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Das Globulin der weissen Blutkörperchen. Cytoglobin

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{"created":"2022-01-31T15:29:24.251238+00:00","id":"lit37678","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morochowetz, Leo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 4: 34-41","fulltext":[{"file":"p0034.txt","language":"de","ocr_de":"Das Globulin der Meissen Blutk\u00f6rperchen.\nCytoglobin.\nSynonyme: Albumin und Fibrin\u2014Mandl, Albumin\u2014(interlock, Casein\u2014Dianas \u00c7\nCahours, Albumin\u2014Lehmann Sf Messerschmidt, hyaline Substanz\u2014Rorida, Mieschen, cel/-glnbulin\u2014Halliburton, Cytoglobin\u2014Schmidt, Morochoicetz.\nVon Prof. Leo Morochowetz.\nHistorische Angaben. Gegen die vierziger Jahre, als die Lehre von der Identit\u00e4t oder wenigstens nahen Verwandschaft der farblosen Blutk\u00f6rperchen ') des Blutes, der Lymphe, des Milchsafts, der Eiterk\u00f6rperchen u. s. w. ihren Anfang nahm, fingen auch Arbeiten \u00fcber die chemische Structur der weissen Blutk\u00f6rperchen an zu erscheinen. Mandl (1837, 19 p. 479), welcher die Eiterk\u00f6rperchen von der Fl\u00fcssigkeit durch Filtration abtrennte, war der Ansicht, dass die gr\u00f6sseren K\u00f6rperchen aus Fibrin, die kleineren aus Albumin bestehen. Gleichsam als Best\u00e4tigung dieser Angaben fand G\u00fcterbock (1837,7 p. 9; 8 p. 378), dass die abgetrennten Eit.er-perchen in Essigs\u00e4ure sich l\u00f6sen, und die L\u00f6sung von gelbem Blutlaugensalze gelallt wird, woraus er schloss, dass die Eiterk\u00f6rperchen aus Albumin bestehen. G\u00fcterbock beobachtete, dass die Eiterk\u00f6rperchen sowohl in gew\u00f6hnlichem Wasser als in Zuckerwasser an den R\u00e4ndern heller werden, in der Mitte dagegen sich tr\u00fcben (7 p. 9). Aufquellen und Hellerwerden der R\u00e4nder der Eiterk\u00f6rperchen unter dem Einfiusse von Wasser beobachteten sp\u00e4ter Gruby & Delafond (1843, tip. 1309). Nach G\u00fcterbock\u2019s Beobachtungen, l\u00f6sen Alkalien die Eiterk\u00f6rperchen auf. Zu derselben Zeit beobachtete auch Babington (1837, 1 p. 208), dass die Eiterk\u00f6rperchen mit Alkalien eine gallertartige Masse zu bilden schienen; Dumas A Cahours (1842. 3 p. 410) sahen die Hauptmasse der farblosen Zellen f\u00fcr Casein an.\nDie ersten n\u00e4heren Untersuchungen \u00fcber die Proteink\u00f6rper der weissen K\u00f6rperchen begegnen wir in Lehmann's & Messerschmidt's (1842, 17 p. 220) Arbeit. Die genannten Forscher gewannen auf Grund mikroscopischer Reactionen die \u00dcberzeugung, dass die Eiterk\u00f6rperchen in verd\u00fcnnten Minerals\u00e4uren und auch in verd\u00fcnnten organischen S\u00e4uren aufquellen und dann sich aufl\u00f6sen. Chlornatrium- und Chlorammoniuml\u00f6sungen und einige andere Salzl\u00f6sungen verhalten sich etwas anders: die Aufl\u00f6sung der \u00e4usseren Schicht des K\u00f6rperchens, die sie. zum Unterschied vom Kern, H\u00fclle nannten, findet ohne vorhergehendes Aufquellen statt (ib. p. 233) * 2). Im allgemeinen halten Lehmann & Messerschmidt die von ihnen ausgeschiedene Substanz derjenigen f\u00fcr analog, die sie aus H\u00fclmereiweiss (ib. p. 233\u20144) bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser erhielten, n\u00e4mlich f\u00fcr salzl\u00f6sliches (17 p. 234) Ovoglobin\n\u2018) Um Irrt\u00fcmern vorzubeugen, bemerken wir hier gleich, dass Pr\u00e9vost & Dumas (1823, 4 p. 51 u. folg.) das Stroma der roten Blutk\u00f6rperchen \u201eglobules blancs\u201c nennen.\n2) \u201eWurden diese Zellen mit Salmiak-, Kochsalz- oder Salpeterl\u00f6sung behandelt, so l\u00f6ste sich\ndie H\u00fclle vollkommen auf, so dass nur der Kern und wenig vereinzelte P\u00fcnktchen \u00fcbrigblieben. Wir finden n\u00e4mlich in der H\u00fclle der Eiterk\u00f6rperchen einen Stoff, den wir k\u00fcnstlich aus Ei-weiss auf verschiedene Weise darstellen k\u00f6nnen\u201c (17 p. 236).","page":34},{"file":"p0035.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n35\n(p. n. 101, MN\u00bb 48\u201460). Dabei sprechen sich die Autoren dahin aus, dass das Protoplasma (die H\u00fclle) der K\u00f6rperchen auch in concentrirten Salzl\u00f6sungen verschwindet (17 p. 231). Doch kann Henle nicht zugeben, dass concentrirte Salzl\u00f6sungen das Protoplasma (die H\u00fclle) der Eiterk\u00f6rperchen aufl\u00f6sen, sondern nimmt hier Zusammenschrumpfen, Zusammenfallen des Protoplasma an (10 p. 192). In Borax (1:16 H>0) quellen die K\u00f6rperchen stark auf, und der Eiter stellt dann eine gel\u00e9eartige Masse vor. Unter dem Mikroscop verschwammen die Umrisse der K\u00f6rperchen; durch Zusatz von Essigs\u00e4ure wurden die Eiterk\u00f6rperchen wieder unterscheidbar (10 p. 192_3).