zweiten Falle (und hier fast aus schliesslich) Graham auch Globulin in der L\u00f6sung hatte, und dass trotz der Abtrennung der Salze die Prote'insubstanzen in L\u00f6sung geblieben waren, soweit dies aus\n5) \u201eDas Vorkommen der fibrinoplastisclien Substanz im K\u00f6rper ist also ein sehr verbreitetes. Man weiss seit lange, dass fast alle albumin\u00f6sen K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten durch Kohlens\u00e4ure mehr oder weniger getr\u00fcbt werden; da eine Tr\u00fcbung auf einer F\u00e4llung beruht, so beweist das eben, das in ihnen ausser dem Albumin noch ein anderer gel\u00f6ster Stoff enthalten ist mit der Eigenschaft,\ndurch Kohlens\u00e4ure gef\u00e4llt zu werden, die dem gew\u00f6hnlichen Albumin nicht zukommt; dieser Stoff ist das Globulin, und sein verbreitetes Vorkommen erkl\u00e4rt sich leicht, da es keine K\u00f6rperfl\u00fcssigkeit giebt die nicht mehr oder weniger in Ber\u00fchrung und in Wechselverkehr mit zelligen Elementen gestanden hat\u201c (154 p. 448).","page":124},{"file":"p0125.txt","language":"de","ocr_de":"BAS GlOB\u00dcL\u00cfN BES BLtJTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nm\nGraham\u2019s Beschreibungen seiner Versuche zu ersehen ist (ib. p. 30 u. 61). Hier begegnen wir zu allererst gleichsam Widerspr\u00fcchen gegen Denis\u2019 und auch gegen Pa-num\u2019s und Schmidt\u2019s Lehre, da sowohl Denis\u2019 Albumin als auch Schmidt\u2019s Globulin sogar nach der Entfernung der Salze und Alkalien gel\u00f6st bleiben!\nIm Jahre 1864 (177 p. 306) fand jedoch Wittich, dass H\u00fchnereiweiss im Dialysator aus vegetabilischem Pergament gegen destillirtes Wasser schon nach einigen Stunden einen weissen unl\u00f6slichen Niederschlag ausscheidet, wobei der Wassergehalt in der Diffusionszelle gr\u00f6sser wird. Nach dem Abfiltriren des Niederschlags und bei weiterer Dialyse der Filtrats w\u00e4hrend 48 Tagen, bemerkte Wittich am 8-en Tage, dass die im Dialysator befindliche Fl\u00fcssigkeit mit basischem Bleiacetat und Kupfersulfat keinen Niederschlag mehr ausschied; die Fl\u00fcssigkeit tr\u00fcbte sich wohl, wurde aber nach einem Zusatz von Essigs\u00e4ure oder Phosphors\u00e4ure wieder klar. Ueberhaupt verhielt sich die Fl\u00fcssigkeit der W\u00e4rme, der Salpeters\u00e4ure, dem Sublimat und dem Alkohol gegen\u00fcber wie gew\u00f6hnliches H\u00fchnereiweiss.\nReynolds\u2019 Beobachtungen (143 p. 3), die. wie es scheint, den Chemikern wie auch den Biologen unbekannt geblieben sind, sind nicht nur durch die erhaltenen Resultate sondern auch dadurch von hohem Interesse, dass dieser Forscher der erste war, der eine Salzl\u00f6sung des Globulins der Dialyse unterwarf! Mit 2 Vol. Wasser versetztes H\u00fchnereiweiss wurde durch Leinwrand filtrirt, das Filtrat genau mit Essigs\u00e4ure neutralisirt und dann stark mit Wasser verd\u00fcnnt, wronach der aus-geschiedeue Niederschlag, den Reynolds Albumin nannte, in einer ges\u00e4ttigten Ka-lisalpeterl\u00f6sung aufgel\u00f6st wurde. Darauf dialysirte man die L\u00f6sung solange, bis in einem Tropfen der Fl\u00fcssigkeit aus dem Dialysator sich keine Asche mehr nachweisen liess. In der Diffusionszelle blieb eine Fl\u00fcssigkeit zur\u00fcck, welche reines, sauer rea-girendes Albumin enthielt, das sich leicht oft sogar durch einfaches Sch\u00fctteln niederschlug. Reynolds findet hier im allgemeinen die Reactionen des Hiihnereiweis-ses. Etwas anders und ziemlich complicirt bearbeitet Hoppe-Seyler (85 p. 184) Serum oder Hydrocelefl\u00fcssigkeit um \u201enahezu\u201c reines \u201eAlbumin\u201c zu erhalten. Zu den unverd\u00fcnnten Fl\u00fcssigkeiten wdrd tropfenweise sehr verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure bis zum Erscheinen flockenartiger Niederschl\u00e4ge zugesetzt. Nachdem das Filtrat mit Natriumcarbonat neutralisirt worden ist, wird es in flachen Schalen bei 40\u00b0 bis zu einem geringen Volum abgedampft. Darauf bringt man die Fl\u00fcssigkeit in die Diffusionszelle und wechselt das Wasser alle 6 Stunden. Nach der Abtrennung der Salze wird das Dialysat bei 40\u00b0 auf dem W a s s e r b a d e zur Trockne abgedampft. Der Troekenrest, den Hoppe-Seyler \u201eAlbumin\u201c nennt, enth\u00e4lt Salze und verliert seine Wasserl\u00f6slichkeit nicht einmal durch Trocknen bei 100\u00b0 (ib.). Alkohol f\u00e4llt- dieses \u201eAlbumin\u201c, wird aber die Fl\u00fcssigkeit vom Niederschlag rasch abgegossen, so wird dieser wieder in Wasser l\u00f6slich; bei l\u00e4ngerem Stehen unter dem Alkohol verliert sich jedoch die L\u00f6slichkeit. Kohlen-, Essig-, Wein- und Phosphors\u00e4ure f\u00e4llen dieses Albumin nicht, und nach der Neutralisation derselben treten dessen fr\u00fchere Reactionen wieder hervor (ib. p. 185). Indem Hoppe-Seyler mit einem gleichen Volum Wasser verd\u00fcnntes und zerschnittenes H\u00fchnereiweiss ebenso, aber mit Ausschluss des S\u00e4urezusatzes behandelte, erkannte er dessen vollst\u00e4ndige Analogie mit dem \u201eAlbumin\u201c des Serums.\nDie zuletzt genannten Autoren hielten sich an die \u00e4ltere Vorstellung von dem Albumin; infolgedessen sollte man diesen Ausdruck entweder mit dem Namen des Autors verkn\u00fcpfen, z. B. Hoppe-Seyler\u2019s Albumin vom Jahre 1862 sagen, oder wenigstens der Darstellungsart desselben erw\u00e4hnen, um ungef\u00e4hr einen Begriff davon zu geben, was f\u00fcr ein Pr\u00e4parat unter dem Wort Albumin verstanden wird; dies um so mehr, als auch die Dialyse dazu beigetragen hat, die Anzahl der","page":125},{"file":"p0126.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nAusdr\u00fccke zu vermehren, trotzdem alle sich auf ein und dasselbe Globulin beziehen. Obiges erscheint um so notwendiger, als einige Autoren f\u00fcr n\u00f6tig halten auch noch den von uns soeben festgesetzten Begriff: \u201eGlobulin des Serums\u201c zu zergliedern. So nennt K\u00fchne (1866, 94 p. 168), ohne gen\u00fcgenden Grund, nicht nur den ausschliesslich durch Kohlens\u00e4ure aus 10-fach mit Wasser verd\u00fcnntem Serum erhaltenen Niederschlag \u201eSchmidt\u2019s Globulin\u201c, sondern schl\u00e4gt auch noch vor, denselben zum Unterschiede vom Lento g lobin, \u201eParaglobulin\u201c zu nennen, da er von dem Globulin der Linse sich dadurch unterscheide, dass dessen L\u00f6sung, nach Schmidt, in lufthaltigem Wasser weder in der W\u00e4rme noch unter der Einwirkung von Alkohol Niederschl\u00e4ge ausscheidet 1). Einen jeden, der mit der Geschichte des Globulins bekannt ist, muss dies befremden, besonders da der Ursprung dieses Globulins nicht angegeben ist. Abgesehen davon, dass K\u00fchne\u2019s Schluss mit den in Schmidt\u2019s Arbeiten enthalten Thatsachen im Widerspruch steht, muss einem jeden in dieser Frage Bewanderten, die Willk\u00fcrlichkeit eines solchen Verhaltens Schmidt\u2019s Schl\u00fcssen gegen\u00fcber auffallen. Eichwald (1873, 45 p. 28) suchte in Schmidt\u2019s Arbeiten nach irgend welchen Angaben, welche K\u00fchne\u2019s Schl\u00fcsse rechtfertigen k\u00f6nnten, fand aber nichts. Zwar weist Eicliwald auf S. 454 von Schmidt\u2019s Arbeit (1862, 154 p: 454) hin, doch ist dort nur von alkalischen Seroglobinl\u00f6sungen die Rede. Ich f\u00fcr meinen Teil k\u00f6nnte zwar in derselben Arbeit Schmidt\u2019s S. 457 (154 p. 457) eine Stelle angeben, welche als St\u00fctze f\u00fcr K\u00fchne\u2019s Meinung dienen k\u00f6nnte; allein es handelt sich dort um einen durch Einwirkung von Essigs\u00e4ure auf verd\u00fcnntes Serum erhaltenen Niederschlag, welcher, nach K\u00fchne, schon nicht mehr als Globulin angesehen werden k\u00f6nne. Andererseits spricht Schmidt sich hier auch \u00fcber die unbefriedigende und unbestimmte Erhaltungsweise des in der Mutterlauge l\u00f6slichen Niederschlags nach Entfernung der Essigs\u00e4ure, die zum F\u00e4llen gedient hatte, aus, w\u00e4hrend bei der F\u00e4llung mit Kohlens\u00e4ure 2) der Process leicht von statten geht (154 p. 457). Wenn man dem soeben Dargelegten auch irgendeine Bedeutung beimessen wollte, so m\u00fcsste man dennoch gestehen, dass K\u00fchne einen ganz ungew\u00f6hnlichen und speciellen Fall im Auge gehabt hat, der seinen Vorschlag den durch Kohlens\u00e4ure in verd\u00fcnntem Serum erhaltenen Niederschlag, zum Unterschied von dem aus Linsenextract ausgeschiedenen, \u201eParaglobulin\u201c zu nennen ganz ungerechtfertigt erscheinen l\u00e4sst, um so mehr als K\u00fchne selbst, in dieser Richtung keine Untersuchungen angestellt hat. Dies alles zeigt, dass der Ausdruck \u201eParaglobulin\u201c ein ganz \u00fcberfl\u00fcssiger ist. Ueberdies lag dieser Annahme, wie sich in der Folge heraussteilen wird, eine ganz falsche Vorstellung von der L\u00f6slichkeit des Globulins in sauerstoffhaltigem Wasser zu Grunde.\nWie dem auch sei, K\u00fchne unterscheidet den durch Kohlens\u00e4ure bewirkten Niederschlag, den er \u201eParaglobulin\u201c oder, gleichfalls unrichtig \u201eSchmidt\u2019s Globulin\u201c nennt, von dem Niederschlage, der im Filtrat des Serums nach der Abtrennung des durch Kohlens\u00e4ure erhaltenen Niederschlags, durch die Einwirkung von Essigs\u00e4ure erhalten wird. Diesen zweiten Niederschlag nennt K\u00fchne ganz willk\u00fcrlich \u201ePanum\u2019s\n') \u201eAugenscheinlich stimmt derselbe in seinen Eigenschaften am meisten \u00fcberein mit dem Globulin, das Berzelius aus dem Blute darstellte, so wie mit dem Globulin der Krystall-linse. Nur darin weicht er jedoch von dem Globulin ab, dass er nach A. Schmidt durch Sieden der L\u00f6sung in lufthaltigem Wasser, so wie durch. Alkohol nicht gef\u00e4llt wird. Aus diesen Gr\u00fcnden bezeichnen wir ihn von jetzt an als Paraglobulin\u201c (94p. 168\u20149),\nZwar finden wir in der Folge bei Schmidt die Angabe, dass durch Kohlens\u00e4ure gef\u00e4lltes und auf dem Filter gesammeltes Globulin, welches 2 Tage in feuchtem Zustande verblieben war, sich in Wasser l\u00f6sste, wobei die L\u00f6sung weder in der W\u00e4rme noch durch Einwirkung von Alkohol gerann, doch machte Schmidt diese Beobachtungen im J. 1872 (157 p. 432), so dass K\u00fchne, der im J. 1866 schrieb (94 p. 168\u20149), dieselben auf keinen Fall bekannt sein konnten.","page":126},{"file":"p0127.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN D\u00c8S BL\u00dcTSEE\u00dcMS UND DES EIWEISSES.\t127\nSerum casein \u201c \u2018) und liait ihn f\u00fcr \u201eNatronalbuminat\u201c. Somit erscheint unser Vorschlag zugleich mit dem Prote'inniederschlag oder dem Pr\u00e4parat auch den Namen des Autors zu nennen, volkommen gerechtfertigt, da es bei weitem nicht dasselbe ist, ob man \u201eSchmidt\u2019s Globulin\u201c und \u201ePanum\u2019s Casein\u201c oder \u201eS c h m i d t\u2019s Globulin nach Ktih n e\u201c oder \u201eP anu m\u2019s Serumcasein nach K \u00fc h n e\u201c sagt.\nUm den einen K\u00f6rper von dem andern zu trennen, schl\u00e4gt K\u00fchne vor, das Serum mit 10 Teilen Wasser zu verd\u00fcnnen und Kohlens\u00e4ure bis zu vollst\u00e4ndiger F\u00e4llung von \u201eSchmidt\u2019s Globulin\u201c einzuleiten, nach dessen Abtrennung das Filtrat noch mit Wasser verd\u00fcnnt und wieder mit Kohlens\u00e4ure behandelt wird, bis sich kein Niederschlag mehr bildet; danach scheidet sich durch Zusatz von Spuren von Essigs\u00e4ure im neuen Filtrat abermals ein weisser pulverf\u00f6rmiger Niederschlag\u2014 Panum\u2019s Serumcasem oder Alkalialbumat\u201c * 2)\u2014aus, der in verd\u00fcnnten Alkalien und Alkalisalzen leicht l\u00f6slich ist.\nObwohl K\u00fchne Recht hat, dass \u201ePanum\u2019s Serumcasem\u201c, infolge der zu jener Zeit letzterem beigelegten Eigenschaften, nicht f\u00fcr gew\u00f6hnliches Casern angesehen werde k\u00f6nne, so war dennoch kein Grund vorhanden die historischen Thatsachen zu entstellen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Schmidt und Panum die durch Kohlens\u00e4ure und Essigs\u00e4ure bewirkten Niederschl\u00e4ge f\u00fcr einen und denselben K\u00f6rper hielten, der sowohl von der einen als von der anderen dieser S\u00e4uren gef\u00e4llt werden kann. Auch nachdem Schmidt in der Folge K\u00fchne\u2019s Ansicht bekannt geworden war, findet er in den Reactionen der durch Behandlung mit Kohlens\u00e4ure und Essigs\u00e4ure erhaltenen Niederschl\u00e4ge keinen Unterschied (1872,157 p. 413 u. folg.). Schliesslich giebt Schmidt, der diese Niederschl\u00e4ge mit einem und demselben Namen benannte, folgende ziemlich befriedigende Erkl\u00e4rung des Umstandes, dass bei der Einf\u00fchrung von Kohlens\u00e4ure nicht alles Globulin ausf\u00e4llt, bei der Neutralisation mit Essigs\u00e4ure dagegen sich vollst\u00e4ndig niederschl\u00e4gt: die kohlensauren Salze sind bessere L\u00f6sungsmittel als die essigsauren, weshalb bei der nachherigen Neutralisation mit Essigs\u00e4ure der \u00fcbriggebliebene Teil des Globulins ausfallen muss. Noch weiter findet Heynsius (1869, 75 p. 11) nach K\u00fchne, dass die Menge des aus dem verd\u00fcnnten Serum ausgeschiedenen Globulins mit der Verd\u00fcnnung steigt. So scheiden sich bei 10-facher Verd\u00fcnnung unter Einwirkung von Kohlens\u00e4ure nur 0,83\u00b0/o Globulin (K\u00fchne\u2019s Paraglobulin), bei 40-facher Verd\u00fcnnung desselben Ochsenserums mit Wasser\u20141,12% aus. Auch Schmidt wies deutlich darauf hin, obgleich er keine Zahlen gab, dass die Menge des durch Kohlens\u00e4ure ausgeschiedenen Globulins mit der Verd\u00fcnnung ebenfalls anw\u00e4chst (1862, p. n. 122). Diese von Schmidt angef\u00fchrten Thatsachen Hess K\u00fchne seiner Zeit ausser Acht, infolgedessen seine Ansicht durch die oben erw\u00e4hnten Angaben von Heynsius eher, als man h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, widerlegt wurde. Ausserdem zeigte Heynsius, haupts\u00e4chlich auch f\u00fcr das Ochsenserum, dass der durch Essigs\u00e4ure bewirkte Niederschlag aus 4 Bestimmungen durchschnittlich 0,882% betrug, w\u00e4hrend die Gesammtmenge der durch Kohlens\u00e4ure und durch nachfolgende S\u00e4ttigung mit Kochsalz erhaltenen Niederschl\u00e4ge nach denselben Bestimmungen = 2,23% war. Abgesehen davon, dass auf diese Art mehr\n*) Daraufhin kann es nicht wundern, dass man in der Folge hei Eichwald (45 p. 48) auf einen solchen Ausdruck: \u201eSerumcasem von K\u00fchne, nicht von Panum\u201c st\u00f6sst, was auch ganz richtig ist.\n2) \u201eWenn aus 10-fach verd\u00fcnnten Serum das Globulin mit COa vollst\u00e4ndig ausgef\u00e4llt worden ist, so dass auch bei weiterem Verd\u00fcnnen und\nEinleiten von CO2 keine Tr\u00fcbung mehr entsteht, so f\u00e4llt eine Spur Essigs\u00e4ure noch einmal einen weissen, pulvrigen K\u00f6rper aus, der in 0-haltigem Wasser unl\u00f6slich ist, sich sehr langsam in neutralen Alkalisalzen, leicht in verd\u00fcnnten S\u00e4uren und Alkalien aufl\u00f6st\u201c (94 p. 175).","page":127},{"file":"p0128.txt","language":"de","ocr_de":"128\nDAS GLOB\u00dcL\u00ceN \u2022 DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nSubstanz erhalten wird, ist es interessant, dass auch dieser Niederschlag, der den durch Essigs\u00e4ure erzeugten an Menge \u00fcbertrifl't, dieselben Eigenschaften wie der durch Kohlens\u00e4ure allein erhaltene, d. h, das Globulin, besitzt. Die Eigenschaften der durch Kohlens\u00e4ure und Essigs\u00e4ure sowie der durch Kohlens\u00e4ure und Kochsalz erhaltenen Niederschl\u00e4ge mit einander vergleichend, fand Heynsius keinen Unterschied (ib. p\u00bbll\u201414) und erkl\u00e4rt, dass durch die Kohlens\u00e4ure nicht das s\u00e4mmtliclie Globulin ausgef\u00e4llt wird, sondern, infolge der Leichtl\u00f6slichkeit desselben in neutralen Salzen (ib. p. 20) '), ein Teil davon in L\u00f6sung bleibt. Diese Leichtl\u00f6slichkeit des Seroglobins schien ihm so charakteristisch, dass er geneigt war, dieselbe als einziges Unterscheidungsmerkmal von den \u00fcbrigen Prote\u00efnk\u00fcrpern zu betrachten 2). Endlich spricht Panum selbst (1869) sich gegen K\u00fchne\u2019s Benennungen aus und schl\u00e4gt seinerseits f\u00fcr den durch Kohlens\u00e4ure bewirkten Niederschlag die h\u00f6chst originelle Benennung \u201efibri noplastischer Bestandteil des Serumcaseins\u201c, f\u00fcr den im weiteren durch Essigs\u00e4ure ausgef\u00e4llten und von K\u00fchne \u201e Natronalbuminat\u201c genannten \u2014 nie htfibri noplastischer Teil des S e r u m c a s e i ns vor (131 p. 91\u20142); dadureh wollte er einerseits dieselben identificiren, andererseits in Bezug auf deren Einfluss auf die Blutgerinnung gleichsam unterscheiden, wozu weder Schmidt\u2019s Arbeiten bis 1869 noch auch sp\u00e4tere einen Anhaltspunkt geben. Auch Eichwald (49 p. 51) findet, dass, im allgemeinen, je l\u00e4nger die Kohlens\u00e4ure durchgeleitet wird, desto mehr Niederschlag sich bildet. Ausserdem scheidet das Filtrat nach der Abtrennung des in 10-fach mit Wasser verd\u00fcnntem Serum durch Kohlens\u00e4ure bewirkten Niederschlags nach 6\u201424\u2014st\u00e4ndigem Stehen einen zweiten Niederschlag aus, nach dessen Abtrennung sich im Filtrat noch ein dritter Niederschlag ausscheidet u. s. w. (ib. p. 51\u20142). Die Bildung dieser Niederschl\u00e4ge geht noch rascher vor sich, wenn das Serum nach und nach mit immer gr\u00f6sseren Wassermengen verd\u00fcnnt und die Durchleitung von Kohlens\u00e4ure fortgesetzt wird. Durch diese Thatsachen widerlegt Eichwald zugleich Pa-num\u2019s (128 p. 259) und K\u00fchne\u2019s (94 p. 175) Angaben, dass schon einmal mit 10 Teilen Wasser verd\u00fcnntes Serum, nach der Abtrennung des durch Kohlens\u00e4ure bewirkten Niederschlags, bei weiterer Verd\u00fcnnung und Durchleitung desselben Gases nicht mehr im Stande .sei Niederschl\u00e4ge auszuscheiden. Eichwald fand, dass 10-fach verd\u00fcnntes Serum nach der Abtrennung des durch Kohlens\u00e4ure erzeugten Pr\u00e4cipitats nach abermaliger 10-facher Verd\u00fcnnnng und Durchleitung von Kohlens\u00e4uregas nicht nur einen zweiten Niederschlag ausscheidet, sondern dass auch das zweite Filtrat bei weiterer Verd\u00fcnnung mit 10 Teilen Wasser und Behandlung mit Kohlens\u00e4ure noch einen dritten Niederschlag absetzt, wobei das zu einem geringen Volum eingedickte neue Filtrat in der Siedhitze nicht \u201egerinnt\u201c, obgleich Essigs\u00e4ure einen Niederschlag erzeugt (ib. p. 120\u20141). Dabei l\u00f6st sich der nach K\u00fchne durch Essigs\u00e4ure erhaltene Niederschlag\u2014K\u00fchne\u2019s \u201eSerumcasem\u201c, wie ihn jetzt Eichwald 3) nennt\u2014ebenfalls leicht\u2014 nach Eichwald \u201eaugenblicklich\u201c\u2014in einer geringen Menge Chlornatrium, wenngleich er nach l\u00e4ngerem Verweilen am Boden des\n9 \u201eGerade die leichte L\u00f6slichkeit in neutralen Alkalisalzen beweist nach meiner Meinung, dass die durch Kochsalz aus Kuhserum gef\u00e4llte Substanz nichts anderes ist, als ein Theil des Paraglobulins, welches bei der Gegenwart von Salzen und yon Alkali durch Kohlens\u00e4ure nicht pr\u00e4ci-pitirt wird\u201c (75 p. 20).\n5) \u201eIn der That ist diese Leichtl\u00f6slichkeit, sei sie nun dem Paraglobulin an und f\u00fcr sich eigen-\nth\u00fcmlich oder von beigemischten Stoffen abh\u00e4ngig, das einzige Kennzeichen, wodurch es sich von anderen Eiweissk\u00f6rpern unterscheidet\u201c (ib.).\n3) \u201eIm Folgenden werde ich \u00fcbrigens den Ausdruck \u201eSerumcasein\u201c im Sinne K\u00fchne\u2019s gebrauchen, da mir seine Benennung als Natronalbuminat aus sp\u00e4ter anzuf\u00fchrenden Gr\u00fcnden nicht ganz zutreffend scheint\u201c (45 p. 49).","page":128},{"file":"p0129.txt","language":"de","ocr_de":"DAS \u00d6LOBTlLIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISS\u00c9S.\nGef\u00e4sses, in der Mutterlauge, nach und nach seine L\u00f6slichkeit einb\u00fcsst. Noch sp\u00e4ter (1876) fand Weyl (174 p. 637 und 175 p. 77) zwischen den in verd\u00fcnntem Serum sowohl durch Kohlens\u00e4ure allein als auch durch diese im Verein mit Essigs\u00e4ure erzeugten Niederschl\u00e4gen keinen Unterschied und gab ihnen den gemeinsa\u00eenen Namen \u201eSerumglobulin\u201c. Auch Hammarsten (1878, 64 p. 462\u20141885, 70 p. 303]) erkannte sowohl bei einer Probef\u00e4llung mit Salzen als auch bei der F\u00e4llung nacll Weyl\u2019s Methode nur ein und dasselbe Globulin.\nZugleich findet man bei K\u00fchne die ersten, sehr interessanten und bestimmten, Angaben dar\u00fcber, was unter dem Namen \u201eAlbumin\u201c\u2014\u201eSerumalbumin, Serum-eiweiss\u201c zu verstehen sei. Nach der Abscheidung des Seroglobinniederschlags, welches aus 10-fach verd\u00fcnntem Serum zuerst mittels Kohlens\u00e4ure, dann durch Ans\u00e4uern des Filtrats mit Essigs\u00e4ure (94 p. 175) ausgef\u00e4llt worden war, wurde das mit Natriumcarbonat neutralisirte und nach dem Abdampfen der Fl\u00fcssigkeit auf das anf\u00e4ngliche Volum gebrachte Filtrat, von K\u00fchne f\u00fcr Albumin angesehen, wobei er fand, dass diese Fl\u00fcssigkeit bei 70\u00b0\u201475\u00b0 gerinnt, der s\u00e4mmtliche Eiweissstoff jedoch erst in der Siedhitze und beim Ans\u00e4uern mit Essigs\u00e4ure ausf\u00e4llt (ib. p. 177). Daher muss K\u00fchne f\u00fcr den ersten Forscher angesehen werden, der es sich angelegen sein liess, Globulin aus dem Serum auszuscheiden, wit sagen nicht, von dem \u201eAlbumin\u201c zu trennen, welches ihm nur in Gestalt eines Rests des Serums nach der Entfernung des Globulins bekannt war. Demgem\u00e4ss finden wir auch hier keine bestimmte Vorstellung von dem Albumin, um so mehr als wir in K\u00fchne\u2019s Fall unter den Eigenschaften des Albumins nicht nur diejenigen eines Serums, dem das Globulin entzogen ist, sondern auch eines solchen, welches eine gewisse Menge Natriumacetat enth\u00e4lt (ib. p. 178), zu verstehen haben. K\u00fchne selbst erkannte die Unzul\u00e4nglichkeit seiner Angaben \u00fcber das Albumin, weshalb er auch vorschlug das auf erw\u00e4hnte Weise behandelte Serum der Dialyse zu unterwerfen, um \u201edas Serumalbumin reiner zu erhalten, ohne es in einen unl\u00f6slichen Zustand \u00fcberzuf\u00fchren\u201c. Nach dem Abdampfen der Fl\u00fcssigkeit aus dem Dialysor bei 40\u00b0 wird der Trockenrest eines \u201efesten Serumalbuminats\u201c erhalten, welches die F\u00e4higkeit nicht ein-geb\u00fcsst hat sich in Wasser, wenn auch nur langsam, aufzul\u00f6sen *). Die erhaltene L\u00f6sung besitzt alle Eigenschaften des gew\u00f6hnlichen Serums, d. h. sie gerinnt in der W\u00e4rme, unter der Einwirkung von Alkohol u. s. w. (ib. p. 178).\nWeiter fand K\u00fchne, sich auf Wittich und Hoppe-Seyler berufend und im Gegensatz zu Graham, dass das Albumin durch Dialyse von den Salzen nicht befreit werden k\u00f6nne (ib. p. 179). Er beobachtete, dass nach 4-w\u00f6chentlichem Dialysiren globulinfreien Serums unter best\u00e4ndigem Wechseln des Wassers, das Serum einen aschenfreien und in Wasser nicht l\u00f6slichen Niederschlag ausscheidet, der sich jedoch in verd\u00fcnnten S\u00e4uren und Alkalien, haupts\u00e4chlich aber in Salzen, leicht l\u00f6st s). Un-\n*) \u201eEs macht also den Eindruck, als unterscheide sich dieses Albumin durch seine L\u00f6slichkeit in Wasser. Dennoch scheint es, als ob dasselbe so wenig, wie irgend ein anderer reiner Eiweissk\u00f6rper, in Wasser l\u00f6slich sei, sondern auch das Serumalbumin scheint nur durch Salze in L\u00f6sung erhalten zu werden\u201c (94 p. 178).\n2) \u201eNach den vorhin angef\u00fchrten Methoden gereinigtes Serumeiweiss wurde nach 4-w\u00f6chenticher Diffusion in einer Temperatur, die so wenig um 0\u00b0 herum schwankte, dass nach dieser langen Zeit keine Spur von F\u00e4ulniss, noch von organi-sirten Fermenten bemerkbar war, und bei t\u00e4glich erneuertem Wechsel des destillirten Wassers\nunter der sehr grossen Membran vegetabilischen Pergaments, nicht v\u00f6llig salzfrei, trotz der nach Graham gebotenen schwachen Ans\u00e4uerung des Eiweisses mit Essigs\u00e4ure. Nachdem schon lange nur Spuren von Salzen zum Wasser \u00fcbergetreten waren, bemerkte man jedoch Folgendes: Die Eiweissl\u00f6sung hatte einen nicht unbetr\u00e4chtlichen grossflockigen Bodensatz bekommen. Als dieser mit Wasser auf dem Filter ausgewaschen worden, war diese Substanz wirklich aschenfrei, aber sie war zugleich unl\u00f6slich in Wasser, nur l\u00f6slich in Salzl\u00f6sungen und in verd\u00fcnnten S\u00e4uren und Alkalien\u201c (ib. p. 179).\nd","page":129},{"file":"p0130.txt","language":"de","ocr_de":"13\u00d4\nt)AS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\ngeachtet dessen, dass K\u00fchne das Globulin aus dem Serum scheinbar sorgf\u00e4ltig abgeschieden hatte, scheidet sich auch dieses \u201eSerumalbumin\u201c bei der Dialyse zum Teil aus, was mit der allgemeinen Ansicht K\u00fchne\u2019s \u00fcber die Unl\u00f6slichkeit des Albumins in Wasser in Einklang steht; andererseits aber unterscheidet sich dieser Niederschlag in nichts vom Globulin. In der That wurde dieser durch Dialyse des globulinfreien \u201eSerumalbumins\u201c erhaltene Niederschlag sp\u00e4ter auch wirklich mit dem Globulin identificirt. Somit finden wir in K\u00fchne\u2019s Beobachtungen den Grund zu einer weiteren Anfechtung der Vorstell\u00fcng vom \u201eAlbumin\u201c, in quantitativer Beziehung: dasselbe f\u00e4ngt an, seine dominirende Rolle im Serum einzub\u00fcssen und dem Globulin abzutreten. Im allgemeinen nimmt K\u00fchne an, dass sowohl das Albumin als auch das Globulin in Wasser nicht l\u00f6slich seien, und die ge-sammte nach der Abscheidung des Globulins in L\u00f6sung gebliebene Prote\u00fcnsubstanz f\u00fcr Albumin anzusehen sei, ohne dabei den Begriff von dem Albumin mit der Wasserl\u00f6slichkeit zu verbinden. Ueberdiess dickte K\u00fchne die nach der Entfernung auch des Dialysationsniederschlages erhaltene Fl\u00fcssigkeit wieder ein, neutralisirte die zur\u00fcckgebliebene Essigs\u00e4ure und erhielt aufs neue einen Niederschlag, wonach die Fl\u00fcssigkeit in der W\u00e4rme noch einen Niederschlag absetzen konnte. Diese Beobachtungen veranlassen K\u00fchne anzunehmen, das \u201eSerumalbumin\u201c sei durch die Einwirkung der Salze l\u00f6slich (94 p. 179). Wenn man diese Schl\u00fcsse K\u00fchne\u2019s mit Denis\u2019 Schl\u00fcssen vergleicht (1837, p. n. 91), so findet man einen Unterschied etwa nur darin, das ersterer mehrere, und zwar 3 Arten eines und desselben in Wasser unl\u00f6slichen, in Salzen und Alkalien aber l\u00f6slichen Prote'ink\u00f6rpers annimmt, n\u00e4mlich: einen in Salzen l\u00f6slichen und durch Kohlens\u00e4ure f\u00e4llbaren, einen zweiten\u2014in Salzen im Verein mit Alkalien l\u00f6slichen und durch Essigs\u00e4ure f\u00e4llbaren und einen dritten durch diese Agentien unf\u00e4llbaren. Denis sieht hier gleichsfalls eine in Wasser unl\u00f6sliche Substanz\u2014das Albumin\u2014welche zum Teil in Salzen, zum Teil in diesen im Verein mit Alkalien l\u00f6slich ist.