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{"created":"2022-01-31T16:55:50.124855+00:00","id":"lit37680","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morochowetz, Leo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 4: 53-59","fulltext":[{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"Das (iloltuliu des Eidotters der V\u00f6gel.\nVitelloglobin.\nSynonyme: Albumin\u2014Fourcroy, Albumin und Gallerte\u2014John, Thomson, Albumin \u2014 Liebig, T itelhn\u2014Fumas 4\u2019 Cahours u. a., Albumin und Casein\u2014Lehmann, Albumin und Globulin\u2014Denis und Vitelloglobin\u2014Morochoicetz.\nYon Prof. L. Morochowetz.\nHistorische T h a t s a c h e n. F ourcroy\u2019s Definition (1782, 9 p. 818 und 1795, 10 p. 167) nach, besteht das Dotter haupts\u00e4chlich aus Albumin; in zweiter Reihe kommt Fett, wobei beide Substanzen eine Art Emulsion bilden. Unter dem Einfl\u00fcsse von W\u00e4rme, Alkohol und S\u00e4uren gerinnt dieses Gemenge. John (1817, 25 p.222) aber findet in dem Dotter ausser Albumin auch noch Gallerte (wir sagen nicht Collagen oder Leim), deren Gegenwart ihre Erkl\u00e4rung in denselben Umst\u00e4nde findet wie das Vorhandensein von Gallerte im Eiweiss und im Serum (p. n. <37\u201477). Zur Ausscheidung der Prote'ink\u00f6rper des Dotters bediente man sich eines ziemlich groben Verfahrens: das in der W\u00e4rme geronnene Dotter wurde unter der Presse durchgepresst, wie Thomson (1807, 35 p. 215) beschreibt, oder es wurde zuerst das Fett ausgeschmolzen, wie das bei der Gewinnung des \u201eDotter\u00f6ls\u201c der Fall war. Der R\u00fcckstand enthielt Albumin und Gallerte, welch letztere durch heisses Wasser extrabirt wurde. Bence- Jones (1841,2 p. 67) unterwirft das Dotter schon einer sorgf\u00e4ltigeren Behandlung: das Fett wird aus dem in der W\u00e4rme geronnenen Dotter mit Aether extrahirt, wobei die Elementaranalyse des R\u00fcckstands Zahlen lieferte, welche dem Procentgehalt der Organogene in den Prote'ink\u00f6rpern \u00fcberhaupt entsprechen. Diese von Bence Jones beschriebenen Tliatsachen scheinen Liebig veranlasst zu haben, im Dotter die Gegenwart von Albumin (30 p. 874), d. h. einer Substanz anzunehmen, welche mit dem, was man jetzt unter dem Famen Globulin (p. n. 90\u2014103 AW 48\u201460) verstellt, identisch ist. Dumas & Cahours (1842, 7 p. 422), die ein Pr\u00e4parat ans Eigelb nach dem Bence-Jones\u2019schen Verfahren darstellten, nannten dasselbe \u201eVitellin\u201c. Doch kommt die Ehre einen globulin\u00e4hnlichen K\u00f6rper in dem Dotter entdeckt zu haben Lehmann & Messerschmidt zu. Soviel mir bekannt ist, waren sie es, die zum ersten Mal zeigten (29 p. 234), dass der bei dem Vermischen von Eigelb mit Wasser entstehende Niederschlag leicht in einer Chlorammonium- oder Chlornatriuml\u00f6sung sich aufl\u00f6st, wobei diese L\u00f6sungen von Wasser aufs neue gef\u00e4llt werden und die erhaltenen Niederschl\u00e4ge ihrerseits in Salzl\u00f6sungen wieder l\u00f6slich sind 1). Diese Beobachtungen blieben unbeachtet, und Gobley (15 p. 988) bediente sich wieder solcher Methoden, welche den Charakter der Prote\u00efn-k\u00f6rper bedeutend ver\u00e4ndern; er behandelte n\u00e4mlich das Dotter mit heissem Alkohol und fand, nachdem das Pr\u00e4parat auf Tellern an der Luft getrocknet worden war, dass es die Eigenschaften des Albumins besass. Doch findet Gobley auch, dass frisches Eigelb von Wasser gef\u00e4llt wird und der Niederschlag in verd\u00fcnnten vegetabilischen S\u00e4uren l\u00f6slich ist. Im folgenden Jahre\u20141846\u2014gab Gobley eingehendere\nJ) S. p. n. 101, Ammerkung 3).