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Neubau eines physiologischen Institutes für die Universität Marburg

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{"created":"2022-01-31T15:15:34.107735+00:00","id":"lit8048","links":{},"metadata":{"alternative":"Centralblatt der Bauverwaltung","contributors":[{"name":"Anonymous","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Centralblatt der Bauverwaltung 7: 428-430","fulltext":[{"file":"p0428.txt","language":"de","ocr_de":"428\nCentralblatt der Bauverwaltung.\n5. November 1887.\ndie Domfreilegung. Inzwischen war auch der Heimannsche Vorschlag bekannt und Gegenstand lebhafter Besprechung geworden; zugleich aber hatten mittlerweile die Eigenth\u00fcmer des Domhotels ihren Gasthof auf seinem alten Platze wieder aufgebaut!\nBei solcher Sachlage trat Herr Jakob Kaaf mit seinem Plane hervor, die S\u00fcdfreilegung fallen zu lassen und die allerh\u00f6chst bewilligten Lotterieen zum Durchbruch der \u00bbKaiserstrafse\u201c vom Domkloster bis zum Appellhofsplatze zu benutzen. Obwohl dieser Strafsen-durchbruch f\u00fcr den st\u00e4dtischen Verkehr erst eine Bedeutung erhalten k\u00f6nnte, wenn er vom Appellhofsplatz aus weiter gef\u00fchrt w\u00fcrde, am Zeughaus und am Regierungsgeb\u00e4ude vor\u00fcber bis zur St. Apern-und Friesen-Strafse, fand die Kaafsche Anregung sehr vielen Beifall; ja die Stadtverordnetenversammlung sprach sich mit grofser Mehrheit dahin aus, dafs sie die Er\u00f6ffnung der Kaiserstrafse bis zum Appellhofsplatze der S\u00fcdfreilegung vorziehe. Die R\u00fcckfragen des Central-\nZeichnung angegebenen \u00bbgeplanten Querstrafse\u201c er\u00f6ffnet, die Durchf\u00fchrung der Kaiserstrafse also vorbereitet werden w\u00fcrde.\nUnsere Abbildung zeigt einen Lageplan von der Dom-Umgebung, wie sie sich gestalten w\u00fcrde, wenn sowohl die genehmigte S\u00fcdfreilegung, als auch die Kaiserstrafse, deren Anfangs strecke den Heimann-schen Gedanken wiedergiebt, zur Ausf\u00fchrung gebracht sein w\u00fcrde, und zwar die Kaiserstrafse nicht blofs in der von Herrn Kaaf vorgeschlagenen Beschr\u00e4nkung bis zum Appellhofsplatze, sondern in ganzer Erstreckung bis zur St. Apern- und Friesenstrafse, einem Hauptzugange der Neustadt. Der Wunsch, dafs man bei dem Hei-mannschen Vorschl\u00e4ge schliefslich nicht stehen bleiben, sondern einen herrlichen Ausblick auf die Domth\u00fcrme von Westen her durch die Kaiserstrafse schaffen m\u00f6ge, ist in K\u00f6ln ein allgemeiner. Es m\u00f6ge gestattet sein, auch an dieser Stelle jenem Wunsche, zu dessen Erf\u00fcllung eine nochmalige Beth\u00e4tigung der kaiserlichen Huld durch\nBezeichnungen:\nX.\tVo rbereitungs -z immer. 73. Chemischer Arbeitsplatz. 75. Wandtisch. 76. Gossenstein. 77. Schrank. \u2014\nXI.\tOperationszimmer. 78. Tisch, auf Schienen beweglich. 79.\nFenstertisch. 80. Schrank. \u2014 XII. Chemische Sammlung. 81. Schrank f\u00fcr Zeichnungen. 82. Fenstertisch. \u2014 XIII. Demonstrationssaal. 83. Zwei Tische. 84. Schrank. \u2014 XIY. Instrumen-ten-Sammlnng.\n86. Grosser Tisch. 87. Tisch. 