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Über schleimigen Urin. Chemische und experimentelle Untersuchungen. Zweite Mitteilung (S. Le Physiolog. Russe T. V No 86-92 p. 165-7)

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{"created":"2022-01-31T16:38:51.840847+00:00","id":"lit36676","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Davidow, A.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 5: 271-278","fulltext":[{"file":"p0271.txt","language":"de","ocr_de":"LE\nPHYSIOLOGISTE RUSSE\nR\u00c9DIG\u00c9 PAR\nM. L\u00e9on Morokhowetz,\nProfesseur de physiologie \u00e0 l\u2019Universit\u00e9 Imp\u00e9riale.\nMOSCOU.\nVol. V.\t20 d\u00e9cembre 1908.\tJN\u00b0N\u00b0 93\u2014100\nCher schleimigen Irin.\nChemische & experimentelle Untersuchungen.\nVon \u00c2. D a v i d o w,\nZweite Mitteilung (S. Le Physiolog. Paisse T. V MM 86\u201492 p. 165\u20147).\nAus dem physiologischen Institut der k. Universit\u00e4t Moskau.\nDie bakteriologische Untersuchung des schleimigen Urins beschrieb ich in einem vorhergehenden Artikel (Le Physiol. Paisse. T. V, p. 165 \u2014 7), in welchem ich darauf hinwies, dass die Bildung eines \u00e4hnlichen schleimigen Urins wie beim Menschen bei Vorhandensein von Zucker beim Hunde durch Impfung des bac. viscosus in die Harnblase liervorgerufen werden k\u00f6nne.\nDie chemische Natur des im Urin befindlichen Stoffes, der ihm die schleimige Beschaffenheit verleiht, ist bislang nicht aufgehellt. Manche Autoren sehen diesen Stoff f\u00fcr einen Eiweissk\u00f6rper (Malerba), andere (Coronedi, Al-bertoni) f\u00fcr ein Kohlehydrat an. Um diese Frage aufzuhellen, schied ich aus menschlichem Harn den Stoff aus, der die schleimige Beschaffenheit des Urins bedingt, und verglich ihn mit der aus Hundeharn und Kulturen ausgeschiedenen Substanz. Die erhaltenen Resultate sollen den Gegenstand der vorliegenden Schrift bilden, ln derselben werde ich nicht alle Analysen, sondern nur die aus einigen erhaltenen Durchschnittszahlen anf\u00fchren.\nIm Urin des Kranken wird durch Umsch\u00fctteln mit \u00c4ther eine PV\u00fclung erhalten, die sich zwischen der Urin- und \u00c4therschicht ansammelt und an Gallerte erinnert. F\u00fcgt man zu dem Urin- \u00c4thergemisch Alkohol hinzu, so Le Physiologiste. Vol. Y.\t18","page":271},{"file":"p0272.txt","language":"de","ocr_de":"272\n\u00dcBER SCHLEIMIGEN URIN.\nver\u00e4ndert die F\u00e4llung ihr Aussehen, wird kompakter und f\u00e4llt allm\u00e4lig zu Boden.\nUm die Menge der F\u00e4llung, die aus dem Urin erhalten wird, zu bestimmen, nahm ich einige bestimmte Urinmengen enthaltende Kolben, f\u00e4llte mit \u00c4ther und Alkohol, liess sie einige Tage ruhig stehen und filtrierte durch einen bei 100\u00b0 getrockneten und abgewogenen Filter.\nDurclmittszahlen aus drei Analysen:\n600 cc. Urin gaben 1,0492 oder 0,17 p. C. Niederschlag.\nS\u00e4mmtlicher Urin des Kranken wurde mit \u00c4ther und Alkohol gef\u00e4llt: der Niederschlag wurde auf dem Filter gesammelt, mit Alkohol und \u00c4ther gewaschen, an der Luft getrocknet und zu Pulver verrieben. Beim Verbrennen dieses Pulvers auf dem Platindeckel eines Tiegels blieb eine ziemlich grosse Menge wasserl\u00f6slicher Asche zur\u00fcck.