Open Access
{"created":"2022-01-31T16:55:19.820321+00:00","id":"lit38633","links":{},"metadata":{"alternative":"Ver\u00f6ffentlichung der Reichsstelle f\u00fcr den Unterrichtsfilm","contributors":[{"name":"Schlieper, C","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Berlin: Reichsstelle f\u00fcr den Unterrichtsfilm","fulltext":[{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"VER\u00d6FFENTLICHUNG DER REICHSSTELLE F\u00dcR DEN UNTERRICHTSFILM ZU DEM HOCHSCHULFILM Nr. C 214\nReizphysiologische Versuche an Paramaecium caudatum\nVon Prof. Dr. C. SCHLIEPER (Zoologisches Institut Marburg/Lahn)","page":1},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"Reizphysiologische Versuche an Paramaecium caudatum\nVon Prof. Dr. C. SCHLIEPER (Zoologisches Institut Marburg/Lahn)\nEin besonders interessantes Kapitel des tierischen Verhaltens stellen die Ortsbewegungsreaktionen (T a x i e n) der freischwimmenden, ciliaten Protozoen dar. Die verschiedensten Reize k\u00f6nnen, wie Jennings in klassischen Versuchen nachgewiesen hat, Ortsbewegungsreaktionen bei diesen Einzellern hervorrufen. Je nach den ausl\u00f6senden Reizen unterscheidet man Thermotaxis, Chemotaxis usw. In dem vorliegenden Film ist der Versuch gemacht worden, einige der bekanntesten und typischsten Taxien an dem Pantoffeltierchen Paramaecium caudatum aufzunehmen. Die einzelnen Abschnitte des Filmes seien in dem Folgenden besprochen.\n1. Normal schwimmende Paramaecien.\nParamaecium caudatum bewegt sich durch den rhythmischen Schlag seiner Cilien in einer linksl\u00e4ufigen Schraubenlinie um seine L\u00e4ngsachse rotierend vorw\u00e4rts. St\u00f6\u00dft es bei seiner Fortbewegung auf ein Hindernis, so f\u00fchrt es eine sog. Schreckreaktion aus. Dabei schwimmt es zun\u00e4chst durch Aen-derung der Schlagrichtung der Cilien in einer Rechtsschraube r\u00fcckw\u00e4rts, beschreibt dann mit dem Vorderende einen kleinen Bogen und schwimmt schlie\u00dflich in der so gewonnenen neuen","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"Richtung vorw\u00e4rts (s. Abb. 1). \u2014 Eine Anzahl der im Film sichtbaren Tiere befindet sich in Konjugation.\nAbb. 1: Schreckreaktion von Paramaecium. 1: Ein Reiz trifft das vorw\u00e4rtsschwimmende Tier, 2: R\u00fcckw\u00e4rtsschwimmen, 3\u20145: Wendung, 6: erneutes Vorw\u00e4rtsschwimmen. (Nach Jennings.)\n2.\tSchwimmbewegungen bei erh\u00f6hter Viskosit\u00e4t des Mediums.\nDie Fortbewegung der Paramaecien ist durch Zusatz von Gelatinel\u00f6sung zum urspr\u00fcnglichen Medium verlangsamt worden. Sie ist jetzt in ihren einzelnen Phasen besser zu beobachten. Allerdings ist die Schwimmbewegung nach Gelatinezusatz insofern abge\u00e4ndert, als nunmehr die Paramaecien in einer Rechtsspirale vorw\u00e4rtsschwimmen.\n3.\tThigmotaxis.\na) Ansammlungen an Filtrierpapierfasern.\nEinige Filtrierpapierfasern sind unter das Deckglas gebracht worden. Zahlreiche Individuen haften mit stillstehenden Gilien einzeln oder zu kleinen Gruppen vereinigt an den Fasern (positive Thigmotaxis).\nb) Ansammlung am Glas faden bei erh\u00f6htem Kohlens\u00e4uregehalt des Mediums.