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Eine Hämorrhagie am Boden des Auges. (Beobachtung entoptischer Erscheinungen)

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{"created":"2022-01-31T14:43:37.373235+00:00","id":"lit37675","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Schalfejew, M.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 4: 8-14","fulltext":[{"file":"p0008.txt","language":"de","ocr_de":"8\nEIXE E\u00c4MORKBAGIE AM BODEX DES AUGES.\nrhioninblau ist viel l\u00f6slicher als Methylenblau und daher vielleicht bei Seethieren zu pr\u00fcfen.\nDie Handelsfarbstoffe sind ohne weiteres f\u00fcr Nervenf\u00e4rbung unbrauchbar,\u2014man muss dieselben 2\u20143-mal aus heissem 90\u00b0 Aethvlalkohol umkry-stallisiren.\nThiopyronin ist aus verd\u00fcnnter Salzs\u00e4ure umkrystallisirbar.\nA erschiedene Doppelsalze der Basen (und Zinksalze) verhalten sich bei der F\u00e4rbung indifferent.\nHerrn V. G. Schaposehnikoff, Professor der Farbentechnologie am kiewer Polytechnikum, der mir vielmal freundliche Hilfe geleistet, sage ich hiemit meinen besten Dank.\nEiuc Hflinorrhagic am lioiloi des Auges.\n(Beobachtung entoptisclier Erscheinungen).\nVon Prof. M. Schalfejew.\nEine im Januar des vorigen Jahres erfolgte Blutung am Buden des i echten Auges des Autors hatte eine sehr langsame Vorbereitungsperiode gehabt. Vor 32 Jahren war infolge einer Contusion der rechten Stirnseite, an der Sclera des entsprechenden Auges unter der Conjunctiva eine bedeutende H\u00e4morrhagie entstanden, die sich rechtzeitig resorbirte, ohne irgend welche warnehmbare Spuren zu hinterlassen. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter bemerkte der Autor w\u00e4hrend der Auscultation eines am Typhus schwer Erkrankten. in unbequemer Stellung und selbst ebenfalls von Typhus inncirt. was durch starke Temperaturerh\u00f6hung sich kundgab, dass das ganze Gesichtsfeld mit kleinen schwarzen K\u00f6rnchen sich bedeckte. Ueber die Mitte desselben zogen von oben nach unten grosse schwarze St\u00fcckchen, die bei jedei Bewegung des Auges eine fliessende, schwankende Bewegung annahmen. W\u00e4hrend der darauffolgenden Erkrankung verschwanden \"alle diese Erscheinungen, stellten sich jedoch in verschiedener Weise fast, allj\u00e4hrlich ein. Als pr\u00e4disponirende Momente zum Eindringen des Pigments in den Glask\u00f6rper des Auges dienten ausser der Temperaturzunahme des K\u00f6rpers, alle diejenigen Bedingungen, bei denen Druckerh\u00f6hung in den Blutgef\u00e4ssen des Kopfes stattfindet, also: Muskelspannung, eine den Blutabfluss erschwerende unbequeme Lage etc. Vor einigen Jahren drang in den Glask\u00f6rper zugleich mit Pigment auch ein Tr\u00f6ptchen Blut ein, das sich vom oberen Rande des Gesichtsfeldes gegen den unteren hin bewegte, indem dabei successive Farbenver\u00e4nderung von blutrot bis dunkelgr\u00fcn stattfand. Das Tr\u00f6pfchen verschwand hinter dem unteren Rande des Gesichtsfeldes.\nAm 21 Januar vorigen Jahres bemerkte der Autor pl\u00f6tzlich nach mehrst\u00fcndiger Arbeit unter ung\u00fcnstigen Bedingungen f\u00fcr das Sehen, n\u00e4mlich bei","page":8},{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"EINE H\u00c2MORRAGIE All BODEN DES AUGES.