88. Zwei Schr\u00e4nke. 89. Drei\nBezeichnungen:\nI. Chemisches Laboratorium. 1. Drei lOpl\u00e4tzige Arbeitstische mit Regalen. 2. Acht Fensterpl\u00e4tze mit Regalen. 3. zweipl\u00e4tziger Arbeitstisch. 4. Sechs Abdampfnischen. 5. Schrank. 6. Repositur. \u2014 II. Physiologisches Labo -ratorium. 9. Zwei lOpl\u00e4tzige Arbeitstische f\u00fcr mikroskopische Arbeiten. 10. Zwei Arbeitstische f\u00fcr physiologische Arbeiten. 11. Drei Tische. 12. Drei Tische. 13. Schrank. 14. Kleine Etagere. 15. Tritt aus Gufseisen f\u00fcr 80 Zuh\u00f6rer. 17. Froschkasten. \u2014 111. Laboratorium des Directors und des Assistenten. 17. Drei chemische Arbeitspl\u00e4tze. 18. Zwei Ab-\nGrundrifs vom Erdgeschofs.\nPhysiologisches Institut f\u00fcr die Universit\u00e4t Marburg.\nDoppelschr\u00e4nke. \u2014 XV. Mikroskopir-Zimmer. 90. Zwei Tische. 91. Schrank. 92. Schrank. 93. Gossenstein. 94. Etagere. \u2014.XVI. Bibliothek-Zimmer. 96. Grosser Tisch. 97. B\u00fccherschrank. \u2014 XVII. Arbeits- u. Sprechzimmer des Directors. 98. Grofser Schreibtisch. 99. Arbeitssessel. 100. Sopha. 102. Sophatisch. 103. Kleiderspind. 104. B\u00fccherspind. 105. Fenster-tisch. 106. Zwei Acten-st\u00e4nder. 107. Waschtisch. 108. Wandschr\u00e4nkchen.\ndampfnischen. 19. Steintisch f\u00fcr Verbrennungen. 20. Gossenstein. 21. Tisch. 22. Schrank. \u2014IV.Optisches Zimmer. 25. Tisch. 26. Grofser Tisch. 27. Zwei Schr\u00e4nke. \u2014 V. D e s t i 1-lir-Raum. 31. Zwei Tische. 32. Grofser Tisch. 33. Abdampfnische.\n34.\tZwei Gossensteine.\n35.\tRepositur. 36. Gl\u00fchofen. 37. Dampfbad. 39. Kleiner Tisch.\n\u2014\tVI. Schwefelwasserstoffraum.\n47. Abdampfnische. 48. Tisch. \u2014 VII. Waagen-z i m m e r. 50. Zwei Steintische. 51. Tisch. 52. Etagerentisch. 53. Schrank.\n\u2014\tVIII. Gl\u00fchraum. 60. Steintisch. 61. Verbrennungstisch.\n62. Gossenstein. 67. Schrank.\nDombauvereins an entscheidender Stelle fanden indes ihre Beantwortung dahin, dafs der vom Unterzeichneten aufgestellte urspr\u00fcngliche Freilegungsplan die Allerh\u00f6chste Genehmigung erfahren habe und mit den Mitteln der bewilligten Lotterieen zur Ausf\u00fchrung zu bringen sei. Mehrere aufser dem Domhotel erforderliche Grundst\u00fccke sind infolge dessen vor kurzem erworben worden; und auch \u00fcber die Niederlegung des neuen Gasthofs soll gegen Austausch des erw\u00e4hnten, vorher zu r\u00e4umenden fiscalisehen Grundst\u00fccks ein Einverst\u00e4ndnis mit den Besitzern erzielt sein. Die erweiterte S\u00fcdfreilegung d\u00fcrfte somit in -wenigen Jahren zur Wirklichkeit geworden sein.\nEs ist indes die Meinung verbreitet, die aus den vier Lotterieen fliefsenden Geldmittel, welche voraussichtlich ungef\u00e4hr zwei Millionen Mark betragen, w\u00fcrden durch die S\u00fcdfreilegung nicht ersch\u00f6pft werden. F\u00fcr diesen wahrscheinlichen Fall ist sicherem Vernehmen nach h\u00f6heren Orts die Ausf\u00fchrung des Heimannschen Vorschlages derart in Aussicht genommen, dafs dadurch die breitere Anfangsstrecke der \u00bbKaiserstrafse\u201c vom Domkloster bis zu der auf der\nBewilligung weiterer Lotterieen zu erbitten w\u00e4re, von ganzem Herzen Ausdruck zu geben.