\nNormalerweise l\u00f6st die glatte Oberfl\u00e4che eines Glasfadens oder Glasstabes keine positive Thigmotaxis aus. Erh\u00f6ht man jedoch den Kohlens\u00e4uregehalt des Mediums, so stellen zahlreiche Individuen nach Ber\u00fchrung mit dem Glasfaden ihre Bewegungen ein.","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"4.\tThermotaxis.\nZur\u00fcckweichen aus der durch den Heizdraht erw\u00e4rmten Zone.\nIn der Mitte des Gesichtsfeldes befindet sich ein d\u00fcnner Platindraht, der durch den elektrischen Strom einer 2 Volt-Trockenbatterie geheizt werden kann. Zun\u00e4chst schwimmen die Paramaecien frei umher. Wird dann der Strom eingeschaltet (kenntlich gemacht durch Titeleinblendung \u201eHeizstrom!\u201c), so weichen die Paramaecien durch Schreckreaktionen aus der von dem Draht erw\u00e4rmten, allm\u00e4hlich gr\u00f6\u00dfer werdenden Wasserzone zur\u00fcck. Ebenso f\u00fchren von au\u00dfen auf die Grenzen der erw\u00e4rmten Wasserzone auftreffende Paramaecien Schreckreaktionen aus. Im Augenblick, wo der Strom ausgeschaltet wird, nimmt auch die Temperatur der erw\u00e4rmten Wasserzone ab, und die Paramaecien n\u00e4hern sich wieder dem Draht.\n5.\tChemotaxis.\na)\tPositive Chemotaxis (stark verd\u00fcnnte Essigs\u00e4ure).\nMit einer feinen Glaspipette ist ein Tropfen einer ca. 1/500%igen Essigs\u00e4ure unter das Deckglas in die Mitte der paramaecienhal-tigen Fl\u00fcssigkeit gebracht worden. Die zuf\u00e4llig durch ihre Schwimmbewegungen in den Tropfen gelangten Paramaecien reagieren gegen\u00fcber ihrem urspr\u00fcnglichen Medium negativ. Sie sind gewisserma\u00dfen in dem Tropfen gefangen. Jedesmal, wenn ein Paramaecium den Tropfenrand von innen her anschwimmt, f\u00fchrt es eine Schreckreaktion aus und wird dadurch zur\u00fcckgeworfen. \u2014 Die zu den Aufnahmen benutzte Essigs\u00e4ure war mit etwas Kongorot angef\u00e4rbt, um sie deutlich von dem normalen Medium der Paramaecien abzuheben.\nb)\tChemotaktische Ansammlung in optimaler Zone (Essigs\u00e4uretropfen).\nMit einer feinen Glaspipette ist ein Tropfen einer l/50%igen Essigs\u00e4ure unter das Deckglas in die Mitte der paramaecienhal-tigen Fl\u00fcssigkeit gebracht worden. Da die Essigs\u00e4ure auch bei diesem Versuch mit etwas Kongorot angef\u00e4rbt war, hebt sie sich","page":5},{"file":"p0006.txt","language":"de","ocr_de":"deutlich von dem urspr\u00fcnglichen Medium ab. Man sieht, wie sich allm\u00e4hlich um den Tropfen herum eine ringf\u00f6rmige Diffusionszone ausbildet. Die umherschwimmenden Paramaecien reagieren negativ gegen\u00fcber der unverd\u00fcnnten 1/50-prozentigen S\u00e4ure, d. h. sie f\u00fchren Schreckreaktionen aus, sowie sie auf die Tropfengrenze auftreffen. Sie reagieren jedoch positiv gegen\u00fcber einer bestimmten Verd\u00fcnnung der S\u00e4ure. Gelangen sie in der Diffusionszone in diese f\u00fcr sie \u201eoptimale\u201c S\u00e4urekonzentration, so sind sie in derselben gefangen. Denn nun reagieren sie nicht nur gegen\u00fcber dem im Inneren gelegenen unverd\u00fcnnten Tropfen negativ, sondern auch gegen\u00fcber ihrem urspr\u00fcnglichen Medium, das die ringf\u00f6rmige Diffusionszone von au\u00dfen umgibt (s. Abb. 2). Die Paramaecien sammeln\nAbb. 2: Schema der Bahn eines Paramaeciums in einem Diffusionsgef\u00e4lle. Die Kreise verbinden Punkte gleicher Konzentration. C Diffusionszentrum, .