\nDiese Erscheinungen, die jetzt durch die gleichzeitige Einwirkung von S\u00e4uren und Salzen sich leicht erkl\u00e4ren, veranlassten Henle Lehmann & Messerschmidt\u2019s Beobachtungen gegen\u00fcber sich ungl\u00e4ubig zu verhalten. In der Folge identificirte jedoch Lehmann (1853, 16 p. 133) diese K\u00f6rperchen mit dem Muskelfibrin (Myoglobin s. Kap. VII).\u2014Auch Virchow (30 p. 86) gab die L\u00f6slichkeit sowohl der Eiterk\u00f6rperchen als auch der farblosen Blutk\u00f6rperchen in neutralen Salzen zu. Denis\u2019s Beobachtungen (1856, 2 p. 188) ergaben dieselben Resultate; bei der Behandlung von reinem Eiter mit dem doppeltem Volum 10\u00b0/o-iger Kochsalzl\u00f6sung bildet sich eine allgemeine z\u00e4he Masse, in welcher die Blutk\u00f6rperchen verschwinden und welche im ganzen den Charakter der Stromasubstanz der roten Blutk\u00f6rperchen vorstellt (ib. p. 188). In einem andern Falle behandelte Denis Eiter ebenfalls mit 2 Vol. aber schon circa 2\u00b0/0-iger Kochsalzl\u00f6sung, worauf der Niederschlag mit Wasser gewaschen wurde; es bildete sich eine z\u00e4he, wenig dichte Masse (2 p. 189). Hoppe-Seyler (1865, 13 p. 363) filtrirte die Eiterk\u00f6rperchen ab und fand nach dem Auswaschen mit Wasser, dass dieselben in 10\u00b0/0-iger Chlornatriuml\u00f6sung l\u00f6slich sind, wobei eine tr\u00fcbe, dicke, schwer filtrirbare Fl\u00fcssigkeit entsteht. Das Filtrat scheidet mit Wasser Niederschl\u00e4ge aus, welche die Eigenschaften des Myosins (in K\u00fchne\u2019s Sinne) aufweisen. In der Folge bedienten sich wie Hoppe-Seyler (1871, 14 p. 492) so auch sein Sch\u00fcler Miescher (20 p. 442) des Glaubersalzes zur Abscheidung der Eiterk\u00f6rperchen von der Eiterfl\u00fcssigkeit. Miescher wusch die Eiterk\u00f6rperchen 2\u2014und sogar 3-mal mit in der K\u00e4lte ges\u00e4ttigter, dann mit dem 9-fachen Vol. Wasser verd\u00fcnnter Natriumsulfatl\u00f6sung. Nach der Filtration bleibt eine dicke, schleimige, in Wasser unl\u00f6sliche Masse zur\u00fcck. In Kochsalzl\u00f6sung quellen die K\u00f6rperchen stark auf und bilden eine gallertartige, schleimige Masse; bei Wasserzusatz f\u00e4llt dieser Schleim aber in Flocken aus (ib. p. 444), welche bei der Behandlung mit Salzen ihre schleimige Consistenz wieder annehmen, sich jedoch nicht filtri-ren lassen. Dieses Aufquellen wird auch gar nicht beobachtet, wenn die Eiterk\u00f6rperchen nach der Ausscheidung mehr als 24\u201436 Stunden unter Wasser gelegen haben. In \u2018/2\u20141%0 Natriumcarbonat l\u00f6sten die K\u00f6rperchen sich wieder auf: nach der Neutralisation schied das Filtrat in Salzen unl\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge (ib. p. 445) aus; nichtsdestoweniger fand Miescher, dass sehr verd\u00fcnnte (1\u00b0/00) Salzs\u00e4ure aus den K\u00f6rperchen eine bedeutende Menge Prote'ink\u00f6rper extrahirt, welche folglich in dieser Beziehung\u2014L\u00f6slichkeit in Salzs\u00e4ure von erw\u00e4hnter Concentration\u2014den Globulinen analog sind (ib. p, 446). Doch ist Miescher\u2019s Beschreibung seiner Beobachtungen weniger einfach als das, was wir soeben dargelegt. Miescher f\u00fchrt, wenn nicht die Vorstellung, so doch die Benennung \u201ehyaline Substanz\u201c ein, indem er dieselbe mit Rovida\u2019s Namen verbindet, und scheint unter dieser Substanz die in seinen Versuchen \u201eaufgequollene\u201c, aber deutlich den Charakter des Globulins tragende Substanz zu verstehen. Dieser Umstand bedarf auch noch deshalb einer Erkl\u00e4rung, weil der Ausdruck \u201ehyaline Substanz\u201c\u2014ohne irgend einen Hinweis auf den Ursprung desselben, sowie ohne die n\u00f6tige Beachtung der Geschichte der Eiterk\u00f6rperchen \u2014 sammt Miescher\u2019s Angaben in Hofmann\u2019s (1883,\n3","page":35},{"file":"p0036.txt","language":"de","ocr_de":"36\nDAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n12 p. 4) Lehrbuch der Tier-Chemie aufgenommen ist. Es muss erw\u00e4hnt werden, dass Virchow schon im Jahre 1846 (30 p. 86) Eiterk\u00f6rperchen in concentrirten Salzl\u00f6sungen oder rsalzhaltigem Wasser\u201c (s. oben) unter dem Mikroscop beobachtet und dabei bemerkt hatte, dass, w\u00e4hrend das distillirte Wasser die