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Verhalten des Globulins und seiner Verbindungen zu Alkohol und Äther

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{"created":"2022-01-31T15:10:20.992379+00:00","id":"lit36678","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morohowez, L. [corr: Morochowetz]","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 5: 301-313","fulltext":[{"file":"p0301.txt","language":"de","ocr_de":"Verhalten \u00ables Globulins und seiner Verbindungen zu\nAlkohol und \u00c4ther.\nYon Prof. L Morohowez.\nV e r h alten z u Alkohol. 1. Historische s. Schon Quesnay erw\u00e4hnt, dass die protohihaltigen Fl\u00fcssigkeiten unter dem Enflusse von Weingeist erh\u00e4rten (se durcissent) (38 p. 340). \u00dcbrigens sagt Quesnay dasselbe von der W\u00e4rme, so dass er f\u00fcr den ersten Forscher gehalten werden kann, der auf eine identische Wirkung des Alkohols und der W\u00e4rme auf die protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten hingewiesen hat.\nBoerhaav jedoch spricht sich dar\u00fcber bestimmter aus, indem er das Serum dem H\u00fclmereiweiss in dieser Beziehung gleichstellend, findet, dass diese bltissig-keiten. wie die tierischen Safte \u00fcberhaupt, durch Alkohol ebenso wie durch W \u00e4rme \u2018) zum Gerinnen gebracht werden und dass, wenn das Serum in diesem Falle weniger volumin\u00f6se Flocken ausscheidet, dies sich dadurch erkl\u00e4re, dass es wasserreicher ist (G-a. p. 617). Thouvenel (45 p. 27) findet, wie auch Wasserberg (48 p. 310), sowohl in dieser als auch in andern Beziehungen, zwischen dem Eiweiss und dem Serum keinen Unterschied, da er letzteres f\u00fcr ein eben solches, nur st\u00e4rker mit Wasser verd\u00fcnntes ..Eiweiss\u201c h\u00e4lt l 2).\nWas die Beschaffenheit des Niederschlags anbetrifft, so war Macquer der erste, welcher die Bildung einer gel\u00e9eartigen Masse unter der Einwirkung von Weingeist beobachtete 3).\nAndererseits fand Bucquet, Fourcroy\u2019s Worten (14 p. 717) nach, dass der durch Alkohol bewirkte Niederschlag, zum Unterschied von dem durch S\u00e4uren bewirkten, sich in Wasser wieder l\u00f6st 4). Fourcroy teilte diese Ansicht (15 p. 313), in der Folge aber mit dem Vorbehalt, dass der durch Alkohol in Serum erzeugte Niederschlag sich in Wasser eigentlich nicht aufl\u00f6st, sondern in demselben so fein verteilt ist, dass man ihn. wie er meint, f\u00fcr gel\u00f6st ansehen k\u00f6nne5) (16p. 146). Thenard meint ebenfalls (44 p. 107), dass Alkohol in den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten eben solche Ver\u00e4nderungen hervorrufe wie W\u00e4rme. Derselben Ansicht ist\no\to\nl) Das Alkohol verdickt also wie ein Feuer unsere groben S\u00e4fte (6-a, p. 617).\n-) Je l\u2019ai (s\u00e9rosit\u00e9 du sang) trouv\u00e9e en g\u00e9n\u00e9ral moins concrescible par les moyens chimiques & plus aqueuse que l'humeur s\u00e9reuse contenue dans le blanc d'oeuf (45 p. 27).\n3) L\u2019esprit de vin vers\u00e9 dans l'eau qui le tient\nen dissolution l'en s\u00e9pare en le pr\u00e9cipitant sous\nla forme d\u2019un caill\u00e9 (32-a, p. 159).\n4) Elle (serum) est coagulable par l'esprit de vin; ce coagulum diff\u00e8re beaucoup de celui qui est form\u00e9 par les acides, par sa dissolubilit\u00e9 dans l\u2019eau, suivant la d\u00e9couverte de M. Bucquet (14 p. 717),\n\u00e2) L\u2019alcool le coagule et le pr\u00e9cipite en petits flocons blanch\u00e2tres, qui se divisent facilement dans l\u2019eau et y restent si bien suspendus qu\u2019on pourrait les regarder comme dissous (16 p. 146).","page":301},{"file":"p0302.txt","language":"de","ocr_de":"302\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nH\u00fcnefeld (26 p. 245). Bei Vauquelin finden vir beide Behandlungsweisen verbunden (46 p. 14), n\u00e4mlich Kochen des Pr\u00e4parats in Alkohol. Gibourt\u2019s Beobachtungen (17 p. 559) vers\u00f6hnen gewissermaassen die Widerspr\u00fcche in den Angaben der fr\u00fcheren Autoren \u00fcber die A asserl\u00f6slichkeit des durch Alkohol erzeugten Niederschlags. Derselbe fand, dass nach der F\u00e4llung des Caseins durch Alkohol und dem Waschen des Niederschlags mit Alkohol der Niederschlag in Wasser nicht mehr l\u00f6slich sei und den Charakter von in der W\u00e4rme geronnenem Casein oder Blutfibrin annehme.\nDiese wenigen Angaben bilden so zu sagen das Programm der weiteren Beobachtungen in dieser Pachtung, n\u00e4mlich durch eine verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringe Menge Alkohol erzeugte und sogleich mit Wasser behandelte Niederschl\u00e4ge l\u00f6sen sich in diesem auf, b\u00fcssen aber durch Waschen mit Alkohol ihre L\u00f6slichkeite ein. Eingehendere Angaben finden wir auch in dieser Beziehung zuerst bei Denis (8 p. 80). Bei der Behandlung mit einer grossen Quantit\u00e4t 30\u00b0 Alkohols finde vollst\u00e4ndige Ausscheidung des Serum proteins statt. Versetzt man dasselbe Serum mit dem gleichen Volum Alkohol, so entstehe ein Niederschlag, welcher in einer Neutralsalzl\u00f6sung oder in einem Gemenge einer solchen mit 13 Teilen eines \u00c4tzalkali sich sogleich aufl\u00f6se, worauf der Charakter des Serums wieder hergestellt werde.\nBei der Behandlung mit einem gleichen Volum 30\u00b0 Alkohols nach dem Kochen beobachte man in der durch Leinwand geseihten Fl\u00fcssigkeit eine Tr\u00fcbung, die beim Erkalten zunimmt (8 p. 80). Mit dieser Beobachtung stimmt auch eine andere von Denis gemachte \u00fcberein: bei gew\u00f6hnlicher Zimmertemperatur getrocknetes Serum gebe dem Alkohol eine alkalische Globulinverbindung ab (ib. p. 103).\nIm allgemeinen erkl\u00e4rt Denis die Wirkung des Alkohols auf die prote'inhalti-gen Fl\u00fcssigkeiten f\u00fcr eine wasser- und salzentziehende (ib. p. 85). Derselben Ansicht ist er noch im Jahre 1839, wo er sich bestimmter dar\u00fcber ausspricht, dass bei der F\u00e4llung prote\u00fcnhaltiger Fl\u00fcssigkeiten der Alkohol die in denselben l\u00f6slichen Salze, das Alkali u. s. w. zur\u00fcckh\u00e4lt, w\u00e4hrend der Proteinniederschlag das Calciumphosphat. das Magnesiumsulfat und die neutralen Fettk\u00f6rper mitreisst (9 p. 18). Ausserdem gehe aber auch das Fibrin unter der Einwirkung des Alkohols in den in Salzen unl\u00f6slichen Zustand \u00fcber und scheide sich aus seinen Salzl\u00f6sungen aus (Sp. 76).