\n4","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"54\nDAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER VOGEL.\nBeschreibungen (16 p. 464; 17 p. 19) seiner Beobachtungen vom Jahre 1845; er zieht einen Vergleich zwischen den verd\u00fcnnten L\u00f6sungen von Eiweiss und Eigelb und lindet zwischen denselben keinen Unterschied (ib. p. 11). Baumhauer liess das Dotter eines circa i/z Stunde lang gekochten Eies zuerst an der Luft trocknen und behandelte es sodann successiv mit Aether, Alkohol und Wasser, wonach das Pr\u00e4parat bei 120\u00b0 (1 p. 194\u20146) getrocknet wurde. Es l\u00f6ste sich in verd\u00fcnnten Alkalien und in Essigs\u00e4ure mit vorangehender Gallertbildung auf. Strecker (1850. 34 p. 577) charakterisirt die auf obenbeschriebene Verfalirungsweisen erhaltenen Niederschl\u00e4ge als geronnenes (unl\u00f6sliches) Albumin; dabei muss bemerkt werden, dass Lehmann und Messerschmidt\u2019s Arbeit Strecker unbekannt war. Im Jahre 1853 gab Lehmann ein etwas anderes Bild von der Structur des Dotters, indem er die amorphen im Dotter suspendirten Teilchen in Betracht zog, auf welche schon Baer & Bergmann (3 p. 89) hingewiesen hatten und welchen Virchow (36 p. 236\u2014241 > die Eigenschaften des geronnenen Albumins zuerkannte. Lehmann unterschied jedoch K\u00f6rnchen und Dotterkugeln im Dotter (1853,28 p. 306); seinen Beobachtungen nach, l\u00f6sen sich die ersteren leicht in Salmiak und anderen neutralen Salzen, w\u00e4hrend die Dotterkugeln unter diesen Umst\u00e4nden, wie mikroscopische Untersuchungen ihm zeigten, nur ihr Aussehen ver\u00e4ndern. Ungeachtet des offenbaren Unterschieds in den Reactionen sah sich Lehmann in Ermangelung von Methoden, die suspendirten Teilchen von dem fl\u00fcssigen Teil des Dotters abzutrennen, gezwungen, die Bestandteile des Eigelbs in ihrer Gesammtheit (ib. p. 308) zu studiren. Auf Grund dessen gelangt er zu dem Schl\u00fcsse, dass in dem fl\u00fcssigen Teil des Dotters Albumin enthalten ist, w\u00e4hrend die K\u00f6rnchen aus Casein (1853,27 p. 352) bestehen. Indem Lehmann das Dotter bei Gegenwart von Wasser mit Aether behandelte, fand er, dass der sich dabei ausscheidende Niederschlag kein geronnenes Albumin ist. sondern nach sorgf\u00e4ltigem Auswaschen mit Wasser alle Eigenschaften des Caseins besitzt, welches Rochleder und Bopp (s. Kap. IX Lactoglobin) aus Milch mit Beimengung von durch Wasser gef\u00e4lltem Albumin erhalten hatten, wobei der erhaltene Niederschlag in sehr verd\u00fcnnten Salmiak-, Chlornatrium-, Glaubersalzl\u00f6sungen und dergl. l\u00f6slich ist *). Wenn man alle von Lehmann erhaltenen sowohl mikroscopi-sclien als chemischen Resultate \u00fcberschl\u00e4gt, so kommt man zu dem Schl\u00fcsse, dass neben dem gew\u00f6hnlichen Albumin im Dotter noch eine Substanz enthalten ist, die sich vom Casein durch nichts unterscheidet, demgem\u00e4ss dass Vitellin nichts anderes als ein Gemenge von Albumin und Casein *) w\u00e4re. Es ist interessant, dass Lehmanns Beobachtungen und seine Schl\u00fcsse von sp\u00e4teren Autoren garniclit in Betracht gezogen wurden. Doch fand die Behandlung des Eidotters mit Aether eine weitgehendere Anwendung in den Arbeiten von Denis (1836,5 p. 184), der sich deshalb f\u00fcr den Autor dieser Methode zu halten scheint. Die sorgf\u00e4ltig vom Eiweiss abgetrennten Dotter presste Denis durch Leinwand und sch\u00fcttelte sie mit 2 Vol. Aether in Kolben um. Nach l\u00e4ngerem Umsch\u00fctteln wurde der gelbgef\u00e4rbte