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Das Globulin der Milch. Lactoglobin

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{"created":"2022-01-31T15:32:08.846203+00:00","id":"lit37733","links":{},"metadata":{"alternative":"Le Physiologiste Russe","contributors":[{"name":"Morochowetz, Leo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Le Physiologiste Russe 4: 48-96","fulltext":[{"file":"p0048.txt","language":"de","ocr_de":"Das Globulin der Milch.\nLactoglobin.\nSynonyme: Quark, fromage, caseum, K\u00e4se: schleimige oder k\u00e4seartige Substanz\u2014 Thouvenel, Four er oy, Meggenhofen u. a., Gallaelin\u2014D\u00f6bereiner, Quark und Zieger\u2014Sch\u00fcbler, k\u00e4seartiges Albumin\u2014Orfilla, Thyrin\u2014H\u00fcnefeld, Casein\u2014Blamville, Berzelius, Simon, Dumas f Cahours u. a., K\u00e4ses\u00e4ure (acide cas\u00e9\u00efque)\u2014Braconnot, A- und B- Casein\u2014Schlossberger und Mulder, Casein und Albumin \u2014 Quevenne. Doy\u00e8re u. a., Casein und Gallactin\u2014Morin, Casein und Lactoprotein\u2014Millon \u00abV Commaille, Alkalialbuminat\u2014K\u00fchne, Casein, Lactalbumin und Lactoprotein\u2014Cont-niaille, Casein und Gelactin\u2014Sehni, Caseoalbumin, Caseoprotalbin, und Caseoprot-albinin \u2014 Banilewski <V Radenhausen, Casein, Lactoglobulin und Lactalbumin\u2014Sebe-lien, a-, b- und c-Casein\u2014Pfeifer, a- und \u00df-Casein\u2014Struve, Thyrein\u2014Foster und\nLactoglobin\u2014Moroehowetz.\nVon Prof. Leo Moroehowetz.\nGeschichte der P r o t e \u00ef n k \u00f6 r p e r d e r Mi 1 c h bis z u m J alire 1850. 1. Arbeiten des XVIII Jahrhunderts. Die Darlegung der reichhaltigen dem Studium der Milch gewidmeten Literatur beginnen wir mit den Arbeiten, welche in der Mitte des XY1II Jahrhunderts erschienen und beschr\u00e4nken uns nur auf solche Thatsachen. welche in Bezug auf den Charakter der Protemsub-stanz der Milch ein Interesse bieten. Es versteht sich von selbst, dass wir in den ersten Mitteilungen der M\u00e4nner der Wissenschaft solchen Thatsachen begegnen m\u00fcssen, welche aus dem Schatze der vom Volke gesammelten Kenntnisse gesch\u00f6pft wurden, und deren historischen Schleier zu l\u00fcften es mir sowohl an Mut als an G eschicklichkeit gebricht.\nDie allbekannte Eigenschaft der Milch, unter der Einwirkung von Lab, verschiedenen Gr\u00e4sern, sauren Fl\u00fcssigkeiten, sowie auch unter dem Einfl\u00fcsse von Vorg\u00e4ngen, die bei mehr oder weniger langem Stehen unter Bildung von K\u00e4se (fromage, Quark, caseum) in der Milch selbst stattfinden, zu gerinnen, diente als Material f\u00fcr eine der ersten der Milch gewidmeten Arbeiten\u2014der Arbeit von Geoffroy (1732, 53 p. 22). Die Eigenschaft der Milch, beim Schlagen in Butter sich zu verwandeln und beim Sauerwerden Quark auszuscheiden, veranlassten Malouin (1755, 108 p. 90\u20141) die in dem Volksbewusstsein schon l\u00e4ngst gereifte Formel; \u201edie Milch besteht aus 3 Hauptteilen: Butter, Quark und Molken\u201c Q in die Literatur aufzunehmen. Um die Molken zu erhalten oder, was dasselbe ist, den Quark auszuscheiden, r\u00e4t Malouin die Milch mit Teilen gewisser Pflanzen, mit Citronensaft und, unter anderem, mit Cremor tartari (cr\u00e8me de tartre) im Verh\u00e4ltniss von 2 Gran\n') \u201eLe lait compos\u00e9 rte trois parties principales:\tqui est la partie fromageuse (ou le fromage) et du\nJe la cr\u00e8me, qui est la partie butireuse, du caill\u00e9,\tpetit lait qui en est la partie s\u00e9reuse\u201c (108 p. 92).","page":48},{"file":"p0049.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n49\nauf je eine Unze Milch zu kochen. Die Abscheidung des Quarks f\u00fchrte Malouin auch durch Kochen der Milch mit verschiedenen Arten von Wein (ib. p. 106) aus. Zu jener Zeit unterschied man schon, ihren chemischen Reactionen nach, die Milch von den protemhaltigen Fl\u00fcssigkeiten; so sieht Zetzell (1769, 194 p. 247) einen Unterschied zwischen der Milch und dem Blutserum darin, dass Essig, welcher auf das Serum keine sichtbare Wirkung aus\u00fcbt, die Milch zum Gerinnen bringt *). Noch in einer anderen Hinsicht ist es interessant, dass Malouin die Molken der Kuhmilch, welche durch Kochen mit Eiweiss von den suspendirten Teilchen nicht abgekl\u00e4rt ist. der Eselsmilch (108 p. 106) gleichstellte, und Rouelle (1773,130 p. 250) direct darauf liinwiess, dass nach dem Abdampfen des Milchserums, nachdem die Salze und der Zucker durch Auskrystallisiren entfernt worden sind, eine Substanz zur\u00fcckbleibt, welche dem R\u00fcckstand ein gallertartiges Aussehen verleiht. F\u00fcgen wir noch hinzu, das Rouelle hier dieselbe Erscheinung beobachtete, welche in der Folge Fourcroy am Blutserum wahrnahm: n\u00e4mlich die F\u00e4higkeit des Serums, nach der Entfernung des \u201eAlbumins\u201c durch Kochen, Gallerte zu bilden. Bei Haller MO p. 907) finden wir jedoch zur Gen\u00fcge Angaben dar\u00fcber, dass nach der Abtrennung des Quarks eine in der W\u00e4rme gerinnbare Substanz in dem Milchserum (Wadicke) vorhanden ist. Bei Thouvenel (1777, 188 p. 34) ist dieses 'Verhalten der Milch und deren Molken viel bestimmter ausgedr\u00fcckt. Thouvenel, der den Quark eine \u201eschleimige, k\u00e4seartige Substanz\u2014mati\u00e8re cas\u00e9euse, muqueuse\u201c nennt, stellt ihn, da er unf\u00e4hig ist beim Kochen aus der Milch auszufallen, demjenigen Teil der Prote'insubstanzen\u2014partie albumineuse\u2014anderer Fl\u00fcssigkeiten gleich, welcher in der W\u00e4rme ebenfalls nicht ausf\u00e4llt, aber unter der Einwirkung von S\u00e4uren gleich dem Casein, zu Boden f\u00e4llt 3). Zugleich nennt Thouvenel den Quark schon geradezu \u201epartie albumineuse\u201c (ib.) und weist darauf hin, dass der proteinartige Feil der Milch bei der Gerinnung nicht in seiner ganzen Masse sich ausscheidet, sondern ein Teil desselben in dem Serum zur\u00fcckbleibt und beim Kochen mit Creinor tartari ausf\u00e4llt (ib. p. 39). Andererseits findet Thouvenel, dass die Milch mit den anderen proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten vieles gemeinsam hat, da auch cmi-centrirte S\u00e4uren sowohl jene wie diese f\u00e4llen. So f\u00e4llen schwache S\u00e4uren die Milch, aber auch die proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gehen mit schwachen S\u00e4uren in einen gallertartigen Zustand \u00fcber. Etwas alkalinisirte Milch wird weniger leicht sauer (il), p. 36). Hewson vervollst\u00e4ndigt so zu sagen oder, richtiger gesagt, erkl\u00e4rt Thou-venel\u2019s Gedanken durch ein neues Beispiel, indem er die Milch mit Blutserum identiticirt, welches mit dem doppelten Vol. Wasser verd\u00fcnnt ist und deshalb die Eigenschaft eingeb\u00fcsst hat, beim Kochen zu gerinnen. Ein solches Blutserum scheidet wie die Milch beim Abdampfen eine Haut aus, welche Hewson t\u00fcr ein (f Gerinnsel h\u00e4lt; ausserdem gerinnt Blutserum bei Gegenwart von Lab ebenfalls. Hewson meint, dass die Milch aus derselben Protemsubstanz wie das Serum, doch mit e.nem Zusatz von Butter und Zucker (71p. 138) 3), besteht. Was den aus der Milch ausgeschiedenen Quark anbelangt, so h\u00e4lt ihn Fourcroy (1782, 49 p. 726) den IG brin f\u00fcr analog; in heissem Wasser verdichtet er sich wie dieses; Alkalien und be-\n.das sie (die Molken) aber keine gew\u00f6hnliche Milch ist, erhellet, weil sie mit Essig kei-i.oii K\u00e4se giebt....\u201c (194p. 247).\n-) . La mati\u00e8re muqueuse du lait, qu'on appelle ras\u00e9eiisc. n\u2019est pas coagul\u00e9e par l'action seule de la. chaleur, comme nous avons vu que l\u2019\u00e9tait la partie albumineuse des autres humeurs avec laquelle elle a d'ailleurs le plus grand rapport.\nEps acides concentr\u00e9s coagulent fortement l'une et l\u2019autre\u201c (188 p. 34)\n3) \u201eSo that milk seems to he made of the mucilaginous part (d. h. dem Albumin, p. n. 25) of the serum, or is a diluted serum, with the addition of an expressed oil, or with a saccharine substance.instead of the neutral salts\u201c (71 p. 139;.","page":49},{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"50\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nsonders Ammoniak l\u00f6sen mit S\u00e4ure irisch gef\u00e4llten Quark (ib. p. 727) rasch auf. Scheele (l 783, 147 p. 146). welcher \u00fcber den Quark mehr mitteilt als alle vorhergenannten Autoren, h\u00e4lt ausgeschiedenen Quark und geronnenes H\u00fchnereiweiss f\u00fcr vollkommen identisch '). Zugleich findet Scheele, dass bei gleichzeitiger Einwirkung von S\u00e4ure und W\u00e4rme der Quark rascher und vollst\u00e4ndiger ausf\u00e4llt. Der durch S\u00e4uren ausgeschiedene Quark l\u00f6st sich beim Kochen auf Kosten der vom Niederschlag zur\u00fcckgehaltenen S\u00e4ure auf. Ausserdem kann auch der s\u00e4mmt-liche Niederschlag in der kochenden Fl\u00fcssigkeit sich aufl\u00f6sen, doch unter Zusatz von nur so viel einer Minerals\u00e4ure, dass man sie kaum durchschmeckt. Mit dem 10-fachen \\ol. Wasser verd\u00fcnnte Milch wird von Minerals\u00e4uren nicht gef\u00e4llt; giebt man aber zu dieser sauren Fl\u00fcssigkeit eine concentrirte Minerals\u00e4ure zu, so f\u00e4llt der Quark wieder aus. Solche anges\u00e4uerte Milch wird auch von Alkalien und Kalk gef\u00e4llt, wobei aber der Niederschlag in einem Ueberschuss derselben l\u00f6slich ist; aus diesen L\u00f6sungen kann der Quark mit Essigs\u00e4ure wieder ausgef\u00e4llt werden (148 p. 251). Den durch Ans\u00e4uern der Milch mit Salzs\u00e4ure entstandenen Niederschlag sieht Scheele f\u00fcr eine ^ erbindung von Quark uncl S\u00e4ure an, womit er die Ausscheidung des Quarks durch S\u00e4uren aus frischer Milch zu erkl\u00e4ren w\u00fcnscht. Er schliesst daraus, dass der Quark in der Milch nicht, wie man glauben sollte, durch Alkalisalze in L\u00f6sung erhalten wird, und die Ausscheidung des Quarks nicht durch die Neutralisation dieser Salze zu erkl\u00e4ren ist. In diesem Gedanken wird Scheele noch mehr durch die Abwesenheit von Salpeter saurem Natrium in dem trocknen Niederschlage aus dem Filtrat nach der F\u00e4llung der Milch mit Salpeters\u00e4ure best\u00e4rkt (147 p. 147; 148 p. 250). Jedenfalls best\u00e4tigt Scheele nicht nur die L\u00f6slichkeit des durch S\u00e4uren ausgeschiedenen Quarks in Alkalien, sondern findet auch, dass derselbe aus den alkalischen L\u00f6sungen aufS' neue von S\u00e4uren ausgeschieden wird, sowie dass Ausf\u00e4llung des Quarks auch bei der S\u00e4ttigung kochender Milch mit neutralen Salzen stattfindet. Scheele beobachtete f\u00e4llung auch durch Metallsalze und neutrale Salze, sowie durch Zucker und arabisches Gummi (147 p. 140; 148 p. 250). Nicht weniger interessante und noch reichhaltigere Angaben finden wir hei Parmentier A Deyeux (1790, 130 p. 183, und in der Folge 131 p. 75), die zu ihren Untersuchungen durch spontanes Sauerwerden der Milch entstandenen . Quark benutzten. Der mit Wasser ausgewaschene Quark l\u00f6ste sich sowohl in Essigs\u00e4ure als in allen andern s e h r v e r d \u00fcnnten S\u00e4uren ~), w\u00e4hrend er von concentrirten S\u00e4uren nur verdichtet wurde (130p. 188\t9). Dabei machten schon Parmentier A Deyeux die Bemerkung, dass bei\nkeinem F\u00e4llungsprocesse der Quark sich vollst\u00e4ndig ausscheidet. Zwar bleibt nur ein unbedeutender Peil in L\u00f6sung, doch ist dieser reichlich genug, um sich beim Stehen, z. B. aus den Molken sogar in Flocken auszuscheiden 3). Das Ausfallen des Quarks aus der Milch beim Sauerwerden identificiren die Autoren mit der F\u00e4llung desselben durch S\u00e4uren, alkoholhaltige Fl\u00fcssigkeiten, arabisches Gummi, Zucker, Salze mit einem S\u00e4ure\u00fcberschuss, endlich durch alle schwefelsauren Salze, wobei die F\u00e4llung besonders glatt vor sich geht, wenn das Salz in die kochende Milch eingetragen wird. Auch Chlorammonium wurde zum F\u00e4llen genommen; es schied sich aber Salmiakgeist aus (131p. 84). Sehr interessant ist hier, bemerken wir gleich, der Hinweis auf die F\u00e4llung des Quarks durch Salze!\n') \u201eKein Stoff gleicht dem K\u00e4se mehr als gekochtes Eiweiss, welches in der That nichts anderes, als reiner K\u00e4se ist\u201c (147 p. 149; 148 p. 252). 2) \u201eQuel que soit le proc\u00e9d\u00e9 qu\u2019on emploie pour\nobtenir le s\u00e9rum, on ne peut le priver compl\u00e8te-teinent. de mati\u00e8re cas\u00e9euse\u201c (130 p. 191).\n() \u201eL\u2019acide du vinaigre et tous les acides tr\u00e8s-affaiblis la (mati\u00e8re cas\u00e9euse) dissolvent: ceux qui sont concentr\u00e9s la racornissent\u201c (130 p. 189).","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n51\nIm allgemeinen sehen die Autoren den Quark f\u00fcr H\u00fchnereiweiss an, wobei sie, in Bezug auf die Consistenz des Gerinnsels, der Kuli- und Ziegenmilch den ersten Platz einr\u00e4umen und das Coagulum ein gallertartiges (g\u00e9latineux) nennen; in zweiter Linie kommt die Schafmilch mit einem z\u00e4hen (visqueux) Coagulum und zuletzt die Frauenmilch, die bei keinerlei Behandlung ein Coagulum \"bildet, w\u00e4hrend die Esels- und Stutenmilch einerseits an die Ziegen- Kuh- und Schafmilch, andererseits an die Frauenmilch grenzt (130 p. 191). Zugleich empfehlen genannte Autoren ein sehr interessantes Verfahren zur Gewinnung der Molken: abgerahmte Milch kocht man in offenen Gef\u00e4ssen, entfernt die sich bildende Haut immer wieder, ersetzt das abnehmende Wasser von Zeit zu Zeit durch neues, bis zu dem anf\u00e4nglichen Volum. Schliesslich wird die Fl\u00fcssigkeit filtrirt, wobei klare Molken durchlaufen (ib. p. 187). Parmentier & Deyeux glauben, dass die weisse Farbe der Milch nicht durch das Fett sondern durch den Quark bedingt wird (47 p. 421). Diese Autoren sowohl als auch Fourcrov (46 p. 320) halten die beim Abdampfen sich immer wieder bildende Haut f\u00fcr Quark. Fourcroy aber identificirt diese dem \u201eAlbumin\u201c des Blutes (Palbumine du sang, ib. p. 332). Bourget (18 p. 270), Parmentier & Deyeux und mit ihnen Fourcroy identificiren im allgemeinen die Milch sowohl mit dein Blutserum als mit dem Eiweiss, insofern ein und dasselbe Albumin den Hauptbestandteil aller dieser Fl\u00fcssigkeiten bildet (ib. p. 270)! Etwas fr\u00fcher sagte Fourcroy aus, dass das Casein durch Alkalien in der Milch in L\u00f6sung erhalten und aus der Verbindung mit denselben durch S\u00e4uren ausgeschieden werde (45 p. 175). Parmentier & Deyeux\u2019s Beobachtungen werden auch noch von einer andern Seite her best\u00e4tigt. So gelang es Stiprian Luiscius (1794, 181 p. 569) nicht, Frauenmilch durch Lab zum Gerinnen zu bringen. Indem Clarke (23 p. 179) Russly\u2019s Versuche erw\u00e4hnt, welche gezeigt hatten, dass Lab Frauenmilch nicht coagulirt, findet er seinerseits, dass dieselbe nicht nur nicht von Lab, sondern auch, wie Versuchen gezeigt, von keiner der verschiedenen S\u00e4uren gef\u00e4llt wird. Nur im Falle spontanen Sauerwerdens findet man in dieser Milch unbedeutende, an der Oberfl\u00e4che schwimende Flocken (ib. p. 180), was den Autor zu der Aussage berechtigt, dass Frauenmilch entweder gar keinen Quark, oder nur in sehr unbedeutender Menge enth\u00e4lt (ib. p. 182).\nDie F\u00e4llbarkeit der Milchprotei'nk\u00f6rper unter der Einwirkung von neutralen Salzen best\u00e4tigt auch Plenk (136 p. 80), welcher, die oben dargelegten Ansichten im allgemeinen teilend, in der Wirkung der Alkalien und des Kalkes, der kohlensauren Alkalien und des kohlensauren Calciums einen Unterschied findet: dieses letztere Salz erzeugt, gleich dem Kalk, flockenartige Niederschl\u00e4ge in der Milch (ib. p. 82). Stiprian Luiscius & Bondt (181-ap. 139) beobachteten F\u00e4llung von Kuhmilch sowohl durch S\u00e4uren als auch durch Kaliumcarbonat, wobei in letzterem Falle gallertartige Massen entstanden. Auch Kalk scheint die Milch in den gallertartigen Zustand \u00fcberzuf\u00fchren. Der von S\u00e4uren erzeugte Niederschlag l\u00f6ste sich in Kaliumcarbonatl\u00f6sung auf (ib. p. 140). Zugleich fanden die Autoren, dass Ziegenmilch (ib, p. 252\u20143), Eselsmilch (ib. p. 266), Schafmilch (ib. p. 275) und Stutenmilch (ib. p. 347) sich ebenso verhalten. Eine Ausnahme bildet nur Frauenmilch, da sie weder von S\u00e4uren noch von Lab gef\u00e4llt wird (ib. p. 169), wenn man in letzterem Fall von einer schwachen Quarkausscheidung absieht. Bei diesen Autoren finden wir auch Angaben dar\u00fcber, dass Milchserum nach der Ausscheidung des Quarks durch Lab beim Erw\u00e4rmen noch zwei Niederschl\u00e4ge nacheinander ausscheidet; diese letzteren identificiren sie mit dem Albumin (ib. p. 147). Fourcroy (47 p. 400) macht gleichsam den Ueberschlag des Einflusses, den die chemischen Agentien auf die Milch aus\u00fcben, und erkl\u00e4rt, dass alle Salze, welcher Natur sie auch seien, die Milch zum\n4","page":51},{"file":"p0052.txt","language":"de","ocr_de":"52\nDAS GLOBULIN DEE MILCH.\nGerinnen bringen 1). Die Wirkung des Alkohols Avie auch diejenige der Salze verkn\u00fcpft Fourcroy eng mit der Abtrennung der Alkalien, infolgedessen der Quark aus der Milch ausf\u00e4llt (ib. p. 401). Gleich andern Autoren findet auch Fourcroy Quark in dem Filtrate sauer gewordener Milch; er geht aber noch weiter: er kocht die mit Lab anges\u00e4uerte Milch und entdeckt im Filtrat eine Protemsubstanz, die mit Metallsalzen, Tannin und Alkohol Niederschl\u00e4ge ausscheidet (ib. p. 402 u. 413). Doch verleiht diesen Thatsachen der Umstand, dass Fourcroy zur Kl\u00e4rung der Molken diese mit H\u00fchnereiweiss kochte (ib. p. 402), einen weit geringeren Wert. Um reines Casern zu erhalten, empfiehlt Fourcroy die abgerahmte Milch mit Alkohol zu f\u00e4llen, wobei der Quark entweder in Flocken oder als gallertartige Masse sich ausscheidet (ib. p. 414); der Niederschlag erinnert im allgemeinem an geronnenes Eiweiss und ist in Wasser nicht l\u00f6slich (ib. p. 417). In der Folge schl\u00e4gt Fourcroy zu demselben Zwecke vor, die Milch entweder mit S\u00e4uren zu f\u00e4llen oder auf dieselbe mit Lab einzuwirken (48 p. 596). Es ist interessant, dass Fourcroy \u00fcberall, wo er von der L\u00f6slichkeit des Quarks spricht, den Ausdruck \u201efrisch gef\u00e4llter, oder coagulirter\u201c (r\u00e9cemment pr\u00e9cipit\u00e9e ou coagul\u00e9e) (47 p. 419) gebraucht. Um diese Zeit sieht Fourcroy sich veranlasst zu erkl\u00e4ren, dass unter dem Worte Quark (fromage) im chemischen Sinne gerade das zu verstehen sei, was, seiner Meinung nach, unter dem Ausdruck mati\u00e8re cas\u00e9euse (48 p. 409) oder, nach Klaproth, K\u00e4se, k\u00e4siger Bestandtheil der Milch (88 p. 12) verstanden wird. Klaproth erw\u00e4hnt, dass Th\u00e9nard circa t/ft Stunde lang in Flaschen Rahm, durch welchen Kohlens\u00e4uregas durchgeleitet worden war, umsch\u00fcttelte, wobei vorz\u00fcgliche Butter, wenn auch keine reine, da dieselbe i/6 ihres Gewichts Casein enthielt, erhalten wurde (ib. p. 567; 186 p. 498).\nRechnet man hierher noch Thomson\u2019s (187 p. 200, 205) Angaben, mit denen er best\u00e4tigte, dass das Milchserum eine Prote'isubstanz enth\u00e4lt, welche in der W\u00e4rme ausf\u00e4llt, die Meinung aussagte, dass es bis dahin nicht gelungen w\u00e4re Frauenmilch zu coaguliren, weil dieselbe viel weniger Quark enth\u00e4lt, so kann man die Geschichte der Protemsubstanz der Milch w\u00e4hrend das XVIII Jahrhunderts f\u00fcr ersch\u00f6pft ansehen! Bemerken wir dabei, dass das XVIII Jahrhundert so zu sagen das Programm des Studiums des Caseins hinterlassen, indem es gewisse Grenzen gezogen hat, die es uns bis jetzt nicht m\u00f6glich gewesen ist zu \u00fcberschreiten. In der That, die Lehre von der L\u00f6slichkeit des Caseins auf Kosten der Alkalien oder Alkalisalze, von dessen F\u00e4llbarkeit aus der Milch in zwei oder sogar drei Perioden\u20141) beim Sauerwerden oder beim Ans\u00e4uern, 2) beim Kochen des Filtrats (der Molken) und 3) bei der Behandlung des Filtrats nach der zweiten F\u00e4llung mit Alkohol, Tannin oder Metallsalzen, hat bis jetzt, trotz ihres mehr als 100-j\u00e4li-rigen Alters, an Interesse nichts eingeb\u00fcsst!\n2. Besondere Benennungen f\u00fcr die verschiedenen Niederschl\u00e4ge der Milch. John (1817,81 p. 235), der an der Grenze der neuen Geschichte des Caseins steht, f\u00fcgt zu allem dem, was ihm aus den Beobachtungen fr\u00fcherer Autoren bekannt war, hinzu, dass auch mit kochendem Wasser gewaschener Quark nicht nur in den Alkalien sondern auch in den Alkalicarbonaten sich leicht l\u00f6st, und D\u00f6bereiner schl\u00e4gt vor (1819, 31 p. 410) den Quark, zum Unterschied vom Eiweiss, Galactin\u2014Milchstoff\u2014zu nennen. D\u00f6bereiner erkennt die Gegenwart von Quark sowohl in der Milch als auch im Milchsaft an. Mit Sch\u00fcbler\n) \u201eLes sels, de quelque nature qu\u2019ils soient,\tdes autres, et c'est ainsi qu\u2019ils d\u00e9composent et\nont tous une action assez grande sur les mat\u00e9-\tqu\u2019ils coagulent la liqueur\u201c (47 p, 400).\nriaux composans du lait pour les s\u00e9parer les uns","page":52},{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n53\nbeginnt die neue Geschichte der Proteink\u00f6rper der Milch (1818). Dieser Autor f\u00fchrt eine zwar volkst\u00fcmliche, jedenfalls aber vom Worte \u201eQuark\u201c verschiedene Benennung f\u00fcr den Teil der Proternsubstanz ein, welcher nach dem Ausfallen des Quarks, entweder durch spontanes Sauerwerden der Milch oder durch F\u00e4llung mit S\u00e4uren, zur\u00fcckbleibt und von den fr\u00fcheren Autoren \u201eK\u00e4serest\u201c genannt wurdet Diesen nach der Einwirkung von Lab auf die Milch in den Molken zur\u00fcckgebliebenen K\u00e4serest nannte Sch\u00fcbler, nach dem Beispiel der Sennhirten in den Alpen,______-\n\u201eZieger\u201c1). Um den Zieger auszuscheiden, wurde das filtrirte Milchserum in der Siedhitze mit 5%\u20146%-igem Essig behandelt (160 p. 561). Im Gegensatz zu den fr\u00fcheren Autoren, welche auch die Proternsubstanz des Milchserums f\u00fcr Quark hielten, war Sch\u00fcbler der erste,\tder\tzwischen\tQuark und\tZieger einen Unterschied fand' und\nzwar folgenden: 1)\tLab\tscheidet\tden Quark\tbei 30\u201437\u00b0 aus, w\u00e4hrend blosses\nKochen der Milch, ohne Lab, keine F\u00e4llung bewirkt, wohingegen der Zieger beim Erhitzen der Molken auf 75\u00b0\u2014100\u00b0 bei Gegenwart einer S\u00e4ure sich ausscheidet; doch scheidet sich, Scli\u00fcbler\u2019s Beobachtungen nach, Zieger aus den Molken schwachsaurer Milch auch schon bei blossem Kochen, ohne Zusatz von S\u00e4ure, aus- ausserdem setzen nach\tder\tF\u00e4llung\tdes Quarks\tdurch Lab erhaltene Molken nach\nmehreren Tagen sogar bei 19\u00b0 spontan einen Niederschlag von Zieger ab! 2) Der Quark verleiht der\tMilch die weisse Farbe,\tw\u00e4hrend die Molken, welche den\nZieger enthalten, klar sind und ins Gr\u00fcnliche spielen (ib. p. 566)! Diese unklaren, ganz \u00e4usserlichen Unterschiede erkl\u00e4ren sich unzweifelhaft und f\u00fcr einen jeden ganz nat\u00fcrlich\u2014in den gegeben F\u00e4llen durch den Unterschied der sich ver\u00e4ndernden anorganischen und organischen, nicht aber der prote\u00fcnartigen Bestandteile der Milch oder k\u00f6nnen denselben wenigstens zugeschrieben werden, demgem\u00e4ss die ver\u00e4nderten L\u00f6slichkeitsbedingungen erst in zweiter Linie in Betracht zu ziehen w\u00e4ren, und erst nach der Ausgleichung aller dieser Bedingungen von einem Unterschiede in den Eigenschaften der Proteinsubstanzen geredet werden sollte! Nichtsdestoweniger sind alle Autoren bis zu unserer Zeit Sch\u00fcbler\u2019s Spuren gefolgt. Die quantitativen Bestimmungen dieses Autors zeigten, dass das Verh\u00e4ltniss des Quarks zum Zieger in der Kuhmilch 100:18 ist; in der Ziegenmilch ist dieses Verh\u00e4ltniss schon geringer, und die Schaf-, Pferde- und Frauenmilch scheinen nur Zieger zu enthalten. Sch\u00fcbler best\u00e4tigt seine Angaben, indem er sich auf Spielmann\u2019s (ib. p. 369) Arbeit beruft, welcher gefunden hatte, dass in der Frauenmilch auf 1000 Teile nur 15 Teile Quark kommen. Sch\u00fcbler\u2019s Angaben nach, enth\u00e4lt das Colostrum mehr Zieger als Quark (ib. p. 576). Im allgemeinen sieht Sch\u00fcbler den Zieger f\u00fcr eine ihren chemischen Eigenschaften nach zwischen dem Quark und dem \u201eAlbumin\u201c des Eies stehende Substanz an, wobei das Colostrum die \u201eEigenschaft\u201c (?) besitzen soll, bei blossem Erw\u00e4rmen, ohne Zusatz von S\u00e4ure, sich niederzuschlagen (ib. p. 578). Wie unconsequent ein solcher Schluss \u00fcber die vom Zieger erworbenen Eigenschaften auch scheinen mag, erinnern wir daran, dass, Sch\u00fcbler\u2019s Ansicht nach, auch die Molken beim Stehen, ohne die Einwirkung einer von aussen eingef\u00fchrten S\u00e4ure, beim Kochen gerinnenden Zieger aussclieiden sollen (ib. p. 578).\nDoch schon damals sprach Bergsma sich dahin aus (1824,5 p. 239), dass der Zieger, wie zu erwarten war, nichts anderes als unter der Einwirkung der Milchs\u00e4ure in L\u00f6sung verbliebenes Casein sei. Auch Chevreul (1822,22 p. 138) nimmt nur einen Proteink\u00f6rper in der Milch an, giebt aber zu, dass der Quark\n*) ...... ich erw\u00e4hne hier des Ziegers als eines scheiden ihn allgemein als wesentlich verschieden\u201c\nvom eigentlichen K\u00e4se verschiedenen Bestand- (160 p. 561). theils der Milch; die Sennen der Schweitz unter-\n4*","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"54\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nin der Milch nicht nur im gel\u00f6sten Zustande sich befindet, wie die Autoren vor ihm angenommen hatten, sondern dass ein Teil desselben suspendirt ist. Auch bei Chevreul finden wir eine Angabe dar\u00fcber, dass, wenn frische Milch nach dem Kochen lange nicht gerinnt, gestandene (ancien) die Eigenschaft erwirbt, durch W\u00e4rme gef\u00e4llt zu werden. Derselbe Autor findet, dass Milch gleich Eiweiss von Aether gef\u00e4llt wird (ib. p. 143). Schliesslich beobachtete Chevreul, dass eine w\u00e4sserige Quarkl\u00f6sung in der W\u00e4rme einen Niederschlag ausscheidet (ib. p. 140).