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{"created":"2022-01-31T14:16:50.884697+00:00","id":"lit37674","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morochowetz, Leo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 4: 15-33","fulltext":[{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"Das Globulin dor Stromata dor roten Blutk\u00f6rperchen.\nGloboglobin.\nSynonyme: Faserstoff\u2014Plonk, Fibrin\u2014Homo, Donn\u00e9 v. r. a., geronnenes Albumin\u2014 Letelier, Albtumn, sareine (sarkine)\u2014Dents, Case\u00efn\u2014 Simon, Globulin\u2014Mulder, Mole-sehott, Denis, Virchow, Schmidt, K\u00fchne u. a., Case\u00efn dor Blutk\u00f6rperchen \u2014Paninn,\nStrom afibrtn \u2014 Twin dots, (}loboglnbin\u2014Moroehowot z.\nVon Prof. Leo Morochowetz,\nEinige a n a t o m i s e h o T h a tsac li e n ii 1) o r d e n R a u d e r r o t e n Blutk\u00f6rperchen. Bei dem Studium der Geschichte sowohl des Begriffs als auch der Eigenschaften der Substanz des Stroma der roten Blutk\u00f6rperchen sind wir der Regel, die wir uns zum Gesetz gemacht haben, gefolgt, uns nicht mit der Terminologie der Autoren zu begn\u00fcgen, sondern von den Thatsachen, die dieser oder jener Autor gegeben, ausgehend, den Begriff seihst zu erfassen zu suchen, haupts\u00e4chlich aber von der Gewinnungsmethode dieses oder jenes Pr\u00e4parat genaue Kenntniss zu erlangen. Wie weiter unten ersichtlich sein wird, hat uns diese Methode erm\u00f6glicht, einerseits gewisse Irrt\u00fcmer der Autoren aufzudecken, andererseits wenn auch kein sehr umfangreiches, so doch ein sehr interessantes Material f\u00fcr die Geschichte des K\u00f6rpers, den wir studiren, zu benutzen. Diese Methode macht eine n\u00e4here Bekanntschaft mit der Geschichte der Lehre von dem anatomischen Bau des roten Blutk\u00f6rperchens unn\u00f6tig. Trotzdem dass die Geschichte des chemischen Baues mit den anatomischen Begriffen scheinbar Hand in Hand gehen m\u00fcsste, erweist es sich jedoch, dass die Ansichten \u00fcber den Bau sich ge\u00e4ndert haben, w\u00e4hrend die chemischen Thatsachen, die Reactionen der Substanzen. aus denen das rote Blutk\u00f6rperchen besteht, unver\u00e4ndert geblieben sind. Demgem\u00e4ss ist es ganz unerheblich einerseits, ob in dem Blutk\u00f6rperchen der S\u00e4ugetiere das Vorhandensein einer H\u00fclle, eines Kernes oder eines Ger\u00fcstes angenommen wird, andererseits\u2014oh der Farbstoff die H\u00fclle oder den Kern bildet: wir werden sehen, dass vom chemischen Standpunkte aus es leicht ist, sicli in den einzelnen F\u00e4llen zu orientiren. und man im allgemeinem sagen kann, dass beinahe von den ersten Schritten des Studiums der Blutk\u00f6rperchen an es bekannt wurde, zudem auf die einfachste Weise, dass an dem Bau der roten Blutk\u00f6rperchen der S\u00e4ugetiere zwei Proteink\u00f6rper, ein farbiger und ein farbloser, teilnehmen. Uebri-gens sind auch die anatomischen Thatsachen nicht weiter vorgeschritten als die chemischen Untersuchungen. Wenn die Lehre von dem Bau des Blutk\u00f6rperchens, nach welcher ein innerer fibrin\u00f6ser Kern und eine \u00e4ussere H\u00fclle aus Blutfarbstoff angenommen und von den meisten Gelehrten wie Hewson (30 p. 9 u. a.), Home (33 p. 173). Joung (39 p. 573), Berzelius (5 p. 30), M\u00fcller (Gl p. 520), Denis (13 p.","page":15},{"file":"p0016.txt","language":"de","ocr_de":"16\nDAS OROBULTN DDR ROTIJEX BT.\u00dcTKC)RPEROHEN.\n20), Lecanu (48 p. 216). Pr\u00e9vost & Dumas (Io p. 50 u. 51), Denis-Benadaiit (17p. 014), Magendie (50 p. 68), Mandl (57 p. 108), Andreieff (2 p. 24\u20145). Mulder (05 p. 325), Molescliott (58 p. 7), Pelouze & Frany, Milne-Edwards, W\u00f6liler u. a. anerkannt und verfochten wurde, wenig fiir sich hatte, so konnte auch die Lehre, die eine entgegensetzte Anordnung der Teile\u2014d. h. einen aus Farbstoff bestehenden Kern von einer fibrin\u00f6sen H\u00fclle umgeben\u2014welcher Virchow (92 p. 435; 93 p. 89\u201490). 'Weber (94 p. 12), Gerlach (25 p. 43), Denis (16 p. 10), Simon (89 p. 321), Letelier (53 p. 561) beistimmten, auch keine gr\u00f6ssere Anzahl von Thatsachen aufweisen. Dasselbe kann ebenfalls von der Lehre gesagt werden, nach welcher das Fibrin ein Gewebe bildet, in dessen Maschen das Albumin und der Blutfarbstoff eingeschlossen sind, wie Donn\u00e9 (18}\u00bb. 478) \u2018) und in der Folge Koberts, haupts\u00e4chlich aber Br\u00fccke (1807, 9 p. 79) lehrten, welch letztere fast denselben Bau der Zelle, wie Donn\u00e9 annahmen, indem sie das Vorhandensein einer por\u00f6sen Grundmasse, in welcher der. gef\u00e4rbte Teil eingeschlossen sein sollte (9 p. 79) * 2), voraussetzten. Zu dieser Ansicht bekannten in demselben Jahre sich auch Schweiger-Seidel & Schmidt (85 p. 194). Alle diese Hypothesen \u00fcber den Bau des Blutk\u00f6rperchens haben der zu unserer Zeit allgemein anerkannten, schon im Jahre 1804 von Villar (91 p. 406) aufgestellten Lehre, dass die Blutk\u00f6rperchen feste K\u00f6rper sind und weder Scheiben noch feste Kerne, weder S\u00e4ckchen noch Zellen vorstellen 3j, weichen m\u00fcssen. In bestimmteren Ausdr\u00fccken und mit voller \u00dcberzeugung, dass das Blutk\u00f6rperchen eine homogene mit Wasser und Farbstoff impr\u00e4gnirte Masse ist. spricht sich Kasse (1842, 06 p. 91) aus. Obgleich er vom anatomischen Standpunkte aus das Vorhandensein eines Kernes auch zugiebt. so zieht er diesen vom chemischen Standpunkte aus, infolge der \u201eunbedeutenden Gr\u00f6sse\u201c desselben, nicht in Betracht, da er findet, dass das K\u00f6rperchen durch die chemische Behandlung in den Farbstoff und die Grundlage zerf\u00e4llt (ib. p. 90). Derselben Ansicht sind B\u00e9rard. Mandl. K\u00fcss, Bobin & Verdeil; die beiden letzteren glauben (74 p. 350), dass das Ger\u00fcst (das Globulin) mit dem Blutfarbstoff und einigen Fetten Molek\u00fcl f\u00fcr Molek\u00fcl verbunden ist, nicht aber eine sackf\u00f6rmige H\u00fclle, welche den Farbstoff umgiebt, vorstellt 4). Derselben Lehre folgt auch Denis (1859, 16 p. 25). Kollett\u2019s Arbeiten endlich (1862, 75 p. 67 und sp\u00e4ter 76 p. 73; 77 p. 157) haben endg\u00fcltig den Satz festgestellt, dass das Blutk\u00f6rperchen aus einer elastischen, weichen, dehnbaren Substanz besteht, in welcher wenigstens zwei miteinander auf unbekannte Wise verbundene Bestandteile unterschieden werden m\u00fcssen, ein krystallisirbarer\u2014das H\u00e4matoglohin\u2014 und das eigentliche Ger\u00fcst (Stroma), und dass das zwischen diesen Teilen bestehende Band durch \u00e4ussere Umst\u00e4nde zerst\u00f6rt werden kann (75 p. 97-\u20148).\n\u2019) \u201eM. Donn\u00e9 conclut de ces faits que les globules du sang ne sont point un simple pr\u00e9cipit\u00e9 d\u2019albumine, comme le pr\u00e9tend M. Raspail, mais qu\u2019ils sont form\u00e9s d\u2019un tissu, d\u2019un canevas, pour ainsi dire, de fibrine, dans les mailles duquel l\u2019albumine et la mati\u00e8re colorante sont d\u00e9pos\u00e9es\u201c (,18 p. 478).\n2)\tSo klar die Behandlung mit 2\u00b0/o-iger Bors\u00e4ure ist und so leicht das Bild der Ver\u00e4nderung in dem Blutk\u00f6rperchen entsteht, so unverst\u00e4ndlich und unklar ist Br\u00fccke\u2019s Erkl\u00e4rung des Baues desselben. Factisch geben Br\u00fccke\u2019s Beobachtungen keinen Grund, sein Oekoid und Zooid von dem, was unter dem Namen Stroma und Farbstoff bekannt ist, zu unterscheiden.\n3)\t\u201eLes globules du sang humain et ceux des\nanimaux sont des corps solides, qui plongent au fond de l'eau; je ne doute pas qu\u2019ils no soient plus gros, plus volumineux dans les vaisseaux lorsqu\u2019ils sont rar\u00e9fi\u00e9s par la chaleur, mais ils ne pr\u00e9sentent ni cercles, ni noyau solide, ni sacs, ni cellules, comme Hewson. Fontana, le p\u00e8re la Torre et autres ont pr\u00e9tendu\u201c (91 p. 406).\n4)\t\u201eElle (globuline) forme la plus grande masse du globule sanguin. Elle constitue ainsi une masse insoluble dans le s\u00e9rum, qui est unie mol\u00e9cule \u00e0 mol\u00e9cule \u00e0 la mati\u00e8re colorante du sang et \u00e0 quelques graisses, sans qu'il y ait d\u2019enveloppe v\u00e9siculaire comme on le dit g\u00e9n\u00e9ralement, dans laquelle seraient renferm\u00e9s ces derniers principes\u201c (74 p. 356).","page":16},{"file":"p0017.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN PER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n17\n1 G 0 r s t 0 11 K 0 11 n t il i s s o \u00fc b c r do n c h c m i s c h c n B a u dos S 11 o m a. Wenn llowson (1777, 30 p. 0, 17, 33\u20144) bei seinen mikroscopischen Beobachtungen elie roten Blutk\u00f6rperchen der S\u00e4ugetiere f\u00fcr eine Substanz ansah, welche in Wasser, verd\u00fcnnten Alkalien und S\u00e4uren l\u00f6slich ist, so nimmt Plenk (69 p. 32) an, dass diese K\u00f6rperchen aus derselben Substanz (faserichter Leim) wie das in Wasser unl\u00f6sliche Fibrin des Blutes bestehen, widerlegt dadurch gleichsam Hewson's Angaben \u00fcber die Wasserl\u00f6slichkeit der Blutk\u00f6rperchen, best\u00e4tigt aber diejenigen \u00fcber die L\u00f6slichkeit dieser K\u00f6rperchen in Alkalien und S\u00e4uren. Loch finden wir bei Hewson zu allererst nicht weniger wichtige Angaben \u00fcber die Unl\u00f6slichkeit der roten Blutk\u00f6rperchen in Salzl\u00f6sungen sowie auch dar\u00fcber, dass sie in diesen ihre Form bewahren, welche, wie er fand, keine kugelf\u00f6rmige sondern eine abgeplattete, m\u00fcnzenf\u00f6rmige (30 p. 9 u. 30-32) ist, und erkl\u00e4rt die conservi-rende Wirkung des Serums durch die Gegenwart derselben neutralen Alkali- und Erdalkalisalze. Hewson fand auch, dass concentrate Salzl\u00f6sungen die Blutk\u00f6rperchen nicht nur nicht aufl\u00f6sen sondern, im Gegenteil, Zusammenziehung \u2018) derselben bedingen und bei der Verd\u00fcnnung mit 6\u201412 Teilen Wasser keine Formver\u00e4nderung veranlassen (ib. p. 31). Genauere und bestimmtere Angaben \u00fcber die Wirkung des Wassers auf die Blutk\u00f6rperchen finden wir bei Joung (1813, 39 p. 573); derselbe findet, dass das Blutk\u00f6rperchen dem Wasser nur seinen Farbstoff abgiebt. selbst aber anschwillt und immer durchsichtiger wird, folglich sich schwer unterscheiden l\u00e4sst. Um den Blutk\u00f6rperchen deutliche Umrisse wiederzugeben empfiehlt Joung zu dem mikroscopischen Pr\u00e4parat Alkohol zuzugeben. Obgleich Brande (8 p. 288) seine Untersuchungen fr\u00fcher als Joung ver\u00f6ffentlichte (1812), weist er darauf hin. dass Joung der erste war, der die Unl\u00f6slichkeit der Blutk\u00f6rperchen in Wasser beobachtet hatte. Dasselbe beobachtete auch Brande: \u201edie Wirkung des Wassers auf die K\u00f6rperchen besteht darin, dass es den Blutfarbstoff aufi\u00f6st, w\u00e4hrend die K\u00f6rperchen selbst an der Oberfl\u00e4che schwimmen\u201c (ib. p. 288). Diese Angaben best\u00e4tigt Home (1818. 