Aether abgegossen und die zur\u00fcckgebliebene Masse mit einer neuen Portion Aether umgesch\u00fcttelt. Diese Operationen wiederholte man so lange bis aller Farbstoff\n\u2018) \u201eDiese Substanz hat alle die vom Casein... angef\u00fchrten Eigenschaften; dies lehrt ihr Verhalten gegen S\u00e4uren, Alkalien, alkalische, erdige und Metallsalze; wie heben hier nur hervor, dass sie sich unter Zur\u00fccklassung eines geringen, die Fl\u00fcssigkeit opalisirend machenden R\u00fcckstands... schon in sehr verd\u00fcnnter L\u00f6sung von Salmiak,\nChlornatrium, schwefelsaurem Natron u. s. w. au\u00dc\u00f6st\u201c (27 p. 352\u20143).\n2) ....\u201edass im Eidotter der H\u00fchner, neben\ngew\u00f6hnlichem Eiweiss eine Materie vorkommt, die ganz mit dem \u00fcbereinstimmt, was man bis jetzt Casein genannt hat, dass das vermeintliche Vitellin also nicht weiter als ein Gemenge vonAlbumin undCase\u00efn sei\u201c (27p.352).","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER V\u00d6GEL.\n55\nsich entfernt hatte. Das in Gestalt einer weissen Masse erhaltene Vitellin war in Wasser nicht l\u00f6slich, l\u00f6ste sich aber leicht in sehr verd\u00fcnnten S\u00e4uren, Alkalien, in 2%- und 10%-iger\u2014Chlornatriuml\u00f6sung; in ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung, welche \u00fcberdies noch ungel\u00f6ste Krystalle desselben Salzes enth\u00e4lt, l\u00f6st sich das Vitellin nicht. Bis auf 60\u00b0\u201465\u00b0 erhitztes oder mit 40%-igem Alkohol behandeltes Vitellin sowie auch solches, welches\toft\tmit Wasser gewachen oder\tin feuchtem Zustande\nlange an\tder Luft gelegen\that,\tb\u00fcsst die F\u00e4higkeit ein, in\tden genannten Agen-\ntien sich aufzul\u00f6sen und geht in einen ver\u00e4nderten Zustand \u00fcber. Aus einer L\u00f6sung in 2%-iger Chlornatriuml\u00f6sung wird durch Wasser ein Niedersehlag ausgeschieden welcher in Kochsalz sich l\u00f6st. Eine solche Vitellinl\u00f6sung tr\u00fcbt sich unter der Einwirkung von Natriumsulfat oder Chlornatrium, von Aetzalkalicn und den Carbo-naten der Alkalimetalle (5 p. 184\u20146). Denis giebt seinerseits zu (ib. p. 187), dass das Dotter aus \u201eAlbumin und Globulin\u201c, d. h.. in unsere Sprache \u00fcbersetzt, aus Seroglobin\tund Globoglobin\t(ib.\tp. 187) besteht. Dieselben\tThatsachen finden wir\nbei Denis\tauch noch 3 Jahre\tsp\u00e4ter (1859, 6 p. 185 \u2014 7),\two Denis das Vitellin\nauch mit dem Ovoglobin identificirt (p. n. 90). Ungeachtet der von Fr\u00e9my & Valenciennes ausgef\u00fchrten eingehenden Untersuchungen des Dotters nennen diese Autoren (11 p. 473\u20147; 14 p. 129; 12 p. 321. 415; 13 p. 6) in ihren Arbeiten sowohl vom Jahre 1854 als vom Jahre 1857 den durch Wasser im H\u00fchnereigelb hervorgerufenen Niederschlag Vitellin; diesen Niederschlag halten sie nach dem Auswaschen zuerst mit Wasser, dann mit Aether und Alkohol f\u00fcr \u201ereines Vitellin\u201c! Wittich (39 p. 306) sieht das Vitellin f\u00fcr einen K\u00f6rper an, der seinen Reactionen nach dem dialysirten Eiweiss nahe verwandt ist, da beide K\u00f6rper vom basischen Bleiacetat und auch von Kupfersulfat nicht gef\u00e4llt werden (ib. p. 307). Commaille (4 p. 141), der die schon bekannte Thatsache von der Unl\u00f6slichkeit des Vitellins in Wasser best\u00e4tigt, findet jedoch, dass es in anges\u00e4uertem Wasser sich leicht l\u00f6st, wonach es durch Salzs\u00e4ure wieder ausgeschieden wird. Auch im letzteren Falle ist der Niederschlag in Wasser l\u00f6slich.