\u2014.\u2014.\u2014.\u2014 obere und untere Grenze des Optimums, Schreckreaktion. (Nach K\u00fchn.)\nsich auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit in einem Ring um den Essigs\u00e4uretropfen an. Man ' kann deutlich erkennen, wie sie sowohl an der \u00e4u\u00dferen wie auch an der inneren Umgrenzung der ringf\u00f6rmigen, optimalen Zone Schreckreaktionen ausf\u00fchren.","page":6},{"file":"p0007.txt","language":"de","ocr_de":"c) Chemotaktische Ansammlung in optimaler Zone (Kohlens\u00e4ureblase).\nEine kleine Kohlens\u00e4ureblase ist unter das Deckglas in die Mitte der paramaecienhaltigen Fl\u00fcssigkeit gebracht worden. Innerhalb des Diffusionsbereiches der Kohlens\u00e4ureblase befindet sich das Kohlens\u00e4ureoptimum f\u00fcr Paramaecium. Die Paramae-cien haben sich in diesem Optimum, d. h. also in einer ringf\u00f6rmigen Zone, um die Kohlens\u00e4ureblase angesammelt. Sie f\u00fchren an der inneren und \u00e4u\u00dferen Grenze dieser Zone Schreckreaktionen aus.\n6. Galvanotaxis.\nLeitet man durch paramaecienhaltige Fl\u00fcssigkeit einen mittelstarken galvanischen Strom, so wenden die Paramaecien ihr Vorderende der Kathode zu und schwimmen in Richtung derselben. Diese Reaktion der Paramaecien wird durch direkte Beeinflussung ihrer Cilient\u00e4tigkeit durch den elektrischen Strom hervorgerufen, es handelt sich hierbei also um ein reines Laboratoriumsprodukt. Zu den Filmaufnahmen wurde die einfache, von K\u00fchn (1917) angegebene Versuchsanordnung benutzt. Im Filmbild sind links und rechts die aus Flie\u00dfpapier bestehenden Elektroden sichtbar. Wird der Strom eingeschaltet, so erscheinen zur Angabe der Stromrichtung ~t~ und \u2014 Zeichen auf den Elektroden. Wird die Stromrichtung ge\u00e4ndert, so wechseln dementsprechend auch die + und \u2014 Zeichen ihre Lage. Der Film zeigt deutlich das Hinschwimmen der Paramaecien auf die Kathode zu und ihre Umkehr bei Stromwendung.\nLiteratur:\nAlverdes, F.: Studien an Infusorien \u00fcber Flimmerbewegung. Lokomotion und Reizbeantwortung. B\u00e7rlin, Borntr\u00e4ger, 1922.\nHartmann, M.: Praktikum der Protozoologie. 5. Auflage, Jena, Fischer 1928.\nJennings, H. S.: Das Verhalten der niederen Organismen unter nat\u00fcrlichen und experimentellen Bedingungen. Leipzig und Berlin, 1910.\nKalmus, H.: Paramaecium, das Pantoffeltierchen. Eine monographische Zusammenfassung der wichtigsten Kenntnisse, Jena, 1931.\nK\u00fchn, A.: Anleitung zu tierphysiologischen Grundversuchen. Leipzig, 1917.","page":7}],"identifier":"lit38633","issued":"[1937]","language":"de","pages":"7","startpages":"7","title":"Reizphysiologische Versuche an Paramaecium caudatum [Begleitheft zum Hochschulfilm Nr. C 214]","type":"Book"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:55:19.820327+00:00"}