\n9\nLampenlicht, dass die Seiten des Buches, in welchem er las, im Nebel verschwanden. Im dunkeln Zimmer erschien last das ganze Gesichtsfeld gleichsam mit vielen stark gl\u00e4nzenden, flimmernden Sternen bes\u00e4et. Dieselbe Erscheinung wurde auch bei geschlossenen Augen, doch in geringerem Maassstabe. beobachtet. Auch war sie sowohl mit dem rechten als mit dem linken Auge einzeln wahrnehmbar. Bei n\u00e4chstfolgender Beobachtung bemerkte er, dass diese gl\u00e4nzenden Punkte in schneller ununterbrochener Bewegung sich befanden und bald Licht ausstrahlten, bald erloschen. Die einen davon strahlten goldgr\u00fcnes, die zweiten rein gelbes, die dritten blaues Licht aus. Andere Farben des Spectrums wurden nicht beobachtet. Die Bewegungen der zwei ersteren Lichtarten waren rasch, der blauen\u2014langsam. Bei Tageslicht boten die Ver\u00e4nderungen im rechten Auge folgendes Bild dar: am grauen, bew\u00f6lkten Himmel, an fast -/, von dessen Oberfl\u00e4che waren: 1) ein an der Sehaxe liegender gleichm\u00e4ssig grau- violett gef\u00e4rbter Stern mit f\u00fcnf Strahlen, von denen der eine (nach aussen u. unten gerichtete) bedeutend l\u00e4nger war als die anderen; 2) zwei rundliche Flecken, der eine in der Richtung nach oben und innen von der Sehaxe, der andere\u2014nach aussen und unten, fast am untern Rande des Gesichtsfeldes. Letzterer war infolge seiner Randlage ungen\u00fcgend beleuchtet und wurde der Beobachtung fast garnicht unterworfen. Das Immen zwischen dem Sterne und den Flecken zeigte schwachgelbe F\u00e4rbung, die auf den Flecken allm\u00e4lig in gr\u00fcne und an deren R\u00e4ndern in dunkelzimmt-braune \u00fcberging. Bei Abendlicht liessen der Stern und auch die Flecken das Licht sogar einer starken elektrischen Lampe nicht durch, und nur an der Peripherie der Flecken war ein dunkel roter Schein zu bemerken. \u2019Wahrscheinlich hatten wir es hier mit einem Extravasat in die Retina zu thun, wobei der Stern die Rissstelle der membr. hyaloidea, die Flecken abordas ausgeflossene Blut, welches sich in zwei Teile geteilt hatte, vorstellten. Die Abbildung des Extravasats konnte man auf eine beliebige Fl\u00e4che \u00fcbertragen. Bei Ann\u00e4herung der letzteren wurden die Umrisse sch\u00e4rfer, das Bild selbst aber kleiner. Auf einer Fl\u00e4che, die vom Auge 2 ctm. weit entfernt war, wurde die Gr\u00f6sse die Abbildung 1 y\u201e ctm. gross bestimmt, doch war es schwer die Einzelheiten zu unterscheiden. Nachdem die minimale Gr\u00f6sse der Abbildung conslatirt war, entstand die Notwendigkeit auch die maximale Abbildungsgr\u00f6sse zu bestimmen. Als letztere wurde die Abbildung auf den Wol-ken angenommen und zu diesem Zwecke von den Wolken auf n\u00e4here Gegenst\u00e4nde (Hausw\u00e4nde u. dergl.) \u00fcbertragen. Es erwies sich, dass die Abbildung, ohne ihre Gr\u00f6sse zu ver\u00e4ndern, auf eine vom Auge ungef\u00e4hr 30 Fuss entfernte Oberfl\u00e4che \u00fcbergeht; dabei betr\u00e4gt ihr l\u00e4ngster Durchmesser 7\u20148 Fuss. Schon nach wenigen Versuchen, die gleichartige Resultate ergaben, wurde das Projiciren des Bildes