K\u00f6rperchen allm\u00e4lig befeuchtet, von der inneren k\u00f6rnigen und dunklen Masse eine glatte, homogene, d\u00fcnne, blasse H\u00fclle sich abzutrennen beginnt. Bei beschleunigter Behandlung mit Wasser ist diese Abscheidung der \u00e4usseren Schicht nur schwach ausgedr\u00fcckt; anstatt dessen beobachtet man aber, dass die innere k\u00f6rnige Masse sich lockert, und kleine, blasse, in Wasser unl\u00f6sliche Teilchen (30 p. 87) in derselben bemerkbar werden; bei l\u00e4ngerem Stehen l\u00f6sen sich jedoch alle Teile der Zelle, die H\u00fclle sowohl und die k\u00f6rnige Masse als auch cler Kern (ib. p. 88). in Salzl\u00f6sungen auf. In der Folge\u2014nach Virchow\u2014bemerkte Rovida (1867, 22 p. 608) '), w\u00e4hrend er farblose Blutk\u00fcgelchen und ihnen \u00e4hnliche Gebilde in 5\u00b0/0\u201418% Kochsalzl\u00f6sungen beobachtete, dass nach dem Versclirumpfen der K\u00f6rperchen in den erw\u00e4hnten L\u00f6sungen dieselben schon nach 10 Minuten gr\u00f6sser werden, und ein Teil der K\u00f6rperchen, in welchem keine K\u00f6rner enthalten sind, heller wird, als er war: manchmal geschieht dies sogar, bevor die Verschrumpfung ein Ende genommen hat. wobei die Zellen einen hellen Tropfen oder eine durchsichtige Randzone ausschei-den. welche in 10%-iger Kochsalzl\u00f6sung sich dennoch auii\u00f6st 2). Solche durchsichtige peripherische Zonen beobachtete Rovida auch an den farblosen Blutk\u00f6rperchen von Froschleichen, die 28 Stunden lang bei 17\u00b0 gelegen hatten. Obgleich dem Autor die Frage sich aufwirft, ob diese Gebilde angesichts der L\u00f6slickeit des durchsichtigen Tropfens und der durchsichtigen Randzone in 10%-iger Kochsalzl\u00f6sung nicht vielleicht aus Myosin bestehen, entschliesst Rovida sich dennoch nicht, irgend einen Schluss \u00fcber die chemische Natur der k\u00fcnstlich hervorgebrachten Randzone der farblosen Zellen zu ziehen 3). Wie es scheint, waren Virchow\u2019s, G\u00fcterbock\u2019s und and. (p. n. 34), vor allem aber M. Schulze\u2019s (28 p. 58) Arbeiten Rovida nicht bekannt, da Schulze unter mehr oder weniger normalen Bedingengen ebenfalls eine \u00e4ussere hyaline Protoplasmaschicht beobachtet hatte 4). Miescher <20p. 441), der nur Rovida\u2019s Arbeit kannte, best\u00e4tigt 5) die Bildung eines hyalinen Saums bei den Eiterk\u00f6rperchen zuweilen an dem ganzen Umfang, h\u00e4ufig aber in Gestalt einseitiger halbkugeliger Vorspr\u00fcnge und Forts\u00e4tze. Bei fernerer Be-\n*) Aus Strieker\u2019s Mitteilung, aus dem Italienischen \u00fcbersetzt.\n\u25a0) \u201eAus den. Furchungskugeln der Froscheier treten die Tr\u00f6pfchen gleichfalls unter den bereits beschriebenen Umst\u00e4nden aus; doch kommt es hier auch vor, dass sich eine hyaline Rand zone bildet, welche analoge Erscheinungen bietet, d. h. sie verschwindet allm\u00e4lig\u201c (22 p. 609).\n3) \u201eDer Umstand,, dass die Tr\u00f6pfchen in der\nzehnpercentigen Kochsalzl\u00f6sung allm\u00e4lig ver-\nschwanden, oder, was richtiger ist, gel\u00f6st wurden, legte die Vermuthung; nahe, dass sie aus Myosin best\u00fcnden. Ein gleichesgilt f\u00fcr die Randzone der Furchungskugeln, welche1 in der genannten L\u00f6sung erscheinen imd. wieder schwinden. Auf Grundlage der nun folgenden Beobachtung muss ich jedoch hinzuf\u00fcgen,\"\u2018dass uns d\u00e4s Aussehen der -hyalinen Randzohe; neck keihen-\nAnhaltspunkt bietet, um auf ihre chemische Beschaffenheit Schl\u00fcsse zu ziehen\u201c (22 p. 609).\n4) \u201eIch habe an verschiedenen Orten darauf aufmerksam gemacht, dass das Protoplasma einer Zelle eine sehr verschiedene Dichtigkeit haben kann......Bei der kleineren Furchung der Em-\nbryonalzellen springt die Rinde als hyaline, k\u00f6rnchenfreie Schicht \u00fcber die k\u00f6rnchenhaltige Substanz vor\u201c (28 p. 58; s. auch p. 6 u. folg.).\n6) Miescher (20 p. 444) beruft sich auf Rovida folgendermaassen: \u201eSitzungsbericht der Wiener Akademie. Bd. 56 u. a. a. 0.\u201c, wobei indessen in Miescher\u2019s Schrift Rovida\u2019s weder fr\u00fcher noch sp\u00e4ter erw\u00e4hnt wird. Mich damit nicht begn\u00fcgend, ' habe ich sowohl den Anzeiger der Sitzungsb. d. Wien. Ak. als auch andre \u00e4hnliche Anzeiger und Berichte- durchgesehen, aber ausser der von uns angef\u00fchrten Schrift in Bd. 56 d. Sitzungsberichte ' nichts \u00fcber die Leukocyten gefunden, was mit Rovida-s-Kamen verkn\u00fcpft w\u00e4re.\t... i","page":36},{"file":"p0037.