\nAuch Berzelius findet, dass zu proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten im \u00dcberschuss zugesetzter Alkohol in Wasser unl\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge erzeuge, wobei das Protein in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergehe; wird dagegen nur soviel Alkohol zugegossen, als zur Bildung eines Niederschlags notwendig ist. so l\u00f6se sich dieser in Wasser auf (5 p. 33). Simon geht in seiner Erkl\u00e4rung der Wirkung des Alkohols noch weiter (42 p. 58): aus konzentrirten L\u00f6sungen w\u00fcrden durch Alkohol in Wasser unl\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge erhalten; ist die prote\u00fcnhaltige L\u00f6sung verd\u00fcnnt, oder der Alkohol nicht stark genug gewesen, so seien die erhaltenen Niederschl\u00e4ge in Wasser l\u00f6slich; dieselben w\u00fcrden aber unl\u00f6slich, wenn sie l\u00e4ngere Zeit im Wasser bleiben \u2019). Dementsprechend findet Simon ferner, dass auch eine sehr verd\u00fcnnte Case\u00efnl\u00fcsung durch Alkohol sogar im \u00dcberschuss desselben\u2014nicht gef\u00e4llt werde, dass aber schon gef\u00e4lltes Casein unter dem Einfl\u00fcsse von Alkohol in den ungel\u00f6sten Zustand \u00fcbergehe; aus verd\u00fcnnten L\u00f6sungen sowie. bei der F\u00e4llung mit schwachem\n3) Setzt man starken Alkohol im Uebersckuss zu einer mit wenig Wasser verd\u00fcnnten Eiweissl\u00f6sung, so wird das Albumin koagulirt, und l\u00f6st sich sp\u00e4ter nicht wieder in Wasser auf. Ist die Eiweissl\u00f6sung verd\u00fcnnt und der Alkohol nicht hinreichend stark, so wird zwar auch Eiweiss\nin weissen Flocken gekillt; dieses l\u00f6st sich aber in Wasser wieder auf. Wird aber dieser letztere Niederschlag noch einmal mit starkem Alkohol \u00fcbergossen und einige Stunden damit in Ber\u00fchrung gelassen, so ist er im Wasser nicht mehr l\u00f6slich (42 p. 58).","page":302},{"file":"p0303.txt","language":"de","ocr_de":"VERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nOAO\noUo\nAlkohol erhaltene Niederschl\u00e4ge seien in Wasser l\u00f6slich (ib. p. 70). Labei finden vir auch bei Simon Angaben \u00fcber die L\u00f6slichkeit des \u201eAlbumins\u201c in heissem Alkohol unter g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden und \u00fcber die Ausscheidung desselben nach dem Erkalten der L\u00f6sung (ib. p. 74). Simon benuzt diese L\u00f6slichkeit in heissem Alkohol als Methode zur Ausscheidung des Caseins z. B. aus der Linse (42 p. 7G; u. AM? 41\t7\np. 85). Liebig\u2019s Angaben (32 p. 879) unterscheiden sich wenig von den Beobachtungen der vorhergenannten Autoren und etwa nur darin, dass er unumwunden erkl\u00e4rt, dass der durch schwachen Alkohol erhaltene Proteinniederschlag sich nur in dem Falle l\u00f6st, wenn derselbe von der Mutterlauge rasch abgetrennt und in Wasser eingetragen wird. Scherer (40 p. 456) geht noch weiter und schl\u00e4gt sogar eine Methode zur Darstellung des Caseins vor, n\u00e4mlich F\u00e4llung durch Alkohol und Umsch\u00fctteln des erhaltenen Xiedersehlags mit \u00c4ther. Das Pr\u00e4parat l\u00f6se sich in warmen Wasser. Dasselbe finden wir beinahe Mort f\u00fcr Wort bei Bopp (6 p. 17) und dabei noch Angaben \u00fcber die L\u00f6slichkeit des Caseins in heissem Alkohol nach der F\u00e4llung mit Chlorwasserstoffs\u00e4ure. Diese L\u00f6slichkeit m\u00fcssen wir ohne Zweifel denjenigen Erscheinungen anreihen, die den Darstellungsmethoden des Globulins aus dem Blutfarbstoff nach Berzelius, Tiedemann. Gmelin zu gr\u00fcnde liegen und von uns in den ersten Kap. dieses Werkes (AW 41\u2014 7 p. 70\u201475) beschrieben wurden.\nWenn in Denis's, Simon\u2019s u. and. F\u00e4llen das Protein sich auf kosten der Alkalien in heissem und sogar in kaltem Alkohol aufl\u00f6ste, so l\u00f6ste sich dasselbe in Berzelius\u2019, Tiedemann\u2019s A Gmelin\u2019s, Bopp\u2019s und and. F\u00e4llen unstreitig auf kosten der vorhandenen S\u00e4ure. Dieses Verhalten des Alkohols zu den S\u00e4ureverbindungen wurde aber zum ersten Mal kurz und deutlich von Strecker (43 p. 575) ausgedr\u00fcckt: bei Gegenwart von Salzs\u00e4ure l\u00f6se sich das Casein in Alkohol in bedeutenden Quantit\u00e4ten: auch alkalihaltiger Alkohol l\u00f6se Lactoglobin leicht auf *). Diese Beobachtung erkl\u00e4rt andererseits Lecanu\u2019s Verfahren (AM\u00bb 41\u20147 p. 70\u201475) zur Darstellung von Globulin aus den Blutk\u00f6rperchen. Lecanu schl\u00e4gt vor, Blutk\u00f6rperchen in 20\u00b0 Alkohol zu erw\u00e4rmen; die erkaltende alkoholische L\u00f6sung scheide Proteinflocken aus. Dieser Umstand war es unstreitig, der Wittich auf den Gedanken brachte, das Globulin des Blutfarbstoffs durch Erw\u00e4rmen in Alkohol bei Gegenwart von Alkalicarbonaten zu extrahiren (50 p. 14).\nHierher ist auch der gel\u00e9eartige Niederschlag zu rechnen, den Lieberk\u00fchn (30 p. 324) nach dem Umsch\u00fctteln von 2\u20143-fach verd\u00fcnntem H\u00fchnereiweiss mit dem gleichen Volum Alkohol erhielt. In einem andern Falle erhielt Lieberk\u00fchn eine so starre Gallerte, dass man das Probierr\u00f6hrchen umkehren konnte, ohne dass dieselbe ihre Lage ver\u00e4nderte. Allm\u00e4liges Erw\u00e4rmen dieser gallertigen Massen bis zum Kochen brachte sie zum Zerfliessen, wobei sie beim Erkalten aber wieder erstarrten (30 p. 324). Auch Lehmann (28 p. 312) findet, dass Alkohol, der das Protein nur in grossen Dosen f\u00e4llt, dasselbe in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcberf\u00fchrt.\nDie ersten Angaben \u00fcber die Wirkung des Alkohols auf mehr oder weniger reines Globulin (Seroglobin) geh\u00f6ren Denis an. Dieser Autor (10 p. 84) zeigte, dass unter dem Einfluss von 40\u00b0 Alkohol das Seroglobin in den in Salzen unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergeht und frisches Globulin auch beim Kochen in 20\u00b0 Alkohol sich nicht l\u00f6st. Das Seroglobin werde durch Alkohol aus verd\u00fcnnten alkalischen L\u00f6sungen ausgef\u00e4llt, wobei der Niederschlag sogleich nach der F\u00e4llung sich in Wasser l\u00f6se (ib. p. 84). Gleicherweise werde sogar durch 40\u00b0 Alkohol das Seroglobin nicht nur aus\n*) Das salzsaure Casein wird auch von Alko-\talkalihaltigem A eingeist l\u00f6st sich das Casein\nhol in betr\u00e4chtlicher Menge gel\u00f6st.... Auch in leicht auf (43 p. 581).\nLe Physiologiste. Yol. Y.\n20","page":303},{"file":"p0304.txt","language":"de","ocr_de":"304\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nsalzhaltigen L\u00f6sungen, sondern auch aus solchen ausgefallt, welche ausser einem Salze noch ein Alkali oder eine S\u00e4ure bis zu deutlicher Reaktion enthalten. In diesen F\u00e4llen l\u00f6se sich der frischgef\u00e4llte Niederschlag in Wasser. Auch mit freiem Alkali alkalisirtes und daher in der W\u00e4rme ungerinnbares Serum werde durch Alkohol gef\u00e4llt, wobei der schnell aus der Mutterlauge entfernte Niederschlag sich in Wasser l\u00f6se. Diese L\u00f6slichkeit des Seroglobins erkl\u00e4rt Denis dahin, dass der Niederschlag Alkali zur\u00fcckgehalten hatte (ib. p. 86\u20147). Anges\u00e4uertes Serum gebe mit Alkohol ebenfalls Niederschl\u00e4ge, doch auch diese seien in einer gen\u00fcgenden Menge W'asser l\u00f6slich, namentlich wenn zum Ans\u00e4uern Phosphors\u00e4ure oder Essigs\u00e4ure genommen wurde (ib. p. 89). Diese zwar kurzen Angaben erkl\u00e4ren jedoch hinl\u00e4nglich die F\u00e4llbarkeit des Globulins in Abh\u00e4ngigkeit von der Gegenwart dieser oder jener Agentien. Trotzdem sahen einige Autoren die L\u00f6slichkeit des durch Alkohol erzeugten Niederschlags f\u00fcr eine charakteristische Eigenschaft des K\u00f6rpers an, in welchem die F\u00e4llung stattgefunden hatte. So unterscheidet Bernard den durch Alkohol bewirkten Niederschlag im Pankreassaft von dem im Safte der Ohrspeicheldr\u00fcse erhaltenen nur deshalb, weil ersterer in Wasser l\u00f6slich sei (3 p. 337).