33 p. 174). Er findet, dass die Abtrennung des Blutfarbstoffs durch Wasser fast momentan vor sich geht. Diese Untersuchungen legten unstreitig den Grund zu der Lehre von der Dualit\u00e4t des Baues der Blutk\u00f6rperchen einerseits aus einem leicht in Wasser l\u00f6slichen Farbstoff, andererseits aus einem in Wasser unl\u00f6slichen R\u00fcckstand, der Home's Ansicht nach aus Fibrin (33 p. 174) besteht, Derselben Meinung sind auch Krimer (1823, 43 p. 273) und Pr\u00e9vost & Dumas (1823. 19 p. 50). Letztgenannte Forscher meinen, dass die Blutk\u00f6rperchen eine Art in Wasser unl\u00f6slicher Gallerte vorstellen und scheinen diese Substanz mit der Benennung \u201eweisse K\u00fcgelchen\u201c zu verkn\u00fcpfen, welche gleichsam den Kern bilden, den der Blutfarbstoff in Gestalt einer H\u00fclle umgiebt 3).\n\u00fcber die Natur der Blutk\u00f6rperchen finden 1830 berichtete Angaben (72 p\nDie ersten genaueren Kenntnisse wir unstreitig bei Donn\u00e9. Am 3 April Philomatischen Gesellschaft, Raspail's welcher behauptet hatte, das Blutk\u00f6rperchen bestehe Prote\u00efnsubstanz, dass, wie stark die Verd\u00fcnnung mit\nDonn\u00e9 in einer Sitzung der 22: 18 p. 477) widerlegend, aus einer wasserl\u00f6slichen Wasser auch sei, die Blut-\nK\u00f6rperchen des Menschen bei starker Vergr\u00f6sserung deutlich zu unterscheiden seien, am besten bei Beleuchtung mit einer Lampe. Dieselben Resultate erhielt Donn\u00e9\nf) \u201e...the salt will be found to have contracted or shrivelled the vesicles, so that they appear quite solid, the vesicular substance being closely applied all round the central piece (30 p. 31). The particles of the Idood in all animals-are flat, and not globules\u201c (ib. p. XV u. 9).\n2) \u201eTrois substances animales doivent donc fixer notre attention dans l\u2019\u00e9tude chimique du sang, ce sont: l\u2019albumine du s\u00e9rum, le globule blanc et la mati\u00e8re colorante qui enveloppe celui-ci\u201c (19 p. 50).","page":17},{"file":"p0018.txt","language":"de","ocr_de":"18\nDAS GLOBULIN DER 310THEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nauch mit Froschblut. Um eine m\u00f6glichst grosse Menge entf\u00e4rbter Blutk\u00f6rperchen zu erhalten, r\u00e4t er das Blut mit 8\u201410 Teilen Wasser zu verd\u00fcnnen und sogleich zu filtriren, wobei auf dem Filter eine mit allen Eigent\u00fcmlichkeiten des Fibrins ausgestattete plastische Masse zur\u00fcckbleibt; diese Masse besteht aus entf\u00e4rbten Blutk\u00f6rperchen, wovon Donn\u00e9 sich unter dem Mikroscop \u00fcberzeugte (18 p. 477). Dieselbe l\u00f6ste sich in den gew\u00f6hnlichen Fl\u00fcssigkeiten, welche Albumin, nicht aber Fibrin, aufl\u00f6sen (ib. p. 478), nicht auf; in Ammoniakfl\u00fcssigkeit und Essigs\u00e4ure dagegen l\u00f6sen sich die entf\u00e4rbten K\u00f6rperchen. Wie Hcwson und Donn\u00e9, so findet auch Job. M\u00fcller (1832, 01 p. 520; 62 p. 108), dass die Blutk\u00fcgelchen des Frosches von Wasser entf\u00e4rbt werden, sich in demselben aber nicht aufl\u00f6sen (61 p. 527; 62 p. 100) und seiner Ansicht nach farblose Kerne (61 p. 520) zur\u00fccklassen; in Wasser, welches etwas Kochsalz oder Zucker enth\u00e4lt, bleiben die Blutk\u00f6rperchen unver\u00e4ndert (ib. p. 521 u. 532). Um die Blutk\u00f6rperchen des Froschblutes abzutrennen, befeuchtete J. M\u00fcller den Filter mit einer Zuckerl\u00f6sung (0,5% oder noch geringer). Ausserdem verlangsamte M\u00fcller die Blutgerinnung noch, indem er das Blut mit Kochsalz oder Kaliumcarbonat vermischte. Den Gebrauch dieses letzteren empfiehlt er. wenn die Gerinnung irgend eines Blutes (ib. p. 538 \u2014 40) verlangsamt werden soll. Aus Menschenblut erhielt Joh. M\u00fcller durch Einwirkung von Wasser keine solche farblosen R\u00fcckst\u00e4nde, infolge der geringen Gr\u00f6sse der Kerne dieser K\u00f6rperchen, wie Joh. M\u00fcller (ib. p. 530), dem Donn\u00e9\u2019s Arbeit unbekannt war, glaubte. Lecanu (1837.47 p. 49 u. 48 p. 216 u. 1852,49 p. 11 u. 50 p. 5, s. p. n. 74, Le Phys. Al 41) empfiehlt das Blut unmittelbar in einen Kolben zu sammeln, welcher bis zur H\u00e4lfte mit ges\u00e4ttigtei Magnesiumsulfati\u00f6sung angef\u00fcllt ist, so dass in dem Gemenge 1 Yol. Blut auf 8 Vol. des Salzes enthalten sei. Durch leichtes Hin- und Herwiegen, damit die Blutk\u00f6rperchen nicht zerreissen, vermengt man das Blut mit der L\u00f6sung und l\u00e4sst die Mischung stehen; dabei gerinnt das Blut nicht \u2018) und die Blutk\u00f6rperchen setzen sich gut ab. indem sie ihre Form bewahren (47 p. 50; 48 p. 216). Nach der Abtrennung des Niederschlags und bei starkem Umsch\u00fctteln mit ges\u00e4ttigter Natriumsulfatl\u00f6sung f\u00e4rbt sich die Fl\u00fcssigkeit allm\u00e4lig blutrot und als R\u00fcckstand bleibt eine weisse h\u00e4utige Masse zur\u00fcck. Bei weitem schneller erhielt Lecanu dieselben Resultate, indem er den Bodensatz mit ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung um sch\u00fcttelte. Ganz anders gestaltet sich das Resultat mit Chlorcalciuml\u00f6sung: der Bodensatz giebt seinen Farbstoff nicht ab. letzterer wird aber ziegelrot und geht in einen in Wasser ganz unl\u00f6slichen K\u00f6rper \u00fcber, obgleich er mit Wasser eine gallertartige Masse, welche an Joliannisbeerengel\u00e9e erinnert\u2014 d. h. eine Art Blutgerinnsel bildet. Bei Wasserzusatz giebt diese Gallerte ihre Farbe ab. und es scheidet sich am Boden eine weisse, h\u00e4utige, dem Charakter nach fibrinartige Masse aus (47 p. 50\u20141; 48 p. 218). Doch sagt Lecanu im Jahre 1852 geradezu aus, dass in Natriumsulfat gesammeltes Ochsen- oder Schafblut uf dem Filter die Blutk\u00f6rperchen ausscheidet, welche mit Wasser in eine an ApKlgel\u00e9e erinnernde Masse \u00fcbergehen. Sagen wir hier gleich, dass Mulder (1839, 64 p. 134) Lecanu\u2019s Thatsachen im allgemeinen und die Bildung der eigent\u00fcmlichen Gelee im einzelnen best\u00e4tigt (ib. p. 146). \"Ungeachtet dieser unzweifelhaften Thatsachen bleibt Raspail hartn\u00e4ckig bei seiner \"fr\u00fcheren Ansicht \u00fcber die vollst\u00e4ndige Wasserl\u00f6slichkeit der Blutk\u00f6rperchen (1833,73 p. 368). Und wie-\n\u2018) Offenbar waren Lecanu damals Hewson\u2019s\tguier (20 p. 503) und Hoppe-Seyler diese Methode\nAngaben (p. n. 140 und Kap. X; unbekannt; den-\taus unbekannten Gr\u00fcnden Berzelius zuschreiben\nnoch finden wir bei ihm ein solches Verhalten (p. n. 4 Le Phys. jY 411. der Blutk\u00f6rperchen zuerst erw\u00e4hnt, w\u00e4hrend Fi-","page":18},{"file":"p0019.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n19\nder bezeugen Magendie (56 p. 68), Denis (12 p. 90) *), sowie Denis-Benadant (17 p. 914) in seinem Briefe an Dumas im J. 1837 und in der Folge Bonnet auch in einem Briefe an Dumas vom J. 1846 (7 p. 361). Horne (37 p. 41). Lehmann (51p. 133) 2), Funke (21p. 199), Stricker (90 p. 592) und Ancell (1 p. 25) zugleich mit Lane (diese letzteren Forscher auch in Bezug auf die roten Blutk\u00f6rperchen niederer Tierarten) die L\u00f6slichkeit nur des Farbstoffs der Blutk\u00f6rperchen. Magendie bemerkte, dass durch Umsch\u00fctteln die Extraction des Farbstoffs aus den K\u00f6rperchen durch Wasser sehr beschleunigt wird (56 p. 68). Die L\u00f6slichkeit des Farbstoffs allein best\u00e4tigend, empfehlen Schultz (1838, 83 p. 655) und Schmidt, C. (1850, 80 p. 3). um die entf\u00e4rbten Blutk\u00f6rperchen besser beobachten zu k\u00f6nnen, dieselben mit Jodwasser zu behandeln. Letelier (1840, 53 p. 561) endlich beobachtete dasselbe Verhalten des Wassers zu den Blutk\u00f6rperchen wie die obengenannten Autoren und sieht die Substanz der entf\u00e4rbten K\u00f6rperchen f\u00fcr \u201egeronnenes Albumin\u201c an. Mandl (57 p. 198), welcher Aufl\u00f6sung des Blutfarbstoffs in Wasser beobachtet hatte, h\u00e4lt in diesem Falle den R\u00fcckstand des Blutk\u00f6rperchens f\u00fcr den Kern und in chemischer Beziehung f\u00fcr Fibrin. Zugleich findet Nasse (66 p. 90), dass zur Entfernung des Farbstoffs 5 Teile Wasser auf 1 Teil Menschenblut genommen werden m\u00fcssen, da bei einem geringeren Verh\u00e4ltniss des Wassers oder des Blutes der Farbstoff sich nicht aussclieide.