\nBesondere Beachtung verdienen Schwarzenbach\u2019s (1867, 33 p. 64) Beobachtungen. Dieser Forscher verd\u00fcnnte che abgetrennten Dotter mit Wasser und behandelte dann das Gemenge wiederholt mit Aether bis zur vollen Extraction alles in Aether L\u00f6slichen. Nachdem der Aether abgetrieben war, behandelte man die Masse mit Wasser bis zur vollst\u00e4ndigen Entfernung der in demselben l\u00f6slichen Prote'ink\u00f6rper, d. h. bis sich die prote'inhaltigen Fl\u00fcssigkeiten nicht mehr tr\u00fcbten (ib. p. 65).\nHoppe-Seyler\u2019s Beobachtungen vom Jahre 1865 sowie vom J. 1867 (20 p. 192; 22 p. 215) zufolge wird im Dotter, in der Linse und in einigen Fl\u00fcssigkeiten eine Substanz angetroffen, die in Wasser unl\u00f6slich, in Kochsalz aber l\u00f6slich ist, aus welchem es durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz nicht ausgeschieden wer-d en ko n n t e, obgleich Versetzung mit Wasser einen Niederschlag hervorrief. Hoppe-Seyler, welcher diese Substanz in allen von ihm untersuchten Dottern gefunden hatte, war in Ungewissheit, wohin diese Substanz zu rechnen sei, ob zu der fibrinoplastisclien Substanz, zum Fibrinogen oder zum Myosin (20 p. 195). Hoppe-Seyler bereitete dieselbe nach Denis\u2019s Methode, obgleich er dieses Umstands nicht erw\u00e4hnt. Ohne uns in Einzelheiten einzulassen, wollen wir nur bemerken, dass das von Hoppe-Seyler \u201eVitellin\u201c benannte Pr\u00e4parat ebenfalls suspendirte Teilchen des Dotters enthielt. Obgleich genannter Autor ein in dieser Beziehung nicht einheitliches Pr\u00e4parat besass, war er dennoch der Ansicht, dass das Vitellin, gleich dem aus Globulin und H\u00e4matin bestehenden H\u00e4matoglobulin (22 p. 218), aus Lecithin und einer Prote\u00efnsub-stanz bestehe. Uebrigens gesteht Hoppe-Seyler (1875, 23 p. 235) in der Folge ein, dass das von ihm Vitellin genannte Pr\u00e4parat als keine von Beimengungen freie","page":55},{"file":"p0056.txt","language":"de","ocr_de":"56\nDAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER V\u00d6GEL.\nSubstanz angesehen werden k\u00f6nne. Gorup-Besanez (18 p. 130) schreibt dem Vitellin im allgemeinen den Charakter des Globulins zu.\nNach Hoppe-Seylers\u2019s Beobachtungen wurde \"Vitellin auch in anderen physiologischen Fl\u00fcssigkeiten gefunden. So fand Weyl (37 p. 546) Vitellin in der Herzbeutelfl\u00fcssigkeit. Hoppe-Seyler (38 p. 75) teilte Weyl pers\u00f6nlich mit, dass er diese Substanz in dem Milchs\u00e4fte und in der Ochsenlinse (21 p. 201) gefunden hatte; in dieser fand auch Laptschinski (26 p. 633) Vitellin. Genannte Autoren\u2014Hoppe-Seyler und seine Sch\u00fcler Weyl und Laptschinski\u2014bestimmten die Gegenwart von Vitellin auf Grund der Unf\u00e4higkeit der Salzl\u00f6sungen dieses K\u00f6rpers dureli krystallinisches-Kochsalz gef\u00e4llt zu werden! Diese Reaction vrar es, die, wie es scheint, Hoppe-Seylei veianlasste zu behaupten, dass ein jedes Protoplasma 2 K\u00f6rper\u2014Myosin und Vitellin\u2014enth\u00e4lt, von denen ersteres auf Chlornatriumkrystalle sich ausscheidet,, letzteres in L\u00f6sung bleibt! In der Folge vermehrte Weyl (37 p. 635; 38 p. 74) die Anzahl der Reactionen des Vitellins, indem er darauf hinwiess, dass frischgef\u00e4lltes Vitellin unter Wasser sich ver\u00e4ndert und in einen schwerl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergeht [er nennt es Albuminat. S. Einfluss der Alkalien (Kap. XII)]. Das Vitellin l\u00f6st sich im allgemeinen sehr leicht in Salzen und wird aus 1%-iger Natriumcarbonatl\u00f6sung durch gleichzeitige Einwirkung von Wasser und Kohlens\u00e4ure ausgeschieden. Weyl\u2019s S\u00e4tze sind fast Wort f\u00fcr Wort in Hoppe-Seyler\u2019s Lehrbuch vom J. 1883 (24 p. 279) aufgenommen, wo der Autor unter anderem aussagt, dass der wesentlichste Unterschied zwischen dem Vitellin und den anderen Globulinen, d i e Unf\u00e4higkeit des Vitellins, sei vonSteinsalzkrystallen gef\u00e4llt zu w e r d e n! Diese Arbeiten brachten das \u201eVitellin\u201c genannte Dotterpr\u00e4parat in Bezug auf die F\u00e4llbarkeit durch Steinsalz unter ganz besondere Bedingungen!