\nGleichsam zur Erg\u00e4nzung dessen, was Denis gefunden hatte, findet auch Schmidt (41 p. 439), dass alkalische und saure Seroglobinl\u00f6sungen durch Alkohol nicht gef\u00e4llt werden, bei Gegenwart von Mittelsalzen aber einen Niederschlag aussclieiden. Diese Beobachtungen sind insofern interessant, als sie ein und dasselbe Resultat lieferten. Denis hatte als Ausgangspr\u00e4parat eine salzhaltige Seroglobinl\u00f6sung, die er mit Alkalien oder S\u00e4uren versetzte; Schmidt, im Gegenteil\u2014alkalische oder saure L\u00f6sungen, denen er Mittelsalze zusetzte (ib. p. 440, 541). Das ausgeschiedene Seroglobin sei weder in kaltem noch in heissem Alkohol l\u00f6slich (ib. p. 440). Dabei findet Schmidt, dass die sog. fibrin\u00f6sen Fl\u00fcssigkeiten Niederschl\u00e4ge nusscheiden, die ihrem Charakter nach an Fibrin erinnern (ib. p. 537). Jedenfalls werde das Fibrinogen leichter als das \u201eAlbumin\u201c durch Alkohol gef\u00e4llt (ib. p. 537).\nHoppe-Seyler (25 p. 191) nimmt jedoch an, dass eine neutrale oder schwach-alkalische L\u00f6sung einer Proteinverbindung sowie eine verd\u00fcnnte alkalische Lacto-globinl\u00f6sung (Case'inl\u00f6sung) f\u00e4llbar sei, wobei der Niederschlag beim Kochen in Alkohol sich zum Teil l\u00f6se. Lehmann (29 p. 115) findet, in \u00dcbereinstimmung mit der Hauptidee des soeben \u00fcber die Wirkung des Alkohols Dargelegten, dass dieser auf die prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten ebenso wirkt wie die W\u00e4rme ')\u2022 Zugleich aber gelang es Lehmann trotz aller Bem\u00fchungen nicht, durch Einwirkung von Alkohol auf verd\u00fcnntes H\u00fchnereiweiss nach Lieberk\u00fchn\u2019s Vorgehen (s. ob. p. 303) gel\u00e9eaatige Gerinnsel zu erhalten. Sich das Enstehen solcher in Lieberk\u00fchn\u2019s Falle durch den Einfluss des Alkali erkl\u00e4rend, bereitete Lehmann seinerseits gel\u00e9eartige Massen durch Behandlung mit Alkohol nach dem Hineintragen einer geringen Alkalimenge. Eben solche Massen erhielt er unter denselben Umst\u00e4nden auch durch Essigs\u00e4ure.\nUm mittels Alkohol gel\u00e9eartige Massen zu erhalten, setzte Lehmann z. B. je 1 Tropfen einer 2%-igen \u00c4tznatronl\u00f6sung zu je 1 cc. einer neutralen Prote'in-l\u00f6sung zu. Die in diesem Falle erhaltene konsistente gel\u00e9eartige Masse zerfloss in der W\u00e4rme und erstarrte wieder beim Erkalten, wodurch sie Lehmanns Ansicht (29 p. 116) nach sich von denjenigen unterschied, die ausschliesslich durch Einwirkung von Alkalien erhalten werden (A\u00bbA\u00bb 81\u201485 p. 72). Beide Arten dieser gel\u00e9eartige Massen, sowohl die durch S\u00e4uren als die durch Alkalien erhaltenen, scheiden, sich selbst \u00fcberlassen, eine sauer- oder alkalischreagirende alkoholhaltige Fl\u00fcssig-\n\u2018) Dieselbe Wirkung, wie die W\u00e4rme, hat, wie ich gefunden habe, Alkohol (20 p. 115).","page":304},{"file":"p0305.txt","language":"de","ocr_de":"VERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\n305\nkeit aus (29 p. 117). Die gel\u00e9eartigen Massen werden durch grosse Alkoholmengen gef\u00e4llt (29 p. 120). Hoppe-Seyler (25 p. 180) findet, dass eine gen\u00fcgende Menge kalten Alkohols prote'mhaltige Fl\u00fcssigkeiten vollst\u00e4ndig f\u00e4lle, namentlich wenn dieselben ein Alkali nicht im \u00dcberschuss enthalten. In letzterem Falle werde bei der Neutralisation der zu pr\u00fcfenden Fl\u00fcssigkeit mit Essigs\u00e4ure, oder sogar bei einem gewissen \u00dcberschuss dieser vollst\u00e4ndige F\u00e4llung erreicht. Zugleich empfiehlt der Autor nach dem Alkoholzusatz die Fl\u00fcssigkeit an einem kalte Orte stehen zu lassen, da die beim Zugiessen des Alkohols sich entwickelnde W\u00e4rme die Aufl\u00f6sung des Proteins bef\u00f6rdern k\u00f6nne. Eichwald (12 p. 340) stellt die Wirkung des Alkohols aul die proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten derjenigen der Salze und der W\u00e4rme aul diese gleich. So identifizirt er das durch eine geringe Menge oder nicht besonders starken Alkohol gef\u00e4lle Protein mit den durch Salze bewirkten Niederschl\u00e4gen, w\u00e4hrend er den durch eine bedeutende Quantit\u00e4t oder besonders starken Alkohol erzeugten Niederschlag dem durch Kochen hervorgebrachten (12 p. 340) f\u00fcr identisch erkl\u00e4rt. Mehu (33 p. 265; ist derselben Ansicht, indem er findet, dass Alkohol im \u00dcberschuss die durch denselben in proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten erzeugten Niederschl\u00e4ge in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcberf\u00fchre; der frischgef\u00e4llte Niederschlag k\u00f6nne sich entweder ganz oder zum Teil aufl\u00f6sen. Im letzteren Falle enthalte der l\u00f6sliche Teil stets ein Alkali, w\u00e4hrend der unl\u00f6sliche des Alkali durch den Alkohol beraubt sei. Sowohl Hoppe-Seyler und Lehmann als Eichwald finden, dass neutrale, nicht besonders stark verd\u00fcnnte Seroglobinl\u00f6sungen in Alkalien ungef\u00e4hr durch das gleiche Volum absoluten oder durch das 3-fache Yol. 80\u00b0 Alkohols gef\u00e4llt werden. Schmidt\u2019s Angaben dar\u00fcber, dass alkalische Globulinl\u00f6sungen durch Alkohol nicht gef\u00e4llt werden, erkl\u00e4rt Eichwald dahin, dass Schmidt\u2019s L\u00f6sungen ein Alkali im \u00dcberschuss enthalten haben konnten. Weiter findet Eicliwald, dass Seroglobin, welches etwa 12 Stunden unter Alkohol gelegen hat, seine L\u00f6sungsf\u00e4higkeit in Salzen ein-biisst (13 p. 37). Aronstein (1874. 1 p. 90) meint, dass die F\u00e4llbarkeit dialysirten Serums oder Eiweisses durch Alkohol von den Salzen abh\u00e4nge. und dass mit deren Menge auch die F\u00e4llbarkeit jener zunehme. Heynsius (1874. 