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Zur Frage nach der Kohlensäurediffusion aus dem Blut beim Atmen

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{"created":"2022-01-31T15:22:09.781704+00:00","id":"lit37729","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Setschenow, I.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 4: 9-15","fulltext":[{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"Zur Franc uadi der Kolilens\u00e4urediffusion aus dem Blut\nbeim Atmen.\nYon I. Setschenow.\n{Nach der zur\u00fcckgebliebenen Handschrift).\nIndem ich diejenige meiner Arbeiten, die in verschiedenen Zeitschriften zerstreut sind und es verdienen erhalten zu werden, behufs Herausgabe derselben nach meinem Tode, sammelte und ordnete, gewahrte ich, dass ich in meiner Abhandlung <Die Kohlens\u00e4ure des Blutes > *) die durch in derselben angef\u00fchrte experimentelle Daten begr\u00fcndete M\u00f6glichkeit des Beweises, dass die Ausatmung der Kohlens\u00e4ure aus dem Blut durch Diffusion allein, ohne irgend welche andere Einfl\u00fcsse, vor sich gehen kann, ausser Acht gelassen hatte. Vorliegende Notiz soll diese L\u00fccke ausf\u00fcllen.\nVor allem ist es notwendig die dieser Frage entsprechenden experimentellen Daten anzuf\u00fchren. Dieselben resultiren aus Versuchen \u00fcber die Absorption der Kohlens\u00e4ure durch Serum, aufgel\u00f6stes Cruor (eine serumfreie L\u00f6sung von roten Blutk\u00f6rperchen) und H\u00e4moglobin von drei Blutarten (Hunde-, Kalbsund Pferdeblut) und beziehen sich auf die F\u00e4higkeit aller drei Bestandteile des Blutes, C02 zu absorbiren und chemisch zu binden. Diese Thatsachen sind durch eine grosse Anzahl von \u00fcbereinstimmenden Versuchen bewiesen worden, doch gen\u00fcgt es hier, in diesem Auszug aus einer gr\u00f6sseren Arbeit, einige der handgreiflichsten Beispiele anzuf\u00fchren.\nIn der untenstehenden Tabelle sind alle f\u00fcr unsern Zweck notwendigen Zahlenwerte angef\u00fchrt. Die Volumina (V) der absorbirenden Fl\u00fcssigkeit sowie diejenigen der Gase sind in Ccm. gegeben und die letzteren auf 0\u00b0 und 1 M. Druck reducirt. P bedeutet den Druck, unter welchem die Absorption stattfand; t\u2014die Temperatur des Versuchs; A\u2014die totale Absorptionsgr\u00f6sse Y\u2014den L\u00f6sungscoefficienten; Vx\u2014die mittelst desselben ausgerechnete, den verschiedenen Druckverh\u00e4ltnissen entsprechende Gr\u00f6sse der chemischen Absorption. Die sich ihrem Sinne nach unterscheidenden Versuche sind von einander durch dicke Striche getrennt.\n*) M\u00e9moires de l'acad. des Scienc. de St.-P\u00e9tersb. YII S\u00e9rie.T. XXVI, jV 13.","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nKOHLENS\u00c4URE DIFFUSION AUS DEM BLUT BEIM ATMEN.\n\tBenennung.\tV\tt\tPmm\tA\tY\tVx\n1\tPferdeblutserum normales.\t45,62\t15,2\" C. {\t676,41 790,13\t40,560 45,678\t0,99\t10,02 10,00\n2\tDasselbe Serum mit Wasser 1:1 verd\u00fcnnt.\t>\t> !