\nZur Pr\u00fcfung dieser Thatsachen unternahm Herr W. Popoft in unserem Laboratorium Versuche, bei deren Ausf\u00fchrung er gewahrte (31 p. 154), dass die Darstellungsmethoden des Vitellins seiner Vorg\u00e4nger unzul\u00e4nglich und unbestimmt gewesen waren; indem er deren Versuche wiederholte, fand er, dass das nach Fr\u00e9my & Valanciennes\u2019s Verfahren ausschliesslich durch F\u00e4llung mit Wasser an einem k\u00fchlen Orte in Gestalt eines Niederschlags gewonnene Vitellin in L\u00f6sungen neutraler Salze von Alkalien und Erdalkalien verschiedener Concentrationen l\u00f6slich ist. Diese Vitellinl\u00f6sungen werden sowohl von ges\u00e4ttigten L\u00f6sungen als auch von Kryst\u00e4llclien derselben Salze und von Steinsalzkryst\u00e4llchen ausgef\u00e4llt. Nachdem Herr W. Popoft Vitellin nach Denis\u2019s Verfahren, dessen sich auch Hoppe-Seyler bedient hatte, darstellte, fand er, dass auch dieses Verfahren kein in Salzen leichtl\u00f6sliches Vitellin liefert und schl\u00e4gt daher vor, die Dotter mit Glasscherben zu sch\u00fctteln, dann durch Leinwand zu pressen und schliesslich mit Aether, welcher mit dem dreifachen Vol. Wasser versetzt wurde, zu behandeln. Nach dem Umsch\u00fctteln wurde der verkorkte Kolben mit dem Gemenge mit dem St\u00f6psel nach unten gekehrt und in dieser Lage von dem Ring eines Stativs gehalten *). Es zeigten sich in dem Kolben sehr bald Schichten: die obere enthielt den Aether, die mittlere\u2014das Vitellin, die untere das Wasser. Mittels Rohren, einem langen, bis zum Boden des Kolbens\n*) Die auf Fig. 5 abgebildeteu Teilungstrichter sind bequemer als die gew\u00f6hnlichen (fig. 4, p. 153), da sie die Abtrennung jeder beliebigen Schicht der im Kolben befindlichen Fl\u00fcssigkeit gestatten. Durch den Propfen gehen, die Oeffnungen hermetisch verscbliessend, zwei Rohre ein kurzes und ein langes, bis zum Boden reichendes. Der Kolben wird mit dem mit den Rohren versehe-\nnen Propfen verkorkt und umgest\u00fcrzt. Oeffnet man das kurze Rohr, so kann man die untere Schicht abtrennen. R\u00fcckt man das kurze Rohr soweit hinein, dass das Eude bis an die untere Fl\u00e4che der zu entfernenden Schicht reicht, und \u00f6ffnet die Klemme am Gummirohr, mit welchem das kurze Glasrohr versehen ist, so trennt sich selbstverst\u00e4ndlich nur die gew\u00fcnschte Schicht ab.","page":56},{"file":"p0057.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER VOGEL.\n57\nreichenden, und einem kurzen, welche durch den Pfropfen des Kolbens gingen, konnte die mittlere Schicht \u2014 das Vitellin \u2014 nach Wunsch von dem Aether und dem Wasser befreit werden (fig. 5).