\nSoubeirain (176 p. 156) erkannte *) zwischen dem K\u00e4se und dem \u201eAlbumin\u201c einen scharfen Unterschied. So schl\u00e4gt Albumin in der W\u00e4rme sich nieder und ist in Ammoniakfl\u00fcssigkeit nicht l\u00f6slich, w\u00e4hrend Quark durch W\u00e4rme aus der Milch nicht ausgeschieden wird und in Ammoniakfl\u00fcssigkeit sich l\u00f6st. Offenbar werden hier zwei unausmessbare Gr\u00f6ssen verglichen: sog. \u201egeronnenes Albumin\u201c, d. ln durch W\u00e4rme in einen schwerl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergef\u00fchrtes Albumin und aus sauergewordener Milch ausgeschiedener, doch nicht durchgekochter K\u00e4se!\nWie bei der Geschichte des Albumins, darf auch bei derjenigen des Caseins nicht vergessen werden, dass, wie dort, die Eigenschaften so vielfach zusammengesetzter Fl\u00fcssigkeiten, wie es das Serum und das Eiweiss sind, auf da& Albumin \u00fcbertragen wurden, auch hier der Quark mit allen Eigenschaften der Milch ausgestattet wurde. Auch hier wird oft zwischen den Eigenschaften der Fl\u00fcssigkeit und denjenigen des aus derselben ausgeschiedenen Niederschlags eine Parallele gezogen.\nAusser dieser unserer Betrachtung gaben sich schon damals Ansichten kundr welche mit Soubeirain\u2019s Meinung in scharfem Widerspruch standen; so sprachen. Payen & Henry (1825, 132 p. 156) schon damals eine der Ansicht des genannten Autors entgegengesetzte aus. Indem sie ihren Untersuchungen ein sehr wichtige& Prinzip\u2014die gegebenen K\u00f6rper unter mehr oder weniger analogen Bedingungen zu pr\u00fcfen\u2014zu Grunde legten, bestrebten sich Payen & Henry bei der Gewinnung des-Quarks und des \u201eAlbumins\u201c den Einfluss einer mehr oder weniger hohen Temperatur auszuscliliessen, weshalb sie zur Gewinnung der Prote'ink\u00f6rper aus der Milch und dem Eiweiss diese Fl\u00fcssigkeiten mit Alkohol behandelten, und die erhaltenen Niederschl\u00e4ge auch mit Alkohol, dann mit Aether, dann wieder mit Alkohol und zuletzt mit kaltem Wasser wuschen ?). Darauf wurden die Niederschl\u00e4ge bei 8\u00b0 im luftleeren Baume getrocknet und zu Pulver verrieben; letzteres war in Wasser etwas l\u00f6slich (ib. p. 158). Die Quarkl\u00f6sung war etwns tr\u00fcbe und \u201egerann\u201c beim Kochen (ib, p. 159 u. 161)! Dasselbe wurde auch an den durch Alkohol erhaltenen Niederschl\u00e4gen aus Eiweiss (p. n. 125) beobachtet!\nMeggenhofen (115 p. 274) untersuchte die Milch von 19 gesunden und 5 kranken Frauen zu verschiedenen Zeiten der Puerperalperiode und fand, dass die Milch von 4\u20148 Tropfen einer S\u00e4ure und einer Salzl\u00f6sung gef\u00e4llt wurde, wobei diejenige einer k\u00fcrzeren Puerperalperiode eher gerinnt als einer l\u00e4ngeren, demge-\nf) Nach Payen\u2019s & Henry\u2019s (132 p. 156) \"Worten, dass Soubeirain dar\u00fcber eine Mitteilung in der pariser Pharmaceutischen Gesellschaft am 15 Okt. 1825 gemacht hatte. Im Journal de Pharmacie, wo die Sitzungsprotokolle der genannten Gesellschaft gew\u00f6hnlich abgedruckt wurden, fand ich auf Soubeirain\u2019s Mitteilung keine Hinweise.\ns) \u201eVoulant op\u00e9rer, autant que possible, dans les m\u00eames circonstances, et pr\u00e9venir les causes d\u2019alt\u00e9ration, nous avons cru devoir \u00e9viter l'action\nd une temp\u00e9rature un peu \u00e9lev\u00e9e, pour obtenir, soit de l\u2019albumine animale ou v\u00e9g\u00e9tale; et dans ce but, nous avons coagul\u00e9 par l'alcool le lait, l\u2019\u00e9mulsion des amandes, le blanc d'oeuf, le suc d\u2019une plante. Chaque pr\u00e9cipit\u00e9 a \u00e9t\u00e9 lav\u00e9 \u00e0 l\u2019alcool, puis trait\u00e9 successivement par l\u2019\u00e9ther sulfurique, l'alcool et l'eau froide. Ainsi trait\u00e9s on les fit s\u00e9cher dans le vide \u00e0 la temp\u00e9rature de 8\u00b0, et on les r\u00e9duisit ensuite en poudre\u201c (132 p. 158).","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n55\nmass leztere Milch also weniger Quark enth\u00e4lt. Im allgemeinen wurde eine jede Milch von Salzs\u00e4ure und Essigs\u00e4ure, von Bleizucker und Sublimat, sobald sie gew\u00e4rmt wurde, zum Gerinnen gebracht (ib. p. 274). Der Unterschied in den Angaben der verschiedenen Autoren l\u00e4sst sich, Meggenhofen\u2019s Ansicht nach, durch den Unterschied in der Zusammensetzung der Milch, sowie durch die Verschiedenheit der Eintragungsmethoden der Keagentien in die Milch erkl\u00e4ren, infolgedessen es verst\u00e4ndlich sei, dass Kuhmilch schwerer gerinnt als Frauenmilch (ib. p. 277). Das ist .aucli der Grund, weshalb Meggenhofen im Gegensatz zu Sch\u00fcbler, der in der Frauenmilch 2,7% Zieger und nur Spuren von Casein gefunden hatte, dieselbe Methode benutzend, fand, dass Lab aus der Frauenmilch (1 : 400\u2014500) wenn auch kein Coagulum wie aus Kuhmilch, so doch jedenfalls grosse Flocken ausscheidet; nach deren Abtrennung gab das Filtrat bei 100\u00b0 mit %\u201e destillirtem Essig einen Niederschlag von Zieger, wobei nach dessen Abtrennung Meggenhofen mit Gall\u00e4pfelaufguss noch einen dritten Niederschlag aus dem Filtrat erhielt Q. Dagegen hatte Sch\u00fcbler in der Frauenmilch 4,3\u00b0/0 Casein und 0,8% Zieger gefunden. Ganz nat\u00fcrlich stellt Meggenhofen die Frage an sich, ob die schwerere Gerinnbarkeit der Frauenmilch durch S\u00e4uren u. dergl. nicht vielleicht 1) von der Gr\u00f6sse des Caseingehalts, 2) von dem Unterschied in der chemischen Zusammensetzung dieses und jenes Caseins und 3) von einer Substanz, welche die Gerinnung des Caseins verhindert, abh\u00e4nge. Ohne eine directe Antwort zu geben, stimmt Meggenhofen mit Bergsma darin \u00fcberein, dass zwischen dem Quark und dem Zieger kein Unterschied besteht, und erkl\u00e4rt, dass durch die Einwirkung von Lab nur ein Teil des Quarks ausf\u00e4llt, w\u00e4hrend der \u00fcbrige Teil durch die andern Bestandteile der Milch in L\u00f6sung erhalten wird, bei erh\u00f6hter Temperatur unter der Einwirkung von S\u00e4uren sich jedoch ausscheidet, wobei die Aufnahme solcher seitens des Quarkniederschlags gewisse Abweichungen von den Eigenschaften des fr\u00fcher ausgefallenen a) (ib. p. 280) erkl\u00e4ren d\u00fcrfte. Diese einfache und nat\u00fcrliche Erkl\u00e4rung bezieht sich auch auf den von Meggenhofen erhaltenen dritten Niederschlag, was folgendes Schema deutlich zeigt:\nMilch\n-(- Lab bei 35c\n1-ster Niederschlag\n2-ter Niederschlag\nFiltrat Molken\n+ Essigs\u00e4ure bei 100\u00b0 Filtrat\nMolken (Sch\u00fcbler\u2019s) -f- Tannin\n3-ter Niederschlag\nFiltrat\n*) Seine Bestimmungen gaben:\nI II III\nTrocknes Casein........ 1,23\u20142,12\u20142,929\ntrocknen Zieger........ 1,04\u20140,27\u20140,407\nvom 3-ten Niederschlag. \u201e \u20140,11\u2014 \u201e\n(115 p. 282).\n-) \u201eUeberhaupt balte ich es mit Bergsma (Berzelius 4-te Jahresbericht p. 239) f\u00fcr nicht erwiesen, dass der Zieger eine vom K\u00e4sestoff verschie-\ndene Materie ist; es kann bei der F\u00e4llung der Milch durch Laabmagen mittels der \u00fcbrigen Bestandteile der Milch ein Theil des K\u00e4sestoffs gel\u00f6st erhalten werden, welcher dann, bei h\u00f6herer Temperatur und durch st\u00e4rkere S\u00e4uren, wie Essig, gef\u00e4llt, durch Aufnahme desselben an seinen Eigenschaften einige Abweichungen von dem zuerst gef\u00e4llten K\u00e4sestoff zeigen muss\u201c (115 p. 281).","page":55},{"file":"p0056.txt","language":"de","ocr_de":"56\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nSehr interessante Thatsachen erhielt Meggenhofen auch in Bezug auf Aether.. Nach dem Umsch\u00fctteln von Milch mit Aether gewahrte er nach einiger Zeit 3 Schichten: die obere bestand aus dem Aether sammt den Fetten, die mittlere\u2014 gallertartige\u2014-aus Case'in und die untere\u2014aus einer klaren Fl\u00fcssigkeit, welche noch Casein enthielt, da nach einem neuen Aetherzusatz die Schicht des gallertartigen Quarks gr\u00f6sser wurde (115 p. 282). Im Gegensatz zu Payen\u2019s Angabe, dass die 1 rauenmilch alkalisch reagirt, fand Meggenhofen, dass sie blaues Lakmuspapier r\u00f6tet.\nDas Studium der Beziehung des Quarks zu der Substanz, welche zu der Zeit \u201eAlbumin\u201c genannt wurde, gab Veranlassung zu der Benennung \u201eK\u00e4sealbumin\u201c, \u201ealbumine cas\u00e9euse\u201c, der wir bei Orfilla (127 p. 466) begegnen. Bei H\u00fcnefeld (79 p. 119) finden wir f\u00fcr den Quark die Benennung \u201eTyrin\u201c (tupo\u00e7-K\u00e2se). Dieser Forscher schied den Quark aus abgerahmter Milch mittels Schwefels\u00e4ure aus (ib. p.119). H\u00fcnefeld unterscheidet in der Milch Quark und Zieger und vergleicht sie mit dem Blute, indem er meint, dass wie in diesem das Fibrin, so in der Milch der Quark im unl\u00f6slichen Zustande enthalten sei (ib. p. 121). Bourdach best\u00e4tigt gleichsam diese Ansicht (17 p. 150), indem er sagt, dass dieselben Salze, welche die Blutgerinnung verhindern, auch die Gerinnung der Milch hintanhalten!\nAm Ende der 20-iger Jahre begegnen wir f\u00fcr den ausgeschieden Quark der Benennung \u201eCasein\u201c. Diesen Ausdruck scheint zuerst Blainville benutzt zu haben, da in seinem Lehrbuche (1829, 12 p. 325; 13 p. 340) unter den Benennungen der organischen Verbindung der Ausdruck \u201ecaseine\u201c. wenn auch ohne irgend eine Erkl\u00e4rung, steht.\nBraconnot (19 p. 837) zeigte schon damals, dass verk\u00e4uflicher gekochter und ausgewaschener K\u00e4se beim Erhitzen sich in 2,6%-igem Aetzkali aufl\u00f6st. Die alkalisch reagirende L\u00f6sung wurde abgedampft und getrocknet (ib. p. 338); das getrocknete Fr\u00e4parat nannte Braconnot \u201el\u00f6slicher K\u00e4se\u201c, und es l\u00f6ste sich auch wirklich sowohl in kaltem als in heissem Wasser (ib. p. 339). Um das Product zu reinigen, f\u00e4llte Biaconnot die erhaltene L\u00f6sung mit Schwefels\u00e4ure; der ausgewaschene und aufs neue durchgekochte K\u00e4se wurde in einer m\u00f6glichst geringen Menge Aetzkali unter Erw\u00e4rmen aufgel\u00f6st, und die noch warme L\u00f6sung mit dem gleichen Volum Alkohol gef\u00e4llt, der aus Casein bestehende unbedeutende Niederschlag wurde ent\u2014 fernt, worauf das Filtrat nach dem Abdampfen einen sauer reagirenden R\u00fcckstand hinterliess, den Braconnot deshalb, \u201eK\u00e4ses\u00e4ure, oder K\u00e4se\u2014acide cas\u00e9ine ou cas\u00e9um\u201c nennt, seihst aber eingesteht, dass ' die Asche dieses Pr\u00e4parats Kalium enth\u00e4lt (ib. p. 342). Wird zur F\u00e4llung der L\u00f6sung, anstatt Schwefels\u00e4ure, Essigs\u00e4ure genommen und der erhaltene Niederschlag in Wasser mit etwas Ammo-makfl\u00fcssigkeit aufgel\u00f6st und endlich diese ammoniakalische L\u00f6sung mit Alkohol gef\u00e4llt, so ist der ausgeschiedene Niederschlag in Wasser l\u00f6slich! Diese w\u00e4sserige K\u00e4sel\u00f6sung wird von Minerals\u00e4uren gef\u00e4llt, wobei unl\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge erhalten werden. Wird jedoch die L\u00f6sung mit einer hinl\u00e4nglichen Menge Wasser versetzt, so bewirkt verd\u00fcnnte Schwefels\u00e4ure weder in der W\u00e4rme noch bei gew\u00f6hnlicher Temperatur die Bildung eines Niederschlags, w\u00e4hrend bei Eintragung von Kalkwasser ein Niederschlag erhalten wird. Ebenso verh\u00e4lt sich gegen Schwefels\u00e4ure mit 2 Vol. Wasser verd\u00fcnnte Milch; beim Erw\u00e4rmen aber gerinnt die Mischung, was Braconnot durch die Gegenwart von phosphorsauren Kalk erkl\u00e4rt (ib. p. 343). Chlorwasserstoffs\u00e4ure ruft Niederschl\u00e4ge hervor, die in einem Ueberschuss derselben l\u00f6slich sind. Von Magnesiumsulfat wird die Caseinl\u00f6sung nicht gef\u00e4llt; wird aber das Gemenge leicht erw\u00e4rmt, so bildet sich ein Bodensatz (19 p. 346). Gibourt (54 p. 559) erhielt Niederschl\u00e4ge von Quark bei der Einwirkung sowohl von S\u00e4uren als von Alkohol und identificirt diese Niederschl\u00e4ge mit geronnenem \u201eAlbumin\u201c oder Fibrin.\t\u201d","page":56},{"file":"p0057.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n57\nDer Filtration, als eines Mittels die Milch vom Fett (den Milchk\u00fcgelchen) zu befreien, hatte zuf\u00e4llig auch schon J. M\u00fcller (1832, 121 p. 538) sich bedient. Die Milch wurde in ein Rohr gegossen, welches unten mit einer tierischen Membran verbunden war, unter welcher mittels einer Pumpe die Luft verd\u00fcnnt wurde; es erwies sich, dass bei einer gewissen Dicke der Membran die K\u00fcgelchen nicht hindurchdrangen. Nach M\u00fcller f\u00fchrte Donn\u00e9 vergleichende Versuche mit Milch und Blut aus. Das Fibrin mit dem Quark identificirend (32 p. 12; 33 p. 367), filtrirte er dabei die Milch mehrmals durch einen Papiertilter und erhielt eine ganz klare Fl\u00fcssigkeit, welche von S\u00e4uren gef\u00e4llt wurde. Diese Versuche veranlassten Donn\u00e9 zu der Annahme, dass der Quark in der Milch sich in gel\u00f6stem Zustande befindet (33 p. 367). Zur F\u00e4llung des Caseins benutzte Mulder (123 p. 9) Essigs\u00e4ure, mit der er die Milch bei 60\u201465\u00b0 ans\u00e4uerte. Um Casein zu erhalten, bediente sich Berzelius im Jahre\t1840 (8\tp. 677)\tdesselben\tVerfahrens, welches er schon 10 Jahre\nfr\u00fcher angewandt hatte (6 p. 556). Die abgerahmte Milch wurde mit verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure gef\u00e4llt und der auf dem Filter gesammelte und mit Wasser gewaschene Niederschlag mit Calcium- oder Baryumcarbonat bei Gegenwart von Wasser verrieben. Nach der Neutralisation der S\u00e4uren l\u00f6st sich das Casein, wie Berzelius erkl\u00e4rt, in Wasser, wobei er aber erw\u00e4hnt, dass auch die Erdalkalien in die L\u00f6sung \u00fcbergehen (8 p. 677). Aus einer solchen L\u00f6sung wird das Casein durch Erdalkalisalze ausgef\u00e4llt (6\tp. 566).\tZugleich\tempfiehlt\tBerzelius abgerahmte Milch\nmit Alkohol zu f\u00e4llen, den Niederschlag mit Weingeist zu waschen und die abgepresste Masse\tmit Aether zu\tbehandeln.\tDas auf\tdiese Weise gereinigte Casein\nl\u00f6st sich schon schwerer als in dem fr\u00fcher beschriebenen Falle. Nach Berzelius, f\u00e4llte Mulder die Milch mit Essigs\u00e4ure, wusch den Niederschlag mit Wasser aus und kochte ihn in\tAlkohol\t(8 p. 677). Im allgemeinem\tfindet Berzelius zwischen dem\nCasein und dem Albumin keinen Unterschied (ib. p. 679\u201480).\nSimon (172 p. 67\u20148) erhielt das Casein auf dieselbe Weise wie Berzelius, verrieb aber den durch F\u00e4llung mit einer S\u00e4ure erhaltenen Niederschlag mit gepulvertem Marmor und behandelte das Gemenge mit Wasser, wobei bei Gegenwart von Kalk eine Caseinl\u00f6sung erhalten wurde. Diese Caseinl\u00f6sung giebt aber mit Essigs\u00e4ure nur einen unbedeutenden Niederschlag (ib. p. 67). Ausser dieser Methode bediente sich Simon auch folgender: Kuh- oder Frauenmilch wurde bis zur Trockne verdampft, der R\u00fcckstand mit heissem Aether extrahirt, bis alles Fett ausgezogen war, dann in Wasser aufgel\u00f6st, die L\u00f6sung mit Alkohol gef\u00e4llt und der Niederschlag aufs neue in Wasser aufgel\u00f6st (ib. p. 68). Dennoch findet Simon zwischen dem Casein und dem Zieger keinen Unterschied (168 p. 264). Als Hauptmerkmal des Caseins sieht er dessen Unf\u00e4higkeit an, bei 75\u00b0 zu gerinnen (172 p. 71). Andererseits findet Simon (171 p. 257) auch keinen Unterschied zwischen dem Casein, dem Globulin oder dem Krystallin, d. h. der Substanz der Linse (p. n. 15)1 F\u00fcr eine der hervorragendsten Eigenschaften des Caseins h\u00e4lt er dessen L\u00f6slichkeit in siedendem Alkohol spec. Gew. 0,925 und dessen F\u00e4llbarkeit aus der sich abk\u00fchlenden alkoholischen L\u00f6sung, w\u00e4hrend es in absolutem Alkohol unl\u00f6slich ist. Bei der F\u00e4llung des Caseins mit dem gleichen Vol. Weingeist fand Scherer (149 p. 25), dass der Niederschlag beim Kochen in Weingeist zum Teil l\u00f6slich ist, ein Umstand, den Scherer durch die Gegenwart eines Alkali erkl\u00e4rt, dem das Casein seine L\u00f6slichkeit auch in der Milch verdanken soll. Andererseits l\u00f6st sich durch Neutralisation mit Essigs\u00e4ure gef\u00e4lltes Casein nicht mehr in Weingeist auf. Demgem\u00e4ss meint Scherer, dass das Casein in der Milch sich in Verbindung mit einem Alkali befindet (ib. p. 26). Im Widerspruch zu diesen Angaben findet Quevenne (1841,137 p. 263) auf Grund seiner Filtrationsversuche, dass das Casein in der Milch gr\u00f6ssten-","page":57},{"file":"p0058.txt","language":"de","ocr_de":"58\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nteils suspendirt ist, wie directe Bestimmungen der Casemmenge in der Milch vor und nach dein Filtriren gezeigt haben sollen (ib. p. 266). Vom methodischen Standpunkte aus ist es interessant zu erw\u00e4hnen, dass die Milch durch einen doppelten Filter filtrirt wurde und anf\u00e4nglich als tr\u00fcbe Fl\u00fcssigkeit durchlief, aber gegen Morgen schon in ganz klaren\tTropfen abtropfte (ib. p.\t268).\tDiese klare Fl\u00fcssigkeit\tnennt\nQuevenne 1) \u201enormales\tSerum\t(s\u00e9rum normal)\u201c\tund\tfindet, dass es in der W\u00e4rme\nbei 60\u00b0 anf\u00e4ngt sich zu tr\u00fcben und nach dem Erhitzen bis 100\u00b0 und nachfolgender Abk\u00fchlung Flocken ausscheidet, wobei zuweilen Flocken sich schon bei 75\u00b0\u2014 80\u00b0 zeigen. Diesen Niederschlag h\u00e4lt Quevenne in Anbetracht der Bedingungen, unter denen derselbe erhalten wurde, f\u00fcr Albumin, nach dessen Entfernung die Fl\u00fcssigkeit noch eine Protemsubstanz enth\u00e4lt, da bei abermaligem Kochen bei Gegenwart von S\u00e4uren ein neuer Niederschlag entsteht. Schon etwas fr\u00fcher (ib. p. 115) hatte Quevenne die Gegenwart von Albumin in der Milch zugegeben und fand nun factische Best\u00e4tigungen\tseiner\tAnnahme (ib. p.\t287).\tDie filtrirte, farblose\tMilch\nwird mit Aether, besser mit\tAlkohol gef\u00e4llt;\tnach\tder F\u00e4llung mit einer\tS\u00e4ure\nbewirkt Alkohol beim Kochen noch das Ausfallen einer Protemsubstanz. So scheiden sich bei einfachem Kochen 0,62\u00b0/o, bei der Einwirkung von W\u00e4rme und einer S\u00e4ure\u20140,21% und, endlich, durch Alkohol noch 0,06% einer festen Substanz aus. Den ersten dieser Niederschl\u00e4ge\u2014denjenigen, der sich beim Kochen filtrirter, entf\u00e4rbter Milch, wiederholen wir, bildet\u2014charakterisirt Quevenne folgendermaassen: an der Oberfl\u00e4che matte, im Bruche gl\u00e4nzende, harte, aber zerreibbare St\u00fccke Q.\nErw\u00e4hnen wir gleich hier, dass sowohl diese Beschreibung des Niederschlags als auch die von E. Maljutin (109 p. 245) in unserm Laboratorium ausgef\u00fchrten Beobachtungen zu Gunsten des krystallinischen Charakters dieses Niederschlags, in welchem Maliutin Calciumphosphat fand, zeugen. Somit konnte dieser Niederschlag in keinem Falle Albumin sein, wie Quevenne und in sp\u00e4terer Zeit Zahn (193 p. 598) behaupteten, nat\u00fcrlich unter der Bedingung, bemerken wir, dass die Milch sich nicht in der S\u00e4uerungsperiode befand. Was den zweiten und dritten Niederschlag anbetrifft, so bestanden unzweifelhaft beide aus einer Protemsubstanz. Zur Charakteristik der Urteile dieser Autoren ist es interessant zu bemerken, das Quevenne in dem zweiten Niederschlage schon Case\u00efn zu sehen glaubte, da derselbe nicht durch einfaches Kochen sondern erst bei Gegenwart einer S\u00e4ure erhalten wurde, w\u00e4hrend der erste bei blossem Kochen ausf\u00e4llt, folglich Albumin vorstellt 2)! Auch den dritten Niederschlag sieht Quevenne f\u00fcr Albumin an (137 p. 292\u20143). Bei Quevenne finden wir eine Angabe auch dar\u00fcber, dass sowohl durch Filtration entf\u00e4rbte Kuhmilch als auch gew\u00f6hnliche Frauenmilch beim Sch\u00fctteln mit Aether zwei Schichten bildet: eine obere gallertartige und eine untere fl\u00fcssige (ib. p. 359),\nDumas & Cahours (41p. 411) schienen nicht zu wissen, dass Blainville, Berzelius und Simon den Ausdruck \u201eCasein\u201c schon gebraucht hatten, und schlugen ihrerseits, nach dem Beispiel vieler Chemiker, welche auf dieselbe Art eine gew\u00f6hnliche Benennung in einen gelehrten Ausdruck verwandelten, vor 3), den Quark der Milch \u201ecas\u00e9ine\u201c zu nennen, was, ihrer Ansicht nach, dadurch gerechtfertigt er-\n*) \u201eLa premi\u00e8re de ces substance est en fragments blonds, ternes a leur surface, brillants dans leur cassure, durs, mais friables\u201c (137 p. 290).\n2) \u201e... puisqu\u2019elle n\u2019a pu se coaguler seule par la chaleur, et qu\u2019elle l\u2019a fait sous l\u2019influence d\u2019un acide, c\u2019est du cas\u00e9um. Quant \u00e0 la premi\u00e8re,\ndisons que quand un serum de lait frais et normal peut former un coagulum floconneux par le\nsimple effet de l\u2019\u00e9bullition, il faut admettre qu\u2019il contient de l\u2019albumine\u201c (137 p. 290).\n3) \u201eComposition de la cas\u00e9ine. Nous d\u00e9signons sous ce nom le cas\u00e9um du lait; en changeant la terminaison de ce mot nous ne faisons d\u2019ailleurs que suivre l\u2019exemple donn\u00e9 par quelques chimistes. L\u2019analogie extr\u00eame entre l\u2019albumine et la cas\u00e9ine explique et justifie ce changement\u201c (41 p. 411).","page":58},{"file":"p0059.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n59\nscheint, dass das Casern dem Albumin sehr nahe steht. Aus Frauenmilch f\u00e4llten Dumas & C ah ours das Casein mit Alkohol nach Versetzung der Milch mit dem gleichen \"Volum Wasser (ib. p. 415) aus; aus Kuhmilch dagegen erhielten sie es in einem in Wasser unl\u00f6slichen Zustande. Sie meinen, dass es in wasserl\u00f6slicher Gestalt ziemlich schwer zu erhalten sei, und sehen den l\u00f6slichen und den unl\u00f6slichen Zustand des Caseins f\u00fcr eine Dimorphismuserscheinung (ib. p. 411) an. Diese Idee genannter Autoren gleichsam best\u00e4tigend, fand Boucliardat (16 p. 966), dass das durch Filtration aus der Milch 48 Stunden nach dem Sauerwerden derselben ausgeschiedene Casein in Salzs\u00e4ure 0,0005 ohne R\u00fcckstand sich l\u00f6ste! Lehmann und Messerschmidt (101 p. 235) finden ausserdem noch, dass die in einer Casein-l\u00f6sung durch Milchs\u00e4ure hervorgerufene Opalescenz verschwindet, wenn Neutralsalze eingetragen werden.\nRochieder (142 p. 2531, den die Verschiedenheit der Angaben \u00fcber die L\u00f6slichkeit des Caseins wunderte, schlug seinerseits im Interesse der L\u00f6sung dieser Frage ein neues Verfahren zur Gewinnung des reinen Caseins vor. Frische Milch wurde unter Erw\u00e4rmen mit verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure gef\u00e4llt, der Niederschlag unter Dureh-kneten mit den H\u00e4nden mehrmals mit Wasser gewaschen, wonach das Casein bei Zimmertemperatur mit einer ges\u00e4ttigten Natriumcarbonatl\u00f6sung so lange digerirte, bis die ganze Masse in eine syrup\u00e4hnliche Fl\u00fcssigkeit sich verwandelt hatte. Danach liess man das Gemenge abstehen, damit das nach oben steigende Fett sich abtrenne, f\u00e4llte die Fl\u00fcssigkeit aufs neue mit Schwefels\u00e4ure, wusch den Niederschlag wieder mit Wasser u. s. w. Die L\u00f6sungs- und F\u00e4llungsprocedur wurde bis dreimal vorgenommen (ib.p. 256). Das auf solche Weise erhaltene Casein enth\u00e4lt, wie Rochieder erkl\u00e4rt, Schwefels\u00e4ure und ist, namentlich bei h\u00f6herer Temperatur, in Wasser l\u00f6slich. Bei der Behandlung mit Natriumcarbonat scheidet eine solche L\u00f6sung Niederschl\u00e4ge aus, die in einem ganz unbedeutenden Ueberschusse desselben Salzes l\u00f6slich sind (ib. p. 257). Bei energischerem Auswaschen des reinen Caseins mit Wasser kann die zur\u00fcckgehaltene S\u00e4ure leicht entfernt werden, wobei das Casein seine Wasserl\u00f6slichkeit einb\u00fcsst (ib. p. 258). Unter anderem beobachtete Rochieder, dass der aus einer alkalischen oder sauren L\u00f6sung durch entsprechende Neutralisation erhaltene Niederschlag in beiden F\u00e4llen sauer (auf Lakmus) reagirt, was sogar nach dem Kochen des Caseins in Wasser oder nach dem Erhitzen desselben bis 45\u00b0 statt hat; dem Wasser aber teilt sich die saure Reaction nicht mit (ib. p. 261), Das Casein l\u00f6st sich leicht in kohlensauren Alkalien, aus denen es durch S\u00e4uren ausgef\u00e4llt wird, wobei es in einem unbedeutenden Ueberschusse dieser sich wieder aufl\u00f6st. Wie Scherei vor ihm, so zieht auch Rochieder aus diesen Thatsachen den Schluss, dass das Casein an sich selbst in Wasser unl\u00f6slich ist, und dessen L\u00f6slichkeit in der Milch, in Wasser u. dergl. durch seine Verbindung mit Kalium, Natrium und Calcium bedingt wird, demgem\u00e4ss die F\u00e4llung des Caseins auf der Verbindung der S\u00e4ure mit der Base beruht (142 p. 262).