\nInteressante Thatsaehen finden wir bei Denis auch in Bezug auf die Chemie der Blutk\u00f6rperchen. Indem er Doim\u00e9\u2019s Versuche wiederholte (1838, 12 p. 90). fand er, dass der nach der Einwirkung von Wasser auf die Blutk\u00f6rperchen von S\u00e4ugetieren vom Filter gesammelte Niederschlag das Aussehen einer an Johannisbeeren-gel\u00e9e erinnernden gallertartigen Masse hat, da der Bodensatz noch Ueberreste von Farbstoff enth\u00e4lt und bei 74\u00b0 in denselben Zustand wie geronnenes Eiweiss \u00fcbergeht. Der Bodensatz l\u00f6st sich sowohl in Essigs\u00e4ure als in der alkalinischen L\u00f6sung eines neutralen Salzes. Denis sieht die S u b s t a n z des S t r o m a im allgemeinen f\u00fcr unver\u00e4ndertes ungeronnenes Albumin\u2014albumine globulaire (12 p. 92). d. h. f\u00fcr eine mit dem Seroglobin (s. p. n. 92 Le Phys. M 48) identische, in Natrimn-sulfat l\u00f6sliche (12 p. 92) Substanz an. Diesen Thatsaehen gem\u00e4ss l\u00f6sen sich auch die aus defibrinirtem Blute mittels Durchpressen des Coagulums durch Leinwand erhaltenen Blutk\u00f6rperchen durch Zusatz von concentrirten L\u00f6sungen neutraler Salze; es bilden sich gallertartige Massen, welche bei Wasserzusatz sich teilweise l\u00f6sen (ib. p. 93). Nach einem andern Verfahren von Denis (1839, 13 p. 20 und 22), welches in Liebig\u2019s Arbeiten (54 p. 883) sich uns in vervollkommneter Gestalt darbietet, wird zu dem vom Coagulum abfiltrirten Blute Salpeter im Ueberschuss zugesetzt: nach 12\u201414 Stunden (bis 24 Stunden, nach Denis) hat sich das Blut verdickt und ist gallertartig, in der Folge\u2014schleimig geworden. Diese Masse wird auf; Leinwand gebracht, dann mit Wasser gewaschen, worauf fadenf\u00f6rmige Flocken erscheinen, die in Salpeter sich vollst\u00e4ndig aufl\u00f6sen (ib.). Ihren Reactionen nach h\u00e4lt Dein$ sie f\u00fcr das Fibrin der Blutk\u00f6rperchen und sieht keinen Unterschied zwischen diesen Flocken und dem aus Serum durch Wasser und Neutralisation mit einer S\u00e4ure ausgeschiedenen Seroglobin (13 p. 20\u201423). Scherer\u2019s (1843, 78 p. 82) Beobachtungen best\u00e4tigen vollkommen\n*) Wir halten es f\u00fcr nicht \u00fcberfl\u00fcssig gleich hier zu bemerken dass Denis sich irrt (16 p. 8). wenn er behauptet, dass Berzelius vollst\u00e4ndige Wasserl\u00f6slichkeit des Blutk\u00f6rperchens zugab; wie im J. 1830 (5 p. 30), als er sich unter dem Einfl\u00fcsse von Hewson\u2019s, Joung\u2019s, Home\u2019s Ideen befand, so auch im J. 1840 (6 p. 72) als seine Vorstellungen von\ndem Bau desselben auf Job, M\u00fcller\u2019s Arbeiten beruhten, behauptet Berzelius gerade das Gegenteil.\n!) Lehmann bestimmte sogar quantitativ die mittels Wasser entf\u00e4rbten K\u00f6rperchen und fand im gew\u00f6hnlichen ven\u00f6sen Blut 0,245\u00b0/o, im Blut der Leber einmal\u2014l,98\u00b0/o, ein anderes Mal 2)43\u00b0/o (51 p. 137).","page":19},{"file":"p0020.txt","language":"de","ocr_de":"20\n1)AS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nsowohl Denis\u2019 Beobachtungen und Schl\u00fcsse als auch unsre Auslegungen. Scherer erkl\u00e4rt unumwunden, dass die durch Einwirkung von Wasser auf die Blutk\u00f6rperchen erhaltenen Niederschlage \u00e4usserst grosse Aehnlichkeit mit den durch Wasser und S\u00e4ure hervorgebrachten, d. h. mit Seroglobin, haben 1). Etwas fr\u00fcher sprach Simon (1S3S, 87 p. 504), ohne irgend eine Erkl\u00e4rung zu geben, sich dahin aus, dass das Blutk\u00f6rperchen nur aus Casein und Blutfarbstoff bestehe 3). Ungef\u00e4hr um dieselbe Zeit liess Mulder (1839, 63 p. 70), Lecanu\u2019s Versuche wiederholend, wie dieser das Blut unmittelbar in eine Natriumsulfatl\u00f6sung einfliessen; dabei fand er. dass behufs vollkommenerer Abscheidung der Blutk\u00f6rperchen auf je 1 Vol. Blut 3\u20144 Vol. der Salzl\u00f6sung genommen werden m\u00fcssen. Die Substanz der H\u00fcllen der Blutk\u00f6rperchen f\u00fcr die Quelle des Fibrins oder f\u00fcr eine besondere Prote'insubstanz ansehend, nennt Mulder dieselbe in der Folge (1844) \u201eGlobulin\u201c (65 p. 325). Um ein solches Globulin oder Casein zu erhalten, hat Simon (88 p. 258), um das Albumin zu coaguliren, das faserstofffreie Blut gekocht und zur Trockne eingedampft. Aus dem zu Pulver geriebenen R\u00fcckst\u00e4nde zieht er mit kochendem Aether das Fett aus und kocht dann einige Mal mit Alkohol 0,915 aus. Diese klare alkoholische L\u00f6sung setzt beim Erkalten reichlich rote Flocken von Globulin und Hae-matin ab. Um das Haematin zu entfernen, \u00fcbergiesst er die Flocken mit Alkohol 0,845, dem etwa 6\u20148 Tropfen Schwefels\u00e4ure auf die Unze zugesetzt sind. Zur Abscheidung der Blutk\u00f6rperchen bedient sich Berzelius (1840, 6 p. 72) schon de-ffbrinirten Blutes und vermischt dieses mit nicht weniger als 4 Vol. ges\u00e4ttigter Magnesiumsulfatl\u00f6sung. Berzelius findet, dass jedenfalls je mehr Salzl\u00f6sung genommen wird, desto glatter das Abfiltriren der Blutk\u00f6rperchen von der Fl\u00fcssigkeit vor sich geht. Auf diese Art gelang es sowohl Berzelius als Lecanu die K\u00f6rperchen auf dem Filter zur\u00fcckzuhalten. Dieser von Lecanu erdachten, von Berzelius abge\u00e4nderten Methode bediente sich Figuier (20 p. 503): das defibrinirte Blut wurde mit 2 Vol. Natriumsulfatl\u00f6sung 16\u00b0\u201418\u00b0 Baum\u00e9 versetzt; dann wurden die Blutk\u00f6rperchen abfiltrirt (ib.). vom Filter genommen und mit Wasser behandelt, Nach 12 Stunden erschien in der Fl\u00fcssigkeit, die sich gef\u00e4rbt hatte, ein Niederschlag, der nach sorgf\u00e4ltigem Waschen alle Eigenschaften des Blutfibrins aufwies (ib. p. 507). Im J. 1847 empfahl Schmidt, C. (79 p. 160), um die Blutk\u00f6rperchen abzutrennen, das defibrinirte Blut mit 10 Vol. Kochsalzl\u00f6sung vom spec. Gew. des Serums 1,050 zu vermischen, 12\u201418 Stunden in der K\u00e4lte stehen zu lassen und das Auswaschen etwa 10-mal, bis zum Verschwinden der Eiweissk\u00f6rper (in den Waschw\u00e4ssern keine Reaction mehr) vorzunehmen. Sp\u00e4ter findet Schmidt (SO p. 3), dass die abgetrennten Blutk\u00f6rperchen, nachdem sie dem Wasser ihren Farbstoff abgegeben haben, so stark anschwellen, dass es unm\u00f6glich sei. deren Umrisse zu unterscheiden. Doch nehmen die im Wasser angeschwollen Blutk\u00f6rperchen, und nur diese, unter dem Einfl\u00fcsse concentrirter Salzl\u00f6sungen ihre anf\u00e4ng-\n0 \u201e...in der unverd\u00fcnnten Fl\u00fcssigkeit vorher nicht bemerkbare K\u00f6rnchen besteht, welche letztere gr\u00f6stentheils in F\u00e4den und Flocken vereinigt und die gr\u00f6sste Aehnlichkeit mit dem Niederschlage haben, den man erh\u00e4lt, wenn ganz klares, helles Blutserum mit einem Tropfen Essigs\u00e4ure und dann mit vielem Wasser verd\u00fcnnt wird\u201c (78 p. 82).\n-) \u201eDie Blutk\u00f6rperchen bestehen nur aus K\u00e4sestoff und Blutroth\u201c (87 p. 564). Trotz Simon\u2019s Versprechen in dem folgenden Hefte seine Be-\nobachtungen mitzuteilen, habe ich weder in diesem noch in den weiteren irgend etwas auf die Blutk\u00f6rperchen Bez\u00fcgliches gefunden! Zieht man Simon\u2019s Definition des Begriffs \u201eBlutrot\u201c (p. n. Le Phys. V 41; 89 p. 302) in Betracht, so m\u00fcsste man glauben, er habe mit dem Worte \u201eHaematoglobulin\u201c wider seinen Willen das rote Blutk\u00f6rperchen benannt, doch darf man nicht vergessen, dass Simon (ib. p. 321) das Blutk\u00f6rperchen als aus Globulin, Casein, H\u00e4matin, Membranen und einem Kern bestehend ansieht (ib.).","page":20},{"file":"p0021.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n21\nliehe Form wieder an, d. h. platten sich ab. In demselben Jahre empfahl Po<--giale (1847, 70 p. 110) zur Abtrennung der Blutk\u00f6rperchen des Blutes von V\u00f6geln\n(H\u00fchnern, Tauben) Zuckerl\u00f6sungen zu gebrauchen, da das Vogelblut mit 3__4 Vol.\nNatriumsulfat vermischt nach einigen Stunden sich in durchsichtige Gallerte verwandle. Lehmann (1850, 51 p. 137; 1855, 52 p. 126) findet jedoch zwischen dem Fibrin und dem R\u00fcckstand der Blutk\u00f6rperchen einen Unterschied: nachdem der Farbstoff extrahirt und die R\u00fcckst\u00e4nde gewaschen sind, haben sie sogar nach 24\u201448 Stunden in concentrirter Salpeterl\u00f6sung sich nicht aufgel\u00f6st; in mit Salzs\u00e4ure anges\u00e4uerten Wasser dagegen schwellen sie nicht nur an, sondern l\u00f6sen sich auch auf. Im allgemeinen widersprechen diese von Lehmann angef\u00fchrten Thatsachen Denis\u2019 und Scherer\u2019s Idee nicht, da es bekannt ist, dass auch das Seroglobin die F\u00e4higkeit einbiisst, nach mehr oder weniger langer Einwirkung von Wasser in Salzen, besonders in concentrirten L\u00f6sungen (p. n. 101 Le Phys. JV\u00bb 48), sich aufzul\u00f6sen.\nBelegung der Substanz des Stroma mit dem Namen \u201eGlobulin\u201c. Wenn bis zum Anfang der vierziger Jahre die Autoren, die Substanz des Stroma bald mit Fibrin, bald mit Albumin vergleichend, sich nicht die M\u00fche gegeben hatten, demselben irgend einen Namen zu geben, so wird der Leser nicht wenig erstaunt sein, schon in den vierziger Jahren dieser Substanz unter dem Namen \u201eGlobulin\u201c zu begegnen. So finden wir bei Mulder (1844, 65 p. 325) den Ausspruch, dass die H\u00fcllen der Blutk\u00f6rperchen aus einer Proteinsubstanz bestehen, welche deshalb Globulin genannt werde, w\u00e4hrend Simon sie f\u00fcr Casein halte *). Wenn dass ein einzelner Fall w\u00e4re, so w\u00fcrde er nat\u00fcrlich keine Bedeutung haben; es erweist sich jedech, dass auch andre Autoren von Mulder unabh\u00e4ngig\u2014wenigstens berufen sie sich nicht auf ihn\u2014denselben Ausdruck gebrauchen, so z. B. sowohl im J. 1850 als im J. 1851 Moleschott (58 p. 7; 59 p. 238), der sich dessen in demselben Sinne bedient \u00e4). Noch weniger begreiflich sind Denis\u2019 Erkl\u00e4rungen (1856, 14 p. 119 u. 121), der die Substanz des Stroma \u201es arc ine\u201c (sarkine?) nennen m\u00f6chte, um aber die \u2018Wissenschaft nicht mit Neologismen zu beschweren, die von den meisten Che m i-kern und Physiologen angenommene Benennung \u201eG 1 o b u 1 i n\u201c beibeh\u00e4lt 3). Ausser den genannten Autoren schl\u00e4gt auch Virchow diesen Namen zur Bezeichnung der Substanz der Stromata vor, entzieht ihn aber der Substanz der Linse, f\u00fcr welche er nur die Benennung \u201eIvrystallin\u201c (1847, 92 p. 436) beibehalten m\u00f6chte. Somit ist Virchow, soviel uns bekannt ist, der einzige Gelehrte, der in diesem Falle die Benennung \u201eGlobulin\u201c vor geschlagen h\u00e4tte. Wenn man die Gr\u00fcnde betrachtet, welche Mulder, Moleschott und Denis, in der Folge auch Coinmaille (1866, 10 p. 119), zu der Behauptung veranlassten, dass die uns interes-sirende Substanz so heisst, so muss man gestehen, dass diesen Thatsachen ein Misverst\u00e4ndniss oder, richtiger gesagt, ein Irrtum zu Grunde liegt, den einerseits die genannten Autoren, andererseits Berzelius zugelassen haben, wobei letzterer durch sein Ansehen den Namen \u201eGlobulin\u201c f\u00fcr die Protemsubstanz des Blutfarbstoffs (p. n. 77 Le Phys. M 41) festsetzte. Zugleich aber \u00fcbersah Berzelius in einer\n') \u201eIm Blute kommt noch eine dritte Prote'in-verbindung vor, welche die Zellenmembrane der Blutk\u00f6rperchen ausmacht. Sie wird deshalb Globulin genannt. Simon h\u00e4lt sie f\u00fcr K\u00e4sestoff\u201c (65 p. 325).