\nHand in Hand mit den Bestrebungen des Centraldombauvereins zur Freilegung des erhabenen Gotteshauses -gehen \u00fcbrigens gegenw\u00e4rtig die Anstrengungen der Stadt, die geschaffene freie Umgebung zu versch\u00f6nern. F\u00fcr die Regelung, planm\u00e4fsige Anlage und Bepflanzung des Domhofs, dessen unw\u00fcrdiger Zustand jahrelang Einheimischen und Fremden Aerger bereitet hat, sind seitens der st\u00e4dtischen Vertretung die vom Unterzeichneten geforderten Mittel im Betrage von ungef\u00e4hr 190 000 Mark bewilligt worden. Die Arbeiten werden, nachdem in den j\u00fcngsten Tagen die bei der gesetzm\u00e4fsigen Offenlegung des Planes erhobenen Einspr\u00fcche in oberster Instanz abgelehnt worden sind, in B\u00e4lde in Angriff genommen werden, sodafs das n\u00e4chste Jahr den in K\u00f6ln sich versammelnden deutschen Architekten und Ingenieuren der Dom hoffentlich in einer freundlicheren Umrahmung zeigen wird, als man ihn bis dahin zu sehen gewohnt war.\tJ. St\u00fcbben.\nHeubau eines physiologischen Institutes f\u00fcr die Uniyersit\u00e4t Marburg.\nDie Wissenschaft der Physiologie oder Lehre von den Lebenserscheinungen zerf\u00e4llt bekanntlich in zwei Abtheilungen: die anato-\nmische oder experimentelle und die chemische Physiologie. Die letztere ist j\u00fcngeren Ursprungs, sie hat ihren Hauptvertreter in dem","page":428},{"file":"p0429.txt","language":"de","ocr_de":"h\\ 45.\nCentralblatt der Bauverwaltung.\n429\nzeitigen Leiter des physiologischen Instituts in Marburg, der seine auf neuem Gebiete bahnbrechenden Forschungen in g\u00e4nzlich unzul\u00e4nglichen, der Wichtigkeit der Sache in keiner Weise entsprechenden R\u00e4umlichkeiten auszuf\u00fchrcn gen\u00f6thigt gewesen ist. Der Neubau, von dem die beigegebenen Holzschnitte eine Anschauung geben, ber\u00fccksichtigt deshalb in h\u00f6herem Mafse als seine Vorg\u00e4nger diesen Sonderzweig der Wissenschaft, und bietet namentlich Gelegenheit, die Studi-renden selbst zu physiologisch-chemischen Arbeiten in gr\u00f6fserer Zahl praktisch anzuleiten.\nDer zur Verf\u00fcgung stehende Bauplatz liegt an der S\u00fcdseite der Elisabethkirche, von derselben durch den Kirchgarten und die schmale, nach dem Deutschhaushofe f\u00fchrende Strafse getrennt. Der Neubau wurde an der Nordgrenze des Grundst\u00fcckes hart an die Deutsch-hausstrafse ger\u00fcckt, weil zur Zeit des Baubeginnes die inzwischen wieder aufgegebene Absicht vorlag, zwischen dem physiologischen Institut und der chirurgischen Klinik noch das pathologische Institut zu errichten. Von der Ostgrenze bleibt der Neubau 4,0 m zur\u00fcck. Der Nachbar ist vertragsm\u00e4fsig verpflichtet, bei etwaiger Bebauung seines Grundst\u00fccks den gleichen Abstand einzuhalten.