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n37\nobaclitung derselben in Cblornatrium bemerkte Miescher, dass die hyaline Portion -an Umfang zunahm, deren Umrisse schw\u00e4cher wurden und endlich ganz verschwanden, w\u00e4hrend der innere k\u00f6rnige Teil bei einigen K\u00f6rperchen erhalten blieb bei anderen zerfiel. Beim Umsch\u00fctteln verteilt sich die geleeartige Masse in der Chlornatriuml\u00f6sung nicht gleichm\u00e4ssig, dennoch f\u00e4llt Wasser diese Gallerte in Gestalt von Flocken (ib. p. 445) aus; wie lange letztere auch unter Wasser bleiben sie l\u00f6sen sich darin nicht auf (ib. p. 444). Miescher zieht daraufhin den Schluss- folglich kann die hyaline Substanz (!) in Wasser nicht l\u00f6slich sein, wie Rovida annimmt\u201c *), spricht aber auf derselben Seite etwas weiter (ib. p. 445) von dieser Substanz als von einer wohlbekannten: \u201edie sogenannte hyaline Substanz (Rovida) .der Eiterzellen\u201c, obgleich wir dem Ausdruck \u201ehyaline Substanz\u201c hier zum ersten Mal begegnen. Aus dem Dargelegten ersehen wir, dass sowohl diese Benennung als auch der darunter gemeinte K\u00f6rper, weder vom historischen noch vom chemischen Standpunkte aus. ein Recht auf selbst\u00e4ndige Existenz besitzt und zwar aus folgenden Gr\u00fcnden: 1) Rovida stellte, soviel mir bekannt ist, eine solche Benennung nicht auf, und wenn dieselbe mit dem Namen irgend eines Gelehrten verkn\u00fcpft werden soll, so hat Virchow jedenfalls ein gr\u00f6sseres Recht darauf (p. n. 35). 2) Rovida entschloss sich nicht einmal zu irgend einer Voraussetzung \u00fcber die chemische Natur der Substanz, welche einen Bestandteil des durchsichtigen Randes bildet, -3) Den obenerw\u00e4hnten Angaben Miescher\u2019s gem\u00e4ss sind unter \u00bbhyaliner Substanz\u201c in chemischer Beziehung die durch Auswaschen mit Natriumsulfat von dem Eiterplasma (Serum) befreiten Eiterk\u00f6rperchen zu verstehen, die in der Folge unter dem Einfluss des Kochsalzes das Aussehen einer schleimigen, gallertartigen Masse .angenommen haben. 4) Sowohl Virchow als Rovida sprechen sogar von der vollen L\u00f6slichkeit nicht nur des durchsichtigen Teils sondern auch des Kerns (Virchow p. n. 35). 5) Miescher selbst leugnet schliesslich nicht ab, dass bei dem Versuch, die obenerw\u00e4hnte gel\u00e9eartige Masse zu filtriren, durch den Filter eine Fl\u00fcssigkeit l\u00e4uft, welche unzweifelhaft einen Prote\u00fcnk\u00f6rper enth\u00e4lt, obgleich sie von Wasser nicht getr\u00fcbt wird, was, Miescher\u2019s Ansicht nach, der Fall sein w\u00fcrde, wenn dieser K\u00f6rper Myosin w\u00e4re 2). Dessenungeachtet beobachtete Miescher Spuren von Tr\u00fcbung, schrieb diese aber den \u00dcberresten vom Serum, welches nach dreifachem Waschen der K\u00f6rperchen mit Glaubersalz \u00fcbriggeblieben war (20 p. 442), zu. 6) Ausserdem fand Miescher, dass diese Gallerte in Natriumcarbonat l/a%0\u20141 %0 und in Chlorwasserstoffs\u00e4ure 1%0 l\u00f6slich sei, was nur in Bezug auf leichtl\u00f6sliche Globuline bekannt ist. 7) Ferner weist die F\u00e4higkeit, in Salzen bis zum Verlust ihrer Umrisse aufzuquellen, in Wasser zusammenzuschrumpfen und wieder zu einer schleimigen oder gel\u00e9eartigen Masse aufzuquellen, nicht nur auf Eigenschaften hin. die diesen\n!) \u201eDie als Endproduct dieser Einwirkung erhaltene schleimige Masse vertheilt sich niemals gleichm\u00e4ssig in \u00fcbersch\u00fcssiger CIXa-L\u00f6sung; auch nach noch so oft wiederholtem Sch\u00fctteln ballt sie sich immer wieder in schleimige Klumpen zusammen. Durch Wasser wird die Gallerte in Fetzen gef\u00e4llt. Man erkennt zwischen den k\u00f6rnigen' unver\u00e4ndert gebliebenen Zellresten eine faserig membran\u00f6se Masse, welche in reichlicher Menge die Zellreste zusammenkittet,\u2014offenbar nichts anderes als die vorher gequollene Substanz, Dieses Bild ist auch nach tagelanger Einwirkung von viel destillirtem Wasser unver\u00e4ndert. Die- hyalirfe Substanz kann also unm\u00f6glich,\nwie Rovida behauptet, in Wasser l\u00f6slich sein. Die gef\u00e4llten Fetzen und Flocken gaben mit Salzl\u00f6sungen wieder die vorige Gallerte\u201c (20 p 444-5).\n\u201eIch habe mich nun oft vergeblich bem\u00fcht, durch Filtration aus der CIXa-Gallerte eine L\u00f6sung zu erhalten, welche Myosinreactionen g\u00e4be. Es lief fast immer eine ziemliche Menge Fl\u00fcssigkeit durch, dieselbe gab aber, in Wasser getr\u00f6pfelt, keine Tr\u00fcbung, h\u00f6chstens in seltenen F\u00e4llen eine geringe Spur, die man immer noch' einer unvollst\u00e4ndigen Auswaschung des Serums zuschreiben konnte\u201c (20 p. 445).