auf die Wolken unm\u00f6glich\u2014die grandiose Illusion verschwand. Beim Sehen von oben nach unten oder umgekehrt erschien die Abbildung in\nm\u00e4ssig weiter Entfernung,\nwelche genau\nmeiner Sehkraft\n20\ndie lange vorher\nbestimmt worden war und sich bis jetzt nicht ver\u00e4ndert hat, entspricht. In einer Entfernung von 30 Fuss befindet sich f\u00fcr mein Auge die Fl\u00e4che, auf der sich die ganze wahrnehmbare Welt malt. Wir nennen diese Fl\u00e4che die Fl\u00e4che des","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nEINE H\u00c4MORKHAGIE AM BODEN DES AUGES.\nklarsten Sehens hei der geringsten Accomodation. Diese Fl\u00e4che ist eine f\u00fcr jedes Auge specielle, so dass die f\u00fcr Alle gemeinsame Vorstellung einer unendlichen Entfernung das Product rein psychischer Arbeit ist. F\u00fcr ein kurzsichtiges Auge kann diese ganze unendliche Entfernung mit der Handlange bemessen werden.\nZur Beobachtung des Extravasats benutzte ich gr\u00f6sstenteils dessen Abbildung bei 6\u201410 Fuss Entfernung, bei welcher mein Auge ohne Brille deutlich alle Einzelheiten an den Gegenst\u00e4nden unterscheidet. Der auf die Fensterscheibe projicirte \u00abStern\u00bb (7 Fuss Entfernung) bot sich in Gestallt eines Ge-f\u00e4sses mit parallelen W\u00e4nden dar, welches mit einer etwas tr\u00fcben hellgr\u00fcnen Fl\u00fcssigkeit angef\u00fcllt war, in der sich in verschiedenen Richtungen eine Menge schwarzer ovaler K\u00f6rperchen (5\u20148 mm. lang u. 2\u2014 3 mm. breit) rasch hin- und herbewegten. Die Bewegung der K\u00f6rperchen wurde durch rasches Auf- und Zubiegen derselben verursacht. An einigen davon gewahrte man eine oder mehrere Umhechelungen. In letzterem Falle entstanden Paternosterformen, die in Gestalt sich kr\u00fcmmender F\u00e4den ebenfalls in best\u00e4ndiger Bewegung sich befanden. Beim Uebertragen der Abbildung auf eine graue, etwas verdunkelte Wand (Entfernung = 10 F.) erschienen alle in Bewegung befindlichen K\u00f6rperchen selbstleuchtend. Das Leuchten der K\u00f6rperchen war kein best\u00e4ndiges, sondern es entstand pl\u00f6tzlich und verschwand nach einiger Zeit. 1 F. von der leuchtenden Abbildung entfernt, n\u00e4her zum Beobachter hin, war eine andere, der ersten analoge, aber nicht leuchtende Abbildung zu sehen. Aut einer circa 1 F. vom Auge entfernten Fl\u00e4che (Entfernung beim Lesen), war sowohl bei starker als bei schwacher Beleuchtung ein eben solches Bild\u2014eine doppelte Abbildung in zwei Ebenen\u2014nur stark verkleinert, zu sehen: die sich bewegenden und leuchtenden K\u00f6rperchen waren nicht l\u00e4nger als 0,5 mm. Eine noch geringere Gr\u00f6sse hatten sie bei geschlossenen Augen; die Form der leuchtenden K\u00f6rperchen war jetzt nicht mehr zu erkennen\u2014es wurden nur leuchtende Punkte beobachtet. In allen F\u00e4llen war das Bild \u00e4hnlich dem, welches man in einem Tropfen, in welchem eine Butyrum-g\u00e4hrung verl\u00e4uft, unter dem Mikroscop beobachtet: die Form der sich bewegenden K\u00f6rperchen, der Character ihrer Bewegung, ihre Schnelligkeit sind dieselben. Das, was wir bei der n\u00e4chsten Entfernung (mit geschlossenen Augen) sehen, entspricht f\u00fcr die Butyrumg\u00e4hrung der mikroscopisehen Vergr\u00f6s-serung von 200\u2014300-mal, bei 1 F. Entfernung\u2014600\u2014800-mal und bei circa 10 F. Entfernung\u20146000\u201410000-mal. Unser Auge kann unter bestimmten Verh\u00e4ltnissen Vergr\u00f6sserungen geben, die die Vergr\u00f6sserungen der st\u00e4rksten Micro-skope um Vieles tibertreffen.