\nNicht weniger interessant sind K\u00fchne\u2019s Beobachtungen \u00fcber das Eiweiss, welche seine Ansicht best\u00e4tigen oder das Gesagte erg\u00e4nzen; seiner Meinung nach, enth\u00e4lt das H\u00fchnereiweiss haupts\u00e4chlich in Salzen gel\u00f6stes Albumin, eine geringe Menge Kalialbuminat und Spuren von Globulin. Bei der Verd\u00fcnnung des Eiweisses mit viel Wasser scheidet sich das Albumin aus, w\u00e4hrend die andern Bestandteile in L\u00f6sung bleiben und sich nur bei vorsichtiger Einf\u00fchrung von Essigs\u00e4ure nieder-schlagen. Nach den genannten Operationen bleibt in der L\u00f6sung ein unbedeutender Teil der Protein Substanz zur\u00fcck, der beim Kochen eine unbedeutende Tr\u00fcbung bildet *). Diesen Angaben gem\u00e4ss erweist es sich, dass das Albumin durch Wasser sogar leichter gef\u00e4llt wird als das Globulin! Wie dem auch sei, es muss, wiederholen wir, bei der Benutzung der von den Autoren vorgeschlagenen Benennungen die gr\u00f6sste Vorsicht gebraucht werden.\nGleichzeitig mit K\u00fchne\u2019s Arbeit und gleichsam als Vervollst\u00e4ndigung der Lehre von der L\u00f6slichkeit des \u201eAlbumins\u201c in Wasser unter der Einwirkung von Salzen sowie zur Illustration des Gesagten erschienen die Arbeiten von Monoyer (120 p. 444), Schtscherbakofl (167 p. 23\u20145), Danilewski (27 p. 18; 29 p. 312) und Good-mann (56 p. 1042), die den durch Wasser im H\u00fchnereiweiss bewirkten Nieder-\n*) \u201eEs enth\u00e4lt haupts\u00e4chlich in Salzen gel\u00f6stes Albumin, wenig Kalialbuminat und nur Spuren von Globulin. Mit viel Wasser versetzt scheidet es fast alles nur in Salzen gel\u00f6stes Albumin aus, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen Eiweissstoffe in L\u00f6sung bleiben, die dann durch vorsichtiges Zusetzen\nvon Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt werden. Ein geringer Rest des nicht mit ausgef\u00e4llten Albumink\u00f6rpers, der in der entstandenen sehr verd\u00fcnnten Salzl\u00f6sung gel\u00f6st bleibt, bewirkt in dem letzten sauren Filtrate schwache Tr\u00fcbung beim Kochen\u201c (94 p. 553).","page":130},{"file":"p0131.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\t131\nschlag f\u00fcr Albumin ansahen und es dadurch f\u00fcr in Wasser unl\u00f6slich erkl\u00e4rten. Schtscherbakoff (ib.) und Danilewski (29 p. 312) finden, dass dieser Niederschlag in Salzen l\u00f6slich ist 1). So nennt auch Zahn, ungef\u00e4hr um dieselbe Zeit, den durch Alkohol im Serum bewirkten Niederschlag\u2014Serumalbumin (179 p. 74). Dennoch ist es interessant hier zu erw\u00e4hnen, dass letzterer weder durch Auswaschen mit Wasser noch durch Dialyse von der Asche befreit werden konnte (ib. p. 74\u20146).\nZu derselben Zeit wie K\u00fchne ver\u00f6ffentlichte Br\u00fccke seine Arbeit (1867,18 p. 881), in der er unter anderem zwischen Panum\u2019s Beobachtungen \u00fcber die Einwirkung von Wasser und Essigs\u00e4ure auf das Serum und seinen eignen\u2014auf das H\u00fchnereiweiss eine Parallele zog. Br\u00fccke hatte bemerkt, dass im H\u00fchnereiweiss Wasser sogleich die Bildung eines Niederschlags bewirkt und das Filtrat bei der Durchleitung von Kohlens\u00e4ure ein verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig wenig umfangreiches, doch nach Br\u00fccke\u2019s Ansicht, dem Panum\u2019schen \u201eSerumcasem\u201c analoges Pr\u00e4cipit\u00e4t ausscheidet (ib.). Er identifieirt jedoch diese Benennung mit dem Ausdruck \u201eParaglobulin\u201c (ib. p. 882). Br\u00fccke\u2019s Untersuchungen sind auch noch in der Beziehung interessant, dass er den Versuch machte die Reactionen der Seroglobinl\u00f6sungen mit denjenigen des gew\u00f6hnlichen \u201el\u00f6slichen Albumins des Serums\u201c (ib. p. 883\u20146) zu vergleichen; er fand dabei, dass einer Globulinl\u00f6sung alle Reactionen des gew\u00f6hnlichen \u201eSerums\u201c eigen sind! Dieser Handgriff ist seitdem oft gebraucht worden! Br\u00fccke schl\u00e4gt sogar ein Recept zur Bereitung einer k\u00fcnstlichen Albuminl\u00f6sung vor: zu einer Kochsalzl\u00f6sung wird soviel Kali-, Natron- oder Ammoniakl\u00f6sung zugesetzt, bis die L\u00f6sung alkalisch reagirt, und dieses Gemisch zu dem in Wasser suspendirten Globulin zugetr\u00e4ufelt. Solche sorgf\u00e4ltig bereitete, keinen Ueberschuss von Alkalien oder Salzen enthaltende Globulinl\u00f6sungen weisen alle Eigenschaften des Serums auf (ib. p. 887). Wie letzteres, scheidet auch diese Fl\u00fcssigkeit bei dem Ans\u00e4uern mit Essigs\u00e4ure keinen Niederschlag aus. Im allgemeinen f\u00fchrt Br\u00fccke den Beweis dessen, was Denis schon 30 Jahre fr\u00fcher vorgeschlagen und dargethan hatte (p. n. 91 u. folg.).\nIn der That hatten, von Denis an, Liebig, Scherer, Panum, Al. Schmidt, K\u00fchne bis Br\u00fccke eigentlich Globulinl\u00f6sungen (aus Serum und Eiweiss) untersucht und waren einstimmig zu dem Schl\u00fcsse gelangt, dass diese L\u00f6sungen alle Reactionen des Serums und des Eiweisses besitzen. Es ist auch kein Wunder, da, wie fernere Untersuchungen gezeigt haben, das Globulin der Hauptbestandteil der Proteine des Serums und des Eiweisses ist, demgem\u00e4ss diese Fl\u00fcssigkeiten im wesentlichen den Charakter von Globulinl\u00f6sungen besitzen! Das Verdienst der genannten Forscher besteht eben darin, dass sie die Proteinsubstanz des Serums, des Eiweisses und anderer nat\u00fcrlich vorkommender Fl\u00fcssigkeiten isolirt, deren (des Globulins) Eigenschaften studirt und zugleich dargethan haben, dass das Globulin in den nat\u00fcrlich vorkommenden L\u00f6sungen durch die Einwirkung der Alkalien und der alkalischen Salze, der Kohlens\u00e4ure, Schwefels\u00e4ure, Chlorwasserstoffs\u00e4ure u. a. S\u00e4uren in L\u00f6sung erhalten wird. Dieser Umstand veranlasst Br\u00fccke Schmidt\u2019s (eigentlich Panum\u2019s) Antrag, den Neutralisationsniederschlag f\u00fcr einen besondern, von dem fr\u00fcher angenommen Albumin unterschiedlichen K\u00f6rper\u2014Globulin\u2014anzuerkennen, f\u00fcr unbegr\u00fcndet 8), schl\u00e4gt aber seinerseits einen h\u00f6chst unbestimmten Ausdruck f\u00fcr die Proteinsubstanzen\n\u2018) In seiner ersten Arbeit hielt Danilewsky (27 p. 18) diesen Niederschlag f\u00fcr unl\u00f6slich in Salzen infolge des l\u00e4ngeren Auswaschens mit Wasser, wie es scheint. Dessenungeachtet nennt es Danilewsky (28 p. 157) im Jahre 1880 \u201eAlbumin\u201c, obgleich dessen Globulinnatur schon von allen anerkannt war. Ueberdies hatte, wie schon\nerw\u00e4hnt, Lehmann (p. n. 112) als erster diese Niederschl\u00e4ge Globulin genannt!\n2) \u201e... die Selbstst\u00e4ndigkeit der von A. Schmidt Globulin genannten Substanz (Paraglobulin) als eines eigenen Eiweissk\u00f6rpers durch die bis jetzt vorliegenden Daten nicht gesichert\u201c (18p.893).\n9*","page":131},{"file":"p0132.txt","language":"de","ocr_de":"132\tDAS GLOBULIN D\u00c8S BLUTSERUMS UND D\u00c8S EIWEISSES.\nsowohl im ausgeschiedenen als auch im nat\u00fcrlichen Zustande\u2014\u201enat\u00fcrliches, natives Eiweiss\u201c\u2014vor. Unter diesem Namen fasste Br\u00fccke diejenigen Prote\u00efnk\u00fcrper zusammen, deren L\u00f6sungen neutral reagiren oder blaues Lakmuspapier violett f\u00e4rben und sich bei 100\u00b0 *) niederschlagen, demgem\u00e4ss des Casein, oder richtiger die Milch,\u2014nicht dazu geh\u00f6rt, da letztere bei stark saurer Reaction gerinnt. Eigentlich verstand Br\u00fccke unter dem Ausdruck \u201enatives Eiweiss\u201c und benannte so das, was unter dem Namen Albumin des Serums, des Eiweisses verstanden und so benannt wurde und wozu auch das Globulin 8) gerechnet werden muss. Unter diesen Begriff bringt genannter Autor ausser dem Myosin und dem Vitellin auch noch die Producte der Ver\u00e4nderung des Fibrins unter dem Einfl\u00fcsse der Verdauung, der F\u00e4ulniss u. s. w. 3).\nIn Br\u00fccke\u2019s Arbeiten erkennen wir \u00fcberhaupt einen Protest gegen die Einf\u00fchrung verschiedener Benennungen eines und desselben K\u00f6rpers, wie Albumin, Paraglobulin u. s. w. Sich mit dem einen Ausdruck \u201eAlbumin\u201c begn\u00fcgend, bildet Br\u00fccke durch seine Arbeiten unwillk\u00fcrlich das Verbindungsglied zwischen Denis\u2019 Zeit und dem Ausgang der 60-er Jahre.\n3. Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Albumins durch Wasser und Kohlens\u00e4ure. Wenn K\u00fchne und Hoppe-Seyler das in L\u00f6sung befindliche Albumin mit Hilfe der Dialyse studirten, so bestrebte sich Eichwald unmittelbar gef\u00e4lltes Albumin zu erhalten. Nachdem er mittelst Kohlens\u00e4ure in 10-fach mit Wasser verd\u00fcnntem Serum einen Niederschlag erhalten hatte, setzte er mit der gr\u00f6ssten Vorsicht fort, das Globulin durch verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure auszuscheiden. Nach der Abscheidung des auf diese Weise gewonnenen Niederschlags, schied das Filtrat nach Verd\u00fcnnung mit weiteren 10 Vol. Wasser einen dritten Niederschlag aus. Die Bildung dieses letzteren wird durch Zusatz von Kochsalz verhindert; \u00fcberdies kann er, wie das Globulin \u00fcberhaupt, nach und nach seine L\u00f6slichkeit in Salzen und S\u00e4uren verlieren (45 p. 80\u20141). Diesen Niederschlag h\u00e4lt Eichwald f\u00fcr einen Teil jener Substanz, die bis zu seiner Zeit \u201eAlbumin\u201c genannt wurde. Daraufhin zieht Eichwald den Schluss, dass entweder angenommen werden m\u00fcsse, das Serum enthalte nach der Abscheidung des Globulins noch zwei andre K\u00f6rper, oder dass das eigentliche Albumin durch Wasser gef\u00e4llt werde und zwar je mehr, je gr\u00f6ssere Mengen Wasser zugesetzt werden. Allein letzteres, f\u00e4hrt Eichwald fort, sei mit der allgemein verbreiteten Ansicht \u00fcber die Wasserl\u00f6slichkeit des Albumins unvereinbar. Dennoch gelang es ihm nach einigen Versuchen durch Ans\u00e4uern und starke Verd\u00fcnnung des Serums das Albumin vollst\u00e4ndig aaszuf\u00e4llen 4). Um dies zu erzielen\n*) \u201eAls natives Eiweiss bezeichne ich dasjenige, dessen neutrale oder blaues Lakmuspapier violettf\u00e4rbende L\u00f6sungen auch bei geringem Salzgehalte ohne Zusatz von Lab gerinnen, wenn man ihre Temperatur auf 100 Grad erh\u00f6ht. Das Kasein ist hiernach kein natives Eiweiss, da die Milch nur in der W\u00e4rme zusammenl\u00e4uft, wenn sie bereits st\u00e4rker saure Reaction angenommen, oder wenn man ihr Lab zugesetzt hat\u201c (18 p. 894).\n-\u2019) \u201eSehen wir von dem nativen Eiweiss ab, welches sich an der Fibrinbildung betheiligt, so erkennen wir als solches zun\u00e4chst die eigentlichen Albumine, das Serumalbumin und das Eieralbumin, kurz das, was man gev\u00f6hnlich l\u00f6sliches Eiweiss zu nennen pflegt. Nach dem Obigen m\u00fcssen wir aber auch das Paraglobulin in diese Abtheilung verweisen\u201c (18 p. 894).\n3) \u201eZum nativen Eiweiss sind ferner zu rechnen, K\u00fchne\u2019s Myosin und die Stoffe, welche man als Globulin und als Vitellin bezeichnet hat, endlich was man an in der Hitze coagulirbarer Substanz bei der Verdauung von Fibrin oder bei dessen F\u00e4ulniss oder Maceration in Salzl\u00f6sungen erh\u00e4lt\u201c (ib. p. 895).\n*) \u201eM an hat nun entweder anzunehmen, dass das, was man heute Serumalbumin nennt, ein Gemisch von 2 Substanzen ist, oder dass hier wirkliches Albumin ausgeschieden wird, und zwar in einer um so gr\u00f6sseren Menge, je mehr man HsO zugiesst. Die letztere Annahme l\u00e4sst sich aber unm\u00f6glich mit der verbreiteten Ansicht ver-","page":132},{"file":"p0133.txt","language":"de","ocr_de":".\t\u2018 r\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\t133\nmusste Eichwald mit grossen Mengen Wasser arbeiten, da auf V Teil des anges\u00e4uerten Serums 400\u2014600 Teile Wasser kamen. Der Niederschlag bildet sich (nach 8\u201412 Stunden) und f\u00e4llt langsam (48 Stunden lang) zu Boden. Das Filtriren geschah durch einen 12-fach zusammengelegten Filter aus schwedischem Papier, wobei das Ans\u00e4uern wiederholt werden musste, da wieder die fr\u00fchere Reaction sich einstellte (ib. p. 88\u201494).\nJedenfalls wird nach dem Filtriren und Abdampfen eine so geringe Quantit\u00e4t Prote'insubstanz in der Fl\u00fcssigkeit gefunden, dass nur zwei ganz extreme Deutungen m\u00f6glich sind: entweder dass alles Albumin ausgeschieden oder dass eine ganz ge-ringf\u00fcgige Menge einer besonderen wasserl\u00f6slichen Substanz im Serum vorhanden ist. Die erste dieser Deutungen scheint Eichwald die wahrscheinlichere, um so mehr als die l\u00f6sende Wirkung der Salze des Serums nur abgeschw\u00e4cht ist, die Salze aber nicht entfernt sind (ib. p. 94).\nEichwald\u2019s Arbeit beschliesst somit eine Reihe von Belegen f\u00fcr den von Denis auf Grund seiner im J. 1837 gemachten Beobachtungen aufgestellten Satz, dass \u00bb die Prote\u00fcnsubstanz des Serums durch die Einwirkung von Salzen und Alkalien in L\u00f6sung erhalten wird. Wenn Denis auf die Unl\u00f6slichkeit der gesammten im Serum enthaltenen Prote\u00efnsubstanzen in Wasser nur aus der Quantit\u00e4t des Niederschlags, die er durch Einwirkung schwacher S\u00e4uren aus dem verd\u00fcnnten Serum erhalten hatte, schloss, so zeigte Eichwald, dem Denis\u2019 Ansichten \u00fcber diesen Gegenstand unbekannt waren (ib. p. 75), d a s s, in der That, durch Verd\u00fcnnung und Einwirkung einer schwachen S\u00e4ure nicht nur die ersten Portionen, sondern auch die gesammte \u00fcbriggebliebene Proteinsubstanz unter derselben Gestalt\u2014als in Wasser unl\u00f6slicher Niederschlag\u2014aus dem Serum ausgeschieden wird.\nDie Dialyse *) als analytisches Hilfsmittel. Sind die Prote\u00efnsubstanzen des Serums nur unter der Einwirkung der in demselben enthaltenen anorganischen Stoffe l\u00f6slich, oder l\u00f6st sich, wenn auch nur ein Teil davon, unabh\u00e4ngig von diesen und selbstst\u00e4ndig in Wasser? Eine unmittelbare L\u00f6sung dieser Frage, cl. h. die Ausscheidung der Prote\u00efnsubstanz aus dem Serum und der Versuch auf dessen L\u00f6slichkeit in Wasser,\u2014ergab negative Resultate: sobald die Substanz ausgeschieden ist, ist sie schon in Wasser unl\u00f6slich, wenngleich sie die F\u00e4higkeit in Salzen sich aufzul\u00f6sen nicht einb\u00fcsst.\nM\u00f6glich ist aber auch noch ein anderer Weg, um zu der L\u00f6sung dieser Frage zu gelangen, n\u00e4mlich die Entfernung aller anorganischen Substanzen, \u00fcberhaupt aller Krystallo\u00efde aus den prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. Obgleich von Denis an alle Autoren in diesem Sinne verfuhren,\u2014 denn indem sie die sauren und alkalischen Fl\u00fcssigkeiten mit viel Wasser verd\u00fcnnten, setzten sie zugleich das Verm\u00f6gen der Salze das Protein in L\u00f6sung zu erhalten herab \u2014 litt diese Methode in Hinblick auf die sehr bedeutende L\u00f6slichkeit des Globulins in diesen Salzen doch an offen-\neinbaren, nacli welcher das Albumin in IDO l\u00f6slich ist. Ich habe versucht, durch sehr weit gehende Verd\u00fcnnung des anges\u00e4uerten Serums das Albumin vollst\u00e4ndig in Form des Syntonins auszuf\u00e4llen. Es ist mir dieses nach manchen vergeblichen Versuchen unter Anwendung gewisser Vorsichtsmaassregeln ziemlich gelungen. Ehe ich zu diesen Versuchen \u00fcbergehe, will ich mir erlauben, diejenigen Gr\u00fcnde zu beleuchten,\nmit welchem man bis heute die Existenz eines in HsO l\u00f6slichen Albumins zu beweisen sucht, sowie diejenigen Thatsachen, um deren Willen seit lange die entgegengesetzte Ansicht wiederholt ausgesprochen worden ist\u201c (45 p. 83\u20144).\n\u2018) Die Dialysationsmethoden sowie die Beschreibung verschiedener Diffusionszellen (122 p. 453) wird man weiter unten in dem Kapitel XI \u00fcber das Verhalten des Globulins zu den Salzen finden.","page":133},{"file":"p0134.txt","language":"de","ocr_de":"134\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nbaren M\u00e4ngeln. Es kostete Eichwald grosse M\u00fche durch Verd\u00fcnnung mit Wasser und Einwirkung von Kohlens\u00e4ure die s\u00e4mmtliche Prote'insubstanz auszuf\u00e4llen. Grosse Vorz\u00fcge bot offenbar die Dialyse, auf Grund dessen Aronstein l) und Schmidt eine Reihe Untersuchungen unternahmen, um aus Serum, Eiweiss u. dergl. aschenfreie Prote'insubstanz darzustellen. Gleich anfangs fand Aronstein (3 p. 82\u20143) und best\u00e4tigte Schmidt durch quantitative Bestimmungen (158 p. 100), gleichsam, f\u00fcgen wir hinzu, um den Gedanken aller ihrer Vorg\u00e4nger in Bezug auf die Unl\u00f6slichkeit des \u201eAlbumins\u201c zu unterst\u00fctzen, dass das \u201eAlbumin\u201c dabei teilweise in den Niederschlag \u00fcbergeht, wie das schon K\u00fchne bemerkt hatte (p. n. 129). Aronstein (3 p. 82-\u20143) identificirt jedoch die aus Serum und H\u00fchnereiweiss im Dialysor ausgeschiedenen Niederschl\u00e4ge (Seroglobin und \u00fcvoglobin) mit Globulin, w\u00e4hrend sie, seiner Ansicht nach, f\u00fcr Albumin (wahrscheinlich eine Anspielung auf K\u00fchne) gehalten wurden (ib.p.83). Da Aronstein seine Arbeit haupts\u00e4chlich zu dem Zwecke unternommen hatte, um die Richtigkeit von Graham\u2019s Satz \u00fcber die Gewinnung von \u201easchenfreiem Albumin\u201c zu pr\u00fcfen, so fand er es nicht f\u00fcr n\u00f6tig, zuerst das Globulin durch Kohlens\u00e4ure oder Essigs\u00e4ure auszuscheiden, ja nicht einmal das Eiweiss oder das Serum zu neutralisiren, sondern nahm letzteres, wie es war, zerschnitt ersteres mit der Schere, vermischte dieses und jenes mit dem gleichen Volum Wasser und filtrirte (ib. p. 79\u201480). K\u00fchne\u2019s Versuch war im ganzen zweckm\u00e4ssiger angeordnet (p. n. 130). Trotzdem bedient sich Schmidt zu derselben Zeit desselben Verfahrens wie Aronstein (158 p. 95) und constatirt gleichfalls vollkommene Identit\u00e4t der durch Dialyse erhaltenen Niederschl\u00e4ge mit den in Serum und Eiweiss durch S\u00e4uren hervorgebrachten, obgleich das nach 24 Stunden vom Dialysor genommene Globulin in Salzen und S\u00e4uren schwerer als ersteres sich l\u00f6st (ib. p. 100). Die Dialyse sieht Schmidt sogar f\u00fcr eine zur quantitativen Bestimmung des Globulins zweckm\u00e4ssige Methode an a). Nach 24 \u2014 36-stiindiger Dialyse (ib. p. 101) findet Schmidt in Ochsenserum aus 7 Bestimmungen durchschnittlich 0,887 grm. (max. 1,105, min. 0,518), in Pferdeserum\u20140,539 grm. Globulin auf je 100 (ib. p. 102), in H\u00fchnereiweiss durchschnittlich\u20140,134 (max. 0,148, min. 0,114) auf je 100 (ib. p. 103). Was die nach der Dialyse erhaltene Fl\u00fcssigkeit anbetrifft, so best\u00e4tigt Aronstein, nach Abtrennung der Niederschl\u00e4ge und nach-heriger Untersuchung, Graham\u2019s Beobachtungen in der Hinsicht, dass die abfiltrirte Fl\u00fcssigkeit keine Asche enth\u00e4lt, was er jedoch nur in 5 F\u00e4llen (2 an Eiweiss und 3 an Serum) beobachtete, als er sich des feinsten englischen Papiers bediente; in allen andern F\u00e4llen, bei Benutzung von gr\u00f6berem Papier, konnte, wenn auch nur qualitativ, Asche nachgewiesen werden. Schon dies allein veranlasst Aronstein auszusagen, dass die Salze mit der Aufl\u00f6sung des \u201eAlbumins\u201c nichts zu schaffen haben und dass dieses, im Gegensatz zum Globulin, eine wasserl\u00f6sliche Substanz sei 3). Welches sind nun die Eigenschaften der Fl\u00fcssigkeit, welcher das Globulin und die Salze entzogen sind und welche Aronstein sich gen\u00f6tigt glaubte \u201esalzfreie Albuminl\u00f6sung\u201c zu nennen, obgleich dieselbe Asche enth\u00e4lt? Was charakte-\n\u2018) Von manchen wird dieser Autor f\u00e4lschlich Aronsheim genannt.\n!) \u201eQuantitative Bestimmungen der fibrinopla-stischen Substanz lassen sich mit H\u00fclfe der Dialyse besser als auf irgend einem andern Wege ausf\u00fchren\u201c (158 p. 101).\n*) \u201eJedenfalls ergeben diese Versuche auf das Unzweifelhafteste, dass die Salze mit der Aufl\u00f6sung des Albumins nichts zu schaffen haben, resp. dass dasselbe, im Gegensatz zur fibrino-\nplastischen Substanz, ein in Wasser l\u00f6slicher\nEiweissk\u00f6rper ist.......Ich wiederhole, dass in\nden f\u00fcnf Versuchen, welche ich mit dem feineren englischen Papier anstellen konnte (3 Mal mit Blutserum, 2 Mal mit Eiereiweiss), die Entfernung der Salze durch die Dialyse so vollst\u00e4ndig gelang, dass der trockene R\u00fcckstand der Eiweissl\u00f6sungen beim vorsichtigsten Verbrennen keine Spur qualitativ, geschweige quantitativ, nachweisbarer Asche zur\u00fcckliess\u201c (3 p. 84),","page":134},{"file":"p0135.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n135\nrisirt diese L\u00f6sung besonders? Aronstein findet, dass solche Fl\u00fcssigkeiten in der W\u00e4rme nicht mehr coaguliren, weder bei einfachem Kochen noch beim Ans\u00e4uern mit Essigs\u00e4ure und auch unter der Einwirkung von 15\u201420 Yol. Alkohol keinen Niederschlag ausscheiden; der Zusatz von concentrirtem Diffus\u00e2t gab der Fl\u00fcssigkeit die F\u00e4higkeit wieder, in der W\u00e4rme oder durch Alkohol zu coaguliren. Dieses zeigt, nach Aronstein, dass das Albumin unter der Einwirkung der Dialyse im Laufe mehrerer Tage keinerlei materielle Ver\u00e4nderungen erfahren hatte, infolge deren es die F\u00e4higkeit in der W\u00e4rme zu coaguliren h\u00e4tte einb\u00fcssen k\u00f6nnen, dass aber die vollst\u00e4ndige Entziehung der krystallo'idalen Bestandteile der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten Unf\u00e4higkeit zu coaguliren nach sich ziehe. Jawohl, das Albumin des Serums wie auch dasjenige des Eiweisses gerinnt weder beim Kochen noch unter der Einwirkung von Alkohol. Die Eigenschaft der \u201enat\u00fcrlichen\u201c (!) albuminhaltigen Fl\u00fcssigkeiten zu coaguliren h\u00e4nge von der Gegenwart krystallo\u00efdaler Substanzen, namentlich von Salzen, ab \u2018). Wie voreilig ein derartiger Schluss ist, erhellt schon daraus, dass Aronstein ganz ausser Acht gelassen hatte, dass die F\u00e4higkeit genannter Fl\u00fcssigkeiten in der W\u00e4rme zu gerinnen nicht nur durch das \u201eAlbumin\u201c sondern auch durch das Globulin bedingt wird, von den mineralischen Bestandteilen nicht zu reden! Aronstein, wiederholen wir, denkt nur deshalb, dass die Gerinnungstemperatur durch die Salze bedingt wird, weil das zu einem m\u00f6glichst kleinen Volum abgedampfte Diffus\u00e2t der aus dem Dialysor genommenen Fl\u00fcssigkeit zugesetzt, der Mischung die Eigenschaft wiedergiebt in der W\u00e4rme und durch Alkohol zu gerinnen a). So h\u00e4lt Aronstein und nach ihm Schmidt f\u00fcr eine wesentliche Eigenschaft einer Albuminl\u00f6sung, welcher die Salze entzogen sind, d\u00e8ren Unf\u00e4higkeit in der W\u00e4rme oder unter der Einwirkung von Alkohol zu coaguliren! Doch verliert dieses Crit\u00e9rium jeglichen Sinn und auch seine Bedeutung als besondere Charakteristik f\u00fcr das gesuchte \u201eAlbumin\u201c, da durch blosse Verd\u00fcnnung mit Wasser oder sogar mit Fl\u00fcssigkeiten, denen das Globulin nicht entzogen worden' war, n\u00e4mlich mit unver\u00e4ndertem Serum oder Eiweiss, ein noch auffallenderes Resultat\u2014d. h. die Unf\u00e4higkeit durch Einwirkung von W\u00e4rme oder Alkohol einen Niederschlag auszuscheiden \u2014 erreicht wird, was schon seit Ende des XVIII Jahrhunderts bekannt war (p. n. 67), Ueber-dies wirft sich bei aufmerksamem Lesen von Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s Arbeit unwillk\u00fcrlich die Frage auf, ob die von ihnen bemerkten Ver\u00e4nderungen in den pro-te'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten von dem Dialysationsprocesse bedingt oder das Resultat der Verd\u00fcnnung mit Wasser waren. Aronstein verd\u00fcnnte 3) die nach der Dialyse filtrirte Fl\u00fcssigkeit mit dem 8\u201410-fachen Volum Wasser (3 p. 84), nachdem w\u00e4hrend des Dialysationsprocesses deren Volum durch das die Diffusionszelle von aussen umgebende Wasser sich um 50% vergr\u00f6ssert hatte, wie der Autor selbst angiebt\n*) \u201eDas reine Serum, resp. Eialbumin ist also weder in der Siedhitze noch im Alkohol coagu-label; die allbekannte Wirkung dieser Agentien auf die nat\u00fcrlichen Albuminl\u00f6sungen beruht auf ihrem Gehalt an krystalloiden Substanzen (3 p. 85). Das Albumin ist ein vollkommen in Wasser l\u00f6slicher K\u00f6rper, zu dessen Aufl\u00f6sung in den thierischen Fl\u00fcssigkeiten weder die l\u00f6slichen noch die unl\u00f6slichen Salze derselben irgend etwas beitragen\u201c (ib. p, 92).\ns) \u201eConcentr\u00e2t man das Diffus\u00e2t auf ein m\u00f6glichst kleines Yolum und mischt es wieder zu der aus der Diffusionszelle genommenen Eiweissl\u00f6sung, so hat dieselbe ihre fr\u00fcheren Eigenschaf-\nten wiedererlangt, sie gerinnt nun wieder beim Kochen und bei Zusatz von Alkohol\u201c (3 p. 84\u20145), \u2019) \u201eVerd\u00fcnnt man eine durch Dialyse gereinigte und filtrirte Albuminl\u00f6sung mit 8\u201410 Theilen dest. Wasser, s\u00e4uert sie schwach mit Essigs\u00e4ure an und kocht, so bleibt sie v\u00f6llig klar\u201c; (in Anmerk.: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich wird auch die nicht anges\u00e4uerte, salzfreie Albuminl\u00f6sung durch Kochen nicht ver\u00e4ndert\u201c), \u201eEbenso erleidet sie nicht die mindeste Ver\u00e4nderung durch Zusatz grosser Quantit\u00e4ten starken, selbst absoluten Alkohols (in Anmerk.: \u201eIch wendete stets das 15\u201420 fache Yolum Alkohol an\u201c (ih. p. 84),","page":135},{"file":"p0136.txt","language":"de","ocr_de":"136\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UDN DES EIWEISSES.\n(ib.), was im ganzen schon einer Verd\u00fcnnung des Serums mit 16\u201420, und des H\u00fchnereiweisses mit 32\u201440 (!) Teilen Wasser entspricht, da letzteres vor der Dialyse mit 1 Volum Wasser verd\u00fcnnt worden war (ib. p. 79,80). Offenbar war die M\u00f6glichkeit vorhanden, dass bei einer solchen Verd\u00fcnnung nicht nur das \u201eAlbumin\u201c sondern auch das Globulin sich nicht niederschlug, in L\u00f6sung verblieb, wie historische Thatsaehen zeigen (p. n. 68). Dabei konnte die Fl\u00fcssigkeit auch bei viel geringerer Verd\u00fcnnung dieselben Reactionen geben wie Aronstein-Schmidt\u2019s salzfreies Albumin (p. n. ib.). Bei Schmidt finden wir sogar einen Hinweis darauf, dass es so sein muss (p. n. 137). Um Misverst\u00e4ndnissen vorzubeugen und dessenungeachtet, dass Aronstein und Schmidt und, nach ihrem Beispiele, auch andre Autoren solche Fl\u00fcssigkeiten, wie die beschriebenen, \u201edialysirte Albuminl\u00f6sung\u201c (158 p. 105) genannt haben, wollen wir sie \u201edialysirtes Serum\u201c und -\u201edialysirtes Eiweiss\u201c nennen. Demgem\u00e4ss unterscheiden sich verd\u00fcnntes Serum und verd\u00fcnntes Eiweiss von denselben aber dialysirten Fl\u00fcssigkeiten durch gr\u00f6sseren Gehalt an Prote\u00efnsubstanzen, da bei dem Dialysationsprocesse viel mehr Prote\u00efnsubstanzen ausgeschieden und dazu noch alle l\u00f6slichen Salze entfernt werden! Zu Gunsten dieses Schlusses zeugt auch noch der Umstand, dass sowohl der trockne R\u00fcckstand von gew\u00f6hnlichem Serum und Eiweiss als auch derjenige von dialysirtem Serum und Eiweiss in Wasser l\u00f6slich ist (ib. p. 109).