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{"created":"2022-01-31T15:27:29.663061+00:00","id":"lit38794","links":{},"metadata":{"alternative":"Beitr\u00e4ge zur experimentellen Psychologie, Heft 4","contributors":[{"name":"M\u00fcnsterberg, Hugo","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Beitr\u00e4ge zur experimentellen Psychologie, Heft 4, edited by M\u00fcnsterberg, Hugo, 40-68. Freiburg i.B.: Mohr","fulltext":[{"file":"p0040.txt","language":"de","ocr_de":"Kettenreaktionen.\nDie im folgenden darzustellenden psychometrischen Untersuchungen sind zum Teil nach derselben Methode gearbeitet, nach der meine fr\u00fcheren zeitmessenden Versuche aus-gef\u00fchrt wurden. Gr. E. M\u00fcller hat gegen diese Methode einen Einwand geltend gemacht, welcher, falls er sich als berechtigt erweisen sollte, meine Versuchsergebnisse v\u00f6llig entwerten und das Vertrauen in die Exaktheit meiner Experimente arg ersch\u00fcttern m\u00fcsste. Da nun gerade in diesem Punkt die Irrt\u00fcmlichkeit der M\u00fcllerschen Ansicht f\u00fcr den Fernerstehenden nicht so leicht zu durchschauen ist wie bei den \u00fcbrigen Argumenten seiner \u201eKritik\u201c 1)1 so bin ich gegen mein Prinzip, pers\u00f6nlich gef\u00e4rbte Kritik unbeachtet zu lassen, ausnahmsweise in diesem Falle gen\u00f6tigt, den M\u00fcllerschen Ausf\u00fchrungen, soweit es die folgende Arbeit unbedingt fordert, in K\u00fcrze n\u00e4her zu treten.\nM\u00fcllers Vorwurf ist der folgende. Ich benutzte durchweg das Hipp sehe Chronoskop und kontrollierte es mit dem Langeschen Fallhammer. Nun zeigt das Chronoskop diejenige Zeit an, w\u00e4hrend welcher ein elektrischer Strom das Uhrwerk durchfliesst; der Langesche Hammer l\u00e4sst lediglich Zeiten, die kleiner als 160 o (= 0,16 Sek.) sind, kontrollieren, w\u00e4hrend die von mir untersuchten Zeiten meist gr\u00f6sser als 500 o (= 0,5 Sek.) gewesen sind. \u201eMan begreift daher nicht, wie\n0 G\u00f6ttingische gelehrte Anzeigen, Juni 1891.","page":40},{"file":"p0041.txt","language":"de","ocr_de":"41\nVerfasser sich mittels des Kontrollhammers von der Richtigkeit der erhaltenen Zeitwerte \u00fcberzeugt haben will. Schon die rein theoretische Ueberlegung l\u00e4sst ohne weiteres erkennen, dass eine Stromst\u00e4rke, welche f\u00fcr etwa 150 a richtige Zeitwerte gewinnen l\u00e4sst, zu hohe Werte ergibt, wenn die zu messenden Zeiten betr\u00e4chtlich l\u00e4nger sind, und zwar der Fehler um so gr\u00f6sser ist, je l\u00e4nger die Zeiten sind. Denn je l\u00e4nger die Zeit ist, w\u00e4hrend welcher der elektrische Strom das Uhrwerk durchfliesst, desto mehr \u00fcberdauert die Festhaltung des Ankers den elektrischen Strom.\u201c M\u00fcller gelangt infolgedessen zu dem kritischen Ergebnis, dass die absoluten Zeitwerte, welche ich erhalten habe, -mit Fehlern behaftet\u201c und dass -alle auf sie bez\u00fcglichen Betrachtungen nur als Zeitverlust anzusehen sind.\u201c\nIch habe darauf folgendes zu erwidern. Die angef\u00fchrten physikalischen Bemerkungen sind an und f\u00fcr sich selbstverst\u00e4ndlich richtig, dagegen sind sie hier v\u00f6llig bedeutungslos, da die Voraussetzungen, die M\u00fcller macht, durchaus falsch sind. Bei der von mir ausnahmslos benutzten Versuchsanordnung zeigt die Uhr n\u00e4mlich nicht, wie M\u00fcller es sich vorstellt, die Zeit an, w\u00e4hrend welcher der Strom die Uhr durchfliesst, sondern umgekehrt stets diejenige Zeit, w\u00e4hrend welcher der Uhrstrom unterbrochen ist. Jeder sieht aber ein, dass es sehr gleichg\u00fcltig ist, ob durch die Uhr nur 150 a oder selbst 1000 a kein Strom hin-durchfliesst.\nAn meiner Darstellung lag die Schuld f\u00fcr M\u00fcllers kritischen Missgriff hier so wenig wie an anderen Stellen. Ausdr\u00fccklich habe ich bei der Beschreibung meiner Versuchstechnik auf eine bestimmte Stelle der Wundt sehen Psychologie verwiesen, wo Wundt sagt: ,die Einrichtung ist so getroffen, dass der Strom die Zeiger feststellt und seine Unterbrechung sie in Bewegung setzt.\u201c In der That habe ich in den drei Jahren, die ich bei Wundt studiert, niemals eine andere Versuchsanordnung gesehen, und bis zum heutigen Tag auch in meinem","page":41},{"file":"p0042.txt","language":"de","ocr_de":"42\nLaboratorium diese Anordnung ausnahmslos verwendet; M\u00fcller kann nicht beanspruchen, dass ich dieses Verfahren pl\u00f6tzlich \u00e4ndere, nur um endlich einmal einen seiner Angriffe zu einem berechtigten zu machen.\nUnd nun zur Sache!\nDie hier mitzuteilenden Ergebnisse beziehen sich im wesentlichen auf Unterscheidungs- und Wahlzeiten. Den gr\u00f6sseren Teil der Untersuchungen f\u00fchrte ich im Wintersemester 1890\u201491 aus, zusammen mit den Herren Dr. Alexander, Dr. Hoops, Dr. Hume, Dr. Mackay, Siebert, Dr. Delabarre, Lewy, Dr. von Jankovich, Fri. Dr. von Schirn-hofer; den kleineren, auf Farbenunterscheidung bez\u00fcglichen Teil im Sommersemester 1891 mit den vier letztgenannten, w\u00e4hrend an die Stelle der anderen die Herren Caldwell, Gill, Hahner, Slatopolski, Schwend und Zermelo traten, so dass an jedem Versuch zehn Personen beteiligt waren.\nDer Zweck der Arbeit war in erster Linie ein methodologischer. Nicht darauf kam es mir an, die Unterscheidungszeiten auf einem bestimmten Einzelgebiet festzustellen, sondern die Aufgabe war, eine f\u00fcr Unterscheidungsversuche bisher nicht benutzte Methode auf den verschiedensten Gebieten soweit zu verwerten, dass ein Urteil \u00fcber den Nutzen der Methode erm\u00f6glicht w\u00fcrde. Dass die methodologische Fortbildung der zeitmessenden Unterscheidungsversuche w\u00fcnschenswert ist, scheint mir zweifellos. D\u00fcrfte die Psychometric doch am ehesten einmal im st\u00e4nde sein, uns von den schablonenhaften psychophysischen Methoden zu befreien, deren Unfruchtbarkeit immer deutlicher zu Tage tritt. Es scheint n\u00e4mlich unter bestimmten Umst\u00e4nden der Satz zu gelten, dass, wenn der Unterschied je zweier Reize gleich gross gesch\u00e4tzt wird, die f\u00fcr die Unterscheidung beider Reize erforderte Zeit unter sonst gleichen Bedingungen dieselbe ist.\nDamit ist aber auch ein weiteres gegeben. Die bisherige Entwicklung der Psychophysik hat es mit sich gebracht, dass","page":42},{"file":"p0043.txt","language":"de","ocr_de":"43\nden Intensit\u00e4tsverh\u00e4ltnissen eine bevorzugte Sonderstellung unter den der Beurteilung sich darbietenden Empfindungsbeziehungen einger\u00e4umt wurde. Prinzipiell liegt dazu kein Grund vor. Die qualitative Distanz, die Verschmelzung, die A \u00c4hnlichkeit, kurz alle \u00fcbrigen Empfindungsverh\u00e4ltnisse haben psychologisch dieselbe Bedeutung; nur auf psychometrischem Wege kann eine einheitliche, gleichm\u00e4ssig exakte Behandlung aller dieser Probleme gewonnen werden. Wir k\u00f6nnen die Distanzbeurteilung untersuchen, indem wir die Zeit messen, welche n\u00f6tig ist, um zwei qualitativ oder zwei quantitativ verschiedene Reize zu unterscheiden; wir k\u00f6nnen den Verschmelzungsgrad zweier Empfindungen studieren, wenn wir die Zeit messen, in der wir unterscheiden, ob ein oder zwei Reize vorhanden sind u. s. w. Im folgenden besch\u00e4ftigen sich vornehmlich die Farben versuche mit qualitativen Differenzen, die Temperatur- und Augenmassversuche mit quantitativen Unterschieden, die Zirkeltastversuche mit Unterschieden der Verschmelzung. Bei allen diesen Versuchen musste nat\u00fcrlich innerhalb der vergleichbaren Reihen der Reaktionsmodus derselbe bleiben. Nicht minder wichtig werden aber solche Versuche sein, bei denen den wechselnden Reizen auch wechselnde Reaktionsbewegungen entsprechen und somit nicht nur die Unterscheidungszeit, sondern auch die Wahlzeit sich ver\u00e4ndert. In diese Gruppe geh\u00f6ren hier die Versuche mit passiven Bewegungen, mit Druckempfin'dungen u. a.