\nZu \u00e4hnlichen Schl\u00fcssen gelangt auch Heidlen (59 p. 263). Von der Hypothese ausgehend, dass das Casein in der Milch auf Kosten der Alkalien l\u00f6slich ist, l\u00f6ste Hai dien Casein in Wasser auf, welches mit etwas Calciumphosphat und -einer unbedeutenden Menge Aetznatron versetzt war. Haidien fand, dass die erhaltene L\u00f6sung, soweit es das Casein betraf, alle Eigenschaften der Milch besass, d. h. durch eine geringe Menge S\u00e4ure sowie auch durch W\u00e4rme bei Gegenwart von Erdalkalisalzen gef\u00e4llt wurde. Auch Liebig (105 p. 177) nimmt an, dass die L\u00f6slichkeit des Caseins in der Milch durch phosphorsaures und freies Alkali bedingt wird, wobei die Fl\u00fcssigkeit zwar sauer reagirt, das Casein in seinem nat\u00fcrlichen unl\u00f6slichen Zustande jedoch nur durch Einwirkung einer freien","page":59},{"file":"p0060.txt","language":"de","ocr_de":"60\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nS\u00e4ure angeschieden wird! Eingehender ist diese Lehre bei Scherer (1844, 150 p. 453) dargelegt. Das Case'in in Wasser f\u00fcr unl\u00f6slich haltend, verkn\u00fcpft Scherer dessen L\u00f6slichkeit in der Milch mit der Gegenwart von Kalium, Natrium und Calcium in derselben, aus deren Verbindung das Casein durch S\u00e4uren ausgeschieden wird, und nun in einem unbedeutenden Ueberschusse dieser, namentlich in Weins\u00e4ure oder Essigs\u00e4ure, l\u00f6slich ist. Doch sei blosse Neutralisation umgen\u00fcgend, da das Case'in ausf\u00e4llt, wenn mehr S\u00e4ure als zur Neutralisation notwendig ist, zugesetzt wird. Diese Thatsache bringt Scherer mit dem L\u00f6sungsverm\u00f6gen des gebildeten Salzes in Verbindung, da das Eintr\u00e4gen von Salzen das Casein in L\u00f6sung J) erh\u00e4lt, wobei aber schon blosses Erw\u00e4rmen F\u00e4llung bewirkt. In diesem Zustande entspricht das Casein (Milch) Scherer\u2019s Meinung nach, dem Albumin (Serum). Aus einer k\u00fcnstlichen salzfreien L\u00f6sung f\u00e4llt das Casein schon bei der Neutralisation aus, aber Kochsalz- oder Salpeterzusatz zur Milch verhindert die F\u00e4llung des Caseins, wenn die Milch auch sauer geworden sein sollte. In diesem Falle wird das Casein gleich dem Albumin aus seiner concentrirten L\u00f6sung durch Kochen ausgeschieden. Nach dem Abfiltriren des Caseins aus sauergewordener Milch scheiden die Molken beim Kochen einen Niederschlag aus; Scherer\u2019s Deutung nach, ist es nichts anderes als Casein, welches infolge der ver\u00e4nderten Versuchsbedingungen \u00e4usserlich die Eigenschaften des Albumins angenommen hat, d. h. beim Kochen coagulirt, aber nach dem Sauerwerden der Milch, infolge der Gegenwart von Salzen in den Molken der Milch, in L\u00f6sung bleibt * 2). Demgem\u00e4ss und in Anbetracht dessen, dass die L\u00f6slichkeit des Caseins durch Alkalien bedingt wird, behauptet Scherer, das es das Alkali ist, welches den Unterschied in den Eigenschaften des Caseins und des Albumins 3) bedingt (soweit diese Eigenschaften, f\u00fcgen wir hinzu, an den die genannten K\u00f6rper enthaltenden Fl\u00fcssigkeiten erforscht worden sind); Scherer\u2019s Meinung nach, besitzt mit einer geringen Menge Alkali versetztes Blutserum alle Eigenschaften des Caseins (Milch). Der Unterschied zwischen dem Albumin und dem Case'in, Gerinnung des Albumins in der W\u00e4rme, verschw\u00e4ndet bei der Verd\u00fcnnung des Blutserums mit Wasser (150 p. 453). Desgleichen b\u00fcsst mit einer geringen Alkalimenge versetztes Serum nicht nur die F\u00e4higkeit ein, in der W\u00e4rme zu gerinnen, sondern scheidet beim Abdampfen, gleich der Milch, eine Haut aus, und, was noch wichtiger ist, das Albumin ist in Gegenwart eines Alkali ebenso l\u00f6slich in siedendem Alkohol wie das Case'in und scheidet sich ebenso wie dieses bei der Abk\u00fchlung der alkoholischen L\u00f6sungaus. Doch giebt Scherer zu, dass f\u00fcr gew\u00f6hnlich \u201eEssigs\u00e4ure als sicherstes Mittel dienen kann\u201c, das Case'in vom Albumin zu unterscheiden 4), da die Milch von Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt, das Albumin\u2014das Blutserum\u2014gel\u00f6st ward (ib. p. 454).\n*) \u201eWird die S\u00e4ure vorsichtig, d. h. nur bis zur Neutralisation, zugesetzt, so bleibt das von seinem Alkali getrennte Casein doch noch in L\u00f6sung, und zwar wahrscheinlich durch die Salze der Milch, da man durch k\u00fcnstlichen Zusatz von Salzen dieses bef\u00f6rdern kann, und es scheidet sich erst der K\u00e4sestoff in unl\u00f6slichem Zustande ab, wenn die Fl\u00fcssigkeit erw\u00e4rmt wird. Es verh\u00e4lt sich demnach das Casein hier gerade so wie Albumin\u201c (150 p. 453).\n2)\t\u201eIn frischer Milch bemerkt man heim Kochen keine in Flocken gerinnbare Substanz; ist dage-\ngen die Milch sauer geworden, so wird durch\nErhitzen der Molken ein flockiges Coagulum erhalten (Zieger). Es ist dies offenbar nichts An-\nderes, als ein Casein, was durch Auftreten der Milchs\u00e4ure in Albumin, d. h. in einen beim Erhitzen coagulirenden, durch die Salze der Milch bei gew\u00f6hnlicher Temperatur gel\u00f6st bleibenden K\u00f6rper, \u00fcbergegangen ist\u201c (150 p. 453).\n3)\t\u201eDas Casein ist in der Milch, wie ich zuerst gezeigt habe, an Alkali gebunden, und es ist dieses Alkali auch die Ursache der Verschiedenheit in dem Verhalten desselben von dem Albumin\u201c (150 p. 453).\n4)\t\u201eObwohl das Albumin durch Behandlung mit verd\u00fcnnten kaustischen Alkali auch gegen Essigs\u00e4ure dasselbe Verhalten annimmt wie das Casein, so l\u00e4sst sich doch f\u00fcr die gew\u00f6hnlichen F\u00e4lle (!) dieses Reagens als das sicherste Unter-","page":60},{"file":"p0061.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n61\nWir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass wir hier derselben Erscheinung wie in der Geschichte des Albumins begegnen, n\u00e4mlich dass die Eigenschaften der Fl\u00fcssigkeiten unmittelbar auf die in denselben enthaltenen Prote\u00fcnk\u00f6rper, \u00fcbertragen werden. Wenn Scherer einerseits ganz folgerichtig urteilte, indem er das Casein mit dem Albumin, dem Albumin seiner Zeit, Denis\u2019 Albumin u. s. w., d. h. mit dem heutigen Seroglobin identificirte, so sieht er andererseits, dem Beispiel der \u00fcbrigen Autoren folgend, die Reactionen des Blutserums und der Milch f\u00fcr Eigenschaften des Caseins und des Albumins an, trotzdem er, wie wir gesehen, selbst Verfahrungsweisen vorschl\u00e4gt, welche eine dieser Fl\u00fcssigkeiten der anderen in Bezug auf die Albumin und Casein enthaltenden Proteinsubstanz gleichstellen. Nicht genug: wir finden bei Scherer an derselben Stelle die Aussage, dass, wenn das Alkali dem Casein entzogen ist, dieses seinen Eigenschaften nach sich ver\u00e4ndert und die F\u00e4higkeit einb\u00fcsst, durch Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt zu werden ').\nWas die Gewinnungsmethode des Caseins anbetrifft, so benutzt Scherer zur F\u00e4llung abgerahmter Milch Schwefels\u00e4ure und behandelt den Caseinniederschlag, wie die anderen Autoren von Berzelius an, mit kohlensaurem Kalk oder Baryt; zum Unterschiede von dem letztgenannten Forscher behauptet aber Scherer, dass dabei eine Verbindung des Caseins mit dem Kalk oder dem Baryt stattfindet, infolge dessen das Pr\u00e4parat in Wasser l\u00f6slich wird, w\u00e4hrend das unl\u00f6sliche Casein durch einfache F\u00e4llung mit S\u00e4uren oder durch Kochen des schon ausgeschiedenen Caseins erhalten wird (ib. p. 456). Endlich wird das Casein auch noch durch Kochen mit Gypswasser gef\u00e4llt; auch geben kohlensaures Baryt oder kohlensaurer Kalk beim Erw\u00e4rmen oder Abdampfen unl\u00f6sliche Niederschl\u00e4ge (ib. p. 455). Ferner findet Scherer zwischen dem Casein der Frauenmilch und demjenigen der Kuhmilch keinen Unterschied und erkl\u00e4rt die Verschiedenheit der Pteactionen durch die Zusammensetzung dieser und jener Milch (150 p. 454). Anderseits weist Dumas (1845, 39 p. 717) auf die Aehnliclikeit zwischen Plundemilcli und der Milch der Pflanzenfresser hin, wobei aber erstere von der Milch letzterer dadurch sich unterscheidet, dass sie beim Kochen gerinnt; Frauenmilch gerinnt durch Alkohol, wird aber weder durch W\u00e4rme noch von S\u00e4uren gef\u00e4llt. Weiter muss bemerkt werden, dass Dumas der erste Forscher gewesen zu sein scheint, der gezeigt hat. dass nach der S\u00e4ttigung der Milch mit Kochsalz die Filtration eine ganz klare Fl\u00fcssigkeit ergiebt, welche nur l\u00f6sliches Casein enth\u00e4lt! Der Niederschlag, welcher Dumas\u2019s Ansicht nach aus Milchk\u00f6rperchen besteht, konnte ungeachtet sorgf\u00e4ltigen Waschens mit einer Salzl\u00f6sung vom Casein2), welches einen derartigen Niederschlag immer begleitet, nicht befreit werden (ib. p. 717). Auch Figuier schl\u00e4gt vor behufs Entfernung der Milchk\u00fcgelchen die Milch mit 2 Vol. Natriumsulfatl\u00f6sung ]6\u201418\u00b0 Baum\u00e9\" zu vermischen und dann zu filtriren. Das ganz klare Filtrat scheidet beim Kochen mit Essigs\u00e4ure einen Niederschlag aus (44 p. 507).\nIn der Folge erkl\u00e4rte Dumas (1846,40 p. 632), dass der von Sch\u00fcbler angenommene Zieger nichts anderes als der Caseinrest sei, der in einigen Provinzen Frankreichs \u201ebroute\u201c (ib. p. 632) genannt wird.\nscheidungsmittel zwischen beiden Stoffen anwen-den, indem durch die Essigs\u00e4ure, wenn sie nicht im Uebermaasse angewendet wird, das Albumin in der K\u00e4lte nicht, das Casein aber fast vollst\u00e4ndig gefallt wird1' (150 p. 454).\n\u2018) \u201eDenn ist einmal durch Bildung oder Hinzukommen einer freien S\u00e4ure das Alkali des Caseins hinweggenommen, dann hat dasselbe, sowie \u00fcberhaupt seine Eigenschaften, so auch die der F\u00e4llung durch die Essigs\u00e4ure verloren\u201c (150p. 454).\n2) \u201eSi l\u2019on dissout du sei marin \u00e0 saturation dans le lait, la filtration de ce liquide donne un s\u00e9rum parfaitement limpide contenant tout le cas\u00e9um soluble, le sucre du lait et les sels. Les globules du lait restent tous sur le filtre. Or, malgr\u00e9 des lavages prolong\u00e9s \u00e0 l\u2019eau sal\u00e9e, j\u2019ai toujours retrouv\u00e9 une mati\u00e8re cas\u00e9euse au beurre de ces globules, et, cons\u00e9quemment, insoluble dans l\u2019eau sal\u00e9e\u201c (39 p. 717).","page":61},{"file":"p0062.txt","language":"de","ocr_de":"\u20ac2\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nWeiter findet Els\u00e4sser (42 p. 84\u2014100), dass der einzige Unterschied zwischen Frauen- und Kuhmilch das Coagulum sei, welches in beiden durch Behandlung mit der Schleimhaut des Magens erhalten wird. Frauenmilch scheidet ein lockeres und gel\u00e9eartiges, Kuhmilch dagegen ein dichtes Coagulum aus, was, nach Els\u00e4sser, durch den gr\u00f6sseren Case'mgehalt der Kuhmilch (ib. p. 100) sich erkl\u00e4ren lasse. Ew\u00e4hnen wir unter anderem, dass Els\u00e4sser bei der Untersuchung der Milch von 386 Ammen fand, dass dieselbe entweder alkalisch oder neutral reagirte.\nSchlossberger (152 p. 92) f\u00e4llte abgerahmte Kuhmilch unter Erw\u00e4rmen mit Chlorwasserstoffs\u00e4ure, seihte die Fl\u00fcssigkeit durch Leinwand und wusch den Niederschlag mit verd\u00fcnnter Salzs\u00e4ure, wobei derselbe ein gallertartiges Aussehen hatte und in Wasser, welches eine geringe Quantit\u00e4t S\u00e4ure enthielt, bei wenig erh\u00f6hter Temperatur sich aufl\u00f6ste; nachdem das an die Oberfl\u00e4che gestiegene Fett abgehoben war, wurde ein ganz klares Filtrat erhalten. In diesem Filtrat erzeugten kleine Mengen Ammoniumcarbonat (ib. p. 92) leicht einen Niederschlag. Schlossberger sammelte den Niederschlag auf dem Filter und nannte ihn A-Casem; das Filtrat f\u00e4llte er mit Salzs\u00e4ure im \u00dcberschuss, wobei eine geringere Menge Niederschlag\u2014B-Case\u00efn\u2014erhalten wurde, nach dessen Entfernung im neuen Filtrat noch immer die Gegenwart einer Proteinsubstanz (ib. p. 93) nachgewiesen werden konnte. Nach der Behandlung des A- und B-Casems mit Alkohol und Aether cal-cinirte Schlossberger beide auf dem Silberblech: das erste hinterliess einen schwarzen Flecken, das zweite nicht, wras Schlossberger zu der Ansicht leitet, dass der zweite Niederschlag gar keinen Schwefel enth\u00e4lt. Er nimmt an, dass das Casein aus diesen zwei K\u00f6rpern besteht (ib. p. 94). Interessant ist unter anderem die Beobachtung dieses Autors, dass in Wasser, welches mit Salzs\u00e4ure anges\u00e4uert war, aufgel\u00f6stes Casein bei der F\u00e4llung durch Neutralisation einen Niederschlag (A-Casein) ausschied, der in einem Ueberschuss von Ammoniumcarbonat sich vollst\u00e4ndig aufl\u00f6ste (152 p. 92).\nAnaloge Thatsachen f\u00fchrt auch Mulder (124 p. 123) an. Gleich Schlossberger, auf den er sich \u00fcbrigens beruft, nimmt er an, dass, wie oben dargelegt, (ib. p. 125), drei Proteink\u00f6rper in der Milch vorhanden sind. Dabei best\u00e4tigt Mulder auch Dumas\u2019s Angabe dar\u00fcber, dass durch S\u00e4ttigung der Milch mit Kochsalz ein Niederschlag und ganz klare Molken erhalten werden. Den Niederschlag wusch Mulder mit ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung (ib. p. 127). Das Filtrat giebt mit Chlorwasserstoffs\u00e4ure einen Niederschlag, nach dessen Abtrennung durch Filtration in der Fl\u00fcssigkeit ein neuer Niederschlag, doch erst beim Kochen, entsteht. Diese Thatsache veranlasst Mulder noch einmal zu der Aussage, dass die Milch drei Proteink\u00f6rper enth\u00e4lt, obgleich er gesteht den dritten Niederschlag nicht immer erhalten zu haben (ib. p. 129).\nMit diesen Beobachtungen stimmt auch Walter\u2019s Beobachtung \u00fcberein (190 p. 315), dass der Quark in Natriumcarbonat sich aufl\u00f6st und aus der L\u00f6sung von Chlorwasserstoffs\u00e4ure ausgef\u00e4llt wird. Andererseits fanden Schlossberger\u2019s und Mulder\u2019s Schl\u00fcsse einen Gegner an Bopp (15 p. 16), der in Schlossberger\u2019s Beobachtungen einen Fehler hervorhob; er fand n\u00e4mlich, dass A- und B-Case'in leicht ineinander \u00fcbergef\u00fchrt werden k\u00f6nnen (ib. p. 19), und dass das Casein bei der Ausf\u00e4llung aus seinen sauren oder alkalinischen L\u00f6sungen \u00fcberhaupt leicht in den F\u00e4l-lungsagentien\u2014Natriumcarbonate und Salzs\u00e4ure\u2014sich aufl\u00f6st (ib. p. 18). Um das Casein zu erhalten, verd\u00fcnnte Bopp (15 p. 16) die Milch mit dem doppeltem Yol. Wasser und f\u00e4llte sie mit 2%\u20143\u00b0/0-iger Salzs\u00e4ure, bis das Gemisch deutlich sauer schmeckte. Es ist interessant, dass der in Wasser eingetragene Niederschlag bei 40\u00b0 (ib.p. 16) offenbar auf Kosten der unbedeutenden Menge Salzs\u00e4ure, die der Nie-","page":62},{"file":"p0063.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n63\ndersclilag mit sich gerissen hatte, sich aufl\u00f6ste. Diese Deutung findet in Strecker\u2019\u00bb Arbeiten eine Best\u00e4tigung. Letzterer erhielt (184 p. 580) nach Bopp\u2019s Verfahren bei 40\u00b0 eine Case'inl\u00f6sung, die von Natriumcarbonat gef\u00e4llt wurde. Auch Strecker spricht sich gegen Schlossberger\u2019s und Mulder\u2019s Ansicht aus und nimmt, gleich Bopp, an, dass die Milch nur e i n Case'in enth\u00e4lt. Zugleich findet er, dass bei der S\u00e4ttigung der Milch mit Chlornatrium auch Proteinsubstanzen (ib. p. 580} mit den Milchk\u00f6rperchen sich niederschlagen. Je nach der Gewinnungsart des Caseins ist dieses in Natriumcarbonat schwer oder leicht l\u00f6slich; so l\u00f6st sich mit Lab gef\u00e4lltes Casein schwer, w\u00e4hrend mit S\u00e4uren gef\u00e4lltes in kohlensauren Alkalien und in Ammoniakfl\u00fcssigkeit sich leicht aufl\u00f6st, sogar leichter als Fibrin und geronnenes Albumin. Casein ist in Kalkwasser l\u00f6slich, scheidet aber beim Kochen sich fast ganz aus; auch alkalinisclie L\u00f6sungen desselben werden in Gegenwart von Chlorcalcium oder Magnesiumsulfat durch Kochen gef\u00e4llt (184 p. 581).\nPelouze & Fr\u00e9my (133 p. 735) finden, dass das Casein von allen S\u00e4uren, Phosphors\u00e4ure ausgenommen, aus der Milch ausgef\u00e4llt wird.\nDas Gebiet der Verbreitung des Caseins in Verkn\u00fcpfung mit den besonderen Eigenschaften desselben. Bei der Darlegung der Geschichte des Caseins haben wir Angaben der Autoren \u00fcber die Stellen, wo die mit dem Casein der Milch identischen Proteink\u00f6rper sich befinden, zu vermeiden gesucht, dennoch aber nicht umhin k\u00f6nnen solcher Thatsachen zu erw\u00e4hnen, welche im allgemeinen auf die Identit\u00e4t des Caseins und des \u201eAlbumins\u201c hinweisen. Seit den 50-iger Jahren fingen die Autoren an, das Casein geradezu mit derjenigen Proteinsubstanz des Serums zu identificiren oder zu vergleichen, welche gegenw\u00e4rtig den Namen Globulin f\u00fchrt, bis zu den 50-iger Jahren (von Denis an beginnend) aber \u201eAlbumin\u201c genannt wurde (s. Kap. III und IV).\nAusser dem schon Dargelegten ist das Studium auf das Gebiet der Verbreitung des Caseins sich beziehender Thatsachen auch noch in der Hinsicht interessant, dass die Pieactionen und Methoden, deren sich die Autoren zur Auffindung des Caseins bedienten, an sich selbst zu einer eingehenderen Charakteristik des Caseins einerseits und als Material zu gr\u00fcndlicherer Identificirung und n\u00e4herem Vergleich mit dem Albumin andererseits dienen k\u00f6nnen. Man darf im allgemeinen frei behaupten, dass es keine K\u00f6rpergegend, kein Gewebe giebt, in welchem kein Casein gefunden worden w\u00e4re. Im Blutserum und Blutcoagulum fanden es Guillot & Leblanc (58 p. 520), Gmelin (57 p. 1072), Simon (172 p. 79), Dumas & Cahours (41 p. 415), Staas (180 p. 630); in der Lymphe\u2014Brande (100 p. 220), Moleschott (116 p. 105), Gubler & Quevenne (100 p. 229), Desjardins (30 p. 361), Geiger (52 p. 229); in der hydropischen Fl\u00fcssigkeit\u2014Caseneuve & Lepine (21 p. 667); im Muskelsaft und den contractilen Zellen \u00fcberhaupt\u2014Lehmann (99 p. 75, 359); in der mittleren Membran der Arterien\u2014Schultze (161 p. 277); im Darm\u2014Lehmann (98 p. 116), Frerichs (51 p. 801); im Meconium (141 p. 343), in der Galle, im Pancreassaft (ib. p. 342), im Eiter, im Knorpel, in der Brustdr\u00fcse (7 p. 66), im Harn, in den Tuberkeln (141 p. 342) u. s. w. Endlich wurde Casein auch in dem in F\u00e4ulniss geratenen Blutserum und Fibrin gefunden (100 p. 532).\nSomit giebt es in dem tierischen Organismus keine Fl\u00fcssigkeit, kein Gewebe, in welchem kein Casein vorhanden w\u00e4re! Einen ganz andern Sinn erhalten die Behauptungen der Autoren in Bezug auf die Gegenwart von Casein in diesem oder jenem Gewebe, wenn man, sich damit nicht begn\u00fcgend, dass die Autoren ein von ihnen erhaltenes Product Casein nannten, auch die Gewinnungsmethode, sowie die Eigenschaften dieses Products in Betracht zieht, d. h. an Stelle des unbestimmten Ausdrucks \u201eCasein\u201c dessen wirkliche Bedeutung setzt!","page":63},{"file":"p0064.txt","language":"de","ocr_de":"64\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nDiese Methoden der Darstellung oder, richtiger gesagt, der Ausscheidung sind es namentlich, die eine grosse Mannigfaltigkeit und zuweilen ganz unerwartete Kunstgriffe darbieten! So kochte Simon (172 p. 76) das w\u00e4sserige Extract einer zerriebenen Linse, dampfte das Filtrat ah und behandelte den zu Pulver verriebenen Trockenrest mit siedendem Aether, dann mit siedendem Alkohol (sp. Gew. 0,845\u2014 0,855), worauf das Casein ebenfalls mit siedendem, doch schon wasserhaltigem Alkohol (sp. Gew. 0.915\u20140,925) extrahirt wurde. Dieses letzte, alkoholische Extract schied beim Abk\u00fchlen einen Niederschlag aus, den Simon f\u00fcr Casein ansah. Auf dieselbe Art erhielt er Casein auch aus den Tuberkeln: das mit Alkohol extrahirte Casein wurde in Wasser aufgel\u00f6st, die L\u00f6sung schied beim Abdampfen eine Haut aus; folglich gen\u00fcgen, Simon\u2019s Ansicht nach, L\u00f6slichkeit in Alkohol und die F\u00e4higkeit, eine Haut zu bilden, zur Charakteristik des Caseins (172 p. 79; 169 p. 257). Zur Darstellung des Caseins aus Blut, wurde defibrinirtes Blut zuerst bis zur Trockne verdampft und dann auf obenbeschriebene W eise mit Aether und Alkohol behandelt. Das so erhaltene Pr\u00e4parat identi-Kcirte Simon mit dem Berzelius\u2019sehen Globulin (p. n. 75 AW 41\u201447) und nannte es gleichfalls \u201eCasein\u201c (170 p. 5; 167 p. 356; 172 p. 82; 173 p. 257\u20148)! Ein etwas abge\u00e4ndertes Verfahren wandte Simon bei dem Aufsuchen von Casein im Speichel an: dieser wurde bis zu syrupartiger Consistenz abgedamft, dann mit Alkohol gef\u00e4llt, der erhaltene Niederschlag in Wasser aufgel\u00f6st und die w\u00e4sserige L\u00f6ssung nun ihrerseits vorsichtig mit Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt; der neue Niederschlag wurde dann mit gepulvertem Marmor und Wasser verrieben, wobei das Casein zugleich mit kleinen Mengen Calciumacetat in die L\u00f6sung \u00fcberging (172 p. 82).\nIm allgemeinen sieht Simon diejenigen Proteinsubstanzen f\u00fcr Casein an. welche von Ferrocyankalium und auch von Essig- oder Milchs\u00e4ure aus einer sauren L\u00f6sung ausgeschieden werden; ferner seien alle Caseine in kaltem, noch besser aber in heissem Alkohol l\u00f6slich (169 p. 267). Dabei findet aber Simon, dass eine verschiedenartige Behandlung der Caseine einen Unterschied in den Eigenschaften der einzelnen Pr\u00e4parate bedingt (ib. p. 257). Schliesslich macht Simon zwischen dem Casein und dem Berzelius\u2019schen Globulin keinen Unterschied. Gegen eine solche Identificirung wusste Berzelius (7 p. 550) nur zu sagen, dass die abgetrennten und mit Magnesiumsulfat gewaschenen Blutk\u00f6rperchen bei 83\u00b0 vollst\u00e4ndig \u201egerinnen\u201c, w\u00e4hrend das in der Milch befindliche Casein auch beim Kochen sich nicht aus-scheidet (p. n. 76 AlA\u00bb 41\u201447).\nScherer (149 p. 19) weist Casein im Blutserum folgendermaasen nach: bei gew\u00f6hnlicher Temperatur getrocknetes und zu Pulver verriebenes Ochsenserum scheidet beim Auswaschen mit Wasser auf dem Filter das Casein in das Filtrat aus, denn das Filtrat bildet w\u00e4hrend des Abdampfens H\u00e4ute, gerinnt aber beim Kochen nie h t. Die Asche des Filtrats enthielt indessen eine bedeutende Menge Alkalien (ib. p. 19), und dies veranlasste Scherer durch unmittelbaren Zusatz eines Alkali zu dem Serum das Albumin in Casein zu verwandeln *)! Zu diesem Zwecke brachte er eine geringe Menge Alkali in mit 2 Vol. Wasser verd\u00fcnntes Serum, wobei, wenn nur wenig Alkali zugesetzt wird, die alkalische Reaction fast verschwindet, w\u00e4hrend die Fl\u00fcssigkeit beim Erw\u00e4rmen nicht gerinnt und beim Abdampfen eine Haut bildet, welche mit derjenigen der Milch ganz identisch ist (ib. p. 21\u20142). Gleich dem Casein giebt auch das mit einem Alkali behandelte Serum ein Product, welches in heissem Alkohol sich\n*) \u00abDas Albumin des Blutserums l\u00e4sst sich durch dem Casein \u00e4hnlichen Zustand \u00fcberf\u00fchren\u201c (149 Zusatz von freiem Alkali vollkommen in diesen p. 21).","page":64},{"file":"p0065.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n65\naufl\u00f6st und nach dem Abk\u00fchlen sich ausscheidet. Auch getrocknetes gepulvertes Serum giebt heissem mit einigen Tropfen einer Alkalil\u00f6sung versetztem Alkohol einen Teil seiner Protehisubstanz ab, welche wieder ausf\u00e4llt, sobald die L\u00f6sung abgek\u00fchlt ist. Ebenso verh\u00e4lt sich auch das Casein der Milch, f\u00fcgt Scherer hinzu. Der soeben beschriebene K\u00f6rper hinterl\u00e4sst, gleich dem Casein, eine sehr alkalini-sehe Asche; dasselbe gilt auch von dem Niederschlage aus der alkoholischen L\u00f6sung einer nach Simon\u2019s Verfahren behandelten Linse (p. n. 85.VA\u00bb 41\u201447), und auch von dem mit heissem Alkohol und einigen Tropfen Alkali behandelten trockenen Serum und H\u00fchnereiweiss: nach der Abk\u00fchlung der L\u00f6sung scheiden sich Niederschl\u00e4ge mit bedeutendem Alkaligehalt aus.\nIm allgemeinen -h\u00e4lt Scherer f\u00fcr unzweifelhaft, dass die L\u00f6slichkeit der Pro-teinsuhstanzen in Alkohol von der Gegenwart von Alkalien bedingt wird; da dem durch S\u00e4uren gef\u00e4llten Casein die Alkalien entzogen werden, so wird es unl\u00f6slich (149 p. 25). In der Folge fand Scherer Casein (150 p. 45B) auch in andern, z. B. in pathologischen Fl\u00fcssigkeiten, welche nur von Essigs\u00e4ure oder irgend einer andern S\u00e4ure gef\u00e4llt werden. Derselben Meinung ist Bochleder (142 p. 262): das Casein ist an sich selbst in Wasser nicht l\u00f6slich, in den gew\u00f6hnlichen Fl\u00fcssigkeiten wird dessen L\u00f6slichkeit durch Kali, Natron und Kalk bedingt. Nichtsdestoweniger benutzen Dumas & Caliours (1842, 41 p. 415) gleichfalls siedenden Alkohol zum Extrahiren des Caseins aus dem Blutcoagulum (p. n. 75 VA\u00bb 41\u201447); Guillot & Leblanc (58 p. 520) bedienen sich eines etwas andern Verfahrens, um die Gegenwart von Casein im Serum nachzuweisen: das durch Kochen und nachfolgende Filtration vom \u201eAlbumin\u201c befreite Serum wurde aufs neue, nun aber mit einigen Tropfen Essigs\u00e4ure gekocht. Den dabei entstandenen Niederschlag hielten die Autoren f\u00fcr Casein, welches sich von dem Casein der Milch durch nichts unterscheiden sollte. Die Menge des Serumcaseins steht, ihren Worten nach, im umgekehrten Verh\u00e4ltniss zu derjenigen des Albumins des Serums (58 p. 521). Die Untersuchung von 70 Proben von Serum verschiedener Tiere sowie des Menschen leitete die Autoren zu dem Schl\u00fcsse, dass die Gegenwart von Casein im Menschenblute eine normale Erscheinung ist (ib. p. 585).\nUm das Vorhandensein von Casein im Blutserum nachzuweisen, w\u00e4rmte Moleschott (116 p. 105) Ochsen-, Kalbs-, Schaf- oder Schweineserum auf dem Wasserbade bis zur F\u00e4llung, kochte das Filtrat mit Chlornatrium und, nach Abtrennung der neuen Niederschl\u00e4ge, das zweite Filtrat mit einer neuen Portion Kochsalz. Das letzte Filtrat wurde, behufs Entfernung der Phosphors\u00e4ure, mit Magnesiumsulfat behandelt und nach 12\u201424 Stunden nach einem neuen Zusatz von Bittersalz nochmals gekocht. Den Niederschlag, der nun ausfiel, sah Moleschott f\u00fcr Casein an (ib. p. 108)1 Ein gleiches Resultat\u2014dasselbe Casein\u2014wurde erhalten, wenn, anstatt Bittersalz, Essigs\u00e4ure oder sogar Lab bei 30\u201435\u00b0 (ib. p. 109) zugesetzt wurde. Moleschott zweifelte nicht an dem Vorhandensein von Casein im Blutserum!