22 p. 540) behauptet, die F\u00e4llbarkeit des Seroglobins durch Alkohol werde durch die Gegenwart von Alkalien bedingt, so dass bei gewissen Mengenverh\u00e4ltnissen derselben das Globulin sich auch nicht ausscheiden k\u00f6nne. Westphalen (49 p. 77) meint seinerseits, dass auch die \u201eAlbuminate\u201c, in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergehen, wenn sie nicht gleich nach der F\u00e4llung durch Alkohol dem Versuch unterworfen, sondern mehr oder weniger lange darin gelassen werden. B\u00e9champ (2 p. 446) beobachtete L\u00f6slichkeit durch 2\u20143 Yol. 88\u00b0\u201490\u00b0 Alkohol gef\u00e4llten \u201eAlbumins\u201c aus Urin. Auch Hammarsten (19 p. 18) findet, dass unter gewissen Umst\u00e4nden das Seroglobin erst nach 8 Tagen seine L\u00f6slichkeit in Salzen einb\u00fcsse. In der Folge kehrte Hammarsten (20 p. 221) zu derselben Frage zur\u00fcck und meinte, das Protein k\u00f6nne auch lange Zeit in Alkohol liegen, ohne seine L\u00f6slichkeit zu verlieren; dies beziehe sich besonders auf das Protein der Transsudate, w\u00e4hrend dasjenige des Eiweisses den Einfluss des Alkohols am schlechtesten vertrage.\nWas die Dauer der Wirkung des Alkohols anbetrifft, so findet Hammarsten, dass kleinere Alkoholmengen einen weniger l\u00f6slichen Niederschlag bewirken als verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig grosse; er \u00fcberzeugte sich davon durch direkte Versuche, indem er eine und dieselbe prote'mhaltige Fl\u00fcssigkeit\u2014Blutserum, dialysirtes \u201eAlbumin\u201c\u2014 in einem Falle mit 3\u20144 Vol., in einem anderen mit 10 Vol. Alkohol f\u00e4llte; nach 8\u201430-t\u00e4giger Einwirkung fand er, dass der durch 10 Yol. Alkohol erhaltene Niederschlag sich zum gr\u00f6ssten Teil, n\u00e4mlich in 3 F\u00e4llen 75,8%, 100% und 68,1%, gel\u00f6st hatte, w\u00e4hrend im zweiten Fall die L\u00f6slichkeit 21,4%, 17% und 18,5%\n20*","page":305},{"file":"p0306.txt","language":"de","ocr_de":"306\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\n(20 p. 223) betrug. Andererseits findet auch Hoffmann (23 p. 393), dass das \u201eAlbumin\u201c aus dem Serum nicht nur ausf\u00e4llt, sondern teilweise auch in Globulin (?!) \u00fcbergeht. Um vollst\u00e4ndige und sichere F\u00e4llung des Proteins zu bewirken, r\u00e4t Palm (36 p. 36) die S\u00e4uren in alkoholischer L\u00f6sung einzutragen.\nExperimentelle Beobachtungen. Man darf k\u00fchn behaupten, dass alle Misverst\u00e4ndnisse, die beim Studium der Geschichte der Wirkung des Alkohols entstehen, sich leicht durch das Verhalten des reinen Globulins und dessen Verbindungen zum Alkohol erkl\u00e4ren lassen. Vor allem muss gesagt werden, dass in \u00fc g-liehst asch en freies Globulin, welcher Herkunft es auch sei, sowohl i n Alkohol a 1 s i n irgend welchen s e i n e r M i s c h u n g e n m i t W a s-ser wie bei gew\u00f6hnlicher so auch bei irgend einer andern Temperatur u n 1 \u00f6 s-1 i c h ist. Nicht genug: frischgef\u00e4lltes Globulin, welches sich leicht in schwachen Salz-, Alkali- und S\u00e4urel\u00f6sungen l\u00f6st, b\u00fcsst seine L\u00f6slichkeit unter dem Einfl\u00fcsse von Alkohol und dessen w\u00e4sserigen L\u00f6sungen ein. und zwar um so schneller und vollst\u00e4ndiger, je konzentrirter der Alkohol und \u00fcberhaupt je mehr Fl\u00fcssigkeit im Verh\u00e4ltnis zum Globulinniederschlag vorhanden ist. Weit schneller noch b\u00fcsst dieser seine L\u00f6slichkeit unter der Mitwirkung von W\u00e4rme ein. Je h\u00f6her die Temperatur ist, bei welcher Alkohol oder dessen L\u00f6sungen auf Globulin einwirken, desto schneller und vollkommener b\u00fcsst dieses seine L\u00f6slichkeit ein. Was die von uns schon betrachteten Albuminverbindungen anbetrifft, so k\u00f6nnen sowohl die in der Geschichte derselben verzeichneten als auch unsre eignen Beobachtungen durch folgenden Satz charakterisirt werden. Die L\u00f6slichkeit irgend einer Globulinver-b i n d u n g befindet sich im allgemeinen i n enger B e z i e h u n g zu der L\u00f6slichkeit des mit dem Globulin i n V e r b i n d u n g g e-tretenen chemisch e n A g ente n in Alkohol oder dessen w \u00e4 s-s e r i g e n L\u00f6sungen. Andererseits weisen sowohl unsre als auch viele geschichtliche Tatsachen darauf hin, dass Alkohol von einer und derselben Konzentration eine Globulinverbindung um so schwerer und in um so geringeren Mengen f\u00e4llt, je h\u00f6her deren Dissoziationstemperatur ist. Hierin w\u00fcrde wohl die Ursache der Iden-tificirung der Wirkung des Alkohols und der W\u00e4rme seitens der \u00e4lteren Autor zu suchen sein. Dass zwischen der Wiikung dieser beiden Agentien Parallelismus besteht, unterliegt keinem Zweifel: wo unter dem Einfl\u00fcsse von W\u00e4rme leicht F\u00e4llung erfolgt, dort wird eine solche auch durch geringe Mengen Alkohol, und durch entsprechende Mengen sogar schwachen Weingeists erzeugt und umgekehrt: wo W\u00e4rme keine F\u00e4llung hervorruft, da bedingt auch Alkohol sogar in bedeutender Menge keine Ver\u00e4nderungen. Die \u00c4quivalenz der W\u00e4rme und des Alkohol den Globulinverbindungen gegen\u00fcber habe ich nicht n\u00e4her bestimmt. Endlich muss noch darauf hingewiesen werden, dass durch gleichzeitige Einwirkung von W\u00e4rme und Alkohol F\u00e4llung, Zersetzung der Globulinverbindung viel leichter von statten geht, als wenn diese Agentien einzeln einwirken. Diesem Satze widersprechen, wenigstens auf den ersten Blick, die Beobachtungen sowohl \u00e4lterer als neuerer Autoren, welche Anfl\u00f6-sung einiger Pr\u00e4parate in heissem Alkohol und F\u00e4llung der erhaltenen L\u00f6sungen beim Erkalten beobachteten. In solchen F\u00e4llen steigt die Menge der sich l\u00f6senden Alkali- oder S\u00e4ureverbindung des Globulins mit der Temperatur, doch nur in gewissen Grenzen der Mengen sowohl der L\u00f6sungsmittel als der sich l\u00f6senden Substanzen, wie uns das schon von den w\u00e4sserigen L\u00f6sungen der Alkali- (A*?A\u00b0 81\u20145 p. 112) und S\u00e4ureverbindungen (AW 86\u201492 p. 252) des Globulins her bekannt ist. Auch hier steigt die L\u00f6slichkeit solcher Verbindungen mit der Temperatur, und bleibt nach dem Erkalten so viel der Substanz in L\u00f6sung, als unter den gegebenen Umst\u00e4nden bei gew\u00f6hnlicher Temperatur sich aufl\u00f6sen kann. Wir sehen hier im allgemeinen die-","page":306},{"file":"p0307.txt","language":"de","ocr_de":"307\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nselbe Erscheinung, welche bei der L\u00f6slichkeit verschiedener chemischer \u2019S erbindun-gen in Abh\u00e4ngigkeit von der Temperatur beobachtet wird.\nBei der Zersetzung der verschiedenen Globulinverbindungen in den Niederschl\u00e4gen durch Alkohol erhalten wir, dem Gesagten gem\u00e4ss, wiederum 'S erbin-dungen, deren Existenz aber durch die Gesammtheit der ver\u00e4nderten Bedingungen bedingt ist. Pleines Globulin durch F\u00e4llung mit Alkohol anders als in Verbindung mit verschiedenen Agentien zu erhalten, ist unm\u00f6glich. Bei den \u00e4lteren und den meisten der neueren Autoren werden alle derartigen Niederschl\u00e4ge \u201egeronnenes Albumin oder Eiweiss\u201c genannt (s. folg. Kap. Globulin im freien Zustande).