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Einfluss des elektrischen Stromes auf Herz und Gefässe beim narkotisierten Tier [Begleitheft zum Hochschulfilm Nr. C 66]

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{"created":"2022-01-31T15:42:32.730884+00:00","id":"lit38630","links":{},"metadata":{"alternative":"Ver\u00f6ffentlichung der Reichsstelle f\u00fcr den Unterrichtsfilm","contributors":[{"name":"Pietrusky, Fr.","role":"author"},{"name":"Janker, R.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Berlin: Reichsstelle f\u00fcr den Unterrichtsfilm","fulltext":[{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"VER\u00d6FFENTLICHUNG DER REICHSSTELLE F\u00dcR DEN UNTERRICHTSFILM ZU DEM HOCHSCHULFILM Nr. C 66\nEinfluss des elektrischen Stromes auf Herz und Gef\u00e4sse beim narkotisierten Tier\nvon Prof. Dr. Fr. PIETRUSKY\n(Direktor des Gerichts\u00e4rztlichen Instituts der Universit\u00e4t Bonn) und Prof. Dr. R. JANKER\n(Leiter der R\u00f6ntgenabteilung der chirurgischen Universit\u00e4tsklinik Bonn [Direktor Prof. Dr. v. Redwitz]).\nDie Gef\u00e4hrlichkeit elektrischer Str\u00f6me wird nicht nur von Laien, sondern auch von Technikern und Aerzten sehr untersch\u00e4tzt. So ist nicht bekannt, da\u00df etwa ebenso viele Todesf\u00e4lle durch niedrige Spannungen wie durch Hochspannungen Vorkommen.\nEine gro\u00dfe Reihe von Autoren befa\u00dft sich mit der Einwirkung des elektrischen Stromes auf Herz und Gef\u00e4\u00dfe. Die Ergebnisse stimmen nicht immer \u00fcberein. Es erschien deshalb zweckm\u00e4\u00dfig, die objektive Registrierung, die die R\u00f6ntgenkinematographie erm\u00f6glicht, zum Studium dieser Frage heranzuziehen, zumal es dadurch m\u00f6glich ist, auch w\u00e4hrend der Einwirkung des Stromes zu beobachten. Hierzu wurde bei einem Teil der Tiere das Gef\u00e4\u00dfsystem durch Thorotrastf\u00fcllung dargestellt. Dadurch, da\u00df nach dem Beispiel von B\u00f6hme etwas gr\u00f6\u00dfere Kontrastmittelmengen wie sonst benutzt werden, gelingt es, f\u00fcr die Dauer der Untersuchung Gef\u00e4\u00dfe und Herzbinnenr\u00e4ume kontrastmittelgef\u00fcllt zu erhalten. Die Versuche wurden an Katzen und Kaninchen durchgef\u00fchrt; dabei wurden im einzelnen \u2014 die Beschreibung h\u00e4lt sich dahei an die Reihenfolge des Filmes \u2014 folgende Befunde erhoben:\nDie erste Katze erhielt in Seitenlage zun\u00e4chst die Thorotrast-injektion in eine Beinvene. Man sieht das Kontrastmittel beim","page":1},{"file":"p0002.txt","language":"de","ocr_de":"Durchstr\u00f6men der unteren Hohlader und beim Einflie\u00dfen in den rechten Vorhof. Schlie\u00dflich sind alle gro\u00dfen Gef\u00e4\u00dfe und die Herzbinnenr\u00e4ume isoliert in ihrer T\u00e4tigkeit zu beobachten. Man erkennt dabei vor allem die tiefen Kontraktionen der Ventrikel und die deutlich von Herzt\u00e4tigkeit und Atmung abh\u00e4ngigen Kaliberschwankungen der Vena cava inferior in ihrem Abschnitt zwischen Zwerchfell und Herz. Dann wird der elektrische Strom eingeschaltet, und zwar ein Strom von 240 Volt, 0,5 A und 50 Perioden. In diesem Augenblick b\u00e4umt sich das Tier etwas nach vom auf, die Zwerchfelle treten hoch, das Herz wird in den Vorhofabschnitten weit, die Ventrikel sind dabei kontrahiert, die untere Hohlvene ist breit. Atmung und Herzschlag haben schlagartig aufgeh\u00f6rt, nur am rechten Herzohr ist ganz geringes, allm\u00e4hlich schw\u00e4cher werdendes Flimmern wahrnehmbar. Der Strom wirkt 6 Sekunden lang ein. Beim Ausschalten erschlafft das Tier wieder. Am Herzen ist dabei noch keine Aenderung feststellbar. Erst langsam kommt es zu einem zun\u00e4chst geringen, sp\u00e4ter deutlicher werdenden Flimmern der linken, dann der rechten Kammer und schlie\u00dflich der Vorh\u00f6fe. Das Flimmern geht allm\u00e4hlich in flache, dann tiefere, in der Schnelligkeit wechselnde Kontraktionen \u00fcber.