\nDoch war es nicht allein der schwerf\u00e4llbare Teil der Proteinsubstanz des Serums, den gewisse Autoren f\u00fcr Casein ansahen; auch der \u00fcbrige Teil, den man fr\u00fcher f\u00fcr \u201eAlbumin\u201c hielt, wurde Casein genannt, zuerst von Panum, so dass das s\u00e4mmtliche Protein des Blutserums mit dem Casein identificirt wurde!\nWenn die Autoren bis dahin dieser oder jener so zu sagen ausschliesslichen und im gegebenen Falle gleichsam nicht anwendbaren Enaction zur Auffindung des Caseins sich bedienten, so \u00fcberrascht Panum den Leser nicht wenig mit den Schl\u00fcssen, die er aus seinen Beobachtungen \u00fcber die F\u00e4llbarkeit des mit Wasser verd\u00fcnnten Serums durch Essigs\u00e4ure oder Kohlens\u00e4ure zieht. Man fragt sich, wodurch Panum sich leiten liess, als er den Niederschlag, der von allen f\u00fcr Albumin (p. n.","page":65},{"file":"p0066.txt","language":"de","ocr_de":"66\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\n50\u201462 VW 48\u201460) gehalten wurde, Casein (128 p. 260) nannte. Scherer's und Roch-leder\u2019s Ansicht in Bezug auf die L\u00f6slichkeitsbedingungen des Caseins in der Milcln nach welcher das Casein in dieser durch Alkalien und Kalk in L\u00f6sung erhalten und aus einer derartigen L\u00f6sung von S\u00e4uren ausgef\u00e4llt wird, teilend, nahm Panum ohne weiteres, und ohne von den Arbeiten seiner Vorg\u00e4nger Kenntniss genommen zu haben, den durch Einwirkung von S\u00e4uren (p. n. 106 MM 48\u201460) erhaltenen Niederschlag f\u00fcr Casein (128 p. 260) an. Sowohl das Serumcasein als auch das aus der Milch mit Alkohol und Aether ausgef\u00e4llte Casein sind in phosphor sau re m X a t r i u m und auch in den Chloriden l\u00f6slich, obgleich das Milchcasein (Lactocasein) in den Chloriden schwerer als das Serumcasein sich l\u00f6st, was Panum der Einwirkung des Alkohols und des Aethers zuschreibt (ib.p. 260). Unverd\u00fcnntes Serum, erkl\u00e4rt Panum weiter, wird durch Neutralisation nicht gef\u00e4llt, weil das Natriumphosphat und auch das bei der Neutralisation sich neubildende Salz das ausfallende Serumcasein aufl\u00f6sen, infolgedessen F\u00e4llung nur dann statt hat, wenn das L\u00f6sungsverm\u00f6gen der Salze geschw\u00e4cht ist, was wiederum durch Verd\u00fcnnung mit Wasser geschieht (128 p. 261). Im folgenden Jahre (1852) findet Panum, dass der L\u00f6slichkeitsgrad sowohl des Milchcaseins als des Serumcaseins in sehr verd\u00fcnnter Essigs\u00e4ure ein sehr hoher ist, und f\u00fcgt hinzu, dass zwischen diesen beiden Caseinen kein Unterschied bestehe, dieselben identisch seien (128 p. 260; 129 p. 19). Dem soeben Dargelegten gem\u00e4ss und in Uebereinstimmung mit Scherer und Rochleder, erkl\u00e4rt Panum weiter, dass das ausgeschiedene Casein eine geronnene Modification desselben, der gel\u00f6ste Zustand aber dessen Verbindung mit Alkalien und Kalk vorstellt (129 p. 20). Wie Panum es auch nennen m\u00f6ge, ob Casein oder Albumin oder noch anders, es ist nicht zu bestreiten, dass das Milchcasein und Serumcasein oder, richtiger, Serumglobulin oder Seroglobin in Panum\u2019s Arbeiten identificirt sind. Es ist interessant hier zubemerken, dass Moleschott (p. n. 63 MV 61\u201472) den sich am schwersten niederschlagenden Teil der Proteinsubstanzen des Serums f\u00fcr Casein ansieht, Panum dagegen den sich am leichtesten ausscheidenden Teil derselben Casein nennt. Eine gleichsam mittlere Stellung in Betreff der erw\u00e4hnten Niederschl\u00e4ge nimmt das Pr\u00e4parat von Milne-Edwards (113 p. 168) ein, welcher Casein des Blutserums den Niederschlag nennt, der aus Serum, dem ein Teil seiner Proteinsubstanzen durch Kochen entzogen wurde, durch erneuertes Kochen, aber nun in Gegenwart einiger Tropfen Essigs\u00e4ure erhalten wird!\nWenn wir alles, was wir \u00fcber die Gegenwart des Caseins im Blutserum gesagt haben, in Gedanken \u00fcberschlagen, so gelangen wir unwillk\u00fcrlich zu dem Schl\u00fcsse, dass wenn auch nicht alles Serum, so doch ein grosser Teil davon, nat\u00fcrlich insofern es die Proteink\u00f6rper betrifft, aus Casein besteht! Nicht umsonst sagten wir, dass das XVIII Jahrhundert den nachfolgenden das Programm der Untersuchung der Proteink\u00f6rper der Milch als Erbteil hinterlassen hat! Meinte denn nicht schon Hewson vor mehr als hundert Jahren, dass mit Wasser verd\u00fcnntes Blutserum alle Eigenschaften der Milch besitze und dass die Proteinsubstanz beider Fl\u00fcssigkeiten eine und dieselbe sei (p. n. 48 V.V 61\u201472)?\nPanunTs Ansicht von der Identit\u00e4t des Caseins und des Seroglobins unterst\u00fctzt Scherer, oder, richtiger gesagt, Scherer bedient sich der von Panum gewonnenen That-sachen zur Unterst\u00fctzung seines eigenen, schon fr\u00fcher ausgesprochenen Gedankens \u00fcber die Identit\u00e4t des Caseins und des Albumins (p. n. 52 VA\u00ab 48\u2014 60). Scherer ist der Ansicht, dass, wenn in den Reactionen auch ein Unterschied beobachtet wird, derselbe in dem Zustande dieser K\u00f6rper, unter welchem sie in den nat\u00fcrlichen Existenzbedingungen sich befinden, seine Erkl\u00e4rung findet; die Grundeigenschaften des Caseins und des Seroglobins sollen dabei garnicht beeinflusst sein, der Unterschied","page":66},{"file":"p0067.txt","language":"de","ocr_de":"DAS globulin der milch.\n67\nin den Reactionen aber von der Menge des Wassers und der festen Bestandteile in dieser oder jener Fl\u00fcssigkeit\u2014der Milch oder dem Serum\u2014abh\u00e4ngen (1852, 151 p. 75). Damit scheint auch der Umstand verkn\u00fcpft zu sein, dass das Seroglobin von Kohlens\u00e4ure aus verd\u00fcnntem Serum ausgef\u00e4llt wird, w\u00e4hrend, Scherer\u2019s Worten nach, F\u00e4llung des Caseins von dieser S\u00e4ure noch niemand beobachtet hat (ib. p. 75). Eine nahe Verwandtschaft zwischen dem Casein und dem \u201eAlbumin\u201c erkennt auch Strecker (184 p. 571) an.\nIn Lehmann\u2019s Arbeiten (96 p. 383; 97 p. 347) begegnet man auch nicht wenig Angaben zu Gunsten der Identit\u00e4t dieser K\u00f6rper. Doch finden wir bei ihm auch tadelnde Worte \u00fcber die Gleichgiltigkeit der Autoren in der Wahl der Mittel bei der Aufsuchung des Caseins in den proteinhaltigen Fl\u00fcssigkeiten. Lehmann h\u00e4lt die Reactionen, welche als dem Casein ausschliesslich angeh\u00f6rig betrachtet werden, f\u00fcr diesen K\u00f6rper nicht f\u00fcr charakteristisch. So erkl\u00e4rt er die L\u00f6slichkeit des Caseins in Alkohol durch die in demselben enthaltenen anorganischen Stoffe, da gut ausgewaschenes Casein nicht nur in Alkohol unl\u00f6slich ist, sondern auch in Wasser sich nicht aufl\u00f6st, folglich in diesem Falle die Eigenschaften des geronnenen Eiweisses aufweist (97 p. 350). Desgleichen kann auch die Bildung einer Haut in der Milch oder in irgend einer andern Caseinl\u00f6sung f\u00fcr keine Eigent\u00fcmlichkeit des Caseins gelten, da auch in schwachen S\u00e4uren und Alkalien gel\u00f6stes \u201eAlbumin\u201c beim Abdampfen eine Haut ausscheidet. Auch F\u00e4llung durch Essigs\u00e4ure ist f\u00fcr das Casein nicht charakteristisch, da albuminhaltige Fl\u00fcssigkeiten von Essigs\u00e4ure getr\u00fcbt, beim Verd\u00fcnnen mit Wasser sogar gef\u00e4llt (ib. p. 354) werden. Schliesslich l\u00e4sst das Casein durch F\u00e4llung weder .mit Magnesiumsulfat noch mit Chlorcalcium beim Kochen vom \u201eAlbumin\u201c, sich unterscheiden, da letzteres den genannten Reagentien gegen\u00fcber sich ebenso wie das Casein verh\u00e4lt (ib. p. 355).\nAndererseits f\u00fchrt Lehmann Reactionen des Caseins an, welche mit denjenigen des \u201eAlbumins\u201c seiner Zeit. d. h. des Globulins, identisch sind. Nach Rochle-der\u2019s Verfahren (p. n. 59) bereitetes Casein l\u00f6st sich in der That leicht in Salmiak, Salpeter und andern neutralen Alkalisalzen auf *), ist aber weder in Wasser noch in Alkohol (97 p. 348) l\u00f6slich. Es ist interessant, dass Lehmann fand, dass nach Rochleder\u2019s Verfahren bereitetes Casein (97 p. 348; 90 p. 384) sauer reagirt.\nVorhandensein von Albumin in der Milch neben dem Casein. Wenn die dargelegten Thatsachen f\u00fcr die Gegenwart von Casein dort zeugen, wo fr\u00fcher ausschliessliche Gegenwart von \u201eAlbumin\u201c angenommen wurde, und sogar in den Fl\u00fcssigkeiten, welche das \u201eAlbumin\u201c mit ihren Eigenschaften ausgestattet haben, d. h. mit den Eigenschaften, welche f\u00fcr das sog. \u201eAlbumin\u201c f\u00fcr charakteristisch galten, so zeugt das alles f\u00fcr die Identit\u00e4t dieser K\u00f6rper. Dies findet seine Erkl\u00e4rung einerseits in dem Mangel an scharfen charakteristischen Reactionen, wie schon erw\u00e4hnt wurde, andererseits in der factischen Identit\u00e4t der Grundsubstanz der Pr\u00e4parate, welche \u201eAlbumin\u201c und \u201eCasein\u201c genannt wurden. Wenn gewisse Autoren die Gegenwart von Casein im Serum und dergl. Fl\u00fcssigkeiten zeigten und dadurch gleichsam das Casein mit dem Albumin identificirten, so fehlte es auch nicht so zu sagen an Gegenbeweisen zu Gunsten derselben Identit\u00e4t: viele Autoren begannen die Gegenwart von Albumin in der Milch anzunehmen.\nNahm man das Vorhandensein von Casein dort an, wo die Fl\u00fcssigkeit in der W\u00e4rme nicht gerann, aber von Essigs\u00e4ure gef\u00e4llt wurde, so wurde die \u201eGerinnbar-\nes (das Casein) l\u00f6st sicli in Aufl\u00f6sungen von Salmiak, Salpeter und andern neutralen Alkalisalzen sehr leicht auf\u201c. (97 p. 348).","page":67},{"file":"p0068.txt","language":"de","ocr_de":"68\nD\u00c0S GLOBULIN DER MILC\u00cb.\nkeit\u201c der Fl\u00fcssigkeit in der W\u00e4rme eng mit der Gegenwart von Albumin verkn\u00fcpft!\nBeobachtungen, die sieb seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts vielfach best\u00e4tigt haben, zeigten, dass aus den Molken sauer gewordener Milch beim Kochen ein Niederschlag sich ausscheidet, der, wie schon gesagt (p. n. 52), im allgemeinen f\u00fcr einen Rest desselben Caserns angesehen, aber von einigen Autoren Zieger genannt wurde. Von den uns am n\u00e4chsten stehenden Autoren der letzten Periode sah nur Quevenne (p. n. 58), der als Grundeigenschaft des \u201eAlbumins\u201c oder, richtiger gesagt, der es enthaltenden Fl\u00fcssigkeiten, Gerinnbarkeit in der W\u00e4rme hielt, den zur\u00fcckgebliebenen Case'in\u2014 den Zieger\u2014f\u00fcr einen albumin\u00e4hnlichen K\u00f6rper an. Derselben Ansicht war auch Doy\u00e8re (34 p. 239; 35 p. 602), der ebenfalls annahm, dass die Milch, neben Case'in, Albumin enth\u00e4lt.\nJoly\u2019s & Filhohs Worten (82 p. 21) nach, gebrauchte Doy\u00e8re zur F\u00e4llung des Caseins einige Tropfen Essigs\u00e4ure. 10 grin. Milch mit einer gleichen Menge 40\"-igen Alkohols vermischt schied mehr Proteinsubstanz als bei der F\u00e4llung mit Essigs\u00e4ure aus. Den Unterschied in der Quantit\u00e4t sah Doy\u00e8re f\u00fcr Albumin an! Durch derartige Versuche gewann er die \u00dcberzeugung, dass Albumin in jeder Milch, am meisten aber in der Frauenmilch enthalten sei (ib. p. 21).\nIm folgenden Jahre erkl\u00e4rten Doy\u00e8re A Poggiale (36 p. 430) den Unterschied in den Eigenschaften der Stuten-. Esels- und Frauenmilch von denjenigen der Kuhmilch dahin, dass in jenen Milcharten das Albumin das Case'in \u00fcberwiegt; noch mehr, sie glauben, dass unter normalen Verh\u00e4ltnissen das Albumiu den ausschliesslichen Bestandthe.il der Protemsubstanzen der Milch ausmachen k\u00f6nne (ib. p. 430).\nGirardiu (56 p. 406), welcher das Verdienst, das Albumin entdeckt zu haben, Doy\u00e8re zuschreibt, bestrebte sich (55 p. 753) seinerseits Beweisgr\u00fcnde f\u00fcr dit1 Existenz von Albumin in der Milch zu liefern: er f\u00e4llte die Molken von spontan sauer gewordener Milch mit Sublimat und erhielt 0,3\u20140.65\u00b0/o eines Niederschlags, den er f\u00fcr Albumin ansah. Quevenne macht diesen Teil des Versuchs Doy\u00e8re streitig, indem er sich auf die von uns schon fr\u00fcher dargelegten Versuche beruft, f\u00fcgt aber hier hinzu, dass die Niederschl\u00e4ge in seinen normalen Molken beim Kochen sich nach 12\u201424 Stunden zeigten (138 p. 95). Zugleich teilt Quevenne mit, dass Mitscherlich ihm schon im J. 1847 die Gegenwart von Albumin in der Milch, aber auf eine etwas andere Weise gezeigt hatte. Quevenne''s Worten nach (ib. p. 96), s\u00e4ttigte Mitscherlich die Milch mit Magnesi u m- oder N at r i u m-sulfat, mit Chloriden oder verschiedenen anderen n e u t r a-len Alkali- oder E r d a 1 k a 1 i s a 1 z e n; dabei entstand in der Milch ein Niederschlag, und das klare Filtrat schied beim Kochen einen Niederschlag aus. der a 1 s B e w e i s f\u00fcr das Vorhandensein von A lbumin in der Milch di e n en ko n n t e! F\u00fcgen wir hinzu, dass sowohl Quevenne als Mitscherlich vergessen hatten, dass die F\u00e4llung des Caseins (der Milch) gerade in Gegenwart von Magnesiumsulfat und beim Kochen schon l\u00e4ngst gebr\u00e4uchlich war! Nach dem Abfiltriren auch dieses Niederschlags erzeugte Essigs\u00e4ure beim Kochen stets Niederschl\u00e4ge in dem neuen Filtrat. Der erste auf dem Filter gesammelte Niederschlag l\u00f6st sich zum Teil in reinem Wasser, zum Teil erst nach dem Zusatz von Salzen auf.\nZum Schluss giebt Quevenne das Vorhandensein von drei Proteink\u00f6rpern In der Milch zu : 1\u2014einer \u201ealbuminoiden\u201c Substanz, welche die Eigenschaft besitzt bei der S\u00e4ttigung der Milch mit Alkali- und Erdalkalizalzen sich niederzuschlagen und zum Teil in 'Wasser l\u00f6sslieh ist; 2\u2014einer in der W\u00e4rme gerinnbaren Substanz, dem eigentlichen Albumin, und 3\u2014des Caseins, welches seit undenklichen Zeiten","page":68},{"file":"p0069.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOB\u00dcLIN D\u00cbR MILCH.\n69\ndarin angenommen wird\u201c *), schliesst Quevenne! Wo ist denn das Casein? Offenbar gaben Mitscherlich\u2019s Versuche Quevenne eine ganz irrt\u00fcmliche Vorstellung von der Structur der Milch! Wenn die Eigenschaft, von Salzen bei Zimmertemperatur gef\u00e4llt zu weiden, auch nicht als eine dem Casein zukommende bekannt war, so war die F\u00e4llung desselben durch Salze beim Kochen seit lange gebr\u00e4uchlich (p. n. 48, 51), \u25a0\\\\as Quevenne nicht zu wissen schien, ihn aber auf den Gedanken h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen, dass auch die F\u00e4llung bei Zimmertemperatur eine Erscheinung derselben Categorie ist, die sich in die Formel des gegenseitigen wenn auch umgekehrten Verh\u00e4ltnisses zwischen der W\u00e4rme und der Salze, d. h. je mehr Salz, desto niedriger die Temperatur der F\u00e4llung und vice versa, hineinzw\u00e4ngen lassen k\u00f6nnte (s. Kap. XI \u00fcber den Einfluss der W\u00e4rme).\nDass die F\u00e4llbarkeit durch Salze keine charakteristische Eigent\u00fcmlichkeit der Milch ist, findet Quevenne selbst. Auch mit dem doppelten Volum Wasser versetztes H\u00fchnereiweiss sowie Blutserum werden sowohl von Magnesiumsulfat als auch von Kochsalz gef\u00e4llt. Durch diese Keaction identificirt sich das Casein vollst\u00e4ndig dem Sero- und Ovoglobin (ib. p. 99). Quevenne zweifelt nicht mehr an dem Vorhandensein von Albumin in der Milch,\u2014warum aber, fragt er, f\u00e4llt es beim Erw\u00e4rmen nicht aus? Quevenne teilt in dieser Beziehung vollst\u00e4ndig Mitscher-lich\u2019s Ansicht, dass das Albumin beim Kochen aus der Milch nicht ausf\u00e4llt, nicht weil es eine Modification des gew\u00f6hnlichen Albumins vorstellt, sondern weil das Medium ein anderes ist 2), da bei Zusatz von Salzen und beim Kochen das Albumin aus der Milch sich ausscheidet (ib. p. 99)! Dasselbe sagten die \u00e4lteren Autoren auch vom Casein (p. n. 48\u201451)!\nUnsere letzten Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ehre, den beim Kochen des Milchserums erhaltenen Niederschlag \u201eAlbumin\u201c benannt za haben, nicht Quevenne oder Doy\u00e8re sondern Cap & Henry (20-ap. 110) zukommt, bei denen man einen darauf bez\u00fcglichen Satz findet.\nSomit haben wir hier einen neuen Beweis f\u00fcr die Identit\u00e4t dieser K\u00f6rper und, vom formellen Gesichtspunkte aus, f\u00fcr die Verwechslung der Begriffe \u201eCasein\u201c und \u201eAlbumin\u201c. Auch Robin & Verdeil (141 p. 299) finden, dass bei Zimmertemperatur mit Magnesiumsulfat im Ueberschuss versetzte Milch beim Filtriren eine klare _ Fl\u00fcssigkeit abgiebt, wobei ein Teil des Caseins auf dem Filter zur\u00fcckgehalten wird. Das Filtrat wird weder von Essigs\u00e4ure noch durch W\u00e4rme zum Gerinnen gebracht (1854, 119 p. 423). Die Gegenwart ven Albumin h\u00e4lt Morin schon dadurch f\u00fcr gen\u00fcgend bewiesen, dass das Casein von Lab gef\u00e4llt wird, das Albumin aber nicht. Morin erw\u00e4hnt unter anderem, dass er im J. 1851 in der Soci\u00e9t\u00e9 de Physique et d\u2019Histoire naturelle eine Mitteilung \u00fcber die Trennung des Albumins und Caseins durch Diffusion machte, wir haben dar\u00fcber aber nichts N\u00e4heres gefunden. Im J. 1853 (118 p. 100) sagt jedoch Morin auf Grund seiner Diffusionsversuche mittels Thonzellen aus, dass weder Milch noch Eiweiss gegen Wasser diffundiren. Wie seine Vorg\u00e4nger, wirft auch Morin die Frage auf, warum das Albumin der Milch beim Kochen nicht ausf\u00e4llt, obgleich die Gerinnungstemperatur des H\u00fchnerei-weisses nur 63\u00b0 ist. Gleichsam als Antwort darauf erhitzte Morin Milch auf dem\n*) \u201eEnfin la cas\u00e9ine, admise par tout le temps imm\u00e9morial (!)\u201c (138 p. 99).\n0 \u201e... que si la mati\u00e8re albumineuse du lait ne se coagule pas toujours franchement par l\u2019\u00e9bullition, cela ne parait point tenir \u00e0 une modification dans la nature de celle-l\u00e0, mais bien \u00e0 une diff\u00e9rence dans celle du milieu o\u00f9 elle\nse trouve, puisque par le fait de l\u2019a d-dition de certains sels neutres au lait l\u2019\u00e9bullition fait ensuite appara\u00eetre constamment les flocons; cette exp\u00e9rience permet \u00e0 ce savant (Mitscherlich) de dire nettement: \u201eII y a toujours de l\u2019albumine dans le lait \u00e0 l\u2019\u00e9tat normal\u201c (138 p. 99).\n5*","page":69},{"file":"p0070.txt","language":"de","ocr_de":"70\nDAS GLOBULIN D\u00c8R M\u00ceLC\u00cb.\nOelbade bis 125\u00b0, wobei, wie er bemerkte, an den W\u00e4nden des Gef\u00e4sses sich St\u00fcckchen niederschlugen und an die Oberfl\u00e4che H\u00e4ute aufstiegen. Morin r\u00e4t \u00fcberhaupt das Casein mit Essig zu f\u00e4llen und dann die Molken behufs Abtrennung des Albumins zu kochen. Es scheint Morin, dass die Substanzen, welche das Casein gel\u00f6st erhalten und es gegen eine S\u00e4ure austauschen. mit demselben eine Verbindung bilden, welche das Albumin verschleiert. Diese von Morin eine \u201eVerbindung4* genannte Beziehung des Caseins zum Albumin ist eine so nahe, die Eigenschaften derselben im ausgeschiedenen Zustande sind so \u00e4hnlich, dass Morin es f\u00fcr m\u00f6glich findet die Frage aufzuwerfen, ob man hier nicht ein und dasselbe, doch in verschiedenen Zust\u00e4nden befindliche Albumin vor sich habe, welches zum Teil mit Basen verbunden ist und in dieser Verbindung den \u00fcbrigen Teil des Albumins verhindert beim Kochen zu gerinnen (119 p. 425). Dieser Voraussetzung gem\u00e4ss erkl\u00e4rt Morin, dass bei der Neutralisation mit S\u00e4ure ein Teil des Albumins sogleich, ein anderer erst bei 100\u00b0 ausf\u00e4llt. F\u00fcr einen Beweis des soeben Dargelegten h\u00e4lt Morin die \u00ee \u00e4llung der Milch durch Neutralisation und die F\u00e4llung des Filtrats durch Kochen: bei der F\u00e4llung dieses letzteren, aber alkalinisirten und gewissermaassen der Milch \u00e4hnlich gewordenen, Filtrats mit derselben S\u00e4ure nach der Abtrennung des Niederschlags bleibt in der Fl\u00fcssigkeit eine ganz unbedeutende Menge einer in der W\u00e4rme gerinnenden Proteinsubstanz zur\u00fcck. Zu dieser Operation bedarf es nicht einmal eines Ueberschusses an Alkali; nach der Ausscheidung des ersten Teils des Albumins (des Caseins) mit einer S\u00e4ure braucht man die Fl\u00fcssigkeit mit einem Alkali nur bis zu schwachalkalischer Reaction zu neutralisiren und dann aufs neue mit der S\u00e4ure bei Zimmertemperatur darauf einzuwirken, um auch den zweiten Teil des Albumins der Milch vollst\u00e4ndig auszuf\u00e4llen (ib. p. 426). Unmittelbar an Blutserum und H\u00fchnereiweiss angestellte Beobachtungen zeigten, dass bei Gegenwart einer unbedeutenden Menge eines Alkali diese Substanzen sich ebenso wie die Milch verhalten (119 p. 426). Nach der F\u00e4llung der Milch mit Essigs\u00e4ure und des erhaltenen Filtrats durch Kochen erhielt Morin in dem neuen Filtrat nach dem Abdampfen und F\u00e4llen mit Alkohol als Niederschlag eine Prote'insubstanz, welche in Wasser gallertartig aulquoll. Diesen glutin\u00e4hnlichen Stoft schl\u00e4gt Morin vor. \u201eGal actin\u201c zu nennen, und bemerkt dabei, dass dessen Vorhandensein in der Milch schon von Foureroy A Vauquelin (ib. p. 430-1) beobachtet wurde. Gleichsam zur Vervollst\u00e4ndigung der oben dargelegten Lehre identificirt Skrzeczka (175 p. 35) den Zustand des Caseins in der Milch mit der alkalischen Verbindung des \u201eAlbumins\u201c\u2014dem Natriumalbu-minat (ib. p. 35).\nDie h\u00f6chst interessante Arbeit von Joly & Filhol (1855,82 p. 1\u2014179) bietet ein in jeder Hinsicht reichhaltiges Material f\u00fcr das Studium der Milch dar. Diese Forscher erw\u00e4hnen solcher Thatsachen. welche unstreitig f\u00fcr das Vorhandensein nur e i n,e r Proteinsubstanz in der Milch zeugen. Joly & Filhol f\u00fchren den Beweis, dass gew\u00f6hnliches, in der W\u00e4rme gerinnbares Albumin in der Milch nicht vorhanden ist. Von den Milchk\u00fcgelchen durch Filtration befreite Milch zeigt beim Kochen nicht die geringsten Albumingerinnsel. Den nach der F\u00e4llung der Milch mit Essigs\u00e4ure zur\u00fcckgebliebenen Teil des Proteins sehen sie ebenfalls f\u00fcr -Casein an (82 p. 109). Sowohl Frauenmilch als auch die nach dem Schlagen der Milch erhaltene Fl\u00fcssigkeit gerinnen beim Kochen nicht, was die mikroscopische Untersuchung zeiut (ib. p. 118). Doch finden Joly & Filhol, dass die Milch einer mit tierischer Nah runc gen\u00e4hrten H\u00fcndin im Gegensatz zu derjenigen einer mit vegetabilischer Kost gen\u00e4hrten sowie auch Schweinemilch in der W\u00e4rme gerinnt, und dass das dabei erhaltene Coagulum durch seine Consistenz und Schwerl\u00f6slichkeit in Essigs\u00e4ure an geronnenes Eiweiss erinnert (ib. p. 125). Folglich nehmen Joly & Filhol nicht gleich-","page":70},{"file":"p0071.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n71\nzeitiges Vorhandensein von Casein und Albumin in einer und derselben Milch an, sondern glauben, dass, je nach dem Tiere, die Milch entweder Casein oder Albumin enth\u00e4lt. Im weiteren finden Joly & Filhol, dass Milch, gleich den albuminhaltigen (globulinhaltigen) Fl\u00fcssigkeiten, bei Zimmertemperatur von allen neutralen Salzen, wenn auch nicht vollst\u00e4ndig, gef\u00e4llt wird. Es ist leicht sich zu \u00fcberzeugen, dass z. B. Kochsalz keine vollst\u00e4ndige F\u00e4llung bewirkt: trotz Dumas\u2019s und Figuier\u2019s (p. n. 61) Behauptung bleiben Milchk\u00fcgelchen zur\u00fcck. Vollkommenere und schnellere F\u00e4llung erreichten die Autoren durch S\u00e4ttigung mit Salzen bei erh\u00f6hter Temperatur. Zu ihrem Erstaunen bemerkten sie, dass auch kohlensaures Natrium und Kalium Milch f\u00e4llen. Doch scheidet die mit einem Salze gef\u00e4llte Milch auch beim Kochen nicht s\u00e4mmtliches Casein aus, da Essigs\u00e4ure in dem Filtrat eine leichte F\u00e4llung bewirkt, was auch bei der Einwirkung von Alkohol beobachtet wird.\nNach den Arbeiten, welche die F\u00e4llbarkeit des Globulins des Serums und des Eiweisses durch Salze gezeigt hatten (p. n. 118 MV 48\u2014 60), haben die Thatsachen \u00fcber die F\u00e4llbarkeit der Milch\u2014des Caseins\u2014durch dieselben Salze, soweit dies in den Arbeiten von Joly & Filhol und deren Vorg\u00e4ngern ausgedr\u00fcckt ist, die Proteinsubstanzen der Milch und das Globulin einander noch n\u00e4her gebracht. Dieses Verhalten den Salzen gegen\u00fcber, soweit es einen mit den Eigenschaften des Globulins ausgestatteten K\u00f6rper charakterisirt, ist mit w\u00fcnschenswerter Ausf\u00fchrlichkeit in Denis\u2019s Arbeiten (1856, 28 p. 92) behandelt. Frische Milch wurde mit Magnesiumsulfat in Substanz ges\u00e4ttigt, wobei das Casein in Gestalt schwimmender Flocken sich ausschied; diese wurden von der Fl\u00fcssigkeit, welche noch einen Stoff enthielt, den Denis Magnesiummolken\u2014petit-lait magn\u00e9sien\u2014nannte, abfiltrirt. Der auf dem Filter gesammelte Niederschlag wurde ebenfalls mit ges\u00e4ttigter Magnesiumsulfatl\u00f6sung ausgewaschen, dann samrot dem Filter auf frisches Filtrirpapier gebracht, abgepresst und\" zuletzt in einem der genommenen Milch gleichen Volum Wasser aufgel\u00f6st; dabei enstand eine etwas opalisirende, sauerreagirende L\u00f6sung (ib. 93 und 95). Die erhaltene saline Caseinl\u00f6sung, in welcher, Denis\u2019s Ansicht nach, die kohlensauren Alkalien, welche das Casein in der Milch in L\u00f6sung erhalten, durch Magnesiumsulfat ersetzt sind, weist einen mit den Albuminl\u00f6sungen (Globulinl\u00f6sungen, s. p. n. 50 MV 48\u201460) gemeinsamen Charakter auf, d. h. scheidet bei Verd\u00fcnnung mit 20 Vol. Wasser und tropfenweisem Zusatz von Chlorwasserstoffs\u00e4ure bis zur Tr\u00fcbung (28 p. 94) einen Niederschlag von Casein aus. Der auf diese Weise erhaltene Nieder sc hl agis t i n Wasser ganz unl\u00f6slich, l\u00f6st sich aber leicht in Salzl\u00f6sungen auf (28 p. 95). Dem soeben Gesagten gem\u00e4ss ist bei st\u00e4rkerem Abpressen des durch S\u00e4ttigung der Milch mit dem Salze erhaltenen Niederschlags dieser z. B. in 40 Vol. Wasser nicht mehr ganz l\u00f6slich, da bei dem Abpressen ein Teil des Salzes in das Papier \u00fcbergegangen ist (ib. p. 96). Sorgf\u00e4ltig bereitetes Casein ist in Salzen l\u00f6slich; den Salzen verdankt es auch seinen Zustand in der Milch (ib. p. 97). Das Casein ist in Wasser nicht nur unl\u00f6slich, es b\u00fcsst auch noch, wenn es einige Zeit unter Wasser gelegen hat, seine L\u00f6slichkeit in Salzen ein, da es schon ver\u00e4ndert\u2014 modif\u00e9e. wie Denis es nennt\u2014erscheint; in frisch gef\u00e4lltem Zustande l\u00f6st es sich in Wasser welches eine unbedeutende Menge Alkalicarbonat enth\u00e4lt, wobei die L\u00f6sung alle Eigenschaften des in der Milch enthaltenen Caseins bekommt '). Wird zu dem in Wasser suspendirten Casein Salzs\u00e4ure 1%0 zugesetzt, so entsteht eine saure Caseinl\u00f6sung. Frisch gef\u00e4lltes in Wasser suspendirtes Casein l\u00f6st sich \u00fcberhaupt Dicht in L\u00f6sungen von Kalium-, Natrium- und Ammoniumsalzen, in Salzs\u00e4ure,\n') \u201eApr\u00e8s avoir \u00e9tendu d\u2019eau cette m\u00eame ca- la rend positivement alcaline, comparable \u00e0 celle s\u00e9ioe soluble, fort peu de carbonate de soude du lait \u25a0 (28 p. 98).","page":71},{"file":"p0072.txt","language":"de","ocr_de":"72\nDAS GLOBULIN DEE MILCH.