\n2) \u201eVon gr\u00f6sserer Wichtigkeit f\u00fcr das Blut selbst ist schon aus dem Grunde das Globulin,\nweil es die weissen H\u00e4utchen der Blutbl\u00e4sschen bildet\u201c (58 p. 7).\n3) \u201eAussi avais-je pens\u00e9 lui \u00f4ter son nom de globuline pour lui substituer celui de sarcine; mais j\u2019ai craint d\u2019abuser du n\u00e9ologisme que d\u00e9j\u00e0 n\u2019encombre que trop la science, et j\u2019ai continu\u00e9 \u00e0 la d\u00e9signer comme la plupart des physiologistes* (14 p. 121).\n2*","page":21},{"file":"p0022.txt","language":"de","ocr_de":"t)AS GLOB\u00dcLIN DER ROTHEN \u00dfL\u00dcTKORPERCHEN.\n22\nder von ihm angewandten Darstellungsweisen des Chromoglobins den Irrtum, der die Veranlassung war. dass das bei den weiter unten zu beschreibenden Behandlungsmethoden der roten Blutk\u00f6rperchen erhaltene Product auf zweierlei Weise gedeutet wurde. Um die Blutk\u00f6rperchen abzutrennen, vermengten sowohl Berzelius als Denis defibri-nirtes ven\u00f6ses Menschenblut mit 2 Vol. 10%-iger Kochsalzl\u00f6sung (14 p. 119). Dabei bemerkte Denis, dass die Blutk\u00f6rperchen aufquellen, weich werden, Zusammenfl\u00fcssen und nach Verlauf einiger Stunden oder sogar eines Tages eine z\u00e4he Masse bilden, welche durch Auswaschen mit Wasser (Decantation) ganz frei von Farbstoff und Salzen wird und danach ein Flechtwerk von B\u00e4ndern und F\u00e4den vorstellt. Unstreitig hatte Denis, der den R\u00fcckstand Globulin nannte, hier die Stromata der Blutk\u00f6rperchen vor sich; dies ist um so wahrscheinlicher, als Berzelius auf dieselbe Weise das Globulin aus dem Blutfarbstoff erhielt. Gr\u00f6sserer Anschaulichkeit halber geben wir hier zum Vergleich die Darstellungsart des Globulins nach Denis's (14 p. 120\u20141) und nach Berzelius\u2019 (6 p. 68) Angaben.\nDas defibrinirte Blut vermischt man:\nnach Berzelius\tnach Denis\nmit 4 Vol. ges\u00e4ttigter Natriumsulfatl\u00f6sung (6 p. 72). sammelt die Blutk\u00f6rperchen auf dem Filter (ib. p. 68) und behandelt sie mit Alkohol- Schwefels\u00e4ure; beim Kochen geht das Haematin (Haematosin, ib. p. 60) d. h. ein Teil des Blutfarbstoffs (ib. p. 71), in die L\u00f6sung \u00fcber, w\u00e4hrend der andre, das eigentliche Globulin, sammt den ungel\u00f6sten Ger\u00fcsten auf dem Filter bleibt (p. n. 77 Le Phys. .V 41).\nSomit b e s a s s Berzelius bei sorgf\u00e4ltiger Ausf\u00fchrung des Versuchs ein Pr\u00e4parat, welches aus einem Gemenge von Stromasubstanz und Chromoglobin bestand; er hielt es aber nur f\u00fcr letzteres, d. h. f\u00fcr die Prote\u00efnsubstanz des Blutfarbstoffs, infolgedessen er dasselbe Globulin (p. n. 77 Le Phys. .V 41) nannte, w\u00e4hrend einige Autoren, wie Mulder, Moleschott und Commaille, den Blutfarbstoff f\u00fcr H\u00e4matosin, d. h. f\u00fcr H\u00e4matoglobulin ansahen, den von Berzelius erhaltenen R\u00fcckstand selbstverst\u00e4ndlich aber nur f\u00fcr die Substanz der Stromata ansehen mussten. Sie vergassen dabei, dass unter dem in L\u00f6sung \u00fcbergehenden H\u00e4matosin nicht H\u00e4matoglobulin, sondern H\u00e4matin in der jetzigen Bedeutung des Wortes, von Berzelius aber auch H\u00e4matosin genannt, zu verstehen sei. Denis begriff unter diesem Namen das H\u00e4matoglobulin *). Sp\u00e4ter, im J. 1869, wurde Panum auf die Umbestimmtheit des Ausdrucks Globulin ebenfalls aufmerksam, verfiel aber bei der Erkl\u00e4rung des von Berzelius begangenen Fehlers selbst in einen Irrtum ! Panum behauptet, Berzelius, h\u00e4tte, ohne es zu wollen, einerseits, in histologischem Sinne, die farblose Grundlage des roten Blutk\u00f6rperchens, andererseits das in neutralen Salzen unl\u00f6sliche aber wasserl\u00f6sliche Product, welches nach der Einwirkung\nmit 2 Vol. 10%-iger Kochsalzl\u00f6sung; es bildet sich eine z\u00e4he Masse, aus welcher bei der Behandlung mit Wasser das H\u00e4matin (14 p. 121), welches den ungel\u00f6sten Blutfarbstoff vorstellt, in die L\u00f6sung \u00fcbergeht; letzterer gelangt aber un-zersetzt (Haematosin -f- Globulin = Blut-roth, nach Berzelius) in das Waschwasser, und nur die Ger\u00fcste bleiben zur\u00fcck.\n\u2019) Dass Denis Berzelius\u2019 Beobachtungen falsch beleuchtete, beweisen folgende Worte: \u201eH\u00e9ma-tocristalline. Quand on d\u00e9lay\u00e9 dans huit fois son volume d\u2019eau le liquide charg\u00e9 de globules qu\u2019on retire d\u2019un caillot press\u00e9 dans un linge, on obtient une solution brun-rouge, trou-\nble, qui peu \u00e0 peu s\u2019\u00e9claircit et devient transparente, malgr\u00e9 sa nuance fonc\u00e9e. Jet\u00e9e sur un filtre, cette solution ne passe pas en entier. Le papier retient une mati\u00e8re qui y forme une couche assez \u00e9paisse, ros\u00e9e, translucide, et d\u2019une faible consistance. La spatule l\u2019enl\u00e8ve ais\u00e9ment,","page":22},{"file":"p0023.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n23\nvon verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure (!), Alkohol u. s. w. auf die Blutk\u00f6rperchen (!) erhalten wird. Globulin benannt. Augenscheinlich hatte Panum selbst, von Berzelius\u2019 Globulin keine klare Vorstellung 4). Wenn man diese Erkl\u00e4rung als Ausgangspunkt nimmt und das, was wir in den zwei ersten Kapiteln gesagt, in Betracht zieht, so versteht man leicht Mulder\u2019s Ansicht, deren wir oben erw\u00e4hnten, sowie auch Moleschott (59 p. 238), welcher erkl\u00e4rte, dass wenn die H\u00fcllen der Blutk\u00f6rperchen auch keine deutlichen Merkmale einer bestimmten Protemsubstanz an den Tag legen, dennoch, mit Beimengung von Blutfarbstoff (!), eine mit der Linsensubstanz identische Protemsubstanz aus den Blutk\u00f6rperchen erhalten werden k\u00f6nne, infolgedessen, nach Moleschott\u2019s Meinung, dieselbe ohne Unterschied Krystallin oder Globulin 2) genannt werden k\u00f6nne (59 p. 239).\nRobin & Verdeil (1853. 74 p. 356) erkl\u00e4rten jedoch wenn auch nicht Mulder\u2019s und Moleschott\u2019s Irrtum, so doch die Sache an sich selbst ganz richtig, indem sie sagten, dass das Globulin in den Blutk\u00f6rperchen den gr\u00f6ssten und zugleich unl\u00f6slichen Teil ausmache, welcher Molek\u00fcl f\u00fcr Molek\u00fcl mit dem Blutfarbstoff 3) verbunden sei. Nichtsdestoweniger verstanden auch diese Autoren unter \u201eBerzelius\u2019 Globulin\u201c die Substanz der Ger\u00fcste (Stromata).\nEin Irrtum zog einen andern nach sich: sich auf Funke\u2019s Angaben \u00fcber die Krystalle des Blutes st\u00fctzend, behauptet Denis (1859, 16 p. 10), Funke habe gemeint, \u201eBerzelius\u2019 Globulin\u201c sei krystallisirbar. Wir empfehlen die entsprechenden Stellen in Denis\u2019 (16 p. 10) und Funke\u2019s (22 p. 215) Arbeiten zu vergleichen4); der Irrtum ist offenbar.\nElle est due \u00e0 la r\u00e9union d\u2019une grande quantit\u00e9 de corpuscules solides que l'eau n\u2019a pas attaqu\u00e9s. La solution priv\u00e9e de ces corpuscules qui y \u00e9taient en suspension, contient encore des particules tr\u00e8s d\u00e9li\u00e9es \u00e9chapp\u00e9es \u00e0 l\u2019action du filtre, particules du reste dont la pr\u00e9sence ne modifie nullement les r\u00e9actions des substances dissoutes que l'on reconna\u00eet ais\u00e9ment pour de la globuline de Berzelius et de l\u2019h\u00e9matosine. La mati\u00e8re colorante ne s\u2019oppose nullement aux manifestations des propri\u00e9t\u00e9s de cette globuline\u201c (16 p. 14\u201415)!\nEs ist interessant hier zu erw\u00e4hnen, dass Gautier (23 p. 1416) davor warnt, Denis\u2019 \u201eGlobulin\u201c mit Berzelius\u2019 \u201eGlobulin\u201c oder \u201eH\u00e4moglobin\u201c zu verwechseln: \u201eGlobuline de Denis (M\u00e9moires sur le sang. Paris. 1859 p. 18)\t....il ne faut pas\nla confondre avec la globuline ou h\u00e9matoglobuline de Berzelius, que Funke a d\u00e9montr\u00e9 n\u2019\u00eatre qu\u2019une mati\u00e8re albumino\u00efde impure d\u00e9rivant de la substance prot\u00e9ique colorante du globule\u201c (!).... Wenn man das, was Denis auf S. 15 derselben von Gautier citirten Arbeit aussagt mit dem, was wir oben angef\u00fchrt haben, vergleicht, so muss man sich nicht wenig \u00fcber die Verwirrung der Begriffe und \u00fcber die Unaufmerksamkeit den Worten des citirten Autors gegen\u00fcber wundern.\n\u2018) \u201eBesonders arg ist die Verwirrung bez\u00fcglich des \u201eGlobulins\u201c. Schon Berzelius hat, ohne es zu wollen, die Bezeichnung Globulin in doppelter Bedeutung gebraucht, indem er theils, in histologischem Sinne, die farblose Grundsubstanz der Blutk\u00f6rperchen so nannte, theils aber ein in neutralen Salzen unl\u00f6sliches, in reinem Wasser l\u00f6sliches Product, das er darstellte, indem er die Blutk\u00f6rperchen mit verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure be-\nhandelte, und indem er nachher zur Entfernung des Blutfarbstoffes mit Alkohol extrahirte, als Globulin bezeichnete\u201c (68 p. 91).\n2)\t\u201eSo viel ist gewiss, dass die H\u00fclle der Blutk\u00f6rperchen nicht deutlich die Merkmale einer bestimmten Eiweissverbindung erkennen l\u00e4sst, dass man aber aus den Blutk\u00f6rperchen einen mit dem Blutfarbstoff verunreinigten eiweissartigen Stoff gewinnen kann, der nach allem, was jetzt vorliegt, mit demjenigen der Krystalllinse des Auges \u00fcbereinstimmt. Deshalb wird dieser K\u00f6rper auch ohne Unterschied bald Globulin, bald Krystallin genannt\u201c (58 p. 238\u20149). Offenbar ist hier Chromoglobin (p. n. 70 Le Phys.jY\u00fc41) f\u00fcr Globoglobulin angesehen worden.