\nDie verwerthete Methode geht von einem bekannten Versuch aus, den Galton u. a. benutzten, um ohne feinere Hilfsmittel zu demonstrieren, dass unsere Reaktionsbewegungen auf \u00e4usseren Reiz eine nicht unbedeutende Zeit in Anspruch nehmen. Wenn zwanzig, dreissig Personen einen Kreis bilden, sich die H\u00e4nde reichen, der erste mit der rechten Hand die Linke seines Nachbars dr\u00fcckt, dieser sobald er die Druckempfindung wahrnimmt, so schnell als m\u00f6glich die Hand des dritten dr\u00fcckt und so fort, so kann der erste schon an einer","page":43},{"file":"p0044.txt","language":"de","ocr_de":"44\nTaschenuhr ablesen, dass mehrere Sekunden vergehen, bis der H\u00e4ndedruck durch den ganzen Kreis fortgepflanzt, zu ihm zur\u00fcckkehrt. Selbst der Einfluss, den centrale Ver\u00e4nderungen auf die Reaktionszeit aus\u00fcben, l\u00e4sst sich mit dieser primitiven psychometrischen Methode demonstrieren; die Zeit wird k\u00fcrzer, wenn die Aufmerksamkeit durch Signale maximal gespannt ist, und wird erheblich l\u00e4nger, wenn die Teilnehmer durch vorhergehende Arbeit geistig erm\u00fcdet sind.\nZun\u00e4chst k\u00f6nnen wir nun die ungef\u00e4hre Zeitbestimmung in eine exakte \u00fcberf\u00fchren. Ein elektrischer Schl\u00fcssel, der mit dem Hippschen Chronoskop in Verbindung steht, wird so auf dem Fussboden befestigt, dass die Fussspitze der ersten Person den Knopf ber\u00fchrt. Die Hacke des Stiefels ruht fest auf dem Boden und die geringste Aufw\u00e4rtsbewegung der Fussspitze \u00f6ffnet, die geringste Abw\u00e4rtsbewegung derselben schliesst den -Kontakt. Die erste Person der Teilnehmerkette schliesst so mit dem Fuss den Strom m\u00f6glichst synchron mit dem ersten H\u00e4ndedruck und \u00f6ffnet den Strom, sobald sie den durch den ganzen Kreis fortgepflanzten H\u00e4ndedruck empfangen hat. Nach einiger Uebutig ist die Differenzzeit zwischen Hand-und Fussbewegung so minimal, dass sie gegen\u00fcber der Gesamtzeit nicht in Frage kommt; die Verl\u00e4ngerung der motorischen Leitungsbahn ist \u00fcberdies bedeutungslos, da sie bei Schliessung und Oeffnung des Stroms dieselbe ist.\nWir bildeten beispielsweise eine Kette von zehn Personen; jeder umfasste mit der rechten Hand den linken Zeigefinger seines Nachbars. Als erste Versuchsperson, welche mit der Fussspitze den elektrischen Kontakt schloss und \u00f6ffnete, fungierte ich selber bei s\u00e4mtlichen Versuchen. Etwa zwei Sekunden vor Beginn des Versuches wurde ein Signal gegeben, um die Aufmerksamkeit maximal zu spannen. Eine Serie von zehn Versuchen ergab im Durchschnitt 1,765 Sek. (M.-V. 0,077), wenn s\u00e4mtliche Teilnehmer unerm\u00fcdet waren, dagegen 2,571 (M.-V. 0,137), wenn alle zehn Personen durch zweist\u00fcndiges Experimentieren erm\u00fcdet waren. Diese einfache","page":44},{"file":"p0045.txt","language":"de","ocr_de":"45\nAnordnung l\u00e4sst sich nun als Ausgangspunkt f\u00fcr beliebige Unterscbeidungs- und Wahlakte denken. Es sei beispielsweise nach gleicher Methode zuerst gesucht, wie lange die Druck\u00fcbertragung f\u00fcr die Kette von zehn Personen bei schwachem Druck, dann bei starkem Druck dauert, und schliesslich, wie lange sie dauert, wenn zwischen schwachem und starkem Druck gew\u00e4hlt werden soll. Wenn wir zehn Versuche mit schwachem und zehn Versuche mit starkem Druck machen und aus diesen zwanzig Versuchen den Durchschnitt berechnen, und dann zwanzig Versuche anstellen, bei denen zehn starke und zehn schwache Druckreize unregelm\u00e4ssig wechseln und wieder den Durchschnitt der zwanzig Versuche nehmen, so wird die Difle-renz ein Mass der hinzugetretenen Unterscheidungs- und Wahlzeit f\u00fcr die zehn Versuchspersonen sein. Wollten wir daraus die entsprechende Durchschnittszeit f\u00fcr den einzelnen berechnen, indem wir durch 10 dividieren, so w\u00fcrde bei dieser Anordnung freilich ein kleiner Fehler unvermeidlich sein. Die vollst\u00e4ndige Unterscheidung und Wahl l\u00e4uft nur hei neun Personen ah, bei der zweiten bis zehnten; die erste Person dagegen hat nichts zu w\u00e4hlen, da ihre den Versuch einleitende Wahl zwischen schwachem und starkem Druck dem Kontaktschluss vorangeht, und andererseits ist ihre den Versuch beendende Unterscheidung wesentlich erleichtert, da ja derselbe Reiz, den sie ausgesendet, zu ihr zur\u00fcckkehren muss, so dass die Leistung der ersten Versuchsperson wenig l\u00e4nger als eine einfache Reaktionszeit dauern wird. Dieser Fehler f\u00e4llt nun aber vollkommen weg, wenn die gewonnene Ziffer nicht dividiert wird und somit die unter den verschiedenen Versuchsbedingungen erhaltenen Gesamtzahlen direkt verglichen werden, um aus ihnen Schl\u00fcsse auf den Einfluss jener Bedingungen zu ziehen. Sollte ein Durchschnittswert f\u00fcr die Einzelperson bevorzugt werden, so m\u00fcsste hei einer Kette von zehn Personen die f\u00fcr den betreffenden Reiz g\u00fcltige Reaktionszeit von der Gesamtzahl abgezogen werden und der Rest durch 9 dividiert werden. In den folgenden Ausf\u00fchrungen ist. statt dessen","page":45},{"file":"p0046.txt","language":"de","ocr_de":"46\nregelm\u00e4ssig die gesamte Zeitdauer angegeben, da ja bei allen psychometrischen Untersuchungen die absolute Zeit unwichtig, die Ver\u00e4nderung der Zeit unter verschiedenen Bedingungen allein von Wichtigkeit ist und diese Ver\u00e4nderung bei der unreduzierten Zeit fehlerfreier und deutlicher hervortritt.\nDie Vorteile dieser Methode liegen klar zu Tage. Sie liegen zun\u00e4chst in der Vermeidung derjenigen Fehler, die aus der Ungenauigkeit der Uhr herstammen; die Fehler beim Anziehen und Loslassen des Ankers k\u00f6nnen von st\u00f6rendem Einfluss sein, sobald sie zu der Reaktionszeit einer einzelnen Person hinzukompien ; sie sind aber von verschwindender Bedeutung, sobald sie zu der Gesamtzeit aller zehn Reaktionen treten. W\u00fcrde die Reaktionszeit f\u00fcr den einzelnen berechnet, so w\u00fcrde der Uhrfehler durch 10 dividiert werden. Ein weiterer Vorteil liegt in der engen inneren Beziehung zwischen Reiz und Reaktionsbewegung, und in der M\u00f6glichkeit, nicht nur die Reize, sondern auch die Bewegungen unersch\u00f6pflich zu variieren. Weitaus am wichtigsten aber ist die durch die Methode nothwendig gebotene Ausschaltung aller individuellen Zuf\u00e4lligkeiten. Gewiss ist die Untersuchung individueller Unterschiede h\u00f6chst wichtig, die unten folgenden Arbeiten haben sich gerade mit diesen vielfach zu besch\u00e4ftigen; f\u00fcr eine grosse Reihe von Fragen aber wird die prinzipielle L\u00f6sung erst dort einsetzen k\u00f6nnen, wo alle zuf\u00e4lligen individuellen Schwankungen ausgeschieden sind. Stumpf hat schon gelegentlich akustischer Experimente darauf hingewiesen, wie f\u00fcr manche Fragen es n\u00f6tig ist, die Versuchsergebnisse zahlreicher Versuchspersonen direkt zusammenzurechnen, um aus den -Massenversuchen\u201c ein von individuellen Zuf\u00e4lligkeiten befreites Bild zu gewinnen. Die Methode der Reaktion bei einer ganzen Kette von Personen gewinnt das Massenergebnis direkt und die Zahl von zehn Teilnehmern d\u00fcrfte gen\u00fcgen, um eine Ausgleichung der zuf\u00e4lligen pers\u00f6nlichen Schwankungen wahrscheinlich zu machen.