\nPhosphors\u00e4ure, Schwefels\u00e4ure und anderen S\u00e4uren auf, wobei die erhaltenen L\u00f6sungen in der W\u00e4rme gerinnen. Alkalicarbonate sowie freie Alkalien l\u00f6sen das Casein in weit geringeren Mengen und viel schneller auf, wobei Kochen keine F\u00e4llung bewirkt (ib. p. 99). Aus den L\u00f6sungen in neutralen Salzen wird das Casein von Wasser, wenn auch nicht vollst\u00e4ndig, ausgef\u00e4llt; die Gerinnungsteinperatur des Caseins scheint in diesen L\u00f6sungen zwischen 55\u00b0 und 90\u00b0 zu liegen. Sowohl Aether als Alkohol f\u00e4llen saline Caseinl\u00f6sungen. Bei der S\u00e4ttigung saliner Caseinl\u00f6sungen mit Chlornatrium beobachtete Denis keine F\u00e4llung, aber Magnesiumsulfat rief unter diesen Umst\u00e4nden vollst\u00e4ndige F\u00e4llung des Caseins hervor, wobei die Niederschl\u00e4ge die Eigenschaft behielten in Wasser, nat\u00fcrlich auf Kosten des zur\u00fcckgehaltenen Salzes, sich aufzul\u00f6sen (28 p. 101). Nach dem Abfiltriren des bei der S\u00e4ttigung der Milch mit Magnesiumsulfat entstandenen Niederschlags scheidet das Filtrat beim Kochen einen Niederschlag aus, den Denis f\u00fcr die Substanz ansieht (ib. p. 181), die er Serin, also wieder Globulin (p. n. 112 AM 48\u201460), benannt hatte. In der Folge kehrt Denis zu dieser Frage zur\u00fcck und best\u00e4tigt das oben Dargelegte, wobei er besonders hervorhebt,\tdass\tder durch\tS\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat\tin der Milch ent-\nstehende Niederschlag bei Zersetzung mit Wasser sich auf Kosten der im Niederschlage enthaltenen Salze (29 p. 189\u201490) leicht aufl\u00f6st, von einer grossen Menge Wasser aber, und wenn es in demselben liegen bleibt, in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergef\u00fchrt wird (ib. p. 191), was Denis der gleichzeitigen Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit zuschreibt (ib.p. 192).\nNach allem \u00fcber das Casein Gesagten, namentlich aber nach Denis's Arbeiten bleibt kein Zweifel \u00fcbrig, dass das ausgeschiedene Casein alle Eigenschaften der Globuline besitzt, wT e s h\ta 1 b wir uns schon hier\terlauben das-\nselbe \u201eGlobulin der Mile h\u201c oder \u201eLactoglobin\u201c zu nennen.\nEtwa\tdrei\tJahre nach\tDenis's letzter Arbeit stattet\tSchmidt, dem De-\nnis's Arbeiten ganz unbekannt waren, das Casein auch mit den \u00fcbrigen Attributen des Globulins (154 p. 447 und 540) aus: dasselbe k\u00f6nne auch \u201efibrinoplastische Substanz\u201c (p. n. 120 W 48\u201460) genannt werden; nicht genug: nach der Vergleichung der Beactionen des Seroglobins und des nach Bochleder\u2019s Verfahren dargestellt Caseins (p. n. 59) findet Schmidt diese Substanzen ganz identisch und nennt das Seroglobin nur deshalb nicht Casein, weil er die Abh\u00e4ngigkeit des ersteren von dem Orte seiner Herkunft, den Blutk\u00f6rperchen, zeigen will *)!\nDurch obige Thatsachen wird der globulin\u00e4hnliche Character des Caseins, wenigstens\tvom\tStandpunkte\tder damaligen Autoren aus,\tfestgestellt. Nichts-\ndestoweniger sieht Milne-Edwards (113 p. 168), der die Ungerinnbarkeit der Milch beim Kochen f\u00fcr besonders charakteristisch f\u00fcr das Casein ansieht, f\u00fcr Casein des Blutserums\u2014cas\u00e9in h\u00e9matique\u2014den Niederschlag an, welcher durch Einwirkung von Essigs\u00e4ure beim Sieden erhalten wird, nachdem alles, was durch blosses Kochen aus dem Blutserum sich ausscheidet, entfernt worden ist; Hoppe-Seyler aber, und vor ihm auch schon Morin (p. n. 69), fand, dass auch das Casein in der Hitze gerinnt, aber nur bei hoher Temperatur, n\u00e4mlich bei 130\u00b0 in zugeschmolzenen Bohren: bei 125\u00b0 beobachtete Hoppe-Seyler keine Gerinnung (74 p. 3; 73 p. 418). Zugleich f\u00fchrt der Autor seine Beobachtungen auch \u00fcber die F\u00e4llbarkeit des Caseins durch Chlorcalcium und Magnesiumsulfat an. Millon A Commaille (110 p. 30) halten f\u00fcr Casein\n\u2019) >A\\ie man sieht, zeigt das chemische Yer-\tteren Verlaufe als Globulin ansprechen und der\nhalten dieser Substanz wesentliche Uebereinstim-\tK\u00fcrze wegen auch so bezeichnen werde, so ist\nmungen mit dem des Alkalialbuminates und des\tdamit vor allem ihr Ursprung aus den Blutzellen\nnach Rochleder\u2019s Methode dargestellten sogenann-\tihre physiologische Deutung gemeint\u201c (154 p. 440''\nten coagulirteu Caseins. Wenn ich sie im wei-\t'\t1\t* '\t'","page":72},{"file":"p0073.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n73\nden Niederschlag, welcher durch Einwirkung von yi00 Vol. 10\u00b0/o-iger Essigs\u00e4ure auf vierfach mit Wasser verd\u00fcnnte Milch erhalten wurde. Der aus dem Filtrat beim Kochen sich ausscheidende Niederschlag wurde f\u00fcr Albumin (Milne-Edwards\u2019 cas\u00e9ine h\u00e9matique) angesehen. Nach dem Abfiltriren auch dieses Niederschlags ist die Fl\u00fcssigkeit noch nicht frei von Protemk\u00f6rpern und enth\u00e4lt eine Substanz, welche die Autoren \u201elactoprot\u00e9ine\u201c (Morin\u2019s galactine\u2014p. n. 70) benannten. Sie entdeckten es in der erw\u00e4hnten Fl\u00fcssigkeit mittels Millon\u2019s Reagens. Diese Substanz wird weder von Essigs\u00e4ure und Salpeters\u00e4ure noch von Sublimat gef\u00e4llt; Alkohol aber, in grosser Menge- angewandt, bewirkt Tr\u00fcbung. Die Autoren f\u00e4llten das Lactoprote'in mit salpetersaurem Quecksilberoxydul, behandelten den erhaltenen Niederschlag mit Schwefelwasserstoff und fanden nach der Zersetzung der Niederschl\u00e4ge des Filtrats nicht einmal Spuren einer Prote'insubstanz. Nach dem Abdampfen blieb eine gummiartige Masse zur\u00fcck, welche keine die Proteink\u00f6rper charakterisirenden Eigenschaften besass. Dieser Umstand leitete die Autoren zu dem sehr merkw\u00fcrdigen Schl\u00fcsse, das Lactoprote'in besitze die besondere Eigenschaft, im freien Zustande mit dem Charakter eines Nichtproteink\u00f6rpers ') zu erscheinen (110 p. 304)! Abgesehen davon, dass die Autoren die M\u00f6glichkeit des Vorhandenseins extractiver Substanzen ausser Acht gelassen hatten, Messen sie den auf dem Filter nach der Einwirkung des Schwefelwasserstoffs zur\u00fcckgebliebenen Niederschlag bei Seite, trotzdem bei einer derartigen Behandlung des Milchserums eine Prote'insubstanz im geronnenen Zustande erhalten werden kann; darauf hatte schon 20 Jahre fr\u00fcher Ludwig (lOGp. 99) in Bezug auf das Blutserum hingewiesen.\nEs ist interessant, dass trotz der Ungewissheit, was unter dem Namen \u201eLactoprote'in\u201c dieser Autoren zu verstehen sei, sp\u00e4tere Autoren und Verfasser von Lehrb\u00fcchern das Lactoprote'in unumwunden in die Zahl der Proteink\u00f6rper aufnehmen, wohl nur aus dem Grunde, weil diese Benennung das Wort \u201eProtein\u201c enth\u00e4lt 2).\nEtwas sp\u00e4ter finden Millon & Commaille (112 p. 221) bei der Vergleichung der Reaction des ausgeschiedenen Eier- und Milchalbumins einerseits und des Caseins andererseits einen Unterschied nur darin, dass das Casein in mit Aetzkali alkalini-sirtem Wasser sich leichter aufl\u00f6st (ib. p. 221)!\nUntersuc h u n g derL\u00f6slichkeitsb e dingungen des Lact o-g 1 o b i n s i n der Milch. 1. Chemische Methoden. Nach dem Studium des Charakters des Caseins, welchem unstreitig der Charakter eines Globulins zuerkannt werden muss, bieten die L\u00f6slichkeitsbedingungen oder, im allgemeinem, der Zustand des Caseins in der normalen Milch ein besonderes Interesse. Obgleich diese Untersuchungen f\u00fcr die Geschichte des Lactoglobins kein unmittelbares Interesse bieten, finden wir hier doch ein f\u00fcr die Charakteristik des Globulins im allgemeinen n\u00fctzliches Material. In dem Bestreben der Autoren, denen h\u00e4ufig nur die Arbeiten ihrer unmittelbaren Vorg\u00e4nger bekannt waren, die Einzelheiten der L\u00f6slichkeitsbedingungen des Casei'ns zu ermitteln, wurde alles oben Dargelegte entweder ganz ausser Acht gelassen, oder war f\u00fcr manche sp\u00e4tere Autoren in Dunkel geh\u00fcllt.\nUnstreitig kommt Hoppe-Seyler das Verdienst zu, die Frage nach den L\u00f6slich-\n') .....on obtient un produit d\u2019aspect gom-\nme ux dans lequel ne se trouve plus la propri\u00e9t\u00e9 caract\u00e9ristique, suivant nous, de mati\u00e8res albumino\u00efdes....... C'est l\u00e0 une des propri\u00e9t\u00e9s les\nplus frappantes de cest mati\u00e8res essentiellement prot\u00e9iques; on ressaisit bien le prot\u00e9e qu\u2019on a\nmis en libert\u00e9, mais il ne se laisse plus cha\u00eener sous la m\u00eame forme\u201c (110 p. 304).\n2) Hoppe-\u00dceyler (78 p. 287) verglich das Lacto-prote\u00efn mit dem Case\u00efnrest. Offenbar kannte er nur ungen\u00fcgend die Arbeit von Millon & Commaille.\nK\u00fchne glaubt, das Lactoprotem \u201ek\u00f6nnte Pepton sein\u201c (91 p. 568).","page":73},{"file":"p0074.txt","language":"de","ocr_de":"74\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nkeitsbedingungen des Caseins in der Milch in der Form aufgestellt zu haben, welche die Aufmerksamkeit der Forscher am meisten auf sich zog und noch jetzl auf sich zieht.\nNachdem Hoppe-Seyler (73 p. 417; 74 p. 3) Alkalialbumin- und Case\u00fcnl\u00f6sungen in der Gestalt, wie das Casein in der Milch vorhanden ist, oder, einfacher gesagt, mit Milch verglichen hatte, bestritt er, dass die.Milch das Casein in Gestalt eines Alkalialbuminats enth\u00e4lt, da dieselbe f\u00fcr gew\u00f6hnlich sauer reagirt; das Alkalialbu-minat aber k\u00f6nne in einem sauer reagirenden Medium und noch dazu beim Kochen nicht in L\u00f6sung bleiben, um so mehr als hier die saure Reaction nicht-durch freie Kohlens\u00e4ure bedingt wird. Ueberdies bekommt frische, alkalisch reagirende Milch nach und nach saure Reaction, scheidet aber Caseinniederschl\u00e4ge beim Kochen erst bei einem gewissen Grade von Acidit\u00e4t aus, w\u00e4hrend ein Alkalialbuminat schon bei Neutralisation und Zimmertemperatur gef\u00e4llt wird (73 p. 417-8). Der Gc-rinnungstemperatur scheint Hoppe-Seyler keine besondere Bedeutung zuzuschreiben, da er beobachtet hatte, dass frische Milch bei 140\u00b0 gerinnt, w\u00e4hrend Cerebrospi-nalfl\u00fcssigkeit in einem Falle sogar bei 130\u00b0 ganz klar blieb (ib. p. 418). Ausserdem traf Hoppe-Seyler oft auf solche Kuh- und Ziegenmilch, welche beim Kochen gerannen (ib. p. 419). Gleichdem, wie schon Scherer beobachtet hatte, dass mit Essigs\u00e4ure anges\u00e4uerte Milch nicht nur beim Kochen sondern auch schon bei 80\" gerinnt, fand Hoppe-Seyler ferner auch, dass Kohlens\u00e4ure zwei Ver\u00e4nderungsstufen der Milch bedingt; frische Milch, welche in der Hitze weder bei Gegenwart noch in Abwesenheit von Kohlens\u00e4ure gerinnt, erwirbt nach mehrst\u00fcndigem Stehen die F\u00e4higkeit beim Kochen zu gerinnen, doch erst nach l\u00e4ngerer Einwirkung der Kohlens\u00e4ure. Hat die Milch noch einige Stunden gestanden, so gerinnt sie beim Kochen auch ohne vorhergehende Behandlung mit Kohlens\u00e4ure. Einige Stunden sp\u00e4ter wird die Milch von Kohlens\u00e4ure schon bei gew\u00f6hnlicher Temperatur gef\u00e4llt (ib. p. 419). Mit den gew\u00f6hnlichen Beobachtungsmethoden der beim Kochen protemhaltiger Fl\u00fcssigkeiten sich bildenden Niederschl\u00e4ge sich nicht begn\u00fcgend, kochte Hoppe-Seyler eine zwischen zwei Glaspl\u00e4ttchen befindliche d\u00fcnne Schicht Milch, gewahrte aber auch hier keine Bildung von Niederschl\u00e4gen (73 p. 421). Bei der Filtration von Kuh- und Ziegenmilch durch tierische Membranen, z. B. einen mit Wasser und Alkohol ausgewaschenen Harnleiter des Menschen, unter 150 mm. Druck der Quecksilbers\u00e4ule, wurde eine Fl\u00fcssigkeit erhalten, welche beim Kochen einen Niederschlag ausschied, nach dessen Abtrennung das Filtrat von Essigs\u00e4ure oder Chlorcalcium aufs neue gef\u00e4llt wurde. Diese Umst\u00e4nde h\u00e4lt Hoppe-Seyler f\u00fcr gen\u00fcgende Beweisgr\u00fcnde f\u00fcr das Vorhandensein von Albumin in der Milch, wobei er aber vergisst, dass er selbst gefunden hatte, dass gestandene Milch die F\u00e4higkeit erwirbt, beim Kochen Niederschl\u00e4ge auszuscheiden, wie oben erw\u00e4hnt wurde!\nGleichsam als Antwort auf die von Hoppe-Seyler aufgeworfenen Fragen erscheint A. M\u00fcller\u2019s Arbeit (122 p. 49). Dieser Forscher zeigte, dass mit verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure bei 30\u00b0\u201440\u00b0 gef\u00e4lltes Casein nach dem Auswaschen mit Wasser und Aether in verd\u00fcnnter l\u00b0/0-iger Aetznatronl\u00f6sung und in gew\u00f6hnlichem Natriumsulfat sich l\u00f6ste, wobei nach der Dialyse der erhaltenen L\u00f6sungen die Fl\u00fcssigkeit aus der Diffusionszelle in beiden F\u00e4llen in der W\u00e4rme nicht gerann! Die Fl\u00fcssigkeiten aus der Diffusionzelle reagirten neutral und waren getr\u00fcbt.\nWas das ausgeschiedene Casein anbetrifft, so scheint Hoppe-Seyler dasselbe '),\n') \u201eFs entstehen hei dieser Einwirkung der unter einander gut ubereinstinnnen und ebenso Aetzalkalien auf die Albuminstoffe zun\u00e4chst K\u00f6r- keine Differenz von dem Casein der Milch zeigen1' per, die in den bisher untersuchten Rcactionen (75 p. 188J.","page":74},{"file":"p0075.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n75\nobgleich sp\u00e4ter (1865, 77 p. 188), mit dem durch Einwirkung von S\u00e4uren aus einer Alkalialbuminatl\u00f6sung erhaltenen Niederschlage (ib. p. 188-9) zu identificiren. Offenbar erhielt Hoppe-Sevler das Casein in unl\u00f6slichem oder schwerl\u00f6slichem Zustande, da er dasselbe in Salzen f\u00fcr unl\u00f6slich erkl\u00e4rt (ib. p. 191), wobei er diese Reaction f\u00fcr charakteristisch ansieht und ihr sogar eine diagnostische Bedeutung zuschreibt (ib. p. 289). Trotzdem finden wir bei Hoppe-Seyler die erste Methode quantitativer F\u00e4llung des Caseins, welche in allen Einzelheiten mit der Methode \u00fcbereinstimmt, die seit Denis und Panum ausgearbeitet ist und in letzter Zeit bei der Darstellung des Globulins aus Blutserum und Eiweiss allgemein in Anwendung kommt (p. n. 118 AhM 48\u201460). Hoppe-Seyler empfiehlt die Milch mit 20 Yol. Wasser zu verd\u00fcnnen und dann sehr verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure bis zum ersten Erscheinen eines Niederschlags zuzusetzen, ferner %\u25a0\u2014*/2 Stunde lang Kohlens\u00e4ure durchzuleiten. Nachdem das Ge-f\u00e4ss einige Stunden zugedeckt gestanden hat, scheidet sich das Casein in fadenf\u00f6rmigen Flocken aus, w\u00e4hrend das Filtrat Albumin enth\u00e4lt; dieses wird durch Kochen abgetrennt. Auf \u00e4hnliche Weise f\u00e4llen Millon & Commaille das Casein: sie versetzen die Milch mit 4 Yol. Wasser und s\u00e4uern sie mit Kohlens\u00e4ure an (111p. 120).\nDiese Unconsequenz, n\u00e4mlich die Annahme, dass neben dem Casein auch Albumin in der Milch vorhanden sei, ist in Hoppe-Seyler\u2019s Arbeiten besonders befremdlich, da er selbst die Abh\u00e4ngigkeit der F\u00e4llung des Caseins von der W\u00e4rme einerseits und von der Essig- und Kohlens\u00e4ure andererseits so eingehend studirt hatte. Im Hinblick darauf k\u00f6nnen wir mit vollem Recht behaupten, dass Hoppe-Seyler\u2019s Albumin nichts anderes als der Caseinrest ist, der nur unter gewissen Umst\u00e4nden\u2014in Abh\u00e4ngigkeit von der Zeit, wann die Milch gemolken wurde, von der Menge der S\u00e4uren und der Temperatur\u2014ausf\u00e4llt; diese Umst\u00e4nde beeinflussen auch die Ausscheidung des gew\u00f6hnlichen Caseins, nur mit dem Unterschiede, dass der eine Teil derselben Proteinsubstanz fr\u00fcher, der andre sp\u00e4ter ausf\u00e4llt. Dies ist um so richtiger, als das Casein der Frauenmilch unter diesen Umst\u00e4nden garnicht ausf\u00e4llt, wie Tolmatschoff (189 p. 272) in Hoppe-Seyler\u2019s Laboratorium gezeigt hat. Trotz dieser Reaction, welche, den Autoren nach, best\u00e4tigt, dass hier kein Casein sondern nur Albumin vorhanden ist, sehen wir, dass der Gedanke der Forscher, sobald es sich um Milch handelt, so zu sagen fordert, dass sie Casein enthalte. Diese fatale Beziehung zwischen den Worten \u201eMilch\u201c und \u201eCasein\u201c wie sie in der Kuhmilch besteht, hat die Autoren veranlasst auch in der Frauenmilch, sei es auch mit solchen Agentien wie Alkohol, welches sowohl Albumin als Casein f\u00e4llt, Casein zu suchen. Deshalb sah Tohnatschoff einen in Frauenmilch auf diese Weise erhaltenen Niederschlag f\u00fcr Casein an! Um albuminfreies Casein zu erhalten, f\u00e4llte Tolmatschoff Frauenmilch durch S\u00e4ttigung mit krystallinischem Magnesiumsulfat in Substanz und wusch den Niederschlag auf dem Filter mit concentrirter Magnesiumsulfatl\u00f6sung aus. Doch findet Biddert (9p. 29), dass Frauenmilch von diesem Magnesiumsalz nicht immer gef\u00e4llt wird. \u00dcberhaupt fehlen der Frauenmilch die f\u00fcr die Kuhmilch charakteristischen Reactionen\u2014sie wird z. B. von S\u00e4uren weder bei Zimmertemperatur noch beim Kochen gef\u00e4llt u. s. w.\nPm ganzen best\u00e4tigen die Untersuchungen der letztgenannten Autoren die Identit\u00e4t des Caseins und des Globulins, dessen Vorhandensein Tolmatschoff auch in der Frauenmilch nachgewiesen hat.\nHoppe-Seyler\u2019s Zweifel l\u00f6ste in gelungener Weise Rollet (143 p. 547), indem er zeigte, dass eine Alkalialbuminatl\u00f6sung in Gegenwart saurer phosphorsaurer Salze von S\u00e4uren nicht sogleich gef\u00e4llt wird, dass ein Alkaliphosphat auch in der Milch die F\u00e4llung des Caseins durch S\u00e4uren verhindern kann, da die zur F\u00e4llung dienende S\u00e4ure zum teil durch das Alkali des Natriumphosphats neutralisirt wird,","page":75},{"file":"p0076.txt","language":"de","ocr_de":"76\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\ninfolgedessen saures Natrium phosphat sich bildet, welches der Milch eine sa c Reaction verleiht; dabei bleibt das Casein in Losung und beginnt erst bei weiterem S\u00e4urezusatz, d. h. wenn der ganze Vorrat an phosphorsauren Alkalien in em saures Salz sich verwandelt hat. nun schon in Gegenwart von freiei Same auszufallen und das Alkalialbuminat... *).\t. h\nNach dem Dargelegten versteht K\u00fchne s Behauptung (1868, 01 p. 060) sich von seihst, dass das Casein als besonderer K\u00f6rper garnicht exis-tirt und das, was in der frischen Milch Casein genannt cv i r d nicht mehr und nicht weniger als e 1 n A 1 k a 11 a 1 b u m 1-11 a t ist \u201eAlle Reactionen. welche ausschliesslich dem Casein zugeschrieben worden, erscheinen einfach und leicht verst\u00e4ndlich, wenn man in Betracht zieht dass die Milch eine Alkalialbuminatl\u00f6sung, Kalium phosphat und eine o-ewisse Anzahl Substanzen enth\u00e4lt, welche beider G\u00e4hrung freie S\u00e4uren ausschei-don (Milchzucker, Butter)\u201c, sagt K\u00fchne. \u201eEin reines. Albuniinat, wenn es. Alkalien oder Alkalicarbonate nicht im Ueberscliuss enth\u00e4lt, wird nicht nur von einer ganz unbedeutenden Menge Essig- oder Milchs\u00e4ure sondern auch von Kohlens\u00e4ure missf\u00e4llt- ist aber in der L\u00f6sung zugleich ein Alkaliphosphat vorhanden so bewirkt Kohlens\u00e4ure gar keine F\u00e4llung und Essigs\u00e4ure nur in dem Falle, wenn die hhissig-keit stark sauer zu reagiren anf\u00e4ngt, n\u00e4mlich wenn das s\u00e4mmtliclie gew\u00f6hnliche Bhosphat in ein saures Salz verwandelt ist m dem Augenblicke, wo die Losung\nEssigs\u00e4ure im \u00dcberschuss enth\u00e4lt (ih. p. 565).\t.\t,\nDieser Vorstellung von dem Verhalten des Lactoglobins 111 der Milch entspic-clien auch Br\u00fccke\u2019s Beobachtungen (20 p. 002), denen zufolge eine schwache Bor-s\u00e4urel\u00f6suim das Case\u00efn nicht f\u00e4llt, sollte die Mischung sogar stark sauer reagiren. Anders verh\u00e4lt sich die Sache, wenn die Milch in kleinen Portionen in eine starke Bors\u00e4urel\u00f6sung eingetragen wird: es entsteht ein Niederschlag, der in Salzen unl\u00f6slich ist- wird aber derselbe durch Auswaschen zuerst mit \\v asser. dann mit Aether von der Bors\u00e4ure befreit, so l\u00f6st er sich sowohl in verd\u00fcnnten Alkalilosungen als auch in Borax.\t, , .\t,\t,\t,\nGleichdem wi\u00f6 Hoppc-Soylor clic allm\u00e4ligc Entstellung dei F\u00e4lligkeit, cluic\n\u2019 \u25a0 '\t\"\tfand auch Kem-\ndesto mehr Casein verd\u00fcnnten Milch sich niederschl\u00e4gt.\nW\u00e4rme gef\u00e4llt zu werden, im Casein beobachtete (p. n. 202), merich (85 p. 401), dass, je l\u00e4nger die Milch bei 37\u00b0\u201440\u00b0 steht, bei der Ans\u00e4uerung einer solchen aber mit 10\u201420 Vol. Wasser mit Essigs\u00e4ure und darauffolgender Behandlung mit Kohlens\u00e4ure Dieser Umstand veranlasst Kemmerich einen Uebergang des \u201eAlbumins1 m \u00bbCasein\u00ab anzunehmen. Bei der Wiederholung dieser Versuche fand Schmidt-M\u00fchlheim (159 p. 243), das Gegenteil, d. h. Verringerung der Caseinmenge,\nHoppe-Sevler\u2019s Beobachtungen finden ihre Erkl\u00e4rung auch noch von einer anderen Seite. Soxlilet (178 p. 120) zeigte, dass mit Essigs\u00e4ure bis zur Ueberf\u00fchrung des Natriumphosphats in das saure Phosphat versetzte Milch das Casein m Lo-suno- erh\u00e4lt, sobald aber ein Kohlens\u00e4urestrom durchgeleitet wird, das Casein auszufallen beginnt. Zugleich beobachtete Soxlilet (179 p. 121), dass lange Zeit bei 1\u00b0\u20142\u00b0 gestandene Milch erst nach 28 Tagen anfing beim Kochen zu gerinnen und erst nach 34 Tagen spontan gerann.\n*) Die Frage nach dem Verhalten des Lacto-globirts zu den Alkalien, S\u00e4uren und Salzen in der Milch ist vom historischen Standpunkte aus gut hei Kirchner (1877, 67 j\u00bb. 1\u2014DO bearbeitet, der zahlreiche Controllversuchc ausf\u00fchrte und zu denselben Schl\u00fcssen wie Rollet gelangte.\n-) \u201eDie fr\u00fchere Annahme eines besonderen Eiweissstoffes, des Caseins, in der Milch, muss aufgegeben werden, seit s\u00e4mmtliclie Liweissreactio-nen der Milch an den k\u00fcnstlichen L\u00f6sungen der Alkalialbuminate nachgewiesen worden sind...1' (91 p. 565).","page":76},{"file":"p0077.txt","language":"de","ocr_de":"BAS GLOBULIN DEN MILCH.\n77\n2) Physik alische Methoden. A. Historische Thatsach en. Neben der von Hoppe-Seyler aufgeworfenen Frage nach der L\u00f6slichkeit des Lacto-globius in der Milch auf Kosten chemischer Agentien, fing man an, diese Frage wiederum auch vom physikalischen Standpunkte aus zu studiren.\nMillon & Commaille (1865, 111 p. 118) bemerkten, dass mit 4 Vol. Wasser versetzte Milch auf dem Filter einen R\u00fcckstand hinterl\u00e4sst, welcher sich von dem gew\u00f6hnlichen durch F\u00e4llung mit Essigs\u00e4ure erhaltenen Casein durch nichts unterscheidet. Diese Beobachtung veranlasst die Autoren zu behaupten, dass ein Teil des Caseins in der Milch suspendirt ist, der andere, gr\u00f6ssere, Teil dagegen im gel\u00f6sten Zustande sich befindet und aus der Milch durch Einwirkung von S\u00e4uren: Essigs\u00e4ure Schwefels\u00e4ure, Salpeters\u00e4ure, Phosphors\u00e4ure und Oxals\u00e4ure ausgeschieden wird. Commaille (24 p. 118), der das Vorhandensein des Caseins in der Milch teils in sus-pendirtem, teils in gel\u00f6stem Zustande annimmt, spricht die Meinung aus, dass die Milch in der Brustdr\u00fcse ausschliesslich gel\u00f6stes Casein enth\u00e4lt und alkalisch reagirt; nach der Ausscheidung aus der Dr\u00fcse nehme sie nicht nur die saure Reaction an, ohne welche Commaille Kuhmilch niemals angetroffen hat, sondern das Casein aus solcher Milch gehe auch in den suspendirten Zustand \u00fcber, und gel\u00f6stes Casein sei darin nicht mehr vorhanden, was leicht durch Filtration dargethan werden k\u00f6nne. Ferner giebt Commaille (ib. p. 119) in der Milch die Gegenwart von Albumin zu, welches er \u201elactalbumine\u201c und \u201elactoproteino\u201c nennt, wovon wir schon gesprochen haben (p. n. 72). Acht Jahre sp\u00e4ter erinnert Commaille den Leser gleichsam an das, was er fr\u00fcher gesagt hatte, indem er das soeben Dargelegte fast w\u00f6rtlich wiederholt (1874, 25 p. 1359). Den Schl\u00fcssen der genannten Autoren stimmt auch Kwi-cynski (92 p. 12 u. and.) bei, indem er gleichfalls das Vorhandensein eines Lactal-bumins und Lactoproteins zugiebt.