\t676,51 793,92\t35,637 40,991\t>\t5.09 5,14\n3\tKalbsblutserum.\t50,179\t15\u00b0,2\u00b0 C. {\t507,16 682,70\t40-848 49,604\t0,99\t15,66 15,69\n4\tPferdeblutserum.\t>\t\u25a0 1\t39,92 519,76 734,50\t12,827 41,217 51,842\t>\t10,85 15,40 15,36\n5\tHundeblutserum.\t45,21\t\u25a0 !\t230,44 574,82 680,55\t17,955 35,863 40,884\t>\t7,91 10,00 10,26\n6\tPferdeblutcruor.\t45,62\t15,2\u00b0 C. |\t442,55 509,38 610,21\t58,818 62,935 68,761\t0,98\t39,04 40,16 41,48\n7\tDasselbe Cruor mit Wasser 1 :1 verd\u00fcnnt.\t>\t\u25a0 1\t534,40 610,39 752,34\t44,030 48,021 54,848\t>\t20,14 20,73 21,22\n8\tSerumfreies Pferdeblutcruor.\t50,179\t15,2\u00b0 C. j\t344,01 444,65\t67,796 75,228\t0,98\t50,67 53,09\n9\tHundeblutcruor.\t45,21\t15,2\u00b0 C. |\t41,44 476,45 711,84\t20,475 55,248 68,272\t0,98\t18,64 34,14 36,73\n10\tDicker Bodensatz vonH\u00e4-moglobinkrystallen von bonig\u00e4linlicher Consis-tenz.\t53,15\t16,8\u00b0 C. |\t321,61 362,99 419,36\t73,340 76,120 82,227\t0,95\t57,10 57,79 61,06\n11\tWasser.\t50,179\t37\u00b0\u201437,5 C. j\t369,85 474,95\t10,57 13,51\t0,569 0,569\t","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"KOHLENS\u00c4URE DIFFUSION AUS DEM BLUTE BEIM ATMEN.\n11\nDas Serum, welches Alkalien enth\u00e4lt und C02 chemisch bindet, l\u00f6st diese zugleich auf, und die leichteste Methode, den L\u00f6sungcoefficienten zu bestimmen, besteht darin, dass man die totalen durch normales und durch mit dem gleichen Volum Wasser verd\u00fcnntes Serum absorbierten C02-Mengen mit einander vergleicht. In letzterem ist die Alkalienmenge um das Doppelte verringert, und es bindet daher zweimal weniger Kohlens\u00e4ure. Wenn ausserdem der L\u00f6sungscoefficient des normalen Serums sich wenig von dem L\u00f6sungs-coefficienten des Wassers. derselben Temperatur unterscheidet, so stellt die Differenz zwischen den gleichen Druckverh\u00e4ltnissen entsprechenden totalen Absorptionsgr\u00f6ssen durch normales und verd\u00fcnntes Serum die Gr\u00f6sse der chemischen Absorption des verd\u00fcnnten Serums vor. Nach Abzug dieser Gr\u00f6sse von der totalen Absorptionsgr\u00f6sse bleibt eine Zahl zur\u00fcck, welche die Ge--sammtmenge des gel\u00f6sten Gases ausdr\u00fcckt; daraus l\u00e4sst sich der gesuchte Coefficient schon leicht berechnen. In den zwei ersten Versuchen finden wir alle Angaben zu einer solchen Berechnung. In Versuch 1 hat normales Serum bei 676,41 mm. Druck 40,56 cc. C02, und verd\u00fcnntes (Vers. 2) bei 676,51 mm. 35,64 cc. C02 absorbiert. Die Differenz zwischen diesen C02-Men-gen zeigt die Gr\u00f6sse der chemischen Absorption durch das verd\u00fcnnte Serum, nach Abzug derselben von 35,64, der totalen Absorptionsgr\u00f6sse, erh\u00e4lt man 35,64\u20144,92=30,72, eine Zahl, welche die in dem gegebenen Volum absorbierender Fl\u00fcssigkeit (45,62 cc.) unter 676,51 mm. Druck gel\u00f6ste C02-Menge vorstellt. Daraus ergiebt sich der gesuchte L\u00f6sungscoefficient, d. h. die Absorptionsgr\u00f6sse auf. 1 ccm. Fl\u00fcssigkeit