\nAronstein\u2019s Versuche fortsetzend, schritt Schmidt (ib. p. 100), ausser zu dem erw\u00e4hnten Verfahren, in manchen F\u00e4llen, um das Serum vom Globulin zu befreien, vor der Dialyse auch noch zur Neutralisation mit Salzs\u00e4ure oder zur S\u00e4ttigung mit gepulvertem Kochsalz. Nach dem Abfiltriren des erhaltenen Niederschlags wurde die Fl\u00fcssigkeit der Dialyse unterworfen, wobei Schmidt dasselbe Product wie-Aronstein (ib. p. 100) erhielt und das Albumin ebenfalls wasserl\u00f6slich fand (ib. p. 104). Dialysirtes Serum und Eiweiss r\u00e9agirai neutral, opalesciren beim Kochen und zwar so stark, dass die Fl\u00fcssigkeit, wie Schmidt findet (ib. p. 105) undurchsichtig scheint und wie geronnen aussieht, weshalb er empfiehlt dieselbe erst mit 8\u201410 Teilen Wasser zu verd\u00fcnnen *). Essigs\u00e4ure bis zu kaum merklicher Reaction zugesetzt, bewirkt in dialysirtem Eiweiss und Serum in der Siedhitze einen Niederschlag, w\u00e4hrend bei einem Ueberschuss der S\u00e4ure keine F\u00e4llung erfolgt (ib. p. 105). Beim Kochen in Gegenwart von Kochsalz scheiden dialysirtes Eiweiss und Serum Niederschl\u00e4ge aus, aber je mehr Wasser die L\u00f6sung enth\u00e4lt, desto mehr Salz ist n\u00f6tig, um beim Kochen \u201eGerinnung\u201c zu bewirken. Die Wirkung des Kochsalzes auf die F\u00e4llung des Eiweisses wird jedoch durch Zusatz von Wasser verhindert; wird somit zum dialysirten Eiweiss oder Serum soviel Kochsalz zugesetzt, wie in den genannten Fl\u00fcssigkeiten enthalten ist, so beobachtet man beim Kochen die Bildung eines Niederschlags; verd\u00fcnnt man es danach aber mit 10\u201415 Teilen Wasser, so gewahrt man beim Kochen nur Opalescenz, als ob gar keine Salze vorhanden w\u00e4ren 3). Folglich gesteht Schmidt ein, dass nicht das absolute Nichtvorhandensein sondern die verh\u00e4ltnism\u00e4ssigen Mengen der Salze\n*) \u201eMan bemerkt die Opalescenz am besten, wenn man die Eiweissl\u00f6sung vor dem Kochen stark verd\u00fcnnt, etwa mit 8\u201410 Volum destillir-tem Wasser. Die unverd\u00fcnnte L\u00f6sung opalisirt so m\u00e4chtig, dass sie ganz undurchsichtig erscheint, und man an eine Coagulation glauben k\u00f6nnte. Nachtr\u00e4gliche Verd\u00fcnnung zeigt alsdann, dass keine Spur einer wirklichen Eiweissgerinnung stattgefunden hat\u201c (158 p. 105).\n2).......verd\u00fcnnt man sie jedoch mit 10\u201415\nTheilen Wasser, so bewirkt das Kochen nur Opalescenz, und man hat modificii\u2019tes Albumin erzeugt, so gut wie beim Kochen im salzfreien Zustande; die Salze sind also so gut wie gar nicht mehr vorhanden\u201c (158 p. 106, vergleichen p.n. 136).","page":136},{"file":"p0137.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES1 BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n137\nclie Temperatur der F\u00e4llung des \u201eAlbumins\u201c beeinflussen. Indem er in den L\u00f6sungen seines \u201eAlbumins\u201c die Gegenwart nicht nur von Asche sondern auch von Salzen zugiebt, wobei dieselben aber die wesentlichsten Eigenschaften des sogenannten \u201easchenfreien\u201c oder \u201esalzfreien Albumins\u201c beibehalten, hebt er den, auf den ersten Blick, wesentlichen Unterschied zwischen der \u201eL\u00f6sung von dialysirtem Albumin\u201c und Serum und Albumin, welche einfach so weit verd\u00fcnnt worden sind, dass sie die F\u00e4higkeit verloren haben, unter der Einwirkung von W\u00e4rme oder Alkohol Niederschl\u00e4ge auszuscheiden, ganz auf! Im luftleeren Raume getrocknetes dialysirtes Albumin wird beim Erhitzen bis 155\u00b0\u2014160\u00b0 oft unl\u00f6slich, verliert bei 170\u00b0 die F\u00e4higkeit sich zu l\u00f6sen vollst\u00e4ndig, w\u00e4hrend denselben Operationen unterworfenes Serum seine L\u00f6slichkeit bei 180\u00b0 ganz einbtisst (ib. p. 109).\nAbgesehen davon, dass schon Eichwald den gr\u00f6ssten Teil des Eiweisses ausgeschieden hatte, den Aronstein und Schmidt f\u00fcr wasserl\u00f6slich hielten, so kann nur der in der Geschichte des Albumins Unbewanderte und auch nur im ersten Augenblick die wenigen Reactionen, welche Aronstein und Schmidt f\u00fcr das Albumin als besonders charakteristisch halten, f\u00fcr etwas Neues ansehen. Ohne sogar sp\u00e4tere Arbeiten, welche die Angaben der genannten Autoren nicht best\u00e4tigt haben, in Betracht zu ziehen, sehen wir, dass sowohl fr\u00fchere als sp\u00e4tere Forscher im dialy-sirten Albumin stets Asche fanden. Die Geschichte der Protemk\u00f6rper enth\u00e4lt eine lange Reihe von Beobachtungen, welche daf\u00fcr zeugen, dass die \u00e4lteren Beobachter mit verh\u00e4ltnism\u00e4ssig weniger complicirten Methoden gl\u00e4nzendere Resultate erreichten. Von Hewson an bis Aronstein und Schmidt wurde von allen anerkannt, dass, wenn das gegenseitige Verh\u00e4ltniss des Albumins, des Salzes und des Wassers ge\u00e4ndert wird, sowohl die Temperatur der F\u00e4llung als auch mehrere andre Beziehungen im gew\u00f6hnlichen Serum und Eiweiss, welche Aronstein (3 p. 8) und Schmidt als Einheit annehmen, eine Ver\u00e4nderung erfahren. So bedingt z. B. einfache Verd\u00fcnnung des Serums und Eiweisses mit Wasser (2\u201410 Vol., von 40 nicht zu sprechen!) dasselbe Verhalten, welches von Hewson beobachtet wurde, n\u00e4mlich Unf\u00e4higkeit durch Kochen einen Niederschlag auszuscheiden; desgleichen bewirkt Vergr\u00f6\u00dferung der Salzmenge beim Erw\u00e4rmen neue F\u00e4llung. Mit einem Worte, Schmidt und Aronstein f\u00fchrten in umgekehrter Reihenfolge dasselbe aus, was schon die fr\u00fchesten Beobachter gethan hatten: letztere verminderten den Salzgehalt durch Verd\u00fcnnung, w\u00e4hrend Aronstein und Schmidt den Wassergehalt auf Kosten der Salze vergr\u00f6sserten, indem sie den Gehalt an letzteren durch Dialyse verringerten.\nIn Uebereinstimmung mit dem, was uns schon seit den ersten Schritten in der Geschichte der Protemk\u00f6rper bekannt ist, n\u00e4mlich dass die Temperatur der F\u00e4llung diese Substanzen nicht charakterisiren kann (p. n. 62\u20149), dass sich in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in der W\u00e4rme und unter der Einwirkung von Alkohol trotz des Vorhandenseins von Salzen auch kein Niederschlag bilden kann, d\u00fcrften wir auch Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s Beobachtungen in dieselbe Categorie reihen, wenn ihre Arbeiten keine so ausschliessliche Stellung einn\u00e4hmen. Die Ursache davon war haupts\u00e4chlich der Umstand, dass weder Schmidt und Aronstein noch diejenigen Autoren, die deren Arbeit sich zu Nutzen- zogen, denen aber die soeben erw\u00e4hnten Beobachtungen \u00e4lterer Forscher unbekannt waren, die Reactionen des von den Salzen befreiten Albumins, welche Schmidt und Aronstein vorschlagen, f\u00fcr besonders charakteristisch halten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Schmidt die fr\u00fcheren Beobachtungen \u00fcber die Unf\u00e4higkeit der protemhaltigen'* Fl\u00fcssigkeiten unter der Einwirkung der gew\u00f6hnlichen Agentien (p. n. 67\u20149) Niederschl\u00e4ge auszuscheiden nicht kannte, da er ausruft: \u201ebis jetzt (1875) war ja nur (!)\u2018bekannt (!), dass das Albumin in der Siedhitze gerinnt, dass man durch .Zusatz von Salzen","page":137},{"file":"p0138.txt","language":"de","ocr_de":"138\tPAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES\ndiesen Vorgang bef\u00f6rdert (die Gerinnungstemperatur herabdr\u00fcckt) und durch Zusatz von Alkalien denselben, resp. die Wirkung der zugesetzten Salze hindert\u201c!... und aussagt, dass er und Aronstein die ersten gewesen seien, die gezeigt h\u00e4tten, dass Albumin in der Hitze nicht gerinnt und dass die Gerinnung von den Salzen abh\u00e4ngt! *).\nBei aufmerksamerer Untersuchung der Dialysationsproducte h\u00e4tten Aronstein und Schmidt schon nach den ersten Versuchen sich \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, dass die Salze des Serums und des Eiweisses nicht die Rolle spielen, die sie ihnen in dem Vorg\u00e4nge der Albuminf\u00e4llung beimessen wollen* 2). So findet Aronstein in Ueber-einstimmung mit Graham, dass in das ausserhalb der Diffussionszelle befindliche Wasser auch Protemsubstanz (Eiweiss) \u00fcbergeht. Trotz Aronstein\u2019s Versicherung, dass auch beim Abdampfen und Eindichten all dieser von einem und demselben Pr\u00e4parat herstammenden \u00e4usseren W\u00e4sser die gesammte Proteinsubstanz sich aus-scheide, konnte er nicht umhin wahrzunehmen, dass nach der Abtrennung der Prote'inniederschl\u00e4ge das Filtrat bei der Ein\u00e4scherung einen starken Geruch von gebranntem Horn verbreitete, was Aronstein durch die Gegenwart anderer (?) Stickstoffsubstanzen3) erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen meinte. Mit mehr Sicherheit sagt Schmidt4) aus, dass die Diffusate nach dem Eindampfen die Reaction der Protemsubstanz nicht geben. Indessen hatte schon ein Jahr vor dem Erscheinen der Arbeiten genannter Autoren Eichwald bemerkt, dass das Albumin durch die Diffusionsmembran dringt, und in einem Fall von Dialyse gew\u00f6hnlichen Serums gefunden \u00b0), dass das concentrirte (!) Diffus\u00e2t beim Kochen keinen Niederschlag absetzte, aber bei Versetzung mit Essigs\u00e4ure unter denselben Umst\u00e4nden Albumin ausschied! Schliesslich kann ein jeder, der nach Schmidt\u2019s Methode gearbeitet hat, nicht umhin einzugestehen, dass bei der Dialyse nach Schmidt\u2019s Anweisung stets eine gen\u00fcgende Menge Protemsubstanz in das \u00e4ussere Wasser \u00fcbergeht, damit sich deren \\or-\n') \u201eBisher war ja doch cur bekannt, dass das Albumin in der Siedhitze gerinnt, dass man durch Zusatz von Salzen diesen Vorgang b-ef\u00f6rdert (die Gerinnungstemperatur herabdr\u00fcckt) und durch Zusatz von Alkalien denselben, resp. die Wirkung der zugesetzten Salze hindert. Man schrieb demnach dem Albumin an sich die Eigenschaft zu in der Siedhitze zu gerinnen und konnte consequenter Weise den geringen in den nat\u00fcrlichen Eiweissl\u00f6sungen enthaltenen Salzmengen auch h\u00f6chstens nur eine unbedeutende Herabdr\u00fcckung der Gerinnungstemperatur zuschreiben. Gewiss war das nicht ausgemacht und es konnte demgegen\u00fcber die Hypothese aufgestellt werden, dass die Gerinnung des Albumins \u00fcberhaupt nur von der Gegenwart der Salze abh\u00e4nge; der Beweis ist aber erst durch uns geliefert worden\u201c (159 p. 49).\n2)\t\u201eDie Coagulirbarkeit des Albumins durch Siedhitze und . durch Alkohol ist also abh\u00e4ngig von dem Gehalt der nat\u00fcrlich vorkommenden L\u00f6sungen dieser Substanz an l\u00f6slichen Salzen, welche freilich so regelm\u00e4ssig und schwer zu beseitigende Bestandtheile derselben darstellen, dass man diese Abh\u00e4ngigkeit bis jetzt nicht wahrgenommen hat\u201c (3 p. 85).\n3)\t\u201eIst das der Dampfhitze ausgesetzte und\nfiltrirte Diffus\u00e2t auch eiweissfrei, so erh\u00e4lt es\ndoch, wie schon aus dem Umstande, dass die Extractivstoffe des Blutserums und Eiereiweisses diffusibel sind, im Voraus erschlossen werden konnte, noch andre stickstoffhaltige Substanzen in L\u00f6sung. Beim v\u00f6lligen Trocknen hinterl\u00e4sst die Fl\u00fcssigkeit einen gelbbraunen nicht unbetr\u00e4chtlichen R\u00fcckstand, welcher heim Verbrennen einen starken Geruch nach verbrannter Hornsubstanz entwickelt\u201c (3 p. 81).\n4)\t\u201eDieselben (dm Diffusate) geben nach dem Eindampfen und Filtriren keine Eiweissreactio-nen, ihr geordneter R\u00fcckstand jedoch verkohlt unter starker Entwickelung von nach verbrannten Federn riechenden D\u00e4mpfen; unter anderen organischen Bestandtheilen enthalten sie also jedenfalls auch solche, die stickstoffhaltig sind\u201c (158 p. 96).\n\u2018) \u201eDie F\u00e4higkeit aus alkalischer, salzhaltiger L\u00f6sung durch Pergamentpapier gegen Wasser zu diffundiren, kann also dem Serumalbumin nicht vollst\u00e4ndig abgesprochen werden, doch ist diese F\u00e4higkeit sehr gering (in Anmerk.: Aehnliche Resultate habe ich bereits fr\u00fcher bei Diffusionsversuchen mit nativem Serum erhalten: es war dahei auffallend, dass das im Wasserbade concentrirte Diffus\u00e2t gleichfalls bei einfachem Aut-kochen klar blieb, aber beim Erhitzen unter Zu-* satz von CsHiOs gerann\u201c (45 p. 103\u20144),","page":138},{"file":"p0139.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND \u00cf)ES EIWEISSES.\n139\nhandensein im Diffus\u00e2t nach weisen lasse, und man sagen k\u00f6nne, dass ungeachtet der Gegenwart von Salzen das Diffus\u00e2t dieselben Reactionen giebt wie Schmidt\u2019s und Aronstein\u2019s \u201eAlbumin\u201c! Erinnern wir an ein noch charakteristischeres Beispiel: beim Auswaschen trocknen Serums auf dem Filter erhielt Scherer (p. n. 100) ein Filtrat mit einem bedeutendem Gehalt sowohl an Albumin als auch an Salzen: dennoch gerann es in der W\u00e4rme nicht. Aronstein und Schmidt kannten aber weder Eichwald\u2019s und Scherer\u2019s Beobachtungen noch auch diejenigen der andern von uns genannten Autoren (p. n. 67\u20149), weshalb sie auch den Umstand, dass das Serum-und Eiweissdialysat in der W\u00e4rme nicht gerann, so \u00fcberraschend fanden. H\u00e4tte Aronstein und nach ihm Schmidt im Diffus\u00e2t in der W\u00e4rme ungerinnbares Albumin erkannt, so w\u00fcrde ihnen die Sache viel erkl\u00e4rlicher geschienen haben.\nIn demselben Jahre (1874) beobachtete Heynsius (76 p. 526), der mit Hui-zigna\u2019s k\u00e4sten- und sackf\u00f6rmigen Dialysoren experimentirte, dass bei der Dialyse des H\u00fchnereiweisses gegen Regenwasser die Fl\u00fcssigkeit im Innern des Dialysors nach der Abtrennung des Niederschlags auf Kosten des \u00e4usseren Wassers sich stark vermehrt hatte und beim Erw\u00e4rmen bis auf 45\u00b0 einen bedeutenden Niederschlag ausschied, bei 35\u00b0 sich tr\u00fcbte (ib. p. 528). Dasselbe beobachtete er auch bei 7-t\u00e4gigem Dialysiren von H\u00fchnereiweiss, welches vorher mit Kochsalz gef\u00e4llt worden war, unter t\u00e4glichem Wechsel des Regenwassers. Auch hier schied das dialysirte Eiweiss bei 45\u00b0 einen Niederschlag aus, wobei dieser in Kochsalz sich nicht l\u00f6ste (ib.). Des Filtrat wurde weitere 7 Tage dialysirt: auf dem Diaphragma schied sich ein neuer Niederschlag aus, doch in geringerer Menge, und war dieser noch schwerer l\u00f6slich als der erste. Das neue Filtrat tr\u00fcbte sich schon bei 28\u00b0, und bei 40\u00b0 fiel auch ein Niederschlag aus, der in der abgek\u00fchlten Mutterlauge und auch in einer Kochsalzl\u00f6sung sich wieder aufl\u00f6ste. Doch setzt l\u00e4ngeres Erw\u00e4rmen bei einer und derselben oder k\u00fcrzeres bei erh\u00f6hter Temperatur die L\u00f6slichkeit sehr herab oder hebt sie sogar vollst\u00e4ndig auf. Dieses dialysirte Eiweiss enth\u00e4lt 4,3\u00b0/0 fester Substanzen und 0,05% Asche, d. h. 1,16% fester Substanz, wobei die Asche neutral reagirt. Ferner findet Heynsius, dass, wenn in diese Fl\u00fcssigkeit eine Kochsalzl\u00f6sung eingef\u00fchrt wird, deren Gerinnungstemperatur zugleich mit dem Procentgehalt des Kochsalzes steigt, so bewirkt die Versetzung mit einem gleichen Volum 32%-iger Kochsalzl\u00f6sung Tr\u00fcbung bei 65\u00b0 anstatt bei 28\u00b0 und Ausscheidung des Protemk\u00f6rpers erst bei 102\u00b0 (76 p. 529). Noch erstaunlicher sind Heynsius\u2019 Beobachtungen an Ochsen- und Pferdeserum. Nach der Behandlung des mit 10 Teilen Wasser versetzten Serums zuerst mit Kohlens\u00e4ure, dann mit Essigs\u00e4ure concentrirte Heynsius das Filtrat bis zu dem anf\u00e4nglichen Volum, bewirkte durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz abermalige F\u00e4llung, worauf erst dieses letzte Filtrat 9-t\u00e4giger Dialyse unterworfen wurde. Die vom Niederschlag abfiltrirte Fl\u00fcssigkeit gerann bei 43\u00b0 (ib. p. 530). Wird jedoch die Fl\u00fcssigkeit unmittelbar mit Kochsalz ges\u00e4ttigt und dann dialysirt, So tr\u00fcbt sich Ochsenserum bei 9-t\u00e4giger Dialyse bei 41\u00b0; nach ll-t\u00e4gigem Diffundiren zeigt dieses unter gleichen Bedingung Tr\u00fcbung bei 40\u00b0, Pferdeserum\u2014bei 38\u00b0, H\u00fchnereiweiss bei 30\u00b0 (ib. p. 531). Dem Alkohol und Aether gegen\u00fcber verhalten die dialysirten Fl\u00fcssigkeiten sich analog\u2014sie scheiden einen Niederschlag aus (ib. p. 533). Die soeben mitgeteilten Thatsachen erhielt Heynsius, indem er Huizigna\u2019s sackf\u00f6rmigen Dialysor und Regenwasser benutzte. Bei Benutzung des Kastendialysors und destillirten Wassers fand Heynsius, dass in diesen F\u00e4llen die erhaltenen Fl\u00fcssigkeiten bei niedrigen Temperaturen sich nicht tr\u00fcben. Obgleich auch hier ein verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringer Niederschlag ausf\u00e4lltr so weicht doch die Temperatur der F\u00e4llung der dialysirten Fl\u00fcssigkeiten von der f\u00fcr dieselben gew\u00f6hnlichen nicht ab, steigt aber ein wenig f\u00fcr das dialysirte Serum. Zudem bemerkte Heyn-","page":139},{"file":"p0140.txt","language":"de","ocr_de":"140\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nsiiis, '\u2022 dass bei der Dialyse gegen Regenwasser neutrale Reaction erhalten wird, w\u00e4hrend diese hei destillirtem Wasser alkalisch bleibt, demzufolge Heynsius die Temperaturerh\u00f6hung der dialysirten Fl\u00fcssigkeit durch die Gegenwart des Alkali erkl\u00e4rt. Uebrigens hatte auch unmittelbare Versetzung des Serums mit 20 Vol. Regenwasser neutrale Reaction zur Folge, w\u00e4hrend Verd\u00fcnnung mit derselben Menge destillirten Wassers die Reaction nicht \u00e4nderte: die Fl\u00fcssigkeit blieb alkalisch. Diese Verd\u00fcnnung wurde auch noch von einer andern bekannten Erscheinung\u2014der Bildung eines Niederschlags\u2014begleitet, doch bewirkte das destillirte Wasser nur einen unbedeutenden Niederschlag, w\u00e4hrend das Regenwasser einen ungew\u00f6hnlich starken (\u00e9norme) Niedersehlag erzeugte. Diesen Unterschied in der Wirkung erkl\u00e4rt Heynsius dadurch, dass das Regenwasser kohlensaures Zink enthielt, da es von Zinkd\u00e4chern gesammelt wordeti war, und directe Bestimmungen das Vorhandensein dieses Salzes darin zeigten. Aehnliche Resultate wie mit Regenwasser wurden endlich durch Versetzung des destilirten Wasser mit Zinkcarbonat erhalten (ib. p. 534). Heynsius findet sogar, dass es \u00fcberfl\u00fcssig sei, das Serum oder das Eiweiss zu dialysiren, da es gen\u00fcge dieses und jenes mit Zinkcarbonatl\u00f6sung zu versetzen, um dieselben Resultate, d. h. Fl\u00fcssigkeiten, die bei verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig niedriger Temperatur (38\u00b0, 50\u00b0) gerinnen, zu erhalten (ib.p. 535).\nAuf Grund dieser Thatsachen wurde Heynsius, wie er \u00fcbrigens auch selbst bemerkt, zu einem Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s Resultaten ganz entgegengesetzten Schl\u00fcsse geleitet. 4-t\u00e4gige Diffusionsversuche mit deutschen und englischen Papiersorten gegen destillirtes Wasser zeigten ihm, dass Globulin sich auch hier auf dem Diaphragma ausscheidet, das Filtrat des Dialysats in der Siedhitze aber nicht gerinnt (ib. p. 537).\nAronstein\u2019s und Schmidt\u2019s Beobachtungen erkl\u00e4rt Heynsius im allgemeinen dahin, dass genannte Autoren mit einer alkalischen Albuminl\u00f6sung experimentirten; eine solche gerinnt beim Kochen nicht und wird durch Alkohol nicht gef\u00e4llt, wenn nur die L\u00f6sung wenig Salze enth\u00e4lt, was Schmidt, nach Heynsius, auch in Bezug auf eine Globulinl\u00f6sung gefunden hatte *). Heynsius h\u00e4lt es nicht f\u00fcr m\u00f6glich, mittels deutschen oder englischen Pergamentpapiers salzfreies Albumin zu erhalten (76 p. 541).\nGleichsam als Erg\u00e4nzung zu Heynsius\u2019 Beobachtungen, fand auch Kossel bei seinen Dialysationsversuchen (93 p. 174), dass, das Albumin in den nat\u00fcrlich vorkommenden Fl\u00fcssigkeiten sich in Verbindung mit Natriumcarbonat befindet. Seine Untersuchungen in dieser Richtung fortsetzend, gelangt Heynsius (1875, 78 p. 626) zu dem Schl\u00fcsse, dass das Albumin aus Serum und auch aus Eiweiss im freien Zustande, trotzdem es in Wasser nicht geronnen war, unl\u00f6slich ist 2). In Ermangelung solchen Pergamentpapiers. wie er es w\u00fcnschte, stellte Schmidt seine Versuche mit Hilfe gew\u00f6hnlichen, nur frisch geleimten Wechselpapiers an. Schmidt\u2019s Versuche mit dem Papier-dialysor zeigten, dass bei der Dialyse des Serums und des Eiweisses zuerst die neutral reagirenden, dann die auf Lakmusl\u00f6sung, doch nicht auf Lakmuspapier, alkalisch reagirenden Salze \u00fcbergehen. In diesem Stadium der Dialyse weist die Asche weder Chloride noch Phosphate auf, zeigt aber Spuren von Sulfaten und reagirt schwach alkalisch, folglich, sagt Schmidt, enth\u00e4lt die Asche Spuren von\n*) \u201eSie experimentirten mit einer alkalischen Eiweissl\u00f6sung die beim Sieden nicht coagulirt und auch durch Alkohol wenig gef\u00e4llt wird, wenn sie arm an Salzen ist. Schmidt selbst hat dies fr\u00fcher f\u00fcr die alkalische Paraglobulinl\u00f6sung ausf\u00fchrlich bewiesen\u201c (76 p. 538).\n!) In dem von uns angef\u00fchrten Satze von Heynsius hatte sich ein grober Druckfehler eingeschlichen: anstatt \u201eunl\u00f6slich\u201c stand \u201e1 \u00f6 s-lich\u201c, was nat\u00fcrlich den Sinn von Heynsins\u2019 Schl\u00fcssen ganz entstellt. In der Folge, verbesserte Heynsius selbst diesen Fehler (79 p. 571).","page":140},{"file":"p0141.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GL\u00d4B\u00dcL\u00ceN D\u00cbS BLUTSERUMS \u00d9ND DE\u00cb EIWEISSES.\n141\nNatrium carbonat (offenbar waren weder quantitative noch qualitative Bestimmungen gemacht worden) und stets\u2014unl\u00f6sliche Salze. In diesem Stadium der Dialyse f\u00e4llt bei der Neutralisation kein Albumin mehr aus, aber im weiteren Verlaufe derselben verliert sich die alkalische Reaction sowohl in der Fl\u00fcssigkeit als auch in der Asche (die Alkalescenz wurde mittels des verd\u00fcnnten w\u00e4sserigen Extracts bestimmt) (159 p. 16). In seinen neuen Versuchen (ib. p. 15\u20147) sucht Schmidt die Best\u00e4tigung seiner fr\u00fcheren Schl\u00fcsse, dass die gel\u00f6sten Salze abgehen und die Reaction der dialysirten Fl\u00fcssigkeiten eine neutrale werde; dass ferner mit jedem beliebigen Papier dieselben Resultate erhalten werden k\u00f6nnen und diese nur eine Frage der Zeit seien; dass sowohl Alkalisalze als auch Alkalien \u00fcberhaupt und S\u00e4uren sich schwerer entfernen lassen als neutrale Salze (ib. p. 18), dass aber das Albumin an sich selbst l\u00f6slich sei und dessen \u201eGerinnbarkeit\u201c in der W\u00e4rme und durch \u201eAlkohol\u201c von den Salzen abli\u00e4nge, meint Schmidt (ib. p. 20). Heynsius (1876, 79 p. 553) setzt seine Versuche ausschliesslich mit Huizigna\u2019s Dialysor fort. Zur Best\u00e4tigung seiner Ansicht \u00fcber den Anteil, den die Alkalien an der L\u00f6slichkeit des Albumins nehmen, f\u00fchrt er Versuche an, wo jene mit S\u00e4ure neutralisirt wurden, macht aber die Bemerkung, dass die neutrale Reaction einer protemhaltigen Fl\u00fcssigkeit noch kein Beweis f\u00fcr das Nichtvorhandensein von Alkalien darin sei. In der That fand Heynsius, dass Ochsenserum auf je 100 cc. 40 cc. yi0 Normalsalzs\u00e4urel\u00f6sung erfordere, damit nach dem Kochen neutrale oder schwachsaure Reaction sich einstelle; w\u00e4hrend H\u00fchnereiweiss, zerschnitten und mit 1 Vol. Wasser verd\u00fcnnt, auf je 1\u00d40 cc. (=50 cc. nat\u00fcrlichen Eiweisses) 22 cc. */,0 derselben S\u00e4urel\u00f6sung brauchte, um beim Kochen neutral zu bleiben, demgem\u00e4ss zu 100 cc. Serum 32 cc. und zum Eiweiss (100 cc. = 50 cc. normal.) 16\u201418 cc, yi0 Normalsalzs\u00e4ure zugegossen wurden, damit die Neutralisation der alkalischen Reaction in der K\u00e4lte vor sich ging (ib. p. 555). Es wurden circa 30 cc. Fl\u00fcssigkeit in die 128 cc. fassende Diffusionszelle gebracht, wobei das Wasser von aussen mit der Schnelligkeit von 1 Liter pro Stunde durchfloss. Die Dialyse dauerte zuerst 2, 3 und 5 Tage, und die Aschenmenge wurde immer geringer, wobei Heynsius bemerkte, dass mit der Verminderung des Aschengehaltes die L\u00f6slichkeit des Albumins beim Erhitzen nicht gr\u00f6sser sondern geringer wurde; so zeigte sich in einer Albuminl\u00f6sung, welche beim Kochen klar geblieben war, immer st\u00e4rkere Opalescenz und in der Siedhitze so starke Tr\u00fcbung, dass in keinem Falle zugegeben werden kann, dass das Albumin beim Kochen sich nicht niederschlagen k\u00f6nne. Dies berechtigt Heynsius zu der Behauptung, dass es eben das zur\u00fcckgebliebene Alkali war, welches bei dem gew\u00f6hnlichen Dialysiren des Albumins aus Ochsenserum die Ungerinnbarkeit desselben in der Siedhitze bewirkt hatte. So gehen bei gew\u00f6hnlicher Dialyse zuerst die neutralen Salze \u00fcber, was ziemlich bald geschieht; dann beginnt nach und nach das Alkali, dessen Ueberreste nicht mehr im Stande sind den Eiweissstoff in L\u00f6sung zu erhalten, \u00fcberzugehen, so dass das Albumin beim Kochen ausf\u00e4llt (ib. p. 556). Indem Heynsius schnellem Erhitzen der Probe den Vorzug giebt, findet er, dass, je weiter die Diffusion vorschreitet, desto niedriger die F\u00e4llungstemperatur wird: von 80\u00b0 bis 70\u00b0, 60\u00b0 und sogar bis 50\u00b0 f\u00e4llt. Dementsprechend w\u00e4chst auch die Menge des sich \u201eauf dem Diaphragma\u201c ausscheidenden Globulins an. So f\u00e4llt aus Kuhserum, mit 10 Vol. Wasser versetzt und neutralisirt, 0,8\u00b0/o Globulin aus; bei der Dialyse des nicht neutralisirten schl\u00e4gt sich, nach Schmidt, 0,5%\u20141,1%, des neutralisirten\u20141,5%\u20141,6% und sogar 1,8% Globulin nieder und zwar je mehr %\n*) Wir f\u00fchren hier Schmidt\u2019s (159 p. 15\u201423)\tdass mit der Dauer des Diffusionsprocesses nicht\nBeobachtungen an, aus denen zu ersehen ist,\tnur die Globulinmenge anw\u00e4chst, sondern dass","page":141},{"file":"p0142.txt","language":"de","ocr_de":"142\tb\u00c0\u00e0 GLOBULIN DES feL\u00d9TSER\u00dcMS \u00dcND D\u00cbS EIWEISSES.