\nAm Tage nach der H\u00e4morrhagie wurde die Tr\u00fcbung der Fl\u00fcssigkeit iu dem Sterniunern gr\u00f6sser. Sie bestand aus sehr kleinen, der Mannigfaltigkeit ihrer Form nach feste und, da es ihnen an Seidenartigkeit mangelte, niehtkrystallinische Teilchen. Durch die \u00abK\u00f6rperchen\u00bb in Bewegung gesetzt, Hessen sie ein eben solches Kr\u00e4useln sehen wie jede tr\u00fcbe Fl\u00fcssigkeit, in der sich ein K\u00f6rper bewegt. W\u00e4hrend den n\u00e4chsten 2\u20143 Tagen nahm die Menge der Fl\u00fcssigkeit sehr ab. Am 6-ten Tage schloss sich die Sternh\u00f6hlung und es blieb eine sternf\u00f6rmige Fissur nach, \u00e4hnlich der, welche","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"EINE H\u00c4M ORE IT A GIE AM BODEN DES AUGES.\t11\nnidit selten an zerschlagenem Glase zu sehen ist. Nach circa 24 Stunden zeigte sich in der Mitte, zwischen den Flecken, ein Blutgef\u00e4ss mit nach oben und unten abgehenden Ver\u00e4stelungen, die in ein dichtes Capillarnetz zerfielen. Nach zwei Wochen plattete sich das Hauptgef\u00e4ss ab und wurde durchsichtig; mit jeden Tage wurde dasselbe mit den von ihm abgehenden Gelassen kleiner und verschwand nach 5\u20146 Wochen ganz. An dieser Stelle war das Gesichtsfeld lange gelbgr\u00fcn gef\u00e4rbt.\nDie Blutflecken erschienen in den zwei ersten Tagen dunkelrot gef\u00e4rbt und in verschieden Richtungen von noch dunkleren Balken durchzogen. Die R\u00e4nder der Flecken waren fimbrienf\u00f6rmig und bestanden aus verfilzten geschl\u00e4ngelten F\u00e4den. Am dritten Tage trat in Farbe und Structur der Flecken eine scharfe Ver\u00e4nderung ein: die dunkelrote F\u00e4rbung ging in eine dunkelgr\u00fcne ins Graue fallende \u00fcber. Bei starkem Lichte war der hochrote Schein nicht mehr zu sehen, und auf der ganzen Fleckenoberfl\u00e4che waren \u00e4usserst feine Oeftnungen zerstreut, die ganz farblose Lichtstrahlen durchlies-sen. Die Zahl und Gr\u00f6sse dieser Oeffnungen wuchs allm\u00e4hlich an; letztere fl\u00f6ssen schliesslich zusammen und bildeten eine dichte Fleckenoberfl\u00e4che, die f\u00fcr das Licht durchg\u00e4ngig war und die Gegenst\u00e4nde und deren Einzelheiten zu unterscheiden gestattete; doch bleibt bis jetzt\u2014nach 9 Monaten\u2014das Gesichtsfeld in deren Gebiete noch sehr nebelig.\nMit dem Uebergang der dunkelroten F\u00e4rbung in die dunkelgr\u00fcne, also mit der Zerst\u00f6rung des Oxyhaemoglobins, nahmen die Lichterscheinungen im Auge an St\u00e4rke scharf ab, doch dauern sie bis jetzt fort und werden bei jeder Erm\u00fcdung des Auges durch starkes Licht, anhaltendes Lesen und besonders Schreiben, die mir in der ersten Zeit fast ganz unm\u00f6glich waren, st\u00e4rker.