bei 1000 mm. Druck, wie folgt:\n^ ^\t-= 0,995. Auf dieselbe Weise wurde in Vers. 6 und 7 aus\n45,62 X 676,51\t5\nden gleichen Druckwerten (610.21 und 610,39) entsprechenden Gesammt-gr\u00f6ssen, der L\u00f6sungscoefficient von C02 im Cruor (0,98) berechnet, und erwies sich, ebenso wie im Serum, sehr nahe dem L\u00f6sungscoeffidenten in Wasser, da letzterer bei 15,2\u00b0 C. ebenfalls ungef\u00e4hr 1 ist. Mittels dieser Coefffcienten sind in der Tabelle aus den totalen Absorptionsgr\u00f6ssen (unter A) die der Reihe von Druckwerten entsprechenden Gr\u00f6ssen der chemischen Absorption (unter Vx) berechnet (\u00fcber Vers. 11 mit Wasser wird weiter unten die Rede sein).\nVers. 1\u20145 zeigen den Verlauf der chemischen C0.2\u2014Absorption durch Serum in der Abh\u00e4ngigkeit vom Druck. In den ersten 3 Versuchen findet die Absorption bei % Atmosph\u00e4re \u00fcbersteigenden Spannungen des zu absorbierenden Gases statt, und die Gr\u00f6ssen der chemischen Absorption bleiben hier mit der Steigerung des Druckes fast unver\u00e4ndert; in F ers. 4 und 5 dagegen stehen neben solchen Druck werten relativ niedrige (230 und 40 mm.) und diesen letzteren entspricht eine bedeutende Abnahme der chemischen Absorption,\u2014in Vers. 5 etwa auf %, in Vers. 4, wo der Druck bedeutend niedriger ist, schon auf J/3. Dies bedeutet, dass bei der Druckabnahme von 1 Atmosph\u00e4re bis V3 Atm. die chemische Absorption sich nicht merklich \u00e4ndert, von da an aber beginnt abzunehmen und zwar um so schneller, je niedriger der Druck wird, da bei 0mm Spannung auch die chemische Absorption = 0 ist.","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nKOHLENS\u00c4URE DIFFUSION AUS DEM BLUTE BEIM ATMEN.\nVers. 8, 9 und 10 zeigen dasselbe f\u00fcr das Cruor (die aufgel\u00f6sten Blutk\u00f6rperchen) und f\u00fcr das H\u00e4moglobin. Hier ist die Abh\u00e4ngigkeit der chemischen Absorption vom Druck noch sch\u00e4rfer ausgespr\u00e4gt als beim Serum: in Vers. 9 entspricht der Druckerniedrigung von 700 mm. bis auf 40 eine Abnahme der Gr\u00f6sse der chemischen Absorption von % und in Vers. 4, auf V3- Auch bei mittleren Druckwerten bleibt die Absorption durch das Cruor und durch das H\u00e4moglobin nicht unver\u00e4ndert, sondern nimmt \u00fcberall mit der Druckerh\u00f6hung zu.\nF\u00fcr unseren Zweck ist noch Folgendes zu bemerken. Bekanntlich, ist das H\u00e4moglobin dem Gewichte nach der Hauptbestandteil der roten Blutk\u00f6rperchen, und haben meine Versuche ergeben, dass das H\u00e4moglobin, unabh\u00e4ngig von den Alkalien, C02 chemisch absorbiert. Diese Absorption wiederholt, sowohl der Gr\u00f6sse als dem Charakter (d. h. der Abh\u00e4ngigkeit von dem Druck) nach, dasselbe, was das Cruor, d. h. die Aufl\u00f6sung der ganzen Blutk\u00f6rperchen, giebt. Mit anderen Worten, die chemische Absorption der CO, durch die Blutk\u00f6rperchen wird durch deren Hauptbestandteil\u2014das H\u00e4moglobin\u2014bestimmt.