\nDas erhaltene Pulver besass folgende Eigenschaften:\n1)\tes l\u00f6ste sich nicht in destillierten Wasser:\n2)\tl\u00f6ste\tsich\tnicht vollst\u00e4ndig in\theissem\tWasser auf:\n3)\tl\u00f6ste\tsich\tnicht vollst\u00e4ndig in\tSalzs\u00e4ure\tauf:\n4)\tl\u00f6ste\tsich\tin Schwefels\u00e4ure;\n5)\tl\u00f6ste\tsich\tnicht in Essigs\u00e4ure;\n6)\tl\u00f6ste\tsich\tin Salpeters\u00e4ure;\n7)\tbeim Erw\u00e4rmen mit Salpeters\u00e4ure wurde eine gelbe F\u00e4rbung erhalten, die durch nachtr\u00e4glichen Ammoniakzusatz nicht dunkler wurde;\n8)\tdurch Millon\u2019s Reagens f\u00e4rbte sich der ungel\u00f6st gebliebene Teil rosig;\n9)\tl\u00f6ste sich in \u00c4tzkali;\n10)\tdurch \u00c4tzkali und Kupfersulfat enstand eine violette F\u00e4rbung;\n11)\twurde durch Jod nicht gef\u00e4rbt;\n12)\tin der Fehling\u2019sche L\u00f6sung fand eine schwache Reduktion des Kupferoxyds statt;\n13)\tnach l\u00e4ngerem Kochen mit Salzs\u00e4ure wurde eine positive Reaktion auf Furfurol und die Reduktion des Kupferoxyds in der Fehling\u2019schen L\u00f6sung erhalten;\n14)\tbei der Neutralisation der sauren L\u00f6sung mit \u00c4tznatron entstand ein flocken artiger schleimiger Niederschlag.\nDas erhaltene Pulver enth\u00e4lt eine grosse Menge Mineralsalze, und zwar\n59,99 p. C.\nBeim Verbrennen auf dem Platindeckel nimmt man deutlich den Geruch versengter Hufe oder Haare wahr.\nUm die Substanz von den durch die F\u00e4llung mit \u00c4ther und Alkohol aus dem Urin zugleich ausgefallenen Salzen zu befreien, wurde das Pulver mit V2 p. C.-iger Salzs\u00e4ure extrahiert, Nach 24 Stunden goss man die Salzs\u00e4ure ab und eine neue Portion davon wieder auf. Damit wurde solange fortgefahren, bis die Salzs\u00e4ure beim Verbrennen auf dem Platindeckel keine organischen Stoffe mehr aufwies. Die salzsaure L\u00f6sung opalisierte.\nDiese L\u00f6sung dialysierte man in Prof. Morochowetz's Filterdialysor gegen fliessendes Wasser 24 Stunden lang oder etwas l\u00e4nger, bis in dem Waschwasser beim Verbrennen keine Mineralsalze mehr angetroffen wurden, und das","page":272},{"file":"p0273.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcBER SCHLEIMIGEN URIN.\n273\nWasser neutral reagierte. Der auf dem Filter zur\u00fcckgebliebene unl\u00f6sliche Teil wurde getrocknet und getrennt gesammelt.\nDie durch die Dialyse erhaltene L\u00f6sung opalisierte und reagirte neutral. Der in Salzs\u00e4ure l\u00f6sliche Teil betrug, von den Salzen befreit, im ganzen 8,8 p. C., der unl\u00f6sliche 1,3 p. C. Ausser den Salzen wurde in dem untersuchten Pulver noch aus dem Urin \u00fcbergegangener Traubenzucker gefunden, was daraus erhellte, dass die L\u00f6sung des erhaltenen Stoffs in der Fehling\u2019schen L\u00f6sung das Kupferoxyd reducierte und dass nach der Dialyse die Reduktion nicht mehr stattfand.\nDie dialysierte L\u00f6sung wurde in einer Porzellanschale bis zur Trockne abgedampft und mit einem Glasspatel abgeschabt.