\n\\on Hoppe-Seyler\u2019s (p. n. 72) Versuchen ausgehend, benutzte Zahn (193 p. 598) por\u00f6se Thoncylinder, in welchen entfettete und caseinfreie Milch infolge des negativen Drucks, der in den Cylindern mittels einer Bunsen\u2019sche Wasserpumpe hervorgebracht wird, durchsickert. In Zahn s Versuchen reagirte die Milch meist sauer, doch war in diesem Filtrat immer, obgleich in geringer Menge, ein K\u00f6rper vorhanden, welcher beim Kochen ausfiel und von Zahn f\u00fcr Albumin angesehen wurde. Ein Niederschlag wurde im Filtrat auch durch Alkohol erhalten: Essigs\u00e4ure erzeugt jedoch keinen Niederschlag, Salpeters\u00e4ure bewirkt zwar einen solchen, l\u00f6st ihn aber sogleich wieder auf und f\u00e4rbt die L\u00f6sung beim Kochen gelb. Diese Reactionen hielt Zahn f\u00fcr gen\u00fcgend, um behaupten zu k\u00f6nnen, dass das Filtrat in der W\u00e4rme gerinnendes Albumin enth\u00e4lt, dessen Gehalt bis 0,108\u20141,4% geht (ib. p. 602). Im weiteren kochte Zahn die Milch, bevor er sie durch die por\u00f6sen Cylinder filtrirte und fand, dass in diesem Fall das Filtrat beim Kochen schon keine Niederschl\u00e4ge mehr ausschied. Seiner Meinung nach w\u00fcrde das darauf hinweisen, dass das Albumin schon beim Kochen der Milch sich ausgeschieden hatte (ib. p. 604) obgleich das Filtrat nicht nur mit Salpeters\u00e4ure sondern auch mit Essigs\u00e4ure eine Reaction gah, welche unzweifelhaft auf die Gegenwart von Albumin, wenn auch in unbedeutender Menge, hinwies (ib.p. 604).\nKehrer (1871,84 p. 1) wiederholte Zahns\u2019s Versuche, indem er die Gummikapsel durch Pfropfen und die Bunsen\u2019sche Pumpe durch eine gew\u00f6hnliche Luftpumpe ersetzte. Im ganzen best\u00e4tigt er Zahn\u2019s Angaben und findet gleich ihm, dass auch das Filtrat der Frauenmilch diese Reaction giebt (ib. p. 28).\nNachdem jedoch Schwalbe (163 p. 66), durch vorl\u00e4ufige Versuche von der Ungerinnbarkeit der Milch durch Senf\u00f6l (1 Tropfen auf 10\u201420 gr. Milch) im Laufe mehrerer Monate sich \u00fcberzeugt hatte, fand er, dass bei lange andauernder Filtration durch por\u00f6se Cylinder zuerst Albumin, dann Albumin und Casein \u00fcbergehen,","page":77},{"file":"p0078.txt","language":"de","ocr_de":"78\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nund zuletzt nur Casein in den Cylindern erscheint. Soxhlet (177 p. 1\u201457) f\u00fchrte 'Versuche mit einer k\u00fcnstlichen Emulsion von Fett und Alkalialbumat aus und fand, dass dieselbe ebenso schlecht wie die Milch in Zahn\u2019s Versuchen durch die por\u00f6-ren Cylinder hindurchfiltrirt; er meint, dass, wenn zwischen dem Casein und einem Alkalialbuminat ein Unterschied auch vorhanden ist, derselbe jedenfalls sich auf \u00e4ussere Umst\u00e4nde beziehe: sowohl zwischen dem Casein und einem Alkalialbuminat als auch zwischen dem Casein und einer Albuminl\u00fcsung in Natriumcarbonat gebe es keinen Unterschied!\nIm allgemeinen sind die Autoren geneigt einen gr\u00f6sseren Unterschied zwischen Kuhmilch und Frauenmilch, als zwischen Kuhmilch und einer Alkalialbuminatl\u00f6sung zu finden. So f\u00fchrt Biddert (10 p. 163) aufs neue die alte Beobachtung an. nach welcher Frauenmilch zum Unterschied von Kuhmilch von 2 Tropfen 0,4%-iger Chlorwasserstoff-, Salpeter-, Phosphor- oder Schwefels\u00e4ure, von verd\u00fcnnter oder con-ccntrirter Milchs\u00e4ure und Aluminiumsulfat nicht gef\u00e4llt wird, w\u00e4hrend Kuhmilch unter gleichen Bedingungen und von gleichen Mengen dieser S\u00e4uren sogleich einen Niederschlag ausscheidet. Biel (11p. 166) fand auch, dass weder Frauenmilch noch Stutenmilch von Essigs\u00e4ure oder Lab gef\u00e4llt wird. Diesem stimmt auch Langaard, (04 p. 120), zugleich Biddert\u2019s und Biel\u2019s Angaben best\u00e4tigend, bei.\nEs wirft sich von selbst die Frage auf. ob Frauenmilch und Stutenmilch einerseits und die Milch von Schweinen und Hunden andererseits f\u00fcr caseinhaltig anzusehen seien, wenn man die ausschliessliche Reaction, die nur an der Kuhmilch beobachtet wird, n\u00e4mlich F\u00e4llbarkeit durch Essigs\u00e4ure, in Betracht zieht, wodurch diese Milch von dem Blutserum sich unterscheidet, dessen Gerinnbarkeit durch W\u00e4rme ein Analogon in der Milch der Hunde und Schweine sowie im Colostrum eines jeden Tieres findet. Offenbar befinden sich die Proteinsubstanzen in den aufgez\u00e4hlten Fl\u00fcssigkeiten unter verschiedenen Bedingungen, welche ihrerseits die Ursache des Unterschieds in den erw\u00e4hnten Reactionen sind. W\u00e4hrend aber die Autoren ihre Versuche mit einer zusammengesetzten Fl\u00fcssigkeit\u2014der Milch \u2014 ausf\u00fchrten, setzten sie die Resultate ihrer Beobachtungen ausschliesslich auf Rechnung . der Eigenschaften des Caseins; irgend welchen Abweichungen, sogar in quantitativer Beziehung, begegnend, zogen sie es vor, dieselben durch die Gegenwart eines neuen Proteink\u00f6rpers zu erkl\u00e4ren, anstatt die Bedingungen dieser Abweichungen durch eingehendere Untersuchungen des Grundk\u00f6rpers n\u00e4her zu erforschen. Nur dadurch l\u00e4sst es sich auch erkl\u00e4ren, warum fast jeder Autor, wie wir gesehen, seine eigene Liste, sein eigenes Schema der Proteink\u00f6rper der Milch zu-sammenstellt, dabei fast immer von einem ungen\u00fcgend begr\u00fcndeten Satze ausgehend. So entfernte z. B. Selmi (166 p. 1463) das \u201esuspendirte Casein\u201c durch einfache Filtration, behandelte das Filtrat mit \u2018/5 Vol. absoluten Alkohols und erhielt einen Niederschlag von \u201el\u00f6slichem Casein\u201c; dessen Filtrat scheidet mit 4/5 Vol. frischen Alkohols wieder einen Proteink\u00f6rper als Niederschlag aus, den Selmi \u201eGelaktin\u201c nennt, wobei er in der Anmerkung erkl\u00e4rt, dass Morin mit diesem Namen einen \u201eleimgebenden Eiweissstoff\u201c (V!) im Milchserum benannte. Die Gelaktinl\u00f6sung tr\u00fcbt sich bei 50\u00b0, ein Niederschlag entsteht aber erst bei 95\u2014100\u00b0. Nach einer solchen Behandlung konnte Selmi offenbar Millon\u2019s Lactoprotein auch nicht finden, d. b. das letzte Filtrat gab mit Sublimat keinen Niederschlag. Dies scheint jedoch nicht immer der Fall gewesen zu sein, da gestandene Milch, wie Selmi findet, das Vorhandensein auch von Lactoprotein bekundete. Das K\u00fcnstliche einer solchen Einteilung liegt klar zu Tage. Bei Hammarsten (64 p. 119; 63 p. 135) finden wir eine Best\u00e4tigung der Beobachtungen seiner Vorg\u00e4nger \u00fcber das Zur\u00fckhalten des Caseins vom Filter (p. n. 56); trotzdem findet Hammarsten zwischen dem Casein und der in L\u00f6sung gebliebenen Proteinsubstanz keinen Unterschied, da bei der\ni!\n1","page":78},{"file":"p0079.txt","language":"de","ocr_de":"D\u00c0S GLOBULIN D\u00cbR M\u00ceLC\u00cb.\n?9\nWiederholung des Filtrirens immer mehr und mehr Casein von dem Filter zur\u00fcckgehalten wird, und zuletzt ein sowohl an Fetten als auch an Proteink\u00f6rpern armes Filtrat durchl\u00e4uft. Auch Hoppe-Seyler behauptet jetzt (1877, 77 p. 728), seine Beobachtungen an gekochter Milch, welche bei der Probe in einer \u00e4usserst d\u00fcnnen Schicht zwischen zwei Glaspl\u00e4ttchen keinen Niederschlag ausschied (p. n. 202-S), vergessend, dass normale Milch suspendirte Partikelchen enth\u00e4lt, da solche bei der Behandlung mit Aether in der Milch gefunden werden *)!\nSomit wirft sich die Frage nach der Bedeutung der Filtration immer wieder auf und wird unter neuen Versuchsbedingungen immer wieder gepr\u00fcft. Lehmann, Jul. (102 p. 358; 103 p. 263) brachte frische Milch mittels Pipetten auf por\u00f6se gebrannte Thonplatten, wobei an der Oberfl\u00e4che, wie Lehmann meinte, nur die Fette und das Casein Zur\u00fcckbleiben sollten. Beim Erw\u00e4rmen der Platte mit dem R\u00fcckstand schmolzen die Fette und konnten dann leicht mittels Aether entfernt werden w\u00e4hrend der R,est aus Casein bestand. Dieses Verfahren schlug Lehmann sogar zur quantitativen Bestimmung des Caseins vor (ib. p. 360). Hermann & Fr\u00e4ulein Dupr\u00e9 (69 p. 443) fanden jedoch, indem sie Milch in verschiedenen Verh\u00e4ltnissen mit dem Pulver solcher ausgewaschener, getrokneter und zerstossener por\u00f6ser Cylinder, wie sie gew\u00f6hnlich bei Zahn\u2019s Versuchen gebraucht wurden, vermischten, dass, wenn die Mischung mehr Pulver als Milch (4 : 3) enthielt, ein Filtrat erhalten wurde, welches von Essigs\u00e4ure garnicht getr\u00fcbt wurde, w\u00e4hrend bei einem geringeren Gehalt an Pulver Essigs\u00e4ure das erhaltene Filtrat tr\u00fcbte. Analoge Ptesultate erhielten dieselben Autoren auch bei der Filtration durch tierische Kohle. Dabei bemerkten sie, dass, je l\u00e4nger das Gemenge bis zur Filtration gestanden hat, desto weniger Protei'nk\u00f6rper das Filtrat enth\u00e4lt. Nachdem die Versuche mit den por\u00f6sen Cylindern mislungen waren, wandten Rochefontaine & Marcus (14 p. 120) zuletzt Filtration der Milch und des Serums durch gut ausgewaschene und von den organischen Substanzen befreite thierische Kohle oder desgleichen Gyps an. Sie bemerkten dabei, dass sowohl aus der Milch als auch aus dem Blutserum Filtrate erhalten werden, die keine Proteine enthalten, da die Reaction auf Essigs\u00e4ure fehlt (ib. p. 120), w\u00e4hrend schon fr\u00fcher einer dieser Forscher\u2014Marcus\u2014gezeigt hatte, dass ein Alkali-albuminat (albumine de potasse) in grossen Mengen durch den Filter geht (ib. p. 121).\nB. Experimentelle That sache n. Alle Missverst\u00e4ndnisse, die bei dem Studium der Eigenschaften des Filtrats der Milch durch por\u00f6se K\u00f6rper entstehen, werden leicht durch die von E. Maljutin in unserem Laboratorium (109 p. 249) erhaltenen Thatsachen gel\u00f6st. Zum Filtriren der Milch benutzte genannter Autor eine Batterie aus 7\u20148 hohen und schmalen Thoncylindern von galvanischen Elementen. Die Cylinder wurden vorher in destillirtem Wasser gewaschen und ausgekocht; Wasser wurde unter Druck auch durch die W\u00e4nde der Gef\u00e4sse durchgelassen, worauf diese getrocknet und im Luftbade sterilisirt wurden. Jeder Cylinder wurde mit einem gut angepassten, etwas konisch geschnittenem Gummipfropfen versehen, durch welchen ein t-f\u00f6rmiges Rohr ging, welches mittels Gummischl\u00e4uche mit den freien Enden \u00e4hnlicher Rohre der anderen Cylinder verbunden war; in diesen Kreis f\u00fchrte man auch einen Quecksilbermanometer und eine Handluftpumpe ein, welch letztere einen negativen Druck von 600\u2014650 mm. in den Cylindern\n\u2019) \u201e\u00a7 340. Extrahirt man Milch mit sehr grossen .Mengen Aether, so ist es nicht so schwierig, als man fr\u00fcher geglaubt hat, die Fette zu entfernen; alter die Fl\u00fcssigkeit wird hierdurch nicht klar, sondern en!h\u00e4lt jetzt Partikel von verschiedener, aber stets sehr geringer Gr\u00f6sse, die nur aus Ca-\nsein oder Nuclein oder aus beiden zusammen bestehen k\u00f6nnen. Es ist einleuchted, dass diese ungel\u00f6sten Theilchen schon vor der Behandlung mit Aether vorhanden sein mussten (?!). Durch Zusatz von Alkalilauge werden sie schnell und vollkommen gel\u00f6st\u201c (77 p. 728).","page":79},{"file":"p0080.txt","language":"de","ocr_de":"80\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nhervorbrachte. Ein jeder der por\u00f6sen Cylinder der Batterie war in einen besonderen, mit Milch angef\u00fcllten Glasbecher von entsprechender H\u00f6he gestellt. Es wurde frische Milch dazu genommen, welche gew\u00f6hnlich amphoter, zuweilen schwach sauer reagirte. In der warmen Jahreszeit wurden diese Becher, um Ver\u00e4nderung der Milch zu verh\u00fcten, in Eis gestellt. Uebrigens kann man hei der Benutzung einer solchen Batterie in kurzer Zeit eine f\u00fcr die Analyse gen\u00fcgende Menge Milch erhalten, ohne dabei eine fermentative Wirkung bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. So fand denn E. Maliutin, dass die in den ersten 10 Minuten, nachdem die Pumpe in Th\u00e4tigkeit gesetzt wurde, erhaltenen Portionen des Filtrats nur Wasser und Zucker enthielten: gew\u00f6hnliche Analyse liess weder Salze noch Eiweiss (Millon\u2019s Reagens) entdecken. Die zweite, nach ya\u2014st\u00fcndigem Pumpen genommene Portion des Filtrats war eine ganz klare Fl\u00fcssigkeit, welche \u201eschwach alkalisch reagirte, beim Kochen sich tr\u00fcbte und einen feinen filzartigen Niederschlag ausschied, den 1 Trop- ^ feil Salpeters\u00e4ure zum Schwinden brachte; der Zusatz gr\u00f6sserer Quantit\u00e4ten Salpeters\u00e4ure und auch Millon\u2019s Reagens wies auch in dieser Portion kein Eiweiss nach.\nDie Reaction auf Ammoniummolybdat l\u00e4sst in der Fl\u00fcssigkeit die Gegenwart von Phosphaten erkennen\u201c. Das eine Stunde nach dem Beginn der Filtrationen genommene Filtrat stellt ebenfalls eine farblose Fl\u00fcssigkeit vor \u201eaber schon von compli-\t*\ncirterer Zusammensetzung. Der Geschmack erinnert an frischgemolkene Milch; beim Kochen entsteht Tr\u00fcbung unter Ausscheidung eines feinflockigen Niederschlags. Zusatz eines Tropfens Salpeter- oder Essigs\u00e4ure oder \u00fcberhaupt irgend einer S\u00e4ure sowie Durchleitung von Kohlens\u00e4uregas (nachdem die Fl\u00fcssigkeit abgek\u00fchlt ist) bringt den Niederschlag zum Schwinden; wird aber eine gr\u00f6ssere Menge Salpeters\u00e4ure zugesetzt, so bilden sich gr\u00f6ssere Eiweisscoagula, und die ganze Fl\u00fcssigkeit bekommt eine gelbliche F\u00e4rbung (Xantoprote\u00efnreaction)\u201c. E. Maliutin bemerkte bei diesen Versuchen, dass das Filtrat viel alkalischer war als die zur Untersuchung genommene Milch: \u201efolglich, wenn die Milch schwach sauer reagirte, so reagirte\tjj\ndas Filtrat neutral oder schwach alkalisch, war dagegen die Reaction der Milch amphoter, so reagirte das Filtrat unzweifelhaft alkalisch\u201c. Ein solches Verhalten wurde bei den Versuchen beobachtet, welche nur kurze Zeit, 1\u20142 Stunden, dauerten; liess man dagegen die Cylinder \u201e10\u201412 Stunden in der Milch stehen, su wurde zwar die ausserhalb der Cylinder befindliche Milch nicht sauer, d. h. schlug * sich beim Kochen nicht nieder, die innerhalb befindliche Fl\u00fcssigkeit aber reagirte ebenso wrie die aussen befindliche Milch oder sogar saurer\u201c. Diese Fl\u00fcssigkeit schied beim Kochen einen volumin\u00f6sen Niederschlag aus, den 1 Tropfen Salpeters\u00e4ure nicht zum Schwinden brachte und der sich deutlich als Eiweiss kund gab (ib. p. * 250\u20141). Bei der Untersuchung des obenerw\u00e4hnten krystallinischen Niederschlags, welcher beim Kochen der nach kurzer Zeit. z. B. nach */2 Stunde, durchfiltrirten Fl\u00fcssigkeit erhalten wurde, fand Maliutin, dass derselbe alle Eigenschaften der phosphorsauren Erdalkalien, vornehmlich des Calciumphosphats besass, wor\u00fcber wir. wie erw\u00e4hnt (p. n. 58), einige Angaben bei Quevenne finden. Die soeben beschriebenen Beobachtungen berechtigten E. Maliutin zu der Aussage, dass bei sorgf\u00e4ltiger Ausf\u00fchrung der Filtration der Milch durch por\u00f6se Cylinder innerhalb dieser eine Fl\u00fcssigkeit erhalten wird, welche alkalischer als die zum Versuche genommene Milch reagirt und heim Kochen nicht Albumin sondern Phosphate ausscheidet. Eiweiss dagegen kann beim Kochen (des Filtrats) nur in dem Falle ausfallen, wenn die in dem Cylinder befindliche Fl\u00fcssigkeit sauer wird und der Gerinnungsprocess des Eiweisses in derselben mit einem solchen in gew\u00f6hnlicher Milch identisch ist\u201c. Im weiteren findet Maliutin, dass beim Kochen genuiner Milch die Phosphate nicht ausfallen, da gekochte frische Milch durch die por\u00f6sen","page":80},{"file":"p0081.txt","language":"de","ocr_de":"1)\u00c0\u00e0 GLOB\u00dctTN D\u00c8S. M1L\u00d6H.\n81\nCylinder ein Filtrat ausscheidet, aus welchem beim Kochen sich ausschliesslich Phosphate niederschlagen. Somit gehen die Bedingungen, welche die erw\u00e4hnten Phosphate in der geuuinen Milch in L\u00f6sung erhalten, nicht in das Filtrat \u00fcber, wohin offenbar die l\u00f6slichen Phosphate dank der sie begleitenden Kohlens\u00e4ure, die beim Kochen abgetrieben wird und unl\u00f6sliche Phosphate zur\u00fcckl\u00e4sst, \u00fcbergehen. Die Richtigkeit dieser Schl\u00fcsse pr\u00fcfte Maliutin durch folgenden ^Versuch. \u201eEs wurde eine L\u00f6sung von Calcium- uud Magniumphosphat in Kohlens\u00e4ure bereitet und das gleiche Volum 0,1%-iger Milchs\u00e4ure zugegeben. Diese Fl\u00fcssigkeit reagirte sauer, und die Phosphate fielen beim Kochen nicht aus; nachdem aber die Fl\u00fcssigkeit durch die por\u00f6sen Cylinder gedrungen war, reagirte sie neutral und schied beim Rochen einen unfangreichen flockenartigen Niederschlag aus\u201c.\nMaliutin\u2019s Versuche wiederholend, bedienten wir uns der Chamberland\u2019schen por\u00f6sen Cylinder (Kerzen), die in den Pasteur-Chamberland\u2019schen Filtern benutzt werden. Das Rohr dieser Cylinder wurde mittels eines dickwandigen Gummirohrs mit einer Quecksilberpumpe verbunden, worauf der Cylinder in einen Becher mit Milch gestellt und die Pumpe in Th\u00e4tigkeit gesetzt wurde. Dieses Verfahren ist unstreitig einfacher und bequemer als alle fr\u00fcher beschriebenen, von M\u00fcller, Zahn u. and. angewandten Methoden. Mittels der Chamberland\u2019schen Cylinder angestellte Beobachtungen best\u00e4tigen vollkommen (ib. p. 253) Maliutin\u2019s Schl\u00fcsse, wonach \u201edas aus der Milch in den por\u00f6sen Cylindern erhaltene Filtrat beim Kochen einen Niederschlag ausscheidet, der nicht aus Eiweiss sondern aus Calcium- und Magnium-phosphaten besteht, welch letztere infolge der Entweichung der sie in L\u00f6sung erhaltenden Kohlens\u00e4ure ausfallen; das Eiweiss in die ersten Portionen des Filtrats garnicht \u00fcbergeht und dessen Gegenwart in demselben sogar mittels so empfindlicher Reagentien wie das Millon\u2019sche nicht nachzuweisen ist; und in den nachfolgenden Portionen das Eiweiss beim Kochen zwar durchdringt, aber nicht ausf\u00e4llt, es sei denn, dass das Filtrat sauer geworden sei\u201c. Im allgemeinen \u201ezeigt ein richtig nach Zahn\u2019s, Methode ausgef\u00fchrter Versuch, dass die Milch Eiweiss enth\u00e4lt, welches aber, gleich dem Casein, in der W\u00e4rme nicht gerinnt, ob es durch por\u00f6se Cylinder filtrirt werde oder sich neben dem Casein in der Milch befinde. In Zahn\u2019s Versuch entstand ein Fehler dadurch, dass er den beim Kochen des Filtrats erhaltenen Niederschlag nicht untersuchte und die ausgeschiedenen Phosphate deshalb f\u00fcr Eiweiss ansah, weil infolge der langen Dauer des Versuchs das Filtrat sauer geworden war, und das Casein sich daher beim Kochen ganz ebenso ausschied wie in genuiner saurer Milch (ib. p. 253\u20144).\nIm allgemeinen darf man annehmen, dass f\u00fcr das Vorhandensein eines vom Casein verschiedenen, in der W\u00e4rme gerinnenden Proteink\u00f6rpers in frischer Kuhmilch es keinen Beweis giebt.\nNeue Beweisgr\u00fcnde zu Gunsten der Identit\u00e4t des Caseins und des Seroglobins. Im Jahre 1872 finden wir in Hammarsten\u2019s Arbeit neue Thatsachen, welche die Identit\u00e4t des Caseins mit dem Globulin beweisen. Hammarsten (62 p. 119) vermischte Milch mit 2 Vok ges\u00e4ttigter Kochsalzl\u00f6sung und setzte dann von demselben gepulverten Salze so viel hinzu, als sich bei der Erw\u00e4rmung des Gemenges auf 36\u00b0\u201438\u00b0 (ib. p. 119) aufl\u00f6ste. Der Niederschlag l\u00f6ste sich in Wasser so, wie die Globuline unter denselben Bedingungen; aus der aufs neue erhaltenen L\u00f6sung wird das Lactoglobin von Salzl\u00f6sungen ausgef\u00e4llt. In der Folge zog Hammarsten es vor (63 p. 135) zur F\u00e4llung des Caseins kalkhaltigen Kochsalzes sich zu bedienen, wobei er empfiehlt die F\u00e4llung und das Waschen bis dreimal zu wiederholen. Eine solche Caseinl\u00f6sung mit der Milch vergleichend, findet er einen Unterschied zwischen denselben nur in physikali-","page":81},{"file":"p0082.txt","language":"de","ocr_de":"82\nDAS GLOBULIN DER MIL\u00d6\u00df.-\nsclier Beziehung. Dass Hammarsten\u2019s L\u00f6sungen beim Kochen nicht gerannen, erkl\u00e4rt sich durch die Gegenwart von Kalk; doch findet Hammarsten,\" dass in zugeschmolzenen R\u00f6hren bei 130\u00b0\u2014150\u00b0 auch eine solche Caseinl\u00f6sung gerinnt.\nDie Dialyse weist ebenfalls auf die Identit\u00e4t des Caseins mit dem Globulin hin. Die verschiedenen Darstellungsmethoden des Caseins mit einander vergleichend, findet Kapeller (83 p. 7), dass der durch Lab in der Milch erhaltene Niederschlag in S\u00e4uren und Alkalien sich schwerer l\u00f6st, als die durch spontanes Sauerwerden der Milch und auch durch Behandlung mit einigen Tropfen S\u00e4ure (auf 50 Cc. mit 10 Vol. Wasser verd\u00fcnnter Milch, werden 10 Vol. Wasser und 17 Tropfen 25%-iger Essigs\u00e4ure oder 10 Tropfen 97\u00b0/0-iger Milchs\u00e4ure genommen) erhaltenen Producte (ib. p. 10). Schwerl\u00f6sliches Casein entsteht ferner in dem Falle, wenn die F\u00e4llung bei 30\u00b0\u201450\u00b0 mit S\u00e4uren vorgenommen wurde (ib. p, 14). Um das Casein genauer zu untersuchen, schreitet Kapeller zur Dialyse. Im Laufe von 6 Tagen hatte abgerahmte Milch bei der Dialyse sowohl den Zucker als die Salze nach aussen aus-geschieden; andererseits enthielt auch die aus dem Dialysor genommene Fl\u00fcssigkeit nach dem Filtriren weder Casein noch Albumin, wobei sich aber der Boden^ der Diffusionszelle mit feinzerteiltem Casein (und Albumin?) bedeckt erwies (ib. p. 38). Doch auch hier erh\u00e4lt der Autor das Casein in schwerl\u00f6slichem Zustande (ib.p. 39), was er ganz richtig dahin erkl\u00e4rt, dass unter Wasser gelegenes Casein, aucli seinen eigenen Beobachtungen nach, gleich dem Seroglobin, an L\u00f6slichkeit bedeutend verliert (ib. p. 40-1 s. auch Kap. XI \u00fcber die Wirkung von Wasser). Ka-peller\u2019s Angaben in Bezug auf die Dialyse des Caseins best\u00e4tigend, findet Schmidt (155 p. 1) seinerseits, dass der durch Dialyse erhaltene Caseinniederschlag auch im eingedickten Difiusat unl\u00f6slich ist, sieht aber in dieser Beziehung volle Analogie desselben mit dem Seroglobin (ib. p. 2). Bei raschem Dialysiren durch eine grosse Difiusionsfl\u00e4che und \u00f6fterem Wechseln des \u00e4usseren Wassers gelang es Schmidt s\u00e4mmtliches Casein in der Fl\u00fcssigkeit zur\u00fcckzuhalten, wobei diese keine l\u00f6slichen Salze enthielt; das Casein wurde jedoch von S\u00e4uren aus derselben ausgef\u00e4llt (ib.p. 3). Kapeller und Schmidt stellten das Casein durch F\u00e4llung mit Essigs\u00e4ure dar. l\u00f6sten es in schwacher Aetzkalil\u00f6sung auf. behandelten die L\u00f6sung mit Aether und dialysirten sie schliesslich (ib. p. 7\u20148). Schmidt befreite die Milch von den Salzen ebenfalls mittels Dialyse durch geleimtes Papier (156 p. 31), welches er selbst bereitete (s. Kap. XI \u00fcber Dialyse).\nEinen sehr interessanten Versuch, welcher klar und deutlich bewies, dass Casein, unter gleiche Bedingungen mit Seroglobin gebracht, alle Eigenschaften dieses letzteren erwirbt, f\u00fchrte Hammarsten aus (64 p. 19). Er l\u00f6ste frisch gef\u00e4lltes Casein in Serum auf, aus welchem vorher das Seroglobin auf g e w \u00f6 h n-liehe Weise (?) ausgeschieden worden war. Indem er mit dieser Caseinl\u00f6sung die dem Serumglobulin eigent\u00fcmlichen Reactionen durchmachte, erhielt er einen Niederschlag, der in Kochsalzl\u00f6sung sich sehr leicht l\u00fcste (66 p. 21). Auch Schmidt findet, dass das beschriebene Caseinpr\u00e4parat in Chlornatriuml\u00f6sung leicht l\u00f6slich ist, dass es aber die F\u00e4higkeit, in Salzen sich aufzul\u00f6sen, verliert, nachdem es einige Zeit unter Wasser gelegen hat (157 p. 164). Zugleich findet Ham-marsten (65 p. 13), im Gegensatz zu Millon & Commaille (p. n. 201). dass auch das Lactoprotein dieser Autoren in der W\u00e4rme nicht nur nicht gerinnt, sondern auch ein Gemenge von \u201eSerumalbumin (!)\u201c, Casein und vielleicht\" Pepton vorstellt! Dass Millon & Commaille das \u201eGerinnen\u201c ihres Pr\u00e4parats in der W\u00e4rme nicht beobachteten, erkl\u00e4rt Hammarsten dahin, dass dasselbe verd\u00fcnnt war und ausserdem vor dem Kochen h\u00e4tte neutralisirt werden sollen. Nichtsdestoweniger wird M\u00f6glichkeit der Darstellung eines solchen Pr\u00e4parats\u2014Millon & Commaille\u2019s Lactoprotein \u2014","page":82},{"file":"p0083.txt","language":"de","ocr_de":"BAS GLOBULIN BER MILCH.\n8B\nauch von Liebermann nicht bestritten (104 p. 283): nach der Ausscheidung des Caseins und des \u201eAlbumins\u201c bleibt noch eine Proteinsubstanz zur\u00fcck, die in der W\u00e4rme nicht gerinnt. K\u00f6ster (89 p. 14) scheidet Millon & Commaille\u2019s Lactopro-tein mit 96\u00b0-igem Alkohol aus.\nDas Verhalten des Caseins zu den Salzen\u2014L\u00f6slichkeit in schwachen L\u00f6sungen und Unl\u00f6slichkeit in conceutrirten\u2014in Betracht ziehend, stellt Heynsius (72 p, 514) dasselbe in die Keihe der \u201eGlobuline genannten\u201c K\u00f6rper.\nSchliesslich erkl\u00e4rt Hoppe-Seyler (76 p. 240) die Aussagen der \u00e4lteren Autoren, welche die Gegenwart von Casein in den verschiedenartigsten Fl\u00fcssigkeiten Zugaben, dahin, dass diese Autoren das Globulin f\u00fcr Casein hielten, welches, Hoppe-Seyler\u2019s Ansicht nach, dem Globulin am n\u00e4chsten steht (ib. p. 240).\nWie interessant diese von Hoppe-Seyler gegebenen Erkl\u00e4rungen f\u00fcr unsere Zwecke auch sein m\u00f6gen, so k\u00f6nnen wir doch nicht umhin zu erkennen, dass Hoppe-Seyler, der mit der Geschichte der Verbreitung des Caseins wenig bekannt war, unzweifelhaft einzelne F\u00e4lle ber\u00fccksichtigte, in denen er nat\u00fcrlich recht hatte; im weiteren Sinne aber w\u00e4re es schwer zu sagen, was nicht alles f\u00fcr Casein angesehen worden ist.