\nWenn ich zur Darstellung der verschiedenen Proben","page":46},{"file":"p0047.txt","language":"de","ocr_de":"47\n\u00fcbergehe, die wir mit der Methode der Kettenreaktion vor-genommen, so m\u00f6chte ich am ausf\u00fchrlichsten unsere Versuche \u00fcber die Lokalisation der Druck- und Tastempfindung wiedergeben, weil gerade auf diesem Gebiete, mit Ausnahme der sorgf\u00e4ltig untersuchten Tastschwelle, die Verh\u00e4ltnisse noch so wenig gepr\u00fcft sind. Die Methode der Raum\u00e4quivalenzbestimmung war die einzige, welche uns ausser der Schwellenermittlung zur Verf\u00fcgung stand; die wichtigeren Fragen nach dem Aehnlichkeitsgrad und der Verschmelzung der an verschiedenen Stellen ausgel\u00f6sten Tastempfindungen blieben v\u00f6llig unbeantwortet. Die psychometrische Methode kann hier alle L\u00fccken f\u00fcllen und kann es um so exakter, je systematischer sie das Prinzip der Kettenreaktion verwertet. Die folgenden Mitteilungen sollen lediglich Beispiele geben; eine ausf\u00fchrliche Untersuchung dieser Spezialfrage f\u00fcr die verschiedenen Tastgebiete hoffe ich sp\u00e4ter bieten zu k\u00f6nnen.\nZwei Hauptfragen lassen sich trennen. Wir k\u00f6nnen erstens untersuchen, wie lange es dauert, zu unterscheiden, welcher von zwei oder mehr vorher bestimmten Tastraumpunkten ber\u00fchrt worden ist; je \u00e4hnlicher die in Betracht kommenden Empfindungen sind, desto l\u00e4nger wird die Unterscheidung dauern. Wir k\u00f6nnen zweitens untersuchen, wie lange es zu unterscheiden dauert, ob von den vorher bestimmten Tastraumpunkten nur einer oder ob gleichzeitig beide ber\u00fchrt worden sind; je mehr die entsprechenden Empfindungen verschmelzen, desto l\u00e4nger wird die Unterscheidung dauern. So k\u00f6nnen wir auf dem einen Weg eine Aehnlich-keitsreihe, auf dem anderen eine Verschmelzungsreihe gewinnen. Beide k\u00f6nnen bekanntlich sehr divergieren; auf dem Tongebiet, das allein bisher ausreichend untersucht ist, nimmt die Aehnlichkeit direkt mit der Distanz ab, w\u00e4hrend die Verschmelzung von den musikalischen Intervallen abh\u00e4ngig und ohne Beziehung zur Aehnlichkeit ist.\nDie Aehnlichkeitsfrage untersuchten wir eingehend an","page":47},{"file":"p0048.txt","language":"de","ocr_de":"48\nden Fingerspitzen. Wie lange dauert es, zu erkennen, welcher yon zwei oder mehr Fingern einer Hand an der Spitze gedr\u00fcckt wird? Die Anordnung war folgende: Die zehn Teilnehmer sassen im Kreise. Jeder h\u00e4lt seine linke Hand in Brusth\u00f6he so, dass die Finger vertikal nach oben stehen ; diejenigen Finger, zwischen denen gew\u00e4hlt wird, sind gestreckt, die anderen gebeugt; die Spitzen der gestreckten Finger werden m\u00f6glichst gleich weit voneinander entfernt gehalten. Hach einiger Uebung gelingt es leicht, jedes beliebige Fingerpaar isoliert zu strecken und die Spitzen \u00fcbereinstimmend etwa 4\u20145 cm voneinander entfernt zu halten. Kopf und Augen sind nach rechts auf die linke Hand des rechten Nachbars gewandt, so dass niemand w\u00e4hrend des Versuches seine eigene linke Hand sieht. Die rechte Hand wird, die Fingerspitzen nach unten, zugespitzt dicht \u00fcber der linken Hand des rechten Nachbars gehalten, so dass sie mit einer Rechtsoder Linksbewegung von etwa 2 cm das Endglied von einem der gestreckten Finger des Nachbars wie mit einer Zange fassen und dr\u00fccken kann. Die Bewegung der rechten Hand bleibt also stets genau dieselbe, gleichviel zwischen welchen beiden Fingern die Wahl zu treffen ist. Ohne Schwierigkeit k\u00f6nnen auch drei, vier und f\u00fcnf Finger so gestreckt werden, dass die Fingerspitzen ungef\u00e4hr gleichseitige Dreiecke, Vierecke und F\u00fcnfecke bilden, \u00fcber deren Mittelpunkt dann die zugespitzte Hand des Nachbars von jedem Finger gleich weit entfernt ist. Die erste Person ergreift also einen der zu w\u00e4hlenden Finger der zweiten Person; diese unterscheidet lediglich durch den Tastsinn, welcher Finger gedr\u00fcckt wird, und ergreift daraufhin den entsprechenden Finger der dritten Person. Gemessen wird die Zeit f\u00fcr die Fortpflanzung des Reizes durch die ganze Kette.\nDie Zeit, welche die Bewegung des Eingreifens dabei in Anspruch nimmt, ist sehr gering. Wird n\u00e4mlich nicht zwischen mehreren Fingern gew\u00e4hlt, sondern vorher bestimmt, welcher Finger ergriffen werden soll, so dass Unterscheidungs-","page":48},{"file":"p0049.txt","language":"de","ocr_de":"49\nund Wahlzeit wegf\u00e4llt, so ergab sich eine Zeit von 2,065 Sek. als Durchschnitt von 20 Versuchen; wird dagegen die Fingerspitze schon vorher gefasst und beim Versuch nur gepresst, so dauert es 1,879. Die Bewegung dauert also f\u00fcr alle zehn Personen noch nicht 0,2, f\u00fcr den einzelnen etwa 0,02 Sek.: diese Zeit ist in s\u00e4mtlichen Versuchen gleichm\u00e4ssig enthalten. Finger I ist Daumen, II Zeigefinger u. s. w.\nJede Zahl gibt den Durchschnitt aus 15 bis 20 fehlerlosen Versuchen; wurde ein Fehler durch Greifen eines falschen Fingers gemacht, so wurde der Versuch nicht ber\u00fccksichtigt. Den gesamten verwerteten Versuchen gingen einige Uebungsreihen voran ; auch jeder neue Arbeitstag begann mit Uebungsversuchen. Andererseits bem\u00fchten wir uns, die Versuche so zu verteilen, dass Uebung und Erm\u00fcdung auf alle gleichm\u00e4ssigen Einfluss hatte. Zwischen den einzelnen Fingern wechselte ich so unregelm\u00e4ssig, dass von einem Vorhererwarten seitens der Versuchspersonen nicht die Bede sein kann.\nWar die Wahl zwischen zwei Fingern, so ergibt sich I\u2014II: 3,335 Sek.; I\u2014III: 3,268; I-IV: 3,875; I-V: 3,184; II \u2014III: 3,469; II\u2014IV: 3,559; II\u2014V : 3,277 ; III\u2014IV: 4,086; III\u2014V : 3,390 ; IV\u2014V : 4,008. Die mittlere Variation schwankt zwischen 0,05 und 0,2; sie \u00fcbersteigt nirgends den zwanzigsten Teil der ganzen Zeit. Wollten wir hieraus allein schon eine Aehnlichkeitsreihe konstruieren, so w\u00fcrde sie sich fol-gendermassen gestalten : III\u2014IV, IV\u2014V, I\u2014IV, II\u2014III, III\u2014V, I\u2014II, II\u2014V, I\u2014III, I\u2014V. Wenn wir aus s\u00e4mtlichen Versuchen dieser zehn Gruppen den Durschschnitt derjenigen Zeiten berechnen, welche sich f\u00fcr den einzelnen Finger ergaben \u2014 jeder Finger ist etwa 40mal, je lOmal mit jedem der vier anderen Finger, vorgekommen \u2014 , so erhalten wir: I: 3,294; II: 3,324; III: 3,733; IV: 3,965; V: 3,390. Der vierte Finger wird also weitaus am schlechtesten von den anderen Fingern unterschieden; am deutlichsten hebt sich die Tastempfindung am ersten, dann am zweiten, schliesslich am f\u00fcnften Finger ab.\nM\u00fcnsterberg, Beitr\u00e4ge. IV.\n4","page":49},{"file":"p0050.txt","language":"de","ocr_de":"50\nWurde zwischen drei Fingern gew\u00e4hlt, so ergab sich bei der gleichen Yersuchszahl durchschnittlich : I\u2014II\u2014III : 4,119 : II-III\u2014IY : 4,487 ; III\u2014IY-Y : 4,564; I\u2014II\u2014Y : 4,326 ; I\u2014III-V: 4,087; II\u2014IY\u2014Y : 4,436 ; II\u2014III\u2014Y : 4,338. Bei vier Fingern: I\u2014 II\u2014III\u2014IY : 4,812; II\u2014III\u2014IY\u2014 Y: 4,891. Erfolgt die Wahl zwischen allen f\u00fcnf Fingern, so beansprucht die Kettenreaktion 5,073. Wird bei dieser letzteren Wahl das Ergebnis f\u00fcr jeden Finger gesondert berechnet, so ergibt sich 1:4,568; 11:4,377; III : 5,242; IY : 6,158; Y : 4,952. Dieselbe Reihenfolge also wie oben bei den Zweifingerversuchen , nur dass dort der erste Finger ein wenig rascher erkannt wurde als der zweite, w\u00e4hrend hier der zweite an der Spitze steht und der erste folgt. Es ist hier nicht der Ort, von neuem zu er\u00f6rtern, weshalb mit zunehmender Zahl der zu unterscheidenden Empfindungen und der zu w\u00e4hlenden Bewegungen die Reaktionszeit so erheblich anw\u00e4chst. Den vierten Finger unter zwei Fingern zu erkennen und zu ergreifen, dauerte 3,965, unter f\u00fcnf Fingern 6,158 Sek. Da diese Arbeit den methodologischen Gesichtspunkt festhalten will, habe ich nur darauf hinzuweisen, mit welcher Feinheit aus diesen Kettenreaktionen sich die geringsten Unterschiede erkennen lassen. Auch darauf sei hingewiesen, dass verm\u00f6ge der durch die Methode gebotenen Yersuchsanordnung ein sonst nicht zu erreichender Grad vorbereitender Aufmerksamkeit gewonnen wird; dadurch, dass die Augen auf die Finger des Nachbars gerichtet sind und die auszuf\u00fchrenden Bewegungen in engster Beziehung zu den Reizen stehen, sind wir in sehr viel h\u00f6herem Mass im st\u00e4nde, die Erinnerungsbilder der entsprechenden Tastempfindungen \u00fcber der Schwelle des Bewusstseins schon vorher festzuhalten. Die Versuche lassen sich auch so ausf\u00fchren, dass jeder ein Tischchen mit f\u00fcnf Tasten vor sich hat und durch Druck auf die Tasten elektrische Str\u00f6me schliesst, die durch f\u00fcnf Ringe an der Hand des Nachbars f\u00fchren. Je nach der elektrischen Fingerreizung wird dann die entsprechende Taste gedr\u00fcckt.","page":50},{"file":"p0051.txt","language":"de","ocr_de":"51\nAuf die anatomisch-physiologischen Bedingungen der gefundenen Aehnlichkeitsreihe k\u00f6nnen wir hier nicht eingehen. Die y. Kries sehe Vermutung, dass die zur Unterscheidung zweier, an verschiedenen Hautstellen applizierten Beize notwendige Zeit sich mit der Lage der beiden Hautstellen nicht ver\u00e4ndere, hat sich jedenfalls als falsch erwiesen.