\nDie Grundrifs- und Aufrifsskizzen f\u00fcr den vorliegenden Neubau sind\nzimmer), ein Zimmer f\u00fcr feine Waagen, zugleich zur Aufstellung f\u00fcr feine K\u00f6rperwaagen und Luftpumpen, ein Destillirraum, ein Schwefel-wasserstoffraum, ein Laboratorium f\u00fcr den Director und den chemischen Assistenten; 2) die physiologisch-anatomische Abtlieilung, und zwar ein Arbeitssaal f\u00fcr physiologische Thierversuche, ein sog. optisches, mit Verdunklungsvorrichtung versehenes Zimmer, in welchem Spectral-apparat, Spectrophotometer, Heliostat, Polarisationsapparate und dergl. zu st\u00e4ndiger Benutzung aufgestellt sind. Als Kleiderablage dient der durch Glasabschl\u00fcsse abgetrennte Vorraum vor dem physiologischen Arbeitssaal. Diese R\u00e4ume umschliefsen das inmitten des Baues angeordnete Treppenhaus, welches haupts\u00e4chlich durch ein seitliches Fenster und durch Oberlicht beleuchtet wird.\nIm I. Stockwerk liegt im Ostbau der H\u00f6rsaal f\u00fcr 100 Zuh\u00f6rer, beleuchtet mit hohem Seitenlicht, ausgestattot mit Gest\u00fchl und Lehrpult. Die R\u00fcckwand hinter dem Lehrstuhl ist zum Auf heften von Zeichnungen get\u00e4felt und enth\u00e4lt eine Nische f\u00fcr chemische Arbeiten, welche zugleich die Verbindung mit dem anstofsenden Vorbereitungszimmer bildet. Vor der Oeffnung werden drei Wandtafeln, eine schwarze, eine matte Glastafel auf Polsterung (sogen. Lucaesche Tafel) und eine weifse zur Auffangung mikroskopisch vergr\u00f6fserter\nrr\nIx-V-sVf <\n(, VK 'H '\n\u25a0j ,**\u00ab vrfS\u00bb uw fp to\nHolzstich von O. Ebel, Berlin\n20\nr30m-\nPhysiologisches Institut in Marburg.\nim Ministerium der \u00f6ffentlichen Arbeiten entworfen; der Raumbedarfs-Nachweisung des Institutsdirectors wird wie folgt Rechnung getragen:\nIn dem durchweg ausgebauten Kellergeschosse befinden sich aufscr den Vorrathsr\u00e4umen f\u00fcr Chemiealien und Glas noch das Gas-und Quecksilberzimmer, das Krystallisationszimmer, zugleich zur Aufstellung der Eisschr\u00e4nke dienend, und ein Raum f\u00fcr schmierige Arbeiten; diese R\u00e4ume liegen im westlichen Theile des Instituts und sind durch eine besondere Treppe mit den R\u00e4umen f\u00fcr chemische Arbeiten im Erdgeschofs verbunden. Eine mechanische Werkstatt mit Raum zur Aufstellung eines Gasmotors (von 4 Pferdekr\u00e4ften) der Centrifuge und der Maschine f\u00fcr elektrisches Licht liegt an der Nordseite im Mittelbau. Stallungen f\u00fcr Hunde, Kaninchen, Katzen und Meerschweinchen, sowie f\u00fcr Fr\u00f6sche und andere Kaltbl\u00fcter sind im s\u00fcdlichen Ausbau untergebracht. Eine Dienerwohnung liegt am Ostgiebel, Aborte in unmittelbarer N\u00e4he des Treppenhauses und zwei R\u00e4ume f\u00fcr die Sammelheizung mit dem nothwendigen Raume f\u00fcr Brennstoffe an zwei verschiedenen Stellen des Grundrisses im \u00f6stlichen und im Mittelbau. Davon dient der eine als Luftheizkammer zur Vorw\u00e4rmung der frischen Luft, der andere als Kesselraum f\u00fcr die Niederdruckdampfheizung. Da diese R\u00e4ume zur Befriedigung aller Bed\u00fcrfnisse nur knapp gen\u00fcgen, so ist der Bau eines Hofgeb\u00e4udes in Verbindung mit einem Eiskeller noch in Aussicht genommen.