\nMit der auf solche Weise erhaltenen Substanz wurden folgende qualitative Reaktionen erhalten:\n1)\tdieselbe l\u00f6ste sich in kaltem Wasser nicht;\n2)\tl\u00f6ste sich nicht in hei\u00a7sem Wasser;\n3)\tl\u00f6ste sich in \u00c4tzkali;\n4)\tl\u00f6ste sich in Schwefels\u00e4ure;\n5)\tl\u00f6ste sich in Salpeters\u00e4ure mit gelblicher F\u00e4rbung;\n6)\tl\u00f6ste sich in Salzs\u00e4ure nicht vollst\u00e4ndig;\n7)\tl\u00f6ste sich in Essigs\u00e4ure nicht;\n8)\tsie wurde von Chlornatrium nicht gef\u00e4llt;\n9)\twurde\tvon\tMagnesiumsulfat nicht\tgef\u00e4llt;\n10)\twurde\tvon\tTannin gef\u00e4llt;\n11)\twurde\tvon\tPikrins\u00e4ure gef\u00e4llt;\n12)\twurde\tvon\tPhosphor-Molybd\u00e4ns\u00e4ure\tgef\u00e4llt;\n13)\tMillon\u2019s Reagens f\u00e4rbte sich gelb, bewirkte aber keine rote F\u00e4rbung;\n14)\tauch die Xanthoprote\u00fcnreaktion wurde nicht erhalten, da die mit Salpeters\u00e4ure gekochte Substanz bei Ammoniakzusatz die schwachgelbe F\u00e4rbung nicht verst\u00e4rkte;\n15)\tdie Biuretreaktion wurde nicht erhalten;\n16)\tdurch l\u00e4ngeres Kochen mit verd\u00fcnnter Salzs\u00e4ure wurde das Kupferoxyd in der Fehling\u2019schen L\u00f6sung nicht mindert.\nBei der k\u00fcnstlichen Verdauung in Magensaft l\u00f6ste sich die Substanz nicht vollst\u00e4ndig auf, und die L\u00f6sung reagirte stark auf Peptone.\nDer Stickstoff wurde in der erhaltenen Substanz nach Kjeldahl's Verfahren, der Kohlenstoff und der Wasserstoff durch Verbrennen im Muffelofen bestimmt.\nBestimmung des Stickstoffs.\nAus 0.1766 der Substanz wurden 16,24 mgrm. Stickstoff erhalten.\n0,1766 - 16,24 100 \u2014 x\nx \u2014\t9,19 p. C7\nSomit enth\u00e4lt die untersuchte Substanz 9,19 p. C. Stickstoff. Die Bestirnte*","page":273},{"file":"p0274.txt","language":"de","ocr_de":"274\n\u00dcBER SCHLEIMIGEN URIN.\nmung des Kohlenstoffs, Wasserstoffs, Sauerstoffs und der Asche ergab folgende Zahlen:\nC = 42,61\tp.\tC.\nH = 5,07\t>\t>\n0 = 36,50\t>\t>\nN = 9,19\t>\t>\nAsche = 6,63\t>\t>\nDie Analyse zeigte, dass die Asche keinen Schwefel und nur viel Phosphor enthielt. Um die Phosphormenge zu bestimmen, wurde ein Teil der Substanz in einem Platintiegel verbrannt, die Asche in Wasser aufgel\u00f6st und die Phosphors\u00e4ure in Gestalt von pyrophosphorsaurem Magnesium mit Ammoniakl\u00f6sung, Ammonium Chlorid und Magnesiumchlorid ausgef\u00e4llt. Daraus wurde die Phjsphormenge berechnet.\nMenge der Substanz\u20140.1006.\nNach der F\u00e4llung und Verbrennung erhielt man 0,004943 Phosphor\n0,1006 \u2014 0,004943 100 \u2014 x\nx =4,91 p. C.\nNach der Elementaranalyse der in ] ? p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6slichen Substanz schritt ich zur Elementaranalyse der in \\2 p. C.-iger Salzs\u00e4ure nicht l\u00f6slichen.\nDie Elementaranalyse der in % p. C.-iger Salzs\u00e4ure nicht l\u00f6slichen Substanz ergab:\nC =\t60.88\tp.\tC.\nH =\t1,85\t>\t\u00bb\n0 =\t23,77\t>\t>\nN =\t7,55\t>\t\u00bb\nAsche =\t5,95\t>\t>\nIn der Asche der in 1 , p. C.-iger Salzs\u00e4ure unl\u00f6slichen Substanz zeigten qualitative Reaktionen die Gegenwart von Phosphor, Eisen und Schwefel an. Wegen Mangel an Material gelang es nicht, die Menge eines jeden dieser Stoffe zu bestimmen; doch Hessen die qualitativen Reaktionen erkennen, dass wenig Phosphor und viel Schwefel vorhanden war.\nBei infezierten Hunden schied \u00c4ther ebenfalls eine geleeartige Substanz aus. Den Urin von Hunden, die mit Bac. viscos, infeziert worden waren, sammelte man solange, bis \u00c4ther noch eine F\u00e4llung erzeugte und Bac. viscosi darin vorgefunden wurden, und behandelte ihn ebenso wie den menschlichen Urin.