\nMit derselben Fragestellung versuchten wir auch die Unterscheidungszeit f\u00fcr verschiedene K\u00f6rperteile, wie B\u00fccken, Schulter, Oberarm, Unterarm, Hand, zu pr\u00fcfen. Soll auch hier der Tastreiz direkt durch die stossende geballte Hand hervorgerufen werden, so muss dieselbe ziemlich betr\u00e4chtliche Bewegungen, etwa von der Schulter des Nachbars bis zu seinem Unterarm, ausf\u00fchren. Die Versuche, die stehend gemacht wurden, bekamen dadurch etwas Bohes; f\u00fcr speziellere Untersuchung ist es nat\u00fcrlich leicht, mit geeigneten Apparaten auch hier elegantere und dadurch exaktere Bedingungen herzustellen. Wenn ich die Versuche dennoch kurz erw\u00e4hne, so geschieht es, weil sie in deutlicher Weise die Unterschiede der Aehn-lichkeitsgrade aufweisen und zugleich durch die Kleinheit der mittleren Variationen beweisen, dass die Methode der Kettenreaktionen feine Unterschiede selbst bei den einfachsten Hilfsmitteln erkennen l\u00e4sst. Die Hand stand vor dem Versuch m\u00f6glichst in der Mitte zwischen den zu w\u00e4hlenden K\u00f6rperteilen. Die Versuche wurden in gleicher Weise wie bei den Fingerversuchen ge\u00fcbt, geordnet und berechnet.\nWir begannen mit der Wahl zwischen zwei Beizen, nachdem die Bewegung zu einer Stelle hin ohne Wahl ausgiebig ge\u00fcbt war. Ohne Wahl von der Mittellinie des B\u00fcckens aus den B\u00fccken rechts oder links treffen, etwa in der Gegend des Schulterblattes, dauerte f\u00fcr die zehn Personen 1,729; war zwischen rechtem und linkem Schulterblatt die Wahl zu treffen, so gebrauchten wir 2,627. Wurde zwischen Oberund Unterarm gew\u00e4hlt, wobei die Hand in der Gegend des Ellbogens ruhte, so dauerte es 3,494, die Wahl zwischen B\u00fccken und Schulter derselben Seite 3,987. Die mittlere","page":51},{"file":"p0052.txt","language":"de","ocr_de":"52\nVariation schwankte dabei zwischen 0,1 und 0,2 Sek. Die Unterscheidung zwischen rechts und links mit Wahl der entsprechenden Bewegung geht also wesentlich schneller als Unterscheidung von Unter- und Oberarm und diese wieder schneller als die zwischen Schulter und R\u00fccken. Bezog sich die Wahl auf drei Reize, so ergaben: Oberarm, Unterarm, Hand 3,776; Oberarm, Unterarm, Schulter 3,929; Oberarm, Schulter, R\u00fccken 4,184. Bei vier Reizen: Schulter, Oberarm, Unterarm, Hand 4,176; R\u00fccken, Schulter, Oberarm, Unterarm 4,545; bei f\u00fcnf Reizen: R\u00fccken, Schulter, Oberarm, Unterarm, Hand 4,692. Auch hier ist eine ganz konstante Reihe der Aehnlichkeitsbeziehungen nicht zu verkennen. Welche nahe Beziehung zwischen der Tastempfindung und dem Bewegungsimpuls besteht, zeigte sich in einigen Versuchsreihen, bei denen wir die nat\u00fcrliche Zuordnung umkehrten ; jeder musste den Reiz gekreuzt weitergeben, also die linke Schulter des Nachbars ber\u00fchren, wenn er den Reiz an der rechten empfing. Bei der Wahl zwischen rechtem und linkem Schulterblatt stieg bei diesen gekreuzten Versuchen die vorher gewonnene Zeit von 2,627 auf 3,093, und bei gekreuzter Uebertragung von Oberarm und Unterarm wuchs die Zeit von 3,494 auf 3,907. Noch betr\u00e4chtlicher wuchs dabei die mittlere Variation, die fast 0,3 erreichte.\nBezog sich bisher die Frage auf die Aehnlichkeit der Empfindungen, so besch\u00e4ftigen sich die folgenden Versuche mit der Verschmelzung. Wie lange dauert es, zu unterscheiden, ob ein Punkt oder gleichzeitig zwei Punkte ber\u00fchrt werden, wobei selbstverst\u00e4ndlich die Distanz der beiden Punkte gr\u00f6sser als ein Durchmesser eines Empfindungskreises sein muss, so dass falsche Urteile bei hinreichender Aufmerksamkeit ausgeschlossen sind? Wir untersuchten die Frage zun\u00e4chst auf der Mittellinie der inneren Hand von der Spitze des Mittelfingers bis zur Handwurzel. Denken wir uns in dieser Mittellinie auf der inneren Handfl\u00e4che ein St\u00fcck abgegrenzt, welches die L\u00e4nge des Mittelfingers hat, so haben wir von Handwurzel bis Fingerkuppe eine gerade Linie, welche die doppelte L\u00e4nge","page":52},{"file":"p0053.txt","language":"de","ocr_de":"53\ndes Mittelfingers besitzt ; denken wir uns die Handlinie in drei gleich grosse Teile geteilt, w\u00e4hrend die Fingerlinie durch die Gelenke zerlegt wird, so gewinnen wir sechs benachbarte St\u00fccke; wir wollen sie mit A, B, C, I, II, III bezeichnen, wobei dann A an der Handwurzel liegt, III das \u00e4usserste Glied des Mittelfingers bezeichnet. Wir untersuchten nun die Verschmelzung, wenn die beiden Ber\u00fchrungspunkte entweder nahe an den Enden von je einem der sechs Teile oder wenn sie in der Mitte von zwei benachbarten Teilen, oder schliesslich in zwei nicht benachbarten Teilen lagen. Als Reiz verwerteten wir einen verschieden weit zu \u00f6ffnenden Drahtb\u00fcgel, an dessen Enden Erbsen als runde Kn\u00f6pfchen aufgespiesst waren; es galt also, mit einem oder gleichzeitig mit beiden B\u00fcgelenden die Mittellinie zu ber\u00fchren. Die linke Hand war nach oben offen dem linken Nachbar hingehalten, die Augen auf die rechte Hand des rechten Nachbars gewandt, \u00fcber welcher die eigene rechte Hand den kleinen Tastzirkel hielt, um mit geringster Bewegung eine oder beide Spitzen je nach dem empfangenen Eindruck aufzusetzen. F\u00fcr jede Reihe wurden zwanzig fehlerfreie Versuche angestellt, bei denen in unregelm\u00e4ssiger Folge zehnmal eine, zehnmal beide Spitzen aufgesetzt wurden. Selbstverst\u00e4ndlich gibt die Durchschnittszeit f\u00fcr die F\u00e4lle, in denen nur eine Spitze aufgesetzt wird, einen anderen, und ausnahmslos einen gr\u00f6sseren Wert, als die der F\u00e4lle mit zwei Spitzen; es ist leichter zu erkennen, dass zwei Empfindungen in den Eindruck eingehen, als dass eine zweite Empfindung nicht vorhanden ist. F\u00fcr die Verschmelzungsfrage kommen nur die Zweispitzenf\u00e4lle in Betracht; wir wollen im folgenden daher nur diese ber\u00fccksichtigen. Um sie zu gewinnen, ist die Durchmischung mit Einspitzenf\u00e4llen unerl\u00e4sslich, da, wie gesagt, die zwei Spitzen weit genug voneinander entfernt sind, um ausnahmslos richtig als zwei erkannt zu werden. Die Resultate beweisen, dass trotzdem in der Zeitdauer dieses Erkennens erhebliche Unterschiede des Verschmelzungsgrades bemerkt werden k\u00f6nnen.","page":53},{"file":"p0054.txt","language":"de","ocr_de":"54\nDie gefundenen Werte sind folgende. Wenn beide Spitzen innerhalb eines der sechs Teile die Mittellinie ber\u00fchrten, und zwar mit einer Distanz von etwa 20 mm, so ergab die Kettenreaktion f\u00fcr III (also das letzte Glied des Mittelfingers) : 4,385, f\u00fcr II: 4,723, f\u00fcrl: 5,001, f\u00fcr C: 4,436, f\u00fcrB: 4,323, f\u00fcr A (Handwurzel): 4,721. Die mittlere Variation betr\u00e4gt 0,14 bis 0,25. Werden die beiden Spitzen auf die beiden Mitten zweier benachbarter Teile