\nIm Erdgeschofs liegen 1) die Arbeitsr\u00e4ume der physiologischchemischen Abtheilung, und zwar ein chemischer Arbeitssaal f\u00fcr 38 Arbeitspl\u00e4tze, ein Zimmer f\u00fcr Elementar-Analysen (Verbrennungs-\nBilder, angebracht. Der Reflector wird auf einer Plattform aufgestellt, welche durch Zusammenlegen von drei neben- und ebensoviel hintereinander liegenden Sitzpl\u00e4tzen gegen\u00fcber der Mitte des Lehrpultes gebildet wird. Aufserdem sind s\u00e4mtliche Fenster mit Verdunklungsvorrichtungen versehen, die mittels hydraulischen Druckes gehandhabt werden. Aufser der allgemeinen Gasbeleuchtung ist f\u00fcr den H\u00f6rsaal elektrische Beleuchtung vorgesehen.\nDurch das Vorbereitungszimmer ist das Operationszimmer, in dem sowohl Thiere f\u00fcr die Vorlesung wie f\u00fcr die wissenschaftlichen Untersuchungen operirt, als auch operirte Thiere beobachtet werden k\u00f6nnen, und andererseits vom H\u00f6rsaal unmittelbar der Demonstrations-Saal zug\u00e4nglich. Ferner sind vorhanden ein Zimmer f\u00fcr die chemische Sammlung, ein Saal f\u00fcr die Instrumenten-Sammlung, in welchem besonders die gr\u00f6fseren, schwer beweglichen Apparate benutzt und von den Zuh\u00f6rern besichtigt werden, ein Mikroskopirzimmer f\u00fcr den Director und den Assistenten f\u00fcr mikroskopische Arbeiten (an der Nordseite), daneben ein Zimmer f\u00fcr die Bibliothek und ein Zimmer f\u00fcr den Director, welches zugleich als Pr\u00fcfungszimmer dient und auch von der Dienstwohnung des Directors aus zug\u00e4nglich ist.\nIm Dachgeschofs sind, durch eine steinerne Treppe zug\u00e4nglich, die Wohnung f\u00fcr den Assistenten und R\u00e4ume f\u00fcr Institutszwecke, ein Zeichenzimmer, ein Pflanzenbaus, ein Raum zur Herstellung von Photographieen usw., letztere im Ost- und Westgiebel untergebracht.\nDas durch das Treppenhaus mit dem Institut verbundene Wohn-","page":429},{"file":"p0430.txt","language":"de","ocr_de":"430\nCentralblatt der Bauverwaltung.\n5. November 1887.\ngeb\u00e4ude des Directors enth\u00e4lt im Kellergeschofs Wirtlischaftsr\u00fcume, im Erdgeschofs und I. Stockwerk zusammen 7 Wohn- und Schlafr\u00e4ume, aufserdem K\u00fcche und Nebengelafs, endlich im Dachgeschofs noch einige Schlaf kammern.\nDas Geb\u00e4ude ist im wesentlichen feuersicher mit Steinw\u00f6lbungen ausgef\u00fchrt, nur die Dach-Balkenlage des Instituts und die Balkenlagen im Erdgeschofs und I. Stockwerk des Wohngeb\u00e4udes sowie die Dachst\u00fchle sind in Holz hergestellt worden. Das gesamte Kellergeschofs wird mit flachen Kappen aus Backsteinen \u00fcberdeckt, das Erdgeschofs des Instituts mit tiefen Tonnen- und Kreuzgew\u00f6lben aus rheinischen Tuffschwemmsteinen gew\u00f6lbt.\nDie Stockwerksh\u00f6hen im Institute betragen: im Kellergeschofs = 3,5 m, im Erdgeschofs = 5,0 m, im I. Stockwerk = 5,0 m, jedoch ist der H\u00f6rsaal von Fufsboden zu Fufsboden 7,0 m hoch; im Wohn-hause ist das Kellergeschofs 3,0, Erdgeschofs und I. Stockwerk je 4,10 m hoch.\nDas Geb\u00e4ude ist in den Formen der fr\u00fchen G'othik ausgef\u00fchrt. S\u00e4mtliche Ansichtsfl\u00e4chen sind in hellem, vorz\u00fcglich wetterbest\u00e4ndigem Sandstein hergestellt, demselben Gestein, welches vor mehr als 600 Jahren zu der gegen\u00fcberstehenden Elisabethkirche verwendet worden ist. Die Dachdeckung besteht aus deutscher Schieferung auf Schalung, Kehlen und Giebelanschl\u00fcsse sind sorgf\u00e4ltig ausgeschiefert.