\nDie Analyse des aus dem Hundeurin erhaltenen, in U p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6slichen Stoffes ergab:\nC = 42,42\tp.\tC.\nH = 5,76\t\u00bb\t>\n0 = 35.44\t>\t>\nN = 9,48\t>\t>\nAsche = 6,90\t\u00bb\t>","page":274},{"file":"p0275.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcBER SCHLEIMIGEN URIN.\n275\nDie unl\u00f6sliche Substanz war in so geringer Menge vorhanden, dass man sie nicht analysieren konnte.\nUm die von den Bakterien ausserhalb des Organismus ausgearbeitete Substanz mit den Substanzen, die ich aus dem Urin von Menschen und Hunden erhalten hatte, zu vergleichen, nahm ich eine grosse Quantit\u00e4t Urin, versetzte ihn mit 1 p. C. Traubenzucker, sterilisierte und infezierte diesen N\u00e4hrboden mit Bac. viscosus. Nach einigen Tagen war derselbe schleimig geworden.\nDieses N\u00e4hrmaterial wurde ebenso wie das vorhergehende behandelt.\nDie Elementaranalyse der aus der Kultur erhaltenen, in 1/2 p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6slichen Substanz ergab:\nC =\t42,60\tp.\tC.\nH =\t4,40\t>\t>\n0 =\t85,39\t>\t>\nN =\t9,95\t>\t>\nAsche =\t7,65\t>\t>\nDie Analyse der aus der Kultur erhaltenen in y2 p. C.-iger Salzs\u00e4ure unl\u00f6slichen Substanz lieferte folgende Zahlen:\nC = 66,84 p. C.\nH= 4,81 >\t>\n0 =\t23,76\t>\t>\nN =\t1,22\t>\t>\nAsche =\t3,37\t>\t>\nDie Durchschnittszahlen der gemachten Analysen mit einander vergleichend, kann man folgende Tabellen zusammenstellen.\nDie in 1/2 p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6slichen Substanzen in p. C.\nC H 0\nAus menschlichem Urin 42,61 5,07 36,50 Aus Hundeurin\t42,42 5,76 35,44\nAus der Kultur\t42,60 4,40 35,39\nDie in y2 p. C.-iger Salzs\u00e4ure unl\u00f6slichen Substanzen in p. C.\nN Asche 9,19 6,63\nS\nSpuren.\n4,91\n9.48 6,90\tan,a^ , Spuren\n9,95 7,65\tau,a^ , Spuren\n\u2019 Vorhand. ^\nAus menschlichem Urin Aus Hundeurin Aus der Kultur\nC\nHON Asche\nS.\nF\n60,88 1,85 23,77 7,55 5,95 anal^1^)i vor*\nwegen Mangel an Material nicht ausgef\u00fchrt\n66,84 4,81 23,76 1,22 3,37 aualytl^ch vor\"\n5\t5\t\u2019\t\u2019\thanden.\nAus der ersten Tabelle ersieht man, dass die aus dem Urin des Menschen und des Hundes und aus der Kultur erhaltenen in % p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6slichen Substanzen dem Procentgehalt ihrer elementaren Bestandteile","page":275},{"file":"p0276.txt","language":"de","ocr_de":"276\n\u00dcBFR SCHLEIMIGEN URIN.\nnach, einander analog sind und der quantitativen Analyse der Asche nach, einander decken. Sie enthalten eine bedeutende Menge Phosphor und nur Spuren von Schwefel.\nAus der zweiten Tabelle ist ersichtlich, dass die unl\u00f6sliche Substanz einen ganz andern Procentgehalt der elementaren Bestandteile hat. Die aus dem menschlichen Urin und der Kultur erhaltenen Substanzen unterscheiden sich von einander bedeutend, enthalten aber beide Eisen, Phosphor und Schwefel und ausserdem Stickstoff. Somit sind beide von mir erhaltene Substanzen den stickstoffhaltigen zuzurechnen, was mit Coronedrs und Rothmann's Ansichten im Widerspruch stellt\nDen Hauptbestandteil des schleimigen Urins bildet die in ff, p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6sliche Substanz, w\u00e4hrend die Menge der unl\u00f6slichen sehr gering ist. Dieser l\u00f6sliche Teil ist es, der dem Urin den schleimigen