\nDas A orhandensein von Lichterscheinungen sowie die sehr langsame Abnahme des Nebels im Gesichtsfelde lassen vermuten, dass der durch die Haemorrhagie hervorgerufen Process im Auge noch nicht beendigt ist; derselbe verl\u00e4uft vom ersten Tage an bei streng geregelter, gewohnter Lebensweise ohne jegliche therapeutische Behandlung.\nIn der Reihe der beschriebenen Erscheinungen verdienen gr\u00f6ssere Beachtung und besitzen einen gewissen Wert folgende Thatsachen: 1) Alles, was ich in meinem Auge beobachtet habe, geh\u00f6rt zu den \u00abentoptischen\u00bb Erscheinungen. Dieselben werden definirt, als ein < Sehen von Schatten verschiedener im Innern des Auges befindlicher K\u00f6rper auf der Retina. Schon die Beobachtung des Pigments in dem Glask\u00f6rper dr\u00e4ngte mir die Ueberzeugung von der v\u00f6lligen Unzul\u00e4nglichkeit einer solchen Definition auf. Indem ich St\u00fcckchen Augenpigment oder Gruppen solcher besonders auf nahen Ecrans beobachtete, sah ich ganz deutlich deren Convexit\u00e4t und die allergeringsten Einzelheiten ihrer Reliefe. Der Schatten eines v\u00f6llig undurchsichtigen K\u00f6rpers kann in keinem Falle etwas Aehnliches zeigen. Es war also unzweifelhaft nicht der Schatten sondern die Oberfl\u00e4che der Pigmentk\u00f6rner sichtbar.\nBei einer H\u00e4morrhagie unter der Retina oder, wie in unserm Falle, in der Retina selbst, wie durch die ophtalmoscopische Diagnose hoher medicini-scher Autorit\u00e4ten constatirt wurde, ist das Entstehen eines H\u00e4morrhagieschat-tens auf der Retina ganz unm\u00f6glich; indessen konnten bei v\u00f6lliger Undurch-","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nEIXE H\u00c4MORRHAGIE AM BOPEN PES AUGES\nsichtigkeit des Extravasats und der Rissstelle der membr. hyaloidea deren Abbildungen deutlich und dabei, was besonders bemerkenswert ist. in nvei von dem Auge ungleich entfernten Ebenen, beobachtet werden.\nAls entoptische Erscheinungen muss demgem\u00e4ss <blas Sehen optischei Er -scheinungen, che von im Inneren des Auges befindlichen Gegenst\u00e4nden durch Zur\u00fcckwerfung von der concciven hinteren Corneaoberfl\u00e4che und der concuven inneren vorderen Linsen Oberfl\u00e4che oder von einer dieser Oberfl\u00e4chen auf der Ile-tina erhalten werden, wie im Fall des Eindringens von Pigment in den Glask\u00f6rper, anerkannt werden.\n2) Die Frage nach den Ver\u00e4nderungen des Blutes in den Extravasaten wird wahrscheinlich zu ihrer endg\u00fcltigen Entscheidung noch vieler Untersuchungen bed\u00fcrfen. Vorl\u00e4ufig sind nur die Hauptpunkte solcher Ver\u00e4nderungen festgestellt. Die allbekannten Farbenver\u00e4nderungen der Ecchymosen von Dunkelblauviolett ins Gr\u00fcne und Gelbe linden schon ihre wissenschaftliche Erkl\u00e4rung in der Bildung von Stoffen aus dem Oxyh\u00e4moglobin, die wahrscheinlich mit den Gallenstoffen identisch sind. Streng genommen kann aber nur die Gegenwart H\u00e4matoidin, unter anderem auf Grund seiner Ausscheidung in Krystallen, als bewiesen angesehen werden Doch bleibt der Mechanismus des Zerfalls des Oxyh\u00e4moglobins mit v\u00f6lligem Ausfallen des Eisens bei Laboratoriumsversuchen, unter der Einwirkung solcher energischer Reagentien wie acid um sulfur icum cone, oder acid, hi/drobromatum in acHum aceticmi glaciale, v\u00f6llig unbekannt, Ausser den Gallenstoffen wird an der Extravasatsstelle ein an Eisen sehr reicher Stoff\u2014H \u00e4 m o s i d e r i n\u2014gefunden (Neumann.