\n3)\tElle (la globuline) forme la plus grande masse du globule sanguin. Elle constitue ainsi une masse insoluble dans le s\u00e9rum, qui est unie mol\u00e9cule \u00e0 mol\u00e9cule \u00e0 la mati\u00e8re colorante du sang et \u00e0 quelques graisses, sans qu'il y ait d\u2019enveloppe v\u00e9siculaire, comme on le dit g\u00e9n\u00e9ralement, dans laquelle seraient renferm\u00e9s ces derniers principes\u201c (74 p. 356).\n4)\t\u201eDenis sagt: M. Funk (offenbar Funke) est venu \u00e0 son tour modifier encore plus profond\u00e9ment les r\u00e9sultats obtenus par Berzelius en d\u00e9montrant que la g 1 o b u 1 i n e de cet illustre chimiste \u00e9tait c r y s t a 11 i sable\u201c\n(16 p. 10).\nFunke hatte geschrieben: (22 p. 215). \u201eIch glaube, dass die von mir beschriebenen Krystalle aus dem eiweissartigen Inhalt der Blutzellen in Verbindung mit H a e m a tin bestehen\u201c, was volkommen Berzelius\u2019 BIut-roth, d. h. Plaematin + Globulin entspricht.","page":23},{"file":"p0024.txt","language":"de","ocr_de":"24\nDAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nObgleich wir es hier factisch unstreitig mit einem K\u00f6rper zu tliun haben, der mit dem typischen Globulin identisch ist, was sowohl die oben dargelegte als auch die weiter unten stehende Geschichte dieses K\u00f6rpers bezeugt, so fordert es doch die Billigkeit einzugestehen, dass in der Periode, die wir im Auge haben, die Substanz der Ger\u00fcste zuf\u00e4llig, infolge eines Irrtums, Globulin genannt wurde. Nur Virchow schlug den Namen Globulin, wie wir gesehen, ganz bewusst vor und auch nur einerseits zum Unterschied vom Fibrin, wof\u00fcr er auch die Substanzen der Ger\u00fcste hielt, andererseits zum Unterschied von dem Krystallin; wie es scheint, w\u00e4hlte er den Ausdruck Globulin (92 p. 435) wegen dessen Ableitung von \u201eglobuli sanguinis\u201c (ib.). Da wir gerade von Benennungen sprechen, so sei gesagt, dass die Benennung \u201eGlobuli n\u201c auch in der chemischen Bedeutung des Wortes f\u00fcr die Substanz der Stromata der roten Blutk\u00f6rperchen angenommen werden muss, was aus der weiteren Darlegung der Geschichte derselben deutlich folgen wird; um aber diesen K\u00f6rper hinsichtlich seiner Herkunft und des Materials, aus dem er erhalten wird, nicht zu verwechseln, wollen wir das Globulin der Stromata der roten Blutk\u00f6rperchen \u201eG 1 o b o g 1 o b i n\u201c nennen, indem wir es durch die Partikel \u201eGlobo\u201c in Bezug auf seinen Ursprung (p. n. 71 Le Phys. ,V 41) mit den roten Blutk\u00f6rperchen (globulus von globus) eng verbinden.\nDer Irrtum, den Denis in der Benennung des Globoglobins sich zu Schulden kommen liess, verringert die Bedeutung dieses Gelehrten f\u00fcr die Geschichte der Erforschung dieses K\u00f6rpers keineswegs. Es ist sein Verdienst, die uns interessirende Substanz allseitig und eingehend studirt zu haben. Nachdem aus defibrinirtem und mit 10\u00b0/o-iger Kochsalzl\u00f6sung versetztem Blute, wie oben (p. n. 22 Le Phys.-V 61) beschrieben, die Blutk\u00f6rperchen abfiltrirt sind, werden sie mit Wasser auf dem Filter gewaschen bis das H\u00e4matoglobin entfernt ist: dann wird der R\u00fcckstand (die Ger\u00fcste) in derselben 10\u00b0/o-igen Kochsalzl\u00f6sung aufgel\u00f6st, worauf man, wie Denis r\u00e4t, die L\u00f6sung allm\u00e4lig in sehr viel Wasser giesst. Das Globulin f\u00e4llt in Gestalt von Faden und H\u00e4utchen aus (14 p. 123). Der mit Wasser gewaschene und bei 4\u00fc\u00b0 getrocknete Niederschlag erf\u00e4hrt keine Ver\u00e4nderung und wird dem Fibrin \u00e4hnlich. Ges\u00e4ttigte L\u00f6sungen neutraler Alkalisalze, die Carbonate ausgenommen, \u00fcben auf das gef\u00e4llte noch feuchte Globoglobin eine zweifache Wirkung aus; entweder verwandeln sie es in eine dicke, z\u00e4he Masse, oder in eine fl\u00fcssige, leicht filtrirbare L\u00f6sung. Dies und jenes h\u00e4ngt von der Salzmenge ab, die bei der Behandlung des Globoglobins gebraucht wurde: Wasserzusatz giebt auch im ersten Fall eine fl\u00fcssige L\u00f6sung (ib. p. 124\u20145). Frischgef\u00e4lltes Globoglobin b\u00fcsst seine L\u00f6slichkeit ein, wenn man es unter einer d\u00fcnnen, doch einigemal t\u00e4glich erneuten Wasserschicht h\u00e4lt, oder mehrmals aufweicht und wieder trocknet, oder endlich wenn es mit Wasser geschlagen, gekocht oder mit Alkohol und Aether behandelt wird: in solchen F\u00e4llen geht das Globulin in \u201ever\u00e4ndertes Globulin\u201c (globuline modifi\u00e9e), d. h. in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcber (ib. p, 126\u20147). Schwache S\u00e4uren und Alkalien (Ammoniakfl\u00fcssigkeit) l\u00f6sen frisches Globulin besonders gut bei 40\u00b0\u201445\u00b0. Essigs\u00e4ure f\u00e4llt es aus seinen alkalischen und auch ammoniakalen L\u00f6sungen in ver\u00e4nderten Gestalt aus (ib.p. 128). Globulin in gallertartigem Zustande oder noch besser in Salzen beh\u00e4lt l\u00e4ngere Zeit seine Eigenschaften bei. Alle neutralen Kalium-, Natrium- und Ammoniumsalze l\u00f6sen sich in einer Salzl\u00f6sung von Globoglobin, wobei mit der Vergr\u00f6sserung des Salzgehaltes die L\u00f6sung sich verdickt und zuletzt tr\u00fcbt (ib.p. 130\u20141). Im J. 1858 bereicherte Denis (15 p. 997) unsre Kenntnisse \u00fcber das Globoglobin durch die Erkl\u00e4rung, er habe solches ausser den Blutk\u00f6rperchen auch in anderen Geweben und Fl\u00fcssigkeiten mit denselben charakteristischen Eigenschaften, n\u00e4mlich Unl\u00f6slichkeit in Wasser und L\u00f6slichkeit in unges\u00e4ttigten Kochsalzl\u00f6sungen ausgestattet, gefunden. Im J. 1859 res\u00fcmirt.e Denis gewis-","page":24},{"file":"p0025.txt","language":"de","ocr_de":"DAS OLOBULTN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN\n25\nsermaassen seine Untersuchungen in dieser Richtung und sprach sich schon ganz deutlich und den Thatsachen gem\u00e4ss dahin aus. dass die aus einem Gemenge von defibrinirtem Blute und Salzl\u00f6sungen auf dem Filter gesammelten Blutk\u00f6rperchen nach dem Uebergange des Blutfarbstoffs in die Waschw\u00e4sser einen farblosen R\u00fcckstand bilden, welcher salzl\u00f6sliches Globulin vorstellt; wurden die Blutk\u00f6rperchen dagegen nach unmittelbarer Behandlung des defibrinirten Blutes mit Wasser auf dem Filter gesammelt, so erhielt man infolge der lange andauernden Einwirkung von Wasser unl\u00f6sliche R\u00fcckst\u00e4nde (16p. 16\u20147). Dieser Umstand erkl\u00e4rt, Denis\u2019 Meinung nach, die Ansicht, das Stroma des Blutk\u00f6rperchens bestehe aus Fibrin (ib.p. 24), derjenigen Autoren, welche das ver\u00e4nderte Globoglobin f\u00fcr Fibrin ansahen. Auf dieselbe Weise, d. h. durch Behandlung der abgestandenen Blutk\u00f6rperchen mit einer Kochsalzl\u00f6sung 1:6 Yol. Wasser (16p. 19\u201422) erhielt Denis Globoglobin auch aus Vogelblut. Das Globulin der Blutk\u00f6rperchen der V\u00f6gel scheint sich leichter aufzul\u00f6sen als dasjenige der Blutk\u00f6rperchen des Menschen, da in letzterem Falle in Salzen unl\u00f6sliche Teilchen Zur\u00fcckbleiben (ib. p. 13). Im J. 1862 sanctionnirte auch A. Schmidt (81 p. 436) in seinen Arbeiten gleichsam die von Denis gegebene Benennung \u201eGlobulin\u201c, indem er sagt, dass aus dem defibrinirten Blute des Meerschweinchens, wie auch aus jedem andern, Wasser K\u00f6rnchen niederschl\u00e4gt, welche sich ebenso wie das Globulin des Serums *), (die fibrinoplastische Substanz) verhalten. Im \u00e4ussersten Falle kann zugegeben werden, dass Schmidt\u2019s Niederschlag auch eine unbedeutende Menge Seroglobin (p. n. 103 Le Phys. .V 48) enthielt; doch waren es unstreitig die Ger\u00fcste der Blutk\u00f6rperchen, welche den Hauptteil des durch Wasser erzeugten Niederschlags bildeten, um so mehr als 2 Jahre sp\u00e4ter Schmidt behauptete, dass eine dem Berzelius\u2019schen Globulin (82 p. 3) vollkommen analoge Substanz in den Blut-. Milch-, Lymph-, Eiter-. Speichel- und Bindegewebsk\u00f6rperchen enthalten sei. Wenn Hoppe-Seyler im J. 1864 infolge seiner Unkenntniss der einschl\u00e4gigen Literatur einen ziemlich groben Fehler machte, indem er nach dem, was schon bekannt war, annahm, dass die Blutk\u00f6rperchen des Menschen- und Hundeblutes fast ausschliesslich aus H\u00e4moglobin (34 p. 233) bestehen2), so verbesserte er denselben schon in den folgenden Jahren (1865 und 1867). Dcfibri-nirtes Blut scheidet nach der Vermengung mit 10 Vol. einer Mischung aus 1 Fol. ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung mit 9 Vol. Wasser Blutk\u00f6rperchen aus, die man mit neuen Portionen derselben L\u00f6sung w\u00e4scht und dann ganz abtrennt. Hoppe-Seyler (35 p. 305) empfiehlt, sich auch Pferdeblutes zu bedienen, da es seine Blutk\u00f6rperchen in der K\u00e4lte leicht ausscheide. Bei der Behandlung von Blut mit einem Salze beobachtete er. dass die Ausscheidung der Blutk\u00f6rperchen aus Ochsen-, Schaf-und Schweineblut langsam, aus dem Blute von Menschen, Hunden, Ratten u. s. w. schneller und aus Vogel- und Amphibienblut (36 p. 172) sehr schnell von statten geht. Im allgemeinen geht die Ausf\u00e4llung der Blutk\u00f6rperchen desto leichter vor sich, je niedriger die Temperatur ist. Hoppe-Seyler r\u00e4t jedoch, nicht mehr als 3 Waschungen vorzunehmen, da die Blutk\u00f6rperchen sich sonst ver\u00e4ndern. Er macht unter anderem die Bemerkung, dass Ammoniumsalze zur Abtrennung der Blutk\u00f6rperchen wenig taugen; Natriumphosphat dagegen erhalte dieselben unver\u00e4ndert\nf) \u201e...aus der gef\u00e4rbten Fl\u00fcssigkeit setzt sieh eiu reichlicher weissei\u2019, k\u00f6rniger Niederschlag ab, der sich durchaus wie die aus dem Blutserum dargestellte fibrinoplastische Substanz verh\u00e4lt\u201c (81 p. 436).