\nNach der Abtrennung des Aethers und des Wassers wurde das Vitellin aufs neue gleichzeitiger Behandlung mit Wasser und Aether, dreimal und mehr, unterworfen, wonach ein ganz weisser flockenartiger Niederschlag erhalten wurde, welcher in 5%-iger Chlorammoniuml\u00f6sung sich l\u00f6ste. Die L\u00f6sung wurde mit Wasser gef\u00e4llt, der erhaltene Niederschlag auf dem Filter gesammelt und definitiv mit Wasser ausgewaschen. Auch hier fand Herr W. Popoff, dass das Vitellin in 5% \u2014 10o/o-iger Chlornatrium- oder Chlorammoniuml\u00f6sung sich l\u00f6st, wobei die erhaltenen Vitellinl\u00f6sungen nach l\u00e4ngerer oder k\u00fcrzerer Zeit von Chlornatiium- oder Steinsalz-, Natriumsulfat- oder Magnesiumsulfat- und sogar Chloram-moniumkrystallen gef\u00e4llt werden (31 p. 158\u20149). Dieser Autor findet im allgemeinen, dass je rascher die vorl\u00e4ufige Behandlung des Vitellins betrieben wird, desto l\u00f6slicher1 das erhaltene Pr\u00e4parat ist. wobei die Temperatur der F\u00e4llung des Vitellins aus dessen Salzl\u00f6sungen von der Menge des in die L\u00f6sung eingef\u00fchrten Salzes und auch von der Globulinmenge abh\u00e4ngt. Endlich findet Popoff den von Weyl und Iloppe-Seyler gew\u00fcnschten Unterschied zwischen dem Myosin und dem Vitellin nicht, da in dem oben beschriebenen Verhalten dieser beiden K\u00f6rper sich kein Unterschied bemerkbar macht.\nGewinnung des reinen Dotte r globulin s. W ie interessant die von Herr W. Popoff erhaltenen Resultate auch sind, da sie uns gezeigt haben, dass auch das sog. \u201eVitellin\u201c, wie die \u00fcbrigen Globuline, die Eigenschaft besitzt von gew\u00f6hnlichem Kochs\u00e4lz und Steinsalz gef\u00e4llt zu werden, stellen sie in streng chemischer Beziehung nichts ganz Abgeschlossenes vor. Fernere Untersuchungen \u00fcber die Natur der Prote'msubstanzen des Dotters unternahm in unserem Laboratorium Herr Th. Remesoff (32 p. 255). Er richtete seine Aufmerksamkeit besonders auf einen wesentlichen Fehler der vor ihm ausgef\u00fchrten Arbeiten, da in allen ausser Acht gelassen worden war, dass das Dotter bei weitem keine homo-gene Fl\u00fcssigkeit ist, dass die Anatomen ausser dem fl\u00fcssigen Teil schon l\u00e4ngst suspendirte Teilchen in demselben unterscheiden. Diese suspendirten Teilchen machte nun Herr Remisoff zum Gegenstand seiner Untersuchungen. Um die Dotterk\u00fcgelchen im mehr oder weniger unver\u00e4nderter Gestalt zu erhalten, vermischte er das Dotter mit einer bedeutenden Menge 0,5%\u20141%-iger Kochsalzl\u00f6sung. Wie vorl\u00e4ufige Pr\u00fcfungen gezeigt hatten, lassen solche L\u00f6sungen die Dotterk\u00fcgelchen im Wesentlichen unver\u00e4ndert und f\u00e4llen auch die Fl\u00fcssigkeit des Dotters nicht. Bei ruhigem Stehen des Gef\u00e4sses an einem k\u00fchlen Orte fallen die Dotterk\u00fcgelchen zu Boden. Die Fl\u00fcssigkeit wurde abgegossen und der Niederschlag mit neuen Portionen derselben Kochsalzl\u00f6sung behandelt. Ein solches Auswaschen der Niederschlags wiederholte man 3\u20144-mal. Die auf dem Filter gesammelten Dotterk\u00fcgelchen l\u00f6sten sich, mit Ausnahme der H\u00fcllen, in 10\u00b0/o-iger Chlornatriumoder Chlorammoniuml\u00f6sung beim Verreiben im M\u00f6rser oder beim F insch\u00fctteln (ib. p. 258). Im allgemeinem beobachtete Remesoff in den erhaltenen L\u00f6sungen bei wiederholtem F\u00e4llen mit Salzen oder Wasser und Aufl\u00f6sung in Salzen alle Eigenschaften der Globulinl\u00f6sungen, die F\u00e4higkeit dieser L\u00f6sungen sich auf Steinsalz niederzuschlagen (ib. p. 258\u20149) nicht ausgenommen.\nFig. 5.","page":57},{"file":"p0058.txt","language":"de","ocr_de":"58\nDAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER V\u00d6GEL.