\nje vollkommener die Diffusion stattgefunden hat (ib. p. 557). Ausser andern M\u00e4ngeln der Dialyse nach Schmidt\u2019s Methode findet Heynsius (ib. p. 563) einen Irrtum seitens Schmidt auch noch darin, dass er zu der quantitativen Aschenbestimmung sehr kleine Portionen der dialysirten Fl\u00fcssigkeit nahm, infolgedessen er in der Asche auch kein Alkali fand. Ausserdem lassen sich, nach Heynsius\u2019 Ansicht, Alkalien auch des* halb schwer nachweisen, weil in solchen F\u00e4llen, Rose\u2019s Beobachtungen nach, unl\u00f6sliche Verbindungen der Alkalien mit den phosphorsauren Erden sich bilden und weil, Behaghel und Bunge zufolge, es haupts\u00e4chlich das Natron ist, welches genannte Verbindungen eingeht. Diese Umst\u00e4nde waren von Schmidt nicht in Betracht gezogen worden (ib. p. 563). Da sehr geringe Mengen eines Alkali das dialysirte Albumin gel\u00f6st halten k\u00f6nnen, so setzt Heynsius zu neutralisirtem und dialysirtem Serum und Eiweiss, welche beim Kochen einen Niederschlag ausgeschieden hatten, direct eine unbedeutende Quantit\u00e4t eines Alkali zu. Nach dem Zusatze von je 1 cc. y,ooo Normalkali zu je 1 cc. der zu pr\u00fcfenden Fl\u00fcssigkeit bemerkte Heynsius, dass das dialysirte Serum beim Kochen klar blieb, das Eiweiss nur schwach opalescirte (ib. p. 564\u20145). Weiter finden wir bei Heynsius eine Tabelle, in welcher angegeben ist, wieviel Alkali auf 25 cc. der dialysirten Fl\u00fcssigkeit genommen werden m\u00fcsse, damit kein Niederschlag entstehe, und wie gross die Mengen des Natriumcarbonats und des Natriumsulphats seien, welche in den gegebenen F\u00e4llen in der Asche gefunden werden m\u00fcssten (S. Tab. a. f. p. 143).\nDiese zwei letzten Angaben nicht in Betracht ziehend, bemerkt Heynsius mit Recht, es sei kein Grund vorhanden sich zu wundern, dass in der Asche des dialysirten Eiweisses keine l\u00f6slichen Salze gefunden wurden (ib. p. 565). Daraufhin findet er sich zu dem Schl\u00fcsse berechtigt, dass durch Dialyse kein\ndieselbe (d. h. der durch die Dialyse ausgeschie- der L\u00f6sung zur\u00fcckgebliebenen Rest) \u00fcbertreffen dene Niederschlag) die Albuminmenge (den in kann.\n\t\u201c/\u201e-gehalt der Prote\u00fcnstoffe in der Fl\u00fcssigkeit.\t\t\t\t\t\t\t\nNamen d. Fl\u00fcssigkeiten.\tNor- male.\tnach mehrst\u00fcndiger Dyalise.\t\t\t\t\t\tWechsel des \u00e4usseren Wassers.\n\t\t4\t8\t24\t48\t72\t115\t\nOchsenserum\t\t7,263\t\u2014\t6,382j\t4,982\t3,499\t\u2014\t\u2014\tSt\u00fcndlich.\nid.\t6,391\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t3,309\t\u2014\tAlle 2 Stunden.\nid.\t7,048\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t5,546\tNicht angegeben.\nPferdeserum\t\t6,801\t\u2014\t\u2014\t3,513\t2,065\t\u2014\t\u2014\tSt\u00fcndlich.\nH\u00fchnereiweiss ....\t10,290\t\u2014\t\u2014\t\u2014\t2,172\t\u2014\t\u2014\t12\u201414-mal im ganzen.\nid.\t10,490\t\u2014\t\u2014\t4,844\t2,586\t\u2014\t\u2014\t10\u201412-mal in 24 Stunden.\nHydrocelefl\u00fcssig- lffiit,\t\t6,208\t5,795\t\t5,075\t3,915\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\nEs ist interessant hier zu bemerken, dass die n\u00e4hme des 3-ten und letzten Ralles. S, auch Fl\u00fcssigkeiten zuerst neutralisirt wurden, mit Aus- p. n. 134.","page":142},{"file":"p0143.txt","language":"de","ocr_de":"1)\u00c0S GLOB\u00dctlN DES BLU\u00cfS\u00c8RUMS UND D\u00c8S EIWEISS\u00e8S.\t143\n0,001 Nofmalnatron-l\u00f6sung.\t\tDialysirtes und in der Siedliitze neutra-\t\tAsche in 25 Cc. Fl\u00fcssigkeit calcu- lirt in Form von\t\n\u00a73 \u00ab rd O\tZugesetzt\tlisirtes\t\t\t\nQuantit 1 cc. d( L\u00f6\u00e4. i:\tin grm.\tSerum.\tEiweiss.\tNasCO*.\tNasSO\u00ab.\n0\t0\tTr\u00fcbung\tTeilweise F\u00e4llung\t\u2014\t\u2014\n0,1\t0,0000031\tOpalescenz\tTr\u00fcbung\t0,00013\t0,00017\n0,2\t0,0000062\tSchwache Opalesc.\tOpalescenz\t0,00026\t0,00034\n0,4\t0,0000124\tKlar\tOpalescenz\t0,00052\t0,00068\n1,0\t0,0000310\tKlar\tSchwache Opalesc.\t0,0013\t0,0017\n2,0\t0,0000620\tKlar\tKlar\t0,0026\t0,0034\nsalzfreies Albumin dargestellt werden kann, weshalb auch nicht gesagt werden k\u00f6nne, dass Albumin in Wasser l\u00f6slich sei, und dass, wenn bei der Diffusion in der W\u00e4rme ungerinnbares Albumin gefunden wird, dieses der Gegenwart einer unbedeutenden Menge Alkali zuzuschreiben sei. Auf Grund des Gesagten behauptet Heynsius, Albumin sei nichts anderes als Globulin (79 p. 586).\nBald nach diesen Arbeiten erscheinen nach einander mehrere andere, in denen die Gegenwart von Asche auch in l\u00e4ngere Zeit dialysirtem Serum und Eiweiss zugegeben wird. So findet Huizigna (87 p. 392) in seiner vollkommeneren Diffusionszelle aus Chlor, Magnesia, Eisen, Kalk und Phosphors\u00e4ure bestehende Asche im dialysirten \u201eAlbumin\u201c (ib. p. 397), wobei er bemerkt, dass, solange man kein Mittel gefunden hat ganz aschenfreies Albumin zu erhalten, nichts daran hindern werde anzunehmen, dass die Asche die L\u00f6slichkeit des Albumins beeinflusst. Auf den genannten Forscher folgt Winogradoff (1875,176 p. 608), der mit demselben Papier (de la Rue) wie Schmidt arbeitete, wobei auch er fand, dass das beim Dialysiren erhaltene sog. \u201eAlbumin\u201c, trotzdem es alle von Aronstein und Schmidt beschriebenen Eigenschaften besitzt, dennoch auch Asche enth\u00e4lt. Haas (60 p. 394) behandelte verd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss mit einem Kohlens\u00e4urestrom, filtrirte und liess das Wasser ausfrieren (ib. p. 388); nachdem er auf diese Art ^,uch Serum (ib. p. 403) behan-haudelt hatte, fand er, dass sowohl in diesen als auch in andern F\u00e4llen mehrw\u00f6chentliche Dialyse nicht im Stande sei, die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten von den Salzen zu befreien. In demselben Jahre wiederholt Haas noch einmal (59 p. 756), dass durch Dialyse zwar die l\u00f6slichen Salze entfernt wurden, die unl\u00f6slichen aber, deren es 0,4%\u20140,6% gab, nicht entfernt werden konnten. Aronstein\u2019s \u201eIrrtum\u201c glaubt Haas dadurch erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, dass derselbe zur Bestimmung der Asche ungen\u00fcgende Quantit\u00e4ten der Fl\u00fcssigkeit nahm. Haas giebt auch die M\u00f6glichkeit zu, dass in dem dialysirten Eiweiss Alkalien vorhanden sein k\u00f6nnen. Auch Laptschinski (96 p. 78) findet im diffundirten H\u00fchnereiweiss 0,94% bis 1,13% Asche und in drei F\u00e4llen \u2014 Schwefel, Phosphor, Kalk, Eisen und Magnesium,","page":143},{"file":"p0144.txt","language":"de","ocr_de":"144\nbA\u00cb GL\u00d4B\u00dctlN ,\u00ee)fc\u00e2 RLt\u00eel'SERt\u00eeMS UNt) DF S. \u00cb1W\u00ebISSE\u00a7.\nAusserdem ist es interessant, den Angaben dieses Autors nach, hervorzuheben, dass dialysirtes Eiweiss beim Kochen sich tr\u00fcbt, Opalescenz aber erst bei Versetzung des dialysirten Eiweisses mit Wasser, wie Aronstein und Schmidt verfuhren, ein-tritt (ib. p. 71). Dies giebt Laptschinski das Recht zu behaupten, dass dieselben Resultate durch einfache Verd\u00fcnnung mit Wasser erreicht werden k\u00f6nnen, wobei beim Kochen und durch Alkohol F\u00e4llung auch nicht erfolgen k\u00f6nne, \u2014 dabei beruft Laptschinski sich auf Lehmann (p. n. 79). Die saure Reaction des dialysirten Eiweisses glaubt er durch die Gegenwart von Zucker erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen (96 p. 68), Jedenfalls sind Graham\u2019s, K\u00fchne\u2019s und Schmidt\u2019s Verdienste in der Geschichte der Prote\u00efnstoffe sehr gross. Diese Forscher waren es, die den Grund zu der Untersuchungsmethode der prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten legten, welche der fr\u00fcher gebr\u00e4uchlichen ganz entgegengesetzt ist.\u2014Der Auscheidung der Protemk\u00f6rper wird hier die Abtrennung alles dessen, was kein Protemk\u00f6rper ist. entgegengestellt; dort bestrebte man sich die Bedingungen des Uebergangs des Ausgeschiedenen in die L\u00f6sung zu studiren, hier dasselbe in der L\u00f6sung zu erhalten und das L\u00f6sungsmittel so zu sagen bis zum Wasser zu vereinfachen. Wie dem auch sei, Aronstein und Schmidt hielten und die andern, weiter oben erw\u00e4hnten Autoren erkl\u00e4rten den K\u00f6rper, der nach sorgf\u00e4ltiger und lange andauernder Dialyse des Serums und des Eiweisses in L\u00f6sung bleibt, f\u00fcr \u201eAlbumin\u201c, alles dagegen, was aus den pro-te\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten auf dem Diaphragma bleibt, f\u00fcr Globulin. Trotz gewichtiger Einw\u00fcrfe seitens Heynsius und andrer Forscher ging diese Einteilung auch in die Lehrb\u00fccher \u00fcber. Im allgemeinen, wenn die Dialyse f\u00fcr die L\u00f6slichkeit des \u201eAlbumins\u201c ausser dessen Verbindung mit anorganischen, Asche zur\u00fccklassenden K\u00f6rpern auch keine directen Beweise geliefert hat, so k\u00f6nnte man wohl die Asche des dialysirten \u201eAlbumins\u201c entweder f\u00fcr einen unabtrennbaren Bestandteil des \u201eAlbumin\u201c genannten chemischen Molec\u00fcls betrachten, oder, wie Schmidt es zu w\u00fcnschen scheint, dieselbe ganz ausser Acht lassen und die Frage nach der Wasserl\u00f6slichkeit des Albumins, nun aber ohne jegliche Beziehung desselben zur Asche, aufstellen. Es erweist sich jedoch, dass trotz aller Zugest\u00e4ndnisse und Bedingungen zu Gunsten der Wasserl\u00f6slichkeit des Albumins eben die Dialyse als entscheidende Verfah\u2019rungsmethode nicht dienen kann, da das Globulin aus seinen Salzl\u00f6sungen auch durch Diffusion bei weitem nie ht vollst\u00e4ndig aus gef\u00e4llt wird, wie die Beobachtungen solcher Verfechter der L\u00f6slichkeit des Albumins wie Schmidt und Hammarsten gezeigt haben. Erinnert man sich aber Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s erster Versuche (p. n. 134), so ist Grund genug vorhanden anzunehmen, dass das, was sie f\u00fcr Albumin gehalten hatten, ein Gemisch von Globulin und dem gesuchten Albumin war! In diesem Gedanken best\u00e4rkt uns auch Hammarsten, welcher geradezu erkl\u00e4rt, dass das, was unter \u201eAlbumin\u201c verstanden und von Aronstein und Schmidt f\u00fcr \u201eAlbumin\u201c gehalten wurde, kein reines Pr\u00e4parat sondern ein Gemenge von Albumin und Globulin sei *); deshalb schl\u00e4gt, er auch einen andern Weg zur Abscheidung des Albumins vor, n\u00e4mlich das Globulinj zuerst mit Magnesiumsulfat zu f\u00e4llen, da es durch Dialyse nicht vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt werde, und erst, dann das Filtrat der Dialyse zu unterwerfen!\n*) \u201eEs muss dies von grosser Bedeutung sein, wenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen, dass gerade diese 2 Serumarten am \u00f6ftesten zur Reingewinnung des Serumalbumins benutzt werden. Die dabei \u00fcbliche Methode besteht bekanntlich haupts\u00e4chlich darin, dass das Paraglobulin nach irgend\neiner der \u00e4lteren Methoden, am besten durch Dialyse m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig entfernt wird..... Der bisher als Serumalbumin beschriebene Stoff ist allem Anscheine nach ein Gemenge von Globulin und Seruraalbumin gewesen,... \u201c (64 p. 467).","page":144},{"file":"p0145.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n145\nVollst\u00e4ndige F\u00e4llung durch Salze. Diese Thatsachen m\u00fcssen notwendigerweise mit denjenigen, welche den Einfluss der Salze auf die protein-haltigen Fl\u00fcssigkeiten betreffen, verglichen werden. Nach allem, was \u00fcber die F\u00e4llung durch Salze \u00fcberhaupt gesagt worden ist (p. n. 118), ist nicht weniger interessant die Frage, ob die durch S\u00e4uren erhaltenen Niederschl\u00e4ge mit den durch Salze erhaltenen identisch sind, und ob durch S\u00e4ttigung mit Salzen vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Globulins erreicht wird. Was die erste Frage anbetrifft, so finden wir ausser den von fr\u00fcheren Autoren, bis Virchow einschliesslich, gelieferten Thatsachen auch bei Heynsius Angaben, welche f\u00fcr die Identit\u00e4t dieser Niederschl\u00e4ge zeugen (7 5 p. 9\u201428). Diese Identit\u00e4t erkenntauch Schmidt (158p. 99\u2014100) an. Um fibrinoplasti-sche Substanz oder, wie Allchin sie nennt \u201eFibrinoplastin\u201c zu erhalten, schlug dieser Verfasser im Jahre 1868 (1 p. 278), nach Al. Schmidt\u2019s Vorgehen, vor, Serum oder pericardiale Fl\u00fcssigkeit mit Magnesiumsulfat oder Kochsalz zu s\u00e4ttigen, die erhaltenen Niederschl\u00e4ge in Wasser aufzul\u00f6sen und mit denselben Salzen aufs neue zu f\u00e4llen. Die Niederschl\u00e4ge wurden nun auf einem Filter gesammelt, getrocknet, in verschlossenen Gef\u00e4ssen aufbewahrt und, je nach Bedarf, in Wasser aufgel\u00f6sst. Zugleich aber fand Heynsius, dass durch S\u00e4ttigung der Fl\u00fcssigkeit mit Kochsalz weniger Globulin erhalten wird, als bei der doppelten S\u00e4ttigung mit Kochsalz und Kohlens\u00e4ure *) (75 p. 26 und 28). Schmidt glaubt (159 p. 297) jedoch, dass das Globulin aus dem Serum durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz vollst\u00e4ndig ausgeschieden werde und sieht zwischen dieser S\u00e4ttigung, der Verd\u00fcnnung mit Wasser und Ans\u00e4uerung und auch der Dialyse keinen Unterschied: in all diesen F\u00e4llen scheide sich dieselbe Globulinmenge aus (ib. p. 297\u20148 und 305). Hammars'ten dagegen bestreitet (62 p. 23; 63 p. 16), dass das Globulin durch Kochsalz vollst\u00e4ndig ausgeschieden werde und empfiehlt (im J. 1878) zur vollst\u00e4ndigen Ausf\u00e4llung desselben aus reinen L\u00f6sungen gepulvertes Magnesiumsulfat zuzusetzen (64 p. 431), um so mehr als weder Verd\u00fcnnung mit Wasser und darauffolgende Einwirkung von Kohlens\u00e4ure (ib. p. 432 und 436) oder Essigs\u00e4ure (ib. p. 438) noch sogar Dialyse vollst\u00e4ndige F\u00e4llung bewirke, obgleich die letztgenannte Methode die gr\u00f6ssten Zahlenwerte ergebe (ib. p. 444; 65 p. 92). Hammarsten fand, dass Pferde-, Ochsen-, Menschen- und Hundeserum bei der Behandlung mit Kohlens\u00e4ure am wenigsten Globulin ausscheiden, mehr mit Essigs\u00e4ure und am meisten durch Dialyse (64 p. 445) (s. die Tabellen ib. p. 449 u. s. w.). Gleicherweise hatten Hammarsten & Stenberg (ib. p. 427\u20148) auch durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz bei 40\u00b0 keine vollst\u00e4ndige F\u00e4llung beobachtet. In Anbetracht dessen r\u00e4t Hammarsten zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung des Globulins nicht nur aus dessen reinen Salzl\u00f6sungen sondern auch aus Serum, letzteres mit Magnesiumsulfat zu s\u00e4ttigen (ib. p. 446), obgleich er diese Methode f\u00fcr nicht sehr genau und nicht immer zum Ziele f\u00fchrend h\u00e4lt, namentlich in Bezug auf Pferdeserum (64 p. 446; 65 p. 100); dies um so mehr als die Gegenwart von Serumalbumin (64 p. 418) sowie diejenige irgend welcher L\u00f6sungsmittel des Globulins, die er nicht genauer bestimmt hatte, auf die F\u00e4llbarkeit im Serum wirken (ib. p. 446). Trotz dieser Ungenauigkeit h\u00e4lt genannter Forscher sich an diese Methode und empfiehlt sogar bei der quantitativen Bestimmung des Globulins die Fl\u00fcssigkeit mit gepulvertem Magnesiumsulfat zu s\u00e4ttigen, nach 24 Stunden den Niederschlag auf dem Filter zu sammeln, hierselbst mit einer ges\u00e4ttigten L\u00f6sung desselben Salzes so lange zu waschen, bis das Filtrat nicht mehr die Reaction auf Albumin giebt, dann den Niederschlag zu\n\u2018) Indem Heynsius mit Kochsalz s\u00e4ttigte, fand Ochenserum giebt.... 1,33\u20141,38% (75p. 28) er, dass\tSchafserum \u201e\t.... 1,39%\nZiegenserum \u201e\t----1,28% etc. (ib. p. 26).\n10","page":145},{"file":"p0146.txt","language":"de","ocr_de":"146\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\ntrocknen und Schliesslich, zur Entfernung des Magnesiumsulfats, mit kochendem Wasser auszuwaschen (ib. p. 447). Dabei begn\u00fcgt Hammarsten sich nicht, behufs der F\u00e4llung des Globulins, die Fl\u00fcssigkeit hei gew\u00f6hnlicher Temperatur zu s\u00e4ttigen, sondern r\u00e4t das Filtrat bei 30\u00b0\u201435\u00b0 zu f\u00e4llen, um sich zu \u00fcberzeugen, dass alles Globulin sich ausgeschieden hat. Wenn dabei kein neuer Niederschlag entsteht, so schliest der Autor, dass die erste F\u00e4llung gen\u00fcgte alles Globulin auszuscheiden (ib. p. 446). Nach der Abtrennung der Globulinniederschl\u00e4ge unterwirft Hammarsten das Filtrat, um eine reine L\u00f6sung von \u201eAlbumin\u201c zu erhalten, der Dialyse in Cylindern aus Pergamentpapier, nach, K\u00fchne, wobei die Fl\u00fcssigkeit in diesen zunimmt, in 24 Stunden sich aber alles Magnesiumsulfat entfernt hat. Das Dialy-sat zeigt alle Eigenschaften (?) des Serumalbumins, wobei S\u00e4uren in der W\u00e4rme F\u00e4llung bewirken, Gegenwart von Globulin aber nicht anzeigen (ib. p. 453). Das Dialysat wurde bei 30\u00b0\u201440\u00b0 abgedampft, und der trockne R\u00fcckstand in Wasser aufgel\u00f6st, wobei der Gehalt an \u201eAlbumin\u201c bis auf 8\u00b0/0 gebracht werden konnte; dennoch aber erzeugte S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat sogar bei 30\u00b0\u201435\u00b0 keine Niederschl\u00e4ge (?!). Dasselbe erreichte Hammarsten bei dem Trocknen des Dialysats \u00fcber Schwefels\u00e4ure, wobei eine L\u00f6sung mit einem Gehalt von 11 ,S\u00b0/0 Eiweissstoff erhalten wurde, und bei alledem bei der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat sich weder Tr\u00fcbung noch Niederschl\u00e4ge zeigten (ib. p. 455)! Man muss Hammarsten vollkommen darin beistimmen, dass das Pr\u00e4parat, welches gew\u00f6hnlich unter dem Namen \u201eS e r u m a 1 b u m i n\u201c beschrieben wird, ein Gemenge von Globulin und Albumin ist (ib. p. 467). Dennoch erleidet auch Hammarsten\u2019s Versuch mit Hilfe von Magnesiumsulfat zwischen dem Globulin und dem Albumin eine Grenze zu ziehen durch Fredericq\u2019s Arbeiten (1880, 48 p. 457) eine Niederlage. Von Hammarsten's Beweisgr\u00fcnden \u00fcberzeugt und von Denis1 Angaben (36 p. 184 u. a.) unterst\u00fctzt, fand Fre-dericq, von dem Satze ausgehend, dass nach der Entfernung des Globulins aus dem Serum durch S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat, nur Albumin in der Mutterlauge enthalten sein m\u00fcsse (48 p. 454), zu seinem nicht geringen Erstaunen, dass in diesem Filtrat zwischen 40\u00b0 und 50\u00b0, selten unter 40\u00b0, zuweilen auch \u00fcber 55\u00b0, sich Niederschl\u00e4ge zeigen. Nach dem Abfiltriren dieser Niederschl\u00e4ge wird das Filtrat erst \u00fcber 60\u00b0 gef\u00e4llt, doch kann dieselbe Fl\u00fcssigkeit noch einen dritten und vierten Niederschlag ausscheiden, wobei die Gesammtmenge der Niederschl\u00e4ge, die in den lezteren F\u00e4llen erhalten werden, eine viel geringere ist als diejenige, die bei niedrigerer Temperatur entsteht. Der zwichen 40\u00b0 und 50\u00b0 erhaltene und auf dem Filter gesammelte Niederschlag l\u00f6ste sich in Wasser; folglich war dessen Substanz nicht geronnen, sondern sie wurde in der gegebenen Magnesiumsulfatl\u00f6sung einfach unl\u00f6slich, demzufolge der Niederschlag in einer halbges\u00e4ttigten L\u00f6sung dieses Salzes und noch besser in Wasser unter der Einwirkung des zur\u00fcckgebliebenen Magnesiumsulfats sich l\u00f6ste. Je gr\u00f6sser aber der Gehalt an diesem Salze ist, desto geringer wird die L\u00f6slichkeit des Niederschlags: Fredericq vergleicht diesen letzteren mit dem von Denis (36 p. 29) bei der S\u00e4ttigung des Filtrats mit Natriumsulfat (p. n. 115) bei 50\u00b0 erhaltenen Niederschlage nach der Abtrennung des durch das Magnesiumsulfat erzeugten 1). Sch\u00e4fer best\u00e4tigt (147 p. 182) durch seine Arbeiten mit Pferdeserum Fredericq\u2019s Angaben und findet, dass ein Niederschlag in mit Magnesiumsulfat ges\u00e4ttigtem Serum bei raschem Erhitzen schon bei 35\u00b0, bei langsamerem bei 40\u00b0, ein zweiter Niederschlag bei 70\u00b0 erhalten werde. Die bei 35\u00b0\u2014 40\u00b0 ausgeschiedenen Niederschl\u00e4ge h\u00e4lt Sch\u00e4fer, im Gegens\u00e4tze zu Fredericq, f\u00fcr\n*) \u201eQuel ne f\u00fbt pas mon \u00e9tonnement de le de dessus le filtre\u201c (48 p. 466). voir se redissoudre int\u00e9gralement et dispara\u00eetre","page":146},{"file":"p0147.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n147\nGlobulin, denjenigen, der sich bei 70\u00b0 ausscheidet, f\u00fcr Albumin, indem er dabei Hammarstens Angaben \u00fcber die vollst\u00e4ndige F\u00e4llbarkeit des Globulius durch .Magnesiumsulfat f\u00fcr unrichtig erkl\u00e4rt. Analoge Resultate erhielt Sch\u00e4fer (147 p. 182) mit Ochsen-, Schaf-, Katzen- und Schweineserum (ib.). Um die vollst\u00e4ndige S\u00e4ttigung des Serums mit Magnesiumsulfat zu bewerkstelligen, unterwarf er es der Durch-sch\u00fcttelung in Flaschen mittels der Excentrik *) einer Dampfmaschine, wonach er unter 65\u00b0 im Filtrat schon keinen Niederschlag erhielt; dieser stellte sich erst bei 70\u00b0 (ib.) ein. Ferner wiederholte Sch\u00e4fer Denis\u2019 Versuche, indem er vollkommen mit Magnesiumsulfat ges\u00e4ttigtes, folglich globulinfreies Serum und dann wiederum bi$ zur S\u00e4ttigung Natriumsulfat in das Filtrat einf\u00fchrte; dabei erhielt er einen Niederschlag, der sich auf Kosten der vom Niederschlage zur\u00fcckgehaltenen Salze in Wasser leicht l\u00f6ste. Die erhaltene L\u00f6sung liess sich weder durch Bittersalz noch durch Magnesiumsulfat einzeln genommen f\u00e4llen, schlug sich aber vollst\u00e4ndig bei aufeinanderfolgender S\u00e4ttigung mit beiden nieder. Auch bei der Dialyse schied die L\u00f6sung keinen Niederschlag aus, wohl aber bei 70\u00b0 und h\u00f6her. Nach der doppelten F\u00e4llung mit den Salzen bildete sich bei 85\u00b0 ein Niederschlag im Filtrat. Demgem\u00e4ss nimmt Sch\u00e4fer an, dass bei der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat Globulin, bei der S\u00e4ttigung der Mutterlauge Serin ausgeschieden wird, und dass danach Albumin in der Fl\u00fcssigkeit zur\u00fcckbleibt, obgleich Serin f\u00fcr gew\u00f6hnliches Albumin * 2), der in L\u00f6sung gebliebene K\u00f6rper aber f\u00fcr einen von diesem verschiedenen K\u00f6rper gehalten wird, da dessen Gerinnungstemperatur h\u00f6her ist. Sodann findet Sch\u00e4fer, dass dieser K\u00f6rper in einer ges\u00e4ttigten L\u00f6sung beider Salze, folglich in einem jeden einzeln genommen l\u00f6slich ist; doch ist dieser K\u00f6rper jedenfalls nur in unbedeutender Menge vorhanden. Sch\u00e4fer\u2019s Arbeit erkl\u00e4rt den Umstand, dass Starke Fredericq\u2019s Beobachtung gegen\u00fcber, dass das ges\u00e4ttigte Filtrat bei 60\u00b0 einen Niederschlag ausscheidet, sich ablehnend verh\u00e4lt, und wird Starke\u2019s Behauptung, dass, wenn s\u00e4mmtliches Globulin sich wirklich ausgeschieden hat, bei 60\u00b0 sich kein Niederschlag bildet, verst\u00e4ndlich. Zur vollst\u00e4ndigen Abtrennung des Globulins empfiehlt dieser Forscher seinerseits das Serum bei 30\u00b0 zu s\u00e4ttigen und den Niederschlag bei derselben Temperatur abzufiltriren, um das Albumin auszuscheiden\u2014das Filtrat bei 40\u00b0 mit Natriumsulfat zu s\u00e4ttigen. Zur Reinigung wurde der Albuminniederschlag mehrmals aufgel\u00f6st und mit Salz (?) gef\u00e4llt, dann mittels Dialyse von den Salzen befreit, und die L\u00f6sung dieses Niederschlags mit Alkohol behandelt; der nun erhaltene Niederschlag, \u00fcber Schwefels\u00e4ure getrocknet und zu Pulver verrieben, l\u00f6ste sich leicht in Wasser auf, wobei der bei 110\u00b0 getrocknete Niederschlag 0,57\u00b0/o\u2014 l,84\u00b0/0 Asche enthielt (166 p. 18). Die m\u00f6glichst salzfreie L\u00f6sung eines solchen Albumins mit einem 1%\u2014l,5\u00b0/0-igen Albumingehalt gerinnt bei 50\u00b0 (nach Schmidt und Aronstein gerinnt sie garnicht). Was das H\u00fchnereiweiss anbetrifft, so wird sowohl F\u00e4llung mit Magnesium- und Natriumsulfat als auch Filtration bei 20\u00b0 vorgenommen, wobei das Eieralbumin, im Gegensatz zum Serumalbumin, \u00e4usserst schnell sich ver\u00e4ndert, indem es in Wasser unl\u00f6slich wird, infolgedessen die\n\u2018) Eine solclie Sch\u00fcttelmascliine (Shakingma-eliine) ist im Katalog cler Geselschaft f\u00fcr die Fabrikation wissenschaftlicher Instrumente, Cambrige (1891, 25 p. 113) etc. ahgebildet.\n2) \u201eAfter the removal by filtration of the above second precipitate (of serine, the first being the serum-globulin precipitated by saturation with MgSCU alone), the filtrate which collected below was a beautiful crystalclear fluid, of a\nbright yellow tint in serum from the horse, but\nperfectly colourless in serum from the cat.........\nIt may therefore be concluded that the proteid-residue which is left in serum after the precipitation of serine by the double saturation with MgSO< and NasSCh is albumin, but it is apparently not the same as the ordinary serumalbu-min or serine\u201c (147 p. 184).\n10*","page":147},{"file":"p0148.txt","language":"de","ocr_de":"148\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\ndialysirten Fl\u00fcssigkeiten bei 40\u00b0\u201450\u00b0 getrocknet wurden; die L\u00f6sung eines solchen Eieralbumins mit 1%\u20143% Albumingehalt gerann bei 56\u00b0. Bemerken wir hier gleich,. dass diese Angaben \u00fcber das Albumin von den von Aronstein und Schmidt (p. n. 133\u201435) aufgezeichneten sich bedeutend unterscheiden und im allgemeinen an den Charakter des Globulins erinnern. Hammarsten best\u00e4tigt (1882, 66 p. 457) die Angaben seines Sch\u00fclers Starke, dass vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Globulins aus dem Serum durch dessen S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat bei 30\u00b0 (ib. p. 457) erreicht wird, und erw\u00e4hnt an derselben Stelle der F\u00e4llung des Albumins durch Glaubersalz (ib. p. 458).