\n-) \u201eDieser K\u00f6rper (Haemoglobin), macht bis auf Spuren anderer Stoffe den einzigen Bestandtheil der rothen Blutk\u00f6rperchen bei Menschen und\nHunden aus, w\u00e4hrend bei V\u00f6geln und mehreren S\u00e4ugethieren in den rothen Blutk\u00f6rperchen noch wesentliche Quantit\u00e4ten von Albuminstoffen gefunden werden\u201c (34 p. 233). In einer dem Studium des Blutfarbstoffs gewidmeten Schrift is: das keine zuf\u00e4llige Bemerkung, kein zuf\u00e4llige\u2019 Irrtum!","page":25},{"file":"p0026.txt","language":"de","ocr_de":"26\nDAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n(ib.). Nach der Abtrennung werden die Blutk\u00f6rperchen mit Wasser oder gleichzeitig mit Wasser und Aether behandelt.\nEhe wir \u00fcber Hoppe-Seyler\u2019s Behandlungsmethode der Blutk\u00f6rperchen mit Aether und Wasser sprechen, wollen wir in einigen Worten die Geschichte der Anwendung von Aether zur Zerst\u00f6rung dieser K\u00f6rper darlegen. Wie wir bereits erw\u00e4hnten (p. n. 82 Le Phys. V 41), hatte Gerlach (25 p. 43) im J. 1848 gefunden, dass unter dem Einfluss von Aether die Blutk\u00f6rperchen ihre Farbe leicht der sie umgebenden Fl\u00fcssigkeit abgeben. Nach Gerlach kamen Weber (94 p. 12) und Wittich (95 p. 11). Sie bemerkten, dass unter der Einwirkung von Aether das Blutk\u00f6rperchen eigentlich nicht zerst\u00f6rt wird und nur der Farbstoff dasselbe verl\u00e4sst, ohne dass es irgend welche Ver\u00e4nderungen erfahre, etwa zerreisse. Wittich gebrauchte Aether, um Blutfarbstoff in verh\u00e4ltnism\u00e4ssig bedeutenden Mengen darzustellen. Zu dem Zwecke wurde zu defibrinirtem Blut Aether in Ueberschuss zugegeben und das Gemenge umgesch\u00fcttelt; nach ruhigem Stehen schwamm an der Oberfl\u00e4che der Fl\u00fcssigkeit eine farblose gallertartige Schicht auf, unter welcher sich eine stark gef\u00e4rbte Fl\u00fcssigkeit befand. Zu Hoppe-Seyler\u2019s Methode \u00fcbergehend (35 p. 305), sehen wir, dass er r\u00e4t die, wie oben beschrieben, mit dem Salze ausgewaschenen Blutk\u00f6rperchen entweder einfach mit Wasser oder mit Wasser und Aether zu behandeln. In beiden F\u00e4llen wird ein farbloser R\u00fcckstand erhalten. \u201eDer so erhaltene K\u00f6rper stimmt mit dem Globulin (der fibrinoplastischen Substanz) in allen Eigenschaften \u00fcberein\u201c. Derselbe l\u00f6st sich nicht in Wasser, wohl aber in Salzen und J%'i&er Salzs\u00e4ure1). Schon damals sagte K\u00fchne (44 p. 192) aus, dass es wol kein andres Gewebe giebt, welches an Globulin so reich w\u00e4re wie das Blutk\u00f6rperchen, und empfiehlt seinerseits das soeben beschriebene Waschen mit Kochsalz als das beste Mittel, die Blutk\u00f6rperchen abzutrennen.\nNach Hoppe-Seyler\u2019s und Denis\u2019 Vorgehen, trug van der Horst, Heynsius\u2019 Worten nach (32 p. 2), bei der Darstellung einer Salzl\u00f6sung der roten Blutk\u00f6rperchen die erhaltene L\u00f6sung in Wasser ein; dabei beobachtete er Ausscheidung von Globulin in Gestalt von Flocken, die zu Boden fielen, w\u00e4hrend der Farbstoff sich in der Fl\u00fcssigkeit verteilte. Der Niederschlag\u2014das Globulin\u2014ist in 10\u00b0/o-iger Chlornatriuml\u00f6sung, in Chlorwasserstoff l\u00b0/00 und in verd\u00fcnnten S\u00e4uren \u00fcberhaupt l\u00f6slich; durch l\u00e4ngere Einwi kung von Wasser oder concentrirten Salzl\u00f6sungen wird er unl\u00f6slich. Diese Reactionen, vor allem die F\u00e4llung durch Wasser (augenscheinlich, der \u00e4usseren Form nach zu urteilen, bei tropfenweiser Einf\u00fchrung der L\u00f6sung in Wasser), veranlassten v. d. Horst (ib. p. 5) zwischen den Eigenschaften der Stromasubstanz und denjenigen des Myosins (s. Kap. VII \u00fcber das Globulin der Muskeln) eine Parallele zu ziehen.\nUm diese Zeit fand auch Panum in der Protei'nsubstanz der Ger\u00fcste alle Eigenschaften des Caseins des Serums, d. h. des Seroglobins, und schlug vor, dieselbe \u201eBlutk\u00f6rperchencasein zu ne n n e n\u201c (68 p. 91).\nZu derselben Zeit erhielt auch Heynsius Pr\u00e4parate aus defibrinirtem Blute, einmal indem er es einfach mit 100 Vol. Wasser verd\u00fcnnte, ein anderes\u2014indem er nach der Verd\u00fcnnung mit Wasser die Fl\u00fcssigkeit mit einem Kohlens\u00e4urestrom f\u00e4llte. In beiden F\u00e4llen erhielt er Niederschl\u00e4ge in gr\u00f6sseren Quantit\u00e4ten als nach analoger Behandlung gleicher Mengen reinen, difibrinirten Blutes und Serums, wie\n*) \u201eLebergiesst man diesen Niederschlag mit durch Filtration getrennt werden kann. Der so \"VA asser, ohne viel umzur\u00fchren, so l\u00f6st sich das erhaltene K\u00f6rper stimmt mit der fibrinoplastischen Haemoglobin, und eine gallertige Gerinnung bleibt Substanz in allen Eigenschaften \u00fcberein\u201c (35 ungel\u00f6st, welche durch Sch\u00fctteln mit AVasser und p. 305).\nAether besser ausgef\u00e4llt wird und dann leicht","page":26},{"file":"p0027.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULTN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n27\noben erw\u00e4hnt. Endlich meint Heynsius, dass die Niederschl\u00e4ge durchaus ein Gemenge von Globoglobin und Seroglobin waren, stellt aber auch die M\u00f6glichkeit der Gegenwart von Chromoglobin (32 p. 80\u201434) nicht in Abrede. Al. Schmidt (82-a p. 498) best\u00e4tigt Heynsius\u2019 Angaben, dass bei der Einwirkung von Kohlens\u00e4ure auf defi-brinirtes Blut mehr Substanz erhalten wird als in dem Falle, wenn reines Serum genommen wird. Daselbst empfiehlt Schmidt behufs Darstellung serumfreier Blutk\u00f6rperchen, das Coagulum von Pferdeblut durchzupressen und die ausgeschiedene Fl\u00fcssigkeit abstehen zu lassen. Nach der Abtrennung der Blutk\u00fcgelchen behandelt Schmidt dieselben mit 15\u201420 Yol. Wasser auf 1 Yol. der K\u00fcgelchen. Da die Blutk\u00f6rperchen in Wasser aufquellen, k\u00f6nnen sie beim Filtriren durch den Filter hindurchschl\u00fcpfen. Erw\u00e4hnen wir hier noch einer sehr groben Methode, die aber, wie es sich erweist, in Al. Schmidt\u2019s Laboratorium in Dorpat h\u00e4ufig angewandt wird. Sich auf Semmer (86 p. 17 u. 52) und Nauck (67 p. 45), die in Dorpat arbeiteten, und auf Bergergr\u00fcn (4-a p. 38). welcher behauptet, dass die Stromata der Blutk\u00f6rperchen Wasserstoffhyperoxyd zersetzen, berufend, r\u00e4t Schwarz (84 p. 9). zur Darstellung der Blutk\u00f6rperchenger\u00fcste am besten sich des Coagulums von Ochsenblut zu bedienen. Das Coagulum wird ausgepresst uud das ausgeschiedene Blut mit 10 Yol. mit Kohlens\u00e4ure ges\u00e4ttigten Wassers versetzt. Der unmittelbar oder nach dem Centrifugiren erhaltene Niederschlag wird f\u00fcr die Stromata angesehen! Es konnten hier aber nicht nur die Ger\u00fcste sondern auch Seroglobin und sogar Chromoglobin sich absetzen! Um dieselbe Zeit fand Arloing (3 p. 1257) bei der Behandlung isolirter roter Blutk\u00f6rperchen mit Weingeist 45\u00b0, dass diese K\u00f6rperchen aufquellen, gr\u00f6sser werden und dabei ihre F\u00e4rbung verlieren; dies findet auch in Gegenwart von blossem Wasser statt (ib. p. 1258). Ferner findet Landois (45 p. 419), dass die Abscheidung des H\u00e4moglobins in Gegenwart von Kohlens\u00e4ure ziemlich glatt von statten geht; auch die Blutk\u00f6rperchen von ven\u00f6sem Blute geben ihren Farbstoff leicht ab, wie auch in dem Falle, wenn die Blutk\u00f6rperchen eines Tieres in das Serum eines anderen geraten. Nach der Entfernung des Farbstoffs kleben die Stromata an einander und bilden, wenn die Fl\u00fcssigkeit in Bewegung ger\u00e4t, F\u00e4den, was Landois veranlasste, dieselben zum Unterschied vom Fibrin des Plasma oder Plasmafibrin, wie er es nennt, Stromafibrin zu nennen. Hammarsten (29 p. 26) dagegen, findet dass die Stromata eine mittlere L\u00f6slichkeit zwischen dem Fibrinogen und dem Fibrin besitzen.\nAlle oben beschriebenen Abtrennungsmethoden der Blutk\u00f6rperchen besitzen einen gemeinsamen Mangel, n\u00e4mlich den verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig grossen Zeitaufwand, den das Abstehen der Blutk\u00f6rperchen nach sich zieht; andererseits kann mehr als dreimal wiederholtes Waschen mit der Salzl\u00f6sung, wie Hoppe-Seyler (p. n. 25 Le Phys. A 61) gezeigt, zu wesentlichen Ver\u00e4nderungen des Blutk\u00f6rperchens f\u00fchren. Ganz nat\u00fcrlich erschien der Wunsch, die Zeit der Abtrennung, des Abstehens der Blutk\u00f6rperchen zu verk\u00fcrzen. Diesem Wunsche kam Babo\u2019s Idee entgegen, die in der Fl\u00fcssigkeit suspen-dirten Teile des Niederschlags mit Hilfe der Centrifugalkraft abzutrennen. Zu dem Zwecke baute er (4 p. 301) einen Apparat, welcher in etwas ver\u00e4nderter Gestalt in einigen physiologischen Laboratorien Eingang fand. Soviel mir bekannt ist, war A. Danilewski der erste, der sich zur Abtrennung der Blutk\u00f6rperchen einer Centrifuge bediente (1865, 11 p. 440). In Danilewski\u2019s Maschine konnte die Scheibe, auf welcher sich das Gef\u00e4ss mit dem zu untersuchenden Blute befand, 25\u201435 Drehungen in der Sekunde machen, und */a\u20141-st\u00fcndliches Rotiren gen\u00fcgte, um z. B. defi-brinirtes Blut von den Blutk\u00f6rperchen zu befreien oder, richtiger gesagt, dieselben an den Boden des Gef\u00e4sses zu schleudern, welches seiner L\u00e4nge nach radial auf der rotirenden Scheibe angebracht war. Bei l\u00e4ngerem Centrifugiren, 2\u201421/2 Stunden lang, von Blut, welches aus den Blutgef\u00e4ssen unmittelbar in Natriumsulfat ein-","page":27},{"file":"p0028.txt","language":"de","ocr_de":"28\nDAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\ngeflossen ist, \u201esetzen sich die Blutscheiben so fest an den Boden des Glasgef\u00e4sses, dass man letzteres nach Entfernung des Plasma nicht nur umkehren und sch\u00fctteln sondern die rote Masse auch nur mit M\u00fche mit einem Glasst\u00e4bchen zerteilen kann\u201c. Hoppe-Seyler (36 p. 171) glaubt aber, die Anwendung der Centrifuge k\u00f6nne bei der Abtrennung der roten Blutk\u00f6rperchen keine besonders wichtige Rolle spielen, da die Hauptsache darin bestehe die Blutk\u00f6rperchen abzuwaschen, ohne deren chemische Structur zu ver\u00e4ndern. Dennoch kamen Centrifugen in Aufnahme, und erbaute Ludwig eine solche mit einem Gasmotor versehene Maschine f\u00fcr sein leipziger Laboratorium. In