Charakter verleiht. Diese Substanz zu den Mucinen rechnen, darf man schon deshalb nicht, weil das Mucin nur Schwefel, aber keinen Phosphor enth\u00e4lt. Aus diesem Grunde kann es auch nicht dem Chondroprote\u00efn und dem Hyalogen zugez\u00e4hlt werden. Auch die Elementaranalyse des Mucins ergibt nicht dieselben Resultate wie die von uns untersuchte Substanz. Die Analyse der verschiedenen Mucine gibt folgende Zahlen in Procenten:\nC\tH\tN\tS\n48,26\u201450,32 6,80\u20146,91 10,07 \u2014 13,65 0,84\u20141,75\nDie untersuchte Substanz ergab folgende Zahlen in p. C.\nC\tH\tN\tS\tP\n42,61\t5,07\t9,19\tSpuren\t4,91.\nAusserdem werden die eigentlichen Mucine dadurch charakterisiert, dass sie mit Essigs\u00e4ure einen in einem \u00dcberschuss der S\u00e4ure unl\u00f6slichen Niederschlag geben und bei l\u00e4ngerer Einwirkung verd\u00fcnnter Minerals\u00e4uren sieb spalten und dabei solche Substanzen bilden, welche das Kupferoxyd in der Fehling'schen L\u00f6sung reducieren und mit a-Naphtol die Molisch\u2019sche Reaktion geben.\nI)as Mucin giebt die farbigen Eiweissreaktionen. Die von mir untersuchte Substanz enth\u00e4lt Phosphor, aber keinen Schwefel, wird von Essigs\u00e4ure nicht gef\u00e4llt, gibt keine farbigen Eiweissreaktionen und bildet beim Kochen mit S\u00e4uren keine das Kupferoxyd reducierenden Substanzen. Vor der Dialyse wurde noch Reduktion beobachtet, doch konnte dies von dem Zucker im Urin des Kranken abh\u00e4ngen. Nach der Dialyse fand keine Reduktion mehr statt.\nAus demselben Grunde kann diese Substanz nicht zur Gruppe der Mu-coi'den geh\u00f6ren. Auch die Untersuchung M a 1 e r b a\u2019s, der diese Substanz Gliscrin nannte, ist nicht \u00fcberzeugend. Er fand zwar, dass das Gliscrin ein Eiweissk\u00f6rper ist, doch wurde nur die qualitative Untersuchung vorgenommen. Auch scheint die Ausscheidung der Reinsubstanz keine gelungene gewesen zu sein. So machten sich z. B. beim Verbrennen der Substanz der Geruch verbrannten Urins und Ammoniakd\u00e4mpfe f\u00fchlbar, w\u00e4hrend andre Autoren dessen nicht erw\u00e4hnen.","page":276},{"file":"p0277.txt","language":"de","ocr_de":"\u00dcBER SCHLEIMIGEN URIN.\n277\nA 1 b e r t o li i und C o r o n e d i halten diese Substanz f\u00fcr ein Kohlehydrat. In meinem Fall dagegen enthielten beide Substanzen, die l\u00f6sliche sowohl als die unl\u00f6sliche, Stickstoff.\nAuf Grund des Gehalts an Phosphor und des Fehlens von Schwefel muss die in 1 * p. C.-iger Salzs\u00e4ure l\u00f6sliche Substanz der Gruppe der Nukleo-prote\u00efde zugerechnet werden.\nC r a m er, N i s h i m u r a, die die K\u00f6rper der Bakterien chemisch untersuchten, bestimmten die elementaren Bestandteile derselben, wobei sie fanden, dass die Quantit\u00e4t des Kohlenstoffs und des Wasserstoffs bei allen Bakte-rienarten fast die n\u00e4mliche ist und zwar:\nC = 50,0 \u2014 51,0 p. C.\nH\u2014 7,0\nDie Analysen der von mir untersuchten Substanz ergaben:\nC \u2014 42,0 p. C.\nII = 5,0 >\t>\nSomit kann diese Substanz nicht f\u00fcr eine einen Bestandteil des Bakterienk\u00f6rpers bildende angesehen werden.\nNencki und Sch offer schieden aus Bakterienk\u00f6rpern eine Substanz aus. welche sie Mykoprote\u00fcn benannten. Aus der von ihnen ausgef\u00fchrten Analyse ist ersichtlich, dass das Mykoprote\u00fcn der von mir ausgeschiedenen Substanz nicht entspricht.