\nDer innere Ausbau ist ein durchweg einfacher, aber dauerhafter, Treppenhaus und H\u00f6rsaal erhalten eine bessere Ausschm\u00fcckung. Fufsboden und Th\u00fcren werden aus bestem ostpreufsischen Kiefernholz, die Fenster aus Eichenholz hergestellt. Wasser- und Gasleitung sind an die bestehenden st\u00e4dtischen Leitungen angeschlossen. Die Aborteinrichtung wird nach dem Heidelberger Tonnensystem ausgef\u00fchrt.\nDie Heizung des Institutsgeb\u00e4udes ist eine vereinigte Luft- und Dampfniederdruckheizung. In einigen Ausnahmef\u00e4llen, z. B. bei dem Schwefelwasserstoffraum und dem Gl\u00fch- und Waageraum, wird die frische Luft unmittelbar aus dem Freien bezw. aus einem ungeheizten Treppenhause entnommen, im \u00fcbrigen wird dieselbe in der im Kellergeschofs angelegten Luftheizkammer erw\u00e4rmt und dem Treppenhause zugef\u00fchrt, welchem sie eine W\u00e4rme von 12\u00b0 C. mittheilt. Die R\u00e4ume erhalten in Mauernischen aufgestellte Dampfheizk\u00f6rper. Es werden dadurch kleine Heizkammern in der Wandst\u00e4rke\ngebildet und so eine leichte Regelung der W\u00e4rme sowie des Luftwechsels erm\u00f6glicht.\nDie Versorgung der Heizk\u00f6rper mit Dampf erfolgt durch drei Niederdruck-Dampfkessel mit offenem Standrohr; dieselben sind alle unter sich verbunden. Da je zwei f\u00fcr den Betrieb ausreichen, bleibt stets ein Kessel zur Aush\u00fclfe \u00fcbrig. Die Entnahme der frischen Luft erfolgt an der mit Gartenanlagen umgebenen S\u00fcdseite des Geb\u00e4udes durch ein Kellerfenster, hinter welchem ein Raum zur Aufstellung eines Luftfilters angeordnet ist. Der Feuerluftheizofen wird nach der Erfindung von E. Sturm in W\u00fcrzburg ausgef\u00fchrt, welchem auch die Ausf\u00fchrung der ganzen Sammelheizung \u00fcbertragen ist.\nDie Abf\u00fchrung der verbrauchten Luft geschieht durch die in den Mauern befindlichen und einzeln bis \u00fcber Dach gef\u00fchrten Rohre, welche mit Luftsaugern nach Huber in K\u00f6ln versehen sind. Die mit ebensolchen Luftsaugern versehenen Abf\u00fchrungsrohre aus den Abdampfnischen in den Laboratorien usw. erhalten an der unteren M\u00fcndung noch je eine Gaslockflamme.\nDie Gr\u00fcndung des Geb\u00e4udes erforderte einen Kostenaufwand von 30 800 Mark. Ein Baugrund von zweifelloser Tragf\u00e4higkeit (grober Kies) fand sich erst in einer Tiefe von 7,0 m. Dar\u00fcber lagerte eine 2,5 m hohe Triebsandschicht. Die Umfassungsmauern sind mittels Beton-Gr\u00fcndung zwischen Spundw\u00e4nden bis auf die Kiesschicht hinabgef\u00fchrt worden. Nachdem der Triebsand durch die Umfassungsw\u00e4nde eingeschlossen und am Ausweichen verhindert war, konnte er zum Tragen der Scheidew\u00e4nde unbedenklich herangezogen werden.\nDie Ausf\u00fchrung ist im November 1885 begonnen; bis zum April 1887 konnte der Bau unter Dach gebracht werden. Die Fertigstellung des gesamten Neubaues rvird im Herbst 1888 erfolgen. Die Baukosten betragen mit Aussehlufs der Gr\u00fcndung; 245 000 Mark, sodafs bei 784,4 qm bebauter Grundfl\u00e4che des in seinen einzelnen Theilen sehr verschieden hohen, dreigeschossigen Geb\u00e4udes 312,34 Mark auf 1 qm entfallen.