dieser Maschine sind die Blechgel\u00e4sse, welche den das zu untersuchende Blut enthaltenden Glasr\u00f6hren als Beh\u00e4lter dienen, aut horizontalen Achsen befestigt und nehmen im Ruhezust\u00e4nde die vertikale, beim Contrifugiren die horizontale Lage ein, wodurch rasche und vollst\u00e4ndige Abtrennung der Blutk\u00f6rperchen erzielt wird. Dieses Apparats bedienten sich Pribram (1872, 71 p. 63) und nach ihm auch andere Sch\u00fcler Ludwig\u2019s. Um diese Zeit benutzten einen solchen Apparat, Gautier\u2019s (24 p. 488) Worten nach, auch Solet & Daremberg zu rascherer Abtrennung der Blutk\u00f6rperchen. Auch Wooldridge (1881, 06 p. 387) bediente sich zu diesem Zwecke einer Centrifuge, nahm aber defibrinirtes und mit mehreren Vol. 2%-igor Chlornatriuml\u00f6sung verd\u00fcnntes Blut. Nach der Abtrennung wurden die Blutk\u00f6rperchen behufs vollst\u00e4ndiger Abtrennung der Leukocyten mit 5\u20146 Vol. mit Aether versetzten Wassers behandelt, dann wurde die Fl\u00fcssigkeit auts neue solange centrifugirt, bis auf den Boden des Gef\u00e4sses Flocken J) ausfielen. Nach der Entfernung letzterer, versetzte man die ganz klare Fl\u00fcssigkeit mit einer verd\u00fcnnten S\u00e4ure oder, damit das H\u00e4matoglobin sich nicht zersetze, anstatt einer solchen, mit l\u00b0/0-iger L\u00f6sung sauren schwefelsauren Natrons, wonach die Stromata sich zusammenballten. Abgesehen davon, dass Wooldridge\u2019s Verfahren die M\u00f6glichkeit einer Zersetzung des H\u00e4matoglobins nicht ausschliesst, ist die Anwendbarkeit dieser Methode auch noch in der Hinsicht eine fragliche, dass nach l\u00e4ngerem Centrifugiren nach der Einwirkung von Wasser auf die Blutk\u00f6rperchen unstreitig auch Stromata sich niederschlugen, da das Centrifugiren wieder vorgenommen und fortgesetzt wurde bis zur vollst\u00e4ndigen Entfernung der Niederschl\u00e4ge, welche Wooldridge ohne besonders gewichtige Gr\u00fcnde ausschliesslich f\u00fcr Leukocyten h\u00e4lt. Nach Schmidt\u2019s (Al.) Angaben darf aber angenommen werden, dass die Leukocyten sich viel sp\u00e4ter als die roten Blutk\u00f6rperchen niederschlagen. In der Folge meinte Wooldridge (1883, 97 p. 390) nicht nur sondern behauptete auch, dass aus peptoriisirtem Blute nach 6-st\u00fcndigem Centrifugiren schon alle roten Blutk\u00f6rperchen, aber bei weitem nicht alle weissen sich entfernt haben 2). Zieht man in Betracht, dass Wooldridge, um rote Blutk\u00f6rperchen zu erhalten, defibrinirtes Blut mit einigen Vol. 2%-iger Kochsalzl\u00f6sung vermengte und auf die Centrifuge brachte, dass der rote Niederschlag nach dieser Behandlung noch mehrmals mit neuen Portionen desselben Salzes 3) centrifugirt\n\u2018) \u201eHiernach kommt sie von Neuem auf die Centrifuge, um die Leukocyten, die wenig ver\u00e4ndert in der Fl\u00fcssigkeit schwimmen, abzuscheiden; um ihrer Entfernung sicher zu sein, muss dass Centrifugiren so lange fortgesetzt und wiederholt werden, als noch weisse Fl\u00f6ckchen auf dem Boden des Cylinders erscheinen. Zu der nun erst vollkommen klaren Fl\u00fcssigkeit setzt man eine einprocentige L\u00f6sung von saurem schwefelsaurem Natron tropfenweise hinzu. Ist die gen\u00fcgende Menge des Salzes eingebracht, so tr\u00fcbt sich die klare Fl\u00fcssigkeit bis zu einem \u00e4hnlichem Grade, wie unver\u00e4ndertes Blut. Alsbald aber hallen sich die\nausgef\u00e4llten Stromata und senken sich zu Boden\u201c (96 p. 388).\n-) \u201eGleich nach der Verblutung kommt das Blut auf die Centrifuge, um am ersten Tag etwa sechs Stunden darauf zu verweilen. Dieses gen\u00fcgt, um alle rothen K\u00f6rperchen, aber durchaus nicht, um alle weissen zu entfernen\u201c (97 p. 390).\n3) \u201eFrisches geschlagenes Blut wird mit dem Mehrfachen seines Volumens von 2-procentiger Kochsalzl\u00f6sung versetzt und centrifugirt; der nach dieser ersten Behandlung verbleibende rothe Bodensatz wird noch mehrmals mit Kochsalzl\u00f6sung auf der Centrifuge ausgewaschen, bis das anhaftende Serum entfernt ist\u201c (96 p. 38S),","page":28},{"file":"p0029.txt","language":"de","ocr_de":"PAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nwurde, so darf man wohl annehmen, dass entweder alle Leukocyten entfernt waren oder nur eine sehr geringe Menge davon in dem aus roten Blutk\u00f6rperchen bestehenden Bodens\u00e4tze enthalten war, welche mittels Wasser in eine H\u00e4matoglobinl\u00f6suim mit in derselben suspendirten Stromata \u00fcbergef\u00fchrt wurde. Selbstverst\u00e4ndlich scheiden sich bei dem Centrifugiren dieser L\u00f6sung bis zur v\u00f6lligen Ausscheidung der Flocken zugleich mit diesen auch die Stromata ab. Nach dem Abfiltriren wurden letztere mit destillirtem Wasser gewaschen (96 p. 388). Diese Operation muss sehr rasch bewerkstelligt werden, da sonst, bei l\u00e4ngerem Waschen, ein in 2%-iger Chlorwasserstoffs\u00e4ure schwer oder garnicht l\u00f6sliches Pr\u00e4parat erhalten wird? w\u00e4hrend ein richtig bereitetes im frischen Zustande sich in S\u00e4ure von solcher Concentration leicht l\u00f6st (ih. p. 389) und nach dem Waschen mit \u00e4therhaltigem Wasser sogar in Kochsalz l\u00f6slich wird (ib. p. 390). Im allgemeinen gesagt, je k\u00fcrzere Zeit die Einwirkung von Wasser gedauert hat, desto leichter ist\" es, das Seroglobin mittels 5%-iger Chlornatriuml\u00f6sung zu entfernen. Nach der Altscheidung des Seroglobins bleibt ein Teil zur\u00fcck, der nur in 2%-iger Salzs\u00e4ure und in verd\u00fcnnten Alkalien l\u00f6slich ist und den der Autor f\u00fcr Plosz\u2019s Nucleoalbumin (ib. p. 391) ansieht. Bestimmtere Angaben \u00fcber diese Substanz kann Wooldridge nicht geben, da er nur eine ganz unbedeutende Menge davon erhalten hatte, obgleich zur Untersuchung grosse Quantit\u00e4ten Stromata genommen wurden (ib. p. 392). Das in Wooldridge\u2019s Arbeit Dargelegte stimmt im ganzen mit den Angaben andrer Autoren \u00fcberein; trotz seiner Versicherung, er sei der erste gewesen, der Stromata in gr\u00f6sserer Menge und Reinheit erhalten h\u00e4tte, was schon zur Gen\u00fcge beweist, dass ihm die Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger Q unbekannt waren, fragt man sich, ob nicht Zersetzung des H\u00e4moglobins und F\u00e4llung von Seroglobin (durch Einwirkung von S\u00e4uren und \u00e4therhaltigem Wasser sowohl als auch von einem sauren Salz) stattgefunden hatten. Andererseits zeugt seine Voraussetzung von dem Vorhandensein eines zweifelhaften K\u00f6rpers in einem kaum wahrnehmbaren, ungel\u00f6st gebliebenen R\u00fcckst\u00e4nde f\u00fcr eine ungen\u00fcgende Bekannscliaft mit den Eigenschaften der Globuline im allgemeinen und der Stromaglobuline im besonderen. Wooldridge bediente sich aus unbekannten Gr\u00fcnden nur 5%-iger Kochsalzl\u00f6sung, w\u00e4hrend seine Vorg\u00e4nger und \u00fcberhaupt alle, die das Globulin studirt haben, Kochsalzl\u00f6sungen verschiedener Coneen-trationen benutzten; dies ist um so befremdlicher, als Wooldridge selbst findet, dass in dieser L\u00f6sung die in 5%-iger Kochsalzl\u00f6sung unl\u00f6slichen Niederschl\u00e4ge am wenigsten aufquellen (96 p. 391). Wooldridge machte keinen Versuch letztere in con-centrirteren Chlornatriuml\u00f6sungen aufzul\u00f6sen, behauptet aller, dass die Stromasubstanz um so weniger l\u00f6slich ist, je l\u00e4nger sie unter Wasser gelegen hat (ib. p. 389\u201491). Demgem\u00e4ss ist es vor allem ganz am Platze anzunehmen, dass dieser doch auch nur in 5%-iger Kochsalzl\u00f6sung unl\u00f6sliche Teil der Stromasubstanz seine Unl\u00f6slichkeit infolge der beschriebenen Behandlung und der geringen Concentration der zur Aufl\u00f6sung genommenen Salzl\u00f6sung erworben hatte. Schliesslich war, nach Wooldridge's eigenen Worten, besagte Substanz in so geringer Menge vorhanden, dass der aus dem Studium der Geschichte des Stroma der Blutk\u00f6rperchen folgende Satz, n\u00e4mlich dass die Stromasubstanz ihrer chemischen Natur nach Globulin vorstellt, eine gewisse Bedeutung erwirbt. Daf\u00fcr zeugt haupts\u00e4chlich auch Wooldridge\u2019s Arbeit. Die Stromata \u201eParaglobulin\u201c nennend (ib. p. 391), identificirt Wooldridge deren Substanz mit dem Globulin des Serums, indem er in derselben gemeinsame Eigenschaften mit dem Seroglobin findet.\n') ......es w\u00fcrde gewiss bei der grossen\nTheilnalime, welche die physiologischen Chemiker der Blutscheibe gewidmet, ihr Stroma im weiteren Bmfange als bisher Gegenstand der Cnter-\nsuchung gewesen sein, wenn sich dasselbe rein und in gr\u00f6sseren Mengen h\u00e4tte darstellen lassen. Riese Aufgabe glaube ich jetzt gel\u00f6st zu haben\u201c (90 p. 388).","page":29},{"file":"p0030.txt","language":"de","ocr_de":"30\nDAS GLOBULIN DER BOTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nSchweiger-Seidel\u2019s & Schmidt\u2019s (p. n. IG Le Phys. Nt 61) sowie Semmer\u2019s (86 p. 17 u. 52) Beobachtungen benutzend, nach welcher die roten Blutk\u00f6rperchen, die kernhaltigen sowohl als die kernlosen, hei der Einwirkung von Wasser bei Gegenwart von Kohlens\u00e4ure zwar den Farbstoff abgehen, aber nicht aufquellen, wie es bei der Einwirkung von Wasser allein der Fall ist, behandelte Nauck (67 p. 45), im Gegensatz zu den ersten Beobachtern, die eher mikroscopische Zwecke im Auge hatten, auf dieselbe Weise die Blutk\u00f6rperchen von Ochsen- und Pferdeblut zu chemischen Zwecken. Die abgestandenen Blutk\u00f6rperchen von Pferdeblut und die abgepressten von Ochsenblut wurden auf der Centrifuge mit kohlens\u00e4urehaltigem Wasser behandelt. Dabei fiel die farblose Stromaschicht zu Boden. Doch kann, nach Nauck\u2019s eignem Gest\u00e4ndniss, nicht behauptet werden, dass bei diesem Verfahren nicht auch das Seroglobin desjenigen Teils des Serums oder des Plasma auslallen konnte, welcher mit den roten Blutk\u00f6rperchen bei ihrem Austreten aus der Mutterlauge mitgerissen worden war (ib. p. 46). Ebenso wenig kann abgeleugnet werden, dass das H\u00e4moglobin durch Einwirkung der Kohlens\u00e4ure sich zersetzen und dessen Zer-setzungsproduct, das Chromoglobin, sich mit dem, was Nauck Stromata nennt, verbinden konnte (vergl. p. n. 87\u20148 Le Phys. A 41).