\n3*","page":37},{"file":"p0038.txt","language":"de","ocr_de":"38\nDAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nK\u00f6rper dem Globulin n\u00e4hern, sondern auch noch darauf, dass, wenn Miescher die Eiterk\u00f6rperchen noch l\u00e4nger in der Salzl\u00f6sung gehalten h\u00e4tte, dieselben sich aufgel\u00f6st haben w\u00fcrden. Dies kann auf Grund des von uns Mitgeteilten und Virchow's und Rovida\u2019s Beobachtungen sowohl, als auch derjenigen der Vorg\u00e4nger und Nachfolger genannter Autoren, endlich auch auf Grund unserer eignen Untersuchungen behauptet werden. 8) Ausserdem gelang es Miescher nicht, diese \u201ehyaline Substanz\u201c aus der Zelle auszuscheiden. Die dargelegten Beobachtungen Miescher\u2019s, Rovida\u2019s und Virchow\u2019s haben mehr histologische Bedeutung.\nUnter den sp\u00e4teren Autoren ist es interessant K\u00fchne (1866, 15 p. 188) zu nennen, der zur chemischen Untersuchung der farblosen K\u00f6rperchen vorschlug sich der sogenannten Entz\u00fcndungsmembran zu bedienen, oder solche in der K\u00e4lte abgestandenem Pferdeblut zu entnehmen, wobei die weissen Blutk\u00f6rperchen, die erst sp\u00e4ter ausfallen, an der Grenze zwischen der Schicht der roten Blutk\u00f6rperchen und dem Plasma sich sammeln. Desgleichen empfiehlt auch A. Schmidt (1874, 24 p. 354), in der Voraussetzung, dass die fibrinoplastische Substanz ihren Ursprung den farblosen Blutk\u00f6rperchen (ib.) verdankt, gleich K\u00fchne, behufs k\u00fcnstlicher Darstellung der fibrinoplastische n Substanz (24 p. 355; 25 p. 533) des Seroglobins, die farblosen K\u00f6rperchen aus abgek\u00fchltem Blut zu sammeln.\nHier wollen wir auch Plosz\u2019s (21p. 373) Beobachtungen erw\u00e4hnen. Um die Leberzellen von den \u00fcbrigen, wenn auch ziemlich sp\u00e4rlichen Gewebebestandteilen der Leber zu isoliren, hat Plosz die vom Blut befreite Leber zerschnitten und durch nicht zu dichtes Leinen geknetet. Der Zellenbrei wurde hierauf mit 0,75%-iger NaCl-L\u00f6sung versetzt und zur Senkung der Zellen hingestellt. Extrahirt man die isolirten und mit Wasser oder 0,75-procentiger NaCl-L\u00f6sung ersch\u00f6pften Zellen mit 10% NaCl-L\u00f6sung, so bekommt man reichliche Mengen eines bei 75\u00b0 C. coagulirenden Eiweissk\u00f6rpers in L\u00f6sung. Derselbe ist durch viel Wasser, sowie durch concentrirte NaCl-L\u00f6sung im Ueberschuss, oder Eintr\u00e4gen von NaCl-St\u00fcckchen f\u00e4llbar. Der K\u00f6rper w\u00e4re demnach, meinte Plosz (ib. p. 377), den globulinartigen Eiweissk\u00f6rpern zuzurechnen.\nFerner bedient sich Wooldridge (1881, 31 p. 395) zur Abtrennung der weissen Blutk\u00f6rperchen, wie er es schon mit den roten gethan hatte (p. n. 27\u20148), der Centrifuge. Um bei irgend einer der vorgeschlagenen Manipulationen dem Gerinnen vorzubeugen, l\u00e4sst Wooldridge das Blut aus den Blutgef\u00e4ssen unmittelbar in das n\u00e4mliche Volum halbges\u00e4ttigter Magnesiumsulfatl\u00f6sung einfliessen. ln einem anderen Falle injicirte Wooldridge, um Blutgerinnung zu verh\u00fcten, nach Schmidt-M\u00fchlheim\u2019s (27 p. 33) und Fano\u2019s (5 p. 277) Methode eine Peptonl\u00f6sung in die Blutgef\u00e4sse der Tiere. In beiden F\u00e4llen wurde die Fl\u00fcssigkeit mit Aether bis zur Extraction des H\u00e4matoglobins behandelt, wobei im letzteren Falle Magnesiumsulfatl\u00f6sung zugesetzt werden musste, weil sonst das Blut gerann, sobald der Aether zugegossen wurde. Nach der Zerst\u00f6rung der K\u00f6rperchen durch den Aether wurde das Blut in beiden F\u00e4llen mehrere Stunden centrifugirt, wobei sich ein farbloses Gerinnsel in Gestalt einer Scheibe ausschied, welches aus Kernen, zerrissenem Protoplasma und kaum wahrnehmbaren F\u00e4den (31 p. 395) bestand.\nEs ist interessant, dass Wooldridge \u00fcberzeugt ist, er habe hier\u2014in dieser Scheibe\u2014nur farblose Blutk\u00f6rperchen erhalten, die er deshalb mit \u00e4therhaltigem Wasser ausw\u00e4scht. Allein der Zweifel, ob die Zellen hier keinen materiellen Schaden erlitten haben, was nur ausgeschlossen sein w\u00fcrde, wenn dieselben lebendig geblieben w\u00e4ren, veranlasst Wooldridge zur Gewinnung der farblosen K\u00f6rperchen ein anderes Verfahren zu suchen.\nEs bedarf wohl kaum der Best\u00e4tigung, dass das soeben beschriebene Ve-","page":38},{"file":"p0039.