aufgesetzt, so ergibt sich f\u00fcr III\u2014II: 4,279, f\u00fcr II\u2014I: 4,476, f\u00fcr I\u2014C: 4,800, .f\u00fcr C\u2014B: 4,325, f\u00fcr B\u2014A: 4,692. Werden die Mittelpunkte von zwei nicht benachbarten Teilen ber\u00fchrt, und zwar zun\u00e4chst von solchen, die durch einen zwischenliegenden Teil getrennt sind, so fanden wir f\u00fcr III\u2014I: 4,184, f\u00fcr II\u2014C: 3,710, f\u00fcr I\u2014B: 4,253, f\u00fcr C\u2014A: 4,172. Liegen zwei Teile dazwischen, so ergibt sich f\u00fcr III\u2014C: 3,356, f\u00fcr I\u2014A: 3,472. Es ist klar, dass in allen diesen F\u00e4llen die auszuf\u00fchrende Reaktionsbewegung genau dieselbe war, und wenn wir dennoch, obgleich die mittleren Variationen nirgends den zwanzigsten Teil \u00fcbersteigen, so grosse Differenzen wie 3,356 f\u00fcr III\u2014C und 4,800 f\u00fcr I\u2014C finden, so haben wir darin den reinen Ausdruck des verschiedenen Verschmelzungsgrades der betreffenden Tastempfindungen zu suchen. Dass derselbe eine Funktion der Distanz ist, tritt deutlich hervor, da der Gesamtdurchschnitt f\u00fcr Nachbarteile 4,512, f\u00fcr zwei Teile, die durch einen dritten getrennt sind, 4,079, f\u00fcr solche, die durch zwei andere getrennt sind, 3,424 betr\u00e4gt. Noch klarer aber l\u00e4sst sich erkennen, dass die Distanz nicht allein massgebend, wichtiger vielmehr die Lage der Hautstellen und ihre Beziehung zur Beweglichkeit der betreffenden Teile ist. Es bedarf nicht des Hinweises, dass auf diesem Wege zahlreiche Fragen der Tastraumlehre zu beantworten sind, f\u00fcr welche die Methoden der Schwellenbestimmung und der Aequivalenzbestimmung durchaus unzureichend sind. Erst solche psychometrischen Untersuchungen werden auch die Verwandtschaft symmetrisch projizierter Tastempfindungen in ihren Bedingungen verstehen lehren und","page":54},{"file":"p0055.txt","language":"de","ocr_de":"55\nzwar nicht nur dann, wenn die Reize symmetrisch zur Mittellinie des ganzen K\u00f6rpers liegen, sondern auch jene eigent\u00fcmliche Verwandtschaft derjenigen Tastempfindungen, deren Reize symmetrisch zu der lediglich subjektiv zu bestimmenden Mittellinie der einzelnen Glieder liegen.\nAn die Tastversuche sei der Bericht \u00fcber einige T em-peraturversuche angereiht; sie sollen lediglich beweisen, dass die Methode der Kettenreaktion auch diesen Fragen sich anpassen l\u00e4sst. Es galt, als einfachsten Fall zu untersuchen, wie sich die Unterscheidungszeit f\u00fcr kalt und warm ver\u00e4ndert, wenn der W\u00e4rmereiz verschiedene Intensit\u00e4t besitzt. Selbstverst\u00e4ndlich mussten die beiden Bewegungen, zwischen denen der Reagierende zu w\u00e4hlen hat, f\u00fcr s\u00e4mtliche Versuche konstant bleiben, so dass in dem System der Versuchsbedingungen nichts wechselt ausser dem Temperaturgrad des einen Reizes. Auch hier lassen sich leicht kompliziertere Fragen anschliessen und in \u00e4hnlicher Weise pr\u00fcfen, beispielsweise nach der Unterscheidungszeit f\u00fcr zwei verschieden kalte oder zwei verschieden warme Reize, f\u00fcr mehr als zwei Temperaturreize u. s. w.; vor allem kann auch hier die Verschmelzungsfrage studiert werden: wie lange dauert es, zu unterscheiden, ob zwei Hautstellen von zwei gleichm\u00e4ssig warmen oder von zwei verschieden warmen Reizen getroffen werden. Wir beschr\u00e4nkten uns auf jenen einfachsten Fall. Jede der zehn im Kreise sitzenden Versuchspersonen legt'die linke Hand auf das linke Knie; die Augen sind nach rechts auf die linke Hand des rechten Nachbars gerichtet; in der rechten Hand h\u00e4lt jeder zwei halb mit Wasser gef\u00fcllte chemische Reagensgl\u00e4schen, und zwar durch geeignete Fingerstellung so, dass die Gl\u00e4schen oben spitzwinklig zusammenliegen, unten aber voneinander abstehen. Beide Gl\u00e4schen werden nun nahe an der Hand des Nachbars so gehalten, dass die geringste Wendung der Hand das eine oder das andere der Gl\u00e4schen in Ber\u00fchrung mit dem \u00e4usseren Rande der Hand des Nachbars bringt. Nun ist das Wasser verschieden temperiert, das kalte","page":55},{"file":"p0056.txt","language":"de","ocr_de":"56\nwird stets nach innen, das warme stets nach aussen gehalten, und so kann durch minimale Reaktionsbewegung je nach dem empfangenen Eindruck der Temperaturreiz durch die ganze Kette fortgepflanzt werden. In der Mitte des Kreises standen Wassergef\u00e4sse, welche durch Eis und Spiritusflamme konstant bei der gew\u00fcnschten Temperatur gehalten wurden ; durch Reagensglasthermometer und Eintauchen in jene (refasse wurde die Temperatur jedes einzigen Gl\u00e4schens f\u00fcr den Versuch eingerichtet. Die Zimmertemperatur betrug 170 C. ; der K\u00e4ltereiz war bei allen Versuchen konstant 10\u00b0 C., der W\u00e4rmereiz bei je zwanzig fehlerfreien Versuchen 30\u00b0, 40\u00b0, 50\u00b0 und 70\u00b0. Die gesamte Reaktionszeit betrug bei der Unterscheidung von von 10\u00b0 und 30\u00b0: 5,261 Sek., von 10\u00b0 und 40\u00b0: 4,949, von 10\u00b0 und 50\u00b0: 4,903, von 10\u00b0 und 70\u00b0: 4,827. Die mittlere Variation schwankte um 0,2 Sek.\nVon hohem Interesse scheinen mir auch die bisher ganz vernachl\u00e4ssigten psychometrischen Unterscheidungsversuche f\u00fcr passive Bewegungen mit entsprechender Wahl aktiver Bewegungen. Sie werfen Licht sowohl auf die Unterschiede der Bewegungsempfindungen als auch auf die Beziehungen zwischen Bewegungsempfindung und Bewegungsimpuls. Ich beschr\u00e4nke mich auch hier auf die Wiedergabe der Resultate, ohne auf die Entwirrung des Problemgeflechtes eingehen zu wollen ; jede theoretische Diskussion der Ergebnisse w\u00fcrde die Aufmerksamkeit von dem ablenken, worauf es mir ankommt, n\u00e4mlich von der Thatsache, dass die Kettenreaktionsmethode \u00fcberraschend deutlich die Wirkungen der kleinsten Bedingungsvariationen zum Ausdruck bringt. Die zehn Teilnehmer sassen mit dem Gesicht nach aussen im Kreise ; jeder umfasst mit der rechten Hand fest das linke Handgelenk seines rechten Nachbars; der linke Arm wird m\u00f6glichst locker in gebeugter Stellung gehalten, so dass er leicht passiv der durch den Nachbar erfolgenden F\u00fchrung im Handgelenk nachgibt. Die Versuche werden mit geschlossenen Augen gemacht. Die bei der passiven Bewegung des linken Arms entstehende Empfin-","page":56},{"file":"p0057.txt","language":"de","ocr_de":"57\ndung muss unterschieden werden, damit der rechte Arm so schnell wie m\u00f6glich dann die entsprechende Bewegung mit dem linken Arm des Nachbars ausf\u00fchren kann. Jede Bewegung wird, ehe sie in den Komplex der zu w\u00e4hlenden Bewegungen aufgenommen wird, erst ohne Wahl l\u00e4ngere Zeit ge\u00fcbt ; also zuerst wird eine Aufw\u00e4rtsbewegung oder eine Rechtsbewegung allein ohne Wahl von Person zu Person \u00fcbertragen. Auch jedem Wahlversuch gehen einige Uebungs-versuche voraus. Die hier angegebenen Zahlen sind aus je zwanzig, bei den mehr als zweigliedrigen Wahlen aus je dreissig bis vierzig fehlerfreien Versuchen gewonnen, die stets an verschiedenen Tagen angestellt sind, so dass sich Uebung und Erm\u00fcdung gleichm\u00e4ssig verteilen. Es bedeutet r rechts, 1 links, o oben, u unten.