\nWie um das \u00fcber die Verwandschaft des Caseins mit dem Globulin Gesagte zu bekr\u00e4ftigen erinnert Hoppe-Seyler wieder (ib. p. 240) an die F\u00e4llung de? Caseins aus verd\u00fcnnter Milch durch nacheinander folgende Einwirkung von Essigs\u00e4ure und Kohlens\u00e4ure (p. n. 126 NA\u00bb 48\u201460), ein Verfahren welches seit K\u00fchne und sp\u00e4ter durch Weyl (191 p. 636) zur Darstellung des Seroglobins in Anwendung kam. Ausserdem wandte Makris (107 p. 21) in demselben Laboratorium auch die F\u00e4llungsmethode mit Magnesiumsulfat bis zur S\u00e4ttigung an, wonach die Milch mit 10 Vol. derselben ges\u00e4ttigten Salzl\u00f6sung versetzt wurde: beim Erw\u00e4rmen und Ans\u00e4uern mit Essigs\u00e4ure schied das Filtrat Albumin aus. Auf diese Weise zeigte Makris, dass Frauenmilch nicht nur Casein erh\u00e4lt, sondern hier mehr davon ausgeschieden wird, als sog. \u201eAlbumin\u201c zur\u00fcckbleibt (ib. p. 25). Zudem findet Makris noch, dass bei der Behandlung der Milch mit ges\u00e4ttigter Magnesiumsulfatl\u00f6sung unter Ans\u00e4uern mit Essigs\u00e4ure und Zusatz von Aether nur das Casein ausf\u00e4llt, das Milchalbumin bei dieser Operation aber unver\u00e4ndert bleibt (ib. p. 28).\nWenn man das soeben Gesagte mit Makris\u2019 eigner Beobachtung (ib. p. 21) vergleicht, dass nach der S\u00e4ttigung der Milch mit Magnesiumsulfat in Krystallen und nach der Versetzung mit 10 Vol. ges\u00e4ttigter Magnesiumsulfatl\u00f6sung ein solches Filtrat nach dem Ans\u00e4uern erst beim Kochen einen Niederschlag ausschied, so ger\u00e4t man unwillk\u00fcrlich auf den Gedanken, dass die Autoren bei der F\u00e4llung der Prote'insubstanzen des Blutserums (p. n. 160 .W 48\u201460) denselben Weg genommen hatten! Auch hier bemerkt man dieselbe Gesetzm\u00e4ssigkeit in dem Verhalten der Beobachter den prote\u00efnhaltigen Fl\u00fcssigkeiten gegen\u00fcber: der eine der \u201eK\u00f6rper\u201c w\u00e4chst quantitativ auf Kosten des andern an. In der Frauenmilch wurde Vorhandensein von Casein garnicht anerkannt, jetzt mehrt es sich und \u00fcbertrifft an Menge sogar das Albumin! Ueberdies berechtigen diese unter Hoppe-Seyler\u2019s Anleitung (107 p. 20) von Makris angestellten Beobachtungen zu der Hoffnung, dass alle Prote\u00efnsubstanzen der Milch in Gestalt von Casein ausgeschieden werden k\u00f6nnen, da S\u00e4ttigung und Ans\u00e4uern schon im H\u00fcnereiweiss und im Blutserum vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Prote'ink\u00f6rper in wasserl\u00f6slicher Form bewirkt!\nUm m\u00f6glichst reines Casein zu erhalten, empfiehlt Hammarsten (65 p. 158) die Milch mit 4 Vol. Wasser zu verd\u00fcnnen und mit Essigs\u00e4ure zu f\u00e4llen, den Niederschlag mit Wasser zu waschen, in einem Alkali aufzul\u00f6sen, die L\u00f6sung wieder mit Essigs\u00e4ure zu f\u00e4llen u. s. w. bis 3-mal. Schliesslich behandelt man den mit\n6","page":83},{"file":"p0084.txt","language":"de","ocr_de":"84\nDAS GLOBULIN DER MTLC\u00d6.\nWasser ausgewaschenen Niederschlag mit Alkohol, indem man das Gemenge zu einem m\u00f6glichst d\u00fcnnen Brei verreibt und dann rasch filtrirt, wonach die Alkoholreste mittels Aether entfernt werden. Der Aether verfl\u00fcchtigt sich sowohl hei dem Verreiben des Pr\u00e4parats in offenen Gef\u00e4ssen als auch beim Trocknen bei 100\u00b0. Das schneeweisse Pulver ist fast aschenfrei, ausser Spuren von Kalk (ib. p. 159). Das beim Verreiben in Wasser mit feingestossenem Calciumcarbonat erhaltene Pulver l\u00f6st sich unter Entwicklung von Kohles\u00e4uregas (ib. p. 160); doch wird das Case'in von S\u00e4uren nicht immer aus den L\u00f6sungen ausgeschieden. Nach Hammarsten, erkl\u00e4rt sich dies durch die Gegenwart eines neugebildeten Salzes, da frischgef\u00e4lltes Case'in sich leicht in Chlornatrium l\u00f6st, aber unter dem Einfluss von Wasser und einem Ueberscliuss der zur F\u00e4llung genommenen S\u00e4ure in den unl\u00f6slichen Zustand \u00fcbergeht. Auch Hammarsten erkennt in dem Casein den Charakter der Globuline an (65 p. 163). Ausser dem, was \u00fcber Hammarsten\u2019s Arbeiten schon gesagt worden ist, muss bemerkt werden, dass auch Hammarsten beobachtet hat, dass das im feuchten Zustande befindliche Casein nach dessen Ausscheidung aus der Milch seine L\u00f6slichkeit einb\u00fcsst (65-a, p. 163). Je mehr S\u00e4ure zum F\u00e4llen genommen wird, desto schneller geht der Uebergang des Caseins in den unl\u00f6slichen Zustand von statten. Um reines \u201eCasein\u201c zu erhalten, l\u00f6ste man die obenerw\u00e4hnten Niederschl\u00e4ge in alkalinisirten Wasser auf und f\u00e4llte die L\u00f6sung aufs neue mit einer S\u00e4ure; nach zweimaliger Behandlung auf solche Weise wurde das Pr\u00e4parat in alkalinisirtem Wasser aufgel\u00f6st und solange dialysirt, bis das Dialysat nicht mehr auf Chlor reagirte (ib. p. 160-1).\nMusso & Menozzi (125 p. 131) erkl\u00e4ren ihrerseits, dass vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Proteine nach der Entfernung des Caseins nicht erfolgen k\u00f6nne, da das Molkenfiltrat nach dem Kochen noch Proteine enth\u00e4lt, was besonders leicht nach dem Abdampfen desselben bis zu % des anf\u00e4nglichen Volums beobachtet wird (ib. p. 131). Die auf diese Weise verdickte Fl\u00fcssigkeit zeigt schon die gr\u00f6beren Reaction des Globulins. Nencky (126 p. 1043), auf den genannte Autoren sich berufen, entfernte das Albumin aus dem Serum (den Molken) durch Einwirkung von S\u00e4uren bei Gegenwart von Kochsalz (125 p. 132) vollst\u00e4ndig. Zugleich bemerkten sie, dass das Verhalten der Temperatur, bei der das Casein unter dem Einfluss von S\u00e4uren sieh ausscheidet, sowohl in quantitativer als in qualitativer Beziehung nicht weniger interessant ist. Bei der Behandlung bis auf 0\u00b0 abgek\u00fchlter Milch mit S\u00e4uren beobachten Musso & Menozzi Ausscheidung von 0,50\u20140,75 grm. Milchs\u00e4ure auf 100 grm. Milch. Dass hier s\u00e4mmtliches Casein ausgefallen war, erhellte aus dem Umstande, dass das Filtrat bei derselben Temperatur, aber einer gr\u00f6sseren Quantit\u00e4t Milchs\u00e4ure keine Niederschl\u00e4ge mehr ausschied. Ein solches Filtrat kann in der K\u00e4lte (0\u00b0, auf dem Eise), lange Zeit unver\u00e4ndert bleiben; es gen\u00fcgt aber dasselbe eine Zeitlang bei 3\u20144\u00b0 stehen zu lassen, damit zuerst Tr\u00fcbung, dann auch ein Niederschlag erscheine (ib. p. 137). Musso & Menozzi finden \u00fcberhaupt, dass bei 0\u00b0 die gr\u00f6sste Menge Milchs\u00e4ure n\u00f6tig ist, dass aber mit dem Steigen der Temperatur f\u00fcr eine und dieselbe F\u00e4llung die Menge der S\u00e4ure bis zu einem gewissen Grade abnimmt, wonach die Milch schon von selbst, ohne Einwirkung von S\u00e4uren\u2014n\u00e4mlich beim Erhitzen bis 130\u00b0\u2014150\u00b0 in zugeschmolzenen Rohren\u2014gerinnt.\nDie Musso & Menozzi\u2019s Arbeit beigef\u00fcgte Tabelle dient zur Erkl\u00e4rung der Einzelheiten ihrer Versuche, wobei die S\u00e4uremengen, welche 100 cc. Milch bei verschiedenen Temperaturen zu f\u00e4llen verm\u00f6gen, in Milligrammen ausgedr\u00fcckt sind (125 p. 139).\nEugling (43 p. 92) fand, dass sowohl mit Lab versetztes, als auch mit 20 Vol. Wasser verd\u00fcnntes Colostrum bei der Einwirkung von Kohlens\u00e4ure einen Nie-","page":84},{"file":"p0085.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOB\u00dcLIN DER MlLCfl.\n85\nderschlag ausscheidet, der in lezterem Falle in 5% Chlornatriuml\u00f6sung l\u00f6slich ist und von ihm f\u00fcr Globulin angesehen wurde.\nUm Case'in auszuf\u00e4llen, verd\u00fcnnten Danilewski & Radenhausen (27 p. 1) abgerahmte Milch mit 4\u20145 Vol. Wasser und setzten unter Umr\u00fchren sehr verd\u00fcnnte Salzs\u00e4ure zu, wobei sie sich bem\u00fchten einen Niederschlag in der nichtsaureu Fl\u00fcssigkeit (?!) zu erhalten. Den auf dem Filter gesammelten und mit Wasser gewaschenen Niederschlag l\u00f6sten sie in Ammoniakfl\u00fcssigkeit auf, f\u00e4llten die L\u00f6sung mit eben solcher Chlorwasserstoffs\u00e4ure und wuschen den Niederschlag definitiv mit Wasser aus (ib. p. 3). Das mit Alkohol und Aether behandelte Casein enth\u00e4lt, im Gegensatz zu Hammersten\u2019s Angaben, Asche (ib. p. 4). Frisches, gut ausgewaschenes Casein wurde mit 45\u201450% Weingeist bis zum Siedepunkt dieses lezteren erhitzt und das Gemenge auf einen gew\u00e4rmten Filter gebracht, auf welchem alles, was in Alkohol sich nicht aufgel\u00f6st hatte, zur\u00fcckgehalten wurde und den Rest A bildete; das Filtrat B schied nach der Abk\u00fchlung schneeweisse Flocken aus, welche aus den \u201eProtalbstoffen\u201c: \u201eCaseoprotalbin und Caseoprotalbinin\u201c bestanden und das saure Princip des Caseins (?!) vorstellten. Diese zwei K\u00f6rper von einander zu trennen ist sehr schwer, aber doch m\u00f6glich (und, wie es sich erweist, ziemlich einfach): die Flocken C, welehe die Protalbstoffe vorstellen, werden aufs neue mit 35\u2014 40% Weingeist, aber nur bis 70\u00b0 erhitzt, wobei der ungel\u00f6st gebliebene Teil das \u201eCaseoprotalbin\u201c. der in L\u00f6sung \u00fcbergegangene\u2014das \u201eCaseoprotalbinin\u201c vorstellt. Als unerl\u00e4ssliche Bedingung zur Entstehung der Protalbstoffe aus dem Casein halten die Autoren die Behandlung letzteres gerade mit 45%-igem Weingeist (ib. p. 3). Der Rest A stellt nach der Behandlung des Caseins mit siedendem Alkohol Caseoalbumin (?!) mit einer geringen Beimengung von Protalbstoffen vor. Um diese zu entfernen, l\u00f6st man den Rest A in Wasser, welches mit einer unbedeutenden Menge Ammoniakfl\u00fcssigkeit versetzt ist, auf und f\u00e4llt ihn wieder mit Chlorwasserstofts\u00e4ure; den Niederschlag extrahirt man wieder mit 50%-igem Weingeist in der Siedhitze und setzt davon solange zu, bis die letzten Spuren von Protalbstoffen in den Weingeist \u00fcbergegangen sind (ib. p. 7). Was die Wirkung von Alkohol und Weingeist auf das Casein im allgemeinen anbetrifft, so ist sie schon seit lange und verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig nicht \u00fcbel erforscht, (p. n. 57), wobei die wesentlichste Thatsache darin besteht, dass die L\u00f6slichkeit des Caseins in Weingeist und Alkohol ganz von den Beimengungen abh\u00e4ngt. Dies findet seine Best\u00e4tigung auch durch Danilewski\u2019s und Radenhausen\u2019s Arbeiten, indem diese Forscher auf den leichten Uebergang des einen K\u00f6rpers in den andern hin weisen (27 p. 8\u20149).\nWeitere Ausz\u00fcge aus den Arbeiten genannter Autoren anzuf\u00fchren, halten wii nicht f\u00fcr n\u00f6tig, da zur Erkl\u00e4rung der Lehre von den zahlreichen K\u00f6rpern, welche sie in der Milch voraussetzen, es notwendig machen w\u00fcrde den Leser in den Gedankengang einzuf\u00fchren, der Danilewski\u2019s Lehre von den Ver\u00e4nderungen, welche die Proteink\u00f6rper im Verdauungsact x) erfahren, charakterisirt; haupts\u00e4chlich aber gen\u00fcgt auch das oben Angef\u00fchrte, um sagen zu k\u00f6nnen, dass Danilewski & Radenhausen\u2019s Lehre nicht nur nichts Neues vorstellt und nichts Altes erkl\u00e4rt, sondern, im Gegenteil, ohne gen\u00fcgenden Grund eine grosse Verwirrung in die Begriffe derjenigen bringt, die mit der Geschichte des Caseins wenig bekannt sind. Letzeres kann \u00fcbrigens auch von diesen Autoren gesagt werden.\nDanilewski selbst f\u00e4llte einige Zeit darauf ein strenges Urteil \u00fcber seine Schl\u00fcsse, indem er das anf\u00fchrt, was schon in den 40-iger Jahren (p. n. 56 u. folg.)\n!) \u201eWie die Darstellung der obigen K\u00f6rper gelehrt hat, enth\u00e4lt die Milch grosse Menge halb-verdauter (!?) Eiweissstoffe\u201c. (27 p. 22).\n6*","page":85},{"file":"p0086.txt","language":"de","ocr_de":"86\nDAS GLOBULIN DER Mll.Cfi.\ngut bekannt wai\u2018, n\u00e4mlich dass H\u00fchnereiweiss, welches einige T\u00e0g\u00e8 lang mit 2\u2014 3%-igem Aetzkali gestanden hat, alle Eigenschaften des \u201enat\u00fcrlichen (V!) Caseins erwirbt, weshalb Danilewski das aus H\u00fchnereiweiss dargestellte \u201eCasein\u201c \u201ek\u00fcnstliches Casein\u201c\u2014cas\u00e9ine artificielle nennt\u201c (26 p. 305).\nHammarsten (66 p. 227), der Danilewski & Radenhausen\u2019s Protalbstoffe f\u00fcr gew\u00f6hnliche Protein Substanzen der Milch ansah und das Casein den Globulinen zurechnete, zieht zwischen diesen einen Vergleich: wie das Seroglobin wird auch das Casein von Magnesiumsulfat aus seinen nat\u00fcrlich vorkommenden L\u00f6sungen gef\u00e4llt, w\u00e4hrend das Serum- und Milchalbumin in der Fl\u00fcssigkeit Zur\u00fcckbleiben (ib. p. 236). Das durch S\u00e4uren ausgeschiedene Casein ist nach dem Trocknen \u00fcber Schwefels\u00e4ure in 0,5-iger Natriumphosphatl\u00f6sung l\u00f6slich (ib. p. 240). Ausser der Identificirung des Caseins mit dem Globulin giebt Hammarsten noch die M\u00f6glichkeit des Vorhandenseins von Seroglobin in der Milch zu. denn \u201ewenn in der Milch Serumalbumin gegenw\u00e4rtig (V) ist. so ist kein Grund vorhanden, warum kein Serumglobulin darin sein sollte\u201c (!). Damit dieser Vordersatz eine einigermaassen wissenschaftliche Bedeutung habe, m\u00fcsste man wenigstens die Identit\u00e4t dessen, was dieser Autor Seru m a 1 b u m i n und L a c t a 1 b u m i n nennt, beweisen k\u00f6nnen, und dies ist gerade nicht der Fall ')! Nicht nur \u201ewarum es darin nicht sein sollte\u201c, sondern es muss darin vorhanden sein! Hammarsten hatte mehr als einmal Gelegenheit gehabt zu beobachten, dass aus neutralen oder amphoteren L\u00f6sungen das Casein von Chlornatrium vollst\u00e4ndig ausgef\u00e4llt wird, demgem\u00e4ss man glauben sollte, dass Chlornatrium das Casein auch aus der Milch vollst\u00e4ndig ausf\u00e4llen m\u00fcsste. Es stellt sich jedoch heraus, dass nach der Entfernung des durch Kochsalz erhaltenen Niederschlags fernere S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat die Bildung eines neuen Niederschlags bewirkt, welcher die Reactionen des Globulins, m\u00f6glicherweise des Serumglobulins, besitzt (66 p. 249\u201450). Ohne die Beziehungen des Seroglobins und des Caseins, welch letzteres er f\u00fcr ein eben solches Globulin ansieht, oder alles das, was er schon fr\u00fcher \u00fcber die schwere F\u00e4llbarkeit des Seroglobins sogar durch Magnesiumsulfat und unvollst\u00e4ndige F\u00e4llung desselben durch Chlornatrium (p. n. 145 \u00abV.V 48\u201460 u. folg.) gesagt, in Betracht zu ziehen, sucht Hammarsten nicht einmal die Frage nach dem Verhalten des Caseins den Salzen gegen\u00fcber u. derg. zu beantworten. Alle diese Fragen entgingen seiner Aufmerksamkeit infolge der verschiedenen Benennungen\u2014Casein und Globulin\u2014, und sind diese Beziehungen daher so verschleiert, dass er die F\u00e4llbarkeit des Caseins durch Salze nicht mehr in Frage stellt, sondern, auf Grund zuf\u00e4lliger Betrachtungen und Thatsachen, seinem Sch\u00fcler Sebelien vorschl\u00e4gt die Frage nach der Gegenwart von Seroglobin in der Milch neben dem Casein auszuarbeiten.\nAus Hammarsteirs ganz irrt\u00fcmlichem Satze ausgehend, dass, wenn aus k\u00fcnstlichen neutral und amphoter reagirenden L\u00f6sungen das Casein durch Chlornatrium vollst\u00e4ndig ausgef\u00e4llt wird, dasselbe aus der Milch auch vollst\u00e4ndig von Kochsalz ausgef\u00e4llt werden m\u00fcsse, s\u00e4ttigte Sebelien (164 p. 445) das Filtrat, welches nach der Entfernung des durch S\u00e4ttigung mit Kochsalz oder durch Einwirkung mit Lab (ib. p. 446) in neutral oder amphoter reagirender Milch erhaltenen Niederschlags zur\u00fcckblieb, mit Magnesiumsulfat. Nach dem Abfiltriren wurde der Niederschlag\n') \u201eWenn man sicli vergegenw\u00e4rtigt, dass wie im Blute so auch in den Transsudaten und im Harne die zwei Eiweissstoffe, Serumalbumin und Serumglobulin, neben einander Vorkommen, so wird es - da das Lactalbumin allgemein als gew\u00f6hnliches Serumalbumin aufgefasst wird\u2014an sich\nsehr wahrscheinlich, dass auch der zweite Ei-, weissstoff des Blutserums, das Globuliu, welches in dem Rindsblutserum in noch gr\u00f6sserer Menge als das Serumalbumin Vorkommen kann, in der Milch Vorkommen soll\u201c',(6G p. 249).","page":86},{"file":"p0087.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n87\nzwischen Fliesspapier abgepresst, in Wasser aufgel\u00f6st und aus neue mit Bittersalz gef\u00e4llt. Neues Abpressen des Niederschlags zwischen Fliesspapier, abermaliges Aufl\u00f6sen und schliessliche Dialyse Hessen zwar Tr\u00fcbung, aber keineswegs F\u00e4llung wahrnehmen. Im ganzen h\u00e4lt jedoch Sehelien den auf obenbeschriebene Weise erhaltenen Niederschlag f\u00fcr Paraglobulin\u2014Seroglobin\u2014, nennt ihn aber dennoch \u201eLactoglobulin\u201c (ib. p. 447). Nach der Abtrennung der durch S\u00e4ttigung sowohl mit Chlornatrium als auch mit Magnesiumsulfat erhaltenen Niederschl\u00e4ge schied das Filtrat mit Essigs\u00e4ure noch einen Niederschlag aus (164 p. 455), in welchem Sebelien \u201eLactalbumin\u201c \u201eunterschied\u201c, den er mittels Dialyse von den Salzen reinigte, worauf das Filtrat mit Alkohol gef\u00e4llt und der Niederschlag mit Aether behandelt wurde; dabei blieb dieser in Wasser l\u00f6slich (ib. p. 456). Kurz, um Lactal-bumin zu erhalten, s\u00e4ttigt man die Milch mit Magnesiumsulfat, dann das Filtrat bei 40\u00b0 mit Natriumsulfat; nachdem der erhaltene Niederschlag in Wasser aufgel\u00f6st und dialysirt worden ist, verh\u00e4lt er sich ebenso, wie das nach oben beschriebener Methode erhaltene Lactalbumin; dasselbe gerinnt bei 72\u00b0 und wird deshalb von Sebelien dem Eieralbumin und dem Serumalbumin zur Seite gestellt (ib. p. 462). Es muss bemerkt werden, dass Sebelien (ib. p. 447) bei der Dialyse einer L\u00f6sung seines \u201eLactoglobulins\u201c zu seinem Erstaunen nach der Entfernung des Salzes keinen Niederschlag erhielt: auch sehr schwache Essigs\u00e4ure erzeugte im dialysirtem Globulin keinen Niederschlag (Erkl\u00e4rung s. 120 p. 849).\nHoppe-Seyler\u2019s Verfahren benutzend, f\u00e4llte Schmidt, J. (158 p. 46) sowohl Kuhmilch als Frauenmilch, nach der Verd\u00fcnnung mit 10 Vol. Wasser und Ans\u00e4uerung mit Essigs\u00e4ure, durch Einleiten von Kohlens\u00e4ure bei 40\u00b0. Den bei dieser Operation erhaltenen Niederschlag sieht Schmidt f\u00fcr Casein an. Bei der Neutralisation scheidet das Filtrat in der Siedhitze einen Niederschlag aus, den Schmidt f\u00fcr Albumin h\u00e4lt. Somit findet Schmidt auch in der Frauenmilch Casein und Albumin!\nStruve (185 p. 72) nimmt in der Milch zwei Caseine an: gel\u00f6stes a-Casein und suspendirtes \u00df-Casein. Ersteres wird aus dem aus der Milch mittels Essigs\u00e4ure erhaltenen Niederschlag, nachdem dieser bei 100\u00b0 getrocknet worden ist, mit Ammoniakfl\u00fcssigkeit extrahirt, das \u00df-Casein ist in dieser l\u00f6slich!\nAnders betrachtet Pfeiffer (135 p. 150) das Verhalten des Caseins. Sowohl er als auch Schmidt-M\u00fclheim (159 p. 243) widerlegen die von Kemmerich angef\u00fchrten Thatsacben in Bezug auf den Uebergang des Caseins in Albumin beim Stehen der Milch. Zugleich beobachtete sowohl Pfeiffer als auch Kemmerich (p. n. 204), dass bei der F\u00e4llung mit einer und derselben Quantit\u00e4t S\u00e4ure die Caseinmenge mit der Temperatur zunimmt und dass die Menge der S\u00e4ure im umgekehrten Verh\u00e4ltnis zu der Temperatur steht (135 p. 150). Ausserdem bemerkte Pfeiffer bei der F\u00e4llung von mit Wasser verd\u00fcnnter Milch mit Chlorwasserstoffs\u00e4ure (1 cc. concentrirter Salzs\u00e4ure auf 100 cc. Wasser), dass anf\u00e4nglich, bei den ersten 5\u20147 Tropfen, die F\u00e4llung st\u00e4rker vor sich geht, bei 8\u201411 viel schw\u00e4cherund nach 12 Tropfen ganz aufh\u00f6rt; jedenfalls aber wird das Casein aus gen\u00fcgend mit Wasser verd\u00fcnnter Milch von S\u00e4uren leichter ausgef\u00e4llt, w\u00e4hrend unverd\u00fcnnte Milch ihr Casein viel schwerer abgiebt (ib. p. 152). Nach Pfeiffer\u2019s Aussage und den Angaben Hoppc-Seylor\u2019s zuwider, der als Gerinnungspunkt des Milchserums 60 \u2014 80\u00b0 annimmt, fangen die Molken schon hei 20\u00b0\u201425\u00b0 ' an zu gerinnen, wenn sie nicht zu stark verd\u00fcnnt oder anges\u00e4uert sind, w\u00e4hrend hei 40\u00b0 schwache bei 65\u00b0 starke Flocken (ib, p. 153) erscheinen, obgleich Flockenbildung auch schon bei Zimmertemperatur statthat, Pfeiffer nennt diese Erscheinung ,spontane Gerinnung\u201c, giebt aber eine solche f\u00fcr das \u201eAlbumin\u201c nicht, zu. wohl aber f\u00fcr das Casein; da aber solches in","page":87},{"file":"p0088.txt","language":"de","ocr_de":"88\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\nder Fl\u00fcssigkeit nicht mehr vorhanden ist, so nimmt Pfeiffer die Bildung von Casein auf Kosten des Albumins an (ib. p. 157)! Eine \u00e4hnliche Ausscheidung in Gestalt von Flocken beobachtet man auch nach der Abtrennung des Albumins durch Kochen (ib. p. 159). Diesen Thatsachen zufolge ist eher anzunehmen, dass wir es hier mit einer Erscheinung zu thun haben, welche der von Kemmerich beobachteten ganz entgegengesetzt ist. Indem Pfeiffer hier ein modificirtes Casein annimmt, welches vom Albumin nicht zu unterscheiden ist, spricht er sich ziemlich entschieden gegen die P r \u00e4 e x i s t e n z von Albumin in der Milch aus l). Er identificirt sogar dieses modificirte Casein mit dem sog. sich in den Molken bildenden Albumin (ib. p. 162). Doch auch nach der Entfernung dieses bleiben noch Eiweissreste, die von Tannin gef\u00e4llt werden, in dem Milchserum zur\u00fcck.\nDem Gesagten gem\u00e4ss entschliesst sich Pfeiffer zu der Annahme, dass in ganz frischer Milch nur ein Proteink\u00f6rper, \u201edas sog. Casein\u201c, enthalten ist, welches durch Einwirkung von Lab, S\u00e4uren, Alkohol in mehrere Modificationen zerf\u00e4llt. Vor allem bildet sich a-C a s e i n, welches gew\u00f6hnlich \u201eCasein\u201c genannt wird; aus den Molken scheidet sich in der W\u00e4rme b-C asein aus, nach welchem Flocken von c-C asein spontan ausfallen, wonach noch d-C asein \u00fcbrig bleibt, welches von Tannin gef\u00e4llt wird und, wie Pfeiffer vorschl\u00e4gt, am besten C a s e \u00ef n r e s t, zu nennen ist.\nWas die Frauenmilch anbetrifft, so bestreitet Pfeiffer das Vorhandensein von a-Casein in derselben, die \u00fcbrigen Modificationen dagegen seien leicht nachzuweisen (ib. p. 166). Unter anderem f\u00fchrt Pfeiffer an, dass auch Frauenmilch unter der Einwirkung sehr verd\u00fcnnter S\u00e4uren einen Niederschlag ausscheidet, dieser aber dem geringsten S\u00e4ure\u00fcberschuss gegen\u00fcber sehr empfindlich ist, n\u00e4mlich sich sogleich in demselben aufl\u00f6st (185 p. 166).\nVon dem Satze ausgehend, dass das Case'in nicht gen\u00fcgend charakterisirt sei. kann Duclaux (37 p. 373) die Sitte nicht gutheissen, die verschiedenen Niederschl\u00e4ge der Milch, wTelche unter verschiedenen Verh\u00e4ltnissen: Einwirkung von Lab, verd\u00fcnnten S\u00e4uren, Alkohol u. s. wT. entstehen, mit einem und demselben Namen zu benennen. Dies scheint ihm um so unconsequenter. als gew\u00f6hnlich ausser Acht gelassen wird, dass nicht in allen F\u00e4llen aus der Milch gleiche Quantit\u00e4ten von Niederschl\u00e4gen erhalten werden, indem ein und dasselbe Agens, in Abh\u00e4ngigkeit von der Temperatur, dem Verd\u00fcnnungsgrade, der Natur und der Menge der Salze u. s. w., sehr verschiedene Case\u00fcnmengen f\u00e4llt. Die Unzul\u00e4nglichkeit \"der Beweisgr\u00fcnde f\u00fcr die Existenz von Albumin und auch von Danilewrski\u2019s & Radenhau-sen\u2019s K\u00f6rper und Millon\u2019s & Commaille\u2019s Lactoprote'in in der Milch in Betracht ziehend, sieht Duclaux all diese K\u00f6rper f\u00fcr nichts anderes als Case'in an, obgleich er 3 Aggregatzust\u00e4nde desselben in der Milch annimt: 1) festes Casein\u2014cas\u00e9ine solide,\u2014welches beim Stehen der Milch zu Boden f\u00e4llt (einmal fand er in der Milch bis 0,4 der gesammten Caseinmenge); 2) collo\u00efdales Casein, welches durch Papierfilter, nicht aber durch por\u00f6se Thoncylinder dringt; nach Entfernung dieses muss das Filtrat 3) die sog. \u201eLactoprote'in und Albumin\u201c enthalten. Somit sollte es scheinen, dass diese K\u00f6rper durch Filtriren von einander getrennt werden k\u00f6nnten. Fernere A ersuche Duclaux\u2019s zeigten jedoch, dass das an der Oberfl\u00e4che der por\u00f6sen Cylinder zur\u00fcckgebliebene Casein, in Wasser aufgel\u00f6st, eine Fl\u00fcssigkeit bildet, welche mittels neuer Filtration durch por\u00f6se Cylinder ein Filtrat abgiebt, das\n') ... und zweitens spricht der Umstand, dass werden k\u00f6nnen, sehr gegen die Praexistenz von in der unver\u00e4nderten Milch durch Kochen kei- Serumalbumin in der Milch. Eine Ausnahme macht nerlei Coagulationerscheinungen hervorgebracht die Colostrum\u201c. (135p. 162).","page":88},{"file":"p0089.txt","language":"de","ocr_de":"das ar.omjL\u00eeN der milch.\n89\ngleichfalls f\u00fcr Molken angesehen werden kann, insofern das sog. Albumin und Lacto-protein, dazu noch in denselben -quantitativen Verh\u00e4ltnissen auch darin enthalten sind. Im allgemeinen aber werden diese K\u00f6rper in je gr\u00f6sseren Quantit\u00e4ten erhalten, je l\u00e4nger das Casein vor der Filtration unter Wasser gelegen hat. Dasselbe beobachtet man auch an dem auf gew\u00f6hnliche Weise erhaltenen Casein (ib. p. 374). Demgem\u00e4ss nimmt Duclaux Casein in der Milch auch im gel\u00f6sten Zustande an. Um es von dem suspendirten und colloidalen abzutrennen, filtrirt man die Milch durch Thoncylinder oder Thonrohre (38 p. 438). Duclaux\u2019s Beobachtungen nach, enth\u00e4lt Kuhmilch gegen 3,31 suspendirten Caseins, 0,84 gel\u00f6sten (ib. p. 439). Kirchner (87 p. 12) teilt Duclaux\u2019s Ansicht, dass das Casein in der Milch in gequollenem, colloidalem Zustande sich befindet, wobei Kirchner auf Angaben fr\u00fcherer Autoren sich beruft, nach welchen das Filtrat der Milch an Casein immer \u00e4rmer ist als die Milch selbst; er giebt aber auch Vorhandensein von Albumin und Lactoprotein zu.