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n39\nfahren in keinem Falle eine Gewinnungsmethode der farblosen K\u00f6rperchen aus dem Blute genannt werden k\u00f6nne. Als Argument zu Gunsten des Nichtvorhandenseins von Stromata der roten Blutk\u00f6rperchen in den oben beschriebenen Niederschl\u00e4gen f\u00fchrte Wooldridge an, dass durch Aetherzusatz die Stromata so stark aufquellen, dass die Centrifugalkraft sie aus der Fl\u00fcssigkeit nicht mehr auszuscheiden vermag Volle Beachtung aber verdient die Gewinnung der K\u00f6rperchen aus den Lymphdr\u00fcsen. Wooldridge (31 p. 397) empfiehlt die Dr\u00fcsen von Hunden oder K\u00e4lbern (ih. p. 404) mit 0,5\u00b0/o-iger Kochsalzl\u00f6sung zu waschen, zu zerschneiden und dann die Zellen durch Leinwand durchzupressen. Alles durch die Leinwand Durchgelaufene wurde mit 0,5%-iger Kochsalzl\u00f6sung versetzt und centri-fugirt. Die unter der Einwirkung halbges\u00e4ttigter Magnesiumsulfatl\u00f6sung oder des Plasma peptonisirten Blutes ausgeschiedenen K\u00f6rperchen zerfallen, wobei die Kerne sich nicht ver\u00e4ndern, der \u00fcbrige Teil der Zellen sich aber in eine fibrin\u00e4hnliche Masse verwandelt (31 p. 397 u. 404). Die auf solche Weise gereinigten K\u00f6rperchen l\u00f6sen sich weder in Chlorwasserstoffs\u00e4ure 2%0 noch in w\u00e4sserigen Chlornatriumoder Magnesiumsulfatl\u00f6sungen, werden aber leicht von verd\u00fcnnten Alkalien aufge-gel\u00f6st (ib. p. 399). Doch findet Wooldridge, dass der aus Lymphzellen bestehende Niederschlag in 2\u00b0/0-iger Chlornatrium- oder Magnesiumsulfatl\u00f6sung in einigen Minuten sich in ein gemeinsames Coagulum verwandelt, welches, mit einem Glasst\u00e4bchen gehoben, das Aussehen eines z\u00e4hen Schleimes hat. In Wasser eingebracht, f\u00e4llt das Coagulum in Gestalt einer weissen Masse zu Boden. Nicht genug: sogar 0,5%-ige Kochsalzl\u00f6sung extrahirt aus den K\u00f6rperchen soviel Prote'insubstanz, dass durch gr\u00f6ssere Wassermengen nicht nur Tr\u00fcbung sondern auch Membranen erzeugt werden (ib. p. 404)! Im allgemeinem glaubt Wooldridge, in den Zellen der Lymphdr\u00fcsen seien Substanzen enthalten, welche zur Bildung von Fibrin dienen k\u00f6nnen (ib. p. 410). Hier verdient auch noch das Verfahren Erw\u00e4hnung, dessen zuerst Samson-Himmelstjerna (1885, 11 p. 15). sp\u00e4ter Schwartz (1888, 29 p. 6) zur Abtrennung der farblosen K\u00f6rperchen aus dem Blute sich bedienten, welches aber, den Worten des ersteren nach, ihrem Lehrer Al. Schmidt geh\u00f6rt. 100 cc. rasch abgek\u00fchltes Pferdeplasma wurden in die 80-fache Menge (8 Liter) Eiswasser gebracht und 24 Stunden an einem kalten Orte stehen gelassen. Dann wurde die tr\u00fcbe Fl\u00fcssigkeit von dem Niederschlage abgegossen, dieser mit neuen 8 Litern Eiswasser ausgewaschen, und so bis 3-mal (23 p. 15). Dann wurden circa 15 cc. des Niederschlags behufs besserer Abtrennung der K\u00f6rperchen in 2 Probirr\u00f6hrclien centrifugirt. Unter dem Mikroscop ersah man, dass der auf diese Weise gesammelte Niederschlag ausschliesslich (?) aus farblosen K\u00f6rperchen bestand; ein Teil derselben war garnicht ver\u00e4ndert, die andern hatten eine ganz glatte Oberfl\u00e4che, wie homogene K\u00fcgelchen sie haben, und waren vergr\u00f6ssert, doch waren hie und da auch, freie K\u00f6rnchen zu bemerken. So beschreibt den Gewinnungsprocess dieser K\u00f6rperchen Samson-Himmelstjerna (ib. p. 15\u201416). Ebenso verfuhr Schwartz; obgleich er nur die 70-fache Menge Eiswasser im Vergleich zum Plasma nahm, spricht er sich schon bestimmter auch dar\u00fcber aus, dass neben den farblosen K\u00f6rperchen unter dem Mikroscop stets eine feink\u00f6rnige Masse beobachtet wird, welche, wie auch schon Kr\u00fcger erw\u00e4hnte hatte, aus Seroglobin besteht (29 p. 6). Abgesehen davon, dass w\u00e4hrend des Abstehe as des Pferdeblutes die Hauptmasse\n') \u201eFerner w\u00e4re an eine Verunreinigung der farblosen Zellen durch Stromata der rotlien Scheiben zu denken. Vor diesem Fehler kann man sich leicht sch\u00fctzen durch einen Zusatz von\nAether zu den zum Auswaschen ben\u00fctzten Fl\u00fcssigkeiten; hierdurch quellen die Stromata zu stark, um durch die Centrifugalkraft aus der Fl\u00fcssigkeit abscheidbar zu werden\u201c (31 p. 398\u20149).","page":39},{"file":"p0040.txt","language":"de","ocr_de":"40\nDAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\nder weissen K\u00f6rperchen auf die Schicht der roten sich niederschlug und ein Teil derselben in der Masse der Blutk\u00f6rperchen eingeschlossen war, bewirkt, wie wir gesehen, die Verd\u00fcnnung auch des Serums nicht nur des Plasma, wie wir sehen werden, mit weit kleineren Wassermengen als 70\u201480 Vol., Ausscheidung von Globulin (p. n. 101 W 48\u201460). Es ist klar, dass auch dieses Verfahren dazu nicht dienen kann von anderen Bestandteilen des Blutes freie farblose Blutk\u00f6rperchen zu gewinnen.