\nErfolgt die Wahl zwischen r und 1, so beansprucht die Gesamtreaktion 2,489; zwischen o und u : 2,540; zwischen o und r: 2,723 ; zwischen o und 1: 2,683; zwischen u und 1: 2,745. Die Wahl zwischen antagonistischen Bewegungen erfolgt also wesentlich rascher als zwischen rechtwinkligen. Wurde zwischen drei Bewegungen gew\u00e4hlt, so nahm die Reaktionszeit zu-; o, 1, u: 2,878; r, u. 1: 2,875; bei vier Bewegungen r, o, 1, u: 2,954. Die mittlere Variation w\u00e4chst von 0,1 bis 0,2 Sek. Wir gingen dann zu Versuchen \u00fcber, bei denen auch schr\u00e4ge Bewegungen, also zwischen 1 und o noch ol, respektive or, ul und ur vorkamen. Die Unterscheidungszeit nimmt dadurch bedeutend zu. Die Wahl zwischen 1, ol und o dauert 4,425, zwischen 1, ol, o, or und r: 4,568. War zwischen allen acht Richtungen, also 1, ol, o, or, r, ru, u, ul zu w\u00e4hlen: 5,153 mit einer mittleren Variation von 0,28 Sek. Der letztere Versuch mit acht Richtungen wurde dann dadurch kompliziert, dass die Aufgabe gestellt wurde, die empfangene Bewegungsrichtung nicht einfach weiterzugeben, sondern um 45\u00b0 im Sinne des Uhrzeigers zu verschieben, also wer 1 empfing, gab lo weiter, der n\u00e4chste o und so fort. Es ergab sich trotz erheblicher Uebung die Reaktionszeit von 7,871 Sek., also ein bedeutender Zu-","page":57},{"file":"p0058.txt","language":"de","ocr_de":"wachs, der theoretisch von hohem Interesse ist. Da die mittlere Variation dabei nur 0,29 betrug, so ist nicht zu zweifeln, dass der grosse Zeitzuwachs einem konstanten psychophysischen Zwischenglied zugeh\u00f6rt. Dasselbe gilt von der Reaktionsverl\u00e4ngerung, die dann entstand, sobald bei der Wahl zwischen r und 1 die empfangene Bewegung in die entgegengesetzte verwandelt werden sollte bei gleichsinniger Fortpflanzung, wie oben angegeben, 2,489, bei ungleichsinniger 3,272. --Wurden in der Luft mit dem Arm grosse arabische Ziffern beschrieben, so dauerte es bei Wahl zwischen 0 und 1: 4.773; Wahl zwischen 1 und 2: 4,745; Wahl zwischen 2 und 3: 4,865; Wahl zwischen 0, 1, 2: 6,538; Wahl zwischen 0, 1. 2. 3: 7,116. Wurde die Aufgabe gestellt, zu diesen Zahlen bei der Weitergabe 1 zu addieren, also statt 0 eine 1, statt 1 eine 2 und statt 3 wieder eine 0 zu \u00fcbermitteln, so dauerte es 9,684, also f\u00fcr jede Person fast eine Sekunde und ergab trotzdem nur eine mittlere Variation von 0,37. Auch die Versuche dieser Art lassen sich unersch\u00f6pflich variieren und werden f\u00fcr das Studium der Bewegungsempfindungen unerl\u00e4sslich sein; gerade solche Experimente aber, bei denen nicht nur zwischen verschiedenen Reizen unterschieden werden soll, sondern auch die mannigfachsten Variationen der Bewegungsreaktion notwendig werden, k\u00f6nnen auf keine Weise so einfach angestellt werden wie mittels Kettenreaktion.\nGanz kurz ber\u00fchre ich die Versuche, die wir mit verschieden langen St\u00e4ben anstellten. Zwischen zwei Strecken von 2 und 10 cm zu w\u00e4hlen, dauerte 4,341, zwischen 7 und 10 cm: 5,855; zwischen 8 und 10: 7.449; zwischen 8,5 und .10: 8,839; zwischen 9 und 10: 9,839: zwischen 9,5 und 10: 11,624. Bei der letzteren Wahl kamen schon einige Fehler vor. Die Genauigkeit, mit der auch hier die Zeit anw\u00e4chst mit der Schwierigkeit der Aufgabe, bef\u00fcrwortet somit, auch das Gebiet des Augenmasses systematisch mit psychometrischen Methoden zu studieren.\nAusf\u00fchrlicher m\u00f6chte ich unsere Kettenreaktionen mit","page":58},{"file":"p0059.txt","language":"de","ocr_de":"59\nFarbenreizen beschreiben, weil f\u00fcr sie kompliziertere Hilfsmittel in Anwendung kamen, wie sie f\u00fcr exaktere Spezialuntersuchungen unerl\u00e4sslich sind; die Vorrichtungen sind f\u00fcr alle optischen Reize, also Augenmassgr\u00f6ssen, Formen, Figuren, Bilder, Worte u. s. w. in gleicher Weise brauchbar. Ich beschr\u00e4nke mich hier auf die Darstellung unserer Farbenversuche. Die zehn Versuchspersonen sitzen dabei nicht im Kreise, sondern in einer geraden Linie, damit die Beleuchtungsverh\u00e4ltnisse f\u00fcr alle dieselben sind; der Abstand war so gew\u00e4hlt, dass die zehn Personen einen Platz von etwa 8 m L\u00e4nge beanspruchten. Vor den Versuchspersonen stehen zehn gleiche Apparate. Jeder derselben besteht aus einem schweren eisernen Dreifuss, der in Tischh\u00f6he eine schwarze vertikale Holzplatte von 50 cm L\u00e4nge und H\u00f6he, 2 cm Dicke tr\u00e4gt. In der Mitte dieser schwarzen Platte ist ein Fensterchen 6 cm im Quadrat; in dieses Fenster treten von der Hinterseite die optischen Reize ein, welche somit in der Mitte eines schwarzen Gesichtsfeldes auftauchen. Auf der Vorderseite jedes Apparates sind rechts in bequemer H\u00f6he f\u00fcnf Tasten f\u00fcr die f\u00fcnf Finger der rechten Hand; die f\u00fcnf Tasten sind in Verbindung mit f\u00fcnf F\u00e4den, welche hinter der Holzplatte \u00fcber Rollen geleitet zur Holzplatte des n\u00e4chsten Apparates hinf\u00fchren und dort mit f\u00fcnf Zangen in Verbindung stehen, die hintereinander 10 cm \u00fcber dem Fensterchen auf der R\u00fcckseite der Platte angebracht sind. Wird z. B. die f\u00fcnfte Taste des ersten Apparates gedr\u00fcckt, so \u00f6ffnet sich die f\u00fcnfte Zange des zweiten Apparates. Jede dieser f\u00fcnf federnden Zangen h\u00e4lt je einen Stift fest, welcher am oberen Rand einer 8 cm im Quadrat grossen Metallplatte angebracht ist; f\u00fcnf solche Platten h\u00e4ngen frei hintereinander, und wird einer der f\u00fcnf Haken ge\u00f6ffnet, so muss die betreffende Platte durch ihr betr\u00e4chtliches Eigengewicht sehr schnell herabfallen. Jede Platte f\u00e4llt dabei, durch seitliche Schienen und hinten angreifende Federn geleitet, so, dass sie genau die Fenster\u00f6ffnung ausf\u00fcllt; an der Lage der Metallplatte ist also nicht zu erkennen, ob","page":59},{"file":"p0060.txt","language":"de","ocr_de":"60\nes die vorderste oder die hinterste Platte war. Jede dieser kleinen Platten hat oben und unten Rinnen, um ein Kartonblatt mit Farben, Figuren, Bildern, Worten aufzunebmen.\nEs sei beispielsweise ein Versuch mit Worten beabsichtigt. Wir besitzen Kartonbl\u00e4tter mit gedruckten Namen ber\u00fchmter M\u00e4nner. Es wird vereinbart, die erste Taste soll gedr\u00fcckt werden, wenn der Name einen Dichter bezeichnet, die zweite bei einem Maler, die dritte bei einem Musiker u. s. w. (Der leichteren Ein\u00fcbung wegen werden die Klassenbegriffe stets alphabetisch geordnet.) Die Assistenten, welche die Hinterseite der Apparate versehen, haben jetzt daf\u00fcr zu sorgen, dass in jeden der zehn Apparate f\u00fcnf Pl\u00e4ttchen eingehakt werden, von denen stets das erste ein Kartonblatt mit Dichternamen, das zweite mit Malernamen u. s. w. tr\u00e4gt. Dr\u00fcckt jetzt die erste Versuchsperson auf die dritte Taste, so f\u00e4llt sofort in das Fenster des zweiten Apparates die Platte, welche den Musikernamen enth\u00e4lt; sobald die zweite Person denselben gelesen und als solchen unterschieden hat, dr\u00fcckt sie auf die dritte Taste ihres Apparates, wodurch die entsprechende Platte des dritten Apparates herabf\u00e4llt und so fort bis zum zehnten. Selbstverst\u00e4ndlich werden die f\u00fcnf Finger schon vorher den Tasten aufgelegt. Die zehnte Person muss ihrerseits nun wieder durch Tastendruck den Reiz f\u00fcr die erste Person aus-l\u00f6sen; da dieselben aber 8 m voneinander entfernt, ist die mechanische Uebertragung durch F\u00e4den hier ungeeignet. Am zehnten Apparat sind deshalb die Tasten mit f\u00fcnf elektrischen Dr\u00e4hten in Verbindung, f\u00fcr deren R\u00fcckleitung ein Draht gen\u00fcgt. Dem entsprechend sind die f\u00fcnf Haken des ersten Apparates mit f\u00fcnf Elektromagneten versehen, so dass, wenn eine Taste des zehnten Apparates gedr\u00fcckt wird, der entsprechende Haken des ersten sich \u00f6ffnet und die betreffende Metallplatte dort in die Fenster\u00f6ffnung herabf\u00e4llt. Da die erste Person bei dieser Anordnung nur die rechte Hand gebraucht, so kann sie, wie wir es gethan, die Oeffnung und Schliessung der Uhr statt mit der Fussspitze mit der linken Hand aus-","page":60},{"file":"p0061.txt","language":"de","ocr_de":"61\nf\u00fchren, nachdem sie sich ge\u00fcbt, m\u00f6glichst synchron mit der rechten Hand eine der f\u00fcnf Tasten und mit der linken Hand den Uhrschl\u00fcssel herabzudr\u00fccken. Selbstverst\u00e4ndlich werden nicht f\u00fcr jeden Versuch s\u00e4mtliche f\u00fcnf Platten des Apparates gebraucht, wodurch die Vorbereitung des Einzelversuches wesentlich bequemer wird. Andererseits kann es nicht schwierig sein, nach Bed\u00fcrfnis die Apparate mit noch gr\u00f6sserer Plattenzahl und Klaviatur f\u00fcr beide H\u00e4nde herzustellen. Neuerdings liess ich den Apparat in wesentlich verbesserter Form so hersteilen, dass die F\u00e4den fortfallen, s\u00e4mtliche Ausl\u00f6sungen elektrisch stattfinden, die einzelnen Platten, sobald der Magnet sie auskoppelt, durch starke Federn in das Fenster gerissen werden u. s. w. Die hier beschriebenen Versuche sind aber mit den \u00e4lteren Apparaten ausgef\u00fchrt.