\u2014Virchow's Archiv, Bd. 111). Bei der Behandlung desselben mit acidum muriaticum dilutum geht das Eisen, welches leicht mit gelbem Blutsalz entdeckt wird, in die S\u00e4ure \u00fcber. Dass dieses Eisens aus dem Oxyh\u00e4moglobin entsteht, unterliegt wohl keinem Zweifel.\nUnsere Beobachtungen stellen folgende Ver\u00e4nderungsstadien des Extravasats fest: a) Aufl\u00f6sung des Oxyh\u00e4moglobins, \u2014 durch einen dunkelroten, durchsichtigen Schein an der Fleckenperipherie gekennzeichnet, b) rasches Ausfallen eines v\u00f6llig unl\u00f6slichen, wie das Biliverdin gef\u00e4rbten Sto\u00dfes aus dieser L\u00f6sung. Die Unl\u00f6slichkeit desselben folgt daraus, dass sowohl durch feine Oeffnungen als auch an der Peripherie der Flecken durchfallendes Licht keine F\u00e4rbung besitzt. F\u00e4rbung entstand hier erst nach 10 Tagen, aber mit scharf gelber Nuance, und war besonders im Zwischenr\u00e4ume der Flecken bemerkbar. Der gr\u00fcne unl\u00f6sliche Stoff wurde also die Quelle der Bildung eines gelben, schon l\u00f6slichen (?) Stoffes\u2014des H\u00e4matoidins. Wenn der gr\u00fcne Stoff der Constitution nach dem Biliverdin\u2014 C1(;HisN204, der gelbe aber dem Bilirubin\u2014C1i;H!NN,0 \u2014 entspricht, so kann letzteres nur durch Reduction entstanden sein. Eine Reihe chemischer Processe, die einen grossen Aufwand von chemischer Energie erfordern, die Bildung zahlloser Kan\u00e4le in der Masse des ergossenen Blutes, die Neubildung eines Gef\u00e4sssystems, dies alles zeigt, dass es sich hier um einen scharf ausgedr\u00fcckten, sehr complicirten biologischen Process handelt und die Ver\u00e4nderungen des Extravasats nicht auf solche verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig einfache physikalische Erscheinungen wie Aufl\u00f6sung und Resorption zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"EIXE H\u00c4MORRHAGIE AM BODEN DES AUGES.\n13\n3) Jeder complexe Organismus kann als eine Colonie von Elementarorganismen angesehen werden, die eine active, entweder allgemeine oder sp\u00e9cifi\u00e9 Tli\u00e4tigkeit entfalten, letzteres, wenn sie in besonderen, bestimmte Functionen aus\u00fcbenden Organen versammelt sind. Das Blut, in welchem zahlreiche und maunigfaltige chemische Processe verlaufen, ist auf den ersten Blick reich an geformten Elementen. Doch ist ihrer Hauptmasse\u2014den roten Blutk\u00f6rperchen\u2014nur eine passive Rolle, als Apparaten f\u00fcr die Sauerstofftransportirung in dem Organismus zuzuschreiben. Wenn aus einem Blutvolum, welches 3000 geformte Elemente enth\u00e4lt, die roten Blutk\u00f6rperchen fortgeschafft sind, so bleiben etwa nur 10 Leukocyten nach, denen Actwit\u00e4t schon nicht abgesprochen werden kann. Das Blut ist also durchaus arm an Elementarorganismen. Dieser \u00e4usserst geringen Anzahl anscheinlieh homogener Organismen muss demnach eine ungew\u00f6hnliche Vielseitigkeit, eine fast universale Th\u00e4tigkeit in Bezug auf die Masse der Reactionen, die im Blute