\nIn dem Streit zwischen dem Globulin und dem Albumin um die quantitative Oberherrschaft in den prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten bekommt, den Angaben und Behauptungen der sp\u00e4teren Autoren gem\u00e4ss, das Globulin ein immer gr\u00f6sseres Uebergewicht nicht nur im Serum und im Eiweiss sondern auch in den \u00fcbrigen prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. Indem Hofmann (81 p. 133) zur Bestimmung der allgemeinen Quantit\u00e4t der Prote'instoffe in der Ascitesfl\u00fcssigkeit sich Schmidt\u2019s und Puls\u2019 Methode \u2014 F\u00e4llung mit Alkohol \u2014 und zur Bestimmung des Globulins in derselben Fl\u00fcssigkeit der F\u00e4llung durch Magnesiumsulfat bis zur S\u00e4ttigung, nach Hammarsten, bediente, fand er, dass das Verh\u00e4ltniss des Globulins zum Albumin in den meisten F\u00e4llen (19 unter 30) 1 : 1 \u00fcbersteigt und 2,46 erreicht (81 p. 134\u20145). Die von Hofmann gegebenen Tabellen zeigen im allgemeinen kein best\u00e4ndiges Verh\u00e4ltniss zwischen dem Globulin und dem Albumin. Auch das Serum des Menschen, namentlich des gesunden, enth\u00e4lt stets Globulin im \u00dcbergewicht (ib. p. 139). Burkhardt (20 p. 322), der in Uebereinstimmung mit Weil f\u00fcr die charakteristischen Eigenschaften des Serumalbumins die Unf\u00e4higkeit durch verd\u00fcnnte S\u00e4uren aus seinen L\u00f6sungen gef\u00e4llt zu werden und die F\u00e4higkeit in Wasser sich selbstst\u00e4ndig zu l\u00f6sen hielt (ib. p. 322), pr\u00fcfte die Methoden der qualitativen und quantitativen F\u00e4llung des Globulins, n\u00e4mlich: gleichzeitige Einwirkung von Kohlens\u00e4ure und Essigs\u00e4ure auf das verd\u00fcnnte Serum, auch Dialyse und schliesslich F\u00e4llung durch Magnesiumsulfat, nach Hammarsten, und gelangte zu demselben Schl\u00fcsse wie letztgenannter Autor, dass durch Dialyse ein reichlicherer Niederschlag erhalten werde als durch das erste Verfahren. Bei der F\u00e4llung mit Magnesiumsulfat (Vermengung des Serums mit 5\u20146 Vol. einer concentrirten Bittersalzl\u00f6sung und Einf\u00fchrung desselben Salzes, nach Hammarsten, bis zu v\u00f6lliger S\u00e4ttigung) stellt Burkhardt sich die Frage, ob dabei \u201edas s\u00e4mmtliche Globulin\u201c oder \u201enur Globulin allein\u201c ausf\u00e4llt, und ist geneigt die erste Formel anzuneh-men, da es schwer sei zu sagen, ob in den durch Magnesiumsulfat bewirkten Niederschl\u00e4gen nur Globulin enthalten sei, obgleich Hammarsten versichert, dass dieses Salz bei keiner Temperatur und bei keiner Concentration Serumalbumin f\u00e4llt. Burkhardt bemerkt ganz richtig, dass Hammarsten seine Schl\u00fcsse auf Grund der Eigenschaften der Mutterlauge zieht, die nach der F\u00e4llung des Serums gerade durch Magnesiumsulfat bei erh\u00f6hter Temperatur erhalten wurde, indem er alles, was im Filtrat zur\u00fcckgeblieben war, f\u00fcr Albumin ansah (20 p. 323). Auch in einer andern Beziehung hat Burkhardt in seinen Schl\u00fcssen vollkommen Recht, da der durch Magnesiumsulfat in Serum, welchem mittels Dialyse der gr\u00f6sste Teil des Globulins, sagen wir, entzogen worden war, erhaltene Niederschlag, in Wasser gel\u00f6st, bei erneuter Diffusion trotz vollst\u00e4ndiger Abtrennung des Magnesiumsulfats nicht mehr zu Boden fiel; es wurde in dem Dialysat sogar durch Kohlens\u00e4ure und Essigs\u00e4ure kein Niederschlag erhalten, w\u00e4hrend das Globulin, welches durch diese S\u00e4uren auf gew\u00f6hnliche Weise aus verd\u00fcnntem Serum gef\u00e4llt worden war, nach der Aufl\u00f6sung in Kochsalz mit einem Zusatz von Magnesiumsulfat auch bei der Dialyse","page":148},{"file":"p0149.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n149\n\"vollst\u00e4ndig ausfiel (ib. p. 325). Diesen Thatsachen gem\u00e4ss nimmt Burkhardt auch an, dass Magnesiumsulfat zugleich mit dem Globulin auch Albumin f\u00e4llt, welches, zum Unterschiede von der \u00e4lteren Vorstellung vom Albumin, ausser der Wasserl\u00f6slichkeit und der Unf\u00e4higkeit von verd\u00fcnnten S\u00e4uren gef\u00e4llt zu werden, auch noch die Eigenschaft besitzt, unter der Einwirkung von Magnesiumsulfat sich auszuscheiden\u201c (20 p. 326)! Die von Burkhardt vorgelegten Fragen beantwortend, sucht Hammarsten (68 p. 467) zu beweisen, dass durch Magnesiumsulfat alles Globulin und nur Globulin .gef\u00e4llt werde (ib. p. 468), wobei er f\u00fcr Albumin das ansieht, was er unter diesem Ausdrucke im Jahre 1878 (64 p. 413, p. n. 145) verstand, und alles das ausser Acht l\u00e4sst, was seitdem \u00fcber das Albumin bekannt geworden war: sogar die Arbeiten seines eigenen Laboratoriums in der Person von Starke (p. n. 147\u20148)! Wie dem auch sei, Hammarsten h\u00e4lt L\u00f6slichkeit in Wasser und Unf\u00e4higkeit durch Kohlens\u00e4ure, verd\u00fcnnten S\u00e4uren oder Alkalien und auch durch neutrale Salze, wie Chlornatrium oder Magnesiumsulfat, gef\u00e4llt zu werden f\u00fcr charakteristische Eigent\u00fcmlichkeiten des Albumins. Von diesem Satze ausgehend, nannte Hammarsten damals alles (p. n. 145), was von Magnesiumsulfat nicht gef\u00e4llt wurde, Albumin. Im weiteren bestrebt er sich durch rein speculative Beweisgr\u00fcnde die Unzul\u00e4nglichkeit von Burkhardt\u2019s Beweisgr\u00fcnden darzuthun, giebt dabei aber das Vorhandensein gewisser noch unbekannter L\u00f6sungsmittel zu, welche in Burkhardt\u2019s Falle zugleich mit dem Globulin durch das Magnesiumsulfat hatten niedergeschlagen werden k\u00f6nnen, um sp\u00e4ter, nach Entfernung dieses Salzes, ihr L\u00f6sungsverm\u00f6gen dem Globulin gegen\u00fcber aufs neue (!) wirken zu lassen, infolgedessen das Globulin, sogar bei lange andauernder Einwirkung von Kohlens\u00e4ure oder Diffusion, auch nicht ausfallen kann (68 p. 472)! Offenbar hatte Hammarsten ausser Acht gelassen, dass das Vorhandensein eines solchen L\u00f6sungmittels eher mit der L\u00f6slichkeit des \u201eAlbumins\u201c verbunden werden k\u00f6nnte! Zu directen Beweisen \u00fcbergehend, dass der von Burkhardt ausgeschiedene K\u00f6rper wirklich Globulin war, f\u00fchrt Hammarsten solche Thatsachen an, welche sowohl f\u00fcr Burkhardt\u2019s als f\u00fcr seine eignen Annahmen zeugen oder, mit andern Worten, wir begegnen in Hammarsten\u2019s Beweisgr\u00fcnden wieder dem Knotenpunkte, wo sich die Vorstellungen vom Albumin und Globulin kreuzen, d. h. dem \u00dcbergangspr\u00e4parat, welches sowohl Globulin als Albumin ist. In der That bestrebt sich Hammarsten bei der Erkl\u00e4rung der Eigenschaften der dialysirten L\u00f6sung des durch S\u00e4ttigung dialysirten Serums mit Magnesiumsulfat erhaltenen Niederschlags zu zeigen und darzuthun, dass auch L\u00f6sungen gereinigten Globulins h\u00e4ufig nicht nur durch Zusatz von S\u00e4ure oder Durchleiten von Kohlens\u00e4ure sondern auch durch Dialyse gef\u00e4llt werden, F\u00e4llung dieser L\u00f6sungen aber durch S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat m\u00f6glich (69 p. 473) sei. Ausserdem hatte Hammarsten mehrfach beobachtet, dass mittels Dialyse gereinigte Globulinl\u00f6sungen bei erneuter Dialyse nicht nur durch Essigs\u00e4ure oder Kohlens\u00e4ure sondern auch beim Kochen der Fl\u00fcssigkeit nicht ge-i\u00e4llt *) werden (!) (erinnern wir daran, dass gereinigtes Albumin, nach der Aussage eines Sch\u00fclers von Hammarsten\u2014Starke\u2014schon bei 50\u00b0 gef\u00e4llt wird; p. n. 147\u20148) infolge von Armut der L\u00f6sung an Salzen (erinnern wir noch daran, dass die F\u00e4llbarkeit\n*) Ich habe mehrmals beobachtet, dass L\u00f6sungen von gereinigtem Paraglobulin nicht durch S\u00e4urezusatz (resp. Kohlens\u00e4uredurchleitung) oder Dialyse, sondern erst von MgSO* vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt werden....u (69 p. 473).\n\u201eIch habe, wie oben gesagt, wiederholt die Beobachtung gemacht, dass sorgf\u00e4ltig gereinigtes Paraglobulin, welches durch mehrt\u00e4gige Dialyse\nvon den Salzen m\u00f6glichst befreit worden war, weder durch fortgesetzte Dialyse noch durch darauffolgenden Zusatz von Essigs\u00e4ure oder Kohlens\u00e4uredurchleitung vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt werden konnte. Die Fl\u00fcssigkeit gerann z w a r\u2014w egen ihrer Armuth an Sal-z e n\u2014b eim Sieden nicht\u201c (ib. p. 474).","page":149},{"file":"p0150.txt","language":"de","ocr_de":"150\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UNI) DES EIWEISSES.\ndes reinen dialysirten Albumins gerade mit der Gegenwart von Salzen verkn\u00fcpft ist! p. n. 133\u20145); bei vorsichtiger Neutralisation der kochenden Fl\u00fcssigkeit mit Essigs\u00e4ure f\u00e4llt das Globulin ebenso aus wie bei der S\u00e4ttigung der Fl\u00fcssigkeit mit Magnesiumsulfat (ib. p. 474). Um diese Aussage zu begr\u00fcnden, f\u00fchrt Ftammarsten Versuche an, welche deutlich zeigen, dass auch das so zu sagen typische Globulin in einer Salzl\u00f6sung bei lange andauernder Dialyse nicht in seiner ganzen Masse 'ausf\u00e4llt und der in der Fl\u00fcssigkeit zur\u00fcckgebliebene Teil die Eigenschaften des sog. dialysirhen Albumins besitzt (ib. p. 474\u20146). Das Resultat seiner Beobachtungen zu-sammeufassend, gesteht Hammarsten ein, dass es ihm niemals gelungen war, mittels Dialyse ganz reines Globulin (aus Pferdeserum bereitet) aus dessen L\u00f6sungen auszuf\u00e4llen *).\nDiese Angaben und Schl\u00fcsse mit denjenigen \u00fcber das sogenannte \u201esalz- oder aschenfreie\u201c Albumin Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s vergleichend, kommen wir zu der Annahme, dass diese letzteren Forscher entweder die Eigenschaften des dialysirten Globulins beschrieben haben, oder dass die Eigenschaften des dialysirten Albumins und des dialysirten Globulins identisch sind und dass, Hammarsten nach, aus Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s dialysirtem Albumin jedenfalls nicht alles Globulin ausgeschieden war. Hammarsten\u2019s letzte Arbeit ist gleichsam einzig zur Verteidigung dieses Satzes geschrieben! Der Unterschied scheint nur darin zu bestehen, dass das dialysirte Albumin selbst\u00e4ndig, das dialysirte Globulin dagegen durch die Einwirkung eines unbekannten L\u00f6sungsmittels sich l\u00f6st \u2014 denn wie k\u00f6nnte sich dessen L\u00f6slichkeit sonst erkl\u00e4ren? \u2014 da, wie Hammarsten erkl\u00e4rt, gew\u00f6hnlich angenommen wird, dass Globulin in Wasser nicht l\u00f6slich ist 2). Mit demselben Recht kann nat\u00fcrlich auch die L\u00f6slichkeit des Albumins auf Rechnung desselben unbekannten L\u00f6sungsmittels gesetzt werden. Thats\u00e4chlich besitzt jedenfalls dialysirtes salzfreies Globulin unstreitig dieselben Eigenschaften wie salzfreies Albumin, um so mehr als Schmidt, wie Hammarsten bekannt war, beobachtet hatte, dass frisch gef\u00e4lltes Globulin sich in Wasser l\u00f6st. Dass auch Hammarsten das f\u00fcr Globulin ansah, was f\u00fcr Albumin gehalten wurde, zeigen seine weiteren Untersuchungen (69 p. 480). So sieht er nicht nur die durch Magnesiumsulfat in dialysirtem Serum hervorgerufenen Niederschl\u00e4ge, die Burkhardt f\u00fcr Albumin hielt, f\u00fcr Globulin an, sondern entzieht noch selbst durch energische Handgriffe dem Prote\u00efnstoff des Serums einen Teil, indem er ihn zum Schaden der Albuminmenge dem Globulin einverleibt. Im Gegens\u00e4tze zu Burkhardt neutralisirte und versetzte Hammarsten das Serum stets mit viel Wasser: entweder vor der Dialyse\u2014mit 3\u20144 Vol. und nach Beendigung derselben noch mit 5\u20146, oder von Anfang an mit 9 Vol. (69 p. 479). Nach der Dialyse und Verd\u00fcnnung mit Wasser, wenn vordem nur 3\u20144 Vol. zugesetzt worden waren, wurde das Dialysat mit einem Kohlens\u00e4urestrom behandelt; dabei schied sich stets ein neuer Globulinniederschlag aus. welcher nach 12 Stunden abfiltrirt wurde. Einzelne Proben des Filtrats wurden mit Essigs\u00e4ure oder Kohlens\u00e4ure behandelt; wenn sich keine Niederschl\u00e4ge zeigten, so konnte man annehmen, dass das Dialysat globulinfrei war (ib. p. 482), alles Globu-\n') \u201eWie wir aus dem nun Mitgetheilten ersehen, konnte also in keinem der mitgetheilten Versuche das gereinigte Paraglobulin durch Dialyse vollst\u00e4ndig ausgef\u00e4llt werden; und ich kann zuf\u00fcgen, dass eine ganz vollst\u00e4ndige Ausf\u00e4llung des gereinigten Paraglobulins (aus Pferdeblutserum dargestellt) mittels Dialyse bisher in keinem Falle mir gelungen ist\u201c (69 p. 477).\n2) \u201eIch suchte diese Beobachtung durch die Annahme zu erkl\u00e4ren, dass das Paraglobuiin (da es nach der gew\u00f6hnlichen Annahme in Wasser nicht l\u00f6slich sein soll) von irgend einem Stoffe verunreinigt gewesen sei, der seine L\u00f6slichkeit in Wasser bei Abwesenheit von Alkalien oder Salzen vermittelte\u201c (ib. p. 474).","page":150},{"file":"p0151.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n151\nlin sich ausgeschieden hatte. Wird jedoch das Dialysat wieder mit viel Wasser versetzt und ein Kohlens\u00e4urestrom durchgeleitet, so f\u00e4llt nach mehr oder weniger langer Zeit ein Niederschlag aus, der zuweilen auch schon bei blossem Wasserzusatz erscheint. Durch dieses Verfahren gelang es aber Hammarsten nicht, aus Pferdeserum das Globulin vollst\u00e4ndig auszuscheiden: besser gelangen die Versuche mit Ochsenserum und mit den Transsudaten des Menschen. Wenn das Filtrat des Dialysats die Gegenwart von Globulin nicht verriet, so wurde es nach erw\u00e4hnter Behandlung mit Magnesiumsulfat ges\u00e4ttigt, und dabei ein Niederschlag erhalten, den Hammarsten f\u00fcr zur\u00fcckgebliebenes Globulin h\u00e4lt, Burkhardt aber f\u00fcr Albumin angesehen haben soll. Es muss bemerkt werden, dass dieser Forscher einen andern Niederschlag (20 p. 829\u2014830), n\u00e4mlich den durch Magnesiumsulfat in di^ysirtem, mit 3\u20144 Yol. Wasser versetztem, doch nicht neutralisirtem Serum erhaltenen, f\u00fcr Albumin angesehen hatte! HammarsteiTs Niederschlag ist, wenn man sich so ausdr\u00fccken darf, mehr \u201eAlbumin\u201c als Burkhardt\u2019s. Den durch das Bittersalz ausgeschiedenen Niederschlag l\u00f6ste Hammarsten in Wasser auf und unterwarf die L\u00f6sung der Dialyse in Graham\u2019s und K\u00fchne\u2019s Dialysoren: in den ersteren wurden Niederschl\u00e4ge niemals erhalten, in K\u00fchne\u2019s dagegen solche h\u00e4ufig beobachtet; sie l\u00f6sten sich in verd\u00fcnnter Kochsalzl\u00f6sung und besassen alle Eigenschaften des Globulins. Doch schied eine L\u00f6sung von Globulin in Kochsalz sowohl bei Dialyse als auch durch Essigs\u00e4ure oder Kohlens\u00e4ure einen Niederschlag entweder nur zum Teil oder garnicht aus (69 p. 484\u20145 und p. 488\u2014490). Analoge Resultate erhielt Hammarsten nicht nur mit Pferde- und Ochsenserum, sondern auch mit einigen Transsudaten des Menschen und einmal mit Hundesefum; Pferdeserum war meist in der Beziehung unbequem, dass es bei wiederholter Dialyse und Pr\u00fcfung auf Kohlen- und Essigs\u00e4ure Globulin ausschied, so dass man zu starker Verd\u00fcnnung mit Wasser schreiten musste (ib. p. 491). Wenn Hammarsten auf seine Untersuchungen, die von Burkhardt\u2019s Methode zwar abweichen, sich st\u00fctzend behauptet, dass der von Burkhardt erhaltene Niederschlag mit dem Globulin identisch ist, so vergisst er, dass diese Identit\u00e4t seitens des Globulins durch die Zueignung demselben solcher Eigenschaften erkauft ist, welche fr\u00fcher nur dem Albumin zugeschrieben wurden, demgem\u00e4ss Burkhardt mit demselben Recht Albumin das nennen konnte, was Hammarsten Globulin nannte (ib. p. 493). Diese neuen Eigenschaften des Globulins in Betracht ziehend, wirft man unwillk\u00fcrlich die Frage auf, worin sich denn das Albumin vom Globulin in diesem Z u s t a n 4 e unterscheidet. Das Albumin stellt Hammarsten nach der schon von Starke (p. n. 147\u20148) angegeben Methode dar, n\u00e4mlich durch S\u00e4ttigung des Serums mit Magnesiumsulfat bei 30\u00b0. Das abgek\u00fchlte Filtrat wurde vom Salze durch Ausfrieren und dann durch Dialyse abgetrennt. War das Dialysat zu sehr verd\u00fcnnt, so wurde es bei 40\u00b0 in einem Strom trockner Luft eingedichtet. Eine solche L\u00f6sung darf, nach Hammarsten, wenn sie wirklich frei von Globulin ist, weder von Kohlens\u00e4ure noch durch S\u00e4ttigung mit Chlornatrium oder Magnesiumsulfat gef\u00e4llt werden (69 p. 494). Abgesehen davon, dass Hammarsten zur Darstellung des Albumins nicht, wie zu erwarten war, sich der Fl\u00fcssigkeiten bediente, aus denen er so sorgf\u00e4llig das Globulin entfernt hatte (p. n. 145) und wo zudem das Serum ann\u00e4hernd neutralisirt war, weist er auch noch darauf hin, dass es auch nach dieser Methode Starke nicht immer gelang albuminfreies Globulin zu erhalten, da Kohlens\u00e4ure auch hier F\u00e4llung bewirken kann. Dies folgt aus dem Satze, welcher die Beschreibung dieser Methode der vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung des Globulins begleitet und Hammarsten nicht nur immer den R\u00fcckzug gestattet, sondern auch das Vertrauen zu der Methode selbst ersch\u00fcttert. \u201eDurch die so gewonnene L\u00f6sung von Serumalbumin\u201c lautet dieser Salz, \u201eleitete ich dann","page":151},{"file":"p0152.txt","language":"de","ocr_de":"152\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\neinen Kohlens\u00e4urestrom w\u00e4hrend h\u00f6chstens zwei Stunden; und dabei blieb sie\u2014 wenn das Globulin vorher vollst\u00e4ndig entfernt worden war\u2014ganz klar und unver\u00e4ndert (69 p. 494)\u201c. Daraufhin bedeutet \u201eglobulinfreies\u201c Albumin bei Hammarsten nicht immer Albumin, welches frei von Globulin ist: es kann solches auch enthalten *). Zu allem dem kommt noch, dass in vielen F\u00e4llen, nach Ham-marsten\u2019s Eingest\u00e4ndniss, aus Pfederserum selbst bei S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat bei 30\u00b0 nicht alles Globulin ausgeschieden werden konnte. Folglich kann das einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen einer Globulin- und einer Albuminl\u00f6sung\u2014die F\u00e4llbarkeit des Globulins durch Bittersalz\u2014schon aus dem Grunde nicht in Betracht gezogen werden, dass das, was zur Trennung selbst gedient hat, nicht als Unterscheidungsmerkmal gelten kann! Denn das Globulin ist, Ham-marsten\u2019s Schl\u00fcssen zufolge, augenscheinlich in Wasser l\u00f6slich und kann m\u00f6glicherweise sowohl durch Dialyse als auch durch Kohlen- und Essigs\u00e4ure nicht gef\u00e4llt werden 2). Der Wunsch dieses Autors den von Burkhardt erhaltenen Niederschlag durchaus f\u00fcr Albumin anzuerkennen veranlasst ihn, die M\u00f6glichkeit noch eines zweiten Zustandes des Globulins im Serum anzunehmen (gedenken wir Denis\u2019 im J. 1837): einen ersten\u2014in Abh\u00e4ngigkeit von Salzen und Alkalien, einen zweiten\u2014von unbekannten Umst\u00e4nden, die es in L\u00f6sung erhalten (69 p. 500). Zum Schl\u00fcsse kehrt Hammarsten nochmals zu dem in ihm eingewurzelten Gedanken zur\u00fcck, dass das Magnesiumsulfat dennoch das beste Agens zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung und besten Trennung des Globulins von dem Albumin sei (ib. p. 501). Trotzdem fand er es nicht f\u00fcr n\u00f6tig sich dieses Salzes sogar dort zu bedienen, wo ein m\u00f6glichst reines Pr\u00e4parat notwendig war (zur Bestimmung des Schwefels\u20141885, 70 p. 303): H\u00fchnereiweiss wurde stark mit Wasser versetzt, mit Essigs\u00e4ure neutralisirt und dann mit einem Kohlens\u00e4urestrom behandelt; das Filtrat musste Albumin enthalten (ib.). Dillner (38 p. 31) aber verwandte dieses Salz (MgSOJ zur quantitativen Bestimmung des Globulins im Eiweiss und erhielt ungef\u00e4hr: max. = 0,815\u00b0/0, min. = 0,546%, durchschnittlich aus 9 Bestimmungen = 0,677\u00b0/0 Globulin.\n1. Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung durch ein Salz. Nach den sich immer \u00f6fter wiederholenden Angaben \u00fcber die F\u00e4llbarkeit auch des Albumins durch Salze erschien ein genaueres Studium' des Verhaltens der Salze den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gegen\u00fcber ganz nat\u00fcrlich.\nHier muss zuallererst Mehu\u2019s Arbeit erw\u00e4hnt werden. Zwar erf\u00e4hrt die chronologische Reihenfolge, die diesem Werke zu Grunde liegt, dadurch eine kleine St\u00f6rung; es d\u00fcrfte uns jedoch der Umstand zur Rechtfertigung dienen, dass Mehu ganz allein dasteht, nicht nur weil er, wenn man von Denis (p. n. 91) absieht, das Ammoniumsulfat in den Kreis der Reagentien f\u00fcr die Prote'instoffe eingef\u00fchrt hat, sondern auch weil er den Einfluss, den dieses Salz auf die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten aus\u00fcbt und der erst im J. 1884 in Heynsius\u2019 Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, eingehend studirte. Mehu empfahl im J. 1878 (114 p. 159) behufs Abscheidung der Pigmente die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten, zuweilen nach vorangegange-\n*) \u201eAus einer globulinfreien Albuminl\u00f6sung fallt unter diesen Verh\u00e4ltnissen nur unver\u00e4ndertes Serumalbumin aus, und wenn der Niederschlag auch etwas Svntonin enthalten w\u00fcrde, r\u00fchrt dies von einer Verunreinigung mit Globulin her, denn dieses wird anscheinend leichter in Acidalbuminat umgewandelt\u201c (!) (69 p. 495)\n*) \u201eZuerst finden wir dann, dass das typische, nach den \u00e4lteren Methoden aus dem Serum aus-\ngef\u00e4llte und durch wiederholtes Ausf\u00e4llen und Wiederaufl\u00f6sen gereinigte Paraglobulin in Wasser nicht ganz unl\u00f6slich zu sein scheint, und dass man dementsprechend von diesem Stoffe leicht L\u00f6sungen erh\u00e4lt, die weder durch Dialyse, noch durch Zusatz von Essigs\u00e4ure, resp. Kohlens\u00e4ure-durchleitung vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt werden k\u00f6nnen\u201c (ib. p. 497\u20148).","page":152},{"file":"p0153.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n153\nnein Ans\u00e4uern, mit Ammoniumsulfat zu s\u00e4ttigen (ib. p. 159) und bemerkte dabei, dass die ser\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten von den Protemk\u00f6rpern vollst\u00e4ndig befreit werden, der gewonnene Niederschlag aber die F\u00e4higkeit beh\u00e4lt, sich in destillirtem Wasser wieder aufzul\u00f6sen *). Eine ebenso vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Proteink\u00f6rper durch Ammoniumsulfat wird auch in der Milch erhalten (ib.p. 164).\nHeynsius (80 p. 331) f\u00fchrte zahlreiche Versuche mit den in folgender Tabelle aufgez\u00e4hlten Salzen aus:\nsalpetersaures........ NH4\u2014Na8\u2014K \u2014Ca\u2014Mg\u2014Ba\nChlor\u2014................ id1 \u2014 id8 \u2014id \u2018\u2014id3\u2014id8\nschwefelsaures........ NH54\u2014Na1\u2014K\u2018\nsaures schwefelsaures .. id5\t\u2014id4\nessigsaures........... id\t\u2014id3\nphosphorsaures........ id\t\u2014id\noxalsaures............ id\nRhodan\u2014.................. id\nschwefligsaures....... id5\t(ib. p. 331\u20142).\nDie S\u00e4ttigung wurde in Kolben vorgenommen, die von Zeit zu Zeit umge-scli\u00fcttelt wurden. Nach 24 Stunden schritt Heynsius zur quantitativen Bestimmung des Niederschlags und fand, dass Serum und Eiweiss der S\u00e4ttigung mit Salzen gegen\u00fcber sich gleichartig verhalten. Es erweist sich, dass die meisten Salze Serum und Eiweiss gar nicht f\u00e4llen. Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung wird, nur durch schwefelsaures, saures schwefelsaures und schwefligsaures Ammonium hervorgerufen, was in unsrer Tabelle mit einer \u201e5\u201c an der entsprechenden Base bezeichnet ist; die Ziffer \u201e4\u201c bedeutet beinahe vollst\u00e4ndige F\u00e4llung, \u201e3\u201c\u2014starken Niederschlag, \u201e2\u201c\u2014Flocken und \u201e1\u201c\u2014Tr\u00fcbung; wo gar keine F\u00e4llung erfolgte, fehlt bei . den entsprechenden Basen der Exponent.\nDie unter diesen Umst\u00e4nden erhaltenen Niederschl\u00e4ge sind in Wasser l\u00f6slich, wobei die L\u00f6sungen bei der Dialyse nur einen Teil des Prote\u00fcnstoffes, den sie enthalten, ausscheiden. Der durch Chlorcalcium enthaltene Niederschlag ist in Wasser nicht l\u00f6slich.\nDie vollst\u00e4ndige F\u00e4llung aller Proteink\u00f6rper aus dem Serum und dem Eiweiss bei der S\u00e4ttigung derselben mit neutralem Ammoniumsulfat ist, wie Heynsius sagt, eine auffallende Erscheinung. Die Reaction \u00fcbt keinen Einfluss aus: er beobachtete vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Prote\u00fcnsubstanzen des Serums, sei es, dass er etwas Alkali oder etwas S\u00e4ure zusetzte (80 p. 333). \u201eJedenfalls\u201c, f\u00e4hrt Heynsius fort, \u201eist hiermit aller Grund verschwunden, den Teil der Eiweissstoffe des Blutes, der nicht durch NaCl und Dialyse, sondern nur durch MgS04 niedergeschlagen wird, zum Globulin zu rechnen. \u201eMan wird einen Eiweissstoff hinfort nur dann den Globulinen zuz\u00e4hlen k\u00f6nnen\u201c, zieht Heynsius aus Obigem den Schluss, \u201ewenn er aus seinen L\u00f6sungen in Salzen nicht nur durch S\u00e4ttigung mit dem Salze niederschlagen wird, sondern auch nach Entfernung desselben sich als in Wasser unl\u00f6slich erweist\u201c (80 p. 333). Fast zu derselben Zeit empfiehlt Michailoff (1884. 117 p. 175) Mehu\u2019s F\u00e4llungsmethode, verbindet sie aber mit Dialyse wie Heynsius (80 p. 333). Er r\u00e4t\n\u2018) \u201eLa saturation d\u2019un liquide s\u00e9reux par le s u 1 fate d\u2019ammoniaque entra\u00eene la s\u00e9paration des substances albumineuses qu\u2019il i\u2019enfer-me. On peut rechercher dans le liquide filtr\u00e9 certains principes solubles, le sucre, par exem-\nple, non pr\u00e9cipitables par le r\u00e9actif. Le pr\u00e9cipit\u00e9 albumineux est soluble dans l\u2019eau distill\u00e9e, ce qui peut, dans certains circonstances rendre ce moyen de s\u00e9paration tr\u00e8s pr\u00e9cieux\u201c (114 p. 164).","page":153},{"file":"p0154.txt","language":"de","ocr_de":"154\nUAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\ndie prote\u00fcnlialtige Fl\u00fcssigkeit zuerst mit ges\u00e4ttigter Ammoniumsulfatl\u00f6sung zu versetzen und dann das gepulverte Salz bis zur S\u00e4ttigung in das Gemenge einzutragen. Der erhaltene Niederschlag wird, in Wasser aufgel\u00f6st, der Dialyse unterworfen, wobei wiederum \u201evollst\u00e4ndige\u201c Trennung des Globulins vom Albumin stattfindet, welch letzteres als \u201eabsolut l\u00f6slich\u201c in der Fl\u00fcssigkeit zur\u00fcckbleibt, w\u00e4hrend das Globulin sich niederschl\u00e4gt. Der k\u00fchne Gebrauch der Ausdr\u00fccke \u201evollst\u00e4ndig\u201c und \u201eabsolut\u201c in Michailoffs Arbeit beweist, dass diesem Autor sowohl die Geschichte dieser Frage als audi die Eigenschaften der von ihm erw\u00e4hnten K\u00f6rper wenig bekannt waren. Wenn man das Gesagte in die Sprache der wirklichen That-sachen \u00fcbertr\u00e4gt, so l\u00e4sst sich nur sagen, dass alles nach der Dialyse in der L\u00f6sung Gebliebene, von Michailoff Albumin, alles Ausgef\u00e4llte\u2014Globulin genannt wird. In demselben Jahre, 1884, untersuchte auch Halliburton (\u00f6l p. 172) eine ganze Reihe von Salzen in Bezug auf deren Verhalten den prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gegen\u00fcber, und zwar:\nschwefelsaures. ...\nChlor\u2014..........\nsalpetersaures....\nessigsaures.....\nphosphorsaures.. .\nkohlensaures....\nJod\u2014............\nunterchlorigsaures Ammoniumalaun.