\nBei den als Beispiel anzuf\u00fchrenden Farbenversuchen waren in s\u00e4mtliche Metallplatten weisse Kartonbl\u00e4tter eingeschoben, die in der Mitte einen 2 cm langen Doppelschlitz enthielten; in diesen konnten Streifen von farbigem Glanzpapier eingeschoben werden, so dass in dem Fenster jedesmal eine 6 cm im Quadrat grosse weisse Fl\u00e4che sichtbar wurde, in deren Mitte sich ein 2 cm grosses farbiges Quadrat befand. Die Ordnung und Zahl der Versuche war wie bei den fr\u00fcheren Gruppen. Die Reihenfolge der Farben folgte ebenfalls dem Alphabet.\nWie schnell die gesamte Reaktionszeit mit der Zahl der zu unterscheidenden Eindr\u00fccke und zu w\u00e4hlenden Bewegungen zunimmt, ergibt sich aus folgendem. Bei der zweigliedrigen Wahl zwischen Gelb und Schwarz: 4,403, zwischen Gelb und Blau: 4,582; zwischen Gelb und Gr\u00fcn: 4,713; bei dreigliedriger Wahl zwischen Gelb, Gr\u00fcn, Schwarz: 5,727, Blau, Gelb, Gr\u00fcn: 5,847; viergliedrig: Blau,\u2019 Gelb, Gr\u00fcn, Schwarz: 7,645; Blau, Gelb, Gr\u00fcn, Rot: 7,253; und schliesslich f\u00fcnfgliedrig: Blau, Gelb, Gr\u00fcn, Rot, Schwarz: 8,275. Theoretisch interessanter sind aber diejenigen Versuche, bei denen die Zahl der Eindr\u00fccke und der Bewegungen konstant ist und nur die","page":61},{"file":"p0062.txt","language":"de","ocr_de":"62\nQualit\u00e4t der Reize wechselt. Er\u00f6ffnet sich doch so ein Weg, auf dem wir, unbeeinflusst durch Farbentheorien und Regenbogenkenntnis, exaktesten Aufschluss \u00fcber die Aehnlichkeits-verh\u00e4ltnisse der Farbenempfindungen gewinnen m\u00fcssen.\nSchon in den eben berichteten Versuchen zeigt sich, dass es l\u00e4nger dauert, Gelb und Gr\u00fcn zu unterscheiden, als Gelb und Blau, und dieses l\u00e4nger als die Unterscheidung von Gelb und Schwarz. W\u00e4hrend Blau, Gelb, Gr\u00fcn nur 5,847 beanspruchten, wurde f\u00fcr Rot, Purpur, Violett 6,853 gebraucht. Dass die Verl\u00e4ngerung der Zeit bei wachsender Zahl von Reizen und Reaktionen nicht lediglich den Bewegungen zur Last f\u00e4llt, sondern sehr wesentlich auch den zu unterscheidenden Eindr\u00fccken, ergibt sich aus folgendem. Wird vereinbart, den ersten Finger zu dr\u00fccken, sobald Gelb oder Blau, den zweiten Finger, sobald Rot oder Gr\u00fcn sichtbar wird, so dauert die Reaktion 6,328, also zwar nicht ganz so lange, als wenn die vier Farben mit vier Bewegungen verbunden sind (7,253), aber doch viel l\u00e4nger als die Wahl zwischen zwei Farben, ja sogar wesentlich l\u00e4nger als die Wahl zwischen dreien mit drei Bewegungen (Blau, Gelb, Gr\u00fcn: 5,847). Diese letztere Methode erwies sich auch gerade f\u00fcr das Studium der Aehnlich-keitsbeziehungen n\u00fctzlich. Als Beispiel diene folgendes. Der erste Finger dr\u00fcckt bei Gelb oder Orange, der zweite bei Blau oder Violett; die Reaktionszeit sinkt auf 5,389, also viel kleiner wie bei Gelb-Blau und Rot-Gr\u00fcn. Wird jetzt dagegen die Einstellung vertauscht, so dass der erste Finger nunmehr Gelb oder Blau, der zweite Orange oder Violett entspricht, so w\u00e4chst die Zeit auf 6,552. Es wird von Interesse sein, k\u00fcnftig ganz besonders die Aeknlichkeit von Mischfarben in dieser Weise psychometrisch zu untersuchen. \u2014 Anregenden Einblick in den Mechanismus des Urteilens gew\u00e4hren auch solche Versuche, bei denen der eine der zu unterscheidenden Eindr\u00fccke nur negativ bestimmt ist, also etwa Blau und Nichtblau, wobei die Versuchsperson vorher nicht weiss, ob das Nichtblau nun Rot, Gelb, Gr\u00fcn oder Schwarz sein wird. Die Wahl zwischen Blau","page":62},{"file":"p0063.txt","language":"de","ocr_de":"63\nund Gr\u00fcn dauerte 4,835, Blau-Schwarz 4,813, Blau-Rot 4,653 und Blau-Gelb 4,582: aber Blau-Nichtblau dauerte 5,273, obgleich nur jene f\u00fcnf Farben in Betracht kamen. Diese Beispiele m\u00f6gen gen\u00fcgen, um zu beweisen, wie die Methode der Kettenreaktionen auch auf optischem Gebiet ein \u00fcberaus wertvolles Hilfsmittel f\u00fcr die Analyse des psychischen Geschehens darstellt.\nGewissermassen anhangsweise f\u00fcge ich ebenfalls lediglich unter methodologischem Gesichtspunkt den Bericht \u00fcber einige Versuchsreihen an, die das Prinzip der Kettenreaktion nach anderer Richtung variieren. Es gibt zahlreiche psychometrische Fragen, bei denen die Uebertragung des Reizes von Person zu Person schwierig oder unm\u00f6glich ist, andere, bei denen die dadurch bewirkte Ausl\u00f6schung des individuellen Unterschiedes \u00fcberfl\u00fcssig ist, bei denen viel mehr darauf ankommt, die zuf\u00e4lligen Unterschiede der einzelnen Reize zu nivellieren. Es erweist sich dann als geeignet und gew\u00e4hrt, was Exaktheit der Messung anbetrifft, viele Vorteile der Kettenreaktion, wenn der betreffende psychische Vorgang \u2014 es wird sich in erster Linie um Associationen handeln \u2014 vielleicht zehnmal wiederholt wird. Bei den Kettenreaktionen erledigten zehn Personen hinter einander einen psychischen Prozess, hier bei den Reihenreaktionen erledigt eine Person hintereinander zehn koordinierte psychische Prozesse. Auch hier kommt nat\u00fcrlich nur das relative Zeitergebnis in Betracht, aber auch hier muss der gesetzm\u00e4ssige Einfluss der Bedingungsvariationen reiner hervortreten, insofern einerseits die Zuf\u00e4lligkeiten der zehn einzelnen Reize sich ausgleichen, andererseits die bei Strom\u00f6ffnung und Stromschluss entstehenden Fehler zehnmal kleiner werden im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtzahl. Diese Methode wird an Stelle der Kettenreaktion dort unerl\u00e4sslich, wo individuelle Unterschiede der Versuchspersonen aufgesucht werden sollen; in diesem Sinne ist sie denn auch gelegentlich schon von Kr\u00e4pelin, Berger u. a. verwandt. Ich erw\u00e4hne unsere Versuche in diesem Zusammenhang nur deshalb, um zu zeigen, wie solche Reihenreaktionen die Kettenreaktionen erg\u00e4nzen","page":63},{"file":"p0064.txt","language":"de","ocr_de":"64\nk\u00f6nnen und wie verschiedenartige Fragen sich mit ihrer Hilfe exakt beantworten lassen.\nWir begannen mit der Frage, wie lange dauert es, zwei einstellige Zahlen zu multiplizieren. Auf eine Tafel werden in horizontaler Linie zehn Ziffern in beliebiger Kombination (mit Ausnahme von 0 und 1) geschrieben und durch eine Decke f\u00fcr die Versuchsperson verh\u00fcllt. Sobald die Decke weggezogen wird, f\u00e4ngt die Uhr zu geben an und die Versuchsperson muss nun so schnell wie m\u00f6glich die Zahlen Glied f\u00fcr Glied mit einer vorher vereinbarten Zahl multiplizieren und die .Produkte aussprechen. Sobald er das letzte Produkt nennt, wird der Uhrstrom ge\u00f6ffnet. Soll z. B. mit 7 multipliziert werden, und die Reihe beginnt 496 . . ., so hat die Versuchsperson nur so schnell wie m\u00f6glich 28, 63, 42 . . . zu sagen. Nachdem vielleicht dann zehn Versuche mit immer neuen Zahlkombinationen ausgef\u00fchrt, werden die Produktzahlen, also 28, 63 . . ., selbst auf die Tafel geschrieben und die Zeit gemessen, wie lange das Aussprechen dieser Ziffern bei m\u00f6glichst schnellem Ablesen dauert. Die durchschnittliche Differenz beider Zeiten gibt dann die Zeit an, die n\u00f6tig ist, um den eigentlichen Multiplikationsakt auszuf\u00fchren, und wird sie durch 10 dividiert, so erhalten wdr die Multiplikationszeit f\u00fcr zwei einstellige Ziffern. Dass in dem ersten Fall einstellige, im zweiten Fall zweistellige Ziffern zu lesen sind, bedingt keinen Unterschied, da das Aussprechen der Zahlen wesentlich l\u00e4nger dauert als das Erkennen, und beide Prozesse sich so ineinanderschieben, dass die Zahl 63 schon erkannt ist, w\u00e4hrend 28 noch nicht zu Ende ausgesprochen ist.