\nIn der Zwischenzeit ist auch allm\u00e4hlich die Atmung wieder in Gang gekommen; sie ist ruckartig und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig tief, das Zwerchfell kontrahiert sich dabei maximal, der untere Abschnitt des Brustkorbes wird eingezogen. Nach einiger Zeit wird die Herzt\u00e4tigkeit wieder weniger deutlich; zun\u00e4chst h\u00f6ren die Vorh\u00f6fe, dann die rechte Kammer auf; nur die linke Kammer, die zuerst begonnen hat, zeigt noch einige Zeit das Flimmern, ebenso das rechte Herzohr. Dann treten ganz allm\u00e4hlich langsame und dabei tiefe, anscheinend selbst\u00e4ndige Kontraktionen des linken Vorhofs auf. Auch diese kommen wieder zum Stillstand, ebenso die Atmung; die Lungenfelder werden dabei dunkler (Oedem). Das Tier ist tot.\nBeim n\u00e4chsten Tier wird wiederum in rechter Seitenlage eine Darstellung der Gef\u00e4\u00dfe und der Herzbinnenr\u00e4ume vorgenommen. Linker Vorhof und linke Kammer lassen sich gut gegeneinander abgrenzen. Rechter Vorhof und rechte Kammer sind weniger gut zu unterscheiden, weil sie teilweise \u00fcberlagert sind.","page":2},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"Es wird dann auf die Dauer von 12 Sekunden (also f\u00fcr die doppelte Zeit) Strom eingeschaltet; wiederum treten die oben beschriebenen Ver\u00e4nderungen ein. Besonders deutlich ist diesmal die starke Kontraktion der Ventrikel. Vor allem ist dies am linken zu beobachten. W\u00e4hrend der Einwirkungsdauer des Stromes sieht man, w\u00e4hrend sonst keinerlei Bewegung nachweisbar ist, pl\u00f6tzlich die obersten Abschnitte der Vena c\u00e4va inferior n\u00e4her an das Herz heranr\u00fccken. Dann wird der Strom wieder ausgeschaltet.\nDer n\u00e4chste Abschnitt des Films zeigt eine Katze in R\u00fcckenlage. Im Bild erscheint der linke Herzrand links. Eine Gef\u00e4\u00dfdarstellung wird nicht vorgenommen. Das Tier atmet zun\u00e4chst v\u00f6llig normal, dann wird f\u00fcr 6 Sekunden der Strom eingeschaltet (240 V, 0,5 A, 500 Perioden). Durch das Tier geht ein Ruck; dabei werden die Vorhofabschnitte des Herzens deutlich erweitert, w\u00e4hrend die Ventrikelabschnitte diese Erscheinung vermissen lassen. Die \u00e4u\u00dferen Partien des Zwerchfells treten maximal tief, die mittleren maximal hoch, der Thorax wird verbreitert. W\u00e4hrend des Stromdurchgangs glaubt man wieder in der Gegend des rechten Herzohrs ein geringes Flimmern zu sehen. Das Ausschalten des Stroms ist deutlich durch eine gewisse Erschlaffung des Tieres und Erweiterung s\u00e4mtlicher Herzabschnitte sichtbar. Im Gegensatz zur ersten Katze fangen diesmal sofort s\u00e4mtliche Abschnitte des Herzens wieder zu schlagen an. Dabei sind Extrasystolen einwandfrei festzustellen. Die Atmung stellt sich ebenfalls wieder ein. Mit zunehmender Erholung wird das Herz in allen Abschnitten wieder kleiner, cs kehrt bis zur normalen Gr\u00f6\u00dfe zur\u00fcck. Nun wird zum zweiten Mal der Strom eingeschaltet (Dauer 11 Sekunden). Genau dieselben schon beschriebenen Ver\u00e4nderungen wiederholen sich, vor allem sieht man das Flimmern am rechten Herzohr. Beim Ausschalten des Stroms tritt wieder eine Erschlaffung des Tieres ein, der Umfang der Vorhofabschnitte wird kleiner, wohl infolge der Entleerung in die Ventrikel, die etwas weiter werden. Sofort setzt wiederum in allen Abschnitten Herzt\u00e4tigkeit ein. Zweifellos hat man aber den Eindruck, da\u00df diesmal das Herz mehr \u201emitgenommen\u201c ist, wie das erste Mal. Die T\u00e4tigkeit ist","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"unregelm\u00e4\u00dfiger und ungleichm\u00e4\u00dfiger; auch die Atmung kommt erst viel sp\u00e4ter wieder in Gang.