stattfinden, zugeschrieben werden! Die Sache gestaltet sich ganz anders, wenn man die obenbeschriebenen \u00abK\u00f6rperchen\u00bb als lebendige geformte Elemente des Blutes, als dessen normale Microben ansieht. Dann wird folgender Satz obligatorisch: Im Blute, vielleicht auch ln dev Lymphe, in den Inter stiel eilen Fl\u00fcssigkeiten, in den Zellen befindet sich eine zahllose Menye Microben, die steh selbst bewegen, und, was schon ganz unerwartet ist, selbst leuchten.\nIhrer Bewegung und Form nach geh\u00f6ren sie zu den Vibrionen, der Farbe ihrer Strahlen nach\u2014-wenigstens zu drei Arten. Die Entdeckung von Microben im Blute wird schon lange als nichts Ungew\u00f6hnliches betrachtet. Sie werden hier aber stets mit der vorgefassten Meinung gesucht, dass sie dem Organismus fremd, von aussen hereingebracht und demselben gr\u00f6sstenteils sch\u00e4dlich sind. Weitere Untersuchungen d\u00fcrften eine solche Meinung \u00e4ndern.\nIn unserem Klima ist das Leuchten von Organismen eine seltene Erscheinung, die nur w\u00e4hrend einer kurzen Periode in der Sommerzeit beobachtet wird: allbekannt sind nur \u00abdie Iohannesw\u00fcrmchen\u00bb und die Microben, die sich auf vermodertem Holz entwickeln. In den tropischen Gegenden, im Meere sowohl als auf dem Festlande, ist, das Selbstleuchten schon weiter verbreitet und sch\u00e4rfer ausgesprochen. Nicht nur niedere Organismen und viele Arten von Insecten, auch einige Vertebrata (Fische) besitzen diese F\u00e4higkeit in hohem Grade. Dennoch aber ist das Selbstleuchten eine Ausnahme, es geh\u00f6rt nur bestimmten Arten an und bildet eine r\u00e4tselhafte Ausnahme, die noch keine Erkl\u00e4rung gefunden hat. Die Meinung, dass die ganze organische Welt mit selbstleuchtenden Elementen angef\u00fcllt ist, dass aber nur einige Individuen solche < Irgane besitzen, die imstande sind diese Elemente in sich aufzuspeichern, deren Leuchtverm\u00f6gen zu summiren und sie zu* einer Lichtquelle zu machen, diese Meinung d\u00fcrfte einen richtigen Weg zum Verst\u00e4ndnis aller solcher Erscheinungen anbahnen.\nAlles entoptiseh Gesehene sollte nat\u00fcrlich nur subjectiv und der Beobachtung seitens anderer ganz unzug\u00e4nglich sein; auch h\u00e4tten wir, trotz der Ueberzeugung von der vollkommenen Duldsamkeit der Gelehrten Meinungen gegen\u00fcber, die mit den allgemein verbreiteten nicht \u00fcbereinstimmen, zu dieser Mitteilung uns nicht entschliessen k\u00f6nnen, wenn wir nicht die Ueber-","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"14\nEINE H\u00c4MORRHAGIE AM BODEN DES AUGES.\nzeugung gewonnen h\u00e4tten, dass gegenw\u00e4rtig die M\u00f6glichkeit schon vorhanden ist, unsere Beobachtungen f\u00fcr einen jeden zu wiederholen. Als Mittel dazu kann ein unl\u00e4ngst erschienenes Instrument\u2014das Spintariscop\u2014dienen.