\nDie an f\u00fcnf Versuchspersonen gewonnenen Resultate sind folgende. Bei Herrn Dr. v. Jankovich z. B. dauerte das Multiplizieren mit 2 f\u00fcr die ganze Reihe durchschnittlich 4,723 Sek., das Ablesen der Produkte 3,441 Sek., der eigentliche Multiplikationsakt also 1,282, f\u00fcr eine Ziffer also durchschnittlich 0,128 Sek. Diese letztere Ziffer darf nun aber \"wieder keinen absoluten Wert in Anspruch nehmen, da wir nicht wissen, wie","page":64},{"file":"p0065.txt","language":"de","ocr_de":"65\nweit sich die verschiedenen Teilprozesse des Erkennens, Asso-ciierens und Aussprechens zeitlich \u00dcbereinanderschieben und decken. Ihr Wert liegt also nur in ihrer relativen Bedeutung.\nIch gebe in der folgenden Tabelle stets die gesamte Multiplikationszeit und dann die Zeit f\u00fcr das Ablesen der Produkte (alles auf 2 Decimalstellen abgek\u00fcrzt). Die vorderste Vertikalreihe gibt die Ziffern, mit denen multipliziert wurde. Zwei Herren sprachen die Zahlen englisch aus.\n\tJ.\tM.\tSl.\tSi.\tD.\n2\t4,72\t3,96\t4,60\t6,32\t4,55\n\t3,44\t3,35\t3,71\t3,75\t3,39\n3\t5,64\t4,11\t6,04\t7,01\t5,54\n\t8,64\t3,32\t4,45\t4,13\t3,62\n4\t6,01\t4,63\t7,80\t9,59\t6,07\n\t3,95\t3,37\t5,08\t4,45\t3,91\n5\t5,88\t3,68\t6,48\t5,80\t5,20\n\t4,24\t3,52\t5,13\t4,07\t3,98\n6\t9,36\t4,76\t8,25\t10,19\t7,06\n\t5,54\t3,60\t5,82\t4,46\t4,07\n7\t8,30\t4,47\t8,13\t10,09\t5,47 \u2022\n\t5,28\t3,57\t5,95\t4,65\t3,82\n8\t11,04\t5,38\t8,45\t11,17\t7,15\n\t5,85\t3,72\t5,47\t4,45\t4,09\n9\t10,83\t4,69\t8,32\t11,08\t5,53\n\t5,83\t3,76\t5,86\t4-,83\t3,74\nMit dem obigen Vorbehalt, dass nur die relativen, nicht die absoluten Werte ins Auge gefasst werden, ergibt sich daraus als Zeit f\u00fcr den einzelnen Multiplikationsakt der einzelnen Ziffer folgende Tabelle, deren Zahlen tausendstel Sekunden (a) bedeuten :\n\tJ.\tM.\tSl.\tSi.\tD.\n2\t128\t61\t89\t257\t116\n3\t200\t79\t159\t288\t182\n4\t206\t106\t272\t514\t216\n5\t164\t16\t135\t173\t122\nM\u00fcnsterberg, Beitr\u00e4ge. IV.\t5","page":65},{"file":"p0066.txt","language":"de","ocr_de":"66\n\tJ.\tM.\tSl.\tSi.\tD.\n6\t382\t116\t243\t573\t299\n7\t302\t90\t218\t544 '\t165\n8\t519\t166\t298\t672\t306\n9\t500\t93\t246\t625\t179\nDie individuellen Unterschiede der absoluten Zahlen werte sind sehr betr\u00e4chtlich; bez\u00fcglich der auffallend kleinen Werte f\u00fcr M. bemerke ich, dass derselbe lange Zeit Mathematik-lehrer gewesen ist. Es zeigt sich aber auf den ersten Blick, dass die individuellen Unterschiede sich auf die relativen Werte nicht beziehen, vielmehr der Gang der Zahlen f\u00fcr alle Personen auffallend \u00e4hnlich ist. S\u00e4mtliche 5 Versuchspersonen multiplizieren mit 5 wesentlich schneller als mit 3 und 4, mit 7 schneller als mit 6, mit 9 schneller als mit 8. Die Reihenfolge ist also 2, 5, 3, 4, 7, 6, 9, 8, nur bei zwei Personen geht die 5 noch der 2 voran. Die Multiplikation mit ungraden Ziffern ist also wesentlich leichter als mit graden, nat\u00fcrlich mit Ausnahme der 2. Wie dieses auffallende Resultat zu erkl\u00e4ren, sei dahingestellt; die Thatsache, dass es so ausnahmslos \u00fcbereinstimmend hervortritt, spricht deutlich f\u00fcr die Zweckm\u00e4ssigkeit der angewandten Methode.\nAls zweites Beispiel solcher Reihenreaktionen nenne ich die Unterscheidung unregelm\u00e4ssiger Polygone. Es galt, f\u00fcr eine Reihe von zehn Polygonen so schnell wie m\u00f6glich die Zahl der Ecken anzugeben. Auch hier wurde dann unter gleichen Bedingungen die Zeit f\u00fcr dieselbe Zahlenreihe gemessen, nachdem statt der Vielecke die Zahlen der Ecken selbst auf die Tafel geschrieben waren. Um zehn Polygone als F\u00fcnfecke und Sechsecke zu unterscheiden, gebrauchte Sch. 6,604 Sek.; um zehn entsprechende Ziffern abzulesen, gebrauchte er 2,930 Sek., obgleich in beiden F\u00e4llen dieselben Silben auszusprechen waren; die Differenz von 3,674 Sek. ist also f\u00fcr das Unterscheiden n\u00f6tig; f\u00fcr je eine Figur gebraucht Sch. also 0,367 Sek., um zu erkennen, ob es ein unregelm\u00e4ssiges F\u00fcnfeck oder ein Sechseck ist.","page":66},{"file":"p0067.txt","language":"de","ocr_de":"67\nIn dieser Weise ergab, wieder in tausendstel Sekunden ausgedr\u00fcckt, die Unterscheidung, f\u00fcr die einzelne Figur folgende Werte. Die erste Vertikalreihe gibt die Zahlen der Ecken, zwischen denen unterschieden werden musste.\n\tA.\tD.\tSch.\tSt.\n3. 4\t123\t93\t115\t79\n4. 5\t275\t164\t179\t211\n5. 6\t546\t442\t375\t364\n8. 6\t63\t78\t54\t58\n3. 4. o\t187\t154\t137\t182\n4. 5. 6\t402\t286\t259\t297\n3. 4. 5. (5\t312\t273\t223\t265\nDie individuellen Unterschiede f\u00fcr das Figurenerkennen sind wesentlich kleiner als f\u00fcr das Multiplizieren, offenbar weil die Uebung f\u00fcr das erstere nicht so ungleich verteilt ist. Der relative Gang der Ziffern ist auch hier ein vollkommen \u00fcbereinstimmender, und die Feinheit der Massmethode bew\u00e4hrt sich aufs beste.\nAls letztes Beispiel endlich seien Reihenreaktionen mit Farbenbenennung gew\u00e4hlt. Zehn 6 cm grosse Quadrate lagen nebeneinander und mussten so schnell wie m\u00f6glich benannt werden. Von Interesse sind dabei namentlich diejenigen Versuche, bei denen Reihen mit zehn ges\u00e4ttigten Farben abwechselten mit Reihen von zehn unges\u00e4ttigten Farben. Auch bei letzteren war ein Zweifel an der F\u00e4rbung nicht m\u00f6glich; subjektiv erschien die Benennung ebenso schnell zu erfolgen wie bei ges\u00e4ttigten Farben. Das Ergebnis war objektiv:\n\tGes\u00e4ttigt\tUnges\u00e4ttigt\nD.\t5,015\t6,263\nJ.\t5,133\t6,543\nH.\t6,070\t7,548 \u2022\nM.\t6,126\t8,104\nSi.\t6,390 .\t8,112\nSI.\t6,059\t7,214\nSt.\t6,158\t7,416\nJede Zahl gibt den Durchschnitt aus 15 Versuchen. Besondere Aufmerksamkeit widmeten wir schliesslich","page":67},{"file":"p0068.txt","language":"de","ocr_de":"G8\nsolchen Reihenreaktionen, bei denen, an Bilder ankn\u00fcpfend, eine bestimmte Zahl von Associationen oder eine bestimmte Zahl von Urteilen m\u00f6glichst schnell produziert werden musste. Die .betreffenden Experimente vertieften sich aber zu einer selbst\u00e4ndigen Arbeit \u00fcber den Rhythmus des Associierens und Urteilens, die unter der besonderen Leitung von Fri. Dr. von Schirnhofer durchgef\u00fchrt wurde und von derselben ausf\u00fchrlich an anderem Ort mitgeteilt werden wird. Die betreffende Untersuchung \u00fcbersteigt die Grenze einer methodologischen Studie, als welche die vorliegende Arbeit betrachtet sein will ; diese hatte lediglich die Aufgabe, an Beispielen aus den verschiedensten Gebieten zu zeigen, wie die mannigfachsten psychometrischen Probleme durch die Methode der Kettenreaktion mit Vorteil untersucht werden k\u00f6nnen, wie diese Methode in einigen F\u00e4llen durch Reihenreaktionen erg\u00e4nzt werden kann und wie die verschiedensten psychologischen Fragen, z. B. die nach der Aehnlichkeit der Empfindungen, nach der Verschmelzung der Empfindungen, nach dem Unterschied der Empfindungen, nach der Beziehung zwischen Empfindung und Bewegung und viele andere sich m\u00fchelos in psychometrische Probleme transformieren lassen.","page":68}],"identifier":"lit38794","issued":"1892","language":"de","pages":"40-68","startpages":"40","title":"Kettenreaktionen","type":"Book Section"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:27:29.663066+00:00"}