\nAm Ende der Tabelle ist ein an Wasser bei 37\u00b0\u201437,5\u00b0 C., d. h. bei der Temperatur des Blutes der W7armbl\u00fctler, angestellter Versuch angef\u00fchrt und der dieser Temperatur entsprechende L\u00f6sungscoefAcient, 0,569, gegeben. Wir haben oben gesehen, dass C02 durch beide Bestandteile des defibrinirten Blutes fast ebenso wie durch Wasser,\u2014nur etwas schw\u00e4cher,\u2014aufgel\u00f6st wird; aus diesem Grunde muss der L\u00f6sungscoeflicient der CO, im defibrinirten Blute demjenigen in Wasser fast gleichkommen. Denselben werden wir im Weiteren gleich 0,56 annehmen und nicht blos f\u00fcr das defibrinirte sondern auch f\u00fcr das normale Blut, da der durch Difibrinirung bewirkte Unterschied in der Zusammensetzung des Blutes nicht der Art ist, die L\u00f6slichkeit der Gase zu beeinflussen.\nZum Schluss noch eine Bemerkung. Beim Atmen kommt nicht defibrinir-tes sondern normales Blut in Betracht; die oben beschriebenen Versuche wurden dagegen an anormalem, durch Gerinnung ver\u00e4ndertem Blute angestellt. Folglich entsteht noch die Frage, ob die erhaltenen Resultate sich auf normales Blut \u00fcbertragen lassen.\nGegen das Blutserum hat ein solcher Einwurf seinen Grund und ist bis jetzt noch nicht n\u00e4her gepr\u00fcft worden; deshalb werde ich bei der weiteren Untersuchung der physiologischen Frage zwei F\u00e4lle im Auge haben: 1) wenn die am Blutserum erhaltenen Resultate auf das Plasma \u00fcbertragbar sind, d. h. wenn dieses, gleich dem Blutserum, CO, in Abh\u00e4ngigkeit von dem Druck chemisch bindet und 2) wenn eine solche\" Uebertragung nicht stattfinden kann, d. h. wenn das Plasma CO, chemisch unabh\u00e4ngig von dem Druck, oder richtiger in einer ebenso schwachen Abh\u00e4ngigkeit wie schwache Na,COs-L\u00f6sungen, absorbiert. Was nun die M\u00f6glichkeit anbetrifft, die Resultate, welche an den Blutk\u00f6rperchen des durch Gerinnung ver\u00e4nderten Blutes erhalten wurden, auf diejenigen des normalen zu \u00fcbertragen, so kann dar\u00fcber kein Zweifel herrschen, und zwar aus folgendem Grunde: die chemische Absorption von CO, durch die Blutk\u00f6rperchen des defibrinirten Blutes wird der Gr\u00f6sse und dem Charakter nach durch deren Hauptbestandteil, n\u00e4mlich das H\u00e4moglobin,","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"KOHLENS\u00c4URE DIFFUSION AUS DEM BLUTE BEIM ARTEN.\n15\nbestimmt; dieses aber erleidet, wie bekannt, bei der Blutgerinnung keine Ver\u00e4nderungen. Daher wird bei der Untersuchung der physiologischen Frage in beiden zu pr\u00fcfenden F\u00e4llen angenommen werden, dass die Blutk\u00f6rperchen des normalen Blutes die F\u00e4higkeit besitzen, CO, in grosser Menge und bedeutender Abh\u00e4ngigkeit von dem Druck zu binden.\nIch trete nun an die Untersuchung unserer Frage f\u00fcr die folgenden, als normal geltenden Bedingungen des respiratorischen CO,-Umtauschs heran.