\nDie innere Ausstattung besteht fast durchg\u00e4ngig aus neuen Einrichtungsgegenst\u00e4nden, deren Kosten auf 38000 Mark veranschlagt sind.\nDie Bauausf\u00fchrung liegt dem Universit\u00e4ts-Architekten, K\u00f6niglichen Kreis-Bauinspector Wentzel, die besondere Bauleitung dem K\u00f6niglichen Regierungs-Baumeister Z\u00f6lffel ob, welcher bereits bei Bearbeitung s\u00e4mtlicher Vorarbeiten mitgewirkt hat.\nPreisbewegung um den Entwurf einer festen Strafsenbriicke \u00fcber den Neckar bei\nMannheim*\nDie Kettenbr\u00fccke \u00fcber den Neckar bei Mannheim wurde in den Jahren 1842 bis 1845 nach dem Entw\u00fcrfe und unter der Oberleitung des Bauraths Wendelstadt in Hannover erbaut. Es d\u00fcrfte f\u00fcr das jetzt lebende Geschlecht der Fachgenossen von Interesse sein, zu erfahren, dafs an der Bearbeitung des Entwurfs einer unserer bew\u00e4hrtesten Altmeister, der Geheime Ober-Baurath Funk, theil-genommen hat. Die Br\u00fccke hat eine Gesamtbreite von 9 m, von welcher 5,35 m auf die Fahrbahn entfallen; sie \u00fcberspannt eine Mittel\u00f6ft\u2019nung von 85,4 m und zwei Seiten\u00f6ffnungen von je 42,7 m Lichtweite, wobei jede der letzteren eine halbe Kette in bekannter Weise zeigt. Die Tragkette ist aus zwei Einzelketten gebildet, welche durch Diagonalen zu einem steifen Bogen verbunden sind; die Fahrbahn ist am Bogen durch Verticale aufgeh\u00e4ngt.\nDiese Kettenbr\u00fccke soll nach noch nicht f\u00fcnfzigj\u00e4hrigem Bestehen durch eine feste Strafsenbr\u00fceke ersetzt werden. Man k\u00f6nnte leicht auf den Gedanken kommen, dafs Unvollkommenheiten an der Trag-construction die Ursachen des Neubaues seien, und dadurch in der f\u00fcr die Ketten- bezw. H\u00e4ngebr\u00fccken ung\u00fcnstigen Ansicht best\u00e4rkt werden, welche zur Zeit bei uns die herrschende ist. In dem vorliegenden Falle w\u00e4re dieser Schlufs ungerechtfertigt. Wenn auch die Br\u00fccke, welche ja zu einer Zeit entstand, in welcher die Kunst des Br\u00fcckenbaues bei uns noch in den Kinderschuhen war, nicht auf der gleichen H\u00f6he steht, wie viele, ja die meisten neueren Br\u00fcckenbauten, so ist doch ausdr\u00fccklich zu bemerken, dafs der Umbau jedenfalls nicht vorwiegend durch den Zustand der Kettenbr\u00fccke veranlafst wird. Derselbe ist vielmehr dadurch noth-wendig geworden, dafs die Flufssohle sich seit der Zeit des Baues der Kettenbr\u00fccke um etwa 3 m gesenkt hat. W\u00e4hrend dieselbe im Jahre 1841 am eigentlichen Flufspfeiler die H\u00f6he +3,0 am neuen Neckarpegel hatte, weist sie jetzt in der Haupt- und linken Seiten\u00f6ffnung im Mittel die H\u00f6he jh 0 a. P. auf. Da aber die Fundamentsohle der Pfeiler seinerzeit nahezu auf Null a. P. gelegt ist (die Unterkante der Spundw\u00e4nde liegt bei \u2014 1,0 a. P.), so waren ausgedehnte Arbeiten (Steinsch\u00fcttungen und dergl.) zur Sicherung der Fundamente nothwendig, wodurch die Durchflufs\u00f6ffnung in unliebsamer Weise verengt wurde. Den vorerw\u00e4hnten Umst\u00e4nden ist es haupts\u00e4chlich zuzuschreiben, dafs ein Neubau der Br\u00fccke vorgenommen wird. Dabei erstrebt man naturgem\u00e4fs auch eine Verbrei-\nterung sowohl der Fahrwege wie Fufswege der Br\u00fccke, da dieselbe heute ja einem wesentlich gr\u00f6fseren Verkehr zu dienen hat, als zur Zeit des Baues mit irgend welcher Wahrscheinlichkeit vorauszusehen war.