\nDie S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat bewerkstelligte Halliburton ebenso wie Sch\u00e4fer (p. n. 147) mittels einer Excentrik unter 3-st\u00fcndigem Umsch\u00fctteln hundertmal in der Minute, und fand gleich diesem Autor, dass bei 30\u00b0 Magnesiumsulfat vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Globulins bewirkt (61 p. 176). Gleicherweise wurde das Globulin auch durch S\u00e4ttigung mit salpetersaurem Natrium vollst\u00e4ndig niedergeschlagen (ib. p. 183). Dagegen musste zu vollst\u00e4ndiger F\u00e4llung mit Natriumcarbonat das Sch\u00fctteln 20 Stunden lang fortgesetzt werden (ib. p. 190). Nahezu vollkommene F\u00e4llung des Globulins l\u00e4sst sich auch durch Chlornatrium zu Wege bringen. Der der entsprechenden Base beigef\u00fcgte Exponent \u201e3\u201c zeigt auch hier, wie in der Heyn-sius\u2019schen Tabelle (p. n. 147). einen starken Niederschlag an. Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Protemsubstanz des Serums\u2014des Globulins und des Albumins\u2014wird unter denselben Bedingungen durch Kaliumacetat, Kaliumphosphat, endlich durch Chlorcalcium erreicht und in der Tabelle mit der Ziffer \u201e5\u201c (61 p. 191) bezeichnet. Letztgenanntes Salz f\u00e4llt die Prote\u00fcnk\u00f6rper im unl\u00f6slichen Zustande aus(ib. p. 191\u20142). Zugleich findet Halliburton, indem er sich auch auf Gamgee (52 p. 13) beruft, dass auch Kaliumcarbonat die Prote\u00efnstoffe des Serums vollst\u00e4ndig niederschl\u00e4gt. Die \u00fcbrigen in der Tabelle genannten, doch mit keinem Exponenten bezeiehneten Salze erzeugen keinen Niederschlag (61p. 191). Endlich findet Pinkus (135 p. 67), dass wasserfreies Natriumsulfat bei 30\u00b0 dasselbe Verm\u00f6gen, die Albuminstofte auszusalzen, wie Ammoniumsulfat, besitzt.\nSich auf die Arbeiten der neueren Autoren\u2014Starke, Hammarsten, Sch\u00e4fer. Halliburton, Heynsius (1884) und Mehu\u2014st\u00fctzend, zieht Kauder (1886, 91 p. 412) den Schluss, dass das Verhalten des Globulins und des Albumins zu den Salzl\u00f6sungen keinen prinzipiellen Unterschied zwischen diesen Stoffen mehr bietet, und ist seinerseits der Ansicht, dass der von Burkhardt erhaltene Niederschlag (91 p. 413) Albu-\nK \u2014Na\u2014NH5\u2014Mg*\nid\u2014id3\u2014 id \u2014Ca5\u2014Ba\nid \u2014id3\nid5\u2014id3\nid5\u2014id\nid5\u2014id3\nid\nid","page":154},{"file":"p0155.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n155\nmin ist. Um die Frage zu entscheiden, ob das Serum einen oder mehrere Prote\u00efn-k\u00fcrper enth\u00e4lt, schritt Kauder auf Hofmeister\u2019s Vorschlag hin zur f r a c t i o n-n i r t e n F\u00e4llung desselben mit Ammoniumsulfat. Er nahm dazu 200 grm. trocknen in 1 Liter warmen Wassers aufgel\u00f6sten Ochsenserums; nach wiederholtem Abfiltriren der suspendirten Teilchen, welche starke Tr\u00fcbung verursachten, enthielt dasselbe 5% Prote\u00efnsubstanz. Diese k\u00fcnstlich dargestellte Fl\u00fcssigkeit von zuf\u00e4lliger Zusammensetzung verringert bedeutend das Interesse, welches solche Untersuchungen haben k\u00f6nnten, wenn sie an Fl\u00fcssigkeiten angestellt w\u00fcrden, welche schon h\u00e4ufig zur L\u00f6sung der Frage nach der Existenz des Albumins gedient hatten. Die F\u00e4llung geschah mit bei gew\u00f6hnlicher Temperatur ges\u00e4ttigter Ammoniumsulfatl\u00f6sung (lb. p. 415), weiche auf je 100 cc. 52,42 grm. des Salzes enthielt. Der Versuch wurde folgendermassen ausgef\u00fchrt: zu 1,2\u20146 cc. Seruml\u00f6sung gab man f\u00fcr jede Probe 1\u20149 cc. der Salzl\u00f6sung zu und brachte das Volum des Gemenges mittels Wasser bis auf 10 cc., z. B. 1 cc. Serum -j- 4 cc. Wasser -(- 5 cc. Ammoniumsulfatl\u00f6sung. In dem Falle, wenn die F\u00e4llung beinahe vollst\u00e4ndig bis auf unbedeutende Reste der Prote\u00efnsubstanz statt gefunden hatte, wurde die Gegenwart dieser in der Fl\u00fcssigkeit mittels Jodquecksilber, Jodkali und einer S\u00e4ure nachgewiesen (ib. p. 416). Aus den von Kauder angef\u00fchrten Tabellen (ib. p. 417\u2014419) ersieht man, dass bei allm\u00e4liger Steigerung des Salzgehaltes die Ausscheidung der Prote'insubstanzen aus L\u00f6sungen, die auf je 100 grm. deren 0,5\u20143 grm. enthalten, in 2 Perioden stattfindet. Die erste beginnt mit der Einf\u00fchrung einer Salzl\u00f6sung von 13 grm. auf je 100 cc. und endet mit 24 grm. auf 100 cc., dann tritt eine kurze Pause (von 24\u201433 auf 100) ein, worauf die zweite Periode bei 33,5 beginnt und bis 47 grm. auf je 100 cc. fortdauert. Die in der ersten Periode ausfallende Substanz wild f\u00fcr Globulin, die in der zweiten f\u00fcr Albumin angesehen; denn die durch wiederholtes Aufl\u00f6sen in Wasser und F\u00e4llen mit demselben Salze gereinigten Niederschl\u00e4ge zeigen, dass ersteres aus der Bittersalzl\u00f6sung vollst\u00e4ndig, durch Dialyse zum gr\u00f6ssten Teil niedergeschlagen wird, letzteres, das Albumin, weder durch Dialyse noch von Bittersalz gef\u00e4llt wird (91 p. 420). Da Kauder die F\u00e4llung mit Ammoniumsulfat f\u00fcr vorteilhafter als diejenige mit Bittersalz h\u00e4lt, so empfiehlt er zur Abscheidung des Globulins die Fl\u00fcssigkeit zu gleichen Teilen mit in der W\u00e4rme ges\u00e4ttigter und dann abgek\u00fchlter Ammoniumsulfatl\u00f6sung zu vermischen, wobei das Gemenge mehr als 26 gim. des Salzes in je 100 cc. enth\u00e4lt (ib. p. 421); das Filtrat wird mit Ammoniumsulfat bis sp. G. 1,170 ges\u00e4ttigt, was die Ausf\u00e4llung des s\u00e4mmtlichen Albumins (ib. p. 423) zur Folge hat. Danach wandte Pohl (138 p. 426) dieselbe Methode zur Bestimmung des Globulins in Urin und in pathologischen ser\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten an, und fand in den quantitativen Angaben zwischen der F\u00e4llung mit Ammoniumsulf\u00e4t und derjenigen mit Bittersalz keinen Unterschied. Lewith (103 p. 5) setzte Halliburton\u2019s und Kau-der\u2019s Beobachtungen fort. Als Beobachtungsobject diente ihm wie Kauder trock-nes Serum; die S\u00e4ttigung fand bei 30\u201440\u00b0 im Laufe von 24 Stunden unter \u00f6fterem Umsch\u00fctteln statt. Lewith fand, dass von den untenstehenden Salzen:\nsalpetersaures.......... Na3\u2014K \u2014NH4\u2014Mg\u2014Ca5\u2014Ba\nChlor\u2014.................. id3\u2014id3\u2014 id \u2014id \u2014 id3\u2014id.\nessigsaures... ........ id3\u2014 id5\u2014\tid\t\u2014 id\t\u2014 id \u2014id\nschwefelsaures.......... id3\u2014id\t\u2014\tid\t\u2014 id3\nunterchlorigsaures...... id3\u2014id\nphosphorsaures.......... id3\u2014\nRhodan\u2014................. \u2014\t\u2014\tid.\nCalciumoxyd5,","page":155},{"file":"p0156.txt","language":"de","ocr_de":"156\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\ndie mit den Exponenten \u201e3\u201c bezeichnten Salze das Serum in verschiedenem Maas-se f\u00e4llen; die das Serum vollst\u00e4ndig f\u00e4llenden sind mit \u201e5\u201c bezeichnet, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen Salze auf die Fl\u00fcssigkeit keinen Einfluss aus\u00fcben, d. h. keinen Niederschlag bewirken.\nIm Gegensatz zu Halliburton findet Lewith jedoch, dass Chlorkalium, Natriumsulfat und Natriumphosphat ebenfalls F\u00e4llung bedingen (103 p. 5). Die fraction-nirte F\u00e4llung wurde auf dieselbe Weise wie bei Kauder ausgef\u00fchrt (ib. p. 6). Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung bewirkte S\u00e4ttigung mit Kaliumacetat (ib. p. 9). Sowohl Calciumoxyd als auch Calciumnitrat bewirken vollst\u00e4ndige F\u00e4llung ohne die oben erw\u00e4hnte Pause zwischen der F\u00e4llung des Globulins und derjenigen des Albumins, wobei die Niederschl\u00e4ge bald in den in Salzen unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergehen (ib. p. 13).\nMarcus (112 p. 562) endlich, der von folgender Behauptung einiger der genannten Autoren ausging: \u201edie F\u00e4llung mittelst S\u00e4ttigung durch schwefelsaure Magnesia, ebenso wie die F\u00e4llung durch Halbs\u00e4ttigung mit schwefelsauren Ammon gelten auch heutzutage (1899) als die \u00fcberall \u00fcbliche Methode der Globulinbestimmungen im Serum\u201c, gelangte auf Grund seiner Experimente zu folgendem Schl\u00fcsse: \u201eBei Versuchen zur Reindarstellung von Albumin und Globulin aus Serum hat es sich gezeigt, dass die Methoden jenen K\u00f6rper zur Abscheidung zu bringen, welchem urspr\u00fcnglich der Name Globulin gegeben wurde, unzutreffend sind. Die ersten diesbez\u00fcglichen Wahrnehmungen ergaben sich bei der Dialyse einer gr\u00f6sseren Menge durch halbe S\u00e4ttigung mit schwefelsaurem Ammon unl\u00f6slich gemachten und von Albumin abfiltrirten Serumglobulins. Auch nachdem durch wochenlange Dialyse sowohl Sulfat\u2014als Ammonreaction verschwunden war, fand ich nur eine relativ geringe Menge eines unl\u00f6slich gewordenen Eiweissk\u00f6rpers, die \u00fcber dem zu Boden gesunkenen Globulin stehende Fl\u00fcssigkeit hingegen war sehr eiweissreich\u201c. Ausserdem meint Marcus auf Grund seiner Untersuchungen: \u201edie L\u00f6slichkeit dieses K\u00f6rpers konnte also durch Anwesenheit von Salzen nicht bedingt gewesen sein\u201c (ib. p. 563).\nObige Thatsachen zeigen, dass diese Salze nicht nur das Albumin sonden auch das Globulin f\u00e4llen. Andererseits darf man nicht vergessen, dass nicht alle l\u00f6slichen und neutralen Salze, wie dies aus den oben angef\u00fchrten Thatsachen und auch aus zahlreichen Versuchen Hofmeister\u2019s (83 p. 247, die Einzelheiten s. Kap. XI \u00fcber den Einfluss der Salze) folgt, das Globulin f\u00e4llen. Nicht nur diese Umst\u00e4nde n\u00e4hern das Globulin dem Albumin in Bezug auf deren Verhalten gegen die Salze, sondern auch die den beiden K\u00f6rpern oder, richtiger gesagt, diesen uns interessirenden Pr\u00e4paraten der prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten eigent\u00fcmliche F\u00e4higkeit, unter dem Einfl\u00fcsse z. B. von Chlorcalcium, salpetersaurem Calcium und auch Calciumhydrat in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcberzugehen.\nTrotzdem giebt es bis jetzt Autoren, welche sich bestreben, mittelst fraction-nirter F\u00e4llung durch Salzl\u00f6sungen verschiedener Concentration verschiedene Albumine und Globuline ins Leben zu rufen!... So teilen v. Limbeck (107 p. 168) und v. Limbeck & Pick (108 p. 563) die Protemsubstanzen folgendermaassen ein: \u201eDas frisch denbrinirte, durch Aderlass gewonnene Blut wurde mit einer isotonischen Salzl\u00f6sung auf das 10-faehe verd\u00fcnnt und in einem Spitzglase sich selbst \u00fcberlassen. Nach 20\u201424 St. wurde das klare Serum abgehebert und in je einer Portion desselben 1. das Gesammteiweiss durch F\u00e4llung mit dem 5-fachen Vol. Alkohol etc. (nach Hoppe-Seyler) und 2. das Globulin durch F\u00e4llung mit dem gleichen Volum einer kaltges\u00e4ttigten Ammoniumsulfatl\u00f6sung (nach Pohl) bestimmt. Die Subtraction beider Zahlen gab uns den Albuminwerth\u201c.","page":156},{"file":"p0157.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n157\nPinkus (135 p. 57) schl\u00e4gt seinerseits vor, die Trennung der Globuline und Albumine folgendermassen zustande zu bringen: bei 30w bis zu halber S\u00e4ttigung (ca 25%) zu den L\u00f6sungen zugesetzt, f\u00e4llt wasserfreies Natriumsulfat (p. n. 156) die Globuline, bis zu voller S\u00e4ttigung (ca 50%) zugesetzt, f\u00e4llt es die Albumine aus.\nDesgleichen finden wir bei Seng (163 p. 519): \u201eDie Trennung der Albumine von den Globulinen geschah durch F\u00e4llung des auf das doppelte mit Wasser verd\u00fcnnten Serums mit dem der Gesammtmenge gleichen Volum einer concentrirten neutralen L\u00f6sung von schwefelsaurem Ammon, Nachwaschen mit halbges\u00e4ttigter Ammoniumsulfatl\u00f6sung, bis die Waschfl\u00fcssigkeit eiweissfrei war\u201c.\nReye (142 p. 27) erkennt seinerseits an, \u201edass das Blutplasma regelm\u00e4ssig einen Eiweissk\u00f6rper enth\u00e4lt, dessen F\u00e4llung bei einem Zusatz von 1,5\u20141,7 cc. Ammoniumsulfat pro 10 ccm. bei 2 ccm. Plasma beginnt und, nach der gesetzten Tr\u00fcbung und Flockenbildung zu urteilen, bei etwa 2,5\u20142,7 ccm. Ammoniumsulfat beendet ist\u201c. Diese Ergebnisse sowie Hinweise von Kauder geben dem Autor das Recht zu behaupten, \u201edass die Tr\u00fcbung und Flockenbildungen, welche bei einem geringeren Salzl\u00f6sungzusatz entstehen, auf einen wohl im Plasma reichlich, im Serum aber nur in verschwindender Menge vorhandenen Eiweissk\u00f6rper zu beziehen sind, somit auf Fibrinogen\u201c (142 p. 27), indem er dieses mit dem Fibrinoglobulin von Hammarsten indentifi-cirt, cler seinerseits zugelassen hat, dass die Fibringerinnung nicht die ganze Menge des Fibrinogens in unl\u00f6sliche Form \u00fcberf\u00fchrt, dass ein kleiner Anteil, sei es als unver\u00e4ndertes Fibrinogen, als \u201egel\u00f6stes\u201c Fibrin oder als abgespaltenes Fibrinoglobulin in L\u00f6sung bleibt\u201c (142 p. 27). Nichsdestoweniger h\u00e4lt Hammarsten (73 p. 337), anscheinlich, Reve\u2019s Fibrinoglobulin und sein eigenes f\u00fcr selbst\u00e4ndige K\u00f6rper.\nNoch weiter gehen Fuld & Spiro (1900, 51 p. 132), indem sie annehmen, dass der im Serum durch ein gleiches Volum ges\u00e4ttigter Ammoniumsulfatl\u00f6sung hervorgebrachte Niederschlag sogar drei Globuline enth\u00e4lt. \u201eNun finden sich aber in dieser Fraction, so viel bisher ersichtlich, drei verschiedene Eiweissk\u00f6rper, die meist den Globulinen beigez\u00e4hlt werden: 1) das Fibrinoglobulin Hammarsten\u2019s, welches sich nach W. Reye (142 p. 27) durch 20%-ige S\u00e4ttigung mit Ammoniumsul-fat von den anderen Globulinen trennen l\u00e4sst; 2) ein durch Dialyse ausf\u00e4llbarea Globulin (\u201eEuglobulin\u201c); 3) ein durch Dialyse nicht f\u00e4llbares Globulin (\u201ePseudoglobulin\u201c), welches mit dem sub 2) genannten K\u00f6rper zusammen das \u201eParaglobu-lin\u201c (Serumglobulin nach \u00fcblichem Sprachbrauch) darstellt (ib. p. 139). W\u00e4hrend das durch Dialyse leicht f\u00e4llbare Globulin bei Halbs\u00e4ttigung mit Kaliumacetat ausf\u00e4llt, bleibt der durch Dialyse nicht f\u00e4llbare, von Marcus als \u201ealbumin\u00e4hnlich\u201c bezeichnete Stoff noch in L\u00f6sung. Ein zweites, bequemeres Verfahren gew\u00e4hrt un& auch hier die Fractionnirung mit Ammoniumsulfat; die F\u00e4llungsgrenzen des ersten K\u00f6rpers liegen im allgemeinen zwischen 28 und 38%-iger, die des anderen bei 34\u201446%-iger S\u00e4ttigung.... Herr Professor Hofmeister hat uns vorgeschlagen, den durch Halbs\u00e4ttigung mit Kaliumacetat, Essigs\u00e4ure und Dialyse f\u00e4llbaren Eiweissk\u00f6rper wegen seiner typischen (?) Globulineigenschaften, anlehnend an die Terminologie der Botaniker, als \u201eEuglobulin\u201c, den durch Dialyse und Halbs\u00e4ttigung mit Kaliacetat nicht f\u00e4llbaren, albumin \u00e4hnlich en K\u00f6rper als \u201eP s e u d o g 1 o b u 1 i n\u201c zu bezeichnen\u201c!\nAndererseits trennt Langstein (1901, 95 p. 85, 96) mit derselben Ammoniumsulfatl\u00f6sung, welche in gleicher Menge zum Eiklar zugegossen wird, das als Niederschlag erhaltene Ovoglobulin von dem in L\u00f6sung bleibenden 0 voalbu-min. Wenn man bei Fuld & Spiro (p, n. 156) keine genauen Angaben \u00fcber die","page":157},{"file":"p0158.txt","language":"de","ocr_de":"158\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nMethode, die sie bei der Trennnung der Globuline anwandten, begegnet, so findet man in den Arbeiten von Pick (134 p. 351), Joachim (^89 p. 565) Freund & Joachim (49 p. 390; 50 p. 297) und Ide & Lemaire *) (88 p. 481) nicht nur genaue Angaben \u00fcber die Trennungsmethode sondern auch weitergehende Zergliederung der Ei-weissk\u00fcrper des Serums. Wie zu erwarten war, geben Freund & Joachim (49 p. 434, 439) die Existenz 1) des wasserunl\u00f6slichen Euglobulins, Para-Euglobulins 2) des wasserl\u00f6slichen Euglobulins, 3) des wasserl\u00f6sliches Pseudoglobulins, Para-Pseudoglobulins, 4) des wasserl\u00f6slichen Pseudoglobulins. 5) des Fibrinoglobulins, 5) des nur in Natriumcarbonatl\u00f6sung l\u00f6slichen Globulins, welches einen Nucleok\u00fcrper abspalten liess, daher Nucleoglobulin genannt wurde, zu.\nPorges & Spiro (139 p. 279) fanden ihrerseits, dass das Globulin des Blutserums sich durch fractionnirte Aussalzung mit Ammoniumsulfat in drei Fractionen zerlegen l\u00e4sst, deren F\u00e4llungsgrenzen 28\u201436, 33\u201442, 40\u201446 sind.\nAusserdem nehmen einige Antoren neben mehreren Globulinen die Existenz zweier Albumine an, welche Panormow (127, d. 4 Mai) Albumin \u2014 den Teil des Vogeleiweisses, der unter der Einwirkung von Salzen krystallisirt\u2014und Albuminin\u2014den in L\u00f6sung bleibenden Teil (127 p. 1,2), nennt, w\u00e4hrend Ide & Lemaire zwei Gruppen von Albuminen annehmen: 1) die Albumine-A sind l\u00f6slich in Wasser, aber f\u00e4llbar durch Ammoniumsulfat zwischen 26\u201444% oder Magnesiumsulfat zwischen 50\u201480% von entsprechend saturirten L\u00f6sungen und 2) die Albumine-B sind ebenfalts l\u00f6slich in Wasser und f\u00e4llbar zwischen 54 und 72% durch saturirte Ammoniumsulfatl\u00f6sung *).\nOppenheimer (125 p. 201) hat in \u00e4hnlicher Weise, wie man aus den Globulinen des Blutserums durch Ammoniumsulfat mehrere Fractionen abgeschieden hat, auch das Albumin in 2 Fractionen zerlegt. Die eine f\u00e4llt bei 66%, die andere von ca 82% bis Yolls\u00e4ttigung aus. Trotzdem glaubt Oppenheimer noch an die Einheitlichkeit des Serumalbumins und neigt der Ansicht zu, dass man nicht ohne weiteres alle Fractionen der Albuminsulfatf\u00e4llung als chemische Individuen ansehen d\u00fcrfe. Hougardy (86 p. 229) gelangt zu demselben Schl\u00fcsse *) wie Oppenheimer.\nOppenheimer\u2019s und Hougardy\u2019s Schl\u00fcsse finden ihre Best\u00e4tigung in dem ver\u00e4nderlichen Verhalten eines und desselben Salzes sowTolil Globulinl\u00f6sungen verschiedener Concentration als auch Globulinen verschiedener Arten von Serum gegen\u00fcber. Eingehende Versuche \u00fcber die Aussalzung mit Kaliumacetat hat Wallerstein (173 p. 14) ausgef\u00fchrt und gezeigt, dass mit zunehmender Verd\u00fcnnung die Werte f\u00fcr das f\u00e4llbare Globulin ein w'enig abnehmen, dass aber in demselben Serum trotz stark wechselnden Wassergehalts stets ungef\u00e4hr derselbe Bruchteil des Gesammglobulins aussalzbar ist. Er fand, dass in Pferdeblutserum 28,5% des Eiweisses durch Kaliumacetat f\u00e4llbar waren, in dem des Schweines 44,5%, in dem des Hundes 79%, in dem des Kaninchens 52 bis 59%, in dem des Menschen 38% etc.\nWie wir bereits gezeigt (122 p. 436) und noch in der Folge zeigen werden (Kap. X), lassen sich alle diese Misverst\u00e4ndnisse leicht durch das Verhalten der Salze gegen die verschiedenen concentrirten L\u00f6sungen der verschiedenartigsten Globulinverbindungen erkl\u00e4ren.\n2. Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung durch 2 Salze. \u00dcberdies erweist es sich noch, dass auch diejenigen Salze, wrelche einzeln nur das Globulin f\u00e4llen, bei gleichzeitiger Einwirkung auch das Albumin ausscheiden. Zum Unterschied von der S\u00e4tti-\n*) \u201eLe Sulfate ammonique ne fait donc appa-\tne se comporte comme une substance unique et\nra\u00eefre aucune h\u00e9t\u00e9rog\u00e9n\u00e9it\u00e9 dans l\u2019albumine du\tnon comme un m\u00e9lange\u201c (86 p. 238).\nserum du boeuf. Vis-\u00e0-vis de ce r\u00e9actif, l\u2019albumi-","page":158},{"file":"p0159.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n159\ngungsmethode mit einem Salze, die wir Methode der einfachen S\u00e4ttigung nennen wollen, wurde das obengenannte Verfahren von Halliburton (61 p. 174) Methode der doppelten S\u00e4ttigung1) genannt. Denis, der diese Methode zuerst einf\u00fchrte, war auch der erste, der sich ihrer bediente (p.n. 115\u20147). Nach der S\u00e4ttigung des Serums mit Magnesiumsulfat und dem Abfiltriren der Niederschl\u00e4ge wurde bei 50\u00b0 das Filtrat mit Natriumsulfat ges\u00e4ttigt, wobei der Niederschlag, wie Denis meint, unter der Einwirkung der von demselben zur\u00fcckgehaltenen Salze in Wasser sich l\u00f6ste. Desselben Verfahrens bedienten sich fast zu derselben Zeit Sch\u00e4fer (p. n. 147) und Starke (p. n. 147\u20148). Ersterer erw\u00e4hnt nicht, ob er auch den Einfluss der Temperatur zu Hilfe zog, letzterer f\u00fchrte die F\u00e4llung mit Magnesiumsulfat bei 30\u00b0 aus und behandelte das Filtrat mit Natriumsulfat bei 40\u00b0. Beide Forscher fanden, dass der Niederschlag nach der zweiten S\u00e4ttigung wasserl\u00f6slich war und von Salzen wieder gef\u00e4llt wurde.\nEine weitgehendere Anwendung in Bezug auf die Salze fand diese Methode in Halliburton\u2019s Arbeit (61 p. 174). Da er, gleich Hammarsten und Sch\u00e4fer, annahm, dass Magnesiumsulfat das s\u00e4mmtliche Globulin und n u r das Globulin f\u00e4llt (61 p. 173), so s\u00e4ttigte er die zu pr\u00fcfende Fl\u00fcssigkeit mit Magnesiumsulfat (ib. p. 174) und dann erst das Filtrat mit einem andern Salze, wobei Halliburton vollst\u00e4ndige F\u00e4llung bei der S\u00e4ttigung des Filtrats z. B. mit Natriumsulfat erzielte. Zu diesem Zwecke war es nicht einmal n\u00f6tig, die S\u00e4ttigung bei 50\u00b0 vorzunehmen, wie Denis r\u00e4t; 9-st\u00fcudiges Sch\u00fctteln mittels der Excentrik gen\u00fcgte, so dass das Filtrat nicht einmal die Xantoprote\u00efnreaction gab. Analoge Resultate erhielt Halliburton bei Versuchen mit Pferde-, Ochsen-, Katzen-, Kaninchen-, Hunde- und Schafserum und auch mit ser\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten (61 p. 178). Der Albuminniederschlag l\u00f6ste, sich in Wasser und konnte durch S\u00e4ttigung entweder mit Magnesiumsulfat oder mit N a t r i u m s u 1 f a t daraus wieder ausgeschieden werden; doch wird vollst\u00e4ndige F\u00e4llung nur durch gleichzeitige S\u00e4ttigung mit beiden Salzen erreicht2). Aus der w\u00e4sserigen L\u00f6sung des secund\u00e4ren Niederschlags werden mit einem Salze gar keine Niederschl\u00e4ge ausgeschieden: doch erfolgt in einer solchen L\u00f6sung (ib. p. 178) bei der S\u00e4ttigung mit Natr u mmagnesiumsulfat [Mg Na4 (S04 ) 6 H, 0] schnell vollst\u00e4ndige F\u00e4llung (ib. p. 181). Ein gleiches Verhalten sehen wir auch in Bezug auf Natriumnitrat: bei 28\u201438-st\u00fcndigem Umsch\u00fctteln f\u00e4llt auch dieses Salz, nachdem alles Globulin durch Magnesiumsulfat entfernt worden ist, das Albumin vollst\u00e4ndig (ib. p. 183). Auf gleiche Weise scheint sich auch Iodkalium zu verhalten (ib. p. 189). Vollst\u00e4ndige F\u00e4llung wird auch mittels doppelter S\u00e4ttigung mit Chlornatrium und Natriumsulfat erreicht, und schlagen sich hier, wie auch fr\u00fcher, die Protemsubstanzen unver\u00e4ndert nieder (ib. p. 191). Es ist interessant, dass Natriumacetat, welches bei der S\u00e4ttigung des Serums das Globulin vollst\u00e4ndig auscheidet, bei doppelter S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat vollst\u00e4ndige Ausscheidung auch nicht bewirken kann (ib, p. 189). Dasselbe kann auch von Natriumcarbonat gesagt werden: zur g\u00e4nzlichen F\u00e4llung des Globulins muss das Gemenge 20 Stunden lang umgesch\u00fcttelt werden (ib. p. 189\u201490).\nDie Resultate der Einwirkung von Salzen auf die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten liefern den unmittelbar Beweis daf\u00fcr, dass wie das Globulin so auch das Albumin, der fr\u00fcher herrschenden Meinung zuwider, die F\u00e4higkeit besitzt von Salzen gef\u00e4llt\n') \u201eI adopted a method of double saturation, ted by either magnesium sulfate or sodium sul-or\u201esaturation with two salts\u201c (61 p. 174).\tfate, but by double saturation with the two salts\n2) \u201e. . . it can be dissolved by adding water. it can be completely reprecipitated\u201c (ib. p. 178). From this watery solution it can be pr\u00e9cipita-","page":159},{"file":"p0160.txt","language":"de","ocr_de":"160\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nzu werden. Diesen Satz auf historische und factische Thatsachen gr\u00fcndend, darf man wohl sagen, dass nicht nur der Teil der Prote'insubstanzen, welcher sich in den Versuchen fr\u00fcherer Autoren bei der S\u00e4ttigung mit Salzen nicht niederschlug, in den Beobachtungen der neuesten Forscher infolge besonderer Manipulationen (Temperaturerh\u00f6hung, Umsch\u00fctteln) gr\u00f6sser geworden ist, sondern dass auch der \u00fcbrige Teil der Prote\u00fcnk\u00f6rper, sowohl durch gleichzeitige Einwirkung von Salzen, deren jedes einzelne den ersten Teil (das Globulin) f\u00e4llt, als auch durch die Einwirkung eines Salzes sich ausscheidet. Im allgemeinen kann die F\u00e4llbarkeit von Salzen schon nicht mehr als eine specifische Eigent\u00fcmlichkeit des Globulins angesehen werden: das sog. \u201eAlbumin\u201c wird ebenfalls von Salzen gef\u00e4llt.\n3. V o 11 s t \u00e4 n d i g e F\u00e4llung durch gleichzeitige Einwirkung von S\u00e4uren und Salzen. Neben den schon angef\u00fchrten Thatsachen ist hier der Ort, noch eine Methode vollst\u00e4ndiger F\u00e4llung der Prote'insubstanzen darzulegen, welcher wir von Zeit zu Zeit in der Geschichte dieser K\u00f6rper begegnen, und welche gleichzeitig mit der Aufnahme der Salze in den Kreis der die protein-haltigen Fl\u00fcssigkeiten charakterisirenden Agentien entstanden ist: es ist die Methode der F\u00e4llung dieser Fl\u00fcssigkeiten durch gleichzeitige Einwirkung von Salzen und S\u00e4uren. Der dabei erhaltene Niederschlag kann mit demselben Rechte ein unver\u00e4nderter genannt werden, mit welchem alle Autoren bei der Beschreibung der Niederschl\u00e4ge des Serums dieselben \u201eunver\u00e4ndert\u201c nennen, insofern sie die Eigenschaften der sog. \u201egeronnenen\u201c Prote'insubstanz nicht aufweisen, haupts\u00e4chlich ?aber die F\u00e4higkeit besitzen, sich in Salzen oder in Wasser, wenn auch unter dem Einfl\u00fcsse der in demselben enthaltenen Salze und Basen, oder S\u00e4uren aufzul\u00f6sen. Die ersten Hinweise auf die F\u00e4llbarkeit der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch gleichzeitige Einwirkung von S\u00e4uren und Alkalien finden wir bei Berzelius (1812, 11 p. 30), der der F\u00e4llung genannter Fl\u00fcssigkeiten durch gelbes Blutlaugensalz in Gegenwart von Essigs\u00e4ure erw\u00e4hnt. Ueber vollst\u00e4ndige F\u00e4llung durch gleichzeitige Einwirkung derselben Agentien redete Prout schon im Jahre 1819 (140 p. 16). Im Jahre 1850 beobachtete Parkes (133 p. 281; 132 p. 84), dass bei der S\u00e4ttigung des mit Essigs\u00e4ure anges\u00e4uerten Blutserums mit krystallinischem Chlornatrium ein N i e d e r-schlag entstand, welcher in Essigs\u00e4ure und Aetzkali unl\u00f6slich, in Wasser aber l\u00f6slich war, und dass auf diese Art die Prote'insubstanzen des Serums vollst\u00e4ndig gef\u00e4llt wurden. Dabei bemerkte Parkes, dass bei dieser F\u00e4llung die Essigs\u00e4ure und das Kochsalz im ungekehrten Verh\u00e4ltniss zu einander stehen, d. h. je mehr Salz genommen wird, desto weniger S\u00e4ure genommen zu werden braucht, und umgekehrt. Anstatt Kochsalz k\u00f6nnen mit gleichem Erfolge Chlorkalium, Kalium- und Natriumsulfat, Natriumnitrat, Magnesiumsulfat angewandt werden. Natriumacetat dagegen bewirkt im gegebenen Falle keine F\u00e4llung. Natriumphosphat giebt nicht nur keinen Niederschlag, sondern hindert in einem gewissen Maasse das F\u00e4llungsverm\u00f6gen des Chlornatriums. Im folgenden Jahre beobachtete Melsens (1851, 116 p.170; 115 p.247), dass in Gegenwart von Salzen auch Eiweiss besondere Eigenschaften gewinnt (116 p. 181). Er versetzte H\u00fchnereiweiss mit 2 Teilen Wasser und s\u00e4ttigte das Filtrat mit Salzen aber so, dass sich keine Niederschl\u00e4ge bilden sollten, weshalb er, wenn solche entstanden, entweder etwas von der Salzl\u00f6sung oder von der protemhaltigen Fl\u00fcssigkeit bis zur L\u00f6sung des gebildeten Niederschlags zusetzte. Solche Fl\u00fcssigkeiten, welche Melsens zum Unterschied vom einfachen mit 2 Teilen Wasser verd\u00fcnnten Eiweiss\u2014\u201edem Normalalbumin\u201c\u2014\u201enormales ges\u00e4ttigtes Albumin\u201c benannte, wurden mittels verschiedener Baryt-, Kalk-, Magnesia-, Ammoniumsalze und dergl. bereitet, wobei das sp. G. der Fl\u00fcssigkeit, z. B. der mittels Chlornatrium bereiteten 1,200, w\u00e4hrend das sp. G. von Melsens\u2019s \u201eNormalalbumin\u201c nur 1,020 betrug. Essig-","page":160},{"file":"p0161.