\nFrenzei & Weyl (50 p. 247) endlich empfehlen behufs schnellerer Ausf\u00e4llung des Caseins dasselbe mit verd\u00fcnnter Schwefels\u00e4ure (1 cc. Schwefels\u00e4ure spec. Gew. 1,84 auf 1 Liter Wasser) auszuf\u00e4llen. In 60 cc. Wasser werden 20 cc. Milch eingetragen; dann wird das Gemenge umgesch\u00fcttelt und mit 30 cc. Schwefels\u00e4ure von obiger Concentration vermischt. Nach einigen Stunden filtrirt man den Niederschlag ab und behandelt ihn mit Alkohol und Aether.\nHalliburton (61p. 449) schl\u00e4gt f\u00fcr das Casein, als der Proteinsubstanz der Milch, die Benennung \u201eCaseinogen\u201c vor, zum Unterschiede von dem durch Einwirkung von Lab erhaltenen Niederschlage desselben K\u00f6rpers, f\u00fcr welchen er den Namen \u201eCasein\u201c beizubehalten r\u00e4t, obgleich er die von Foster (ib. p. 449) vorgeschlagene Benennung \u201eTyrein (von rup\u00f6a)\u201c f\u00fcr angemessener h\u00e4lt. Das Caseinogen erh\u00e4lt Halliburton durch F\u00e4llung mit Salzen\u2014-Magnesiumsulfat oder Chlornatrium \u2014 oder S\u00e4uren, oder durch gleichzeitige Einwirkung dieser und jener (ib. p. 449). Dem Caseinogen einen globulin\u00e4hnlichen Charakter zusprechend, bestreitet er das Vorhandensein (ib. p. 463). von Sebelien\u2019s besonderem \u201eLactoglobulin\u201c und von \u201eLactoprotein\u201c (p.n. 72), giebt aber andererseits die Gegenwart von \u201eLactoalbumin\u201c zu, welches er nach der Entfernung des Caseinogens durch S\u00e4ttigung der Fl\u00fcssigkeit mit Bittersalz erhielt, von welchem er dieselbe mittels Dialyse befreite; in einem andern Falle s\u00e4ttigte er zur Ausscheidung des Lactalbumins das Filtrat mit Natriumsulfat (61 p. 451).\nSebelien (165 p. 95) h\u00e4lt gegen\u00fcber Haliburton an dem Vorkommen von Lactoglobulin in der Milch fest; in gew\u00f6hnlicher Kuhmilch sei solches allerdings nur in sehr geringer Menge vorhanden. Gegen denselben Autor behauptet er die F\u00e4llbarkeit des Lactalbumins durch S\u00e4ttigung der L\u00f6sungen mit Natriumsulfat bei 30\u00b0. Verfasser hat sich Schulze & Rose (162 p. 115) angeschlossen, welche das ausgeschiedene Casein Paracasein nennen.\nHewlett (70 p. 798) best\u00e4tigt ebenfalls das Vorkommen von Lactoglobulin in der Milch, nachgewiesen nach Sebelien. Unterl\u00e4sst man die von Sebelien vorgeschriebene Erw\u00e4rmung auf 35\u00b0, so wird, nach Hewlett, das Casein durch S\u00e4ttigung mit Natriumchlorid, besonders aber mit Magnesiumsulfat nicht vollst\u00e4ndig ausgef\u00e4llt.\nSchliesslich findet Ringer (139 p. 469), dass die F\u00e4llbarkeit der Milch durch Calciumsalze im umgekehrten Verh\u00e4ltnisse zur Gerinnungstemperatur steht. Ringer (139 p. 164) erhielt Casein durch F\u00e4llung von 800 cc. Milch mit 90 cc. einer 10%-igen S\u00e4ure. Der Niederschlag wurde mit Wasser gewaschen, bis die Reaction auf oxalsaures Ammonium in den Waschw\u00e4ssern geschwunden war. Sodann wurde der Niederschlag mit kohlensaurem Kalk bei Gegenwart von circa 600","page":89},{"file":"p0090.txt","language":"de","ocr_de":"90\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\ncc. Wasser im M\u00f6rser aufgel\u00f6st. Die abfiltrirte Fl\u00fcssigkeit wurde von einigen Tropfen 10%-iger Chlorkalkl\u00fcsung nicht gef\u00e4llt; beim Erw\u00e4rmen bis 30\u00b0 entstand jedoch ein Niederschlag, der beim Erkalten der Fl\u00fcssigkeit sich aufl\u00f6ste.\nAdam (1 p. 195) behandelt 10 Teile neutraler oder neutralisirter Milch unter Zusatz eines Tropfens Natronlauge auf je 10 cc. derselben mit je 10 Teil. 75\u00b0 Alkohol und 65\u00b0 Aether. Nach erfolgter Mischung trennt sich die Fl\u00fcssigkeit in eine obere, klare, fetthaltige und eine untere, tr\u00fcbe, w\u00e4sserige Fl\u00fcssigkeit. Die w\u00e4sserige Schicht mit dem Waschwasser des Apparates bringt man auf 100 Teile und versetzt mit 6\t10 Tropfen Essigs\u00e4ure. Das Casein scheidet sich in grossen Flocken aus.\nUnter Casein versteht Roux (145 p. 1095) im Sinne von Duclaux die gesammte Eiweissmenge der Milch, das Lactalbuinin und Lactprotein. Man ersch\u00f6pft in einem Scheidetrichter Milch mit Adam\u2019s \u00e4ther.-alkohol.- ammoniakalischer Fl\u00fcssigkeit, zieht die untere Schicht ab, f\u00fcgt zu derselben 50% Trichloressigs\u00e4ure und tri-chloressigsaures Ammon, sch\u00fcttelt gelinde um und filtrirt.\nPi\u00f6se & Schulze (1885,362 p. 115) Anden es wohl unzweckm\u00e4ssig einem Bestandteil irgend einer Substanz denselben Namen zu geben wie dem Ganzen, und schlagen vor, das aus dem Casein entstehende Product \u2014 K\u00e4se, \u201eParacasein\u201c\u2014zu nennen.\nPeters (134 p, 33) nimmt hinsichtlich der Anzahl der in der Milch vorkommenden Eiweisstofte an, dass in der Kuhmilch nur ein Eiweisstoiif, n\u00e4mlich Casein odei Caseinogen (Halliburton), vorhanden sei. Allerdings l\u00e4sst sich dieser Gesammt-eiweissk\u00f6rper nicht mit einem Mal durch S\u00e4urezusatz aus der Milch ausscheidcn. sondern kann nur bei gen\u00fcgender Verd\u00fcnnung der Milch durch hinreichend verd\u00fcnnte S\u00e4ure in mehreren Acten gewonnen werden. Es ist dies aber nur die Folge unseier technischen Unvollkommenheit, und aus dieser einzig und allein scheint dem \\ ei lasser die Thatsache zu resultiren, dass man nach dem Ausf\u00e4llen der Milch durch S\u00e4ure stets. in dem Filtrat noch Eiweiss fand, welches man, statt es noch einmal der S\u00e4urewirkung zu unterwerfen, auf andere Weise gewann, sei es duich Kochen oder Zusatz von Reagentien, wie salpersaures Quecksilberoxyd, und das infolgessen denn auch als ein anderes aufgefasst wurde. Peters schl\u00e4gt dagegen ein neues V erfahren vor, durch welches es ihm\u2014allerdings unter grossen Schwierigkeiten gelang, das gesammte Eiweiss der Milch nur durch S\u00e4ure auszuf\u00e4llen.\nNachdem zun\u00e4chst durch S\u00e4urezusatz ein Niederschlag v Eiweiss erzielt var, wurde derselbe abfiltrirt und das Filtrat durch \u00e4usserst veru\u00fcnnte Kalilauge viedei zui Alkalescenz gebracht, worauf sich aus demselben durch S\u00e4urezusatz tlas vorher bei dem nicht zu vermeidenden S\u00e4ure\u00fcberschuss noch in L\u00f6sung gebliebene oder wieder in L\u00f6sung gegangene Eiweiss abschied. Dieser Vorgang wurde vier-bis f\u00fcnfmal wiederholt; bei vorsichtigem Arbeiten fand sich denn auch in dem letzten Filtrat kein Eiweissk\u00f6rper, auch kein Lactoprote\u00efn mehr vor,\u2014andernfalls wurde die Ausf\u00e4llung noch \u00f6fter wiederholt (134 p. 34).\nHammaisten (67 p. 104,\u2022 68 p. 449) findet es nicht n\u00f6tig, auf diese Frage des N\u00e4heien einzugehen, denn die, wie es ihm scheint, sehr bedeutenden chemischen Unterschiede, die zwischen Casein und Lactalbuinin bestehen, sind ja allgemein bekannt. Uebiigens zieht Hammarsten es vor. f\u00fcr das gel\u00f6ste Casein der Mileh den Namen \u201eCasein\u201c und f\u00fcr das ausgeschiedene\u2014\u201eParacasein\u201c beizubehalten *).\n') \u201eDem Vorschl\u00e4ge, das Casein der Milch \u201eCa-seinogen\u201c zu nennen, kann ich nicht beitreten. Dieser Vorschlag hat n\u00e4mlich nur dann einen Sinn, wenn man den K\u00e4se Casein nennt ganz so, wie man das Umwandlungsproduct des Fibrinogens Fibrin nennt. Es ist aber nicht schwie-\nrig zu verstehen, zu welcher Verwirrung es f\u00fchren muss, wenn einige Forscher unter dem Namen Casein den K\u00e4se und andere die Muttersubstanz desselben verstehen. Aus diesem Grunde ziehe ich die Namen Casein und Paracasein vor\u201c (67 p. 103\\","page":90},{"file":"p0091.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n91\nBei der Coagulirung der Milch durch Zuf\u00fcgen einer S\u00e4ure wird das Casein, nach B\u00e9champ (4 p. 181), aus einer l\u00f6slichen Alkaliverbindung durch die S\u00e4ure verdr\u00e4ngt und schwerl\u00f6slich oder unl\u00f6slich. Das Casein l\u00f6st sich in Ammoniumcarbonat. Die vom Casein abfiltrirte Molke enth\u00e4lt zwei Eiweissk\u00f6rper gel\u00f6st und zwar Lactalbumin und Galactozymose. Das Lactalbumin wird durch Alkoholzusatz zur Molke gef\u00e4llt und dann in Wasser unl\u00f6slich.\nLeeds (95 p. 173) wiederholte die Versuche Duclaux\u2019s (?) \u00fcber den Zustand des Caseins in der Milch und zwar unter Anwendung eines Chamberland- Pasteur-Filters. Das Casein wird vollst\u00e4ndig und das Lactoprotein zum gr\u00f6ssten Teil vom Filter zur\u00fcckgehalten. Sie befinden sich, dem Verfasser nach, beide in colloidalem Zustande in der Milch.\nF\u00e4llt man das Casein durch Essigs\u00e4ure, so muss dies, nach Slvke (174 p. 20S), bei 40\u00b0, oder bei gew\u00f6hnlicher Temperatur unter Einleiten von Kohlens\u00e4ure geschehen. Man giebt zu je 10 cc. Milch 1,5 cc. 10% Essigs\u00e4ure; Milchs\u00e4ure giebt beinahe ebenso gute Resultate, Schwefels\u00e4ure weniger gute, Salzs\u00e4ure ganz schlechte.\nArthus (2 p. 101) betrachtet die Eigenschaften der L\u00f6sungen von Casein und Fibrin in 1 \u00b0/0 Fluornatrium. Das Casein und seine Derivate, Caseogen und Caseum. l\u00f6sen sich in diesem L\u00f6sungmittel langsam bei 15\u00b0, ziemlich schnell bei 40\u00b0, in wenigen Minuten bei 100\u00b0. Ausserdem untersuchte Arthus (3 p. 673), ob das Casein der einzige Eiweissk\u00f6rper der Milch sei, oder ob diese noch Albumin und Globulin enthalte. Wird das Casein aus der Milch durch Essigs\u00e4ure oder 1% Fluornatriuml\u00f6sung und Dialyse ausgef\u00e4llt, so bleibt stets ein coagulirbarer Eiweissk\u00f6rper in der Fl\u00fcssigkeit zur\u00fcck; dasselbe ergab sich, wenn das Casein durch Labferment und S\u00e4ttigen mit schwefelsaurer Magnesia oder Kochsalz in der K\u00e4lte ausgeschieden wurde. Dass es sich hier um Albumin und Globulin handelt, ergiebt sich ,aus Folgendem: trennt man nach erfolgter K\u00e4sebildung das Serum durch Filtration und s\u00e4ttigt das Filtrat mit schwefelsaurer Magnesia, so scheidet sich das Lacto-globulin ab, w\u00e4hrend das Lactalbumin gel\u00f6st bleibt.\nUm reines Casein aus Frauenmilch zu bekommen, versetzte Wr\u00f6blewsky (192 p. 211) 1 Liter frischer Milch mit 600 grm. (NH4)2S04 und filtrirte nach dem Aufl\u00f6sen dieses Salzes. Der Niederschlag wurde zweimal mit 30% Schwefels. Ammon gewaschen, kleine Portionen des Niederschlages sorgf\u00e4ltig mit kleinen Mengen Wasser terrieben, dann mit Wasser bis auf das Volumen von % Liter verd\u00fcnnt und \u00e8'\u00e9ntrifugirt, das Filtrat mit 400 cc. alkoholfreien Aethers versetzt und langsam aber \u00f6fters (10 mal) gesch\u00fcttelt. Die w\u00e4sserige L\u00f6sung des Caseins wurde flltrirt. Durch den Zusatz von ca. 100 cc. 1/i0 Normalessigs\u00e4ure wurde das Casein gef\u00e4llt. Der Niederschlag, mit 750 cc. ges\u00e4ttigter (NH4)2S04-L\u00f6sung versetzt, gesch\u00fcttelt und mit 30% (NH4)2S04-L\u00f6sung (bis zum Verschwinden der Reaction auf Albuminate) gewaschen, wurde in dem von Drechsel modificirten K\u00fchne\u2019schen Dialysor unter langsamem Wasserzufluss dialysirt. \u2014 Der Inhalt des Pergament-rohis, der nur eine sehr schwache Reaction auf H,S\u00fc4 zeigte, wurde mit \u2018/100 Normal-NaOH tropfenweise bis zur vollkommenen Aufl\u00f6sung des Niederschlags und schwach alkalischer Reaction versetzt. Das Casein wurde aus dieser L\u00f6sung mit V,0 Normalessigs\u00e4ure (im Ueberschuss von 12\u201414 cc.) gef\u00e4llt, dialysirt. mit Alkohol und Aether gewaschen und getrocknet.\nDie Kuhmilch enth\u00e4lt, nach Rubner (146 p. 1029), neben dem Casein immer Lactalbumin. Beide Substanzen lassen sich getrennt nachweisen, indem man die Milch bis zur S\u00e4ttigung mit Kochsalz versetzt, auf 30\u00b0\u2014 40\u00b0 erw\u00e4rmt und flltrirt. Im Filtrat ist das Albumin neben Mineral- und Extractivstoffen vorhanden und kann durch Aufkochen nachgewiesen werden. Zur Trennung des Caseins von den","page":91},{"file":"p0092.txt","language":"de","ocr_de":"92\nTUS GLORFT.IN DER MILCH.\n\u00fcbrigen eiweissartigen K\u00f6rpern\u2014Albumin und Globulin bediente de Jager (80 p. 561) sich einer Modification des Hoppe-Seyler\u2019sehen Verfahrens: durch die mit 20 Teilen M asser verd\u00fcnnte Milch leitet er einen Strom CO,-Gas,. so dass die Milch in fortw\u00e4hrender Bewegung begriffen ist; w\u00e4hrend dieser Zeit wird voisichtig sein verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure bis zur vollst\u00e4ndigen F\u00e4llung des Caseins zugesetzt, na< h einigen Stunden filtrirt, das Filtrat zum Sieden erhitzt, mitunter mit Zusatz einet Spur Essigs\u00e4ure, das in Flocken gef\u00e4llte Eiweiss abfiltrirt, w\u00e4hrend das Globulin beim Sieden (!) gel\u00f6st (?) bleibt, wie durch Magn eiumsulfatf\u00e4llung in gekochter und\nungekochter Milch erwiesen wurde.\t_\t.\nAuf die F\u00e4llbarkeit des Caseins und die Nichtf\u00e4llbarkeit des Albumins und Globulins durch Kalialaun gr\u00fcndet Schlossmann (153 p. 213) ein neues A erf\u00fcllten. 100 cc. Milch werden mit 3\u20145 Teilen Wasser verd\u00fcnnt, auf 40\u00b0 erw\u00e4rmt, mit 1 cc. conc. Alaunl\u00f6sung aus einer B\u00fcrette versetzt, dann Alaunl\u00f6sung zu je 0,5 cc. so lange weiter zugesetzt, bis nach kurzer Zeit Coagulation und Abscheidung dci Caseinalaunverbindung stattfindet. Der Niederschlag gew\u00f6hnlich grobflockig, bei Frauenmilch feinflockig\u2014wird abfiltrirt und mit Masser gewaschen. Aus demFiltiat wird das Globulin durch Magnesiumsulfat und das Albumin durch 10 cc. Tanninl\u00f6sung gef\u00e4llt.\nDer Hauptteil der Eiweissstoffe der Kuhmilch l\u00e4sst sich, meint Stoich (T82 p. 221; 183 p. 119), aus einem Coagulationsfiltrat. welches durch Zusatz von drei A o-1 umteilen concentrirter Natriumsulfatl\u00f6sung und etwas H\u00fchnereiweiss sowie nachlie-riges Coaguliren bei 100\u00b0 aus der Milch gewonnen wird, isoliren. Auf diese Art wild, lehrt Storch weiter, mit dem geronnenen (?) Eiw eiss s\u00e4mtliches Fett, Lactalbumin und Sebeliens Lactoglobin entfernt, die \u00fcbrigen (?) Eiweissstoffe der Milch bleiben in der Fl\u00fcssigkeit gel\u00f6st. Aus dieser wird nach der Neutralisation durch Zusatz cinci L\u00f6sung von Natriumsulfat, Magnesiumsulfat oder Chlornatrium im Ueberschuss eine \u00caiweisssubstanz a gef\u00e4llt. Aus dem Filtrat dieser F\u00e4llung gewinnt Storch durch Zusatz von viel Essigs\u00e4ure oder durch S\u00e4ttigung mit Magnesiumsulfat eine Eiweisb-substanz b. Nach der Ansicht des Verfassers sind die Substanzen a und b in dei Milch zu Caseinogen vereinigt. Uebrigens wird das Casemogen durch verd\u00fcnnte S\u00e4ure aus reiner Kuhmilch gef\u00e4llt.\nLadd (93 p. 286) teilt die Broteide der Milch in die 4 Gruppen: Casein, Albumin. Albumosen und Peptone, ein. Zu ihrer Trennung werden 10 g. Rahm mit 80 ccm. Wasser und mit 3 ccm. ges\u00e4ttigter Alaunl\u00f6sung versetzt. Nach 10 Min. wird filtrirt und das Casein mit heissem Wasser ausgewaschen. Aus dem Filtrat wird das Albumin durch Kochen ausgeschieden und ebenfalls mit AA assei ausgewaschen.\t.\nDie Ausf\u00e4llung des Caseins durch Essigs\u00e4ure, wie sie bei der Kuhmilch \u00fcblich ist, gelingt bei Frauenmilch nicht und zwar, Kobrak s (90 p. 71) Meinung nach, infolge der Gegenwrart von Substanzen, die durch Dialyse entfeint weiden k\u00f6nnen. Kobrak versetzt deshalb zur Ausf\u00e4llung des Frauencaseins die durch Centri-fugiren m\u00f6glichst von Fett befreite Milch mit einem l\u00fcnftel des Volumens 1 )0 Normalessigs\u00e4ure und dialysirt 5 Tage gegen t\u00e4glich gewechseltes Chloroformwasser. Der Niederschlag wird decantirt, filtrirt (ib. p. 73).\nNach Mierisch (114 p. 128), wird Magermilch mit 0,2\u20140,4% eines freien Alkali versetzt und centrifugirt. Dabei gelingt es die Milch bis auf 0,005% zu entfetten. Aus dieser Milch l\u00e4sst sich das Casein durch S\u00e4uren in fast fettfreiem Zustande f\u00e4llen.\nDarstellung reinen Lactoglobins. Nach allem Gesagten unterliegt keinem Zweifel, dass das Casein ein eben solches Globulin ist wie das Seroglobin; nichtsdestoweniger hat bis jetzt kaum jemand reines und unver\u00e4ndertes,","page":92},{"file":"p0093.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN DER MILCH.\n93\nd. h. in neutralen Salzl\u00f6sungen l\u00f6sliches Casein, ohne irgend welche Beimengungen erhalten. Ausserdem stellt die Gegenwart von Fetten ein bedeutendes Hinderniss bei der Anwendung derjenigen Methoden vor, welcher man sich gew\u00f6hnlich zur Darstellung z. B. des Globulins aus Blutserum oder Eiweiss bedient.\n1.\tZur vorl\u00e4ufigen Abtrennung der Fette ohne Ver\u00e4nderung der chemischen Verh\u00e4ltnisse des Caseins in der Milch kann man die schon von Donn\u00e9 (p. n. 187) und dann von Hammarsten (66 p. 265) vorgeschlagene Methode benutzen. Letzterer empfiehlt die Milch mit 3\u20144 Vol. destillirtem Wasser zu verd\u00fcnnen und dann durch einen dichten Filter zu filtriren, wobei die Milch so rein von Fettk\u00fcgelchen und andern suspendkten Partikelchen werden soll, dass solche auch mit dem Mikro-scop nicht zu entdecken seien '). Im Notf\u00e4lle r\u00e4t Hammarsten die Filtration zu wiederholen. Wie er ganz richtig bemerkt, wird nach dieser Operation ein mehr oder weniger weissliches, milchig aussehendes, obgleich klares Filtrat erhalten (ib. p. 266). Dieses wird behufs Ausscheidung des Globulins entweder mit S\u00e4uren oder mit Salzen behandelt, wobei aber das erhaltene Pr\u00e4parat eine bedeutende Menge Asche enth\u00e4lt.\n2.\tUm vollst\u00e4ndige Entfernung der Fette und gleichzeitige Ausscheidung des Globulins zu erzielen, wird obiges Filtrat sowie auch ganze frische Milch (ohne vorhergehende Filtration) nach dem Zusatz von 2\u201410 Vol. Wasser mit 2\u20143 Vol. Aether versetzt und in Teilungstrichtern (Fig. 4, p. n. 57), noch besser aber in mit zwei Ableitungsrohren versehenen Kolben (Fig. 5, p. n. 57) umgesch\u00fcttelt; in letzterem Falle ist es leicht, die mittlere Globulinschicht von der unteren, Wasser, Salze u. s. w. enthaltenden, Schicht und von der oberen Aetherschicht. mit den gel\u00f6sten Fetten, zu befreien. Die zur\u00fcckgebliebene mittlere weisse Schicht wird aufs neue mit einem Gemenge von Aether und Wasser im Verli\u00e4ltniss von 1 : B\u2014 6 versetzt, wieder umgesch\u00fcttelt u. s. w., bis zur vollst\u00e4ndigen Befreiung von den Fetten. Lange (z. B. indem man die Mischung mit Aether \u00fcber Nacht stehen l\u00e4sst) darf die Behandlung mit Aether nicht dauern, da in dem Lactoglobin, wie in jedem andern Globulin, die L\u00f6slichkeitsbedingungen bei l\u00e4ngerer Einwirkung von Wasser und Aether sich ver\u00e4ndern.\n3.\tEin fettfreies Lactoprotei'n wird auch bei der F\u00e4llung der Milch mit Salzen und wiederholtem Aufl\u00f6sen und Ausf\u00e4llen des Niederschlags mit demselben Salze erhalten. Besonders glatt geht die F\u00e4llung mit Ammoniumsulfat vor sich.\n4.\tFerner wird das Lactoglobulin durch Kohlens\u00e4ure ausgef\u00e4llt, zu welchem Zwecke aber destillirtes Wasser in der K\u00e4lte mit Kohlens\u00e4uregas ges\u00e4ttigt und dann erst die zu pr\u00fcfende Milch bei gew\u00f6nlicher Temperatur in kleinen Portionen eingetragen werden muss; dabei fallen die sich ausscheidenden Lactoglobin-flocken zu Boden.\nEndlich wird vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Prote\u00efnsubstanzen noch\u20145. durch S\u00e4ttigung mit Ammoniumsulfat und\u20146. durch S\u00e4ttigung anges\u00e4uerter Milch mit einem Salz, oder umgekehrt, erreicht.\nIn allen genannten F\u00e4llen erh\u00e4lt man unter Beobachtung der notwendigen Vorsichtsmaassregeln unver\u00e4ndertes, d. h. in L\u00f6sungen neutraler Salze, 6,1%-igen Alkalien- Salz- und Schwefels\u00e4urel\u00f6sungen l\u00f6sliches Lactoglobin, welches aber Asche enth\u00e4lt.\n'] \u201eWenn die ganz frische Kuhmilch mit 3\u20144\tund etwaigen anderen feinen Partikelchen\tbefreit\nVol. destillirtem Wasser\tverd\u00fcnnt wird, kann sie\twerden, dass in dem Filtrate mit dem\tMikro-\noft ziemlich leicht und\trasch durch ein dichtes\tskope gar keine K\u00fcgelchen oder K\u00f6rnchen zu\nFiltrum so vollst\u00e4ndig\tvon den Fettk\u00fcgelchen\tsehen sind-' (66 p. 265).","page":93},{"file":"p0094.txt","language":"de","ocr_de":"94\nDAS GLOBULIN DER MILCH.\n7. Um aschenfreies Lactoglobin darzustellen, l\u00f6st man die in den erw\u00e4hnten G F\u00e4llen erhaltenen Pr\u00e4parate in schwacher Salzs\u00e4ure 1\u20142\u00b0 00 auf und unterwirft sie der Dialyse in Filterdialysoren (s. Kap. XI). Nach 16\u201424 Stunden scheidet sich ein aschenfreier Niederschlag aus. Sollte derselbe noch etwas Asche enthalten, so l\u00f6st man ihn noch einmal in eben solcher S\u00e4ure auf und dialysirt; das erhaltene Pr\u00e4parat besitzt alle Eigenschaften, die an dem Globulin bekannt sind und in Kap. XI und s. w. betrachtet werden.\nSchluss. Die Geschichte der Protemk\u00f6rper der Milch erinnert im ganzen an diejenige der Proteink\u00f6rper des Blutserums, des Eiweisses und ihnen \u00e4hnlicher Fl\u00fcssigkeiten. Wie dort ein sich vcrh\u00e4ltnissm\u00e4ssig leicht ausscheidender Tlieil einem sich schwerer ausscheidenden Theil desselben Proteink\u00f6rpers gegen\u00fcbergestellt wird, so setzt man auch hier das \u201eCasein\u201c dem \u201eAlbumin\u201c entgegen. Wie willk\u00fcrlich die Annahme von dem Vorhandensein in frischer Milch desselben \u201eAlbumins\u201c wie in dem Blutserum, auch sein m\u00f6ge, eins est richtig\u2014dass in der Milch, wie auch in den fr\u00fcher betrachteten Fl\u00fcssigkeiten, ein Theil der Proteinsubstanzen sich verh\u00e4ltnissm\u00e4sig leicht, der andere schwerer ausscheidet! Unsere Beobachtungen, die durch historische Thatsachen best\u00e4tigt werden, zeugen zu Gunsten der Identit\u00e4t dessen, was Casein, Lactalbunnn und Lactoproteiu genannt wird. Alle diese Stoffe sind Producte einer und derselben Substanz der Milch, des Lactoglo-bins. welche bei der gew\u00f6hnlichen Behandlung infolge verschiedener Verbindungsund L\u00f6slichkeitsbedingungen in mehreren Portionen sich ausscheidet. Die Erkl\u00e4rung dieser Erscheinung wird der Gegenstand eines besonderen Kapitels (XIX) sein.\nWas die Identit\u00e4t der einzelnen Pr\u00e4parate anbetrifft, so f\u00fchrten wir bei dem Studium derselben sowohl fractionirte als auch vollst\u00e4ndige F\u00e4llung der Protemk\u00f6rper der Milch mit Ammoniumsulfat aus, auch S\u00e4uren und Salze (p. n. 168 VA! 48\u201460) Hessen wir gleichzeitig einwirken. Die erhaltenen Niederschl\u00e4ge gaben nach der Aufl\u00f6sung in Salzs\u00e4ure 1\u20142\u00b0/00 und nach der Dialyse, wie oben gezeigt, analoge Producte, d. h. Niederschl\u00e4ge, die in chemischer Beziehung sich identisch verhielten.\nAlles das, was wir in dieser Hinsicht \u00fcber das Sero- und Ovoglobin gesagt haben (p. n. 171 VW 48\u201460), bezieht sich auch auf das Studium der Protemk\u00f6rper der Milch.\nLITERATUR.\n1) Adam.\u2014Jahrber. Maly. 1880. Bd. 10. 2) Arthus.\u2014Jahrber. Maly. 1S93. Bd. 23. 3) Id.\u2014Archives de physiologie 1893. S\u00e9rie, t. 5. 4) B\u00e9champ.\u2014Bull. Soc. Chim. 1890. S\u00e9r. 3, t. 4. 5) Bergsma.\u2014 A\\ittstein\u2019s Vollst\u00e4ndiges etymologisch-chemisches W\u00f6rterbuch. 1847. Bd. 1. 6) Berzelius. \u2014 Lehrbuch der Thier-Chemie. Dresden 1831. 7) Id.\u2014Jahrber. Berzelius. 1840. Jahrg. 20. 8) Id.\u2014Lehrbuch der Chemie. Dresden & Leipzig. 4 Auf. 1840, Bd. 9. 9) Bidder!. \u2014 Untersuchungen'\u00fcber d. ehern. Unterschiede der Menschen- und Kuhmilch. Giessen. 1869. 10) Id.\u2014Jahrber. Maly. 1874. Bd. 4. 11) Biel,.\u2014Ib. 1874. 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S\u00e9rie 4, t. 4. 25) Id \u2014","page":94},{"file":"p0095.txt","language":"de","ocr_de":"DAS GLOBULIN D\u00cbE MlLC\u00cb.\nComp. rend. 1874, t. 78. 26) Danilewsky (^aiiMeBCKia A.).\u2014Arch, de Sc. pliys. & nat. 1881. S\u00e9rie 3, t. 5. 27) Id. & Radenhausen.\u2014Forschung, etc. Peterson. 1880\u20145. Bd. 3. 28) Denis. \u2014 Nouvelles- \u00e9tudes etc. Paris. 1856. 29) Id. \u2014 M\u00e9moires sur le Sang. etc. Paris. 1859. 30) Desjardins. \nGaz. de Paris. 1854. S\u00e9rie 3, t. 9. 31) D\u00f6bereiner.\u2014Angfangsgr\u00fcnde der Chemie & St\u00f6chiometrie. Jena. 1819. 32) Donn\u00e9.\u2014Die Milch, etc. Minden. 1838. 33) Id\u2014Comp. rend. 1830, t. 9. 34) Doy\u00e8re.\u2014\nArch, des sc. phvs. & natur. 1853, t. 22. 35) Id. \u2014 Jahrb. Liebig\u2019s 1853. Bd. 6. 36) Id. & Pogqiale._-\nComp. rend. 1853, t. 36. 37) Duclaux.\u2014Ib. 1875, t. 80. 38) Id\u2014Ih. 1884, t. 98. 39) Dumas.\u2014Ib. 1845,\nt. 21. 40) Id.\u2014Trait\u00e9 de chimie appliqu\u00e9e aux arts. Paris 1846, t. 8. 41) Id. & Cahours._____Ann!\nde chim. & phys. 1842. S\u00e9rie 3, t. 6. 42) Els\u00e4sser. \u2014 Die Magenerweichung etc. T\u00fcbingen. 1846. 43) Eugling. \u2014 Forschung. Peterson. 1878. Bd. 1.44) Figuier.\u2014Ann.de chim. & phys. 1844. S\u00e9rie 3, t. 11. 45) Fourcroy.\u2014Ann. chim. ou Receuil. 1790, t. 7. 46) Id.\u2014El\u00e9ments d\u2019histoire naturelle, etc. Paris. 1794, ed. 5, t. 4. 47) Id. \u2014 Syst\u00e8me des connaissances etc. Paris. An. I (1801), t. 9. 48) Id.\u2014Encyclop\u00e9die m\u00e9thodique etc. 1782. t. 4. 49) Id. & Thouvenel.\u2014Le\u00e7ons \u00e9l\u00e9mentaires ete. Paris. 1782, t. 2. 50) Frenzel & Weyl. \u2014 Zeitschr. phys. Chem. 1885. Bd. 9. 51) Frerichs. \u2014- Wagner\u2019s Handw\u00f6rterburch. 1856. Bd. 3. 52) Geiger. \u2014 Gmelin\u2019s Handbuch der Chemie. 1858. Bd. 8. 53) Geoffroy. \u2014 Histoire de l\u2019acad\u00e9mie etc. 1732. 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