\nDie im Mai dieses Jahres er\u00f6ffnete Preisbewerbung schreibt denn auch f\u00fcr die neue Br\u00fccke wesentlich gr\u00f6fsere Breiten vor, als die alte Br\u00fccke hat. Die Fahrbahnbreite soll mindestens 10 m, die beiderseits der Fahrbahn anzulegenden Gehwege sollen je 3,5 m im lichten breit sein. Die L\u00e4nge der neuen Br\u00fccke wird durch die bestehenden beiderseitigen Landfesten bestimmt, deren Entfernung, in der Br\u00fcckenachse gemessen, 185,6 m betr\u00e4gt; die Mittelpfeiler haben zur Zeit eine Breite von 7,4 m. Es war den Bewerbern \u00fcberlassen, ob sie die alten Pfeiler und Landfesten beibehalten und verl\u00e4ngern, oder neue Pfeiler und Landfesten anlegen wollten; jedoch durfte die Gesamt-Durchflufs\u00f6ffnung der neuen Br\u00fccke nicht kleiner werden, als die der alten ist. Jedenfalls sollten, falls die alten Pfeiler und Landfesten beibehalten w\u00fcrden, die Fundamente bis auf verschiedene Tiefen hinab zuverl\u00e4ssig gegen Untersp\u00fclung gesch\u00fctzt werden. Diese Tiefen, welche auch die Fundamentsohlen der etwa zu entwerfenden neuen Pfeiler und Landfesten sein sollten, wurden vorgeschrieben f\u00fcr die Landfesten auf \u2014 2,0, f\u00fcr den linken (eigentlichen Flufs-) Pfeiler auf \u20145,0, f\u00fcr den rechten (Vorland-) Pfeiler auf \u20143,0 am neuen Neckarpegel, dessen Nullpunkt bei +84,94 Amsterdamer Pegel liegt. Da jedoch am Vorkopf des Strompfeilers ein Theil der Spundwand im Jahre 1880 zerst\u00f6rt worden ist, so war die Vornahme umfangreicher Rammarbeiten an diesem Pfeiler als unstatthaft erkl\u00e4rt worden.\nDie H\u00f6henlage der Br\u00fccke ist durch die Hochwasserverh\u00e4ltnisse des Neckars und die H\u00f6he der Zufahrtstrafsen bestimmt. Das Hochwasser im Jahre 1882 erreichte die H\u00f6he + 10,162 a. P. und es wurde demnach vorgeschrieben, dafs kein Theil des Ueberbaues unter + 11,8 a. P. liegen d\u00fcrfe. Da weiter die Fahrbahn der bisherigen Br\u00fccke auf + 12,86 a. P. liegt und eine gr\u00f6fsere Hebung derselben ausgeschlossen ist, so war nur eine geringe Constructionsh\u00f6he vorhanden. Die Anordnung einer Br\u00fccke mit unter der Fahrbahn liegenden Tr\u00e4gern (Bogentr\u00e4ger usw.) war ausgeschlossen. Eine die Entwurfsverfassung besonders erschwerende Bedingung ist ferner noch die, dafs w\u00e4hrend der Monate December, Januar und Februar","page":430}],"identifier":"lit8048","issued":"1887","language":"de","pages":"428-430","startpages":"428","title":"Neubau eines physiologischen Institutes f\u00fcr die Universit\u00e4t Marburg","type":"Journal Article","volume":"7"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:15:34.107741+00:00"}

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