\nWooldridge\u2019s allgemeine Methode benutzend, schieden Halliburton & Friend (1889, 28 p. 534) die roten Blutk\u00f6rperchen ebenfalls mit Hilfe der Centrifuge aus, doch schon aus defibrinirtem, mit \u2018/2%-iger Kochsalzl\u00f6sung versetztem Blut. Nach der Abscheidung der Blutk\u00f6rperchen wurde das H\u00e4moglobin aus denselben mit \u00e4therhaltigem Wasser extrahirt (ib. p. 534). Zur vollst\u00e4ndigen Entfernung der H\u00e4moglobinreste wusch man die auf dem Filter befindlichen Stromata mit Wasser, welches Spuren von saurem Natriumsulfat enthielt. Die Autoren machen die Bemerkung. dass die Ger\u00fcste leicht in 2%0-iger Salzs\u00e4ure sich l\u00f6sten, wenn die Operation nicht lange gedauert hatte, (ib. p. 535). Sie l\u00f6sten sich bis auf einen geringen Rest in halbges\u00e4ttigter Natriumsulfatl\u00f6sung und 5%-igen L\u00f6sungen von Magnesiumsulfat und Chlornatrium, wobei die erhaltenen L\u00f6sungen die Eigenschaften von Globulinl\u00f6sungen besassen (ib. p. 538 u. folg.).\nGewinnung aschenfreien Globoglobins. Wir stellten unsre Untersuchungen an den Stromata der Blutk\u00f6rperchen von Hunden. Ochsen, K\u00e4lbern, Schweinen, Pferden und V\u00f6geln (H\u00fchnern und G\u00e4nsen) an. Zur Abscheidung der Blutk\u00f6rperchen bedienten wir uns entweder defibrinirten oder ganzen Blutes, wobei dieses und jenes behufs Abscheidung der Blutk\u00f6rperchen mit wenig con-centrirten Salzl\u00f6sungen vermischt wurde. Zu obigem Zwecke pr\u00fcften wir nicht nur Hewson\u2019s, Denis\u2019s, LecaniTs, Hoppe-Seyler\u2019s u. a. Abscheidungsmethoden, sondern f\u00fchrten Untersuchungen auch mit solchen Salzen aus, welche von fr\u00fcheren Autoren nicht angewandt worden waren.\nIm ganzen k\u00f6nnen wir sowohl das fr\u00fcher beobachtete Verhalten dieses oder jenes Salzes zu den Blutk\u00f6rperchen als auch die Gesetzm\u00e4ssigkeit best\u00e4tigen, welche N. Kowalewski (41 p. 22) bei seinen vielfachen Untersuchungen \u00fcber das Vorhalten verschiedener Salze und andrer chemischer Agentien den Blutk\u00f6rperchen gegen\u00fcber (40 p. 881; 41 p. 164, 193, 385 und 401; 42 p. 99), und zum Teil a\u00fcch Hamburger, fand (28-a p. 334). Stark- und auch schwachconcentrirte L\u00f6sungen neutraler Salze k\u00f6nnen das Blutk\u00f6rperchen zu fr\u00fchzeitig zerst\u00f6ren, ihm den Farbstoff entziehen und den Experimentator dadurch des Crit\u00e9riums in Bezug auf die Reinheit des Pr\u00e4parats bei dem Abstehen der Blutk\u00f6rperchen berauben. Am bequemsten fanden wir die Anwendung 5\u00b0/0-iger Natriumsulfatl\u00f6sung, mit welcher wir das zu untersuchende defibrinirte Blut auch versetzten.\nDie Arbeiten in Bezug auf das Globulin der Stromata f\u00fchrte in unserem Laboratorium Herr Dr. Masloff aus. Er bediente sich obenerw\u00e4hnter Natriumsul-","page":30},{"file":"p0031.txt","language":"de","ocr_de":"t)AS GLOBULIN DEE EOTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nBl\nfatl\u00f6sung, wobei er das Waschen 3\u20144-mal mit 5\u201410 Yol. Salzl\u00f6sung auf 1 Yol. Blut in flachen und breiten Schalen bei einer dem Gefrierpunkt m\u00f6glichst nahen Temperatur unter sorgf\u00e4ltigem, jedoch vorsichtigem Umr\u00fcliren mit G\u00e4nsefederb\u00e4rten vornahm. Nach dem Abstehen goss man die Fl\u00fcssigkeit derartig ab, dass jedesmal auch ein Teil der roten Blutk\u00f6rperchen abging; dies geschah, damit die farblosen Blutk\u00f6rperchen entfernt w\u00fcrden, die gew\u00f6hnlich die Oberfl\u00e4che der Schicht einnehmen, da sie sich, wie schon Schmidt und Wooldridge (97 p. 396) erw\u00e4hnten, nur langsam setzen. Um die Abscheidung der Blutk\u00f6rperchen von den Waschw\u00e4ssern zu beschleunigen, wandten wir auch Schachteln aus Filtrirpapier an, welches die Fl\u00fcssigkeit aufsaugte (p. n. 92 Le Phys. .Y 41). Zur Entfernung des H\u00e4matoglobulins aus den Blutk\u00f6rperchen ist es unstreitig am einfachsten Wasser anzuwenden; um der Ver\u00e4nderung des Stromaglobulins bei der Einwirkung von Wasser vorzubeugen, muss man jedoch die Procedur des Extrahirens des Farbstoffs so schnell wie m\u00f6glich ausf\u00fchren. Dennoch n\u00f6tigt das langsame Absetzen der Stromata, denen der Farbstoff entzogen ist, zur Filtration. Dieselbe geht jedoch sehr langsam vor sich. Ausserdem m\u00fcssen die auf dem Filter gesammelten Stromata aufs neue, und zwar l\u00e4ngere Zeit, mit Wasser gewaschen werden, um frei von Farbstoff zu werden\u2014oder, zur h\u00f6chsten Entt\u00e4uschung des Experimentators, sich in ein ver\u00e4ndertes. in Salzl\u00f6sungen unl\u00f6sliches Pr\u00e4parat zu verwandeln. Um den Process der Auswaschung des Farbstoffs zu beschleunigen, wandten wir Aether an. wowei Herr Dr. Masloff das beste Verh\u00e4ltnis zwischen dem Wasser und dem Aether erfahrungsweise feststellte. Auf 1 Vol. Aether d\u00fcrfen nicht mehr als 1\u20143 Yol. Wasser kommen, da sonst, bei gr\u00f6sserem Wasser\u00fcberschuss, die Stromata anfangen sich aufzul\u00f6sen, und zwar ganz bedeutend, dem Auge sichtbar! Die Aufl\u00f6sung der Stromata d\u00fcrfte in diesem Falle der Einwirkung des von den Blutk\u00f6rperchen beim Waschen mit Glaubersalz zur\u00fcckgehaltenen Salzes zugeschrieben werden. Nach dem Waschen mit dem Salze werden die Blutk\u00f6rperchen in kugel- oder cylinderf\u00f6rmige, mit Hahn und Pfropfen versehene, sog. Scheidungstrichter (Fig. 4) gebracht, in welche zuerst der Aether und dann, wie schon gesagt, 3\u20148-mal mehr Wasser gebracht wird. Wasser und Aether muss soviel genommen werden, dass bei der Vermengung mit den Blutk\u00f6rperchen die Mischung das Aussehen einer Fl\u00fcssigkeit nicht aber eines Breies habe. Nachdem man den Scheidungstrichter verkorkt hat, sch\u00fcttelt man das Gemenge l\u00e4ngere Zeit recht stark, indem man von Zeit zu Zeit den Pfropfen l\u00fcftet, damit die Aetherd\u00e4mpfe entweichen k\u00f6nnen. Zum Abstehen wird der Trichter in den Ring eines Stativs gestellt. Dabei teilt sich das Gemenge sehr bald in drei Schichten, eine untere dunkelrote, anf\u00e4nglich tr\u00fcbe, aber von unten aus sich bald kl\u00e4rende und nach oben Flocken ausscheidende, welch letztere allm\u00e4lig aufschwimmen und die mittlere Schicht bilden; die obere Schicht besteht aus dem Aether, welcher w\u00e4hrend des Aufschwimmens der Stromata schon Zeit gehabt hat sich auszuscheiden. Es m\u00f6ge hier bemerkt werden, dass, wenn zu wenig Aether genommen wurde, die Stromata am Boden des Gef\u00e4sses bleiben und das Waschen erschweren k\u00f6nnen; doch veranlasst ein Aetherzusatz zu rechter Zeit die Stromata auch in diesem Falle die mittlere Lage einzunehmen oder, wenn die Aethermenge zu gering gewesen ist, die obere, da in diesem Falle \u00fcber den Stromata sich kein Aether ausscheidet, so dass es hier nur zwei Schichten giebt. Bei gen\u00fcgender Aethermenge, wenn sich die drei Schichten mehr oder weniger scharf abgetrennt haben, l\u00fcftet man behufs allm\u00e4liger Entfernung der","page":31},{"file":"p0032.txt","language":"de","ocr_de":"S2\nDAS CLOBULIN DER ROTHEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nuntern Schicht, welche haupts\u00e4chlich den Farbstoff enth\u00e4lt, den Pfropfen und dann behutsam den Hahn. Sodann werden die Stromata mit einer neuen und gen\u00fcgenden Quantit\u00e4t Aether und Wasser im Verh\u00e4ltniss 1 : 3\u20148 Yol. umgesch\u00fcttelt, worauf man das Abstehen, Abgiessen, Zugiessen des Gemenges aus Wasser und Aether u. s. w. bis zu v\u00f6lliger Entf\u00e4rbung, d. h. bis die mittlere Schicht schneeweiss wird, wiederholt. Die begonnene Operation muss an demselben Tage zu Ende gef\u00fchrt werden; das noch nicht vollst\u00e4ndig entf\u00e4rbte Gemenge darf nicht \u00fcber Nacht stehen bleiben, da die Stromata den sich zersetzenden Farbstoff aufnehmen, und es dann unm\u00f6glich ist ein farbloses Pr\u00e4parat zu erhalten! Behufs Entfernung des Aethers wird die schneeweisse Masse in breite Schalen gegossen. Doch auch in dieser Gestalt darf man sie nicht lange stehen lassen, da die Stromata allm\u00e4lig die F\u00e4higkeit einb\u00fcssen sich in Salzl\u00f6sungen aufzul\u00f6sen. Das frischbereitete Pr\u00e4parat ist in Kochsalz, von O,50/0-iger L\u00f6sung an beginnend, l\u00f6slich! Um die gallertartige Masse zu reinigen, l\u00f6st man sie am besten in 5\u00b0/0-iger Chlornatriuml\u00f6sung auf, filtrirt, und f\u00e4llt das Filtrat mit einem Salze (zu vollst\u00e4ndiger F\u00e4llung am besten mit Ammoniumsulfat). Die in neutralen Salzen der Alkalien und Erdalkalien erhaltenen L\u00f6sungen der Stromata besitzen alle Eigenschaften der Globulinl\u00f6sungen: sie werden von Wasser, S\u00e4uren, W\u00e4rme, durch S\u00e4ttigung mit Salzen u. s. w. gef\u00e4llt. Die ausgeschiedenen Niederschl\u00e4ge sind in Salz- oder Schwefels\u00e4ure 1%0\u20142%0 oder in Alkalien von \u00e4hnlicher Concentration l\u00f6slich u. s. w.\nUm aschenfreies Globulin zu erhalten, unterwirft man entweder unmittelbar die erw\u00e4hnte weisse Masse oder die aus deren Salzl\u00f6sungen erhaltenen, in l\u00b0/00\u2014 1% Salz\u2014oder Schwefels\u00e4ure aufgel\u00f6sten Niederschl\u00e4ge der Dialyse in Filter-Dia-lysoren. Nach 16\u201448 und mehr Stunden entstehen geleeartige Massen reinen Globulins mit den f\u00fcr das typische Globulin (s. Kap. XI u. folg.) anerkannten Eigenschaften.","page":32},{"file":"p0033.txt","language":"de","ocr_de":"\u00ce)\u00c0S GLOB\u00dcLlX D\u00c8R ROTHEN BLUTKORP\u00cbRGH\u00caN.\nSB\nLITERATUR.\n1) Ancell\u2014Bibliothek von Vorlesungen etc. Leipzig. 1844. 2) AHApeeBi.\u2014BoeHHO-Me\u00c4Hn;. JKyp-Ha.Tt, 1869, t. 106. 3) Arloing.-Comp. rend. 1872, t. 74. 4) Babo.\u2014Ann. Liebig\u2019s 1852 Bd 82 4a) Bergergr\u00fcn\u2014Centrbl. 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