\nWir wollen uns liier bei dem Globulin und den \u00fcbrigen Bestandteilen der K\u00fcgelchen, Pl\u00e4ttchen und andern morphologischen Gebilden des Dotters nicht besonders aufhalten, da dies alles zu den Krystallo\u00efden der Prote'ink\u00f6rper geh\u00f6rt, welche ein specielles Studium erfordern. Remesoffs Beobachtungen beziehen sich jedoch unmittelbar auf den Gegenstand dieses Werkes, da sie auf die Unzul\u00e4nglichkeit der fr\u00fcheren Untersuchungen aufmerksam machen und zugleich den Weg zu einer zweck-massigeren Behandlung des Dotters behufs Gewinnung der Protemsubstanzen zeigen. Demgem\u00e4ss empfehlen wir im Verein mit Remesoff die von dem Eiweiss und dem Keimbl\u00e4schen sammt der Dottermembran sorgf\u00e4lltig abgetrennten Dotter entweder zuerst durch Gaze zu pressen oder dieselben unmittelbar in 0,5%\u2014 1%-ige Kochsalzl\u00f6sung. auf jedes Dotter circa 100\u2014200 Ce., zu bringen. Nachdem die Fl\u00fcssigkeit an einem k\u00fchlen Orte sich gesetzt hat, wird sie abgegossen, filtrirt und mit Kochsalz, Magnesium- oder Ammoniumsulfat bis zur S\u00e4ttigung behandelt, wobei der erhaltene Niederschlag wiederholentlich in Wasser auf Kosten des von ihm zur\u00fcckgehaltenen Salzes aufgel\u00f6st und mit einem der obenerw\u00e4hnten Salze wieder ausgef\u00e4llt wird. Das auf diese Weise dargestellte Pr\u00e4parat war frei von Beimengungen (namentlich von Fetten) und besass alle Eigenschaften des Globulins. Wir gewahrten zwischen den von uns erhaltenen Globulinl\u00f6sungen und Globulinl\u00f6sungen andern Ursprungs in deren Verhalten zum Steinsalz oder zu andern Salzen nicht den geringsten Unterschied.\nDie in unserem Laboratorium gewonnenen Thatsachen zeugen deutlich genug daf\u00fcr, dass unsere Kenntnisse \u00fcber das \u201eVitellin\u201c benannte Pr\u00e4parat noch ungen\u00fcgend sind. In allen \u00e4lteren Darstellungsweisen des Vitellins spielten auch die morphologischen Elemente des Dotters eine Rolle, und gaben, je nachdem sie mehr oder weniger hervortraten, ein ver\u00e4nderliches Pr\u00e4parat, welches jedenfalls kein chemisch einheitliches genannt werden konnte. In einem Falle wurde mit dem Namen \u201eVitellin\u201c der durch Einwirkung von Wasser entstandene Niederschlag, in einem andern ein durch Einwirkung von Aether auf das Dotter erhaltener Rest gemeint. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die morphologischen Elemente des Dotters ausgeschieden und einem besonderen Studium unterworfen werden m\u00fcssen; den Gegenstand des unsrigen bildet gegenw\u00e4rtig die Dotterfl\u00fcssigkeit, van Beneden's (32 p. 255) Dotterprotoplasma\u2014und zwar deren Protemsubstanzen, Auf Grund des oben Dargelegten haben wir kaum das Recht, das von uns aus dem Dotterproto-plasma ausgeschiedene Globulin, \u201eVitellin\u201c zu nennen, infolgedessen wir den Vorschlag machen, das Globulin des Dotterprotoplasma\u2014der Dotterfl\u00fcssigkeit\u2014\u201eV itel-1 o g 1 o b i n\u201c \u2018) zu nennen, indem wir mehr das Aeussere (p. n. 71\u201472.V.V41\u20147) in Betracht ziehen, d. h. die Herkunft dieses Globulins bezeichnen. Um das auf die beschriebene Weise aus der Dotterfl\u00fcssigkeit erhaltene Vitelloglobin aschenfrei zu erhalten, l\u00f6st man es in 1 \u00b0/00\u20141% Salzs\u00e4ure auf und dialysirt. Im allgemeinen un-terviivt man das Pr\u00e4parat denselben Manipulationen, die wir schon mehr als einmal beschrieben haben, wobei eine gallertartige Masse oder Flocken, die den allgemeinen Charakter des Globulins (s. den Kap. XI und folg), tragen, erhalten werden.