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n161\ns\u00e4ure bringt in diesen Fl\u00fcssigkeiten flockenartige Niederschl\u00e4ge hervor; Phosphors\u00e4ure sowohl als saures phosphorsaures Natrium erzeugt einen feink\u00f6rnigen Niederschlag. Eine Ausnahme bilden Borax, phosphorsaures Natrium, Natrium- und Kaliumacetat, die in diesem Falle nur Tr\u00fcbung hervorriefen. Melsens fand, dass die erhaltenen Niederschl\u00e4ge sowohl in einem \u00dcberschuss der S\u00e4uren, welche zur F\u00e4llung gedient hatten, als auch in Wasser, Alkohol und Aether im allgemeinen unl\u00f6slich sind (116 p. 178 und 181). Panum (1852, 129 p. 425) findet ebenfalls, dass H\u00fchnereiweiss und Serum nach Versetzung mit Essigs\u00e4ure oder Phosphors\u00e4ure, die in denselben keine Niederschl\u00e4ge bewirken, von neutralen Salzen der Alkalien oder alkalischen Erden gef\u00e4llt werden; die F\u00e4llung ging schneller vor sich, wenn die Fl\u00fcssigkeit mit der S\u00e4ure leicht erw\u00e4rmt und dann bis zur anf\u00e4nglichen Temperatnr wieder abgek\u00fchlt wurde. Panum findet \u00fcbrigens, dass es gleichg\u00fcltig sei, ob zuerst das Salz und dann die S\u00e4ure eingef\u00fchrt wird oder umgekehrt: es findet ohne Unterschied vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Protemk\u00f6rper statt, so dass weder durch Ferrocyan-kalium in Gegenwart von S\u00e4ure noch durch Salpeters\u00e4ure oder Kochen Protein-k\u00f6rper sich im Filtrat nachweisen lassen. Essigs\u00e4ure, Phosphors\u00e4ure, Weins\u00e4ure, Oxals\u00e4ure, Milchs\u00e4ure (ib. p. 428\u20149; s. p. n. 123) scheinen sich in diesem Falle ganz gleichartig zu verhalten. Indem Panum auf solche Weise die s\u00e4mmtliche Protein-substanz, z. B. des Serums, gef\u00e4llt hatte, besass er in einem und demselben Niederschlage sowohl Globulin als Albumin, und finden wir in seiner Arbeit (ib. p. 417\u2014 467) nicht die geringste Andeutung darauf, dass dieser Niederschlag aus besondern, mit verschiedenen chemischen Eigenschaften ausgestatteten Teilen bestanden h\u00e4tte; im Gegenteil zeugen alle Beschreibungen und alle Schl\u00fcsse, die Panum zog, daf\u00fcr, dass er in diesem Niederschlage eine einzige Substanz (Acidalbumin) hatte, die in ihrer ganzen Masse identische Eigenschaften aufwies. In Uebereinstimmung damit findet auch Eichwald (1873; 45 p. 136) keinen Unterschied zwischen den Niederschl\u00e4gen, die er durch Chlornatrium und Salzs\u00e4ure einerseits aus unver\u00e4ndertem Serum, andererseits aus Serum, welchem das Globulin durch Wasser und Kohlens\u00e4ure entzogen worden war (ib. p. 136\u20147), erhalten hatte. Trotz des Auswaschens am Filter mit halbges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung reagirten solche Niederschl\u00e4ge noch ziemlich stark sauer, wenn das Waschwasser schon l\u00e4ngst keine Spuren von S\u00e4ure mehr aufwies (ib. p. 129)! Nach Aufl\u00f6sung des obenerw\u00e4hnten Niederschlags in Wasser und Neutralisation der erhaltenen Fl\u00fcssigkeit hatte Eichwald L\u00f6sungen vor sich, die ihn an Albuminl\u00f6sungen erinnerten (ib. p. 138). Das mit Wasser verd\u00fcnnte Serum wurde nach der Behandlung mit Kohlens\u00e4uregas und Essigs\u00e4ure vom Globulin befreit, aufs neue mit Essigs\u00e4ure so lange anges\u00e4urt, bis in einzelnen Portionen durch Ferro-cyankalium vollst\u00e4ndige F\u00e4llung erfolgte, wobei die anges\u00e4uerte Fl\u00fcssigkeit mit dem gleichem Volum ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung vermischt und auf einige Stunden in Ruhe gelassen wurde. Der erhaltene Niederschlag wurde abfiltrirt, konnte aber mit halbges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung nicht gewaschen werden, da er sich darin aufl\u00f6ste, weshalb Eichwald die Kochsalzl\u00f6sung zuerst ans\u00e4uerte. Definitiv wurde der Niederschlag mit neutralen L\u00f6sungen desselben Salzes ausgewaschen. Nach dem Waschen l\u00f6ste sich der in Filtrirpapier abgepresste Niederschlag leicht in Wasser, wobei die L\u00f6sung schwachsauer auf Lakmus reagirte, was Eichwald der Essigs\u00e4ure zuschrieb (45 p. 96\u20148). Nach einem Zusatz von Natriumcarbonat zur L\u00f6sung gewinnt diese die F\u00e4higkeit in der W\u00e4rme zu gerinnen wieder. Alles dies veranlasste Eichwald anzunehmen, dass er hier eine schwachsaure Salzl\u00f6sung vor sich hatte (ib. p. 99), welche von einer ges\u00e4ttigten L\u00f6sung neutraler Salze, z. B Chlornatrium, gef\u00e4llt wird, wobei jedoch auch nach dem Kochen etwas Substanz in der L\u00f6sung zur\u00fcckbleibt. Bei vorsichtigem Zugiessen von so viel verd\u00fcnntem Natriumacetat, bis die Probe in\n11","page":161},{"file":"p0162.txt","language":"de","ocr_de":"162\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES ElWEISSeS.\nder W\u00e4rme vollst\u00e4ndig gerinnt, wird die Fl\u00fcssigkeit neutral und stellt eine Albu-minl\u00f6sung in neutralen Salzen, Chlornatrium und Natriumacetat, vor, w\u00e4hrend bei der S\u00e4ttigung dieser Fl\u00fcssigkeit mit Kochsalz das Albumin nicht ganz ausf\u00e4llt. Ausserdem werden die erhaltenen L\u00f6sungen von Wasser gef\u00e4llt; besonders gut geht die F\u00e4llung bei der Verd\u00fcnnung mit 100 Vol. Wasser vor sich; wird die L\u00f6sung mit 500 Vol. Wasser versetzt, so kann die Gegenwart einer Prote\u00fcnsubstanz in dem Filtrat nur noch mit M\u00fche nachgewiesen werden. Der dabei erhaltene Niederschlag zeichnet sich durch seine Schwerl\u00f6slichkeit aus. Um eine L\u00f6sung zu erhalten, welche wie die anf\u00e4ngliche neutral reagire, setzt Eichwald anstatt Natriumcarbonat tropfenweise ein Alkali bis zu stark alkalischer Reaction auf Lakmus zu und neutralisirt dann mit verd\u00fcnnter Essigs\u00e4ure (ib. p. 101). Auf diese Weise wird eine Albuminl\u00f6sung in Natriumacetat und Natriumcarbonat erhalten, infolgedessen sie beim Kochen gerinnt, wobei die Bildung der Niederschl\u00e4ge quantitativ von dem grossem oder geringeren Salzgehalte und der Temperatur abh\u00e4ngt: bei niedrigeren Temperaturen ist auch die Ausscheidung-geringer; die Einf\u00fchrung neutraler Salze vergr\u00f6ssert die Menge der Niederschl\u00e4ge, vollst\u00e4ndige F\u00e4llung aber wird niemals, nicht einmal bei der Versetzung mit einem gleichen Volum ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung erhalten. Wird aber die L\u00f6sung mit einem \u00dcberschuss vom gepulvertem Salz gekocht, so scheint vollst\u00e4ndige F\u00e4llung zu erfolgen, da das mit Essigs\u00e4ure und gelbem Blutlaugensalz behandelte Filtrat keinen Niederschlag ausscheidet. \u00dcbrigens erfolgt F\u00e4llung auch bei gew\u00f6hnlicher Temperatur durch grosse Mengen eines neutralen Salzes, doch keine v\u00f6llige, \u2014 ein Teil bleibt gel\u00f6st (45 p. 102). Plosz (136 p. 229) best\u00e4tigt *) Eichwald\u2019s Angaben, n\u00e4mlich dass Kochsalz und Salzs\u00e4ure die s\u00e4mmtliche Quantit\u00e4t der im Serum enthaltenen Pro-te'insubstanz ausscheidet, wobei der Niederschlag in chemischer Beziehung eine homogene Substanz voistellt. Der von Plosz erhaltene Niederschlag l\u00f6st sich, sowohl nach dem Abfiltriren und Abpressen zwischen Fliesspapier als auch nach vorangegangenem Auswaschen mit halbges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung, in Wasser und reagirt sauer; nach erneuter F\u00e4llung durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz scheidet sich jedoch ein Niederschlag aus, der nach der Aufl\u00f6sung in Wasser neutral reagirt (ib. p. 228) und im allgemeinen die Reactionen des Globulins aufweist. Heynsius\u2019 Vorschlag (77 p. 239) die Prote\u00fcnsubstanzen mit Essigs\u00e4ure und Kochsalz zu f\u00e4llen veranlasste Salkowski (146 p. 689) seinerseits behufs vollst\u00e4ndiger F\u00e4llung der prote\u00fcnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. folgendes Verfahren anzuraten. In einen trocknen Kolben werden 20 grm. Kochsalz, dann z. B. 50 cc. Blut, ferner 100 cc. eines aus 7 Vol. ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung und 1 Vol. Essigs\u00e4ure (acid. acet. dil. Pharm, germ.) bestehenden Gemenges eingef\u00fchrt. Nach gutem Umsch\u00fctteln l\u00e4sst man die L\u00f6sung 15\u201420 Minuten abstehen und filtrirt dann den Niederschlag ab, wobei das Filtrat ganz frei von Prote\u00fcnk\u00f6rpern sein soll. Unter dem Einfl\u00fcsse dieses Vorschlags empfiehlt Hofmeister (82 p. 319) seinerseits zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung der Prote\u00fcnsubstanzen S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat und nachfolgender F\u00e4llung mit verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure. Dasselbe Verhalten des Magnesiumsulfats in Gegenwart von S\u00e4uren studirte Ott an den Prote\u00fcnk\u00f6rpern des Urins (126 p. 255). Der Niederschlag wird in Wasser aufgel\u00f6st, und die L\u00f6sung dialysirt, wobei in der Difl\u00fcsionszelle eine sauer reagirende und mit dem Charakter des \u201eunver\u00e4nderten Albumins\u201c ausgestattete Fl\u00fcssigkeit erhalten wird. Von dem Satze [den schon Eichwald (45 p. 139\u2014144) aussagte, dessen Hammarsten aber nicht erw\u00e4hnt] ausgehend, dass unter dem Einfl\u00fcsse schwa-\n\u2018) Es muss hier erkl\u00e4rt werden, dass Plosz\u2019s Eichwald\u2019s Angaben von J. 1869 (44 p. 239) im Arbeit, welche im J. 1870 erschien, nach Eich- Auge hatte, die dieser sp\u00e4ter (1873, 45 p. 106 wald\u2019s im 1873 erschienener angef\u00fchrtist,weilPlosz u. 163) weiter entwickelte.","page":162},{"file":"p0163.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n163\n.\u00abher S\u00e4ure- oder Salzl\u00f6sungen das Serumalbumin sich nicht ver\u00e4ndert, empfiehlt Hammarsten (69 p. 495\u20146) das Albumin durch gleichzeitige Einwirkung eines Salzes und einer S\u00e4ure zu f\u00e4llen, wobei er mit keinem Worte der Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger erw\u00e4hnt. Selbstverst\u00e4ndlich erscheint dabei als unvermeidliche Bedingung die vollst\u00e4ndige Entfernung des Globulins (69 p. 456). Sp\u00e4ter wandte Iohansson (1885, 4)0 p. 310) diese Methode bei dem Studium des Serums an. Ochsenserum wurde mit Magnesiumsulfat bei 30\u00b0 ges\u00e4ttigt und der Niederschlag bei derselben Temperatur abfiltrirt; nachdem die Fl\u00fcssigkeit abgek\u00fchlt, und die kleinen ausgefallenen Magnesiumsulfatkrystalle abfiltrirt worden waren, behandelte man das Filtrat mit O.5\u00b0/0\u20141% Essigs\u00e4ure, l\u00f6ste den erhaltenen Niederschlag, nach dem Abpressen, in Wasser auf, neutralisirte die L\u00f6sung und s\u00e4ttigte sie wieder, um das etwa mitge-f\u00fchrte Globulin zu entfernen, mit Magnesiumsulfat, zu welchem Zwecke man die L\u00f6sung filtrirte und das Filtrat aufs neue mit Essigs\u00e4ure f\u00e4llte, wonach der abgepresste Niederschlag aufgel\u00fcst und die L\u00f6sung dialysirt wurde. Wenn dabei Wasser zu dem Dialysat hinzugekommen war, so wurde die Fl\u00fcssigkeit bei 40\u00b0 abgedampft, Danach verfuhr Iohansson ebenso wie Starke (p. n. 147) indem er die Fl\u00fcssigkeit mit Alkohol f\u00e4llte. Das auf diese Weise erhaltene Albumin besitzt dieselben Eigenschaften, wie das nach Starke's Verfahren gewonnene: \u201eDie L\u00f6sungen sind h\u00e4ufig tr\u00fcbe und es liegt die M\u00f6glichkeit vor, dass das Serumalbumin durch die gleichzeitige Einwirkung von S\u00e4uren und Salzen eine Ver\u00e4nderung erfahren hat, wenn auch nicht im Sinne der Verwandlung in Acidalbumin\u201c (90 p. 317\u20148). Dieselbe Methode wandte Sebelien, ein anderer Sch\u00fcler derselben Schule, zur Gewinnung des Albumins aus der Milch (s. Lactoglobin) an.\nSo haben wir in der gleichzeitigen Einwirkung von Salzen und S\u00e4uren noch einen neuen Beweis f\u00fcr die Identit\u00e4t des Globulins und des Albumins: sowohl dieses als jenes wird aus einer und derselben Fl\u00fcssigkeit ausgef\u00e4llt, biisst aber die F\u00e4higkeit nicht ein, sich in neutralen Salzen wieder aufzul\u00f6sen!\nExperimentelle Best\u00e4tigungen der Identit\u00e4t des Globulins und des Albumins. 1. Vorl\u00e4ufige Behandlung des Serums und des E i w e i s s e s. Um von Blutk\u00f6rperchen m\u00f6glichst freies Serum zu haben, bedient man sich selbst\u00e4ndig geronnenen Blutes, indem man nach dem Absetzen des Coagulums das Serum mittels Pipetten abhebt. ' Es unterliegt keinem Zweifel, dass ein jeder, der mit Serum gearbeitet hat, gen\u00f6tigt gewesen ist, behufs Abtrennung der mitgef\u00fchrten Blutk\u00f6rperchen, das von dem Coagulum abgetrennte -Serum wieder mehr oder weniger lange ruhig stehen zu lassen. Schmidt r\u00e4t (158 p. 94), ein solches Serum in einen in Eiswasser gestellten hohen Cylinder zu bringen. Noch mehr Vorsichtsmaassregeln erfordert Koch\u2019s Verfahren (92 p. 47): das Blut wird zuerst in einen hohen Cylinder bis zum Rande eingegossen, der Cylinder verkorkt und in den Eisschrank gestellt, worauf man auch das vom Coagulum dieses Blutes gesammelte Serum auf dieselbe Weise abstehen l\u00e4sst. Unter diesen Umst\u00e4nden ist das Serum nach 2\u20143 Tagen bei m\u00f6glichst ruhiger Lage so gut abgestanden, dass die klare bernsteingelbe Fl\u00fcssigkeit garnicht filtrirt zu werden braucht. Der Wunsch den Process der Befreiung des Serums von den Blutk\u00f6rperchen zu beschleunigen hat Veranlassung zur Erfindung verschiedener Apparate gegeben, von denen Dollfus-Galline (39 p. 500) im Jahre 1869 einen technischen Zwecken entsprechenden beschrieb, w\u00e4hrend Rollett (145 p. 347\u20148) sp\u00e4ter einen ebensolchen Apparat f\u00fcr Arbeiten in Laboratorium empfiehlt *). Das Blut wird in breite, niedrige\n*) Es ist interessant, dass, trotzdem Eollett\tRollett giebt bei dieser Veranlassung noch einige\n\u25a0auf Dollfus-Galline hinweist, er das beschriebene\tAnweisungen (ib. p. 348).\nVerfahren \u201emeine Methode\u201c nennt (145 p. 347\u20148).\n11*","page":163},{"file":"p0164.txt","language":"de","ocr_de":"164\nDAS GLOBULIN DES BLUTSEKUMS UND DES EIWEISSES.\nGef\u00e4sse gesammelt, und das Coagulum nach der Gerinnung mit einem Messer in kleine St\u00fccke zerschnitten; diese werden in ein Metallsieb gebracht, welches \u00fcber einem entsprechenden Gef\u00e4sse oder \u00fcber einem Trichter angebracht ist. Die von den Coagulumst\u00fccken abfliessende Fl\u00fcssigkeit rinnt entweder in ein rundes (nach Dollfus) oder in ein trichterf\u00f6rmiges (nach Rollett) Gef\u00e4ss, durch welches bis zu der unteren Siebfl\u00e4che ein Rohr geht, das am Boden des Gef\u00e4sses oder mittelst eines Propfens in dem verengerten Teile des Trichters angebracht ist, wobei das Rohr jedoch lose genug befestigt ist, um heraufgezogen oder hinuntergeschoben werden zu k\u00f6nnen, damit diese oder jene Schicht des abgestandenem Serums, nachdem die Fl\u00fcssigkeit von dem im Siebe befindlichem Coagulum abgeflossen ist, abgegossen werden k\u00f6nne. Um das aus dem Siebe fliessende defibrinirte Blut aufzufangen, benutzen wir einen grossen Glastrichter, der auf einem Dreifuss steht, in welchem eine f\u00fcr den Trichter bestimmte runde Oeffnung ist. Damit in das Ableitungsrohr kein Blut gelangen k\u00f6nne (Fig. 1), ist es w\u00e4hrend des Abfliessens der Fl\u00fcssigkeit aus dem Siebe die ganze Zeit \u00fcber verkorkt, obgleich dessen oberes Ende \u00fcber dem mutmaass-lichen Niveau der Fl\u00fcssigkeit, welche durch dasselbe abfliessen soll, steht. Zum Abhe-\nFig. 3.\nFig. 1.\nFig. 2.\nben des Serums und der Fl\u00fcssigkeiten \u00fcberhaupt von den Niederschl\u00e4gen bedienen wir uns eines aus einem Glasrohr gefertigten Siphons, dessen eine Ende, dasjenige,-welches in die Fl\u00fcssigkeit taucht, nach oben gebogen ist, das andre, l\u00e4ngere, dagegen fest in einem Propfen steckt, der einen Kolben verschliesst, in welchem mittels eines andern Rohres leicht ein negativer Druck hervorgebracht und der Siphon dadurch in Th\u00e4tigkeit gesetzt werden kann (Fig. 2). Damit der Siphon in die L\u00f6sung-vorsichtig eingetaucht werden k\u00f6nne, ist eine Schraube an dem Apparate angebracht, welcher sogar an den W\u00e4nden eines Glasgef\u00e4sses befestigt wird (Fig. 3).\nDas Abstehen der Blutk\u00f6rperchen wird an einem k\u00fchlen, ruhigen Orte vorgenommen. Nachdem Babo (1852, 5 p. 301) seinen Apparat zur Benutzung der Centrifugalkraft im Laboratorium eingef\u00fchrt hatte, wandten anfangs A. Danilewski, dann Ludwig s Laboratorium (s. folg. Kap. \u00fcber das Globoglobin) den modificirten Apparat zur Beschleunigung der Abscheidung des Serums bei der Blutgerinnung an. So bediente sicli Pribram (137 p. 63), um das Gerinnen des Coagulums, folglich auch das Abstehen des Serums zu beschleunigen, einer Centrifuge. Wenn man von einen gewissen, jedenfalls sehr geringen Verlust an Prote\u00fcnsubstanz absieht, so ist es am besten,","page":164},{"file":"p0165.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n165\nohne die vollst\u00e4ndige Kl\u00e4rung des Serums abzuwarten, das abgetrennte Serum, wie Denis (p. n. 11B) riet und wir schon beschrieben haben (p. n. 76), mit 1\u20143 Yol. Aether zu behandeln. Der Aether wird in der Folge durch Abgiessen und Abdampfen bei niedriger Temperatur entfernt. Das auf diese oder jene Art erhaltene Serum ist nach dem Filtriren fertig und kann zu Versuchen dienen.\nZu derselben Zeit (1891) arbeiteten wir eine Methode aus, welche wir besonders denjenigen empfehlen k\u00f6nnen, die m\u00f6glichst schnell und gut Blusserum erhalten wollen. Man l\u00e4sst das Blut in breite, flache, auf einem Wasserbade bei 4 0\u201445\u201450\u00b0 stehende Gef\u00e4sse einfliesseu. Bei ruhigem Stehen und 2-, 4- und mehrst\u00fcndigem Erw\u00e4rmen bei besagter Temperatur scheidet das Blut in 12\u201424 Stunden um den compacten Blutkuchen herum ein von Blutk\u00f6rperchen ganz freies und mittels Pipetten oder Siphone (s. Fig. 2 u. 3) leicht abzutrennendes Serum aus (p. n. 203). Auf diese Weise erhaltenes Serum braucht nicht mehr abzustehen und kann nach dem Filtriren sogleich benutzt werden. Auf solche Art erh\u00e4lt man ein bei weitem reineres Serum als nach allen andern Methoden, die Centrifugalmethode nicht ausgenommen. Seit 1899 wird diese Methode auf meinen Vorschlag hin im bacteriologischen Institut der Moskauer Universit\u00e4t bei der Bereitung von Heil-' serum angewandt.\nWie einfach die Gewinnung einer protemhaltigen L\u00f6sung aus H\u00fchnereiweiss auch scheinen m\u00f6ge, so sind auch hier gewisse Manipulationen vonn\u00f6ten, damit die s\u00e4mmtliche im Eiweiss enthaltene Prote'lnsubstanz in exiier und derselben leicht fil-trirbaren und \u00fcberhaupt der chemischen Behandlung leicht zug\u00e4nglichen L\u00f6sung erhalten werde. Verd\u00fcnnung mit einfachem oder d\u00ebstillirtem Wasser ist von unerw\u00fcnschten Erscheinungen begleitet. Die halbfl\u00fcssige, gallertartige und durchsichtige Eiweissmasse wird vom Wasser getr\u00fcbt und beim Umsch\u00fctteln mit demselben zum gr\u00f6ssten Teil aufgel\u00f6st, w\u00e4hrend der kleinere Teil in einen aus F\u00e4den, H\u00e4utchen, Flocken. Tr\u00fcbung u. s. w. bestehenden Niederschlag \u00fcbergeht. Schneller findet der beschriebene Vorgang statt, wenn das Eiweiss vorher mit der Schere zerschnitten oder mit gr\u00f6sseren Glasscherben umgesch\u00fcttelt wird. Die Quantit\u00e4t des ungel\u00f6sten Teils des Eiweisses h\u00e4ngt erstens von dem Alter das Eies, zweitens von der Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t des benutzten Wassers, endlich, in einem gewissen Maasse, von der H\u00fchnerart ab. Der Niederschlag, der von einigen Autoren ausschliesslich f\u00fcr die das Eiweiss durchziehenden Membranen, von andern f\u00fcr den Niederschlag \u2018) eines geronnenen Prote'ink\u00f6rpers gehalten wurde, ist, wie wir in Lehmann\u2019s Arbeiten gesehen haben (p. n. 101\u20144), als teilweise in Salzen l\u00f6slich gefunden und f\u00fcr Globulin anerkannt worden.\nViele derartige Beobachtungen, sowie auch unsere eigenen, veranlassen uns anzuraten, das Eiweiss nicht mit Wasser sondern mit der L\u00f6sung eines neutralen Salzes, welches die F\u00e4higkeit besitzt das Globulin in L\u00f6sung zu erhalten, zu verd\u00fcnnen. Selbstverst\u00e4ndlich darf der Procentgehalt des Salzes nicht hoch sein, damit dieses keinen wesentlichen Einfluss auf die L\u00f6sung aus\u00fcbe. F\u00fcr H\u00fchnereiweiss ist eine 0,5\u20141\u00b0/0 Kochsalzl\u00f6sung ganz gen\u00fcgend. Das in die erw\u00e4hnte oder in anders con-centrirte (von 0,5%\u201415%) Kochsalzl\u00f6sung einfliessende Eiweiss tr\u00fcbt sich nicht\n*) Michailoff, der weder mit der Geschichte dieser Frage vertrat war noch die anatomische Struc-tur des Eiweisses kannte (da er keine Angaben dar\u00fcber giebt), ironisirt nicht nur \u00fcber die Existenz der Membranen (\u201eso zu sagen pr\u00e4formirte Membranen\u201c (118 p. 64) \u201eirgend welche pr\u00e4formirte Membranen\u201c, ib. u. s. w. u. s. w.), sondern\nnennt auch ohne jeglichen Grund die durch Wasser im Eiweiss herrorgerufenen Niederschl\u00e4ge \u201epr\u00e4formirte gallertartige Gerinnsel (!)\u201c (ib. p. 31,66 u. s. w.) und spricht mit ebensowenig Grund ts. p. n. 101\u20144 a 130) denselben den Charakter des Globulins ab, zuweilen auf recht originelle Weise! (118 p. 64).","page":165},{"file":"p0166.txt","language":"de","ocr_de":"166\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nmehr; bei ruhigem Stehen des Gef\u00e4sses f\u00e4llt es in seiner ganzen Masse zu Boden, indem es sein anf\u00e4ngliches gallertartiges Aussehen bewahrt. Bei langsamem Umwenden des Gef\u00e4sses und allm\u00e4ligem Beissen der Membranen l\u00f6st sich das Eiweiss auf. indem es im Gef\u00e4sse umherzieht. Bei energischerem Hinundherwenden oder Sch\u00fctteln geht auch die L\u00f6sung oder, richtiger gesagt, die Vermischung beider Fl\u00fcssigkeiten rascher vor sich. Vorl\u00e4ufiges Zerschneiden des Eiweisses mit der Schere oder Um-scli\u00fctteln mit Glasscherben beschleunigt dessen Aufl\u00f6sung im Kochsalz bedeutend,, wobei sogleich nach der Einf\u00fchrung des zerschnittenen Eiweisses die halbfl\u00fcssigen Eiweissst\u00fcckchen in durchsichtigen Massen zu Boden fallen und sich nur beim Umsch\u00fctteln allm\u00e4lig aufl\u00f6sen. Der Wasserverlust in einem seit l\u00e4ngerer Zeit gelegten Ei scheint mit der gr\u00f6sseren Dichtigkeit der gallertartigen Masse zugleich geringere L\u00f6slichkeit des Eiweisses zu bedingen. Ausserdem wird noch ein Unterschied in der Consistenz des Weissen eines und desselben Eies beobachtet, da die n\u00e4her an dem Dotter gelegenen Schichten im Vergleich zu den \u00e4usseren gr\u00f6ssere Dichtigkeit besitzen. Dieser Unterschied in der Consistenz der \u00e4usseren und inneren Schichten des gallertartigen Eiweisses war schon von Harvey (74 p. 43) und Chevreul \u2018)-(22 p. 40) und auch von Berzelius (12 p. 538 und 14 p. 650) beobachtet worden. Harvey betrachtete das Eiweiss als ein doppeltes Eiweiss oder richtiger gesagt al& zwei in einander liegende Eiweisse, von denen das innere das Dotter umschliesst. Ein jedes derselben besitzt seine eigene Membran, so dass bei vorsichtigem \u00d6ffnen der Schale, nachdem die erste Membran eingerissen ist, zuerst das \u00e4ussere, zartere Eiweiss sich ergiesst, w\u00e4hrend das innere in seiner Membran eingeschlossen bleibt und erst nach dem Zerreissen dieser ausiliesst, wobei Harvey es dennoch f\u00fcr das z\u00e4here, klebrigere Eiweiss ansieht* 2). Wir k\u00f6nnen nicht umhin, der ersten, ein ge\u00f6ffnetes H\u00fchnerei darstellenden Abbildung in der zweiten Tafel des Werkes \u201eDe formatione ovi et pulli\u201c (46 p. 27) von Fabricius (1621) zu erw\u00e4hnen, wo Harveys Gedanke so zu sagen vorausgesehen ist, und diese Schichten abgebildet sind. Chevreul und nach ihm Berzelius erkl\u00e4ren den Unterschied in diesen zwei Schichten nur durch das-Vorhandensein von Membranen, welche das Eiweiss nach allen Richtungen hin durchziehen.\nDiese zwei Eiweissschichten ist es verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig nicht schwer zu beobachten und von einander zu trennen, wenn man das Ei in einer dem specifischen Gewicht des Eiweisses ann\u00e4hernden Kochsalzl\u00f6sung, z. B. in einer 10%-gen, \u00f6ffnet. Nachdem die Schale ge\u00f6ffnet und vorsichtig entfernt ist, schwimmt das Dotter in der Fl\u00fcssigkeit von allen Seiten vom Eiweiss umgeben, welches infolge der es umgebenden \u00e4usserst feinen und elastischen H\u00fclle seine Contouren bewahrt. Entsteht aber ein Riss in dieser H\u00fclle, so f\u00e4ngt das Eiweiss an, allm\u00e4lig herauszufliessen, namentlich\n*) In der Encyclop\u00e9die m\u00e9thodique heist es: \u201eDans cette membrane sont contenus les deux al-bumina ou blancs, chacun dans sa membrane propre\u201c (37 p. 309).