\nUm blutfreie Lymphdrtisen zu erhalten, sp\u00fclte Halliburton (1888,9 p. 255) das Tier mit 0,75%-iger Kochsalzl\u00f6sung durch die Blutgef\u00e4sse bis zur Entf\u00e4rbung der Gewebe aus, schnitt dann die Bauchdr\u00fcsen heraus und sp\u00fclte sie nach Entfernung der H\u00fcllen behufs Abscheidung der Zellen durch. Letztere wurden mit 0,75\u00b0/0-iger Kochsalzl\u00f6sung mittels der Centrifuge gewaschen und nach der Abtrennung von den Waschw\u00e4ssern in concentrirteren Kochsalzl\u00f6sungen aufgel\u00f6st. Als bestes L\u00f6sungsmittel sieht Halliburton jedoch mit 9 Vol. Wasser verd\u00fcnnte ges\u00e4ttigte Magnesiumsulfa tlosung an. Wenn Halliburton in dieser L\u00f6sung auch 4 verschiedene K\u00f6rper (Nucleoalbumin, Albumin und 2 Globuline) unterscheidet, so giebt er dennoch den Globulinen den Vorrang, obgleich diese nur durch ihre Gerrinnungstemperatur sich unterscheiden lassen. Einen solchen Unterschied nicht anerkennend (s. Kap. XI), sehen wir in Halliburton\u2019s Arbeiten eine Best\u00e4tigung der Beobachtungen \u00e4lterer Autoren \u00fcber die Gegenwart von Globulin in den farblosen K\u00f6rperchen.\nLilienfeld (1894, 18 p. 474) stellte sich zur Aufgabe, die Leukocyten in m\u00f6glichst grosser Reinheit aus den Lymphdr\u00fcsen und der Thymusdr\u00fcse zu isoliren. Zu diesem Zwecke wurden die aus dem Schlachthause gebrachten Dr\u00fcsen von den Blutgef\u00e4ssen und dem anh\u00e4ngenden Fett sorgf\u00e4ltig befreit, in kleine St\u00fccke geschnitten und in Colirt\u00fccher aus grobmaschigem festem Hanf geschlagen, danach wurde die ganze Masse in einer Presse stark gepresst und der abfliessende Saft centrifugirt. Hierbei muss die Gegenwart von Wasser sorgf\u00e4ltig vermieden werden. Der Saft, welcher sich mikroscopisch als farbloses Serum mit darin suspendirten vollst\u00e4ndig erhaltenen Lymphocyten darstellt, wird durch die Centrifuge in eine weisse Bodenschicht und eine dar\u00fcber stehende Fl\u00fcssigkeit zerlegt.\nGewinnung aschenfreien Cytoglobins. Sowohl die Anzahl der Arbeiten \u00fcber diesen Gegenstand als auch deren Wert leiten uns zu dem Schluss, dass die Leukocyten wesentlich aus einem complicirten Stoffe bestehen, den Schmidt \u201eCy to gl ob in\u201c (26 p. 258) nannte, wir aber das Globulin dieses Stoffes \u201eCy-toglobin\u201c nennen wollen. Diese Schl\u00fcsse werden auch durch unsere eigenen Beobachtungen best\u00e4tigt.\nLymphdr\u00fcsen von Hunden, K\u00e4lbern und Schafen wurden in St\u00fccke geschnitten und diese in 0,5%-ige Kochsalzl\u00f6sung gebracht, wo sie umgesch\u00fcttelt und sachte-mit den Fingern gedr\u00fcckt oder mit weichen Haarpinseln geklopft wurden. Nach der Entfernung der Reste des Dr\u00fcsenger\u00fcstes wurde das Pr\u00e4parat mit einer bedeutenden Menge derselben Kochsalzl\u00f6sung begossen. Fl\u00fcssiger Eiter\u2014pus bonum et laudabile\u2014oder von Verb\u00e4nden genommener wurde unmittelbar in 0,5\u00b0/o\u20141%-ige Kochsalzl\u00f6sung gebracht, wobei die Verb\u00e4nde zur Abtrennung der K\u00f6rperchen gleichfalls in Salzl\u00f6sungen abgesp\u00fclt wurden. Als Material zur Gewinnung von Leukocyten bedienten wir uns auch der Ochsenmilzen, wobei aber zuerst die roten Blutk\u00f6rperchen entfert werden mussten; da letztere in diesem Organ sich auf dem Wege, den das Blut nimmt, befinden, so rinnt ein Strom mittels einer Glascan\u00fcle in die Milzarterie gebrachter l\u00b0/0-ger Kochsalzl\u00f6sung durch das Organ und reisst die freien Elemente, die er auf seinem Wege trifft, durch die Vene mit sich fort. Wenn die Waschw\u00e4sser die Gegenwart roter Blutk\u00f6rperchen nicht mehr anzeigen. und die Milz ganz weiss geworden ist, wird sie zerschnitten, worauf die farblosen","page":40},{"file":"p0041.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTK\u00d6RPERCHEN.