\n') Dumas\u2019 & Cahours\u2019 Benennung (p. n. 53) \u201evitelline\u201c stammt offenbar von \u201evitellus\u201c, \u25a0welches nach VVittstein\u2019s (40 p. 797) Erkl\u00e4rung dem Worte \u201evitulus\u2014Kalb\u201c entstammt:,, Vitelin\u2014 von v i t e 1 u s; Dimin. von v i t u 1 u s (Kalb), als kleines Kalb; dann auch, sowohl als Mascu-linum wie als Neutrum (vitellum), in der Bedeu-\ntung von Eigelb (Dotter), um die Substanz anzuzeigen, durch welche das junge Thier im Embryo-Zustande repraesentirt wird. Bei Fabricius (8 p. 23) lesen wir jedoch: \u201eVitellus autem \u00e0 vit a sic dictus est, qu\u00f4d eo viuat pullus: dicitur quo-que, \u00e0 colore oui luteum\u201c. An diese Erkl\u00e4rung h\u00e4lt sich auch Harvey (19 p. 44).","page":58},{"file":"p0059.txt","language":"de","ocr_de":"BAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DEE V\u00d6GEL.\n59\nL I T E R A T U R.\n1) Baumhauer. \u2014 Repert. Buchner\u2019s. 1847, Bd. 95 od. 2 Beihe 45. 2) Bence-Jones\u2014Ann. Liebig\u2019s. 1841, Bd. 40. 3) Bergmann.\u2014Arch. Muller\u2019s 1841. 4) Commaille.\u2014Ann. Liebig\u2019s. 1843, Bd. 45. 5) Denis.-\u2014Nouvelles \u00e9tudes chimiques, physiologiques et m\u00e9dicales etc. Paris. 1856. 6) Id.\u2014M\u00e9moire sur le sang consid\u00e9r\u00e9 etc. Paris. Bailli\u00e8re. 1859. 7) Dumas & Cahours.\u2014Ann. de chim. et phys. 1842. S\u00e9rie 3, t. 6. 8) Fabricius.\u2014De formatione ovi etc. 1621. 9) Fourcroy.\u2014Le\u00e7ons \u00e9l\u00e9mentaires d\u2019histoire naturelle et de chimie. Paris. 1782, t. 2. 10) Id.\u2014El\u00e9ments d\u2019histoire naturelle et de chimie. Paris. 1794. 11) Fr\u00e9my & Valanciennes.\u2014Compt. rend. 1854, t. 38. 12) Id.\u2014Journ. de pharm. 1854, S\u00e9rie 3,\nt.\t25. 13) Id.\u2014Ib. 1854, S\u00e9rie 3, t. 26. 14) Id.\u2014Ann. de chim. et phys. 1857, S\u00e9rie 3, t. 50. 15) Gobley.-\u2014Comp. rend. 1845, t. 21. 16) Id.\u2014Ib.\u20141846, t. 22. 17) Id.\u2014Journ. de pharm. 1846, s\u00e9rie 3, t. 9. IS) Gorup-Besanez.\u2014Lehrbuch d. physiol. Chemie. Braunschweig. Vieweg. 1874. Auf. 3.\n19) Harvey.\u2014Opera, pars altera, etc. 1737. 20) Hoppe-Seyler___Handbuch d. physiol, u. patholog.-\nchemisch. Analyse. Berlin. Hirschwald. 1865. Aufl. 2. 21) Id.\u2014Ib. 1870. Aufl. 3. 22) Id.\u2014Untersuch, med. chem. 1867\u201471 Hft. 1\u20144. 23) Id.\u2014S. V 384, 1875. Aufl. 4. 24) Id.\u2014Ib. 1883. Aufl. 5. 25) John.\u2014Handw\u00f6rterbuch der allgemeinen. Chemie. 1817, Bd. 1. 26) Lapschinsky.\u2014Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1876, Bd. 13. 27) Lehmann.\u2014Lehrbuch der physiolog. Chemie. Aufl. 2. 1853, Bd. 1. 28) Id.\u2014Ib. Bd. 2. 29) !d & Messerschmidt.\u2014Arch. f. Heilkunde. 1842. Jahrg. 1. 30) Liebig.\u2014Handw\u00f6rterbuch d. reinen\nu.\tangewandt. Chemie. 1S38\u201441, Bd. 1. 31) Popoff\u2014nonoBt.\u2014Tpyiu Mockob. (J)H3ioa. .la\u00f6opaTopin 1S87\u201488, t. 1. 32) Remesoff\u2014PeMe30B\"b.\u2014Ib. 1890, t. 2. 33) Schwarzenbach.\u2014Ann. Liebig\u2019s. 1867. Bd. 144. 34) Strecker\u2014Handw\u00f6rterbuch v. Liebig & Poggendorf. Supplementb. 1850. 35) Thomson.\u2014Syst\u00e8me de Chimie. 1807, traduit. 1809, t. 9. 36) Virchow.\u2014Zeitschr. Zool. 1852, Bd. 4. 37) Weyl.\u2014Arch. Pfl\u00fcger\u2019s. 1876, Bd. 12. 38) Id.\u2014Zeitschr. f. physiolog. Chemie. 1877 \u2014 8, Bd. 1. 39) Wittich.\u2014 Centrbl. f. m. AV. 1864. Jahrg. 2. 40) Wittstein.\u2014Vollst\u00e4ndiges etymologisch-chemisches AYorterbuch etc. 1847, Bd. 1. (A\u2014E).","page":59}],"identifier":"lit37680","issued":"1905-1906","language":"de","pages":"53-59","startpages":"53","title":"Das Globulin des Eidotters der V\u00f6gel. Vitelloglobin","type":"Journal Article","volume":"4"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:55:50.124861+00:00"}