\nEin erwachsener Mann, der im Ruhezust\u00e4nde \u00ce.5 Mal in der Minute je ein Vol. Lungenluft mit 4\u00b0/0 CO, ausatmet, scheidet in 24 Stunden aus dem K\u00f6rper bis 900 gr. CO, aus. Diesen Verh\u00e4ltnissen entspricht durchschnittlich die Ausscheidung von 20 cc. CO, aus den Lungen mit jedem Atemzug oder 500 cc. in Y, beim station\u00e4ren 5%-igen CO,-Gehalt der Alveolenluft, entsprechend einer CO,-Spannung von 38 mm. Quecksilber. Andererseits wird auf Grund des normalen Kohlens\u00e4uregehalts im ven\u00f6sen Blut anerkannt, dass die S\u00e4ttigung dieses letzteren in den Geweben mit Kohlens\u00e4ure unter einer C0.2-Spannung von 50 mm. Quecks. stattfindet, wobei das Blut bei jedem Umlauf die ganze aufgenommene CO,-Menge an die Lungenluft abgiebt. Folglich scheiden sich aus dem Blute in die Lungenluft gleichfalls 300 ccm. CO, in 1' aus, und durchaus nicht weniger, da andernfalls CO,-Anh\u00e4ufung im Blute stattfinden w\u00fcrde.\nWollen wir nun sehen, auf welche Weise das Blut unter dieser Bedingung mit seiner Aufgabe fertig wird.\nBetrachten wir zuerst die CO,-Ausscheidung aus dem Blute in die Lungenluft f\u00fcr den Fall, wenn beide Bestandteile des Blutes, das Plasma und die Blutk\u00f6rperchen, CO, in Abh\u00e4ngigkeit vom Druck chemisch binden.\nDie Bedingungen zum Austritt aus dem Blute der in demselben aufgel\u00f6sten Kohlens\u00e4ure sind offenbar vorhanden (das Blut fliesst von den Stellen gr\u00f6sserer CO,-Spannnng nach der Stelle geringerer hin); es fragt sich aber, ob die Menge derselben gen\u00fcgt um die 300 cc. in Y zu decken. Das ist leicht zu berechnen f). Wenn der K\u00f6rper eines erwachsenen Mannes 5 Liter Blut enth\u00e4lt, und die ganze Blutmasse den K\u00f6rper (folglich auch die Lungen-capillaren) zweimal in Y durchl\u00e4uft, so l\u00f6st sich die Frage folgendermaassen. Es l\u00e4sst sich berechnen, wie viel Kohlens\u00e4ure bei 50 mm. Quecksil. und 37\u00b0\u2014 37,5\u00b0 C. in 10000 ccm. Blut, und wie viel in denselben 10000 ccm. bei gleicher Temperatur, aber geringerem Druck, n\u00e4mlich 38 mm., (da gerade diese CO,-Menge nach der Ausscheidung des Gases in die Lunge im Blute zur\u00fcckbleibt) sich aufl\u00f6st. Der L\u00f6sungscoefficient der Kohlens\u00e4ure im Blut (0,56) ist uns bekannt, folglich finden wir\n50\nbei 50 mm. Druck. 10000 X 0,56 X Yqqq \u2014 280\n90\n\u00ab 38\t>\t>\t10000 X 0,56 X jXqq = 212,8\n*) Zu gr\u00f6sserer Sicherheit des Schlusses sind absichtlich etwas gr\u00f6ssere Zahlenwerte genommen worden.","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"14\nKOHLENS\u00c4URE DIFFUSION AUS DEM BLUTE BEIM ATMEN.\nf Die Differenz 280 \u2014 212,8 = 67 stellt den im Blute aufgel\u00f6sten und in V aus dem Blute in die Lunge \u00fcbergegangen Teil des Gases vor.\nWoher kommen nun die fehlenden 233 ccm ?\nDieses Deficit kann offenbar nur durch die vom Blute schwach-chemisch gebundene CO, gedeckt werden, soweit eine dazu gen\u00fcgende CO,-Menge aus dem ganzen Vorrat derselben, der Spannungserniedrigung von 50 mm. auf 38 mm. entsprechend, sich ausscheiden kann.