\nNun folgt der dritte Stromdurchgang mit 15 Sekunden Dauer; man kann wieder dieselben Erscheinungen beobachten, nur ist diesmal beim Ausschalten keine so deutliche Ver\u00e4nderung erkennbar. Das Tier braucht ferner sehr lange Zeit, um sich zu erholen. Erst nach ca. 30 Sekunden tritt ein geringes, ganz allm\u00e4hlich deutlicher werdendes Flimmern an den Vorh\u00f6fen ein, das erst nach l\u00e4ngerer Zeit in gut erkennbare Herzschl\u00e4ge \u00fcbergeht. Auch die Atmung beginnt schlie\u00dflich wieder. Nach einem weiteren Stromdurchgang von 15 Sekunden ist nur der Zustand nach dem Ausschalten aufgenommen. Man beobachtet genau wie fr\u00fcher, wie das Herz wieder in T\u00e4tigkeit kommt. Besonders bemerkenswert ist dabei eine zeitweise auffallende Verlangsamung des Herzschlags. Mit zunehmender Erholung wird es trotz einer sehr deutlichen Erweiterung allm\u00e4hlich wieder normal gro\u00df. Ein neuerlicher Stromdurchgang von 17 Sekunden \u2014 er ist nicht mehr dargestellt \u2014 hat dann zur Folge, da\u00df diesmal das Herz die Sch\u00e4digung nicht mehr \u00fcberwindet. Alle Abschnitte stehen in Diastole still, die Zwerchfelle sind maximal hoch, das Tier ist tot.\nZum n\u00e4chsten Versuch wird ein Kaninchen verwandt, es liegt in R\u00fcckenlage, linker Herzrand links. Beim Einschalten des Stromes, das durch das Sichtbarwerden eines Zeigers angek\u00fcndigt wird, tritt neben einer allgemeinen Kontraktion eine sehr starke linkskonvexe Skoliose auf. Der Stromflu\u00df beginnt in der Phase der Ausatmung; diese wird (siehe den Gegensatz sp\u00e4ter) noch maximal verst\u00e4rkt, das Herz wird sehr breit. Es kann ohne Kontrastf\u00fcllung nicht festgestellt werden, ob die Ventrikel in Kontraktionsstellung sind. Das Stromausschalten ist wieder deutlich erkennbar (Erschlaffung, R\u00fcckgang der Skoliose). Die Herzt\u00e4tigkeit setzt unmittelbar danach ein, und zwar an allen Abschnitten; doch ist der Herzschlag sehr klein, beschleunigt, unregelm\u00e4\u00dfig (Extrasystolen) und das Kaninchen braucht ziemlich lange Zeit, sich zu erholen. Doch wird auch hier die Herzt\u00e4tigkeit wieder besser, die Atmung kehrt zur\u00fcck, das Herz wird wieder normal klein. Nun folgt ein neuerlicher Stromdurchgang von 10 Sekunden. Dieses Mal f\u00e4llt das Ein-","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"schalten in die Phase der Einatmung; die Zwerchfelle kontrahieren sich noch mehr und treten tiefer. Bei der Erweiterung des Herzens springt die Kontur des rechten Vorhofs besonders weit vor; erst w\u00e4hrend des Stromdurchgangs scheint auch der Ventrikelabschnitt etwas weiter zu werden.\nDas Ausschalten ist ebenfalls deutlich sichtbar, u. a. wird die beim Einschalten auftretende Skoliose geringer und die Zwerchfelle r\u00fccken sichtbar h\u00f6her. Das Herz erholt sich in \u00e4hnlicher Weise wie vorhin, vor allem wird es wieder normal klein.\nNun wird der Strom 20 Sekunden mit dem gleichen Ergebnis wie oben geschildert eingeschaltet. Vor allem f\u00e4llt eine Erweiterung der Vorhofe, besonders des rechten, auf. W\u00e4hrend des Stromdurchgangs verschwindet die anf\u00e4nglich vorhandene taillenf\u00f6rmige Einziehung am rechten Ventrikel, so da\u00df man nunmehr eine Erweiterung auch des rechten Ventrikels annehmen mu\u00df. Das Stromausschalten bewirkt keine besonders deutlichen Erscheinungen mehr. Man sieht lediglich ein langsames, wie erschlaffendes Hochgehen der Zwerchfelle, das Herz sinkt etwas nach links ab, der Lungenraum wird noch etwas kleiner: das Tier ist tot.\nDamit sind die wesentlichsten Vorg\u00e4nge des Films kurz geschildert. Die Darstellung erscheint uns zu seinem Verst\u00e4ndnis notwendig. Eine eingehende Auswertung der wissenschaftlichen Ergebnisse wird noch an anderer Stelle erfolgen.","page":5}],"identifier":"lit38630","issued":"[1936]","language":"de","pages":"5","startpages":"5","title":"Einfluss des elektrischen Stromes auf Herz und Gef\u00e4sse beim narkotisierten Tier [Begleitheft zum Hochschulfilm Nr. C 66]","type":"Book"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:42:32.730889+00:00"}

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