\n41\nElemente ebenfalls mit 1%-iger Kochsalzl\u00f6sung abgesp\u00fclt werden. In allen 3 F\u00e4llen wurden die Fl\u00fcssigkeiten mit den darin suspendirten Leukocyten entweder in weite flache Schalen oder in hohe enge Cylinder gebracht. Das Umr\u00fchren geschah in den Schalen mit einem G\u00e4nsefederbart, in den Cylindern\u2014 durch langsames Umst\u00fcrzen bald auf den Boden, bald auf die obere Oeffnung; darauf \u00fcberliess man die Gemenge 8\u201412\u201424 Stunden sich selbst und ersetzte dann die durch Decanti-ren entfernten fr\u00fcheren L\u00f6sungen durch neue. Wir beschr\u00e4nkten uns auf 3-mali-ges Auswaschen. Die ausgewaschenen Leukocyten wurden abfiltrirt und die Fl\u00fcssigkeit entweder durch einfaches Abgiessen oder mittels Fliesspapierschachteln entfernt (p. n. 93 A Ai 41\u20147). Die so erhaltene feuchte Masse wurde in Salzen, Alkalien und S\u00e4uren aufgel\u00f6st. Zur Aufl\u00f6sung in Salzen verrieb man die Leukocyten mit einer abgewogenen Menge Kryst\u00e4llchen und Pulver folgender Salze: Chlornatrium, Chlorammonium. Natrium-, Ammonium- oder Magnesiumsulfat, auch anderer neutraler Salze, die allm\u00e4lig zugegeben wurden. Bei sorgf\u00e4ltiger Verreibung erh\u00e4lt man eine weisse, ziemlich homogene Masse, die nunmehr schon mit Wasser verrieben wird, dessen man allm\u00e4lig, bis zum gew\u00fcnschten Procentgehalt an Salz in der dabei sich bildenden L\u00f6sung zugiebt. Gew\u00f6hnlich brachte ich die Concentration bis 10\u201415 Teile Salz auf 100 Teile Wasser. Sowohl bei der S\u00e4ttigung mit Salzen als auch bei der Verd\u00fcnnung mit Wasser scheidet die etwas tr\u00fcbe L\u00f6sung einen Niederschlag aus, der die allgemeinen Eigenschaften des Globulins besitzt. Die L\u00f6sungen der Leukocyten in Aetznatron 1\u00b0/O0 oder Natriumcarbonat 2\u00b0/00\u20141%0 geben bei der Neutralisation mit verd\u00fcnnten S\u00e4uren Niederschl\u00e4ge, welche den Charakter des Globulins besitzen. Den geringsten Aschengehalt weist das Cytoglobulin auf, entweder bei unmittelbarer Aufl\u00f6sung der auf erw\u00e4hnte Weise gereinigten Leukocyten oder bei Aufl\u00f6sung des nach einer der fr\u00fcher beschriebenen Methoden erhaltenen Cytoglobins in Chlorwasserstoffl\u00f6sung 2\u00b0/00\u20141% und Dialyse dieser L\u00f6sung in gefalten Filterdialysoren, wobei die ausgeschiedenen gel\u00e9eartigen Massen oder Flocken alle Eigenschaften des sog. Globulins besassen.\nLITERATUR.\n1) Babington.\u2014Jahrb\u00fcch. Schmidt\u2019s. 1840, Bd. 27. 2) Denis.\u2014Nouvelles \u00e9tudes chimiques, physiologiques etc. Paris. Bailli\u00e8re. 1856. 3) Dumas & Cahours.\u2014Ann. de chim. & phys. 1846, S\u00e9rie 5, T. 14. 4) Dumas & Pr\u00e9vost.\u2014Ib. 1823, t. 23. 5) Fano.\u2014Arch, du Bois. 1881. 6) Gruby & Deiafond.\u2014 Comp. rend. 1843, t. 16. 7) G\u00fcterbock.\u2014De pure et granulatione. Berolini. 1834. 8) Id.\u2014Notizen Froriep\u2019s. 1836, Bd. 4. 9) Halliburton.\u2014Proceed. London. 1888, vol. 44. 10) Henle.\u2014Zeitschr. rat. Med. 1844, Bd. 2. 11) Samson-Himmelstjerna.\u2014Ueber leuk\u00e4misches Blut. etc. Dorpat. Diss. 1885. 12) Hofmann.\u2014Lehrbuch d. Zoochemie. Wien. 1883. 13) Hoppe-Seyler.\u2014Handbuch d. physiol, u. pathol.\u2014\u2022 chemisch. Analyse. Berlin. 1865. 2 Aufl. 14) Id.\u2014Untersuch, med.\u2014chem. 1867\u201471. Hft. 1\u20144. 15) K\u00fchne.\u2014Lehrbuch der physiolog. Chemie. Berlin. 1866\u201468. 16) Lehmann.\u2014Lehrbuch d. physiolog. Chemie. 1853, Bd. 3. 17) Lehmann & Messerschmidt.\u2014Arch. f. Heilkunde. 1842. Jahrg. 1. 18) Lilienfeld.\u2014Zeitschr. f. physiol. Chemie. 1893, Bd. 18. 19) Mandl.\u2014Comp. rend. 1837, t 5. 20) Miescher.\u2014 Untersuch, med.-chem. 1867\u201471, Hft. 1\u20144. 21) Plosz.\u2014Arch. P\u00dc\u00fcger\u2019s. 1873, Bd. 7. 22) Rovida.\u2014 Sitzungsb. Wien. 1867. Abth. 2, Bd. 56. 23) Schmidt.\u2014Arch, du Bois. 1862. 24) Id.\u2014Arch. Pfl\u00fcgers. 1874, Bd. 9. 25) Id.\u2014Ib. 1875, Bd. 11. 26) Id.\u2014Cenfrbl. Physiol. 1890, Bd. 4. 27) Schmidt-M\u00fchlheim.\u2014 Arch, du Bois. 1880. 28) Schultze.\u2014Das Protoplasma etc. Leipzig. 1863. 29) Schwartz.\u2014Ueber die Wechselbeziehung zwischen Haemoglobin und Protoplasma. Dorpat. Diss. 1888. 30) Virchow.\u2014Gesammelte Abhandlungen etc. Frankfurt a. M. 1856. 31) Wooldridge.\u2014Arch, du Bois. 1881.","page":41}],"identifier":"lit37678","issued":"1905-1906","language":"de","pages":"34-41","startpages":"34","title":"Das Globulin der weissen Blutk\u00f6rperchen. Cytoglobin","type":"Journal Article","volume":"4"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:29:24.251243+00:00"}

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