\nDas Mykoprote\u00fcn enth\u00e4lt in Procenten:\nC\tH\tN\n53,07\u201453,82\t7,79 \u2014 7,76\t14,14\u201413,82\nDie von mir ausgeschiedene Substanz enth\u00e4lt in Procenten:\nC\tH\tH\n42,69\u201442,50\t5,15\u20145,0\t9,26\u20149,12\nEine charakteristische Eigenschaft des Mykroprote\u00fcns ist die F\u00e4llung durch Kochsalz; es reagiert sauer, wird in sauren L\u00f6sungen durch ges\u00e4ttigte L\u00f6sungen von neutralen Salzen gef\u00e4llt, bildet Niederschl\u00e4ge mit Tannin, Pikrins\u00e4ure, Ferrocyankalium und Quecksilberchlorid; Salpeters\u00e4ure bewirkt eine schwache Tr\u00fcbung und giebt die Xanthoprote\u00fcnreaktion nicht.\nMilieu\u2019s Reagens f\u00e4rbt das Mykoprote\u00fcn beim Erw\u00e4rmen rot. Dasselbe enth\u00e4lt weder Schwefel noch Phosphor.\nDie von mir gewonnene Substanz ist, wie die Elementaranalyse und die qualitativen Reaktionen gezeigt haben, dem Mykoprote\u00fcn nicht analog. Sie wird von Ferrocyankalium nicht gef\u00e4llt, von Salpeters\u00e4ure nicht getr\u00fcbt, gibt mit Millon\u2019s Reagens die Eiweissreaktion nicht, wird von \u00c4tzkali und Kupfersulfat nicht violett gef\u00e4rbt. Sie enth\u00e4lt viel Phosphor und keinen Schwefel.\nAlles dies zeugt daf\u00fcr, dass die von mir gewonnene Substanz ein eigent\u00fcmliches Produkt der Lebenst\u00e4tigkeit des Bac. viscosus ist, welches die in","page":277},{"file":"p0278.txt","language":"de","ocr_de":"278\n\u00dcBER SCHLEIMIGEN \u00dcRIN.\neinem eiweissfreien Medium befindlichen Kohlehydrate rasch zersetzt und zur Gruppe der Nukleoprote'ide geh\u00f6rt, deren elementare Zusammensetzung je nachdem, woher sie stammen, in weiten Grenzen sell wankt.\nNach Neumeister enthalten sie:\nC = 42,11 \u2014 40,81 p. C.\nH = 6,08 \u2014 5.38 >\t>\nN = 14,73 \u2014 15,98 >\t>\n0 \u2014 31,05 \u2014 31,26 >\t>\nS = 0,55 \u2014 0,38 \u00bb\t>\nP= 5,19\u2014 6,19 >\t>\nF = 0,29\t>\t>\nDie Voraussetzung, dass diese Substanz ein Produkt sei, welches von den Zellen zum Schutz des Organismus gegen die Infektion mit dem B a c. vis-c o s u s ausgearbeitet wird, ist deshalb unzul\u00e4ssig, weil dieselbe Substanz, wenn man den sterilisierten mit Traubenzucker versetzten Harn mit diesen Bakterien bes\u00e4et, in vitro erhalten wird.\nIm Urin von Diabetikern entsteht zuweilen ein \u00e4hnlicher geleeartiger Niederschlag, ohne dass Bakterien vorhanden w\u00e4ren, besonders in F\u00e4llen, wenn der Zucker aus dem Harn zeitweilig verschwindet. Diese Erscheinung wurde von Prof. Morochowetz schon l\u00e4ngst beobachtet; doch ist dies eher ein Kohlehydrat (die Substanz enth\u00e4lt keinen Stickstoff), vielleicht Land w e h r\u2019s tierisches Gummi, nicht aber ein stickstoffhaltiger K\u00f6rper, wie er in einem untersuchten Fall von Infektion mit Gliserobakterien gefunden wurde.","page":278}],"identifier":"lit36676","issued":"1907","language":"de","pages":"271-278","startpages":"271","title":"\u00dcber schleimigen Urin. Chemische und experimentelle Untersuchungen. Zweite Mitteilung (S. Le Physiolog. Russe T. V No 86-92 p. 165-7)","type":"Journal Article","volume":"5"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:38:51.840852+00:00"}

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