\nUm diese Frage zu entscheiden, f\u00fchre ich zwei an frischem defibrinirtem Hundeblut angestellte Versuche an.\nJV\u00bb\tV\tt\tP\tA\tV Chemische Absorption\nauf 100 Blut.\n12\t50,179\t37\u00b0\u201437,5\u00b0 C. 48,58\t16,456\t0,56\t30,07\n13\t>\t>\t30,15\t11,630\t0,56\t21,50\nDie Versuche zeigen, dass 100 ccm. Blut, bei dessen normaler Temperatur und circa 50 mm. Druck mit CO, ges\u00e4ttigt, beim Fallen des Drucks um 18 mm. 8^,5 ce, Gas abzugeben verm\u00f6gen; mit andern Worten, 100 Blut enthalten 8,5 ccm. CO,, welche mittels Diffusion in die Atmosph\u00e4re, mit einer um 18 mm. geringeren CO,-Spannung sich ausscheiden k\u00f6nnen.\nUm aber den C02-Mangel von 233 ccm. zu ersetzen, gen\u00fcgen schon (f\u00fcr eine Druckerniedrigung von 12 mm,), 2,5 ccm. aus dem Vorrat an scliwach-gebunder Kohlens\u00e4ure, weil 10000 ccm. dann 250 ccm. liefern w\u00fcrden; folglich ist der Ersatz des Mangels aus genannter Quelle sogar im Ueber-fluss m\u00f6glich, so dass das Blut, nachdem es das den Geweben Entlehnte den Lungen \u00fcbergeben hat und zu den Geweben zur\u00fcckgekehrt ist, vermag denselben aufs neue Gas zu entlehen, nicht nur im fr\u00fcheren sondern in erh\u00f6htem Grade, da der diffusionsf\u00e4hige Vorrat des chemisch-gebundenen Teils der CO, offenbar gr\u00f6sser als 2,5 auf 100 ccm. Blut ist.\nBetrachten wir jetzt den anderen Fall, wo die CO, von den Blutk\u00f6rperchen in Abh\u00e4ngigkeit vom Druck allein gebunden, vom Plasma aber gleich einer schwachen NaC03-L\u00f6sung, d. h. beinahe unabh\u00e4ngig von dem Druck, zwischen 50\u201438 mm. dieses letzteren, absorbiert wird.\nUnter solchen Bedingungen w\u00fcrden die mit CO, bis zur A erwandlung des Na, C03 in Bicarbonat einmal ges\u00e4ttigten Plasmaalkalien unf\u00e4hig werden sowohl der Lunge eine der Spannungdifferenz 50\u201438 entsprechende, merkliche Gasmenge abzugeben, als die C02 den Geweben zu entnehmen; und die ganze Arbeit des Umtausches w\u00fcrde auf den in beiden Bestandteilen des Blutes aufgel\u00f6sten Teil der C02 und auf den alleinig durch die Blutk\u00f6rperchen chemisch-gebundenen Teil derselben fallen. Die Gr\u00f6sse des aufgel\u00f6sten Teils, der in die Lungen \u00fcberzugehen vermag, w\u00fcrde die fr\u00fchere bleiben, n\u00e4mlich 67 ccm., und die Deckung des Deficits auf die CO, der Blutk\u00f6rperchen fallen. Die Blutk\u00f6rperchen nehmen 0,4 des Blutvolums ein, und wenn sie auf gleiche Volumina ebensoviel CO, binden w\u00fcrden wie das Serum, so w\u00fcrde im normalen Blut mit inactivem Plasma auf ihren Teil ein bis auf 0,4 reducirter Vorrat an chemisch schwacbgebundener CO, kommen.","page":14},{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"KOHLENS\u00c4URE DIFFUSION AUS DEM BLUTE BEIM ATMEN.