\nVerhalten zu \u00c4ther. 1. Historisches. Wenn inbezug auf die Wirkung von Alkohol auf die verschiedenen proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeit sich kein nennenswerter Unterschied bemerkbar macht, so zeigten die ersten Beobachtungen Tiedemann & Gmelin\u2019s eine ungleichartige Wirkung des \u00c4thers auf Eiweiss und Serum. Die Beobachtungen dieser Autoren boten nichts Besonderes und wurden bald vergessen, aber dem aus denselben gezogenen Schluss stimmen viele Autoren bis auf den heutigen Tag bei. Fast in allen Lehrb\u00fcchern wird von dem Unterschied zwischen dem \u201eSerumalbumin\u201c und dem \u201eEieralbumin\u201c in der Reaktion auf \u00c4ther gesprochen, obgleich den sp\u00e4teren Verfassern von Lehrb\u00fcchern, auch denjenigen, die den Satz \u00fcber das verschiedenartige Verhalten des \u00c4ther zu beiden \u201eK\u00f6rpern\u201c anf\u00fchren, der Ursprung dieses Unterschieds, dieser Reaktion ') kaum bekannt gewesen sein d\u00fcrfte.\nChevreul scheint einer der ersten gewesen zu sein, der auf die F\u00e4llbarkeit des H\u00fchnereiweisses durch \u00c4ther hingewiesen hat (7 p. 44). Gew\u00f6hnlicher \u00c4ther wurde nach dem Waschen mit Wasser bei Zimmertemperatur vorsichtig aut eine Schicht H\u00fchnereiweiss gegossen. Nach einigen Tagen bemerkte Chevreul an der Ber\u00fchrungsstelle eine undurchsichtige Schicht, von welcher eine nach unten schw\u00e4cher werdende Tr\u00fcbung ausging. Chevreul hielt diesen Prozess f\u00fcr \u201eGerinnung\" (coagulation). Nachdem er eine 2 ctm. dicke Eiweissschicht mit einer 1 mm. starken \u00c4therschicht einen Monat lang in einer verkorkten Flasche hatte stehen lassen, bemerkte er, dass das Eiweiss eine gel\u00e9eartige Masse vorstellte, deren oberer Teil tr\u00fcber war als der untere. Beim Umsch\u00fctteln trennte sich die Fl\u00fcssigkeit von dem Gerinnsel ab, wobei dieses sich in Wasser nicht l\u00f6ste (7 p. 45). In der Folge fanden Tiedemann & Gmelin, dass H\u00fchnereiweiss beim Umsch\u00fctteln mit \u00c4ther eine gel\u00e9eartige Masse bildete, welche den gr\u00f6ssten Teil des \u00c4thers aufgenommen hatte. Diese im H\u00fchnereiweiss hervorgebrachte Ver\u00e4nderung nennen die Autoren ebenfalls Gerinnung. Dagegen wurde obige Erscheinung beim Zusatz von \u00c4ther zu Blutserum oder Lymphe nicht beobachtet; aus diesem Grunde glauben die Autoren, dass zwischen dem Protein des H\u00fchnereiweisses und des Serums ein Unterschied vorhanden sein m\u00fcsse. Berzelius teilte diese Ansicht und beobachtete, dass die bei der Einwirkung von \u00c4ther auf H\u00fchnereiweiss erhaltenen geleeartigen Massen eine gelbliche Fl\u00fcssigkeit ausschieden, die in der W\u00e4rme nicht gerann (4 p. G5). Auch M\u00fcller (34 p. 543) meint, dass Serum durch \u00c4ther nicht gef\u00e4llt werde, dass aber in Zuckerl\u00f6sung erhaltenes Blutplasma mit \u00c4ther einen k\u00f6rnigen Niederschlag gebe. Gruby & Dela-\n*) Weingeistfreier Aether bringt das Eiweiss der H\u00fchnereier sogleich zum Gerinnen; es bildet sich eine weisse durchscheinende Gallerte, welche einen grossen Theil des Aethers in sich aufnimmt. Derselbe Aether coagulirt weder das Serum des Blutes noch des Chylus: beide Fl\u00fcssigkeiten werden nur durchsichtiger, indem sie das in\nihnen suspendirte Fett an den Aether abtreten. Es muss demnach eine Verschiedenheit existiren, einerseits zwischen dem Eiweiss des H\u00fchnereies, und anderseits zwischen dem des Blut- und Chy-lus-Serums. In der Anmerkung: Auch mit der Kuhmilch bewirkt reiner Aether keine Coagulation, nur weingeisthaltiger (45-a, p. 12-13 des Vorworts).","page":307},{"file":"p0308.txt","language":"de","ocr_de":"308\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nfond (18 p. 1369) finden, dass auch Lymphe durch \u00c4ther gef\u00e4llt werde. Heule (21 p. 457) nimmt ebenfalls an, dass \u00c4ther nur Eiweiss f\u00e4lle.\nQuevenne (39 p. 315) beobachtete jedoch, dass, gut mit \u00c4ther umgesch\u00fcttelt, auch Milch einen Niederschlag ausscheidet, der aus einer gel\u00e9eartigen Masse besteht und an der Oberfl\u00e4che des Gemenges erscheint. Er findet weiter, dass eine solche F\u00e4llung auch in normalem Blutserum entsteht, doch nur in Gestalt einer unbedeutenden gel\u00e9eartigen Schicht (ib. p. 315). Bestimmter spricht sich Nasse aus (35 p. 149), der, ohne zwischen dem Eiweiss und dem Serum einen Unterschied inbezug auf ihre Proteine zu finden, den Unterschied in ihren Reaktion auf \u00c4ther dahin erkl\u00e4rt, dass das Protein im H\u00fclmereiweiss sich in konzentrirterer L\u00f6sung befindet: um st\u00e4rkere F\u00e4llung im Serum zu erhalten, empfiehlt er es einzudichten \u2019)!\nIn seiner Beschreibung der Eigenschaften des Taubeneiweisses bemerkt Jahn (27 p. 259), dass dasselbe beim Umsch\u00fctteln mit \u00c4ther Flocken ausscheidet, welche jedoch verschwinden, nachdem der \u00c4ther an die Oberfl\u00e4che gestiegen ist. Ein eben solches ATerhalten beobachtete Jahn auch am Blutserum. Genauere Mitteilungen \u00fcber die Wirkung von \u00c4ther finden wir bei Zimmermann (51 p. 299). Erstens findet der Autor einen Unterschied in der Wirkung von \u00c4ther und Alkohol darin, dass dieser die F\u00e4llung im Ber\u00fchrungsmoment hervorbringe, w\u00e4hrend mit \u00c4ther, der zu der Versuchsfi\u00fcssigkeit zugegossen wird und folglich \u00fcber derselben stehen bleibt, die Wirkung erst nach 10 Stunden eintrete und in 24 Stunden beendigt sei. Ferner findet Zimmermann, dass H\u00fclmereiweiss 14% Trockenrest, Serum nur 8%. also im Verh\u00e4ltnis von 7 : 4, enthalte, w\u00e4hrend in der Asche das umgekehrte Verh\u00e4ltnis 5 : 8 statthabe. Demgem\u00e4ss dampfte Verf. Serum an der Sonne bis zum spez. Gew. 1.042 ein; allein auch in diesem Falle schied es keinen solchen Niederschlag wie das H\u00fclmereiweiss aus; es wurde nichts weiter als ein H\u00e4utchen erhalten. Verd\u00fcnnte man dagegen H\u00fclmereiweiss mit Wasser bis zum spez. Gew. 1.027. so trat F\u00e4llung durch \u00c4ther nach 24 Stunden, nach dem Zusatz von kohlensaurem Natron zum Eiweisspr\u00e4parat erst nach 48 Stunden ein, wobei das Gerinnsel ein geleeartiges Aussehen hatte. Andererseits werde bei der Neutralisation des Serums mit Essigs\u00e4ure oder beim Zusatz einer geringen Menge Essigs\u00e4ure zu dem zur F\u00e4llung benutzten \u00c4ther in beiden F\u00e4llen st\u00e4rkere, beinahe vollst\u00e4ndige, F\u00e4llung erhalten (51 p. 300). Bei starkem Umsch\u00fctteln gebe auch Serum eine durchsichtige geleeartige Masse, aus welcher sich eine Fl\u00fcssigkeit ausscheidet. Bei vorsichtigem Drehen der Fl\u00fcssigkeit mit dem \u00c4ther bildete sich eine Haut, welche Zimmermann f\u00fcr eine besondere Substanz (eine Prote\u00fcnverbindung\u201451p. 302) hielt. Hundeblutserum und, nach H\u00fcnefeld, auch Schafblutserum gebe mit \u00c4ther eine wirkliche Gerinnung (ib. p. 303). In der Folge erw\u00e4hnt auch Zimmermann (52 p. 380) der F\u00e4llbarkeit des Serums durch \u00c4ther und gibt die Identit\u00e4t des durch \u00c4ther erzeugten Niederschlags mit dem aus Serum nach der Verd\u00fcnnung mit Wasser erhaltenen zu (.VA' 48\u201460 p. 102). Lieberk\u00fchn (30 p. 314), der sich auch mit der Frage nach der Wirkung des \u00c4thers besch\u00e4ftige, bemerkt seinerseits, dass bei dem Umsch\u00fctteln des Eiweisses mit \u00c4ther sich zu allererst eine Menge Blasen bilden, welche zu einer Masse zusammenfliessen, die jedoch ziemlich fl\u00fcssig ist. da dieselbe ihre Oberfl\u00e4che \u00e4ndert, wenn dem Gef\u00e4sse eine andere Lage gegeben wird. Um die Frage zu beantworten, ob das Protein dabei in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergegangen war, goss Lieberk\u00fchn die \u00c4thermischung in kaltes Wasser; es fiel dabei\n\u2019) Dampft mau das Serum ein, und setzt nun in der Reaction auf Aether verschieden vom Se-erst Aether zu, so erfolgt st\u00e4rkere Gerinnung. rum, weil es eine concentrirtere L\u00f6sung des Ei-Das H\u00fclmereiweiss zeigt sich also nur desshalb weisses ist (35 p. 149).","page":308},{"file":"p0309.txt","language":"de","ocr_de":"VERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\n309\nnach einiger Zeit eine unbedeutende Menge von H\u00e4uten zu Boden, welche weder in kaltem noch in heissein Wasser l\u00f6slich waren (30 p. 316). Der bei dem Trocknen an der Luft erhaltene R\u00fcckstand l\u00f6ste sich zum Teil in Wasser. Jedenfalls werde durch den \u00c4ther nur der kleinere Teil des Proteins aus dem Eiweiss ausgef\u00e4llt (30 p. 316); der in dem Wasser gel\u00f6ste Teil stelle das unver\u00e4nderte Eiweiss vor. Im ganzen nimmt Lieberk\u00fchn an. dass \u00c4ther ebenso auf das Serum wirkt. Er nahm zu seinen Versuchen Froschblutserum, weil dasselbe farblos ist. An der Grenze des \u00c4thers und der Fl\u00fcssigkeit bildete sich nach dem Umsch\u00fctteln des Gemenges eine mehrere Linien dicke Schicht eines Niederschlags. Dieselben Erscheinungen wurden auch in einer Caseinl\u00f6sung beobachtet (ib. p. 318\u20149). Aus diesen Tatsachen schliesst Lieberk\u00fchn, dass zwischen dem Albumin des Eies und des Serums, oder richtiger gesagt zwischen dem Serum und dem Eiweiss auch in dieser Beziehung kein Unterschied besteht. Lehmann (28 p. 312) setzt voraus, dass \u00c4ther eine partielle F\u00e4llung des Proteins erzeugt, die aber gel\u00f6st bleibt. Vir-chov (47 p. 138), der die Ansicht dieser Autoren teilte, hielt seinerseits die F\u00e4llung der Fl\u00fcssigkeiten durch \u00c4ther nicht f\u00fcr \u201eGerinnung\u201c (VW 48\u201460 p. 56\u20149), sondern nennt dieses Verhalten des \u00c4thers zu den proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten \u201eGallertbildung\u201c; dabei glaubte er. dass die Konsistenz der geleeartigen Masse von der in der Fl\u00fcssigkeit vorhandenen Proteinmenge abh\u00e4ngt (47 p. 138).\nNicht weniger interessant sind Denis\u2019s Beobachtungen (10 p. 81): mit 3 Yol. \u00c4ther behandeltes Serum gab, von Zeit zu Zeit umgesch\u00fcttelt, im Laufe von 24 Stunden an der Grenze der Fl\u00fcssigkeit und des \u00c4thers eine halbdurchsichtige Schicht. Denis wiederholte diese Operation bis zur vollst\u00e4ndigen Entfernung des durch den \u00c4ther gef\u00e4llten K\u00f6rpers (ib. p. 81). Ausserdem -finden wir bei Denis Angaben, die \u00fcber den Charakter des Niederschlags, den der \u00c4ther im Serum erzeugt hatte, keinen Zweifel \u00fcbriglassen. Denis sagt geradezu, dass mit \u00c4ther behandeltes Serum nach der Entfernung der enstandenen Niederschl\u00e4ge bei der S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat schon keine Niederschl\u00e4ge mehr aussclieide 2).\nAuf Grund alles Obigen ist es klar, dass dem Serum durch die Behandlung mit \u00c4ther ein Teil seines Globulins entzogen wird, folglich dasselbe, im Sinne der fr\u00fcheren Beobachter, gef\u00e4llt wird. Offenbar sollte dies der Schluss von Tiedemanirs A Gmelin's Lehre sein, nach welcher eigentlich nicht das Albumin des Serums und des Eiweisses, sondern \u201edas Serum und das Eiweiss\u201c sich von einander unterscheiden, um so mehr als alle Autoren darin einig sind, dass auf obige Weise nur ein Teil des Proteins gef\u00e4llt wird, der gr\u00f6ssere und wichtigere Teil desselben, im Eiweisse aber unver\u00e4ndert bleibt 3). Dabei weisen sowohl Denis\u2019s Beobachtungen als auch die ganze Geschichte des Globulins direkt darauf hin, dass der kleinere, vom \u00c4ther ausgef\u00e4llte. Teil des Proteins Globulin vorstellt. Demzufolge ist die Reaktion auf \u00c4ther, sollte man sie auch f\u00fcr charakterisch halten, nicht f\u00fcr das \u201eAlbumin\u201c, wenigstens nicht f\u00fcr dasjenige der sp\u00e4teren Autoren, sondern f\u00fcr das Globulin charakteristisch! Indessen \u00fcbertrugen sp\u00e4tere Autoren, die nicht den Sinn und das Wesen von Tiedemann\u2019s und Gmelin\u2019s Beobachtungen erfassten, sondern nur deren Voraussetz u n g (s. oben. p. n. 307) auf eine nicht weiter begr\u00fcndete Aus-\n') L\u2019\u00e9ther produit toujours sur le s\u00e9rum avec lequel on le renferme dans un flacon, une couche plus ou moins \u00e9paisse d\u2019un coagulum. .\n(10 p. 155).\n') Le chlorure de sodium peut \u00eatre dissous dans le s\u00e9rum jusqu'\u00e0 saturation sans y produire de changement. Il en est de m\u00eame du sulfate\nde magn\u00e9sie, \u00e0 condition que le s\u00e9rum ait bien \u00e9t\u00e9 purg\u00e9 de corps \u00e9trangers par l\u2019\u00e9ther (10 p. 90).\n3) L\u2019\u00e9ther y (blanc d\u2019oeuf) forma peu \u00e0 peu un coagulum; mais le liquide conserva toujours beaucoup de substance albumino\u00efde en dissolution, qui resta inattaquable par cet agent (10 p. 1S6).","page":309},{"file":"p0310.txt","language":"de","ocr_de":"310\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nsage derselben hin, ohne die Geschichte dieser Frage zu kennen, diese Reaktion auf die durch vorhergegangene Behandlung stark ver\u00e4nderten proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. In der Tat heisst seitdem alles, vas durch die Einwirkung von \u00c4ther ausf\u00e4llt, Globulin. Man sieht dies auch aus Denis\u2019s weiteren Beobachtungen und zwar (11p. 45): aus einer salzhaltigen L\u00f6sung werde das Fibrin durch \u00c4ther nur teilweise \u2018) ausgef\u00e4llt!