\nAls ich bei der Beschreibung des Spintariscops zu der Stelle kam, wo der Autor von dem unit bellen, flimmernden Sternen bes\u00e4eten Himmel> spricht, war ich nicht wenig erstaunt, dass er sich genau meiner Worte bedient hatte. Besagtes Instrument kennen zu lernen, wurde nun mein Bestreben. Ich erfuhr bald, dass ein solches im physikalischen Kabinett der Universit\u00e4t vorhanden sei, und konnte nun dank der Liebensw\u00fcrdigkeit des Herrn Prof. P. A. Siloff mit demselben arbeiten. Schon die ersten Beobachtungen mit diesem Instrument zeigten mir ein absolut identisches Bild mit dem, welches ich seit der Blutung schon hundertmal ohne Spintariscop bei Tages- und Abendlicht und im Dunkeln beobachtet hatte. Der Unterschied zu Gunsten des Spintariscops besteht nur darin, dass bei dessen Benutzung die Lichterscheinungen bedeutend st\u00e4rker sind, dabei f\u00fcr das kranke Auge mehr als f\u00fcr das gesunde. Die Abbildungsgr\u00f6sse ist beinahe eine solche \u2666 wie bei geschlossenen Augen. Als ung\u00fcnstige Seiten des Instruments sind das kleine Gesichtsfeld und die N\u00e4he der beobachteten Abbildung anzusehen, was st\u00e4rkere Accomodation und damit ziemlich rasche Erm\u00fcdung des Auges hervorruft. Weitere Beobachtungen waren \u00fcberfl\u00fcssig. Wir haben die unersch\u00fctterliche Ueberzeugung gewonnen, dass man mit Hilfe des Spintariscops ~u jeder Zeit die selbstleuchtenden Vibrionen unseres Auges wahrnehmen bann. obgleich dieselben unter gewissen Bedingungen auch ohne dieses Instrument zu sehen sind. Solche Bedingungen entstehen bei Heberzust\u00e4nden, bei der Erm\u00fcdung des Auges durch starkes Licht oder schwere Arbeit. Wenn jemand sagt: \u00abEs flimmert mir vor den Augen>, so kann er alles das beobachten, was mit dem Spintariscop zu sehen ist, wenn er seine besondere Aufmerksamkeit darauf richtet und in der Beobachtung entoptischer Erscheinungen ge\u00fcbt ist. Das Spintariscop erleichtert diese Aufgabe in hohem Grade, indem es das Leuchten der Microben offenbar stark anregt. Dieses erst neuerdings fabricirte Instrument hat noch eine ganz elementare Form, welche Nielfacher und wichtiger Vervollkommnungen bedarf. Ist dies erreicht, so kann man erwarten, dass es mit der Zeit bei der Untersuchung des Auges ebenso notwendig sein wird wie jetzt das Ophtahnoscop.\nEs ist zu erwarten, dass das Spintariscop mit dem Mikroscop verbunden werden und damit ein weites Feld f\u00fcr die Untersuchungen der lebendigen Gewebe, lebender Microben ausser und in dem Organismus sich er\u00f6ffnen wird. F\u00fcr solche microspintariscopische Untersuchungen werden ebenso vollkommen dunkle B\u00e4ume wie jetzt besonders helle notwendig sein. In den Strahlen des Radiums werden wir dann das Leben der Microben beobachten, und viele davon werden selbst als Lichtquelle dienen.\nDie definitive Wertsch\u00e4tzung unserer Beobachtungen bedarf einer experimentellen Grundlage. Diese erscheint gegenw\u00e4rtig als etwas ganz Reelles, und es k\u00f6nnen auf derselben rein subjective Eindr\u00fccke Objectivit\u00e4t erreichen, und zwar in demselben Maasse wie mikroscopische Beobachtungen.","page":14}],"identifier":"lit37675","issued":"1905-1906","language":"de","pages":"8-14","startpages":"8","title":"Eine H\u00e4morrhagie am Boden des Auges. (Beobachtung entoptischer Erscheinungen)","type":"Journal Article","volume":"4"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T14:43:37.373240+00:00"}

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