\n15\nDie Blutk\u00f6rperchen binden aber bei circa 50 mm. Druck ungef\u00e4hr anderthalb-mal mehr C02 als das Serum; folglich w\u00fcrde auf ihren Teil, den Zahlenwerten der Yers. 12 und 13 gem\u00e4ss, die H\u00e4lfte von 8,5 ccm., oder sogar etwas mehr, der bei der Druckdifferenz 50\u201438 mm. diffusionsf\u00e4higen Kohlens\u00e4ure kommen. Es w\u00e4ren also die Blutk\u00f6rperchen allein im Stande, das Deficit von 233 ccm. durch die Abgabe von 2,5 ccm. C02 auf 100 Blut zu decken; m\u00f6glicherweise w\u00fcrden sie auch bei verst\u00e4rkter Bildung von CO\u201e in den Geweben (resp. verst\u00e4rkter Abgabe dieses Gases aus dem Blute in die Lungen) mit dieser Arbeit fertig werden, da bei der Ausatmung von Kohlens\u00e4ure aus dem Blute stets eine verst\u00e4rkte Ventilation der Lunge (Verst\u00e4rkung der Atembewegungen), d. h. Verminderung der C02-Spannung in den Lungenalveolen unter 38 mm. zu Hilfe kommt.\nTheoretisch w\u00e4re also der respiratorische C02-Wechsel sogar in dem Falle m\u00f6glich, wenn das Plasma unf\u00e4hig w\u00e4re, C02 in Abh\u00e4ngigkeit von dem Druck zu binden J).\nWelche Bedeutung h\u00e4tten dann aber die Alkalien des Blutplasma?\nDas Plasma sowohl des Blutes als der Lymphe w\u00fcrde die wichtige Bedeutung einer Vorratskammer f\u00fcr die Alkalien haben, welch letztere die fast ununterbrochen im K\u00f6rper sich entwickelnden und dem Organismus sch\u00e4dlichen S\u00e4uren, abgesehen von der Kohlens\u00e4ure, zu neutralisiren und in Gestalt unsch\u00e4dlicher Salze aus dem K\u00f6rper auszuscheiden verm\u00f6gen. Dabei d\u00fcrften die ins Blut gelangenden S\u00e4uren die Befreiung der chemisch-gebundenen C02 vermitteln und dadurch die verst\u00e4rkte Ausscheidung derselben durch die Atmung bedingen; trotzdem w\u00e4re diese Th\u00e4tigkeit keine respiratorische, da sie in keiner Verbindung mit der Atmung der Gewebe steht. Diese Nebenfunction behalten die Alkalien des Plasma offenbar auch dann, wenn dieses die C02 in Abh\u00e4ngigkeit vom Druck bindet.\nSomit beweisen die angef\u00fchrten Versuche,\ndass die Kohlens\u00e4ure aus dem Blute durch Diffusion ausgeatmet und die M\u00f6glichkeit dazu, abgesehen von der Aufl\u00f6sung des Gases, durch die schwache chemische Absorption desselben durch die beiden Hauptbestandteile des Blutes oder durch die Blutk\u00f6rperchen allein gegeben wird.\n*) Als einziges Argument gegen die M\u00f6glichkeit des respiratorischen COa-Umtausclies durch die alleinige Th\u00e4tigkeit der Blutk\u00f6rperchen w\u00fcrde die Thatsache dienen, dass sowohl der Mensch als die Tiere ungestraft grosse Blutverluste ertragen k\u00f6nnen; doch h\u00e4ngt diese F\u00e4higkeit vielleicht davon ab, dass hei starken Blutverlusten die Kohlens\u00e4ureentwicklung in den Geweben bedeutend abnimmt.","page":15}],"identifier":"lit37729","issued":"1905-1906","language":"de","pages":"9-15","startpages":"9","title":"Zur Frage nach der Kohlens\u00e4urediffusion aus dem Blut beim Atmen","type":"Journal Article","volume":"4"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:22:09.781710+00:00"}

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