\nInteressant ist auch, dass Schmidt im J. 1862 fand, dass ausgeschiedenes Seroglobin unter dem Einfl\u00fcsse von \u00c4ther seine chemischen Eigenschaften nicht ver-\u00e4ndre. Was das Plasma anbetrifft, so erhielt Schmidt unstreitig keine g\u00fcnstigeren Resultate als M\u00fcller (AhV 75\u201480 p. 177), n\u00e4mlich dass auch das Plasma mit \u00c4ther keine gen\u00fcgende F\u00e4llung gibt. Zu derselben Zeit machte Hoppe-Seyler (24 p. 555) eine interessante Beobachtung: er bemerkte, dass die prote'mhaltigen Fl\u00fcssigkeiten bei Gegenwart von \u00c4ther leichter durch ein Salz (Natriumcarbonat) gef\u00e4llt werden. Lehmann findet zwar (29 p. 117), dass \u00c4ther auf gleiche Weise auf alkoholische und saure Protemverbindungen wirkt, doch geschehe es in weit schw\u00e4cherem Grade. \u00dcbrigens stimmt Lehmann\u2019s Beobachtung vollkommen mit denjenigen \u00e4lterer Autoren \u00fcberein.\nNach allem Gesagten st\u00f6sst der Leser mit Verwunderung bei Aronstein (1874. 1 p. 91) auf die Behauptung, dass das \u201eSerumalbumin\u201c von dem \u201eEieralbumin\u201c sich durch die Reaktion auf \u00c4ther unterscheidet: ersteres werde durch \u00c4ther nicht gef\u00e4llt, letzteres falle aus 2). Obgleich Aronstein in diesem Falle die Bedeutung der Salze anerkennt, behauptet er dennoch, dass das \u201eAlbumin\u201c des Eiweisses (VW 48\u201460 p. 134) nach der Dialyse die F\u00e4higkeit einb\u00fcsse, durch \u00c4ther gef\u00e4llt zu werden, w\u00e4hrend dialysirtes Serum diese F\u00e4higkeit gewinne. Offenbar hatte Aronstein hier eine ungleichm\u00e4ssige Mitwirkung der die dialysirte Fl\u00fcssigkeit bildenden Agentien vor sich, da er daselbst behauptet, dass in die dialysirten Fl\u00fcssigkeiten eingetragene Spuren Kochsalz das Verhalten derselben zum \u00c4ther aufs neue ver\u00e4nderten (lp. 91).\nHeynsius (22 p. 540), der in dem Verhalten des \u00c4thers nichts Charakteristisches sah, fand dass die F\u00e4llbarkeit der prote'mhaltigen Fl\u00fcssigkeiten durch \u00c4ther nicht blos von deren Konzentration sondern auch von den in denselben enthaltenen Salz- und Alkalimengen abh\u00e4nge. Auch Rollet erkl\u00e4rt die leichtere F\u00e4llbarkeit des Eiweisses im Vergleich zum Blutserum durch \u00c4ther dadurch, dass ersteres weniger Alkali enth\u00e4lt; nach der Entfernung des Alkali und der Salze mittels Dialyse fange auch das Serum an, von \u00c4ther gef\u00e4llt zu werden (39-b p. 94).\n2. Experimentelle Beobachtungen. Ein bedeutendes Interesse bieten unstreitig die in unserem Laboratorium von der Herren W. Popoff (37 p. 158) und F. Remesoff (39-a p. 260) angestellten Beobachtungen, welche gezeigt haben, dass das Globulin des Eigelbs in dessen gew\u00f6hnlichen Pr\u00e4paraten unter dem Einfluss von \u00c4ther sich mehr oder weniger schnell ver\u00e4ndert und in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergeht. Ausser diesen Beobachtungen wurden in unserm Laboratorium noch zahlreiche Untersuchungen \u00fcber die Wirkung des \u00c4thers auf die Prote'ink\u00f6r-\n!) L\u2019\u00e9ther froid agit\u00e9 dans un flacon avec de la m\u00eame dissolution, lui enl\u00e8ve une partie de sa fibrine qui vient flotter \u00e0 la surface du m\u00e9lange, en une sorte de gel\u00e9e peu consistante. Ainsi la combinaison faible que la fibrine contracte avec certains sels, et qui la rend soluble, est ais\u00e9ment\nrompue par une foule de r\u00e9actifs.....................\n(11 p. 45).\nA Bekanntlich (?!) unterscheiden sich Serum\u2014\nresp. Eieralbumin, welche im Uebrigen ein ganz gleiches Verhalten zeigen, von einander, wie man bis jetzt annahm, nur durch die Wirkung, welche der Aether auf sie aus\u00fcbt; aus der Eialbuminl\u00f6-sung wird das Albumin durch Aether gef\u00fcllt, nicht aber aus dem Serum Die Tbatsache ist richtig, aber diese Reactionen sind wiederum nur die Folge des nat\u00fcrlichen Salzgehaltes der Eiweissl\u00f6sungen (1 p. 91).","page":310},{"file":"p0311.txt","language":"de","ocr_de":"VERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\n311\nper ausgef\u00fchrt. Selbstverst\u00e4ndlich kann von der L\u00f6slichkeit des Globulins im \u00c4ther in irgend welchem Grade nicht die Rede sein. Ohne sich in \u00c4ther aufzul\u00f6sen, geht frischgef\u00e4lltes Globulin unter dem Einfl\u00fcsse desselben mehr oder weniger schnell in den in Salzen unl\u00f6slichen Zustand \u00fcber. Was die verschiedenen Globulinverbindungen anbetrifft, so kann man nat\u00fcrlich nur von der Wirkung des \u00c4thers auf die w\u00e4sserigen L\u00f6sungen dieser K\u00f6rper reden. In dieser Hinsicht d\u00fcrfen wir den \u00c4ther auf eine Stufe mit dem Alkohol stellen, wobei jener aber ungleich schw\u00e4cher wirkt als dieser. \u00dcberdies ver\u00e4ndern sich die durch \u00c4ther erhaltenen Niederschl\u00e4ge lansamer als die unter dem Einfluss vom Alkohol erhaltenen.\nGanz richtig bemerkte Hoppe-Seyler (s. oh. p. n. 310), dass \u00c4ther der f\u00e4llenden Wirkung der Salze Vorschub leistet. Im allgemeinen kann man sich folgendermaas-sen ausdr\u00fccken: von der maximalen L\u00f6slichkeit der Verbindungen oder, richtiger gesagt, von alienm\u00f6glichen Verbindungen mit der h\u00f6chsten L\u00f6slichheit des Globulins nach beiden Seiten hin ausgehend,\u2014steigt die F\u00e4llbarkeit desselben durch \u00c4ther bei einem und demselben \u00c4thergehalt; ferner steigt die F\u00e4llbarkeit der Globulinverbindungen ebenfalls sowohl mit der Zunahme des Gehalts an \u00c4ther als auch mit dem Steigen des Globulingehalts. In dieser Beziehung wird durch die Einwirkung von \u00c4ther das F\u00e4llungsverm\u00f6gen des Wassers, der S\u00e4uren der Alkalien, der Salze und der W\u00e4rme bef\u00f6rdert. Andererseits k\u00f6nnen wir durch die gleichzeitige Einwirkung von W\u00e4rme, einem Salze und \u00c4ther die F\u00e4llungstemperatur im Vergleich zu der Temperatur der F\u00e4llung, unter denselben Bedingungen, doch bei Abwesenheit von \u00c4ther, herabsetzen. Es k\u00f6nnen hier verschiedene Kombinationen der genannten Agentien statthaben, zu denen man auch die gleichzeitige Einwirkung von Alkohol und \u00c4ther als Gemenge rechnen kann.\nGleichzeitige Einwirkung von \u00c4ther und A 1 k o h o 1.\u2014Wenn \u00c4ther allein auf die prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten auch in denselben Sinne wirkt wie Alkohol, so ist dessen Wirkung doch eine verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig schwache; wirkt es aber gleichzeitig mit Alkohol ein, so wird die Wirkung dieses letzteren bedeutend verst\u00e4rkt.\nSo viel mir bekannt ist. hat man sich der gleichzeitigen Einwirkung von \u00c4ther und Alkohol in den F\u00e4llen bedient, wo man auf die Wirksamkeit dieses letzteren allein nicht rechnen, und von \u00c4ther allein um so weniger vollst\u00e4ndige F\u00e4llung erwarten konnte. Die ersten Beobachtungen in dieser Richtung geh\u00f6ren Tiedemann A Gmelin (s. oben. p. n. 307, Anmerkung). Um den schw\u00e4cheren Einfluss des \u00c4thers im \\ ergleich zum Alkohol zu erkl\u00e4ren, sprach Lieberk\u00fchn die Ansicht aus, diese Erscheinung sei mit dem geringeren Absorptionsverm\u00f6gen des \u00c4thers in bezug auf Wasser verkn\u00fcpft, da die F\u00e4llung durch Alkohol in Wasserentziehung bestehe.