\n2) \u201eEgo vero in ovo gallinaceo non modo va-rium albumen observavi, sed etiam duplex; utrumque propria membrana involutum: alterum tenuius, liquidius, & ejusdem ferme consistentiae cum humore illo, quem ex uteri plicis manan-tem, albuminis materiam & nutrimentum dixi-mus. Alterum, albumen est crassius, & viscosius, pauloqne magis ad albedinem vergens; in yetu-stioribus autem & requietis ovis, post aliquot dierum incubationem, subfiavescens. Ut secundum hoc albumen, vitellum undique obtegit; ita liquor\nille exterior, ipsum circumambit. Bina haec al-bumina distincta esse, vel hinc constat: si, abla-to cortice membranam utramque proximam pe-netra-veris; videbis alborem liquidum & exterio-rem protinus effluere; iisdemque membranis hinc inde in patinam reclinatis, interius tarnen & crassius albumen, locum & figuram suam globosum servat; utpote membrana propria, tenuique adeo, ut visum prorsus effugiat, terminatum, banc autem si secueris, secundum albumen illico bue illuc sparsum effinit, & figuram rotundam amittig perinde atque e vesica fecta humor in ea ser-vatus prorumpit; & disrupta propria vitelli membrana, liquor crocens egreditur, & globositas pristina subsidit\u201c (74 p. 43).","page":166},{"file":"p0167.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n167\nwenn das Gef\u00e4ss hin und her bewegt wird, und sich in dem Kochsalz aufzul\u00f6sen. Doch geht diese Aufl\u00f6sung des Eiweisses nur bis zu einer gewissen Grenze vor sich, d. h. bis zur neuen allgemeinen H\u00fclle, welche die innere Eiweissschicht umgiebt und, wie die erste, ein glattes Aussehen hat. Nach dem Zerreissen dieser zweiten H\u00fclle geht auch die innere Eiweissschicht in die L\u00f6sung \u00fcber. Doch giebt es ausser diesen Hauptmembranen auch noch andere, die das Eiweiss durchziehen und besonders leicht bei der Umsch\u00fcttlung des abgetrennten Eiweisses mit Glasscherben zerreissen, wonach dasselbe zwar dickfl\u00fcssig, doch jedenfalls tropfbar erscheint und leicht zuerst durch Gaze, dann durch hygroscopische Watte und zuletzt durch Papier namentlich mit Hilfe der Bunsen\u2019schen Pumpen durchfiltrirt. Nachdem das Eiweiss sich im Kochsalz aufgel\u00f6st hat, fallen die Membranen zu Boden; dieselben zeigen unter dem Mikroscop eine eigent\u00fcmliche Structur, welche den Namen Membran jedenfalls rechtfertigt.\n2. Best\u00e4ndiges Vorhandensein von Alkalien in den di a-lysirten protein haltig en Fl\u00fcssigkeiten. Die Resultate unsrer, wir d\u00fcrfen wohl sagen, zahlreichen und mannigfaltigen Untersuchungen verschiedener proteinhaltiger Fl\u00fcssigkeiten, vornehmlich aber des Blutserums verschiedener Tiere und des Eiweisses verschiedener V\u00f6gel, k\u00f6nnen in folgenden S\u00e4tzen und Schl\u00fcssen zusammengefasst werden. Hier sind vorl\u00e4ufig nur die Resultate derjenigen Beobachtungen angef\u00fchrt, welche zu Gunsten der Identit\u00e4t des sog. \u201eGlobulins\u201c und des sog. \u201eAlbumins\u201c zeugen, wobei zu gr\u00f6sserer Beweiskraft hier nur solche Beobachtungen in Betracht gezogen werden, welche sowohl die Darstellungsmethoden der Pr\u00e4parate als auch die Methode der Pr\u00fcfung derselben seitens der uns vorangegangenen Autoren enthalten.\nZu allererst muss bemerkt werden, dass, auf welche Weise das \u201eGlobulin\u201c vom \u201eAlbumin\u201c auch getrennt werde, beides nach dem sorf\u00e4ltigstem Abwaschen der Mineralsubstanzen bei dem Ein\u00e4schern eine Asche hinterlassen, welche mehr oder weniger stark alkalisch r e a g i r t! Diese Reaction tritt so scharf hervor, dass sie nicht nur mit weissem Pbenolphta-le\u00fcnpapier Q sondern nicht weniger gut mit gew\u00f6hnlichem violettem und rotem Lak-muspapier und sogar mit Curcumapapier gelingt. Zum Ein\u00e4schern muss eine gen\u00fcgende Menge L\u00f6sung oder Niederschlag genommen werden, wobei die L\u00f6sung abgedampft und der trockne R\u00fcckstand allm\u00e4lig auf einen kleinen Fl\u00e4chenraum zusammengeschoben wird, damit die Asche nach dem Verbrennen mit einem m\u00f6glichst geringen Quantum Wasser befeuchtet werden k\u00f6nne. Am sch\u00e4rfsten tritt die Reaction bei folgendem Verfahren hervor: das Reagenspapier wird mit einem Tropfen destillirten Wassers angefeuchtet und mit dem befeuchtetem Teil an die Asche gelegt, welche an demselben anhaftet, hier aufgeh\u00e4uft werden kann und auf diese Art in ihrer Wirkung auf einen beschr\u00e4nkteren Raum concentrirt ist.\nAuf welche Weise das \u201eGlobulin\u201c aus den prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten auch entfernt werde, sei es 1) durch getrennte oder gleichzeitige Einwirkung von Kohlens\u00e4uregas und Essigs\u00e4ure auf die mit Wasser verd\u00fcnnten prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten oder 2) durch S\u00e4ttigung mit Salzen \u2014 Chlornatrium, Magnesiumsulfat bei gew\u00f6hnlicher oder erh\u00f6hter Temperatur, doch nicht \u00fcber 45\u00b0, oder endlich 3) durch Dialyse, indem die prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten direct oder nach vorl\u00e4ufiger Behandlung, nach obigem Verfahren (1 u. 2), der Dialyse unterworfen werden: in allen F\u00e4llen hinterlassen die Filtrate, wenn keine freie S\u00e4ure vorhanden ist, eine stark alkalisch reagirende Asche.\n*) Mit alkoholischer Phenolphtalei'nl\u00f6sung getr\u00e4nktes und dann getrocknetes Papier (121 p. 141).","page":167},{"file":"p0168.txt","language":"de","ocr_de":"168\nDAS GLOBULIN DES BLUSERUMS UND DES EIWEISSES.\nWie lange die Dialyse auch fortgesetzt, mit wie vollkommenen Diffusionsapparaten und unter welch g\u00fcnstigen Bedingungen\u2014ununterbrochener Wasserwechsel, Abwesenheit von F\u00e4ulniss, m\u00f6glichst grosse Diffusionsfl\u00e4che, ein m\u00f6glichst feines Diaphragma\u2014sie auch ins Werk gesetzt werde, solange in der aus dem Dialysor genommenen Fl\u00fcssigkeit noch Prote\u00efnsubstanz vorhanden ist, wird in der aus dieser Fl\u00fcssigkeit erhaltenen Asche stets alkalische Reaction beobachtet!\nGanz Recht hatte Heynsius (p. n. 140\u20142) darin, dass bei der Dialyse gegen des-tillirtes Wasser die alkalische Reaction allm\u00e4lig schw\u00e4cher wird, aber nie bis auf Null herabsinkt, wenn nur das Dialysat noch Prote\u00efnsubstanz in L\u00f6sung enth\u00e4lt.\nZugleich ist es interessant, dass der Verlust der Alkalinit\u00e4t der im Dialysor befindlichen Fl\u00fcssigkeit, nachdem diese die F\u00e4higkeit erlangt hat in der W\u00e4rme nicht zu gerinnen, was gew\u00f6hnlich nach 16\u201448 und mehr Stunden vom Beginn der Dialyse an der Fall ist, Hand in Hand mit dem allm\u00e4ligen Verlust der in dieser Zeit gewonnenen Durchsichtigkeit geht, und dass je schw\u00e4cher die Alkalinit\u00e4t, desto tr\u00fcber das Dialysat wird und desto mehr Flocken auf dem Diaphragma des Dialysors beobachtet werden. Dass auch Aronstein\u2019s \u201eachenfreies Albumin\u201c bei fortgesetzter Dialyse sich zu tr\u00fcben anfing, unterliegt keinem Zweifel; dieser Autor erw\u00e4hnt dessen selbst (3 p. 90), obgleich er diese Erscheinung durch beginnende F\u00e4ulniss zu erkl\u00e4ren sucht. Sp\u00e4tere Autoren bestreben sich, wie wir gesehen haben (p. n. 144), diese Tr\u00fcbung der fortdauernden Ausscheidung von Globulin bei der Dialyse zuzuschreiben, um so mehr als, ihren Aussagen gem\u00e4ss (p. n. 148\u201451). das Globulin aus den nat\u00fcrlich vorkommenden prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch Dialyse nicht vollst\u00e4ndig ausgeschieden werden kann!\nZugleich mit dem allm\u00e4ligen Verlust an Durchsichtigkeit gewinnt die dialysiren-de protemhaltige Fl\u00fcssigkeit die F\u00e4higkeit von Alkohol, Aether und sogar Kohlens\u00e4ure gef\u00e4llt zu werden. Zuweilen scheidet eine dem Aussehen nach klare Fl\u00fcssigkeit einen Niederschlag bei blossem Umsch\u00fctteln aus, wie Reynolds das zuerst beobachtet hat (p. n. 126).\n3. K\u00fcnstliche Darstellung des sog. dialysirten Albumins. Wie charakteristisch die von den verschiedenen Autoren f\u00fcr die dialysirten protein-lialtigen Fl\u00fcssigkeiten (\u201edas dialysirte Albumin\u201c) angegebenen Reactionen auch zu sein scheinen, es werden letztere auch an \u201eGlobulinl\u00f6sungen\u201c, welche in g\u00fcnstige Bedingungen gebracht werden, beobachtet.\nSo giebt z. B. Globulin (\u201eParaglobulin\u201c), welches aus 10-fach mit Wasser verd\u00fcnntem Serum ausgeschieden wurde, nach dem Abfiltriren und der Entfernung der Gase mittels der Pumpe eine w\u00e4sserige L\u00f6sung (p. n. 126, Anmerk.), welche durch Dialyse alle Eigenschaften des sog. dialysirten Albumins gewinnt!\nViel einfacher erreicht man dieselben Resultate oder, wie man k\u00fchn sagen darf, \u201edie k\u00fcnstliche Darstellung des salzfreien Albumins\u201c oder \u201edes dialysirten und d e r g 1. A1 b u m in s\u201c durch Aufl\u00f6sung in Wasser derjenigen Niederschl\u00e4ge, welche durch F\u00e4llung prote\u00efn haltiger Fl\u00fcssigkeiten, wie z. B. Serum, Eiweiss und dergl., mit neutralen Salzen der Alkalien und Erdalkalien erhalten werden und Dialyse der L\u00f6sungen dieser Niederschl\u00e4ge von typischem Globulin! Welcher der bei der fractionnirten F\u00e4llung z. B. mit Kochsalz, Bittersalz oder Ammoniumsulfat gewonnenen Niederschl\u00e4ge auch zum Versuche diene, es wird kein Unterschied beobachtet: der erste, mittlere oder irgend einer der nachfolgenden Niederschl\u00e4ge geben, ohne Unterschied, wieder solche Niederschl\u00e4ge, deren w\u00e4sserige L\u00f6sungen nach uiner zur Entfernung des \u00dcberschusses an Salz gen\u00fcgend langen Dialyse die Eigen-","page":168},{"file":"p0169.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n169\nsch\u00e4ften einer \u201edialysirten Albuminl\u00f6sung\u201c aufweisen. Nach der Entfernung der Salze mittels Dialyse bleibt das Globulin in L\u00f6sung, wobei dessen L\u00f6sungen anf\u00e4nglich ganz klar sind und eine stark alkalisch reagirende Asche hinterlassen; aber allm\u00e4lig wird der Alkaligehalt der Asche geringer, infolgedessen auch in diesen Globulinl\u00f6sungen dieselben Ver\u00e4nderungen zu Tage treten wie in den L\u00f6sungen des typischen \u201edialysirten Albumins\u201c, welches auf das sorgf\u00e4ltigste nach Aronstein\u2019s, Schmidt\u2019s, Ham-marsten\u2019s u. a. Anweisungen bereitet wird.\nNehmen wir z. B. Magnesiumsulfat. Um den ersten Niederschlag zu erhalten, s\u00e4ttigen wir das Serum bei gew\u00f6hnlicher Temperatur; nachdem der Niederschlag abfiltrirt ist, s\u00e4ttigen wir, um den zweiten Niederschlag zu erhalten, das Filtrat bei 35\u00b0. Bei der Dialyse sowohl der L\u00f6sungen des ersten und zweiten Niederschlags als auch der Mutterlauge finden wir in diesen Fl\u00fcssigkeiten keinen Unterschied, besonders wTenn durch Zusatz von destillirtem Wasser das sp. G. derselben ausgeglichen und dadurch nebst den \u00fcbrigen mehr oder weniger analogen Umst\u00e4nden den Anforderungen der Methode der gleichen Bedingungen, deren Beschreibung wir weiter unten geben, gen\u00fcgt wird. Andererseits entsprechen die Eigenschaften der erhaltenen Fl\u00fcssigkeiten vollkommen den Eigenschaften von Aronstein\u2019s und Schmidt\u2019s dialysirter Albuminl\u00f6sung.\nMit Ammoniumsulfat gelingt es mehrere Niederschl\u00e4ge zu erhalten und die Prote\u00fcnsubstanzreste vollst\u00e4ndig auszuscheiden; dabei stellen die L\u00f6sungen aller dieser Niederschl\u00e4ge unter mehr oder weniger gleichen Bedingungen nach l\u00e4ngerer oder k\u00fcrzerer Dialyse Fl\u00fcssigkeiten vor. welche anf\u00e4nglich unter der Einwirkung von Alkohol, Aether. W\u00e4rme, nicht gerinnen, sp\u00e4ter aber die Eigenschaft gewinnen von Aether, Alkohol und dergleichen gef\u00e4llt zu werden. Im allgemeinen besteht zwischen ihnen kein oder nur ein sehr geringer Unterschied; sowohl die L\u00f6sung des ersten Niederschlags als auch des letzten (des Albumins) kann ihren Eigenschaften nach mit Sicherheit als eine Albuminl\u00f6sung angesehen werden!\n4. F \u00e4 11 b a r k e i t des \u201ed ialysir ten Albumins\u201c durch Salze. Wenn in den beschriebenen F\u00e4llen das Globulin mit dem \u201eAlbumin\u201c identificirt werden kann, so f\u00fchrt die umgekehrte, wenn man sich so ausdr\u00fccken darf, Anordnung der Versuche zu demselben Satze, dass die von einigen Autoren f\u00fcr selbst\u00e4ndige K\u00f6rper angesehenen, \u201eGlobulin\u201c und \u201eAlbumin\u201c genannten Pr\u00e4parate der pro-temhaltigen Fl\u00fcssigkeiten in ihren Rcactionen identisch sind.\nMan sollte glauben, dass Hammarsten\u2019s Beweisgr\u00fcnde zu Gunsten des Unterschiedes zwischen dem \u201eGlobulin\u201c und dem \u201eAlbumin\u201c, die auf der F\u00e4llbarkeit der Globulinl\u00f6sungen durch Magnesiumsulfat und auf der Unf\u00e4llbarkeit der dialysirten Albuminl\u00f6sung (p. n. 147) durch dasselbe Salz beruhen, eine wesentliche Bedeutung haben m\u00fcssten; nimmt man jedoch einen weiteren Kreis von Kenntnissen zu Hilfe, so muss man gestehen, dass dort gegen das Princip der gleichen Bedingungen in hohen Maasse verstossen wurde! Alles, was durch Einwirkung von Magnesiumsulfat sich niederschlug, hielt Hammarsten f\u00fcr Globulin, wobei der erhaltene Niederschlag nach der Aufl\u00f6sung in Wasser von Bittersalz wieder gef\u00e4llt wurde, w\u00e4hrend das Filtrat des Serums, nachdem das Globulin ausgeschieden war, nach der Dialyse und Eindickung bis zu dem anf\u00e4nglichen Volum des benutzten Serums, das Dialysat \u2014 die eingedickte Albuminl\u00f6sung\u2014bei der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat keinen Niederschlag auschied! Es erfolgte keine F\u00e4llung sogar in dem Falle, wenn das Dialysat nach der Eindickung bis 11V/0 (!) Albumin in L\u00f6sung hielt.\nAbgesehen davon, dass hier der Vergleich unter nicht analogen Bedingungen stattfand und dass auch schon Burkhardt ganz entgegengesetzte Beobach-","page":169},{"file":"p0170.txt","language":"de","ocr_de":"170\nDAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UI1N DES EIWEISSES.\ntungen (p. n. 147) anflihrt, welche f\u00fcr die F\u00e4llbarkeit des dialysirten und dann eingedickten \u201eAlbumins\u201c durch S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat zeugen, wagen wir es, auf unsre zahlreichen und dabei verschiedenartigen Beobachtungen hin, fest zu behaupten, dass das dialysirte Albumin von Salzen gef\u00e4llt wird. Wir behaupten, dass nach der Ausscheidung des Globulins aus dem Serum und dem H\u00fchneiweiss sowohl durch Verd\u00fcnnung mit Wasser bei gleichzeitiger Einwirkung von Kohlen- und Essigs\u00e4ure, als auch nach der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat bei 30\u201440\u00b0 und darauffolgender Dialyse der Filtrate, die erhaltenen D i a 1 y-s a t e, w i e w e n i g oder lange d i e D i a 1 y s e auch gedauert habe, bei der Eindickung der L\u00f6sung nicht nur bis zu dem 11% igen Gehalt an Protemsubstanz, sondern auch bis zu dem anf\u00e4nglichen sp. G. oder sogar Volum, \u201eda& salzfreie Albumin\u201c aus dem Serum, und auch aus dem Eiweiss bei der S\u00e4ttigung nicht nur mit Magnesiumsulfat sondern auch mit Chlornatrium und anderen Salzen ohne Ausnahme Protemsubstanz nicht nur bei 30\u00b0, sondern auch bei gew\u00f6hnlicher Temperatur ausscheiden. Ausserdem geben solche Pr\u00e4parate bei Ans\u00e4uern mit Essigs\u00e4ure und nachfolgender Verd\u00fcnnung mit Wasser und Durchleitung von Kohlens\u00e4ure Niederschl\u00e4ge, welche sich vom \u201eGlobulin\u201c durch nichts unterscheiden.\nWie gross auch unser Wunsch war, ein dem von Hammarsten beschriebenen analoges Pr\u00e4parat zu erhalten, um dasselbe zu untersuchen und eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Unf\u00e4llbarkeit der Dialysate bei der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat zu finden, gelang es uns nicht, ein solches darzustellen; infolgedessen sind wir nicht im Stande zu erkl\u00e4ren, aus welchem Grunde Hammarsten bei der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat, sogar bei einem Gehalt der L\u00f6sung an 11% Protemsubstanz keinen Niederschlag erhielt. Wir k\u00f6nnen uns nicht einmal eine Vorstellung von dem Irrtum machen, der Hammarsten zu einer Beobachtung geleitet hat, die mit allen Eigenschaften derartiger L\u00f6sungen im Widerspruch steht! Im allgemeinen stellen die w\u00e4sserigen L\u00f6sungen irgend welcher im Serum oder Eiweiss durch S\u00e4ttigung mit Chlornatrium (gereinigtem), Magnesiumsulfat, Ammoniumsulfat ausgeschiedenen Niederschl\u00e4ge nach k\u00fcrzerer oder l\u00e4ngerer Dialyse solche Fl\u00fcssigkeiten vor, die sich der S\u00e4ttigung mit Salzen gegen\u00fcber ebenso wie \u201edas dialysirte Albumin\u201c verhalten: sowohl diese als jene scheiden bei der Eindickung bis zu dem sp. G. z. B. des Serums und der S\u00e4ttigung mit neutralen Salzen der Alkalien und alkalischen Erden ohne Ausnahme bei gew\u00f6hnlicher Temperatur Niederschl\u00e4ge aus; bei 30\u00b0 geht die F\u00e4llung nicht nur schneller sondern auch vollst\u00e4ndiger von statten. Zu \u00e4hnlichen Resultaten f\u00fchren die Beobachtungen der sich bei gleichzeitiger Behandlung proteinhaltiger Fl\u00fcssigkeiten mit Salzen und verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringen Quantit\u00e4ten von S\u00e4ure bildenden fractionnirten Niederschl\u00e4ge.\nUm in solchen F\u00e4llen mehrere aufeinanderfolgende Niederschl\u00e4ge zu erhalten, s\u00e4uert man die proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten bis zur sauren Reaction an oder s\u00e4ttigt sie mit einem Salze (Chlornatrium, Magnesiumsulfat), worauf sie im ersten Falle allm\u00e4lig mit einem Salz ges\u00e4ttigt, im zweiten \u2014 anges\u00e4uert werden. Die in beiden F\u00e4llen getrennt erhaltenen einzenen Portionen der Niederschl\u00e4ge verhalten sich ganz analog. Die sowohl bei fractionnirter als auch bei vollst\u00e4ndiger F\u00e4llung erhaltenen ab-filtrirten Niederschl\u00e4ge gehen, nachdem die S\u00e4ure neutralisirt wurde, bei dem Verreiben mit Wasser und Aetznatronl\u00f6sung im M\u00f6rser in L\u00f6sung \u00fcber. Wenn die L\u00f6sungen sowohl der allgemeinen als auch der teilweisen (fractionnirten) Niederschl\u00e4ge auf ein und dasselbe sp. G. gebracht sind, so geben alle die gew\u00f6hnlichen da& Globulin charakterisirenden Reactionen!\nNoch \u00fcberraschendere und zugleich lehrreichere Resultate liefert die Unter-","page":170},{"file":"p0171.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\n171\nsuchung der durch fractionnirte F\u00e4llung mit Ammoniumsulfat 'gewonnenen Niederschl\u00e4ge. Um die bestm\u00f6glichsten Resultate zu erhalten, muss man das filtrirte Serum unmittelbar und das Eiweiss nach einem Zusatz von 0,5\u20141%-iger Ammoniumsulfatl\u00f6sung, Umsch\u00fctteln mit Glasscherben und Filtriren, mit fein zerstossenen Krystallen reinen Ammoniumsulfats bis zur volkommenen Ausscheidung der Protein -substanzen aus dem Serum und dem Eiweiss s\u00e4ttigen. Die Niederschl\u00e4ge l\u00f6st man auf, filtrirt die L\u00f6sungen und unterwirft sie dann der fractionnirten F\u00e4llung mit demselben Ammoniumsulfat. Bei langsamer und allm\u00e4liger S\u00e4ttigung der L\u00f6sungen mit dem Salze ist es m\u00f6glich bis f\u00fcnf und mehr Niederschl\u00e4ge zu gewinnen, wobei die abfiltrirten Niederschl\u00e4ge, in Wasser aufgel\u00f6st und durch Wasserzusatz auf ein und dasselbe sp. G. gebracht, sich sowohl der F\u00e4llung durch Salze, S\u00e4uren und W\u00e4rme (eine und dieselbe Gerinnungstemperatur) so auch der Dialyse gegen\u00fcber analog verhalten. Bringt man bei der Dialyse die nach einander erhaltenen Dialysate auf dasselbe sp. G., so entstehen L\u00f6sungen, die ausnahmslos dieselben und mit dem \u201edia-lysirten Albumin\u201c identischen Eigenschaften aufweisen und die auch der gl\u00fchendste Verfechter der Existenz eines selbst\u00e4ndig wasserl\u00f6slichen Albumins nicht umhin k\u00f6nnte, f\u00fcr \u201esalzfreies dialysirtes Albumin\u201c anzuerkennen.\nAlle oben beschriebenen Beobachtungen leiten uns zu einem und demselben Schl\u00fcsse, n\u00e4mlich dass welchen Niederschlag wir auch nehmen\u2014ob den prim\u00e4ren, secund\u00e4ren u. s. w.\u2014ob er dem Sinne der Darstellungsweise nach den Namen Globulin tr\u00e4gt oder nicht,\u2014wir aus einem jeden L\u00f6sungen erhalten, die sich durch nichts vom \u201edialysirten Albumin\u201c unterscheiden. Folglich kann ein jeder Teil der nach den oben erw\u00e4hnten Methoden ausgeschiedenen Protemsubstanz Eigenschaften aufweisen, welche mit denjenigen des dialysirten Albumins wie auch mit denjenigen der fr\u00fcheren oder sp\u00e4teren Niederschl\u00e4ge aus derselben proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeit identisch sind, wenn nur das Princip der Methode der gleichen Bedingungen aufrecht erhalten ist.\n5. Darstellung aschen freien Globulins (Ovo- und Seroglobin s). Obgleich wir vorl\u00e4ufig die Frage nach den inneren L\u00f6sungsbedingungen der Prote\u00efnsubstanzen in den nat\u00fcrlich vorkommenden Fl\u00fcssigkeiten nicht in Betracht ziehen wollen, m\u00fcssen wir dennoch schon jetzt die Frage entscheiden, ob in den am meisten untersuchten tierischen Fl\u00fcssigkeiten ein einziger oder mehrere Protemk\u00f6rper enthalten sind? Wie verlockend die Methode der gleichen Bedingungen ihrer Einfachheit wegen auch sei, so kann doch auch dieses Verfahren, insoweit es unter den von uns erw\u00e4hnten Bedingungen angewandt wurde, nicht als ganz tadellos gelten. Unsre Unkenntniss der Aschenbestandteile der protemhaltigen Pr\u00e4parate, welche sowohl qualitativ als quantitiv den Charakter der sie enthaltenden Pr\u00e4parate stark beeinflussen k\u00f6nnen, erlaubt uns nicht, mit Sicherheit in der s\u00e4inmlichen Protemsubstanz ein identisches Verhalten den mineralischen Bestandteilen gegen\u00fcber anzuerkennen, um im Falle irgend welcher Abweichungen in den Eigenschaften der Pr\u00e4parate diese Abweichungen mit v\u00f6lliger Gewissheit den Eigenschalten dieser K\u00f6rper selbst zuzuschreiben. Aus diesem Grunde erscheint der Wunsch ganz nat\u00fcrlich, einerseits die Protemk\u00f6rper von den Aschenbestandteilen zu befreien, andererseits das Recht zu gewinnen, dieselben f\u00fcr unver\u00e4ndert zu halten und, endlich, sie in einem uns gut bekannten Medium zu besitzen.\nAuf die obenbeschriebene Weise vorbereitetes Serum und Eiweiss, oder einfach filtrir-tes Serum, oder nach Umsch\u00fctteln mit Glasscherben und durch gereinigte Watte filtrirtes Eiweiss, werden entweder mit dem gleichen oder dem halben oder einem noch geringeren oder gr\u00f6sseren Volum 0,1%\u20140,4%-iger Salz\u00e4ure, Schwefels\u00e4ure oder sogar Essigs\u00e4ure behandelt, deren man nur soviel zugiebt, dass das Gemenge nicht mehr als 1\u00b0/00\u20142%o","page":171},{"file":"p0172.txt","language":"de","ocr_de":"172\n1)AS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nS\u00e4ureanhydrid enthalte. Von solchen S\u00e4urel\u00f6sungen wird \u00fcberhaupt nur soviel zugegeben, bis das Gemisch eine deutlich saure Reaction bekommt und die Niederschl\u00e4ge, wenn solche sich bilden sollten, wieder in L\u00f6sung \u00fcbergehen. Die erhaltenen sauren L\u00f6sungen werden dialysirt und zwar am besten im Filterdialysor mit best\u00e4ndigem, wenn auch langsamem Wasserwechsel (123 p. 214). Nach 16, 24, 48 und mehr Stunden verwandelt sich die L\u00f6sung im Dialysor in eine neutrale gallertartige Masse oder in gallertartige Flocken, die in einer ganz neutralen Fl\u00fcssigkeit (Wasser) schwimmen, welche nicht einmal Spuren von Protemsubstanzen enth\u00e4lt. Auch die gallertartige Masse scheidet, auf den Filter gebracht, ein Filtrat aus, welches ebenfalls keine Spuren von Prote\u00efnstoffen aufweist. Die abfiltrirten Niederschl\u00e4ge hinterlassen in beiden F\u00e4llen entweder von vornherein keine Asche, besonders Blutserum, oder geben, wie das oft mit H\u00fchnereiweiss der Fall ist, nur eine unbedeutende Quantit\u00e4t Asche, namentlich im Vergleich mit der Aschenmenge des trocknen R\u00fcckstandes von Eiweiss. welches keinerlei Bearbeitung erfahren hatte.\nDie besten Resultate giebt Salzs\u00e4ure, danach Essigs\u00e4ure. Jedenfalls wird durch die auf erw\u00e4hnte Art (p. n. 167) erprobte Reaction Alkalinit\u00e4t der Asche nicht angezeigt. Sollte noch Asche verbanden sein, so werden die Niederschl\u00e4ge in l\u00b0/oo\u20142%0 Salzs\u00e4urel\u00f6sung aufgel\u00f6st, was sehr leicht von statten geht, wenn dieselben nur nicht lange unter Wasser gelegen haben, und die L\u00f6sungen aufs neue dialysirt. Man kann nun mit Sicherheit erwarten, dass nach erneuter Ausscheidung die Niederschl\u00e4ge schon keine Asche mehr enthalten \u2014 aschenfrei sind. Zieht man in Betracht, dass seit Schmidt (154 p. 437 \u2014454) von Hammarsten und vielen andern Forschern, wie wir weiter, bei der Darlegung der Lehre von dem Verhalten des Globulins zu den S\u00e4uren sehen werden, anerkannt wird, dass wenig concentrirte S\u00e4urel\u00f6sungen weder das \u201eAlbumin\u201c noch das \u201eGlobulin\u201c ver\u00e4ndern, so gewinnt die Methode der Darstellung dieser K\u00f6rper mit Hilfe von S\u00e4uren auch vom Gesichtspunkte der Verfechter der Existenz eines \u201ewasserl\u00f6slichen Albumins\u201c keine geringe Bedeutung.\nUeberdies besitzen die bei der Dialyse der sauren L\u00f6sung erhaltenen N i e d e r-schlage, welche, mit Ausnahme einer unbedeutenden durch das Diaphragma gedrungenen Quantit\u00e4t, die s\u00e4mmtlichen Proteink\u00f6rper des Serums un d des Eiweisses vor stellen, ausschliesslich die Reaction en des \u201eGlobulin s\u201c, sind n\u00e4mlich in Wasser unl\u00f6slich, aber l\u00f6slich in L\u00f6sungen von Salzen der Alkalien und Erdalkalien verschiedener Concentration. Die L\u00f6slichkeit des \u201eGlobulins\u201c, vermindert sich jedoch sowohl bei der Vergr\u00f6sserung der Concentration bis zur S\u00e4ttigung der gegebenen L\u00f6sung mit dem Salze, so auch bei der Verringerung des Salzgehaltes durch Verd\u00fcnnung mit Wasser unter 0,5% und weiter, so dass die Niederschl\u00e4ge in solchen Salzl\u00f6sungen entweder sich nicht l\u00f6sen oder aus fr\u00fcher bereiteten L\u00f6sungen ausscheiden. Die Niederschl\u00e4ge sind in S\u00e4ure-und Alkalil\u00f6sungen l%o und sogar darunter l\u00f6slich. Kurz, diese Niederschl\u00e4ge besitzen alle charakteristischen Eigent\u00fcmlichkeiten des Globulins und werden in besondern Kapiteln (s. Kap. XI und folg.) eingehend behandelt werden.","page":172},{"file":"p0173.txt","language":"de","ocr_de":"PAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.\nm\nLITERATUR.\n1) Allchin. \u2014 Journ. of anatomy. 1868. 2) Arnold. \u2014 Die physiologische Anstalt der Universit\u00e4t Heidelberg von 1853\u20141858. 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