\u2014In anbetracht dessen, dass \u00c4ther sich mit Alkohol in allen m\u00f6glichen Verh\u00e4ltnissen vermischt, benutzte Lieberk\u00fchn denselben in alkoholischer L\u00f6sung und erhielt erstaunliche Resultate: dort wo \u00c4ther allein gar keine F\u00e4llung bewirkte, erzeugte Alkohol-\u00c4ther bedeutende Flocken *)\u2022 Bass es in diesen F\u00e4llen der \u00c4ther war, der die Wirkung haupts\u00e4chlich hervorbrachte, beweist Lieberk\u00fchn durch folgende Versuche. Er versetzte verd\u00fcnntes Eiweiss mit dem gleichen Volum Alkohol auf solche W eise, dass die genannte Menge Alkohol keine F\u00e4llung hervorbrachte. Zu der einen H\u00e4lfte wurde \u00c4ther, zu der andern die gleiche Menge Alkohol zugesetzt: in beiden Gemengen enstand eine gleiche F\u00e4llung (30 p. 321\u20142).\n') Beweisend f\u00fcr obige Behauptung ist, dass griffen wird, wie das gew\u00f6hnliche, w\u00e4hren des in das durch Kali niodificirte Eiweiss in seiner dem alkoholischen Aether die st\u00e4rksten flockigen w\u00e4ssrigen L\u00f6sung von Aether gerade so ange- Niederschl\u00e4ge verursacht (30 p. 321).","page":311},{"file":"p0312.txt","language":"de","ocr_de":"312\nVERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\nBopp (6 p. 17) findet seinerseits, dass durch Alkohol aus Milch ausgef\u00e4lltes \u201eCasein\u201c bei fernerer Behandlung mit \u00c4ther konsistenter wird. Strecker (43 p. 575) macht ebenfalls die interessante Beobachtung, dass eine s\u00e4urehaltige Lactoglobinverbin-dung (Casein) nach der Aufl\u00f6sung in Alkohol von \u00c4ther gef\u00e4llt wird. Genauere und zahlreichere Beobachtungen \u00fcber die gleichzeitige Wirkung von Alkohol und \u00c4ther rinden wir wieder bei Lieberk\u00fchn in seiner Arbeit vom J. 1852 (31 p. 122), in welcher er zur F\u00e4llung der alkoholischen L\u00f6sung einer Alkaliverbindung des Broteins \u00c4ther benutzte; dieser Niederschlag durfte weder mit Wasser noch mit Alkohol gewaschen werden, da er sich darin l\u00f6ste, infolge dessen Lieberk\u00fchn denselben mit einer Mischung von Alkohol und \u00c4ther wusch x). Nicht genug; Lieberk\u00fchn schl\u00e4gt sogar vor, unl\u00f6sliches Protein aus dessen Alkaliverbindung durch F\u00e4llen einer alkoholischen L\u00f6sung derselben zu f\u00e4llen und dann an der Luft zu trocknen % Eine alkoholische L\u00f6sung sowohl einer Alkaliverbindung als des Caseins werde durch \u00c4ther gef\u00e4llt (31 p. 12G\u20147 u. 303). Lieberk\u00fchn stellt die Behandlung der pro-teinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten mit einem Alkohol-\u00c4ther-Gemisch als Methode auf. indem er empfiehlt auch Alkaliverbindungen des Blutserums mit einem solchen zu f\u00e4llen, den Niederschlag in heissem Alkohol zu waschen und aufs neue mit \u00c4ther auszuf\u00e4llen 3). Auch aus einer w\u00e4sserigen Linsenextraktl\u00f6sung f\u00e4llte Lieberk\u00fchn das Protein mit dieser Mischung aus, l\u00f6ste den Niederschlag in Wasser auf und f\u00e4llte ihn aufs neue mit Alkohol-\u00c4ther, wie in dem soeben beschriebenen Falle (31 p. 300).\nIn der Folge verfuhr Schmidt, ohne seiner Vorg\u00e4nger zu erw\u00e4hnen, ebenso, indem er zur F\u00e4llung des Globulins (Fibrinogens) aus dessen L\u00f6sungen sich eben-falls-Alkohol des \u00c4thers bediente (41p. 439). Zu diesein Zwecke bereitete er eine Mischung aus 3 Teilen absoluten Alkohols und 1 T. \u00c4ther, wobei aber, Schmidt\u2019s Worten nach, diese Mischung auch durch Alkohol allein ersetzt werden k\u00f6nne 4). Palm (36 p. 35) der zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung von Protein alkoholische S\u00e4urel\u00f6sungen (s. ob. p. n. 305\u20146) benutzte, fand, dass ein Zusatz von 10% \u00c4ther die Wirksamkeit der alkoholischen S\u00e4urel\u00f6sung steigerte (36 p. 35).\nIndem wir die obenangef\u00fchrten Thatsachen best\u00e4tigen, f\u00fcgen wir unsererseits hinzu, dass ein Gemenge aus Alkohol und \u00c4ther viel st\u00e4rker wirkt als ein jedes dieser Agentien f\u00fcr sich. Unter dem Einfl\u00fcsse dieses Gemenges geht reines Globulin viel schneller in den in Salzl\u00f6sungen unl\u00f6slichen Zustand \u00fcber, als wenn entweder Alkohol oder \u00c4ther allein einwirkt. Was die in den Globulinl\u00f6sungen durch Alkohol-\u00c4ther hervorgebrachten Niederschl\u00e4ge im allgemeinen anbetrifft, so werden wir dieselben in folg. Kap. Globulin im freien (festen) Zustande betrachten.\n') Zur Bestimmung der Substanz, wie sie in\nden neutralen L\u00f6sungen enthalten ist,.........\n........................wurde eine mit vielem\nkochenden Alkohol gewonnene L\u00f6sung durch Aether gef\u00e4llt, Der dadurch entstehende Niederschlag wurde mit einer Mischung von Alkohol und Aether ausgewaschen;... (31 p. 122).\n2) Will man nur diese unl\u00f6sliche Modification darstellen, so geschieht diess am leichtesten so, dass man die durch Kali erstarrte Eiweissl\u00f6sung nur wenige Male mit Wasser auszieht und dann gleich in Alkohol kocht, filtrirt und mit Aether f\u00e4llt. Der noch \u00fcbersch\u00fcssiges Kali enthaltende Niederschlag wird an der Luft getrocknet, fein pulverisirt und nun auf dem Filtrum so lange mit AVasser ausgewaschen, bis die ablaufende Fl\u00fcssigkeit neutral reagirt (31 p. 122).\n3) Das Natronalbuminat des Blutes gewinnt man durch F\u00e4llen des Serums mit \u00e4therhaltigem AAVingeist und durch Extraction des Niederschlages mit kochendem AVasser oder Spiritus; versetzt man letzteren mit Aether, bis die flockige F\u00e4llung entsteht und trocknet dieselbe, ...... (31\np. 306).\nG Ich bemerke hier zum AToraus, dass ich mit Aether keine g\u00fcnstigen Resultate erzielt habe, wohl aber mit einem Gemenge von 3 Th. absolutem Alkohol und 1 Th. Aether; wie ich aus einigen sp\u00e4teren Versuchen ersehe, timt \u00fcbrigens absoluter Alkohol allein dieselben Dienste (41 p. 535).","page":312},{"file":"p0313.txt","language":"de","ocr_de":"VERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.\n313\nLITERATUR.\n1) Aronstein.\u2014Pfl\u00fcger's. 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Arch. 1854.","page":313}],"identifier":"lit36678","issued":"1907","language":"de","pages":"301-313","startpages":"301","title":"Verhalten des Globulins und seiner Verbindungen zu Alkohol und \u00c4ther","type":"Journal Article","volume":"5"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:10:20.992387+00:00"}

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